Donnerstag, 11. Juni 2026

DEnglish (26)

Un­ter­ti­tel: KI-Murks (8)

Im 20. Jahr füh­re ich hier mein vir­tu­el­les Ta­ge­buch aus der Dol­metsch­welt. Meis­tens Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch und Deutsch, über­set­ze ich auch Texte ins Deut­sche (auch aus dem Eng­li­schen). Zwi­schen si­mul­ta­nen (in der Ka­bi­ne) und kon­se­ku­ti­ven Ein­sät­zen (oft auf der Büh­ne) den­ke ich hier auch über Spra­che nach. 

Als wir im Café in Neu­kölln die Be­stel­lung auf­ge­ben möch­ten, fragt die männ­li­che Be­die­nung auf Eng­lisch nach, was ge­wünscht sei. Er spricht kein Deutsch. Das stört mich nicht. Är­ger­lich fin­de ich die Nach­läs­sig­keit im Um­gang mit der Spra­che bei lang­jäh­rig in Deutsch­land Le­ben­den, was sprach­li­che und kul­tu­rel­le Ein­flüs­se an­geht.

„Erst wenn er sich committed, kann ich all in gehen!“, ver­traut die Frau am Nach­bar­tisch einer Freun­din an. Sie sieht mit ihren blon­den, um den Kopf fest­ge­ta­cker­ten Zöp­fen so aus, als wäre sie di­rekt einem Ge­schichts­buch ent­sprun­gen, 1933 fol­gen­de. Auch den Blau­zis könn­te sie als Covergirl ge­fal­len. Ich bin weit ent­fernt von völ­ki­schen Ge­dan­ken. Aber das Misch­masch, das immer öf­ter zu hö­ren ist, tut mei­nen Oh­ren weh.

The mish­mash fun­giert, an­ders­her­um, üb­ri­gens als deut­sches Lehn­wort im Eng­li­schen. Ok, mo­de­ra­te Ein­fluss­nah­men sind gut, die mehr sind als the zeitgeist, aber meis­tens sind sie ein mismatch oder „ein Mis(s)­match“. Die Da­men vom Tisch rechts ge­hen. Män­ner kom­men. Sprach­lich wird es nicht bes­ser.

Ein Kol­le­ge aus dem Netz­werk hat 2019 das Kau­der­welsch mit­ge­schrie­ben, es ging ums Brie­fing vor ei­nerIn­for­mal mis­sion:

Das ist nicht mit bö­ser in­ten­tion, es geht eher da­rum, die pro­fes­sio­nal in­te­gr­ity des Mi­nis­ters zu schüt­zen. Er reist ohne of­fi­ziel­les Man­dat, das ist so ein kind of test. Das wer­den wir dann mit ei­ni­gen Part­nern so mo­der­ie­ren on the place. Der an­de­re Rei­se­zeit­raum ging nicht, weil das Ho­tel so tre­men­dous ex­pen­si­ve war, das krie­ge ich nicht ge­co­vert. Auch für Sie brauch ich ap­prou­val aus Wa­shing­ton. (Te­le­fo­nat mit ei­ner deut­schen Kun­din)

In der Wer­bung fal­len immer mehr Ex­zes­se auf. Das liegt auch dar­an, weil die KI eben kei­nen kul­tu­rel­len Hin­ter­grund kennt und weder Feh­ler noch Zwei­fel be­nennt. Und weil an Men­schen ge­spart wird, die auf­pas­sen. Schön, dass wir jetzt nicht an Hohn und Spott spa­ren müs­sen!

Also ich rei­se lie­ber mit Le­ben­den ...
Die Er­geb­nis­se wer­den immer ab­sur­der. Ich habe eine Kol­le­gin, die ihre „Tote“ gerne an den See mit­nimmt. OK, sie ist Eng­lisch-Dol­met­sche­rin und sie nu­schelt uns der­lei müde zu, ist also kei­ne öf­fent­lich ge­führ­te Rede.

Tote bag
, kurz: the tote, ist auf Fran­zö­sisch le (sac) baisenville, über den ich hier auch schon ge­schrie­ben habe.
Schon schick, so eine Schul­ter­ta­sche für den Kurz­aus­flug.

Es kann auch ein Wo­chen­end­aus­flug sein oder was die Men­schen sonst noch so zum Spaß trei­ben.

Beim Es­sen gibt es die­se Re­gel: „Er­näh­re Dich ge­sund, ver­zeh­re nichts, was die Oma nicht kann­te, füge Avo­ca­dos, Chia­sa­men und eine exo­ti­sche Frucht dei­ner Wahl hin­zu.“ (In­zwi­schen muss es wohl Uro­ma hei­ßen.) Und beim Spre­chen? Nein, kein Ge­sichts­er­ker (Na­se), Schrift­lei­ter (Chef­re­dak­teur) und auch kei­ne Kul­tur­schaf­fen­den (ja, wirk­lich Na­zi­spra­che) soll­ten wir ver­wen­den. Aber die­ses Fremd­sprech ist ge­nau­so un­schön wie das gras­sie­ren­de Brain rot durch die KI. Kurz­in­fo zum letz­ten Fach­be­griff: Die Leute ver­ler­nen das Den­ken. Dazu mor­gen mehr.

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Gra­fik:
Mat­thi­as und Netz­fund

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