Montag, 13. Juli 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Grüne Jalousien, Treppe, Pflanzen
Alte Jalousien
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Montagsschreibtisch (148)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Die kon­tem­pla­ti­ve Katze
Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen ist Film: Dreh­buch, Pro­duk­tion, Her­stel­lung, Mar­ke­ting, Fes­ti­val.

Der Mon­tag nach der letz­ten vol­le­ren Ar­beits­wo­che ist der Verwal­tung ge­wid­met. Sonst auf dem Schreib­tisch für die­se Wo­che:

✗ Vo­ka­bel­lis­ten über­ar­bei­ten
✗ Zu­sam­men­fas­sung schrei­ben
✗ Stra­te­gie­über­le­gun­gen
✗ Kos­ten­vor­an­schlag
✗ Vor­be­rei­tung der kom­men­den Wo­che

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Foto: C.E. (Ar­chiv)


Sonntag, 12. Juli 2026

Ausgleich

Bon­jour & he­llo! Her­z­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­sch­ka­bi­ne und vom Über­set­ze­rin­nen­schreib­tisch. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze aus dem Fran­zö­si­schen und Eng­li­schen, meis­tens ins Deut­sche. Hier be­rich­te ich über die­ Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. Heu­te werde ich pri­vat!

Work hard, par­ty hard, das ist ei­ne Bin­se. Wir las­sen auch das Fei­ern ru­hig an­ge­hen. Ber­li­ner Som­mer sind schön, vor al­lem dank der Gär­ten und des Was­sers!

Laue Som­mer­näch­te

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Col­la­ge:
C.E.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Museum der Wörter (48)

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Wie Dol­met­scher und Über­set­zer ar­beiten (und auch wir Frauen im Beruf, die wir in der Mehrzahl sind), ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Be­ruf gehört auch, dass wir uns stän­dig Ge­dan­ken über die Ar­beits­mit­tel machen, über Tech­nik, na­tür­lich, aber auch über die Wör­ter.

Der Piep­matz­ra­batz im Hof­gar­ten des heu­ti­gen Tages ist Krä­hen­krä­hen. Mut­ter­krä­he und Va­ter­krä­he rufen alle drei bis 20 Se­kun­den ihre Klei­nen, die am Pflanz­tisch unter einem Baum und am Kom­post­hau­fen am Boden hocken. Das Wort des Tages ist des­halb:

              
             
Äst­ling

Sprung: Am Morgen in die Uni­ver­si­tät eilen, wis­sen­schaft­li­cher Aus­tausch. An­schlie­ßend rette ich mich in den Hof der alten Staats­bi­bli­o­thek, will meine täg­li­che Stunde Buch­lek­tü­re hier ab­sol­vie­ren, aber der Wind ist gar­stig und kalt. Schnell nach­hau­se und in unseren wun­der­schö­nen Hof­gar­ten am May­bach­ufer wech­seln.

Dort sitze ich, höre die Kräh­lein, ab und zu stürzt eine der gro­ßen Kräh­en vom Him­mel, die Klei­nen be­grü­ßen es ru­fend, eins be­kommt ei­nen Re­gen­wurm in den Schna­bel ge­stopft, das Klein­krä­hen­krä­hen wird zum Klein­krä­hen­kräh­ge­gur­gel, es gurgelt den Gür­tel­wurm runter, wäh­rend sich der El­tern­vo­gel wieder in si­che­re Höhen auf­schwingt. Die Flug­ver­su­che der Mi­nis hat trotz län­ge­ren An­sit­zens aus re­spekt­vol­ler Ent­fer­nung nie­mand von uns ge­se­hen.

Hinterhofzoo

Und dann kommt die Text­nach­richt, die aus die­sem Pos­ting einen Bei­trag im Mu­se­um der Wör­ter macht. Danke, An­na!

Es ha­ben be­stimmt schon ei­ni­ge mit­be­kom­men, dass wir zwei Äst­lin­ge im Hof ha­ben. Nur zur Info: Die brauchen un­ge­fähr eine Woche, bis sie flie­gen kön­nen, bis da­hin le­ben sie am Bo­den und wer­den von den Eltern ge­füt­tert und be­schützt.

Bitte nicht an­fas­sen, und nehmt die Hund­e an die Lei­ne und ver­scheucht die Kat­zen, falls die doch mal rü­ber­kom­men. Und vor allen Dingen er­schreckt Euch nicht, wenn die Elt­ern die Äst­lin­ge ver­tei­di­gen.
Das könn­te sich sonst auf Eu­re Fri­sur aus­wir­ken. :)

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Fo­tos: C.E.

Mittwoch, 8. Juli 2026

Hinter den Kulissen ... (1)

... muss es nicht schick aus­sehen.

Bon­jour & hel­lo! Hier er­hal­ten Sie Ein­blick in mei­nen All­tag aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Der Ein­blick ist heute höchst wört­lich zu neh­men.

Haupt­sa­che funk­tio­nal!
Wir sit­zen ne­ben dem Stuhl­la­ger, neben Tisch­bö­cken, einer Trans­port­kis­te und einem rie­si­gen Elek­tro­schrank, ein­mal knarrt da ein Zahn­räd­chen hör­bar, der Strom­zäh­ler mit 'ner neu­en Zahl vor dem Kom­ma. An der an­de­ren Wand eine Kü­chen­zei­le, an der Fens­ter­front wird das Buf­fet auf­ge­tra­gen. 
Wäh­rend der Ver­an­stal­tung sind nur wir hier, die Dol­met­sche­rin­nen.

Wir lie­fern den Ton der zwei­ten Spra­che für den Ver­an­stal­tungs­raum hin­ter der vier­ten Wand, hin­ter der mit vie­len Türen, aber pa­ral­lel auch für die Men­schen drau­ßen, die on­line teil­neh­men. Seit der Pan­de­mie ha­ben wir es immer öfter mit hy­bri­den Events zu tun. Prak­tisch für die Ver­an­stal­ter:in­nen, die sich die Mie­te für eine Dol­metsch­ka­bi­ne spa­ren. (Für uns geht es nicht im­mer auf, weil wir gerne durch­ge­hend die Per­son se­hen möch­ten, die spricht.)

Schön­heit ist bei die­sem Set­ting nicht wich­tig [auch nicht un­se­re ;-)]. Wir be­kom­men zu un­se­rem Head­set für den di­gi­ta­len Raum auch noch ein Hand­held-Mi­kro­fon für die Gäste vor Ort, also eines zum Jon­glie­ren für die Hand. Dabei ar­bei­ten wir ger­ne pa­ral­lel mit den Hän­den, schrei­ben Be­grif­fe auf, su­chen rasch was im Rech­ner. Ein Sta­tiv wird ge­holt, die Sys­te­me pas­sen nicht recht zu­sam­men, und Gaf­fa­band hilft im­mer. Ach, schön.

Und nach­dem wir den Ter­min zur gro­ßen Freu­de al­er sou­ve­rän jon­gliert ha­ben, kommt beim Emp­fang wie­der die­ser Satz, der ger­ne mit ei­ner Spur Her­ab­las­sung ge­spro­chen wird: „Ach, Sie sind ja si­cher bald ar­beits­los, jetzt, wo die KI alles über­nimmt!“

Lau­ter Leu­te, die nicht ge­merkt ha­ben, was bei­na­he schief­ge­gan­gen wä­re auf der zwei­ten Ton­spur, wenn wir nicht ge­we­sen wären. Leu­te, die auch nicht ge­hört ha­ben, dass wir bei den manch­mal recht kom­ple­xen Ver­schach­te­lun­gen ei­nes an­sons­ten glas­klar ar­gu­men­tie­ren­den Pro­fes­sors die Satz­tei­le auch schon mal ent­schach­telt ha­ben. Und Leu­te, die nicht mit­be­kom­men ha­ben, dass wir die fran­zö­si­schen Kür­zel CNC und CNL er­klä­rend ver­dol­metscht ha­ben, eben­so das Film­för­der­tool avance sur re­cet­te, dass wir trotz sehr un­ter­schied­li­cher Sprach­dich­te und -ge­schwin­dig­keit im­mer ru­hig und ver­ständ­lich ... und voll­stän­dig ... und ohne Hal­lu­zi­na­tio­nen ...

Ich mag es gar nicht mehr er­klä­ren müs­sen. Mein Mund ist mü­de, und nach dem Ein­satz ist es auch das Ge­hirn. Seit zwei Jah­ren er­klä­re ich un­be­zahlt, was die KI nicht kann und was wir leis­ten. Mir ist lang­wei­lig. Die Me­di­en de­cken den Hoax der „KI“-„Dol­met­scher“ nicht auf, weil es ge­fühlt an allen Ecken brennt, End­kund:in­nen wer­den stän­dig ge­leimt, haben das Nach­se­hen, zah­len die teu­ren Fol­ge­kos­ten für Miss­ver­ständ­nis­se oder feh­len­de In­fos.

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Fo­to: C.E.

Dienstag, 7. Juli 2026

Hand vs. Tastatur

Was auch im­mer Sie oder Dich her­führt: Hier schreibt ei­ne Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Die­ses vir­tu­el­le Ar­beits­ta­ge­buch gibt es seit 2007. Si­mul­tan­dol­met­schen ist an­spruchs­voll, es bleibt ei­ne mensch­li­che Auf­ga­be. Auch in der Vor­be­rei­tung kann uns die KI nur am Ran­de un­ter­stüt­zen.

Mein Ge­re­de: Von Hand zu schrei­ben bringt die bes­ten Lern­er­geb­nis­se, das be­stä­tigt ei­ne ak­tu­el­le Stu­die. Als Dol­met­sche­rin bin ich Lern­pro­fi, und ich mag gu­tes, glat­tes Pa­pier und mei­nen al­ten Fül­ler da­bei nicht mis­sen.

Mehr Hirn­re­gio­nen sind hier be­tei­ligt
Doch der Rei­he nach. In mei­nem Be­ruf bringt es mir er­staun­lich we­nig, wenn ei­ne KI mir ei­ne Vo­ka­bel­lis­te baut. Ich las­se mir manch­mal ei­ne bau­en, um zu prü­fen, was mir even­tu­ell noch fehlt. „Copy, pas­te und wei­ter im Text“ funk­tio­niert beim Ler­nen nicht. Da würde zu viel durch­rut­schen.

Vo­ka­bel­no­ti­zen per Hand sind das Ge­heim­nis. Al­les, was ich als Lis­te zum Ter­min mit­neh­me, um­fasst viel­leicht zwei Blatt Pa­pi­er, je­weils zwei­sei­tig aus­ge­druckt. Am En­de drucke ich im­mer vie­le Leer­zei­len mit aus. 

Wäh­rend des Ein­sat­zes fül­le ich die dann auf, ma­che No­ti­zen in der Blatt­mit­te zwi­schen den Be­grif­fen, wenn es sein muss, un­ten und oben. Von Hand zu schrei­ben ist der Kern der Ar­beit.

In­dus­tri­el­le KI-Effi­zi­enz geht an­ders

Ich sor­tie­re vor dem Ein­satz auch die lo­sen Wort­no­ti­zen, die ich mir beim Le­sen ge­macht ha­be. Beim Le­sen no­tie­re ich Be­grif­fe im Kon­text. Beim Wie­der­le­sen denkt der Kopf die­sen Kon­text mit. Am En­de, wenn ich die Be­grif­fe in ei­ne Ta­bel­le ein­tra­ge, al­so di­gi­ta­li­siert ha­be, drü­cke ich auf „al­pha­be­tisch sor­tie­ren, aufsteigend“. Da­mit fin­de ich Wör­ter im Be­darfs­fall rasch wie­der.

Ge­lernt sind die meis­ten da­von längst. Die Lis­te wird nö­tig, wenn ich mü­de wer­de, wenn in der Hek­tik kaum noch Neu­ro­nen zum Wie­der­fin­den von so­eben Ge­lern­tem da sind.

Ich ha­be oft noch ei­ne Zwi­schen­pha­se beim Ler­nen: bau­m­ar­ti­ge Struk­tu­ren aus den Be­grif­fen zeich­nen, Ab­hän­gig­kei­ten und Zu­sam­men­ge­hö­rig­keit kar­tie­ren. Hier bin ich schon beim Be­griff „Mind Map“.

Neu­e For­schungser­geb­nis­se

Mich be­stä­tigt Au­drey van der Meer in Trond­heim; die Neu­ro­wis­sen­schaft­le­rin hat die Vor­tei­le des Mit-der-Hand-Schrei­bens mit Sen­so­ren, Elek­tro­den, Ver­suchs­per­so­nen und Wör­tern auf Bild­schir­men ge­tes­tet. Es wur­den zwei Grup­pen ge­gen­ein­an­der an­tre­ten ge­las­sen: die mit der Hand und je­ne mit der Com­pu­ter­tas­ta­tur als „Ge­rät“.

Beim Hand­schrei­ben wird es ma­gisch: Vie­le Hirn­re­gio­nen sind gleich­zei­tig ak­tiv, der Kör­per sieht, er misst Be­we­gung, spürt den Raum, ak­tiviert das Ge­dächt­nis, al­les zu­gleich, pa­ral­lel und kreuz und quer. Ein neu­ro­lo­gi­sches Netz­werk wird ge­baut oder ge­stärkt.

Die Er­kennt­nis ist nicht neu

Die neue For­schung be­stä­tigt übri­gens, was die Wis­sen­schaft­ler Muel­ler und Op­pen­hei­mer in Prin­ce­ton schon vor ei­nem Jahr­zehnt be­ob­ach­tet ha­ben. Auch wenn die Lap­top-Grup­pe schnel­ler und voll­stän­di­ger war, hat die Hand­schrift-Grup­pe ge­won­nen.

Wer mit der Hand schreibt, ar­bei­tet lang­sa­mer. Wer nicht al­les mit­schrei­ben kann, muss ent­schei­den. Das Tref­fen der Aus­wahl ist der Knack­punkt. Der Kopf denkt al­les durch, hie­rar­chi­siert und sor­tiert, ver­knüpft und merkt es sich. Hier fin­det Ler­nen statt.

Wer wie ich su­per schnell tippt, pro­to­kol­liert eher Wort­laut. Die Ana­ly­se­ebe­ne tritt da eher zu­rück. Am En­de habe ich mehr Text, aber we­ni­ger die In­hal­te durch­drun­gen.

Fazit

Mehr Ma­te­ri­al kann sich nach mehr Ler­nen an­füh­len, ist es aber nicht zwin­gend. Beim selbst­stän­di­gen Le­sen, An­strei­chen, Mit­schrei­ben von No­ti­zen, Ver­schlag­wor­ten und Sor­tie­ren fin­det die wirk­li­che Ar­beit statt.

We­ni­ger ist oft mehr. Der un­be­que­me, lang­sa­me Weg führt schnel­ler zum Ziel.


Wei­ter­füh­ren­de Links

— Stu­die „The Pen Is Mightier Than the Key­board“ (2014) (https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797614524581)

— Hand­schrift vs Tip­pen — EEG-Kon­nek­ti­vi­tät / van der Meer & van der Weel (2024) (https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2023.1219945/full)

— Au­drey van der Meer — For­schung zu Hand­schrift und Ge­hirn­ak­ti­vi­tät (2024) (https://www.frontiersin.org/search?query=audrey%20van%20der%20meer%20handwriting)


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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Montag, 6. Juli 2026

Montagsschreibtisch (147)

In das Be­rufs­le­ben von Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­schern, Über­set­zern und Über­set­ze­rin­nen er­halten Sie auf die­sen Sei­ten klei­ne Ein­blicke. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te mit FR, DE und EN als Aus­gangs­spra­che; die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Hier be­rich­te ich über die Ar­beit in den Be­rei­chen Po­li­tik, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur, Me­dien und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch.

Schreibtisch, Bücherwand, Lesesessel
Ar­beits­platz mit Re­gal­blick
Nach­dem wir in die­sem Jahr schon zwei län­ger an­dau­ern­de Hit­ze­wel­len mit Mehr­fach­re­kor­den hat­ten, hän­gen jetzt, als wä­ren sie im Him­mel fest­ ve­rtäut, dic­ke Wol­ken üb­er so man­chem Land­strich, die uns küh­les Nie­sel­wet­ter und völ­lig un­zeit­ge­mäß ein Vor­ge­fühl auf den Herbst brin­gen, da vie­le Bäu­me schon die Blät­ter ab­wer­fen we­gen der lan­gen Hit­ze.

Ir­gen­dwie ist's nie recht. Die Schnitt­men­ge der Tem­pe­ra­turen die­ser Wo­chen mit Land­re­gen nachts, also das wär's ge­we­sen!

Aber es ist ba­nal, über das Wet­ter zu mo­sern. Spre­chen wir lie­ber über das Kli­ma und die seit Jahr­zehn­ten an­dau­ern­de Ver­wei­ge­rung der Po­li­tik, das zu ma­chen, was wir da­mals mit Ozon in den Kühl­schrän­ken ma­chen konn­ten: ver­bie­ten und Neu­es auf­le­gen!

Für die­se Woche ist ge­plant:
❦ Kos­ten­vor­an­schlä­ge
❦ Ter­min­pla­nung
❦ Macht­kon­zen­tra­tion in den Be­rei­chen Verlags­we­sen und Me­dien
❦ Markt­ver­hält­nis­se in der Sprach­bran­che 

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Gra­fik:
Netz­fund

Mittwoch, 1. Juli 2026

Die große Illusion (1)

Hal­lo! Sie sind in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch ge­lan­det. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für Fran­zö­si­sch auf Kon­fe­ren­zen und bei Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und anderen öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch dol­met­sche ich auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che.

Mein Be­rufs­stand wird ge­ra­de von der KI in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen, die nicht wirk­lich in ech­ten Si­tu­a­ti­o­nen live dol­met­schen kann. Jetzt hel­fen uns Ju­ris­ten.

Eine Stadt, an der jeder vereinzelt am Eine Stadt, an der jeder vereinzelt am Handy hängt; auf großen Monitoren und in Vitrinen blaue Homunkuli
Sie se­hen al­les, sie le­sen al­les
Es ist Diens­tag­mor­gen, das Te­le­fon klingt, am an­de­ren En­de ein Stamm­kun­de, ein Pro­fi in der Event­or­ga­ni­sa­ti­on, aber die Stim­me klingt ein we­nig ver­le­gen: „Frau Elias, wir pla­nen da die­se Auf­sichts­rats­sit­zung. Und, tja, der Ein­kauf zwingt uns, ver­gleichend auch An­ge­bo­te für KI-Dol­met­schen ein­zu­ho­len. Die Ver­trieb­ler der Groß­agen­tu­ren ver­spre­chen uns un­fass­bar leis­tungs­star­ke Sys­te­me. Was mei­nen Sie?“
Ich at­me kurz durch, be­wah­re die di­plo­ma­ti­sche Form. Das habe ich in Jahr­zehnten der Ar­beit ge­lernt.

In­ner­lich aber schüt­te­le ich mit dem Kopf über die­se wun­der­li­che Blau­äu­gig­keit, mit der Un­ter­neh­men ge­ra­de se­hen­den Au­ges in ein recht­li­ches Mi­nen­feld steu­ern.

Klar­text

Lie­be Ver­an­stal­ter:in­nen, dürf­te ich bit­te mal oh­ne mei­ne sonst üb­li­che höf­li­che Zu­rück­hal­tung spre­chen? Auf der ei­nen Sei­te ha­ben Sie ein glat­tes Mar­ke­ting­ver­spre­chen ge­hört. Ich kann Ih­nen sa­gen: Die Ma­schi­ne lie­fert nur im La­bor halb­wegs zu­frie­den­stel­len­de Leis­tun­gen, aber nicht bei al­lem, was Neu, Be­son­ders, Über­ra­schend ist und wor­auf es Rück­fra­gen ge­ben kön­nen — das al­les ist im Grun­de ex­akt die De­fi­ni­ti­on des­sen, was Kon­fe­ren­zen, Vor­trä­ge und Ver­hand­lun­gen aus­ma­chen.

Auf der an­de­ren Sei­te geht es bei der Fra­ge nicht nur um Qua­li­täts­un­ter­schie­de. Es geht um knall­har­te Haft­ung und Da­ten­schutz. Auch dar­über spricht nie­mand von den Ver­käu­fer:in­nen, die üb­ri­gens kei­ne Lin­guist:in­nen sind.

Fir­men­ge­heim­nis­se auf Welt­rei­se

Vie­le die­ser cloud­ba­sier­ten KI-Dol­metsch-APIs, die von ver­meint­li­chen Tech-Agen­tu­ren ver­kauft wer­den, ha­ben ein klei­nes, schmut­zi­ges Ge­heim­nis: Sie schi­cken die Live-Ton­spur oh­ne recht­li­che Ab­si­che­rung über US-ame­ri­ka­ni­sche Ser­ver. Über­le­gen Sie mal kurz, was das be­deu­tet: Hoch­sen­si­ble Stra­te­gie­plä­ne, un­ver­öf­fent­lich­te Dreh­bü­cher oder Ver­trau­ens­fra­gen aus der Po­li­tik lan­den als Trai­nings­da­ten im Si­li­con Val­ley.

Das ist ein mas­si­ver Bruch der di­gi­ta­len Grund­ver­ord­nung (DSG­VO) und steht auch im Wi­der­spruch zu den meis­ten in­ter­nen Com­pli­an­ce-Re­geln. Ein Com­pli­an­ce-De­ba­kel droht, das am En­de sehr teu­er wer­den kann, po­li­tisch, di­plo­ma­tisch und öko­no­misch.

AI-Act der Eu­ro­pä­i­schen Uni­on

Als wür­de das nicht rei­chen, greift ab Au­gust 2026 der EU AI-Act voll­stän­dig mit sei­nen schar­fen Trans­pa­renz­pflich­ten. Wer jetzt in­trans­pa­ren­te, un­si­che­re KI-Sys­te­me auf B2B-Events ein­setzt, haf­tet als Un­ter­neh­men emp­find­lich.

Mei­ne Ant­wort am Te­le­fon hat viel­leicht ganz kess ge­klun­gen, aber sie ist un­an­fecht­bar: Wir mensch­li­chen Dol­met­scher:in­nen un­ter­lie­gen dem Be­rufs­ge­heim­nis. Das ist ähn­lich wie der Schwur, den Me­di­zi­ner:in­nen leis­ten. Wir Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten lo­kal, vor Ort und off­line. In Mi­nis­te­ri­en ge­ben wir oft un­se­re Mo­bil­te­le­fo­ne am Ein­gang ab. Wir wer­den ab­so­lut ver­trau­lich tä­tig. Un­se­re Ge­hir­ne spei­chern kei­ne Da­ten für das Trai­ning aus­län­di­scher Ser­ver.

Wer haf­tet bei Hal­lu­zi­na­ti­o­nen?

Bei uns Men­schen droht auch kein Da­ten­leck, aus de­nen noch ganz an­de­re De­tails zu Pa­ten­ten oder über Fir­men­zah­len ab­flie­ßen kön­nen. Es wird kein Ma­te­ri­al ge­ne­riert, das im Dark­net zur Wa­re oder ge­gen Sie als Kom­pro­mat ver­wen­det wer­den könn­te.

Sen­sib­le In­for­ma­ti­o­nen und Ana­ly­sen blei­ben im ge­schlos­se­nen Raum. Be­son­ders re­le­vant ist es dann, wenn die Ge­sprä­che mit Part­nern aus dem Aus­land ge­führt wer­den, in de­nen kei­ne lu­pen­rei­nen De­mo­kra­ti­en herr­schen. Die­se Grup­pe ist oft vor dem Hin­ter­grund per­sön­li­cher Be­dro­hun­gen zu­recht sehr zu­rück­hal­tend. Sie ah­nen viel­leicht jetzt aus die­sen Zei­len, dass ich weiß, wo­von ich spre­che. Mehr als ei­ne An­deu­tung be­kom­men Sie nicht.

Haf­tung für KI-Murks

Vor ei­ni­gen Wo­chen dann der Knall aus Mün­chen: ein Ge­richt hat ein­deu­tig die Ver­ant­wort­lich­keit be­nannt. Das Land­ge­richt Mün­chen I in sei­nem weg­wei­sen­den Ur­teil: Google haf­tet un­mit­tel­bar für Falsch­aus­sa­gen und Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zun­gen in sei­nen KI-ge­ne­rier­ten Such­über­sich­ten.

Wer jetzt noch glaubt, sie oder er kön­ne sich als Ver­an­stal­ter ja dar­auf be­ru­fen, dass die „Tech­nik ja nur ge­miet­et“ sei und nie­mand so recht für die Feh­ler der Ma­schi­ne et­was kön­ne, soll­te sich schleu­nigst mit der ak­tu­el­len Recht­spre­chung be­fas­sen.

Das Ge­richt stell­te klar: Die KI reicht ein­fach nicht nur frem­de Links durch, die Tech­nik ver­knüpft und ver­dich­tet In­for­ma­ti­o­nen zu ei­nem neu­en, ei­gen­stän­di­gen In­halt. Google gilt hier als Stö­rer und trägt die volle Ver­ant­wor­tung (Link)

Auch bei Events

Über­tra­gen wir die­sen Ent­scheid auf un­se­re Bran­che, wird es für Event­or­ga­ni­sa­to­ren un­ge­müt­lich: Wenn ein KI-Sys­tem im Live-Be­trieb „hal­lu­zi­niert“, weil der Red­ner viel­leicht ge­nu­schelt oder den Kopf vom Mi­kro weg­ge­dreht hat, und dar­aus ei­ne ge­schäfts­schä­di­gen­de Falsch­aus­sa­ge oder ei­ne fal­sche Pro­dukt­haf­tung zu­sam­men­klöp­pelt, ist das kein „dum­mer Com­pu­ter­feh­ler“ mehr. Es ist ein recht­li­cher Haf­tungs­fall.

Und der Ein­kauf, der das bil­li­ge KI-To­ken-Pa­ket durch­ge­drückt hat, steht plötz­lich oh­ne Aus­re­de da.

Die KI-Il­lu­si­on im Ein­satz

Noch­mal, weil es of­fen­sicht­lich noch nicht zu al­len durch­ge­drun­gen ist: Die Ma­schi­nen be­rech­nen sta­tis­ti­sche Wahr­schein­lich­kei­ten und ori­en­tie­ren so ih­re Aus­wür­fe im­mer an dem aus, was be­reits pu­bli­ziert wor­den ist. Bei Dol­metsch­an­läs­sen geht es aber im­mer um das Neu­e. Hier­an schei­tert die KI zu­ver­läs­sig. Bei zu gro­ßen „Lü­cken“ im Vor­la­ge­ma­te­ri­al über­springt die KI We­sent­li­ches oder er­fin­det die KI neu­e In­hal­te, in­halt­li­cher Ver­lust oder Fehl­in­for­ma­ti­o­nen dro­hen.

Mein Fa­zit

Ja, je­de(r) kann sich für ein güns­ti­ges KI-Ex­pe­ri­ment ent­schei­den, wenn es dar­um geht, sich ei­ne gro­be Über­sicht zu ver­schaf­fen. In der Ar­beits­si­tu­a­ti­on darf das so­gar je­der oder je­de ma­chen, die oder der das Ri­si­ko liebt. Wer aber Ver­ant­wor­tung für Gäs­te, In­hal­te und die recht­li­che Com­pli­an­ce über­neh­men will und muss, soll­te ein ein­ge­spiel­tes Team aus Sprach­pro­fis bu­chen, al­so Men­schen.

Konkrete Lö­sung

Ich ha­be dem Kun­den ge­ra­ten, dem Ein­kauf schlicht die Ak­ten­zei­chen des Münch­ner Ur­teils und den EU AI Act auf den Tisch zu le­gen. Beim spä­ter er­folg­ten Rück­ruf war das In­te­res­se an der ma­schi­nel­len Bil­lig-Bil­lig-Lö­sung wie weg­ge­bla­sen.

Falls Sie auch ge­ra­de vor der Fra­ge ste­hen, ob Sie Ih­re kom­ple­xe Live-Kom­mu­ni­ka­ti­on ei­nem Al­go­rith­mus an­ver­trau­en wol­len: Ru­fen Sie mich an. Ich be­ra­te Sie ger­ne. Und das di­plo­ma­tisch und mit kla­rer Kan­te.

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Gra­fik: KI (Zu­falls­fund)

Dienstag, 30. Juni 2026

Die Brückenbauer-Falle

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin für die fran­zö­si­sche Spra­che (Mut­ter­spra­che DE) fin­den Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ich ar­bei­te in Ber­lin, Pa­ris, Stutt­gart und dort, wo Sie mich brau­chen! Es ist ak­tuell schwie­rig zu er­klä­ren, was Qua­li­tät ist.

Wäh­rend in Deutsch­land die In­fra­struk­tur zer­brö­selt, Brü­cken und öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel ge­sperrt wer­den, nicht erst seit der Hit­ze, kom­men aus­län­di­sche Ver­la­ge auf Men­schen zu und er­nen­nen die­se zu Brü­cken­bau­ern. 

read books not memes
Bü­cher­wer­bung!

Ob­acht, hier droht eine Bau­ern­fän­ger­fal­le!

Es ist lei­der eine be­kann­te Ent­wick­lung un­se­rer Zeit, dass echte Qua­li­tät im All­tag im­mer sel­te­ner wird. Ich schlage ei­ne Zei­tung auf und stol­pere über un­zäh­li­ge Tipp­feh­ler. Das TV-Pro­gramm strotzt vor holp­ri­gen Schnit­ten, auch auf Pay-Sen­dern schmerz­haf­te Un­ter­ti­tel. Al­so weg mit dem Abo der nord­ame­ri­ka­ni­schen Film­kra­ke.

Le­sen ist toll. Ich lie­be Bü­cher. 

Da fühlt es sich erst­mal gut an, wenn plötz­lich je­mand per E-Mail nach der ei­ge­nen qua­li­fi­zier­ten Mei­nung fragt. Es geht um ein ver­meint­lich hoch­karä­ti­ges Buch­pro­jekt zur deutsch-fran­zö­si­schen Zu­sam­men­ar­beit.

Und, ta­daaaa: ich soll hier ei­nen ex­klu­si­ven Platz für ei­nen Text samt Kurz­bio­gra­fie und Foto er­hal­ten. Oha.

Als Krö­nung ver­spre­chen die Ab­sen­der ein of­fi­zi­el­les Zer­ti­fi­kat als „Bridge Bu­il­der be­twe­en na­ti­ons“. So ein Quatsch! Wollt Ihr mich be­lei­di­gen? Von Kos­ten ist üb­ri­gens nicht die Re­de. Nun, ich hab schon Pfer­de kot­zen ge­se­hen, und war an Tre­sen von Apo­the­ken.

Kurz ge­prüft, fix als War­nung wei­ter­ge­lei­tet, rasch ge­löscht: Das Ganze ist Phi­shing. Es gibt so­gar ei­nen Be­griff da­für, die Va­ni­ty-Pu­blis­hing-Fal­le. Hin­ter kryp­ti­schen Web­adres­sen wie bi­la­te­ral­nav­in­sights.pro ste­cken kei­ne re­nom­mier­ten Kul­tur­ver­la­ge, son­dern bes­tens or­ga­ni­sier­te Spam-Netz­wer­ke.

Die Ma­sche setzt be­wusst auf Schmeiche­lei, um ein ge­kränk­tes Be­dürf­nis nach Wert­schät­zung aus­zu­nut­zen. So­bald der an­ge­for­der­te Text ein­ge­reicht ist, schnappt die Kos­ten­fal­le zu. Dann wer­den, in Fo­ren ge­fun­de­nen Bei­spie­len zu­fol­ge, ho­he Ge­büh­ren für Kor­rek­to­rat, Druck und Ver­sand fäl­lig. Noch bes­ser: Die Tä­ter be­kom­men au­ßer­dem auch noch wert­vol­le per­sön­li­che Da­ten für spä­te­ren Iden­ti­täts­dieb­stahl.

Ein ge­druck­tes Buch, soll­te es denn über­haupt pro­du­ziert wer­den, dient hier le­dig­lich als se­ri­ö­se Fas­sa­de für eine mie­se Ab­zocke. Sol­che Bü­cher braucht kein Mensch. Wir brau­chen Kon­sul­ta­tio­nen an an­de­rer Stel­le!

Sol­che Mails bit­te mel­den an:
phi­shing(at)ver­brau­cher­zen­tra­le.nrw
tro­ja­ner(at)po­li­zei­la­bor.de

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Gra­fik: pixlr. (Zu­falls­fund)

Montag, 29. Juni 2026

Montagsschreibtisch (146)

Einen Ein­blick in das Be­rufs­le­ben ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

Computer, angeschnitten, Vokabellisten, Gäste (Beine)
Be­ra­tun­gen Ener­gie
Sprach­ar­beit er­for­dert gro­ße geis­ti­ge und kör­per­li­che Fle­xi­bi­li­tät, die in den letz­ten Ta­gen bei der Hit­ze ver­lang­samt war. Das Wo­chen­pro­gramm ist bunt. 

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:

❦ zwei An­ge­bo­te schrei­ben (Kon­fe­ren­zen)
❦ Nach­le­se Kli­ma­kri­se
❦ Stra­te­gie­über­le­gun­gen
❦ Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­te auf­ar­bei­ten (Ener­gie)
❦ Rei­se­pla­nung


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Fo­to:
C.E.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Rasanter Einsatz

Bon­jour & he­llo! Her­z­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­sch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se der­zeit von der KI er­schwer­te Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. Heute: Rück­blick!

Hier hät­te ich all­zu ger­ne ei­nen al­ten Bei­trag ver­linkt, aber die Blog­soft­ware spinnt bzw. ich ha­be sie über­for­dert: Fast 20 Jah­re Blog­ging, das konn­te ja nie­mand ah­nen! 

An die­sen Ein­satz vor elf Jah­ren er­in­ne­re ich mich noch sehr gut: Es ging um das Si­cher­heits­trai­ning für die Wa­gen ei­nes be­kann­ten deut­schen Au­to­her­stel­lers. 

Lenkrad, Straße, Aufs und Abs
Be­ein­dru­cken­de Stre­cke
Die Teil­neh­men­den ka­men aus dem fran­zö­si­schen Sprach­raum. Nach der Mit­tags­pau­se kam die Renn­stre­cke dran. „Im­mer in den Ho­ri­zont se­hen! “, ha­ben sie ge­sagt. Ja, nur manch­mal muss­te ich auf dem Zet­tel auf mei­nem Schoß doch noch ei­nen Be­griff ab­le­sen.

Die Au­tos mit den Trai­nees fuh­ren hin­ter uns, ich saß vor­ne im 1. Wa­gen. Der Fah­rer ne­ben mir war Au­to­ren­nen ge­fah­ren und er­zähl­te mir auf der Stre­cke et­was vom Nür­burg­ring.

Ich schlug mich wacker.

Am En­de muss­te ich lei­der dann doch sa­gen (und nicht dol­met­schen): „Vor­sicht, wir fah­ren kurz rechts ran, die Dol­met­scher­in muss kot­zen!“

Und so ge­schah es auch. Ach, das schö­ne Mit­tag­es­sen! 

Aber ei­ne Spur vom Ein­satz fand sich doch an: klick!

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Col­la­ge:
C.E. / Dis­clai­mer: Kein Geld ist da­für
ge­flos­sen, dass das Her­stel­ler­sym­bol zu se­hen ist.

Mittwoch, 24. Juni 2026

KI vs. Klima

Bon­jour, ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Seit fast 20 Jah­ren ge­be ich auf die­sem Blog ei­nen Ein­blick in mei­nen Ar­beits­all­tag. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch. Ich dol­met­sche über­wie­gend ins Fran­zö­si­sche und aus dem Eng­li­schen. Au­ßer­dem über­set­ze ich Tex­te. KI-Mitt­woch.

Lex Coors, der Chef der wich­tigs­ten eu­ro­päi­schen Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on für Re­chen­zen­tren, hat der EU na­he­ge­legt, ihre Kli­ma­zie­le her­un­ter­zu­fah­ren, weil sie der Ent­wick­lung der KI im We­ge stün­den.

KI und Ur­he­ber­recht


Über­all wer­den neue Re­chen­zen­tren aus dem Bo­den ge­stampft. Was sich „Künst­li­che In­tel­li­genz“ nennt, kurz KI, wur­de vom Eng­li­schen AI ab­ge­lei­tet, ar­ti­fi­cial in­tel­li­gence, wo­bei das Wort in­tel­li­gence ne­ben Klug­heit auch Da­ten­ver­ar­bei­tung und Spi­o­na­ge be­deu­tet. 

Gehirn mit Hitze, Ideen, Wasser
Her­aus­for­dernd!
Es ist vor al­lem ei­ne rie­si­ge Men­ge ge­kop­pel­ter Rech­ner, die Un­men­gen auch ge­stoh­le­ner Da­ten ver­ar­bei­ten.

Wenn ich als Blog­ge­rin frem­de Fotos nut­zen würde, hät­te ich rasch eine Ab­mah­nung auf dem Tisch, Stich­wort: Ur­he­ber­recht. Gleich­zei­tig wer­den im gro­ßen Maß­stab di­gi­ta­le In­hal­te aus öf­fent­lich zu­gäng­li­chen oder li­zen­zier­ten Quel­len für das Trai­ning von KI-Sys­te­men ver­wen­det, ohne dass da­für in je­dem Fall in­di­vi­du­el­le Ver­gü­tungs­mo­del­le be­ste­hen, eine po­li­tisch und recht­lich un­ge­klärte Schief­la­ge.

KI als Um­satz­dieb

Noch eine Schief­la­ge: Als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin ver­lie­re ich seit etwa zwei Jah­ren spür­bar Um­satz durch KI-ge­stütz­te Sprach­sys­te­me. Die Tech­no­lo­gie kann zwar nicht dol­met­schen, sie si­mu­liert un­se­re Ar­beit nur, lässt viel weg, er­fin­det Neu­es hin­zu, hat aber gut fi­nan­zier­te Mar­ke­ting­fir­men. Bis alle mei­ne Kun­den ein­, zwei­, drei­mal auf die Nase ge­flo­gen sind, wird es dau­ern.

Wie mir, nur schlim­mer, geht es Bü­ro­men­schen, die di­gi­ta­li­sier­ba­re Rou­ti­ne­ar­beit leis­ten. Die Staa­ten ver­lie­ren Steu­er­ein­nah­men, müs­sen mehr Men­schen in der Zeit be­ruf­li­cher Neu­ori­en­tie­rung oder vor der Rente ali­men­tie­ren. Rente ist das Stichwort: Die­ser Ta­ge ver­han­delt die deut­sche Re­gie­rung über ei­ne Ren­ten­re­form, ohne dass die­se The­men auch nur an­satz­wei­se an­ge­spro­chen wür­den. In we­ni­gen Jah­ren dürf­te die Re­form schon Ma­ku­la­tur sein.

KI als Ver­stär­ker der Kri­se(n) 

Als wür­de das nicht rei­chen, muss nicht nur Deutschland künf­tig viel mehr Geld in die Kli­ma­fol­gen­an­pas­sung und den Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­enn (EE) in­ves­tie­ren, wäh­rend der Kontinent An­fang Ju­ni zum zwei­ten Mal die­ses Jah­res un­ter einer Hit­ze­glo­cke fest­steckt, die sämt­li­che Re­kor­de bricht.

Zu­gleich wird das Was­ser knapp. Laut den Ver­ein­ten Na­tio­nen könnte der KI-be­ding­te Was­ser­ver­brauch bis En­de des Jahr­zehnts dem Jah­res­be­darf von 1,3 Mil­li­ar­den Men­schen ent­spre­chen. Al­lein Google ver­brauch­te 2023 mehr als 19 Mil­li­ar­den Li­ter Was­ser in sei­nen Re­chen­zen­tren.

Da­bei wer­den die Kos­ten ver­teilt, die Ge­win­ne kon­zen­triert.

KI und Lobby­ar­beit

Genau jetzt ma­cht Lob­by­is­t Lex Coors Druck und sa­gt, dass mo­men­tan nur CO₂-emit­tie­ren­de Gas­kraft­wer­ke zu­ver­läs­sig ge­nug sei­en, um die KI-Zie­le der EU um­zu­set­zen. Die EE und Spei­cher, im öf­fent­li­chen Dis­kurs lei­der auch Atom­kraft, ge­kop­pelt mit leis­tungs­star­ken Strom­net­zen, rei­chten für den ge­plan­ten (und noch nicht fi­nan­zier­ten) Auf­wuchs der Tech­nik nicht aus.

Soll­te Eu­ro­pa nicht eins, zwei, fix die be­ste­hen­den Re­gu­lie­run­gen ent­schär­fen, wür­den wir kom­plett in die Ab­hän­gig­keit von Chi­na (oder den USA) ge­ra­ten. So ar­gu­men­tiert Coors, der Prä­si­dent der Eu­ro­pean Da­ta Centre As­so­cia­ti­on, eines Lob­by­is­ten­ver­eins im Auf­trag der GAFAM, so nen­nen die Fran­zo­sen die "Big Five", ein Akro­nym aus den Ini­tia­len von Google, Apple, Face­book, Ama­zon und Micro­soft.

KI und Eu­ro­pa

Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on plant laut Ak­ti­ons­plan „AI Con­ti­nent“, die Ka­pa­zi­tät der Re­chen­zen­tren auf dem Kon­ti­nent zu ver­drei­fa­chen, al­ler­dings bis 2032. Coors er­klär­te, dass der Aus­bau der EE zu lang­sam ge­sche­he. Das Wachs­tum der KI-Bran­che sei wich­ti­ger als Um­welt- und Kli­ma­zie­le.

Auf Fran­zö­sisch hier zu Coors: Re­por­ter­re, die nach­hal­ti­ge Nach­rich­ten­agen­tur Frank­reichs.

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Gra­fik: pixrl.com (Zu­falls­fund)

Montag, 22. Juni 2026

Montagsschreibtisch (145)

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ich ar­bei­te in Ber­lin, Pa­ris, Stutt­gart und dort, wo Sie mich brau­chen!

Tisch, Kaffee, Notizen und Papier vom Tagungshaus mit dem Slogan „mehr, weniger, anders“
Mehr, we­ni­ger, an­ders: ein groß­ar­ti­ges Motto!

Wir stec­ken in der zwei­ten Hit­ze­wel­le des Jah­res von der Sorte, wie wir sie frü­her (mit ge­rin­ge­ren Gra­den) am En­de des Som­mers hat­ten: die be­rühm­ten Hunds­ta­ge, la ca­ni­cule, der Be­weis für den ei­gent­li­chen Zeit­punkt ist der Him­mel selbst. (Hier schrieb ich da­rü­ber: Klick!)

Im Na­hen Os­ten gibt es noch im­mer kei­ne wirk­li­che Ru­he. Tei­le der Welt wer­den von al­ten Män­nern re­giert, die Krie­ge an­zet­teln, um ih­re Macht zu ret­ten, weil sie oh­ne den Schutz, der das Amt bie­tet, so­fort vor dem Rich­ter stün­den.
Die­se Krie­ge, aber auch Ent­schei­dun­gen in Sa­chen Tech­nik, die den Mo­del­len des letz­ten Jahr­hun­derts ver­bun­den sind, schüt­ten Öl ins Feu­er der Erd­er­wär­mung.

Die­se Wo­che liegt der Fo­kus auf:
❦ Ren­te
❦ Ge­werk­schafts­ar­beit
❦ ... viel­leicht Ih­rem Auf­trag?

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Sonntag, 21. Juni 2026

Der Sommerrock

Bon­jour & hel­lo! Sie le­sen in einem di­gi­ta­len Ta­ge­buch aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Sonn­tags wer­de ich hier pri­vat.

Beim Nä­hen muss­te ich die gan­ze Zeit ki­chern, denn ich ar­bei­te an ei­nem tex­ti­len Witz. Mei­ne An­ge­hö­ri­ge, die lei­der de­ment ist, hat mich lau­fend ge­fragt, was ich ma­che. [Die Er­zie­he­rin­nen im Kin­der­gar­ten ha­ben am Montag auch ge­lacht.]

Vom Apfel­rock zum Zi­tat
Es war ein­mal ein Som­mer­rock, lie­be­voll ma­schi­nen- und hand­ge­näht, Stoff aus den Sieb­zi­gern. Der soll­te ein klei­nes Mäd­chen fei­ner ma­chen.

Al­ler­dings ist nicht je­des klei­ne Mäd­chen auch ein fei­nes Mäd­chen. Ich er­in­ne­re mich an den Satz Ho­sen, dun­kel­grün, dun­kel­blau, dun­kel­bor­deaux und fei­ner Cord, der noch in der Wo­che, in der sie an­ge­schafft wur­den, zu kur­zen Ho­sen wur­de (na­tür­lich zur hel­len Freu­de mei­ner Mum).
Ich se­he einen Rock mit Äp­feln, den ein klei­nes Mäd­chen trägt, wäh­rend es mit­ten im Obst­baum sitzt, Ap­fel, Pflau­me oder Kir­schen, und auf­passt, dass der Rock ja kei­nen Fle­cken be­kommt. 

Aber beim Run­ter­klet­tern kommt ein Riss hin­ein. 

Ein Gür­tel hät­te das Malheur ka­schie­ren kön­nen. Die Idee kommt nicht auf, der Rock in ei­ne Tü­te auf den Dach­bo­den.

Zeit­sprung: Ta­ta Li­ne (ich) sucht auf dem Ber­li­ner May­bach­ufer­markt nach ei­nem ge­stick­ten Fli­cken mit Kir­sche, Schmetterling, Ap­fel, Blatt oder Ähn­li­chem und wird erst im Netz fün­dig.

Und nun al­so „die klei­ne Rau­pe Nim­mer­satt“, pas­send zum De­sign des Rocks, denn das Kin­der­buch des deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Kin­der­buch­au­tors und -il­lus­tra­tors Eric Car­le wur­de schon 1969 ver­öf­fent­licht. Ver­mut­lich ist es DAS Buch, das al­le Ge­ne­ra­tio­nen eint, so ähn­lich wie frü­her die Grimm'schen Mär­chen.

Der Rock ist leider schon ein My zu eng für das gro­ße Fräu­lein, hier hat die Tan­te ge­schla­fen. Aber er ist per­fekt für die Lüt­te. Das gro­ße Fräu­lein, ein we­nig un­di­plo­ma­tisch: „Das ist per­fekt, die isst ja so gern und auch viel! Ist ja selbst ei­ne Rau­pe Nim­mer­satt!“

Zum Glück hat die Be­trof­fe­ne sehr viel Hu­mor. Wir ha­ben uns schief­ge­lacht, wir drei.

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Fo­tos: C.E.

Samstag, 20. Juni 2026

KI, Troll & Co. KG

Bon­jour, gu­ten Tag und hel­lo! Sie le­sen in einem di­gi­ta­len Tage­buch aus der Spra­chen­welt. Ich über­setze ins Deut­sche und dol­met­sche FR ⇄ DE und aus dem Eng­li­schen. Der­zeit macht mir die po­li­ti­sche Mei­nungs­bil­dung in Deutsch­land größ­te Sor­gen.

In­te­res­sens­grup­pen be­zah­len di­gi­ta­le Troll­ar­meen, durch die öf­fent­li­che De­bat­ten ver­zerrt wer­den, in­dem sie Hass, Frau­en- und Frem­den­feind­lich­keit, Falsch­in­for­ma­tio­nen und so­gar Lü­gen plötz­lich wie „Mei­nun­gen“ aus­se­hen las­sen. Die­sen Nar­ra­ti­ven möch­ten vor al­lem Men­schen, die sich im Le­ben al­lein­ge­las­sen füh­len, nur al­lzu ger­ne Glau­ben schen­ken. Es ist wie vor 100 Jah­ren. Die Lü­gen­ge­bil­de ge­hen ein­her mit der „Auf­wer­tung“ der Ziel­grup­pe, die sich in der neu­en Ge­mein­schaft plötz­lich we­ni­ger al­lein füh­len.

Um­ge­kehrt be­kom­men sol­che Leu­te auch viele di­gi­tal er­zeug­te Klicks für abs­tru­se „Ide­en“ über ei­ne Um­welt, die ver­meint­lich doch nicht un­ter den Kli­ma­fol­gen und der Bio­di­ver­si­täts­kri­se lei­den wür­de. Die Soft­wa­re die­ser Fo­ren lie­fern meis­tens die Tech-Bros aus den USA, die den MAGA-Gran­den nach dem Wort re­den, von KI-Soft­ware wei­ter ver­stärkt. Si­cher­heits­fach­leu­te spre­chen von Me­tho­den di­gi­ta­ler Kriegs­füh­rung. Vie­le dieser Trol­le sit­zen in Straf­la­gern, die zu Klickfa­br­iken um­ge­baut wur­den.

Sie sind für bis zu 90 Pro­zent ge­fälsch­ter „Kom­men­tare“, „Likes“ und Pos­tings ver­ant­wort­lich zu ma­chen. Hin­ter ih­nen stec­ken hand­fes­te, frem­de In­ter­es­sen. Und die Idio­ten nut­zen oft das la­chen­de Smi­ley und ha­ben es als Hohn­ge­läch­ter um­ge­deu­tet. Sie ha­ben uns das Lach­sym­bol ge­stoh­len.

Ré­su­mé: Hier ver­stär­ken sich die Echo­kam­mern der Men­schen- und Wis­sen­schafts­feind­schaft. Wie kön­nen wir da­mit um­ge­hen, au­ßer sol­che Bil­der zu ver­brei­ten? Das hier un­ten ist er­neut ein Netz­fund.

Hinter vielen Stimmen stecken ein Bot oder eine Klickfabrik, Menschen bei der "Arbeit" und das Ergebnis: eine aufgwühlte Meute
„KIn­dus­tri­ell“ her­ge­stellt­e Ge­fahr!

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Bild: pixlr.com

Freitag, 19. Juni 2026

AI in the loop?

Über wel­che Such­ma­schi­ne auch im­mer: Sie sind auf den Sei­ten des ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne ge­lan­det. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Hier be­rich­te ich über die­se der­zeit von der KI er­schwer­te Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch.

Mann packt strahlende Technik in eine Kiste, umgeben von Kisten, Förderbändern etc.
Verführerische Technik
Eben mel­dete sich ein po­ten­ti­el­ler Kun­de auf der Su­che nach einer Dol­met­sche­rin bei mir. So weit, so ge­wöhn­lich. Ich sei ihm em­pfoh­len wor­den, von ei­ner Part­ner­fir­ma. Das ist schön!

We­ni­ger ge­wöhn­lich war sei­ne Nach­fra­ge in­fol­ge ei­ner Aus­kunft, die er on­line be­kom­men hat­te.

Eine KI ha­be ihm vor­ge­schla­gen, über eine Platt­form zu bu­chen. Nicht etwa, weil dort die bes­te Dol­met­sche­rin ar­bei­ten wür­de, son­dern weil die Wahl der rich­ti­gen KI wich­ti­ger sei als die Wahl der Dol­met­sche­rin, die die KI dann für ihn ein­set­zen wür­de.

WHAT?! 
Das Wor­ding der Tech-Fir­men scheint sich ge­ra­de lei­se zu ver­schie­ben. Vor ei­nem Jahr hieß es noch, die KI wür­de Dol­met­scher er­set­zen. Heu­te liest man im­mer häu­fi­ger von „Hu­man in the loop“.

Mit an­de­ren Wor­ten: Wir Men­schen sind plötz­lich wie­der da. Al­ler­dings nur noch als Zu­be­hör zur Ma­schi­ne. Denn der Kun­de frag­te mich dann, mit wel­cher KI ich ar­bei­te.

Ich ant­wor­te­te, dass ich mich beim Dol­met­schen über­wie­gend auf mei­nen Kopf ver­las­se. Der hat sich in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten als er­staun­lich zu­ver­läs­sig er­wie­sen.

Ja, ich nut­ze KI ge­le­gent­lich für die Vor­be­rei­tung. Wenn kurz­fris­tig noch ein an­gren­zen­des Fach­ge­biet hin­zu­kommt und kei­ne ver­trau­li­chen In­hal­te be­trof­fen sind, kann sie beim Sam­meln von Vo­ka­beln hel­fen. Aber sie bleibt da­bei noch im­mer weit un­ter­halb mei­ner Mög­lich­kei­ten, auch nach Trai­ning.

Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen, ich bin eine KI-kri­ti­sche Dol­met­sche­rin, und ich ar­bei­te mit der KI. Ich ver­wen­de sie maß­voll, nach län­ge­rem Nach­den­ken we­gen des ho­hen Strom- und Was­ser­ver­brauchs, den sie mit sich bringt. Sie hilft mir auch beim Blog­gen, wenn es um un­sicht­ba­re Trenn­zei­chen geht. Sie fin­det Tipp­feh­ler für mich, echte oder fal­sche, am Ende ent­schei­de ich. Sie schlägt mir manch­mal vor, wie ich einen Ge­dan­ken stil­vol­ler fer­tig­schrei­ben könn­te. That's it.

Dol­met­schen bleibt un­se­re Ar­beit!

Viel­leicht ist das die ei­gent­li­che Nach­richt die­ser neu­en Wer­be­spra­che: Je mehr von „Hu­man in the loop“ die Re­de ist, des­to deut­li­cher wird, dass ir­gend­je­mand die Feh­ler kor­ri­gie­ren muss. Der­zeit kommt ein be­trächt­li­cher Teil mei­ner Ar­beit von Kun­den, die ge­nau die­se Er­fah­rung ge­macht ha­ben.

Die KI war ja be­reits in der Schlei­fe, nein, sie war die Schlei­fe. Es gab Plei­ten, Pech und Pan­nen mit der KI oh­ne jeg­li­che Kon­trol­le. Die KI ist kein Dol­met­scher (Link), wenn es um ech­te, viel­fäl­ti­ge, un­ko­or­di­nier­te, feh­ler­be­haf­te­te Si­tua­tio­nen geht. Die KI schei­tert meis­tens schon an den Rück­fra­gen (Spre­cher­wech­sel, un­be­kann­te Per­son).

Da­bei muss­ten et­li­che teu­res Leh­rgeld be­zah­len. Die Prob­le­me, die durch feh­ler­haf­te Über­tra­gung und Lüc­ken bei den Kon­fe­renz­gäs­ten ent­ste­hen, über­stei­gen oft um ein Viel­fa­ches die Er­spar­nis­se auf Ver­an­stal­ter­sei­te.

Um sinn­voll dol­met­schen zu kön­nen, muss ich sehr viel mehr sein als ei­ne au­to­ma­ti­sche Sil­ben­ver­voll­stän­di­gungs­ma­schi­ne, die nach den Ge­set­zen der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung „ar­bei­tet“. Wir Men­schen lie­fern 95 Pro­zent der aus­ge­spro­che­nen Wör­ter, manch­mal mehr, und Kon­text und das Ge­mein­te sind im­mer da­bei.

(Für mich gilt noch die­se Aus­nah­me: Wenn ei­ne An­spie­lung zu sehr auf der Ebe­ne der Pop­kul­tur an­ge­sie­delt ist, hab ich Prob­le­me. Um die zu ken­nen, fehlt mir die Zeit, denn mei­ner Ar­beit geht ein stän­di­ges Selbst­stu­dium vor­aus. Aber in der Ka­bi­ne sind wir zu zweit, da über­nimmt dann die Kol­le­gin!)

Bei mir ris­kie­ren sie vor al­lem auch kei­nen Pro­zess aus Haf­tungs­grün­den.

Ha­ben Sie die ak­tu­el­le Rechts­spre­chung auf dem Schirm? Hier ent­lang zu ei­nem äl­te­ren Text: Urteil gegen die „Künstliche Intelligenz“!

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Donnerstag, 18. Juni 2026

Vorsorgeprinzip adé?

Bon­jour, hel­lo, herz­lich will­kom­men! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne, wenn ich kei­ne De­le­ga­tio­nen oder auch Kund­schaft in­di­vi­du­ell be­glei­te. Heu­te eine Kurz­no­tiz zum All­tag in Eu­ro­pa.

Par­kin­son ist fast eine Volks­krank­heit un­ter al­ten Men­schen, be­son­ders auf dem Land. Der Nach­satz war ein Hin­weis für die For­schung, die ein­deu­tig be­le­gen kann, dass so­ge­nann­ten Pflan­zen­schutz­mit­tel die Ge­sund­heit von Men­schen in der Land­wirt­schaft und An­rai­nern be­drohen. Das ist jetzt vor­sich­tig for­mu­liert. Ich bin Dol­met­sche­rin.

In Fran­kreich ist Par­kin­son schon seit 2012 als Be­rufs­krank­heit an­er­kannt. 

Sa­lat in ei­nem Sieb
Wild­kräu­ter­sa­lat (Bio­wa­re)
In Deutsch­land schei­tert das bis­lang, da die Fol­ge­kos­ten für die Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten sehr hoch wä­ren. Die Be­trof­fe­nen sind al­lein­ge­las­sen. Auch das führt zu De­mo­kra­tie­fer­ne, wie ich bei vie­len Ein­sät­zen fest­stel­len muss­te.

Im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment wur­den ges­tern ei­ni­ge Ent­schei­dun­gen ge­fällt, wo­bei es die Brand­mau­er zur ex­tre­men Rech­ten nicht mehr zu ge­ben scheint.

Rechts und ex­trem Rechts haben ge­mein­sam für die Rück­kehr der GVO ge­stimmt, das sind gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men (GVO), auch gen­tech­nisch mo­di­fi­zier­te Or­ga­nis­men und auf EN ge­ne­ti­cal­ly mo­di­fied or­ga­nism (GMO) ge­nannt. Mehr da­zu bei der Bun­des­zen­tra­le für Po­li­ti­sche Bil­dung: Link zur bpb.de: GVO.

Mir be­rei­tet das Bauch­schmer­zen. Wir Kon­su­ment:in­nen sol­len künf­tig nicht er­fah­ren, ob un­ser Ge­trei­de, Obst oder Ge­mü­se GVO ent­hält. Ei­ne Aus­zeich­nungs­pflicht auf den Eti­ket­ten ist aus­drück­lich nicht er­wünscht. Fun fact: Um­fra­gen zu­fol­ge wünscht die Be­völ­ke­rung in et­li­chen Eu­ro­pä­ischen Län­dern ge­nau ei­ne sol­che Kenn­zeich­nung (bzw. we­ni­ger Ge­fahr­stof­fe im All­tag).

Es gab und gibt ei­ni­ge „Ge­sund­heits­flops“ in Zu­sam­men­hang mit Mas­sen­pro­duk­ti­on: As­best, et­li­che „Pflan­zen­schutz­mit­tel“, sie­he oben, die Mi­kro­plas­tik­seu­che. Wo bleibt das sonst in Eu­ro­pa üb­li­che Vor­sor­ge­prin­zip? 

Es war auch lan­ge vom mün­di­gen Ver­brau­cher, von der mün­di­gen Ver­brau­che­rin die Re­de. Im­mer stär­ker wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf Wahl­frei­heit ge­setzt. Nun al­so die Rol­le rück­wärts.

Wenn wir nicht mehr wis­sen, ob un­ser Es­sen GVO ent­hält, be­deu­tet das für mich: Ich zah­le mit mei­nen Steu­ern ei­ne zer­stö­re­ri­sche Land­wirt­schaft mit und in­di­rekt auch aus­wärts bei der Ar­beit an­ge­bo­te­nes Es­sen, auf das ich ver­zich­ten soll­te, denn auch oh­ne die Sor­gen um schlum­mern­de neue Ge­fah­ren ha­be ich schon jetzt vie­le Al­ler­gien, viel­leicht eben auch, weil ich als Ju­gend­li­che ne­ben Äckern auf­ge­wach­sen bin.

Das be­deu­tet auch, dass wir we­ni­ger ins Res­tau­rant ge­hen wer­den. Durch die Al­ler­gien kam ich üb­ri­gens zu ei­nem mei­ner Fach­ge­bie­te: Land­wirt­schaft, be­son­ders Öko-Land­bau, Bo­den­re­ge­ne­ra­ti­on, Hu­mus­auf­bau, Bio­di­ver­si­tät.

Auch in der Po­li­tik brau­chen wir ein Vor­sor­ge­prin­zip. Mich treibt um, dass das Wis­sen um die Ge­schich­te des 20. Jahr­hun­derts, die Macht­er­grei­fung der Na­zis, so we­nig ver­brei­tet scheint.


Vo­ka­bel­no­tiz

die Brand­mau­er — le cor­don sa­ni­tai­re

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 17. Juni 2026

Mal wieder: Titel!

Hallo und guten Tag! Hier schreibt eine Kon­fe­renz­dol­metscher­in mit Fran­zö­sisch als Haupt­ar­beits­spra­che. Ich dol­met­sche in beide Rich­tun­gen oder, sel­te­ner, aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche. Deutsch ist meine Mut­ter­spra­che und bei Text­ar­beit die häu­figs­te Ziel­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Dieses Posting ist Vorschau und Rückblick in einem. Der KI-Mittwoch ist heute nur ein Einwurf von der Seitenlinie.

Der Vor­teil von Lang­le­big­keit und viel­fäl­ti­ger be­ruf­li­cher Ex­per­ti­se: Ge­ra­de ist meine Un­ter­ti­tel­kom­pe­tenz, theo­re­tisch wie prak­tisch, mal wie­der ge­fragt. 

Das liegt dar­an, dass die Ti­tel, die über­all zu le­sen sind, von Net­flix über Ber­li­na­le, von Film­hoch­schu­le bis zu den Öf­fis, nicht sel­ten ... naja, weit un­ter ih­ren Mög­lich­kei­ten lie­gen. (Jahr­zehn­te in Po­li­tik und Di­plo­ma­tie fär­ben ab!)

„Film und Spra­che“ ist ein The­ma, das die letz­ten Jahr­zehn­te all­ge­mein ver­nach­läs­sigt wur­de. Und in den letz­ten Jah­ren hat dann auch noch die KI vie­le Men­schen aus dem Be­ruf ge­trie­ben.

selbstverständlich ->gewiss, immer wieder -> oft etc.
Untertitel brauchen kurze Wörter

Man­che von uns schät­zen den Weg­gang von Kol­leg:in­nen aus der Sprach­bran­che auf 40 Pro­zent. Ich ken­ne kei­nen Be­rufs­stand, der ähn­lich schnell aus­ge­blu­tet wä­re.

Da geht ak­tu­ell viel Wis­sen ver­lo­ren, das in Sa­chen Film über die Jahr­zehn­te auf­grund stän­di­ger Kür­zungs­run­den (oder dem Nicht­er­hö­hen von Bud­gets in In­fla­ti­ons­zei­ten) oh­ne­hin im­mer sel­te­ner nach­ge­fragt wur­de, zu­gleich aber nicht zum fes­ten Be­stand­teil des Wis­sens oder der Grund­la­gen­ver­mitt­lung in der Aus­bil­dung ge­wor­den war.

Noch die­ses Jahr wer­de ich mei­nen Blog auf eine ei­ge­ne Web­sei­te um­zie­hen. Und ich wer­de über die Sprach­ar­beit ein Buch schrei­ben. „Film und Spra­che“ wird zen­tral sein.

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Grafik:
C.E. (Archiv)

Dienstag, 16. Juni 2026

Kitchen trouble

Als Kon­fe­renz­dol­metscher­in ist Fran­zö­sisch meine Haupt­ar­beits­spra­che, ich dol­met­sche in beide Rich­tun­gen (oder, sel­te­ner, aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche). Deutsch ist meine Mut­ter­spra­che und daher bei Text­ar­beit die häu­figs­te Ziel­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Heute der gestern angedeutete kleine Rückblick.

Himmel, Blume, Gegenlicht
Dra­ma­ti­scher Him­mel und in­te­res­san­te For­men
Ei­ne Blu­me, die ma­xi­mal ge­öff­net ist, da­hin­ter ein Him­mel mit Wol­ken, Abend­licht, den Wind dürf­ten wir uns da­zu den­ken, ha­be ich Sonn­tag­abend fo­to­gra­fiert. Eine Blu­me, de­ren Blät­ter wie Vo­gel­flü­gel aus­se­hen ge­gen den Him­mel, hell, zart wie Fe­dern, mit schö­nen For­men. 
Die Zeit steht still.

Ich bin aus­wärts zu Be­such, wir fei­ern. 

Das Ge­burts­tags­kind hat ei­ni­ges auf dem Her­zen. Mei­ne Hin­ga­be an den Ver­such, ei­ne Tor­te zu bac­ken, hat­te sei­ne Grün­de. Ich hö­re zu. Das war letz­tes Wo­chen­en­de, an dem es Pleiten in Se­rie gab. Am Abend ha­ben wir ge­mein­sam da­rü­ber la­chen kön­nen.

Am Sonn­tag­nach­mit­tag konn­te ich mit mei­ner Eng­lisch­leh­re­rin Ma­ry noch den Text ver­bes­sern. Sur­prise, sur­prise: Der Sonn­tags­text ge­riet mir auf Engl­isch viel lus­ti­ger.

En­joy!

Se­vere kitch­en troub­le: I’m a con­fe­rence in­ter­pre­ter. I work bet­ween Ger­man, French and Eng­lish. Which means I spend a fair amount of time ex­plai­ning that a French tar­te is not a Ger­man Tor­te.

This dis­tinc­tion be­ca­me pain­ful­ly re­le­vant when a friend re­ques­ted a straw­ber­ry birth­day Tor­te. (The Ger­man word Erd­beer­tor­te sounds like whip­ped cream, pork ge­la­tin, and lots of su­gar. Yuck — beurk — igitt.)

The Mis­sion was sup­po­sed to be com­ple­ted by Sun­day eve­ning. First, the straw­ber­ries star­ted to go bad on Sa­tur­day — wit­hin a day. I went out and bought more of the de­li­ca­te or­ga­nic fruit. Then my gas oven de­ci­ded to give up the ghost right in the midd­le of ba­king the spon­ge cake base. What came out wasn’t a cake base, but a warm re­min­der that gra­vi­ty ex­ists.

Emer­gen­cy mea­su­res fol­lo­wed. The in­ter­net sug­ges­ted a no-ba­ke so­lu­tion. I crus­hed coo­kies, I crus­hed zwie­back, and what litt­le self-con­fi­dence I had left crum­bled away on its own. The re­sul­ting base had the struc­tu­ral in­te­gri­ty of a diplo­ma­tic coa­li­tion bet­ween a dic­ta­tor and a com­mit­ted de­mo­crat.

At this point, I stop­ped ma­king a Tor­te and star­ted ma­na­ging a cri­sis.

Agar-agar was de­ploy­ed. Cheese­ca­ke cream was mo­bi­li­zed. Mas­car­po­ne re­fu­sed to co­ope­ra­te. Ex­pen­si­ve pink straw­ber­ry pow­der was cal­led in as a cos­me­tic con­sul­tant. The straw­ber­ries them­sel­ves de­li­ve­red a per­for­man­ce best de­scri­bed as ade­qua­te, which is not what you want from a straw­ber­ry.

Even­tual­ly I em­bra­ced the si­tua­tion. What had been in­ten­ded as the bot­tom be­ca­me the top. At this point I si­lent­ly than­ked the Ta­tin sis­ters. That was help­ful.

What emer­ged was a dis­tinct­ly pan-Eu­ro­pean com­pro­mi­se. The lay­ers were re­in­ter­pre­ted. The French con­cept of a piè­ce mon­tée, so­me­thing that is as­sem­bled ra­ther than ba­ked, sud­den­ly see­med very help­ful to me.

Ba­sil, al­monds, and op­ti­mism will com­ple­te the pro­ject this eve­ning.

Will I bring a straw­ber­ry cake? May­be. It cer­tain­ly won’t be any­thing you’d call a Tor­te. As in my pro­fes­sio­nal life, I found my­self ad­jus­ting the ter­mi­no­lo­gy. It might just be a straw­ber­ry crum­ble in its fi­nest eve­ning at­ti­re.

Plea­se keep your fin­gers cros­sed that the fi­nal re­sult is ac­tual­ly edi­ble. It still needs a brief stay in the free­zer to pull it­self to­ge­ther. As for me, I spent se­ve­ral hours of a week­end meant for re­la­xa­tion, cul­tu­re, and other se­lect ac­ti­vi­ties, grap­pling with fruit, dai­ry pro­ducts, and ther­mo­dy­na­mics.

Would I ever at­tempt ano­ther Erd­beer­tor­te? On­ly on one con­di­tion: That it’s en­ti­re­ly my own idea.

#1nt #xl8 #di­plo 

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Foto: C.E.

Montag, 15. Juni 2026

Montagsschreibtisch (144)

Bon­jour & hel­lo! Sie le­sen in einem di­gi­ta­les Tage­buch aus der Spra­chen­welt. Ich über­setze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Die Früh­jahrs­sai­son war so ver­ha­gelt wie zu Co­ro­na­zei­ten.

Schreibtisch, Zeitungen, Stifte, Lampe
Le­se­schreib­tisch (Pres­se­schau)
Das liegt an der KI, die zwar nicht gut dol­met­schen kann, aber von nur am Um­satz in­te­res­sier­ten Tech­nik­nerds als sol­che ver­kauft wird.

Schon wie­der Mon­tag! Was liegt vor?
⊗ Kor­rek­tur­lesen (Web­sei­te)
⊗ Kon­gress­zu­sam­men­fas­sung
⊗ Krieg und Frie­den (Frei­tag)
⊗ Ehe­schlie­ßung (für Freunde)
and, last but not least:
⊗ Schlacht­feld der ges­tri­gen Ver­hand­lun­gen auf­räu­men (Ach­tung, Iro­nie, spä­ter mehr dazu)

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Gra­fik: Pixlr.com (Fund­sa­che)

Sonntag, 14. Juni 2026

Haushalten (1)

Bon­jour ! Hier kön­nen Sie Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin be­kom­men. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch ar­bei­te ich über­wie­gend ins Fran­zö­si­sche und aus dem Eng­li­schen. Sonn­tags wer­de ich pri­vat. Heu­te: Ei­ne in­ter­kul­tu­rel­le Ver­schie­bung in der Kü­che.

Ich ko­che sehr gern. Ich ba­cke gern, vor al­lem Rühr­ku­chen. Aber zu Tor­ten habe ich kei­ne Mei­nung. Ich ha­be noch nie eine Tor­te ge­macht, da­für tau­sen­de von leich­ten tartes, meis­tens sal­zig. Das deu­tsche Wort „Erd­beer­tor­te“ klingt nach viel Zu­cker, nach Sah­ne und nach Schwei­ne­ge­la­ti­ne. Das mag ich al­les nicht.

Erdbeerkram (in the ma­king)
Und so hab' ich ein Pro­blem, denn eine sol­che hat sich eine Freun­din gar in­nig­lich zum Ge­burts­tag ge­wünscht. Ich hat­te gleich ein mul­mi­ges Ge­fühl. Es ist Som­mer, Erdbeeren zählen zu empfindlichem Obst, das rasch verdirbt.

War­um kann die Gute nicht an ei­nem Sams­tag Ge­burts­tag haben, dann hät­te ich das Obst am glei­chen Tag ver­ar­bei­ten kön­nen?

So brin­ge ich am Sams­tag­mor­gen vom Wo­chen­end­ein­kauf Erd­bee­ren mit, um am Sams­tag­nach­mit­tag fest­zu­stel­len: Die se­hen zu mit­ge­nom­men aus. Es gibt Erd­bee­ren zum Abend­es­sen. An­schlie­ßend ge­he ich nach­kau­fen. Dan­ke, Er­mög­li­cher:in­nen lan­ger Öff­nungs­zei­ten!

Am Sonn­tag­mor­gen be­rei­te ich den Tor­ten­bo­den vor. Er kommt in den Ofen. Als die Back­zeit vor­bei ist, neh­me ich flüs­si­gen Teig in der Form aus dem Ofen­fach. Mist. Der Gas­herd ist aus­ge­gan­gen. Ich ver­su­ch's noch­mal. Geht wie­der aus. Seit Pu­tins Über­fall auf die Ukrai­ne habe ich nichts mehr ge­ba­cken. Wir sparen Gas. Ist eine Dü­se ver­stopft? Hat das Er­satz­gas an­de­re Brenn­wer­te? Frisch ge­rei­nigt war der Ofen, also vor x Jahren, jetzt noch­mal durch­ge­wischt. Oder muss ich da et­was um­stel­len?

Im Netz fin­de ich Re­zep­te für Tor­ten­bö­den oh­ne Ba­cken. Heute, am Sonn­tag, kann ich nichts nach­kau­fen. Ich mi­sche re­zept­ge­treu But­ter mit ge­krü­mel­tem Keks und Zwie­back (was ge­ra­de noch im Haus ist). Das Er­geb­nis ist ein Bo­den aus Crumb­le, der beim schar­fen Hin­se­hen su­bi­to sei­ne Bin­dung ver­liert. OK, dann stre­cke ich den Saft für den „Tor­ten­guss“ mit Agar-Agar eben mit et­was Mar­me­la­de, pla­ne das als ers­te Schicht für die Pud­ding­scha­le ein, dann folgt die Kä­se­ku­chen­mi­schung oh­ne Ei, im Netz fin­de ich un­ter “Erd­beer­ku­chen oh­ne Ba­cken“ Hin­wei­se da­zu. 

Und ich habe Glück. Eine Tü­te zur Her­stel­lung von „Cheese­cake-Cre­me“ fin­det sich in der Vor­rats­kam­mer an. Al­ler­dings las­sen sich Mas­car­po­ne und Frisch­kä­se mit der Zu­be­rei­tung nicht so rich­tig luf­tig auf­schla­gen, auch wenn die Be­schrei­bung das ver­spricht. Noch­mal Glück: Zur Ab­si­che­rung hat­te ich ein Tüt­chen hunds­teu­rer, ro­sa­far­be­ner „Erd­beer­sü­ße“ mit­ge­kauft. Da­mit be­kommt das Gan­ze we­nigs­tens ei­nen hüb­sche Teint. Ob es dem Ge­schmack auch auf­hilft, wird sich er­wei­sen.

Nö­tig wär's. Denn die Erd­bee­ren sind, an­ders als die vom Abend­es­sen, nur so la­la. Das weiß ich, weil ich zwangs­pro­bie­re: „Die Gu­ten ins Töpf­chen, die Schlech­ten ins Kröpf­chen.“ Som­mer halt, rasch ver­derb­li­ches Obst.

Was als Bo­den ge­dacht war, wir zu Sträu­seln er­klärt. Dann baue ich die Eta­gen zu­sam­men. (Mei­ne Wort­wahl ist vom Fran­zö­si­schen be­ein­flusst, ei­ne Tor­te ist eine pièce mon­tée, eine auf­ge­bau­te, auf­ge­türm­te Sa­che.) Der Sträu­sel­bo­den ist jetzt oben. Ei­ne Ge­denk­mi­nu­te gilt der Tarte Tatin, die im Mo­ment ei­nes Miss­ge­schicks ent­wic­kelt wor­den sein soll. Ich hof­fe.

Was fehlt noch? Ba­si­li­kum­blät­ter erst im letz­ten Mo­ment drauf, dazu ge­rös­te­te Man­del­split­ter. Und als Pu­der­zu­cker­er­satz noch et­was von der ro­sa­far­be­nen „Erd­beer­sü­ße“. Am En­de das Gan­ze kurz ins Eis­fach in der Hoff­nung, dass sich die Tei­le am En­de gut von den Ge­fä­ßen lö­sen las­sen.

Auf je­den Fall tau­f' ich's um: Straw­ber­ry crumb­le klingt auch gut, oder?

Mich hat der Tor­ten­back­ver­such et­li­che Stun­den und noch mehr Ner­ven ge­kos­tet, und das an ei­nem Sonn­tag, der ei­gent­lich der Er­ho­lung und der Kul­tur gilt. Eine Erd­beer­tor­te will ich nie wie­der ba­cken müs­sen. Es sei denn, weil es mein ei­ge­ner Wunsch ist.

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Fo­to:
C.E.

Samstag, 13. Juni 2026

Nachruf (1)

Hal­lo! Sie sind in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch ge­lan­det. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für Fran­zö­si­sch auf Kon­fe­ren­zen und bei Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch dol­met­sche ich auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Am Wo­chen­en­de wer­de ich pri­vat.

Diese Woche ist Da­vid Hock­ney ge­stor­ben. Ich habe es ge­liebt, wie er mit Far­ben, Tex­tur und Bild­aus­schnitt auf seine Weise die Mo­tive der Mo­derne va­ri­iert hat, zu­gleich in gro­ßer Far­big­keit mit der Flä­chen­ma­le­rei ge­flir­tet und das Ganze oft ge­nug noch mit Hu­mor gar­niert hat.

Man­ches sei­ner Gar­ten­bil­der lässt mich an Hen­ri Ma­tisse den­ken, nur oft zu­sätz­lich mit Swim­ming pool, und/oder mit Jüng­ling. In sei­nen Land­schaf­ten griff er die Mus­ter der vom Acker­bau zer­schnit­te­nen Flur­stü­cke auf und re­du­zierte sie auch schon mal ra­di­kal auf ein­di­men­sio­nale Ober­flä­chen, zi­tierte ir­gend­wie zu­gleich auch die Patch­work­de­cken äl­te­rer bri­ti­scher La­dies. Stra­ßen win­den sich bei ihm wi­der­spe­n­stig durch die Bil­der, als wä­ren sie Schlan­gen in Lila oder Tür­kis, Still­le­ben zer­fal­len in Me­mo­ry­mo­tive. Wer hier nicht min­des­tens lä­chelt, nimmt Kul­tur zu ernst.

Der ge­bür­tige Brite hat lange in Ka­li­for­nien ge­lebt. Ich finde, das ist zu sehen. Far­ben do­mi­nie­ren, man­ches Fi­gür­li­che ist zu­gleich flä­chen­hafte Abs­trak­tion (oben schon in ein­fa­che­ren Wor­ten ge­sagt): Wir schauen hin und her und sehen wie in einem Ve­xier­bild bei­des gleich­zei­tig. 

Hock­ney in Süd­frank­reich

Das macht ihn so mo­dern und zu­gleich auch für uns Zu­se­hende so spie­le­risch.
Was auch gro­ßen Spaß ge­macht hat, ist, dass er sich so frisch neuen The­men und Ar­beits­mit­teln zu­ge­wandt hat. Am En­de seines Le­bens hat er sich fürs Ma­len auf dem iPad be­geis­tert. Eng­land, Eu­ropa, die ganze Welt, aber ir­gend­wie auch das bis in un­sere Tage immer wie­der so be­drü­ckend durch­schil­lernde 20. Jahr­hun­dert hat einen Gro­ßen ver­lo­ren.

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Freitag, 12. Juni 2026

Urteil gegen die „KI“

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se der­zeit von der KI er­schwer­te Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. 

Als Ende 2023 ChatGPT auf den Markt kam, war die dis­rup­ti­ve Macht der so­ge­nann­ten „Künst­li­chen In­tel­li­genz“ (KI) nur zu ah­nen. Ab 2024 ging es schnell: Mo­nat für Mo­nat san­ken die Um­sät­ze. Wir Sprach­pro­fis warn­ten: Die Tech­nik heißt KI, weil the in­tel­li­gence auf Eng­lisch auch die Da­ten­ver­ar­bei­tung be­deu­tet. Sie heißt also nicht so, wie sie heißt, weil sie be­son­ders in­tel­li­gent wäre.

Dolmetscherin in der Kabine, davor steht der KI-Roboter und schaut bedröppelt drein
Die KI kann nicht rich­tig dol­met­schen!
Dut­zen­de von Bei­trä­gen

Seit­dem ha­ben mei­ne Kol­leg:in­nen und ich re­gel­mä­ßig die Kom­ple­xi­tät von Spra­che in Text­form ana­ly­siert, aber auch von ge­spro­che­ner Spra­che, ih­re Viel­schich­tig­keit, aber auch die Ein­falls­to­re für Feh­ler ein­fach auf­grund ganz nor­ma­ler Kon­fe­renz­si­tua­tio­nen be­schrie­ben und hier ver­öf­fent­licht.

Ja, im La­bor kann die „KI“ als „Dol­met­sche­rin“ bei trai­nier­ten Tex­ten in der Art mit­hal­ten, dass wir ei­nen gro­ben Über­blick be­kom­men, wenn wir feh­ler­to­le­rant sind, wenn wir nichts auf Sprach­ni­veaus und Kon­sis­tenz ge­ben, also die Bei­be­hal­tung des ein­mal ge­wähl­ten Sprach­ni­veaus, wenn uns De­tails oder die be­rühm­ten „Hal­lu­zi­na­tio­nen“ egal sind und es we­der Nusch­ler, Ak­zen­te, noch Rück­fra­gen gibt. Da war ste­cken­wei­se das Er­geb­nis ir­gend­was wie ein Rou­let­te­spiel.

Markt­an­teil trotz No­te „man­gel­haft“

So­weit, so gut. Wir ha­ben die Funk­ti­on aus­pro­biert. Die Test­ergeb­nis­se wa­ren ein­deu­tig: Die „KI“ wür­de bei der Dol­metsch­aus­bil­dung schon am Ein­gangs­test schei­tern.

Trotz­dem ha­ben wir wei­ter Geld ver­lo­ren. „Gut ge­nug“ schien für vie­le in der Kri­se aus­zu­rei­chen. Auch ich ha­be hier im­mer deut­li­cher vor teu­ren Fol­ge­kos­ten durch Aussetzer ge­warnt, durch Aus­las­sun­gen, Ni­vel­lie­run­gen, Ver­zer­run­gen oder ech­te Feh­ler, und vor den dro­hen­den re­sul­tie­ren­den Pa­tent­ver­lus­ten oder an­de­ren ju­ris­ti­schen Fol­gen. 

Autsch, Goog­le!

Und jetzt er­lebt die Church of AI ihr ers­tes ju­ris­ti­sches Erd­be­ben. Das Land­ge­richt Mün­chen I hat eine einstweilige Verfügung unterlassen, die der Tech-Bran­che die Schweiß­per­len auf die Stirn treibt (LG Mün­chen I, Az. 25 O  869/26). Goog­le wur­de ver­knackt, weil sei­ne KI-Such­über­sich­ten mun­ter Un­wahr­hei­ten und ge­schäfts­schä­di­gen­den Un­fug hal­lu­zi­niert ha­ben. (Hier zu Com­pu­ter­base.de: KI-Hal­lu­zi­na­tio­nen | Goo­gle haf­tet, wenn der AI Over­view Fal­sches be­haup­tet.)

Goog­le haf­tet jetzt un­mit­tel­bar für die Un­zu­läng­lich­kei­ten seiner KI-Aus­wür­fe. Was an­ge­zeigt wur­de, hat das Ge­richt als ei­gen­stän­di­gen Bei­trag ge­wer­tet, und Goog­le ist des­sen Ur­he­ber.

Wer Rou­let­te spielt, zahlt.

Wenn Nut­zer:in­nen oh­ne­hin je­den KI-Aus­druck ei­gen­stän­dig prü­fen müs­sen, also auch die An­bie­ter:in­nen von „KI“-“Dol­met­schen“, weil die Er­geb­nis­se nicht be­last­bar sind, schrumpft der Nut­zen der gan­zen Funk­ti­on ge­gen Null. Dann kön­nen auch gleich wir ein­ge­setzt wer­den, die ech­ten Pro­fis.

Der Ge­richts­ent­scheid ist ein ju­ris­ti­scher To­tal­scha­den und DIE Ant­wort auf das „Good enough“-Ar­gu­ment!

Die Haf­tungs­fra­ge

Mei­ne Ant­wort aus der Ka­bi­nen-Welt lau­tet also: Wer li­ve hal­lu­zi­nie­ren­de Ma­schi­nen auf Kon­fe­ren­zen oder bei Ver­hand­lun­gen ein­setzt, kann nicht mehr be­haup­ten, dass er nichts vom Haf­tungs­pro­blem weiß.

„Eltern haf­ten für ih­re Kin­der“, steht an je­der Bau­stel­le.

Wie geht es wei­ter?

Das ers­te Luft­bläs­chen ist ge­platzt! Es wird noch ei­ne Durst­stre­cke, bis das in al­len Chef­eta­gen an­kommt. Aber das ist der An­fang vom En­de des blin­den Tech-Glau­bens.

Ich ge­he mir jetzt erst ein­mal ei­nen Kaf­fee ho­len. Es le­be das mensch­li­che Mund­werk! 

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Gra­fik: ChatGPT (auf mei­ne An­fra­ge, geb'
ich zu, nut­ze ich nur als Aus­nah­me!) 

Donnerstag, 11. Juni 2026

DEnglish (26)

Un­ter­ti­tel: KI-Murks (8)

Im 20. Jahr füh­re ich hier mein vir­tu­el­les Ta­ge­buch aus der Dol­metsch­welt. Meis­tens Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch und Deutsch, über­set­ze ich auch Texte ins Deut­sche (auch aus dem Eng­li­schen). Zwi­schen si­mul­ta­nen (in der Ka­bi­ne) und kon­se­ku­ti­ven Ein­sät­zen (oft auf der Büh­ne) den­ke ich hier auch über Spra­che nach. 

Als wir im Café in Neu­kölln die Be­stel­lung auf­ge­ben möch­ten, fragt die männ­li­che Be­die­nung auf Eng­lisch nach, was ge­wünscht sei. Er spricht kein Deutsch. Das stört mich nicht. Är­ger­lich fin­de ich die Nach­läs­sig­keit im Um­gang mit der Spra­che bei lang­jäh­rig in Deutsch­land Le­ben­den, was sprach­li­che und kul­tu­rel­le Ein­flüs­se an­geht.

„Erst wenn er sich committed, kann ich all in gehen!“, ver­traut die Frau am Nach­bar­tisch einer Freun­din an. Sie sieht mit ihren blon­den, um den Kopf fest­ge­ta­cker­ten Zöp­fen so aus, als wäre sie di­rekt einem Ge­schichts­buch ent­sprun­gen, 1933 fol­gen­de. Auch den Blau­zis könn­te sie als Covergirl ge­fal­len. Ich bin weit ent­fernt von völ­ki­schen Ge­dan­ken. Aber das Misch­masch, das immer öf­ter zu hö­ren ist, tut mei­nen Oh­ren weh.

The mish­mash fun­giert, an­ders­her­um, üb­ri­gens als deut­sches Lehn­wort im Eng­li­schen. Ok, mo­de­ra­te Ein­fluss­nah­men sind gut, die mehr sind als the zeitgeist, aber meis­tens sind sie ein mismatch oder „ein Mis(s)­match“. Die Da­men vom Tisch rechts ge­hen. Män­ner kom­men. Sprach­lich wird es nicht bes­ser.

Ein Kol­le­ge aus dem Netz­werk hat 2019 das Kau­der­welsch mit­ge­schrie­ben, es ging ums Brie­fing vor ei­nerIn­for­mal mis­sion:

Das ist nicht mit bö­ser in­ten­tion, es geht eher da­rum, die pro­fes­sio­nal in­te­gr­ity des Mi­nis­ters zu schüt­zen. Er reist ohne of­fi­ziel­les Man­dat, das ist so ein kind of test. Das wer­den wir dann mit ei­ni­gen Part­nern so mo­der­ie­ren on the place. Der an­de­re Rei­se­zeit­raum ging nicht, weil das Ho­tel so tre­men­dous ex­pen­si­ve war, das krie­ge ich nicht ge­co­vert. Auch für Sie brauch ich ap­prou­val aus Wa­shing­ton. (Te­le­fo­nat mit ei­ner deut­schen Kun­din)

In der Wer­bung fal­len immer mehr Ex­zes­se auf. Das liegt auch dar­an, weil die KI eben kei­nen kul­tu­rel­len Hin­ter­grund kennt und weder Feh­ler noch Zwei­fel be­nennt. Und weil an Men­schen ge­spart wird, die auf­pas­sen. Schön, dass wir jetzt nicht an Hohn und Spott spa­ren müs­sen!

Also ich rei­se lie­ber mit Le­ben­den ...
Die Er­geb­nis­se wer­den immer ab­sur­der. Ich habe eine Kol­le­gin, die ihre „Tote“ gerne an den See mit­nimmt. OK, sie ist Eng­lisch-Dol­met­sche­rin und sie nu­schelt uns der­lei müde zu, ist also kei­ne öf­fent­lich ge­führ­te Rede.

Tote bag
, kurz: the tote, ist auf Fran­zö­sisch le (sac) baisenville, über den ich hier auch schon ge­schrie­ben habe.
Schon schick, so eine Schul­ter­ta­sche für den Kurz­aus­flug.

Es kann auch ein Wo­chen­end­aus­flug sein oder was die Men­schen sonst noch so zum Spaß trei­ben.

Beim Es­sen gibt es die­se Re­gel: „Er­näh­re Dich ge­sund, ver­zeh­re nichts, was die Oma nicht kann­te, füge Avo­ca­dos, Chia­sa­men und eine exo­ti­sche Frucht dei­ner Wahl hin­zu.“ (In­zwi­schen muss es wohl Uro­ma hei­ßen.) Und beim Spre­chen? Nein, kein Ge­sichts­er­ker (Na­se), Schrift­lei­ter (Chef­re­dak­teur) und auch kei­ne Kul­tur­schaf­fen­den (ja, wirk­lich Na­zi­spra­che) soll­ten wir ver­wen­den. Aber die­ses Fremd­sprech ist ge­nau­so un­schön wie das gras­sie­ren­de Brain rot durch die KI. Kurz­in­fo zum letz­ten Fach­be­griff: Die Leute ver­ler­nen das Den­ken. Dazu mor­gen mehr.

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Gra­fik:
Mat­thi­as und Netz­fund