Freitag, 12. April 2024

Bonjour ...

... und herz­lich will­kom­men auf mei­ner Blog­sei­te! Was Dol­met­scher und Dol­met­scherin­nen be­schäftigt, kön­nen Sie hier seit 2007 mit­le­sen. Das neu­e Jahr nimmt Fahrt auf!

Dol­mets­chen bei Kon­gres­sen, für den Po­li­tik­be­trieb, auf De­le­ga­tions­rei­sen, bei ad­mi­nis­tra­ti­ven Vor­gängen, in der Kanz­lei oder im Kran­ken­haus, bei Werks­be­sich­ti­gun­gen und Hin­ter­grund­ge­sprä­chen — un­se­re Ein­sät­ze sind über­aus viel­fäl­tig.

Grüne Jalousien, grüne Vase, Garten mit Hortensien
Frühjahr
Da­bei über­tra­gen wir In­hal­te kon­se­ku­tiv (in Sprech­pau­sen hin­ein) oder si­mul­tan (na­he­zu zeit­gleich).

In den letz­ten Jah­ren sind wir im­mer öft­er auch online gefragt. Da diese Über­tra­gungs­art für alle an­stren­gen­der ist, klei­ne Mo­ni­tor­bil­der, ge­stauch­te und damit un­na­tür­liche Stim­men, Rau­schen oder Echos, sind die­se Ein­heiten meis­tens kür­zer als nor­ma­le Ein­sätze.

Zur Pla­nung Ihres Dol­metsch­be­darfs erreichen Sie uns be­quem per Mail an info@adazylla.de.

Es gibt keine Bü­ro­sprech­stun­den

Wir freu­en uns auf Ihre An­fra­ge!


Bit­te be­ach­ten: Krea­ti­ve Tex­te über­tra­ge ich selbst nur ins Deut­sche; an­de­re Spra­chen deckt un­ser Netz­werk ab. Do­ku­men­te be­ar­bei­ten Kol­le­gin und Kol­le­ge au­ßer­halb Ber­lins (im Post­ver­kehr).

Da wir nicht nur Spra­char­bei­terin­nen und Sprach­ar­beiter sind, son­dern auch Men­schen, die be­ob­ach­ten und Ihre Epo­che do­ku­men­tieren, fin­den Sie auf den fol­gen­den Sei­ten mein mit­un­ter sub­jek­tiv ge­präg­tes Ar­beits­ta­ge­buch.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 11. April 2024

Interkulturelle Kommunikation

Sie le­sen hier in ei­nem Blog aus der Ar­beits­welt, ge­nau­er: aus dem All­tag ei­ner Dol­met­sche­rin. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­si­sch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Heu­te geht es wei­ter mit Hin­ter­grund zu un­se­rem Be­ruf, von dort aus wir­ken wir, buch­stäb­lich.

Fahnen (D, F), Stühle, Konferenztisch, Mikro
Hintergrund
An ei­nem Nach­mit­tag die­ser Wo­che in Ber­lin: Deut­sche und Fran­zo­sen sit­zen um einen Tisch he­rum, es geht um ein ge­mein­sa­mes Ziel. Es wird nach­ge­dacht, ver­han­delt, sor­tiert. Die Fran­zo­sen ver­fü­gen in ei­nem zen­tra­len The­ma über mehr Hin­ter­grund­wis­sen und über Da­ten.
Die deut­sche Sei­te fragt durch die Blu­me nach. Sehr durch die Blu­me.

Dann ha­ben wir eine Pau­se. Es wer­den Da­ten und Do­ku­men­te gemailt und Hin­ter­grund­ge­sprä­che ge­führt. An­schlie­ßend fragt die deut­sche Seite er­neut nach, denn die­ses Hin­ter­grund­wis­sen ist im­mer noch nicht mit al­len ge­teilt wor­den (wa­rum auch im­mer). Die Nach­fra­ge fällt wie­der sehr höf­lich aus.

Al­ler­dings war das zu höflich. Die Mes­sa­ge ist nicht an­ge­kom­men. Die Deut­schen sind lang­sam ein we­nig en­er­viert. Je­mand muss ih­nen ge­sagt ha­ben, dass man bei Fran­zo­sen nicht mit der Tür ins Haus fal­len soll. Ich ken­ne die Fran­zo­sen und er­mu­ti­ge ei­ne deut­sche Teil­neh­me­rin in der Mit­tags­pau­se, die Sa­che et­was di­rek­ter an­zu­spre­chen.

Al­ler­dings geht sie auf mei­nen Vor­schlag nicht ein. Die De­bat­te ei­ert wei­ter­hin um die kon­kre­te Fehl­stel­le: Nicht al­le ver­fü­gen über das glei­che Hin­ter­grund­wis­sen. Lang­sam nervt's mich. Es schleicht sich hier ein ge­rei­zter Un­ter­ton ein, dort Über­ra­schung. Das ist nicht schön zu dol­met­schen.

In der nächs­ten Pau­se tref­fen die Kol­le­gin und ich zu­fäl­lig an je­nem Ort die Lei­te­rin der fran­zö­si­schen De­le­ga­ti­on, wo die männ­li­chen Mit­glie­der bei­der De­le­ga­tio­nen nicht hin­kom­men. Wir ha­ben schon oft für sie ge­ar­bei­tet. Beim Hände­wa­schen re­den wir un­ter Frau­en Tache­les, al­ler­dings nur in der kon­junk­ti­vi­schen Fra­ge­form (al­so al­les an­de­re als di­rekt). Sie: "Ach so, jetzt ver­ste­he ich! Dan­ke, dass Sie das so di­rekt an­ge­spro­chen ha­ben."

Sie ver­lässt ei­lig den Wasch­raum, geht an ih­ren Com­pu­ter, dann in den Neben­raum, wo Kaf­fee, Tee und Ku­chen ge­reicht wer­den. We­nig spä­ter se­he ich ein ers­tes er­leich­ter­tes Ge­sicht auf deut­scher Sei­te, dann macht sich dort hei­te­re Stim­mung breit. Und weil wir Dol­met­sche­rin­nen so­was an­geb­lich nicht tun (dür­fen), ha­be ich hier auch Ort, Zeit und Han­deln­de ein we­nig ver­frem­det. Sonst stimmt al­les.

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Foto: C.E.

Montag, 8. April 2024

Montagsschreibtisch (37)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ich bin Dol­met­sche­rin, ar­bei­te mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, ha­be Deut­sch als Mut­ter­spra­che. Seit 2007 blogge ich hier zum Thema, wie Dol­met­scher le­ben und arbeiten (und na­tür­lich die Dol­met­sche­rin­nen, wir sind im Be­ruf in der Über­zahl). Der Ter­min­ka­len­der füllt sich lang­sam.

Balkon mit Palme und Monstera, auf dem Tisch Vokabellisten
Arbeiten im Grünen
Auf dem Schreib­tisch:

⊗ Agro-Öko­lo­gie, Vor­be­rei­tung von Ter­mi­nen und Zu­sam­men­füh­rung zwei­er Le­xi­ken
⊗ In­sol­venz­recht (Be­grif­fe nach­tra­gen)
⊗ Agroforstwirtschaft: Viel lesen ...
⊗ Kul­tur Frank­reich/Deutsch­land
⊗ Kos­ten­vor­an­schläge schrei­ben
⊗ Filme vor­stel­len und Ge­sprä­che mo­de­rie­ren/dol­met­schen
⊗ Vor­be­rei­tung der Sai­son: Klei­dung, Reise­né­ces­saire und an­de­re Din­ge durch­sehen



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Foto: C.E.

Sonntag, 7. April 2024

Sonntagsruhe

Seit 2007 be­schrei­be ich hier mei­nen in­ter­kul­tu­rel­len Ein­satz im Sprach­be­reich. Wir sind ein Netz­werk, Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen, Über­set­zer und Über­set­ze­rin­nen. Ne­ben der münd­li­chen Über­tra­gung, dem Dol­met­schen, über­set­ze auch Tex­te (FR>DE und EN>DE); die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Sonn­tags wer­de ich hier pr­ivat: Sonn­tags­bild!

Der Flieder blüht, das ist viel zu früh! Nor­ma­ler­wei­se wäre das erst ab der zwei­ten Mai­hälf­te der Fall. Wa­rum ich das weiß? Weil mei­ne Mut­ter an ei­nem 15. Mai ge­bo­ren wur­de und der Flie­der ih­re Lieb­lings­blume ist, sie lan­ge nur dann ei­nen Flie­der­strauß auf dem Ga­ben­tisch vor­fin­den konn­te, wenn sie Glück hat­te und der Flie­der sehr zei­tig in sei­ner Blü­te stand.

Die Ve­ge­ta­ti­on ist die­ses Jahr fünf bis sechs Wo­chen zu früh dran. So er­weist sich der Sonn­tags­spazier­gang, der ei­gent­lich der Er­ho­lung die­nen soll, für den kla­ren Kopf nicht nur als ge­such­te, will­kom­me­ne Ab­len­kung vom All­tag. Die Na­tur wirft uns den Kli­ma­wan­del vor die Fü­ße und vie­le, all­zu viele, wol­len es noch im­mer nicht se­hen.

Ne­ben be­wuss­ten Aus­zei­ten ist ge­sun­der Schlaf ein wich­ti­ges The­ma in mei­nem Be­ruf. Es gibt Be­rufs­fel­der, bei de­nen ist gu­tes Schla­fen­kön­nen eine Grund­vor­aus­set­zung, Me­di­zin, Me­di­en, so­zia­le Arbeit ... zu letz­te­rem zäh­le ich oft ge­nug un­se­ren Be­ruf. Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen über­stra­pa­zie­ren mit­un­ter das ei­gene Ge­hirn. Kur­ze Pau­sen zwi­schen­durch sind sehr hilf­reich. Nicht so hilf­reich: Wenn sich im Ta­gungs­ho­tel oder Kon­fe­renz­zen­trum kei­ne ru­hi­ge Ecke fin­den lässt. Auch zwi­schen meh­re­re Pha­sen von Power lear­ning le­ge ich oft klei­ne Power nap­ping-Pha­sen ein, also in­ten­si­ve Lern­pha­sen mit zwi­schen­ge­schal­te­tem Schlum­mer­vier­tel­stünd­chen. Das geht zum Bei­spiel im Ru­he­be­reich der Bahn (so­fern die Mit­rei­sen­den sich an die Ru­he­vor­gabe hal­ten).

Bett, Lampe, Wand, alles hell, schlicht und freundlich
Ruhiges Schlafzimmer

Für gu­ten Nacht­schlaf emp­feh­len sich ei­ne gu­te Nacht­hy­gie­ne, Rou­ti­nen, we­nig Rei­ze vor dem Schla­fen­ge­hen, vor al­len Din­gen aber Blau­licht ver­mei­den (TV-Krimi oder ein bläu­lich schim­mern­der, laufender Com­pu­ter­mon­it­or). 

Und dann ent­span­nen­de Ge­dan­ken, etwas Yo­ga und/oder Bild­bände. Bei mir ge­ra­de der Ren­ner: In­nen­ar­chi­tek­tur. Früher wa­ren's eher Na­tur­bücher.

Die ro­sa­far­be­nen Blätt­chen der ja­pa­ni­schen Kirsch­en rie­seln gerade zu Bo­den, die Mag­no­lien­blü­te ist längst pas­sé. An­de­res steht auch in vol­ler Blü­te, das nor­ma­ler­wei­se ge­staf­felt blü­hen würde. Doch die Prob­le­me sind erst mor­gen wie­der dran!

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Foto: C.E.

Mittwoch, 3. April 2024

Fraktur reden

Will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und -über­set­ze­rin mit Haupt­ar­beits­ort Ber­lin. Hier kön­nen Sie Ein­bli­cke in un­se­ren All­tag er­hal­ten, denn die Be­ru­fe der Dol­met­sch­er und Über­set­zer / Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen sind oft nicht gut be­kannt. Ein Teil der Auf­ga­ben ist das Sam­meln von Vo­ka­beln und das Be­ob­ach­ten sprach­li­cher Nu­an­cen, die sich ver­än­dern kön­nen.

Frak­tur­schrift (Buch­laden­wer­bung)
Heute eine schnel­le Voka­bel­no­tiz zum The­ma von ges­tern. Wer zu je­man­dem "Du re­dest Frak­tur" sagt, möch­te damit aus­drü­cken, dass das Gegen­über sich be­son­ders ge­stelzt und kom­pli­ziert aus­drückt, so kenne ich den Be­griff. Das ist die mo­der­ne In­ter­pre­ta­ti­on der Re­de­wen­dung, die sehr alt ist.

Der­ma­le­inst (= früher) hat der Be­griff exakt das Ge­gen­teil be­deu­tet. "Du sprichst Frak­tur" war da­mals gleich­zu­set­zen mit 'deut­lich wer­den', 'Klar­text spre­chen', sich 'ohne Um­schweife aus­drücken'. 

Da­mals konn­ten in Deutsch­land alle, die le­sen konn­ten, Frak­tur­schrift leicht ent­zif­fern. 

Wer Frak­tur sprach, wur­de deut­lich. An­stö­ßi­ge Be­grif­fe oder fremd­sprach­li­che Ter­mi­ni, die nicht allen be­kannt wa­ren, oder die nicht "ju­gend­frei" wa­ren, wur­den in la­tei­ni­scher Spra­che wie­der­ge­ge­ben. Auf al­ten Buch­sei­ten se­hen wir diese Wör­ter, in la­tei­ni­sche Buch­sta­ben ge­setzt, die sich vom Frak­tur­text im Schrift­bild ein­deu­tig ab­he­ben. Eine sol­che Seite werde ich hier dem­nächst nach­tra­gen, jetzt mag der ge­stern er­wähn­te Tüten­auf­druck ein­er Buch­handels­ket­te als Bei­spiel für alte Frak­tur­schrift genü­gen.

Auf Fran­zö­sisch würde ich für 'ge­stelz­ten Stil' üb­ri­gens style ta­ra­bis­co­té sagen, ge­schraubt, ver­sch­nör­kelt, über­la­den. Das Ge­gen­teil da­von, 'Klar­text re­den', wäre dann en ter­mes très clairs oder un lan­ga­ge clair oder pour mettre les choses au clair.

Im Fran­zö­si­schen ein Aus­druck mit clair al­so, das mit un­se­rem deut­schen Wort 'klar' ver­wandt ist, weil bei­des auf das la­tei­ni­sche clārus zurück­geht: hell, leuch­tend, deut­lich ...

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Il­lus­tra­ti­on:
Hu­gen­du­bel

Dienstag, 2. April 2024

Reise durch Raum und Zeit

Bon­jour, hel­lo und gu­ten Tag auf dem ers­ten Web­log Deutsch­lands aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin­nen rei­sen nor­ma­ler­wei­se viel, hin­zu kom­men pri­va­te Ver­pflich­tun­gen. Mein All­tag be­steht oft aus Rei­sen.

Abend­rou­ti­nen und Mor­gen­rou­ti­nen, die kom­men stets in den Kof­fer mit rein, wenn es auf Dienst­rei­se geht.

Reisefertig

Ich ha­be ein Köf­fer­chen, das im­mer fer­tig ge­packt auf Kurz­ein­sät­ze in der "Ab­sei­te" über dem Wohn­ungs­ein­gang war­tet, da­rin al­les, um von Kopf bis Fuß vor­be­rei­tet zu sein, als da wä­ren: mein klei­nes Rei­se­kis­sen, frisch be­zo­gen und mit zwei­ter Hül­le, so­wie Bau­stel­len­schu­he für be­son­de­re Ein­sät­ze, in der Plas­tik­tü­te ei­ner Buch­hand­lung. Plas­tik­tü­ten wer­den lang­sam sel­ten. Die­ses Ex­em­plar ist recht alt, aber nicht so alt, wie es aus­sieht, denn es sind Frak­tur­buch­sta­ben drauf­ge­druckt.

Packta­schen

Im Kof­fer be­fin­den sich auch tex­ti­le Pack­ta­schen für Wä­sche, dün­ne Le­der­haus­schu­he aus Ma­rok­ko in ei­ner Wachs­tuch­ta­sche so­wie ein klei­ner "Kul­tur­beu­tel" mit Zahn­putz­ta­blet­ten in ei­nem win­zi­gen Dös­chen, da­zu ein klei­ner Tie­gel Haut­creme, ein hand­ge­säg­ter Horn­kamm, Oh­ro­pax und die Schlaf­ma­ske.
In ei­nem Me­tall­dös­chen steckt das über Wo­chen klein ge­wor­de­ne Stück Haar­sei­fe aus Kreuz­küm­mel­öl so­wie ein ähn­lich re­du­zier­ter fes­ter Deo-Cube aus na­tür­li­chen Zu­ta­ten der fran­zö­si­schen Fir­ma La­ma­zu­na (oh­ne un­nö­ti­ge Ver­packung).

Schulbuchfigur Grete auf dem Weg ins Bett, im Bad, beim Anziehen
Häus­li­cher All­tag



Vor Dienst­rei­sen wer­fe ich nur noch ein, zwei, drei Klei­dungs­stü­cke in die Pack­ta­sche, im Som­mer flache Schu­he in eine ge­son­der­te, Sie ah­nen es, Schuh­ta­sche, packe die Zahn­bürs­te in die Bam­bu­s­röh­re, in der sie auf Rei­sen wohnt, dann be­fül­le ich Trink­fla­sche und Vor­rats­box (bei­des aus Edel­stahl). Ich brau­che dafür et­wa fünf Mi­nu­ten. 

 Einfaches Packen

Frü­her war mei­ne Pack­zeit be­reits auf 25 Mi­nu­ten ge­schrumpft, aber in den Jah­ren des Pen­delns in der Fa­mi­li­en­zeit ha­be ich das op­ti­miert. Auf Rei­sen hat al­les sei­nen Platz, so­gar, was die La­ge im Kof­fer an­geht. In der klei­nen Vor­der­ta­sche sind Re­gen­schirm, Stoff­tü­cher, Des­in­fek­ti­ons­gel und Mund­schutz (plus Vor­rat), ich weiß ja nie, wem ich un­ter­wegs so be­geg­ne, die ak­tu­el­le Lek­tü­re kommt hin­zu, fer­tig!

Schnel­lig­keit

Auch im Ruck­sack hat al­les sei­nen an­ge­stamm­ten Platz. Das al­les mag ma­ni­sch wir­ken, es geht mir hier aber nur um Rou­ti­nen und Schnel­lig­keit. Ich fin­de so­gar im Halb­dun­kel ei­nes Ta­xis mit einem Griff, was ich su­che. Und mit Rou­ti­nen und Schnel­lig­keit ha­be ich ja im Dol­met­schen gu­te Er­fah­run­gen ge­macht, das Gan­ze schlicht er­wei­tert. (In der Wohn­ungs­ord­nung bin ich noch nicht so weit, träu­me aber da­von.)

Frak­tur­schrift

Zu­rück zur Frak­tur, den al­ten go­ti­schen Buch­sta­ben auf der Plas­tik­tü­te fürs gro­be Schuh­werk. Die Bil­der­fol­ge oben zeigt die klei­ne Gre­te aus einem Schul­buch für das Fach Deutsch, das aus Frank­reich stammt, ge­druckt im Jahr des Mau­er­baus, also 1961. Eini­ges scheint dort noch alt­ba­cke­ner, als wir uns die frü­hen 60-er vor­stel­len. Und ir­gend­wie ein we­nig falsch.

Be­son­ders ir­ri­tiert mich näm­lich, dass die­ses Schul­buch in Frak­tur­schrift ge­setzt wor­den ist. Und die Schul­buch­lerntex­te sind auch be­fremd­lich. Ich ha­be den Text trans­kri­biert, mit dem Maus­zei­ger über das Bild ge­hen und er taucht auf.
Soll­te das nicht funk­tio­nie­ren, bit­te aufs Mi­ni­bild klicken ... 

75. — Gretes Morgentoilette. 1. Gestern Abend war Grete sehr müde. Sie ging früh zu Bett. Sie kleidete sich aus. Sie drehte das Licht aus und schlief sogleich ein. 2. Es ist 6 1/2. Grete erwacht. Sie springt rasch aus dem Bett. Sie geht ins Badezimmer, wäscht sich und bürstet ihre Zähne. Sie nimmt den Kamm und kämmt ihre Haare. 3. Nachher wird sie sich ankleiden. Sie wird ihren Rock und ihre Bluse, ihre Strümpfe und ihre Schuhe anziehen. Sie wird den Hut aufsetzen und zur Schule gehen.
A­bend- und Mor­gen­rou­ti­nen

Kritik am Inhalt

Das Licht dreht heu­te nie­mand mehr aus, hier fun­zelt noch das Öl­lämp­chen so­wie der Dreh­schal­ter lei­se mit, den die In­ge­nieu­re bei der Er­fin­dung von "elek­trisch Licht" zu­nächst bau­en lie­ßen. Heu­te ma­chen wir das Licht aus. Um 6 1/2 steht heu­te kei­ner mehr auf. Wie war das da­mals? Stand man wirk­lich um sech­sein­halb auf, oder doch eher wie heu­te um halb sie­ben? Auch Zäh­ne­put­zen vor dem Früh­stück er­scheint ir­gend­wie doof, un­nütz, außerdem heißt es 'Zäh­ne putzen' und nicht 'Zä­hne bürs­ten', auch wenn die Zahn­bürs­te wirk­lich so heißt. Das Wort "sich an­klei­den" ist al­ter­tüm­lich und kommt ge­spro­chen ma­xi­mal im "An­klei­de­zim­mer" (kurz: die An­klei­de) vor. Ich schät­ze mal, dass be­reits An­fang der 1960-er Jah­re "sich an­zie­hen" ge­sagt wur­de.

Mit dem Hut in die Schu­le, auch frag­lich. Bei Do­ku­men­tar­auf­nah­men der 1920-er und 30-er Jahre tra­gen in der Tat fast al­le ei­ne Kopf­be­de­ckung. Aber es­sen müs­sen Schul­bruch­gre­ten of­fen­bar nicht, ih­re be­son­de­re Stoff­lich­keit lässt sie zwar mü­de, nicht aber hun­gri­g wer­den.

Kritik an der Form

Vor al­lem ir­ri­tiert mich, dass fran­zö­si­schen Schul­kin­dern da­mals Frak­tur zu­ge­mu­tet wur­de, auch 'alt­deut­sche Schrift' ge­nannt. Die hat­ten die Nazis im Zug ih­rer Er­obe­rung Eu­ro­pas doch längst ab­ge­schafft ge­habt, sie sei, so der völ­ki­sche Hoch­mut, al­len au­ßer den Men­schen von 𝔱𝔢𝔲𝔱­𝔰𝔠𝔥𝔢𝔪 𝔊𝔢­𝔟lü­𝔱𝔥𝔢 nicht zu­mut­bar.

Mein Va­ter durf­te als Kind da­her gleich zwei­mal schrei­ben ler­nen. Nach ei­ner kur­zen Netz­re­cher­che ha­be ich auch das Da­tum: 3.1.1941. Die­se Herr­schaft­en be­zeich­ne­ten die Let­tern üb­ri­gens als "go­ti­sche Schrift", so wie sie heu­te auf Fran­zö­sisch noch hei­ßen, let­tres go­thi­ques.

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Il­lus­tra­tio­nen:
L. Bo­de­vin, P. Isler, Collec­tion
Deutsch­land, Vol. 1, Mas­son et Cie., Pa­ris
Schrift: www.font-ge­ne­ra­tor.de
Merci beau­coup à Di­dier Schei­be et à son épo­use !

Montag, 1. April 2024

Montagsschreibtisch (36)

Schreibtisch unter Ahnenbildern, auf dem Tisch steht auch ein Inhalator
Arbeiten unter Aufsicht
Bon­jour & hel­lo! Sie sind auf den Sei­ten ei­nes di­gi­talen Ta­ge­buchs aus der Welt der Spra­chen ge­lan­det, das es seit 2007 gibt. Was Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ma­chen, aber auch Über­set­ze­rin­nen und Dol­met­scher, be­schrei­be ich hier in loser Fol­ge. Ich bin Teil zwei­er gro­ßer Netz­wer­ke. Die­ses Früh­jahr sind wir wie­der im Auf­trag von Kun­d:in­nen un­ter­wegs. Noch herrscht nach­öster­li­che Ru­he.

Auf dem Schreib­tisch die­se Wo­che:
⊗ Lek­to­rat für einen Do­ku­men­tar­film über Anne Frank
⊗ Agro­forst­wirt­schaft / l'agro­fo­res­te­rie
⊗  Länd­li­che Ent­wick­lung in West­afri­ka
⊗ Ab­la­ge

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Foto: C.E.

Sonntag, 31. März 2024

Piepmatzrabatz

Ob zu­fäl­lig oder ge­plant: Sie sind mit­ten in ei­nem di­gi­ta­len Ta­ge­buch aus der Ar­beits­welt der Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen ge­lan­det, das seit 2007 be­steht — in In­ter­net­jah­ren ge­rech­net seit ewig. Ich dol­met­sche mit Deutsch als Mut­ter­spra­che be­vor­zugt in die fran­zö­si­sche Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Sonn­tags wer­de ich hier pri­vat.

Nach Ar­beits­ta­gen und -wo­chen vol­ler an­spruchs­vol­ler Her­aus­for­de­run­gen er­ho­le ich mich ger­ne in der Som­mer­er­wei­te­rung meiner Woh­nung, dem Bal­kon, sit­ze auf der Kom­post­kis­te oder ha­be die Pfo­ten in der Er­de, die Na­se an der fri­schen Luft.

Hier noch un­be­sucht: neu­e Be­wäs­se­rung
Bald wächst hier wie­der al­les kreuz und quer! Aber jetzt putze ich, dann mische ich Hu­muserde aus mei­nem Kom­post un­ter die Bal­kon­kas­ten­erde. Die dunkle, krü­me­lige Mi­schung ver­spricht meinen Pflan­zen eine gute Nähr­stoff­ver­sor­gung.

Da­bei höre ich dem Zwit­schern der Vö­gel um mich herum, Piep, Piep, Tschilp, Tschilp, Au­tos gibt es heute Mor­gen nur we­nige auf der Straße, nur ei­ni­ge Be­trun­kene fluchen tor­kelnd nach­hause. Die meis­ten Bäu­me sind noch kahl, hier und da sprie­ßen die ers­ten Blätt­chen. Das wich­tigs­te an den Bäu­men ist die Luft zwi­schen den Blät­tern, fällt mir wie­der mal auf. Noch seh­en wir durch Bäu­me hin­durch.

Da­bei höre ich nur Zwit­schern der Vö­gel um mich herum, Piep, Piep, Tschilp, Tschilp, Au­tos gibt es heute Mor­gen kaum auf der Stra­ße, nur zwei Be­trun­kene flu­chen tor­kelnd nach­hause. Die meis­ten Bäu­me sind noch kahl, hier und das ers­te Grün. Das wich­tigs­te an den Bäu­men ist die Luft zwi­schen den Blät­tern, fällt mir wie­der mal auf. Noch seh­en wir durch die Bäu­me hin­durch.

Auf dem Markt habe ich ei­ni­ge Ol­las ge­kauft, die tra­di­tio­nel­len Be­wäs­se­rungs­krüge aus Ton. Ich grabe sie in Blumentöpfe und -kä­sten ein, damit ich nach lan­gen Ar­beits­ta­gen und Tan­go­aben­den nicht im­mer ans Wä­ssern den­ken muss (die lie­ben Mit­men­schen über­las­sen mir das im­mer)!

Rasch die Er­de ange­feuch­tet und gleich auch et­was Saat­gut ver­teilt; einen Kaf­fee im "Jrünen" spä­ter geht's in die Kü­che zu an­deren Auf­gaben. Als al­les kö­chelt, schaue ich noch­mal aus dem Bal­kon­fen­ster raus. Was muss ich sehen?

Auf dem Bal­kon fin­det ein ve­ri­tab­les Fa­mi­lien­tref­fen statt! Ein Dut­zend Piep­mätze sitzt fröh­lich auf der Blu­men­topf­er­de, macht gro­ßen Ra­batz und lässt sich da­bei das Fest­mahl schmecken. Die Ol­las mit ih­ren noch ge­öff­ne­ten Fla­schen­häl­sen bie­ten eine ide­ale Vo­gel­trän­ke! Wenn die Mi­nia­tur­flug­sau­rier da drau­ßen so wei­ter­ma­chen, sind die Sa­men weg, bevor sie über­haupt eine Chan­ce hat­ten zu kei­men.

Ich las­se der Na­tur erst­mal ih­ren Lauf in der Hoff­nung, dass trotz der hun­grigen Vö­gel ei­ni­ge Sa­men­körn­chen kei­men und den Weg ans Ta­ges­licht fin­den werden. Ich könn­te auch die Kette mit den alten, CD-ar­ti­gen Da­tens­pei­chern aus der Kis­te ho­len, mal wieder vor dem Bal­kon­fen­ster auf­hän­gen und neu sä­hen.

Und ja, ich ge­be es zu, den gan­zen Blog­ein­trag ha­be ich nur we­gen eines Wor­tes ge­schrie­ben: Piep­matz­ra­batz.

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Foto: C.E.

Freitag, 29. März 2024

Wir sind dann mal lesen ...

Max liest (Jahr unbekannt)
Bon­jour, gu­ten Tag & hel­lo! Der Ar­beits­all­tag von Sprach­ar­bei­te­r:in­nen ist Ge­gen­stand des Web­logs. Mei­ne Spra­chen sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Wie Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, be­schrei­be ich hier seit 2007.

"Wo sind ei­gent­lich die Ker­le in dei­nem Blog?", fragt mich neu­lich ein Kol­le­ge. Er ist ei­ner der we­ni­gen Män­ner im Dol­met­scher­be­ruf. Hier kommt jetzt mal ein Mann, noch jung an Jah­ren, und bei ei­ner ganz wun­der­ba­ren Be­schäf­ti­gung.

Ich wün­sche ein schö­nes, ru­hi­ges, lan­ges Früh­lings­wo­chen­en­de!

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Foto:
Archiv Elias Lossow

Donnerstag, 28. März 2024

Sprachenlernen (8)

Sie le­sen hier in einem Blog aus der Ar­beits­welt, ge­nau­er: aus dem All­tag ei­ner Dol­met­sche­rin. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­si­sch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Heu­te geht es wei­ter mit Hin­ter­grund zum Spra­chen­ler­nen: mei­ne wich­tigs­ten Gol­de­nen Re­geln.

Aus Zuhörerinnen werden Leserinnen
Vor­wort zum Spra­chen­ler­nen: Wol­len Sie Kin­dern Bil­dung schen­ken und so das Er­ler­nen von Fremd­spra­chen er­leich­tern, ist zu­nächst wich­tig, die Erst­spra­che auf ho­hem Ni­veau zu ver­mit­teln. Spre­chen Sie viel mit­ein­an­der, hö­ren Sie zu, le­sen Sie vor und wid­men Sie sich auch ei­ge­ner Lek­tü­re, kurz: gön­nen Sie den Kids ein Auf­wach­sen wie "da­mals"!

Von den gan­zen High­tech-Gran­den in der Bay Area (USA) ist be­kannt, dass de­ren Kin­der ma­xi­mal einige Mi­nu­ten pro Tag an das ran­dür­fen, was die El­tern ent­wickeln, ab Grund­schul­al­ter für den ei­nen oder an­de­ren Kurz­film, sonst im Wald­kin­der­gar­ten mit Äst­chen und Stei­nen spie­len oder in der Wal­dorf­schu­le ein ana­lo­ges Le­ben füh­ren.

Kurz: sehr stren­ge Be­gren­zung der Nut­zung von High­tech in­klu­si­ve Fern­se­her ist eine der gol­de­nen Re­geln. Die Nicht­chen (und an­de­re mir be­kann­te Gö­ren) dür­fen beim In­ha­lie­ren was se­hen, and that's it. Der Zieh­sohn hat in Grund­schul­jah­ren die Kin­dernach­rich­ten ver­folgt ... und Wis­sens­ba­sier­tes se­hen dür­fen, vor­zugs­wei­se in Be­glei­tung ei­ner gro­ßen Per­son, da­mit dar­über ge­spro­chen wer­den konn­ten.

Die zwei­te, his­to­risch ge­se­hen ers­te Gol­de­ne Re­gel: vor­le­sen, vor­le­sen, vor­le­sen! Kin­der­bü­cher, Gö­ren ins Ge­spräch ver­wi­ckeln, Sa­chen auf­zei­gen, wenn sie die Ge­schich­ten aus­wen­dig ken­nen: va­riie­ren, Wit­ze ma­chen, das Ge­gen­teil des­sen be­haup­ten, was da drin­steht, bald auch Bü­cher "oh­ne vie­le Bil­der" aus­wäh­len, dar­um geht's.

Im Grun­de ist es egal, was vor­ge­le­sen wird, au­ßer na­tür­lich die gröbs­ten Ge­walt- und Ge­mein­hei­ten, schon bei den Grimm'schen Mär­chen ha­ben wir in der Fa­mi­lie seit Ge­ne­ra­tio­nen 'zen­siert', al­so ra­di­kal ab­ge­schwächt. Als mein Va­ter über den Schrift­stel­ler Wil­helm Hauff ge­forscht hat, las er mei­nen Ge­schwis­tern Hauffs Mär­chen vor (mit Zensur­stel­len und Zu­sam­men­fas­sun­gen).

Auch ei­ne bei den Gro­ßen be­lieb­te Sa­che (und tota­aaal ner­vig für Kids), ich er­in­ne­re mich bes­tens (woll­te schnell wiss­en, wie's wei­ter­geht): Mit Fra­gen un­ter­bre­chen. "Weißt du, was ein Nickelchen ist?" Kind nickt (wei­ter­lesen, ist sooo span­nend!), gro­ßer Mensch fragt: "Kannst du mir das er­klä­ren?" Kind ver­sucht sich in ei­ner Ant­wort oder re­det Blöd­sinn. Egal. Ge­mein­sam fin­den Groß und Klein eine Er­klä­rung. Beim Nickel­chen muss­te auch ich das Wör­ter­buch zu Rate zie­hen für die Über­prü­fung, denn ... sie­he un­ten. (In der Re­gel wer­den ein­fa­che­re Din­ge ge­fragt, die noch nicht oder ge­ra­de zum Welt­wis­sen von Kin­der­gar­ten- oder Schul­kin­dern ge­hö­ren.)

In Zwei­fels­fäl­len oder um die Kul­tur­tech­nik zu zei­gen: ge­mein­sam mit den Kids nach­schla­gen. Wich­tig ist die­se Lek­ti­on: Nie­mand kann al­les wis­sen und Un­wis­sen­heit ist kei­ne Schan­de son­dern nor­mal, ba­nal. "Ich muss nicht al­les wis­sen, muss aber wis­sen, wo's steht", war der Satz un­se­res Va­ters. Das ist der ers­te Schritt, spä­ter kommt die Quel­len­kri­tik.

Ein Mädchen liest vor einem Tisch und vor Regalen mit vielen Büchern
 Kersti im Ar­beits­zim­mer, Carl Larsson (1909)
Am Ess­tisch des schwe­di­schen Ma­lers Carl Lar­s­son stand, hier nicht im Bild, eine En­zyk­lo­pä­die in einem Ex­tra­re­gal, das Goo­gle­funk­tion der da­ma­li­gen Zeit. "Was sa­gen Kluge/Goet­ze da­zu?", wur­de bei uns am Ess­tisch oft ge­fragt. Fried­rich Klu­ge und Al­fred Göt­ze wa­ren die Au­to­ren ei­nes Nach­schla­ge­werks mit Her­kunfts­ablei­tung, des "Ety­mo­lo­gi­schen Wör­ter­buchs".

Die ak­tu­el­le Ver­sion des Buchs die­ses Ti­tels, in Ab­kür­zung heu­te nur noch "der Klu­ge", wird voll­stän­dig als kos­ten­pflich­tige App für An­droid an­ge­bo­ten. Stu­die­ren­de ha­ben kos­ten­lo­sen Zu­griff auf die Web­ver­sion: klick.

Vor­ge­le­sen wur­de bei uns bis in höhe­res Schul­al­ter, wenn der Pa­pa von der Ar­beit kam und vor dem Schlaf­en­ge­hen. Heu­te wird den Fräu­leins vor­ge­le­sen. Die Klei­ne braucht den Kör­per­kon­takt, sitzt auf dem Schoß, die Gro­ße legt sich im­mer früh in ihr Bett und schläft rasch ein.

Neu­lich sind wir auf dem Nach­hau­se­weg an ei­nem hell er­leuch­te­ten Wohn­zim­mer­fen­ster vor­bei­ge­kom­men, hin­ter dem ein sehr, sehr gro­ßes Bü­cher­re­gal zu se­hen war. Das klei­ne Fräu­lein, es war ge­nau zwei Jah­re, zwei Mo­na­te und zwei Ta­ge alt, sag­te mit Blick auf das Fen­ster: "Schau da, die vie­len schö­nen Bü­cher!"

Deutsch für Pro­fis
Nickel­chen, Nickelein — an­de­res Wort für Kind (aus der Zeit der Brü­der Grimm)
Nicke­lig­keit — Starr­sinn, Ego­is­mus oder das Er­geb­nis des­sel­ben (Wi­ki­pe­dia)
Nicker­chen — klei­nes Schläf­chen, Syn­onym: Sie­sta

... und nein, ich kann in kei­ner TV-Quiz­sen­dung zur Mil­lio­nä­rin wer­den, mir fehlt viel Po­pu­lär­wis­sen wie Schlager, Sport­facts, Au­to- und an­de­rer Mar­kenkrempel.

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Foto: Archiv Elias Lossow
Gemälde bei Art & Artists

Mittwoch, 27. März 2024

Der Kreuzweg

Bon­jour, hier bloggt ei­ne Lin­gu­istin. Ich ar­bei­te mit Deutsch (Mut­ter­spra­che), Franz­ö­sisch und Eng­lisch. In die Spra­che Shakes­pea­res über­setzt die Bü­ro­kol­le­gen, al­so ge­schrie­be­ne Tex­te, denn Über­set­zen ist Hand­werk, Dol­met­schen ist Mund­werk. Doch es gibt Über­schnei­dun­gen.

Red­ne­rin am Pult (KI-Bild "im Stil von Ma­tisse")
Eine Nicht-Mut­ter­spra­chler­in hält auf Deutsch ei­ne Re­de. Dann folgt, was auf Neu­deutsch eine "QNA-Ses­sion" heißt, ques­tions and ans­wers.

Sie be­schreibt eine kom­plexe La­ge als ech­ten Kreuz­weg. Nur noch we­nige Ta­ge tren­nen uns von Os­tern. Die be­rich­tende Dol­metsch­erin ist, was Re­li­gi­ons­din­ge an­geht, im All­ge­mei­nen nur "in der Schnell­blei­che" dar­über in­stru­iert, al­so rasch, in gro­ben Zü­gen, un­voll­stän­dig. Aber na­tür­lich ver­mag sie den Kreuz­weg als Begriff der Pas­sion Je­su ein­zu­ord­nen.

Auf Fran­zö­sisch ist der Be­griff für "Kreuz­weg" häu­fig auch in nicht­re­li­gi­ö­sen Kon­tex­ten zu hö­ren, das Wort le cal­vaire zu­min­dest wird oft im Sinne von "lan­ge Durst­strecke", "Lei­dens­weg", "ent­behr­ungs­rei­che Zeit" oder "schwe­re Prü­fung" ver­wen­det. Dann gibt es noch le che­min de croix, die wört­li­che Ent­spre­chung des deut­schen Worts 'Kreuz­weg', aber auch la cor­vée.

Fach­leu­te ken­nen le cal­vaire auch auf Deutsch, den "Kal­va­ri­en­berg", ein Wort, das auf Deutsch aus­schließ­lich im re­li­gi­ö­sen Kon­text vor­kommt.

Wenn ge­dol­metscht und über­setzt wer­den muss, ist es gut, dass wir Men­schen (an­ders als Ma­schi­nen) Vor­wis­sen ha­ben, Zu­sam­men­hän­ge er­ah­nen und be­sten­falls ein­schät­zen kön­nen, das Wis­sen um Mehr­fach­be­deu­tun­gen und auch um po­ten­zi­elle Fehler ha­ben und (beim Dol­metschen) im Zweifel­sfall ein Syno­nym wäh­len und dann, wenn die La­ge klar ist, den ein­deu­ti­gen Be­griff in ei­nen Neben­satz mit ein­flech­ten, also hin­ter­her­schie­ben.

Hier sind Dol­metschen und Über­setzen ähn­li­cher, als man­che an­neh­men. Bei der schrift­li­chen Über­tra­gung for­dert manch­mal die Lo­gik der Spra­che oder ei­ner Re­dewen­dung ei­ne klei­ne Ver­schie­bung; in der Sum­me aber müs­sen sich Vor­lage und Er­geb­nis ent­spre­chen, die Waag­scha­len aus­ge­gli­chen sein, und zwar bei bei­den Auf­ga­ben.

Die KI hätte ver­mut­lich schnell Nä­gel mit Köp­fen ge­macht. Ei­ne Per­son oh­ne den nö­ti­gen Kon­text in der Kar­wo­che mög­li­cher­wei­se auch. Zum Glück konn­te ich in der Vor­be­rei­tung einige Auf­sätze der Vor­tra­gen­den le­sen, kann­te al­so das ge­dank­li­che und ar­gu­men­ta­ti­ve Hin­ter­land un­se­rer Re­fe­ren­tin — was mir half, die Klip­pe ele­gant zu um­schif­fen.

Ich blieb so et­was län­ger im Va­gen bei mei­ner Ver­dol­metschung. Lei­der ha­be ich kein To­nauf­nah­me­ge­rät da­beige­habt (was auch schwi­erig ist, denn zwei Ton­spu­ren pa­ral­lel zeich­net wohl kein Con­su­mer­ge­rät auf), da­her blieb un­do­kumen­tiert, wie lan­ge ge­nau. Man­che Aus­gangs­begrif­fe ha­ben ei­ne ge­wis­se Un­schar­fe, die das Er­geb­nis ih­rer Viel­deu­tig­keit ist ... oder auch nicht, dann rührt das viel­leicht so­gar von se­man­ti­schen Fel­dern her, die in Aus­gangs- und Ziel­spra­che nicht im­mer die glei­chen Be­rei­che ab­decken. Und nein, das War­ten war kein cal­vaire/Lei­dens­weg.

Da schil­ler­te et­was in der Re­de mit, was even­tu­ell Er­geb­nis ei­nes eben­so ge­kon­n­ten wie kunst­vol­len Ge­brauchs der deut­schen Spra­che war oder aber ein Feh­ler. Wie oben er­wähnt, spricht die Red­ne­rin Deutsch nicht als Mut­ter­spra­che. Mit der Zeit wurde mir klar, dass hier "Weg­ga­be­lung" ge­meint war und nicht "Kreuz­weg". Sprach­lich ist das eine Her­aus­for­de­rung, denn an ei­ner Weg­ga­be­lung kreu­zen sich die We­ge, hier ha­ben wir ja fast das Wort "Kreuz­weg", und manch­mal ent­schei­den sich so wich­tige Din­ge für den wei­te­ren Le­bens­weg, wenn wir falsch ab­bie­gen.

Spra­che lebt von Nu­an­cen, Hin­ter­grund­wis­sen und kul­tu­rel­lem Kon­text, au­ßer­dem von Ge­füh­len, Kom­mu­ni­ka­tions­stra­te­gien und Zu­ge­hö­rig­kei­ten. Das al­les ver­mag die kal­te KI nicht, um das zu über­tra­gen braucht es Men­schen, die den­ken kön­nen.

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Illustration:
Dall:e

Dienstag, 26. März 2024

Bahnkram

Bon­jour, gu­ten Tag & hel­lo! Der Ar­beits­all­tag von Sprach­ar­bei­te­r:in­nen ist Ge­gen­stand des Web­logs. Mei­ne Spra­chen sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Wie Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, be­schrei­be ich hier. Heu­te den­ke ich wei­ter über die Grund­la­gen mei­nes Be­rufs- und Fa­mi­lien­le­bens nach: das Rei­sen.

Zwei Laptops sind auf einem Tisch des DB-Boardrestaurants aufgeklappt
Arbeitsplatz Eisenbahn
Eine gute Nach­richt: Der Ta­rif­streit bei der Bahn ist zu­ende. Dass es so bald kei­ne neu­en Streiks ge­ben wird, be­glückt mich, das The­ma macht mich zu­gleich auch wü­tend.
Für mich en­det zu­nächst eine lan­ge Zeit der Un­si­cher­heit. Als Dol­met­sche­rin, aber auch pri­vat neh­me ich die Bahn, wie an­de­re Leu­te den Bus. Wenn ich vor ei­nem Jahr ge­wusst hät­te, was mich er­war­tet, hät­te ich mir die Bahn­Card 100 ge­kauft.

Aber ein sol­cher Frei­fahrtschein fürs ge­sam­te Ver­kehrs­netz hilft auch nicht wei­ter, wenn die Bahn streikt. Ich muss das noch­mal ge­nau durch­rech­nen. Ich schätze, mich hat der Bahn­streik­stress in den ver­gan­ge­nen 12 Mo­na­ten an die 5000 Euro ge­kos­tet — das ist mehr, als die­se Bahn­Card 100 in der 2. Klas­se kos­tet (4.550 Eu­ro). Da­zu kom­men noch zwei Ein­sätze, die ich wei­ter­ge­ben musste, weil ich ir­gend­wo in der Pam­pa mit der Bahn fest­saß. Da­mit wä­re ei­ne BC in der 1. Klas­se mög­lich ge­we­sen. Und, lie­be strei­ken­de Bah­ner, ich spre­che hier nicht von Eu­rem In­fla­tions­aus­gleich und Mehr­ver­dienst, son­dern von Umsät­zen, aus de­nen sich mein Ein­kom­men ab­lei­tet.

Die kom­men­den knapp zwei Jah­re muss ich we­nigs­tens keine Streiks mehr er­lei­den, auch kei­ne "Wel­len­streiks" (wo­bei nie er­läu­tert wurde, was das ge­nau ist). Es gilt Frie­dens­pflicht zwi­schen den Ta­rif­par­tei­en.

Ja, ich kann Ta­rif­au­to­no­mie und Streik­recht gut nach­voll­zie­hen, finde aber auch, dass das Be­strei­ken von In­fra­struk­tur der Grund­ver­sor­gung problematisch ist. Es gibt viele Men­schen ohne Auto, die ähn­lich wie die Men­schen im Füh­rer­stand der Loks nicht im "Home office" ar­bei­ten kön­nen, Be­rufs­pen­dler:in­nen, ent­fernt ar­bei­ten­de El­tern­teile, die re­gel­mä­ßig zu ihren Kin­dern und er­wachsene Kin­der, die eben­so re­gel­mäßig zu ihren al­ten El­tern rei­sen, manche so­gar als pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge.

In den Me­dien war von einem ver­gif­te­ten Klima zwi­schen Bahn­vor­stand und Bahn­füh­rer­ge­werk­schaft GDL die Rede, der Spar­ten­ge­werk­schaft für das Eisen­bahn­per­so­nal, hier ste­hen ei­ni­ge tau­send Men­schen Mil­lio­nen po­ten­tiel­len Rei­sen­den ent­ge­gen. Ehr­li­cher­wei­se wür­den wir von ei­nem ver­gif­te­ten Klima zwi­schen Ma­na­gern und An­ge­stell­ten auf der ei­nen und Nut­ze­r:in­nen auf der an­de­ren Sei­te sprechen.

Öffent­liche Nah- und Fern­ver­kehrs­sys­teme müss­ten eigent­lich für Ver­läss­lich­keit und Plan­bar­keit ste­hen. Ver­tra­uen in die Bahn ist ein ho­hes Gut. Die sprich­wört­lich chao­ti­sche deut­sche Bahn, die kei­ne Streiks für Ver­spä­tun­gen und Zug­aus­fälle braucht, hat ih­ren Ruf wei­ter be­schä­digt.

Durch ihr lan­ges Rin­gen ha­ben Ma­nage­ment und GDL der Ge­sell­schaft und der Volks­wirt­schaft hohe Kos­ten ver­ur­sacht. Lei­der hat auch GDL-Chef We­sels­ky mit lau­ten An­sa­gen, in de­nen die Kund­schaft über­haupt nicht vor­kam, die "Buh­mann­rol­le" per­fekt ver­kör­pert und viel dafür ge­tan, dass der säch­si­sche Dia­lekt jetzt von mehr Men­schen als un­sym­pa­thisch wahr­ge­nom­men wird. Das hat er, der Dia­lekt, nicht ver­dient.

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Foto:
C.E.

Montag, 25. März 2024

Montagsschreibtisch (35)

Mor­gens vor acht im Mi­nis­te­rium
Bon­jour, hier bloggt ei­ne Lin­gu­is­tin über die Arbeit von Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher. Ich ar­bei­te mit den fol­gen­den Spra­chen: Deutsch (Mut­ter­spra­che), Eng­lisch und Franz­ös­isch. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Os­tern ist dieses Jahr sehr früh, im Büro ist es ruhig.

Fol­gen­des liegt auf dem Schreib­tisch:
⊗ Ge­nos­sen­schafts­ver­träge im Agrar­we­sen nach­be­rei­ten
⊗ Kor­rek­to­rat eines Film­ex­po­sés
⊗ Raub­kunst, die Sehr­sehrviel­te
⊗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge für die Früh­jahrs­sai­son kal­ku­lie­ren

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Fo­to:
C.E.

Freitag, 22. März 2024

Sprachenlernen (7)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ich bin Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und blog­ge hier seit 2007. Ich über­set­ze auch aus dem En­g­li­schen, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che, also schrift­lich. (Wir ha­ben trot­zdem kei­ne Bü­ro­sprech­stun­den). Heu­te geht es wei­ter mit der Rei­he zum Zweit­spra­cher­werb.

Pa­pa Eli­as und die Au­to­rin des Blogs
Die Fräu­leins, was mei­ne Nich­ten sind, seh­en mich re­gel­mä­ßig, denn sie le­ben mit ih­rer Oma Wand an Wand. Ich nutze mei­ne Be­su­che aus und schen­ke ih­nen fran­zö­si­sche und eng­li­sche Wör­ter und Sätze.
Das ers­te bon­jour & good mor­ning ist beim mor­gend­li­chen Fer­tig­ma­chen für Ki­ta und Kin­der­gar­ten fäl­lig. Hier die Vor­ge­schich­te: klick!

Neu­lich ha­ben wir ge­mein­sam ei­ne Ur­laubs­wo­che im al­ten El­tern­haus ver­bracht, al­so aus der Pers­pek­ti­ve der Lüt­ten (Nord­deutsch für 'die Klei­nen'). Für uns Gro­ße war's eher eine Mus­kel­ka­ter­wo­che. Da­nach gab's noch ei­ni­ge ge­mein­sa­me Spa­zier­gän­ge und Mor­gen­ri­tua­le, be­vor ich wie­der nach Ber­lin ge­fah­ren bin.

Be­mer­kens­wert: Das klei­ne Fräu­lein be­grüßt mich am Mor­gen von sich aus mit bon­jour !, ebenso er­folgt die Ver­ab­schie­dung mit au re­voir und bisous, bisous (wo­bei sie hem­mungs­los mit Hand­küss­chen um sich wirft). Mei­ne Schwes­ter be­rich­tet, dass sie schon mal vor dem Ein­schla­fen mit bisous, bisous ver­ab­schie­det wor­den ist.

Von der Gro­ßen, die lie­ber Eng­lisch ler­nen möch­te, kam al­ler­dings ers­t­mal nichts. Diese Aufräumwo­che war kein gu­tes Mo­ment zum Eng­lisch­ler­nen im Hau­se Eli­as. Nur not in front of the kids hat sie gelernt. Na, immerhin!

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Fo­to: Foto­ar­chiv Eli­as Los­sow

Donnerstag, 21. März 2024

Welttage

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Wie Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen ar­bei­ten und le­ben, be­schrei­be ich hier seit 2007. Dol­met­schen, münd­lich, und die schrif­tli­che Ent­spre­chung, das Über­set­zen, sind Be­ru­fe, von de­nen die All­ge­mein­heit nicht viel weiß. Das möch­te die­ser Blog än­dern. Auch am We­ges­rand Be­ob­ach­te­tes fin­det sich hier.

Ges­tern war nicht nur Früh­lings­an­fang, son­dern auch der Welt­tag des Glücks.

Der Welt­tag des Brie­fe­schrei­bens ist erst am 1.9. (*)
Heu­te be­ge­hen wir den Wel­ttag der Bäu­me und den Welt­tag der Poesie. Das passt für mich gut zu­sam­men. Und ich könn­te Ro­ma­ne da­rü­ber schrei­ben! Naja, min­des­tens Sach­bücher.

Für ei­nen kur­zen Blog­ein­trag hin­ge­gen fehlt mir die Zeit. Das ist wie mit den Brie­fen: "Ich schrei­be dir einen lan­gen Brief, weil ich kei­ne Zeit ha­be, ei­nen kur­zen zu schrei­ben."

Das Zi­tat soll von Blaise Pas­cal stam­men, ich kenne es als Pli­ni­us der Jün­gere an Pli­ni­us den Äl­te­ren (oder an­ders­he­rum).

Wer im­mer das (ko-)ge­nial er­fun­den hat ... Es ist so gut be­ob­ach­tet!

Und dann wäre da noch der Welt­tag des Bü­ro­auf­räu­mens (al­ler­dings mit wech­seln­den Ter­mi­nen ...), in Frank­reich seit ei­ni­ger Zeit am 21. März.

Illustration :  journée mondiale de rangement de bureau
Nehmen Sie am Welttag des Büroaufräumens teil!
Ei­ne klei­ne In­ter­net­re­cher­che spä­ter muss ich sa­gen, dass sich die­ser Tag noch nicht so ganz rum­ge­spro­chen hat. An­ders ist es mit dem Welt­tag des Auf­räu­mens (ganz grund­sätz­lich, nicht nur der Bü­ros), der ist am 10. Mai, in den USA al­ler­dings ist der World Or­ga­ni­zing day erst am 20. Mai. Ich glaub, die Auf­räu­mer:in­nen und Or­ga­ni­sa­ti­ons­fach­leu­te sind da ein biss­chen schlecht or­ga­ni­siert ... Hier zur Lis­te der Ge­denk­ta­ge: klick!

Im­mer­hin, das sind al­les Früh­lings­ta­ge, passt al­so bes­tens in den Früh­jahrs­putz. So, ich bin dann mal weg. Ihr wisst, wo Ihr mich fin­det!

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Fo­to:
C.E. (ge­se­hen in Kreuz­berg)
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... und net­ter als ein Kriegs­aus­bruch
Il­lus­tra­ti­on: Welt­bü­ro­auf­räum­tag, #jmrb

Mittwoch, 20. März 2024

Kopfschütteln (1)

Bon­jour, hier bloggt ei­ne Lin­gu­is­tin. Als Dol­met­sche­rin ar­bei­te ich mit den fol­gen­den Spra­chen: Deutsch (Mut­ter­spra­che), Eng­lisch, Fran­zö­sisch, Film. An­de­re Kol­le­g:in­nen, vor al­lem Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen, kann ich bei Be­darf aus dem Netz­werk ver­mit­teln. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche, ar­bei­tet al­so schrift­lich. Lie­ber schüt­te­le ich den Kopf, als dass ich mich auf­re­ge, ist ge­sün­der! Da­her ei­ne neue Ka­te­go­rie für den Blog, yeah: Kopf­schüt­teln "eins" bis "hof­fent­lich end­lich".

"Nicht är­gern, nur wun­dern", sag­te einst mei­ne Schul­freun­din Ul­ri­ke zu mir, als mir je­mand blöd kam (für die Nicht-Mut­ter­spra­chler:in­nen hier: der/die ei­nen doo­fen Kom­men­tar ab­ge­ben hat). Da das Un­ter­be­wusst­sein das schö­ne Wört­chen "nicht" nicht ken­nen soll, al­so al­le Ne­ga­tio­nen als Af­fir­ma­tio­nen wahr­ge­nom­men wer­den, sage ich jetzt: Wun­dern ist bes­ser als är­gern.

So sieht die KI un­se­re Arbeit
Kopf­schüt­teln, die Ers­te: An­ge­bo­te schrei­ben und fest­stel­len, dass För­der­grund­sätze ei­nes zen­tra­len Pro­jekt­trä­gers, der im Auf­trag ei­nes Bun­des­mi­nis­te­ri­ums tätig wird, aus dem Jahr 2007 stam­men. Da­mals waren die Höchst­sätze für Si­mul­tan­dol­met­schen eines mehr­tä­gi­gen Se­mi­nar­pro­gramms, aber auch bei Tisch­, Or­ga-Kram etc. mit täg­lich 800 Euro ge­deckelt, einst durch­aus kom­for­ta­bel. Seit ei­nem Jahr­zehnt ist der Satz auch bei über­lan­gen Ta­gen über­holt.
Und noch et­was ist praxis­fremd: Es muss in 30-Minuten-Tran­chen ab­ge­rech­net wer­den. Wer soll da mit­schrei­ben? Wer prü­fen? Gilt die an­ge­fan­ge­ne hal­be Stun­de als ab­rech­nen­ba­re hal­be Stun­de? Was ist, wenn ei­ne Per­son ins Kran­ken­haus muss und wir plötz­lich 16 Stun­den ar­bei­ten? Al­les schon er­lebt. Wer sich den Ab­rech­nungs­mo­dus ein­fal­len ließ, hat nie an ei­ner sol­chen Ta­gung mit Über­nach­tung und jün­ge­ren Men­schen teil­ge­nom­men.

Aus dem Jahr 2007 stammt auch die­ser Blog, den ich re­gel­mä­ßig ver­än­de­re. Ob die Förder­grund­sätze in drei Jah­ren ihr 20-jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um fei­ern? Spä­tes­tens dann wür­de ich hier öf­fent­lich ma­chen, wer es ist, und für mehr Reich­wei­te die Ver­bän­de mit ein­be­zie­hen.

Viel­leicht hilft Iro­nie?

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Il­lus­tra­ti­on: Dall:e (im Stil von Henri Matisse)

Dienstag, 19. März 2024

You guys are funny!

Ob zu­fäl­lig oder ge­plant: Sie sind mit­ten in ei­nem di­gi­ta­len Ta­ge­buch aus der Ar­beits­welt ge­lan­det, das seit 2007 be­steht — in In­ter­net­jah­ren ge­rech­net seit ewig. Ich bin Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che, mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und aus dem Eng­li­schen — wo­bei Eng­lisch im­mer häu­fi­ger an­ge­fragt wird, nicht im­mer be­grün­de­ter­ma­ßen.

Altes Bild (schwarz und weiß): Menschen sitzen in einem Raum zusammen und arbeiten
Einst: Kreative bei der Eventplanung
Neu­lich er­reich­te mich die Fra­ge, ob ich eine zwei­tä­gi­ge Fort­bil­dung im Me­di­en­be­reich für Fir­men­lei­tun­gen und Krea­ti­ve dol­met­schen wol­len wür­de. Ich woll­te sehr gerne. Es ging um ein Me­dien- und In­ter­net­the­ma, et­was in der Art von "Di­gi­ta­le nar­ra­tive Stra­te­gien in Zei­ten der KI".

Die Fort­bil­dung hat in Ber­lin statt­ge­fun­den. 

Schon die Bu­chung war lu­stig, denn ich hat­te es mit einem mehr­köp­fi­gen Team von Ko-Ver­an­stal­tern zu tun, die sämt­liche Kor­re­spon­denz im­mer in Ko­pie be­ka­men.

Ein frü­he­rer Ar­te-Kol­lege, der heu­te im All­tag nur sel­ten Fran­zö­sisch spricht, hat­te mich an­ge­fragt, an­schlie­ßend auf Eng­lisch die Be­tei­lig­ten über meine Exis­tenz und Be­reit­schaft in­for­miert. Die Dol­metsch­rich­tung soll­te EN>FR er­fol­gen, aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche. Ich schrieb auf Eng­lisch, da­mit es alle ver­ste­hen kön­nen, ei­ne Ant­wort mit Grund­sätz­li­chem, vor al­lem auch dazu, dass ich nicht ins Eng­li­sche zurück­dol­met­sche, denn das ist nicht mei­ne Ziel­spra­che.

Da­rauf kam von ei­nem der Be­tei­lig­ten die Ant­wort: I don't re­ally un­der­stand, your writ­ten En­glish is per­fect. Ich er­kläre mich: A-Spra­che: Mut­ter­spra­che (Deutsch), B-Spra­che: Haupt­ar­beits­spra­che, Aus­gangs- und Ziel­spra­che (Fran­zö­sisch), C-Spra­che: nur Aus­gangs­spra­che (Eng­lisch). Das wür­de be­deu­ten, dass der Rück­ka­nal, al­so FR>EN, den ich nur in Aus­nah­me­fäl­len zu Ge­hör brin­ge, nicht so ge­schlif­fen ist wie die an­de­­re Rich­tun­g. Aus Pa­ris be­kam ich für den Fol­ge­tag einen Te­le­fon­ter­min an­ge­bo­ten — in der Spra­che Sha­kes­peares. Da­rauf schrieb der frü­here Ar­te-Mann (auf Eng­lisch): "Wa­rum um Him­mels wil­len mai­len jetzt hier zwei Fran­zo­sen auf Eng­lisch mit­ein­an­der?"

Lie­ber Autor die­ser Mail, Dan­ke fürs "Fran­zö­sin eh­ren­hal­ber". Du er­in­nerst Dich schon, dass ich meis­tens schrif­tlich ins Deut­sche über­set­ze, in mei­ne Mut­ter­spra­che, auch für Dei­ne Pro­jek­te? Le­dig­lich beim Dol­metschen geht's eben­so flott ins Deut­sche wie ins Fran­zö­si­sche ... Dol­met­schen und Über­set­zen sind eben zwei Paar Schuh.

Der an­ge­spro­chene Fran­zose lacht in sei­ner Ant­wort­mail und stellt (auf Fran­zö­sisch) fest: "Ihr Deut­sche seid merk­wür­dig (bizarre). Warum fin­det Eure Ver­an­stal­tung eigent­lich auf Eng­lisch statt? Lau­ter Deut­sche im Raum, die zu­sam­men auf Eng­lisch ler­nen und so­gar unter­ein­an­der nur noch Eng­lisch spre­chen wol­len ... Könn­te mir bit­te mal je­mand den hö­he­ren Sinn die­ses Um­stands er­klä­ren?"

Eine andere Be­tei­ligte schrieb: "Some­one who speaks French in this world, that's a very good news!"

Das Event kün­dig­te sich als sehr le­ben­dig an. Es war die Fort­setzung ei­ner an­de­ren Ver­an­stal­tung, of­fen­bar war einiges an Ge­sprächs­be­darf auf­ge­lau­fen. Mich er­reich­te Mi­nuten spä­ter von ei­nem an­de­ren wich­ti­gen Ko-Ver­an­stal­ter (auf Fran­zö­sisch) diese Bot­schaft: "Ich ver­stehe die Welt nicht mehr. Nicht nur die Deut­schen spre­chen Eng­lisch in die­sem Pro­jekt, die Fran­zo­sen sol­len auch un­ter­ein­ander Eng­lisch spre­chen. Aber Gott­sei­dank gibt es noch uns, die an der Ver­an­stal­tung be­tei­lig­ten Mo­ne­gas­sen, wir spre­chen die wun­der­bare Spra­che Mo­liè­res!"

Da­rauf setz­te der frü­here Ar­te-Kol­lege noch ein "You guys are fun­ny!" in die Run­de ab.

To make a long sto­ry short: So mei­nungs­stark wie die­se Kom­mu­ni­ka­tion waren al­le Be­tei­lig­ten dann auch im Se­mi­nar. Nicht ich al­lein wur­de ge­bucht, um ab und zu mal "Un­ver­ständ­li­ches" aus dem En­gli­schen ins Fran­zö­si­sche zu über­tra­gen, nein, wir waren zwei Si­mul­tan­dolmet­sche­rin­nen für Ort für DE<>FR mit Kopf­hö­rern für al­le, auch für uns (mit dem Aus­gangs­ton der Vor­träge und Fra­gen), und ei­ni­gen Mikro­fo­nen. Dank der Kopf­hö­rer für uns konn­ten wir uns in die Ecke set­zen und dort wie in ei­ner Dol­met­scher­ka­bine als Team ar­bei­ten, nur eben oh­ne die Wän­de der Box.

Die Deut­schen ha­ben sich üb­ri­gens in der Kaf­fee­pau­se auch po­si­tiv ge­äußert, Deutsch spre­chen zu dür­fen. "Ge­ra­de, wenn's um Krea­ti­ves geht, ist man in sei­ner Mut­ter­spra­che doch viel prä­zi­ser!"

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Foto: Archiv Elias Lossow

Montag, 18. März 2024

Montagsschreibtisch (34)

Bon­jour, guten Tag & hel­lo! Der Ar­beits­all­tag ei­nes kaum be­kann­ten Be­rufs ist Ge­gen­stand des Web­logs, es geht um von Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher. Un­sere Spra­chen sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin ist Über­setze­rin und arbei­tet in die eng­li­sche Spra­che. Zur Kom­pen­sa­tion mei­ner Pfle­ge­wo­chen sit­ze ich der­zeit län­ger am Schreib­tisch als sonst üb­li­ch.

Leinwandprojektion: Quel film ? Welcher Film?
Ein­druck von ei­ner Film­kon­fe­renz
Auf dem Schreib­tisch liegt, was mit be­ruf­li­chen Ein­sät­zen zu­sam­men­hän­gt:
⊗ Do­ku­men­tar­film­dreh­buch
⊗ Ver­mitt­lung Spre­cher­ein­satz zu ei­nem an­de­ren Do­ku­men­tar­film
⊗ Nach­be­rei­tung Wachs­tum dank in­dus­tri­el­ler Schwer­punk­te
⊗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge April und No­vem­ber
⊗ Rei­se­pla­nung

Um wel­chen Film würde es ge­hen, wurde ich per Mail ge­fragt. Hier gilt Kun­den­schutz, bis der Film raus­kommt. Grund­sätz­lich sind wir Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher, Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer sehr dis­kret. Wenn hier Klar­na­men ste­hen, dann nur mit aus­drück­li­cher Er­laub­nis der Be­tei­lig­ten.

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Foto: C.E.

Freitag, 15. März 2024

Frei(berufler)tag

Hal­lo! Sie le­sen im Blog ei­ner Über­set­ze­rin und Dol­met­sche­rin. Die meis­ten Dol­met­scher und Dol­met­sche­r:in­nen sind frei­be­ruf­lich tä­tig. Ein be­kann­tes Vor­ur­teil lau­tet: "Frei­be­ruf­ler ha­ben's gut, sie kön­nen sich die Zeit frei ein­tei­len."

Eine Frau sitzt vor dem Fenster und hält ein Blatt Papier in der Hand
Schreib­tisch­ar­beit
Am Don­ners­tag­nach­mit­tag war ich froh, denn ich durf­te mich der Frei­tags­pla­nung wid­men. Frei­tag, die Er­ste: Frei ha­ben und Freun­de tref­fen. Was ist los in den Ber­li­ner Ga­le­rien? Was läuft in den Ki­nos? Thea­ter­kar­ten?

Des ei­nen Pech ist des an­de­ren Glück: ich fin­de schnell, was mich in­ter­es­siert, und da eine Nach­ba­rin lei­der mit Grip­pe im Bett liegt, kön­nen wir Thea­ter­kar­ten über­neh­men.

Dann kommt der An­ruf, der mir für Frei­tag ein Do­kumen­tar­film­dreh­buch von 100 Sei­ten avi­siert, die Film­för­de­rung braucht es am Sound­so­viel­ten, Zeit für die Über­set­zung: sie­ben Tage. Also folgt Frei­tags­pla­nung, die Zwei­te: Ich sage das Ta­ges­pro­gramm ab und bin am acht am Schreib­tisch.

Da das Do­kumen­tar­film­dreh­buch ein his­to­ri­sches Thema zum Ge­gen­stand hat, soll es reich be­bil­dert sein. Ge­gen Mit­tag fra­ge ich vor­sich­tig per Mail nach dem Dreh­buch sowie dem Ver­hält­nis Bild-Text: ... bei sehr vie­len An­schlä­gen müs­sten wir mög­li­cher­wei­se zu zwei­t ran, was au­to­ma­tisch heißt: zu dritt, die drit­te Per­son ver­ein­heit­licht dann den Stil vor dem Erst­lek­to­rat … was am En­de auch auf den Preis Aus­wir­kun­gen hat, weil mehr Per­so­nen un­ter Zeit­druck ar­bei­ten.

Hin­ter­grund: Für 100 Sei­ten Dreh­buch rech­nen wir sonst im Eil­tem­po mit zehn Ar­beits­ta­gen, Nor­mal­tem­po ist 15 in­klu­sive Erst- und Zweit­le­kto­rat. Das ist im­mer für al­le Be­tei­lig­ten am ent­spanntes­ten und gün­stigs­ten.

Frei­tags­pla­nung, die Drit­te: Der Brot­kas­ten hatte heute Mor­gen nur noch ei­nen Knust im An­ge­bot, also ein Brot­end­chen, dazu gab es einen Klacks Müs­li mit ei­nem Schluck Man­del­milch. Zum Glück wa­ren Obst und Tee reich­lich vor­han­den. Ich nut­ze die Zeit für Vor­ar­bei­ten, le­se mich ver­tieft ins The­ma ein ... 15.00 Uhr: Zwei­tes Früh­stück drau­ßen beim Bä­cker. 17.00 Uhr wer­den die Thea­ter­kar­ten für den Abend ab­ge­holt und ich sa­ge "Wo­chen­end­di­ver­tis­se­mangs" ab.

Frei­tags­pla­nung, die Vierte: 19.30 Uhr ploppt die An­t­wort­mail in den Brief­kas­ten rein: "Das Buch kommt spä­tes­tens Mon­tag". Der Hun­ger dik­tiert das wei­tere Vor­gehen: Ko­chen oder Es­sen gehen? Mit wem da­nach spon­tan ins Ki­no? Und was muss ich nächs­te Wo­che al­les an Pri­vat­le­ben zu­sam­men­strei­chen? OK, ru­hig Blut be­wah­ren, das ent­schei­de ich Sonn­tag. Und wir sind jetzt zu dritt und ha­ben zum Ein­le­sen ins The­ma schon mal den Ent­wurf be­kom­men.

So viel zum Vor­ur­teil, wir Frei­be­ruf­ler hät­ten es gut, weil wir un­se­re Zeit frei ein­tei­len kön­nen.

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Il­lus­tra­tion: Dall:e (über­ar­bei­tet)

Donnerstag, 14. März 2024

Sprachenlernen (6)

Wie Über­set­zer­in­nen und Dol­met­scher­in­nen ar­bei­ten, aber auch Über­set­zer und Dol­met­scher, er­fah­ren Sie seit 2007 in die­sem di­gi­ta­len Ta­ge­buch aus der Ar­beits­welt, das seit 2007 be­steht. Ich bin als Deutsch-Mut­ter­sprach­le­rin mit Zweit­spra­che Fran­zö­sisch Teil ei­nes in­ter­na­tio­na­len Netz­werks. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Heu­te geht es wei­ter mit der Rei­he zum Zweit­spra­cher­werb.

Spielzeug: Elefanten unterschiedlicher "Bauarten", Giraffen, ein Panda
Der Ti­ger ist grad in Lon­don zum Tee!
Die Fräu­leins, was mei­ne Nich­ten sind, seh­en mich mo­nat­lich etwa fünf Ta­ge, wenn ich mei­ne Mut­ter pfle­ge. Wir sind Nach­ba­rin­nen und spre­chen uns mor­gens kurz beim Auf­bruch in den Kin­der­gar­ten und die Ki­ta, dann meis­tens noch­mal am Nach­mit­tag. Ich darf ih­nen ers­te Wör­ter der Welt­spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch schen­ken.

Los geht's mit Begrü­ßun­gen und Ver­ab­schie­dun­gen in den an­de­ren Spra­chen und mit ers­ten ein­fa­chen Auf­for­de­run­gen. Das nächs­te "Ka­pi­tel" ist in Vor­be­rei­tung. Ne­ben mei­nem Ar­beits­tisch in der Woh­nung mei­ner Mut­ter steht es ei­ne Spiel­zeug­kis­te mit Bau­klöt­zen und Tie­ren. Wir spie­len zu­sam­men und freu­en uns an den vie­len Tier­be­zeich­nun­gen, die auf Eng­lisch und Fran­zö­sisch die glei­chen Wör­ter sind, die nur ein we­nig an­ders klin­gen: ein Ele­fant, un élé­phant, an ele­phant usw.

Im All­tag, beim Spa­zie­ren­ge­hen und Es­sen sam­meln wir dann wei­ter Be­grif­fe aus den bei­den Spra­chen, die im Deut­schen all­täg­li­cher Wort­schatz sind, so ganz en pas­sant.

Das Gan­ze dau­ert nicht lange, die Nicht­chen sind zwei und fünf. Rom wurde auch nicht an ei­nem Tag er­baut.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 13. März 2024

Flaschenhals

Bon­jour, gu­ten Tag & hel­lo! Der Ar­beits­all­tag von Sprach­ar­bei­te­r:in­nen ist Ge­gen­stand des Web­logs. Mei­ne Spra­chen sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Wie Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, be­schrei­be ich hier seit 2007. Heu­te den­ke ich wei­ter über un­se­ren Markt nach. (Vor­gän­ger­text hier: klick!)

Der Fla­schen­hals ist ein kla­res Bild, das lei­der ei­nen sehr gro­ßen Teil des Agen­tur­markts in der Sprach­bran­che ab­bil­det. Die we­ni­gen gu­ten Agen­tu­ren sind meist ex­trem spe­zia­li­siert, auf tech­nische, ju­ris­ti­sche oder medi­zi­ni­sche Über­set­zun­gen und da­bei auf we­ni­ge Spra­chen zum Bei­spiel. Die an­de­ren, die mit viel Geld mit Slo­gans wie "alle The­men, al­le Welt­spra­chen, sie­ben Ta­ge die Wo­che, rund um die Uhr er­reich­bar" wer­ben, stel­len für uns Voll­pro­fis nicht sel­ten ein Pro­blem dar.

Bank­no­ten auf dem Tisch, Mün­zen in der Fla­sche
Ei­ne bei ei­nem Kol­leg:in­nen­stamm­tisch ken­nen­ge­lern­te jun­ge Hoch­schul­ab­sol­ven­tin ist auf­grund der Mul­ti­kri­sen bei ei­ner Agen­tur ge­landet, wo sie als Ver­mitt­lerin fun­giert. Sie ist al­so stän­dig auf der Su­che nach Über­set­ze­r:in­nen und Dol­met­sche­r:in­nen.

Doch sie lei­det un­ter ei­nem nicht zu ver­ach­ten­den "De­tail": Die Ver­gü­tung, die sie im Na­men der Fir­ma den Sub­un­ter­neh­mer:in­nen für hoch­qua­li­fi­zier­te Ar­beit an­bie­ten darf, liegt im Be­reich der sprich­wört­lichen "Pea­nuts".

Problem Billig-Agenturen

Die jun­ge Frau ist im­me­rhin vom Fach. Oft sind die Ver­mitt­ler:in­nen fach­fremd, nicht selten so­gar ohne pro­funde Be­rufs­aus­bil­dung, was ger­ne im Bü­ro­ma­nage­ment an­fängt. (Zu oft lan­den An­fra­gen per Rund­um­aus­sen­dung in mei­ner Mail­box; dabei sind alle Emp­fänger:in­nen na­ment­lich auf­ge­führt, Dutzende Sprach­arbei­ter:innen, mit all­ge­mein ge­hal­te­ner An­rede; ei­ne Mail, die zu ver­sen­den nicht viel Zeit in An­spruch ge­nom­men ha­ben kann.)

Der Zu­fall wollte, dass ich die jun­ge Frau, die mir beim Stamm­tisch ge­gen­ü­ber­saß, be­reits durch An­fra­gen in mei­ner Mail­box kannte: "Dol­metscher:in ge­sucht ..." und dann so ein Winz­ho­no­rar. Ihre Nach­fra­ge­mails hat­ten einen im­mer ver­zweifel­teren Grund­ton. Auch auf ver­schie­denen Platt­for­men war sie mir auf­ge­fal­len.

Keine Nachwuchspflege

Ein­mal hat sie mich so­gar an­geru­fen. Ich frag­te nach, was denn aus dem klei­nen Stamm von Mit­ar­bei­ten­den der Fir­ma ge­wor­den sei. An­t­wort: "Das Team ist im Um­bruch, etliche Kol­leg­in­nen sind um­ge­stiegen in an­de­re Be­rufe oder in die Fa­mi­lien­zeit, das mit den Neu­zu­gän­ge hat nicht so ge­klappt wie er­hofft."

Ich er­laubte mir einen Ver­weis auf den Preis. Da­rauf die jun­ge Frau: "Die Bud­gets sind fest, das Mut­terhaus hat sie aus­ge­han­delt. Mit Sprach­dienst­lei­stung ist nicht viel Geld zu ver­die­nen."

Da­mit meinte sie die Per­spek­tive der Über­set­zer:in­nen und Dol­met­scher:in­nen. All­zu gerne hätte ich wi­der­sprochen. Die junge Frau hätte nicht ant­wor­ten kön­nen, sie sitzt im Groß­raum­bü­ro die­ser "Agen­tur­ket­te", die ähn­lich wie man­cher Sand­wich­la­den als Kette im Fr­an­chi­sing funk­tio­niert. (An­de­re Agent­uren ha­ben echte Fi­lial­unter­ne­hmen.)
Große Margen

Meis­tens liegt das Pro­blem bei der Akqui­se, wo Kun­den ge­le­gent­lich auch Fan­ta­sie­prei­se an­ge­bo­ten wer­den, um den Wett­be­werb mit uns Frei­be­ruf­le:r­in­nen zu ge­win­nen, so­wie am Flaschen­hals mit seinen Ex­tra­kos­ten: Werbe­maß­nahmen, Re­nom­mier­adres­se, teu­re Mes­se­stän­de, me­di­al sicht­bare "Cha­ri­ty-Ein­sät­ze" und der­glei­chen mehr.

Wel­che Sum­men da zu­gleich im Um­lauf sein kön­nen, wurde Mit­te der Zeh­ner Jah­re of­fen­sicht­lich, als sich in den USA das Grün­der­ehe­paar ei­ner Rie­sen­agentur in einem dor­ni­gen, von Jour­na­lis­ten be­glei­te­ten Rosen­krieg schei­den ließ: Es ging um Lu­xus­woh­nun­gen in New York mit Park­ blick und be­st­do­tierte Ak­tien­pa­kete, al­les durch die Age­ntur und ih­re um die hun­dert Bü­ros welt­weit fi­nan­ziert.
 
Wett­be­werbs­ver­zer­rung durch Co­ro­na­hil­fen

Aus ei­ner an­de­ren Qu­el­le habe ich spä­ter das er­fah­ren: Die deut­schen Sprach­dienst­leis­tungs­fir­men ha­ben als GmbHs in der Co­ro­na­zeit oft sehr ho­he Staats­hil­fen be­kom­men (an­ders als wir Frei­be­ruf­ler:in­nen). Vie­le com­pu­te­raf­fi­ne jun­ge Men­schen im Stu­di­um such­ten da­mals plötz­lich ei­nen Job im Ho­me­of­fice, so wur­den gan­ze Bran­chen­ver­zeich­nis­se ab­te­le­fo­niert und Kun­den mit Erst­kun­den­ra­bat­ten ge­lockt, die un­an­stän­dig hoch wa­ren.

Ähn­li­che Ra­bat­te gab es dann für den Zweit- oder Drit­tauf­trag, wenn ein Rah­men­ver­trag für ein Dut­zend Ter­mi­ne un­ter­zeich­net wur­de. Le­dig­lich für die Erst­ein­sätze wur­den hoch­qua­li­fi­zier­te Frei­be­ruf­ler:in­nen ver­pflich­tet, mit Preis­ab­schlä­gen, zu de­nen sie nur des­halb be­reit wa­ren, weil ih­nen pan­demie­be­dingt die Ar­beit weg­gebro­chen war und ... sie­he oben.

Preiswert

Da­bei ist wich­tig zu wis­sen, dass hoch­qua­li­fi­zier­te Dienst­leis­ter:in­nen au­ßer­halb exis­ten­ziel­ler Kri­sen nicht zu lä­cher­lich nie­dri­gen Hono­raren ar­bei­ten. Eine an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung un­serer Ar­beit ist nicht nur ge­recht­fer­tigt, son­dern ein­fach not­wen­dig für manch­mal ta­ge­lan­ge Vor­be­rei­tung.

Qua­li­tät braucht Zeit, auch in der be­ruf­li­chen, oft ent­beh­rungs­rei­chen Ent­wick­lung von uns Sprach­pro­fis mit lan­gen Stu­dien- und Aus­lands­jah­ren. Das Er­geb­nis ist nicht bil­lig oder "preis­wert", son­dern schlicht sei­nen Preis wert.

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Illustration:
Dall:e (bringt wieder Pseudo-
Matisse hervor)

Dienstag, 12. März 2024

Warten auf den Saisonstart

Wie Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­sche­rin­nen ar­bei­ten, kön­nen Sie hier seit 2007 er­fah­ren, im ers­ten deut­schen Blog aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bine. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­si­sch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Die Pan­de­mie hat auch un­se­re Bran­che durch­ein­an­der­ge­bracht.

Mikrofon, Kopfhörer, Computer, Papier
Vor dem Kon­se­ku­tiv­ein­satz
Vor je­dem Ein­satz steht die Bu­chung. Nor­ma­ler­wei­se wüs­sten wir jetzt schon, was wir von jetzt an bis An­fang Ju­li ar­bei­ten wür­den, auch ers­te Herbst­ter­mi­ne wären fest ver­ein­bart. Da­bei hät­ten wir in der Sai­son im Schnitt zwei Ein­sät­ze pro Wo­che. Der­zeit ste­hen zwei Ein­sät­ze fürs ge­sam­ten Früh­jahr fest. Die Ter­mi­ne kom­men im­mer sponta­ner rein.
Das ist ein Déjà vu.

Spä­te Bu­chun­gen

Die Haupt­sai­son des Kon­fe­renz­we­sens teilt sich in die Früh­jahr-/Früh­som­mer­wo­chen und den Herbst auf. Schon in den letz­ten Co­ro­na­jah­ren wur­den die Bu­chun­gen da­zu im­mer schlep­pen­der. Die Kund­schaft hat­te Angst vor einem Auf­flam­men der Pan­de­mie. In­zwi­schen bu­chen nur noch die Mi­nis­te­ri­en und For­schungs­ein­rich­tun­gen mit mo­na­te­lan­gem Vor­lauf.

Er­schwe­rend kommt eine mas­si­ve Zu­nah­me der An­fra­gen von Agen­tu­ren hin­zu. Um mit einer weit­ver­brei­te­ten, aber irr­tüm­li­chen An­nah­me auf­zu­räu­men: Agen­tu­ren ha­ben KEINE fest­an­ge­stell­ten Sprach­ar­bei­ter:in­nen im An­ge­bot, sie su­chen auf dem frei­en Markt, wer den Ein­satz mög­lichst güns­tig über­nimmt, also Sub­un­ter­neh­mer­tum wie auf dem Bau.

In­ak­zep­ta­ble Ho­no­ra­re

Da­her ist Dum­ping an der Ta­ges­ord­nung. Agen­tur A bie­tet mir für drei Stun­den Si­mul­tan­dol­met­schen via In­ter­net, was an­stren­gen­der ist als vor Ort, den stol­zen Satz von 350 Eu­ro an. Kun­de: Ein Kon­zern, der ver­mut­lich et­was um die 900 Eu­ro be­zah­len darf. Oh­ne mich.

Dann Agen­tur B, eine kom­ple­xe tech­ni­sche Sa­che ir­gend­wo in Bran­den­burg. Fahr­zeit je Stre­cke: ab zwei Stun­den. Vor Ort: eben­falls zwei Stun­den, die Ar­beit wäre ins­ge­samt in drei Spra­chen zu leis­ten. An­ge­bot der Agen­tur: 375 Eu­ro pro Na­se, Fahrt zu viert im PKW, am Steu­er: der Prak­ti­kant, Ab­fahrt­zeit: sechs Uhr in der Früh in Mit­te, Rück­kehr acht bis zwölf Stun­den spä­ter, z.T. zu­sam­men mit dem Tech­nik­dienst­leis­ter, weil der Mo­de­ra­tor prio­ri­tär im Prak­ti­kan­ten­au­to mit­fahr­en darf.

Auch die­se Fir­ma wird den Ein­satz teu­er an­bie­ten, dazu nicht un­er­heb­li­che Kos­ten für Trans­fer, Bahn­rei­se 1. Klas­se, Ho­tel und Ver­pfle­gung be­rech­nen. Der vor­be­rei­tungs­in­ten­si­ve Ein­satz hät­te mich am Tag selbst in­klu­si­ve Fahrt­zei­ten acht Stun­den ge­kos­tet, da­zu zwei Ta­ge Vor­be­rei­tung, er­gibt 125 Eu­ro pro Tag. So viel be­kommt in der Re­gel auch ei­ne Kom­par­sin/ein Kom­par­se beim Film, wo­für nie­mand stu­die­ren muss.

Gras­sie­ren­des Agen­tur­un­we­sen

Agen­tu­ren ar­bei­ten wie Ma­k­ler. Man­che sind se­ri­ös und neh­men ähn­li­che Mar­gen wie Schau­spiel­agen­tu­ren, al­so 14 bis 18 Pro­zent. Vie­le an­de­re langen je­doch, weil wir es mit einer un­re­gu­lier­ten Bran­che zu tun ha­ben, mit ganz an­de­ren Sät­zen zu und schla­gen noch Neben­kos­ten auf, die es manch­mal gar nicht gibt, sie­he das Rei­se­ne­ben­kos­ten­bei­spiel oben.

Dolmetscherkabine mit Blick in den Raum, besonders: Messer und Gabel. Wir dolmetschen ein Arbeitsessen an einem langen Arbeitstag.
Si­mul­tan­ein­satz im Aus­wär­ti­gen Amt
Schau­spie­ler:in­nen ken­nen das Prob­lem nicht. Gemäß § 301 des So­zial­ge­setz­buchs (III / Ar­beits­för­de­rung) ist so­gar in Deut­sch­land ver­bo­ten, "bei der Ver­mitt­lung von Künst­lern in ein Ar­beits­ver­hält­nis mehr als 18 % Pro­vi­sion (bei der Ver­mitt­lung in ein Ar­beits­ver­hält­nis bis sie­ben Ta­ge), bzw. 14 % (bei der Ver­mitt­lung mit ei­ner Dau­er von mehr als zwölf Mo­na­ten) ab­zu­füh­ren."

Feh­len­de Ge­set­ze

Alle kla­gen über die sprich­wört­li­che Über­re­gu­lie­rung un­se­rer Ar­beits­welt. Im Dol­metsch­bü­ro se­hen wir das auch. Zu­gleich spü­ren wir, was pas­siert, wenn es wie in un­se­rer Bran­che kei­ne Re­ge­lun­gen gibt. Die Ge­set­zes­lü­cke müs­sen wir Dol­met­scher:in­nen teu­er be­zah­len. Wä­ren wir Berufs­sport­ler:in­nen wür­de uns das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les per Rechts­ver­ord­nung bes­ser schüt­zen. Auch hier darf die Ge­bühr für die Ver­mitt­lung ma­xi­mal 14 % des Ent­gelts be­tra­gen.

Mo­ment, was sol­len wir ei­gent­lich an­ders sein als Künst­ler:in­nen mit sport­li­chen Qua­li­tä­ten?

(Mor­gen mehr dazu.)

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Foto: C.E. (Ar­chiv)