Sonntag, 31. Dezember 2017

Gestankequinox

Den subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier im 11. Jahr. Heute habe ich noch ein Gutachten geschrieben, dann die Bude zu­ge­macht.

Equinox bezeichnet die Tag- und Nachtgleiche. Das ist in ziemlich genau drei Monaten. Einige Tage nach dem anderen Wendepunkt habe ich indes in Berlin den Luftequinox feststellen müssen. Aus der Kü­che riecht es nach Bouletten, die der Mitbewohner in rauen Mengen brät. Beim Versuch des Lüftens dringt eine Luft herein, die Schwarzpulver, Arsen, Blei, Stron­tium­salze und sonstige Delikatessen enthält. In Sachen Feinstaubbelastung ent­spricht Sil­ves­ter zwei Monaten Stra­ßen­ver­kehr, steht heute in der Zeitung.

Mich begeistert beides nicht. Das Silvestergedöns, das sich die Deutschen dieses Mal etwa 120 Millionen Euro kosten lassen, geht mir mächtig auf die Senkel. Dazu kommen die Folgekosten: Jedes Jahr gibt es Verletzte und Tote, Zerstörungen an Haus und Baum. Auch Tiere leiden. Ich muss an einen Neujahrsmorgen irgendwann in den frühen Nuller Jahren denken, als bei Freunden die Katze des Hauses tot un­term Küchentisch lag; sie hatte sich mit Herzinfarkt verabschiedet. Heute müs­sen wir in Berlin leider immer öfter beobachten, dass Feuerwerker auf Men­schen zie­len, auf Passanten, Krankenwagen oder Polizeiautos.

Schützengraben des modernen Straßenkampfs
Was müssen Menschen von dem Ganzen halten, die ei­nen heißen Krieg mit Stra­ßen­kämp­fen erlebt haben? Das klingt ja verdammt ähn­lich ... Und ich kann die Knal­ler­wer­fer nicht verstehen, dass sie so viel Geld an­zün­den, wobei es in eher ein­fa­chen Wohn­vier­teln nicht stiller als in den Quartieren der Wohl­ha­ben­den zugeht. Das Gegenteil ist hier lei­der der Fall.

Die Niederlande haben die Schießerei von Privat verboten. Ich begrüße das. Normalerweise habe ich nichts gegen Feuerwerk: Vor einigen Jahren habe ich in Mar­seille wunderbar orchestrierte Lichtmalereien sehr genossen. Das ist was an­de­res. Da wird auch der Müll immer gleich eingesammelt. Jetzt dürfen in Berlin al­le wie­der wochenlang im Slalom um Ballerschrott und Adventsüberbleibsel he­rum­lau­fen, die Stadt erweist sich bei solchen Themen immer als zuverlässig unfähig. Nein, ich bin kein Fan von Silvester. Guten Rutsch wünsche ich trotzdem!

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Foto: Stijepo Pavlina (Danke!)

Sonntag, 24. Dezember 2017

Fröhliches Fest

Was Übersetzer und Dolmetscher beschäftigt, können Sie hier mitlesen. Seit vielen Jahren berichte ich über den Beruf und meinen sprachbetonten Alltag. Sonntags werde ich privat: Sonntagsfoto!

Dieses Bild gefällt mir besonders: Frohes Fest!


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Foto: Eigenes Archiv

Montag, 18. Dezember 2017

Museum der Wörter 20

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Heute im Wörtermuseum: Politik!

Einem gewissen Amerikaner ist eingefallen, bestimmte Wörter auf den Index setzen zu lassen mit der Empfehlung, sie seltener zu verwenden.

Denkende Menschen machen das Gegenteil.
       
                                V
ulnerable, entitlement,
                                diversity, transgender,
                                fetus, evidence-based,
                                science-based

   

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Idee: H.F.

Sonntag, 17. Dezember 2017

Wintergrün ...

Bienvenue auf den Seiten einer Sprachar­bei­te­rin. Wie Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakes­peares nur als Ausgangssprache). Heute: Sonntagsbild!

Kieferzweige, geschmückt
Mit selbstgebastelter Aufhängung
"Wintergrün" ver­kauft ein tür­ki­scher Blu­men­la­den. Das ist politisch hoch­kor­rekt. Das Grün tut den Augen gut und duftet schön. Im Strauß hängen al­te Glas­ku­geln und Elfenbeinfigürchen, u.a. die dicke Bud­dha­fi­gur mit En­gels­flü­geln, weib­li­chen Brüsten und ei­nem ve­ri­ta­blen Bauch­na­bel.
Ein in­ter­kul­tu­relles Advents­ge­steck in Neu­kölln ...

Und für die Auf­hän­gung ha­be ich in mei­ne Schub­la­den für die Schmuck­ge­stal­tung ge­grif­fen und et­was Neu­es er­fun­den.

Außerdem ist das eine heidnische Tradition: Grünpflanze auswählen und so de­ko­rie­ren, dass sich möglichst viel Licht darin spie­gelt. Ich wünsche allseits schöne, geruh- und erholsame Frühwintertage!

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Foto: C.E.

Freitag, 15. Dezember 2017

Generalbass

Bonjour und guten Tag, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Heute, was gestern Abend geschah.

Sprechende Hände, kariertes Tischtuch, Gläser, Flaschen
Sprechende Hände
Wir sitzen an zwei zu­sam­men­ge­scho­be­nen länglichen Tischen, vier Dis­ku­tan­ten, eine Moderatorin und ich als Dolmetscherin, hinter uns ei­ne Leinwand mit den ge­beam­­ten Lo­gos der Ver­an­stal­ter. Die Diskussion findet in Räu­men einer Hochschule statt, also warten wir eine Vier­tel­stu­nde, denn im deut­schen aka­de­mi­schen Be­trieb schla­gen die meisten c.t. auf.

Dieses Viertelstündchen später war für Franzosen und für mich, die ich in Frank­reich studiert hatte, übrigens anfangs neu. Aber alles ist eine Frage der Übung. Genauso, wie sich im labyrinthischen Hauptgebäude der Freien Universität zu Ber­lin zurechtzufinden. Wir warten also. Ich denke an das, was ich liegenlassen musste, um genügend Zeit fürs Raumfinden zu haben. Andere schienen auch das eine oder andere aufgeschoben zu haben. Letzte SMS werden verschickt.

Dann legt die Moderatorin los. Sie begrüßt alle, stellt das Panel vor. Gleich kommt mein Einsatz, ich dolmetsche nur die französische Ge­sprächs­teil­neh­me­rin ins Deut­sche. Plötzlich höre ich Stereo. Indes, es sind nicht die gleichen In­for­ma­tio­nen. Von links die sopranhelle Stimme der Moderatorin, von rechts ein Ge­ne­ral­bass — Magengrummeln! Wir tauschen Blicke im Dreieck, Moderatorin, Diskutantin und Dolmetscherin. Leider habe ich nichts mehr in der Tasche, ges­tern auf der Rück­fahrt im Regionalzug musste die eiserne Reserve dran glauben (eine Frucht­schnit­te).

Später dann die rettende Mahlzeit beim Italiener, allerdings war das dann mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der nächsten Diskussionsrunde, zu der ich ge­eilt bin, um eine Kollegin bei Bedarf zu entlasten. In der Diskussion in der Uni ha­ben wir alle übrigens den Grundton irgendwie weggefiltert, genauso wie das Grund­sur­ren des Beamers, beides fiel irgendwann nicht mehr auf.

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Foto: C.E.

Dienstag, 12. Dezember 2017

Kühner Strich

Fortsetzung zu vorgestern, allerdings um 4.13 Uhr ...

Der Traum malt, setzt mit kühnen Pinselstrichen große Farbflächen auf die Lein­wand, die Dolmetscherin dolmetscht, sieht genauer hin, kichert und wacht auf.

"Vom Schlaf 'gezeichnet'" hab ich mir immer anders vorstellt, nämlich mit Kis­sen­mar­ken auf der Backe.

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Bild: folgt

Montag, 11. Dezember 2017

Goldnuggets

Wie Dol­met­scher und Über­set­zer ar­bei­ten, kön­nen Sie hier mit­lesen. Also wie ich als Französischdolmetscherin und -übersetzerin arbeite und lebe, aber ich glau­be, ich führe ein ziemlich durchschnittliches, halbwegs aufregendes Sprach­ar­bei­te­rin­nen­le­ben. Was uns alle eint: Wir schauen den Leuten aufs Maul. In Berlin-Neukölln explodieren die Immobilienpreise. Aufgeschnappt:

"Ihr Immofuzzis glaubt wohl, dass in Neukölln jeder dahergelaufene Straßenköter Goldnuggets scheißt!“ Die Hauswartsfrau, nicht mehr ganz jung an Jahren und mit ausreichend körperlichem Aplomb versehen, droht wütend mit dem Besen, als sie zwei jüngere Männer, Anzug, Krawatte, teuere Budapester-Schuhe und viel Gel im Haar, vom Hof jagt.

Später sagt sie zu einer Nachbarin: „Die ham ausjesehen wie die Zeugen Jehovas. Ich jloob, die Sektenheinis war’n mir lieber!“

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Foto: wird nachgeliefert

Sonntag, 10. Dezember 2017

Zeichnen üben ...

Wir Dolmetscher und Übersetzer erarbeiten uns regelmäßig neue Themenfelder. Dieser Tage ist es mal wieder Kunstgeschichte. Ich habe irgendwie keine Lust nur auf Theorie. 

... und Vokabeln wie Schraffur, gepunktete Linie, Vordergrund, Hintergrund und ach so viele mehr wiederholen oder lernen, am besten mit einem kleinen On­line­kurs in Sachen Portraitzeichnen, um Handgelenk und Hirn zu lockern. Hier mein erster Versuch, mal eben so aus der "Lamäng", wie die Berliner sagen.

Bleistiftzeichnung: Mann und Mädchen
Drei, vier Regeln lernen, dann kann jede und jeder so zeichnen
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Illustration: C.E.

Samstag, 9. Dezember 2017

Film mit Dolmetscherinnen

Seit mehr als zehn Jah­ren ver­öf­fent­li­che ich hier in lo­ser Fol­ge klei­ne Mo­men­te aus dem Über­set­zer- und Dolmetscheralltag. Die Anfänge meines Berufslebens lie­gen in der Medien- und Filmarbeit. Heute bin ich auch in der Politik, für Wirt­schaft, Wissenschaft und Privatkunden tätig.

Bravo, Maria Schrader! Heute Abend wurden in Berlin die Europäischen Filmpreise verliehen. Der diesjährige Publikumspreis für den besten Europäischen Film ging an ihren Film "Vor der Morgenröte" über Stefan Zweig.

Eine winzige Kleinigkeit, unseren Berufsstand betreffend, am Rande: In diesem Film sind einige Dol­met­sche­rin­nen live und in Farbe zu sehen. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei nicht um Schauspielerinnen. Auch sonst ging Ma­ria Schrader, die vom Schauspiel zur Regie kam, in dieser Arbeit auffällig sen­si­bel mit Sprache um.

Maria Schrader zu ihrem Film: "Wir mussten lange darum kämpfen, diesen Film ma­chen zu dür­fen und ihn fi­nan­ziert zu bekommen, denn es hieß immer: 'Das Pub­li­kum hasst Untertitel'. Vielen Dank, Publikum, für diesen Preis!"

Filmbild: Interview
Flüsterdolmetscherinnen bei einem Interview
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Foto: X-Verleih (Screenshot)

Freitag, 8. Dezember 2017

Schwurbular

Den subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier im 11. Jahr. Vor dem Einsatz bereiten wir uns intensiv vor. Dabei sind Fach­wör­ter­lis­ten zu erstellen und Redeweisen zu beachten. Das klingt nach viel Arbeit. Aber es gibt Rettung.

Was mir diese Woche akut wieder eingefallen ist: Die Studie, nach der das Mathe­hirn im Fuß steckt. Es geht um die Korrelation, dass Menschen mit Schuh­grö­ße 29 selten gut rechnen können.

Biedermeierfräulein
Biedermeierfräulein
Ansonsten hatten wir wieder es erneut mit viel Schwur­bu­lar zu tun. Unter dem Be­griff sammele ich Schwurbelbegriffe wie "Tendenz zu", "neigt", "legt die Ver­mu­tung nahe", "die Studie erlaubt die In­ter­pre­ta­tion, dass ...". Solche Ausdrücke muss un­ser­ein­er in der Übersetzung pau­ken. Ich mag derlei nicht, aber es ist leider Be­rufs­all­tag.
Dazu sagt ein Bekannter "Konkunktivitis", weil es dann immer schön im Konjunktiv weitergeht. Ehe ich mir hier jetzt von derlei Hässlichkeiten noch eine Au­gen­ent­zün­dung hole, denke ich lachend an die Feststellung, dass Menschen, die in der Nase bohren, ihre Hände häufiger in der Nähe ihres Gesichtes haben.

Und ich erhole mir die Augen beim Betrachten eines schöner Bilder. Die Parole lautet: "Mehr Kunst!"

Am Abend sendet mir eine Nonne einen Vortragstext zu einem Künstler. Sie lässt uns an ihrem "Work in Progress" teilhaben, wird drei Fassungen senden, damit wir Zeit haben, uns vorzubereiten. Ich nenne das charmant.

Die kunstgeschichtliche Tagung nächste Woche, die letzte Konferenz des Jahres, wird frei sein von Schwur­bu­lar. Bis dahin heißt es: Das Gegenteil davon, nämlich Fachvokabular pauken. Sich weiterbilden. Die Stadt und unsere Zeit mit anderen Augen sehen.

Tipps dazu für dieses Wochenende:
Jüdisches Museum zu Berlin, Sonntag letzter Öffnungstag vor Umgestaltung der ständigen Ausstellung. Das Museum lebt ja von der Spannung zwischen Ar­chi­va­lien, den vielen Kulturzeugnissen jüdischen Lebens in Berlin, und der Architektur, die derzeit hinter den Exponaten stark in den Hintergrund tritt. Das soll nach der Neuausrichtung anders sein.
Gaslaternenweihnachtsmarkt der Vereine, Verbände und Kunsthandwerker in Rixdorf (Berlin-Neukölln).
⊗ British Pathé hat einige hundert Filme online gestellt, breit durch den Ge­mü­se­gar­ten: Filmerbe, News, bunte und vermischte Nachrichten vergangener Tage. Zu finden sind sie auf YouTube, sie stammen aus den Jahren von 1896 bis 1976 und sind thematisch sortiert. Ich bin über Claude Monet auf diese Goldmine gestoßen.

Heiner_Mueller_Denn_das_Schoene_bedeutet_das_moegliche_Ende_der_Schrecken
Von der Pinnwand

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Baulärm

Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. Dol­met­scher und Übersetzer haben oft empfindliche Ohren.

Berlin soll schöner werden. Jetzt wird es erstmal lauter und teurer.

Bauarbeiter fährt Schubkarre vom Baustellenaufzug weg Richtung Dachausausbau
Jeden Morgen springt 6.50 Uhr der Baustellenaufzug an
Einst, als ich noch Ra­dio­jour­na­lis­tin war, wurde mir ein­mal die fragwürdige Ehre zu­teil, von der eigenen Stim­me geweckt zu werden. (Die Erklärung des Kunststücks: Ra­dio­wecker und Pro­gramm­austausch.)

Unlängst wur­de ich von Bau­lärm in Qua­dro­pho­nie wach, was wirk­lich nicht schöner ist.

Oben bzw. im Hinterhof wird ein Dach ausgebaut, unter mir mit dicken Holzbalken ein Kinderzimmer provisorisch geteilt (die Leute haben kein Geld für größere Wohnungen, ein zusätzliches Zimmer kostet durch die Mietpreisexplosion immer gleich 1000 Euro mehr), in der Nachbarwohnung wurde der Estrich aus der Woh­nung gepresslufthämmert, da die Billigsanierung des Bades dazu geführt hatte, dass Wasser hinter die Fliesen gelaufen war und die Wand schimmlig wurde ... und im Nachbarhaus durften Bauarbeiter Löcher in die Wände reißen zur Verlegung einer Eta­gen­hei­zung.

Ohropax, du Friede meiner Lauscher, was wäre ich ohne dich? Zur Entschädigung gab es echtes, schönes, gutes Wetter mit Licht. Was wir uns in den dunklen Mo­na­ten in Berlin ja im Kalender anstreichen.

Später, im Büro, haben wir uns mit Handzeichen verständigt und das Te­le­fon­klin­geln überhört.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Museum der Wörter 19

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Heute im Wörtermuseum: Etwas zur Jahreszeit.
       
                                S
tanniolpapier

   
Schokoladennikolaus im Walnussglas
Schöne Morgendeko
Was ein wackerer Schokoladennikolaus ist, trägt eine Robe aus Stanniolpapier. Ein solches Wesen hat mich heute Morgen überrascht.
Stanniol war einst hauchdünn gewalztes Material, eine Bleisilberlegierung, später wurde Zinn verwendet. Die Fo­lie wird wie heute das Aluminium zum Verpacken genutzt. Alu ist billiger, Stan­ni­ol kommt kaum noch vor. Um in der Jahreszeit zu bleiben: Lametta ist noch aus Stanniol.

Das Wort kennen heutige Youngsters nicht mehr. Ich kenne es von meinen Groß­müt­tern.

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Idee: H.F.
Foto: C.E.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Walnüsse

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Fran­zö­sisch­dol­met­scher und -übersetzer haben ver­mut­lich einen eigenen Blick auf die Welt, und meiner ist nochmal anders. Ich schreibe hier mein subjektives Arbeitstagebuch und werde gelegentlich auch allgemein ...

Walnüsse, Tannen- und Elchminiaturen, geschliffenes Glas
Leckere Weihnachtsdeko
Sie kommen bei uns vom Bauernmarkt oder aus dem Garten von Bekannten: Wal­nüs­se! Und was von der Form her aussieht wie ein kleines Gehirn, ist auch für das Ge­hirn besonders kostbar.

Dieses "Brainfood" enthält viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6), über die sich zu­dem das Herz freut.

Darüber hinaus sind Walnüsse ein Lieferant diverser Spurenelemente (Eisen, Zink, Schwefel und Magnesium), Aminosäuren (gut für die Gefäße), Mineralstoffe und B-Vitamine.

Es wird der tägliche Verzehr von einer Handvoll dieser Nüsse empfohlen, das sind etwa 30 Gramm bzw. 200 Kalorien. Hier geht es zur Nährwerttabelle.

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Foto: C.E.

Samstag, 2. Dezember 2017

Dostojewski-Übersetzerin

Bonjour und guten Tag, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Heute folgt hier ein eiliger Link.

Das sehr anrührende Filmportrait über die literarische Übersetzerin Swetlana Geier (1923-2010), "Die Frau mit den fünf Elefanten", läuft nur noch heute in der 3Sat-Mediathek.

Sichtungslink: klick! Dokumentarfilm von Vadim Jendreyko, Deutschland/Schweiz 2009.

Zwei Menschen bei der Textarbeit
Leise und laut lesen im Team
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Foto: Cineworx (Schweiz)

Montag, 27. November 2017

Vielseitig

Bienvenue und willkommen! Wie Französischdolmetscher in Berlin, München, Paris und Cannes arbeiten (und dort, wo Sie uns brauchen), können Sie hier mitlesen. Der Berufsalltag mit Sprachen ist manchmal seltsam und oft erfreulich. 

Ein Begriff aus dem Repertoire der schützenswerten Wörter: Der Schall­plat­ten­un­ter­hal­ter, wie in der "ehemaligen Ex-DDR" ein Disc jockey (DJ) genannt wurde. Fiel mir grade wieder ein, weil ein Kollege eine (abendliche) Zweitkarriere in diesem Feld beginnt.

Wir Spracharbeiter neigen zur Vielseitigkeit. Es gibt etliche Deutschlehrer für Mi­gran­ten in der Riege der Dolmetscher, eine wunderbare Jazz-Sängerin, einen Best­sel­ler- und inzwischen auch Drehbuchautor, eine Schmuckdesignerin und einen Jong­leur (den ich im Blog schon einmal erwähnt habe). Ach, und viele andere, von deren Parallelexistenz ich vielleicht gar nicht weiß.


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Film: Max Haverkamp, Gruß in die Schweiz!

Samstag, 25. November 2017

Englisch und Berlinale

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt bereits im elften Jahr eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Heute: Wochenendlektüre zum Thema als kleiner Nachtrag. 

Wer braucht noch Dolmetscher?, fragt die FASZ (bereits am 18.11.) keck, um ei­nen oft gehörten Satz folgen zu lassen: "Englisch kann doch jeder!" Den hören wir Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher oft. Auf der Berlinale zum Beispiel, wo Eng­lisch in­zwi­schen die lingua franca ist. Wobei nicht nur Profis bei ge­nau­e­rem Hin­hö­ren auf­fällt, dass ein recht großer Teil der Wort­mel­dun­gen in­halt­li­che Rück­fra­gen sind oder dem Aus­räu­men von Miss­ver­ständ­­nis­sen dient.

Deutsch/Englisch steht über Dolmetscherkabinen
Einst war Deutsch offizielle Berlinalesprache
Bei meinen Gesprächen mit ganz normalen Zuschauern höre ich immer öfter: "Ich hätte auch gerne was ge­fragt, aber mein Englisch ..." Und ich ha­be den Ver­gleich mit der al­ten Zeit, war ich doch mehr als ein Dutzend Jahre als Dolmetscherin für sol­che Gespräche zu­stän­dig.
Auf der Berlinale sind neben dem Wettbewerb nur wenige Reihen deutsch­­spra­­chig.

Als da wären: Retrospektive, deutsche Reihe und Kinderfilme. Bereits die Teen­ager müssen auf Englisch sprechen bzw. englische Untertitel verstehen. (Dass dadurch weniger deut­sche Un­ter­ti­tel ent­ste­hen, spü­ren im An­schluss die klei­nen Fes­ti­vals in den Re­gio­nen, die, vor al­lem im östli­che­ren Teil, ihrem Pub­li­kum keine englischen Untertitel standardmäßig anbieten können. Kurz: Es schränkt die Filmauswahl ein.)

Leider ist allzuoft dieses "Können" überschätzt. Im FASZ-Artikel von Josefine Janert be­rich­ten au­ßer­dem Kolleginnen über die allgemeine berufliche Situation. Regelmäßige Leser dieses Blogs dürften sie bereits gut kennen.

Noch ein Link zur Berlinale: Wer folgt auf Kosslick? Das ist derzeit die meist­ge­stell­te Frage im Festivalzusammenhang. Daniel Kothenschulte schreibt dazu in der Frankfurter Rundschau: Ärger in der Berlinale-Chefetage. Dabei würdigt er die vielen Fachleute, die Festivals kuratieren, Regisseure vorstellen und Film­ge­sprä­che moderieren. In Frankreich haben sie (wir, das ist mein wiederholter Au­ßer­halb-der-Saison-Nebenjob) immer wieder die Chance auf Leitungsfunktionen. In Deutschland dominiert der Filmbeamte, der Filme fördert oder För­der­pro­gram­me verwaltet.

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Foto: C.E.

Freitag, 24. November 2017

Rähm und Strebe

Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. Dol­met­scher und Übersetzer kommen schön rum, räumlich und thematisch.

Fachwerk mit diversen Arten der Ausfachungen und des Putzes
Wandaufbau historisches Fachwerkhaus
Sehr gerne dolmetsche ich auf dem Bau. Das können Neu- und Umbauten sein, die Kunden sind Handwerker selbst, Bau­her­ren und -da­men, In­nen­ar­chi­tek­ten und Set­de­sig­ne­rin­nen beim Film. Vor dem Ein­satz liegt jedes Mal die Er­wei­te­rung des Fach­vo­ka­bu­lars.
Wie schön, dass wir heute mit Bil­der­su­che re­cher­chi­eren kön­nen.

Vokabeln wie Wandstrebe und Eckständer, Rähm und Strebe, Riegel, Balken und Saumschwelle werden von Bauredakteur.de Dominik Hochwarth erklärt. Ich suche mir auch noch aus anderen Quellen Entsprechungen für das, was auf Französisch ei­ne gro­ße Grafikseite füllt.

Illustration mit Fachbegriffen
Zum Vergrößern in einem zweiten Fenster laden
Weitere gute Fundstellen: Fachwerk.de (mit Lexikon), Fachwerkhaus.de (mit Details über die Sanierung),  Derselbermacher.de (mit einer Grafik über Fachwerk) und der Baubeaver.de, Samuel Schneider, ein ausgelernter Zimmerer, der das Publikum dazu an­re­gen möchte, sach- und fach­ge­recht selbst tätig zu wer­den (Grundwissen Fach­werk).




Französische Quellen: Meine Bibel, das Bildwörterbuch "Dicobat visuel", hier zur Ansicht ein herunterladbares PDF-Beispiel. Für den historischen Ansatz: Dic­tion­nai­re raisonné de l’architecture française du XIe au XVIe siècle und im Saône-Tal: Types de constructions/colombage.

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Illustrationen: C.E., Sebastian Wallroth

Donnerstag, 23. November 2017

Unclever-gefunden.de

Hello, bonjour und guten Tag! Hier berichtet eine Konferenzdolmetscherin für die französische Sprache über ihren Arbeitsalltag. Außerdem arbeite ich für Pri­vat­kun­den und europäische Betriebsratssitzungen, bei Delegations- und Stu­dien­rei­sen, für TV und Radio, im Kino und bei Festivals.

Und jetzt kommt eine Nachricht infolge einer Werbe­botschaft: Hallo die Damen und Herren von www.clever-gefunden.de, wenn Sie mich noch einmal mit einem Werbeanruf behelligen, geht der Vorgang an meinen Anwalt. Kalt­akquise dieser Art ist in Deutschland aus guten Gründen verboten.

Und nein, mein Netzwerk und ich haben keine Werbung nötig, wir und ich haben genug zu tun, zumal Sie ja wirklich einen Witz anbieten: Ein kostenpflichtiges Han­dels­verz­eich­nis, wo doch das ganze Weltweite schon eine Art Han­­dels­­ver­­zeich­­nis ist. Ehrlich, ver*rschen kann ick mir alleene.

Und Sie sind auch nicht die Firma Google, das können Ihre Mitarbeiter so elegant und so wenig justiziabel wie möglich anklingen lassen.

Une gargouille de Viollet-le-Duc
Ich falle auf Ihre höchst kri­mi­nelle Masche nicht rein, dass die bislang kostenfreie Auflistung meiner Daten beim weltbe­rühmten digitalen Was­ser­speier kosten­pflichtig wird. Gar­goyle bleibt Gar­goyle, mit allen Vor- und Nachteilen, die gemein bekannt sind.

Auch weitere Nachfragen verbitte ich mir und zitiere dabei Pär Ström, Autor und IT-Unternehmensberater: "Es gibt tausend­undeinen Grund, warum ein Mensch bestimmte Einzel­heiten seiner Privat­sphäre nicht offenbaren will, und es besteht nicht die geringste Pflicht, dies auch noch begründen zu müssen. Es reicht, dass man es nicht will."

Und es würde ausreichen, wenn Sie sich einfach an die Gesetz­gebung halten wür­den, denn Kalt­akquise ... siehe oben.

Hier mehr zu dieser Firma und ihren Methoden: wbs-law.de / internetrecht / Vorsicht vor Anrufen der Firma Deal up von RA Christian Solmecke.

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Illustration: Dictionnaire raisonné de
l'architecture française du XIe au XVe
siècle (1854 à 1868)

Mittwoch, 22. November 2017

Auf dem Schreibtisch XXXXV

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, Frankfurt und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Gesehen in Frankfurt/Main
Back to the office. Nach lan­gen Dienst­rei­se­wo­chen gilt es, die Holzoberfläche des Schreib­tischs wieder frei­zu­kämpf­en.

Die Bäume vor dem Fenster sind plötzlich fast aus­nahms­los kahl, in den Lä­den stehen wie immer ver­früht die Scho­ko­nikoläuse Spalier.

Was steht an?

⊗ Vorbereitung Kunstgeschichtstermin (Impressionismus)
⊗ Vorbereitung Stasi-Termin
⊗ Gedrehtes Material (Arte): IT-Wirtschaft
⊗ Allgemeine Politik (mise à jour)
⊗ Bergbau (Nachbereitung)
⊗ Filmkunst- und ästhetik

Meine Filmlexik hat viel Zuwachs bekommen in den letzten Jahren. Einerseits aus eigener Arbeit, andererseits als "Vorlass" einer guten Bekannten, die sich von dem Feld inzwischen verabschiedet hat. Immer wieder mal taucht die Frage nach der Er­stel­lung eines Fachwörterbuchs auf, jetzt erneut.

Außerdem: Bücher lesen, darunter im Rahmen einer Produzentensuche für einen Theatermann, und mit dem Zwecke der Verringerung des Bücherstapels, der sich neben dem Lesesessel türmt. Und in diesen dunklen Wochen auf ausreichend Licht achten.

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Foto: C.E.

Dienstag, 21. November 2017

Rund

Hier bloggt im elften Jahr eine Übersetzerin und Dolmetscherin über ihren Be­rufs­all­tag, und das sogar schon im elften Jahr.

Salzglas, Teetasse, Serviettenring, Teller, Untersetzer, Marmeladenglas: alles rund
Küchentisch in Neukölln
Eine runde Sache - une af­fai­re qui tourne rond, breakfast at home, finally. Wie schön! Und gleich geht's wieder rund. Müde Gedanken beim Aufwachen.

Und sogar die Tischplatte ist rund, wie hier unlängst zu sehen war: klick. And I'm now entering the second round of the month. Naja, fast.

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Foto: C.E.

Montag, 20. November 2017

Bahnkram

Hello, bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Während der Mitbewohner in Berlin die Pflanzen gießt, bin ich schon wieder auf Kurzreise.

Jeder zweite Zug, mit dem ich in den letzten Monaten gefahren bin, war ver­spä­tet. Einige sind überhaupt nicht gefahren, gerne nach stürmischen Winden.

Bahnhofausfahrt mit diversen Neubauten im Gegenlicht
Essen am Wegesrand
Daher war der Zug neulich, der mit Verfrühung in den Ziel­bahn­hof eingelaufen ist, auch so ein kleines Wunder. Denn es kann vorkommen, dass ich zwei Züge früher fahre, um pünktlich zu sein, neulich sogar drei, um ein­en Film­re­gis­seur, der über 90 ist, vom Flughafen abzuholen. Und so schlendere ich schon wieder über den Bahnhof und warte auf einen Zug.

Dieses Mal ist er schon bei der Abfahrt zu spät dran. Zufällig treffe ich am Bahn­hof eine Kollegin, die wie ich nach "Westdeutschland" fährt, wie West­berliner und West­deut­sche ab Mitte 40 die "alten" Bundesländer nennen. Ihr Wunschzug war al­ler­dings schon eine halbe Stunde vor der geplanten Abfahrtszeit abgefahren. Auf ihre Beschwerde hin erfuhr sie, dass man sich als Reisender jedes Mal aufs Neue im Vorfeld von der unveränderten Abfahrtszeit des gewählten Schienenfahrzeugs zu überzeugen habe. Es herrsche Mitwirkungspflicht, so jedenfalls ein Bahn­mensch.

Meistens sind diese turbulenten Momente auf Unwetter zu­rück­zu­füh­ren. Ich er­in­ne­re mich an Zeiten, in denen die Bahn geworben hat mit Sätzen wie: "Alle reden vom Wetter, wir nicht." Seit "Die Bahn" das "deutsche" und das "Bun­des-" ab­ge­legt hat, ist das alles perdü. (Der weltbeste Ziehpatensohn wür­de sich jetzt mög­li­cher­wei­se selbst zitieren, wenn er das hören könnte: "Ha­ben damals ei­gent­lich noch Dinosaurierer gelebt?")

In der Schweiz sind die Ränder der Bahnlinien übrigens nicht so dicht baum­be­stan­den wie hierzulande. Daher funktionieren dort die Anschlüsse auch sehr viel bes­ser und weitere Bevölkerungsschichten nutzen dieses Fort­be­we­gungs­mit­tel in­ten­siv.

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Foto: C.E.

Freitag, 17. November 2017

Schlagfertigkeit

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, Potsdam und dort, wo man mich braucht. 

Schlagfertigkeit lässt sich lernen. Und andere zu überzeugen auch.

Blick aus dem Autofenster auf ein Hotel, Regen auf der Glasscheibe
Am Potsdamer Platz
Kundin A fragt eine Dol­met­sche­rin für zwei Stunden In­ter­views in einem Lu­xus­ho­tel an. Der Zeitraum: Mitten in der Hochsaison. Da es kaum eine Nebensaison gibt, müs­sen wir normalerweise 80 % unseres jähr­li­chen Dol­­metsch­­um­sat­zes in fünf­ein­halb, sechs Mo­na­ten ge­ne­rie­ren. Außerdem steht und fällt unsere Arbeit mit der Vor­be­rei­tung.

Ich rufe also den normalen Satz auf. Kundin A: "Der Interviewte ist kein in­tel­lek­tu­el­ler Überflieger, das wird ganz einfach." Ich: "Macht nichts. Einem Arzt bezahlen Sie für dessen Zeit auch nicht deshalb weniger, nur weil der Patient nicht so schwer erkrankt ist."

P.S.: Den Job hab ich gekriegt. (Und es sind Presseinterviews mit Pausen, etwas, das ich alleine machen kann.)

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Foto: C.E.

Mittwoch, 15. November 2017

Das Internetz

Fenster: In einem Flügel hängt am Kabel eine Internetbox und baumelt in der Luft
Gesehen in Berlin-Neukölln
Bien­ve­nue auf Blog­sei­ten aus der Welt der Idiome. Über­set­ze­rin­nen, Über­­set­­zer, Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher nehmen Sprache gerne mal wörtlich. Und wir pfle­gen auf­op­fe­rungs­voll manch al­ten oder seltenen Begriff.

"Das Internetz" nannte meine Tante einst das Weltweite, das hat wie aus der Zeit der Intershops herübergeklungen. Vorgestern im Hof: Das Internet hat sich aufgehängt. Endlich verstehe ich das Bild mal.


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Foto: C.E.

Dienstag, 14. November 2017

Die drei W von der Typo

Hier bloggt im 11. Jahr eine Spracharbeiterin. Als Dolmetscherin und Übersetzerin hege ich gewisse Vorlieben für Buchstaben, Typografie und Satz.

In Buchstaben auf dem Tisch: REIM
Morgens in Neukölln
Witwen und Waisen bringen mich zuverlässig zum Schmun­zeln, aber nur im Druck­be­reich. Zumal dieses Feld be­griffs­tech­nisch durch­aus deut­­li­­che Stei­ge­rungs­mög­lich­kei­ten bietet, als da wären: Hurenkinder und die harm­lo­ser klin­gen­den Schus­ter­jun­gen.
Diese Ménage à trois ergänzt aufs Schöns­te der Wal­zen­kö­nig.

Wie kamen Typographen auf derart komische Begriffe? Das weiß ich auch nicht. Ich kenne nur die Bedeutungen der Termini. Die ersten in der Reihe bezeichnen laut Wikipedia "verwandte Typen von Satzfehlern, die den Le­se­rhyth­mus stören und unästhetisch sind".

Das Wort "Witwe" setzt sich in der jüngsten Zeit durch die Globalisierung durch, denn im englischsprachigen Raum wird widow genannt, wenn eine letzte Zeile ohne erkennbaren Zusammenhang frei auf einer Seite steht, wodurch die letzte Zeile eines Absatzes zugleich die erste Zeile auf einer neuen Seite oder einer neuen Spalte ist. (Die sonst auch verwandten Begriffe "Hurenkind", "Hurensohn" und "Hundesohn" geraten daher langsam in Vergessenheit.)

Ein anderer Sprung im Satzspiegel ist die "Waise". Witwen und Waisen sind doppelt verwandt, auch hier gibt es einen mit den Jahren stärker werdenden englischen Begriff, the orphan. Er bezeichnet die erste Zeile eines neu­en Absatzes, die am Ende einer Seite oder Spalte steht und auf der nächsten Seite oder in der nächsten Spalte fort­ge­setzt wird. (Dieses Phänomen heißt auch Schusterjunge. In Berlin wird sonst eine Bröt­chen­art so genannt.)

Das dritte W: "Walzenkönig" heißt ein Papierbogen, der in der Druckerpresse hän­gen­ge­blie­ben ist.

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Foto: C.E.

Montag, 13. November 2017

A life in limbo

Was Dol­me­tscher und Über­setzer umtreibt, nein, was mich um­treibt in die­sem Be­ruf, kön­nen Sie hier mitlesen. Ich arbeite aus dem Französischen und ins Franz­ösi­sche sowie aus dem Englischen. Mit der Spracharbeit sind viele Reisen ver­bun­den. Wenn die Wortverwirrung, die nach dem Dolmetschen zuverlässig ein­tritt, abklingt, passieren mir manchmal etwas andere Texte.

Ich wohne hier und ich wohne da. Und mitunter
Bin ich auch dort noch zuhause. "Ach, auch mal
Wieder im Lande", sagt der Antiquar, "ich habe
Bücher für dich zurückgelegt. Sieh mal,
Müssten dir gefallen."

Und das geht an mehreren Orten so. Ich bin immer
Auf der Hinfahrt. Die Rückfahrten lasse ich ausfallen.
Bequem im Sessel lebe ich zwischen den Stühlen,
Sitze im Dazwischen; das Hier- oder Dort-
Sein ist nichts als Illusion.

Die Gespräche mit den Lieben gehen auf Anschluss.
Ständiges Anknüpfen. Was in meiner Abwesenheit
Geschah, darf ich mir denken. Lesen aus dem, was
Da schwebt. In die Kunstausstellung geht's
Wie immer am letzten Tag.

Und plötzlich sind die Kinder groß. Plötzlich sind die
Bäume kahl. Diese Wand braucht schon wieder neue
Farbe. In welcher Stadt hängt jenes Gemälde nochmal?
Zuhause bin ich dort, wo mein Kopfkissen ist.
Und in den Sprachen.

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Foto: folgt

Freitag, 10. November 2017

Grenzregion

Hier bloggt eine Dol­met­sche­rin für die französische Sprache (und aus dem Eng­li­schen). Ich arbeite in Toulouse, Paris, Marseille, Berlin, Köln, München, Düs­sel­dorf und auch dort, wo Sie mich brauchen.

Gestern war die Mauer so lange "weg", wie sie einst gestanden hat. Wobei: Von ei­nem Tag ging weder das eine, das mein Vater in Berlin erlebt hat, noch das ande­re, das ich vor Ort erlebt habe.

Arbeitsplätze mit hinten offenen Kabinen für vier Dolmetscherinnen
Doppelt akkurat: Die Kaffeebar war nicht weit
Wir begingen den Tag mit Nor­ma­li­tät. Wir haben für eine Firma gedolmetscht, die Nie­der­las­sun­gen dies- und jenseits der früheren Staats­gren­ze hatte, in Hessen an der Grenze zu Thüringen. Von Ostnähe war nichts zu spü­ren, mit einer Ausnahme: Die Ka­bi­nen.
Sie kamen mit einem Dienst­leis­ter aus der tsche­chi­schen Re­pu­blik.

Einigen Franzosen, die dieses Adjektiv zum Lachen brachte, durften wir nach die­ser Information beibringen, "tschechisches Streichholzschächtelchen" zu sagen. Und der mitreisende Techniker aus Prag war sehr überrascht, dass die Wort­le­ge­bat­te­rien kein Standard in Deutschland sind. Wir haben das übrigens mit "Dol­met­scher­bat­te­rien­hal­tung" übersetzt, élevage d'interprètes en batterie.

Das Teil wird auch bocal genannt, Fischglas, oder "Halbkabine". Vorteil: Die Luft ist hier besser als im vollständig geschlossenen "anaeroben Schrank". Der Nachteil: Die beiden Sprachen, Tschechisch und Französisch, sitzen zu eng beeinander.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 9. November 2017

Effizienz

Bon­jour, hel­lo und gu­ten Tag! Hier schreibt eine Über­set­ze­rin und Dol­met­sche­rin im elften Jahr. Dieses Jahr ist besonders hektisch — und da ich viel mit dem klei­nen Gerät reise und es noch nicht geschafft habe, von dort aus auch mit Fotos zu blog­gen, ist es hier gerade mal etwas stiller. Ich hole in den nächsten Tagen ein wenig nach ...

Nach manchem Filmfestival, auf dem ich moderiert habe, könnte ich Kritiken ver­fas­sen. Allerdings sind das unterschiedliche Berufe, die sich nur schwer ver­bin­den lassen. Und da ich schon genügend Aufgaben erfülle ...

Kino in einem nissehüttenähnlichen Behelfsbau mit Dolmetscherkabine drin
Vor einer Reise mit dem sel­te­ner ge­nutz­ten Riesenkoffer fallen mir alte Mo­de­ra­tions­kärt­chen in die Hand. Aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­se­ne Wörter und Ausdrücke finden sich auf den Rückseiten der Kärtchen wieder. "Stuhl hat Beine, wie lernt er laufen?", ist so ein Satz. Auch das Résumé eines Filmgesprächs fällt mir auf.

Das hier war die Antwort auf eine in einem Filmgespräch gestellte Frage: "Die Dreh­buch­be­spre­chung erfüllt schon mal den Tatbestand der Nötigung." Ich weiß, warum ich mich langsam von dieser Branche entferne ... be­zie­hungs­wei­se in der Fes­ti­val­mo­de­ra­tion und als Dolmetscherin erst mal eine privilegierte Be­ob­ach­tungs­po­si­tion ein­ge­nom­men habe.

Und dann gibt es diese wunderbaren Momente (weshalb es gut war, die Kärtchen nicht sofort ins Altpapier zu tun): Einen Film, den ich ich im Mai beim Film­kunst­fest Schwerin gesehen habe, darf ich im Oktober beim Rügen International Film Festival simultan von den englischen Untertiteln her einsprechen. Auch durch die Kärtchen bin ich sofort wieder drin. Ich gewinne Zeit in der Vorbereitung, weil ich gleich mit dem zweiten Durchgang anfangen kann.

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Foto: C.E. (Campingplatzkino Göhren)
Gruß nach Mecklenburg-Vorpommern!

Mittwoch, 8. November 2017

Unfahrplanmäßig

Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. In einem Zug der Deutschen Bahn:

Blick aus dem Zugfenster ins Tal
Im Baunatal
"In a few minutes, the train will arrive in advance at the railway station. You will be able to fetch any connection, even some unscheduled ones."

Crazy, #DeutscheBahn, c'est du jamais vu, das hab ich ja noch nie erlebt!
Und das Schönste: Die eng­li­sche Aus­spra­che klang fast nach Ox­ford.

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Foto: C.E.

Freitag, 27. Oktober 2017

Sauberlaufmatten

Hallo! Sie lesen hier in einem Arbeits­ta­ge­buch aus der Welt der Spra­chen. Als Dol­met­sche­rin bin ich oft unterwegs, mitunter länger, wenn ich gegen Grippeviren kämpfen muss. Umso irritierender, dass mich die Werbewirtschaft noch nicht als Kundin von Immunstärkern entdeckt hat. Während in Berlin der Mitbewohner die Blumen gießt .... 

Chefsessel bei Linguee
Der übertragene Sinn steht im Vordergrund
Werbung für Fahnenmasten, Chefsessel und Sau­ber­lauf­mat­ten und derlei landet re­gel­mä­ßig in meinem Post­fach. Ich weiß, dass un­ge­betene Wer­­bung im­mer auch ein Spie­gel des ei­ge­nen Surf­ver­hal­tens ist. Muss ich mir über mich selbst Sorgen machen?

Ich dre­he die Sa­che wie­der zu mei­nen Guns­ten um.

So lerne ich bislang nicht so sehr bekanntes Vokabular kennen. Der Fahnenmast: la hampe oder mât de drapeau, der Chefsessel im Übertragenen: fauteuil oder siège de direction, im Konkreten: fauteuil de cuir. Lustig sind diese "Sau­ber­lauf­mat­ten", ein Wort, das bislang nicht zu meinem aktiven Wortschatz gehört hat. Auf Fran­zö­sisch finde ich paillassons pour entrées, tapis d'intérieur oder paillasson anti-cras­ses, übertragen sind das diese länglichen Plas­tik­tep­pich­din­ger, wie sie im Ein­gangs­be­reich von Ladengeschäften liegen, die wie kleine Bürstchen die Schuhe der wer­ten Kundschaft reinigen.

Wer weiß denn schon, wann ich diese Wörter mal brauchen kann?

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Illustration: Linguee

Samstag, 14. Oktober 2017

Statusmeldung

Blick aus der Kabine von oben auf das Geschehen
Messe in Vo­gel­flug­pers­pek­ti­ve
Bonjour, hello, guten Tag. Hier bloggt im 11. Jahr eine Dolmetscherin, übli­cher­wei­se mehrmals die Woche. Wo eine Regel, da auch eine Ausnahme ...

Kurzer Zwischenstand, um die Sendepause zu erklären, die hier eingetreten ist: Unter dem Sturm durfte ich neulich hin­durch­fahren für eine Last-Mi­nute-Aktion mit Ver­dol­met­schun­gen von Filmen auf Rügen. Diese Einsätze waren vor­zu­be­rei­ten.
Anschließend ging es weiter auf dem Land­weg nach Frankfurt, wo ich derzeit bin, während der Mit­be­woh­ner Ruhe zum Schrei­ben hat. Zwischendurch wurde noch ein Dreh­buch­lek­to­rat geliefert.

Bonjour, je suis à Francfort en ce moment, à la foire du livre. Le silence du Blog n'est pas dû à la tempête ...

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Foto folgt

Montag, 2. Oktober 2017

Einsprechübersetzung

Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin über ihren Be­rufs­all­tag. Heute wird's praktisch. Aus gegebenem Anlass einige ...

Hinweise für das Übersetzen fremdsprachiger Untertitel zum Einsprechen

UNTERTITEL (UT) werden einfache oder doppelte Textzeilen genannt, die unter oder (z.B. bei asiatischen Sprachen) neben Filmbildern eingeblendet werden. Meistens geben sie den Filmton wieder, vor allem Dialoge.

Sie bestehen aus einer vorab festgelegten Anzahl von Zeichen. Viele Sender oder Titelgeneratoren haben eine eigene festgelegte Anzahl von Anschlägen (Anschläge = Zeichen inklusive Leerzeichen). 

Die meisten Menschen hören in der gleichen Zeiteinheit mehr Wörter als sie lesen können. Außerdem ist der Filmschnitt zu berücksichtigen. Es ist z.B. nicht üblich, Titel auf Schnitte zu setzen.

Daher geben Untertitel die Filmdialoge oft verkürzt wieder. Außerdem lenken UTs (besonders Ungeübte) vom Bild ab. Das Spiel der Darsteller, Sound und Musik brau­chen Raum bei der Sinneswahrnehmung. Das macht das Erstellen von Un­ter­ti­teln oft zu einer Knobelarbeit, die mit dem Entwerfen von Kreuzwort­rätseln verglichen werden kann — oder mit einer Form von Dichtung. Denn UTs geben den Filmdialog meistens in gestraffter Form wieder. Hier besteht die Kunst darin, Weg­ge­fal­le­nes zwischen den Zeilen aufscheinen zu lassen.

Wie sehen UTs aus?
Untertitelsoftware
Visuelles Beispiel (einige Jahre alt)
1.
00:02:17,440 --> 00:02:20,375

Hier ein kurzes Beispiel,

ich fand nichts Besseres.

2
.
00:02:20,476 --> 00:02:22,501

… aber es hilft schon mal!

Dort noch ein Grundsatztext über Untertitel: Blogeintrag vom März '14.

EINSPRECHEN ist eine Vertonungsart von Festivalfilmen, für die es noch keine Un­ter­ti­te­lung (in der gewünschten Zielsprache) gibt sowie für manche Werke des in­ter­na­tio­na­len Filmerbes (Beispiel: Billy Wilder). Hierbei werden Titellisten, Dreh­buch- oder Roh­über­set­zun­gen von Dolmetschern adaptiert und eingesprochen. Oder aber es liegen er­prob­te, lektorierte Titel vor, die auch von anderen Fach­kräf­ten ein­ge­le­sen werden können.

Dabei spricht eine Stimme alle Rollen, Frauen, Männer, Greise, Kinder, über die Dauer des gesamten Films (oder Kurzfilmprogramms) hindurch. Nicht alle Dol­met­scher oder Spre­cher sind hierzu geeignet. Eine gute Sprechstimme, Stressresistenz und Ausdauer sind Voraussetzung.

Auf der Berlinale haben wir einen Film pro Tag eingesprochen, und zwar zwei- bis dreimal. Hier war ausreichend Zeit für die Vorbereitung vorhanden. Bei anderen Fes­ti­vals kann es sein, dass ein Sprecher pro Tag drei Filme einsprechen muss. In solchen Fällen ist es besser, die Untertitellisten zuvor fürs Einsprechen zu über­setzen. Das Ergebnis wird sich am Ende nicht gleich als neue Titel setzen las­sen, bil­det dafür aber eine gute Grundlage.

Hier noch einige Regeln für das Zuarbeiten in diesem Fall:
1. Eingesprochene Filme sind keine Synchronisationen, sondern Filme mit ge­spro­che­nen Untertiteln. Es gilt in beiden Fällen: So viel wie nötig, so wenig wie mög­lich.
2. Dialoge und UTs lehnen sich an gesprochene Sprache an. Es gilt: „Mit den Ohren schreiben, nicht mit der Hand.“
3. Zur Bearbeitung von Einsprechlisten gibt es im Idealfall einen Filmlink. Es em­pfiehlt sich, im Script Stellen zu markieren, die sehr schnell sind, z.B. durch Kur­siv­setzung. Über die Geschwindigkeit geben auch die Timecodes Auskunft (die Zahlenreihe vor dem Titel).
4. In sehr hektischen Passagen ist es wichtig, die Atem­pausen des Einsprechers zu berücksichtigen. Tipp: Wer fürs Ohr schreibt und übersetzt, sollte zwischen­durch auch laut lesen, vor allem bei der Übertragung einer sparsamen Sprache wie Eng­lisch in eine ausführlichere wie Deutsch.
5. Anders als bei der Buchlektüre können Ohr und Auge im Kino nicht zu­rück­sprin­gen. Eindeutigkeit ist wichtig, Manierismen jeder Art sind zu vermeiden.
6. Abkürzungen, sofern gebräuchlich, dürfen mit etwas größerer Sorglosigkeit ver­wen­det werden als bei echten Untertiteln. Ein lässiges „er war im Haus­tür­ver­kauf tätig“, wir sehen aber, dass er „Außendienstmitarbeiter“ ist, darf anstelle von Il a fait du porte-à-porte, zu Il était VRP [voyageur représentant placier] verkürzt werden.
7. Sprichwörter werden mit der Entsprechung aus der andren Kultur übertragen, außer ein zitiertes Element kommt in der Geschichte vor. Dann muss abgewogen werden zwischen direkter Übertragung und Verschiebung in Richtung einer anderen sprichwörtlichen Metapher (die im Film vorkommt).
8. Probleme und Fragen jedweder Art bitte anmerken und deutlich vom Rest des Textes abheben.
9. Anders als in der Dolmetscher­kabine sind drastische Ausrufe 1:1 wiederzugeben. Hier sind keine diplomatischen Folgen zu befürchten.
10. Have fun while working! Arbeitszeit ist Lebenszeit.


Früher, als Filme noch als Rollen ins Kino kamen, wurden die Untertitel in das Trä­ger­ma­te­rial eingebrannt. Heute sind werden sie im Schnitt oder vom Vor­führ­ge­rät zugespielt. Damit sind sie auch später noch redaktionell veränderbar. Die Über­pro­duk­tion von Filmen führt aber leider dazu, dass nach Fertigstellung einer über­eil­ten Festival­fassung später nur noch selten korrigierend eingegriffen wird. Außerdem haben erhöhte Nachfrage und andere Markt­gesetze die Preise von Un­ter­ti­teln verdorben. Es ist daher allen in der Festival- und Filmaus­wertungskette gedient — nicht zuletzt uns selbst, denn wir sind ja alle Zuschauer —, wenn ak­ku­rat ge­ar­bei­tet wird.

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Foto: C.E. (Archiv)

Sonntag, 24. September 2017

Schokokuchen

Bonjour, hello und guten Tag! Hier bloggt im elften Jahr eine Spracharbeiterin. Heute: Made in France, al­ler­dings in Berlin nach­ge­baut, ein Klassiker, mo­der­ni­siert.

Kuchenform von oben
Abkühlen lassen
In Frank­reich hat der Gâteau au chocolat etwa so oft sei­nen Auftritt wie der deut­sche Mar­mor­ku­chen.
Der Scho­ko­ku­chen ist ein ty­pi­scher Ge­burts­tags­ku­chen, lässt sich auch als Des­sert­ku­chen schnell zu­be­rei­ten, also "aus der Lamäng" (so wird es auf Deutsch ge­spro­chen, da­rin steckt na­tür­lich la main, die Hand, meint: aus der Hand geschüttelt ne­ben­bei).

Sehr gerne mache ich den Kuchen mit einem Arome, wie Erwachsene sie eher mögen als Kinder. Für acht Kuchenstücke werden gebraucht:
200 g Bit­ter­scho­ko­lade (ich nehm' die mit 70 Volt)
2 gehäufte EL Koch­kakao
200 g Butter
40 g Puderzucker (oder normale Raf­finade)
50 g Mehl, gerne zu einem hohen Anteil (oder in Gänze) feine Speisestärke
3 Eier Größe L aus dem besten Hühner­betrieb (eins mehr, wenn sie kleiner sind)
2 gestrichene TL löslicher Kaffee ohne Koffein
1 TL Schalenabrieb einer ungespritzten Zitrone oder Orange (fällt fluffig, kann also gern ein voller TL sein)
1 gestrichener TL fleur de sel ("Salzblume" = natürlich getrocknete Salzkristalle, die sich nicht so schnell auflösen)

Den Herd auf 180 °C vorheizen, dann Schokolade und Butter (Zimmertemperatur oder Flöckchen) im Stieltöpfchen schmelzen lassen. Wer Angst vor Anbrennen hat, macht das im Wasserbad oder legt eine kleine Metall­scheibe auf den Gas­herd, wie wir hier.

Eigelb von Eiweiß trennen. Eiweiß mit dem Zucker zu Schnee schlagen.

Wenn kein Puderzucker vor­han­den ist, kommt der Zucker später mit den Frucht­scha­len­schnip­seln hinzu.
Die Fett-/Scho­ko­mas­se mit dem Mehl ver­mi­schen, dann die Zi­trus­frucht­an­teile hinein, anschließend Eigelb, Salz und die anderen Würzmittel, am Ende den Eischnee behutsam un­ter­he­ben, dann den Teig in eine kleine, gefettete Kas­ten­form schüt­ten.

Wenn der Kuchen nach 20 Minuten Back­zeit (bzw. 25 Minuten bei der Rundform) so wirkt, als wäre er nicht fertig: Der gâteau au chocolat wird in Frankreich als gebackene Mousse au chocolat verstanden. Wer es kuchiger mag, hänge zehn Minuten Backzeit dran (und reduziert ein wenig die Hitze). Wer es noch ku­chen­ar­ti­ger mag, mische zehn Gramm mehr Mehl mit etwas Back­pul­ver unter. Achtung: In diesem Fall die geschmolzene Schokomasse etwas abkühlen lassen, bevor der Teig verrührt wird, damit das Back­pul­ver seine Hauptwirkung in der Backröhre ent­fal­tet.

Es empfiehlt sich übrigens, immer Zutaten für einen Gâteau au chocolat im Hause zu haben, damit spontan ein Abendessen verlängert werden kann (und mehr Personen satt werden), aber auch, falls jemand das falsche Zucker­glas erwischen sollte. Ist mir mal passiert. Da hatte ich dann zweimal Salz im Kuchen. War ungenießbar, aber eine unauslöschliche Erinnerung: "Caroline, das ist doch die mit dem Salz­ku­chen!"

Das werde ich nie wieder los.

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Foto: C.E.

Freitag, 22. September 2017

Baubegriffe lernen

Bonjour, hello, guten Tag! Ob geplant oder zufällig, hier sind Sie auf die Web­sei­ten einer Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Englischen) hineingeraten. Ich arbeite in Toulouse, Paris, Marseille, Berlin, Köln, München und mög­li­cherweise auch dort, wo Sie mich brauchen.

Handgemachte Dominokarten Bild<>Wort
Komplett handgemacht
Kollege Steffen Walter hat's bei der Recherche gefunden: ein viersprachige Glos­sar EN-FR-DE-ES zum nachhaltigen Bauen. Dem Namen nach scheint es direkt von der Be­ton­in­dus­trie zu kommen, lie­fert aber einige Grund­la­gen. Vielen Dank, lie­­ber Stef­fen.

Was mir hier am Glos­sar ge­fällt, sind die klei­nen Il­lus­tra­tio­nen zu den Be­grif­fen.

Sie haben das Format von Memorykarten. Ich schreibe Montag den Urhebern, viel­leicht ließe sich das ja als herunterladbare Spielkarten verlinken, die dann im Copyshop auf dünnen Karton ausgedruckt werden könnten. Das wäre das ideale Spielmaterial zum Lernen im Team.

Salat, Feder, Elefant, Dose ... Memorykarten mit Text
Von Hand ergänzt
Noch ein Lerntipp steckt in diesen Illustrationen drin: Begriffe selbst illustrieren, Grafiken erfinden oder Lo­gos für dies und das. (Daraus ließe sich bei Wunsch ein Spielkartensatz ableiten.)
Die Methode gehört zum Trick lear­ning by teach­ing. Oft reicht aber das dabei in­ves­tier­te Hirnschmalz, um den Begriff erfolgreich zu ver­an­kern.

Für Grundlagenbegriffe mit den Kleinen lässt sich auch ein handelsübliches Me­mo­ry­spiel zweckentfremden.

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 21. September 2017

Gemühüsebrühe

Bienvenue auf Blogseiten aus der Welt der Sprache. Wir Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher werden gerne mal von unserem Umfeld mit einem wandelnden Wörterbuch verwechselt. Das kommt nicht von ungefähr, denn unsereiner sammelt ständig.

Schuhulippen 2 Bund 1 Euro
Schlotten, nicht zu verwechseln mit Schalotten
In Berlin wohne ich in Marktnähe. Die dort aufzufindenden Stände und die Waren er­freu­en Augen und Nasen. Aber auch das Gehirn kennt seine Marktwonnen. Das dort entdeckte Schild "Granny Simitis" hat es in den privaten Ver­ball­hor­nungs­wort­schatz ebenso geschafft wie die Auf­for­de­rung "Esst Katsanien"!

Den Wettbewerb gewonnen haben al­ler­dings die Champions! Und Schluppen (alias Winterzwiebeln) sind die Grundlage jeder gu­ten Suppe.
In Neukölln werden in­des Schu­lup­pen genommen. Deutlich weiter im Westen, zum Beispiel in Char­lot­ten­burg, heißen sie noch Schlotten.

Stein-Champions 100 gr 1 Euro (Bioland)
Sieger!
Der Mitbewohner bietet mir ein Ge­mü­se­brü­hen­schlück­chen an. Oder ist es ein Gü­mü­se­brü­hühn­schlück­chün? (Ist das jetzt vegan oder mit Hühnchen?)

Zu mehr Ü als nötig neigen die Berliner. Dass das stümmt ist auf jeden Schulhof zu vernehmen. Und es ist einer der Gründe, weshalb sich viele türkischstämmige Mit­bür­ger überaus glücklich in Bürlün ein­ge­lebt ha­ben. A propos türkische Mitbürger. Einer zuverlässigen Quelle zufolge würde das obenstehende Wort von Türken Ge­mü­se­bü­rü­he­schü­lü­cke­chen ausgesprochen wer­den. Denn einem türkischen Mut­ter­sprach­ler sei es nicht möglich, zwei Kon­so­nan­ten hin­ter­ein­an­der auszusprechen.

Der Kommentar endet auf ein: "Es sei denn, er ist einsilbig."

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Fotos: C.E.

Mittwoch, 20. September 2017

Abschied vom Sommer

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, Potsdam und dort, wo man mich braucht. Heute ein anderer Blick auf den Schreibtisch.

IPad mit Tastatur, Hand, Hund, grüne Wiese
In Frankreich
Drei tote Stechmücken im Bad, Schluss mit Mottenflug, der Herbstanfang morgen hat auch gute Seiten.

Ich muss den Kalender her­vor­ho­len, es gibt mehr Ter­mi­ne, als ich mir merken kann, und fleißig Angebote schrei­ben. Und ich hoffe noch auf ei­ni­ge schöne Tage in den di­ver­sen Outdoorbüros meines Spracharbeiterinnenlebens.

In einem solchen hatte ich neulich am Rande von Dreharbeiten sogar vierbeinige Hilfe. Ich bin sonst kein Hundetyp. Dieser Hündin war das aber piepegal. Sie hat sich meinen Fuß als Kissen ausgesucht und sich mein Übersetzungslektorat gerne laut vorlesen lassen. Dabei durfte ich dann sogar ein wenig Fell kraulen. Und ich bin dankbar, dass ich in meiner anderen Heimat etwas mehr von dieser Jahreszeit erleben konnte, denn ...

Berlinsommer

Was in Berlin so Sommer genannt wird.
Der Keller trocknet noch, auch die Schuh.
Weggehen, morgen Abend? Ach nee, es
Wird doch wieder schütten, aber sowas

Von nass wird's. Im Rinnstein ein Meer
Und die Tomaten schon wieder ersoffen.
Tage später steht die Luft. Der Eismann
Macht endlich die Deals seines Lebens.

Was in Berlin Sommer genannt wird, war
Früher mal besseres Aprilwetter. Balkon
Putzen? Sitzkissen auf die Stühle dort?
Lohnt doch nicht. Komm lieber mit mir

Ins Kino. Aber vergiss die Jacke nicht.
Los! Heute! Wetter, echtes. Statt Büro
Die Räder angespannt und zum See ge-
Radelt. Was in Berlin so Sommer heißt.

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Foto: C.E.

Montag, 18. September 2017

Yasmina Reza dolmetschen

Bon­jour, guten Tag & hel­lo! Der Ar­beits­all­tag von Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­schern ist Ge­gen­stand des Web­logs. Meine Ar­beits­spra­chen sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch, meine Stimme ist meis­tens auf Kon­fe­ren­zen, Fes­ti­vals und De­le­ga­tions­rei­sen zu hören. 

Der Dol­metsch­be­ruf schließt in mei­nem Fall die Me­dien ein, wo­bei an die Dol­metsch­stim­me an­de­re An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den als sonst, denn der Ver­gleich mit den Stimmen der Mo­de­ra­tor:innen liegt nah. Ich durf­te ins ehe­ma­li­ge Rias-Funk­haus Nä­he Schö­ne­ber­ger Rat­haus und für Yas­mi­na Re­za dol­metschen.





Hier mehr:

Ich habe Yasmina Reza zusammen mit Caroline Elias getroffen, die für uns übersetzt hat, und wir mussten uns erst ein bisschen sortieren: Zum einen was die Technik angeht, zum anderen auch, weil es durchaus unterschiedliche Definitionen des Begriffs Beziehung gibt! – Madame Reza, bienvenue au „Studio 9“!

Was ist das wich­tigs­te bei ei­nem sol­chen Dol­metsch­ein­satz? Da gibt's nur drei Din­ge: le­sen, le­sen und le­sen.

 Es hat gro­ßen Spaß ge­macht!

Das In­ter­view mit Yas­mi­na Re­za hier: klick!

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Illustrationen: DLF