Donnerstag, 18. April 2019

Kapazitäten frei

Guten Tag! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch rein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Brüssel und gerne dort, wo Sie mich brauchen! Heute ein anderer Blick auf den Schreibtisch.

Diese Wo­chen wa­ren für ein Film­fes­ti­val re­ser­viert und für Über­set­zun­gen, die mit ei­nem grö­ße­ren Kul­tur­pro­jekt in Zu­sam­men­hang ste­hen, Web­seite, Antrags­un­ter­la­gen, Gesprächs­termine, erstes gedrehtes Ma­terial der Video­doku­mentation, Schnitt und Unter­titel sowie weiteres, über das ich ver­trags­gemäß noch nicht sprechen darf.

Das Festi­val hat statt­ge­fun­den und viel Spaß gemacht. Festival­mo­derationen sind ein Teil dessen, was ich buch­stäb­lich seit Jahr­zehn­ten anbiete (also seit zwei). In den kongress­freien Zeiten, im Fe­bruar und um Ostern herum, kann ich mir ein gutes Bild über den Stand des deut­schen und inter­na­tio­na­len Film­schaf­fens machen.

Das Kultur­pro­jekt musste jetzt lei­der aus ge­sund­heit­lichen Gründen auf un­be­stimmte Zeit ver­schoben wer­den. Da­mit habe ich Ka­pa­zi­täten frei für Über­setzungen aus den Be­reichen Kul­tur, Kunst, Wirt­schaft und So­zia­les, Agrar­wende, Gärten, Ur­ba­nis­mus, Archi­tektur ...

Die lau­fen­den Pro­jek­te sind ab­ge­schlos­sen oder ha­ben spä­te Ziel­da­ten. Jetzt bin ich mal ge­spannt, was als nächs­ter Termin rein­kommt. Die Bu­chungen lau­fen wei­ter wie geplant, sogar der erste Ter­min für November 2019 ist reserviert, ver­an­schlagt und un­ter­schrieben.

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Fotos: C.E. (Archiv)

Montag, 15. April 2019

Machine Translation (11)

Guten Tag oder guten Abend! Wie Dolmetscher für Französisch und Englisch leben und arbeiten, können Sie hier mitverfolgen. Ich arbeite für Menschen aus Po­li­tik, Kultur und Wirt­schaft. Und ich bin na­tür­lich an das Be­rufs­ge­heim­nis ge­bun­den und darf nur all­ge­mei­ne Be­ob­ach­tun­gen be­rich­ten.

Das war ein höchst wun­der­li­cher Au­gen­blick: Als eine große Rechts­an­walts­kanz­lei anrief und um eine Über­set­zung bat und dies mit der Fra­ge ver­band, wer ein Gut­ach­ten er­stel­len kön­ne.

Mund mit Zeigefinger drauf
Ein offenes Geheimnis
Ich frage nach und erfahre, dass sich zwei Anwä­lte, einer in den 1950-er Jahren ge­bo­ren, ein anderer in den 1970-er Jahren, im Schrift­ver­kehr auf ma­­schi­ nel­le Über­set­zun­gen ver­las­sen und des­we­gen eine Frist ver­passt hat­ten. Die zwei­te Frist war noch nicht ver­passt. Nur hier konnte ich hel­fen.
Die Angelegenheit ist schon etwas her.

Ich wollte erst den Ausgang kennen, bevor ich hier anonymisiert darüber schreibe. Ein Gutachten habe es durch­aus ge­ge­ben, allerdings habe die Rich­te­rin die An­trag­stel­ler knapp ab­ge­fer­tigt: Das wisse doch jedes Kind, dass man sich auf ma­schi­nel­le Über­setzung aus dem Internet nicht verlassen könne.

Kein Aktenzeichen, siehe oben.

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Foto: C.E. (Archiv)

Auf dem Schreibtisch XXXXIX

Guten Morgen, Mittag oder gu­ten Abend! Hier bloggt eine Konferenzdol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin. Dabei arbeite ich (aktiv und passiv) mit Deutsch und Fran­­zö­­sisch sowie (nur passiv, also als Ausgangs­spra­che) mit Englisch. Dort, wo mich meine Kunden brauchen, bin ich dann meis­tens auch tätig: Köln, Berlin, München, Lyon, Straß­burg, Pa­ris ... um nur einige Beispiele zu nennen. 

Uferpromenade mit frischem Baumgrün (noch durchsichtig)
Die Natur zieht den Vorhang zu
Heute wie­der den Blick auf den Schreib­tisch. Der­zeit be­schäf­ti­gen mich fol­gen­de The­men:

⊗ Öko­lo­gi­sche Wen­de in der Wirt­schaft
⊗ Kos­ten­güns­ti­ger, nach­hal­ti­ger Wohn­bau
⊗ Schlaf­man­gel als Gesell­schafts­prob­lem
⊗ Mi­gra­tion aus Afrika (Vor­be­rei­tung ei­nes Filmgesprächs)
⊗ Nach­be­rei­tung Film­her­stel­lung + -ästhe­tik auf Eng­lisch

Dazu (auf Wunsch ei­ni­ger Le­ser) der Blick vom Ar­beits­zim­merb­al­kon mit der ges­tern be­schrie­be­nen Si­tua­tion.

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Foto: C.E.

Sonntag, 14. April 2019

Innehalten

Im 13. Jahr beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen). Sonntags werde ich privat.

Diese Frühlings­tage bringen winterliche Kälte mit sich. Eigentlich sind die Woll­sa­chen längst frisch­ge­waschen im "Mottensafe" verstaut, die ersten Klei­der­mo­tten wurden schon gesichtet, doch immer wieder muss ich mir etwas aus den luft­dich­ten Kisten holen. Die Kälte ist feucht, das Wetter aber nicht so regennass, wie es sein müsste in einem üppigen Frühjahr.

Morgens machen die Vögel wun­derbar Rabatz, weder bei den El­tern auf dem Dorf noch in der Stadt am Kanal und in Park­nähe ist es ein stummer Frühling. Bunt ist er auch hier und da. Die Kli­vie blüht versteckt Richtung Ar­beits­zim­mer­fens­ter; nur nicht um­stel­len, das mögen Cli­vien nicht. Die künftigen Bal­kon­to­mät­chen und die Bienen- und Vogel­wei­de­pflan­zen im Miniformat scheinen al­ler­dings im Wachs­tum zu pau­sie­ren.

Pflanzenfenster und Miniplfänzchen, blühende Clivia
Frühling zuhause

Und während das zarte Laub der Stra­ßen­bäu­me wie in Zeit­lu­pe den Vorhang zur an­deren Uferseite zuzieht, habe ich das seltene Gefühl an­ge­hal­tener Zeit. Das Frühjahr scheint ­zu pausieren. Sonntags­ruhe. Am Abend mo­deriere ich zwei Fes­ti­val­pro­gram­me, die ich schon einmal mo­deriert habe, ich muss also nichts vor­be­rei­ten. Im Haus ist es still.

Da erfahre ich vom Tod eines Be­kannten, eines Lektors und sprach­mächtigen, zu­rück­hal­tenden Mannes aus dem Osten der Republik. Und trotz aller Trauer und der Wut über diese Natur, die zwei klei­nen Kindern den späten Vater ge­nom­men hat, haben die Zei­len eines Verlags anlässlich dieses plötz­li­chen Herz­to­des etwas tröst­liches. Es klingt nach dem Beginn von Einsicht, wenn ein Nach­ruf so endet: "Wir neh­men uns seinen Tod zur Mahnung, freien Mitar­beitern nicht zeitliche Versäum­nisse des Verlages über­zu­helfen, sondern ihnen die Zeit zu las­sen, die sie für eine gründ­liche Arbeit brauchen."

Möge sich diese Erkennt­nis auch anderswo in der Kul­tur verbreiten. Und weil Zeit immer gleich auch Geld be­deu­tet: Möge gründlich er­le­dig­te Geistes­arbeit endlich wieder allen Beteiligten gute, auskömmliche Hono­rare und Ge­häl­ter wert sein. Hier meine ich jetzt nicht ei­nen bestimm­ten Ver­lag, son­dern die ganze Kul­tur­bran­che und Kunden wie Kol­legin­nen und Kol­le­gen glei­cher­ma­ßen: Wür­den sich nicht so vie­le un­ter Wert ver­kaufen, die Preise wä­ren an­dere.

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Collage: C.E.

Freitag, 12. April 2019

Concierge

Seit mehr als zwölf Jahren beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Heute ist der x-te No-Brexit-Tag und gefühlt zum 20. Mal wurde der Er­öf­fnungs­ter­min für den neuen Ber­li­ner „Fluch­ha­fen“ ver­scho­ben.

Ein echtes Dol­met­scher­problem bringt heute die „Frank­furter Allge­meine Zei­tung“. Zitat:
Nach der An­kunft in Brüs­sel hat Ma­cron zu­nächst ge­sagt, nichts sei ga­ran­tiert, erst recht nicht ein lan­ger Auf­schub. Aus fran­zö­si­schen Di­plo­ma­ten­krei­sen hieß es, er ha­be sein State­ment da­mit be­gon­nen, er kön­ne sei­ner Haus­meis­te­rin („Con­cier­ge“) nur schwer er­klä­ren, war­um die 27 EU-Part­ner sich auf ei­ne be­fris­te­te Ver­län­ge­rung fest­ge­legt hät­ten, die­se jetzt aber oh­ne er­kenn­ba­re Ver­än­de­rung in Lon­don ver­län­gern woll­ten. Juncker soll sar­kas­tisch er­wi­dert ha­ben, er ha­be kei­ne „Con­cier­ge“, da­her müs­se er ihr auch nichts er­klä­ren. Tusk, dem bei der Ver­dol­met­schung „Con­cier­ge“ of­fen­bar durch „Putz­frau“ über­setzt wur­de, soll ge­sagt ha­ben, er put­ze zu Hau­se selbst.
Wie übersetze ich den Be­griff für etwas, das es in anderen Län­dern so nicht gibt. Ich wähle Art­verwandtes und hoffe auf mi­ni­male In­halts­ver­schie­bung und darauf, dass der Be­griff nicht in den Focus des Ge­sprächs gelangt.


Ich nehme mal an, dass es das Wort Concierge nicht auf Polnisch gibt. Vermut­lich hätte ich „Haus­meister“ gewählt, den gibt es min­destens in Fa­bri­ken und Büros. Im Eng­li­schen kommt das Wort im Kontext lu­xu­riöser Wohn­an­la­gen vor, da ist es ein ge­ho­be­ner Em­pfang (in ge­ho­be­nen Wohn­häu­sern), der Gäste abwim­melt, Taxis ruft und die Abholung von Wä­sche­rei­wäsche ver­an­lasst. Ähnliche Aufgaben über­neh­men in Deutschland Con­cier­ges in Hotels.

In Frank­reich ist die meist weibliche Concierge der Zerberus im Erd­ge­schoss, sie über­wacht die Tür, über­nimmt die Post und Schlüssel für Hand­werker, nimmt Post und manch­mal auch das eine oder an­dere Kind ent­gegen. Sie wischt Trep­pen, Ein­gang und Hof, stellt die Müll­ton­ne raus und weiß im Haus be­scheid.

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Illustration: FAZ

Freibier!

Bonjour und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (stets ver­all­ge­mei­nernd) über den Be­ruf.

Freitag­vor­mit­tag, die Tages­dispo flat­tert in den Mail­post­kas­ten. Das klingt nach Film, "die Dispo", the call sheet, la feuille de présence. Es ist mein Ta­ges­plan für heute. In ei­ner Spal­te steht das da:


Also nicht ganz so, der Text stammt aus der Dispo, die Il­lus­tra­tion von pixlr.com. Ja, kann man machen. Die hier berich­tende Dol­met­scherin und Moderatorin sagt indes: Alkohol erst nach der Arbeit. Alkohol bei der Arbeit: Nie.

Soweit es mich angeht jedenfalls. Aus Gründen des Ge­ra­de­aus­spre­chens. Mehr ist zu dem Thema nicht zu sagen. Damit habe ich das Thema für diesen Blog­post er­schöp­fend be­ar­bei­tet.

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Illustration: Festival und C.E.

Donnerstag, 4. April 2019

Mutters Sprache

Bonjour und hello und guten Tag! Was Dol­met­scher und Über­setzer so alles er­le­ben, können Sie hier mitlesen. Manchmal braucht ein Kompliment etwas, bis es bei mir ankommt. 

Die Kundin, die 25 Jahre jünger ist als ich: "Sie spre­chen wie meine Mutter!" Ich muss darauf vor Schrecken die Augenbrauen sehr zusam­men­ ge­zogen haben. Wie sprechen Mütter? Oft wissen sie die Dinge besser (oder meinen das zu­mindest). Aber ich hab doch gar nichts kom­men­tiert, hin­ter­fragt oder vor­­sich­tig Hin­weise gegeben?

"Ich mein' das positiv. Das ist ein ganz anderes Fran­zösisch!", sagt sie weiter. Die junge Frau hat ihr Studium gerade be­endet, wofür sie auch länger im eng­lisch­spra­chi­gen Ausland war, und ar­beitet jetzt als Unterneh­mens­be­raterin. "Sie verwenden Wörter und Begrif­fe, die meine Gene­ration oft gar nicht mehr kennt. Also so rich­tig echtes Fran­­zösisch. Wie im Radio oder im Theater."

Gesehen in Kreuzberg
Naja, dort habe ich ge­lernt und lerne täg­lich weiter, dort arbeite ich manch­mal auch. Der Arbeit­geber der Kundin ist ein bekanntes  international tätiges Un­ter­ne­h­men. Und die junge Frau kauft sich gerade eine Wohnung, die 6000 Euro pro Qua­dratmeter kostet, nicht klein, in Ku­damm­­nähe.

Vermutlich wird ihr am Ende meine be­schei­dene Kosten­note zu teuer sein. Hatte ich neulich erst. Teure Ober­schicht­hoch­zeit, und dann nachträg­lich in Viertelstun­den­häpp­chen feilschen wollen. Dabei sind von jeder neuen Stunde bei mir die ersten 15 Minuten gratis. Eine weitere (vol­le) Stun­de be­­rech­ne ich erst ab der 16. Mi­nu­te. Kulanz.

Ergän­zung: Meine Befürch­tungen waren zum Glück völlig un­be­rechtigt. Die jun­ge Fran­zö­sin hat ein zwe­ites Mal über­rascht, wie schön! Sie hat mich um Lese­tips ge­be­ten, um et­was für ihre Mut­ter­spra­che zu tun.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 3. April 2019

Blühpflanzen

Bon­jour, wel­come, gu­ten Tag! Hier le­sen Sie No­ti­zen aus dem All­tag ei­ner Kon­­fe­­renz­­dol­­met­sche­rin und Über­set­ze­rin. Ich arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen). Neben Wirtschaft, Politik und Kultur zählen Öko­land­bau und Bodengesundheit zu meinen Fachgebieten.

Viele bunte Blumen, weißgekleideter Herr mit bunter Plastikgießkanne
Blumen stehen Spalier
"Schön muss es aus­se­hen!", sagt der La­den­in­ha­ber in der West-City, als er die Blüm­chen gießt, die in Reih und Glied vor sei­ner Tür ste­hen. Ich stolpere nach einem Dol­metsch­ein­satz gerade aus einem benachbarten Büro. Als Naturfreunde kommen wir ins Gespräch. Ich frage ihn, ob er von der Ge­fahr für die Bie­nen weiß, die von vielen Ge­wächs­haus­blu­men aus­ge­hen. Seine knappe Antwort darauf ist lei­der typisch.

Er sagt: "Mir doch egal, Haupt­sa­che, es sieht schön aus!" und geht rein, um neues Wasser zu holen. Ich schaffe es gerade noch, ein freundliches Wort des Abschieds zu sagen. Der Mann meint es ja nicht böse. Er steckt nur wie so viele andere im täglichen Überlebenskampf.

Andere Menschen suchen die Blühpflanzen für die Bal­kon­käs­ten sorgfältig aus, um bewusst die Bienen zu füttern. Viele wissen nichts von den Kollateralschäden aus den Laboren. Dass sie die Bienen damit mög­li­cher­wei­se gefährden, wissen sie nicht. Ge­fahr droht aus den meisten ge­werb­li­chen Gärtnereien: 2014 waren mehr als 80% der in der Schweiz getesteten Blühpflanzen aus den Gar­ten­cen­tern mit Neo­niko­ti­noi­den belastet; Agrargifte, die toxisch auf Bienen wirken. Heute (und außerhalb der Schweiz) dürfte es kaum besser gewor­den sein, der Ver­brauch von Um­welt­gif­ten steigt.

Neue Blüten für den Schattenhofgarten
Neues Misstrauen gegen Pflanzen von 2018
Der Direktor des "Pa­pi­lio­ra­ma" im Berner Seeland (Schweiz), Biologe Caspar Bi­jle­veld, er­in­nert re­gel­mä­ßig daran, dass die­se Pestizide für In­sekten drei- bis sie­ben­­tau­send mal gif­ti­ger wirken als DDT, von dem sich bis heute Rück­stän­de in den Böden finden.

Die Fol­gen sind bekannt: 2018 haben 30 Prozent der Bie­nen­völ­ker Frank­reichs den Winter nicht überlebt. (Normal wäre ein Verlust von etwa zehn Prozent.) Die Schmet­ter­lings- und Libel­len­po­pu­la­tionen nehmen genauso ab wie die Arten und Popu­lationen der Vögel und der Fi­sche. Neuen Stu­dien zufolge könnten Res­te von Neo­ni­ko­ti­noi­den in Pflanzen auch für Säu­ge­tie­re gesund­heitlich ge­fähr­lich sein.

Blick auf einen begrünten Hof
Hofgarten mit Giersch (2018)
Damit bin auch ich wieder mitten im Garten­jahr. Frühling bedeutet, zunächst als Aus­gleichs­sport zu Schreibtisch und Kabine im Hofgarten den Giersch zu entfernen. Giersch hat rhizom­artige Wurzeln, die sehr ein­fach brechen. Es ist eine Auf­ga­be für künftige Zen-Meis­ter. Und dann heißt es, sich um die ei­ge­nen Sä­­me­rei­en und Steck­linge zu küm­mern. Ich verwende Bio­saat­gut aus länd­li­cher Produktion. Im In­ternet gibt es Quel­len, man­cher Bio­markt hat auch Sä­me­rei­en im An­ge­bot. Da vie­le Sa­men­ar­ten öffentlich oft nicht verkauft werden dürfen, ohne eine (teure) Li­z­enz­­num­mer zu haben, sind es oft Vereine, die sich des Saat­guts an­neh­men, die Tausch­rin­ge or­ga­ni­sie­ren und ih­re Mit­glie­der versorgen.

Erste Men­schen­pflicht ist da­her heu­te: Aus­sä­hen, ver­schen­ken, tau­schen und pfle­gen von ge­sun­den, un­be­han­del­ten Blüh­pflanzen. Und wer keine Topf­blu­­men mag oder viel­leicht keinen Bal­kon hat, der kau­fe eine mit­tel­große Aus­wahl an Kü­chen­kräu­tern im Bio­la­den seines Ver­­trauens, stel­le sie auf die Fens­ter­bank, si­che­re sie gegen Run­terfal­len bei star­ken Wind­böen ab, gieße ge­­le­gent­­lich ... und lasse sie dann fröh­lich ins Kraut schießen!

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Fotos: C.E. (z.T. Archiv)

Dienstag, 2. April 2019

Jemanden shanghaien

Will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Fran­zö­sisch­dol­metscherin und -übersetzerin mit Hauptarbeitsort Berlin. Hier können Sie Einblicke nehmen in unseren Alltag, zu dem auch das Auf­schrei­ben von Be­grif­fen zählt. Bis sie am Tag X dann plötz­lich ge­braucht wer­den.

Wider sei­en Willen je­man­den zu etwas ver­pflichten, das lässt sich in ei­nem Verb zu­sam­men­fas­sen.

Der Begriff kommt aus dem Eng­lischen, to shanghai someone: Je­man­den zur Arbeit zu ent­füh­ren. Der Be­griff ist See­manns­sprache. Der Le­gen­de nach wurden im chi­ne­si­schen Shang­­hai Ma­tro­sen in Bars be­trun­ken gemacht und dann auf See­len­ver­käufer verschleppt, al­te Schif­fe, die dann ab­ge­legt haben. Aus­ge­nüch­tert beka­men die Ma­tro­sen die an­geb­lich von ihnen un­ter­schrie­benen Ar­beits­ver­träge unter die Nase ge­halten. Ein Rück­tritt vom "Vertrag" war ohne­hin nicht mög­lich, das Schiff be­reits auf of­fe­ner See.

An­geb­lich soll diese Art der gewalttätigen An­heue­rung in der chi­ne­si­schen Ha­fen­stadt Schanghai be­son­ders häufig vor­ge­kom­men sein, so das deut­sche Wiki­pedia. Das englisch­spra­chige Wikipedia schreibt: The shang­haied per­son would wake up and find himself at sea, often on a long trip like to Shanghai ...  Dass das "Shang­hai­en" vom Ziel­ha­fen kommt, ist eine an­de­re Les­art.

Was ler­nen wir daraus? Wiki­pedia ist eine Quelle unter an­de­ren und eben nicht so sicher wie einst Meyers Konversations-Lexikon.

Schon lan­ge wollte ich den Be­griff mal in eine Über­set­zung ein­bauen. Tscha­ka, diesen Punkt auf der Liste darf ich jetzt strei­chen. Es geht um Film­auf­nah­men für ein ak­tu­el­les Por­trait­pro­jekt.

Als Excel-Spalten in ein docx-Dokument gesetzt (oder "Pages", die Apple-Variante)

Und noch eine Trou­vail­le in Sa­chen kri­ti­sche Hinter­fragung von In­ternet­quellen. Albert Einstein: "Der ers­te April ist tra­di­tio­nell der ein­zi­ge Tag im Jahr, an dem die Men­schen die Din­ge, die sie im In­ter­net fin­den, kri­tisch hin­ter­fra­gen, bevor sie sie als Wahr­heit zur Kennt­nis neh­men."

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Illustration: Büro C.E.

Montag, 1. April 2019

Mot d'esprit

Im 13. Jahr blog­ge ich hier da­rü­ber, was Dol­­met­­scher und Über­­setzer ma­­chen und auch darüber, wie sie bzw. wir ar­bei­ten. Bon­jour, wel­come, gu­ten Tag auf mei­nen Blog­sei­ten. Ich ar­beite als Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und Fran­zö­sisch­über­set­zerin in Ber­lin, Pa­ris, Mün­chen, Mar­seille und dort, wo mei­ne Kun­den mich brau­chen.

Das Wort mot d'esprit heißt auf Deutsch ... ein "Bon­mot". Die Her­kunft des Be­griffs dürf­te klar sein. (In Fran­kreich ist le bonmot wei­ter­hin be­kannt. Das ist des­halb er­wäh­nens­wert, weil es pseu­do­fran­zö­si­sche Be­grif­fe gibt, die in Frank­kreich nie­mand kennt, z.B. das Wort "Friseur".)

Heute zi­tie­re ich mei­nen früheren Kol­legen, den Jour­na­lis­ten Pas­cal Thi­baut:


Das war mein Bei­trag zum 1. April, kein April­scherz, son­dern der April­sprach­witz. Merci beaucoup, Pas­cal !

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Illustration: Pascal Thibaut

Sonntag, 31. März 2019

Gänseblümchen

Bonjour, hello, guten Tag. Hier bloggt im 12. Jahr eine Dol­met­sche­rin, übli­­cher­­wei­se mehr­mals die Woche. Gegen Ende der Win­ter­pau­se sind wir noch privat viel unter­wegs. Da­bei fal­len auch Be­grif­fe auf, die sonst eher nicht kon­fe­renz­ty­pisch sind.
Quietschgrüne Trauerweide am Wasser
Berliner Uferszene

Das ist die glei­che Idee in al­len drei Spra­chen: Frisch wie ein Gänseblümchen ... fresh like a daisy ...  fraîche/frais comme une mar­gue­rite ...

Wobei Frankeich vor al­lem frais comme une rose kennt.

Das mag jetzt wie eine Pe­ti­tes­se er­schei­nen, aber genau solche Begriffe und auch Re­de­wen­dun­gen sam­meln wir mit gro­ßem Ver­gnü­gen. In der Ka­bi­ne kom­men ger­ne mal völ­lig un­er­war­tete Din­ge. Einmal hat­te je­mand "das Spiel an­ge­pfif­fen" statt den Kon­gress zu er­öff­­nen. (Es ging um ein kunst­ge­schicht­li­ches The­ma, weit weg von der Stadion­welt.)

Drei lan­ge Tage lang ha­ben dann na­he­zu al­le Re­dner, die zu­sam­men­ge­fasst und an­mo­de­riert ha­ben, aus­gie­big Fuß­ball­vo­ka­bu­lar genutzt. (Wir hat­ten den Bra­ten rasch ge­ro­chen und uns flugs Lis­ten da­zu 'ge­baut'.)

Gänseblümchen marguerite daisy
Bald sind auch die wieder in der Natur anzutreffen — in unseren Breiten

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Foto: www.freebigpictures.com und C.E.

Donnerstag, 28. März 2019

One shot, one hit

Den subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier im 13. Jahr. Heu­te ha­be ich Film­auf­nah­men über­setzt, für ei­nen Dol­metsch­kun­den kor­res­pon­diert und für ei­ne Kon­fe­renz gep­aukt. Zwi­schen­durch muss­te ich mei­ne AGBs än­dern. Da­bei fiel mir ein Wort auf.

Rückgabeselbstbehalt: Drei Suchvorgänge, zwei Fundstellen
Ein "Ergebnisse", na klar (in der Mitte)
Der Ti­tel die­ses Blog­posts lau­tet auf Deutsch: Ein Schuss, ein Tref­fer. Eben hat­te ich bei einer In­ter­net­re­cher­che zwei Tref­fer bei drei Schüs­sen. Das kommt grund­sätz­lich sel­ten vor. Wir Deutsch­spra­chi­gen haben in­des öfter mal sol­che Er­folgs­er­leb­nis­se. Schuld da­ran hat die Gram­ma­tik, das An­ein­an­der­hän­gen von Wör­tern, l'ag­glu­ti­na­tion lin­guis­tique, von lat. ag­glu­ti­na­re = an­lei­men, an­hef­ten. Heute also Rück­ga­be­selbst­be­halt.

Es geht um Fahr­kar­ten, die ich für aus­wär­ti­ge Ein­sätze kau­fe. Manch­mal wer­den Kun­den krank, Events ver­legt und Ter­mi­ne ab­ge­sagt. Was ich mit den Ti­ckets ma­che, wer die er­stat­tet, be­darf ei­ner Er­wäh­nung.

Fran­zö­si­schen Kin­dern ha­be ich die Sa­che mit den deut­schen Lang­- und Län­ger­wör­tern wie­der­holt mit ei­nem Ei­sen­bahn­zug er­klärt, wo an ei­ne Lok ver­schie­dens­te Wag­gons an­ge­hängt wer­den, wo­durch sich der Zug än­dert. Und manch­mal ist es ein Prä­fix, al­so ei­ne zwei­te Lok.

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Illustration: Diverse Suchmaschinen,
pixlr.com

Mittwoch, 27. März 2019

Prägung

Bonjour und guten Tag auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Welt der Spra­che. Meine Fach­ge­bie­te sind Wirt­schaft, Politik, Soziales, Kultur und Film. Wie hat mich mein Be­ruf ge­prägt, ver­än­dert? Die­se Fra­ge stel­le ich mir oft.

Straße im Abendlicht mit Heißluftballon
Abendruhe in der Siedlung
Wenn Du auf dem Dorf bist, in dem Du ei­ni­ge Ja­hre mit Dei­nen El­tern und Ge­schwis­tern ge­lebt hast, nur der Bahn­hof wur­de in der Zwi­schen­zeit ans an­dere Dor­f­en­de verlegt und der Zug fährt am nächs­ten Tag vor sie­ben in der Früh ab und Du feilschst am Vor­­abend mit dem Men­schen vom Taxi­­be­trieb um die Mi­nu­ten, die es brau­chen wird, um Dich recht­zei­tig und stressfrei vor Ab­fahrt dort­hin zu kut­schieren, lan­ge vor Be­ginn des Be­rufs- und Lie­fer­verkehrs, und Du am Ende zäh in Etap­pen zehn Mi­nu­ten (mehr Schlaf) raus­ver­han­delt und den Menschen vom Ta­xi­­la­den kom­plett da­mit über­fordert hast, weil er das ab­so­lut nicht kennt, und der dann sagt: "Mit Ihnen möch­te ich nicht um meinen Platz im Him­mel ver­han­deln müs­sen!" ...

... dann weißt Du, dass Du schon lan­ge in der Groß­stadt wohnst und Frei­be­ruf­le­rin bist.

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Foto: C.E. (Oktober 18)

Dienstag, 26. März 2019

Schlechtes Google Übersetzer

Will­kom­men und bien­ve­nue auf den Sei­ten des ers­ten deut­schen Blogs aus dem In­ne­ren der Dol­­met­­scher­­ka­­bi­ne (oder vom Überset­zer­schreib­tisch). Ich ar­beite mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch, über­wie­gend als Dol­met­sche­rin, und Über­setze­rin, allerdings nicht von amtlichen Do­ku­men­ten!

OK, es ist aus! Vorbei! Nie wie­der!

Sehr bald wer­den wir nie wie­der Spam­mer an ihren schlech­ten Über­setzungen erkennen können, denn sie werden wohl "Human­übersetzer" anheuern. Je­mand muss es ihnen ver­raten ha­ben.

Betreff: "Sor­ry für mein schlech­tes Google translator ..."

Ich vertrete eine Investition Interesse von Dubai ; und interessiert sich für Investitionen in Übersee  Erholung große Menge von Mitteln bei vi  suchen Ihre Teilnahme als Auslandsvertreter zwei InvG .  Antwort -mail unten auf E ,  wenn interessiert.
Von einem Kollegen aus dem Postfach gefischt

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Foto: Nicht MrDubaiinvest

Montag, 18. März 2019

Flacon

Was Über­set­zer und Dol­metscher be­schäf­tigt, können Sie hier mit­lesen. Seit vie­len Jahren be­richte ich über den Beruf und meinen sprach­be­tonten Alltag. Derzeit be­schäf­ti­ge ich mich mit Über­set­zun­gen und be­rei­te das Gar­ten­jahr vor.

Die zwei­te Ge­ne­ra­tion klei­ner Pflänz­chen die­ses Früh­jahrs kommt nur lang­sam. Das liegt wohl am ge­rin­gen Licht der letzten Ta­ge. Da­bei zei­gen sich alle Ber­li­ner froh über den Re­gen, auch wenn die Schu­he beim täg­li­chen Spa­zier­gang lei­den.

Der Rho­do­den­dron hat 2018 stark un­ter der Som­mer­trocken­heit ge­lit­ten. Ich ha­be ei­ni­ge sehr wüst ver­brann­te Zwei­ge ab­ge­nom­men. Mal schauen, ob die Knospen in der Woh­nung auf­ge­hen.

Altes Glas, Blätter, Knospen, Totholz
Uralte Flacons vor Treibholz
Flacon, der: „Eine klei­ne, meist be­son­ders ge­formte klei­ne (bun­te) Glas­fla­sche, vor allem Be­hält­nis für Par­füm.“ Das Wort ist ein schö­nes Bei­spiel für die wech­sel­sei­ti­ge Sprach­be­ein­flus­sung. Das Wort geht auf das alt­fran­zö­sische flascon zurück, das selbst ver­mutlich von ei­nem westger­ma­ni­schen Be­griff ab­stammt, und zwar von „*flascō“ für Fla­sche. [Quelle: Wiktionary]

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Foto: C.E.

Sonntag, 17. März 2019

Winter ade!

Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. Der Sonn­tag gehört dem Sonntagsfoto, das auch privat sein darf.

Bunt hier nur das Menschengemachte
Im sei­nem be­rühm­ten Win­ter­lied jubelt von August Hein­rich Hoff­mann von Fal­lers­le­ben): Win­ter, ade! / Schei­den tut weh. / Aber dein Schei­den macht, / dass mir das Her­ze lacht. / Win­ter, ade! Schei­den tut weh. / Win­ter, ade! / Schei­den tut weh.
Wir zäh­len den Count­down bis zum Früh­jahr. Ich mag Ber­lin, sehr so­gar, aber die lan­gen Win­ter sind an­stren­gend. Morgens ist es dann zu oft grau, mit­tags hell­grau, abends dun­kel­grau. In Not­fall­wo­chen ohne je­gli­che Son­ne hilft die Ta­ges­licht­lam­pe. Grund­sätz­lich liegt der Son­nen­ein­fall­win­kel mit 14 Grad so niedrig, dass alle Vi­ta­min D zu­fut­tern müs­sen, weil die Son­ne ein­fach zu schwach ist.

Schön, was die "Bam­ber­ger An­tho­lo­gie" deut­scher Lie­der da­zu schreibt, die je­de Wo­che ei­ne neue Lied­text­in­ter­pre­ta­tion im Schnitt­feld zwi­schen Kul­tur, Poli­tik und Ge­schich­te vor­stellt. Hoff­mann von Fallers­lebens Frühlings­lied wird da näm­lich als re­vo­lu­tio­nä­rer Text vor­ge­stellt und die Hoff­nung auf das Ende der kal­ten, un­wirt­li­chen, durch­lit­ten­en Win­ter­zeit im poli­tischen Vormärz er­klärt. Es ist der Win­ter, den auch Hein­rich Hei­ne mit seinem "Winter­märchen" ge­meint hat.

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Foto: C.E.

Freitag, 15. März 2019

Wenn die Stunde schlägt ...

... fällt die Uhr hoffentlich nicht um.

Bonjour und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (stets ver­all­ge­mei­nernd) über den Be­ruf.

Haben Sie schon mal eine Standuhr gesehen, die lässig an der Wand lehnt? Auch bei dem Text, der gleich folgt, war automatische Übersetzung am Werk. Können Sie sich das Ganze optisch vorstellen? Folgende Zei­len fan­den sich vor einigen Jahren in einem Webshop an:

"Pile-Poile heißt eine Stan­duhr von der bel­gi­schen De­signer Thier­ry Ba­tai­lle. Die­se Uhr legt sich ge­gen die Mau­er und es ist nicht mehr not­wen­dig, ein Loch zu boh­ren. Man kann es set­zen wo man will: im Sa­lon, Küche, Bü­ro... dank seinen langen 'Bei­nen' ist Pile-Poile immer sta­bil. Die 'Bei­nen'‚ sind in rost­frei Stahl und fü­gen sich im wen­gé Holz­grund. Die Di­men­sio­nen des Grun­des stehen eng mit den Viel­fachen von drei in Zusam­men­hang; Bezie­hung zwi­schen den Kar­di­nal­punk­ten 3, 6, 9, 12..... Die Schweizer Me­cha­nis­mus ge­währ­leistet die rich­ti­gen Zeit. Die sind hand­ge­fertigt. (...) Totale Di­men­sion: 185x40x15cm."

Im gleichen Webshop standen unter "Bett und Bade" weitere schöne Sätze wie: "Er [der Decke] bewahrt uns für den unheilvollen Luftzug der Klimaanlage." Dazu passt der ebenfalls feilgebotene "kurze Kimono entspannter und spitzbübischer."

Die Seite ist mittlerweile gelöscht. Die Wanduhr ist kein bekanntes Designobjekt geworden. Die unterirdischen "Übersetzungen" auf der Seite haben sicher dazu beigetragen.

Pile-poil heißt genau, exakt, Beispiel: "Il est pile-poile midi": "Es ist genau 12 Uhr" (Mittag).

Draufsicht: "Foreign converter" von Panasonic, 1978
Der alte Traum von automatischer Übersetzung (1978)
Die ety­mo­lo­gi­sche Her­kunft die­ser Re­de­wen­dung ken­ne ich nicht. La pile ist die Bat­te­rie oder der Brücken­pfeiler, le poil das Tier- oder Kör­per­haar, aber poil mit -e am En­de, wie es viele schrei­ben,  hat kei­ne wei­te­re Be­deu­tung.

Manche sa­gen (und schrei­ben oh­ne Bindes­trich): "c'est tombé pile poile".

Das heißt so viel wie "C'est tombé à pic"  "Das ist im richtigen Moment eingetroffen", wört­lich: "Das ist auf die Spitze gefallen", da­bei heißt "le pic" auch die Fels­nadel.

Nadel, Zei­ger, Uhr, pünk­tlich, genau? Pile-poile ? A pic !

Nur die automatische Übersetzung hatte es hier of­fen­bar nicht genau ge­trof­fen.


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Foto: Translater USA 1978, Wikicommons

Donnerstag, 14. März 2019

Brühwürfeltext

Herzlich willkommen auf den Sei­ten des ersten deut­schen Web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­metscherin über ihre Einsätze in Ber­lin, Paris, Cannes und anderswo. Heute: Sprachschatz.

Seit Generationen im Küchenschrank
Proudly presents: Brühwürfeltext, Nomen, männlich, ein Begriff aus der eigenen Wort­kü­che.

Damit ist kein Textbrühwürfel gemeint, der einem Wortgebilde das industriell vor­ge­fer­tig­te Aroma liefert, sondern wirklich ein Brüh­wür­fel in Textform, also hoch­kon­zen­triert! Wasser drauf, probe­schmecken, wie­der eindampfen. So je­den­falls baue ich derlei Textformen nach, wenn ich sie über­setze.

Denn es gibt Texte, die sind dermaßen dicht, dass kein Molekül dazwischenpasst. Sie sind das Ergebnis langen Einkochens guter Zutaten.

Das braucht Zeit und Geduld — beim Schreiben genauso wie beim Übersetzen.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 13. März 2019

Voll von der Rolle

Dol­met­scher und Über­setzer leis­ten eine Ar­beit, die den Zu­sam­men­halt der Ge­sell­schaf­ten fes­ti­gen hilft. Trot­zdem weiß kaum je­mand, wie wir ar­beiten. Hier be­rich­te ich in lo­ser Fol­ge da­rü­ber. Und das seit mehr als zwölf Jah­ren.

Neu­lich ha­be ich die Pro­zess­vorbe­rei­tung eines An­walts und seiner Man­dantin verdol­metscht: Es ging darum, dass die Mandantin, ein Zimmer­mädchen im Hotel, aus faden­schei­nigen Grün­den ent­lassen worden ist.

Sie war bei einer Zeitar­beits­firma angest­ellt, die im Auftrag eines Luxus­hotels tä­tig wurde. Dort sind im­mer die Klo­pa­pier­rollen im Müll ge­lan­det, wenn sie er­kenn­bar an­ge­bro­chen wa­ren (wenn we­ni­ger als die Hälfte ver­braucht war).

Schweinchenrosa Klopapier
Die Zeit­ar­beits­fir­ma wollte das Zim­mer­mäd­chen aus ir­gend­wel­chen Grün­den, die ich nicht über­sehe, los­wer­den. Also wurde sie des Dieb­stahls an­ge­zeigt. Sie hat diese halb­vol­len Klorollen nicht in den Müll getan, son­dern mit nach Hause ge­nom­men.
Ich musste an die Ver­käu­ferin den­ken, die wegen der Ein­lö­sung ei­nes am Boden gefun­de­nen Pfand­bons entlassen worden war.

Und an die nicht ab­rei­ßen­den Diskus­sio­nen über die Ma­na­ger­ge­hälter. Nach mei­ner un­we­sent­li­chen Er­fah­rung mit fran­zö­si­schem und bel­gi­schem Kino ist das übri­gens ein Plot fürs Cinéma d'auteur, das auf Deutsch meistens "Art­house-Kino" heißt.

Und wie ha­be ich in die­sem be­son­de­ren Fall ge­ar­bei­tet? Sehr ruhig, zu­rück­hal­tend, mit Em­pa­thie und doch kla­rer Linie. Ich darf Mit­ge­fühl zei­gen, aber kein Mitleid ha­ben. Das habe ich bei ei­nem Coaching ge­lernt.

Der An­walt hat meine Hal­tung be­merkt und sich beim Ab­schied auch noch ein­mal be­son­ders da­für be­dankt. In der Ver­hand­lung wird dann eine vom Gericht ein­be­stell­te Kol­legin oder ein Kol­lege dol­met­schen. Für die Be­klag­te ist der stän­di­ge Wech­sel suboptimal.

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Foto: C. Elias

Dienstag, 12. März 2019

Bankensprech

Eine blog­gen­de Dol­met­sche­rin, das ist eine con­tra­dic­tio in ad­jec­to, denn wir sind an das Ver­trau­lich­keits­prin­zip ge­bun­den. Nein, es ist so­gar ei­ne Ge­heim­hal­tungs­pflicht. Da­her den­ke ich hier über Spra­che nach, über Kom­mu­ni­ka­tions­ver­hal­ten und Un­ter­schie­de mei­ner sprach­li­chen Hei­mat­län­der.

Money makes the world go round ...
"Ich kann lei­der kei­nen Ter­min dar­stel­len", sagt die An­ge­stell­te und meint: "Ich kann kei­nen Ter­min ver­ge­ben." Wir sind in einer Bank. Es geht um einen Be­ra­tungs­ter­min für einen ver­mö­gen­den Kunden. Spä­ter wird von "Ne­ga­tiv­zin­sen" die Rede sein, das Wort buch­hal­té­risch fällt.

Ich dol­met­sche ins Fran­zö­si­sche und trans­po­niere die Lage, als wäre sie ein Musik­stück. Ich nutze Re­de­wen­dungen wie: produire un document officiel, ein of­fi­ziel­les Do­ku­ment vorlegen, auf Fran­zö­sisch aber wörtlich "ein of­fizielles Doku­ment pro­du­zieren" und verser une pièce au dossier, ein Doku­ment ei­ner Akte bei­fügen, wört­lich: "ein Stück in die Akte gie­ßen".

Das Gan­ze kommt mir ein we­nig spleenig vor, aber ich be­ste­he darauf, auf Schrul­lig­kei­ten aus dem Ver­wal­tungs­be­reich der ei­nen Spra­che mit Schrul­lig­kei­ten aus dem glei­chen Be­reich der an­de­ren Spra­che zu ant­wor­ten. Ich neu­tra­li­sie­re damit den Quatsch in mei­nen Ohren. Mi­nus mal Mi­nus er­gibt Plus, we­nigs­tens in der Ma­the­ma­tik.

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Foto: C.E. (Figur von Jim Avignon,
East Side Gallery)

Montag, 11. März 2019

In England wird der Tee knapp

Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin der deut­schen und fran­zö­si­schen Spra­che. Eng­lisch ist die drit­te im Bun­de, meis­tens mei­ne Aus­gangs­spra­che. Ein Idiom mit Zu­kunft!

It's tea time!
Scha­den­freu­de be­schleicht mich trotz al­len Är­gers. Bei ei­nem har­ten Bre­xit wür­de es in Groß­bri­tan­nien zu et­li­chen Eng­päs­sen kom­men, denn we­ni­ger als 50 Pro­zent der un­ver­ar­bei­te­ten Le­bens­mit­tel des Lan­des wer­den im Land selbst pro­du­ziert. Auch der Fünf­uhr­tee ist dann nicht mehr ge­si­chert, so­bald die Vor­rä­te aus­ge­trun­ken sind. Denn die Han­dels­ver­trä­ge mit Dritt­län­dern müs­sen nach dem Aus­schei­den aus der EU ja auch neu ver­han­delt werden.

In der EU wird künf­tig eine Spra­che eine der wich­tig­sten Um­gangs­sprachen sein, die nur von weni­gen Pro­zent der EU-Be­völ­ke­rung als Mut­ter­spra­che ge­spro­chen wird. In Nord­ir­land leb­(t)en (2015) 1.851.600 Ein­woh­ner, ge­teilt durch die 675 Mil­lio­nen EU-Bür­ger (oh­ne GB) sind das um die 0,027 Prozent.

Jetzt habe ich glatt die 433 300 Malteser vergessen! OK, mit ihnen sind es sogar 2.284.900 Einwohner, damit komme ich auf 0,034 Prozent. In beiden Staaten ist Englisch eine offizielle Sprache, aber neben dieser Amtssprache sind Irisch und Mal­te­sisch die Muttersprachen. Will sagen, nach dem Brexit würde die Haupt­spra­che Englisch nicht mehr DIE originäre Mut­ter­spra­che von EU-Bür­gern sein, aus­ge­nom­men zwei­spra­chi­ge Fa­mi­lien mit Mi­gra­tions­hin­ter­grund.

Ab­sur­de Zei­ten. In­­stän­dig hoffe ich, dass doch noch ein Wun­der passiert. Und dass wir al­le es dann schaf­fen, die­se Union auf die Be­dürf­nisse der Menschen aus­zu­rich­ten und nicht vor­rang­ig auf die Bedürfnisse großer Industrien von Agrar- über Fi­nanz- bis hin zu Ver­kehrs­mit­tel- und Wirt­schafts­be­ra­tungs­in­dus­trie.

Die Scha­den­freu­de ver­geht mir üb­ri­gens schnell, wenn ich an die in Eng­land an­säs­si­gen Über­setzer­kol­le­gen und Dol­met­sche­rin­nen den­ke, die das täg­lich be­tref­fen wird. Und vie­le an­dere mehr. So schließt zum Bei­spiel der La­den für bri­ti­sche Le­bens­mit­tel "Broken English" im be­nach­bar­ten Kreuz­berg wegen des zu er­war­ten­den Zollchaos.

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Foto: Archiv

Donnerstag, 7. März 2019

Gefühlte Wahrheiten

Guten Tag oder guten Abend! Wie Dolmetscher für Französisch und Englisch leben und arbeiten, können Sie hier mitverfolgen. Ich arbeite für Menschen aus der Po­li­tik, Wirt­schaft und Kultur. Mit Wörter jonglieren ist nicht einfach. Motto: Immer die Bälle in der Luft halten, auch wenn die direkten Übersetzungen einander zu widersprechen drohen.

Das Problem ist: Auch seriöse Politiker machen mit gefühlten Wahrheiten Politik. Ich würde jetzt gerne dazu bloggen. Aber ich darf nicht. Ich unterliege einer Schweigepflicht.

Bäckereiauslage in Frankreich
Ich kann nur fest­stel­len, dass die Be­griff­lich­kei­ten, die sich je­weils durch­set­zen, mit den jeweiligen Kul­tu­ren zu tun ha­ben, in de­nen sie ver­wen­det wer­den. La règle d'or, die gol­dene Re­gel, wird auf Fran­zö­si­sch ge­sagt, wenn die "Schul­den­brem­se" ge­meint ist. Die ist be­kannt­lich eben­so­wenig eine Brem­se, wie die Miet­preis­brem­se et­was aus­bremst ist, und diese Re­gel ist auch nicht gol­den.

Golden ist in Deutsch­land bekannt­lich der Mittel­weg, ja, der goldene Mit­tel­weg macht alle glück­lich, heißt es. Dieser Ort wird auf Fran­zö­sisch verächtlich le juste milieu genannt. Der Begriff schillert, weil juste im ersten Wort­sinn richtig, gerecht heißt. Es hat aber hier die Wortbe­deutung von "mit Ach und Krach", "Ziel ver­fehlt" und fauler Kom­promiss.

Ja, Über­setzen und Dolmet­schen sind nicht ein­fach. Weil le pain aus Frank­reich eben kein deut­sches Brot ist, son­dern nur ein et­was dickeres "Stan­gen­weiß­brot" und weil die meis­ten Bäcker in Deutsch­land keine Ah­nung von dem haben, was sie da als "Kroa­sang" feil­bie­ten (und fälsch­li­cher­weise croissant schrei­ben). Oder pain au chocolat, das sie "Schoko­crois­sant" nennen, damit es wenigstens ein wenig Fran­zö­sisch klingt, wie­wohl es alles an­dere als in Halb­mond­form ist.

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Foto: C.E. (Archiv, Preis vom Land,
vor 2011)

Mittwoch, 6. März 2019

Und jetzt?

Hallo, WAS Dol­­met­­scher und Über­­setzer ma­chen, hat sich in der Öf­­fent­­lich­­keit rum­­ge­­sprochen. WIE sie arbeiten, allerdings eher nicht. Darüber schreibe ich hier regelmäßig in meinem digitalen Arbeitstagebuch. Und vor dem Auftrag steht das Verhandeln der Konditionen. Manchmal indes ...

Wir-schaffen-das-Bär
Gesehen in Berlin
Und dann war da noch der lang­jäh­ri­ge Ko­ope­rations­part­ner, der zum Bei­ nahe-Dol­metsch­kunden mu­tiert ist. Er ver­an­stal­tet mit­ten in der nächs­ten Herbst­haupt­sai­son zu­sam­men mit einer Bot­schaft und einem For­­schungs­zen­trum zwei hoch­offizielle, wich­tige For­schungs­ta­ge. Der Kunde ist ein klei­ner, sym­pa­thi­scher, sehr aktiver Kul­tur­ver­ein. Wir kosten­vor­an­schla­gen normal.

Der Kunde darauf: Zu teuer.
Wir: Was hät­tet Ihr denn so? (Wenn wir können, re­du­zie­ren wir.)
Der Kun­de: Wir ha­ben ge­nau null Euro. Wirk­lich null.

Hm.

Meine ers­te Ant­wort: Warum buchen Eu­re [nur gedacht: stär­ke­ren] Part­ner nicht die Dol­met­scher? Eure Koope­rations­partner haben Bud­gets für so­was und kennen die Prei­se. (Diese Fra­ge löst keine Reak­tion aus.)

Meine zwei­te Ant­wort [Wie­der­vor­la­ge]: Das The­ma ist ja wichtig. Vielleicht lässt sich in einem ge­mein­samen Brain­stor­ming noch eine Stelle finden, die das fi­nan­ziell unter­stützt. (Keine Reaktion.)

Meine dritte Ant­wort darauf: Wir helfen Kul­tur­kunden bei un­fi­nan­zier­ten Sachen ja im­mer ger­ne und machen Dinge mög­lich, am liebs­ten in der Neben­saison (was wir wiederholt für die­sen Kun­den hat­ten). Aber wir ha­ben weder Ge­halt von ir­gend­ei­ner Sei­te noch Ren­te, we­der 13. Mo­nat, Ur­laubs- oder Kran­ken­geld noch reiche El­tern oder Ehe­män­ner. (Wieder keine Reak­tion. Das Ge­spräch muss ich wohl als ab­ge­bro­chen betrachten.)

Mein Pro­blem: Ich kann mir nicht ein­mal vor­stellen, was in da in den Köpfen vor sich geht und wie das wei­ter­ge­hen soll.

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Foto: C.E.

Freitag, 1. März 2019

Mengenrabatt

Im 13. Jahr beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen). Leider ist vieles in unserem Beruf repetitiv. Aber lesen Sie bit­te selbst.

Viel Heu! Der Kunde, eine Film­pro­duk­tions­ge­sell­schaft, hat gleich zwei  Film­er­zäh­lun­gen (Treat­ments), ein Dreh­buch und eine Unter­ti­telung im An­ge­bot, die in eine an­dere Spra­che sollen. Gute The­men, re­alis­ti­sche Fris­ten, ich freue mich und er­stelle mein Angebot.

Post­wen­dend bekomme ich eine Rück­frage gestellt: Ob denn auch ein Men­gen­ra­batt möglich sei?

Ich nehme Maß, stelle die au­to­ma­ti­sche Sprach­schnitz­ma­schine ein, reinige noch­mal kurz das Wort­sieb, fülle einige Vo­ka­le nach und drehe an den Reg­lern für den Fein­schliff. Ich freue mich auf das zu er­war­tende Ergebnis. Die Entwick­lung des Ma­schin­chens war teuer, das stimmt. Jetzt, wo sich die­se hor­ren­den Kos­ten end­lich amor­ti­siert haben, kann ich Ra­batte anbieten, denn meine Gewinn­marge ist ja so­gar dann noch sehr gut.

Ich liebe die In­dustriali­sierung der Wor­tarbeit! Endlich kön­nen auch wir rich­tig ren­tabel und nach In­dustrie­stan­dards arbeiten. Da­rauf haben alle so sehn­lichst ge­war­tet!

Ach, da­rauf wer­den wir auch in 30 Jah­ren noch war­ten. Denn anders als der An­zug von der Stan­ge betreiben wir Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­arbeiter stets Maß­fer­ti­gung. Kein Hosen­bein ist wie das andere, sogar das lin­ke kann vom rech­ten ab­wei­chen, sollten die Beine un­ter­schied­lich lang sein.

The Mechanical Turc
Der Traum von der in­tel­li­gen­ten Ma­schi­ne ist uralt. Ein me­cha­nischer Türke, wie hier ab­ge­bil­det, hat übri­gens keine Hosen­beine ge­braucht. Im "Bauch" des Tisches war ein Mensch ver­steckt.

Bein ist auch sonst das Stichwort. Mit dieser Logik habe ich mir schon mal hef­tig ins Knie geschossen. Ich hatte einen Großauftrag an­ge­nom­men, der sich hinzog. Er war ra­bat­tiert, weil der Kunde so sehr um einen Preis­nach­lass von 25 Pro­zent ge­be­ten hatte. In anderen Wor­ten: Von vier Wo­chen war eine nicht be­zahlt. Und aus­ge­rech­net in dieser Woche hatte ich dann eine An­frage für drei höchst lu­kra­ti­ve Dol­metschtage. Die gingen an eine Kol­legin, ich blieb auf dem Lehr­geld sitzen.

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Illustration: Wikicommons

Dienstag, 26. Februar 2019

Kuriose Begegnungen (1)

Seit mehr als zwölf Jahren beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen). Auch nach zwölf Jahren gibt's noch Neues: Eine neue Reihe: Kuriose Begegnungen.

Gespräch bei Kaffee und Kuchen
Dol­met­scher be­geg­nen allen Schich­ten der Be­völ­ke­rung, das ha­ben sie mit Ärz­ten, An­wäl­ten und Um­zugs­leu­ten ge­mein. Auf mei­nen zahl­rei­chen Rei­sen treffe ich noch mehr Men­schen. Zum Bei­spiel die End­zwan­zi­ge­rin bei einer Kaf­fee­pause auf einem Um­stiegs­bahn­hof. Sie war total happy, je­man­den aus Ber­lin zu tref­fen, denn sie kennt die deut­sche Haupt­stadt nur vom Hö­ren­sa­gen.

Ihr Ver­lob­ter, ein In­for­ma­ti­ker, war ge­ra­de dabei, nach einem Jahr in Süd­deutsch­land den ge­mein­sa­men Umzug des Paa­res und ihres kleinen Söhn­chens, wenige Monate alt, vor­zu­be­reiten ... nach Berlin. Die Familie stammt aus den USA.

Wie denn das Wohn­vie­rtel "Hocksee-it" so sei, will sie von mir wis­sen, das wä­re in et­wa der Na­me. Dort ha­be er eben ei­ne Woh­nung ge­fun­den.

Ich frage, ob sie Ho­hen­schön­hau­sen mei­nen wür­de, am Ber­li­ner Stadt­rand. Nein, der Na­me sei kür­zer. Au­ßer­dem sei das Vier­tel ziem­lich zentral. Irgend­wann tippt sie den Na­men in mein Han­dy, das auf dem Tisch liegt.

Keine Pointe.

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Foto: C.E.

Sonntag, 24. Februar 2019

Frühjahr!

Bonjour und hello und guten Tag! Was Dol­met­scher und Über­setzer so alles er­le­ben, können Sie hier ab und zu erfahren. Der Dol­met­scher­be­ruf ge­hört zu den stres­sigsten Be­ru­fen, die es gibt. Umso wich­tiger ist die Ent­span­nung. Das kann ich beim Gärt­nern und in der Na­tur. Hier mein Sonn­tags­bilder!

Hyazinthengläser ab in die Reserve!
Es ist so früh­lings­haft, dass ich meine klei­nen Saat­pflänz­chen fast schon ins Freie brin­gen möch­te. Die Hyazin­then sind ver­blüht, die Luft ist weich und warm, in die Trauer­weiden ist schon seit Wo­chen der Saft ein­ge­schos­sen, sie leuch­ten gelb in der Sonne. In Frank­reich werden diese Woche Tages­tem­pe­ra­tu­ren von 17 bis 27 Grad er­wartet.

Das Wet­ter ist so, wie es einst ei­nen Mo­nat spä­ter üb­lich gewesen wäre. Vor ei­nem Jahr war es zu Jah­res­an­fang ähn­lich, dann hatten wir im März nochmal Minus­grade im nied­rigen zwei­stel­li­gen Be­reich. Und vor zwei Jah­ren war es in Ba­den auch so, da gab es da­rauf­hin einer mei­ner Lieb­lings­ku­chen nicht.

Neben fran­zö­si­schem Scho­ko­la­den­ku­chen und Kä­se­ku­chen ist Walnuss-Apfel mein Favorit. 2017 wuchsen im südwest­deutschen Raum in man­chen Re­gio­nen keinerlei Äpfel und Wal­nüs­se an den Bäu­men. Die Blüten waren erfroren.

Vor zehn Tagen ka­men schon die ersten Kra­ni­che aus dem Sü­den zu­rück, das war mehr als drei Wo­chen zu früh. Und mir sind schon die ers­ten Bie­nen auf Sam­mel­tour be­geg­net. So früh wa­ren sie noch nie un­ter­wegs. Auch sie wür­de die Rück­kehr der Win­ter­kälte exis­ten­ziell be­dro­hen.

Mein zweiter Link der Woche ist https://de.co2.earth/, vor allem in der ur­sprüng­li­chen, englisch­sprachi­gen Form: www.co2.earth. Hier wird der CO2-Ge­halt der At­mos­phäre doku­mentiert. (Die Blog­bei­träge wer­den leider seit Jah­ren nicht mehr aktu­ali­siert.) Die deutsch­spra­chige Fas­sung ist übrigens ein Bei­spiel für „ma­chine trans­lation“, hier nur ei­n Bei­spiel: "Seit dem Be­ginn des 21-Jahr­hun­derts wur­de die globale Tem­pe­ra­tur fünf­mal ge­bro­chen, drei davon wur­den hin­ter­ein­an­der gesetzt (2014-2016)."

Sempervivum tectorum (stand zu warm)
... stand zu warm und in zu fetter Erde
Beim Gärt­nern lerne ich viel über die Na­tur, tat­säch­lich oft per trial & error. Auf glo­ba­ler Ebene dür­fen wir das nicht. Wir müs­sen alle un­se­ren Lebens­stil än­dern, wenn wir die Kli­ma­ka­tas­tro­­phe ver­lang­sa­men und auf­hal­ten möch­ten. Ei­ne fran­zö­si­sche Pe­­ti­­tion für ei­ne Po­li­tik ge­gen den Kli­ma­wandel ist übri­gens dort die Pe­ti­tion mit den al­ler­meis­ten Un­ter­stüt­zern, die es je gab.

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Foto: C.E.

Samstag, 23. Februar 2019

Berliner Himmel

Hallo beim ersten Web­log Deutsch­lands aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Hier mein "Link der Woche".

Noch bis Dienstag in der Arte-Mediathek: Der großartige Bruno Ganz zusammen mit dem großartigen Otto Sander in einem film­his­to­rischen Werk und Doku­ment seiner Zeit: "Der Him­mel über Berlin" von Wim Wenders.

Ich kann nur ra­ten: ansehen und wieder­sehen! Mit Berliner Mauer, dem wüsten Pots­da­mer Platz, der Brücke zwischen Neu­kölln und Treptow, der Victoria auf ihrer Ka­no­nen­säule, Curt Bois, Peter Falk und natürlich Solveig Dommartin ... sowie Off­kom­men­tar­text von Peter Handke.

Ein Must, das zwischen doku­men­ta­rischem Wert, Poesie und auch An­flügen von Kitsch schil­lert, so ha­be ich das je­den­falls da­mals empfun­den. Als ich den Film 1987 in Paris ge­se­hen habe, bin ich im Kino Saint-André-des-Arts schlicht sitzen­ge­blie­ben, um ihn gleich ein zweites Mal zu sehen.

Das muss der Bahnhof sein ... mit dem merkwürdigen Namen.
Der Ort, wo der Bahnhof anhält

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Bild: Road Movies u.a./Arte

Freitag, 22. Februar 2019

Deppengetrenntschreibung

Bonjour und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (stets ver­all­ge­mei­nernd) über den Be­ruf.

Seit Beginn der Recht­schreib­re­form in Deutsch­land ha­ben im­mer mehr Men­schen Prob­le­me mit der Recht­schrei­bung, sogar pro­fes­sion­el­le Texter. Hier ein Bei­spiel aus meiner Arbeit:

Sie raten den heran strömenden Bewohnern, ihre Stadt um zu benennen.
Aus (übersetztem) Pressematerial
Lange, zusam­men­ge­setzte Wör­ter gel­ten als eine der Be­son­der­heiten der deut­schen Sprache. Dabei geht genau dieser Aspekt immer mehr verloren. "Stil­bildend" ist hier wohl das Eng­lische. Auch die richtige Ver­wen­dung des Kommas wird immer seltener. Fehler­hafte Nutzung färbt sogar auf frühere Könner ab — auch hier wirkt das englisch­sprachige Vorbild.

Immer häufiger sehe ich zudem in deutschen Sätzen Ge­dan­ken­striche, die nach englisch­sprachigem Modell gesetzt sind. Hier ein Beispiel für den engl­ischen Satz: He is afraid of two thingsspiders and senior prom. (Etwa: Vor zwei Dingen hat er Angst: vor Spinnen und dem Abschluss­ball.) Auf Deutsch würde hier eher ein Dop­pel­punkt verwendet. Außerdem gibt es zwei Leer­zeichen mehr, die den Ge­dan­ken­strich in die Mitte nehmen. Häufig findet sich der besonders lange Ge­viert­strich in eng­lisch­spra­chi­gen Dokumenten. Er ist als Ge­dan­ken­strich im Deutschen nicht üblich.

Der hier gewählte Hoster Blogger.com bildet Gedankenstrichlängen leider nicht akkurat ab. Daher empfehle ich den Wikipedia-Eintrag zum Halbgeviertstrich, der als Gedankenstrich verwendet wird.

Solche Typo­sa­chen lernen Texter und Kor­rek­toren normalerweise auch. Der ab­ge­bil­dete Satz lässt nur den Schluss zu, dass für einen offiziellen Texter- und Über­setzer­auf­trag mal wieder ein Nicht­profi (ver­mut­lich zu unterirdischen Ho­no­rar­sätzen) ver­pflichtet wurde.

Verwandtes Thema: Der Deppenapostroph.

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Illustration: Netzfund

Sonntag, 17. Februar 2019

Kürzestrückblick

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­scher (und Dolmetscherinnen) sowie um Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­arbeiterin für Französisch (und aus dem Englischen) ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Marseille, Hei­del­berg und dort, wo man mich braucht. Heute rasch einige Sonntagsbilder!

Es sind 13 Grad Cel­sius Au­ßen­tem­pe­ra­tur in Ber­lin. Zu dritt hatten wir ersten Gar­ten­sub­botnik des Jahres. Ein Nachbar übt Klavier, Chro­matik, Bach. Es ist auch einer, der immer mit­summt wie Glenn Gould in der "Kunst der Fuge". Kra­ni­che ziehen durch den Him­mel. Alles ist wunder­voll und friedlich.
Der Ber­linale­infekt ist fast überwunden.
In unserer Berlinale-WG ist es jedes Mal die große Frage, wen es wohl dies­mal erwischt.

Mein Ber­li­na­le­ré­su­mé ist ge­mischt: Es sind zu viele Fil­me, zu viele wenig in­no­va­tive, lang­wei­lige Stücke da­run­ter. Und in Sa­chen Spra­che hat sich ge­nau das ver­stärkt, was vor fünf Jah­ren be­reits er­kenn­bar war (Link).


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Fotos: C.E.

Freitag, 15. Februar 2019

Spoiler Alert

Im zwölften Jahr führe ich hier mein öffentliches Arbeitstagebuch. Ich dol­met­sche und übersetze in Paris, Berlin, München und Cannes — und (fast) überall dort, wo meine Kunden mich brauchen.­

Der Tanz um den Goldenen Bären
Das Verb di­vul­gâ­cher habe ich sofort ver­stan­den, als ich es das erste Mal in ei­nem In­ter­view gehört habe. Das Ge­spräch ging zu einem Film, der Inter­view­te kam aus Qué­bec. Um das Verb zu bilden, wur­den die Wörter divulguer und gâcher, "ver­raten" und ver­derben", einfach an­ein­an­der­ge­koppelt.

Wenn ich je­man­dem den Spaß an ei­nem Film ver­derbe, weil ich ihr oder ihm vorab das Ende ver­rate, habe ich genau das ge­tan, was auf Englisch to spoil heißt. Als Verb, "spoilern", und als No­men ist es im deut­schen Sprach­ge­brauch seit ca. zehn Jahren be­kannt: "Jetzt kommt ein Spoi­ler ..." oder, als kom­plette Über­nahme des Warn­hinweises, "Spoiler Alert".

Ich muss­te sehr grin­sen, weil mit dieser Art "Lego­wörtern" sonst nur das Deut­sche ar­bei­tet. Das tran­si­tive Verb di­vul­gâ­cher [di.vyl.ɡɑ.ʃe] wird wie das Wort gâcher konjugiert.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 14. Februar 2019

Interviews interpretieren

Seit fast zwölf Jahren führe ich hier mein öffentliches Arbeitstagebuch als Dol­met­scherin und Über­setzerin. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Paris, Berlin, Heidelberg und Marseille — und (fast) überall dort, wo Sie mich brauchen.­

Was das Dolmetschen von Interviews so anstrengend macht, sind die Schleifen, die Wiederholungen und damit eigentlich genau das, was leicht erscheint.

Press Junkets: Alle 20 bis 30 Minuten kommen neue Pressevertreter in den Raum, ein Journalist oder eine kleine Gruppe von Men­schen, die dann im Wechsel Fragen stellen. Fragen und Ant­worten ähneln sich. Die Performance von Regie und Dol­­met­schen ist nun darauf ausgerichtet, originell, klug und über­ra­schend zu sein. So ein Interview­ter muss stets wie spontan antworten, darf nie gelangweilt oder an­ge­strengt wirken — und wir Dol­met­scher auch. Und dabei keinesfalls Teile aus der Antwort von der letzten Runde über­tragen, selbst wenn der Satz­­an­fang in beiden Fällen gleich war.

Stenoblock, Hände, Getränke
Subjektive der Dolmetscherin mit Ersatzblock
Manche Regisseure 'dirigieren' in echter Re­gis­seurs­art dabei auch ihre Dol­met­scher. Das habe ich vor vielen Jahren bei Claude Cha­brol erlebt. Mit­un­ter dolmetsche ich auch Schau­spieler. Da beob­ach­te ich an mir selbst mi­me­tische Effekte, das ist lustig. "Aus einem Atem" war ein an­de­res Mal, als ich einem Dreh­buch­autor meine Stimme geliehen hat, der Kom­men­tar des Ver­an­stal­ters.

In ei­ner Pause hat mir heute eine Journalistin meine Arbeit gespiegelt. Das, was ich als "beginnende mi­me­tische Effekte" an mir selbst verspüre, be­schreibt sie als Nach­tur­nen von Gesten an den entsprechenden In­ter­view­stel­len. Will sa­gen: Je­mand macht an einer bestimm­ten Stelle eine wegwerfende Hand­be­we­gung oder an einer anderen Stelle rollt er oder sie mit den Augen. Ohne, dass ich derlei Ges­tik in meine Notizen schreiben würde, scheine ich sie in an genau den Stellen meiner Ver­dol­met­schung ein­zu­bauen.

Die Jour­na­lis­tin hat übrigens mal beim Film gearbeitet, und zwar im Bereich Con­ti­nuity, wo auf genau diese Details geachtet wird. Ich war mir meiner "Ver­to­nungs­kunst" bis in dieses Detail nicht be­wusst. Wirklich nicht.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Lesen, lesen, lesen

Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin, die mit­un­ter auch mo­de­riert. Vie­le Auf­trä­ge ähn­eln sich. Und das meiste bereite ich im eigenen Büro vor.

Die Arbeit ist ähnlich: Vor den meis­ten Dolmetsch­ein­sätzen darf ich lesen, lesen, wei­ter­lesen. Vor der Ar­beit auf dem Fes­ti­val: Lesen, lesen ... und manch­mal, wie diese Wo­chen, auch sehen.

Stehlampe aus geschnitztem Objekt und alter Atelierlampe
Leseecke mit Jugendstilkachelofen
Vor­be­rei­tungs­in­ten­si­ve Momente sitze ich gerne im Lesesessel aus. Fürs Wohl­fühl­mo­ment sor­gen gutes Licht und das be­son­de­re Design.

Dabei erfreue ich mich in Sa­chen Ge­stal­tung re­gel­mä­ßig der Un­ter­stüt­zung durch François Rossier, www.upcycling.mobi, der mich beim Ein­rich­ten mit kre­at­iven Impul­sen und den ent­schei­den­den Hand­grif­fen wundervoll be­glei­tet. Ich habe sein Prinzip derart ver­in­ner­licht, dass in der schräg ge­schnit­te­nen Woh­nung eini­ges auf Maß im Pinpong­ver­fahren entsteht. Wie zum Bei­spiel diese Lam­pe. Ich liebe Ob­jek­te, die nützlich und Kunst zu­gleich sind.

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Foto: C.E.

Montag, 11. Februar 2019

Roundabout

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs einer Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin. Meine Arbeits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch, Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che ... und Film. Hier be­rich­te ich über den Berufs­alltag. Das ge­schieht so, dass man nicht die Be­tref­fenden, wohl aber manche Si­tuatio­nen er­ken­nen kann. 

Parsley served dumplings | Petersilien Servierten Knödel (Schild vom Catering)
Was auf der Berlinale so "Servietten" wird
Da wäre sogar noch ein Extra-Screening auf der Berli­nale, lässt mich eine Mail wissen, "first come, first serve". Und je nach­dem, wann das Q & A des Films im Slot davor fertig sei, wür­de das Scree­ning dann round­about um ... an­fan­gen.

Ach ja, Englisch als Fremd­spra­che ist nicht je­dermanns Sache. (Je­der­fraus auch nicht.) Ich wür­de ja lie­ber le­sen: "first come, first serveD."

In Deutschland hat sich an etlichen Orten Pseudo-Englisch durchgesetzt. So sehr, dass viele gar nicht mehr merken, was richtig ist und was nicht. Etwa in der Art, wie wir dieser Tage alle Filmleute nahezu muttersprachlich am Potsdamer Platz ihre Filmgespräche führen hören! Und dann mit dem Handy rasch noch einige Pics. Und auf dem Weg ins zum nächsten Get together das Line-up des nächsten Projekts besprechen.

Ich weiß auch nicht, warum sich diesen dummglischen Versionen in Deutschland durchgesetzt haben.

Roundabout heißt übrigens Kreisverkehr. Nichts für ungut.

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Foto: folgt

Sonntag, 10. Februar 2019

Videothek für Filmklassiker

Willkommen auf den Seiten des digitalen Logbuchs einer Sprachmittlerin. Meine Arbeitssprachen sind Französisch, Deutsch ... und Film. Derzeit bin ich viel in Sa­chen Film in Berlin unterwegs.

Cédric Klapisch und Laurent Cantet
Cédric Klapisch und Laurent Cantet
"Darauf habe ich 20 Jahre ge­war­tet",  sagt Wim Wenders zu seinen französischen Kol­le­gen Laurent Cantet und Cé­dric Klapisch. "Wo seid ihr denn gewesen?"
Die Angesprochenen sitzen auf einem Podium in Berlin (und Wen­ders ne­ben ihnen), wir sind auf einer Presse­kon­ferenz, eben gerade wird LACINETEK vor­ge­stellt, eine Online-Kine­mathek aus Frank­reich.

Denn ab heute kann diese auch in Deutsch­land und Öster­reich genutzt werden. Am Anfang dieser Entwicklung steht La Société des Réalisateurs des Films (SRF). Dieser französische Zusammenschluss der Film­re­gisseure Frankreichs organisiert in Cannes mit der Quin­zaine des Réa­li­sa­teurs eine Fes­ti­val­sek­tion der dortigen Film­fest­spie­le. Vor etlichen Jahren hatten einige der befreundeten Regisseurinnen und Re­gis­seu­re am Ende einer Veran­staltung die Idee, eine digitale Video­thek der besten Spielfilme zu gründen.

Voraus­ge­gan­gen war dem die Analyse, dass viele der ganz alten bis hin zu den mo­der­nen Klas­si­kern von den Fernseh­sendern kaum noch ausgestrahlt werden, dass sie sich aber auch nicht in den diversen Video­theken, die das Internet an­bietet, finden lassen.

So entstand die Cinémathèque des Réalisateurs, kurz LACINETEK.com/fr, die seit 2015 auf dem Markt ist. Gedacht ist sie für echte Kinofans, die vielleicht zu weit weg von einer Kinema­thek wohnen, aber auch für junge Menschen, bei denen oft das Schul­system Grundlagen für eine Filmkultur gelegt hat (der französische Film­bil­dungs­kanon ist beispielhaft).

Das Grund­prinzip der Filmauswahl: Regis­seure benennen 50 Filme, die für sie am wich­tigsten gewesen sind. Anschlie­ßend werden von vielen Titeln Filmlizenzen er­wor­ben  auch mit Unter­stützung etlicher Kine­ma­theken, darunter die Deutsche Kinemathek, sowie einiger Film­för­der­ein­rich­tun­gen. Die Filme sind dann (gegen Gebühr) abrufbar oder sogar herunterzuladen. In Frankreich gibt es zusätzlich ein Abon­nement, das in Deutsch­land auch geplant ist.

Auf einer Pressekonferenz am Potsdamer Platz wurde das Filmerbe-Projekt vor­ge­stellt, bei einer Galavorführung im Kino Babylon gestartet. In der Berlinale­woche laufen sechs Fil­me von Regis­seurinnen aus der Retrospek­tive unter LACINETEK.de.

Quel film? Welcher Film?
Vor der Pressekonferenz
Für alle, die meh­re­re Spra­chen lernen und täglich verwenden: Hier laufen es viele Filme in Original­fas­sung mit Un­ter­titeln.
Und vor einer solchen Presse­kon­ferenz schreibt unsereiner natür­lich eine um­fang­rei­che Liste mit den zahl­rei­chen Ab­kür­zun­gen der Kinema­theken, Filmför­der­be­hör­den wie das CNC, das ausge­schrieben Centre national du cinéma et de l'image animée heißt.

Für Veranstalter ist wichtig, in Presse­mappen gewisse Fragen schon vor­weg­zu­neh­men, bei­spiels­weise die Fragen nach Zahlen, Daten und Fakten.

Es ist geplant, die Online-Videothek auch in anderen europäischen Ländern verfügbar zu machen.

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Fotos: C.E.