Dienstag, 2. Juni 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Montag, 1. Juni 2026

Montagsschreibtisch (142)

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch so­wie dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert.


Uff, die ers­te Hit­ze­pha­se ist über­wun­den. Jetzt war­tet halb Eu­ro­pa drin­gend auf Re­gen. Als Ur­en­ke­lin ei­nes Groß­bau­ern, a­ber vor al­lem als Dol­met­scher­in, die in den Be­rei­chen Wirt­schaft und Land­wirt­schaft (nicht ak­ku­rat über­setzt: cul­tu­re et a­gricul­tu­re), Kunst, Me­di­en, So­zia­les, Ur­ba­nis­mus und Film dol­metscht, um nur ei­ni­ge Bei­spie­le zu nen­nen, ha­be ich stets ein offe­nes Au­ge für mei­ne Fach­be­rei­che.

Ich le­se da­her je­den Tag als ers­tes eine Stun­de Zei­tung, der­zeit mit Fo­kus auf die eu­ro­päi­sche Ag­rar­wen­de, die Um­welt- und Kli­ma­kri­sen so­wie B2B-Markt­trends. Au­ßer­dem le­se ich min­des­tens ei­ne Stun­de lang in ei­nem Buch pro Tag, oft län­ger, denn bei Haus­halts­tä­tig­kei­ten hö­re ich auch Bü­cher, be­vor­zugt fran­zö­sisch- und eng­lisch­spra­chi­ge Ge­sell­schafts­ana­ly­sen.

So, was ist die­se Wo­che los? Auf dem Schreib­tisch:
❦ An­ge­bot schrei­ben
❦ Ter­min­pla­nung
❦ Re­lo­ca­ti­on­kun­din
❦ ... viel­leicht Ihr Auf­trag?

Die Bürowand im Wandel der Zeit (Archiv)

 

Hier lie­gen auch noch Fach­blät­ter aus dem Ber­li­ner Raum und aus Bran­den­burg, die mich auf den nächst­en in­ter­na­tio­na­len Austausch in Sa­chen Wirt­schaft, Po­li­tik und For­schung à jour brin­gen. Ne­ben di­gi­ta­len Abos freue ich mich auch über sol­che Pa­pier­do­ku­men­te, in den­en ich he­rum­krit­zeln kann, was die Lern­kurve för­dert. Man­cher Aus­riss wan­dert auch in die The­men­ord­ner.

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Freitag, 29. Mai 2026

It's hot, baby!

Im 20. Jahr füh­re ich hier mein vir­tu­el­les Ta­ge­buch aus der Dol­metsch­welt. Meis­tens Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Französisch Deutsch, über­set­ze ich auch Texte ins Deut­sche (auch aus dem Eng­li­schen). Zwi­schen si­mul­ta­nen (in der Ka­bi­ne) und kon­se­ku­ti­ven Ein­sät­zen (oft auf der Büh­ne) den­ke ich hier auch über Sprache nach. In Frank­reich prägt der Be­griff la pas­soire ther­mique in­zwi­schen die po­li­ti­sche De­bat­te über Klima­wan­del und Woh­nen. Man­cher Fach­be­griff hat sein ganz ei­ge­nes Hin­ter­land.

Als ich Kind war, galt Wet­ter wie das, was wir der­zeit ha­ben, als „Hoch­som­mer. Heute dol­met­sche ich bei po­li­ti­schen Ver­an­stal­tungen, Fach­kon­fe­ren­zen und in­ter­na­tio­na­len Be­geg­nun­gen auch zu Kli­ma- und Land­wirt­schafts­the­men.

Die ers­te Hit­ze­wel­le hat die­ses Jahr im Mai zu­ge­schla­gen und in Deutsch­land fast al­le Tro­cken­heits­re­kor­de ge­ris­sen. Das macht mir Sor­gen. Auf den Äckern wächst der­zeit, was uns mor­gen er­näh­ren soll.

Hit­ze­wel­le in Frank­reich


So vie­le Hoch­som­mer­ta­ge im Mai gab es noch nie seit Be­ginn der Wet­ter­auf­zeich­nung. In Frank­reich wer­den sämt­li­che Hit­ze­re­kor­de ge­ris­sen. Acht dé­par­te­ments ha­ben die Warn­stu­fe „Oran­ge" aus­ge­ru­fen, ein No­vum für den Früh­lings­mo­nat Mai. Ges­tern dann der vor­läu­fi­ge Hö­he­punkt die­ser Hit­ze­wel­le mit Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu 37,8 Grad bei Bor­deaux. Normalerweise wäre es etwa 15 Grad kühler. Im Frühling also Hochsommer, auf Französisch la ca­ni­cu­le.

La ca­ni­cule

…lei­tet sich ety­mo­lo­gisch vom la­tei­ni­schen canicula („klei­ner Hund“) ab und be­zieht sich auf das Stern­bild Canis Major (Gro­ßer Hund) und des­sen hells­ten Stern, Si­ri­us. Im Hoch­som­mer (den so­ge­nann­ten „Hunds­ta­gen“) geht die­ser Stern gleich­zei­tig mit der Son­ne auf.

In­fol­ge der Ne­ben­ef­fek­te der Kli­ma­ka­ta­stro­phe bleibt die­se Wet­ter­la­ge über Ta­ge, ja Wo­chen un­ver­än­dert wie im Him­mel fest­ge­tac­kert. In süd­li­che­ren eu­ro­pä­i­schen Län­dern wer­den heu­te Tem­pe­ra­tu­ren über 40 Grad er­war­tet, Wald­brän­de dro­hen. Auch bei uns herrscht ei­ne Wald­brand­ge­fahr wie sonst eher im Ju­li.


Pas­soire ther­mique: Über­set­zungs­prob­lem


Europa leidet derzeit gemeinsam unter der Hitze. Das Wort „leiden“ ist wörtlich zu nehmen.

Fran­zö­si­schen Re­gie­rungs­an­ga­ben zufolge hat die Ex­trem­wet­ter­la­ge im Land be­reits sie­ben Men­schen­le­ben ge­for­dert. Die An­zahl der in schlecht iso­lier­ten Woh­nun­gen auf­grund der Hit­ze vor­fris­tig Ver­stor­be­nen wird nicht er­fasst (oder ist noch nicht pu­bli­ziert).

Allerdings gibt es einen Be­griff für die­se Be­hau­sun­gen, die be­son­ders häu­fig im so­zia­len Woh­nungs­bau zu fin­den sind: les pas­soi­res ther­mi­ques, im Win­ter teu­er zu hei­zen, im Som­mer mög­li­che Hit­ze(to­des)­fal­len. Auch Al­ten­hei­me und Schu­len gel­ten (im wahrs­ten Wort­sinn) als Brenn­punk­te, die nur we­nig Be­ach­tung fin­den. Men­schen, die drau­ßen ar­bei­ten, zäh­len eben­falls zu den Ver­ges­se­nen.

Po­li­ti­sche Groß­wet­ter­lage


In­des: Kli­ma­schutz scheint aus der Sicht man­cher Par­tei­en in bei­den Län­dern ein The­ma zu sein, das zu­rück­ste­hen muss in der all­ge­mei­nen Po­li­tik- und Wirt­schafts­kri­se. Da­bei ist die Kli­ma­kri­se ein Teil der Wirt­schafts­kri­se. 

Nö­tig: Mehr In­ves­ti­tio­nen in In­fra­struk­tur
Es wird über Tech­no­lo­gie­of­fen­heit fa­bu­liert, wäh­rend Chi­na in ei­nem Jahr so viel So­lar­ener­gie in­stal­liert, wie der Rest der Welt seit Be­ginn der Tech­no­lo­gie ins­ge­samt. 
Das war 2025. Ein Jahr der Hit­ze­re­kor­de, die „Jahr­hun­dert­wet­ter" ge­nannt wer­den, trotz des re­gen­rei­chen Som­mers.

Und 2026 wer­den die­se „Re­kor­de" er­neut ge­schla­gen, als wä­ren es Er­run­gen­schaf­ten auf Olym­pi­a­den. Zu­gleich ver­leug­nen im­mer mehr vor al­lem rechts­ex­trem ge­präg­te Re­gie­run­gen den men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del und wol­len ins fos­sile Zeit­al­ter zu­rück­keh­ren.

Was­ser­man­gel


Auch in Deutsch­land ist die La­ge kri­sen­haft: Noch be­vor der Som­mer über­haupt be­gon­nen hat, bit­ten ers­te Kom­mu­nen in Nord­rhein-West­fa­len die Ein­woh­ner­schaft, bitte Trink­was­ser zu spa­ren. Der Grund­was­ser­pe­gel liegt der­zeit deut­lich un­ter dem Durch­schnitt. Noch sieht es ei­ni­ger­ma­ßen grün aus da drau­ßen, aber tief im Bo­den wer­den die Was­ser­re­ser­ven knapp.

Die Bö­den selbst spei­chern Was­ser: bis in zwei Me­ter Tie­fe kann der Nie­der­schlag ei­nes hal­ben Jah­res ste­cken. Die Vor­aus­set­zung da­für ist, dass er re­gel­mä­ßig fällt. Wenn es ab dem Wo­chen­en­de reg­nen wird, wird viel ein­fach nur „durch­lau­fen" oder, schlim­mer, kost­ba­ren Hu­mus weg­spü­len. Wir al­le ken­nen das, wenn wir nach ei­nem Ur­laub die Bal­kon­käs­ten das ers­te Mal wie­der gie­ßen: Erst­mal läuft's durch. Die Acker­bö­den trock­nen wei­ter aus, was ei­ne Ge­fahr für un­se­re Le­bens­mit­tel­ver­sor­gung dar­stellt.

Die Land­wirt­schaft wird sich um­stel­len müs­sen. Wir sind längst in ei­ner an­de­ren Kli­ma­zo­ne an­ge­kom­men mit ei­ner an­de­ren Ver­tei­lung der Nie­der­schlä­ge über das Jahr. Tro­cke­ne Som­mer be­gin­nen im Früh­jahr. Die sonst feuch­ten Win­ter sind in Sum­me auch tro­cke­ner und hel­fen nicht mehr, die Was­ser­spei­cher auf­zu­fül­len. Durch hö­he­re Tem­pe­ra­tu­ren steigt zu­dem die Ver­duns­tung an.

War­me Luft kann we­sent­lich mehr Was­ser­dampf auf­neh­men als kal­te Luft.Faust­re­gel: Pro Grad Tem­pe­ra­tur­an­stieg sind es rund sie­ben Pro­zent mehr Feuch­tig­keit. Die über­aus sta­bi­len Wet­ter­la­gen füh­ren am En­de zu mehr Ak­ku­mu­la­ti­on von Was­ser in den Wol­ken, was wie­de­rum Stark­re­gen­er­eig­nis­se wahr­schein­li­cher macht.
 

Fazit


Kli­ma­schutz ist nicht die Kir­sche auf der Tor­te, son­dern ist Tor­ten­bo­den und die Tor­te selbst mit ih­ren Schich­ten. Wir müs­sen als Ge­sell­schaft end­lich ler­nen, ei­ne Ah­nung von den In­ter­de­pen­den­zen zu be­kom­men, mit de­nen wir es zu tun ha­ben.

Kli­ma­schutz ist ein Kon­junk­tur­pro­gramm, denn ei­ne re­si­li­en­te Um­welt, ei­ne re­si­li­en­te In­fra­struk­tur sind schlicht die Grund­vor­aus­set­zung des Wirt­schaf­tens.

Vo­ka­bel­no­tiz


Der fran­zö­si­sche Be­griff la pas­soi­re ther­mi­que, wört­lich: ein ther­mi­sches Sieb (das al­les durch­lässt), wirft ei­ne Über­set­zungs­fra­ge auf. „Schlecht iso­lier­te Woh­nung" wä­re die neut­rals­te Um­schrei­bung, „Wär­me­schleu­der" die Be­schrei­bung aus Win­ter­per­spek­ti­ve, „Hit­ze­fal­le" nimmt den Som­mer zum Aus­gangs­punkt. Bei „ener­ge­ti­sche Bruch­bu­de" steckt schon ein deut­li­ches Maß Po­le­mik in der Aus­drucks­wei­se.

Was ist Ihr/Dein Fa­vo­rit? Gibt es bes­se­re Vor­schlä­ge?

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Gra­fik: Lot­te Rei­nin­ger, Prinz Ach­med

Mittwoch, 27. Mai 2026

Sicht­bar­keit und Qualität

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Wie wir Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Über den Be­ruf ver­öf­fent­li­che ich hier im 20. Jahr Tex­te. Die Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) ver­zerrt der­zeit in mehr­fa­cher Hin­sicht den Markt.

Heute fasse ich meh­rere As­pek­te zu­sam­men, denn die be­rühm­ten Hal­lu­zi­na­tio­nen sind bei wei­tem nicht das ein­zige Pro­blem der Tech­nik.

Das Pa­ra­dox der glat­ten Stim­men

Der­zeit durch­le­ben viele frei­be­ruf­li­che Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher eine Krise. Da sind zu­nächst man­che Tech­nik­an­bie­ter:innen, die vor­ge­ben, die KI könne in­zwi­schen so gut oder fast so gut wie Men­schen dol­met­schen. Das ist ge­lo­gen, und die­se Fir­men wis­sen das.

Die Tech­nik kommt so­gar bei op­ti­ma­len La­bor­be­din­gun­gen nicht ein­mal so weit, dass sie den Ein­gangs­test der Fach­aus­bil­dung an der Hoch­schule be­ste­hen würde. Ihr Out­put klingt stel­len­weise gut, strotzt aber vor Feh­lern, Aus­las­sun­gen und Er­fin­dun­gen. 

Frau in der Kabine, vor ihr das Schreckgespenst KI
Kommentar der KI selbst
Die Ma­schine, die eher hal­lu­zi­niert als zu­zu­ge­ben, dass Hin­ter­grund­wis­sen fehlt oder ein an­de­rer Feh­ler vor­liegt, setzt Fehl­in­for­ma­tio­nen in die Welt. Das kos­tet am Ende oft mehr, als an Aus­ga­ben ge­spart wurde. Dann ist da noch die aal­glat­te Stim­me oh­ne Em­pa­thie, dafür mit et­li­chen Be­to­nungs­feh­lern, denn sie weiß nicht, was sie da­her­plap­pert.

Ak­tu­el­le For­schun­gen haben er­ge­ben, dass die In­hal­te, die von ei­ner künst­li­chen Stim­me ver­mit­telt wer­den, in der Be­hal­tens­kurve der Zu­hö­rer­schaft weit hin­ter dem zu­rück­blei­ben, was eine echte mensch­li­che Stimme ver­mit­teln kann. Hier wird Ver­mitt­lung nur si­mu­liert. (Da­zu mehr, so­bald al­les ver­öf­fent­licht ist.)

Qua­li­tät ist schwer zu fin­den

Et­li­che un­se­rer Kund:innen, die uns als Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher su­chen, star­ten mit einer On­line-Re­cherche. Such­ma­schi­nen zei­gen Agen­tu­ren, Ver­zeich­nisse und stark op­ti­mierte Web­sites ak­tu­ell sehr weit oben an.

Das mag prak­tisch sein, kann aber ge­nauso eine Fal­le sein wie die Su­che mit der KI. Daher sa­gen die Sucher­geb­nisse der­zeit meist nur ein­ge­schränkt etwas über die Qua­li­tät der sprach­li­chen Ar­beit aus.


Dis­kre­tion ist zen­tral

Im Be­reich des Kon­fe­renz- und Ver­hand­lungs­dol­met­schens funk­tio­niert der Markt in vie­ler­lei Hin­sicht an­ders als es auf den ers­ten Blick ver­mu­tet wird. Viele sehr er­fah­rene Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten seit Jah­ren für Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten, in­ter­na­tio­nale In­sti­tu­tio­nen, Kul­tur­ein­rich­tun­gen oder Un­ter­neh­men, dis­kret und oft über per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen. Auch die­ser Blog hier nennt nur sel­ten Na­men, und zwar aus­schließ­lich dann, wenn die Ar­beit öf­fent­lich oder halb­öf­fent­lich war, z.B. bei Pres­se­kon­fe­ren­zen.

Die meis­ten Ein­sätze sind ver­trau­lich. In sen­si­blen oder po­li­ti­schen Zu­sam­men­hän­gen ge­hört Zu­rück­hal­tung zur Grund­lage. Denn nicht jede Kon­fe­renz, nicht jedes Hin­ter­grund­ge­spräch und nicht jede De­le­ga­ti­ons­reise eig­nen sich für öf­fent­li­ches Re­fe­renz­mar­ke­ting. Wir sind viele, die sich als Sprach­pro­fis blei­ben des­halb on­line be­wusst zu­rück­hal­ten bzw. nur win­zige Aus­schnitte zei­gen, et­wa dann, wenn ein neuer Be­griff ge­sucht wird.


Un­schär­fen, von der KI ge­spie­gelt

Noch einen Feh­ler macht die KI häu­fig. Sie ver­wech­selt die Be­griffe "Über­set­zen" und "Dol­met­schen" bzw. setzt diese gleich. Hier spie­gelt der vir­tu­elle Su­per­com­pu­ter, dass auch im All­tag die Men­schen außer­halb der Bran­che die Be­griffe sehr oft nicht un­ter­schei­den kön­nen.

Bei ei­ni­gen schnel­len Stich­pro­ben (noch vor der Hit­ze­welle, im März, ich will ja nicht den Druck aufs Was­ser nicht noch mehr er­hö­hen), wur­den auch Kolleg:innen an­ge­zeigt, die gar nicht mehr ak­tiv sind. Das Sys­tem be­lohnt gutes SEO, auch dann, wenn es lange zu­rück­liegt, sowie das Alter der Web­seiten.

Nächs­ter Feh­ler: Die KI setzt oft eine ge­richt­li­che „Be­ei­di­gung“ vor­aus, um Kolleg:innen an­zu­zei­gen. Auch hier spie­gelt sie die Un­klar­heit der meis­ten Men­schen dar­über, was eine „Be­ei­di­gung“ be­deu­tet. Die ge­richt­li­che Be­ei­di­gung ist eine for­male Qua­li­fi­ka­tion für Ge­richts-, No­ta­riats- oder Be­hör­den­ein­sätze. Für die Qua­li­tät im Kon­fe­renz-, Kul­tur-, Me­dien- oder Wirt­schafts­dol­met­schen ist sie aber nicht aus­schlag­ge­bend. 


Au­gen­arzt ist nicht gleich Kin­der­arzt

Die An­for­de­run­gen un­ter­schei­den sich: Si­mul­tan­dol­met­schen bei in­ter­na­tio­na­len Ver­an­stal­tun­gen oder di­plo­ma­ti­schen Be­geg­nun­gen ver­langt neben sprach­li­cher Prä­zi­sion auch hohe Fle­xi­bi­li­tät, was die Si­tua­tio­nen an­geht, in­halt­li­che Viel­sei­tig­keit, kul­tu­rel­les Fin­ger­spit­zen­ge­fühl und oft jah­re­lange Er­fah­rung in kom­ple­xen Kom­mu­ni­ka­tions­si­tua­tio­nen.

Ei­nige der eben er­wähn­ten Punkte müs­sen auch Ge­richts­dol­met­scher:innen mit­brin­gen, die al­ler­dings eine starke Spe­zia­li­sie­rung auf Jura mit­brin­gen. Über das Thema schreibe ich dem­nächst mal ge­son­dert. Die Un­ter­schiede las­sen sich durch­aus mit fach­ärzt­li­chen Aus­rich­tun­gen ver­glei­chen. Wenn Menschen zur Kin­der­ärz­tin gehen möch­ten, ma­chen sie keinen Ter­min mit der Au­gen­ärz­tin aus. Die KI ver­mischt hier also Äpfel und Bir­nen.

Große Fir­men be­vor­zugt 

Die KI be­vor­zugt außer­dem Agen­tu­ren, echte oder sol­che, die nur aus Bau­kas­ten­text, Brief­kas­ten­adresse und Stock­fotos be­ste­hen und ei­gent­lich in Asien be­hei­ma­tet sind oder per Fran­chi­sing auf re­gio­nale An­säs­sig­keit set­zen, wo­bei die Büro­lei­tung nicht sel­ten fach­fremd ist und in ei­ni­gen Fäl­len aus Stu­den­ten im Mi­ni­job be­steht. 

Echte Agen­tu­ren erfül­len wich­tige Funk­tio­nen, wenn sie Groß­pro­jekte koor­di­nie­ren, Teams zu­sam­men­stel­len, Tech­nik or­ga­ni­sie­ren und ad­mi­nis­tra­tive Ab­läufe steu­ern. Diese ma­chen ihren ei­ge­nen Auf­wand in der Regel deut­lich und schla­gen eine Gebühr für diese Ar­beit auf. Hier trennt sich Spreu vom Wei­zen. (Im Zwei­fels­fall fra­gen Sie nach die­ser Gebühr bzw. bit­ten um De­tails zur Ho­no­rar­auf­tei­lung.)


"Si­mu­lierte" Si­mul­tan­dol­metsch­fir­men

Jene, die ich Pseu­do-Agen­tu­ren nenne, haben sich nicht auf die Kun­den­zu­frie­den­heit ver­stän­digt, son­dern sind zual­ler­erst an ihrem ei­ge­nen Ge­winn in­ter­es­siert. Et­li­che be­hal­ten so­gar für ein­fachste Ein­sätze ohne gro­ßen Ver­mitt­lungs­auf­wand Agen­tur­auf­wand-"Ge­bühren" von bis zu 50 Pro­zent ein, die von un­se­rem Ho­no­rar ab­ge­hen. (Wir "Senior In­ter­pre­ter" spie­len da meis­tens nicht mit.)

Für Auf­trag­ge­be­rinnen und Auf­trag­ge­ber ist die di­rekte Be­auf­tra­gung der beste Weg, auch bei grö­ße­ren Ver­an­stal­tun­gen. Jede/r von uns hat auch schon ein­mal "nur" or­ga­ni­siert. Es ist also wich­tig, wenn Kund:in­nen sich ge­nau un­sere in­di­vi­du­el­len Er­fah­run­gen, Spe­zia­li­sie­run­gen und Ar­beits­wei­sen an­schau­en. Dar­über äu­ßern wir Dol­met­scher:innen uns durch­aus.

Fa­zit

Gute Dol­met­sch­leis­tung lässt sich also kaum an der Sicht­bar­keit im Netz ab­le­sen. Wir ar­bei­ten meis­tens außer­halb der Bild­aus­schnitte, die Ka­me­ra­ob­jek­tive ein­fan­gen. Wir ste­hen oder sit­zen im Hin­ter­grund oder in der Dol­metsch­ka­bine. Für uns ist die Zu­frie­den­heit der Endkund:innen zentral. Dann fol­gen lang­fris­tige Be­zie­hun­gen zur Auf­trag­ge­ber­schaft. In der Ar­beit ste­hen Prä­zi­sion, Ver­läss­lich­keit, Dis­kre­tion und die Fä­hig­keit im Fo­kus, selbst an­spruchs­volle Ge­sprä­che sprach­lich sou­ve­rän zu be­glei­ten.

Das be­son­dere Plus

Mensch­li­ches Dol­met­schen ist also auch immer ein Zei­chen von Wert­schät­zung, den End­kund:in­nen und dem Red­ner­pult ge­gen­über. Hier geht es um Ge­nau­ig­keit, um Fein­hei­ten und um die Kunst der Kom­mu­ni­ka­tion.

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Gra­fik: ChatGPT (als ich neu­lich nach Ideen
für eine Gra­fik frag­te und mit Text rech­ne­te)

Dienstag, 26. Mai 2026

Montagsschreibtisch (141)

Bon­jour ! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne bei Kon­fe­ren­zen oder be­glei­te De­le­ga­tio­nen oder auch Kund­schaft in­di­vi­du­ell. Was liegt die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch? Mein Mon­tags­schreib­tisch mal wie­der am Diens­tag!

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, wie wir ar­bei­ten, da­von er­hal­ten Sie seit 2007 auf die­sen Sei­ten ei­nen Ein­druck. Ich bin Dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, die Dritt­spra­che Eng­lisch. Mei­ne Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che, ge­mein­sam ar­bei­ten wir ins Deut­sche. Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin ist Film und Me­dien (Link): Dreh­buch und Dreh­ar­bei­ten, Pro­duk­tion, Mar­ke­ting, Fes­ti­val. 

Stifte und Pinsel und ein Souvenir
In Can­nes war ich die­ses Jahr schon wie­der nicht. Erst Jah­re mit ei­nem klei­nen Kind, dann die Pan­de­mie, mein ei­ge­nes (über­stan­de­nes) Long Co­vid, dann An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge, auch bei uns gibt es gro­ße Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern, die Lis­te der Grün­de ist lang.

Noch ein Grund, der mich der­zeit stark be­las­tet: ge­wis­se KI-Nerds, die vor­ge­ben, die­se Tech­nik kön­ne ganz al­lein und oh­ne Men­schen dol­met­schen. Die­se Herr­schaf­ten ha­ben nicht mir seit Mo­na­ten zu viel Um­satz ge­stoh­len. An­ders als Dieb­stahl kann ich es nicht be­zeich­nen.

Die End­kund­schaft be­kommt Fake-Dol­met­schen, auch KI-Bull­shit ge­nannt: Stre­cken­wei­se gut, al­so satz­wei­se, dann Pau­sen, dann Über­schall­ge­schwin­dig­keits­wort­sa­lat, dann er­fun­de­ne Ver­ben, dann Sil­ben­sa­lat (hier: Link).

Man­cher Ver­an­stal­ter spricht am En­de von „kei­nen oder we­ni­gen Be­schwer­den“, da­bei reicht es doch selbst, mal rein­zu­hören oder die Au­gen auf­zu­ma­chen, wenn die „Über­tra­gung“ per Un­ter­ti­tel ge­schieht. Es ist auch ein Pro­blem Mann-Frau. Die Ent­schei­der sind sehr oft Män­ner. Sie wa­ren in der Sprach­ar­beit schon im­mer von ei­nem Be­rufs­stand ab­hän­gig, in dem haupt­säch­lich Frau­en ar­bei­ten. Am En­de ge­ben sich die Ker­le High-five und üben sich in Schul­ter­klo­pfen: „Wir sind Pio­nie­re, die Tech­nik wird schon!“

Wird sie nicht. Die Tech­nik ist zu ein­deu­tig, ver­gli­chen mit dem Cha­os mensch­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on, die sie dau­er­haft über­for­dert, auch mit „selbst­ler­nen­der KI“. (Und noch ein Link.)

War­um gibt es so we­nig Be­schwer­den? Das ist wich­tig: Die Leu­te ha­ben das Ge­fühl, dass sie die Sprach­ar­beit gra­tis be­kom­men ... und ei­nem ge­schenk­ten Gaul ... Naja. Oder aber sie la­chen die Tech­nik im Grun­de aus und ver­su­chen es oh­ne oder mit den gro­ben An­halts­punk­ten zum In­halt, die sie lie­fert. Dass es hier zu öko­no­mi­schen Schä­den kommt, dass die End­kund­schaft ein An­recht auf gu­te Sprach­ar­beit hat, z.B. wenn sie ho­he Ein­tritts­prei­se für ei­ne Mes­se ent­rich­tet, däm­mert den Ers­ten.

So, nun zum Pro­gramm der Wo­che:
✗ Zwei Buch­ti­tel prü­fen, ob ich sie über­set­zen mag (Rech­te wer­den der­zeit ver­han­delt)
✗ Frau­en, Wis­sen­schaft, Kunst
✗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge

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Fo­to:
C.E.

Montag, 18. Mai 2026

Montagsschreibtisch (140)

Ei­nen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. 

Gemütlicher Leseplatz

Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

Sprach­ar­beit er­for­dert gro­ße geis­ti­ge und kör­per­li­che Fle­xi­bi­li­tät. Das Wo­chen­pro­gramm ist wie­der recht bunt.

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:
❦ Frau­en in der In­for­ma­tik
❦ Bör­sen­strom­prei­se
❦ Hör­spiel­dra­ma­tur­gie
❦ Kos­ten­vor­an­schlag
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­te auf­ar­bei­ten

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Bild:
Zu­falls­fund

Samstag, 16. Mai 2026

KI und Grafik

Bon­jour & hel­lo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­sch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze (auch aus dem Eng­li­schen). Heu­te mein Link der Wo­che. 

Am Don­ners­tag habe ich KI-Gra­fik gelobt, weil es so schnell ging. Ach­tung: Das war kein pau­scha­les Lob. Für die­se Bran­che gilt mit der Ex­trem­di­gi­ta­li­sie­rung, dass wir schon jetzt die oft er­kenn­ba­re „Äs­the­tik“ über haben. Die KI ist nicht in­no­va­tiv, das sind nur Men­schen. Und hier fällt die Ma­xi­mal­tech­ni­sie­rung durch einen mas­si­ven Vor­la­gen­dieb­stahl auf, wie's auch für die Tex­te gilt, für Sti­le wie für In­hal­te.

Draufsicht: Technik, Papier in der Kabine
Ein Dol­metsch­ar­beits­platz
Wir haben es mit mas­si­ven Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen, mit Qua­li­täts­ver­lust und dem Schutz von Ar­beits­plät­zen zu tun. Die ethi­schen Be­den­ken wer­den der­zeit kaum ge­hört.
Das ist ein ge­sell­schaft­li­ches Prob­lem.

Denn die Künst­le­rin­nen und De­si­gner, Au­to­rin­nen und Tex­ter wur­den nie um Er­laub­nis ge­fragt ... und sie wur­den erst recht nicht fi­nan­zi­ell ent­lohnt.

Für den Auswurf der krea­ti­vem Ho­mo­ge­ni­sie­rung gibt es einen Be­grif­f. End­lich ha­be ich für das eng­li­sche AI slop auch eine deut­sche Ent­spre­chung ge­fun­den, den „ge­ne­ri­schen Ein­heits­brei“.

Bei KI-Gra­fi­ken ist es wie mit der Sprach­ar­beit: Hier fehlt der emo­tio­na­le oder kul­tu­rel­le Kon­text. Und das spü­ren wir beim Be­trach­ten.

Für die ra­sche Il­lus­tra­ti­on oder das Lö­schen stö­ren­der Ele­men­te taugt die KI. Was ich hier mit der Technik il­lus­trie­re, hät­te nie­mals zu einem Gra­fik­auf­trag ge­führt. Ich hät­te ein Foto aus der Sprach­ar­beit ge­nom­men. Das gilt auch für ra­sches „dee­peln“ eines fremd­spra­chi­gen Tex­tes, um einen gro­ben Über­blick zu be­kom­men.

Das The­ma Ethik und KI muss er­wei­tert wer­den auf die Fra­ge nach der Macht­kon­zen­tra­ti­on durch die Tech­nik: Fin­ger weg von Bild­ge­ne­ra­to­ren (Netz­po­li­tik.org)!

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Donnerstag, 14. Mai 2026

KI-Murks (7)

Wie und was Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin­nen ma­chen, natür­lich auch die weni­gen Män­ner im Be­ruf, beschrei­be ich hier in lo­ser Folge im 20. Jahr. Ich arbei­te mit den Spra­chen DE, FR und aus dem Eng­li­schen. Dane­ben über­set­ze ich (schrift­li­che Ar­beit), so wie es die Büro­kol­le­gin macht, nur arbei­tet sie mit As­sis­ten­tin im Spra­chen­paar EN⇔DE.

Papagei auf Schulter des Redners versus verrottende Texte
Schicksal der Rede: Papagei oder Rotte?
Groß­ar­ti­ge KI! Hier als „Über­set­ze­rin“, ein Totalausfall), ist also ironisch gemeint, dort in der Umset­zung mei­nes Prompts, sie­he rechts, ernst ge­mein­tes Lob (außer, dass Frau­en feh­len!)
Es folgt der Aus­gangs­satz: Many non-ex­perts as­sume that in­ter­pre­ters will one day be re­placed by ma­chines be­cause they see in­ter­pre­ting as mere me­cha­ni­cal par­rot­ting.

Dar­aus macht die KI (auf Lind­ked­In): „Vie­le Lai­en ge­hen davon aus, dass Dol­met­scher eines Ta­ges durch Maschi­nen er­setzt wer­den, da die Men­schen Dol­met­schen als mecha­ni­sches Nach­ver­rot­ten ver­ste­hen.“

Der Grund für das Ver­sa­gen war der Tipp­feh­ler in par­ro­ting, ein Wort, das sich nicht mit dop­pel­tem T schreibt. Das Sys­tem hat das Wort des­halb falsch zer­legt, und so lan­de­te es im Or­kus, ir­gend­wo zwi­schen dem Prä­fix „nach-“ und „rot­ten“ (ver­rot­ten).

Das ist sprach­li­che Rot­te, kul­tu­rel­le Entro­pie oder Zom­bie­syn­chro­ni­sa­ti­on und genau die Art Feh­ler, den vie­le Sprach­sys­te­me sehr ger­ne ma­chen: for­mal plau­si­ble deut­sche Wort­bil­dung, se­man­ti­scher To­tal­scha­den.

Noch ein­mal: Der Grund fürs Ver­sa­gen ist ein Tipp­feh­ler von mensch­li­cher Hand. Die KI ver­sagt hier und beim Dol­met­schen so oft, da Kom­mu­ni­ka­ti­on aus Kon­text be­steht, aus Vor­wis­sen, Erfah­rung und Sprech­ab­sich­ten.

Da­rum ist der eng­li­sche Satz trotz des Tipp­feh­lers rich­tig: Dol­met­schen ist mehr als Nach­plap­pern.

Voka­bel­no­tiz
to parrot — gedan­ken­los nach­plap­pern
to rot — ver­rot­ten

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Gra­fik: ChatGPT (ers­ter Ver­such!)

Mittwoch, 13. Mai 2026

Sprache sind keine Daten

Herz­lich will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, auf der ich über Spra­che schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len steht. Ich bin auch Über­set­zerin, denn Krea­ti­ves wie Dreh­bü­cher passt meist nicht zur Ma­schi­ne. Ich schrei­be auch Tex­te um und adap­tie­re sie an die ver­schie­de­nen Be­dürf­nis­se. Im fol­gen­den Text re­flek­tie­re ich die KI aus der dop­pel­ten Per­spek­ti­ve als Dol­met­scherin und Über­set­ze­rin.

„Was macht die KI mit Ih­rer Bran­che?“, wur­de ich ges­tern von mei­ner Au­gen­ärz­tin et­was kul­tur­sen­si­bler ge­fragt als neul­ich von der Da­me im Zug (Be­richt ges­tern). Danke für die Frage! Wir sind ei­ni­ge, die den KI-Nerds und Hei­ße-Luft-Ver­käu­fern den Kampf an­ge­sagt ha­ben.

Versteckt in der Kabine
Das be­deu­tet: Wir sind nicht kom­plett ge­gen die KI, die vie­les kann, zum Bei­spiel lang­wei­li­ge Lis­ten in Win­de­seile er­stel­len (die trotz­dem zu prü­fen sind), gut rech­nen und Tipp­feh­ler fin­den (was im­mer ei­nen mensch­li­chen Durch­gang be­darf), die Feh­ler in Com­pu­ter­codes fin­det oder selbst Codes su­per er­gän­zen kann. Ja, das ist schon toll.

Aber krea­ti­ve Ar­beit kann sie nur si­mu­lie­ren. Wenn es Ar­beit mit Sinn, Stil und Ab­sicht ist, schei­tert sie oft, bei ge­spro­che­ner Spra­che erst recht: 85 Pro­zent Ge­nau­ig­keit wä­ren da in den nächs­ten Jah­ren mög­lich, sag­te neul­ich ei­ner der Tech­nik­ver­käu­fer (ak­tu­ell sind es laut WHO 43 Pro­zent). Das Ziel sieht groß aus, ist es aber nicht. Wür­den Sie in ein Flug­zeug ein­stei­gen, bei dem die Ab­sturz­quo­te bei ei­nem Vier­tel liegt? Wohl nicht.

Auch im Be­reich Text­ar­beit ist Vor­sicht an­ge­ra­ten. Die Tex­te klin­gen glatt, zu glatt, was kein Wun­der ist: Sie spie­geln den Durch­schnitt des schon Ge­schrie­be­nen. Stil ent­steht durch Form­kennt­nis, durch Kul­tur und Nut­zung oder das Bre­chen der Re­geln. Das ist mein Brot-und-But­ter-Ge­schäft: krea­ti­ve Tex­te für Ki­no und TV und in der Me­dien­pro­duk­tion; Sätze, die sit­zen müs­sen.

Al­les, was zu glatt ist, fällt nicht nur bei Men­schen durch. Es wird in­zwi­schen von den Ma­schi­nen, die im Netz bei­spiels­wei­se Ih­re Sei­te be­wer­ten und ein­stu­fen, schlicht nicht mehr wahr­ge­nom­men. Ih­re Sei­te bie­tet jetzt mehr In­for­ma­tio­nen als frü­her an, bringt aber kei­ne an­de­re Sicht­bar­keit? Da wird bei ih­rer Er­stel­lung wohl zu viel KI im Spiel ge­we­sen sein.

In der Schu­le sind wir stän­dig vor der Wie­der­ho­lung von Be­grif­fen ge­warnt wor­den. „Du musst Sy­no­ny­me ein­set­zen“, war da­mals das Man­tra. In der wis­sen­schaft­li­chen Ar­beit ist das falsch, bei vielen Webseiten auch. Für die Sicht­bar­keit im Netz sind Sy­no­ny­me oft Gift, vor al­lem dann, wenn es kei­ne ech­ten sind. Ich ha­be ge­ra­de die Sei­te ei­nes Un­ter­neh­mens le­kto­riert, da wa­ren von acht Sy­no­ny­men sechs falsch und ha­ben den Text ver­wäs­sert und un­sicht­bar wer­den las­sen.

Kei­ne Zi­ta­te, Kun­den­schutz, aber die Be­grif­fe „Dol­met­scher“ und „Über­set­zer“ sind ja auch kei­ne Sy­no­ny­me. Wie er­bit­tert strei­ten man­che Pres­se­leu­te mit uns, dass dem doch so sei, ob­wohl wir als Pro­fis de­nen nach­wei­sen kön­nen, dass sie falsch lie­gen. (Recht­ha­ben ist be­quem ge­wor­den in Zei­ten, in de­nen noch die ku­rio­ses­te In­for­ma­ti­on als „Mei­nung“ un­wi­der­spro­chen im Raum ste­hen blei­ben darf.)

Wenn Ih­nen ag­gres­siv ver­kauft wird, dass heu­te die Ma­schi­nen die bes­se­ren Dol­met­scher:in­nen und Über­set­zer:in­nen sei­en, dann soll­ten Sie dies wis­sen:

KI-Sys­te­me nei­gen da­zu, Wi­der­sprüch­li­ches oder Un­voll­stän­di­ges zu „glät­ten“. Wo wir Men­schen nach­fra­gen, er­fin­det KI häu­fig schein­bar plau­si­ble Ant­wor­ten. Das ist oft ge­fähr­lich: Was pas­siert, wenn ei­ne Über­set­zung zu 85 Pro­zent rich­tig ist, in den üb­ri­gen Stel­len aber gra­vie­ren­de Feh­ler, Haf­tungs­ri­si­ken oder Si­cher­heits­pro­ble­me ent­ste­hen? Ge­ra­de im ju­ris­ti­schen Be­reich sind Ge­set­ze und Rechts­la­gen zwi­schen Län­dern nicht de­ckungs­gleich. Sprach­pro­fis wis­sen das und klä­ren Zwei­fels­fäl­le mit An­wält:in­nen oder No­tar:in­nen ab.

Vie­le KI-Fir­men ste­hen mas­siv un­ter Druck. Die Mil­li­ar­den-In­ves­ti­tio­nen ha­ben nicht zu wirt­schaft­li­chen Er­fol­gen ge­führt. Ven­ture-Ca­pi­tal­ge­ber wer­den un­ru­hig. Zu­gleich wird der Ein­druck ver­mit­telt, KI kön­ne mensch­li­che Sprach­pro­fis schon jetzt oder in Kür­ze voll­stän­dig er­set­zen. Der öko­no­mi­sche Druck ver­zerrt hier die Kom­mu­ni­ka­ti­on, um es di­plo­ma­tisch zu sa­gen.

Auch ge­samt­wirt­schaft­lich macht der Roll­out der­zeit Pro­ble­me. Stu­di­en zei­gen, dass Un­ter­neh­men, die für KI Stel­len ab­ge­baut ha­ben, da­durch nicht au­to­ma­tisch bes­se­re Er­geb­nis­se er­zielt ha­ben. Vie­le Fir­men wür­den der­zeit wie­der Mit­ar­bei­ten­de ein­stel­len, heißt es. Er­folg­rei­cher sind meist je­ne Un­ter­neh­men, die KI als Werk­zeug zur Un­ter­stüt­zung ih­rer Teams nut­zen (und nicht, um Men­schen zu er­set­zen).

Ge­ra­de bei sen­si­blen Tex­ten, bei Web­sei­ten, Ver­trä­gen oder Ver­hand­lun­gen kann KI-"Über­set­zung" schwer­wie­gen­de Feh­ler ein­bau­en. Ju­ris­ti­sche Be­grif­fe, kul­tu­rel­le Nu­an­cen oder sprach­li­che Fein­hei­ten las­sen sich nicht im­mer ein­deu­tig au­to­ma­ti­sie­ren. Feh­ler kön­nen zu Um­satz­ver­lus­ten auf­grund von Miss­ver­ständ­nis­sen, Rechts­strei­tig­kei­ten und Ver­trau­ens­ver­lust füh­ren. Ich ha­be ei­ni­ge Rück­mel­dun­gen die­ser Art von zu­rück­ge­kehr­ten Kun­den.

Auch in der „Echt­zeit-Kom­mu­ni­ka­ti­on“ (von Dol­met­schen wür­de ich nicht spre­chen) ver­tut sich die KI oft in der Ton­la­ge und lässt viel weg oder ver­dreht In­hal­te. Bei Emo­tio­nen, iro­ni­schen Wen­dun­gen und fei­nen Zwi­schen­tö­nen ist sie über­for­dert. In di­plo­ma­ti­schen, me­di­zi­ni­schen oder wirt­schaft­li­chen Ge­sprä­chen ha­ben klei­ne Feh­ler oft gro­ße Fol­gen. Hin­zu kommt ein ge­fähr­li­cher Ef­fekt: Weil die KI-Aus­wür­fe oft sou­ve­rän wir­ken, wird ih­re Ge­nau­ig­keit häu­fig über­schätzt.

Wir aus der Sprach­bran­che se­hen die Zu­kunft des­halb nicht in der Er­set­zung mensch­li­cher Dol­met­scher:in­nen, son­dern in ei­ner ver­ant­wor­tungs­vol­len Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Mensch und KI. Die KI kann uns in der Vor­be­rei­tung un­ter­stüt­zen, kann Red­ner:in­nen mit Leucht­sig­nal­zei­chen zei­gen, wenn sie zu schnell spre­chen: die „Pult-Am­pel“! Bei Über­set­zun­gen ist sie mal hilf­reich, mal nicht. Ech­te krea­ti­ve Tex­te eig­nen sich oft zu null Pro­zent für au­to­ma­ti­sche Be­ar­bei­tung. (Die Prob­le­me se­hen oft nur Pro­fis.)

Kurz: Ur­teils­ver­mö­gen, kul­tu­rel­les Ver­ständ­nis, Ethik und Ver­ant­wor­tung sind mensch­li­che Auf­ga­ben.

Gleich­zei­tig wächst die Kri­tik an der Macht gro­ßer Tech-Kon­zer­ne, die di­gi­ta­le In­fra­struk­tur, Da­ten und KI-Sys­te­me zu­neh­mend kon­trol­lie­ren. Im­mer mehr Stim­men war­nen da­vor, dass hin­ter Schlag­wor­ten wie „Ef­fi­zi­enz“, „Fort­schritt“ oder „In­no­va­ti­on“ oft auch hand­fes­te wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen, neue Ab­hän­gig­kei­ten und ei­ne wach­sen­de Kon­trol­le über öf­fent­li­che und ge­sell­schaft­li­che Struk­tu­ren ste­hen.

Rasch noch ei­nen Satz für mei­ne Freun­de in Süd­frank­reich: Heu­te star­tet das Film­fes­ti­val in Can­nes! Ich wün­sche gu­tes Wet­ter und schö­ne Fil­me! Und wenn was mit Fran­zö­sisch-Über­set­zungs- und Dol­met­sch­be­darf da­bei ist, wo es um Nu­an­cen geht, denn am We­sent­li­chen schei­tert die KI so oft, dann ger­ne mich in­for­mie­ren. Bin die­ses Jahr in der An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge ... viel­leicht nächs­tes Jahr wie­der in ... naja, Can­nes sein! Have fun! Gruß an die Croi­sette!

(Heu­te kei­ne Links, denn kei­ne Zeit!)
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Fo­to: Mar­co Ur­ban — Fo­to­jour­na­list

Dienstag, 12. Mai 2026

Très chic oder trashig?

Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch, das es seit 2007 gibt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Caroline Elias
Die Autorin als Begleitdolmetsche
„Ach, dann müs­sen Sie ja bald aufs Job­cen­ter?", fragt mich vol­ler Mit­ge­fühl die net­te Oma im Zug, als ich ihr sa­ge, was mein Be­ruf ist. Jein. Wer uns der­zeit die Ar­beit klaut, sind Tech­ni­ker, die un­se­ren Kun­den wah­re Wun­der ver­spre­chen, die die KI aber nicht hält, nicht hal­ten kann. Und das liegt vor al­lem an uns Men­schen selbst.

Denn die KI ist oft zu per­fekt für die mensch­li­che Spra­che. Das klingt pa­ra­dox, ist aber ge­nau das Pro­blem. Men­schen spre­chen näm­lich nicht wie Ma­schi­nen. Wir spre­chen un­sau­ber, sprin­gen in Ge­dan­ken, ver­ges­sen Wör­ter, ver­has­peln uns, fan­gen drei Sät­ze gleich­zei­tig an und be­en­den aus­ge­rech­net den zwei­ten.

Je­mand dreht den Kopf vom Mi­kro weg, hustet in den Satz hin­ein oder sucht plötz­lich nach ei­nem Be­griff, der ihm seit vier­zig Jah­ren selbst­ver­ständ­lich war und nun für ei­nen Mo­ment ent­glei­tet. Und trotz­dem funk­tio­niert men­schli­che Kom­mu­ni­ka­ti­on meis­tens er­staun­lich gut. So­lan­ge kei­ne Tech­nik rein­funkt ...

Das liegt dar­an, dass Men­schen eben nicht nur Wör­ter hö­ren. Wir hö­ren Ab­sich­ten, Un­si­cher­hei­ten, Macht­ver­hält­nis­se, Höf­lich­keit, Iro­nie und das, was ge­ra­de nicht ge­sagt wird. Ein Pu­bli­kum merkt oft so­fort, wenn ein Wort plötz­lich fehlt oder er­setzt wird. Wenn aus ei­ner „Kri­se“ nur noch ei­ne „Her­aus­for­de­rung“ wird oder aus ei­nem „An­griff“ ein „Vor­fall“, dann ist das kei­ne sprach­li­che Ne­ben­säch­lich­keit, son­dern oft ei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung. Ge­nau dort wird es für KI schwie­rig, denn Ma­schi­nen er­ken­nen zwar Mus­ter, aber kei­ne Span­nung im Raum.

Die Aus­wür­fe der Ge­rä­te wir­ken trotz­dem oft be­ein­dru­ckend. Wir lesen ei­nen flüs­si­gen Text, der gram­ma­tisch sau­ber und ge­schmei­dig klingt und In­halt lie­fert. Wir hö­ren ei­ne Stim­me, die ru­hig und sou­ve­rän spricht. Das al­les sug­ge­riert Ver­läss­lich­keit ... bis zum zwei­ten Blick. Dann wird aus „très chic“ plötz­lich „tra­shig“, aus dem „Prä­si­den­ten“ ein „Laut­spre­cher“ (the speaker) und aus ei­ner fei­nen An­spie­lung sprach­li­cher Be­ton. Die KI pro­du­ziert oft ei­ne Ober­flä­che, die rei­bungs­los wirkt, aber ge­nau da­durch den Ein­druck von Prä­zi­si­on er­zeugt, wo in Wirk­lich­keit längst Be­deu­tung ver­lo­ren ge­gan­gen ist.

Das Pro­blem liegt nicht nur in ein­zel­nen Feh­lern. Es liegt tie­fer. Mensch­li­che Spra­che ist näm­lich kein sau­be­res Über­tra­gungs­sys­tem, son­dern ein hoch­gra­dig feh­ler­an­fäl­li­ger Vor­gang, der trotz­dem funk­tio­niert, weil Men­schen per­ma­nent er­gän­zen, re­kon­stru­ie­ren und mit­den­ken. Wir ver­ste­hen oft ei­nen halb ver­schluck­ten Satz, den nie­mand voll­stän­dig aus­ge­spro­chen hat. Wir er­ken­nen am Ton­fall, ob je­mand blufft, sich her­aus­re­det oder kurz da­vor ist, die Ner­ven zu ver­lie­ren. Und wir wis­sen meist in­tui­tiv, wann ei­ne Un­schär­fe ab­sicht­lich ist.

Beim Dol­met­schen kommt noch et­was hin­zu. Dort geht es nicht nur um Spra­che, son­dern um Si­tua­tio­nen, um Räu­me, Men­schen und Kon­flik­te, um Zeit­druck und ein Pu­bli­kum mit Vor­wis­sen. Ein- und der­sel­be Satz kann in Ber­lin, Brüs­sel oder Pa­ris voll­kom­men un­ter­schied­lich wir­ken. Er kann iro­nisch klin­gen oder be­lei­di­gend, di­plo­ma­tisch oder lä­cher­lich. Er kann Span­nung ent­schär­fen oder ei­nen gan­zen Raum kip­pen las­sen. Ge­nau die­se Ebe­nen müs­sen Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher in Se­kun­den­bruch­tei­len mit­den­ken.

Und dann gibt es noch die Akus­tik der Wirk­lich­keit: Rascheln, Ne­ben­ge­räu­sche, Halb­sät­ze, Lis­peln und Über­lap­pun­gen. Laut WHO stim­men beim KI-Aus­wurf "Dol­met­schen" im Mit­tel al­ler Spra­chen rund 43 Pro­zent der Wör­ter mit dem Ori­gi­nal über­ein. Al­ler­dings nicht un­be­dingt in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge und lei­der auch nicht im­mer mit den rich­ti­gen Be­zü­gen. Hier se­hen Sie, wie aus ei­ner flüs­si­gen Si­mu­la­ti­on ei­ne fal­sche Aus­sa­ge wird.

Vie­le Men­schen ver­wech­seln Sprach­glät­te mit Sprach­ver­ständ­nis. Die KI klingt oft sou­ve­rän, weil sie kei­ne Müdig­keit kennt, we­der Angst noch Scham, sie ist oh­ne Kör­per und so­zia­len Druck. Aber ge­nau die­se mensch­li­chen Stö­run­gen ge­hö­ren zur Kom­mu­ni­ka­ti­on da­zu. Wir spre­chen nicht trotz un­se­rer Feh­ler. Wir spre­chen mit ih­nen.

Die KI si­mu­liert Kom­mu­ni­ka­ti­on. Wir Men­schen blei­ben un­er­setz­bar.

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Montag, 11. Mai 2026

Montagsschreibtisch (139)

Bon­jour & hel­lo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­sch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze (auch aus dem Eng­li­schen). 

Eiffelturm (Miniatur), Stiftköcher, Uhr
Time is running
Ge­ra­de kom­me ich von ei­nem Fern­ein­satz zu­rück. Die­se Wo­che ste­hen we­ni­ger Ent­fer­nun­gen an.

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:
⊗ Ver­wal­tungs­ein­satz
⊗ Nach­be­rei­tung
⊗ Rech­nungs­we­sen
⊗ Rah­men­be­din­gun­gen in­ter­na­tio­na­ler Zu­sam­men­ar­beit in der Kunst

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Gra­fik:
C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 6. Mai 2026

Die kaputte Leiter

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Wie wir Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Über die Be­rufs­welt schrei­be ich hier im 20. Jahr. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Karriereleiter, die in der Luft hängt. Unten die Jungen, ratlos, oben die Alten bei der Ernte
"Karriereleiter" mit Disruption
Üb­lich war der Be­rufs­ein­stieg mit Sys­tem: Die Jun­gen ler­nen von den Al­ten, die Al­ten von den Jun­gen, denn sie brin­gen fri­sches Wis­sen von den Hoch­schu­len mit, ken­nen ih­re Ge­ne­ra­ti­on gut, ein Ge­ben und Neh­men. So wird Wis­sen nicht nur von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben, son­dern bes­ten­falls wei­ter­ent­wi­ckelt.

Die Neu­lin­ge ha­ben da­bei mit ein­fa­chen Auf­ga­ben be­gon­nen, Er­fah­rung und Rou­ti­ne in der Pra­xis ge­sam­melt. Die un­te­ren Stu­fen der Ka­r­rie­re­lei­ter wa­ren viel­leicht nicht be­son­ders pres­ti­ge­träch­tig, aber sie wa­ren un­ver­zicht­bar.

Und jetzt die Dis­rup­ti­on! Die so­ge­nann­te Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) reißt ge­ra­de die­se un­te­ren Stu­fen aus der Lei­ter. Und sie weiß nicht, was sie tut, sie­he Il­lus­tra­ti­on. 

Die KI warnt nicht, sie ver­spricht nur ra­sche Ge­win­ne. Ei­ne Wirt­schaft, die das Wort Nach­hal­tig­keit noch nicht ver­stoff­wech­selt hat, macht dumm mit.

Im­mer mehr Tä­tig­kei­ten, die frü­her klas­si­sche Ein­stiegs­ar­beit wa­ren, wer­den auf die KI aus­ge­la­gert: Da­ten ein­ge­ben, Do­ku­men­te struk­tu­rie­ren, Ent­wür­fe für Stan­dard­fäl­le tex­ten. Das be­trifft Buch­hal­tung, Ju­ra und Ver­wal­tung glei­cher­ma­ßen.

Die Zah­len da­zu sind ein­deu­tig. In Be­ru­fen mit ho­her KI-An­fäl­lig­keit sind Ein­stiegs­stel­len in den letz­ten Jah­ren um rund 13 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen. In der Fi­nanz­bran­che liegt der Rück­gang bei Ju­ni­or­stel­len so­gar bei ca. 24 Pro­zent, bei ein­zel­nen Tä­tig­kei­ten so­gar hö­her. Gleich­zei­tig bleibt die Nach­fra­ge nach er­fah­re­nen Kräf­ten sta­bil oder steigt.

Auf den ers­ten Blick ist das ef­fi­zi­ent. Ein er­fah­re­ner Mit­ar­bei­ter, un­ter­stützt durch die KI, kann heu­te mehr leis­ten als frü­her ein gan­zes Team von Be­rufs­ein­stei­gern.

Aber Ein­stiegs­jobs sind kei­ne über­flüs­si­gen Rou­ti­ne­po­si­tio­nen. Sie sind die Pha­se, in der sich be­ruf­li­ches Ur­teils­ver­mö­gen ent­wi­ckelt. Wer nie Stan­dard­fäl­le be­ar­bei­tet hat, wird spä­ter auch kei­ne kom­ple­xen Fäl­le sou­ve­rän ent­schei­den kön­nen.

Ge­nau hier ent­steht ei­ne Lü­cke. Un­ter­neh­men spa­ren an den un­te­ren Stu­fen und fra­gen noch nicht, wo­her in Zu­kunft die er­fah­re­nen Fach­kräf­te kom­men sol­len. Wir schaf­fen ein neu­es Pro­blem.

Was ge­ra­de als tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt ver­kauft wird, hat ei­ne drit­te und vier­te Sei­te, über die we­ni­ger ge­spro­chen wird. Die Ar­beit ver­schwin­det nicht ein­fach. Sie ver­la­gert sich.

Ein gro­ßer Teil lan­det wie­der bei den Er­fah­re­nen, die die Aus­wür­fe der Sys­te­me prü­fen, kor­ri­gie­ren und ein­ord­nen müs­sen. Das ist kei­ne Ent­las­tung, son­dern ei­ne Ver­la­ge­rung von Rou­ti­ne in Kon­troll­ar­beit. (For­de­run­gen nach der Ver­län­ge­rung der täg­li­chen Ar­beits­zeit ha­ben plötz­lich ei­nen Grund.)

Der an­de­re Teil wird in klei­ne Auf­ga­ben zer­teilt und aus­ge­la­gert, meist schlecht be­zahlt, oh­ne Zu­sam­men­hang und oh­ne Rück­mel­dung: Click­work statt Be­rufs­ein­stieg bei gleich­zei­ti­ger Ent­wer­tung von Stu­di­um und Aus­bil­dung.

Das ma­chen dann die­je­ni­gen, die ei­gent­lich in ei­nem Be­rufs­kon­text ler­nen soll­ten. Sie be­ar­bei­ten Ein­zel­tei­le, oh­ne das gro­ße Gan­ze zu se­hen. Sie er­hal­ten kei­ne struk­tu­rier­te An­lei­tung und kei­ne ech­te Feed­back-Schlei­fe. Was frü­her ein ge­steu­er­ter Lern­pro­zess war, wird zu ei­ner Ab­fol­ge iso­lier­ter Mi­ni­auf­ga­ben.

Das ist kein Fort­schritt, sondern Blend­werk. Hier wird Macht miss­braucht, al­te Er­fah­rung ver­braucht und kei­ne neue sys­te­ma­tisch auf­ge­baut. Die Pro­duk­ti­vi­tät steigt kurz­fris­tig auf dem Pa­pier, zu­gleich wer­den die Grund­la­gen für die Zu­kunft zer­stört.


Vo­ka­bel­no­tiz

le court-ter­mis­me — das Quar­tals­den­ken, die Quar­tals­den­ke
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Gra­fik:
pixlr.com (Zu­falls­fund)

Dienstag, 5. Mai 2026

Frontalkortex

Bon­jour ! Hier kön­nen Sie Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin bekom­men. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, ar­bei­te ich über­wie­gend ins Fran­zö­sische und aus dem Eng­lischen. Frisch und schnell ver­bloggt ...

Menschen vor Aufstellern, vorne die Fotograf:innen
Fotopause (point of view of the interpreter)
Ein lan­ger Kon­fe­renz­tag: Vor dem Mit­tag­es­sen wer­den Fo­tos ge­macht. 

Nach dem Mit­tag­es­sen geht's wei­ter. Mein Zi­tat des Ta­ges, eine Teil­ne­hme­rin: "So, ich muss rasch noch mein In­tel­li­genz­ge­hirn auf­set­zen, das seid Ihr bei­de, der Fron­tal­kor­tex."

Ach, schön. Danke!

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Fo­to: C.E.

Montag, 4. Mai 2026

Montagsschreibtisch (138)

Aus­weich­schreib­tisch im Schlaf­zim­mer

Gu­ten Tag oder gu­ten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Ber­lin, Mar­seil­le und dort, wo ich ge­braucht wer­de. Heu­te folgt wie­der der Mon­tags­schreib­tisch.

Re­no­vie­rungs­lärm in der Nach­bar­schaft ent­gehe ich am Krea­tiv­schreib­tisch.

Die­se Wo­che steht an:
❦ Mo­de­ra­tions­vor­be­reit­ung
❦ Wort­feld­ar­beit (Nach­be­rei­tung)
❦ Städte­part­ner­schaft
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Foto: C.E. (Ar­chiv)

Sonntag, 3. Mai 2026

Sonntagsausflüge

Bon­jour, hel­lo & gu­ten Tag oder Abend. Hier kön­nen Sie Ein­bli­cke in den Ar­beits­all­tag ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Mut­ter­spra­che Deutsch be­kom­men. Ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und aus dem Eng­li­schen. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Kom­men­tar zum Sonn­tag: Heu­te wird es per­sön­li­cher.

Manch­mal ha­be ich den Ein­druck, dass uns ge­ra­de kol­lek­tiv ge­mach­te Er­fah­run­gen und die Auf­merk­sam­keit für­ein­an­der ent­glei­ten. Empa­thie wirkt wie ein knap­pes Gut. Po­li­ti­sche Maß­nah­men wer­den als „Zu­mu­tun­gen“ be­zeich­net, vie­le Men­schen or­ga­ni­sie­ren sich im All­tag neu, re­du­zie­ren not­ge­drun­gen ihr Au­ßen­le­ben. Die Früh­lings­(pro­ben)­rei­se des kon­zer­tie­ren­den Chors wir­d ab­ge­sagt, weil zu we­ni­ge über die frei­en Mit­tel ver­fü­gen, um den Ei­gen­an­teil zu be­zah­len. Beim Nach­bars­kind fällt die Klas­sen­fahrt flach, di­to.

Men­schen im Über­le­bens­mo­dus ha­ben nur die nächs­te Mahl­zeit, den nächs­ten Tag im Blick. Sie kön­nen we­der die ei­ge­ne La­ge aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve be­trach­ten, noch neue Per­spek­ti­ven und Aus­we­ge fin­den. Sie er­star­ren, free­ze or flight. Das über­trägt sich auf die Kin­der. Der Nach­wuchs im Über­le­bens­mo­dus er­lernt die­sen Zu­stand als Le­bens­grund­ge­fühl. Das ist fa­tal. So wird Ar­mut, wer­den Ängs­te ver­erbt. (So­gar Pe­ter Hartz, auf den die ab­ge­speck­te So­zi­al­hil­fe der Nul­ler­jah­re zu­rück­geht, hat das er­kannt und die da­ma­li­ge Ent­schei­dung ei­nen Feh­ler ge­nannt.)

In der Zwi­schen­zeit hat die Not längst die ge­ho­be­ne Mit­tel­schicht er­reicht. Ei­ne Be­kann­te sucht seit acht Mo­na­ten ei­ne Woh­nung, sie wur­de auf Ei­gen­be­darf ver­klagt. Ih­re Fa­mi­lie ist seit Ge­ne­ra­tio­nen in Ber­lin an­säs­sig. Opas Miets­haus über­stand den Krieg nicht, der Las­ten­aus­gleich brach­te ein Sied­lungs­haus, in dem die Fa­mi­lie der Nich­te lebt. Die Su­che­rin und ihr Mann sind oft um­ge­zo­gen. Er war Wis­sen­schaft­ler, die letz­ten Jah­re hat sie ihn ge­pflegt, dann ging es nicht mehr, sie wur­de selbst krank. Jetzt ist er im Heim.

Die Dame war zwei Jahr­zehn­te lang Frei­be­ruf­le­rin. We­gen ih­rer Al­ters­rück­la­gen gilt sie als zu reich für einen Wohn­be­rech­ti­gungs­schein und ist zu­gleich zu arm für Wohn­ei­gen­tum. In Voll­zeit be­wirbt sie sich um ei­ne neue Blei­be. Aber der Markt kennt kei­ne Men­schen, die we­gen der Pfle­ge län­ger nicht ar­bei­ten konn­ten, das Ver­mö­gen scheint nichts wert, die ü50-Be­wer­berin zu alt zu sein. So­gar kirch­li­che Trä­ger win­ken ab. Jetzt hat das Ge­richt ei­ne zwei­mo­na­ti­ge Ver­län­ge­rung der Aus­zugs­frist an­ge­ord­net. Sie stellt sich auf die Ein­la­ge­rung des Haus­rats und ein über­teu­er­tes WG-Zim­mer ein. Und nie­man­den scheint's zu stö­ren, was auch für die Kür­zun­gen bei Men­schen mit Ein­schrän­kun­gen gilt.

An­de­re Ge­schich­ten schaf­fen es in die Abend­nach­rich­ten. Ein in der Ost­see ge­stran­de­ter Bu­ckel­wal be­wegt die Her­zen. Nach ei­nem acht­wö­chi­gen Dra­ma wird er spen­den­fi­nan­ziert ins of­fe­ne Meer ge­schafft. Das zeigt Mit­ge­fühl. In der Zwi­schen­zeit wird aber in un­se­rem Hei­mat­meer der Schweins­wal im­mer sel­te­ner, ist vom Aus­ster­ben be­droht.

Die öko­lo­gi­schen Dra­men ver­lau­fen lei­ser. Wir wis­sen um Kli­ma­ver­än­de­run­gen, Res­sour­cen­druck, Ar­ten- und Hu­mus­ver­lust. Zu­gleich ent­ste­hen Trends, die sich stark auf das In­di­vi­du­um kon­zen­trie­ren, Stich­wor­te sind „Selbst­op­ti­mie­rung“ und „Lon­ge­vi­ty“, die Me­di­en sind über­voll da­von. Vor­sor­ge ist gut, und doch passt das al­les nicht zu­sam­men. Ist es eine Ant­wort auf die Un­si­cher­heit, sich auf das Na­he zu kon­zen­trie­ren und Selbst­wirk­sam­keit zu er­fah­ren, wenn das Gro­ße schwer fass­bar und ver­stö­rend wird?

Die La­ge ist kom­plex, und doch ist sie so viel ein­fa­cher, als es oft dar­ge­stellt wird. Um­so wich­ti­ger bleibt es, im Ei­ge­nen hand­lungs­fä­hig zu blei­ben. Dem die­nen tat­säch­lich gu­tes, ge­sun­des Es­sen, Sport und Er­ho­lung, Freund­schaf­ten und Kul­tur, Din­ge, für die et­was mehr Geld als das Über­le­bens­not­wen­di­ge nö­tig ist. Wir dür­fen das Ge­mein­sa­me nicht aus dem Blick ver­lie­ren. Denn das ist un­se­re Chan­ce: Kräf­te zu bün­deln und sich kon­struk­tiv für das ein­zu­set­zen, was trägt. 

Ein Sonn­tag im Pa­ra­dies!


Wo­chen­end­plai­sir: Ins Jrü­ne fah­ren. Auf der Pfau­en­in­sel war ich vor mehr als ei­nem Jahr­zehnt mit mei­nem Va­ter das letz­te Mal, er hat sie ge­liebt. Das ist ein wun­der­vol­ler Ta­ges­aus­flug­s­tipp! Es gibt auch ei­ne zen­tra­le Pick­nick­wie­se, wo sich K&K zu­kau­fen und auf die To ge­hen lässt. Wun­der­voll!

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Mon­ta­ge:
C.E.

Mittwoch, 29. April 2026

Technofaschismus

Den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin be­schrei­be ich hier seit 2007 in lo­se­r Fol­ge. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch.

Als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin erlebe ich stän­dig, was es be­deu­tet, wenn Tech­no­lo­gie Auf­ga­ben über­nimmt, für die sie nicht ge­eig­net ist, wenn uns De­tails, Da­ten­si­cher­heit, Ver­trau­lich­keit und ein Mit­ein­an­der ‚auf Au­gen­hö­he‘ wich­tig sind. KI-ge­stütz­te Dol­met­schung wird der­zeit von ih­ren An­bie­tern, tech­nik­gläu­bi­gen Fir­men, ver­kauft, die oft nicht viel von Lin­gu­is­tik und Dol­met­schen verstehen. In der Pra­xis sind die Er­geb­nis­se häu­fig ka­ta­stro­phal.

Verrat an den Menschen 

Das ist Kun­den­ver­rat durch Technikgläubigkeit. Den Scha­den trägt das Publi­kum. Ich wie­der­ho­le mich und zi­tie­re die fast 300 T€, die ein Land­ma­schi­nen­her­steller durch com­pu­ter­ge­ne­rier­te „Ver­dol­met­schung“ auf der Grü­nen Wo­che al­lein im 1. Quar­tal ver­lo­ren hat. Der Scha­den dürf­te grö­ßer sein. Durch ei­nen Zu­fall er­fuhr er vom Ver­lust. Hier hat die Künst­li­che Intel­li­genz Kun­den­be­zie­hun­gen, Ver­trau­en und die Frei­heit öko­no­mi­schen Han­delns an­ge­grif­fen.

The Manifesto

Der­sel­be Me­cha­nis­mus, in weit grö­ße­rem Maß­stab, zeigt sich im vor ei­ner Wo­che ver­öf­fent­lich­ten 22-Punk­te-Ma­ni­fest des US-Über­wa­chungs­soft­ware­kon­zerns Pa­lan­tir. Das Do­ku­ment, ba­sie­rend auf dem Buch „The Tech­no­lo­gi­cal Re­pub­lic: Hard Power, Soft Be­lief, and the Fu­ture of the West“ von CEO Alex Karp und Kom­mu­ni­ka­tions­chef Ni­cho­las Za­mis­ka, for­dert KI-ge­steu­er­te mili­tä­ri­sche Do­mi­nanz und uni­ver­sel­len Na­tio­nal­dienst. Darunter ver­steht Alex Karp die ver­pflich­ten­de Ein­bin­dung al­ler Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in staat­li­che Auf­ga­ben, mi­li­tä­risch oder zi­vil. Dies sei die Ant­wort auf das, was der Pa­lan­tir-Chef als „Weich­heit“ und „Füh­rungs­ver­sä­um­nis“ west­li­cher Ge­sell­schaf­ten be­zeich­net. Au­ßer­dem wird im Manifest die Ent­wic­klung von KI-Waf­fen ge­for­dert. Die US-Re­gie­rung ist der­zeit der Haupt­fi­nan­zier des Un­ter­neh­mens.

Hard Power durch Technik

Der Pa­lan­tir-Chef war schon wiederholt mit demokratiefeindlichen Sätzen aufgefallen. In der Gesamtschau ist seine Ideologie gruselig. Grundsätzlich teilt das Buch die Kul­turen der Welt in „funk­tio­nal“ und „dys­funk­tio­nal und rück­schritt­lich“ und schäd­lich ein. Das ist mehr als ei­ne Wer­tung. Karp und Za­mis­ka drän­gen den Wes­ten da­zu, der „ober­fläch­li­chen Ver­su­chung ei­nes lee­ren und hoh­len Plu­ra­lis­mus (zu) wi­der­ste­hen“, zudem müs­se Deutsch­land die ‚Kas­tra­tion‘ der letz­ten Jahr­zehn­te über­win­den, wie un­ser Um­gang mit der Na­zi­ver­gan­gen­heit ge­nannt wird. Die For­de­rung, De­mo­kra­tien durch di­gi­ta­le Tech­nik zu er­set­zen, liegt of­fen auf dem Tisch.

Autoritarismus

Das er­in­nert nicht nur His­to­ri­ke­rin­nen und His­to­ri­ker an au­to­ri­tä­re Ma­ni­fes­te des 20. Jahr­hun­derts. Der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Cas Mudde be­zeich­ne­te den Text als „ei­nes der er­schre­ckends­ten Dinge“, die er je ge­se­hen habe. Erklärtes Ziel ist ei­ne Welt, die von ei­nem au­to­ri­tä­ren US-Staat do­mi­niert und von KI-ge­trie­be­nen Tech-Über­wa­chungs­kon­zer­nen ver­wal­tet wird. Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Do­nald Moy­ni­han er­gänzt, das Ma­ni­fest zeige, dass Pa­lan­tir ein struk­tu­rel­les In­ter­es­se an einer Welt hat, in der Di­plo­ma­tie schei­tert und Waf­fen boo­men: „Ei­ne Welt, in der Soft Po­wer wirkt, ist für Pa­lan­tir schlicht we­ni­ger pro­fi­ta­bel als eine, in der vie­les in die Luft ge­jagt wird.“

Der öster­rei­chi­sche Hoch­schul­leh­rer und Phi­lo­soph Mark Coec­kel­bergh, auf Tech­no­lo­gie spe­zia­li­siert, sieht in dem Ma­ni­fest „ein per­fek­tes Bei­spiel für ‚Tech­no-Fa­schi­smus‘“. 

Firma mit Machtanspruch

Es ist bri­sant. Die Ideo­lo­gie hat längst die Sphä­ren der Spra­che ver­las­sen: Pa­lan­tir lie­fert Ge­heim­dienst-Ana­ly­se­soft­ware an die ICE (US-„Ein­wan­de­rungs- und Zoll­be­hör­de“), das US-Mi­li­tär und die is­rae­li­schen Streit­kräf­te und er­hielt zu­letzt ei­nen 30-Mil­lio­nen-Dol­lar-Auf­trag für „Im­mi­gra­ti­on­OS“, eine KI-Platt­form zur Er­fas­sung und Ab­schie­bung von Nicht-US-Bür­gern. Die Software ist im Gesundheitssystem Großbritanniens in Verwendung, die Nutzung ist nicht unumstritten. Auch der Ukrai­ne­krieg ist für Pa­lan­tir ein hei­ßes Übungs­feld; die Dau­er des Kriegs er­höht den Wert der Er­kennt­nis­se und der Firma. Die­ser Satz ist eine Be­schrei­bung. Er lässt sich auch zy­nisch le­sen.

In Deutschland

In Bayern, Hes­sen und Nord­rhein-West­fa­len ist Pa­lan­tir-Soft­ware schon im Po­li­zei­ein­satz; in ei­ner ab­ge­speck­ten Va­rian­te wird er in Ba­den-Würt­tem­berg ge­plant. Das hat Dut­zen­de Mil­lio­nen Euro in die Kas­se der Fir­ma ge­spült. Der Bun­des­rat be­schloss im März 2025, dass Lan­des­po­li­zei­en sol­che Ana­ly­se­platt­for­men grund­sätz­lich be­nö­ti­gen.

Nun träumt die Bun­des­re­gie­rung laut Me­di­en­be­rich­ten von ei­nem brei­te­ren Roll-out, Pa­lan­tir bleibt trotz die­ser jüngs­ten Ver­öf­fent­li­chungen im Ge­spräch. Das wäre nicht nur die fort­ge­setz­te Fin­an­zie­rung ei­nes De­mo­kra­tie­feinds, der in Deutsch­land als ver­fas­sungs­feind­lich ein­ge­stuft wer­den wür­de, son­dern die Über­gabe un­serer sen­si­blen Da­ten in ge­nau die­se Hän­de. Hier droht der nächs­te Ver­rat.

Roboter am Tisch, Kopfhörer, Laptops
Digitales in Reihe

Quel­len:
Com­mon Dreams (21.4.2026): 'One of The Sca­riest Things I Have Seen': Alarms Sound Over 'Techno­fas­cist Pa­lan­tir Ma­ni­fes­to'  
— hei­se on­line (27.4.2026): Tech­no­lo­gie als Staats­rä­son: Was Pa­lan­tir mit sei­nem Ma­ni­fest be­zweckt
— ZDF­heute (27.4.2026): Trotz Pa­lan­tir-Ma­ni­fest: Län­der hal­ten an Po­li­zei-Soft­ware fest

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Fo­to: pixlr.com (Zufallsfund)

Dienstag, 28. April 2026

Museum der Wörter (47)

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und sit­ze in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Eng­lisch ist manch­mal die Aus­gangs­spra­che, Deutsch bei Tex­ten die Ziel­spra­che. Ich ar­bei­te auf Kon­fe­ren­zen und De­le­ga­ti­ons­rei­sen, bei Ver­an­stal­tun­gen und po­li­ti­schen Hin­ter­grund­ge­sprä­chen. Und ich be­trach­te mit wa­chen Au­gen un­se­re Zeit.

Die Be­glei­tung der Kin­der, von Oma und Opa und On­kel und Tan­te, wenn sie Hil­fe brau­chen, aber auch von Jan­nis und Kurt, An­ni­ka und Hül­ya, Mal­colm und Mus­ta­fa sind kein Lu­xus. Die Na­men hier ste­hen für Men­schen, die von der Ge­samt­ge­sell­schaft an der all­täg­li­chen Teil­nah­me be­hin­dert wer­den, weil es vie­le Trep­pen­stu­fen oder kei­ne ver­ständ­li­che An­spra­che gibt, weil von der iden­ti­schen An­pas­sungs­fä­hig­keit al­ler aus­ge­gan­gen wird, die es nicht gibt, denn wir sind Men­schen, kei­ne Ma­schi­nen.

Auf vol­le Teil­nah­men hat­ten sich un­se­re Zi­vi­li­sa­tio­nen ver­ab­re­det, und die­ses in Ge­set­ze ge­gos­se­ne Ziel ist noch nicht er­reicht. Und was macht un­se­re Re­gie­rung in der Kri­se? Stellt das nicht nur in­fra­ge, son­dern legt Kür­zungs­plä­ne auf den Tisch, die sich so le­sen, als wä­re In­klu­si­on ein Lu­xus­gut. In an­de­ren Wor­ten: Wer aus ei­ner ver­mö­gen­den Sip­pe stammt, wird nicht bald wie­der vor ver­schlos­se­nen Tü­ren ste­hen. Die an­de­ren: … pfffft!

Da­bei ist Teil­ha­be ein Men­schen­recht. Das müss­te auch für men­schen­wür­di­ges Woh­nen und ge­sun­de Grund­nahrungs­mit­tel gel­ten, fa­mi­liä­re und freund­schaft­li­che Be­zie­hun­gen, Kul­tur und auch: Er­ho­lung. Rich­tig! So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ger:in­nen frü­he­rer Zei­ten stand so­gar Ur­laub zu. Wer weiß, wie wich­tig es ist, von Zeit zu Zeit aus dem Hams­ter­rad he­raus­zu­kom­men, wird auch hier zu­stim­men.

Die Axt wird schon län­ger an das So­zi­al­le­ben ge­legt. Das geht mit der Spra­che los. Ich hän­ge an die Wand des Mu­se­ums der Wör­ter heu­te die­sen Be­griff:

              
             
sozial Schwa­che

Wir müs­sen ihn durch „wirt­schaft­lich Schwa­che“ er­set­zen. War­um ist das nicht schon lan­ge ge­sche­hen? Über öko­no­misch Schwa­che oder Ge­schwäch­te zu spre­chen, wür­de zu­gleich ei­ne Fra­ge auf­wer­fen, und zwar: War­um ist das so?
Bei „so­zi­al schwach“ schwingt im­mer ein we­nig ei­ne Mit­schuld mit.

Wör­ter ge­stal­ten un­ser Den­ken und Den­ken ge­stal­tet un­se­re Welt.

Die Re­gie­rung will nun „spa­ren“, und zwar in fol­gen­den Be­rei­chen: Ein­schrän­kun­gen beim Wahl­recht und beim Woh­nen, durch die Zu­sam­men­le­gung von Leis­tun­gen, die dann meh­re­ren Men­schen gleich­zei­tig zu­gu­te kom­men sol­len, Kür­zun­gen bei Hilfs­mit­teln, Ab­bau von Fahr­diens­ten und das Aus­set­zen in­di­vi­du­el­ler Schul­as­sis­tenz. Die Re­de ist von Men­schen, die Un­ter­stüt­zungs­be­darf ha­ben, weil sie nicht so leis­tungs­fä­hig sind wie der Durch­schnitt der Be­völ­ke­rung.

Eben­falls auf dem Tisch: ein er­schwer­ter Zu­gang zu Pfle­ge­gra­den, die Er­hö­hung der Zu­zah­lun­gen bei der (schon jetzt kaum be­zahl­ba­ren) Pfle­ge und ver­mut­lich die Bei­be­hal­tung der größ­ten Pfle­ge­hemm­nis­se: Bü­ro­kra­tie und star­re Re­geln, auch für uns pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge.

Wer die Ent­wür­fe zu den Kür­zun­gen liest, den oder die be­schleicht das Ge­fühl, dass hier wie­der von „wert­vol­lem“ und „we­ni­ger wert­vol­lem“ Le­ben aus­ge­gan­gen wird. Vom „un­wer­ten“ Le­ben der Na­zis ist das nicht weit ent­fernt.

Wir wis­sen, wo­hin das ge­führt hat. Die Ge­schich­te zeigt, wie schnell ei­ne Ge­sell­schaft be­ginnt, Men­schen nach ih­rem „Wert“ zu sor­tie­ren und wie rasch dar­aus töd­li­che Kon­se­quen­zen er­wach­sen kön­nen. Die in der Ber­li­ner Tier­gar­ten­stra­ße Nr. 4 ge­trof­fe­nen Ent­schei­dun­gen ste­hen da­für: Aus Ein­wei­sun­gen und Zu­sam­men­le­gun­gen wur­den sys­te­ma­ti­sche Ver­bre­chen. Es war der Test­lauf für die in­dus­tri­el­le Mord­ma­schi­ne, die dann von deut­schen Hän­den er­rich­tet und be­trie­ben wur­de, und da­für, wie die All­ge­mein­heit re­agiert.

Wenn ei­ne sol­che Po­li­tik die Grund­stim­mung in dem Land spie­geln soll, hat die Ge­sell­schaft nichts aus der Ver­gan­gen­heit ge­lernt.

Ein­schub: Ich schrei­be das in dem Be­wusst­sein, selbst dem neu­ro­di­ver­gen­ten Spek­trum an­zu­ge­hö­ren, aber eben mit ei­ner leich­ten Au­tis­mus­form, je­ner Va­ri­an­te, die Zir­kus­pferd­qua­li­tä­ten hat und zu par­ti­el­len Höchst­leis­tun­gen be­fä­higt. (Fürs Dol­met­schen prak­tisch, in an­de­ren Fel­dern fin­de ich mich im Feld all­ge­mei­ner Grund­dumm­heit wie­der!) Ich war da­mit schlicht so, wie vie­le Kin­der sind: nicht ei­ner Norm ent­spre­chend, manch­mal auf­fäl­lig, manch­mal un­sicht­bar. Ich hat­te Glück mit dem El­tern­haus, dem Jahr­zehnt mei­ner Bil­dungs­grund­la­gen, dem Bun­des­land, und ich ken­ne Men­schen, die mir ähn­lich sind, die aber ein star­res, hoch­se­lek­ti­ves Sys­tem früh ins Ab­seits ge­stellt hat. Ein­schub­en­de.

Das The­ma der nicht norm­ge­rech­ten Leis­tungs­fä­hig­keit ist bei uns ein Ta­bu. Ich hof­fe, dass die Plä­ne der Re­gie­rung, soll­ten sie um­ge­setzt wer­den, von den Ge­rich­ten rasch kas­siert wer­den. Ich se­he auch die Stim­mung in der Ge­ne­ra­ti­on mei­nes Zieh­sohns, wo sich aus ver­schie­de­nen Grün­den über­ra­schend vie­le schon jetzt ge­gen Nach­wuchs ent­schie­den ha­ben. Mer­ke: Kei­ne Kin­der, kei­ne Wirt­schaft.

Unterschiedlichste Menschen, unterschiedlichste Faktoren
Nur gemeinsam kann Gesellschaft gelingen

Man­che Men­schen brau­chen auch die­ses Ar­gu­ment ei­ner Be­kann­ten: Sie ar­bei­tet als In­klu­si­ons­be­glei­te­rin und sagt, nur drei Pro­zent der Men­schen mit Be­ein­träch­ti­gun­gen sei­en so ge­bo­ren. Den meis­ten wi­der­fährt Schlim­mes im Lau­fe des Le­bens, Krank­heit, Un­fall ... Knapp neun Pro­zent der deut­schen Be­völ­ke­rung leben mit Ein­schrän­kun­gen, wel­cher Art auch im­mer. Die­se Be­kann­te meint üb­ri­gens, der Staat sei zu­sätz­lich auch auf die In­klu­si­ons­hel­fer:in­nen „scharf“, die soll­ten end­lich et­was „Sinn­vol­les“ ma­chen, hei­ße es un­ter der Hand. Mir feh­len die Wor­te. Und das ist sel­ten.

Schluss­vol­te: Menschen, die sich an den Schwächs­ten der Ge­sell­schaft ver­greifen, er­weisen sich als die wirk­lich so­zi­al Schwa­chen.

Wenn Sie die Pe­ti­ti­on der Le­bens­hil­fe an den Bun­des­tag mit­zeich­nen möch­ten, hier ent­lang: LINK.

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Grafik:
Pixlr.com (Zufallsfund)

Montag, 27. April 2026

Montagsschreibtisch (137)

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len steht. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­ti­ons­rei­sen. Heu­te folgt der Blick auf den Schreibtisch!

Dr. Otto-Heinrich Elias (ca. 1938)
Er hat le­bens­lang vol­ler Hin­ga­be ge­schrie­ben
Mein Schreib­tisch­bild zeigt den lang­jäh­ri­gen Chef­lek­tor die­ses Blogs, der heu­te sei­nen 94. Ge­burts­tag fei­ern wür­de.

Was steht an:
⊗ Be­hör­den­be­glei­tung
⊗ Nach­be­rei­tung der letz­ten Wo­che
⊗ Vor­be­rei­tung der kom­men­den Wo­che

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Fo­to:
Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 24. April 2026

Rückkehrer (I)

Hal­lo, hier kön­nen Sie im 20. Jahr Epi­so­den aus dem Ar­beits­all­tag ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Mut­ter­spra­che Deutsch le­sen. Meis­tens ar­bei­te ich als Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin, aber auch aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche und schrift­lich ins Deut­sche. Kom­pli­ziert, ich weiß, denn die KI ist der­zeit un­se­re An­fech­tung. Nicht, weil sie es könn­te.

Computer mit Lexik, Tasse, Raum im Halbdunkel, gespiegelte Flaschen
POV (point of view) bei MaFo
D
ie KI kann nicht den­ken, hat kei­ne mensch­li­che Le­bens­er­fah­rung, kann nicht prio­ri­sie­ren und an­ti­zi­pie­ren. Die An­ti­zi­pa­ti­on, der ge­dank­li­che Vor­griff, der den Mus­tern der Le­bens­er­fah­rung und des ge­zielt er­wor­be­nen Vor­wis­sens er­folgt, Stich­wort: Vor­be­rei­tung, hilft beim Ein­schät­zen, was dann, wenn Men­schen Ge­dan­ken ent­wi­ckeln oder durch­ein­an­der spre­chen, der ro­te Fa­den ist oder sein wird.

Nach zwei Jahr­zehn­ten in der Dol­metsch­ka­bi­ne ver­tue ich mich da sel­ten.

Die Kun­din aus der Markt­for­schung: „Die KI hat­te uns 150 Sei­ten Da­ten­müll als über­setz­tes Trans­kript ge­lie­fert, die KI-Ver­dol­met­schung war die meis­te Zeit kom­plett un­klar.

Auch im Tran­skript wa­ren vie­le Sät­ze oh­ne En­de, kom­plett wir­res Zeug, Be­grif­fe, die mit dem The­ma gar nichts zu tun ge­habt ha­ben. Das muss­te am En­de kom­plett noch­mal ge­macht wer­den. Und wir ha­ben die Ar­beit dop­pelt ge­zahlt.“

En­de des O-Tons. Das Markt­for­schungs­stu­dio (ein an­de­res als im Bild) soll dar­auf­hin die Zahl der Mi­kro­fo­ne im Raum er­höht ha­ben. Die Teil­neh­men­den muss­ten sich län­ger vor­stel­len, um die Ma­schi­ne auf die Stim­men zu trai­nie­ren.

Und dann schlug die Stun­de des TOOLS der ge­kop­pel­ten Su­per­com­pu­ter: Die Ton­spu­ren wur­den di­gi­tal tran­skri­biert und dann mi­nu­ti­ös von Pro­fis ab­ge­hört und kor­ri­giert, eine zwei­te Kon­trol­le folgte der au­to­ma­ti­schen „Über­tra­gung“.

Auf Eng­lisch be­deu­tet „In­tel­li­genz“ auch da­ta pro­ces­sing, Da­ten­ver­ar­bei­tung, dann Sam­meln und Aus­wer­ten von In­for­ma­tio­nen, Ge­heim­dienst, so­wie mensch­li­chen Es­prit. Die Re­duk­ti­on des Be­griffs auf die Idee der or­ga­ni­sier­ten Mas­sen­da­ten­ver­ar­bei­tung spricht Bän­de über un­se­re Zeit und je­ne, die sie blind be­ju­beln.

Zu­sam­men­fas­sung: Die drei zen­tra­len Kom­pe­ten­zen pro­fes­sio­nel­ler Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin­nen, also An­ti­zi­pa­ti­on, Aus­wahl und Re­duk­ti­on, sind durch kei­ne KI er­setz­bar. An­ti­zi­pa­ti­on be­zeich­net den ge­dank­li­chen Vor­griff, der auf jahr­zehn­te­lan­ger Le­bens­er­fah­rung, ge­ziel­ter Vor­be­rei­tung und fach­li­chem Vor­wis­sen ba­siert. Aus­wahl meint die Fä­hig­keit, in Echt­zeit zwi­schen Re­le­van­tem und Ne­ben­säch­li­chem zu un­ter­schei­den, auch dann, wenn Spre­chen­de sich ver­has­peln oder un­klar for­mu­lie­ren. Re­duk­ti­on ist das Ver­dich­ten des We­sent­li­chen, oh­ne den Sinn zu ver­fäl­schen.

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 22. April 2026

Einfach (zu komplex)

Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten neh­men. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

Vor­hin be­kam ich eine Ton­nach­richt, kurz da­vor war mir auf­ge­fal­len, dass DeepL auch Sound trans­kri­biert und so­fort über­trägt, „Sprach­über­set­zung in Echt­zeit“ nen­nen sie dies. Wir Pro­fis wür­den „Über­tra­gung“ sa­gen und nicht „Über­set­zung“, für uns ist Letz­te­res an uns Men­schen ge­bun­den.

Test! Ich spu­le den Sound­file ab und schaue mal, was DeepL leis­tet.

Hin­ter­grund: Eine Freun­din, die nach Ber­lin reist sitzt im blo­ckier­ten Zug. Sie hät­te ei­gent­lich zu nor­ma­len Zei­ten bei uns ein­tref­fen sol­len. Es ist aber et­was Schlim­mes pas­siert, etwas, wo­von die Me­di­en zum Glück nicht in dem Maße be­rich­ten, wie es ge­schieht. Das ist kom­plett rich­tig so, um den Wer­ther-Ef­fekt zu ver­mei­den.

„Wir wis­sen nicht, wie sich die Din­ge ent­wi­ckeln wer­den“ ... ist kor­rekt über­tra­gen. An­sons­ten hat sich die Per­son lei­der nicht IN den Zug ge­wor­fen. 

Men­schen kom­mu­ni­zie­ren häu­fig in Aus­nah­me­fäl­len, spre­chen über Be­son­de­res bei Kon­fe­ren­zen, stel­len Neu­e­run­gen auf der Mes­se vor oder Ent­de­ckun­gen bei Fach­ge­sprä­chen un­ter Kol­leg:in­nen. Die KI nimmt im­mer das, was am wahr­schein­lichs­ten er­scheint auf­grund des ihr zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Trai­nings­ma­te­ri­als. Man­che The­men kom­men nicht oft in der Öf­fent­lich­keit vor, sind Fach­wis­sen, De­tails, die schwer zu ent­schlüs­seln sind, der be­rühm­te Ele­fant im Raum oder ... sie­he oben.

devant le train. Et on ne sait pas comment les... choses vont se... poursuivre. Voilà. Juste pour que tu saches. Pourquoi. Tu vas. Tout coucher tard ce soir. Voilà. Je t'embrasse et à très bientôt. Pépé. // Warum. Du gehst. Alles spät ins Bett bringen heute Abend. So. Ich drücke dich und bis ganz bald. Opa

Was ist hier pas­siert? Auf Deutsch er­ge­ben sich Fra­ge­zei­chen: Wer bringt wen spät am Abend zu Bett? Die Kol­le­gin hat ne­ben dem Den­ken viel­leicht auch die Um­ge­bung be­trach­tet, war ab­ge­lenkt, ihre Sät­ze wa­ren vol­ler Pau­sen. Die KI hat Punk­te ge­setzt, lau­ter kur­ze Sät­ze dar­aus ge­macht und ein Wort miss­ver­stan­den: te cou­cher als tout cou­cher um­in­ter­pre­tiert, aus „dich schla­fen­legst“ wur­de „al­le schla­fen­le­gen / zu Bett brin­gen“.

Ge­sagt hat sie, von mir über­setzt: „Nie­mand weiß, wie das hier wei­ter­geht ... So, da­mit Du weißt, war­um du heu­te Abend spät ins Bett ge­hen wirst.“

Und mein fran­zö­si­scher Opa war nicht der An­ru­fer, ich habe kei­nen. Die­ses pé­pé hat die KI kom­plett er­fun­den. Im Zug wur­de eine Durch­sa­ge ge­star­tet und mei­ne Freun­din hat schnell die Ton­auf­nah­me be­en­det.

Die KI ist ge­schei­tert an: au­ßer­ge­wöhn­li­chen In­for­ma­tio­nen, Nach­den­ken beim Spre­chen (tun wir Men­schen halt, schlimm, schlimm), ab­ge­lenkt sein, Ne­ben­ge­räu­schen (te -> tout), nichts vom Kon­text wis­sen.

Sol­che tech­ni­schen An­ge­bo­te wie die von DeepL kön­nen im All­tag tat­säch­lich für vie­le eine Er­leich­te­rung brin­gen. Men­schen oh­ne ge­mein­sa­me Spra­che hät­ten sonst wohl auf sim­pli­fied Eng­lish kom­mu­ni­ziert. Sie wer­den das bei tech­nik­in­du­zier­ten Miss­ver­ständ­nis­sen wie in un­se­rem Bei­spiel wei­ter­hin ma­chen. In der Nut­zung des tech­ni­schen Diens­tes wä­ren also En­er­gie und Kühl­was­ser ver­schwen­det wor­den.

Im kon­kre­ten Fall wä­re bes­ten­falls ein Lu­xus­pro­blem ge­löst und kei­ner Dol­met­scher:in der Job weg­ge­nom­men wor­den. Zu die­ser Art von Kom­mu­ni­ka­tion wur­den noch nie  Pro­fis hin­zu­ge­zo­gen.

Es ist ein Fehler aufgetreten.

Ich habe die Tech­nik ge­tes­tet, als ich beim Tee in der Kü­che saß. Dort ist das Netz nicht so sta­bil. Ich schät­ze mal, dass des­halb das Pro­gramm drei Mal ab­ge­stürzt ist. Wir Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten auch dann, wenn es kei­nen Strom gibt.

Soll­ten ei­nes Ta­ges sol­che Gim­micks bei re­le­van­ten Auf­ga­ben ein­ge­setzt wer­den, ha­ben wir als Ge­sell­schaft ein schwer­wie­gen­des Pro­blem, das ist dann le­bens­ge­fähr­lich und nicht rechts­sicher. Ich den­ke an Si­tua­tio­nen im Asyl­ver­fah­ren, in der Er­mitt­lung im Kri­sen­fall, vor Ge­richt, im Kran­ken­haus oder über­all dort, wo Kom­mu­ni­ka­tion wich­tig ist, kann das nur schief­ge­hen. Wenn die Tei­le spä­ter mal bes­ser ge­wor­den sind oder sein wer­den, viel Luft ist bei der ak­tu­el­len Tech­nik noch, müs­sen künf­tig TROTZ­DEM wei­ter­hin pro­fes­sio­nel­le Dol­met­scher:in­nen ein­ge­setzt wer­den, denn nur die­se kön­nen si­cher­stel­len, dass die In­hal­te stim­men.

Résumé: „KI-Dol­met­schen“ ist ein Oxy­mo­ron, der klas­si­sche Wi­der­spruch in sich. Ich glau­be, er kommt di­rekt nach „di­gi­ta­len Emo­tion­en“. In­ter­na­tio­nale Ins­ti­tu­tio­nen, die da­mit ex­pe­ri­men­tiert hat­ten, sind zu mensch­li­chen Dol­met­scher:in­nen zu­rück­ge­kehrt. Und so hal­ten es der­zeit vie­le Kun­den nach ers­ten aus­führ­li­chen Tests.

Sprach­no­tiz
vi­tal,e — le­ben­dig
Das Wort ist der­zeit recht be­liebt und wird auch ver­wen­det, wenn eine le­bens­be­droh­li­che La­ge ein­ge­tre­ten ist, son pro­gnos­tic vi­tal est en­ga­gé ha­be ich neu­lich im Kran­ken­haus dol­met­schen müs­sen, sei­ne/ih­re Le­bens­er­war­tung ist ge­fähr­det.

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Gra­fik: DeepL.com