Freitag, 11. September 2026

Moment mal! (8)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit mehr als 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der der kur­ze Mo­ment aus dem All­tag.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag
Wir sind wie­der auf 2,56 Qua­drat­me­tern.
So groß (o­der viel­mehr: klein) sind die Dol­metsch­ka­bi­nen laut ISO-Norm 4043 mit den In­nen­ma­ßen von etwa 1,60 mal 1,60 Me­ter.

Die Kol­le­gin ist dran. Ich hö­re zu, ma­che No­ti­zen. Dann kommt ein Be­griff, bei dem ich weiß: Auf Deutsch war er schwer zu fin­den, und er stand nicht in der Lis­te der noch of­fe­nen Vo­ka­beln, die wir vor Ver­an­stal­tungs­be­ginn durch­ge­gan­gen wa­ren (wa­rum auch im­mer er ge­fehlt hat).

Ich hat­te das Wort ge­fun­den, mir von Fach­leu­ten sei­ne Ver­wen­dung be­stä­ti­gen las­sen.

Die Kol­le­gin kennt es ver­mut­lich auch. Ver­mut­lich o­der viel­leicht? Für ei­nen Se­kun­den­bruch­teil sieht sie mich an.

Ich zie­he den Be­griff aus mei­ner Lis­te im Rech­ner rie­sen­groß und dre­he ihr mei­nen Mo­ni­tor hin. (Manch­mal nut­zen wir auch den Zet­tel, der zwi­schen uns liegt.)

Sie ü­ber­nimmt ihn. Und so­fort geht's wei­ter im Satz. Das war's auch schon!

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Donnerstag, 10. September 2026

Umbau

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Französischka­bi­ne und vom Über­set­ze­rin­nen­schreib­tisch. Am liebs­ten gehe ich mit De­le­ga­tio­nen auf große Rei­se, am zweit­liebs­ten gehe ich auf Kon­fe­ren­zen oder Hin­ter­grund­ge­sprä­chen dol­met­schen. Dann fol­gen No­ta­ria­te, Er­kun­dun­gen, Ar­chiv­re­cher­chen und an­de­re Ter­mi­ne, die oft über­ra­schend und span­nend sind. Ich habe noch Ka­pa­zi­tä­ten frei!

Jetzt, wo mein di­gi­ta­les Ar­beits­ta­ge­buch auf die zwei­te Ebe­ne ver­scho­ben wur­de, traue ich mich zu mehr Ge­ständ­nis­sen, zumal an ei­nem Don­ners­tag, der nicht der Tag mit den meis­ten Zu­grif­fen ist. Wir sind al­so un­ter uns!

Dolmetschpult, Wasser, Gäste
Blick aus der Kabine
Zu­nächst der Rück­sprung: Na­tür­lich klingt das alar­mis­tisch, was ich Diens­tag in der Pres­se­schau zi­tiert ha­be: die Bri­tin, die die Wahl in Sach­sen-An­halt als deut­sches Bre­xit-Mo­ment be­schreibt. Na­tür­lich ha­ben ge­wis­se Krei­se jetzt Ober­was­ser und hof­fen, von Wahl­er­folg zu Wahl­er­folg zu ra­sen. Da­bei dür­fen wir nie ver­ges­sen, dass in die­sem Bun­des­land nur 2,8 Pro­zent der deut­schen Wahl­be­rech­tig­ten le­ben. 

Bei 80 Pro­zent Wahl­be­tei­li­gung ha­ben 44,3 Pro­zent AfD ge­wählt — das ist et­was mehr als ein Pro­zent al­ler Wahl­be­rech­tig­ten Deutsch­lands.

Trotz­dem und ge­ra­de jetzt heißt es, als de­mo­kra­tisch ge­sinn­te Men­schen wach und ak­tiv zu sein. Ich selbst bin als Dol­met­sche­rin zu so­li­da­ri­schen Ho­no­rar­sät­zen an der de­mo­kra­ti­schen Bil­dung be­tei­ligt. Das gilt auch für die Zukunft!

Und jetzt gleich noch et­was an­de­res. Der­zeit wun­de­re ich mich über we­ni­ger Neu­kun­den. Auch die Be­stands­kund­schaft macht sich rar. Sind das die Kon­junk­tur­zy­klen, von de­nen wir in der Volks­wirt­schafts­vor­le­sung ge­hört ha­ben? Al­le sound­so­vie­le Jah­re, nicht sta­tis­tisch ex­akt al­le sie­ben oder acht, aber doch wel­len­för­mig?

Die KI hat das gan­ze Netz ver­än­dert, auch die Such­ma­schi­nen ha­ben sich um­ge­stellt. Des­halb wur­de im Som­mer am Blog ge­schraubt. Mal se­hen, ob die Such­ergeb­nis­se wie­der an­ders wer­den.

Aber eine Korrelation hat einen bitteren Nachgeschmack: Seit ich hier öf­fent­lich ge­macht und auch mei­nen Kun­den mit­ge­teilt ha­be, dass ich in Teil­zeit pfle­ge, gibt es we­ni­ger Nach­fra­ge, mehr Kos­ten­vor­an­schlä­ge, we­ni­ger Zu­sa­gen.

Ähnliches ha­be ich schon in den Zei­ten be­ob­ach­tet, als ich al­lein­er­zie­hen­de Pa­ten­tan­te mei­nes Teil­zeit­zieh­sohns war. Man­che zo­gen sich so­fort zu­rück. An­de­re ha­ben mich be­wusst wei­ter­emp­foh­len, El­tern wa­ren da ganz oben.

Da­bei ist mei­ne ver­füg­ba­re Zeit al­les an­de­re als un­be­re­chen­bar: Die Pfle­ge ist klar or­ga­ni­siert, mei­ne Ar­beits­zei­ten bes­tens ge­plant und Ein­sät­ze las­sen sich ent­spre­chend ver­ein­ba­ren.

Ob es dar­an liegt oder ob ge­ra­de meh­re­re Din­ge zu­sam­men­kom­men? Die Kon­sul­ta­tio­nen mit Frank­reich sind seit dem letz­ten Re­gie­rungs­wech­sel we­ni­ger ge­wor­den, eben­so die De­le­ga­ti­onen aus fran­zö­sisch­spra­chi­gen Län­dern. Und dann sind da noch die KI-Nerds, die in­zwi­schen mit er­staun­li­cher Chu­zpe um un­se­re Kund­schaft wer­ben, ob­wohl die KI es nicht kann (1. Link, 2. Link).

Auch Bran­chen, die sta­bil sind, wur­den vom Kri­sen­ge­rau­ne er­fasst. Al­le schei­nen die Krö­ten zu­sam­men­zu­hal­ten, im­mer we­ni­ger be­trei­ben in­ter­kul­tu­rel­les Bench­mark­ing oder pla­nen mit Blick auf die Mo­del­le aus an­de­ren Län­dern. Auch die En­er­gie­po­li­tik der Re­gie­rung ist ein Brems­fak­tor für Wei­ter­ent­wick­lun­gen, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen. Dann sind da noch der Ukrai­ne­krieg und die Auf­rüs­tung.

Viel­leicht wirkt auch noch et­was an­de­res nach: Als ich Co­ro­na hat­te und mich nur lang­sam er­holt ha­be, wur­de mir mei­ne wich­tigs­te Kol­le­gin ab­ge­wor­ben. Wir hat­ten un­se­re Kun­den ge­mein­sam be­treut. Sol­che Din­ge las­sen sich im Nach­hin­ein schlecht aus­ein­an­der­di­vi­die­ren. Aber es schmerzt.

Und falls Sie ge­ra­de je­man­den su­chen, der Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch si­mul­tan oder kon­se­ku­tiv dol­metscht: Ich freue mich na­tür­lich, von Ih­nen zu hö­ren. Auch über Emp­feh­lun­gen freue ich mich sehr!

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 9. September 2026

Gruselig

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

Ein Klassiker nicht nur für Kinder
Wo wird uns die KI-Ent­wick­lung hin­füh­ren? Eine Fra­ge, die man inzwi­schen kaum noch stel­len kann, ohne ziem­lich schnell bei den gro­ßen Wor­ten zu lan­den: Wett­be­werb, geo­po­li­ti­sche Macht, Si­cher­heit, Su­per­in­tel­li­genz, und jetzt steht sogar die Aus­lö­schung der Mensch­heit als Ge­fahr im Raum.

Wür­den Men­schen ein Flug­zeug be­stei­gen, das mit zehn­pro­zen­ti­ger Wahr­schein­lich­keit nicht an­kom­men wür­de? Ga­ran­tiert nicht.
Und jetzt sit­zen wir alle un­ge­fragt in die­sem Flie­ger.

La­dies and gen­tle­men, fasten seatbelt,
und die zehn Pro­zent wer­den über­all dis­ku­tiert. Schon sind wir bei der Fra­ge, ob die Tek­kies ei­gent­lich noch wis­sen, was sie da ge­ra­de bau­en.

Der Grund dafür ist wie­der ein­mal die Su­che nach Wachs­tum und öko­no­mi­scher Do­mi­nanz, der welt­wei­te Wett­lauf um die leis­tungs­fä­higs­te KI.

Im Som­mer gab es ei­nen Fall, in de­m ein hoch­ent­wi­ckel­tes KI-Mo­del­l bei Si­cher­heits­tests Gren­zen der vor­ge­se­he­nen Test­um­ge­bung über­schrit­ten haben. Als „Aus­bruch aus dem Sand­kas­ten“ be­schrei­ben es Fach­leu­te. Das klingt fast nied­lich. Ge­meint ist aber et­was ziem­lich Un­ge­müt­li­ches: KI-Sys­te­me soll­ten in ei­ner be­grenz­ten Um­ge­bung be­stimm­te Auf­ga­ben er­le­di­gen und haben Wege ge­fund­en, die­se Be­gren­zun­gen zu um­ge­hen. 

Mit der Zeit kam her­aus, dass es meh­re­re Vor­fäl­le verschiedener Entwicklerfirmen gab. Und es gibt auch nicht nur „ei­ne“ KI je Fir­ma. Die Soft­ware ver­viel­fäl­tigt sich stän­dig au­to­ma­tisch, va­ri­iert Lö­sun­gen, fin­det neue Funk­ti­ons­wei­sen. Sie wur­de so pro­gram­miert.

Das be­deu­tet nicht, dass ei­ne KI plötz­lich ei­nen ei­ge­nen Wil­len ent­wi­ckelt. Viel­mehr zei­gen sich die Be­gleit­er­schei­nun­gen ih­rer Pro­gram­mie­rung: Sys­te­me, die auf ein Ziel hin op­ti­miert wur­den und im­mer mehr ei­gen­stän­dig han­deln dür­fen, fin­den Mit­tel und Wege, an die die Ent­wick­lungs­teams nicht ge­dacht ha­ben.

Je mehr aus dem Chat­bot ein Agent wird, desto grö­ßer wird die Reich­wei­te. Ein Agent kann nicht nur Text aus­spu­cken. Er kann re­cher­chie­ren, Pro­gram­me aus­füh­ren, Da­tei­en ver­än­dern, Code schrei­ben, an­de­re Sys­te­me an­steu­ern und, so­fern er die ent­spre­chen­den Rech­te hat, in der Au­ßen­welt han­deln.

Da be­kommt der Satz „Dann zie­hen wir eben den Ste­cker“ ei­ne an­de­re Qua­li­tät. EIN Ste­cker reicht dann nicht mehr. Wir alle hän­gen am Strom­netz, von der En­er­gie­pro­duk­ti­on über die Was­ser­auf­be­rei­tung bis hin zu den Brut­käs­ten, in de­nen Früh­ge­bo­re­ne nach­rei­fen.

Und wäh­rend die Si­cher­heits­fra­ge im­mer dring­li­cher wird, wächst auch der Res­sour­cen­hun­ger. Re­chen­zen­tren brau­chen ge­wal­ti­ge Men­gen an Strom, Was­ser zur Küh­lung, Flä­che für Ge­bäu­de, In­fra­struk­tur und noch mehr En­er­gie für Net­ze, Bau und Be­trieb. Die KI ver­schärft die Um­welt­kri­sen. Sie ist kei­nes­wegs nur et­was, das ir­gend­wo in ei­ner im­ma­te­ri­el­len Cloud statt­fin­det. Die Cloud steht auf sehr viel Be­ton.

Des­halb müss­ten Po­li­tik und Zi­vil­ge­sell­schaft mei­ner Mei­nung nach bei je­dem gro­ßen KI-Re­chen­zen­trum die­sel­ben Fra­gen stel­len wie bei je­der an­de­ren Groß­in­fra­struk­tur: Wie viel Strom wird ge­braucht, wie viel Was­ser und Flä­che? Wer be­zahlt die zu­sätz­li­che In­fra­struk­tur? Was ge­schieht mit der Ab­wär­me? Was be­kommt die Re­gi­on da­für?

An man­chen Or­ten läuft es schon jetzt auf ei­ne Wett­be­werbs­fra­ge zwi­schen Re­chen­zen­trum und na­tür­li­chen An­rai­nern hin­aus, de­ren Teil wir Men­schen sind.

Auch bei der KI selbst brau­chen wir Gren­zen. Nicht je­de neue Mo­dell­ge­ne­ra­ti­on darf nach dem Mot­to „Der an­de­re macht es sonst zu­erst“ auf die Welt los­ge­las­sen wer­den. Ge­ra­de bei Sys­te­men, die selbst­stän­dig han­deln kön­nen, muss gel­ten: Erst nach­wei­sen, dass die Ri­si­ken be­herrsch­bar sind, dann ska­lie­ren.

Das ist kei­ne For­de­rung ge­gen KI. Ich fin­de KI als Werk­zeug manch­mal nütz­lich. Sie kann Da­ten durch­su­chen, Mus­ter bei Haut­ver­än­de­run­gen er­ken­nen, Be­grif­fe fin­den, bei Re­cher­chen hel­fen. Aber ein Werk­zeug, das im­mer selbst­stän­di­ger wird, im­mer mehr Zu­griff be­kommt und zu­gleich im­mer mehr En­er­gie, Was­ser und In­fra­struk­tur be­nö­tigt, darf nicht in die Müh­le der Wett­be­werbs­lo­gik fal­len.

Es ist höchs­te Ei­sen­bahn für Trans­pa­renz, un­ab­hän­gi­ge Si­cher­heits­prü­fun­gen, Um­welt­auf­la­gen und ei­ne po­li­ti­sche De­bat­te dar­über, wel­che Ri­si­ken wir über­haupt ein­ge­hen wol­len — und zwar in­ter­na­tio­nal. Wir ste­cken schon jetzt in der Lo­gik des Wett­rüs­tens, bei der kei­ne Sei­te die­je­ni­ge sein will, die ab­bremst, weil die an­de­re dann schnel­ler sein könn­te.

Viel­leicht ist das die ei­gent­li­che po­li­ti­sche Fra­ge der KI-Zeit: nicht, ob wir KI ent­wi­ckeln, son­dern wer ent­schei­det, wie schnell, wie groß und mit wel­chem Ri­si­ko.

Auf dem Nacht­tisch liegt die „Kon­fe­renz der Tie­re“, ein Kin­der­buch von Erich Käst­ner. Ich weiß, dass Klas­si­ker gut al­tern. Ich konn­te nicht viel da­von le­sen. Es hat mir den Hals zu­ge­schnürt.

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Co­ver:
Alte Aus­ga­be; das Werk ist in
je­dem gu­ten Buch­han­del zu fin­den.

Dienstag, 8. September 2026

Internationale Presseschau (1)

Will­kom­men et bien­venue auf mei­nem Blog. Als Fran­zösisch­dol­met­scher­in arbei­te ich auch aus dem Eng­li­schen zu The­men Po­li­tik, Wirt­schaft, Ge­sell­schaft, Kunst und Kul­tur. Ich bin froh, die inter­nationale Pres­se auch über deut­sche Vor­komm­nisse lesen zu kön­nen. Dan­ke, Eltern und Hoch­schu­len und Dan­ke, Rei­se­frei­heit (einer im Wes­ten Deutsch­lands Auf­ge­wach­senen)!

His­to­ri­sche Ver­glei­che hin­ken meis­tens. Die neu­en deut­schen „Her­ren“ aus ei­nem klei­nen, öst­li­chen Bun­des­land mit 1,7 Mil­lio­nen Ein­woh­nern, die sich ge­ra­de auf­schwin­gen, dort die Macht zu er­grei­fen, ver­bin­det ei­nes mit dem Auf­stieg der Na­zis vor bald 100 Jah­ren: Es wa­ren und sind über­pro­por­ti­o­nal vie­le Vor­be­straf­te da­bei, Be­trü­ger und an­de­re frag­wür­di­ge Ge­stal­ten.

Ich fas­se hier kurz zu­sam­men, was in Sum­me ge­gen die neu­en Ab­ge­ord­ne­ten vor­liegt: Dieb­stahl, Ur­kun­den­be­trug, Dro­gen­miss­brauch, Rot­licht­mi­lieu (Por­no­pro­duk­tion), Sub­ven­ti­ons­be­trug (Co­ro­na-Hil­fen, mehr­fach), Ver­wen­dung ver­bo­te­ner Na­zi-Pa­ro­len, Bei­hil­fe zu schwe­rer Kör­per­ver­let­zung, ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung (mehr­fach), Volks­ver­het­zung, Geld­wä­sche, Nö­ti­gung, Ge­walt­de­lik­te mit Waf­fen­ge­brauch, Spio­na­ge im ei­ge­nen Bü­ro­um­feld, Volks­ver­het­zung (mehr­fach), vor­ge­täusch­te Über­fäl­le, häus­li­che Ge­walt, ge­fähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr (mehr­fach), Ver­let­zung des Dienst­ge­heim­nisses, Ver­wen­dung von Sym­bo­len ver­fas­sungs­wid­ri­ger Or­ga­ni­sa­ti­o­nen, En­ga­ge­ment in neo­na­zis­ti­schen Struk­tu­ren, mut­maß­li­che fi­nan­zi­el­le Ein­fluss­nah­me.

Und dann ist da noch die Mit­wir­kung, z.T. in lei­ten­der Funk­tion, in der DDR-Staats­si­cher­heit. „Wir ho­len uns un­ser Land zu­rück“, be­kommt da ei­nen ganz scha­len Bei­ge­schmack.

Et­li­che der Herr­schaf­ten wur­den wie­der­holt we­gen Be­lei­di­gung so­wie ei­ner gut er­kenn­ba­ren Nä­he zu rus­si­schen In­for­ma­ti­ons­netz­wer­ken ak­ten­kun­dig, we­gen Be­su­chen in Bot­schaf­ten oder di­rekt vor Ort und Auf­trit­ten in rus­si­schen Staats­me­dien.

Und was wä­re, wenn der ver­ei­tel­te Droh­nen­an­griff auf den Leip­zi­ger Flug­ha­fen ein­fach nur Wahl­kampf­hil­fe für die Ex­tre­mis­ten ge­we­sen wä­re? Wie­der­holt wird von der in­ter­na­ti­o­na­len Pres­se kom­men­tiert, dass mit dem Sieg der Deutsch­tüm­ler nun Plä­ne aus Russ­land auf­ge­hen wür­den, die in letz­ter Kon­se­quenz die Zer­stö­rung der EU an­vi­sie­re.

This is Germany’s Brexit moment – only far more dangerous Having been on the ground and watched this extraordinary story unfold, I can attest to both its potency and its vitriol.
„Deutsch­lands Bre­xit-Mo­ment“

In ei­nem Kom­men­tar der Zei­tung „In­de­pen­dent“ schreibt die Jour­na­lis­tin Anne McEl­voy, die so­gar schon im Herbst 1989 vor Ort ge­we­sen war, den Erd­rutsch­sieg so: „Das ist Deutsch­lands Brex­it-Mo­ment — nur weit­aus ge­fähr­li­cher“. Und wei­ter: „Ich war vor Ort und ha­be mit­er­lebt, wie sich die­se au­ßer­ge­wöhn­li­che Ge­schich­te zu­ge­tra­gen hat, und kann so­wohl ih­re Wucht als auch ih­re Zer­stö­rungs­kraft be­zeu­gen.“

In ih­rem Kom­men­tar wirft sie der eta­blier­ten Po­li­tik in Ber­lin ei­nen lang­jäh­ri­gen Ent­frem­dungs­pro­zess zu den Wäh­lern in den öst­li­chen Bun­des­län­dern vor. Sie spricht über Po­li­ti­ker aus Lon­don und Ber­lin glei­cher­ma­ßen von einem „ver­schla­fe­nen und oft selbst­ge­fäl­li­gen po­li­ti­schen Es­ta­blish­ment“.

Und je­ne, vor Ort, die es „den Mäch­ti­gen“ in Ber­lin mal so rich­tig zei­gen woll­ten, be­kom­men nun prompt Lob, Gra­tu­la­ti­on und viel­leicht so­gar Blu­men­sträu­ße von ge­wis­sen Men­schen aus Nord­ame­ri­ka, die vor al­lem prä­sent sind im An­stre­ben der Welt­herr­schaft durch ei­ne tech­ni­sche Re­vo­lu­ti­on. 

Der reichs­te Mann der Welt for­der­te zu­dem, Deutsch­land müs­se sei­nen „Schuld­kult“ (past guilt) ab­schaf­fen. Im Pro­gramm der Rechts­ex­tre­men ste­hen ähn­li­che Zei­len. McEl­voy sieht bei der Be­we­gung über­wie­gend jun­ge Leu­te am Werk, die „Ost­deutsch­land“ skan­dier­ten, ob­wohl sie die DDR gar nicht ge­kannt hat­ten. Das geht über Ge­schichts­ver­ges­sen­heit hin­aus. Da­hin­ter liegt der Wunsch, die Ge­schich­te um­zu­schrei­ben. Die Kul­tur­ho­heit, da­mit auch die Lehr­plä­ne, liegt auf der Ebe­ne der Bun­des­län­der.

Ich ver­ste­he bis heu­te nicht, dass ei­ne Par­tei, die er­wie­sen rechts­ex­tre­mis­tisch ist und ge­gen Staat und Grund­ge­setz hetzt, sich über­haupt zur Wahl stel­len durf­te.

Als Toch­ter ei­nes His­to­ri­kers, der im letz­ten Jahr der Wei­ma­rer Re­pu­blik auf die Welt gekom­men ist, muss ich jetzt lei­der sa­gen, dass ich froh bin, dass er das nicht mehr mit­er­le­ben muss.


Zur Per­son: Anne McEl­voy ist Chef­re­dak­teu­rin bei POLITICO (Lon­don) und Au­to­rin von The Sadd­led Cow: East Ger­ma­ny's Life And Le­ga­cy, 1992, über die DDR und die Wen­de, und sie ist Ko-Au­to­rin der für den eng­lisch­spra­chi­gen Markt um­ge­schrie­be­nen Au­to­bi­o­gra­fie von Markus Wolf. Er war der Chef des Aus­lands­ge­heim­diensts der DDR -> Wi­ki­pe­dia. Anne McEl­voy hat in der spä­ten DDR an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät stu­diert.

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Gra­fik: In­de­pen­dent

Montag, 7. September 2026

Montagsschreibtisch (156)

Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten neh­men. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ge­ra­de freu­en sich al­le über die sprie­ßen­de Na­tur.

Et hop ! Schon wie­der ei­ne Wo­che rum. Ehe ich mich hier in Bin­sen­weis­hei­ten ver­stei­ge von we­gen ra­sen­de Uhr, hier nur ein klei­ner Rück­blick.

1926: „Bit­te nicht be­we­gen!“
Wäh­rend in ei­nem klei­nen, ost­deut­schen Bun­des­land ei­ne als ge­si­chert recht­s­ex­tre­m be­zeich­ne­te Par­tei sich an­schick­te, bei Wah­len ab­zu­räu­men, was sie dann tat­säch­lich ge­macht hat, wie im­mer kei­ne Na­men, hat­te (und ha­be) ich es mit Kund­schaft zu tun, die durch die Er­eig­nis­se in Deutsch­land von vor hun­dert Jah­ren den Groß­teil ih­rer Fa­mi­lie und auch ih­res Be­sit­zes ver­lo­ren hat.

Die Fa­mi­lie hat­te be­reits ei­ni­ge An­stren­gun­gen un­ter­nom­men, um ge­stoh­le­ne Kunst­wer­ke wie­der­zu­fin­den. Für ein statt­li­ches Miet­shaus im Her­zen Ber­lins war sie in der Nach­kriegs­zeit mit der läp­pi­schen Sum­me von 20.000 Mark ent­schä­digt wor­den. Heu­te dürf­te das Ge­bäu­de 20 Mil­lio­nen wert sein.

Les œuvres d'art spo­li­ées, heißt das auf Fran­zö­sisch, Raub­kunst, oder spo­li­a­ti­on d'art, und ich bin mit ei­ner fran­zö­si­schen Kunst­his­to­ri­ke­rin in Ar­chi­ven zu­gan­ge.

Er­schüt­ternd: Wir fin­den den Brief ei­nes Pfar­rers, der sich bei den Macht­ha­bern nach Kunst­wer­ken er­kun­digt, die er ger­ne kau­fen möch­te. Er hat nach dem Krieg groß Kar­rie­re ge­macht. An­de­re Un­ter­la­gen be­schrei­ben öf­fent­li­che Auk­ti­o­nen.

Wer nach 1945 ge­sagt hat: „Wir wuss­ten von nichts“, hat ent­we­der ge­lo­gen, auf dem Mars ge­lebt oder war Meis­ter:in im Ver­drän­gen. Und heu­te las­sen sich ak­tu­el­le Par­tei­pro­gram­me le­sen und ernst neh­men.

Die­se Wo­che liegt auf dem Schreib­tisch:
❀ ak­tu­el­le Po­li­tik
❀ Be­ra­tung: Un­ter­ti­tel
❀ An­ge­bo­te schrei­ben


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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 4. September 2026

Moment mal! (7)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der: ein kur­zer Ein­blick in den All­tag.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag
Da haben vie­le die Par­tei­en von Ver­bren­nerauto und Hei­zung ge­wählt, die mit Fos­si­lem be­trie­ben wer­den, und be­kla­gen sich nun über ex­plo­die­ren­de Ener­gie­prei­se, In­dus­trie­um­bau und Ent­las­sun­gen. Der Gas­preis ex­plo­die­rt aktuell um 40 Pro­zent, und das bei halb­lee­ren Spei­chern.

An­dere Ener­gien wer­den er­neut se­hen­den Au­ges aus­ge­bremst. In der Re­gion, aus der mei­ne Fa­mi­lie stammt, wac­kelt die In­dus­trie, auch wenn das E-Au­to dort längst auf dem Weg war.

Im Fest­hal­ten an al­ten Tech­no­lo­gi­en, im Schum­meln bei Ab­gas­wer­ten, im Ver­zö­gern und Ver­drän­gen des Wan­dels liegt der Sün­den­fall.

Der VW-Ab­gas­skan­dal von 2015 war die Spitze vom Ei­berg. Heu­te er­le­ben wir pa­ni­sche Um­bau­maß­nah­men der In­dus­trie und ei­ne Po­li­tik, de­ren Ant­wor­ten aus ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zu stam­men schei­nen.

Letz­ten Sonn­tag war ich mit ei­ner sehr christ­li­chen Freun­din bei ei­nem Kir­chen­fest, Tauf­tag, Chor­kon­zert und Gar­ten­par­ty in ei­nem. Ort: ein Bun­des­land, in dem Sonn­tag ge­wählt wird. Die Ge­sprä­che wa­ren in­ter­es­sant. Etliche Wäh­ler der ak­ti­ven Re­gie­rungs­par­tei­en lei­den still. An­de­re wir­ken rat­los, ei­ne klei­ne Grup­pe er­staun­lich ent­schie­den.

Im­mer wie­der lässt mich ir­ri­tiert zu­rück, wie vie­le Men­schen aus der La­ge die fal­schen Schlüs­se zie­hen. Was wir in den USA se­hen, ist mehr als ein Kul­tur­kampf im Netz: Es sind an­ti­de­mo­kra­ti­sche, au­to­ri­tä­re Struk­tu­ren, ver­bun­den mit Wis­sen­schafts­ver­leug­nung, Macht und ex­zes­si­vem Reich­tum. Und die so­zia­len Me­di­en sind längst Teil die­ser Macht.

Auch hier ist al­ler­höchs­te Ei­sen­bahn. Die nächs­te Hy­dra hat vor bald drei Jah­ren ih­re Köp­fe aus dem Sumpf ge­streckt: KI für den Mas­sen­kon­sum. Ih­re Ver­flech­tun­gen mit Macht, Geld, Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit und apo­ka­lyp­ti­schem Ge­rau­ne sind in­zwi­schen micht mehr zu über­se­hen.

Un­se­re Zeit lässt mich oft kopf­schüt­telnd zu­rück. Für mein emo­tio­na­les Gleich­ge­wicht kann ich mich ins Pri­va­te zu­rück­zie­hen. Als Dol­met­sche­rin aber ar­bei­te ich im Kern des Aus­tau­sches über Wis­sen, For­schung und Zu­kunft. Ge­ra­de des­halb brau­chen wir heu­te mehr Aus­tausch, nicht we­ni­ger.

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Donnerstag, 3. September 2026

Unsittliches Angebot

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, ist hier im 20. Jahr Ge­gen­stand. Mit Deutsch als Mut­ter­spra­che ar­bei­te ich als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Hier ein schnel­ler Kom­men­tar zu ei­ner Mail, die nach gründ­li­cher Prü­fung lei­der kein Scam ist.

Ich be­kom­me Mail­post von ei­nem re­nom­mier­ten Ver­lag. Ich darf Pres­se­ar­ti­kel schrei­ben. Ju­bel. Da er­kennt mich je­mand: Ich schrei­be ger­ne, hab's ge­lernt, hät­te auch et­was mit­zu­tei­len.

Abgerissener Klebezettel: "... Zeiten ... "
Zeiten sind das!?
Le­se dann wei­ter: „Die Zu­sam­men­ar­beit ist für bei­de Sei­ten kos­ten­frei ... Mit Ih­rer fach­li­chen Ex­per­ti­se pro­fi­tie­ren Sie von der Reich­wei­te un­se­rer Me­di­en­mar­ke und von un­se­rer ho­hen Sicht­bar­keit! Ih­re Bei­trä­ge sind selbst­re­dend mit Ih­rem Na­men ge­kenn­zeich­net. Durch die Zu­sam­men­ar­beit kön­nen Ih­re ei­ge­nen An­ge­bo­te ei­ne bes­se­re Auf­find­bar­keit in Such­ma­schi­nen und bei So­cial Me­dia er­hal­ten.“

Die Mail ha­be ich hier aufs We­sent­li­che zu­sam­men­ge­metz­gert. Zu vie­le Re­dun­dan­zen, wie sie sich im Aus­gangs­text fin­den, le­sen sich sonst nur noch nach KI. Da­bei zi­tie­re ich doch nur.

Ich glaub's hackt!

Ich weiß nicht, wie vie­le „Ex­per­ten“ ge­ra­de sol­che Mails be­kom­men. Es sind ei­ni­ge. Das be­wusst nicht na­ment­lich ge­nann­te Print­me­di­um fin­det sich je­de Wo­che neu am Kiosk. Pres­se­or­ga­ne, die für lau ih­re Blät­ter fül­len und Au­tor:in­nen, die auf sol­che Bauch­pin­se­lei­en rein­fal­len und zu­gleich den Jour­na­lis­mus zer­stö­ren, so­was ist wirk­lich un­fass­bar.

(Un)lie­bes Me­di­um, wa­rum geht Ihr nicht gleich den ul­ti­ma­ti­ven Schritt? Au­tor:in­nen wür­den si­cher sehr ger­ne für ih­re Zu­ar­beit noch Geld zah­len! Ver­gesst das mit der Vier­ten Ge­walt im Staa­te, den Me­di­en, lasst Euch doch ein­fach kom­plett kau­fen. Dann habt Ihr noch mehr! Und ihr zer­stört wei­ter mun­ter die De­mo­kra­tie ...

Ganz gro­ßes Ki­no!

Nein.

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Bild: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 2. September 2026

Diese KI ... kann's so nie!

Kon­fe­renz­dol­met­schen ist hier im 20. Jahr Ge­gen­stand. Als Deutsch-Mut­ter­spra­chlerin ar­bei­te ich als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend ins Fran­zö­sische und aus dem Eng­lischen. Mei­ne Büro­kol­le­gin schenkt Ges­chrie­be­nem ihr wun­der­vol­les Eng­lisch. Heu­te aus ak­tu­el­lem An­lass: KI-War­nung.

AI im Muster
The ar­ti­fi­ci­alin­tel­li­gence...
... oder KI auf Deutsch ist in al­ler Mun­de. Eine Kun­din er­wägt, die Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) auf ei­ner Kon­fe­renz in ver­schie­de­ne Spra­chen ar­bei­ten zu las­sen. Ach ja! Die KI kann man­ches: Da­ten wie­der­fin­den, Fo­tos vor­sor­tie­ren, Vo­ka­beln raus­su­chen, für die Ter­mi­no­lo­gie­ar­beit frü­he und be­son­de­re Nut­zun­gen von Be­grif­fen nach­wei­sen.
Die KI hilft in der wis­sen­schaft­li­chen For­schung und in der me­di­zi­ni­schen Diag­nos­tik.
Aber sie HILFT nur. Sie lie­fert In­fos, bei der viel falsch ist. Pro­fis ent­schei­den dann.

War­nung vor ei­nem schlech­ten Ka­lau­er: Die Künst­li­che In­tel­li­genz ist kei­ne Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, son­dern ma­xi­mal ei­ne Si­mu­lant­dol­met­sche­rin. Da­bei klingt die Vi­si­on der Tech-Kon­zer­ne doch so ver­lo­ckend: ein Klick, ein Al­go­rith­mus im Ohr, und schon ver­stän­di­gen sich Men­schen über Sprach­gren­zen hin­weg flie­ßend, feh­ler­frei und ver­meint­lich kos­ten­güns­tig.

Denn die Tech-Nerds ver­lan­gen ca. 50 Pro­zent des­sen, was wir so ver­an­schla­gen. Da­für schnei­det die KI laut ei­ner WHO-Stu­die er­nüch­ternd ab: Je nach Spra­che er­reich­ten die ma­schi­nel­len Ver­dol­met­schun­gen Qua­li­täts­wer­te zwi­schen nur 5 und 83 Pro­zent. Die hö­he­re Zahl klingt nicht schlecht, aber oft stim­mte die Rei­hen­fol­ge der Be­grif­fe, die Zu­ord­nung der In­hal­te nicht. 

Der Ge­samt­durch­schnitt der „Dol­met­sch­leis­tun­gen“ der KI lag bei 46 Prozent; von 90 ge­tes­te­ten KI-„Ver­dol­met­schun­gen“ be­stand ge­ra­de mal ei­ne ein­zi­ge den Test. Kei­ne war frei von Be­grif­fen und Aus­sa­gen mit Re­pu­ta­ti­ons­ri­si­ko. Hier der Link zur Stu­die (über die AIIC: klick).

Wer die Rea­li­tät auf Mes­sen und Märk­ten, in­ter­na­tio­na­len Kon­fe­ren­zen, po­li­ti­schen Gip­feln oder bei hoch­ran­gi­gen Ver­hand­lun­gen kennt, durch­schaut die Il­lu­si­on schnell. Die Aus­wür­fe der KI fol­gen der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung. Sie re­pro­du­ziert aus dem Be­stand, was ein­fach ist. Das Sen­si­ble, das Be­son­de­re und Neue, die Aus­nah­men, um die es beim Dol­met­schen meis­tens geht, fal­len da hin­ten rü­ber.

An­de­re, die sich we­ni­ger gut aus­ken­nen, schauen ver­wun­dert auf eine Ma­schi­ne, die mit atem­be­rau­ben­der Ge­schwin­dig­keit gram­ma­ti­ka­lisch glatt wir­ken­de Sät­ze aus­spuckt.

Aber da die Te­chnik selbst we­der in­tel­li­genz- noch ver­nunft­be­gabt ist, ihr Na­me lei­tet be­wusst in die Ir­re, hat sie da­bei kein ein­zi­ges Wort in­halt­lich ver­stan­den und wirk­lich ver­ar­bei­tet. Und rich­tig kri­tisch wird es im­mer dann, wenn Auf­trag­ge­ber nicht über aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nisse ver­fü­gen, um die Qua­li­tät des KI-Aus­wurfs selbst ein­schät­zen zu kön­nen.

Die KI ar­bei­tet an der Ober­flä­che. Sie ist ein gi­gan­ti­sches Auto­com­plete-Pro­gramm. Der Un­ter­schied zwi­schen mensch­li­cher Ex­zel­lenz und ma­schi­nel­ler Wahr­schein­lich­keits­rech­nung lässt sich an et­li­chen Punk­ten fest­ma­chen.

1. Sta­tis­tik statt Ver­ste­hen

Gro­ße Sprach­mo­del­le (LLMs) be­sit­zen kein Be­wusst­sein, kein Welt­wis­sen und kei­ne kog­ni­ti­ve Em­pa­thie. Sie ana­ly­sie­ren rie­si­ge Da­ten­men­gen und be­rech­nen ma­the­ma­tisch, wel­ches Wort mit der höchs­ten Wahr­schein­lich­keit auf das vor­he­ri­ge folgt.

Mensch­li­ches Dol­met­schen ist da­ge­gen ein hoch­kom­ple­xer neu­ro­kog­ni­ti­ver Pro­zess: Wir er­fas­sen In­ten­tio­nen und Nu­an­cen, Iro­nie und Brüche, kul­tu­rel­le Sub­tex­te und an­ge­deu­te­te Zwi­schen­tö­ne in kür­zes­ter Zeit. Wir über­tra­gen Be­deu­tungen, nicht Wort­hül­len. Da­rin sind wir un­schlag­bar. Die KI merkt nicht, wenn sie lo­gi­schen Un­fug pro­du­ziert, so­lan­ge die Syn­tax stimmt.

2. Starr und oh­ne Kon­tex­t

Ein Red­ner auf ei­ner Fach­kon­fe­renz weicht vom Skript ab, nutzt ei­ne lo­ka­le Re­de­wen­dung oder macht ei­nen sub­ti­len Witz, um die Stim­mung auf­zu­lo­ckern. Ei­ne pro­fes­sio­nel­le Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin adap­tiert die­se Bot­schaft blitz­schnell für das Ziel­pub­li­kum.

Die KI schei­tert an sol­chen kul­tu­rel­len Trans­fer­leis­tun­gen. Oh­ne Kon­text­wis­sen über­trägt sie Me­ta­phern flach oder ver­liert bei schnel­len Spre­cher­wech­seln und Dia­lek­ten völ­lig den Fa­den. Was als prä­zi­ser Dis­kurs ge­dacht war, ver­kommt im di­gi­ta­len Äther zu ei­ner le­bens­lo­sen, me­cha­ni­schen Wort­wüs­te.

3. Hal­lu­zi­na­ti­onen

Wenn ei­ne KI im Un­kla­ren über den ex­ak­ten Kon­text ist, rät sie ein­fach. Wir Men­schen wür­den nach­fra­gen, und zwar vor der Ver­anst­al­tung, näm­lich dann, wenn das Vor­be­rei­tungs­ma­te­rial un­klar ist. Wir ha­ben schon man­che(n) Red­ner:in da­vor be­wahrt, bei Vor­trä­gen über ei­ge­ne Tipp­feh­ler zu stol­pern.

KI-Kri­ti­ker nen­nen die Fan­ta­sie­pro­duk­te der Ma­schi­nen be­schö­ni­gend „Hal­lu­zi­na­ti­onen“. Auf Kon­fe­renzen, in Be­hör­den oder bei Ge­richt ist der­lei schlicht ein Feh­ler mit mög­li­cher­wei­se fa­ta­len Fol­gen.

4. Haf­tung

Ge­nau die­ses blin­de Ver­trau­en in die schein­bar un­fehl­ba­re KI-Ge­ne­rie­rung hat im Früh­som­mer ein weg­wei­sen­des ju­ris­ti­sches Nach­spiel ge­habt. Mit dem Ur­teil vom 28. Mai 2026 (Az. 26 O 869/26) hat das Land­ge­richt Mün­chen I ent­schie­den, dass Google un­mit­tel­bar als Stö­rer für un­wah­re Be­haup­tun­gen haf­tet, die durch des­sen KI-Funk­ti­on („AI Over­views“) ge­ne­riert wur­den.

Das Ge­richt stell­te un­miss­ver­ständ­lich klar: Wer ei­gen­stän­dig for­mu­lier­te KI-In­hal­te als fer­ti­ge, ab­ge­schlos­se­ne Aus­sa­gen prä­sen­tiert, kann sich nicht auf das Pri­vi­leg rei­ner, haf­tungs­be­frei­ter Such­ver­mitt­lung be­ru­fen.

Kern­aus­sa­ge: Die KI er­zeugt ei­ne ei­ge­ne Ant­wort, die dem An­bie­ter recht­lich voll zu­ge­rech­net wird.

Das Ur­teil lässt sich aufs Dol­metschen über­tra­gen: Wer Ver­ant­wor­tung für hoch­ka­rä­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on trägt, kann die Haf­tung für Fehl­er nicht an ei­ne Soft­ware de­le­gie­ren, die in ih­ren Nut­zungs­be­din­gun­gen jeg­li­che Haf­tung aus­schließt.

5. Fa­zit

Die KI mag für ein­fa­che Stan­dard-Tex­te à la Web­shop mit ähn­li­cher Wa­re und für den ra­schen Über­blick prak­tisch sein. Mit ech­tem Si­mul­tan­dol­met­schen oder kul­tur­sen­si­blem Über­set­zen hat das aber herz­lich we­nig zu tun.

Bei In­hal­ten, auf die es an­kommt, ge­schrie­be­nen oder ge­spro­che­nen, bei de­nen es um Re­pu­ta­ti­on, Mil­lio­nen­ver­trä­ge, di­plo­ma­ti­sche Nu­an­cen und recht­li­che Si­cher­heit geht, blei­ben wir Men­schen un­er­setz­lich. Ver­trau­en Sie lie­ber ei­ner ech­ten Dol­met­sche­rin als ei­ner pro­gram­mier­ten Si­mu­lan­tin.

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Dienstag, 1. September 2026

Auf ein Neues!

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin mit für die fran­zö­si­sche Spra­che mehr als 20 Jah­ren Be­rufs­er­fah­rung. Als Teil ei­nes Netz­werks bin ich eu­ro­pa­weit tä­tig zu Wirt­schafts- und Kul­tur­the­men, Kli­ma und Land­wirt­schaft, um nur vier Bei­spie­le zu nen­nen.

Heute ist der 1. Sep­tem­ber. In Frank­reich ist heu­te nicht ein­fach der Mon­tag ei­nes Mo­nats mit „R“ da­rin. Heu­te ist la ren­trée. Da­rü­ber ha­be ich schon frü­her ge­schrie­ben: klick.

Mädchen mit Schultüte, Text: Mein erster Schulgang
Das Wort Schulgang ist heute vergessen

Und jähr­lich grüßt das Mur­mel­tier. Der fran­zö­si­sche Jah­res­lauf ist stär­ker durch­ge­tak­tet als dies hier­zu­lan­de der Fall ist. Denn mit die­sem Ers­ten be­ginnt in Frank­reich das neue Jahr.

In Deutsch­land be­ginnt das Jahr am 1. Ja­nu­ar und auch nur ein einziges Mal. Der Herbst be­ginnt, wenn die Son­ne über dem Äqua­tor steht. Und die Schu­le be­ginnt, wenn die Som­mer­fe­ri­en vor­bei sind.

Frank­reich hat da eine ei­ge­ne Ord­nung. La ren­trée heißt wört­lich erst ein­mal „Rück­kehr“. Das Wort be­zeich­net aber längst nicht nur die Rück­kehr der Kin­der in die Schu­le. Das Centre na­tio­nal de res­sources tex­tuelles et le­xi­ca­les nennt auch die Wie­der­auf­nah­me der Ak­ti­vi­tät ei­ner In­sti­tu­ti­on oder des ge­sell­schaft­li­chen Le­bens nach ei­ner Pau­se.

So kommt la ren­trée nicht im Sin­gu­lar, son­dern liefert uns gleich für die kom­men­den Wo­chen eine Vo­ka­bel­lis­te.
La ren­trée sco­laire: Der Schul­an­fang
La ren­trée uni­ver­si­taire: Der Se­mes­ter­be­ginn
La ren­trée po­li­tique: Das En­de der po­li­ti­schen Som­mer­pau­se
La ren­trée so­ci­ale: Die Ge­sell­schaft, die Ge­werk­schaf­ten, die Ver­bän­de und ihre Kon­flik­te mel­den sich zu­rück
La ren­trée théâ­trale: Der Be­ginn der The­a­ter­sai­son
La ren­trée lit­té­raire: Der Bü­cher­herbst mit Neu­er­schei­nun­gen und Buch­mes­se

Der Bü­cher­herbst ist in Frank­reich be­son­ders aus­ge­prägt. Zwi­schen Mit­te Au­gust und Ok­to­ber kom­men 2026, so­weit ver­mel­det, 461 Ro­ma­ne auf den fran­zö­si­schen Buch­markt, dar­un­ter 68 ers­te Ro­ma­ne, au­ßer­dem ist es die Sai­son der Li­te­ra­tur­prei­se.

Die ren­trée ist al­so kein Über­set­zungs­the­ma, sondern ein echtes Kul­tur­phä­no­men.

Für uns ist der Sep­tem­ber­an­fang ei­ne his­to­ri­sche Er­in­ne­rung und der Herbst­an­fang für Sta­tis­ti­ker. Durch die­sen Trick be­kommt die­se Jah­res­zeit ih­re kom­plet­ten Ka­len­der­mo­na­te, so las­sen sich Mo­nats­mit­tel, Nie­der­schlags­sum­men und an­de­re Kli­ma­da­ten sau­ber ver­glei­chen.

Ei­gent­lich hät­ten die Sta­tis­ti­ker ei­ni­ge Wo­chen war­ten kön­nen, wenn es schon or­dent­lich zu­ge­hen soll, und den 1. Ok­to­ber zum me­te­o­ro­lo­gi­schen Herbst­an­fang er­klä­ren, also den ers­ten vol­len Ka­len­der­mo­nat nach dem ech­ten Herbst­an­fang. Nun denn.

Auch in der Ukra­i­ne be­ginnt heu­te das neue Schul­jahr. Der 1. Sep­tem­ber ist dort der Den zna­nj, der „Tag des Wis­sens“. Schule und Schul­ein­gangs­fei­er bei Luft­alarm ma­chen den heu­ti­gen 1. Sep­tem­ber grö­ßer, und dies zum fünf­ten Mal.

Wün­schen wir den Men­schen dort ein bal­di­ges Kriegs­en­de. Und der Mensch­heit 265 Ta­ge des Wis­sens jähr­lich und eine Ab­kehr von sek­ten­ähn­li­chen, wis­sen­schafts­feind­li­chen Ge­dan­ken, die es der Po­li­tik in vie­len Ländern über­haupt erst er­mög­licht, we­sent­li­che Ent­schei­dun­gen zu Energie, Wirt­schaft und sozialer Ge­rech­tig­keit wei­ter zu ver­ta­gen.

Vive la ren­trée !

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Foto: Ar­chiv Eli­as Los­sow

Montag, 31. August 2026

Montagsschreibtisch (155)

Bonjour & hello! Den All­tag ei­ner Dol­met­scherin fin­den Sie auf den Sei­ten die­ses di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs skiz­ziert. Mit Deutsch als Mut­ter­spra­che, ar­bei­te ich vor al­lem als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für fran­zö­sisch­spra­chi­ge Kon­fe­renzen und De­le­ga­tions­rei­sen, in der Po­li­tik und bei pri­va­ten An­läs­sen; au­ßer­dem aus dem Eng­li­schen, der Ziel­spra­che mei­ner Büro­kol­le­gin, die Tex­te über­trägt.

Ver­wal­tungs­ar­beit ist klein­tei­lig
Zwei­mal tief durch­ge­at­met und schon geht der Som­mer zu­ende! Wie mei­ne Be­kann­te Hé­lène Kohl neu­lich ge­sagt hat, kann­te der Som­mer die­ses Jahr kein Som­mer­loch, was die Nach­rich­ten­la­ge an­ging.

Auch sonst war der Pau­sen­cha­rak­ter in die­ser Jah­res­zeit auch be­grenzt, was ei­ne Fol­ge de häu­fi­gen Ex­trem­wet­ter­la­gen war.

Die Herbst­sai­son kün­digt sich bis­lang nur ver­hal­ten an. Das ist seit Co­ro­na so. Ei­ner­seits schrei­ben wir hier stän­dig sehr aus­führ­li­che Kos­ten­vor­an­schlä­ge.

An­der­er­seits sind die Rück­läu­fe lei­der, an­ders als frü­her, eher be­schei­den. Seit der Pan­de­mie plant die Kund­schaft nicht mehr so lang­fris­tig wie früher. Auch se­hen wir, dass die Ver­wal­tung im­mer mehr aus­ge­la­gert wird. Wei­te­re Ver­lus­te lie­gen nach­weis­lich an der un­lau­te­ren KI-Kon­kur­renz. Die KI ist kein Dol­met­scher, auch wenn man­che Tech-Nerds das be­haup­ten. Oder wird die Bun­des­po­li­tik noch selbst­be­zo­ge­ner?

Die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch:

We­ge aus der Kri­se
Kol­le­ge/n für ei­nen Ehe­schlie­ßungs­ter­min fin­den
Kos­ten­vor­an­schlä­ge
Viel­leicht Ihr Vor­ha­ben?

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 28. August 2026

Moment mal! (6)

Bon­jour, hel­lo gu­ten Tag! Im 20. Jahr be­schrei­be ich, Ca­ro­li­ne Eli­as, hier mein Le­ben als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scherin für Fran­zö­sisch, Deutsch (und aus der eng­li­schen Spra­che) in Ber­lin. Ge­mein­sam mit an­de­ren aus dem Dol­metsch­team be­glei­te ich De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen, sit­ze da­bei sehr oft ir­gend­wo in Kon­fe­renz­dol­metsch­ka­bi­nen. Und ich rei­se oft mit der Bahn.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag
Ein Kind hört im Zug, wie ich auf Fran­zö­sisch te­le­fo­nie­re. Das Ge­spräch ist zu­en­de. Der klei­ne Mann, noch nicht im Grund­schul­al­ter, fragt: „Was für ei­ne Spra­che war denn das?“

Ich: „Das war Fran­zö­sisch.“ (... so ein biss­chen wie der Kom­men­tar aus der „Sen­dung mit der Maus“ ge­spro­chen).

Der Jun­ge: „Kannst du auch Deutsch?“

„Na, hörs­te doch ge­ra­de.“

„Ja. Und Ame­ri­ka­nisch?“

„Ame­ri­ka­ni­sches Eng­lisch we­ni­ger, aber Eng­lisch, ja.“

Pau­se.

„Ach so. Dann kannst du ja al­les sa­gen.“

„Nein.“

„Wa­rum nicht?“

„Weil ich nicht al­les weiß.“

Das Kind denkt kurz nach.

„Aber wenn du al­les weißt, kannst du al­les sa­gen, oder?“

(Ja, klingt lo­gisch. Ach, wenn die Welt doch nur so ein­fach wä­re.)


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Gra­fik:
KI (OpenAI)

Donnerstag, 27. August 2026

Herbstfarben

Hal­lo, hier kön­nen Sie im 20. Jahr Epi­so­den aus dem Ar­beits­all­tag ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Mut­ter­spra­che Deutsch le­sen. Meis­tens ar­bei­te ich als Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin, aber auch aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche und schrift­lich ins Deut­sche. Die Ar­beit ist an­stren­gend. Um­so wich­ti­ger ist gu­te Er­ho­lung: Nicht­stun ... oder et­was kom­plett an­de­res!

Stof­fe in leuch­ten­den und ge­deck­ten Far­ben, Klei­der
Erste Ideen
Nach Ta­gen mit in­tel­lek­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen er­ho­le ich mich mit Up­cy­cling. Bei der Haus­halts­auf­lö­sung der Mut­ter ei­ner Freun­din fie­len zwei Klei­der für mich ab. Sie sind mir zu groß, die Far­ben pas­sen nicht, aber sie sind aus gu­ter, nicht zu schwe­re Baum­wol­le.

Die Aus­gangs­schnit­te ha­ben Po­ten­zi­al. Zum Glück durf­te ich in der Schu­le Nä­hen ler­nen.

Bei­de Klei­der wer­de ich fär­ben. Ich lie­be be­son­ders Na­turtöne, zum Bei­spiel ein dunk­les, war­mes Oli­v­grün, pas­send zu mei­nem Teint. Ich mag auch die Mo­de der Twen­ties.
Ei­nes der Klei­der hat prompt ei­ne sehr tie­fe „Taille“.

Pro Kleid wer­de ich ver­mut­lich nur vier bis sechs Näh­te än­dern müs­sen, in ei­nem Fall Ta­schen weg­neh­men, die Ta­schen­klap­pen aber ste­hen­las­sen, au­ßer­dem neue Knöp­fe dran­nä­hen. Für die Knöp­fe wer­de ich auf Na­tur­ma­te­ri­ali­en zu­rück­grei­fen, auf we­nig Auf­fäl­li­ges, und mich bei der Fir­ma Paul Knopf be­ra­ten las­sen.

Ei­ne Freun­din, Kos­tüm­bild­ne­rin beim Film, hilft beim Up­cy­cling-Pro­jekt. Zu­nächst lie­fert sie „Vi­su­als“. Das hilft schon mal wei­ter. Wir mes­sen al­les Mög­li­che aus, Wei­te, Län­ge, sie steckt ab, ich nä­he. Fürs Um­fär­ben erwägen wir Dun­kel­grün, Tan­nen­grün, Oliv­grün oder Rost­rot, um die zu grel­len Farb­tö­ne zu über­fär­ben und ein span­nen­des Ge­samt­er­geb­nis zu be­kom­men. Wir über­le­gen, was wie aus­se­hen wird und möch­ten am En­de nur ei­nen Fär­be­gang ma­chen. Die fi­na­le Ent­schei­dung steht noch aus. Es wird spät­som­mer­lich bis herbst­lich wer­den.

Das ei­ne Kleid hat ei­nen zeit­lo­sen Schnitt, das an­de­re soll ein Ta­ges­kleid im Stil der 1920er wer­den. In der Kern­zeit der Twen­ties, ca. 1922–1928, lag der Saum et­wa ei­ne Hand­breit un­ter dem Knie. Das be­kom­men wir mit dem vor­han­de­nen Stoff nur knapp hin. In bei­den Fäl­len fehlt Stoff für Är­mel. Auch wenn wir in der Wei­te et­li­che Zen­ti­me­ter her­aus­neh­men, so kann ich ma­xi­mal Gür­tel dar­aus nä­hen.

Ich wer­de ei­ne Art „Jum­per Dress“ (Trä­ger­kleid) dar­aus ma­chen, bei küh­ler Wit­te­rung ein Shirt oder ei­ne Blu­se drun­ter­zie­hen und es so schnei­den, dass ich es im Hoch­som­mer auch kurz­ärmlig tra­gen kann. Das Kleid mit Hemd­blu­sen­cha­rak­ter be­kommt ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Aus­schnitt ver­passt.

Es wird span­nend.

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Gra­fik: Adeline (en­co­re mer­ci beau­coup !)

Mittwoch, 26. August 2026

Die nette Apo­ka­lypse

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Die KI-Gran­den spre­chen mit er­staun­li­cher Ge­las­sen­heit da­von, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit ihre Er­fin­dung die Mensch­heit aus­lö­schen oder sie dauer­haft ent­mach­ten wird. Sie schät­zen die Ge­fahr auf et­was zwi­schen 25 und 50 Pro­zent ein.

Nie­mand wür­de in ein Flug­zeug ein­stei­gen, das mit der Wahr­schein­lich­keit von 25 bis 50 Pro­zent ab­stür­zen wird. Hier aber lau­tet der Re­frain: „Kein Grund zur Pa­nik! Fas­ten seat­belt! Auf zur nächs­ten Run­de!“

... und (fast) al­le se­hen das Prob­lem!
Die Ge­men­ge­la­ge er­weist sich als fast nied­lich, wenn wir be­denk­en, WER hier am Werk ist: Die mehr als 3.000 Mil­li­ar­dä­re der Welt besit­zen inzwi­schen 18,3 Bil­lio­nen Dol­lar, wäh­rend die ärmere Hälf­te der Mensch­heit weni­ger besitzt als die zwölf reichs­ten Män­ner zusam­men. In der Spit­zen­grup­pe der Überreichen fin­den sich Tech-Män­ner — und nicht eine Frau.

Diese Her­ren ser­vie­ren uns ein Ar­gu­ment, das ich eine Beru­hi­gungs­pil­le nen­ne: Sie be­haup­ten, dass Ar­beit künf­tig optio­nal wer­den kön­ne, da Maschi­nen für uns ar­bei­ten wür­den. Und da­mit nie­mand in Pa­nik ver­fällt, wird hin­ter­her­ge­scho­ben, dass jed­er Mensch ein üppi­ges Grund­ein­kom­men be­kom­men wer­de.

Ach, wie über­aus beru­hi­gend!

Nur: Wenn die­se Her­ren wirk­lich so sehr am Wohl­er­ge­hen der Mensch­heit inter­es­siert wä­ren, wa­rum ma­chen sie nicht heu­te schon et­was? Sie könn­ten längst einen be­trächt­li­chen Teil ih­res Ver­mö­gens und ih­res poli­ti­schen Ein­flus­ses ge­zielt da­für ein­set­zen, Hun­ger, ver­meid­ba­re Krank­hei­ten und extre­me Armut zu bekämp­fen und die Struk­tu­ren dau­er­haft zu ver­än­dern, die die­se Un­gleich­hei­ten seit Jahr­hun­der­ten pro­du­zie­ren. Das Geld da­für ha­ben sie, den Ein­fluss auch, die Tech­nik erst recht.

Statt­des­sen bau­en sie Rechen­zen­tren, die ex­trem viel Strom, Was­ser, Land und Infra­struk­tur bean­spru­chen, für de­ren Be­trieb neue Gas­kraft­wer­ke ent­ste­hen sol­len. Kurz: Die KI ist ein ast­rei­ner CO₂-Trei­ber. Ers­ter Wi­der­stand regt sich vie­ler­orts; man­che Gemein­den ver­hin­dern oder brem­sen die Pla­nung aus. (Wohl dem Land, des­sen de­mo­kra­ti­sche Struk­tu­ren funk­tio­nie­ren!) Die In­ter­na­tio­na­le Energie­agen­tur (IEA) erwar­tet, dass sich der welt­wei­te Strom­ver­brauch von Rechen­zen­tren bis 2030 etwa ver­dop­pelt.

Und auch die öko­lo­gi­schen Neben­wir­kun­gen wer­den unter­sucht: Lärm, Licht, elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der, Was­ser­ver­brauch sowie die Fra­ge, was sol­che Anla­gen mit den Öko­sys­te­men ma­chen, in die sie ge­stellt wer­den. Bei Bie­nen gibt es bereits Hin­wei­se auf Beein­träch­ti­gun­gen der wert­vol­len Ar­beit der Be­stäu­ber durch Re­chen­zen­tren; der direk­te Nach­weis steht aller­dings noch aus.

Die ei­gent­li­che Zu­kunfts­vi­sion muss eine an­de­re sein: nicht Ma­schi­nen­herr­schaft mit Grund­ein­kom­men, son­dern Men­schen­herr­schaft über die Ma­schi­nen. Denn wir sind die Mehr­heit, wir ha­ben Stimm­recht, wir kön­nen NEIN sa­gen, wenn unse­re Land­schaf­ten, unser Was­ser, unser Strom und un­se­re Le­bens­zeit für die nächs­te Bil­lio­närs­phan­ta­sie drauf­ge­hen sol­len.

Wir müs­sen nicht bei den dys­to­pi­schen Bil­dern und den lee­ren Ver­spre­chen der Tech-Bros ste­hen blei­ben. Es gibt vie­le po­si­ti­ve Bil­der ei­ner le­bens­wer­ten Zu­kunft, die wir ent­wic­keln und ver­brei­ten dür­fen. Das mit der Ver­brei­tung ist ei­ne Fra­ge der Kom­mu­ni­ka­tion. Die mensch­li­che Psy­che zieht lei­der Ne­ga­tiv­mel­dun­gen vor. Wir sind eine Spe­zies, de­ren Psy­che noch auf dem Stand der Höh­len­be­woh­ner funk­tio­niert. Da­mals war es über­le­bens­wich­tig, Ge­fah­ren schnell zu er­ken­nen.

Chan­cen ha­ben es schwe­rer. Da­bei gibt es star­ke Bil­der ei­ner an­de­ren Zu­kunft: Schwamm­städ­te, Agro­forst­wirt­schaft, re­gio­nal an­ge­pass­tes Saat­gut, Markt­gärt­ne­rei­en, Hu­mus­auf­bau, na­tür­li­che Wäl­der, Was­ser­land­schaf­ten, ge­sun­de Bö­den und Le­bens­mit­tel. Ge­nos­sen­schaft­li­ches Bau­en, Holz, Lehm und ge­sun­de Bau­stof­fe, Mit­be­stim­mung, De­mo­kra­tie und Bil­dung mit Kopf, Hän­den und dem Bo­den un­ter den Fü­ßen.

High­tech wird da­zu­ge­hö­ren, wenn sie uns hilft, Zu­sam­men­hän­ge zu ver­ste­hen, statt sie zu zer­stö­ren, wenn sie beim Mes­sen und Ana­ly­sie­ren und In­for­mie­ren hilft.

Die Na­tur ist kom­ple­xer, als wir den­ken; sie ist so kom­plex, dass wir sie noch nicht ver­ste­hen. Auf dem Mars ist der Bo­den tot. Hier ist al­les mit al­lem ver­bun­den und wir sind ihre Schü­ler. Wir wis­sen viel, aber längst nicht ge­nug. Wir sind al­le Lehr­lin­ge. Nur eins ist klar: Wir Men­schen sind Teil der Na­tur. Au­ßer­halb ei­ner ge­sun­den Na­tur kön­nen wir nicht über­le­ben.

Die Welt ge­hört uns nicht, wir ge­hö­ren zu ihr. Uto­pie statt Apo­ka­lyp­se, lau­tet die Pa­ro­le. In­ner­halb der nächs­ten Ta­ge folgt da­zu mehr.


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Gra­fik: C.E. (mit al­ten Mit­teln plus Pho­to­shop)

Montag, 24. August 2026

Montagsschreibtisch (154)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Mon­tags schau­en wir auf mei­nen Schreib­tisch.

Fenster, Tisch, Laptop mit Erhöhung
Am Schreib­tisch quer durchs Land
Mein Ar­beits­platz ist an die­sem Wo­chen­an­fang wie­der in Be­we­gung! Ich sit­ze re­gel­mä­ßig im Zug, für die Ar­beit und für An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge, die mich zur Pend­le­rin macht.

Die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch
(wie­der in Ber­lin):
❦ ein An­ge­bot schrei­ben (Kon­fe­renz)
❦ Un­ter­ti­tel kor­rek­tur­le­sen
❦ Al­te Le­xi­ken ab­hef­ten
❦ Kom­men­de Ter­mi­ne in den Ka­len­der ein­tra­gen
❦ Ihr Ter­min viel­leicht?

Da­mit ich über­all er­go­no­misch ar­bei­ten kann, habe ich ein Hilfs­mit­tel. Es ist eben­so so ge­ni­al wie ein­fach.

Im De­tail: Es ist leicht, prak­tisch, rei­se­taug­lich und ich nut­ze es re­gel­mä­ßig. Eben­so re­gel­mä­ßig spre­chen mich Mit­rei­sen­de im Zug auf mei­ne Bü­ro­tech­nik an.

Das Ac­ces­soire ist low tech im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes, beim Ge­wicht an­ge­fan­gen: Laut mei­ner et­was gröb­lich mes­sen­den al­ten Kü­chen­waa­ge wiegt das Teil 150 Gramm. Die­se Com­pu­ter­er­hö­hung be­schert mit eins, zwei, fix eine gute Ar­beits­hö­he für die Tas­ta­tur so­wie die Min­dest­hö­he für den aus­ge­klapp­ten Mo­ni­tor, in­dem sie den Lap­top um 15 Grad kippt. Das ist nicht nur im Zug prak­tisch, son­dern auch am ei­ge­nen Schreib­tisch oder in der Dol­metsch­ka­bi­ne auf Kon­fe­ren­zen.

Der Stän­der ist nach­hal­tig, weil aus eu­ro­päi­schem Bu­chen­holz ge­fer­tigt und mit ei­ner ein­fa­chen Kreuz­über­blat­tung (so heißt das wirk­lich!), die die­sen ra­schen Auf- und Ab­bau er­mög­licht. Sonst rei­sen die bei­den „Ar­me“ flach­ge­legt in der Com­pu­ter­ta­sche mit.

Im Som­mer noch da­zu ul­tra­prak­tisch: Der Rech­ner hängt in der Luft, die Lüf­tung setzt sel­te­ner ein, denn der Stän­der wirkt als Über­hit­zungs­schutz. Ein­mal hat im Zug ein Mann sei­nen Kaf­fee ver­schüt­tet, die Mit­rei­sen­den ris­sen pa­nisch ih­re Lap­tops hoch, ich konn­te ge­las­se­ner re­agie­ren, denn die Kaf­fee­pfüt­ze hat nur die Fü­ße des Stän­ders be­netzt.

Wenn mich Mit­rei­sen­de nach dem Teil fra­gen, sa­ge ich kurz: „Wer­be­pau­se!“, er­klä­re, dass jetzt kei­ne be­zahl­te Wer­bung folgt, und wo die­ses Teil zu be­kom­men ist. Auch das hier ist kei­ne be­zahl­te Wer­be­un­ter­bre­chung. Die Fir­ma stood.it ist ei­ne ber­li­nisch-ita­lie­ni­sche Ko­pro­duk­ti­on. Ent­deckt ha­be ich sie vor län­ge­rer Zeit auf dem Kunst­markt in Ber­lin-Mit­te.

Details: Laptop mit Erhöhung
Die Er­hö­hung von stood.it
In­zwi­schen las­sen sich die Stän­der (die es auch für kom­pak­te­re Klapp­rech­ner und an­de­re Ge­rät­schaf­ten gibt) be­quem im Netz be­stel­len: Link. Wer et­was aus Me­tall sucht, wird bei Cy­ber­port oder Kauf­land fün­dig. Letz­te­res ent­wi­ckelt sich üb­ri­gens zu ei­nem Ein­kaufs­por­tal, ähn­lich dem Gi­gan­ten mit dem gro­ßen A., den kri­ti­sche Men­schen in­zwi­schen so oft wie es geht ver­mei­den (weil er Ar­beits­schutz, Ge­werk­schaf­ten und Steu­er­zah­lun­gen ver­mei­det).

Die Her­stel­ler von stood.it ge­ben Men­gen­ra­bat­te bei Groß­be­stel­lun­gen mit Fir­men­lo­go­prä­gung. Ich emp­feh­le die­se Tei­le als Prä­sent zum Jah­res­en­de. In vier Mo­na­ten plus ei­ni­gen Ta­gen be­ginnt das neue Jahr!

Vo­ka­bel­no­tiz
Kreuz­über­blat­tung — en­tail­le en croix, en­four­che­ment/en­tail­le croi­sée, as­sem­bla­ge à mi-bois en croix
die Bu­che — le hêtre


Dis­clai­mer

Ein­mal hat sich bei uns ein Gast auf ei­nen der Stän­der drauf­ge­setzt, der vom So­fa­rü­cken auf die Sitz­flä­che und ir­gend­wie un­ter ein Kis­sen ge­rutscht war. „Krack!“, das war's. Bei stood.it nach­be­stellt, und da ich schon ei­ni­ge Tei­le zum Ver­schen­ken ge­kauft und mein Ma­leur be­rich­tet ha­be, war die Fir­ma me­ga­ku­lant und hat mir spon­tan ei­nen Stän­der gra­tis zu­ge­schickt. Da­zu er­neut vie­len Dank! Den ka­put­ten Stän­der­arm ha­ben wir tat­säch­lich kom­pos­tiert.

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Fo­tos: C.E.

Freitag, 21. August 2026

Moment mal! (5)

Bon­jour, hel­lo,gu­ten Tag! Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten im 20. Jahr be­schrieben. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, arbei­te ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne auf Kon­fe­ren­zen, oder ich rei­se mit De­le­ga­tio­nen durch Län­der oder Mi­nis­te­rial­ge­bäu­de. Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ich ar­bei­te in Ber­lin, Pa­ris, Hei­delberg, Mar­seil­le und dort, wo Sie mich brau­chen!

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Manch­mal fehlt ein Wort. Nicht, weil wir ei­ne Spra­che nicht aus­rei­chend be­herr­schen wür­den. Son­dern, weil Spra­che grund­sätz­lich kom­ple­xer ist als ein Wör­ter­buch. 

Spra­che ver­än­dert sich stän­dig, wäh­rend so ein Wör­ter­buch sta­tisch bleibt, so­gar ein di­gi­ta­les. Und es kom­mt im­mer auf den Kon­text an: den sprach­li­chen Zu­sam­men­hang, die Fra­gen, das Vor­wis­sen, die Si­tuation. Des­halb kann die KI auch nur gro­be Zu­sam­men­fas­sun­gen oder zu wort­rei­ches Kau­der­welsch lie­fern. (Hal­lu­zinationen kom­men noch on top.)

Un­se­re mensch­li­chen Spra­chen sind Wun­der­wer­ke. Ein ein­zi­ges Wort kann Kul­tur, Er­fah­rung und ei­nen be­stimm­ten Blick auf die Welt ent­hal­ten. 

Der pas­sen­de Aus­druck muss nicht nur ver­ständ­lich sein. Er muss den rich­ti­gen Ton tref­fen.

Ge­nau die­se Mo­men­te ma­chen mei­nen Be­ruf span­nend. Beim Dol­met­schen geht es nicht nur dar­um, Wör­ter aus ei­ner Spra­che in ei­ne an­de­re zu über­tra­gen. Es geht dar­um, Be­deu­tung, Ab­sicht und At­mo­sphä­re zu er­fas­sen.

Manch­mal ist die kur­ze Pau­se, die das Pub­li­kum kaum wahr­nimmt, der Au­gen­blick, in dem die ei­gent­li­che Ar­beit pas­siert. Und wenn am En­de der rich­ti­ge Aus­druck ge­fun­den ist, merkt nie­mand mehr, dass er ge­sucht wur­de.

Und dann ist da die­ser Be­griff, der mir so ver­traut ist, dass ich kurz grüb­le und eine Se­kun­de län­ger su­che als sonst, weil mir erst wäh­rend des Nach­den­kens ein­fällt, dass es die­ses ei­ne, ganz be­stim­mte Wort nur in ei­ner mei­ner Spra­chen gibt. Dann darf ich einen kur­zen An­flug von Trau­er weg­at­men, denn ein Mo­ment von Prä­zi­sion und Schön­heit wird das Ohr der ge­neig­ten Zu­hö­rer­schaft heu­te nicht er­rei­chen, und schnell wei­ter­spre­chen.

(Der Kopf hat­te hier kurz aus ei­ner in die­sel­be Spra­che zu über­tra­gen ver­sucht. Na­tür­lich flir­ren im­mer bei­de Idio­me stän­dig lei­se mit, ger­ne auch die drit­te oder x-te Spra­che.)

Das Pu­bli­kum merkt auch die­ses Zö­gern nicht. Das ist viel­leicht das schöns­te Kom­pli­ment für gu­te Dol­met­sch­ar­beit, wenn Sprach­gren­zen ver­schwin­den: „Es war so, als hät­ten wir der vor­tra­gen­den Per­son im O-Ton zu­ge­hört!“
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Gra­fik: KI (OpenAI)

Mittwoch, 19. August 2026

Wolfskinder

Hal­lo, lie­be Le­se­rin, lie­ber Le­ser! Wer schreibt hier? Ich bin Kon­fe­ren­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und blog­ge an die­ser Stel­le im 20. Jahr. Ich über­set­ze auch aus dem Eng­li­schen, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Heu­te mal wie­der: KI-Mitt­woch.

Rück­sprung in tra­gi­sche Zei­ten: Aus der Ge­schich­te sind die so­ge­nann­ten Wolfs­kin­der be­kannt, die aus den ver­schie­dens­ten Grün­den oh­ne El­tern oder an­de­re Be­zugs­per­so­nen auf­wach­sen musst­en. Sie konn­ten vie­le Grund­la­gen des Le­bens nicht ler­nen, weil nie­mand da war, der sie be­glei­te­te. Sie konn­ten ihre De­fi­zi­te meis­tens spä­ter nicht mehr auf­ho­len.

Ler­nen ist Müh­sal. Ein Kind muss erst krie­chen, krab­beln, hin­fal­len, sich hoch­zie­hen, wie­der hin­fal­len, auf­ste­hen, wa­ckeln, stol­pern, wie­der fal­len und wie­der auf­ste­hen. Das geht schier end­los so. Ir­gend­wann kann es lau­fen. Nie­mand kä­me auf die Idee, ei­nem ein­jäh­ri­gen Kind ei­nen Ro­bo­ter hin­zu­stel­len, der für es läuft, und dann zu sa­gen: „Siehst du? Jetzt kannst du ge­hen.“ Beim Ler­nen ma­chen vie­le aber ge­nau die­sen Denk­feh­ler.

Mädchen mit süßlichem Lächeln auf dem "Bärenfell" mit Selfie-Handy in der Hand
Die KI als Selbstbespielungsmaschine 
Ler­nen braucht Übung und Pra­xis. Vor al­lem braucht es den Mo­ment, in dem et­was nicht funk­tio­niert: in dem wir nach­fra­gen, uns ver­has­peln, Feh­ler ma­chen und es wei­ter ver­su­chen. Er­kennt­nis ent­steht nicht da­durch, dass die rich­ti­ge Ant­wort je­der­zeit ver­füg­bar ist. Ler­nen braucht auch ein Ge­gen­über aus Fleisch und Blut. Wer das Ler­nen ge­lernt hat, kann spä­ter na­tür­lich selbst­stän­dig mit al­ler­lei Quel­len ar­bei­ten. Das In­ter­net kann ei­ne da­von sein.

Es braucht Zeit und Ge­duld, um z.B. ei­ne Spra­che zu ler­nen.

Die KI mit ih­rer Ge­schwin­dig­keit macht zu­sam­men mit den im­mer kür­ze­ren Film­chen auf den Sei­ten der aso­zia­len Me­di­en die Men­schen im­mer un­ge­dul­di­ger. Das ist für uns Gro­ße schon ge­fähr­lich, aber bei den Klei­nen wird es brand­ge­fähr­lich.

Spre­chen­ler­nen braucht Hin­ga­be, egal ob Erst- oder Zweit­spra­che. Wir müs­sen den Sinn hin­ter den Wör­tern er­fas­sen, viel­leicht so­gar meh­re­re Be­deu­tungs­ebe­nen. Wir ler­nen beim Pro­bie­ren, beim Bas­teln mit Sil­ben, beim Spre­chen. Wir su­chen nach Wör­tern, ver­grei­fen und kor­ri­gie­ren uns. Wir er­le­ben, wie ein Laut, ein Wort schmeckt und im Mund liegt, wel­che Mus­keln da­bei ar­bei­ten und wel­che Nu­an­ce in wel­cher Si­tua­ti­on passt.

Die gan­ze Zeit geht es um viel mehr als Vo­ka­beln und Gram­ma­tik. Das kann die Ma­schi­ne schnell aus­wer­fen und ana­ly­sie­ren, manch­mal be­kommt sie so­gar die Nu­an­ce hin. Aber sie lie­fert das Wahr­schein­lichs­te, nicht das Er­leb­te, Erprobte.

Für die sprach­li­che Ent­wick­lung von Kin­dern zählt, wie viel­fäl­tig, de­tail­reich, sy­no­nym­reich, emo­tio­nal au­then­tisch und dif­fe­ren­ziert die Spra­che ist, die sie von El­tern und an­de­ren Be­zugs­per­so­nen hö­ren. Der frü­he Grund­la­gen­kurs in Co­ding ist da­hin­ge­gen kom­plett wum­pe, wie es auf Ber­li­nisch heißt, schie­te­gal auf Ham­bur­gisch, a Hen­na­furz auf gut Schwä­bisch.

Ein Kind, das für „trau­rig“ acht ver­schie­de­ne Wör­ter und Wen­dun­gen ken­nen­lernt, hat et­was ge­lernt, das sich nicht so ein­fach durch ei­nen wei­te­ren di­gi­ta­len Skill er­set­zen lässt. Es lernt, Un­ter­schie­de wahr­zu­neh­men, Ge­füh­le zu be­nen­nen und Emp­fin­dun­gen zu un­ter­schei­den. Es lernt, sich zu re­gu­lie­ren und, falls nö­tig, Hil­fe zu ho­len. Und es be­kommt ein Werk­zeug, mit dem es spä­ter selbst wei­ter­den­ken kann: Spra­che und Struk­tur, Dif­fe­ren­zie­rungs- und Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz.

Das ei­gent­li­che Pro­blem an der gro­ßen KI-Eu­pho­rie der Tech-Bros ist des­halb gar nicht, dass die­se Tech­no­lo­gie nichts „kann“. Im Ge­gen­teil: Sie „kann“ auf Grund­la­ge der Imi­ta­ti­on un­se­rer Kul­tur­pro­duk­te er­staun­lich viel (hier ge­he ich da­von aus­, dass „Kön­nen“ er­wor­be­ne Fä­hig­kei­ten von Le­be­we­sen be­zeich­net).

Das Pro­blem ist die Ver­wechs­lung von Zu­gang zu wis­sens­ba­sier­ten In­hal­ten mit ei­ge­nem Wis­sen; von rech­ne­ri­scher Leis­tungs­fä­hig­keit mit Ver­ste­hen; von ei­ner fer­ti­gen Ant­wort mit ei­nem selbst er­ar­bei­te­ten In­halt, den wir auf Plau­si­bi­li­tät prü­fen kön­nen.

Wie soll die KI uns al­le klü­ger ma­chen? Wir ha­ben die­ses Ex­pe­ri­ment doch längst ge­macht. Das In­ter­net hat uns die Bi­blio­thek der Mensch­heit in die Hand ge­ge­ben. Je­der kann Pla­ton le­sen, Spra­chen ler­nen, sich mit Ge­schich­te, Phy­sik, Mu­sik oder Öko­lo­gie be­schäf­ti­gen. Es gibt Vor­le­sun­gen, Kur­se, Do­ku­men­ta­tio­nen und die wun­der­ba­re Idee ei­ner Uni­ver­si­té de tous les sa­voirs: Wis­sen ist da.

Und was ha­ben wir dar­aus ge­macht?

Wir ha­ben, plötz­lich wis­sens­durs­tig, eben nicht mil­lio­nen­fach den Weg an die Hoch­schu­len an­ge­tre­ten. Statt­des­sen ver­brin­gen wir ei­nen er­staun­li­chen Teil un­se­rer Zeit da­mit, uns in so­zia­len Me­di­en ge­gen­sei­tig beim Ver­blö­den zu­zu­se­hen. Das Pro­blem ist al­so nicht der feh­len­de Zu­gang zu Wis­sen. Das Pro­blem ist, was Men­schen mit die­sem Zu­gang an­fan­gen.

Mit der KI bekamen vie­le Men­schen ein gran­dio­ses Werk­zeug: ei­nen per­so­na­li­sier­ten Tu­tor, ei­ne Lek­to­rin, ei­nen Pro­gram­mie­rer, ei­ne Re­cher­che­as­sis­ten­tin und da­mit mög­li­cher­wei­se Hil­fe beim Zu­gang zu mehr Wis­sen, als ein ein­zel­ner Mensch je­mals über­bli­cken kann. Und dann ma­chen die meis­ten Men­schen da­mit im We­sent­li­chen den­sel­ben Murks wie zu­vor, nur schnel­ler und mit noch mehr Ein­satz von Ener­gie, Was­ser und Land für Re­chen­zen­tren, mit­ten in ei­ner mul­ti­plen Kli­ma­kri­se.

Das gilt na­tür­lich nicht für al­le Be­rei­che. In Me­di­zin, Tech­nik und In­for­ma­tik kön­nen Ma­schi­nen durch die Re­kom­bi­na­ti­on be­ste­hen­den Wis­sens neue Er­kennt­nis­se, Funk­ti­ons­wei­sen und Soft­ware­lö­sun­gen er­mög­li­chen. Aber auch dort bleibt die Fra­ge, wer das Er­geb­nis ver­steht, ein­ord­net und prüft.

Ein bes­se­res Werk­zeug macht aus Men­schen nicht au­to­ma­tisch bes­se­re Le­be­we­sen. Es macht uns viel­leicht zu leis­tungs­fä­hi­ge­ren Men­schen mit all unseren Neu­ro­sen, der Be­quem­lich­keit, der Un­wis­sen­heit, dem schlech­ten Ge­schmack und dem Be­dürf­nis vieler, am liebs­ten gar nichts mehr selbst ma­chen zu müs­sen.

Die KI kann er­klä­ren, re­cher­chie­ren, for­mu­lie­ren und ver­bes­sern. Sie kann aber auch ein­fach zwölf Sei­ten Un­sinn pro­du­zie­ren, die ir­gend­wie nach Wis­sen aus­se­hen. Und wenn die­ser Un­sinn dann mil­lio­nen­fach ins Netz ge­kippt wird, ha­ben wir nicht nur ein Bil­dungs­pro­blem. Wir ver­grö­ßern mit dem gro­ßen Wider­käu­er den welt­wei­ten Da­ten­müll, wäh­rend die Ma­schi­ne, der wir das ver­dan­ken, kost­ba­re Res­sour­cen im­mer knap­per wer­den lässt.

Das ist die gro­ße Pa­ra­do­xie: Wir ha­ben mehr Zu­gang zu Wis­sen als je zu­vor und im­mer bes­se­re Werk­zeu­ge, um et­was da­mit an­zu­fan­gen. Aber Ler­nen lässt sich nicht out­sour­cen.

Ein Kind muss lau­fen ler­nen. Es muss fal­len und wie­der auf­ste­hen. Im KI-Zeit­al­ter dür­fen wir nicht ver­ler­nen, selbst zu den­ken, selbst zu üben, selbst zu ir­ren, selbst zu schei­tern und dar­aus zu ler­nen.

Aus Kin­der­gär­ten und Schu­len ist zu hö­ren, dass im­mer mehr Kin­der nicht mehr rück­wärts ge­hen oder ei­ne Sche­re be­nut­zen kön­nen, da­für auf je­dem Han­dy so­fort Un­ter­hal­tungs­pro­gram­me fin­den, auch wenn sie noch gar nicht le­sen kön­nen. Das ist die Alarm­stu­fe ROT. Wir ris­kie­ren, di­gi­ta­le Wolfs­kin­der her­an­zu­zie­hen — und selbst zu er­wach­se­nen di­gi­ta­len Wolfs­kin­dern zu wer­den.

Wer weiß, was Bild­schirm­me­dien mit Auf­merk­sam­keit und Ent­wick­lung ma­chen kön­nen, schützt die ei­ge­ne Brut davor. Die Tech-Bros wis­sen das sehr ge­nau. Des­halb schi­cken die Tek­kies im Si­li­con Val­ley ih­re Kin­der ger­ne in den Wal­dorf­kin­der­gar­ten und spä­ter auf Schu­len die­ser Geis­tes­hal­tung. Im Kin­der­gar­ten spie­len sie mit Rin­de, Äst­chen und Moos, Mo­bil­te­le­fo­ne und Com­pu­ter sind ver­pönt und wer­den in der Schu­le nur in ho­mö­o­pa­thi­schen Do­sen ein­ge­setzt. Ähn­lich re­strik­tiv, wie wir ech­ten Kon­ser­va­ti­ven es ja auch hal­ten wol­len.

Und ja: Die KI kann auch gu­te Lern­pro­gram­me schrei­ben. Wer me­tho­disch ar­bei­ten kann, kri­tisch bleibt, Quel­len liest und In­hal­te ab­gleicht, kann sie als Werk­zeug nut­zen.

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Fo­to:
pixlr.com (Zu­falls­fund)

Dienstag, 18. August 2026

Wüstendesign

Bon­jour und gu­ten Tag! Sie sind auf mei­nen di­gi­ta­len Ta­ge­buch­seiten ge­lan­det. Ich bin Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin mit mehr als 20 Jah­ren Be­rufs­er­fah­rung, als Teil ei­nes Netz­werks eu­ro­pa­weit tä­tig zu Wirt­schafts- und Kul­tur­the­men, Kli­ma und Land­wirt­schaft, um nur vier Bei­spie­le zu nen­nen. Vor der Kon­fe­renz­sai­son hel­fe ich der­zeit Pri­vat­kund­schaft. Heu­te ist der ers­te Strick­jacken­tag die­ses Ul­tra­som­mers. Zeit für ei­nen Rück­blick, der lei­der sehr ak­tu­ell ist. 

Neu­lich war ich als Dol­met­scherin bei ei­ner Haus­be­sich­ti­gung auf dem plat­ten Land. „Das plat­te Land“ fühlt sich in Ber­lin erst ein­mal wie ei­ne Redens­art an. Ber­lin ist ja topf­eben. Die Hü­gel, die wir ha­ben, sind groß­teils Kriegs­schutt­ber­ge, „Mont Kla­mott“ ge­nannt.

Es ging um den Nach­zug einer Fa­mi­lie in ei­ne Lan­des­haupt­stadt eines öst­li­chen Bun­des­lan­des. Die Ehe­frau war ei­nem Ruf an eine ört­li­che Hoch­schu­le ge­folgt, die Fa­mi­lie hat­te die Nase voll vom Pen­deln. Der Re­gio­nal­zug brachte uns, den fran­zö­sisch­spra­chi­gen Familien­vater und mich, in die Stadt, wo eine jun­ge Da­me uns am Bahn­hof er­war­tete. In ei­ner schi­cken Limou­si­ne ging es an den Ziel­ort: eine rela­tiv junge Sied­lung in einer Ge­gend, die jahr­zehn­te­lang kei­nen Zu­bau ge­kannt hatte.

In den Nach­bar­gär­ten sah die Wie­se aus, als wä­re sie mit dem Li­neal mani­kürt, über­all wa­ren die Rasen­spreng­er im Ein­satz. Die an­gren­zen­den Äcker: Wüs­ten­sand­gelb stand das zu kurze Ge­trei­de, da­ne­ben ver­dorr­te Son­nen­blu­men, die wie Vo­gel­scheu­chen aus­sa­hen. Und an vie­len Grund­stü­cken mit den teu­ren Immo­bi­li­en — ein­deu­tig der Mil­lio­närs­hü­gel der Ge­mein­de — stan­den die­se grü­nen, eng­ma­schi­gen Metall­zäu­ne, die frü­her vor allem in Indus­trie­ge­bie­ten als bil­ligs­te Ein­he­gung zu se­hen wa­ren und in de­nen sich Tie­re, zum Bei­spiel Igel, zu Tode quä­len kön­nen, wenn sie sich dar­in ver­fan­gen. Da sind dann die Plas­tik­bän­der, die als Sicht­schutz ein­ge­floch­ten wer­den, viel­leicht sogar gut. Aber nur viel­leicht.

Gabionen, Steine, Steine ... und ein zartes Baumstämmchen
Gesehen anderswo
Die Alter­na­tive da­zu wa­ren Stein­gär­ten. Auf dem Fuß­weg zum Res­tau­rant, eini­ge Stun­den spä­ter, konn­ten wir den Hitze­stau durch die­se An­häu­fun­gen schon Meter im Vor­aus spü­ren. Wüs­ten­de­sign, nur dass es in Eu­ro­pa nachts eben nicht so kalt wird wie in der Sa­ha­ra. 
Am schlimms­ten fand ich ei­nen Me­tall­zaun mit ei­nem Tarn­netz aus ver­wit­tern­dem Plas­tik­e­feu oben­drauf. 

Das Gan­ze sah mehr nach Mili­tär­ba­sis aus als nach dem hilf­lo­sen Ver­such, Na­tur zu imi­tie­ren.

Ich hat­te an die­sem Tag eini­ges zu dol­met­schen. Die Ver­käu­fe­rin pries die Vor­zü­ge des Hau­ses und der Sied­lung an, sie wies auf das groß­zü­gi­ge Umfeld hin, und ich über­trug das alles brav und voll­stän­dig ins Fran­zö­sische. Ge­nau dafür bin ich schließ­lich da. Ich rei­ße mich zu­sam­men: kei­ne Iro­nie, kei­ne hoch­ge­zo­ge­ne Au­gen­braue, kei­ne klei­ne sprach­li­che Kurs­kor­rek­tur in Rich­tung Wirk­lich­keit. Eine Dol­met­scherin ist nicht dafür da, ei­ge­ne Kom­men­tare zu lie­fern.

Bei dem Ein­satz fiel es mir aller­dings nicht ganz leicht, die An­prei­sun­gen eins zu eins zu über­tra­gen, wäh­rend ich auf die­se Land­schaft schaute. Das Dol­met­schen war al­so noch an­stren­ge­nder, als sonst schon.

Die Ver­käu­fe­rin zeig­te uns dann noch ei­ni­ge Lie­gen­schaf­ten. Es wur­de nicht besser. Auf dem Weg zum Res­tau­rant gin­gen die Ver­käu­fe­rin und die Familien­mut­ter ein Stück vor uns durch eine ähn­liche, klei­ne­re, nicht ganz so vor­neh­me Sied­lung. Mon­sieur und ich folg­ten mit et­was Ab­stand. So war­en wir für einen Mo­ment unter uns. Nun durf­te ich er­fah­ren, was er von der Ge­gend hielt. Sehr viel diplo­ma­ti­scher als ich hät­te sein kön­nen, war er da­bei aller­dings nicht.

Schließ­lich wur­de es ein Dorf in der Nach­bar­schaft, ge­fun­den über Klein­an­zei­gen. Dort zieht die Fa­mi­lie bald in ei­nen res­tau­rier­ten Rest­hof, umge­ben von ech­ter Na­tur. 

#Deutschland #Hitze #Steingarten #Wassermangel #August2026 

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Fo­to: C.E. (Archiv)

Montag, 17. August 2026

Montagsschreibtisch (153)

Hal­lo! Sie le­sen (ab­sicht­lich oder zu­fäl­lig) auf Blog­sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Hier be­rich­te ich unter Wah­rung be­ruf­li­cher Ge­heim­nis­se aus unserem Be­rufs­all­tag. Hier ge­wäh­re ich wie­der ei­nen Blick auf den Schreib­tisch.

Computer, Lampe, Schreibtisch
Heu­te: drei­spra­chig
Die­se Wo­che steht an:

Ehe­schlie­ßung dol­met­schen
Ge­bäu­de­iso­lie­rung in all ih­ren Schat­tie­run­gen
 Kollege/n fin­den, der Lu­gan­da spricht (für eine Film­pro­duk­tion)
 Ab­rechnung letzte Dienst­rei­se
 Ter­min­pla­nung
 Viel­leicht Ihr Vor­ha­ben?


Huch, ers­ter Strick­jac­ken­tag seit drei Mo­na­ten! Die dic­ken Woll­soc­ken sind ganz hin­ten in der Schub­la­de. 

Es sind un­glaub­lich ge­rin­ge 20 °C. in Ber­lin, da­zu weht ein küh­les Lüft­chen durchs Fens­ter. Dann wirft je­mand die Bo­den­schleif­ma­schine an. Ab mit mir ins nächs­te Aus­weich­quar­tier. Ber­li­ner All­tag halt.

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Fo­to: C.E.

Freitag, 14. August 2026

Moment mal! (4)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der: ein kurzer Ein­blick in den All­tag.

Der schnelle Einblick
in meinen Berufsalltag
Es gibt Sät­ze, die blei­ben mir nicht we­gen ih­res In­halts in Er­in­ne­rung, son­dern weil es ei­ne spon­ta­ne For­mu­lie­rung war, die al­le über­rascht hat. Viel­leicht im Ne­ben­satz, viel­leicht war es ei­ne Hy­po­the­se. Das Pu­bli­kum lacht, wir „Sprachis“ freu­en uns. Und manch­mal ist mir ein Wort­spiel lie­ber als ein im Af­fen­tem­po ab­ge­le­se­nes Zi­tat von ... na­ja, sa­gen wir mal Hei­deg­ger.

Die spon­ta­nen Ab­wei­chun­gen ma­chen un­se­re Ein­sät­ze be­son­ders. Bei der Vor­be­rei­tung ar­bei­ten wir mit Fach­be­grif­fen, Do­ku­men­ten und Hin­ter­grund­ma­te­ri­al. Aber wäh­rend ei­ner Ver­an­stal­tung geht es nicht nur um In­for­ma­tio­nen. Es geht um Men­schen, Kul­tu­ren und Hin­ter­grün­de.

Manch­mal ist es ei­ne Im­pro­vi­sa­ti­on, mal sind es zu vie­le Sprich­wör­ter.

Zack, dann pumpt der Kör­per ein­mal Ad­re­na­lin im Kreis her­um und wir wer­den plötz­lich schlau­er, als wir ei­gent­lich sind. In so ei­nem Mo­ment ha­be ich die fran­zö­si­sche Ver­si­on von „Wer schreibt, der bleibt!“ er­fun­den, näm­lich Ce­lui qui écrit, res­te dans les es­prits. Da gab's gleich ei­ne Do­sis Ad­re­na­lin als Nach­schlag.

Wir freu­en uns im­mer über Red­ner:in­nen, die für ih­re The­men bren­nen, über Dis­kus­sio­nen, die ei­ne un­er­war­te­te Rich­tung neh­men, und über Mo­men­te, in de­nen wir auf der Kla­via­tur der Spra­che spie­len, als wä­ren wir die größ­ten Ge­nies un­ter al­len Pia­nist:in­nen.

Viel­leicht ist das ei­ner der Grün­de, wa­rum ich die­sen Be­ruf lie­be und ver­tei­di­ge: Er schenkt mir das Glück, Spra­che und Kom­mu­ni­ka­ti­on im­mer wie­der ganz neu er­le­ben zu dür­fen.

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Grafik:
 
KI (OpenAI)

Mittwoch, 12. August 2026

Minimalvoraussetzungen

Bon­jour & hel­lo! Hier er­hal­ten Sie Ein­blick in mei­nen All­tag aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Am heu­tigen KI-Mitt­woch: Der Eig­nungs­test.

Ein Satz lässt mich die­se Wo­che nicht los: „KI-Dol­met­schen“ wür­de schon an der Auf­nah­me­prü­fung zur Dol­met­schau­bil­dung kra­chend schei­tern. Er fiel mir neu­lich in einem Ge­spräch spon­tan ein. Jetzt zi­tie­ren ihn an­de­re.

Die KI hat bei einem Dachzimmer die Schräge und die Eindeckung bis ins Zimmer hinein verlängert
Der KI fehlt die Le­bens­er­fah­rung
War­um? Weil Tech-Gran­den gern das blo­ße Aus­spu­cken von Wort­ket­ten mit der hoch­kom­ple­xen, kogni­ti­ven Denk­sport­auf­ga­be in der Ka­bi­ne ver­wech­seln. Ein ehr­li­cher Eig­nungs­test kennt aber kei­ne sta­tis­ti­schen Rabat­te. 
Die KI kann nicht dol­met­schen, da sie von der Viel­sei­tig­keit der Sprach­ver­wen­dung ob­jek­tiv nichts weiß, nichts wis­sen kann, denn ihr feh­len die Er­fahr­un­gen von Kör­per­lich­keit und All­tag. Des­halb ver­hed­dert sie sich oft nicht nur in der Syn­tax (Link).
Die KI hat auch kein Vor­wis­sen. Nicht ein­mal das The­ma Sprech­ge­schwin­dig­kei­ten ist ihr be­kannt. Also bringt sie manch­mal zum Auf­ho­len z.B. etwas in 300-pro­zen­ti­ger Ges­chwin­dig­keit oder wech­selt un­ver­mit­telt die Spra­che.

Hier das Er­geb­nis des Test­laufs (Link), den wir einem Kol­le­gen ver­dan­ken. Hö­ren Sie selbst (ab Sekun­de 30 wird's ab­surd).

Auch an den aka­de­mi­schen Kri­te­rien schei­tern die Ma­schi­nen, z. B. an:

1. Kul­tur- und Sinn­er­fas­sung
In der Prü­fung wird ge­tes­tet, ob der/die Kan­di­dat:in spon­tan lo­gi­sche Be­zü­ge her­stel­len kann. Mensch­li­che Spra­che ist vol­ler Me­ta­phern, Idi­o­me oder Re­de­wen­dun­gen. Pro­fis hö­ren den Sinn, ver­ste­hen das Bild und über­tra­gen es ad­äquat. Die KI hin­ge­gen nimmt al­les wört­lich. Ihr fehlt je­der ech­te Kon­text. Sie rät rein ma­the­ma­tisch, rech­net mit Wahr­schein­lich­kei­ten und pro­du­ziert dann jene aben­teu­er­li­chen Hal­lu­zi­na­tio­nen, die aus ei­nem Miet­shaus, maison de rapport, ein Bor­dell ma­chen. Ein sol­cher Feh­ler be­deu­tet in je­der Prü­fung das so­for­ti­ge Aus.

2. Resi­li­enz- und Em­pa­thie
Wir Lebe­we­sen ler­nen, weil wir Ge­füh­le haben, aus Feh­lern und durch mensch­li­che Rück­mel­dun­gen. Eine Prü­fung ver­langt emo­tio­na­le In­tel­li­genz. Beim Dolmetschen müssen wir uns blitz­schnell auf den/die Red­ner:in ein­stel­len und mit dem ei­ge­nen Lam­pen­fie­ber um­ge­hen. Wir kennen die Verantwortung, die wir tragen. Die Ma­schi­ne spuckt nur Da­ten aus. Ihr fehlt die Ge­wis­sen­haft­ig­keit, der Über­blick und das Be­wusst­sein für das, was Kom­mu­ni­ka­ti­on im Kern aus­macht.

3. Be­rufs­ethik und Verantwortung
Zum Be­ruf ge­hört Ver­trau­lich­keit. Eine KI kann we­der Dis­kre­ti­on wah­ren, noch über­nimmt sie Ver­ant­wor­tung für ih­ren Murks. Wenn der Sound bricht oder Be­grif­fe un­klar sind, kann sie nicht ei­gen­stän­dig nach­schär­fen.

Was nüt­zen cloud-ba­sier­te Über­tra­gun­gen, die schnell und bil­lig sind, wenn die Feh­ler­quo­te das Er­geb­nis zur Un­kennt­lich­keit ent­stellt? Wer ver­ba­le oder ge­schrie­be­ne Maß­schnei­de­rei sucht, bucht Men­schen!

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Bild: pixlr.com (Zu­falls­fund); Prompt: Mäd­chen,
das aus ei­nem Fens­ter klet­tert (80er Jah­re)