Untertitel: KI-Murks (8)
Im 20. Jahr führe ich hier mein virtuelles Tagebuch aus der Dolmetschwelt. Meistens Konferenzdolmetscherin für Französisch und Deutsch, übersetze ich auch Texte ins Deutsche (auch aus dem Englischen). Zwischen simultanen (in der Kabine) und konsekutiven Einsätzen (oft auf der Bühne) denke ich hier auch über Sprache nach.
Als wir im Café in Neukölln die Bestellung aufgeben möchten, fragt die männliche Bedienung auf Englisch nach, was gewünscht sei. Er spricht kein Deutsch. Das stört mich nicht. Ärgerlich finde ich die Nachlässigkeit im Umgang mit der Sprache bei langjährig in Deutschland Lebenden, was sprachliche und kulturelle Einflüsse angeht.
„Erst wenn er sich committed, kann ich all in gehen!“, vertraut die Frau am Nachbartisch einer Freundin an. Sie sieht mit ihren blonden, um den Kopf festgetackerten Zöpfen so aus, als wäre sie direkt einem Geschichtsbuch entsprungen, 1933 folgende. Auch den Blauzis könnte sie als Covergirl gefallen. Ich bin weit entfernt von völkischen Gedanken. Aber das Mischmasch, das immer öfter zu hören ist, tut meinen Ohren weh.
The mishmash fungiert, andersherum, übrigens als deutsches Lehnwort im Englischen. Ok, moderate Einflussnahmen sind gut, die mehr sind als the zeitgeist, aber meistens sind sie ein mismatch oder „ein Mis(s)match“. Die Damen vom Tisch rechts gehen. Männer kommen. Sprachlich wird es nicht besser.
Ein Kollege aus dem Netzwerk hat 2019 das Kauderwelsch mitgeschrieben, es ging ums Briefing vor einerInformal mission:
In der Werbung fallen immer mehr Exzesse auf. Das liegt auch daran, weil die KI eben keinen kulturellen Hintergrund kennt und weder Fehler noch Zweifel benennt. Und weil an Menschen gespart wird, die aufpassen. Schön, dass wir jetzt nicht an Hohn und Spott sparen müssen!
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| Also ich reise lieber mit Lebenden ... |
Tote bag, kurz: the tote, ist auf Französisch le (sac) baisenville, über den ich hier auch schon geschrieben habe.
Schon schick, so eine Schultertasche für den Kurzausflug.
Es kann auch ein Wochenendausflug sein oder was die Menschen sonst noch so zum Spaß treiben.
Beim Essen gibt es diese Regel: „Ernähre Dich gesund, verzehre nichts, was die Oma nicht kannte, füge Avocados, Chiasamen und eine exotische Frucht deiner Wahl hinzu.“ (Inzwischen muss es wohl Uroma heißen.) Und beim Sprechen? Nein, kein Gesichtserker (Nase), Schriftleiter (Chefredakteur) und auch keine Kulturschaffenden (ja, wirklich Nazisprache) sollten wir verwenden. Aber dieses Fremdsprech ist genauso unschön wie das grassierende Brain rot durch die KI. Kurzinfo zum letzten Fachbegriff: Die Leute verlernen das Denken. Dazu morgen mehr.
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Grafik: Matthias und Netzfund


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