Donnerstag, 17. Oktober 2019

Mist aber auch!

Was Kon­fe­renz­dol­metscher und Übersetzer (und Dolmetsche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen) so umtreibt, davon können Sie hier einen kleinen Eindruck er­hal­ten. Im 13. Jahr blogge ich über meinen höchst sprachbetonten All­tag. 

Die Slawisten wer­den vermut­lich alle stark leiden. So sehr, dass viele von ihnen nicht mehr wollen. Das meinte jedenfalls mein Mail­pro­gramm vorhin.

Es ging um Dolmetsch­ter­mine und Vokabel­listen, unsere berühm­ten Lexiken.
Und dann schoss die Auto­korrek­tur da­zwischen. Aus "Aus­stiegs­pro­gram­men für Sa­la­fis­ten" wurden "Aus­stiegs­pro­gram­me für Sla­wis­ten".

Und so hätte ich das beinahe auch ver­schickt, wenn ich nicht ul­tra­auf­merk­sam ge­we­sen wäre. Das geht näm­lich innerhalb von Se­kun­den­bruch­tei­len mit der Ände­rung. Dann hat mich das Pro­gramm noch gefragt, ob ich mir da sicher wäre, also wirk­lich, wirklich sicher. Oder meine ich nicht doch viel­leicht "Stall­misten"?

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Foto: folgt (oder auch nicht)

Dienstag, 15. Oktober 2019

Frühherbst

Selbständige (wie wir Dolmetscher und Übersetzer) arbeiten selbst und ständig. Und dann dürfen sie sich, zwei Mal im Jahr, plötzlich freinehmen. Einfach nur, weil das Wetter besonders schön ist.

Heute gibt es keine Sonntagsfotos, sondern Sonnentagsfotos. Das Büro kann war­ten. Auf dem Programm: Mit Freunden durch Berlin wandern. 50 Prozent dieser Wan­de­run­gen waren immerhin auf Franzö­sisch und galten thematisch der Vor­be­rei­tung von Einsätzen.

Im Gehen lernen sich Vokabeln und ihre An­wen­dung oh­ne­hin am aller­besten. Jeder und jedem, der Sprac­hen lernen oder die Kennt­nisse verbessern möchte, rate ich zu Tan­dem­partnern und langen Spazier­gängen. Jetzt ist das hier doch noch ein ver­it­ab­ler Blogpost geworden, rubriziert unter "Lerntipps".

Bilder aus den Bezirken Kreuzberg, Treptow und Neukölln
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Fotos: C.E.

Freitag, 11. Oktober 2019

Auf dem Schreibtisch (LVII)

Mitten in ei­nen Blog aus der Ar­beits­welt sind Sie rein­ge­ra­ten: Bon­jour und herz­lich will­kom­men! Hier stehen kurze (anonymisierte) Episoden aus meinem mit­un­ter sehr vielseitigen Alltag, Gedanken zu Kultur und Sprache sowie Hinweise zu meinen Arbeitsfeldern.
Home-office um 1900

Hier der Blick auf den Schreib­tisch, be­reits zum 57. Mal. Dieser Tage be­schäf­­ti­ge ich mich mit

⊗ Tigermücke und anderen eingewanderte Gefahren
⊗ Gewässerschutz
⊗  Rohstofflie­fer­ket­ten und Menschen­rechte
⊗ Großküchenplanung (Wege, Ne­ben­ge­las­se, Ar­beits­platz­ver­ord­nung)
⊗ Frühkindliche Schul­bil­dung in Frank­reich
⊗ Fachlexik Deradikalisierung (zum Wei­ter­ge­ben)
⊗ Ökologischer Umbau der Wirt­schaft
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Foto: Archiv

Hinsehen! Weiterdenken!

Bon­jour, bon­soir, gu­ten Tag oder gu­ten Abend auf den Sei­ten mei­nes di­­gi­­ta­­len Log­buchs. Hier schrei­be ich, was Über­setzer und Dolmetscher (für Fran­zö­sisch und Englisch) so machen. Das Zeitgeschehen aus der Perspektive der Linguisten: Jedes Wort zählt.

Geflüstertes - Die Hitlerei im Volksmund
Anti-Nazi-Witze (Buch von 1946)
Po­li­ti­ker, die nach dem Hal­len­ser Atten­tat vom
"Amok­lauf" eines "Einzel­täters" sprechen, von et­was "Unvorstell­barem" und den Mord­anschlag als "Alarm­zeichen" einstufen, lassen mich ebenso irritiert zurück wie Politiker, die bekunden: "Das CO2-Thema haben wir jetzt bis zur Vergasung be­spro­chen."

Es ist klar, dass der Mörder die Syna­goge stürmen wollte. Er streamte seine Tat ins Netz, Christ­church ist nicht weit. [EDIT: Gestern Abend hat der mutmaßliche Täter gestanden.]

In solchen unbedarften Äußerungen of­­fen­­bart sich, wer jahrzehntelang die Augen ver­schlos­sen hat. Das ist kein Alarmzeichen wie das Läuten eines Weckers, viele Politiker haben verschlafen.

Alarm­zeichen gibt es seit Jahr­zehnten, ebenso lange schrei­ten Rechts­ex­tre­me zur Tat. Das Attentat auf die Olympiade in München? Ok­to­ber­fest­an­schlag? Jüdische Ge­mein­den unter Po­li­zei­schutz, weil Drohungen vorlagen? NSU-Morde, alles ver­ges­sen? Und auch ver­gessen, dass diese Straftaten viele Jahre lang anderen so­zia­len Milieus zu­ge­schrieben wurden?

Wer genau hin­sieht, nimmt die "völkisch" Denken­den im Alltag wahr, die ganz be­wusst anders auf­treten und an öffent­li­chen Orten ihr perfides Gift mit scheinbar harm­lo­sen Kom­men­tare verspritzen, z.B. im Zugabteil. Medien berichten re­gel­mäßig von "völkisch befreiten" Ort­schaften  auf dem Land, von ideolo­gischen Ka­der­schmieden, Wehrsportgruppen und wachsenden Arsenalen. Der Bundesver­fas­sungs­schutz warnt seit Jahren. Im letzten Jahresbericht benennt er das "Erstarken der rechts­ex­tre­mistischen Kampf­sport­szene" (Link zum Tagesspiegel-Artikel von Ende September).

Das alles kam also nicht über Nacht. Im Osten schien das allerdings un­denkbar, weil nicht sein kann, was nicht sein darf: Ras­sis­mus, Antise­mi­tismus und NS-Ideo­logie galten in der DDR offiziell als überwunden. Als Teen­ager war ich oft auf Be­such in Sachsen. Ich erinnere mich an mehrere Vorfälle, die in un­se­rem Umfeld pas­siert sind, wo "Nazis" einen Jugen­dclub ange­griffen haben, wo Menschen be­droht worden sind, einfach nur, weil sie Anders­den­kende waren, frie­dens­be­wegte und musisch orientierte junge Leute. Kurz­fristig wurden die Orte von Zusam­men­künften geändert, war Ein­tritt nur konspi­rativ auf ein Zeichen hin möglich, wurden eigent­lich öffentlich zugängliche Häuser ver­ram­melt.

Von kritischen Geistern wurde damals Victor Klem­pe­rers "LTI" auch als Buch ge­le­sen, um die Sprach­hülsen der DDR-Regie­rung zu entlarven. Und natürlich auch, um ar­gu­men­ta­ti­ve Munition gegen die Neo­na­zis zu haben.

Erschütternd, wie der Westen nach dem Mauerfall sämtliche Warnungen ig­no­riert hat. Dazu Dr. Bernd Wagner (Exit): "Das BKA hat in der Lage­ein­schätzung Ost die ge­sam­te DDR-Pro­pa­gan­da eins zu eins über­nom­men, die haben den ganzen Anti­fa­schismus eins zu eins geglaubt." Das Zitat stammt aus einer sehr empfeh­lens­wer­ten Hör­funk­sen­dung von Sabine Adler, die der DLF gestern brachte: "Real existierender Rechtsextremismus". Dazu noch ein Dossier der Bundes­zen­trale für politische Bil­dung (bpb), Autor ist auch Bernd Wagner: "Vertuschte Gefahr: Die Stasi & Neo­na­zis" (Januar 2018).

Was wir nicht ausdrücken können, können wir nicht denken. Das ist eine Be­ob­ach­tung, die wir Dolmetscher sehr oft machen. Besser ausgedrückt hat dies Ludwig Wittgen­stein: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." Die Kurz­version stammt von Johann Gott­fried Her­der: "Sprache formt das Denken."

Victor Klemperer - LTI
Sprache des "Dritten Reichs" (1947)
Für uns Sprachar­beiterinnen ist es das täglich' Brot: In der einen oder anderen Spra­che fehlt ein griffiger Aus­druck für etwas. Und uns fällt auf, dass prompt im je­wei­li­gen Sprach­raum das The­ma nicht oder kaum diskutiert wird.

Nochmal: Hier ist es weitaus dra­ma­ti­scher, denn die Missstände waren ein­deu­tig. Wer mit of­fenen Au­gen durch die Welt geht, weiß, was vor sich geht. Wie ver­hält es sich mit der Welt­sicht von Po­li­ti­kern, die an­ge­sichts des gerade in Deutsch­land durchaus vor­stell­ba­ren Grauens der­art wort- und konzeptlos reagieren?
Immer wieder hören wir Dolmetscher sehr genau, welche Politiker die allgemeine Parteilinie relativ unverändert aufsagen, als würde in der Schule Lernstoff abgefragt.

Dazu nutzen sie auch noch eine höchst formelhafte Sprache, die bei vielen Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern im wahrsten Wortsinn nicht mehr ankommt.

Eigentlich müssten Politiker vorurteilsfrei Situationen beobachten, aus ein­zel­nen Situa­tionen ergibt sich eine "Lage", die mit Fachleuten zu analy­sieren wäre, davon müsste etwas abge­leitet und in poli­tische Programme, Ziele oder Gesetze über­tra­gen werden und schließlich wären diese mit klaren Worten, die auf die Le­bens­um­stän­de der Men­schen ein­ge­hen, auch zu vermitteln.

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Illustrationen: Verlage/Wikipedia

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Weltengrauen

Hier schreibt und denkt eine Übersetzerin und Dolmetscherin, derzeit in Berlin. Ich arbeite aber auch in Paris, Brüssel, Erfurt, Cannes und dort, wo Sie mich brauchen. Gerne bin ich ei­nen Tag die Wo­che auf Ach­se. Nicht immer bin ich da­bei glücklich

Landschaft aus dem Auto heraus gesehen
Landschaft nach dem Regen
Am Abend des 9. Oktober 2019: Die Sonne geht unter, ich sitze auf dem Beifahrersitz und könnte zufrieden sein. Gerade habe ich fast 50 Minuten einigermaßen unfallfrei si­mul­tan gedolmetscht. Nach 20 Minuten merk­te ich erste Ermüdungserscheinungen, als dann ab der 30. Minute Zahlen, Daten, Fakten im Sekundentakt folgten, konnte ich nur noch zusammenfassen. Die Kol­legin oder der Kollege, der/die hätte über­neh­men können, hat gefehlt, und auf­ge­schrie­ben hat mir auch niemand etwas. Dol­met­schen ist Team­arbeit, auch dann, wenn es nur eine Stunde dauert.

Zum Glück wurden beide Sprachströme auf­ge­zeich­net, die Politikerrede und meine Verdolmetschung. Wir werden nach­ar­bei­ten.

Der Arbeitgeber des Kunden, eine fran­zö­si­sche po­li­ti­sche Wo­chen­zei­tung, hatte nicht einmal Geld für eine professionelle Dol­met­sche­rin, geschweige denn für zwei. Weil es mich interessiert hat, bin ich an diesem Mitt­woch in der Früh nach Er­furt ge­fah­ren und in der Nacht zurück.

Honoriert wurde das Ganze mit einem "Solisatz". Ich muss vorausschicken, dass ich heute zwar als Konferenzdolmetscherin arbeite, aber früher einmal Journalistin war.

Wohin biegt mein Blogeintrag heute ab? Ich könnte schreiben über das Ausbluten der Medien, was dazu führt, dass unsereinem 100 Euro am Tag an­ge­boten werden für die Arbeit eines "Fixers" oder "Stringers", des/der Vor-Ort-Kollegen oder -Kol­le­gin, der/die Ter­mine macht und en passant auch In­hal­te überträgt. Als Stu­den­tin wurden mir dafür zur Zeit des Mau­er­falls 100 Dollar angeboten, das war um die 400 DM wert, wenn ich mich rich­tig erinnere.

Damit konnte ich damals die Monats­mie­te einer kleinen Wohnung in Berlin be­zah­len. Heute reicht die Vergleichssumme für die Ener­gie­kos­ten meiner Woh­nung im gleichen Zeitraum. Kaufkraftverlust: ca. 75 Prozent. (Das muss ich nochmal ge­nau­er nach­rech­nen.) Ich bekomme zum Glück mehr, weil klar ist, dass diesen Job kein Kor­res­pon­dent, Stu­dent oder Sprach­lehrer machen kann (weib­li­che Form stets mit­ge­dacht). So werde ich am Ende eine Stunde Arbeit be­rech­nen und die Reise als Re­cherche ver­bu­chen.

Wir stehen auf dem Unter­markt im thü­rin­gi­schen Mühl­hausen, vorne spricht ein aal­glat­ter Volks­­tribun, der sich offensichtlich zu viele Videos mit Hitlers Pro­pa­gan­da­­mi­nis­ter angesehen hat. Dass dieser Zeit­ge­nosse Gestik und Prosodie dort ge­klaut hat, war mir spätestens nach seiner Dresdener Rede klar. Dieser Tage werde ich die rhe­to­ri­schen Muster dieses Herren, dessen Namen ich hier nicht nennen will, untersuchen.

Ein deutscher Jour­na­list, den wir zur Vor­be­rei­tung des Ter­mins zum Mittag­es­sen getroffen hatten, brachte das Bonmot: "Der Vergleich zwischen diesen Herren ist leider unpassend, weil er nicht hinkt." Nicht hinkender Rat­ten­fän­ger und hinkender Vergleich, die Sprache schillert.

Wolken aus dem Auto heraus gesehen
Wolkenlandschaften
Die Höhe der Per­fi­die war der Mo­ment, als der Redner auf Halle zu spre­chen kam. Da hätte eben gerade ein Atten­tat statt­ge­fund­den, der Täter sei sicher wieder so ein ver­­bre­­che­­ri­­scher Schein­asy­lant, ein betrü­ge­ri­scher Pseu­do­mi­grant, ein tücki­scher Ein­wan­derer ins So­zial­­sys­tem, dem die Ge­sell­schaft zu Hilfe eilt, statt "unseren Men­schen" zu helfen, den Rent­nern und den deutschen Paaren, die aus Geldgrün­den auf Nach­wuchs ver­zich­ten.

Um die Rede herum hatten wir Zuhörer befragt. Tenor: Die Politiker belügen uns. Die Armen ver­ar­men weiter, niemand tut was, die Steuern und Ver­wal­tungs­auf­lagen sind zu hoch, die Mieten explodieren, wir fühlen uns unsicher, was die Zukunft an­geht, es gibt zu wenig Kin­der­gar­ten­plätze und Lehrer, wir möchten nicht für Men­schen Geld ausgeben, die dann unser Sys­tem zer­stören.

Genau dort setzen die Tri­bu­ne von einst wie von heute an: An den Alltags­nö­ten und dem, was alle empfinden oder min­des­tens nach­voll­zie­hen können.

Dann wird ein großes "Wir" und "Ihr" gebildet, dann ein "Sie": die Po­li­ti­ker, "System­me­dien" oder "Kartell­me­dien" verschweigen die Wahrheit, man traut sich nicht mehr, offen zu sprechen, "es ist schlim­mer, als es in der DDR war", sagt eine äl­tere Dame, es gebe nur einen po­li­ti­schen Aus­weg.

Keiner der Be­frag­ten schien das Parteiprogramm dieser vom Verfassungs­schutz be­ob­ach­te­ten Truppe gelesen zu haben. Um arme Ruhe­ständ­ler geht es denen nicht.

Zurück ins Auto. Ich habe nasse Füße. Ich lese Nachrichten aus Halle. Ei­ne Freun­din ruft an. "Die Polizei sagt, es sei ein Amokläufer gewesen. Das ist aber eindeutig ein rechtsextremer Anschlag." Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn es der Ter­ror­ist geschafft hätte, in die Synagoge zu gelangen.

Ein anderer Freund schreibt etwas zu Syrien. Erdoğan eröffnet den Krieg gegen die Kurden, die bislang in Nordsyrien tapfer gegen den IS gekämpft haben, der Rück­zug der USA hat ihm den Weg frei gemacht. Ungarn hat sich im Konzert der EU-Na­­tio­nen gegen eine Rüge der Türkei ausgesprochen, das Land war das Züng­lein an der Waage. Und der türkische Machthaber hat unsere Politiker ohnehin in der Hand. Er kassiert Unsummen, um die Geflüchteten im Land zurückzuhalten, Geld, von dem vermutlich sehr wenig bei den Betroffenen ankommt.

Im Rückspiegel das Auto, Hinweisschilder am Wegesrand
Hinweise und Wegemarken
Eine von mir seit 2015 betreute syrische Fa­mi­lie hat nur einige Jahre in der Türkei über­lebt, weil die minderjährigen Töchter in einer Schneiderei zum Dumpinglohn ge­ar­bei­tet haben. Eine andere Le­bens­grund­la­ge gab es und gibt es für die dort zu­rück­­ge­­blie­­be­­nen Nachbarn nicht.

So erfasst mich einmal mehr das Wel­ten­grau­en. Nein, mir graut nicht vor den an­de­ren Son­nen­sys­te­men, die die For­schung beschrie­ben hat, das finde ich hoch­span­nend. Es ist auch der Tag, an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben beim Dol­met­schen im Regen gestan­den habe. Mein Kun­de, der Jour­na­list, wollte zwar an einen anderen Stehtisch mit Schirm um­zie­hen, an auch ich geschützt gewesen wäre, der Ort war aber akustisch nicht OK. Ich muss gut hö­ren kön­nen, in was ich rein­quatsche.

Welten­grau­en. Mich wird die Fotografie retten, die Er­satz­socken, der Kaffee in der Sonne am nächs­ten Mor­gen und das Wissen darum, wie wichtig es ist, für see­li­schen Aus­gleich zu sorgen.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Entfernte Verwandte

Im 13. Jahr beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin. Oft ha­de­re ich mit der Welt und ret­te mich dann mit lin­gu­is­ti­schen Be­trach­tun­gen vor ernsthaften Verstimmungen.

Gelbe Fassade, grüner Apfel, in den jemand reinbeißt
Sind grüne Äpfel gesund?
Immer wieder stolpern wir über die glei­chen Be­griffe, für die keine guten Über­setzun­gen in den Wörter­bü­chern stehen. Das betrifft Begriffe, die kom­plexer sind. Und dann müssen wir aus­ho­len und erklä­rend über­tra­gen, weil es die begriffliche Ent­spre­chung nicht gibt.
Beispiel: Soziale Marktwirtschaft, die ab­ge­schwächte Fassung des heutigen Li­be­ra­lis­mus. Sie gab es in Deutsch­land (West), und zwar sicher auch wegen des an­de­ren Deutsch­lands (Ost) vor der Haustür. Beide Ländern standen in gewisser Weise im Wettbewerb miteinander. Hüben eine Art Ka­pi­ta­lis­mus mit mensch­li­chem Antlitz, drüben der ver­meint­lich "real exis­tie­ren­de" Sozialismus.

Das ist auf Französisch gar nicht so einfach wiederzugeben. Frankreich hatte kein West und Ost. Es wird also länger: économie sociale de marché oder économie du marché à caractère social oder économie du marché à vocation sociale. Die andere Sprache holt aus, ... "mit so­zia­lem Anspruch" oder "mit sozialen Eigenschaften" ist erklärend und ver­ständ­lich, aber eben keine feststehende Redewendung.

Mädchen in blauem Kleid auf grauer Fassade
Vater, Mutter, Kind
Ähnlich verhält es sich mit dem fran­zö­si­schen as­sis­ta­nat. Es be­schreibt das Sozial­hilfs­­sys­­tem aus der Perspek­tive der Be­trof­fe­nen, aber auch aus der Pers­pek­ti­ve de­rer, die von außen drauf­schau­en. Über­set­zun­gen, die all­ge­mein kur­­sie­­ren: wirt­schaft­li­che Ab­häng­ig­keit vom Staat, also vom Sozialstaat, l'État pro­vi­den­ce, dem "Für­sor­ge­staat" auf Fran­zö­sisch.

Weiter: Angewiesensein auf staatliche Unterstützung, Sozialhilfebezug, perception de pres­ta­tions so­ciales, so­ziales Hilfesystem, soziale Hängematte, "Bemutterung" durch Vater Staat.

Das schwingt alles mit. Das Wort geht auch in Richtung einer gewis­sen Form von Entmün­digung und syste­ma­tisch wachsender Hilf­lo­sig­keit, in Richtung dauerhafter Sozial­leistungs­­ab­­hän­gig­­keit. Das vor­mund­­schaft­li­che System des assistanat pro­du­ziert Für­sor­­ge­­sub­­jekte, die es aus ei­ge­nen Kräf­ten nicht mehr schaffen.

Roter Mann als Fassadenmalerei mit Fenster
Portrait in Rot
Diese Subjekte sind les assistés. Und ir­gend­wann, nach jahre­lan­ger friedlicher Ko­exis­tenz dieser Wörter in meinem Kopf, nach Hin- und Her­schie­ben der Wort­felder, die ich mir hier als Kreise denke, und zwar auf der Su­che nach den un­ge­fäh­ren Ent­spre­chun­gen, am bes­ten einer Schnitt­menge, kommt das Happy End: Entfernte Ver­wandte finden zusammen!

Denn schon lange suchten wir für das deutsche Wort "Abgehängte" eine Ent­sprechung. Tadaaa! Das ist es. Zumin­dest ein Teil der Begriffe findet hier zusam­men: die Abgehäng­ten — les assistés.


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Fotos: C.E.

Dienstag, 8. Oktober 2019

Museum der Wörter (26)

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Heute im Wörtermuseum: Ressourcenschonung!

Ich liebe es, Zeitreisen in Berlin zu un­ter­neh­men. Dazu sind auch Fotos eine wun­der­ba­re Grund­lage. Heute sehen wir uns gemeinsam die Berliner Uh­land­stra­ße 28 etwas genauer an. Das Bild stammt von 1909 oder früher. Da­mals wurden die Din­ge noch ausgebessert, repariert. Und wir finden einen neuen alten Begriff fürs Wör­ter­mu­seum. Diesen Trend gibt es wie­der, er heißt auf Neu­deutsch Upcycling.
            
                            S
trumpf-Anstrickerei
  
Besonders interessant ist das Ladengeschäft links unten

Ausschnitt

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Idee: H.F.
Foto: Eigenes Archiv

Montag, 7. Oktober 2019

Hintergrund

Hier schreibt und denkt eine Übersetzerin und Dolmetscherin, derzeit in Berlin. Ich arbeite aber auch in Paris, Brüssel, Erfurt, Cannes und dort, wo Sie mich brauchen. Ich bin räumlich einigermaßen viel auf Achse — und geistig noch mehr.
 
Sitzgruppe, vom Notizblock aus gesehen
Hinterzimmergespräche bei Kaffee und Tee
Schon wieder ein Einsatz oh­ne Hin­ter­grund­ma­terial: Kurz­fris­tig an­be­raumt, ich wurde mit dem Wa­gen von zu­hau­se abgeholt, weil die Gäste in Schö­ne­feld ge­lan­det wa­ren und meine Woh­nung auf dem Weg ins Re­gie­rungs­vier­tel liegt, dann zwei Hin­ter­grund­ge­sprä­che und ein frühes Mit­tag­es­sen in ei­nem be­wirt­schaf­te­ten Sé­paré dort­selbst, zur Sies­ta war ich wie­der zu­hau­se.

Klingt schick, war mittelprächtig. Denn obwohl ich mich zur etwas späten Siest­a­zeit hätte hinlegen können, war an Ruhe nicht zu denken. Auf­grund hoher Kon­zen­tra­tion meiner grauer Zellchen war der Adre­na­lin­pegel in mei­nem Blut so hoch, dass ich erst am frü­hen Abend etwas Ruhe fand.

Ohne Vorbereitungs­material, mir wurde grob ein Stichwort hin­ge­worfen, zeigt sich, wie gut der allgemeine Bildungszustand ist. Wenn ich sage, dass ich dafür bezahlt werde, dass ich stu­diere, dann ist es exakt so. Nur ist es leider kein Stu­dium mit Sys­te­ma­tik und Ab­schluss, sondern ein À jour-Hal­ten in den mir bereits be­kann­ten Fächern und Feldern.

Denn unser Dol­met­scher­be­ruf besteht zu 80 Prozent aus Vor­be­rei­tung. Deshalb haben unsere Dolmet­schertage auch ihren Preis. Denn die Vor­be­rei­tungs­zeit wird nie vergütet. Also so gut wie nie. In 15 Jahren Berufstätigkeit habe ich genau ei­nen Le­se- und Lern­tag extra be­zahlt bekom­men.

Und so war denn auch der Einsatz: Ein Ritt durch alle möglichen und unmöglichen Kri­sen­ge­bie­te. Nur das Pro­blem der Si­cher­heit öffent­li­cher Ver­kehrs­we­ge, Auto­bahnbrücken etc. hatte ich nicht auf dem Schirm. Ich darf das Thema hier veröf­fent­lichen, ich habe extra nachgefragt, denn demnächst folgen dazu öffent­liche Stellung­nahmen.

VÖBB - Marie Claire Maison
Bibliothekslese"saal"
Meine Online­bib­liotheken des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VöBB) sowie des Insti­tut Fran­çais führen leider weder Le Monde noch Le Monde Diplo­ma­ti­que oder Le Ca­nard En­chaîné, um nur einige Titel zu nen­nen.

Ich kritisiere das. Dafür bin ich in Sachen Koch­re­zepte und In­nen­ein­richtung bes­tens in­for­miert.


1. Ergänzung: Die Preise für Presse­er­zeug­nis­se steigen im Ver­gleich zu den Dol­met­scher­ho­no­raren, die auf dem Markt erzielt werden kön­nen, über­pro­por­tio­nal, bei Auslandspresse git es einen Extraaufschlag. Es wäre schön, wenn sich das ändern würde. (Eine Anpassung der Dolmetscher­ho­no­ra­re an den Kauf­kraft­ver­lust ist über­fäl­lig.)

2. Ergänzung, heute auf dem Schreibtisch:
⊗ Das sehr rechte Parteienspektrum in Frankreich und Deutschland
⊗ Unterschiede in der Firmenbilanzierung in F und D
⊗ Klimapolitik
⊗ Tigermücke
⊗ Kostenvoranschläge für Dezember 2019, März und Juni 2020

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Fotos: C.E. (Archiv), VÖBB

Sonntag, 6. Oktober 2019

Kleinod

Gu­ten Tag! Sie sind mit­­ten in ein Ar­­beits­­ta­­ge­­buch rein­­ge­­ra­­ten, in dem sich al­les um Spra­­che, Dol­­met­­schen, Über­­setzen und Kult­­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Dol­met­scherin und Über­set­zerin ar­bei­te ich in Frankfurt und Paris, Lyon und Leipzig, Berlin und Lille. Heute werde ich privat: Sonntagsbilder!

Ein Kleinod sei unser Hinterhofgärtchen, sagte der Vater einer Nachbarin neulich, wer den Hof beträte, sei über­rascht, denn derlei erwarte doch nie­mand in Neu­kölln.

Banane, Zitrone, Passionsblume Hibiscus, Tomaten, viele Tagetes, Grünlilie, Klivie, Winde ...
Hinterhofidylle
Neukölln, das klingt rauh und hart. Ist es auch. Den Namen "Kreuz­kölln" (wo wir wohnen) hat vor etwas mehr als zehn Jahren die Im­mobi­lien­wirt­schaft erfunden, um die Kauf- und Miet­preise hier zu ver­dop­­peln bis zu ver­drei­fachen.

Das ist ihr leider gelungen. Daher sollte sich rasch rum­sprechen, wie es hier auf der Straße aussieht.

Auf dem Weg zur U-Bahn kreuzen wir Stricher, gewaltbereite Drogen­ab­hän­gige, ei­ne Handvoll Dealer, die wir alle vom Sehen kennen und die wie Schichtarbeiter reih­um tätig sind. Neu­lich sah ich gleich in einer Ecke neben der Treppe der Sta­tion, wie sich jemand den Arm abgebunden und einen Schuss gesetzt hat.

Reifende Frucht und Blüten im Hofgarten
Passionsfrucht, Winde, Topinambur (gelb)
Wäre die Stimmung nicht so aggressiv ge­we­sen, ich hätte ein Beweisfoto ge­schos­sen. Bei nächs­ter Ge­le­gen­heit mache ich das, wenn wir zu zweit sind, heimlich aus dem Man­tel her­aus. Und jetzt nimmt durch die ein­set­zen­de Herbst­käl­te die Anzahl vor­han­de­ner Men­schen noch mehr zu. Viele Obdach­lo­se suchen hier Zu­flucht.

Je härter es "draußen" wird, desto mehr machen wir Nachbar­innen aus dem Hof­gar­ten ein kleines Paradies. Damit die Kinder zum Spielen hierbleiben, aber auch für unsere eigenen Seelen.
Das Kleinod also. Früher bezeich­nete das Wort vor allem ein Schmuckstück.

Heute wird es auch öfter im übertra­genen Sinne gebraucht. Der Plural heißt Klein­odien.

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Fotos: C.E.

Samstag, 5. Oktober 2019

Steuern

Will­kom­men auf den Sei­ten ei­nes vir­­tu­­el­­len Ar­beits­­ta­­ge­buchs aus der Spra­chen­welt. Ich bin Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Hier denke ich über unsere Berufswelt nach und berichte von besonderen Momenten. Es ist Samstag: Link der Woche!

Aus der Frühzeit des Passagierbetriebs
Das Wort Steuern kommt vom Verb steuern. Ein Flug­ka­pi­tän steu­ert sein Luft­schiff in den rich­ti­gen Ha­fen. Au­tos wer­den ge­steu­ert. Und wir al­le zah­len Steu­ern, so­gar jene, die fast nichts haben: Ver­brauchs­steu­ern.

Als Synonym für steuern kann auch das Verb lenken ver­wen­det werden.

Wer lenkt oder steu­ert, hat ein Ziel im Blick. Er oder sie weiß, welche Richtung einzu­schlagen ist. Er oder sie hat einen Überblick, einen Plan, eine Landkarte und trifft Entschei­dungen sehr bewusst. Die grund­sätzliche Entscheidung, die da­hin­ters­teht, hat zur Folge, dass es in Richtung des anvisierten Ziels geht. Die Ent­schei­dung ist also rich­tungs­wei­send.

Das gilt auch für Steuern, die Ein­wohner an den Staat zah­len und die im Inter­esse der Gesell­schaft ausgegeben werden. Und genau diese zielangebende Funk­tion von Steuern finde ich im Maß­nah­men­paket der Re­gie­rung in Sachen Um­welt- und Kli­ma­schutz nicht wieder. Es sieht eher so aus wie der kleinste gemeinsame Nenner.

Inlandsflüge sollen drei Euro teurer werden, titelt der Spiegel. Es gibt viele, die schlicht ihr Verbot fordern. Als Dolmet­sche­rin reise ich meis­tens mit der Bahn. Auch zwi­schen weit ent­fern­ten Or­ten, so­fern das mög­lich ist. Manch­mal sind mei­ne Kun­den, für ich rei­se, nicht ein­ver­stan­den. Ich ha­be noch kei­ne Lö­sung für die­ses Prob­lem.

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Foto: Privatarchiv (1926?)

Freitag, 4. Oktober 2019

Auf dem Schreibtisch (LVI)

Bonjour, welcome, guten Tag! Hier schreibt und denkt eine Übersetzerin und Dolmetscherin, derzeit in Berlin. Dabei arbeite ich (aktiv und passiv) mit Deutsch und Fran­­zö­­sisch sowie (nur passiv, also als Ausgangs­spra­che) mit Englisch. – Die Berliner Schüler haben Herbstferien. Im Dolmetscherbüro atmen wir auch durch.
 
Hier der Blick auf den Schreib­tisch, zum 56. Mal. Der­zeit be­schäf­ti­gt mich das:

Arbeitsplatz Stehpult
⊗ Gebäudehülle einer Be­triebs­kü­che
⊗ Ju­bi­lä­ums­vor­be­rei­tung Mau­er­fall
⊗ Neue Gebäude in Berlin (De­le­gations­reise)
⊗ Bildungs­ge­rech­tigkeit
⊗ Büro­kram: Rechnungs- und Mahn­wesen
⊗ Kinder­buch­exposé
⊗ Lexik Im­mo­bi­lien­wirt­schaft
⊗ Nach­be­rei­­tung des Themas Li­te­ra­tur­über­setzung

So, wie ich die deutsche Einigung auch sehr bewusst als privates Ereignis erlebt habe, beging ich gestern den Jahrestag. Ein verlängertes Wochenende mit Brü­cken­tag ist für so manche Freiberufler ideal, um größere Wartungsarbeiten zu lan­cie­ren.

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 1. Oktober 2019

Museum der Wörter 25

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Heute im Wörtermuseum: Der Regen wirft mit Dreck um sich!

In Berlin hat es tagelang geregnet, die Uferpromenade ist matschig. Eine alte Fotografie aus dem Berlin einer anderen Epoche bringt einen neuen Begriff fürs Wörtermuseum:
            
                            E
ntfleckerei
   
Nasse Straße, Passanten, ein Militärfahrzeug (?)
Gesamtfoto vom Hochwasser ...

Nah: Buchdruckerei, Papier, Entfleckerei
... und das Detail
Das Bild stammt von 1936. Hier könnte ich böse Kommentare einfügen à la "die Weißwäscher waren besonders nach 45 schwer aktiv" oder über die Erfinder von Counter-Narratives in Sachen Klimakatastrophe, die schneller als erwartet sichtbar wird. (Link zur Spiegel-Kolumne der Woche von C. Stöcker).

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Idee: H.F.
Foto: Eigenes Archiv

Mittwoch, 25. September 2019

Pause!

Was Kon­fe­renz­dol­metscher und Übersetzer (und Dolmetsche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen) so umtreibt, davon können Sie hier einen kleinen Eindruck er­hal­ten. Im 13. Jahr blogge ich über meinen höchst sprachbetonten All­tag.

Dolmetscherkabine, Kuchenteller, Obst, Dolmetscherpult, Hand der Kollegin
Nur nicht verschmachten
Ein anstren­gen­der Arbeits­tag im Herzen Ber­lins. Es ging um Poli­tik und derlei. Der Tag fing damit an, dass ein Flug­zeug aus Paris Verspä­tung hatte. Wir fingen also mit der Kaffee­pause an. Dann kamen die Punkte 1 bis 3 von der Tages­ordnung dran.

Im Anschluss war vor den Punkten 4 bis 6 eine Kaffee­pause angesetzt. Die hatten wir ja nun schon. Die nächste Pause haben wir auch aus­ge­las­sen.

Es folgte die Mittags­pause plus Be­ra­tun­gen. Jetzt kommt die Überra­schung: Auch diese Pause dauerte kürzer als geplant. Später, die Kaffee- und Kuchen­pause: bei der Arbeit.

Wir Dol­met­sche­rin­nen verstehen das. Die Themen auf der Agenda sind wichtig. Schließ­lich häng­ten alle eine Über­stunde dran. Einige The­men kamen kurzfristig hinzu. Material bekamen wir nicht. Wie gut, dass wir uns in et­li­chen Themen gut auskannten und vorab einen W-Lan-Zugang erhalten haben.

Denn: Ta-daa! Vor der Über­stunde (im re­du­zier­ten Kreis, einige mussten zum Flug­ha­fen, andere blieben) gab es noch eine Kaffee­pause für alle. Nur nicht für die Dol­met­sche­rin­nen, die sich schnell noch ein wenig vor­be­rei­tet haben.

Aber nichts im Ver­gleich mit dem Stress, den Pflege­rin­nen und Pfleger heute ha­ben. (Hier der Link zu einer Reportage, den mir neulich eine Kollegin geschickt hat. "Pflege am Limit – Patienten in Gefahr", von von Daniela Agostini und Tanja von Ungern-Sternberg, SWR-Fernsehen, April 2019.)

Trotz­dem der Gedanke: Wieso müs­sen sich eigentlich überall die Ar­beits­be­din­gun­gen ver­schlech­tern? Was ist die Ge­setz­mä­ßig­keit dahinter?

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Foto: C.E.

Dienstag, 24. September 2019

Die Hardwareplatine

Im 13. Jahr beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen). Auch noch im Frühherbst denke ich über unsere Kunden nach.

Und dann ist da noch die Geschäfts­füh­rerin einer deutschen Firma, deren Mut­ter­haus in Frank­reich ist. Die französischen Anteils­eigner sind erst später einge­stiegen und haben mich als Dolmet­scherin mitgebracht. Ich mag diese Kunden sehr gerne, denn die Zusammen­arbeit ist von gegenseitiger Wert­schätzung und von ge­mein­sa­mem Lernen geprägt. Ich hebe das so hervor, weil das in etlichen Bran­chen, die ich bereits erlebt habe, vor allem aber der Film­branche, nicht überall selbstver­ständlich ist.

 Sekretär, Laptop, Lampe, Monitor, Kalender, Notizen.
 Arbeitsplatz
Wegen eines Arbeitsstät­ten­neubaus haben wir derzeit eine Vi­deo­kon­fe­renz in der Wo­che, die ich dann konsekutiv dol­met­sche. Das geht von Mal zu Mal bes­ser, ich habe mich auch daran ge­wöhnt, dass ich dau­ernd be­ob­ach­tet werde und dass es für andere witzig sein muss, wenn ich einem he­run­ter­gefallenen Stift hinter­her­tauche oder mit einem Nies­re­flex kämpfe.

Außerdem finde ich, dass sich eine bis an­dert­halb Stun­den Arbeits­be­sprechung per Vi­deo­konferenz gut in den Arbeitsalltag einfügen. Auch positiv: ich muss nicht in der Gegend herumreisen und kann mich im ei­ge­nen Büro weiter um andere Auf­ga­ben kümmern.

Zwischen­durch ploppt jetzt ab und zu eine sehr charmante, kleine Aufgabe in mei­nen Mailbriefkasten. Im An­schluss an unsere Dis­kus­sio­nen gehen nämlich immer wieder mit DeepL rasch über­setzte Zeilen zwischen einzelnen Parteien hin und her.

Dabei erhalte ich alles in Kopie und darf kurz auf diese zweisprachigen Botschaften schauen. Ich interveniere eigentlich nur noch, wenn etwas gar nicht verständlich oder unmissverständlich ist. Neulich hatte ich den schönen Satz: "Ich möchte, dass Sie an Ihrer Hard­ware­­pla­ti­ne arbeiten." Geschrieben hatte je­mand: Je veux que tu tra­vail­les sur ton tableau de matériel, al­so "Ich möchte, dass Du an Deiner Ma­te­rial­lis­te weiterar­beitest." Wie aus dem Wort "Ma­terial­ta­belle" (wörtlich) die "Hard­ware­pla­ti­ne" werden konnte, er­schließt sich mir nicht. Das 1. Prob­lem ist hier dem­nach eine fal­sche, nicht nach­voll­zieh­bare Wortwahl.

"Wenn Sie möchten, können wir mit Caroline ein Video machen, um die Dermarche besser zu verstehen" war ursprünglich Si tu veux, nous pouvons faire une vidéo avec Caroline pour mieux comprendre la dermarche. 2. Problem: Duzen/Siezen bekommt das Pro­gramm nicht hin. (Ich neh­me an, es läuft ir­gend­wo noch über die englische Spra­che.) 3. Problem: Tippfehler übernimmt das Pro­gramm, ohne zu zö­gern oder nach­zu­fra­gen (oder nachzu­den­ken, was es ja nicht kann). Es heißt al­so: "Wenn Du möchtest, können wir mit Caroline eine Video­kon­fe­renz abhalten, um die Ab­läufe besser ver­ständ­lich zu ma­chen." 4. Problem: Den betriebsinternen Jar­gon faire une video (ein Video machen) für "eine Videokonferenz abhalten", sel­bi­ge heißt auf Französisch üb­ri­gens une viSioconférence, habe ich selbst erst auf den dritten Anlauf verstanden. Wie sollen die armen Bits and bytes das denn kön­nen?!

In den Fällen, wo nur die maschinen­übersetzte deutsche Fassung rumgeschickt wur­de, hat die französische Bezei­chnung meines Dolmet­scherberufs, l'interprète, die Interpretin, die Interpretierende, vollständig ihre Berechti­gung erhalten!

Diese Mini­arbeit rechne ich übrigens nach Stunden ab. Ich habe eine Excel­tabelle für die Zeiter­fassung erstellt, in die ich auch Arbeitszeit eintrage, die ich mit le­xi­ka­li­schen Fragen verbracht habe. Wichtig: Bei der Zeit auch die Minuten notieren, die nötig sind, um wieder in das Thema reinzukommen, aus die mal kurz zur Seite gelegt werden musste. Ergän­zen­der Bürotipp: Beim Mail­programm ist es wichtig, es so einzustellen, dass nur die dringenden Nach­richten sofort durchkommen. Alles andere sehe ich mir dreimal am Tag an und schreibe dann zusammenhängend die Antworten.

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Foto: C.E. (Archiv)

Freitag, 20. September 2019

Berliner Szenen (1)

Bon­jour, bon­soir, gu­ten Tag oder gu­ten Abend auf den Sei­ten mei­nes di­­gi­­ta­­len Log­buchs. Hier schrei­be ich als Über­setzerin und Dolmetscherin für die fran­zö­sische Sprache (sowie aus dem Englischen) über meinen Berufsalltag, der oft sehr hek­tisch ist. Oft beobachten wir aus Arbeits- und Sprachgründen das Zeit­ge­sche­hen.

THE FUTURE IS NOW! Hintergrund: Reichstag und deutsche Flagge
Was JETZT so in Berlin passiert
Nach Dolmetschen am Vorabend ist aus­schla­fen angesagt. Der Tag ver­schiebt sich, denn ob des hohen Adre­na­lin­pe­gels habe ich erst vier, fünf Stun­den nach Ar­beits­ende in den Schlaf gefunden.

Dann raus, fran­zö­si­sche Crois­sants und Zei­tun­gen holen. Älterer Mann im Kiosk: "Tobaco ...?" Die In­ha­berin: "Which one do you want?" Er: "Grunn!" Pause.
Er, bedächtig, zelebriert jede Silbe: "Dun­kel­grunn ... !" Sie greift zum richtigen Päckchen. Andere Kundin, bei der der Groschen noch langsamer gefallen war: "Wow!" Er, strahlend: "Yes. My doitsch is very guuut!"
Alle strahlen mit ihm um die Wette.

Später mit einer französischsprachigen Journalistin auf Recherchetour bei der Klimademo gewesen.

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Foto: C.E.

Montag, 16. September 2019

Paradigmenwechsel

Über den Arbeitsalltag einer Dolmetscherin können Sie hier einiges lesen. Wenn ich nicht Konferenzen vertone, sitze ich am Über­set­zer­schreib­tisch oder ich lese Zeitung oder höre Radio.

Abend­nach­richten. Bei Kon­fe­ren­zen werden sehr oft An­spie­lun­gen auf ta­ges­ak­tu­el­le Themen gemacht, ent­spre­chend auf­merk­sam beob­achtet un­ser­einer die Medien.

Gesehen 2003 in Sachsen
Diese Woche erwarten wir die neu­en Ge­setze der Re­gie­rung zur mas­si­ven Kli­ma­ver­än­de­rung. Der Ent­wurf der CDU soll indes Regelungen für Luft­­ta­xis ent­hal­ten. Sowas klingt dann doch nach Bu­si­ness as usual und nicht nach einem Pa­­ra­­dig­­men­­wech­sel.

Und dann kommt der Spre­­cher auf den An­­schlag in Sau­di-Arabien zu sprechen.

Ölanlagen sind getroffen, die Lage wird be­schrie­ben, die Folgen werden analysiert: Sinkende Roh­öl­för­de­rung sei gleich­bedeutend mit stei­gen­den Preisen. Das sei "Gift für die Kon­junk­tur". 

Hierarchie der News und ihre Inter­pre­tation spiegeln die Themen der Regierung. Hallo, Politik? Habt Ihr das an­ste­hende Agenda­setting wirklich durchdacht? Oder bedeuten Eure Pläne etwa Klima­schutz aus­schließ­lich im Rahmen von Wirtschafts­wachs­tum und bitte ohne Infragestellung von Kon­sums und Lebens­stil?

Schon im letzten Jahr­hun­dert hat Wirt­­schafts­­wis­­sen­­schaftler Kenneth E. Boulding (1910 bis 1993) die Cho­se mit dem ewi­gen Wachs­tum so zu­sam­­men­­ge­fasst: Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist. ("Jeder, der glaubt, ex­po­nen­tiel­les Wachs­tum kann in einer end­lichen Welt fort­gesetzt wei­ter­­gehen, ist entweder ein Irrer oder ein Öko­nom.")

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Foto: Dr. Friederike Elias

Freitag, 13. September 2019

Auf dem Schreibtisch (LV)

Was und wie Dolmetscher und Übersetzer arbeiten, können Sie hier ab und zu mit­le­sen. Mein digitales Arbeitstagebuch schreibe ich im 13. Jahr. Heute wieder: Was steht an?

Der 55. Blick auf den Schreibtisch. Was mich derzeit beschäftigt:

Tisch, Stuhl ... von Blättern umwachsen
Noch arbeiten wir im Grünen, langsam färbt sich das Laub
⊗ Aktuelle Politik
⊗ Sicherheitspolitik
⊗ Industrieneubau (Ökobau)
⊗ Frankreich unter Macron
⊗ Neue Architektur in Berlin
⊗ Para­dig­men­wech­sel in der Wirt­schaft
⊗ 30 Jahre Mauer­fall
⊗ Kostenvoranschläge

Verschnaufen in der be­gin­nen­den Hochsaison. Ich bin im Garten.
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Foto: eigenes Archiv

Donnerstag, 12. September 2019

English Dictator

Was Kon­fe­renz­dol­metscher und Übersetzer so umtreibt, davon können Sie sich hier einen kleinen Eindruck verschaffen. Im 13. Jahr blogge ich über meinen höchst sprachbetonten All­tag. 

Anzeige aus den USA für einen Job in China
Neue Stel­len­aus­schrei­bung! Ge­sucht wird ein Trans­la­tor or Dic­ta­tor für die eng­li­sche Spra­che. Leider ist meine Haupt­ar­beits­spra­che Fran­zösisch, sonst würde ich gerne als Dik­ta­to­rin an­fan­gen.

Als erstes würde ich um­ge­hend der Natur Grund­ge­setz­rang ver­schaf­fen. Bei allem, was in diesem Land ent­schie­den wer­den soll, müsste ge­fragt werden, ob es mit der Natur im Ein­klang ist. Sollte das nicht der Fall sein: ver­boten! Es wür­de spe­ziel­le Son­der­ge­richte und einen spe­ziel­len Minister dafür geben, au­ßer­dem ent­spre­chen­de Or­ga­ne der Exe­ku­ti­ve bei Zu­wi­der­handlung. Denn wir sägen nicht auf dem Ast, auf dem wir sitzen, wir sind selbst der Ast.

Der Fehler in der An­zei­ge ist üb­ri­gens komisch. Auf Deutsch klingen Dol­met­scher und Dik­ta­tor ... naja, so, dass es viel­leicht ein Kind ver­wech­seln kann. Interpreter und dictator liegen da schon viel weniger nah beieinander.

Diese Eintrag ist ein Früh­mor­gens­ein­trag, vor dem Schla­fen­ge­hen. Ich hat­te einer Freun­din davon er­zählt, die mir eben die­sen ZEIT-Link zuschickt: "Der Teufel trägt Öko" von Thomas Assheuer, Ausgabe vom 4.9.19. Muss ich lesen. Mor­gen, al­so nach dem Schla­fen.

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Foto: Netzfund (verfremdet)

Mittwoch, 11. September 2019

DEnglish (23)

Im 13. Jahr beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit Französisch und Englisch. Dabei den­ke ich viel über das Material meiner Arbeit nach, die Sprache.

Heute also der gefühlt 23. Beitrag zum Thema DEnglisch, deut­sches Englisch.

Gesehen in Neukölln
So, wie es einst chic war, Fran­zö­sisch zu spre­chen, ist heute ein anderes Idiom hip. Wir hatten es schon davon.

Auch davon, was un­se­re Lands­leu­te hier­zu­lande mit der Sprache Shakespeares  ma­­chen, wenn sie mit dem Han­­dy in der Ho­sen­ta­sche zum Pub­lic view­ing gehen, zu dem ein Bea­mer ver­wen­det wird.

Ei­ne neue Marke im Café um die Ecke? Ach nein, bad DEng­lish ist es nur.

Das ge­plag­te Dolmetscherhirn schil­lert an­ge­sichts des Schildes zwischen Nomade, homage (EN, Hul­di­gung und Hom­ma­ge/hommage mit zwei "M" auf Deutsch und Fran­zö­sisch), po­made (Haar­schmie­re auf Deutsch, la pommade, Sal­be auf Fran­zö­sisch) und homard (FR für Hum­mer). 

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Foto: C.E.

Dienstag, 10. September 2019

i-Dötzken

Bon­jour, gu­ten Tag, wel­come! Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über den sprach­be­ton­ten Alltag von Kon­fe­renz­dol­metschern und Übersetzern. Ich arbeite mit Französisch und Englisch. Dabei den­ke ich viel über das Material nach, die Sprache.

Historisches Foto: Junge mit Schultüte und Ranzen
Mit Ranzen und Zuckertüte
Alles Gute den neuen I-Dötzken und ihre Familien! Dieser Tage kommen im Süden die Minis in die Schule, in der sie viel zu oft von Laien oder in Schnellbleiche an­ge­lern­ten Kräften unterrichtet wer­den. In Deutschland fehlen Lehr­kräf­te! Falsche Prioritäten im Land der Exportweltmeister, das of­fen­bar für die Zukunft keine wei­teren Inno­va­tionen und Glanz­leis­tungen plant.

Das Wort I-Dötzken ist die west­fä­li­sche Abwan­dlung des rhei­ni­schen Worts I-Dötz­chen, Substan­tiv, neu­tral, Großschreibung. Ich kor­ri­gie­re gleich meine Schreib­weise, der Duden ver­wen­det näm­lich für das "I" einen Klein­buch­staben.

Und das hat Gründe. Der Begriff i-Dötzchen bezeichnet Erst­kläss­ler, also Kinder, die gerade ein­ge­schult worden sind. Das "Dötz­chen" ist ein Punkt, das englische dot klingt an.

Schulan­fänger lernen bekannt­lich lesen und schreiben und haben bald mit dem i-Pünkt­chen der deutschen Schrift zu tun. Ist das auch heu­te noch der erste Buch­sta­be, der gelernt wird? Geh­stock mit Flie­gen­schiss drauf? Außer­dem hei­ßen solche knap­pen lau­fen­den Meter im Rhein­land "Dötzchen".

Synonym: Abc-Schütze/Abc-Schützin. Die Her­kunft des Be­griffs­be­stand­teils "Schüt­ze" ist unklar. Erst­kläss­le­rin­nen und Erst­klässler gibt es auch in beiden For­men, beim i-Dötzchen, sächlich, nur die eine.

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Foto: Privatarchiv

Montag, 9. September 2019

Spiegelung

Was Über­setzer und Dol­met­scher beschäf­tigt, können Sie hier mitlesen. Seit vie­len Jahren be­rich­te ich über diese Berufe und meinen sprach­be­ton­ten Alltag. Wer Sprache sagt, sagt Länder, wer Länder sagt, sagt Reisen.

Kaum weg, bin ich schon wieder da! Zum Glück küm­mern sich die lieben Mit­men­schen um Pflan­zen, Haus und Gar­ten, sonst könnte ich nicht so spon­tan sein.

Daher kommt es manch­mal zu kleinen Zeit­sprün­gen in der Veröffent­lichung meiner Einträge hier. Wie diese Fas­sade kommt mir übrigens mein Blog oft vor. 

Eine alte Fassade spiegelt sich in einer modernen Glasfassade
Gesehen in Frankfurt/Main
Ich bes­chreibe Vorgänge, Mo­men­te, Wörter, be­nenne die Fenster, Säulen, Simse, Dach­gauben, die Haustür mit ihrer Su­pra­por­te ist implizit, die können wir uns denken — und auch, wie es im Gebäu­de selbst aussieht. Ich schrei­be hier über das We­sentl­iche, lasse dabei Details aus, an denen Per­so­nen, Orte und re­el­le Vor­gänge er­kennbar wä­ren.

Das muss ich allein schon wegen meiner Schweigeverpflichtung, da geht es uns Sprach­ar­bei­tern wie Ärzten und An­wälten. Außerdem geht es mir hier im­mer um das Wesent­liche an den Vorgän­gen, nicht so sehr um die Wahrheit des Details, son­dern um seine Wahr­haf­tigkeit.

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Foto: C.E.

Sonntag, 8. September 2019

Sonntagsfreuden

Gartenimpressionen
Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Marseille und dort, wo man mich braucht. Jetzt wieder: Sonntagsbilder.

Heute nur bescheidene Sonntagsfreuden: Ein wenig im Garten aufräumen, noch re­kon­va­les­zent, dann Spazier­gang plus Bummel über den langsam schlie­ßen­den Flohmarkt.

Im Haus wohn­ten beim letz­ten Nach­rech­nen elf Kinder. Etli­che stellen Fra­gen, wenn wir im Hof­garten arbeiten. Sie schät­zen die Re­gen­wür­mer, wissen, was Kom­post ist, fra­gen, ob das Ab­sicht sei, wenn diverse Bei­kräu­ter, früher "Un­kraut", fröhlich in das­sel­be schießt, genie­ßen im Hochsommer, dass es im Hof kühler ist als anders­wo.

Als Lehrgärtchen, das hauptsächlich der Regel des "be­hut­sam ein­ge­dämm­tes Chaos" folgt, ha­ben wir ab jetzt auch "Schilder", aus denen hervorgeht, was das jeweils für eine Pflanze ist.

Vieles dessen, was bei uns wächst, wurde ir­gend­wo aus­gesetzt oder uns vom Tröd­ler ge­schenkt. Die "Päppelpflanzen" bedanken sich meistens durch besonders eif­ri­ges Wachstum (so wie der Hibiscus, unterstes der drei Gartenbilder, rechts unten).

Theodor Heuss, Gregor Gysi, Gerhard Schröder, Helmut Kohl, jede Biografie 1 €
Ausverkaufspreise
Da wir immer wieder Rat­ten und Ratten­gift im Hof haben, bauen wir nichts zum Essen an. Etli­che Pflanzen haben sich selbst aus­gesät, haben norma­lerweise essbare Früch­te, das ignorieren wir, oder aber die Pflanzen ignorieren uns, weil die Klimazone nicht stimmt. Oder sie sind für Über­ra­schun­gen gut. Mal sehen, wie die zwei Früchtchen, die die Passionsblume dieses Jahr produziert hat, ausfallen.

Am späten Nachmittag haben wir auf dem Flohmarkt noch in die Bücher­kisten ge­schaut. Hier gab's Politiker im Dutzend billiger. Und ja, alle mög­li­chen schlech­ten Witze haben wir ge­ris­sen. Hätten die Be­trof­fe­nen ver­mut­lich auch.

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Fotos: C.E.

Freitag, 6. September 2019

Mal eben nach Paris

Im 13. Jahr beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­metscherin und Übersetzerin, arbeite mit der fran­zö­sischen Sprache (und aus dem Englischen) in Paris, Berlin, Köln, Bonn, Lyon, Marseille ... meistens reise ich mit festen Kunden, weil ich deren Inhalte und Fachbegriffe seit Jahren gut kenne.

Mal eben nach Paris reisen klingt nach Jetset der üble­ren Sorte. Reiche Leute ha­ben einen CO2-Fuß­ab­druck wie 200 Men­schen, die mit über­schau­baren Mitteln aus­kom­men müs­sen. Nein, ich zähle nicht zur ersten Gruppe.

Besprechungsraum "Paris" in Neuilly sur Seine
Ich war gerade in Köln, als mich eine Einla­dung nach Paris ereilte. Kurz mit dem Zug hin, im Hotel im Vorort ein­ge­checkt, am Folge­tag gedolmescht, am Abend zurück. Ich war gefragt, weil eine Kollegin aus­ge­fal­len ist und ich das Thema fast aus dem Stand überneh­men konnte.

Kein Glamour. Kein Eif­fel­turm. Kein Shopping. Weiter im Text.

P.S.: An der Saaltür hängt das "s" von Paris schief (steht vielleicht sogar Kopf?) ...

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Foto: C.E.

Dienstag, 3. September 2019

Mediendolmetschen (1)

Welcome! Sie lesen den historisch ersten deut­schen Dol­met­scherblog aus dem In­ne­ren der Ka­bi­ne. Er wurde vor mehr als zwölf Jahren auf Deutsch­lands ein­­zi­­gem A-Film­­fes­ti­val geboren. Ab heute folgt hier eine Reihe zu Grundlagen unserer Arbeit. 

Der Haupt­un­ter­schied zwischen audiovi­su­el­lem Dolmetschen und Dolmetschen in der Politik ist, dass wir bei der Arbeit für Medien die im Dolmet­scher­alltag üb­li­chen Samt­hand­schuhe ausziehen dürfen.

Zwei Dolmetscherarbeitsplätze für eine Diskussionsrunde, im Hintergrund roter Samtvorhang
Dolmetschen im Kino (hier: Diskussionsrunde)
Die Samthand­schuhe sind rasch erklärt: Streiten sich zwei Mächtige, gibt es zwei Szenarien für das Ende. Das eine lau­tet Krieg, dass andere Ver­söh­nung. Nun ist es ein­fa­cher sich zu versöhnen, wenn eine dritte Partei zum Schul­di­gen erklärt werden kann.

Wer war da mög­li­cher­weise noch zugegen? Der oder die Dol­met­scher/innen.

Natürlich wür­den wir nach außen immer be­haup­ten, dass es unsere über­große Friedens­liebe wäre, die uns hier immer wieder auch ein wenig zu Friedens­engeln macht. Da wir Sprach­arbeiter im Aus­land studiert haben und häufig auch aus fa­miliären Grün­den Erfah­rungen mit Menschen aus anderen Län­dern haben, die wir ebenso wenig "Fremde" nennen wür­den wie unsere zweite Heimat ein "Ausland", stimmt das vielleicht sogar. Menschen mit inter­kul­tu­rellen Erfah­rungen lassen sich seltener weismachen, dass der oder die andere Per­sonen­gruppe von Grund auf bö­se ist und be­kämpft werden muss.

Der Haupt­grund für diese verbalen Samt­hand­schuhe ist sicher der Selbstschutz. Einst­mals wurden Überbringer schlechter Nachrichten von den Her­rschenden er­mor­det, so heißt es, deshalb wurde diese Vor­sichts­maß­nahme ein Teil unserer Berufs­kultur, Diplomatie zur zweiten Haut, um ein weiteres Bild zu bemühen.

Beim audiovisuellen Dol­met­schen wird der son of a bitch tatsächlich als "Hu­ren­sohn" verdol­metscht. Manchem gestandenen Kon­fe­renz­dol­metscher fällt we­gen der zweiten Haut das Arbeiten auf Festivals schwer, denn die Übertra­gung mit Schutz­vor­rich­tung würde aus einem solchen Kerl maximal einen "Schlawiner" machen — so gehört bei der Simul­tan­ver­dol­met­schung eines Films in Berlin.

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Foto: C.E. (Archiv)

Montag, 2. September 2019

Das Bommarie

Hier schreibt und denkt eine Übersetzerin und Dolmetscherin, derzeit in Berlin. Ich arbeite aber auch in Bonn, Lille, Paris, Brüssel, München, Hannover und dort, wo Sie mich brauchen. Oft lernen wir neue Wörter. Es ist aber auch möglich, bekannte Wörter neu zu lernen.

Auf Rollen, Edelstahl, groß: Doppelwandiges Gefäß zum Warmhalten
In der Großküche
"Bommarie", sagte die Groß­küchenchefin, "das ist ein Bommarie!" Ich habe es noch immer nicht ver­standen. Sie war auf meine Nachfrage hin lauter gewor­den, aber an der Laut­stärke hatte es nicht ge­le­gen. Mein französischer Gast, für den ich in der deut­schen Groß­küche dolmetsche, hat längst be­grif­fen. "Ich kenne die Teile!", sagt er.
Ich lasse es damit bewen­den.

Als wir weiter­gehen, sagt er auffallend leise zu mir: "Sie meint ein bain marie!" Das Wort [bɛ̃ maʁi] kenne ich. Aber auch an der Größe habe ich die Cho­se mit dem kleinen Topf im großen Topf nicht erkannt, so kochen wir Sauce hollandaise im bain marie. Für Küchen in Normal­größe gibt es auch spezielle Wasser­bad­töpfe, dop­pel­wan­dige, wie hier bei diesem Trumm, das als Zwil­lings­ba­de­wanne für künf­ti­ge Syn­­chron­­schwim­­mer geeignet wäre.

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Foto: C.E.

Sonntag, 1. September 2019

Licht und Schatten

Was und wie Über­setzer und Dol­met­scher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Die meis­ten von uns sind selb­stän­dig, sie ar­beiten selbst und ständig. Gewinnmargen durch "Ska­lie­ren" zu erhöhen, bleibt uns verwehrt. Daher ufert die Arbeit mit­un­ter aus und greift über in die Freizeit. Dafür hatte ich am Frei­tag mei­nen pri­va­ten Sonntag.

Rot- und Orangetöne liebe ich ja, der Energie wegen. Kurze Pause vom Pauken. Heute ist Sonntag. Wirklich?


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Collage: C.E.

Freitag, 30. August 2019

Auf dem Schreibtisch (LIV)

Was und wie Dolmetscher und Übersetzer arbeiten, können Sie hier ab und zu mit­le­sen. Mein digitales Arbeitstagebuch schreibe ich im 13. Jahr. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch!

Und zwar zum 54. Mal. Dieser Tage ging und geht es um:

Sekretär, Bilder an der Wand, Regal
Im Arbeitszimmer
⊗ Wind- und Solar­ener­gie
⊗ Grun­dstücks­verkauf
⊗ Öko-Architektur
⊗ (Zwangs)­Pros­ti­tu­tion
⊗ Kom­pos­tie­ren in der Stadt
⊗ Literatur und Über­setzen als Wirt­schafts­fak­tor
⊗ Para­dig­men­wech­sel in der Wirt­schaft

Vor allem müssen sich meine müden Sehnen erholen.
Die letzte Woche war hart.
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Foto: eigenes Archiv

Donnerstag, 29. August 2019

Träger

Wie leben, ar­bei­ten und den­ken Dolmetscher? Wie ver­än­dert der Be­ruf ihr bzw. un­ser Leben? Da­rü­ber und über di­ver­se ty­pi­sche Situatio­nen aus der Ar­beit denke ich hier im 13. Jahr nach. Ich zähle zu den Fran­zö­sisch-Dol­met­schern, arbeite aber auch mit Eng­lisch (als Ausgangs­sprache). Tätig werde ich in Paris, Berlin, Mün­chen, Cannes, Frankfurt, Lyon und dort, wo Sie mich brauchen. Dabei achte ich immer besoners auf die Wörter.

Pappaufsteller mit kleinem Mädchen mit roter Muetze, rotem Schal und roten Struempfen
Mützenträgerin
Spaghetti­trä­ger, Stahlträger, Müt­zen­trä­ger, Gepäck­trä­ger, Träger einer Sänfte oder insti­tu­tionelle Träger: DER TRÄGER ist ein Wort mit verschiedenen Be­deu­tun­gen. So oft wie in dieser Wo­che habe ich es lange nicht gehört.
Ein Kunde und ich sind unterwegs auf der Suche nach Kindergar­ten­plätzen für seine Töchter. Er ist mit seiner Familie gerade nach Berlin gezogen. Es handelt sich um gewünsch­te Migration, Stichwort Fach­kräf­te­man­gel, seine Speziali­sierung ist hier sehr gefragt. Die USA kennen die Green Card, Europa nennt das ent­spre­chende Dokument Blue Card. In Berlin zu arbeiten ist die eine Sache, hier zu leben die andere.

Auf Kinder­gar­tensuche also: Eine Behörde übergibt uns eine mehrseitige Liste von städti­schen Kinder­gärten und Ein­rich­tungen freier Träger. Eine Behörde hat alle bekannten Stellen erfasst, „aber es werden regelmäßig Kitas gegründet, die sich nicht gleich hier melden, Sie müssen die Augen selbst aufhalten“, rät die Amts­dame. Auch Tages­pfle­ge­stellen seien selten.

Überall dort, wo wir in Berlin anklop­fen oder anrufen, heißt es: ausgebucht! Ein­mal wird die Direktorin konkret, sie habe 150 Anmel­dungen für zwölf Plätze. Das 17 Monate alte Mäd­chen könne ja noch bei Mut­tern bleiben, die Vierjährige mit viel Glück möglicher­weise in einem Jahr irgendwo nach­rücken, im Grunde aber erst 2022. In diesem Jahr wird sie dann bereits in die zweite Klasse ein­ge­schult werden.

Die Kinder brauchen nicht nur Gleich­altrige, um Deutsch zu lernen, auch ihre Mut­ter braucht die Plätze. Sie ist ebenfalls Aka­de­mi­kerin in einem ge­such­ten Beruf und möchte bald ihre mageren Deutsch­kenntnisse erweitern, um dem Arbeits­markt zur Ver­fü­gung zu stehen (und um zur hor­ren­den Miete der Wohnung beitragen zu können).

Wir suchen weiter. Es gibt interne Warte­listen, Jugend­amts­listen, wir entdecken weitere Türen, an die zu klopfen eventuell etwas bringen könnte. Zu erwähnen, dass man um den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz weiß, solle helfen, vernehme ich irgendwo zwischen den Worten.

Nach einer Woche Suche kann ich sagen, dass dieses Berliner Kinder­gar­ten­drama für die total verfehlte Bevölkerungs- und Zuwan­derungs­politik Deutschlands steht und mich fatal an die Schulen erinnert, die wir auch besucht haben, denn die Familie hat auch ein größeres Kind: Überall wird repariert, gemalert, gepflastert, aber nur das Aller-aller-allernötigste. Die meisten Gebäude sind in einem be­kla­gens­wer­ten Zu­stand, irgendwas zwischen DDR-Provinz, wo nie für mal eilig den Besuch einer wichtigen Person aufgehübscht wurde, Nachkriegsbundesrepublik und Ent­wick­lungs­land.

Historisches Foto: Schulklasse
Volle Klassen, damals und heute
Parallel zu unserer Suche brin­gen die Zei­tungen un­fass­ba­re Zahlen, die den Reno­vierungs­rückstand der Ber­liner Schulen beziffern, sowie die Zahl der fehlenden Leh­rer. Nur 40 Prozent der dieses Schul­jahr neu ein­ge­stellt­en Grund­schul­lehrer hat diesen Beruf überhaupt stu­diert. Pä­da­go­gik ist ein ei­gen­stän­di­ges Fach, die Arbeit mit Kindern was für Profis.

Hat sich auch irgendwie nicht richtig bis in die Berliner Stadtverwaltung rum­ge­sprochen. Und auch die Berliner Bundespolitiker scheinen erst lan­­gsam zu ahnen, dass es mit der Schwarzen Null und der Schuldenbremse viele Verlierer gibt.

Wir werden weiter auf freie Träger und Neugrün­dungen achten. Und wenn auf ei­ner Kon­fe­renz zu einem Bil­dungsthe­ma demnächst wie­der theoretisch ge­spro­chen wird, werde ich aktu­el­le Bilder im Kopf haben, wie es draußen wirklich aus­sieht.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 28. August 2019

Den Köchen vertrauen

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­ar­bei­terin werde ich in Pa­ris, Berlin, Marseille und dort tä­tig, wo man mich braucht. Manche Episode aus der Frühjahrssaison fällt einem erst bei Beginn der Herbstsaison wieder ein ...

Hände an einer Tafel, Gabeln, Gläser, Pfeffermühlen und ein Notizblock
Konsekutivdolmetschen beim Arbeitsessen
In un­se­rem All­tag gibt es eine Reihe klei­ner Epi­so­den, die ver­ges­sen worden wä­ren, hätte ich sie nicht kurz auf­ge­schrie­ben.

Bei der Vor­be­rei­tung einer Konferenz mit Part­nern aus dem Ausland: Wir befinden uns irgendwo in offi­ziel­ler Mission auf Bun­des­­ebene. Wir dolmetschen für eine kleine De­le­ga­tion, die eine Kon­fe­renz am Rande eines Staatsbesuchs mit­plant. Wir sitzen am Esstisch und werfen ge­mein­sam einen Blick auf die für das Event vor­ge­se­he­ne Speisen­folge. Einer der Gäste aus dem fernen Land fragt vor­sich­tig an, ob nicht an einem der drei Tage Es­sen aus seiner Hei­mat kre­denzt werden könne.

Der Behördenmensch aus Deutschland darauf sibyllinisch grinsend: "Besser nicht. Wir könnten unseren Köchen durchaus die passenden Rezepte in die Hand drücken, und auch die Zutaten finden sich in Berlin. Was die dann aber daraus machen, steht auf einem anderen Blatt. Das möchten Sie im Anschluss vielleicht doch lieber nicht probieren."

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Foto: C.E.

Dienstag, 27. August 2019

Zedernholz

Willkommen auf der Seite einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin mit Hauptarbeitsort Berlin. Hier können Sie Einblicke in unseren Alltag erhalten, zu dem auch das Sammeln von Vokabeln gehört.

Und da ist dann noch der Tag, an dem ich höchst selten gebräuchliche Begriffe ler­ne, die aber sehr gut bezahlt sind ... Begriffe wie "Fliesen"spiegel aus Carrara-Mar­mor (crédence marbre de Carrare), Bade­zim­mer­möbel mit integriertem Wasch­becken aus einem fünf Meter langen Moor­ei­chen­stamm (ensemble de meuble et vasque intégrée taillée dans un tronc de chêne des tourbières), Ankleide­zimmer mit Wand­ver­tä­fe­lung aus Zedernholz (dressing aux parois lambrissées de cèdre).

Von den drei ge­nannten Luxus­wohn­ele­menten hat mich nur der begehbare Klei­der­schrank aus motten­festem Zedernholz überzeugt. Das andere ist zu viel Pfle­ge­auf­wand (abgesehen davon, dass ich mir für den Preis des mehrere Jahr­hu­nderte alten Mooreichen­stamms vermutlich eine größere Altbau­wohnung kaufen könnte).

Ich betrachte solche Eska­paden übrigens als angewandte Soziologie. In Berlin ent­steht Wohn­raum wie aus den teuersten Lifestylemagazinen in Vierfarbdruck auf Hochglanzpapier. Traurig macht mich, dass hier nur selten gewohnt werden wird. Eines ist sicher: Außer dem täglich vorbeischauenden Wachschutz sehen die Wände regelmäßig nur noch die Putzfrau, die alles propper vorhält; es könnte ja dem Ei­gen­tü­mer gefallen, Berlin als spontanes Reiseziel auszuwählen.

Dass damit Arbeitsplätze entste­hen, ist nur ein milder Trost. Im Grun­de ist ein sol­cher Umbau in der In­nen­stadt Miss­brauch öffentlicher Gel­der, denn die Woh­nung liegt nur deshalb in einer attraktiven Stadt, weil die All­ge­mein­heit das ganze Um­feld fin­an­ziert.

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Fotos ... leider keine. Fotografierverbot.
It goes without saying.