Dienstag, 30. April 2019

Viva la Diva!

Wie Kon­­fe­renz­dol­metscher und Übersetzer arbeiten, kön­nen Sie hier mit­le­sen. Im 13. Jahr be­schrei­be ich hier mei­nen sprach­be­ton­ten Alltag.
Man­che Selbst­er­kennt­nis folgt spät.


Das Gute an uns Dolmet­schern: Weil die Arbeit so schwer ist, haben wir eine grö­ße­re Achtung vor der Leis­tung der an­deren und auch der ei­genen. Wir sind zu­packend, pragmatisch, organisiert. Wir ar­beiten ganz konkret in der Vorbe­reitung und in der Kabine als Team und müssen aber auch die anderen Kabinen im Blick haben und für sie mit­denken. Der Job steht im Mittel­punkt, nicht das eigene Be­fin­den. Wir erken­nen uns am "Stall­geruch", an den Gewohn­heiten, an der intel­lektu­ellen Auf­ge­schlos­senheit, dem hohen Grad an Em­pa­thie.
Kurz: Wir sind keine Diven.

Straßenkunst: Junge Lady
Sicher auch keine Diva
Ich glaube heute noch, dass diese Be­­schreibung für die meisten von uns gilt.

Bis ich dann leider doch auf div­en­haf­te Dol­met­scher­kol­le­gen traf, männ­liche und weib­li­che. Das war nicht einfach. Ich halte dieses Ver­hal­ten für ei­ni­ger­ma­ßen in­kom­pa­ti­bel mit dem Be­ruf und hielt mich fern, ohne, dass ich mein Un­wohl­sein hätte be­nen­nen kön­nen.

Und dann hatte ich ein Er­lebnis, das wie die Probe in der Ma­thematik war. Ich be­geg­nete einer echten Diva! Sie ist Musikerin, eine wun­der­bare Künstlerin, sprüht vor Charme. Glamour! Im Hauptberuf ist sie Dol­met­scherin. Und klack!, kaum ging's um die Sprach­arbeit, war die Dol­metscherin da, klar, prag­matisch, soli­da­risch. Wunderbar.

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Foto: C.E.

Samstag, 27. April 2019

Prekäre Künstler

Den subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier im 13. Jahr. Was uns als Französischdol­metscher und -übersetzer beschäftigt, geht oft über unseren eigenen Berufsbereich hinaus. Link der Woche!

Nachwuchskunst
Nächste Woche feiern wir den Tag der Arbeit. An diesem Wochen­ende steigt in Ber­lin mal wieder das Gal­lery Week­end, leider ohne mich, da ich vergrippt bin.
Meine Auf­merk­sam­keit gilt einem Hör­­funk­­fea­ture über die pre­kä­re Le­bens­la­ge von Künstlern und über die Frage:" Was ist unserer Ge­sell­schaft die Kunst über­haupt wert?"
Spannend ist der kon­tras­tier­te Bericht der Lebens­situation einer jungen Künstlerin und eines alten Künstlers, der das eins­tige Berlin beschreibt. Als Sprachar­bei­terin­nen betrifft uns das Thema. Küns­tler und Kunst­pro­jekte sind potentielle Auf­trag­ge­ber. Wir spüren an den Ho­­no­rar­vor­­schlä­gen, dass die Mittel an der breiten Basis kaum noch ankommen.

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Illustration: Marvi (5 Jahre)

Mittwoch, 24. April 2019

Row, row, row your boat!

Über den Arbeitsalltag einer Dolmetscherin können Sie hier einiges lesen. Wenn ich nicht Konferenzen vertone, sitze ich am Über­set­zer­schreib­tisch. Manches Kopfzerbrechen dort ist umsonst.

Row, row, row your boat!, singe ich heute vor mich hin. Das hat seinen Grund.



Rücksprung: Im Kindergarten hatte ich Frühenglisch. Geliebt habe ich die Kin­der­lie­der, die wir dort gelernt haben, darunter eben dieses Lied, das wir im Vorschul­un­ter­richt allerdings nicht im Kanon gesungen haben.

Und warum die plötzliche Erinnerung? Eine Übersprungshandlung. Eben war ich noch hochkonzentriert und sah den Feierabend in weiter Ferne. Dann kommt der magische Augenblick, in dem sich sich sämtliche Probleme einer Ver­trags­über­set­zung für ein Segelschiff in Luft auflösen.

Dass sich möglicherweise ein ent­stel­len­der Rechtschreibfehler durch alle Doku­mente hindurchzieht und ich nicht weiß, wie ich mit dem "Vorvertrag/promesse de vente"-Dingen um­ge­hen soll, in Frankreich gibt es Vor­verträge, die durch kon­klu­den­tes Han­deln zu Ver­trä­gen werden, in Deutschland nicht, alles das ist plötzlich nicht mehr wichtig, weil sich her­aus­stellt, dass der Käufer der die Über­set­zung be­auf­tra­gen­de An­walt selbst ist und er "nur" eine deut­sche Fas­sung zur Orien­tie­rung braucht.

Also Über­set­zung mit Fußnoten statt recht­lich bin­den­des, hun­dert­fach geprüftes Zeugs, hach.

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Illustration: YouTube/Fairfield County
Children's Choir und C.E.

Dienstag, 23. April 2019

Karma is a bitch!

Bonjour, hello, guten Tag. Hier bloggt im 13. Jahr eine Dol­met­sche­rin, übli­­cher­­wei­se mehr­mals die Woche. Die Win­ter­pau­se ist zuende, die Frühjahrssaison hat noch nicht richtig begonnen. Aber ... 

Erst letzten Freitag hatte ich mich gefragt, was wohl der nächste Einsatz werden würde. Einen Arbeitstag später kam ein halber Monatsumsatz rein:

Hilft in dieser Jahresze
⊗ Be­hör­den­gang und Kor­re­spon­denz zur Er­lan­gung einer Nie­der­las­sungs­er­laubnis
 ⊗ Diskussion zum Thema "Se­xu­ali­tät", Ber­­l­i­ner Re­li­gions­ge­spräche in der Ber­li­ner Aka­de­mie der Wissen­schaften (eine Red­ne­rin bat kurzfristig um sprachliche Hilfe)
 ⊗ Schul­mensen in Berlin und im Elsass
 ⊗ Kaufvertrags­über­set­zung "Segel­schiff"

Komisches Karma, sag ich da nur. Vielleicht sollte ich öfter schreiben, dass ich Zeit habe. Ab der Woche vom 6. Mai wären dann wieder einige Termine frei.

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Foto: C.E. (Archiv)

Sonntag, 21. April 2019

Huch, schon wieder Ostern!

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Fran­zö­sisch­dol­met­scher und -übersetzer haben ver­mut­lich einen eigenen Blick auf die Welt, und meiner ist nochmal anders. Ich schreibe hier mein subjektives Arbeitstagebuch und sonntags folgt (manchmal) das Sonn­tags­foto ...

Das ging schnell.


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Foto: C.E.

Samstag, 20. April 2019

Wege aus der Artenvielfalt

Der Titel ist ge­klaut, nein, ent­lie­hen. Ein nicht ge­kenn­zeich­ne­tes Zi­tat. Es be­kennt sich schul­dig: Sprach­ar­bei­te­rin Ca­ro­li­ne Eli­as, Teil der Ber­li­ner Franzö­sisch­dolmetscher und -übersetzerszene, die regelmäßig auch zu ökologischen Themen arbeitet. Heute: Link der Woche.

Einsam müht sich ein Bäumchen
Hier ein Test­par­cours für Wan­der­schu­he im Out­door­la­den, also Stei­ne, Ge­röll, ein klei­ner Fels­brocken, ein Mi­nia­tur­ge­bir­ge, auf ewig vom Ei­se be­freit, dort ei­ne viel­sei­ti­ge Auf­pflas­te­rung wie aus dem Mus­ter­buch zur Ver­kehrs­be­ru­hi­gung des Bau­amts oder ei­nes Fach­be­triebs, so sehen heut­zu­ta­ge zum Ent­set­zen der Na­tu­rschüt­zer nicht we­ni­ge Vor­gärten aus.

Ulf Soltau sam­melt solche "Gärten des Grauens", die er im In­ter­net vorstellt. Sie sind das über­auf­ge­räum­te Ge­gen­kon­zept zu wil­den Gär­ten Kom­post, ins Kraut schie­ßen­den, ge­le­gent­lich mal be­schnit­te­nen Ge­wäch­sen, Hoch­beeten oder Grün­pflan­zen im Som­mer­quar­tier. (Hier ein Hörlink: SWR.)

Schot­ter­gär­ten gehen so: Alles abräumen, Plastik­plane drauf, Steine drauf. Das bio­lo­gi­sche Leben unter der Pla­ne ist zwar re­du­ziert, trotzdem bricht sich die Na­tur im­mer wieder ihre Bahn. Da hel­fen dann Gly­pho­sat und andere Ver­nich­tungs­mit­tel weiter.

Hässlich ist es obendrein. Auch hässlich sind Zäu­ne, wie sie sonst um Klär­an­la­gen und Park­plätze herum­stehen: Gitter oder Abschirm­wände anstelle einer Hecke, die an­ders­wo Vö­geln einen Lebens­räume bietet.

Oft wer­den Gär­ten des Grau­ens so ver­tei­digt: Das sei japanisch ins­pi­riert, zu­dem höchst pflege­leicht, man schaf­fe den Garten nicht mehr. Hin­weis: Zu beschäf­ti­gte oder äl­te­re Herr­schaften, die so etwas sagen, mögen bitte an ihre Kinder/Enkel oder an den Nach­wuchs von Freun­den denken. Sollte kein Geld für pro­fes­sio­nel­le Gar­ten­pflege vor­han­den sein, hier gibt es nie­der­schwel­lige Lö­sungen mit Mens­chen aus der Nach­bar­schaft. So könnte der Garten zur Bear­beitung auch Zeit­ge­nos­sen ange­boten werden, die sich einfach nur freu­en, sich im Grü­nen aus­toben zu dür­fen.

Zäune des Grauens
Jede und je­der von uns hat es mit in der Hand. Nach der Ab­schaf­fung der Blüh­strei­fen an den meis­ten Feld­rän­dern be­dro­hen auch sol­che Gärten die Exis­tenz­grund­lage der hei­mi­schen Bio­di­ver­sität. Mit Ein­sicht scheint hier nie­mand wei­ter­zu­kommen.

Stad­träte, über­nehmen Sie!

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 18. April 2019

Kapazitäten frei

Guten Tag! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch rein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Brüssel und gerne dort, wo Sie mich brauchen! Heute ein anderer Blick auf den Schreibtisch.

Diese Wo­chen wa­ren für ein Film­fes­ti­val re­ser­viert und für Über­set­zun­gen, die mit ei­nem grö­ße­ren Kul­tur­pro­jekt in Zu­sam­men­hang ste­hen, Web­seite, Antrags­un­ter­la­gen, Gesprächs­termine, erstes gedrehtes Ma­terial der Video­doku­mentation, Schnitt und Unter­titel sowie weiteres, über das ich ver­trags­gemäß noch nicht sprechen darf.

Das Festi­val hat statt­ge­fun­den und viel Spaß gemacht. Festival­mo­derationen sind ein Teil dessen, was ich buch­stäb­lich seit Jahr­zehn­ten anbiete (also seit zwei). In den kongress­freien Zeiten, im Fe­bruar und um Ostern herum, kann ich mir ein gutes Bild über den Stand des deut­schen und inter­na­tio­na­len Film­schaf­fens machen.

Das Kultur­pro­jekt musste jetzt lei­der aus ge­sund­heit­lichen Gründen ei­nes der Krea­ti­ven auf un­be­stimmte Zeit ver­schoben wer­den. Da­mit habe ich Ka­pa­zi­täten frei für Über­setzungen aus den Be­reichen Kul­tur, Kunst, Wirt­schaft und So­zia­les, Agrar­wende, Gärten, Ur­ba­nis­mus, Archi­tektur ...

Die lau­fen­den Pro­jek­te sind ab­ge­schlos­sen oder ha­ben spä­te Ziel­da­ten. Nun bin ich mal ge­spannt, was als nächs­ter Termin rein­kommt. Die Bu­chungen lau­fen wei­ter wie geplant, sogar der erste Ter­min für November 2019 ist reserviert, ver­an­schlagt und un­ter­schrieben.

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Fotos: C.E. (Archiv)

Montag, 15. April 2019

Machine Translation (11)

Guten Tag oder guten Abend! Wie Dolmetscher für Französisch und Englisch leben und arbeiten, können Sie hier mitverfolgen. Ich arbeite für Menschen aus Po­li­tik, Kultur und Wirt­schaft. Und ich bin na­tür­lich an das Be­rufs­ge­heim­nis ge­bun­den und darf nur all­ge­mei­ne Be­ob­ach­tun­gen be­rich­ten.

Das war ein höchst wun­der­li­cher Au­gen­blick: Als eine große Rechts­an­walts­kanz­lei anrief und um eine Über­set­zung bat und dies mit der Fra­ge ver­band, wer ein Gut­ach­ten er­stel­len kön­ne.

Mund mit Zeigefinger drauf
Ein offenes Geheimnis
Ich frage nach und erfahre, dass sich zwei Anwä­lte, einer in den 1950-er Jahren ge­bo­ren, ein anderer in den 1970-er Jahren, im Schrift­ver­kehr auf ma­­schi­nel­le Über­set­zun­gen ver­las­sen und des­we­gen eine Frist ver­passt hat­ten. Die zwei­te Frist war noch nicht ver­passt. Nur hier konnte ich hel­fen.
Die Angelegenheit ist schon etwas her.

Ich wollte erst den Ausgang er­fah­ren, bevor ich hier anonymisiert darüber schrei­be. Ein Gutachten habe es durch­aus ge­ge­ben, heißt es, allerdings habe die Rich­te­rin die An­trag­stel­ler knapp ab­ge­fer­tigt: Das wisse doch jedes Kind, dass man sich auf ma­schi­nel­le Über­setzung aus dem Internet nicht verlassen könne.

Kein Aktenzeichen, siehe oben.

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Foto: C.E. (Archiv)

Auf dem Schreibtisch XXXXIX

Guten Morgen, Mittag oder gu­ten Abend! Hier bloggt eine Konferenzdol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin. Dabei arbeite ich (aktiv und passiv) mit Deutsch und Fran­­zö­­sisch sowie (nur passiv, also als Ausgangs­spra­che) mit Englisch. Dort, wo mich meine Kunden brauchen, bin ich dann meis­tens auch tätig: Köln, Berlin, München, Lyon, Straß­burg, Pa­ris ... um nur einige Beispiele zu nennen. 

Uferpromenade mit frischem Baumgrün (noch durchsichtig)
Die Natur zieht den Vorhang zu
Heute wie­der den Blick auf den Schreib­tisch. Der­zeit be­schäf­ti­gen mich fol­gen­de The­men:

⊗ Öko­lo­gi­sche Wen­de in der Wirt­schaft
⊗ Kos­ten­güns­ti­ger, nach­hal­ti­ger Wohn­bau
⊗ Schlaf­man­gel als Gesell­schafts­prob­lem
⊗ Mi­gra­tion aus Afrika (Vor­be­rei­tung ei­nes Filmgesprächs)
⊗ Nach­be­rei­tung Film­her­stel­lung + -ästhe­tik auf Eng­lisch

Dazu (auf Wunsch ei­ni­ger Le­ser) der Blick vom Ar­beits­zim­merb­al­kon mit der ges­tern be­schrie­be­nen Si­tua­tion.

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Foto: C.E.

Sonntag, 14. April 2019

Innehalten

Im 13. Jahr beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen). Sonntags werde ich privat.

Diese Frühlings­tage bringen winterliche Kälte mit sich. Eigentlich sind die Woll­sa­chen längst frisch­ge­waschen im "Mottensafe" verstaut, die ersten Klei­der­mo­tten wurden schon gesichtet, doch immer wieder muss ich mir etwas aus den luft­dich­ten Kisten holen. Die Kälte ist feucht, das Wetter aber nicht so regennass, wie es sein müsste in einem üppigen Frühjahr.

Morgens machen die Vögel wun­derbar Rabatz, weder bei den El­tern auf dem Dorf noch in der Stadt am Kanal und in Park­nähe ist es ein stummer Frühling. Bunt ist er auch hier und da. Die Kli­vie blüht versteckt Richtung Ar­beits­zim­mer­fens­ter; nur nicht um­stel­len, das mögen Cli­vien nicht. Die künftigen Bal­kon­to­mät­chen und die Bienen- und Vogel­wei­de­pflan­zen im Miniformat scheinen al­ler­dings im Wachs­tum zu pau­sie­ren.

Pflanzenfenster und Miniplfänzchen, blühende Clivia
Frühling zuhause

Und während das zarte Laub der Stra­ßen­bäu­me wie in Zeit­lu­pe den Vorhang zur an­deren Uferseite zuzieht, habe ich das seltene Gefühl an­ge­hal­tener Zeit. Das Frühjahr scheint ­zu pausieren. Sonntags­ruhe. Am Abend mo­deriere ich zwei Fes­ti­val­pro­gram­me, die ich schon einmal mo­deriert habe, ich muss also nichts vor­be­rei­ten. Im Haus ist es still.

Da erfahre ich vom Tod eines Be­kannten, eines Lektors und sprach­mächtigen, zu­rück­hal­tenden Mannes aus dem Osten der Republik. Und trotz aller Trauer und der Wut über diese Natur, die zwei klei­nen Kindern den späten Vater ge­nom­men hat, haben die Zei­len eines Verlags anlässlich dieses plötz­li­chen Herz­to­des etwas tröst­liches. Es klingt nach dem Beginn von Einsicht, wenn ein Nach­ruf so endet: "Wir neh­men uns seinen Tod zur Mahnung, freien Mitar­beitern nicht zeitliche Versäum­nisse des Verlages über­zu­helfen, sondern ihnen die Zeit zu las­sen, die sie für eine gründ­liche Arbeit brauchen."

Möge sich diese Erkennt­nis auch anderswo in der Kul­tur verbreiten. Und weil Zeit immer gleich auch Geld be­deu­tet: Möge gründlich er­le­dig­te Geistes­arbeit endlich wieder allen Beteiligten gute, auskömmliche Hono­rare und Ge­häl­ter wert sein. Hier meine ich jetzt nicht ei­nen bestimm­ten Ver­lag, son­dern die ganze Kul­tur­bran­che und Kunden wie Kol­legin­nen und Kol­le­gen glei­cher­ma­ßen: Wür­den sich nicht so vie­le un­ter Wert ver­kaufen, die Preise wä­ren an­dere.

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Collage: C.E.

Freitag, 12. April 2019

Concierge

Seit mehr als zwölf Jahren beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Heute ist der x-te No-Brexit-Tag und gefühlt zum 20. Mal wurde der Er­öf­fnungs­ter­min für den neuen Ber­li­ner „Fluch­ha­fen“ ver­scho­ben.

Ein echtes Dol­met­scher­problem bringt heute die „Frank­furter Allge­meine Zei­tung“. Zitat:
Nach der An­kunft in Brüs­sel hat Ma­cron zu­nächst ge­sagt, nichts sei ga­ran­tiert, erst recht nicht ein lan­ger Auf­schub. Aus fran­zö­si­schen Di­plo­ma­ten­krei­sen hieß es, er ha­be sein State­ment da­mit be­gon­nen, er kön­ne sei­ner Haus­meis­te­rin („Con­cier­ge“) nur schwer er­klä­ren, war­um die 27 EU-Part­ner sich auf ei­ne be­fris­te­te Ver­län­ge­rung fest­ge­legt hät­ten, die­se jetzt aber oh­ne er­kenn­ba­re Ver­än­de­rung in Lon­don ver­län­gern woll­ten. Juncker soll sar­kas­tisch er­wi­dert ha­ben, er ha­be kei­ne „Con­cier­ge“, da­her müs­se er ihr auch nichts er­klä­ren. Tusk, dem bei der Ver­dol­met­schung „Con­cier­ge“ of­fen­bar durch „Putz­frau“ über­setzt wur­de, soll ge­sagt ha­ben, er put­ze zu Hau­se selbst.
Wie übersetze ich den Be­griff für etwas, das es in anderen Län­dern so nicht gibt. Ich wähle Art­verwandtes und hoffe auf mi­ni­male In­halts­ver­schie­bung und darauf, dass der Be­griff nicht in den Focus des Ge­sprächs gelangt.


Ich nehme mal an, dass es das Wort Concierge nicht auf Polnisch gibt. Vermut­lich hätte ich „Haus­meister“ gewählt, den gibt es min­destens in Fa­bri­ken und Büros. Im Eng­li­schen kommt das Wort im Kontext lu­xu­riöser Wohn­an­la­gen vor, da ist es ein ge­ho­be­ner Em­pfang (in ge­ho­be­nen Wohn­häu­sern), der Gäste abwim­melt, Taxis ruft und die Abholung von Wä­sche­rei­wäsche ver­an­lasst. Ähnliche Aufgaben über­neh­men in Deutschland Con­cier­ges in Hotels.

In Frank­reich ist die meist weibliche Concierge der Zerberus im Erd­ge­schoss, sie über­wacht die Tür, über­nimmt die Post und Schlüssel für Hand­werker, nimmt Post und manch­mal auch das eine oder an­dere Kind ent­gegen. Sie wischt Trep­pen, Ein­gang und Hof, stellt die Müll­ton­ne raus und weiß im Haus be­scheid.

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Illustration: FAZ

Freibier!

Bonjour und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (stets ver­all­ge­mei­nernd) über den Be­ruf.

Freitag­vor­mit­tag, die Tages­dispo flat­tert in den Mail­post­kas­ten. Das klingt nach Film, "die Dispo", the call sheet, la feuille de présence. Es ist mein Ta­ges­plan für heute. In ei­ner Spal­te steht das da:


Also nicht ganz so, der Text stammt aus der Dispo, die Il­lus­tra­tion von pixlr.com. Ja, kann man machen. Die hier berich­tende Dol­met­scherin und Moderatorin sagt indes: Alkohol erst nach der Arbeit. Alkohol bei der Arbeit: Nie.

Soweit es mich angeht jedenfalls. Aus Gründen des Ge­ra­de­aus­spre­chens. Mehr ist zu dem Thema nicht zu sagen. Damit habe ich das Thema für diesen Blog­post er­schöp­fend be­ar­bei­tet.

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Illustration: Festival und C.E.

Donnerstag, 4. April 2019

Mutters Sprache

Bonjour und hello und guten Tag! Was Dol­met­scher und Über­setzer so alles er­le­ben, können Sie hier mitlesen. Manchmal braucht ein Kompliment etwas, bis es bei mir ankommt. 

Die Kundin, die 25 Jahre jünger ist als ich: "Sie spre­chen wie meine Mutter!" Ich muss darauf vor Schrecken die Augenbrauen sehr zusam­men­ ge­zogen haben. Wie sprechen Mütter? Oft wissen sie die Dinge besser (oder meinen das zu­mindest). Aber ich hab doch gar nichts kom­men­tiert, hin­ter­fragt oder vor­­sich­tig Hin­weise gegeben?

"Ich mein' das positiv. Das ist ein ganz anderes Fran­zösisch!", sagt sie weiter. Die junge Frau hat ihr Studium gerade be­endet, wofür sie auch länger im eng­lisch­spra­chi­gen Ausland war, und ar­beitet jetzt als Unterneh­mens­be­raterin. "Sie verwenden Wörter und Begrif­fe, die meine Gene­ration oft gar nicht mehr kennt. Also so rich­tig echtes Fran­­zösisch. Wie im Radio oder im Theater."

Gesehen in Kreuzberg
Naja, dort habe ich ge­lernt und lerne täg­lich weiter, dort arbeite ich manch­mal auch. Der Arbeit­geber der Kundin ist ein bekanntes  international tätiges Un­ter­ne­h­men. Und die junge Frau kauft sich gerade eine Wohnung, die 6000 Euro pro Qua­dratmeter kostet, nicht klein, in Ku­damm­­nähe.

Vermutlich wird ihr am Ende meine be­schei­dene Kosten­note zu teuer sein. Hatte ich neulich erst. Teure Ober­schicht­hoch­zeit, und dann nachträg­lich in Viertelstun­den­häpp­chen feilschen wollen. Dabei sind von jeder neuen Stunde bei mir die ersten 15 Minuten gratis. Eine weitere (vol­le) Stun­de be­­rech­ne ich erst ab der 16. Mi­nu­te. Kulanz.

Ergän­zung: Meine Befürch­tungen waren zum Glück völlig un­be­rechtigt. Die jun­ge Fran­zö­sin hat ein zwe­ites Mal über­rascht, wie schön! Sie hat mich um Lese­tips ge­be­ten, um et­was für ihre Mut­ter­spra­che zu tun.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 3. April 2019

Blühpflanzen

Bon­jour, wel­come, gu­ten Tag! Hier le­sen Sie No­ti­zen aus dem All­tag ei­ner Kon­­fe­­renz­­dol­­met­sche­rin und Über­set­ze­rin. Ich arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen). Neben Wirtschaft, Politik und Kultur zählen Öko­land­bau und Bodengesundheit zu meinen Fachgebieten.

Viele bunte Blumen, weißgekleideter Herr mit bunter Plastikgießkanne
Blumen stehen Spalier
"Schön muss es aus­se­hen!", sagt der La­den­in­ha­ber in der West-City, als er die Blüm­chen gießt, die in Reih und Glied vor sei­ner Tür ste­hen. Ich stolpere nach einem Dol­metsch­ein­satz gerade aus einem benachbarten Büro. Als Naturfreunde kommen wir ins Gespräch. Ich frage ihn, ob er von der Ge­fahr für die Bie­nen weiß, die von vielen Ge­wächs­haus­blu­men aus­ge­hen. Seine knappe Antwort darauf ist lei­der typisch.

Er sagt: "Mir doch egal, Haupt­sa­che, es sieht schön aus!" und geht rein, um neues Wasser zu holen. Ich schaffe es gerade noch, ein freundliches Wort des Abschieds zu sagen. Der Mann meint es ja nicht böse. Er steckt nur wie so viele andere im täglichen Überlebenskampf.

Andere Menschen suchen die Blühpflanzen für die Bal­kon­käs­ten sorgfältig aus, um bewusst die Bienen zu füttern. Viele wissen nichts von den Kollateralschäden aus den Laboren. Dass sie die Bienen damit mög­li­cher­wei­se gefährden, wissen sie nicht. Ge­fahr droht aus den meisten ge­werb­li­chen Gärtnereien: 2014 waren mehr als 80% der in der Schweiz getesteten Blühpflanzen aus den Gar­ten­cen­tern mit Neo­niko­ti­noi­den belastet; Agrargifte, die toxisch auf Bienen wirken. Heute (und außerhalb der Schweiz) dürfte es kaum besser gewor­den sein, der Ver­brauch von Um­welt­gif­ten steigt.

Neue Blüten für den Schattenhofgarten
Neues Misstrauen gegen Pflanzen von 2018
Der Direktor des "Pa­pi­lio­ra­ma" im Berner Seeland (Schweiz), Biologe Caspar Bi­jle­veld, er­in­nert re­gel­mä­ßig daran, dass die­se Pestizide für In­sekten drei- bis sie­ben­­tau­send mal gif­ti­ger wirken als DDT, von dem sich bis heute Rück­stän­de in den Böden finden.

Die Fol­gen sind bekannt: 2018 haben 30 Prozent der Bie­nen­völ­ker Frank­reichs den Winter nicht überlebt. (Normal wäre ein Verlust von etwa zehn Prozent.) Die Schmet­ter­lings- und Libel­len­po­pu­la­tionen nehmen genauso ab wie die Arten und Popu­lationen der Vögel und der Fi­sche. Neuen Stu­dien zufolge könnten Res­te von Neo­ni­ko­ti­noi­den in Pflanzen auch für Säu­ge­tie­re gesund­heitlich ge­fähr­lich sein.

Blick auf einen begrünten Hof
Hofgarten mit Giersch (2018)
Damit bin auch ich wieder mitten im Garten­jahr. Frühling bedeutet, zunächst als Aus­gleichs­sport zu Schreibtisch und Kabine im Hofgarten den Giersch zu entfernen. Giersch hat rhizom­artige Wurzeln, die sehr ein­fach brechen. Es ist eine Auf­ga­be für künftige Zen-Meis­ter. Und dann heißt es, sich um die ei­ge­nen Sä­­me­rei­en und Steck­linge zu küm­mern. Ich verwende Bio­saat­gut aus länd­li­cher Produktion. Im In­ternet gibt es Quel­len, man­cher Bio­markt hat auch Sä­me­rei­en im An­ge­bot. Da vie­le Sa­men­ar­ten öffentlich oft nicht verkauft werden dürfen, ohne eine (teure) Li­z­enz­­num­mer zu haben, sind es oft Vereine, die sich des Saat­guts an­neh­men, die Tausch­rin­ge or­ga­ni­sie­ren und ih­re Mit­glie­der versorgen.

Erste Men­schen­pflicht ist da­her heu­te: Aus­sä­hen, ver­schen­ken, tau­schen und pfle­gen von ge­sun­den, un­be­han­del­ten Blüh­pflanzen. Und wer keine Topf­blu­­men mag oder viel­leicht keinen Bal­kon hat, der kau­fe eine mit­tel­große Aus­wahl an Kü­chen­kräu­tern im Bio­la­den seines Ver­­trauens, stel­le sie auf die Fens­ter­bank, si­che­re sie gegen Run­terfal­len bei star­ken Wind­böen ab, gieße ge­­le­gent­­lich ... und lasse sie dann fröh­lich ins Kraut schießen!

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Fotos: C.E. (z.T. Archiv)

Dienstag, 2. April 2019

Jemanden shanghaien

Will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Fran­zö­sisch­dol­metscherin und -übersetzerin mit Hauptarbeitsort Berlin. Hier können Sie Einblicke nehmen in unseren Alltag, zu dem auch das Auf­schrei­ben von Be­grif­fen zählt. Bis sie am Tag X dann plötz­lich ge­braucht wer­den.

Wider sei­en Willen je­man­den zu etwas ver­pflichten, das lässt sich in ei­nem Verb zu­sam­men­fas­sen.

Der Begriff kommt aus dem Eng­lischen, to shanghai someone: Je­man­den zur Arbeit zu ent­füh­ren. Der Be­griff ist See­manns­sprache. Der Le­gen­de nach wurden im chi­ne­si­schen Shang­­hai Ma­tro­sen in Bars be­trun­ken gemacht und dann auf See­len­ver­käufer verschleppt, al­te Schif­fe, die dann ab­ge­legt haben. Aus­ge­nüch­tert beka­men die Ma­tro­sen die an­geb­lich von ihnen un­ter­schrie­benen Ar­beits­ver­träge unter die Nase ge­halten. Ein Rück­tritt vom "Vertrag" war ohne­hin nicht mög­lich, das Schiff be­reits auf of­fe­ner See.

An­geb­lich soll diese Art der gewalttätigen An­heue­rung in der chi­ne­si­schen Ha­fen­stadt Schanghai be­son­ders häufig vor­ge­kom­men sein, so das deut­sche Wiki­pedia. Das englisch­spra­chige Wikipedia schreibt: The shang­haied per­son would wake up and find himself at sea, often on a long trip like to Shanghai ...  Dass das "Shang­hai­en" vom Ziel­ha­fen kommt, ist eine an­de­re Les­art.

Was ler­nen wir daraus? Wiki­pedia ist eine Quelle unter an­de­ren und eben nicht so sicher wie einst Meyers Konversations-Lexikon.

Schon lan­ge wollte ich den Be­griff mal in eine Über­set­zung ein­bauen. Tscha­ka, diesen Punkt auf der Liste darf ich jetzt strei­chen. Es geht um Film­auf­nah­men für ein ak­tu­el­les Por­trait­pro­jekt.

Als Excel-Spalten in ein docx-Dokument gesetzt (oder "Pages", die Apple-Variante)

Und noch eine Trou­vail­le in Sa­chen kri­ti­sche Hinter­fragung von In­ternet­quellen. Albert Einstein: "Der ers­te April ist tra­di­tio­nell der ein­zi­ge Tag im Jahr, an dem die Men­schen die Din­ge, die sie im In­ter­net fin­den, kri­tisch hin­ter­fra­gen, bevor sie sie als Wahr­heit zur Kennt­nis neh­men."

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Illustration: Büro C.E.

Montag, 1. April 2019

Mot d'esprit

Im 13. Jahr blog­ge ich hier da­rü­ber, was Dol­­met­­scher und Über­­setzer ma­­chen und auch darüber, wie sie bzw. wir ar­bei­ten. Bon­jour, wel­come, gu­ten Tag auf mei­nen Blog­sei­ten. Ich ar­beite als Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und Fran­zö­sisch­über­set­zerin in Ber­lin, Pa­ris, Mün­chen, Mar­seille und dort, wo mei­ne Kun­den mich brau­chen.

Das Wort mot d'esprit heißt auf Deutsch ... ein "Bon­mot". Die Her­kunft des Be­griffs dürf­te klar sein. (In Fran­kreich ist le bonmot wei­ter­hin be­kannt. Das ist des­halb er­wäh­nens­wert, weil es pseu­do­fran­zö­si­sche Be­grif­fe gibt, die in Frank­kreich nie­mand kennt, z.B. das Wort "Friseur".)

Heute zi­tie­re ich mei­nen früheren Kol­legen, den Jour­na­lis­ten Pas­cal Thi­baut:


Das war mein Bei­trag zum 1. April, kein April­scherz, son­dern der April­sprach­witz. Merci beaucoup, Pas­cal !

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Illustration: Pascal Thibaut

Erreichbarkeit

Seit 13 Jahren blogge ich hier auf Blogspot.com, das ist kein Aprilscherz. Im verflixten 13. Jahr gibt es jetzt sogar einen Direktlink zu mir.

Und aus Gründen der Vermeidung unerwünschter Zusendungen über den Umweg dieser Seite. Am besten bin ich per Mail erreichbar, wenn's schnell gehen soll, natürlich per Mo­bil­te­le­fon. Sollte ich nicht drangehen, bitte eine Text­nachricht senden, ich rufe zurück!

Caroline Elias
Mobil +49(0)172 499 8902
caroline@adazylla.de

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Foto: folgt