Sonntag, 20. Januar 2019

Viele Kühe machen ...

Wel­come, gu­ten Tag, bon­jour ... auf den Blog­­seiten, die in der Dol­­­­met­­­­scher­­­ka­bi­ne und am Übersetzer­­schreibtisch entstehen. Ich arbeite in den Be­rei­chen Po­li­tik, Kul­tur, Wirt­­­schaft und So­ziales. Meine Arbeits­­sprachen sind Deutsch, Fran­zö­sisch (Ausgangs- und Ziel­­­spra­che) und Englisch (über­wiegend Aus­­gangs­­­spra­che). 

Vokabelzettel mit kombinierter Zeichnung: Kuh, Weide, Stall ...
Lernmaterial und Spickettel zugleich
Weiter mit Agrar­the­men: Wel­chen Stel­len­wert hat Bo­den­ge­sund­heit in der heu­ti­gen Agrar­po­li­tik? Einen zu ge­rin­gen. Wie leben junge Men­schen im länd­li­chen Raum? Was pas­siert bei der Hof­über­gabe? Hat die An­bin­de­hal­tung bei Kühen eine Zukunft? Was hilft gegen Eu­ter­ent­zün­dung? Was sind die un­ter­schied­li­chen Füt­te­rungs­ar­ten?

Beim Vorbereiten ver­ste­he ich das al­les, was ich lese.

Das Ganze auf Fran­zö­­sisch zu wie­der­ho­len, ist aber eine andere Sache. La san­té des sols, le transfert inter­gé­né­ration­nel des exploi­tations, la mammite, les méthodes d'ali­men­tation ...

Bei der "Anbinde­hal­tung" wird es richtig schwie­rig. Auch Wörter wie kal­ben, das Trocken­stellen einer Kuh oder Färse gehören nicht unbe­dingt zu meinem aktiven Wort­schatz.

Tiervokabular, gezeichnete Kuh und Stall
Noch "nur" ein Notizblatt
Ich suche und lese. Ich lese Dokumente aus Frankreich über art­gerechte Haltung, fülle Lücken auf mit einer Einlei­tung in die Milch­wirt­schaft, die an Bauern aus ärmeren Ländern gerichtet ist (Quelle: siehe unten).

Diese finde ich nicht "ein­fach so" im Netz, denn nicht alle PDF-Doku­mente werden von den Such­ma­schinen er­fasst. Ich durfte länger suchen.

Und ich fand die Be­griffe. Beim Lesen ist übr­igens was Ko­misches pas­siert. Meine Ge­­dan­­ken haben sich verselb­stän­digt. Hier als bearbeitete Rohübersetzung, was mich inspi­riert hat: "Die wachsende Nach­frage treibt die Prei­se für Milch in vielen Län­dern in die Höhe. Sie ermöglicht es Land­wirten, ihr Ein­kom­­men zu verbessern, indem sie die Milch­pro­duktion aufnehmen. Es ist oft eine wirtschaft­lich viel­ver­spre­chen­de Tä­tig­keit, aber Kuh­haltung ist arbeits­in­ten­siv, 365 Tage im Jahr!

Zudem sind die Kuh­preise hoch, Kühe sind empfind­liche Tiere, Milch ist kein halt­ba­res Produkt. Wir müssen uns der Risiken bewusst sein. Stich­wort  In­ves­ti­tions­­sicherheit: Kühe sind eine wichtige Investi­tion, die im Falle von Krank­heit oder Dieb­stahl leicht verloren geht. Das Produkt Milch ist leicht ver­derb­lich, wenn sie nicht in gutem Zu­stand verarbeitet oder gela­gert wird. Spä­ter kann sie nicht mehr ver­kauft werden."

In mei­nem Kopf läuft ein Film ab. Sonst würde ich jetzt normaler­weise intensiv die Ber­linale vor­be­reiten. Da dort seit einigen Jahren fast nur noch Englisch ge­spro­chen wird (oder Globish), sa­ßen wir Profis dieser Tage zu­hause und haben uns statt­dessen auf die Grüne Wo­che vorbe­reitet. Ich sehe vor meinem geis­tigen Auge: Irgendwo in einem wirt­schaft­lich weniger entwickelten Land dieser Welt hört ein kleiner Junge von un­glaub­lichen Preisen, die er für das "weiße Gold" verlan­gen könnte. Die Mut­ter ist krank, der Va­ter lebt nicht mehr, er hat das Geld der Oma um­ge­setzt in ... und nun lauern die Gefah­ren ... Der Film könnte tat­sächlich in al­len Sek­tio­nen laufen und in den verschiedens­ten Ästhetiken gedreht sein.

Vokabelliste: Von einer Din-A-4-Seite zu acht Seiten
Liste, wie haste dir verändert!
Was bewirkt Kino? Was bewirkt Kunst? Wie kann jede(r) von uns an Än­de­run­gen mitwirken? Am Ende des  Films verlas­sen jeden­falls alle das Kino, um eine Erfah­rung und viel­leicht auch das Ge­fühl der Läu­te­­rung be­rei­chert. Zu ge­rechte­ren und klügeren Men­­schen macht es we­der Zu­schau­er noch Kino­­branche.

Derzeit ändern weder das Kino noch das Arbeiten im Feld der Sprache etwas am Lauf der Welt. Dafür än­dert die Zeit uns. Wir werden er­fah­rener, reifer, man­che radi­ka­ler, und die Wör­ter­listen werden länger.

Vor vielen Jah­ren haben wir als Team fürs European Milk Board gedol­metscht, bei großen Meetings auf der Grünen Woche. Die Liste oben rechts ist schon die Kurz­fas­sung, die Langfassung passte nicht aufs Foto (ein Drittel länger). In diesem Jahr bin ich in den Hin­ter­zim­mern oder auf der Ver­an­stal­tungs­büh­ne un­ter­wegs.

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Il­lus­tra­tionen: C.E., ange­regt von der
Quelle des Zi­tats: Série Agrodok No. 14,
L’élevage de vaches lai­tières, Fondation
Agromisa et CTA, Wage­ningen, 2008.

Freitag, 18. Januar 2019

Museum der Wörter 22

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Heute im Wörtermuseum: Der Neueintrag ins Englischwörterbuch!
            
      t
o brexit ['breksɪt] — einen Abschied wiederholt       ankündigen, trotzdem bleiben. Deutsch: seehofern

   
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Idee: H.F.

Donnerstag, 17. Januar 2019

Flächenstörung

Fran­zö­sisch­dol­met­scher und Fran­zö­sisch­über­setzer gibt es wie Sand am Meer, so jedenfalls das Pub­li­kum. Und in we­ni­gen Jahren über­nimmt ohnehin das Di­gi­tale diese Auf­ga­ben, auch das ist an al­len Ecken und En­den zu hö­ren. Aber so ein­fach ist es nicht. Dol­met­schen und Über­setzen ist Arbeit für Men­schen, für Pro­fis und die beste tech­ni­sche Aus­stat­tung ist nur die Grund­lage — manch­mal auch Dick­köpf­ig­keit.

Die Finanz­fach­leute so: Könnten Sie nicht Kosten ein­spa­ren? Zum Bei­spiel in Sa­chen Tele­fonie/Internet?

Altes Wählscheibentelefon
Kids von heute kennen das Gerät nicht
Mei­ne Mei­nung: Was kann ich spa­ren? 240 Eu­ro pro Jahr? Vor al­lem an­de­ren brau­che ich zu­ver­läs­si­ge Ar­beits­mit­tel.

Und dann das hier: Nach 3,5 Stun­den "Flä­chen­stö­rung" der Te­le­kom ist das In­ter­net am Nach­mit­tag wie­der ein­satz­be­reit.

Lie­be Nach­barn im Be­reich des May­bach­ufers (ei­ner der ärms­ten Ge­gen­den Ber­lins), Ihr dürft ger­ne Dan­ke sa­gen. Als Ge­schäfts­kun­din konnte ich et­was Druck ma­chen. Ein Tech­ni­ker hat eben ein Bau­teil ir­gend­wo in der Nä­he "hän­disch" aus­ge­tauscht. Sonst wä­re das Inter­net erst ir­gend­wann heu­te Abend oder in der Nacht wie­der nutz­bar ge­wor­den!


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Foto: C.E. (Archiv)

Auf dem Schreibtisch XXXXVIII

Guten Tag oder gu­ten Abend! Hier bloggt im zwölften Jahr eine Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin. Dabei arbeite ich (aktiv und passiv) mit Deutsch und Fran­­zö­­sisch sowie (nur passiv, also als Ausgangs­spra­che) mit Englisch. Dort, wo mich meine Kunden brauchen, bin ich dann meis­tens auch tätig: Köln, Berlin, München, Lyon, Straß­burg, Pa­ris ... um nur einige Beispiele zu nennen. 

Notizpapier, Füller
Vokabeln suchen, Notizpapier bereitlegen
Heute wie­der den Blick auf den Schreib­tisch: Die Kuh ist ein Weidetier, la vache est un animal de prairie, steht in einem Do­ku­ment. Wei­ter im Text: "Hat die ganzjährige An­bin­de­hal­tung eine Zukunft?" Das Wort "An­bin­de­hal­tung" steht in kei­nem Wörter­buch. Nach langem Suchen finde ich eine Ent­spre­chung, l'attache oder l'entrave permanente. 
Mehr dazu folgt hier bald.

Andere Themen: Au­to­un­falls­scha­dens­be­richt. Kühl­wasser, Ventilation des Motors, Zylin­der­kopf­dich­tung (joint de culasse) und Fahrzeugverdeck. Für mich sind das kei­ne Alltagsvokabeln.

Ausweis des Clubs von Unifrance auf der Berlinale 1991 / Internationale Filmfestspiele Berlin
Meine Doppelgängerin von vor einer Ewigkeit
Das gilt auch für die Be­rei­che Ju­gend­straf­recht,  Ur­he­ber­recht, Up­load­filter, Pro­ven­ienz­­for­schung (Kunst aus den frü­he­ren Ko­lo­nien, Rück­ga­be­de­batte) und KI, Künst­li­che In­tel­li­genz. Manches kommt hier zum wiederholten Male vor.

Last but not least Begriffe der Film­fi­nan­zierung aus Projekt­map­pen. Diese Wörter sitzen.
Sie wohnen schon lange im Langzeitge­dächtnis. Die Berlinale steht (fast schon) vor der Tür. 

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Fotos: C.E. und Unifrance (Archiv)

Mittwoch, 16. Januar 2019

Formelhaft

Bonjour, guten Tag, wel­come! Ges­tern Abend saß ich wie halb Eu­ro­pa vor dem Com­pu­ter und habe die De­bat­ten im bri­ti­schen Unter­haus live ver­folgt. Mir ist bang um unseren Kon­ti­nent — und die vorge­lagerte Insel. Dabei wur­de mir aber auch bewusst, wie formel­haft und dadurch auch merk­würdig vieles in unserem Alltag ist.

Ringe auf herzförmigem Porzellan
Licht und Schatten
Am Mor­gen da­nach die­se For­meln: "Die Stan­des­be­am­tin frag­te die Ehe­schlie­ßen­den, ob sich seit der An­mel­dung ih­rer Ehe­schlie­ßung Än­de­run­gen er­ge­ben ha­ben, die ih­re tat­säch­li­chen Ver­hält­nisse der Ehe­vor­aus­set­zun­gen be­tref­fen. Auf die Fra­ge des Stan­des­be­am­ten er­klär­ten die Ehe­schlie­ßen­den, dass kei­ne ent­spre­chen­den Än­de­run­gen ein­ge­tre­ten sind.

Alsdann fragte der Stan­des­be­amte die Ehe­schlie­ßen­den ein­zeln und nach­ein­an­der, ob sie die Ehe mit­ein­an­der ein­ge­hen woll­ten. Die Eheschlie­ßenden bejah­ten diese Fra­ge. Der Standes­be­am­te sprach aus, dass sie nun­mehr kraft Gesetzes recht­mäßig verbundene Ehe­leute seien."

Das war jetzt die Etappe "Ver­le­sung der Urkunde", die in der "Rin­ge­fir­ma", wie ei­ne lie­be Kol­le­gin den La­den nennt, auch zu dolmetschen ist.

Neulich war ich bei einer beson­deren Hochzeit zu Gast, da rief der zweitjüngste Hoch­zeits­gast, ein Anfänger in Sachen Selber­laufen, zwei Mal zu den abso­lut pas­sen­den Mo­men­ten: "Ja!" Das wird kei­ner von de­nen, die da­bei waren, je­mals ver­ges­sen!

Den zweit­hei­ters­ten Augenblick habe ich bei einer LGBT*-Hoch­zeit er­lebt: Bunt war es im Warte­­raum, hier die Fahne der schwul­les­bi­schen Be­wegung, dort bunte Haar­käm­me, aber auch Anzüge in ge­deckten Farben und bür­ger­liches Kos­tüm­chen samt Zuchtperlenkette, Hunde an der Leine, Kinder im Wagen waren dabei, also alle Schat­tierungen, die einem in Berlin so auf der Straße be­geg­nen können.

Schon vor der Hoch­zeit wurden die ersten Fla­schen mit bulles geköpft, das ist die­ses Ge­tränk mit Bläs­chen. Die Stim­mung stieg. Die Hochzeit davor dauerte etwas län­ger als geplant. Wir standen wenig später vor der Tür der (frühe­ren) Kapelle im Stan­des­amt Berlin-Ru­dow im Be­zirk Neu­kölln. Und nur ich wusste, welcher Art die Hoch­zeits­ge­sell­schaft war, die sich drinnen ver­sam­melt hat­te.

Um sicher zu sein, rechtzeitig an­zu­kom­men, war ich (wie üb­lich) mit Zeit­puffer dort ein­ge­lau­fen. Als ich den Raum betrat, war es im Warte­raum neben dem Trau­zim­mer sitt­sam ruhig gewesen: Alle schwarz ge­klei­det, wie bei einer Be­er­di­gung, sogar die kleinen Jungs im Anzug mit Fliege, nur die Braut blüten­weiß. Ich war die ein­zi­ge Frau im Raum ohne Kopf­tuch, drei Frau­en trugen sogar Schlei­er mit vergit­ter­tem "Augen­fenster".

Später dann die Ge­sichter, als die eine Hochzeits­ge­sell­schaft die Kapelle verließ und der anderen auf dem Vor­platz an der Trep­pe begegnet ist ... unbezahlbar.
Für solche Momente blogge ich hier.

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Foto: C.E. (Archiv)

Sonntag, 13. Januar 2019

Baukindergeld

Was Über­setzer und Dol­met­scher beschäf­tigt, können Sie hier mitlesen. Seit vie­len Jahren be­rich­te ich über den Beruf und meinen sprach­be­ton­ten Alltag. Sonntags werde ich privat: Sonn­tags­foto!

Elegante Kaffeetafel mit Silberleuchter, Kerzen, Keksen und Brot
Links: Dinkelbrot
"Wenn sich die Men­schen kei­ne Miet­woh­nung mehr leis­ten kön­nen, dann sollen Sie halt bau­en!" Das ist die Varia­tion des be­rühm­ten Kuchen­ens­sens­vor­schlags, der einst einer Kö­nigin zu­ge­schrie­ben wurde. Wir wis­sen, wie das für sie zu En­de ging.

Jetzt gibt es in Deutsch­land wie­der Bau­kin­dergeld. Ganz großes Kino!

Als ich Kind war, gab es das schon ein­mal. Meine Generation weiß, dass damit Kin­der­zim­mer subventioniert wurden, die meist nur einige Jahre bewohnt wa­ren. Wir sind damals als Teen­ager ein- und auch wieder ausgezogen. Denn zum Bauen ist Eigen­ka­pi­tal nö­tig. Das fällt be­kannt­lich nicht vom Him­mel.

Draufsicht: Schokokuchen
Drei Sorten Schokolade
Die größ­te Zeit sind un­se­re ge­för­der­ten Räu­me als Bü­cher, Bü­gel- oder Gäs­te­zim­mer ge­nutzt worden. Der­lei kann doch nicht im In­teresse der All­ge­mein­heit sein.
Au­ßer­dem er­reicht es vor al­lem Fa­mi­li­en, die ver­mö­gend genug sind, um sich Wohn­ei­gen­tum zu­zu­le­gen. (Oft steu­ert ja die Nach­kriegs­ge­ne­ra­tion et­was zum Ei­gen­ka­pi­tal bei.)

Stuttgarter Nachrichten vom 10.1.2019
Baukindergeld treibt die Baupreise hoch  Frankfurt (bsa). Das im vergangenen Jahr neu eingeführte Baukindergeld soll eigentlich dafür sorgen, dass sich auch Familien ein Eigenheim leisten können. Doch jetzt zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): die staatliche Förderung dürfte mitverantwortlich für die immer höher steigenden Preise in der Baubranche sein. Außerdem zeigen sich die Experten skeptisch, ob Programme dieser Art tatsächlich die Bautätigkeit anregen und damit für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen werden. Die Forscher plädieren für eine neue Strategie beim sozialen Wohnungsbau. Die Baupreise werden laut der DIW-Prognose im laufenden Jahr um 4,5 Prozent steigen. Im zurückliegenden Jahr dürfte das Plus fast fünf Prozent  erreicht haben, schätzen die Wissenschaftler.
Das angekündigte Ergebnis
Das löse Mit­nah­me­ef­fek­te aus, pro­fi­tie­ren werde da vor allem die Bau­in­dus­trie, so Wis­sen­schaft­ler letzten Herbst auf einer Kon­ferenz zum Thema Wohnkrise und Ur­ba­nis­mus. Das Deut­sche Ins­ti­tut für Wirt­schafts­för­de­rung ar­gu­men­tiert jetzt in die gleiche Richtung.

Hier notiere ich der Vollständigkeit halber noch diesen Vorschlag, der wirk­lich ge­äu­ßert wor­den ist, Quelle: ein männlicher Bewerber für das Amt des CDU-Vorsitzes (2018), den ich hier nur ent­spre­chend re­for­mu­lie­re: "Wenn die Menschen eine zu geringe Rente erwarten, dann sollen sie doch Aktien kaufen!"

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Foto: C.E.
Pressemeldung: SN

Freitag, 11. Januar 2019

Fürs Talent bezahlen

Was Dol­met­scher und Über­setzer so er­le­ben kön­nen, be­schrei­be ich hier in loser Folge. Ich arbeite mit den Sprachen Deutsch, Französisch (Ausgangs- und Ziel­spra­che) und Engl­isch (nur Ausgangssprache) in Marseille, München, Cannes, Berlin, Paris und dort, wo meine Kunden mich brauchen.

Vor der Berlinale sind noch einige Filmstoffe zu übersetzen oder zu korrigieren. Untertitelt wird von uns freien Einzel­kämpfern nicht mehr, zumin­dest nicht in die deut­sche Sprache; die gut zwei Dutzend Wett­be­werbs­fil­me, die das einzige deut­sche A-Festival noch deutsch untertiteln lässt, schei­nen die gro­ßen Fir­men über­nom­men zu haben. Dafür haben der­zeit Eng­lisch­untertitler wie vor anderen großen Festivals auch Hochkonjunktur.

Aber in Deutschland sprechen ja schließlich inzwischen alle Shakepeares Spra­che, als hätte ihre Mutter ihnen dieses Idiom schon an der Wiege gesungen. Wie, ma­chen sie nicht? Dann sagen Sie das bitte mal Menschen wie dem aktuel­len Leiter der Ber­li­nale. Er scheint das nicht zu wissen.

Dolmetschkabinen Englisch und Deutsch
... am besten noch: 3 / Spanisch, 4 / Französisch ...
Zwischen­durch durf­te un­ser­einer doch kurz in Dol­met­scher­ka­binen springen, die in Kinos standen. Aber eben nicht in Berlin.

Ei­ne Prak­ti­kan­tin hat die eng­li­schen Un­ter­­ti­tel schon mal über­tra­gen, das war durch­aus hilf­reich, auch wenn sie den Film bes­ser zu­vor ge­se­hen hät­te. Denn so kam es na­tür­lich zu brillanten Miss­ver­ständ­nissen.

Es gab leider keine Zeit fürs Mar­kie­ren der lustigsten Stellen, nur einen fürs Pub­li­kum nicht hörbaren Screen­­shot habe ich noch ge­schafft.

Ich durfte diesen Film simultan aus dem Franzö­sischen ins Deutsche dol­metschen. Der Umweg über das Eng­li­sche und die Zu­ar­beit der Festival­prak­ti­kan­tin wa­ren denn­noch eine freundliche Unter­stützung, die of­fen­bar nötig wurde, weil sich das "Dol­met­schen vom Blatt weg" heute kaum einer mehr zutraut. Im Kino heißt diese Ar­beit übrigens verharm­losend "Filmeinsprechen". Das kann kaum noch jemand, wes­halb die Veranstalter von sich aus diese Vor­be­rei­tungs­ar­beit angeboten haben. Und es war auch besser bezahlt als früher.

A-Festivals mit vielen Filmen, die oft erst kurz vor der Premiere fertig werden, ha­ben jahr­zehn­te­lang Filme einspre­chen lassen. Das klingt so ein bisschen wie pol­ni­sches Fern­se­hen, wo eine Person alle Rollen spricht und der Original­ton ganz leise durch­scheint. (Sogar die Türkei ver­wen­det dazu zwei Sprecher, eine männ­liche und eine weib­liche Stimme.) Cannes hat diese Arbeit vor über zehn Jahren, die Ber­li­nale vor etwa fünf Jahren ab­ge­schafft. (Für genauere Zahlen müsste ich jetzt suchen. Das hier ist ein Blog, keine wissen­schaft­liche Abhandlung.)

Etliche Küns­tler fanden das Ein­sprechen sogar besser als Unter­titel. Ich erin­nere an den von mir verehrten Mau­rice Pialat, dessen Gesamtwerk ich vor einer kleinen Ewigkeit im Berliner Kino Arsenal ein­spre­chen durfte. Ein weiterer Einsatz­ort fürs "Einsprechen" ist die Festival­arbeit mit histo­rischen Filmen oder für ein länd­li­ches oder ost­deut­sches Publikum, das eine deut­schen Fassung verlangt. (Und auch be­kommt. You're only getting what you're asking for.)

Unten mein schneller Screenshot, per Pho­­to­shop ergänzt. In ecki­gen Klam­­mern die Rollen bzw. ein Sprechhinweis, in blauer Schreib­­schrift, wie ich es ge­sprochen ha­be.

Wir schalten nach Paris, neben der Basilika Sacré-Cœur sitzen auf ei­nem kleinen Platz viele Kunst­maler:
Sie zahlen nicht für die Zeit ... Sie bezahlen mich für mein Talent!
Der Filmtitel und die Namen der Urheber sind hier ausnahmsweise mal unwichtig
Das Talent bezahlen ... ich ergänze: die im Vorfeld erworbenen Sprach­kennt­nisse, Berufserfahrung und Routine sind zu be­zah­len, nicht die mit dem Auf­trag ver­brach­te Ar­beits­zeit. QED  CQFD  WZBW ...

Mehr über das Übersetzen von Un­ter­titeln für eine Live­dar­bie­tung hier: Ein­sprech­über­set­zung sowie etwas zur Frage, warum ein Poli­zist manchmal ein Wacht­meis­ter ist.

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Illustration: C.E.

Mittwoch, 9. Januar 2019

Telefonalphabet

Will­kom­men auf den Sei­ten mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Hier dreht sich alles um Spra­chen, Kul­tu­ren und das Ver­mit­­teln zwi­schen den­selben. Ich ar­bei­te mit fol­genden Spra­chen: Fran­zö­sisch (Aus­gangs- und Ziel­spra­che) und Eng­lisch (nur Aus­gangs­sprache). Das Leben von Zweisprachigen kann kompliziert sein.

A - Alfa (international) - Anatole (FR) - Anton (DE)
 International — Französisch  Deutsch

Der Linguist aus Frankreich, der zu Zwei­spra­chig­keit forscht: "An Ihrer Aussprache habe ich Sie nicht erkannt, die klingt nach dem 6. Ar­ron­dis­se­ment von Paris, auch nicht an Ihrem Vo­ka­bu­lar und Ihrer Kennt­nis idiomatischer Re­de­wen­dun­gen, die sind wirklich vielfältig. Erkannt habe ich Deutsch als Ihre stär­kere Sprache, als Sie buchsta­biert haben. Nicht beim nor­ma­len Buchsta­bieren, sondern beim tele­fo­ni­schen Al­pha­bet. Sie haben 'A wie An­toine' gesagt und nicht 'A wie Anatole'." Ja, Antoine ist ein fran­zö­si­scher Name. Stimmt, im 6. Ar­ron­dis­se­ment habe ich stu­diert.

Und ich darf ergänzen: Bei Zahlen stolpere (oder zögere) ich auch noch manchmal, vor allem dann, wenn sie ellenlang sind. Die sind ja auch kompliziert auf Französisch!

In Frank­reich oder in Ge­gen­wart französischer Per­so­nen oder wenn ich ge­ra­de etwas auf Fran­zö­sisch gedacht habe, rechne ich auf Französisch, im deutsch­spra­chi­gen Kon­text auf Deutsch. Wenn ich aus Deutschland nach Frankreich te­le­fo­nie­re, geht das so: "Null, Null, Vier, Neun, un, quarante-et-un ..." Also sobald ich mit der Te­le­fon­num­mer über die Grenze bin, geht's auf Franzö­sisch weiter. Und um­ge­kehrt. Irgend­wie logisch.

Schlecht bin ich allerdings bei fran­zö­si­schen Wie­gen­lie­dern, Abzähl­ver­sen sowie bei Schlagern und den Namen von Kinder­sen­dungen im TV. Und wenn ich schlecht sage, dann meine ich wirklich schlecht.

P.S.: Die Buch­sta­bier­ta­bel­le ist übri­gens in ih­rer aktu­el­len Form das Er­geb­nis na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Sprach­po­li­tik: Sa­muel wur­de 1934 durch Sieg­fri­ed ersetzt, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen. Nach dem zwei­ten Welt­krieg wur­de das Te­le­fon­al­pha­bet nicht ent­na­zi­fi­ziert.

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Illustration: Netzfund

Dienstag, 8. Januar 2019

Nachtschlaf

Hier bloggt eine Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Sprache. Daneben übersetze ich auch, allerdings überwiegend für Kultur und Film: Pressemappen und -ankündigungen, Filmprojekte, Drehbücher.

Tisch mit Getränken, Technik und Papier
Sehr gut: Leitungs- statt Flaschenwasser!
Pause in einer Sitzung mit Vor­stän­den und deutschen, bel­gi­schen und franzö­sischen Be­triebs­räten irgendwo im Bran­den­bur­gi­schen. Es geht um ei­ne Unterneh­mens­fu­sion und um Sozial­pläne.

Ich dol­met­sche solo immer 45 Minu­ten auf die Stunde, der Rest ist Rauch­pause: Für die Freunde des Ta­baks und da­mit mir mein Ge­hirn nicht ab­raucht.

Die Ver­treter der Geschäfts­füh­rung sind mehrsprachig. Das könnte mei­nen Stress erhöhen, ich kann es aber zu meinem Vorteil nutzen. Wenn ich etwas akustisch falsch verstehe, das kam an diesem Nach­mittag immerhin zwei Mal vor, bekom­me ich freund­lich den Hinweis und korrigiere mich. Ein Wort kenne ich überhaupt nicht, Klär­schlamm auf Englisch, sludge, hier haben alle das eng­lische Wort ver­wen­det, auch im deut­schen und fran­zö­si­schen Satz­fluss. Ehe ich weiter rätsele, bekom­me ich es rasch mitgeteilt. Es ist, als käme es von ei­ner Kol­le­gin (oder ei­nem Kol­le­gen).

Kompliziert bleiben immer Anspie­lun­gen auf allen (außer mir) bekannte Sach­ver­halte, Eigen- und Ortsnamen. Der Per­so­nal­chef beob­achtet mich auf­merk­sam.

In einer der Pausen meint jemand: "Sie ha­ben ja eine sehr intensive Arbeit!" Ich darauf: "Ja. In Näch­ten nach solchen Ein­sätzen schlafe ich immer tief und fest!" Die Gewerk­schafts­men­schen: "Naja, wenig­stens eine. Wir haben gerade ver­mehrt schlaf­lo­se Nächte!"

Aber so einfach ist das für mich auch nicht. Am nächs­ten Mor­gen wird mein Lieb­ster meinen un­ru­hi­gen Schlaf er­wähnen. Ich wäre kein Mensch, wenn ich alles, was ich auf der Arbeit höre, abends able­gen könnte wie das Bu­siness­kostüm.

Und dann finde ich die Dank­sa­gung vom Personal­chef in der Mailbox, die so endet: "... Sie haben auch prima gearbeitet, als Sie die Inhalte nicht ver­stan­den hatten. Ich stelle mir dies sehr schwierig vor …"

Ist es und ich weiß im Nach­gang auch nicht mehr, für welche Lö­sun­gen ich dann je­weils optiert habe. Ich glaube, wir Dolmet­scher übertragen in diesen Fällen im­mer fast wörtlich.

So, Rech­nun­gen machen und dann noch ein Mittags­schläf­chen zur Kom­pen­sie­rung ver­passten Nacht­schlafs.

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Foto: C.E.

Montag, 7. Januar 2019

Aussprechhilfe

Hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Heute kommt das neue Buch von Michel Houellebecq auf dem deutschen Markt. Ein Kurztipp aus aktuellem Anlass.

Der Kettenraucher M.H.
Als ich vor Jahr­zehn­ten im öffentlich-recht­lichen Rund­funk gearbeitet habe, gab es eine Aus­spra­che­liste mit Hör­bei­spie­len. Die scheint es nicht mehr zu ge­ben. Oder aber sie wird nicht mehr so inten­siv ge­nutzt.
Kleine Schlau­meie­rei: der Abge­bildete spricht sich nicht (H)Ull-Beck oder Well-Beck aus, sondern U-Ell-Beck. Und bit­te nicht ab­set­zen zwi­schen dem U und dem E.

[wɛlˈbɛk], ganz einfach. Hier noch der Kontext, in dem das Foto entstand: Lernen mit Monsieur H.

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Foto: C.E.

Dienstag, 1. Januar 2019

In limbo

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Fran­zö­sisch­dol­met­scher und -übersetzer haben ver­mut­lich einen eigenen Blick auf die Welt, und meiner ist nochmal anders. Ich schreibe hier mein subjektives Arbeitstagebuch.

Die allerbesten Wünsche für 2019! Jetzt liegen die dunkelsten Ta­ge des Win­ters wie­der hinter uns und die Büroruhe wird auch nicht lange andauern.

Im Filmsektor ist sie sowieso relativ. Das festliche Jahresende und die Zeit zwi­schen den Jahren fühlen sich für Menschen, die mit Kino und Sprache zu tun ha­ben, wie ein kurzes Innehalten vor der Berlinale an. Für mich endete das Jahr so, wie es begonnen hatte: Mit Filmübersetzung. Und ab März geht die Kon­gress­sai­son wieder los.

Ich liebe übrigens die deutsche Redewendung "zwi­schen den Jahren". Sie ist nicht leicht zu übertragen ... entre les années   in limbo be­tween the years vielleicht. Sie beschreibt eine Zeit des Stillstandes, Pausierens und des Innehaltens. Die Tage werden noch nicht spürbar wieder länger, wir treffen uns mit Freun­den und Fa­mi­lie, es wird wieder mehr gelesen, die Museen ha­ben er­höh­ten Zulauf.

Diese Pause dauert in der ersten Januarwoche noch an, in der das ge­sell­schaft­li­che Leben weiter brachliegt. Diese Zeit ist wie eine Klammer zwi­schen dem Ges­tern und dem Heute. Ein Moment im Jahr, in dem zu­gleich zurück- und nach vorne ge­schaut wird, Bilanzen und Pläne auf­ein­an­der­treffen.

Verwandt damit ist in limbo, der eng­li­sche Aus­druck für dieses Da­zwi­schen, noch nicht dort, nicht mehr ganz hier, wie eine Fern­lie­be, die irgendwo an den Schie­nen­strän­gen zwi­schen zwei Orten residiert, niemand weiß, was die Zu­kunft bringt und wo­hin sie uns führt.

Dieser Mo­ment ist zugleich die In­kar­na­tion des Au­gen­blicks. Die­ses schö­ne deut­sche Wort umfasst, was ein Auge sieht im Hier und Jetzt, die Es­senz des Gegen­wär­ti­gen.

Nie­mals sonst im Jahr spüre ich so sehr das, was uns antreibt und wie wir das er­le­ben, was uns alle au­macht: die Zeit. Ich schließe mit Marcel Proust (2017): "Ich für meinen Teil ha­be aufgehört zu glauben, dass die Jahre neu sind ..." (Pour ma part j'ai re­non­cé à croire que les années soient nouvelles ...)

Alle poli­ti­schen, sozialen, öko­lo­gi­schen etc. Wün­sche für und Gedan­ken über un­se­re Epoche spare ich mir jetzt. Es wären zu viele. Auf ein fried­li­ches, glück­li­ches und vor al­lem ge­sun­des 2019!

Mann, der nichts sehen kann, orientierungslos inmitten von Ampeln
Wand­ma­le­rei in Paris, wie eine Al­le­go­rie auf unsere Zeit
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Foto: C.E.

Montag, 31. Dezember 2018

Jahresende, elefantös

Wel­come, gu­ten Tag, bon­jour ... auf den Blog­­seiten, die in der Dol­­­­met­­­­scher­­­ka­bi­ne und am Übersetzer­­schreibtisch entstehen. Ich arbeite in den Be­rei­chen Po­li­tik, Kul­tur, Wirt­­­schaft und So­ziales. Meine Arbeits­­sprachen sind Deutsch, Fran­zö­sisch (Ausgangs- und Ziel­­­spra­che) und Englisch (über­wiegend Aus­­gangs­­­spra­che).

Hölzerner Elefant
Spaziergang
Neulich, in der Über­set­zer­werk­statt: Natürlich kennt das Diktier­pro­gramm vie­le Wörter nicht, die eher dem Alltag zu­zu­ordnen sind. Aber bei einer Film­über­setzung, in der es um einen Zirkus geht, schreibt der kleine Schreib­­drache stän­dig "Brüssel" statt "Rüs­­sel". Na klar, "Dragon Na­tu­ral­ly Spea­king" wurde zu­nächst für Ju­ris­ten und Ärzte ent­wickelt.

OK, lass ich erstmal so, weil ich die Anleitung zum Trai­nieren der Soft­ware nicht auf meiner Rei­se da­bei habe. Am Ende macht copy & paste aus Brüs­sel wieder einen Rüs­sel.

10.000 new tricks
Werbung der Zeit
Zu Weih­nach­ten gab es "un­ka­putt­ba­res Spiel­zeug von der Jahr­­hun­dert­wende. Mit sol­chen "Humpty Dumpty"-Holz­tie­ren des ameri­ka­ni­schen Spiel­zeug­kla­­vier­­her­­stel­lers Schoenhut hat einst einer meiner Groß­­vä­ter gespielt und mein Vater dann spät­er auch. Diese Zirkus­fi­gu­ren, die Ge­lenke haben und damit als das erste be­weg­­li­che Spiel­zeug sei­ner Art gel­ten, sind im Zweiten Welt­krieg ver­­lo­­ren­­ge­­gan­gen. Im welt­­wei­ten Netz fand sich indes solch ein Dickhäuter an.

Ver­lo­ren­ge­gan­gen ist auch einer der äl­tes­ten Ani­­mations­­filme, wenn nicht sogar DER älteste. Das Bild unten könnte ein Stand­bild davon sein.

Der Film "The Hump­ty Dump­ty Cir­cus" aus dem Jahr 1897 oder 98 wurde per Stop-Motion-Anima­tion rea­li­siert. Hier werden Hunderte von Fotos von Objekten oder Gra­fik­bestand­tei­len ge­macht, die immer wieder ein wenig bewegt werden. (Mit Grafik­ele­men­ten heißt das dann 'Le­ge­trick­ani­ma­tion'.) Als Film montiert wirken die Aufnahmen so, als wären die Objekte lebendig. Pro­duk­tion und Regie: J. Stuart Black­ton und Albert E. Smith, des­sen Toch­ter für den Dreh monatelang auf ihr Spiel­zeug ver­zich­ten muss­te.

Zirkuszelt mit Holztieren und -clowns
Frühes veränderbares Kinderspielzeug der Firma Schoenhut
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Fotos: C.E., Schoenhut, Wikimedia (von mir
bearbeitet. Ja, ich weiß, falsche Perfo...)

Freitag, 28. Dezember 2018

Plus tard!

Wie Dol­met­scher leben und ar­beiten, be­schrei­be ich hier. Wir Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter müs­sen stets voraus­denken, dabei auch gerne um die Ecke. Und wer auf sich hält, hat auch pri­vat mit baby­lo­ni­scher Sprach­ver­wir­rung zu tun. 

Topfdeckel aus Glas im Licht
Stilleben in der Küche
Das kann amüsant werden. Hier eine Notiz dazu.

Inter­kul­tu­relles Paar beim Geschirrspülen:
— Plus tard, ist das nicht auch ein Schimpf­wort?
— Du meinst putain?
— Wie auf Spa­nisch de puta madre ( = "geil")?
— Nee, nicht ganz ...  putain de merde, ver­dammte Hacke oder mit K anstatt H!

Persian woman with hookah (qalyan)
Persian woman with hookah (qalyan),
1900, Iran, by Antoin Sevruguin

Zur Ver­voll­komm­nung des Dialogs fällt uns sogar noch eine eng­li­sche Va­riante dieser Antwort ein: Damn hit … or with an S in front of it!
— OK, und putain ohne alles?
— Auf Eng­lisch ist es a hooker.
— Hookah wie Shisha?

Plus tard heißt üb­ri­gens "später".


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Fotos: C.E. /Wikimedia Com­mons/Public Domain

Montag, 24. Dezember 2018

Schöne Feiertage und auf ein gutes Neues!

Seit fast zwölf Jahren ver­su­che ich hier, meinen Alltag zu beschreiben. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen).

Allen Leserin­nen und Lesern, die dieser Ta­ge eine Pau­se vom Al­ltags­trubel ein­le­gen, wün­sche ich schöne Tage im Krei­se von Fa­mi­lie und Freun­den. Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende ent­ge­gen: Auf ein gutes Neues!

Schwarz-Weiß-Bild mit Weihnachtsbaum und Wohnzimmer
Licht!
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Foto: C.E. (Archiv)

Samstag, 22. Dezember 2018

Donnerwetter, die Eisenbahn!

Was Dol­met­scher und Über­setzer so er­le­ben, be­schrei­be ich hier in loser Folge. Ich arbeite mit den Sprachen Deutsch, Französisch (Ausgangs- und Ziel­spra­che) und Engl­isch (nur Ausgangssprache) in München, Berlin, Paris und dort, wo meine Kunden mich brauchen. Zu Jah­re­sen­de sind et­li­che Rei­sen privat mo­ti­viert. So auch an die­sem Re­gen­tag ...

Reisender mit Maske im Zug
Alle schlafen, eine darf noch lektorieren
Lan­ge vor der Stun­de des Auf­ste­hens legt der Zug in Stutt­gart ab. Nach jedem Halt wird der Fahr­plan run­ter­­ge­­rat­tert. Dann folgt der Hin­weis auf Nicht­gül­tig­keit von DB-Tickets, denn wir sind in ei­nem "Pri­vat­zug". Vor jeder Station werden die Reisen­den über­schwäng­lich ver­­ab­­schie­det. Dann kommt jeweils die An­sa­ge, an wel­cher Seite des Zuges der Ausstieg ist.

Das ist viel zu viel, viel zu oft, viel zu laut, viel zu wach. Und das ist wirk­lich rein gar nichts für die Art von Reisenden, die der Privat­zug befördert: Stu­den­ten, junge Leute, Berufstätige, Familien. Ich habe Bau­­ar­bei­­ter­ohr­stöpsel in den Lauschern und bekom­me trotz­dem alles wörtlich mit. Die gro­ßen Städte werden dann auch noch zwei­spra­chig angesagt.

"Next stop/nächs­­ter Halt: Frankfurt/Main" würde kom­plett aus­reichen. Wundervoller Minimalismus.

Kind schläft im Zug
Müder kleiner Reisender
Als jemand, die ihre Ohren zur Arbeit nutzt, bin ich akus­tisch hoch­em­pfind­lich. Aber auch für Normalhörer ist das hier anstrengend: Am Bahn­hof pfeift der Zug sehr laut und hoch. Folgen­de Va­ri­an­te ist in Zeiten des Feier­tags­rei­sens ex­trem ner­vig: Mit einem akus­tisch eben­so em­pfind­sa­men Klei­nkind einen Platz zu suchen und durch Pfeifzonen hin­durch­zu­müs­sen.

Und wohin mit dem trop­fen­den Schirm? Da fehlt der Be­gleit­person der Dritt- und Viert-, Fünft-, Sechst- und Siebt­arm: Schirm, Kindes- und eigene Ohren zu­hal­ten, Kin­der­wa­gen kutschieren, Koffer hinter­her­schlei­fen, Ver­bin­dungs­tü­ren mit zwei Händen aufreißen, denn der Privat­zug ist ja ein ausrangiertes Modell der eins­ti­gen Bundes­bahn und entsprechend hartgängig ...)

Solche Reisen sind echt kein Spaß. Und dann an jedem Halt gehen die An­sa­gen von vorne los. Wieso tu ich mir das an? Die Bahn hat schlicht eine falsche Preis­po­litik. Nicht das Flug­zeug, für dass ich drei Mo­na­te vor Abflug günsti­ger Ti­ckets be­kom­men kann, ist ihr direkter Kon­kurrent, sondern das Privat-, Car­sha­ring- oder Miet­auto. Ganz zu schweigen von den ewigen Verspätungen, die keine gute Werbung sind!

"Alle reden vom Wetter. Wir nicht." (*)
OK, Ver­spä­tun­gen kennt die Straße auch, die Stau­zo­nen mehren sich. Neuer­dings gibt es eben auch diese Pri­vat­­zü­ge als Kon­kur­renz, deren teu­ers­tes Ticket oft die Hälf­te des­sen kostet, was der deut­­sche Kon­zern normalerweise ver­langt. An­ge­sichts der Rolle für die Umwelt, die das Staats­un­ter­neh­men spie­len müss­te, ist das eine Un­ver­ant­wort­lich­keit. Das war jetzt mein Don­ner­wet­ter.

Und das Wort "Eisenbahn" hat immer meine Oma gesagt. Im allgemeinen Sprach­ge­brauch ging das "Eisen" verloren.
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Foto: C.E. (Archiv)
(*) historischer Werbeslogan der Bahn

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Ach, ach, Bach!

Bon­jour, hel­lo und gu­ten Tag! Was Sprach­arbeiter wie Dol­met­scher und Über­setzer so umtreibt, können Sie hier mitlesen, im Frühjahr und Herbst nor­ma­ler­wei­se in meh­reren Bei­trägen pro Woche, der­zeit aber weniger, weil so viel los ist. Ich ar­bei­te neben Deutsch mit der fran­­zö­­si­­schen und der eng­li­schen Sprache.

Pariser Fassade
Haus, Mansarden und Himmel in Paris
In einem französischen Ton­studio, ein Film wird ver­tont. Die Dol­metscherin, die mit­un­ter als Sprecherin ar­beitet, also ich, war­tet auf ihren Einsatz.
Dann erwähnt der Filmkom­men­tar einem der größ­ten deut­schen Kom­po­nis­ten. Zum Glück bin ich geistes­ge­gen­wärtig genug, den fol­gen­den Austausch auf­zu­schrei­ben. Denn es gibt ein Problem.

Bei dem, was folgt, schaue ich zwischen­durch immer wieder die Regis­seurin an, die auch zurückieht. Zur Einstim­mung: Es ist dunkel, alle sprechen nur über Mi­kro­fon miteinander (mit den üblichen Ver­zer­rungen) und die Schaum­stoff­schall­iso­lie­rung müffelt auch noch in diesem nicht mehr ganz neuen Studio. Zu­rück zur Barock­mu­sik.

Der Sprecher spricht ei­nen Namen aus, den ich ihn hier mit Jean-Sébastien BASCH transkribiere [Vornamen auf FR, Nachnamen auf DE].
Die Regisseurin sagt (übersetzt): Das heißt Joann-Sébastien BACK!
Sprecher: Bist Du sicher?
Regisseurin: Beim BACK auf jeden Fall, wie man die Vor­namen auf Deutsch aus­spricht, da bin ich mir nicht so sicher.
Die Ton­in­ge­nieurin: Die Deutschen sagen BARRRRR.
Regisseurin: Aber wenn wir nicht BACK sagen, ver­steht es in Frank­reich nie­mand.

Die Regisseurin ist während der Aufnahme nicht auf die Idee gekommen, mich mal kurz zu fragen. Komisch, ich darf heute doch Zitate auf Französisch UND auf Deutsch sprechen. Ich frage mich bei solchen An­lässen, in welchem (hof­fentlich nicht allzu fernen) Jahr­zehnt ich ein­greifen darf.

Buchauslage im Schaufenster
"Die Wissenschaft vor dem Unbekannten" (Fensterauslage)
Zum Glück musste ich keinen deut­schen Eigen- oder Orts­namen aus­sprechen. Ich hätte ver­mut­lich auf der deutschen Aus­spra­che be­stan­den. Und dann fiel mir ein, dass man in Deutsch­land ja auch PariS sagt und nicht wie die Fran­zosen "Parih" oder aber Mai­land nicht Milano.
Gar nicht so ein­fach, dieses Interkulturelle als Haupt­ge­schäfts­feld!

P.S.: In der Kaffeepause wird es immerhin zum Gesprächsthema. L'interculturel comme fonds de commerce ...

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Fotos: C.E.

Sonntag, 16. Dezember 2018

Dunkle Jahreszeit

Bonjour, hello, guten Tag. Hier bloggt im 12. Jahr eine Dol­met­sche­rin, übli­­cher­­wei­se mehr­mals die Woche. Gegen Ende der Herbst­sai­son sind wir noch viel unter­wegs, unter an­de­rem in Stutt­gart, Pa­ris, Ham­burg und Dres­den. Zum Schrei­ben kom­me ich nicht oft, daher ab und zu eine kurze Zwischenmeldung.

Einer der letzten Ein­sätze des Jahres brachte mich nach Dresden. Nach dem Dol­metsch­ter­min hatte ich noch einen halben Tag für Touris­mus. Ich kenne die Stadt seit Kindertagen, durfte daher auf einen Weih­nachts­floh­markt gehen. Dort habe ich schöne glä­serne Kugeln aus der So­wjet­union entdeckt. Sie waren beim Ab­zug der Trup­pen in den 1990-er Jahren in "Elbflorenz" geblieben und in Privatbesitz gelangt. Und so landeten sie einige Jahrzehnte später wieder auf dem Markt ... und in meinem Gepäck zurück nach "Spreeathen".

Mich er­reichen reli­giöse Themen eher nicht. Aber ich feiere gerne Feste, die von den Kul­turen, mit denen ich lebe, angeboten werden. Also gibt es einen Ad­vents­tee ... mit russischen Glas­ku­geln aus der Nach­kriegs­zeit, so jedenfalls der Floh­markt­ver­käufer, ergänzt durch Be­stands­kugeln aus der Jahr­hun­dert­wen­de.

Nicht Religio­nen erreichen mich, ich bin eher eine Kan­di­da­tin für eine Winter­de­pre­ssion, genannt SAD, Sea­so­nal Af­fec­tive Dis­order, eine jahres­zeit­lich be­ding­te emotio­na­le Stö­rung, weshalb mir die gesamten Lichter­feste der dunklen Mo­na­te buch­stäblich ein­leuch­ten. Dazu passt der hölzerne Weih­nachts­baum, der niemals nadeln wird, aufs Aller­schönste. Das ist mein heutiges Sonntagsfoto! Und vielen Dank an Tim aus Dresden für die Kekse und an Elke aus Berlin für die Scho­ko­trüf­fel.

Kerzenleuchter, Holzbaum mit Glaskugeln, Tee, Naschereien etc.
Schönes Licht!

Gegen SAD hilft auch "hoch­pro­zentiges" elektri­sches Licht. Mein bewusster Umgang mit Hellig­keit hat übri­gens dazu geführt, dass ich meine Lichtlampe nur noch sel­ten ver­wen­de, weil ich gerne mittags spa­zieren­gehe. Und es ist gut, sie ein­satz­be­reit in der Kam­mer zu wissen. Über diese Lampe habe ich hier ge­schrieben: Link zu "mehr Licht".

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Foto: C.E.

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Er ist on air

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­­ta­­ge­buch hinein­­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­­schen, Über­­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, München, Cannes und dort, wo Sie mich brauchen.

Der Redner hat uns keinen Text vorab gegeben, wir kennen nur den An­kün­di­gungs­text seines Bei­trags auf einer internen Tagung. Et­liches war direkt auf Eng­lisch disku­tiert worden sein, vieles aber auch auf Deutsch. Es gibt zwei Kabi­nen, die die Sprachen DE, FR und EN bedienen.

"On Air" als Schild bei einem Tonstudio, "er" von einem Ladenschild
Zwei Sprachen, ein Klang (*): air/er
Der Sprecher ist Deutsch-Mut­ter­sprach­ler. Immer wieder rutscht er ins Englische ab, weil er sich zwi­schen­durch auf Eng­lisch mit ei­ni­gen Kollegin­nen und Kollegen unter­halten hat und diese direkt anspricht. Allerdings ist sein Eng­lisch nicht wirk­lich mut­ter­sprach­lich und wir dürfen um die Ecke denken, um mögliche falsche Be­grif­fe in der Ziel­sprache nicht zu verwenden. Manch­mal wissen wir es aber auch nicht sofort, müssen länger zuhören.
Obwohl er mit zwei Sprachen jong­liert, macht er uns nicht die Freu­de, wenigstens langsam zu spre­chen.

Das erhöht den Schwierigkeitsgrad für uns. Wir müssen also immer erst hinhören, welche Sprache er gerade spricht, bevor wir beim deutschen Englisch eigentlich drei Grammatiken parallel denken müssen. Gelegentlich baut er ein Wort aus der anderen Sprache in seine Sätze ein, weil ihm das Gesuchte nicht gleich einfällt.

Das Fotobeispiel ist hingegen vermeintlich einfach: Wir können schlichte Wörter sehen, Einsilber, die wir rasch erfassen, weil sie bekannt sind. Das scheint so schwer nicht zu sein. Wir müs­sen aber kom­plexe Sach­ver­halte rein akus­tisch erfas­sen.

Am Ende sind wir so müde wie nach fünf Rednern. Hier die Gründe:
1. Der Inhalt war für uns free style ohne Vorbereitungsmaterial zu verdolmetschen (unsere Arbeit besteht zum Großteil aus Vorbereitung). Sowas fühlt sich gerne mal wie Arbeitsverhinderung an;
2. Hohes Sprechtempo plus Stolperer plus Nuschelei;
3. Normales Dolmetschen ist ermüdend genug;
4. Die dritte Sprache und Grammatik;
5. Das Ärgern über die Missachtung unserer Arbeit, die wir nicht zulassen dürfen, die wir währenddessen verdrängen müssen, weil wir sonst nicht dolmetschen könnten.

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Foto: C.E.
(*) ... wenn ein Deutscher spricht ;-)

Dienstag, 4. Dezember 2018

Bewaffneter Beton

Hallo! Ab­sicht­lich oder zu­fäl­lig ha­ben Sie die Sei­ten einer Kon­fe­renz­dol­metscherin an­ge­steu­ert. Hier schreibe ich über meinen vielseitigen Alltag. Ich dol­met­sche (münd­liche Über­tra­gung) und übersetze (schrift­liche Über­tragung) vor allem Fran­­zö­­sisch und aus dem Eng­lischen. Heute folgt ein Praxisbeispiel für AT, automatic trans­lation, computer­ge­ne­rierte Über­setzung.

Betonwand mit Zahlen und Zeichen
Notizen auf Beton
"Nur mit dem Füller und mit dem ein­spra­chi­gen Wörter­buch bewaffnet, ging er in die Klausur." Solche Sätze gibt es im Leben der Menschen, sogar auf Fran­zö­sisch, wo das être armé de quelque chose im gleichen Sinn verwendet wird. Ist di­gi­ta­le Übersetzung schon für diverse Be­waff­nungen ... ge­wapp­net?

Zum Beispiel hier: Eine Stahl­beton­­mauer konnte nicht ge­gen die Bande junger, be­waff­neter Gangs­ter schützen.

Der Satz stammt von einer Kollegin. Im Französischen Original war zu lesen: Un mur de béton armé n'a pas pu protéger contre le gang armé de jeunes gangsters.

Die "Übersetzungs"software hat daraus gemacht: "Eine bewaffnete Betonwand konnte sich nicht vor der mit jungen Gangstern bewaffneten Bande schützen."

(Stahl)armierter Beton heißt Stahlbeton auf Französisch. OK, und ich bewaffne mich demnächst mit jungen Gangstern gegen diese Agenturen, die uns solche Texte zum "Korrekturlesen" für Bruchteile der eigentlichen Übersetzungsbudgets zusenden. Das ist schon kriminell.

95 % der Agenturen in unserer Branche sind wie Discounter im Lebensmittelhandel: Die drücken die Lieferanten im Preis, reißen Kartons auf, investieren in Werbung, mieten Raum an und bezahlen die Kassiererinnen schlecht.

Der Premiummarkt sind wir, die erfahrenen Freiberufler mit Direktkunden.
 
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Foto: C.E.

Sonntag, 2. Dezember 2018

Wasser marsch!

Was Über­set­zer und Dol­metscher be­schäf­tigt, können Sie hier mit­lesen. Seit vie­len Jahren be­richte ich über den Beruf und meinen sprach­be­tonten Alltag. Sonn- und feiertags wer­de ich privat: Sonntags­fotos!

Gemaltes Wasser mit Lichtreflexen und Pflanzenschatten
Lichtspiele in Öl und Fensterglas
Am Sonn­abend war es son­nig, am Sonn­tag­abend dafür nicht schon wieder nur werk­tags­grau, sondern nass. Es reg­net in Ber­lin in diesen Ta­gen im­mer wieder. In ande­ren Jahr­zehn­ten hätte das kei­nen Nach­rich­ten­wert gehabt. Aber wir hatten sowas seit Mo­na­ten nicht mehr. Wie schnell man sich an ein bei­na­he regen­loses Le­ben ge­wöh­nen kann. Wo wurden die Re­gen­schir­me gleich noch hin­ge­räumt?

So, das war jetzt mal eine lang­wei­li­ge Ein­lei­tung. Ich habe eine Wet­te verloren, hier­mit ist der dafür zu zahlende Preis ent­richtet. Da­mit Sie mir bei der Stan­ge bleiben, liefere ich alsdann und subito die span­nen­de Ein­lei­tung nach.

Heute geht es um Kör­per­flüs­sig­keiten. Ja, Sex sells! Und um eine Fest­stel­lung: Die Berliner, arm und sexy, sind in der Regel nicht auf den Mund gefallen. Kostet ja die gleiche Miete. Wieso sich lang­wei­len im Leben, wenn es auch unter­halt­sam geht.

Einen Sinn für geist­volle Antwor­ten haben sie hier auch, la répartie auf Fran­zö­sisch, und das färbt ab. Aber auch nur in Gren­zen, was ich gleich be­wei­sen werde.

Regen war das Stich­wort. Im Sprüh­regen stehe ich Sonntag­abend an einer Berliner Am­pel und nie­se. Ein Frem­der: “Ge­sund­heit, junge Frau!” Ich: “Danke! Danke! Er: “Einmal be­dankt reicht oooch!” Ich: “Ein­mal war fürs Ge­sund­heit­sa­gen, einmal für die junge Frau!” Er: „Ich dacht schon, sie bedanken sich fürs Wetta!“, sagt er und grinst mich an. Ich schütt­le mich kurz. Er: „Aba det Wet­ta is doch wun­der­baaa!“ Ja, endlich Regen, denke ich, und schiele durch die Bril­le: „Mit Schei­ben­wi­scher auf den Glä­sern hätte ich mehr davon!“ Er: „Dafür ist der Re­jen wat janz be­son­de­ret! Det is nämlich Engels­schweiß! Schön‘n Abend noch!“

Die Ampel springt auf Grün, er geht vor­aus. Wer das letzte Wort hat, hat in diesem Spiel gewonnen.

Gemalte Figuren auf einem Berliner Stromkasten
Berliner am Wegesrand
Mir fällt darauf nichts mehr ein. Schach­matt schlurfe ich hin­ter­her. Mit meiner Ant­wort würde er nicht viel an­fan­gen können: Dieser reg­ne­ri­sche „Engelsschweiß“ heißt auf Französisch le crachin. Klingt wie cracher, ‚spucken‘. Ist al­so Spuck­regen. Und sein En­gels­schweiß würde über­setzt zu la sueur des anges. Klingt wie­de­rum nach la part des anges.

So heißt der Teil des Weins, der beim Aus­bau im Ei­chen­fass ver­duns­tet. Und so rat­tert mein Hirn und ich kann dem Mann, der sich kurz um­dreht und jo­vial winkt, nichts mehr ent­ge­gen­schleu­dern. Pech ge­habt. Meine Schlag­fer­tig­keit ha­ben die fremd­spra­chi­gen Assoziationen gekapert.

Und wie heißt dieser Re­gen auf Englisch? Um­gangs­­sprach­­lich wohl sprink­ling, miz­zle und mists, me­teo­ro­lo­gisch drizzle, spray, fine rain und spit! Ha, da ha­­ben wir ihn wie­der, den Spuck­­re­gen, denn to spit heißt ja auch spucken. So viele Wör­­ter für eine Sa­­che, das er­zählt seine ei­gene (Wet­ter-)Ge­­schich­te.

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Fotos: C.E./Moritz

Freitag, 30. November 2018

LinguiSticks (3)

Hier bloggt eine Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Sprache. Nor­ma­ler­wei­se schreibe ich meh­rmals die Woche kurze Epi­soden. Weil ge­ra­de Hoch­sai­son ist, sind die Episoden jetzt noch kürzer ge­wor­den. Kleine Stück­chen, ähhh, Stöck­chen: "Lin­gui­Sticks".

Ab jetzt werfe ich gelegentlich ein Sprach­stöckchen in die Run­de. Die lang­e Fas­sung des Titels heißt "Get the good end of the lingui­Stick". Dahinter steckt ein Wort­spiel: Hold of / get the wrong end of the stick be­deutet 'etwas falsch ver­ste­hen'.

Alles auf Grün! Wir sind in einem Sitzungsraum des Bundestags, die Box steht oben auf der Be- suchertribüne. Unten wird heftig debattiert.  Ein Redner bringt Fußballmetaphern ins Spiel.  Die rote Karte — le carton rouge [FR] wird ge- zeigt. Dann muss der Torwart ran (le gardien /  le goal). Später zeigt einer die grüne Karte.  Die Übertragung pelzt merkwürdig auf der Zunge.  Die Kollegin schaut mich fragend an. Ich frage  den Liebsten per SMS. Er antwortet prompt:  „Grün ist nur der Rasen!“ Es folgen weitere  ‚grüne Karten‘. Wir verbessern sanft. Später  folgt uns die Runde unten, gibt „grünes Licht“  (donner le feu vert). Wir fühlen uns wie Fuß- balltrainerinnen. | Get the good end of the linguiStick (3) | (c) Caroline Elias dolmetscher-berlin.blogspot.com

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Illustration: C.E.

Mittwoch, 28. November 2018

LinguiSticks (2)

Willkommen auf den Seiten meines digitalen Logbuchs aus der Dolmetscherkabine. Was ich beruflich anbiete, Dolmetschen und Übersetzen, beschäftigt mich täglich.

Auch heute werfe ich ein kleines Sprach­stöckchen in die Run­de. Die Lang­fassung der neuen Reihe lautet "Get the good end of the lingui­Stick". Dahinter steckt ein Wort­spiel: Hold of / get the wrong end of the stick be­deutet 'etwas falsch ver­ste­hen'.

To taste [EN]. Berlin, hier ist es chic, Fremdländisch zu sprechen. Ausländische  Gäste hören einen Vortrag. Der Sprecher ist Deutscher: The blind people have  developed other senses. They have been  trained to detect breast cancer early.  That‘s because blind people taste better than other people. Dann verabschiedet er uns in die Mit- tagspause. Bon appétit !  Und ja, als Dolmetscherin EN>FR habe ich meine liebe Mühe, ernst zu bleiben. | Get the good end of the linguiStick (2) (c) Caroline Elias | dolmetscher-berlin.blogspot.com

Für alle, deren Englisch eingerostet ist: to taste heißt 'schmecken' im Sinne von 'gutes Aroma'.

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Illustration: C.E.

Dienstag, 27. November 2018

LinguiSticks (1)

Bonjour, hello, guten Tag. Hier bloggt im 12. Jahr eine Dolmetscherin, übli­cher­wei­se mehrmals die Woche. Derzeit sind wir al­ler­dings gut be­schäf­tigt, zum Hoch­la­den kom­me ich oft nicht, des­halb die neue Reihe "Lin­gui­Sticks".

Ab jetzt werfe ich gelegentlich ein Sprach­stöckchen in die Run­de. Die Lang­fassung des Titels heißt "Get the good end of the lingui­Stick". Dahinter steckt natür­lich ein Wort­spiel. Hold of / get the wrong end of the stick be­deutet 'etwas falsch ver­ste­hen'.

Sustainable chocolat [EN] -> chocolat  durable [FR]. Durable ist das franzö- sische Wort für „nachhaltig“. Wörtlich  übersetzt bedeutet der Begriff aller- dings „dauerhaft“.  Oh ... dauerhafte Schoki!? Hmmmm, nee,  eher nicht. Wie kann Schokolade von  Dauer sein? In welchem „soziokulturel- len Ökosystem“ soll das bitteschön  möglich sein!?  Get the good end of the linguiStick (1) | (c) Caroline Elias | dolmetscher-berlin.blogspot.com

Die Lösung des Problems lautet übrigens chocolat équitable — faire Schokolade.

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Illustration: C.E.

Mittwoch, 7. November 2018

Generationswechsel

Hier bloggt eine Kon­­fe­­renz­­dol­­met­­sche­rin und Über­­set­ze­rin mit den Ar­beits­­spra­­chen Fran­zö­­sisch, Deutsch und Eng­lisch (das Idiom Shakes­peares in vie­len The­­men­­fel­dern nur als Aus­­gangs­­­spra­­che). Was wir im Alltag leisten, haben wir auf den Bänken der Uni oft nicht bis ins letzte Detail gelernt. Man­ches ver­dan­ken wir trotz­dem der Uni­ver­sität. Aber über­ras­chend anders.

Lampe, Tischuhr, Mini-Eiffeltum
Auf dem Sekretär
Bei einigen un­serer Dau­er­kun­den ist ge­ra­de Ge­nera­tions­wechsel an­gesagt. Wir wer­den gebucht, standen oben auf der Liste der externen Mit­arbei­terinnen, die Über­ga­be hat gut geklappt, die erste Zusam­men­arbeit mit den Neu­en verläuft prima, die Endkunden sind happy. Aber der Ge­ne­ra­tions­wechsel be­deu­tet Mehrarbeit, für das Fin­ger­spitzen­gefühl nötig ist.

Rück­sprung: Anfang der 1990-er warte ich mit einigen jungen Frauen und einem nicht mehr ganz so jungen Mann auf dem Flur einer deutschen Universität. Der Haus­meister kommt, schließt auf. Es ist der erste Tag im neuen Semester. Wir ge­hen in den Raum, alle zusammen. Vorher hatten wir einander vor­sich­tig ge­mus­tert. Wer ist das wohl, den ich da kennen­lernen werde, sind künftige Freun­de da­bei, Leidens­ge­nossen, was wird mir das Se­mester bringen.

Alle sind irgendwie gleichalt, plus oder minus zehn, fünfzehn Jahre, nur der Mann sieht deutlich älter aus. Man­che halten ihn für den Dozen­ten. Eine Stu­dentin sagt zur anderen: "Nein, es ist eine Frau, Madame Elia'!" Sie spricht das S nicht aus, was gram­ma­ti­kalisch korrekt ist. Eigen­namen folgen nicht immer der Gram­matik. Mar­gue­rite Duras wird auch DuraS ausge­sprochen, den Kom­mentar verkneife ich mir. (Noch bin ich Teil der Menge. Und zwei Studen­tinnen werden sich neben dem Mann später als älter als ich heraus­stellen.)

Und dann kommt auch schon der Moment: Wir gehen in den Seminar­raum, alle su­chen sich in den Reihen ihren Sitzplatz, ich nehme vorne Platz. Atme durch. Schaue mich freund­lich um. Lege los: "Bonjour ! Comment allez-vous ?"

Warum ich der erzähle? Die olle Kamelle, an die ich mich noch sehr lebendig er­in­ne­re, ist ja bald 20 Jahre alt. Die Stu­den­tinnen von einst sind längst im Beruf, schicken Sendungslinks und Babyfotos. (Es gab später dann auch mehr Studenten, die sind weniger kommunikativ.) Ich erinnere mich vermutlich heute so genau daran, weil ich dieses Unter­richten sehr bewusst angefangen habe. Als ein Sich-Lösen von der Menge, als Teil der Menge und dann doch eben als diejenige, die vorne Platz nimmt. Für mich waren Studis immer Mitlerner, jüngere Kol­legin­nen und Kol­legen, Men­schen mit Sorgen und Nöten und eben einem Aus­tauschprojekt. Das war und ist meine Grund­haltung.

Die­ser Tage habe ich Leute an der Strippe, die Mitte, Ende 20 sind. (Sie könnten meine Kinder sein.)

Lesesessel als Lehnstuhl und als Liege, der Lampenarm muss mitschwenken
Lesearbeitsplatz: Der Lampenarm muss mitschwenken
Sie sind neu im Job. Sie rufen die Dienst­leisterin an. Ei­gent­l­ich sind sie hier die Che­fin­­nen und Chefs. Ich will ihnen dieses Gefühl nicht neh­men, muss aber, um die Qua­li­tät unserer künf­ti­gen Ar­beit si­cher­stel­len zu kön­nen, vor­sichtig ihr Wissen ab­fra­gen und sie infor­mie­ren. Schulen oder nach­schulen, egal, wie man es for­mu­lieren möchte.

Ich bin wieder die Do­zen­tin. Frage vorsichtig, frage, ob sie einen Moment Zeit ha­ben, steuere das Ge­spräch ein wenig, bringe Witze rein, erzähle von eigenen Un­si­cher­heiten und Fragen.

"Klasse, wie Sie das machen! Vielen Dank für diese Hin­ter­grund­in­for­mationen!", habe ich eben ge­hört. Es ist die dritte Nach­wuchs­kraft dieses Jahr bei diesem guten Kunden, der ein großes Haus dar­stellt. Ich hab aber auch Glück mit meinen Ge­sprächs­partnern, da hat die Per­so­nal­ab­tei­lung gute Arbeit geleistet!
 
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Fotos: C.E. (Die Leselampe ist nicht ideal, denn
ich muss immer eine Schraube drehen!)

Montag, 5. November 2018

Halt in Göttingen

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, München und dort, wo man mich braucht.

Große Palmen stoßen im Warteraum-Glaskasten am Bahnsteig an die Decke des Raumes
Beste Wartestimmung
Einen Teil der Arbeits­zeit ver­brin­gen wir nicht sel­ten un­ter­wegs. Wir rei­sen in ganz Eu­ro­pa von Kon­fe­ren­zen und Euro-Be­triebs­rats­sit­zungen zu Vor­trä­gen und Diskus­sionen, von Schu­lungen, Debat­ten und zu Dreh­ar­bei­ten zu Hin­ter­grund­gesprächen, ge­hen mit auf Interview- und Re­cher­che­tou­ren.
Nicht alle, aber viele von uns sind des­halb Viel­reisende.

Manch­­mal geht es sogar ins außer­­eu­ro­pä­ische Aus­land. Und ja, ich träume von der nächsten Rei­se nach Af­ri­ka oder vielleicht auch nach Canada. Meistens ist es aber eher Göttingen.

Also es ist dann so, dass mir nach einem Dutzend Mal des Vor­bei­fah­rens in Göt­tin­gen und drei­ma­li­gem dort Umsteigen bin­nen we­ni­ger Monate auffällt, dass hier Bahn­mit­­ar­bei­ter einen be­son­ders grünen Daumen haben und diesen Spaß am Grün zur Freu­de aller am Arbeits­platz ausleben dürfen! Wun­derbar!

Heute konnte ich es mir vor Ort anschauen. Da durfte ich nicht nur in Göt­tin­gen um­stei­gen, sondern auch dort warten. Das war ein schöner Moment. Das mei­ne ich ganz ernst, ich sollte der­lei ab­sicht­lich verlängern. Ich könnte auf ei­ner Rück­reise einfach für einen Besuchs­tag meine Fahrt unterbrechen und mir etwas ansehen gehen. Göt­tingen ist die Stadt, der ich meine Existenz ver­dan­ke, hier haben sich meine Eltern ken­nen­ge­lernt.

Und natür­lich ist diese Stadt in die deutsch-franzö­sische Ge­schich­te eingegangen, die Sängerin Bar­bara hat sie verewigt. Leider ist das Chanson nicht dau­erhaft im Inter­net aufzu­finden, der Link unten sieht viel­leicht bald grau aus (oder hier mal schauen: Link). Dort, was Wiki­pedia darüber schreibt: Klick!




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Foto: C.E.

Freitag, 2. November 2018

Runde Sachen

Welcome, guten Tag, bonjour ... auf den Blogseiten, die in der Dol­­met­­scher­ka­bi­ne und am Übersetzerschreibtisch entstehen. Ich arbeite in den Bereichen Politik, Kultur, Wirt­schaft und Soziales. Meine Arbeitssprachen sind Deutsch, Französisch (Ausgangs- und Ziel­spra­che) und Englisch (meistens nur Aus­gangs­spra­che).

Neulich ging ich mit einem männ­li­chen Min­der­jäh­ri­gen spa­zie­ren. Er hat­te die gan­ze Zeit nur Fuß­ball im Kopf.

Da fiel mir auf, dass ich über alles schon geschrie­ben habe, oder fast. Also über run­de Gefäße und Augäpfel, schmückende Radkappen bei Autos (enjoliveurs), run­des Lampenglas, Schnee­bälle, die Zeit, den bedrohten Glo­bus und Men­schen, die von einem Teil dieser Kugel auf die andere migrieren müssen, Zirkelschlüsse und sogar darüber, dass das Runde ins Eckige muss.

A propos Mi­gra­tion, Verb "migrieren" ... eine Art von Wanderung: Daten von einem Träger auf den an­de­ren zu über­tra­gen heißt auch 'migrie­ren'. Die­ser Ta­ge ha­be ich nicht nur mal wieder den Inhalt von zehn Akten­ordnern in den Schredder mi­grie­ren las­sen (in Vor­be­rei­tung einer Mö­bel­wan­de­rung in­ner­halb der Wohnung), son­dern auch Fotos von einem Spei­cher­me­di­um zum nächs­ten.

Formal ist mir dabei was aufgefallen. Ich hab das hier mal reinkopiert.
Runder Esstisch: Draufsicht - Passionsblume, ein gezackter Kreis - Stecklinge, die im Runden Glas wurzeln
Was die Dolmetscherin privat so macht
Und mit dem Teen­ager bin ich eine große Runde gelaufen. Musste ich jetzt er­wäh­nen, um diese Zei­len hier "rund" zu machen.

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Foto: C.E.