Samstag, 13. Juni 2026

Nachruf (1)

Hal­lo! Sie sind in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch ge­lan­det. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für Fran­zö­si­sch auf Kon­fe­ren­zen und bei Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch dol­met­sche ich auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Am Wo­chen­en­de wer­de ich pri­vat.

Diese Woche ist Da­vid Hock­ney ge­stor­ben. Ich habe es ge­liebt, wie er mit Far­ben, Tex­tur und Bild­aus­schnitt auf seine Weise die Mo­tive der Mo­derne va­ri­iert hat, zu­gleich in gro­ßer Far­big­keit mit der Flä­chen­ma­le­rei ge­flir­tet und das Ganze oft ge­nug noch mit Hu­mor gar­niert hat.

Man­ches sei­ner Gar­ten­bil­der lässt mich an Hen­ri Ma­tisse den­ken, nur oft zu­sätz­lich mit Swim­ming pool, und/oder mit Jüng­ling. In sei­nen Land­schaf­ten griff er die Mus­ter der vom Acker­bau zer­schnit­te­nen Flur­stü­cke auf und re­du­zierte sie auch schon mal ra­di­kal auf ein­di­men­sio­nale Ober­flä­chen, zi­tierte ir­gend­wie zu­gleich auch die Patch­work­de­cken äl­te­rer bri­ti­scher La­dies. Stra­ßen win­den sich bei ihm wi­der­spe­n­stig durch die Bil­der, als wä­ren sie Schlan­gen in Lila oder Tür­kis, Still­le­ben zer­fal­len in Me­mo­ry­mo­tive. Wer hier nicht min­des­tens lä­chelt, nimmt Kul­tur zu ernst.

Der ge­bür­tige Brite hat lange in Ka­li­for­nien ge­lebt. Ich finde, das ist zu sehen. Far­ben do­mi­nie­ren, man­ches Fi­gür­li­che ist zu­gleich flä­chen­hafte Abs­trak­tion (oben schon in ein­fa­che­ren Wor­ten ge­sagt): Wir schauen hin und her und sehen wie in einem Ve­xier­bild bei­des gleich­zei­tig. 

Hock­ney in Süd­frank­reich

Das macht ihn so mo­dern und zu­gleich auch für uns Zu­se­hende so spie­le­risch.
Was auch gro­ßen Spaß ge­macht hat, ist, dass er sich so frisch neuen The­men und Ar­beits­mit­teln zu­ge­wandt hat. Am En­de seines Le­bens hat er sich fürs Ma­len auf dem iPad be­geis­tert. Eng­land, Eu­ropa, die ganze Welt, aber ir­gend­wie auch das bis in un­sere Tage immer wie­der so be­drü­ckend durch­schil­lernde 20. Jahr­hun­dert hat einen Gro­ßen ver­lo­ren.

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

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