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Freitag, 17. April 2026

KI-Test

Notizen aus dem Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie hier le­sen. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch. Ich ar­bei­te da­ne­ben auch mit der eng­li­schen Spra­che, was die Ziel­spra­che mei­ner als Über­set­ze­rin tä­ti­gen Bü­ro­kol­le­gin ist. Heu­te ein kur­zer Nach­trag zum KI-Mitt­woch.

Für die nach Per­fek­tion stre­ben­de KI sind wir Men­schen zu un­per­fekt. So kann ich mei­nen Bei­trag von vor­ge­stern zu­sam­men­fas­sen. Un­se­re Spra­che ist nicht im­mer ein­deu­tig. Und da­mit kann die KI nicht um­ge­hen. Hö­ren Sie selbst (ab Sekun­de 30 wird's ab­surd):

Bei uns Zwei­bei­nern gibt es zwi­schen Null (ein En­de) und Eins (das an­de­re En­de) ei­ne gro­ße Viel­falt an Nuan­cen, Fein­hei­ten, Un­schär­fen, Kul­tur­ab­hän­gi­gem, an Takt und di­plo­ma­ti­scher Rück­sicht­nah­me, an Nu­an­cie­rung auf­grund von Emp­find­lich­kei­ten und Ver­mei­dungs­stra­te­gien. (Die KI kennt we­der Samt­hand­schu­he noch Fett­näp­fchen.)

Manch­mal sind es ein­fach nur Ent­wick­lun­gen, die mit neu­en Be­grif­fen ein­her­ge­hen, die bei der Red­ne­rin oder beim Red­ner noch nicht kom­plett sit­zen. Kurz: Kom­mu­ni­ka­ti­on von uns Men­schen ist sel­ten so ein­deu­tig und so per­fekt, dass das Aus­gangs­ma­te­ri­al so gut ist, dass die KI kaum Feh­ler macht.

Un­se­re Spra­che ist oft mehr­deu­tig. Ge­nau da­ran schei­tert die KI.

Bei ein­fa­chen Be­grif­fen und Wort­fol­gen macht die KI nur we­nig Feh­ler; es ist die kom­ple­xe­re Spra­che, die sich als schwie­rig er­weist, Aus­nah­me­kom­mu­ni­ka­ti­on, die zu Ent­schei­dun­gen führt, und vor al­lem sind es die Si­tua­tio­nen, an de­nen die KI gerne schei­tert.

Und wo ich hier schon wie­der so viel über die Grau­be­rei­che zwi­schen Schwarz und Weiß schrei­be, darf ich auch das wie­der­ho­len, was eng da­mit zu­sam­men­hängt: nach­den­ken! Wir Men­schen den­ken län­ger nach, an­ders als die Ma­schi­ne eben auch sehr oft zwi­schen­durch, und das für ihr an­de­res Tem­po häufig pro­ble­ma­tisch.

Es gibt ei­ne neue „KI-Über­tra­gungs­funk­ti­on“ bei Zoom, ei­nem In­ter­face für Mee­tings. Sie ist in der BE­TA-Pha­se. Abon­nent:in­nen, die mit Haupt­welt­spra­chen wie Eng­lisch, Chi­ne­sisch und Spa­nisch zu tun ha­ben, be­kom­men zehn Pro­be­stun­den in­ner­halb von zwei Mo­na­ten gra­tis. Ernest Niño-Murcia, ein Spa­nisch<>Eng­lisch-Kol­le­ge, hat sie ge­tes­tet und fest­ge­stellt, was wir al­le wuss­ten: sie­he oben (und sie­he auch hier). Spra­che ist kon­text­ab­hän­gig und funk­tio­niert zwi­schen Men­schen mit ei­nem sehr ho­hen An­teil an im­pli­zi­tem Wis­sen, das in kei­nem Wör­ter­buch und in kei­ner Ab­hand­lung über Wort­bil­dung steht.

Aber Denk­pau­sen ir­ri­tie­ren die KI ma­xi­mal. Sie in­ter­pre­tiert Denk­pau­sen oft als Satz­en­de, und dann ras­selt mög­li­cher­wei­se der gan­ze Satz zu­sam­men, weil die Be­zü­ge nicht mehr stim­men. Oder aber sie macht Pau­sen, springt in ein an­de­res Idi­om, bricht mit­ten­drin ab.

Hier ist der gan­ze Test, Thank you, Er­nest Niño-Mur­cia!

Mal se­hen, wann die Me­di­en auf­wa­chen. KI, hold my beer!

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Film: E. Niño-Mur­cia / TEA Lan­guage So­lu­tions

Montag, 23. Februar 2026

Montagsschreibtisch (128)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf diesen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin ist Film: Dreh­buch, Pro­duk­tion, Her­stel­lung, Mar­ke­ting, Fes­ti­val.

Der Mon­tag nach der Ber­li­na­le ist für vie­le ein Schalt­tag, so ähn­lich wie bei den Leu­ten aus dem Mu­seums­be­reich oder dem Haar­sty­ling nach Ta­gen mit gro­ßem An­sturm. Auf dem Mon­tags­schreib­tisch für die­se Wo­che:

Menschen stehen in 50-er Jahre-Kleidung vor einem Nachkriegsbau
POV als Klein­dar­stel­le­rin beim Film: die Au­to­rin die­ser Zei­len
✗ Fol­low-up der Ber­li­na­le­tref­fen
✗ Be­grif­fe, Ma­te­rial, Fo­tos sor­tie­ren
✗ Strategieüberlegungen
✗ Kos­ten­vor­an­schlag
✗ Über­set­zungs­lek­to­rat (ein ech­tes, kein KI-Bull­shit-Auf­räu­men)

Im Fo­to­ar­chiv habe ich die­sen Schnapp­schuss aus mei­nen An­fän­gen in der Film­sprach­ar­beit ge­fun­den, als ich als Kom­par­sin Vo­ka­beln ge­sam­melt ha­be.

Hier hat­te ich Glück: Ich durf­te am Set aus nächs­ter Näh­e al­len auf die Hän­de se­hen und ge­nau zu­hö­ren und muss­te nur sel­ten (wie die meis­ten) in ir­gend­ei­nem Auf­ent­halts­raum ab­hän­gen. Der Grund: Mit Sprech­aus­bil­dung wur­de ich oft di­rekt zur Klein­dar­stel­lerin be­för­dert.

Aus recht­li­chen Grün­den ord­ne ich dem Fo­to jetzt kei­nen Film zu. Am Dreh­tag ent­stand eine be­rühm­te „Film-im-Film“-Sze­ne, die in der deut­schen Nach­kriegs­zeit ver­or­tet war.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Zur „Autowaschanlage“

Die Prob­le­me, die uns die so­ge­nann­te Künst­li­che In­tel­li­genz bringt, sind al­le wis­sen­schaft­lich er­kannt, be­schrie­ben und es wird vie­ler­orts ge­warnt. Trotz­dem glau­ben die Leu­te all­zu oft, dass die KI ei­ne ein­fa­che Lö­sung dar­stel­len wür­de, weil sie es ger­ne so hät­ten. Sie möch­ten be­tro­gen wer­den. (Ich ka­pier's nicht.)

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Schrift­lich ar­bei­te ich meis­tens auf Deutsch. Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die Ar­beit und zwar so, dass die Si­tu­a­tio­nen klar er­kenn­bar sind, nicht aber die Be­tref­fen­den. Im Schat­ten der Ber­li­na­le bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. Da ich ge­ra­de viel im Ki­no bin, kom­me ich noch­mal kurz auf mei­nen Bei­trag von ges­tern zu­rück.

Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren?

ChatGPT: Ganz klar zu Fuß, das ist um­welt­scho­nen­der.

Was ist ges­tern bei dem Bei­spiel­text pas­siert? Die KI bleibt am En­de ei­nes Sat­zes ste­hen, geht dann zum nächs­ten über und ver­peilt man­gels Le­bens­er­fah­rung die Si­tu­a­ti­on. Sie ver­schiebt den Kon­text, da­mit ih­re Ant­wort „funk­tio­niert“. Was sie pro­du­ziert, wirkt auf den ers­ten Blick ko­hä­rent.

Ale­xan­der­bär
In der KI-For­schung wird von si­tu­a­ted cog­ni­ti­on ge­spro­chen. Den Be­griff ken­ne ich aus der Lern­theo­rie. Situated cognition be­schreibt in der Theo­rie, wie Ler­nen durch so­zia­le In­ter­ak­ti­on und prak­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten statt­fin­det, vor­zugs­wei­se in rea­len Kon­tex­ten. Die Si­tu­a­ti­on im di­gi­ta­len Raum wird wei­ter er­forscht. Die ei­ge­ne Kör­per­lich­keit, der kul­tu­rel­le Hin­ter­grund und so­zia­le As­pek­te ste­hen hier im Mit­tel­punkt.

Die­se so­zia­le Kom­po­nen­te wird im Ler­nen oft un­ter­schätzt, vor al­lem von den jun­gen Leu­ten, bei de­nen Cool­ness noch im­mer an­ge­sagt zu sein scheint (hier mein Rant da­zu). Da­bei müs­sen wir Men­schen mit Herz und See­le bei et­was da­bei sein, da­mit es uns er­reicht.

Wo­bei wir wie­der bei der KI sind. Sie hat we­der ein Herz noch (ei­ne wie auch im­mer de­fi­nier­te) See­le, kei­nen Kör­per, kei­ne Er­fah­rung im Raum oder in so­zia­len Zu­sam­men­hän­gen.

Die KI ist Sta­tis­tik in ac­tion. Sie kann Sät­ze fort­set­zen und weiß nicht, ob sie über­haupt sinn­voll sind. Ich hat­te ges­tern au­to com­ple­te on speed zi­tiert. Die Wis­sen­schaft spricht von au­to­re­gres­si­ve mo­dels: Die Ge­rä­te sa­gen die nächs­te Kom­po­nen­te in ei­ner Se­quenz vor­her und stüt­zen sich da­bei auf frü­her ge­ge­be­ne oder in Trai­nings­ma­te­ri­al ent­hal­te­ne In­for­ma­tio­nen.

Und Iro­nie, Ab­sur­des (wie mei­ne Fra­ge), der be­wuss­te Clash von Spra­che­be­nen, Stil und in­halt­li­che, kul­tu­rel­le Fein­hei­ten: Fehl­an­zei­ge.

Die KI baut sich ih­ren Ent­schei­dungs­baum, sie ar­bei­tet ihn stur ab und glät­tet da­bei Wi­der­sprü­che und De­tails, was für Kon­fe­ren­zen al­les an­de­re als ziel­füh­rend ist. Sie ver­schiebt den Sinn, um ei­ne plau­si­ble Ant­wort lie­fern zu kön­nen.

In der For­schung heißt das Se­man­tic drift: Be­deu­tungs­ver­schie­bun­gen, da­mit die sta­tis­ti­sche Ko­hä­renz „funk­tio­niert“. Hier wird nichts ver­stan­den, hier wird plau­si­bel hal­lu­zi­niert.

Noch ein Fach­be­griff: Epis­te­mic opa­ci­ty. Die KI weiß nicht, wa­rum sie et­was sagt, kann ih­re "Ent­schei­dun­gen" auch nicht be­grün­den. Dann hal­lu­zi­niert sie lie­ber, oh­ne Leer­stel­len zu lie­fern, Fach­be­griff AI hal­lu­ci­na­tions. Ihr fehlt der Ge­samt­über­blick, the big pic­tu­re, la vi­sion d'en­sem­ble, Wis­sen um das gro­ße Gan­ze, das wird Con­text star­va­tion ge­nannt.

Last but not least greift in vie­len Fäl­len, ich sprin­ge zu­rück zu "übel­setz­ten" Kon­fe­ren­zen, auch noch der Au­to­ma­ti­on bi­as, wenn das ge­neig­te Pu­bli­kum der Ma­schi­ne mehr glaubt als den ei­ge­nen Zwei­feln. Men­schen wer­den im­mer be­que­mer, nei­gen zu Träg­heit, ver­ges­sen, Fak­ten zu prü­fen oder zu hin­ter­fra­gen.

Und dann stellt sich die Fra­ge der Ver­ant­wor­tung. Die KI über­nimmt sie nicht, die Dienst­leis­ter, die die Tech­nik als Wun­der­ma­schi­ne an­prei­sen, auch nicht.

So schnell macht sich je­mand lä­cher­lich, ist Re­pu­ta­ti­on ver­spielt. Es kos­tet Geld, Ima­ge oder Fehl­ent­schei­dun­gen zu re­pa­rie­ren.

Des­halb ist hier im­mer der Ein­satz mensch­li­cher In­tel­li­genz nö­tig, die er­gänzt, die aber vor al­lem im Vor­feld be­reits ent­schei­det, ob der Ein­satz der KI über­haupt sinn­voll ist. Die KI ver­bie­tet sich, wenn sen­si­ble In­for­ma­tio­nen, Wirt­schafts­ge­heim­nis­se, Pa­ten­te oder stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen im Spiel sind. Für al­les an­de­re bleibt die KI ein Werk­zeug. Den Maß­stab bil­den wir Men­schen. 

Ber­li­na­le­ta­ge: Ganz wun­der­ba­re Fil­me ge­se­hen und ei­nem un­ter­ir­di­schen und ei­nem her­vor­ra­gen­den Film­ge­spräch zu­ge­hört, je­weils auf Eng­lisch ge­führt, beim ers­ten Mal in dop­pel­ter Fremd­spra­chig­keit, beim zwei­ten Bei­spiel in 1,5-fa­cher Fremd­spra­chig­keit. (Die Mo­de­ra­to­rin hat schon als Kind in Eng­land ge­lebt, nur ihr Ak­zent schim­mert noch durch.)

Die bei­den bes­ten Fil­me bis­lang für mich, je­der auf sei­ne ei­ge­ne Wei­se: "Take me home" und "Die Blut­grä­fin". In bei­den Fäl­len wä­re mit KI als Stand alo­ne-Tech­nik hier kein Blu­men­pott zu ge­win­nen ge­we­sen, denn mensch­li­che Nä­he, Gren­zen, Kul­tur, Hin­ter­grund­wis­sen, vi­su­el­le Iro­nie und Stil­über­schrei­tun­gen kann die Ma­schi­ne nicht, ja der­lei scheut die­se Tech­nik oft wie der Teu­fel das Weih­was­ser.

Thank you very much, Liz and An­na Sar­gent, vie­len Dank, Ul­ri­ke Oet­tin­ger, mer­ci beau­coup, Isa­bel­le Hu­p­pert !

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Fo­to: C.E.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Philosophisch fragwürdig

Bon­jour & hel­lo! Hier schreibt ei­ne Wort­schub­se! Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen, ich schub­se Wör­ter. Die All­ge­mein­heit nimmt uns Si­mul­tan­d­ol­met­sche:rin­nen ähn­lich sel­ten wahr wie die Pro­fis im Gas­traum ei­nes Flug­zeugs (oft ab­schät­zig „Saft­schub­se“ ge­nannt). Aus Ig­no­ranz ent­steht da­bei zu oft Gleich­gül­tig­keit. Wir ha­ben lan­ge Aus­bil­dungs­zei­ten, im Schnitt 7,5 Jah­re, per­fek­tio­nie­ren Spra­che, Kul­tur, Fach­ge­bie­te, Me­tho­dik und Be­rufs­kun­de, da­zu kom­men As­sis­ten­zen. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Neu­lich bei ei­nem Ber­li­na­le­emp­fang (bei dem ich aus Grün­den wohl aus­ge­la­den wur­de): Die KI lie­fer­te „Un­ter­ti­tel“ zu ei­ner live ge­hal­te­nen Re­de und der Aus­wurf der Ma­schi­ne war vol­ler Feh­ler und Pein­lich­kei­ten. Aber ir­gend­wie hat nie­mand rich­tig hin­ge­se­hen. Wer wird schon je­ne kri­ti­sie­ren, die ei­nen ge­ne­rös zum Es­sen oder auf Kaf­fee und Ku­chen ein­la­den?

Im Nach­hi­nein be­frag­te Leu­te mein­ten sinn­ge­mäß und nicht oh­ne Schmun­zeln: „Wir ken­nen die Re­den von G. be­reits, und die Ge­mein­plät­ze bei sol­chen An­läs­sen be­herrscht die Ma­schi­ne meis­tens gut.“ Dass aus Arte prompt „Arty“ wird, liest sich wie ei­ne Pe­ti­tes­se. Da­bei hat nie­mand auf dem Schirm, dass „Arty“ noch schnel­ler zu „Darty“ wird, der bri­ti­sche Haus­halts­ge­rä­te­händ­ler, der neu­er­dings Ber­li­na­le-Emp­fän­ge spon­sert. Na, pri­ma!

Und nein, die KI kann nicht dol­met­schen, LLMs kön­nen es nicht, und selbst wenn, wä­re es ge­fähr­lich für die De­mo­kra­tie, al­les par­tout aus­la­gern zu wol­len. War­um soll­ten sich Sprach­un­kun­di­ge mit 80 Pro­zent des ge­spro­che­nen Worts (oft in fal­scher Rei­hen­fol­ge, d.h. mit fal­schen Be­zü­gen) zu­frie­den­ge­ben, gar­niert mit 20 Pro­zent Vo­la­ti­lem: Leer­stel­len, von der KI Er­fun­de­nem oder eben Arty. 

War­um sol­len wir mög­li­cher­wei­se auch stra­te­gi­sche In­for­ma­tio­nen den gro­ßen Da­ten­kra­ken an­ver­trau­en? War­um sol­len wir die Gel­der, die sonst Men­schen in Eu­ro­pa zu­ge­flos­sen sind (und die als Kauf­kraft und Steu­ern hier ver­blie­ben sind), den Tech-Gi­gan­ten (vor al­lem in Über­see) zu­spie­len, die aus Geld­über­fluss und Selbst­über­schät­zung die De­mon­ta­ge der west­li­chen Welt fi­nan­zie­ren?

Dol­met­schen ist Ver­trau­ens­ar­beit, und noch nie ist ei­ne Do­lm­etsche­rin, ein Dol­met­scher, fer­tig vom Him­mel ge­fal­len. Die ve­rmeint­lich „ein­fa­chen“ Ein­sät­ze mit ih­ren Tisch­re­den, Höf­lich­kei­ten und Ge­mein­plät­zen sind für den Nach­wuchs ein Übungs­feld, um mit Lam­pen­fie­ber zu­recht­zu­kom­men, und sie ent­schä­di­gen auch uns Ge­stan­de­ne für an­de­re Ein­sät­ze, bei denen oft die (nicht ver­gü­te­te) Vor­be­rei­tung sehr auf­wän­dig ist, al­so in Sum­me gna­den­los un­ter­be­zahlt.

Die Sa­che mit den „al­ter­na­tiv­lo­sen“ KI-„Über­set­zern“ ist al­so nicht mo­dern und ef­fi­zi­ent, son­dern tech­nik­ver­liebt, un­zu­läng­lich und de­mo­kra­tie­feind­lich. Die KI über­nimmt auch kei­ne Ver­ant­wor­tung, nicht für ihre Er­geb­nis­se, nicht für even­tu­ell nö­ti­ge Re­pa­ra­tur­kos­ten. Die KI ist im wahrs­ten Wort­sin­ne ver­ant­wor­tungs­los. Nicht mehr und nicht we­ni­ger.

Die so­ge­nann­te KI ist nur künst­lich, aber kei­ne In­tel­li­genz. Das gro­ße, was­ser- und ener­gie­ver­schlin­gen­de Sys­tem ist das nichts an­de­res als ein enormes Auto com­ple­te. Sie ken­nen das vom Han­dy, wo wie von Geis­ter­hand Wör­ter fer­tig­ge­schrie­ben wer­den, die oft ge­nug falsch sind oder beim Tip­pen selbst nerv­tö­tend im­mer wie­der Be­grif­fe „fehl­kor­ri­gie­ren“. Ei­ner nann­te die KI mal auto com­ple­te on speed, ei­ne ge­dop­te au­to­ma­ti­sche Wort­ver­voll­stän­di­gung.

Und die KI ist der­zeit ein be­lieb­tes Spiel­feld für In­ves­tor:in­nen. Ei­ne enor­me Bla­se hat sich ge­bildet, die dem­nächst laut plat­zen wird. War­nung an die Po­li­tik: Haut sie nicht raus auf Kos­ten al­ler. Es ha­ben ge­nü­gend Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Pro­gram­mie­rer ge­warnt.

Die ge­kop­pel­ten Ma­schi­nen kön­nen nicht den­ken, da­her feh­len oft Sinn­zusam­men­hän­ge, die über das Satz­en­de hin­aus­ge­hen. Die KI ver­ar­bei­tet Zei­chen­ket­ten, re­pro­du­ziert be­kann­te Mus­ter. Da­her „kann“ sie oft Ge­mein­plät­ze, ver­sagt aber be­son­ders bei Neu­em und Au­ßer­ge­wöhn­li­chem, was ja die Gründe fürs Ausrichten von Kon­fe­ren­zen überhaupt sind.

Die KI weiß nichts von Sprech­ab­sich­ten, die KI denkt oft auch nicht über den Punkt hin­aus. Na­tür­lich lässt sich viel ver­bes­sern mit gu­ten Brie­fings und Hin­ter­grund­in­fos. Aber wol­len Sie tat­säch­lich ei­ne Mit­ar­bei­te­rin/ei­nen Mit­ar­bei­ter ta­ge­lang Prompts üben las­sen, ei­ne Tech­nik­bu­de teu­er be­zah­len und am En­de dro­hen Pein­lich­kei­ten?

Die KI „rech­net“ zu­dem nicht mit der Feh­ler­an­fäl­lig­keit der Men­schen, mit Nu­scheln, Dia­lek­ten, kör­per­li­chen Be­son­der­hei­ten, Fehl­be­to­nun­gen, ver­tausch­ten Wör­tern oder la­p­sus lin­guae.

Als Zu­schau­er:in ken­nen Sie die „Fehl­le­sun­gen“ und Fehl­leis­tun­gen von au­to­ma­tisch ge­ne­rier­ten Un­ter­ti­teln, wie sie bei You­Tube, aber auch an­de­ren An­bie­tern, so­gar teu­er be­zahl­ten, an der Ta­ges­ord­nung sind (ich sa­ge nur Net­flix). Wenn mangelhafter Krem­pel dann wei­ter­über­tra­gen wird, wer­den die Feh­ler fort­ge­schrie­ben. Am En­de kommt stel­len­wei­se gro­ber Dop­pel­murks her­aus, und wenn der Text noch in ein Sys­tem Text to voice hin­ein­ge­ge­ben wird, ha­ben wir das nächs­te Ein­falls­tor für Feh­ler und die Ver­grö­ße­rung der Be­ste­he­nden. Und der Murks der einen KI, ih­r Aus­wurf, wird von der anderen KI dann als „neu­es“ Trai­nings­ma­te­ri­al verstoffwechselt.

Ein durch die KI er­zeug­ter Tipp­feh­ler im Un­ter­ti­tel, der auf dem durch­schnitt­li­chen Mo­ni­tor we­ni­ger als ei­nen Zen­ti­me­ter groß ist, er­reicht auf der Lein­wand (ab­hän­gig von de­ren For­mat, of cour­se) dann Ma­ße zwi­schen Hand­tel­ler und Schul­li­ne­al. Er fällt al­so auf.

Hier als Raus­schmei­ßer noch ei­ne lus­ti­ge Fra­ge und, *räus­per*, wohl­feil un­ter­mau­er­te Ant­wor­ten. He­lau! (Ach nee, heu­te ist ja Ascher­mitt­woch.)

Ca­ro­li­ne Elias: Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren? ChatGPT: Ganz klar: zu Fuß. Wenn Du mit dem Au­to fährst, wird Dein Au­to auf den ers­ten 100 Me­tern noch schmut­zi­ger. Zu Fuß bleibt der Schmutz­grad kon­stant. Das ist lo­gi­scher und um­welt­scho­nen­der. Al­les an­de­re ist phi­lo­so­phisch frag­wür­dig.
Hier ei­ne Über­sicht über ei­ni­ge der ge­mach­ten Feh­ler: klick!

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Gra­fik:
ChatGPT

Dienstag, 17. Februar 2026

Globish (mal wieder)

Bon­jour und hal­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on und den Um­gang mit uns. Wir sind auf ei­nem Tief­punkt an­ge­langt.

Kuchen unter Glasglocken im Kerzenschein
Ge­burts­tags­ku­chen für einen Blog
Ei­gent­lich hat­te ich ge­ra­de mei­nen ei­ge­nen Fei­er­tag: Die­ser Blog be­steht ges­tern seit 19 Jah­ren! Er ent­stand auf der Ber­li­na­le in ei­ner Zeit, als es noch „das Blog“ hieß. Da­mals Pio­nie­rin, bin ich heu­te eine der letzten Mo­hi­ka­ner:in­nen ;-) …

Und wie alle x Jah­re stel­le ich mir auch heu­te die Fra­ge: wei­ter­ma­chen oder auf­hö­ren? Das Zwan­zigs­te geb' ich mir noch! Das wa­ren jetzt zwei Kom­men­ta­re zum Blog­gen!

Trauri­ge Be­ob­ach­tung: Die Ent­pro­fes­sio­na­li­sie­rung des Dol­met­sch­be­rufs schrei­tet mun­ter vo­ran. Grund­sätz­lich kommt der Nie­der­gang von au­ßen. Die ver­meint­li­che Lin­gua Fran­ca, das „Glo­bish“, hat ih­ren An­teil da­ran. Die Kri­se ver­flacht die Dis­kur­se.

Das zweite Problem ist die Technik: Die KI mit ih­ren „Wun­der­lö­sun­gen“ schei­tert oft gran­di­os, dann wer­den rasch Eng­lisch­teams zu­sam­men­ge­sucht, auch und be­son­ders bei lau­fen­den Kon­fe­ren­zen, um ein trag­fä­hi­ges Mi­ni­mal­an­ge­bot si­cher­zu­stel­len. Eng­lisch ist auch die Re­dun­danz, wenn das Preis­dum­ping da­zu ge­führt hat, dass die ein­be­stell­ten (Un)Kol­le­gin­nen, die da mit­ma­chen, nicht aus­rei­chend qua­li­fi­ziert sind.

Denn zu den prak­ti­schen Fä­hig­kei­ten hin­zu sind beim Dol­met­schen für Film­leute vie­le Kennt­nis­se ge­fragt, und zwar gleich aus meh­re­ren Be­rei­chen der Film­her­stel­lung, von der Stoff­ent­wick­lung über die Team­bil­dung, die Ka­me­ra­ar­beit (Auf­lö­sung, Ein­stel­lungs­grö­ßen, Blen­den­wer­te), Fra­gen von Schnitt, Soft­ware, End­fer­ti­gung, aber auch Dra­ma­tur­gie, Äs­the­tik, Aus­stat­tung, … ich weiß nicht, wie­ vie­le tau­send Wör­ter das sind. Ich ha­be sie ge­lernt in der Pro­duk­ti­ons- und Re­gie­as­sis­tenz, die ich als re­cher­chie­ren­de Jour­na­lis­ten jah­re­lang ne­ben der fremd­spra­chi­gen Be­treu­ung von Drehs in Frank­reich oder fran­zö­si­schen Drehs in Deutsch­land ge­macht ha­be, pa­ral­lel da­zu 20 + Jah­re auf der Ber­li­na­le.

Und so­gar mir feh­len manch­mal noch De­tail­be­grif­fe, weil sich die Film­her­stel­lung durch die Tech­nik stän­dig ver­än­dert. Ich fri­sche je­des Jahr auf. Lei­der er­lebe ich immer öf­ter, dass ich von Leu­ten er­setzt wer­de, die die üb­li­chen Sät­ze gna­den­los un­ter­bie­ten. Preis­dum­ping ist das Er­geb­nis ei­ner dop­pelten Fehl­ein­schät­zung: „Ich ge­he oft ins Ki­no, ken­ne mich aus, und es ist ja ‚nur‘ Kul­tur“.

Wenn, weil das Dol­met­schen dann nicht „fließt“, die Pres­se­in­ter­views in den Ho­tels schließ­lich auf Eng­lisch fort­ge­setzt wer­den, weil die In­ter­view­‚slots‘ nur 20 Mi­nu­ten lang sind, kann ich das gut ver­ste­hen. Die preis­dum­pen­de Dol­met­sche­rin denkt: „Die kön­nen gut ge­nug Eng­lisch, die spre­chen jetzt in ih­rer Wunsch­spra­che.“ Die Krea­ti­ven den­ken: „Scha­de, dass die­se Dol­met­sche­rin das Wis­sen nicht hat.“ Die Pres­se­agen­tur denkt: „Das nächs­te Mal spa­ren wir den Pos­ten ‚Sprach­mitt­lung‘, wenn die sich auf Eng­lisch gut be­hel­fen kön­nen.“

Als Re­dun­danz von „KI-Dol­metsch-De­sas­ter“ und von schlech­tem Dol­met­schen ist in bei­den Fäl­len Eng­lisch die ver­meint­li­che Uni­ver­sal­spra­che. Doch die De­tails ge­hen da­bei zu oft flö­ten. Und die Stim­me ist ein we­sent­li­cher Teil des Kör­per­li­chen, da­her lie­ben ech­te Ci­né­as­ten ja Un­ter­ti­tel. War­um müs­sen sich die Krea­ti­ven jetzt un­be­dingt al­le auf „Glo­bish“ selbst „syn­chro­ni­sie­ren“, um es mal sa­lopp zu sa­gen?

Ich ru­fe hier­mit den Wunsch in den gro­ßen Raum hin­ein: Be­sinnt Euch auf die kul­tu­rel­len Fein­hei­ten! Spra­che, ge­spro­che­ne Spra­che, Un­ter­ti­tel, das Art­work mit Buch­sta­ben drauf (Pres­se­heft, aber auch im Vor­feld: Pro­jekt­map­pe zur Ein­rei­chung) sind Eu­re Vi­si­ten­kar­ten und die Vi­si­ten­kar­ten des Films. Und da­mit auch Teil sei­ner künst­le­ri­schen und wirt­schaft­li­chen Wir­kung. Ihr druckt das doch auch nicht auf Klo­pa­pier, oder?

In der her­stel­len­den In­dus­trie ke­hren ge­ra­de die ers­ten Kund:in­nen zu­rück, die ha­ben ver­stan­den, was Profis wert sind. Da in den letz­ten Jah­ren vie­le aus dem Dol­metsch­be­ruf ge­flo­hen sind, kön­nen wir dem­nächst die Prei­se selbst be­stim­men.

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Fo­to: C.E.
Tags: #Ber­li­na­le2026 #1nt #xl8

Montag, 16. Februar 2026

Montagsschreibtisch (127)

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Hamburg, Lille, Köln oder an­ders­wo. 

Hier be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch sowie dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert.

Two Ladies and a Clown
Kar­ne­val 1926
So kalt wie die­se war lan­ge kei­ne Ber­li­na­le mehr, und jetzt auch noch Schnee! Wie oft liegt das Fes­ti­val in der Fa­schingszeit. Am Mor­gen prompt ei­nen Clown ge­se­hen, der es so schnell nicht ins Kino ge­schafft hat. Er muss­te vie­le Sel­fies mit ei­ner Grup­pe Asiat:in­nen ma­chen. Das hat mich an das Fo­to rechts er­in­nert!

Auf dem Mon­tags­schreib­tisch:
❦ An­ge­bot schrei­ben
❦ Ter­mi­ne planen
❦ Film­ex­po­sé Kor­rek­tur le­sen;
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung er­stel­len

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Samstag, 14. Februar 2026

Hintergrundarbeit

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie lesen hier im Blog ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che. Ich übersetze auch, und Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Ich schrei­be hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen, De­le­ga­tio­nen oder im Filmkontext. Ge­ra­de läuft die Ber­li­na­le, die in diesem Jahr et­was an­ders ist für mich als frü­her.
   
Wäh­rend die ers­ten Ver­leih­fir­men, Tech­nik­bu­den, Film­produktionsfirmen usw. ih­re Ber­li­na­le­früh­stücke ver­an­stal­ten, sit­ze ich am Vor­mit­tag am Schreib­tisch an zwei Tex­ten: Grund­la­gen­pa­pier und Pro­jekt. Das Zoom-Ge­spräch vor­ges­tern war sehr er­gie­big, zum Glück den­ke und schrei­be ich schnell.

Das Ge­sprä­ch musste ich aus­wärts ein­schie­ben, letz­ten Freitag: Am Ver­an­stal­tungs­ort von Mit­glie­der­ver­samm­lung und Em­pfang des Do­ku­men­tar­film­ver­bands AG DOK, ei­nem Co­wor­king-Space, gibt es im Un­ter­ge­schoss Te­le­fon­bo­xen, und auf die Schnel­le hat­te ich mich schon auf der Trep­pe auf dem Mo­bil­te­le­fon ins Ge­spräch ein­ge­loggt. „Man muss sich nur zu hel­fen wis­sen“, sag­te mei­ne klei­ne Oma im­mer, „Omaus“, ge­nannt. Und das ha­be ich von ihr ge­lernt: Zack!, meine im­pro­vi­sier­te Ar­beits­sta­tion, mit dem al­ten Pri­vat­han­dy fo­to­gra­fiert. Eh­re, wem Eh­re ge­bührt!

Ei­nen An­teil an der Schnel­lig­keit in Sa­chen Ideen­fin­dung hat si­cher aber auch mein Dol­metsch­be­ruf. Wir sind ja da­rauf trai­niert, fix Lö­sun­gen zu fin­den, die wie hier im wahrs­ten Wort­sin­ne trag­fähig sind.

Das Holz ist der ein­fachs­te, leich­tes­te Lap­top­stän­der der Welt und heißt „it stood“
Nach­mit­tags ging es zu einer Pres­se­kon­fe­renz ins Rote Rat­haus, dann ins Ki­no.

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Fo­tos: C.E.

Freitag, 13. Februar 2026

Rennstrecke (1)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te. Hier nur kur­ze Fuß­no­ten zur Ber­li­na­le 2026.

Groß­ar­ti­ger Sit­zungs­saal in ei­nem ehe­ma­li­gen Um­spann­werk (Strom)
Der Saal kurz vor Ver­an­stal­tungs­en­de
Wäh­rend an­ders­wo der Kar­ne­val tobt, step­pt in der deut­schen Haupt­stadt der Ber­li­na­le­bär.
Vor­mit­tags: ler­nen im Büro für ei­nen Ein­satz zur in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit und Men­schen­rech­te, nach­mit­tags: eben je­ner Ter­min, spä­ter Nach­mit­tag: Ver­bands­tref­fen, neue Hin­ter­grün­de ler­nen und von Trends er­fah­ren.
Wich­tig ist aber auch die Kon­takt­ar­beit!

A­bends dann: klei­ner Emp­fang, ge­folgt von noch ei­ner Zoom-Sit­zung, wo es um Ak­ti­vi­tä­ten zur Hu­man In­tel­li­gence ver­sus KI geht, dann noch um die Ecke zum Emp­fang ei­nes Film­ver­leihs.

Ich bin auf der Ber­li­na­le und ma­che das, was wich­tig ist: In­ter­es­sens­ver­tre­tung, und ich dol­met­sche auch auf Zu­ruf.

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Fo­to: C.E. / der Ort heißt BuM

Donnerstag, 12. Februar 2026

Berlinaledolmetschen 2026

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Sprach­mitt­le­rin. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch … und Film. Auf die­sen Sei­ten er­zäh­le ich re­gel­mä­ßig so, dass man nicht im­mer die Be­tref­fen­den er­kennt, da­für aber die Si­tu­a­tio­nen. Heu­te: Ber­li­na­le. Im Schat­ten des gro­ßen Events bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. 

Un­sicht­bar: Das wird die­ses Jahr auf dem Blog so blei­ben. Nur kur­ze Sta­tus­mit­tei­lun­gen, kein Hin­ter­grund, mir fehlt die Zeit, die ich mir vor Jah­ren noch ge­nom­men hat­te ... bzw., klei­ner Blick ins Näh­käst­chen: Ich hat­te einst Stü­cke vor­pro­du­ziert, die wie­der­keh­ren­den Mo­men­te schon be­schrie­ben, be­vor das Fes­ti­val über­haupt er­öff­net war, und die­se Tei­le dann ak­tua­li­siert!

Berlinale-Bär, vom Inneren des „Festivalpalasts“ aus gesehen
POV der Dolmetscherin kurz vor Filmstart
So ar­bei­ten Me­di­en ja auch. Im Erst­be­ruf war ich Jour­na­lis­tin, und mit Ma­te­ri­al im Steh­satz lässt sich gut blog­gen und auch Zu­sa­gen ma­chen, wie mein täg­li­ches Ber­li­na­le-Ge­flüs­ter auf UEPO aus dem Jahr 2009: Hier geht's zum ers­ten Bei­trag der Rei­he.

Was steht die­ser Ta­ge an? Die Ber­li­na­le hat noch un­ter Koss­lick in un­se­re Bran­che fies rein­ge­metz­gert und dem Film und der Kom­mu­ni­ka­ti­on da­mit kei­nen Ge­fal­len ge­tan. Die meis­ten Film­ge­sprä­che sind in­zwi­schen auf Eng­lisch, so­gar in der Ju­gend­sek­ti­on. Das hat ab­sur­de Fol­gen, wie zum Bei­spiel vie­le Jah­re Film­kul­tur­ar­beit in ei­ner Neu­köll­ner Brenn­punkt­schu­le in we­ni­gen Mi­nu­ten durch „Klas­sis­mus“ zer­stört wor­den sind.

Das ha­be ich hier ir­gend­wo be­schrie­ben ... Mo­ment ... ach, Mist, ich fin­de den Link nicht. Kurz­fas­sung: Tee­na­ger aus Neu­kölln mit Zweit­spra­che Deutsch rät­seln über eng­li­sche Un­ter­ti­tel, die Büh­nen­spra­che ist auch EN, an­de­re jun­ge Teil­neh­mer:innen des Ju­gend­film­wett­be­werbs brüs­kie­ren sie auf of­fe­ner Büh­ne mit per­fek­tem Eng­lisch (Ju­gend­li­che von in­ter­na­tio­na­len Schu­len in Ber­lin) und stel­len sie in ge­meins­ter Wei­se bloß. Bäng! Zi­tat: „Nie wie­der dein Scheiß Kul­tur­ki­no, ab jetzt nur noch Ac­tion­fil­me!“

Vie­le Men­schen aus Ost­deutsch­land, aber auch West­ber­li­ner und West­deut­sche sind nicht so per­fect­ly flu­ent in Eng­lish; bei den Q & As, ques­ti­ons and an­swers, frü­her: Pu­bli­kums­ge­sprä­che, sind meist nur die glei­chen Per­so­nen ak­tiv, in­ter­na­tio­na­le Gäs­te, EN-Mut­ter­sprach­ler, sehr sel­ten sind die auf Deutsch oder Wa­ckel­eng­lisch ge­stell­ten Fra­gen.

Al­so ar­bei­te ich im Hin­ter­grund, mit Pro­du­zen­ten und Pres­se­leu­ten, kurz: dort, wo es für die Ver­lei­her wirk­lich auf Nu­an­cen an­kommt, denn Murks ge­fähr­det Um­sät­ze.

Und ich stel­le er­schüt­tert fest, dass ich bei vie­len In­ter­views von ei­ner Kol­le­gin aus­ge­boo­tet wur­de, die ich mal für ei­ne an­de­re Sprach­kom­bi­na­ti­on emp­foh­len ha­be, die jetzt in die und aus der Fremd­spra­che für (ver­mut­lich deut­lich) we­ni­ger als 50 Pro­zent der Ho­no­ra­re ar­bei­tet, als sie ei­gent­lich üb­lich sind. Es ist nicht ein­fach für mich, laut zu wer­den. Wir Dol­met­scher:in­nen sind ja ge­prägt vom di­plo­ma­ti­schen Par­kett.

Mein Ver­ständ­nis ist höchst ge­ring. „Wir wa­ren jung und brauch­ten das Geld“ wä­re schlimm, ist aber nicht der Fall, wenn es um eta­blier­te Kräf­te mit aus­kömm­li­chen Ren­ten­an­sprü­chen al­lei­ne durch ei­nen gut­ver­die­nen­den Gat­ten geht. Man­che ver­die­nen sich die Ex­tras für den Ur­laub hin­zu. Ich ar­bei­te für mei­nen Le­bens­un­ter­halt und mei­ne ei­ge­nen Al­ters­rück­la­gen. Bit­ter.

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Fo­to:
C.E. (Ar­chiv)

Dienstag, 18. Februar 2025

Leben im Wartestand

Hal­lo! Sie ha­ben zu­fäl­lig oder ab­sicht­lich ei­ne Sei­te mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs auf­ge­schla­gen. Ich bin Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für Po­li­tik, Wirt­schaft und Land­wirt­schaft, Me­dien, So­zia­les und Kul­tur. Der­zeit bin ich auf der Ber­li­na­le un­ter­wegs und wun­de­re mich mal wie­der.

dorisch, ionisch, korinthisch
Säulenordnung mit Lerntipp
Lu­xus­ho­tels sind Nicht­or­te, Film­ku­lis­sen oh­ne Dreh­buch. Ich war­te, mein Blick schweift ab. Do­ri­sche, io­ni­sche und ko­rin­thi­sche Ka­pi­tel­le wur­den hier wild auf Säu­len aus Be­ton­guss ver­klebt, als hät­te ein Bau­herr zu tief in den Mus­ter­ka­ta­log ge­schaut.

Den Fuß­bo­den müs­sen sie in den letz­ten Jah­ren er­neuert ha­ben. Die Säu­le da­run­ter wur­de im Fuß­bo­den­be­reich ei­nige Zen­ti­me­ter tief ein­ge­schnit­ten und hängt in der Luft. Das Gan­ze wirkt wie ein Sym­bol der La­ge: Viel De­ko, viel Schein, aber an Stand­fes­tig­keit man­gelt's. Was nach Kul­tur aus­sieht, ist ren­di­te­op­ti­mier­ter Bil­lig­bau mit zu viel dran­ge­klatsch­tem Or­na­ment.

Kultur zur Um­satz­stei­ge­rung
Ich ver­sen­ke meine Nase in meine Un­ter­la­gen: Sich­tungs­no­ti­zen, Re­cher­chen zum Film­team, Vo­ka­beln, Pro­duk­tions­hin­ter­grü­nde, po­li­ti­sche As­pek­te und Kon­flik­te.

Zwei Kell­ner be­we­gen sich ma­xi­mal­ver­huscht durch die Gän­ge, ba­lan­cie­ren Ta­bletts auf den Ar­men, die Sil­ber­löf­fel klir­ren lei­se an zar­tem Por­zel­lan, je­de Be­we­gung sitzt.

Es riecht nach Par­füm. Über al­lem liegt ein gleich­för­mi­ger Klang aus klas­sisch an­mu­ten­den Tonfolgen, die sich nicht auf­drängen, nicht exis­tieren, aber doch prä­sent sind. Mu­sak heißt die­ser Sound­track von Ho­tel­lob­bys, Fahr­stüh­len und Kauf­häu­sern, gro­ße Be­lie­big­keit, in No­ten ge­gos­sen.

Millimeterarbeit
Ne­ben mir der Tee­wa­gen, da­rauf Pe­tit fours und Schnitt­chen, pas­send zum Am­bi­en­te – klein, mil­li­me­ter­ge­nau ka­riert, wie aus ei­nem Ku­li­na­rik-Stock­fo­to. Den Kell­nern und den Bäckern füh­le ich mich ge­ra­de am nächs­ten, reelles Handwerk. Ich war­te auf die Gäs­te. TV-Leu­te, für die wich­tig ist, dass je­des Wort sitzt. Sie ar­bei­ten für die News, al­les eilt.

Drin­nen war­tet der Film­star, der gleich in­ter­viewt wer­den wird. Die Pres­se­da­me ist nicht auf­ge­taucht. Ich bin ge­spannt, ob die Fra­gen der TV-Leu­te über­ra­schend sind oder das Pres­se­haft spie­geln. Ich ken­ne den ro­ten Fa­den lei­der nicht, ob­wohl ich im Vor­feld freund­lich da­rum ge­be­ten hat­te.

Ber­li­na­le im Wan­del
Das Team ver­spä­tet sich. Die Ber­li­na­le war ein­mal ein Ort, an dem vie­le Spra­chen auf der Büh­ne ge­spro­chen wor­den sind, aber auch bei den Pres­se­ter­mi­nen, bei der Kul­tu­ren und Un­ter­schie­de selbst­ver­ständ­lich ih­ren Raum hat­ten. Das galt als un­ver­meid­lich, war schön, manch­mal ein we­nig chao­tisch. Heu­te er­lebe ich einen Rest da­von.

Denn meis­tens wird in­zwi­schen ver­ein­facht und ver­flacht. Fast al­le Ge­sprä­che fin­den in­zwi­schen auf sim­pli­fied Eng­lish statt – was zunächst in­ter­na­tio­nal klingt, zer­stört in der Pra­xis aber die Kom­ple­xi­tät. Fra­gen sind ver­schlich­tet, Ant­wor­ten kür­zer, die Ge­sprä­che ver­lie­ren an Tie­fe. Es betei­li­gen sich auch nicht mehr so vie­le Men­schen wie früher. Groß­ar­ti­ge Fra­gen stel­len noch ei­ni­ge Mut­ter­sprach­ler (oder Leu­te, die so klin­gen) – aber es sind we­ni­ger ge­wor­den. Die Zu­rück­hal­tung vie­ler, die ihre ei­ge­nen Sprach­kennt­nis­se als un­zu­rei­chend ein­stu­fen, ist nach­voll­zieh­bar.

Ich er­le­be das je­des Jahr aufs Neue. Die Q&A-Run­den nach den Fil­men sind kür­zer, sie fin­den nach den Wie­der­ho­lun­gen nicht mehr sys­te­ma­tisch statt. Es ist, als hät­te nie­mand aus der Pan­de­mie ge­lernt: Live und vor Ort er­öff­net ein Fes­ti­val Ge­le­gen­hei­ten, die di­gi­ta­le Kom­mu­ni­ka­tion ein­fach nicht bie­ten kann.

So­lan­ge sich zu wenige be­schweren, läuft das mun­ter so wei­ter; die Hin­wei­se Ein­zel­ner wer­den mun­ter weg­ge­lä­chelt. 

Qua­li­tät, die nie­mand will
Die ein­zi­gen, die sich heu­te für Exakt­heit in­ter­es­sie­ren, sind eben die TV-Leu­te und et­li­che an­de­re Jour­na­lis­ten. Sie brau­chen kla­re In­fos, ein­deu­ti­ge Über­set­zun­gen, Zäh­ler­stän­de (Time­codes). Das Team heute hat kaum Zeit für den Schnitt, vor Ort wird das Ge­dreh­te gleich aus­ge­wer­tet, ich darf unter­stüt­zen.

Heute ist auch wieder ein guter Ho­no­rar­tag. In Zei­ten der geo­po­li­ti­schen Kon­flik­te, der neuen Prio­ri­tä­ten und des Macht­va­ku­ums, das uns das vor­zei­ti­ge En­de der Koa­li­tion be­schie­den hat, herrscht har­ter Kon­kur­renz­kampf um die we­ni­gen Dol­metsch­ein­sät­ze. Die Ho­no­ra­re wur­den ge­drückt, die Kund­schaft nutzt un­se­re Not aus, und ja, auch da schrum­pfen Bud­gets, und "Neh­men Sie das bit­te nicht per­sön­lich!" ...

Grund­sätz­lich in War­te­hal­tung
Jen­seits der Ber­li­na­le schei­nen vie­le Pro­gram­me, für die wir sonst dol­met­schen, ein­ge­fro­ren zu sein, bis es wie­der neu­e Fach­mi­nis­ter und -mi­nis­te­rin­nen gibt. Al­most every­thing is on hold.

Dass an dem Gan­zen Men­schen hän­gen, die da­von le­ben, scheint ähn­lich wie in der Pan­de­miezeit, in der wir So­lo-Selb­stän­di­gen über­wie­gend von Luft und Lie­be (und den Rück­lagen fürs Al­ter) le­ben durf­ten, kaum zu in­te­res­sie­ren.

Alles chic, von au­ßen be­trach­tet
Was sicht­bar ist: Gro­ße Na­men, ro­ter Tep­pich, zu dün­ne Kleid­chen fürs Win­ter­wet­ter, Ka­me­ras, Licht. Was nicht sicht­bar ist: Die Sub­stanz brö­ckelt. In alt­mo­di­schen Be­grif­fen: Das Kul­tur­ver­stän­dnis ist im Kern an­ge­grif­fen, wie die­se Säu­le, die hier vor mei­nen Augen in der Luft schwebt.

Was ich oben schrieb, gilt für die Pub­li­kums­ge­sprä­che nach den Fil­men. In­zwi­schen greift das „Wir ma­chen al­les auf EN und brau­chen kei­ne Pro­fis mehr“-Prin­zip an ei­ni­gen Stel­len lei­der auch auf die Pres­se­ar­beit über, be­son­ders bei den jun­gen Pres­se­leu­ten. Ich hoffe, sie ler­nen in der Pra­xis hinzu!

Und jetzt? Neue Chan­cen ...
Was macht das mit mir? Ich bin un­ge­dul­dig und warte nicht gerne. Ab und zu scrol­le ich zu­hau­se oder im Zug durch Stel­len­an­zei­gen. Ei­ne hal­be Stel­le wä­re ide­al. Ich muss fle­xi­bel sein, An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge lässt sich nicht im­mer pla­nen.

Ich ha­be mir mei­ne Kund­schaft schon be­wusst weit ge­streut aus­ge­sucht: Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit, Kul­tur, Bil­dungs­rei­sen, Agrar-Öko­lo­gie, Ur­ba­nis­mus, Di­plo­ma­tie. Und doch wächst die Furcht, dass die­se The­men bald als "Schön­wet­ter­lu­xus" de­fi­niert zu­sam­men­ge­stri­chen wer­den könn­te, Kri­se und Po­pu­lis­mus haben Fol­gen. (Ich be­ob­ach­te, was in den USA pas­siert.)

Die Furcht ist das ei­ne. Zum Glück ha­be ich viel ge­lernt, stu­diert und ei­ne brei­te Be­rufs­er­fah­rung. Ich müss­te ver­schie­de­ne Op­tio­nen ha­ben. Bald ge­he ich zur Be­rufs­be­ra­tung. Ich füh­le mich zwi­schen­durch wie mit zar­ten 17 Len­zen. Ich bin neu­gie­rig und of­fen und hof­fe, dass die­se deut­sche Men­ta­li­tät, dass die Be­wer­be­rin zu 100 Pro­zent 'pass­ge­nau' sein muss, end­lich pas­sé ist. Wir ha­ben Fach­kräf­te­man­gel. Das Wort "über­qua­li­fi­ziert" möch­te ich nie wie­der hö­ren.

Kalt­start, wie oft
Ich bli­cke er­neut auf die Uhr. Dann wieder auf den Gang zum Fahr­stuhl. End­lich kommt das TV-Team mit sei­ner gan­zen Tech­nik an­ge­schleift, leicht au­ßer Atem. Das In­ter­view geht in we­ni­gen Mi­nu­ten los. Drei, vier Wor­te mit dem Re­dak­teur ge­wech­selt, dann los! Kein Pro­blem. Kalt­start kann ich.

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Foto: Lehr­buch­sei­te (mit Mne­mo­trick)

Mittwoch, 21. Februar 2024

Welttag der Muttersprache

Will­kom­men auf den Sei­ten des ers­ten Blogs Deutsch­lands aus der Dol­metsch­ka­bi­ne, seit 2020 pan­de­mie­be­dingt häu­fig auch 'out­side the box' (*), der Blick von au­ßer­halb der Dol­met­sch­ka­bine auf das Le­ben: Vom ei­ge­nen On­line-Dol­metsch­stu­dio aus, aus der Über­set­zer­werk­statt, über den sprach­be­ton­ten All­tag in schwie­ri­gen Zei­ten und über lan­des­ty­pi­sche The­men.

Heute ist der Tag der Mut­ter­spra­che. Wäh­rend mich von den Spiel­or­ten und Treff­punk­ten der Ber­li­na­le Krank­mel­dun­gen erei­len, die In­fluen­za gras­siert, sit­ze ich kurz­fris­tig und in Kran­ken­ver­tre­tung am Pro­jekt­ma­nage­ment für eine Doku­men­tar­film­end­fer­ti­gung.

Dateien hochladen und intelligenter arbeiten mit AI  Erstellen Sie eine Wissensdatenbank und füllen Sie sie mit Ihren Dokumenten. Sie ist buchstäblich Ihr zweites Gehirn. Komponieren sie  Los geht's Kollaborieren mit KI, die Ihre Stimme spricht, kennt Sie und Ihr unternehmen, gefüllt mit den neuesten Trends im Web.
Manch­mal bet­telt die KI um Da­ten

In den Un­ter­la­gen dazu liegt auch eine Über­set­zung aus dem Fran­zö­si­schen. In der deut­schen Fas­sung se­he ich auf den ers­ten Blick Un­stim­mig­kei­ten. Ich las­se mir den Aus­gangs­text zu­schi­cken und sehe, die Erst­über­tra­gung hat die KI ge­macht, und dann war ein Mensch damit be­auf­tragt ge­we­sen, das Er­geb­nis zu ver­bes­sern. Das End­pro­dukt war, wie ich der Kor­re­spon­denz ent­nehme, auch noch sehr teu­er ge­we­sen.
Hin­ter­grund des Mal­heurs: In der Pro­duk­ti­ons­fir­ma kannte nie­mand den Un­ter­schied zwi­schen einer vor allem im In­ter­net prä­sen­ten Agen­tur und Frei­be­ruf­ler:in­nen.

Text ver­sus Tex­ti­les

Im Ver­gleich mit dem Klei­der­han­del wäre das Erste die Dis­coun­ter­ket­te mit der Weg­werf­mo­de, die Ware wird in Kar­tons in In­dus­trie­re­ga­le ge­sta­pelt, hält nicht lange, wurde mög­li­cher­wei­se au­ßer­halb Eu­ro­pas mit gif­ti­gen Che­mi­ka­li­en ge­färbt; und das Zweite, Frei­be­ruf­ler:in­nen, sind da­ge­gen die Schnei­der­meis­ter­be­trie­be mit Qua­li­täts­be­wusst­sein.

Ne­ben die­sen Pseu­do­agen­tu­ren gibt es gut ar­bei­ten­de, al­te Be­trie­be, lei­der ist im Netz nicht zu se­hen, wer hier wer ist. Aber die­se (z.T. auch schon wieder älteren New­co­mer, Adres­se, Web­prä­senz und Stock­fo­tos kos­ten nicht viel. arbeiten wie Mak­ler: Ge­rin­ges Ei­gen­in­vest­ment, schnel­ler Wei­ter­ver­kauf (hier: der Ar­beit an Sub­un­ter­neh­mer:in­nen) mit größ­ter Mar­ge, Kun­den­zu­frie­den­heit oder Kun­den­bin­dung ste­hen nicht im Zen­trum des Un­ter­neh­mens. Hit and run, schnell zu­schla­gen und wei­ter!

Frei­be­ruf­le­r:in­nen im Netz­werk oder be­gab­te Crew­mit­glie­der?

Der Ver­gleich hinkt, nie­mand wählt beim Klei­der­kauf zwi­schen Weg­werf­kla­mot­ten und Haute Cou­ture. Gründ­lich und maß­voll ar­bei­ten Fach­be­trie­be und Netz­wer­ke von Frei­be­ruf­ler:in­nen. Wir sind ei­gent­lich die preis­wer­ten, je­ne, die ihren Preis wert sind. Last but not least gibt es auch noch be­gn­ade­te Schnitt­as­sis­tent:in­nen oder Mit­ar­bei­ten­de an­de­rer Ge­wer­ke, die sich müh­sam ein­ge­ar­bei­tet ha­ben. Letz­te­re sind sel­ten — und sie sind meis­tens von lin­guis­ti­schen Be­trach­tun­gen und dem Er­fah­rungs­schatz der letz­ten Jahr­zehn­te ab­ge­schnit­ten.

Den oben er­wähn­ten Text habe neu über­setzt, das ging schnel­ler. Vie­le von uns Sprach­pro­fis lek­to­rie­ren die Ar­beit von an­de­ren Pro­fis mit Ver­gnü­gen. Aber es ist frus­trie­rend, wenn es aber gar nicht um das Mit­den­ken bei Sprach­kno­be­lei­en geht, nicht darum, einen gu­ten Text noch bes­ser zu ma­chen, son­dern ei­gent­lich nur um Flick­e­rei des­sen geht ist, was kal­te Bits und Bytes hin- und her­ge­scho­ben ha­ben.

Qua­li­tät und Wahr­schein­lich­keits­rech­nung

Die KI lie­fert ihre Tex­te mit "Über­tra­gungs­lö­sun­gen", die sie für die wahr­schein­lich bes­ten hält. Sie "ana­ly­siert" das be­reits Ver­öf­fent­lich­te und schiebt mit Al­go­rith­men die plau­si­bels­ten Re­de­wen­dun­gen in den Vor­der­grund. Das Er­geb­nis ist der Quer­schnitt des be­reits Ver­öf­fent­lich­ten, was nicht zwin­gen­der­wei­se schlech­ter Durch­schnitt sein muss, denn es gibt ja her­vor­ra­gen­de Tex­te im Netz.

Aber meis­tens klingt es ver­hack­stückt, ge­bas­telt, im­mer wie­der schräg ... und wie­der­holt wa­ren in mei­nem kon­kre­ten Fall kom­plett fal­sche Sachen zu le­sen. An­geb­lich wur­den die Ma­schi­nen mit al­lem ge­füt­tert, was das Word wide web bis vor eini­gen Jah­ren ver­füg­bar hatte. 2026 soll die KI das gan­ze Netz 'aus­ge­le­sen' ha­ben. Die Ma­schi­nen ha­ben also schlicht kei­nen Zu­griff auf neu­ere In­for­ma­tio­nen und flicken die Lücken mit wil­den Er­fin­dun­gen.

Brü­che in der Ton­spur

Er­in­nern Sie sich an den Film "Die fa­bel­haf­te Welt der Amé­lie" von Jean-Pierre Jeu­net ? Die trau­rige Con­cier­ge ih­res Wohn­hau­ses hat­te lan­ge nichts mehr von ih­rem Mann ge­hört. Da­rauf­hin schlich Amé­lie in die Con­cier­gen­woh­nung, "lieh" sich die Brie­fe des Ver­miss­ten aus, ging in den Co­py­shop und stell­te mit der Sche­re "neue" Briefe aus Wort­schnip­seln zu­sam­men.

Er­in­nern Sie sich auch an die Ton­spur da­zu? Die Stim­me war mal oben, mal unten, mal ver­rauscht, mal ver­raucht, mal kam sie von links, mal aus einer tie­fen Höh­le oder klang müde. Die Sät­ze be­stan­den vor allem nur aus Sprün­gen. SO "klin­gen" viele von der KI über­tra­ge­ne Texte für Mut­ter­sprach­li­che Ohren.

Schlimm, dass jetzt im­mer mehr schlam­pig Lek­to­rier­tes ge­druckt wird, wo­durch sich die deut­sche Spra­che lang­sam ver­än­dert, sie wird stei­fer, im­mer häu­fi­ger fließt di­rekt aus dem Eng­li­schen Über­setz­tes in die All­tags­spra­che ein, ob­wohl Mut­ter­sprach­ler:in­nen ei­gent­lich spon­tan ganz an­de­re Be­grif­fe ver­wen­den würden.

Neue Mut­ter­spra­che "DEng­lish"?

Oder aber die Spra­che steckt vol­ler ech­ter oder fal­scher An­gli­zis­men, weil es mo­disch ist, sich so aus­zu­drücken.

In der Pau­se am Mor­gen drau­ßen so­was in der Art gehört: "Im­mer diese Rush hour mor­gens, erst die Gro­ße zum Wal­king bus brin­gen, dann die Klei­ne an der Drop off-Zone ab­set­zen, den Mann hab ich heu­te zum Flug­ha­fen ge­bracht ... Nein, das kos­tet mich nichts, gut dass es Kiss and fly gibt, vor dem ers­ten Meeting noch einen Cof­fee to go und ein Wrap, ..."

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Il­lus­tra­tion:
Netz­fund (nicht in der CI-Farbe,
leicht ver­än­dert)

Dienstag, 20. Februar 2024

Isabelle Huppert: Rückblick

Hel­lo, bon­jour & gu­ten Tag! An die­ser Stel­le bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin über den Be­rufs­all­tag ei­ner Bran­che. Wie Dol­met­scher tic­ken (und Dol­met­sche­rin­nen), kön­nen Sie hier le­sen und mit­er­le­ben. Mei­ne Spra­chen sind Fran­zö­sisch, Eng­lisch und na­tür­lich auch Deutsch, mei­ne Mut­ter­spra­che.

Sei­fe statt Hoff­nung
Nach­trag zu ge­stern, Isa­bel­le Huppert auf der Ber­li­na­le! Vor zwei Jah­ren er­hielt sie ih­ren gol­de­nen Ber­li­na­le­bä­ren di­gi­tal, und wir hat­ten ein 'hüb­sches' Bei­spiel für die Chan­cen und Schwie­rig­kei­ten, die die Di­gi­ta­li­sie­rung al­ler Le­bens­be­rei­che mit sich bringt, sie­he rechts.

Hier der Link zum Blo­gein­trag von 2022: klick!

Die Sze­ne fand im zwei­ten Co­ro­na­win­ter statt, und wir al­le wa­ren froh, dass es die­se Art von Un­ter­bre­chun­gen in den Mo­na­ten des so­zia­len Rück­zugs über­haupt gab.

Die KI ist Hand­werks­zeug, ein "Tool", ähn­lich wie in den Hän­den ei­nes Chir­ur­gen und ei­ner Pi­lo­tin. Die Pi­lo­tin muss auch im Zwei­fels­fall selbst al­les regeln, und in schwie­ri­gen Mo­men­ten muss sie die Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Auch der Chir­urg ope­riert selbst, er muss wis­sen, was pas­siert, und die KI und die mi­kro­sko­pisch fei­nen Ge­rät­schaf­ten un­ter­stüt­zen ihn da­bei. In der Sprach­ar­beit ist das nicht an­ders. (Und es kommt noch ein Punkt hin­zu: Stel­len wir uns kurz vor, dass al­les zen­tral von Ma­schi­nen ge­re­gelt wer­den wür­de, da wä­re nur noch ei­ne ver­ein­fach­te Spra­che er­laubt, wür­de ge­lehrt und be­lohnt; 'ge­fähr­li­che' Be­grif­fe wä­ren schlicht ver­bo­ten.

Kurz: Die KI ist ein Werk­zeug, kein Hirn­er­satz.

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Il­lus­tra­ti­on: Ber­li­na­le

Montag, 19. Februar 2024

Wanderbühne

Wie Über­set­zer und Dol­met­scher ar­bei­ten, aber auch Über­set­zer­in­nen und Dol­met­sche­rin­nen, er­fah­ren Sie in die­sem Blog. Als Deutsch-Mut­ter­spra­ch­le­rin bin ich Teil ei­nes in­ter­na­tio­na­len Netz­werks, die Zweit­spra­che ist Fran­zö­sisch; die Bü­ro­kol­le­gin über­trägt Tex­te ins Eng­li­sche. Wir ar­bei­ten in den Fel­dern Wirt­schaft, Kunst, Land­wirt­schaft, Me­dien, Po­li­tik, So­zia­les. Ge­ra­de bin ich auf der Ber­li­nale.

Gruppenbilder mit Dolmetscherin, die ihren Platz sucht
Pfeil: Dolmetscherin bei der Arbeit
Schon vor zwei Jah­ren sollte Isa­bel­le Huppert der Goldene Eh­ren­bär für ihr Le­bens­werk über­reicht wer­den, nun wurde das nach­ge­holt. Eine sehr ent­spann­te Film­di­va stand heu­te Abend auf der Büh­ne des Zoo-Pa­lasts und er­zähl­te strah­lend von ih­rer Zu­sam­men­ar­beit mit An­dré Té­chi­né bei den Dreh­ar­bei­ten zu Les gens d'à côté

Es war ein sehr schö­ner Mo­ment, den ich zu­sam­men mit mei­ne Lieb­lings­film­über­set­zer­kol­le­gin A. ge­nos­sen habe. Die Un­ter­ti­tel des Films wa­ren auf Eng­lisch; auch das Film­ge­spräch wurde auf Eng­lisch ge­führt. Ei­ner der Dar­stel­ler sprach Fran­zö­sisch, eine Kol­le­gin hat dann FR<>EN ge­dol­metscht.

Das Mi­kro­fon sollte ganz am Rand der Büh­ne ste­hen, da­bei war nur an die Rich­tung FR>EN ge­dacht, also für die Oh­ren des Pu­bli­kums. Da­bei stell­ten auch eini­ge Zu­schau­er ih­re Fra­gen auf Fran­zö­sisch. Ei­ner der Schau­spie­ler war da­für dank­bar, dass die Dol­metsch­kol­le­gin ihm auf FR zu­min­dest die Fra­gen zu­ge­flüs­tert hat, die an ihn ge­rich­tet wa­ren. Dann muss­te sie sich sputen und ei­gent­lich spur­ten, al­so zum Mi­kro­fon ren­nen, so­was geht aber nicht auf of­fe­ner Büh­ne, weil es die Auf­merk­sam­keit von den Stars ab­zieht und La­cher pro­vo­ziert.

Ru­hig und wür­de­voll schritt sie al­so imm­er wie­der hin und her, no­tier­te sich (teils beim Ge­hen) das Ge­sag­te, dol­metsch­te ganz wun­der­bar, dann ging's wie­der zu­rück.

Irgend­wann wur­de es ihr (zu­recht) zu dumm und sie hat das Mi­kro­fon et­was nä­her an die Schau­spie­ler­grup­pe ran­ge­holt. Aber so rich­tig nah, wie sie hätte ste­hen müs­sen, stand sie am Ende nicht, das Mi­kro­fon­ka­bel war zu kurz. Und grund­sätz­lich gab es da ver­mut­lich ir­gend­ei­nen Or­der Mufti, da­mit die Dol­metsch­erin, ogottogott, nicht zu nah bei den Stars steht, sie könnte ja zu­fäl­lig auf ir­gend­wel­che Pres­se­fo­tos ge­ra­ten!

Die An­ord­nung auf der Büh­ne bringt mich lei­der ... zum Kopf­schüt­teln (be­müht um Di­plo­ma­tie). Wer plant sowas? Wer be­zieht da die Dol­metsche­r:in­nen nicht mit ein? War­um reißt aus­ge­rech­net im Be­reich Spra­che stän­dig die Wis­sens­wei­ter­lei­tung ab?

Vo­ka­bel­no­tiz: Die Büh­ne hier er­wies sich als "Wan­der­büh­ne". Für die Nicht-Mut­ter­sprach­le­r:in­nen: die­ser Begriff steht ei­gent­lich für rei­sen­des The­ater.

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Fo­tos:
C.E.

Samstag, 17. Februar 2024

Berlinale mit Kopfweh

Was und wie Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­set­zer (und Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen) ar­bei­ten ist im 18. Jahr Ge­gen­stand von "Dol­met­scher Ber­lin". Mei­nen Be­ruf übe ich mit viel Lei­den­schaft aus. Wirk­lich leid­voll ist nur man­che kul­tu­rel­le Ent­wick­lung.

Dolmetschpult und Mikrofon
Dol­met­schen mit Na­mens­schild (die Aus­nah­me)
Es gibt bei jeder Ber­li­na­le ein neu­es "erstes Mal." Dieses Mal wa­ren Lieb­lings­film­über­set­zer­kol­le­gin A. und ich die letz­ten, die nach ei­nem Früh­stücks­emp­fang ih­re Män­tel und Ta­schen ab­ge­holt ha­ben! Tusch!
Frü­her bin ich nur kurz auf Emp­fän­ge ge­gan­gen, wenn es ei­ne Pau­se gab oder nichts vor­zu­be­rei­ten war. Jetzt durf­te ich Ge­sprä­che nach­ho­len und auch neue Men­schen ken­nen­ler­nen.

Zum Bei­spiel konn­te ich end­lich Wolf Sie­gert auf die Fra­ge ant­wor­ten, was die größ­te Her­aus­for­de­rung durch und nach der Di­gi­ta­li­sie­rung für mich per­sön­lich ist. Hier der Link zu vie­len groß­ar­ti­gen Ant­wor­ten, die je­weils das big pic­tu­re be­tref­fen. Nur ich war wie­der ein­mal auf mei­nen Be­ruf fixiert (weil die An­fein­dun­gen der­zeit so groß sind). Die fünf­te Ant­wort stammt von mir: www.daybyday.press

Es war be­rüh­rend, wie bei der Er­öff­nungs­ver­an­stal­tung al­le Freund:innen des Hau­ses be­grüßt wor­den sind und der Neben­satz fiel: "... denn nichts er­setzt die per­sön­li­che Be­geg­nung, das wis­sen wir seit den Co­ro­na­jah­ren". Auch das ist eine Ant­wort auf die Fra­ge "nach der Di­gi­ta­li­sie­rung": Le­bens- und Ar­beits­qua­li­tät durch per­sön­li­che Kon­tak­te (was sich nach den Jahren an­stren­gend und un­ge­wohnt an­füh­len kann).

Natür­lich war ich auch im Ki­no, ein­mal in der Re­tro­spek­ti­ve, die si­che­re Bank, ein an­de­res Mal habe ich Schau­spie­le­rin­nen und Film­tech­ni­kern bei der Ar­beit zu­ge­se­hen. Das ist durch die Blu­me ge­spro­chen ei­ne bit­ter­bö­se Kri­tik, denn der Film ging für mich nicht auf; charmante Ideen, Re­pli­ken, An­sät­ze, aber das hat kei­ne 90 Mi­nu­ten ge­tra­gen. Ich durf­te eini­ge Jah­re Stu­die­ren­de der Me­di­en- und Film­wis­sen­schaft un­ter­rich­ten, an die­se Zeit hat mich das er­in­nert. Das Pro­jekt hät­te ich, wä­re ich in die­sen Do­zen­tin­nen­jah­ren ge­fragt wor­den, wohl­wol­lend als Kurz­film­pro­jekt be­glei­tet, aber nie und nim­mer auf der Lein­wand ei­nes A-Fes­ti­vals ge­se­hen.

Be­rüh­rend na­tür­lich das Wie­der­se­hen mit den Ki­no­be­treu­ern, wir ken­nen uns zum Teil seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert. In der Ber­li­na­le­ar­beit "aus den Ku­lis­sen" gibt es sonst kei­ne Über­schnei­dun­gen mehr mit ih­nen; und die Ber­li­na­le-Mit­ar­bei­ter­par­ties fan­den auch im­mer schön nach Sek­tio­nen ge­trennt statt bzw. es wur­den nicht ein­mal die Ter­mi­ne an­stän­dig kom­mu­ni­ziert.

Es gab dann noch die An­fra­ge zu ei­nem Ber­li­na­le-Um­feld-Ein­satz, wo ich im Vor­feld ei­nen Film hät­te se­hen müs­sen, nur war kein Link vor­han­den oder kein Wunsch, die­sen zur Ver­fü­gung zu stel­len, wer weiß das schon. Mir wur­de von ei­ner jun­gen Mit­ar­bei­te­rin des Fes­ti­vals je­den­falls schnip­pisch be­schie­den, ich müs­se den Film nicht se­hen, ich sol­le doch nur das Ge­spräch dol­met­schen.

Als ich dann noch wag­te, die Not­wen­dig­keit der na­ment­li­chen Ak­kre­di­tie­rung oh­ne Ticket­pflicht für Dol­met­scher an­zu­spre­chen (al­so über ei­nen Ta­ges­pas­sier­schein hin­aus, der uns bei Be­darf zu­ge­scho­ben wird), weil Bu­chun­gen aus der In­dus­trie im­mer kurz­fris­ti­ger rein­kom­men wür­den und un­se­reiner oft kei­ne Zeit für Ticket­be­schaf­fung ha­be, wuss­te die Da­me nur zu ant­­wor­ten: "Wir sind das Fes­ti­val, die Ver­lei­her und Welt­ver­trie­be sind ein an­de­res Paar Schu­he."

For­mal­ju­ris­tisch rich­tig; frü­her aber ha­ben wir kom­mo­de Ak­kre­di­tie­run­gen be­kom­men, mit de­nen wir bei Be­darf un­se­re Dol­metsch­kund:innen auch zur nächs­ten Etap­pe im Ta­ges­ab­lauf be­glei­ten konn­ten, bei Be­darf bis hin­ter die Büh­ne, was by the way an­de­ren Fes­ti­val­mit­ar­bei­tern Zeit ge­spart hat. Da­mals wa­ren wir ei­ne Fes­ti­val­fa­mi­lie, jetzt gibt es er­höh­ten Ver­wal­tungs­auf­wand.

Die Aus­wei­se durf­ten auch da­zu ver­wen­det wer­den, Zeit in die ei­ge­ne vi­su­el­le Kul­tur zu in­ves­tie­ren und z.B. Filme von Krea­ti­ven zu se­hen, die viel­leicht aus­nahms­wei­se nicht vor Ort wa­ren, die aber wahr­schein­lich mit ih­rem nächs­ten Werk wie­der auf ein deut­sches Fes­ti­val oder ins deut­sche Ki­no kom­men wür­den. Die­sen Ge­dan­ken kom­men­tier­te die Da­me mit dem Satz: "Ih­re Film­kul­tur kön­nen Sie sich on­li­ne ho­len, die An­bie­ter ha­ben ja al­les" (was lei­der nicht stimmt).

Für mich ist das Gan­ze Aus­druck ei­nes Kul­tur­ver­falls. Den Nie­der­gang der Ber­li­na­le be­kla­gen vie­le, nicht nur ich. Na­tür­lich än­dern sich die Zei­ten, jun­ge Ge­ne­ra­tio­nen sind am Start, Stof­fe wer­den neu er­fun­den, Ex­pe­ri­men­te wie­der­holt; und man­cher Film mag in der Fes­ti­val­sich­tung in ei­nem klei­nen Team noch auf­ge­hen, wenn das Um­feld des Ge­sich­te­ten nicht sehr stark ist, es spie­len im­mer vie­le Fak­to­ren rein, manch­mal eben auch der Be­kannt­heits­grad einer Ma­che­rin, ei­nes Pro­du­zen­ten, ei­ner Dar­stel­le­rin, ei­nes Au­tors.

Und nein, die im Ti­tel ge­nann­ten Kopf­schmer­zen ge­hen nicht auf Al­ko­hol zu­rück.

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Foto:
C.E. (Archiv)

Freitag, 16. Februar 2024

Bloggeburtstag!

Aus dem Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Blog­sei­ten ei­ni­ges er­fah­ren. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, ins Eng­li­sche über­setzt die Bü­ro­kol­le­gin. Jetzt ist mir fei­er­lich zu­mu­te.

Bärensymbol mit Blick auf den roten Teppich
Der Tanz um den gol­de­nen Bären
Heute vor 17 Jah­ren wurde die­ser Blog ge­bo­ren. Sein Va­ter ist ein dick­er Bär, der Ber­li­na­le­bär, sei­ne Mut­ter ei­ne Stadt, die Stadt Ber­lin. Ich bin hier nur die Heb­am­me bzw. das Be­gleit­per­so­nal in den Fol­ge­jah­ren.

Der Ort der Ge­burt war stan­des­ge­mäß, wie es sich für ei­nen Dol­metsch­we­blog ge­hört, ei­ne Dol­metsch­ka­bi­ne, und zwar ei­ne der Ber­li­na­le, un­ter der fach­kun­di­gen und be­währ­ten tech­ni­schen Be­treu­ung von Paul Stu­ten­bäu­mer.

Oh­ne, dass sie es wis­sen, sind De­vid Strie­sow und Ni­na Hoss die Pa­ten mei­nes We­b­logs, Chris­ti­an Pet­zold auch ein biss­chen. Hier der al­ler­ers­te Blog­ein­trag: klick!

17 Len­ze al­so, die schwe­ren Teen­age­jah­re sind bald vor­über, bald ist die­ses Gör voll­jäh­rig! Was ha­ben wir nicht al­les zu­sam­men er­lebt! Waren zu­sam­men im Stor­chen­wa­gen bei ei­ner Ge­burt da­bei, aber auch im Ana­to­mie­saal, sind quer durch Eu­ro­pa ge­reist, zum Bei­spiel von Tou­lou­se bis Tal­linn, sind in Berg­bau­stol­len ein­ge­fah­ren und über So­lar­dä­cher ge­kraxelt, hat­ten mit fet­ten Bo­den­ein­läu­fen zu tun, aber auch mit mi­kro­sko­pisch fei­nen Ver­än­de­run­gen der Fau­na im Humus­bo­den. Von In­sol­venz­ver­wal­tern in Brüs­sel über Start­ups in Ber­lin reich­te das Spek­trum, klei­ne Aus­flü­ge gal­ten der Neo­na­to­lo­gie, eine Öso­pha­gus­at­re­sie ha­be ich noch sehr gut in Er­in­ne­rung, schwer aus­zu­spre­chen wa­ren am An­fang auch die Kipp­koch­kes­sel oder der An­walt­ver­ein oh­ne Bin­nen-S.

Das al­ler­schöns­te Mo­ment war, als Win­nie Ya Ot­to strah­lend vor mir stand, eine jun­ge Kol­le­gin, und er­zählt hat, sie hät­te mei­ne Blog­tex­te schon im Stu­di­um ge­le­sen und den Do­zent:innen wie­der­holt mei­ne Set­tings 'aus der Pra­xis' be­schrie­ben und da­zu be­fragt. Hach! Dan­ke!

Und soll ich ei­gent­lich wei­ter­ma­chen? Über den 20. Ge­burts­tag hin­aus? Wer heu­te neu an­fängt, wür­de wohl eher die Form des Pod­casts wäh­len, aber da­zu fehlt mir der­zeit we­nig die Zeit beim Spa­gat mei­nes All­tags.

Zur Fei­er des Ta­ges sit­ze ich lei­der nicht in der Dol­metsch­ka­bi­ne der Ber­li­na­le, bei den Kür­zun­gen wa­ren die Letz­ten, die ge­kom­men wa­ren, die Ers­ten, die ge­hen muss­ten, auch in der Sektion "Wett­be­werb" war ich ja erst in der zwei­ten Phase mei­nes Le­bens als Ber­li­na­le­dolmetscherin. Hier die Über­sicht, wie vie­le Ar­ten des Dol­met­schens auf der Ber­li­na­le ich ken­ne: klick.

Jetzt stecke ich mit­ten in der drit­ten Phase und ar­bei­te im Hin­ter­grund, ob­wohl mir die Büh­ne, die al­ler­ers­te Phase (mit Über­schnei­dung in die zwei­te), so sehr ge­le­gen hat. Zur drit­ten Phase zählt auch Or­ga­ni­sa­ti­ons­kram, der ei­nen ein we­nig ver­schleißen und mich hun­g­rig zu­rück­lässt, aber OK, ma­che ich ger­ne, ak­qui­rie­re Ar­beit, be­kom­me dann im Tausch von Kol­leg:in­nen auch wie­der Auf­trä­ge ver­mit­telt.

Wie mag wohl mei­ne vier­te Ber­li­na­le­pha­se aus­se­hen?

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Foto:
C.E. (Archiv)

Mittwoch, 16. Februar 2022

COVIDiary (482)

Hal­lo! Sie sind auf den Sei­ten ei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs ge­lan­det. Hier kön­nen Sie Mo­men­te aus dem Be­rufs­all­tag mei­ner Bran­che le­sen und mit­er­le­ben, wie Dol­met­scher tic­ken (und Dol­met­sche­rin­nen). Mei­ne Spra­chen sind Fran­zö­sisch, Eng­lisch und na­tür­lich auch Deutsch, mei­ne Mut­ter­spra­che.

Im Fe­bru­ar steppt in Ber­lin der Ber­li­na­le­bär, und das macht er so­gar jetzt, im zwei­ten Co­ro­na­win­ter. Et­li­che nö­tigt in­des der Vi­rus zum Zu­hau­se­blei­ben. Und dann ge­schieht als Er­geb­nis ei­ner Ver­ket­tung, was nicht hät­te ge­sche­hen dürf­en: Die au­to­ma­ti­sche Un­ter­ti­te­lung der Dank­re­de ei­ner Preis­trä­ge­rin wird hoch­of­fi­zell ver­hunzt.

Die nicht exis­ten­te Rei­he "Sa­chen zum La­chen" setze ich hier­mit fort, denn Hu­mor ist die ein­zig mög­li­che Art der Not­wehr. Stich­wort: Pein­lich­kei­ten bei der "Ent­men­schli­chung" der Kul­tur. Fach­leu­te wie wir wur­den im Vor­feld nicht ge­fragt.

1. Akt: Die Ber­li­na­le schafft die meis­ten Dol­met­scher:innen ab.
2. Akt: Alle müs­sen Eng­lisch spre­chen (ich schrei­be hier seit Jah­ren dar­über).
3. Akt: Die For­de­rung, die Teil­nah­me bar­rie­re­frei zu ma­chen, wird dem gro­ßen, über­mäch­ti­gen und in je­der Si­tua­ti­on sieg­mäch­ti­gen Kol­le­gen KI über­ge­ben.

"festival brings soap this year more than ever"
Saubere Leistung, KI!

Le­sen, wun­dern, noch­mal le­sen. Für die nicht so Ci­ne­phi­len: Je­ne, die da spricht, ist Isa­bel­le Hup­pert, be­kam ges­tern den Gol­de­nen Bä­ren für ihr Le­bens­werk über­reicht, on­line, we­gen Co­ro­na.

Kurz sei da­ran er­in­nert, dass Fran­zo­sen es nicht so mit dem Buch­sta­ben "H" ha­ben und dass sie die Ver­ben stär­ker ver­än­dern als es Eng­lisch­spra­chi­ge ma­chen. Dann bit­te noch­mal le­sen, bei Be­darf laut.

Mein Kom­men­tar ist kein Kom­men­tar oder ma­xi­mal mein Ge­sicht:
😳 😮 🤐 😷 😶 🤭 🙄 😬 🤕 🤧 😒 😢 😐 😁 😆 😅 😂 🤣

Und ja, wir dür­fen froh sein, dass wir di­gi­ta­le Über­tra­gung nut­zen kön­nen und nicht ganz ver­ein­sa­men in die­sen Ta­gen. Die Lau­da­tio von Lars Eidin­ger auf Isa­bel­le Hup­pert fand ich sehr be­ein­dru­ckend und die Ab­schluss­wor­te der zu­recht Ge­fei­er­ten ka­men gut rü­ber:

Cinema makes us feel better makes us happy by Isabelle HUPPERT
Schlussstatement

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Illustrationen:
Berlinale, Emojis

Sonntag, 13. Februar 2022

COVIDiary (481)

Was und wie Kon­fe­renz­dol­metscher und Übersetzer (und Dolmetsche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen) arbeiten, darüber berichte ich auf diesen Blogseiten. 2007 wur­de auf der Berlinale dieser Weblog geboren.

Fünf vor Film
"Im Kino gewesen. Geweint." Was Franz Kaf­ka im letzten Jahr­hundert in sein Tage­buch schrieb, kam mir heute in den Sinn. Ich war in zwei Festival­kinos, darunter auch in der zweiten Ta­ges­hälf­te am Potsdamer Platz.

"Im Ber­li­na­le­kino gewesen. Geweint." Kurz vor Vor­füh­rungs­beginn bin ich im Festival­palast in die 5. Etage gegan­gen, um run­ter­zu­schauen: er­schreckend lee­re Ränge. Es wurde zum Glück noch ein wenig voller. Aber es bleiben viel zu vie­le freie Plätze, und das am ersten Fes­tival­sonn­tag.
Auch sonst waren et­li­che Orte ge­ra­de­zu ge­spens­tisch leer, leerer als üb­licher­weise am letzten Festivaltag für Profi­be­sucher. Es seien nur 1.600 statt 3.600 Jour­nalist:innen akkre­ditiert, war zu hö­ren. 

Gut, mor­gens, bei den Pres­se­vor­füh­rungen, ist da viel­leicht trotz­dem mehr los. Und ja, der Film­ver­leiher meines Vertrau­ens nimmt das Fes­tival von sei­nem Ar­beits­zim­mer aus wahr, denn der Markt fin­det aus­schließ­lich virtuell statt. An­dere sind wegen der Omikron-Va­rian­te zuhause ge­blie­ben.

Hinweisschild für Ticketkauf
Vor dem Palast
@Berlinale, #Finanzen: Vor der Pan­de­mie kos­tete ein Last-Minute-Ticket fürs Fes­ti­val­kino fünf Euro, wenn ich mich rich­tig er­in­nere. In den Zei­ten des kon­takt­losen Ver­kaufs müs­sen die Men­schen ein Smart­phone ha­ben, um online ein Ticket zu er­wer­ben, für das dann auch kurz vor Veran­stal­tungs­be­ginn noch 16 Euro auf­ge­ru­fen wer­den, ob­wohl hier kei­ner­lei zusätz­liche Per­so­nal­kosten anfal­len. Was ich da im Vor­bei­ren­nen ge­merkt ha­be (und was die meisten Profi­besu­cher nicht wahr­neh­men), ist in mehr­facher Hin­sicht aso­zial und ziemt sich ein­fach nicht für ein Fes­tival, das über­wiegend von öffentlichen Geldern fi­nan­ziert wird. Und hey, Ihr hat­tet jetzt zwei Jah­re Zeit, um so­zial­ver­träg­liche und bar­rie­re­freie Lö­sun­gen zu |su­chen| finden.

Ich habe zwei Filme ge­se­hen, die mich beide sehr berührt ha­ben und ich bin dem Festival­team dank­bar für die Zu­ord­nungen zu den je­wei­li­gen Sektionen. Dazu später in der Woche mehr.

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 21. Januar 2021

COVIDiary (249)

Bon­jour & hel­lo! Aus dem Ar­beits­le­ben der Über­set­zer und Dol­met­scher können Sie hier einiges erfahren. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch, Deutsch und Englisch. Durch Corona reise ich räumlich derzeit weniger durch Deutschland und Europa, dafür durch die Zeit und die Kulturen, außerdem durch die privaten Räume. Ein Foto als Rückblick.

In Vor-Coronazeiten hätte ich diese Woche mit der Grünen Woche zu tun, au­ßer­dem würde ich mich auf die Ber­linale vorbereiten. Stattdessen gibt es in meinem Dolmetsch- und Über­setzungs­bü­ro viel Zeit fürs Selbst­studium und eigene Pro­jek­te, darunter auch kreativer Art.

Kuh, Stall, Weide und die entsprechenden Vokabeln
Viele Kühe machen Mühe
Dabei fiel mir ein Zitat von Co­luche wieder in die Hände, der in etwa gesagt haben soll: "Die Film­welt ist ab­surd. Du musst Er­folg haben, da­mit man Dir eine Chance gibt, um Er­folg zu haben." (Le milieu du cinéma est absurde. Il faut avoir du succès pour qu'on te donne une chance d'avoir du succès.) 

Mal sehen, ob ich mit mei­nen krea­ti­ven Sa­chen noch eine Chance bekomme.

Was ich machen kann und mache: Während der Pan­demie dekoriere ich die Woh­nung um, Cocoo­ning in der Coro­nazeit, also Corooning, davon hab ich ja bereits im März gesprochen. Vor Jahren hatte ich mir mal in einem Baumarkt ein Passe­par­tout für mein Kuhlexik bestellt, Größe: A4-Blatt. Der Angstellte im Laden und ich haben das Teil sorg­fältig ausgemessen. Die Bestel­lung ging los. Kam zu­rück. 

Zuhause dann die Überraschung: Der Zu­schneider hat die Ma­ße ei­gen­mäch­tig ver­än­dert, grrrrr, um einige Millimeter Platz zu lassen, damit das Blatt nirgendwo rausschaut. Ja, ich weiß, ich hätte und werde den Bogen mit säurefreiem Pa­pier­kleb­stoff ein winziges bisschen vergrößern müs­sen, aber das, genau das, hätte der Zuschneider echt meine Sorge sein lassen sollen.

Nach dem Shutdown wird das eine der ersten Sachen sein: Neubestellen und dieses Passe­partout hier nachmessen, dann beim nächsten Lernbild auf ein kleineres For­mat achten und außerdem rasch einen weiteren Rahmen nach­kaufen, solange Rah­men dieser Bau­art noch produziert werden, damit ich eine Serie hängen kann.

Was heute auf dem Schreibtisch lag: Soli-Übersetzung eines Arztbriefs, weiter mit den Ablagen, Rechnung Nr. 2 des Jahres geschrieben, Texte auf EN über die Lage der USA gelesen (Fortbildung) und eine neue Übersetzung angefangen.

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Foto:
C.E.

Dienstag, 19. Januar 2021

COVIDiary (246)

Mit­ten in ei­nen Blog aus der Dol­met­scherwelt sind Sie hinein­ge­ra­ten: Bon­jour und herz­lich will­kom­men! Meine Arbeitssprachen sind Französisch, Deutsch und Eng­lisch. Ich habe Ka­pa­zitäten frei, Corona macht's möglich. Norma­ler­weise würde ich mich jetzt auf die Ber­li­na­le vor­be­rei­ten. Ach, Kino ...

Bei über­lan­gen Auto­fahrten oder Flug­reisen stellt sich bei vie­len eine Art Selbst­aufgabe ein, ein hohes Maß an Gleich­gül­tig­keit, was das Errei­chen des Ziels an­geht, denn durchs Sind-wir-bald-dahaa?-Fragen wird die Sache auch nicht schnel­ler. Also eine Form der egobe­freiten Ver­lo­renheit, des Sich-Ein­las­sens auf das Unausweichliche.

So geht es mir seit Ende Dezember 2018, als ich mich mit einer aty­pischen Virus­grippe aus der Welt zurück­ge­zo­gen und mir fast die Lunge aus dem Leib gehustet habe. So geht es uns kol­lek­tiv seit Mitte März, seit dem ersten Shutdown.

Ach, wenn nur selbstvergessenes Ignorien Dinge ungeschehen machen könnte! Das zum Beispiel: Gestern ist in Paris mit noch nicht einmal 70 Jahren der Schau­spieler und Dreh­buch­autor Jean-Pierre Bacri gestorben, der immer die Grantler gegeben hat, eine wenig glamouröse Größe des französischen Film- und Theater­schaffens, der be­son­ders Antihelden mit Tiefgang grandios verkörpert hat. "Lust auf anderes" an der Seite von Agnès Jaoui ist in Deutschland vielleicht sein bekann­tester Film. Die beiden hat ein wunderbarer Humor und eine hohe Sensibilität in der Be­ob­ach­tung von All­täglichem verbunden. Er wird fehlen.

Für Sprach­fans wie mich ist natürlich eine besondere Szene in bester Erinnerung, es geht um den Versuch, Eng­lisch zu sprechen. Die Film­wis­sen­schaft­lerin in mir sagt: Diese Szene ist eine stille Wür­digung von Truf­fauts "Sie küssten und sie schlu­gen ihn" (Les 400 coups), ich sage nur Schule, Lehrer und Where is the father?


 

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Filme:
Le goût des autres (Bacri/Jaoui),
Les 400 coups (Truffaut)

Freitag, 28. Februar 2020

Auf dem Schreibtisch (LXII)

Bon­jour und herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Ta­ge­buchs ei­ner Fran­zö­sisch­dol­metscherin und -übersetzerin. Ich habe Kapazitäten frei, in der Konferenzvorsaison gerne für home office, also Übersetzungen.

Home office 1930
Die Berlinale ist fast schon wieder vorbei. Ich darf Kos­ten­vor­an­schläge schreiben und Termine planen für:

⊗ Kunst (als Trauma­therapie)
⊗ Spielfilmdrehbuch
⊗ Architektur
⊗ Urbanismus
⊗ Reiseländer im Maghreb
⊗ Resti­tu­tion von in der Na­zi­zeit geraubten Kunst­wer­ken und Analogie zu Afrika

Während ich gestern dieses Posting vorbereite, werden uns Termine zu Bau und Urbanismus abgesagt, Grund: Corona-Epidemie. Der Dax rutscht und den "Börsen droht schlechteste Woche seit der Krise 2008", so jedenfalls SPIEGEL online. In den USA soll schon der Konsum von Corona-Bier eingebrochen sein.

Und ja, bei dieser Nachrichtenlage wird auch mir schummrig. Ich erinnere mich noch gut an das Ende der Nuller Jahre. Wo, weil einer Filmproduktionsfirma in­fol­ge Bankenkrise der Umlaufkredit gekündigt worden sind, plötzlich meine Rück­la­gen weg waren, da wir im Team mehrere Sprachenfassungen für eine Se­rie die­ser Fir­ma er­ar­beitet hatten, diese Konkurs anmelden musste und ich nicht das Do­mi­no­stein­chen in der Mit­te stür­zen­der Stein­e sein wollte.

EDIT (vom Abend): Die Internationale Tourismusbörse ist ab­ge­sagt, damit fällt mehr weg.

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Foto: eigenes Archiv
tags: #Berlinale2020 #1nt #xl8