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Sonntag, 3. Mai 2026

Sonntagsausflüge

Bon­jour, hel­lo & gu­ten Tag oder Abend. Hier kön­nen Sie Ein­bli­cke in den Ar­beits­all­tag ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Mut­ter­spra­che Deutsch be­kom­men. Ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und aus dem Eng­li­schen. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Kom­men­tar zum Sonn­tag: Heu­te wird es per­sön­li­cher.

Manch­mal ha­be ich den Ein­druck, dass uns ge­ra­de kol­lek­tiv ge­mach­te Er­fah­run­gen und die Auf­merk­sam­keit für­ein­an­der ent­glei­ten. Empa­thie wirkt wie ein knap­pes Gut. Po­li­ti­sche Maß­nah­men wer­den als „Zu­mu­tun­gen“ be­zeich­net, vie­le Men­schen or­ga­ni­sie­ren sich im All­tag neu, re­du­zie­ren not­ge­drun­gen ihr Au­ßen­le­ben. Die Früh­lings­(pro­ben)­rei­se des kon­zer­tie­ren­den Chors wir­d ab­ge­sagt, weil zu we­ni­ge über die frei­en Mit­tel ver­fü­gen, um den Ei­gen­an­teil zu be­zah­len. Beim Nach­bars­kind fällt die Klas­sen­fahrt flach, di­to.

Men­schen im Über­le­bens­mo­dus ha­ben nur die nächs­te Mahl­zeit, den nächs­ten Tag im Blick. Sie kön­nen we­der die ei­ge­ne La­ge aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve be­trach­ten, noch neue Per­spek­ti­ven und Aus­we­ge fin­den. Sie er­star­ren, free­ze or flight. Das über­trägt sich auf die Kin­der. Der Nach­wuchs im Über­le­bens­mo­dus er­lernt die­sen Zu­stand als Le­bens­grund­ge­fühl. Das ist fa­tal. So wird Ar­mut, wer­den Ängs­te ver­erbt. (So­gar Pe­ter Hartz, auf den die ab­ge­speck­te So­zi­al­hil­fe der Nul­ler­jah­re zu­rück­geht, hat das er­kannt und die da­ma­li­ge Ent­schei­dung ei­nen Feh­ler ge­nannt.)

In der Zwi­schen­zeit hat die Not längst die ge­ho­be­ne Mit­tel­schicht er­reicht. Ei­ne Be­kann­te sucht seit acht Mo­na­ten ei­ne Woh­nung, sie wur­de auf Ei­gen­be­darf ver­klagt. Ih­re Fa­mi­lie ist seit Ge­ne­ra­tio­nen in Ber­lin an­säs­sig. Opas Miets­haus über­stand den Krieg nicht, der Las­ten­aus­gleich brach­te ein Sied­lungs­haus, in dem die Fa­mi­lie der Nich­te lebt. Die Su­che­rin und ihr Mann sind oft um­ge­zo­gen. Er war Wis­sen­schaft­ler, die letz­ten Jah­re hat sie ihn ge­pflegt, dann ging es nicht mehr, sie wur­de selbst krank. Jetzt ist er im Heim.

Die Dame war zwei Jahr­zehn­te lang Frei­be­ruf­le­rin. We­gen ih­rer Al­ters­rück­la­gen gilt sie als zu reich für einen Wohn­be­rech­ti­gungs­schein und ist zu­gleich zu arm für Wohn­ei­gen­tum. In Voll­zeit be­wirbt sie sich um ei­ne neue Blei­be. Aber der Markt kennt kei­ne Men­schen, die we­gen der Pfle­ge län­ger nicht ar­bei­ten konn­ten, das Ver­mö­gen scheint nichts wert, die ü50-Be­wer­berin zu alt zu sein. So­gar kirch­li­che Trä­ger win­ken ab. Jetzt hat das Ge­richt ei­ne zwei­mo­na­ti­ge Ver­län­ge­rung der Aus­zugs­frist an­ge­ord­net. Sie stellt sich auf die Ein­la­ge­rung des Haus­rats und ein über­teu­er­tes WG-Zim­mer ein. Und nie­man­den scheint's zu stö­ren, was auch für die Kür­zun­gen bei Men­schen mit Ein­schrän­kun­gen gilt.

An­de­re Ge­schich­ten schaf­fen es in die Abend­nach­rich­ten. Ein in der Ost­see ge­stran­de­ter Bu­ckel­wal be­wegt die Her­zen. Nach ei­nem acht­wö­chi­gen Dra­ma wird er spen­den­fi­nan­ziert ins of­fe­ne Meer ge­schafft. Das zeigt Mit­ge­fühl. In der Zwi­schen­zeit wird aber in un­se­rem Hei­mat­meer der Schweins­wal im­mer sel­te­ner, ist vom Aus­ster­ben be­droht.

Die öko­lo­gi­schen Dra­men ver­lau­fen lei­ser. Wir wis­sen um Kli­ma­ver­än­de­run­gen, Res­sour­cen­druck, Ar­ten- und Hu­mus­ver­lust. Zu­gleich ent­ste­hen Trends, die sich stark auf das In­di­vi­du­um kon­zen­trie­ren, Stich­wor­te sind „Selbst­op­ti­mie­rung“ und „Lon­ge­vi­ty“, die Me­di­en sind über­voll da­von. Vor­sor­ge ist gut, und doch passt das al­les nicht zu­sam­men. Ist es eine Ant­wort auf die Un­si­cher­heit, sich auf das Na­he zu kon­zen­trie­ren und Selbst­wirk­sam­keit zu er­fah­ren, wenn das Gro­ße schwer fass­bar und ver­stö­rend wird?

Die La­ge ist kom­plex, und doch ist sie so viel ein­fa­cher, als es oft dar­ge­stellt wird. Um­so wich­ti­ger bleibt es, im Ei­ge­nen hand­lungs­fä­hig zu blei­ben. Dem die­nen tat­säch­lich gu­tes, ge­sun­des Es­sen, Sport und Er­ho­lung, Freund­schaf­ten und Kul­tur, Din­ge, für die et­was mehr Geld als das Über­le­bens­not­wen­di­ge nö­tig ist. Wir dür­fen das Ge­mein­sa­me nicht aus dem Blick ver­lie­ren. Denn das ist un­se­re Chan­ce: Kräf­te zu bün­deln und sich kon­struk­tiv für das ein­zu­set­zen, was trägt. 

Ein Sonn­tag im Pa­ra­dies!


Wo­chen­end­plai­sir: Ins Jrü­ne fah­ren. Auf der Pfau­en­in­sel war ich vor mehr als ei­nem Jahr­zehnt mit mei­nem Va­ter das letz­te Mal, er hat sie ge­liebt. Das ist ein wun­der­vol­ler Ta­ges­aus­flug­s­tipp! Es gibt auch ei­ne zen­tra­le Pick­nick­wie­se, wo sich K&K zu­kau­fen und auf die To ge­hen lässt. Wun­der­voll!

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Mon­ta­ge:
C.E.

Sonntag, 19. April 2026

Mademoiselle Baye

Was Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zer und Dol­met­scher so um­treibt, kön­nen Sie hier aus der Per­spek­ti­ve ei­ni­ger Pro­fis mit­le­sen. Vor al­lem bloggt hier Ca­ro­li­ne Eli­as, Se­nior con­fe­rence in­ter­pre­ter, Ber­lin, für die fran­zö­si­sche Spra­che. Im Eng­li­schen meint se­nior schlicht: sehr er­fah­ren, kurz: „Dol­met­sche­rin mit viel Be­rufs­er­fah­rung“. Mei­ne Dritt­spra­che ist Eng­lisch, was auch die Ziel­spra­che mei­ner Bü­ro­kol­le­gin ist.

Vie­le Be­rufs­jah­re brin­gen vie­le Er­in­ne­run­gen mit sich. Heu­te bin ich sehr trau­rig. Be­vor der Re­gen kommt, ma­chen wir ei­nen Sonn­tag­mor­gen­spa­zier­gang in Ge­dan­ken an Na­tha­lie Baye, die let­zte Wo­che mit nur 77 Jah­ren ge­stor­ben ist.

Tisch, Stüh­le, Buf­fet, Por­trait im Rah­men, Lüs­ter, Ka­min, Sitz­ecke am Fens­ter, Pflan­zen
Sa­lon vor 100 Jah­ren
Sie war ei­ne mei­ner Lieb­lings­schau­spie­le­rin­nen auf der Lein­wand und auch im wirk­li­chen Le­ben, weil Ma­de­moi­sel­le Baye bei der Dol­met­sch­ar­beit in un­end­li­chen In­ter­view­rei­hen, den so­ge­nann­ten Press Jun­kets, am lus­tigs­ten und mun­ters­ten von al­len war, um die ich mich je­mals küm­mern durf­te (... und nur knapp da­hin­ter: Clau­de Cha­brol).

Ihre Warm­her­zig­keit und Schlag­fer­tig­keit ha­ben mir im­po­niert. Sie wuss­te, dass die­ses stun­den­lan­ge Fra­ge-Ant­wort-Spiel für uns bei­de ähn­lich an­stren­gend war, aber ihre Bo­den­stän­dig­keit und dass sie kein Auf­he­bens um sich mach­te, lie­ßen die Stun­den kür­zer und die Ar­beit leich­ter er­schei­nen, als sie wa­ren. An­gli­ka Schou­ler aus Pa­ris hat sie gut in die­sem Zi­tat zu­sam­men­ge­fasst: Les vrais ta­lents n’ont pas be­soin de se la jouer. (Auf Deutsch etwa: "Wah­re Ta­len­te mü­ssen sich nicht wich­tig ma­chen.")

Ich er­in­ne­re mich an ei­ne frü­he Be­geg­nung in ei­ner Lu­xus­suite ei­nes frisch er­öff­ne­ten Ho­tels am Pots­da­mer Platz. Das Haus ist ei­nes der­je­ni­gen, die al­le mög­li­chen For­men aus den Stil­kun­de­bü­chern wild zu­sam­men­mi­xen (... die Ul­tra­post­mo­derne, auch „Rost­mo­der­ne“ ge­nannt, der Scherz am Ran­de sei mir bei ei­nem Winz­nach­ruf er­laubt), und die zu­gleich so tun, als hät­ten sie schon vor hun­dert Jah­ren dort ge­stan­den.

Was jetzt folgt, ist ein Vier­tel­jahr­hun­dert her. Das Haus war das letz­te gro­ße Haus, das am aus dem Bo­den ge­stampf­ten Pots­da­mer Platz auf­ge­macht hat. Die Kli­ma­an­la­ge war noch nicht fein­jus­tiert wor­den. Wir sa­ßen buch­stäb­lich im Wind.

Sie ließ je­man­den kom­men und sag­te: Pour­riez-vous, s'il vous plaît, ré­duire cet af­freux cou­rant d’air ? Nous ne par­ti­ci­p­ons pas ici à un test en tun­nel aé­ro­dy­na­mique … mê­me si nos car­ros­se­ries af­fi­chent une aé­ro­dy­na­mique tout à fait com­pé­ti­ti­ve!

Ich ha­be das, glau­be ich, et­was schlich­ter über­tra­gen, in der Art wie: „Dürf­ten wir Sie bit­ten, die Kli­ma­an­la­ge et­was run­ter­zu­fah­ren? Wir mö­gen ele­gan­te For­men ha­ben, hat Frau Baye ge­ra­de ge­sagt, sind aber kei­ne Erl­k­ö­ni­ge im Wind­ka­nal.“ [Da­mals wur­de nur we­nig ge­gen­dert.]

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Gra­fik: C.E.

Sonntag, 11. Januar 2026

Batterien aufladen (1)

Was Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin­nen, Un­ter­ti­tle­rin­nen, Über­set­zer und Si­mul­tan­dol­met­scher um­treibt, na­tür­lich auch je­weils das an­de­re Ge­schlecht, ist hier seit 2007 in lo­ser Fol­ge Ge­gen­stand mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Ich den­ke, le­be und ar­bei­te mit Deutsch (Mut­ter­spra­che), Fran­zö­sisch (Haupt­ar­beits­spra­che) und Eng­lisch (Dritt­spra­che). Je­der Tag ist mehr­spra­chig, aber sonn­tags steht et­was an­de­res im Vor­der­grund.

Wer in­ten­siv ar­bei­tet, braucht auch in­ten­si­ve Er­ho­lung. Nicht sel­ten kom­me ich nach Dol­metsch­ein­sät­zen nach­hause und ha­be Mü­he, Ab­stand zu ge­win­nen. Im All­tag hilft Sport oder der Aqua­rell­farb­kas­ten.

Und heu­te macht mir leich­ter, dass mei­ne Stadt kol­lek­tiv ins Ge­bir­ge ver­reist zu sein scheint: Win­ter­land­schaft, gu­te Luft, Son­ne, blau­er Him­mel. Kurz: Es geht in den Schnee für al­le, die nicht grip­pal zu­hau­se lie­gen.  

Mäd­chen auf ei­nem Holz­schlit­ten mit Me­tall­ku­fen (1932)
Holz­schlit­ten mit Me­tall­ku­fen (1932)

Da­zu ein Sonn­tags­bild aus dem Fo­to­al­bum. So wie links sa­hen al­le Schlit­ten aus im 20. Jahr­hun­dert, bis phan­tas­tic plas­tic auch hier sei­nen Si­e­ges­zug an­ge­tre­ten hat. 

Von mir gibt es Kin­der­fo­tos, die ähn­lich aus­se­hen wie die­ses aus den frü­hen 1930-er Jah­ren. Mei­ne Pro­gno­se: Wir wer­den wie­der zur alt­be­währ­ten Schlit­ten­me­cha­nik zu­rück­keh­ren.

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­ow

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Sonntag, 9. November 2025

Sonntagsgedanken

Bon­jour, hel­lo und Will­kom­men! Sie le­sen hier auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in, auf de­nen über den All­tag hin­ter den Ku­lis­sen des Dol­met­schens be­rich­tet wird. — Sonn­tag ist Ru­he­tag, da wer­de ich schon mal per­sön­lich. Trotz­dem den­ke ich stän­dig über Spra­che nach, al­so auch heu­te.

Nach sehr ge­schäf­ti­gen Wo­chen, Ar­beit hier, Ar­beit dort, obendrauf leider noch einen grip­pa­len In­fekt, jetzt also ein Wochen­en­de mit der buck­li­gen Verwandt­schaft. Nun, nicht mit der Ge­samt­heit der An­ver­wand­ten, für die der Be­griff steht. 

Bär­chen in den Bee­ren
Und „buck­lig“ soll ja an­geb­lich auch „un­ge­liebt“ hei­ßen, was nun wirk­lich nicht zu­trifft!

Schön ist es, an­stren­gend ist es, nass ist es an die­sem dunk­len No­vem­ber­sonn­tag, an dem der Mor­gen­ne­bel unbemerkt in die Abend­däm­me­rung übergeht. Als Ent­schä­di­gung: Bach-Ora­to­ri­um, Was­ser­far­ben, Vor­le­sen, Wit­ze er­zäh­len, al­te Fo­tos an­se­hen, Ku­chen es­sen (oder nicht), Nüs­se, Dat­teln, Früch­te­tee.
Und ob­wohl der Tag des Hei­li­gen Mar­tins erst im Lau­fe der Wo­che er­war­tet wird, hat­te mich am Bahn­hof die ers­te Weih­nachts­baum­pa­ra­de be­grüßt. Die wer­den auch im­mer frü­her auf­ge­stellt! (Fin­de ich nicht gut.)

Zu­rück zur "buck­li­gen Ver­wandt­schaft". Einst­mals wur­den die fer­ne­ren Ver­wand­ten im Sche­rze so ge­nannt, Men­schen, die oft nur sel­ten zu Be­such wa­ren (al­so die Be­su­chen­den, dann wä­re ich das), die aber oft nicht so gern ge­se­hen wa­ren, viel­leicht wa­ren sie ar­me Ver­wand­te, die ein schwe­res Le­ben hat­ten und sich da­bei "krumm und buck­lig" ge­ar­bei­tet ha­ben. OK, mei­ner An­ver­wand­t­schaft ge­fällt zum Glück mei­ne An­we­sen­heit und so schlimm ist mein Le­ben nicht, auch wenn ich viel ar­bei­te.

In der Fach­li­te­ra­tur fin­det sich auch ein Hin­weis auf das rot­wel­sche Wort "bo­cke­lig", das über­setzt so viel wie "gie­rig" heißt. Auch das sind we­der mei­ne lie­ben Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen noch ich. Der Aus­druck "buck­li­ge Ver­wandt­schaft" ist bei uns iro­nisch ge­meint und Aus­druck von lin­guis­ti­schem Art­schutz. Be­grif­fe, die vom Aus­ster­ben be­droht sind, ver­wen­den wir eben ger­ne ab und zu.

Netz­fund­stel­le: An­geb­lich hät­ten sich frü­her Men­schen er­zählt, dass die "Buck­li­ge" die ar­men Ver­wand­ten sei­en, die in schlech­ten, wind­schie­fen Häu­sern le­ben müs­sen, was sich auf ih­ren je­wei­li­gen kör­per­li­chen Zu­stand aus­ge­wirkt hät­te, ei­ne Volks­ety­mo­lo­gie.

Und abends folgt dann das Ge­den­ken an den deut­schen Schick­sals­tag, die Trau­er über so vie­le, de­nen ein nor­ma­les Le­ben ge­nom­men wur­de, die Dank­bar­keit über den Mau­er­fall.

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Il­lus­tra­tion: Char­lot­te


Sonntag, 28. September 2025

Achtung, Baustelle!

Gu­ten Tag! Als Dol­met­sche­rin für Deutsch, Fran­zö­sisch (und mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che) ver­bin­de ich Sprach­kul­tu­ren und Men­schen. Hier im Blog er­fah­ren Sie mehr über mei­ne Ar­beit bei Kon­fe­ren­zen, in der Po­li­tik und in der Kul­tur. Sonn­tags wer­de ich pri­vat.

Heu­te folgt ei­ne klei­ne Sonn­tags­ein­las­sung. Cela n'en­gage que moi, heißt es auf Fran­zö­sisch, das ist mei­ne pri­va­te Mei­nung. Ich weiß aber, dass sie von im­mer mehr Men­schen ge­teilt wird, die mit ei­ner spi­ri­tu­el­len oder re­li­giö­sen Grund­ein­stel­lung un­ter­wegs sind.

Street Art: eine Maus und ein Fingerabdruck liegen einander in den Armen und tanzen Blues
Gesehen in Berlin-Neukölln
Wenn ich se­he, wie hoch die rechts­extre­men Par­tei­en in Mei­nungs­um­fra­gen "ab­sa­nhnen", wird mir ganz blü­me­rant (*). Da sind ei­ner­seits die wirk­lich Über­zeug­ten, wo die Mei­nung von Groß­va­ter auf Mut­ter auf Kind über­ging, auf Fran­zösisch würden wir de père en fils sagen, modernisiert de père en fille. Ge­ra­de auf dem Ter­ri­to­ri­um der frü­he­ren DDR hat sich vie­les ge­hal­ten aus ei­nem tief­lie­gen­den Trotz ge­gen die oft über­grif­fi­ge Re­gie­rungen her­aus, die ver­sucht haben, die Ge­mü­ter auch mit Grund­über­zeu­gun­gen zu be­sie­deln, die als "wis­sen­schaft­lich" pos­tu­liert wur­den.
Aus die­ser Ver­gif­tung speist sich bis heu­te in ei­nem Teil der Ge­sell­schaft die Ab­leh­nung von Wis­sen­schaft, so ab­surd das klingt.

Kei­ner von die­sen Men­schen zwei­felt ernst­lich die Schwer­kraft an oder For­schungs­er­geb­nis­se, die ih­nen Com­pu­ter, In­ter­net oder Mo­bil­te­le­fo­ne ge­bracht ha­ben. Aber "plötz­lich" ge­gen Imp­fun­gen sein, die For­schung in­fra­ge stel­len, die ana­ly­siert hat, wie der Raub­bau an den Res­sour­cen und die Um­welt­ver­schmut­zung un­ser Kli­ma und jeg­li­che Di­ver­si­tät in Flo­ra und Fau­na an­grei­fen, das ist eben­so un­lo­gisch wie in­kon­se­quent!

Das Gros die­ser Leu­te scheint mir indes „nur“ ir­ra­tio­nal und un­ge­bil­det zu sein. (Die Lea­der sind es meis­tens nicht; vie­le sind hoch­ge­bil­det und schla­gen aus der Volks­ver­füh­rung Macht und Ka­pi­tal.)

Auch im Wes­ten des Lan­des hat diese „Par­tei“ im­mer mehr Zu­lauf, da­run­ter ne­ben den Be­nach­tei­lig­ten vor al­lem je­ne, die Angst ha­ben, ih­re Mit­tel­klas­se­vor­tei­le zu ver­lie­ren.

Das wiegt an­ge­sichts der vie­len Bau­stel­len, die die­ses Land hat, schwer: Ex­plo­si­on der Prei­se für Woh­nen (vor al­lem Mie­ten. Ei­gen­tum lässt sich nicht mehr oh­ne ein Er­be er­wer­ben, Mo­der­ni­sie­rung hat sich eben­falls über­pro­por­tio­nal ver­teu­ert), Le­bens­hal­tungs­kos­ten (Energie, Le­bens­mit­tel, Fern­ver­kehr), Le­bens­hal­tung im Al­ter, vor al­lem Pfle­ge­kos­ten, Büro­kra­tie­auf­wuchs, Sta­gna­ti­on der Mo­der­ni­sie­rung der Bil­dungs­kon­zep­te bei gleich­zei­ti­gem Ver­fall der Ge­bäu­de, oft mit blo­ßem Au­ge er­kenn­ba­res Zer­brö­seln der öf­fent­li­chen In­fra­struk­tur, ich nen­ne stell­ver­tre­tend nur die Bahn, Sta­gna­ti­on der De­mo­kra­tie, die längst an­ge­passt wer­den müss­te, Rück­stand im Be­reich Di­gi­ta­li­sie­rung, was mit der Glas­fa­ser los­geht, die vie­le Ge­gen­den bis heu­te nicht er­reicht, Ener­gie, Mikroplastik in Böden, Luft, Wasser, Nicht-Nach­hal­tig­keit der in­dus­triel­len Land­wirt­schaft (Raub­bau an den Bö­den), zu­neh­men­de Kon­zen­tra­ti­on von Fir­men in den Hän­den we­ni­ger, wach­sen­de Un­gleich­ver­tei­lung des Volks­ver­mö­gens ... (Lis­te un­voll­stän­dig).

Und dann gibt es noch ei­nen As­pekt, der mich un­ver­än­dert ir­ri­tiert. Wir er­le­ben seit Jah­ren, dass die Po­li­tik der "kon­ser­va­ti­ven" Par­tei­en mas­siv da­zu bei­trägt, un­se­re Le­bens­grund­la­gen zu zer­stö­ren. Ich ha­be hier wie­der­holt dar­über ge­schrie­ben. Mit Le­bens­grund­la­gen mei­ne ich un­seren schö­nen Hei­mat­pla­ne­ten und, in der Spra­che der Kir­che, sämt­li­che Mit­ge­schöp­fe, von Pflan­zen über den Springs­chwanz und der As­sel im Kom­post­hau­fen bis hin zum Ele­fan­ten und Eis­bä­ren in für uns ent­le­ge­nen Re­gio­nen und so vie­len an­de­ren Wun­dern, de­ren Teil wir sein dür­fen.

Das Wort „kon­ser­va­tiv“ reimt sich oft mit „christ­lich“, was his­to­risch ge­wach­sen ist.

Fast die Hälf­te der Be­völ­ke­rung in der EU be­zeich­net sich selbst als be­ken­nend christ­lich (ka­tho­lisch oder pro­tes­tan­tisch). Mi­nis­ter und Re­gie­rungs­chefs hal­ten nicht sel­ten die Hand auf die Bi­bel, wenn sie ver­ei­digt wer­den, und sa­gen et­was in der Art wie „So wahr mir Gott hel­fe!“ ... Wie konn­te es so weit kom­men, dass sich Par­tei­en mit ei­nem christ­li­chen Selbst­ver­ständ­nis so weit ent­fernt ha­ben von Grund­fes­ten die­ses Glau­bens, als da wä­ren Nächs­ten- und Frem­den­lie­be, Für­sor­ge, So­li­da­ri­tät und Ver­söh­nung?

Wo fin­den sich die­se Wer­te der­zeit in der So­zi­al­po­li­tik, in den Be­rei­chen Mi­gra­ti­on und Asyl wie­der? In Sonn­tags­re­den ist viel vom Schutz der Fa­mi­lie und der Frei­heit, von Re­spekt und Ver­ant­wor­tung für an­de­re die Re­de.

Al­lein: In der Po­li­tik se­he ich das nicht. Wie wä­re es mal, wenn die ech­ten Chris­tin­nen und Chris­ten bei ih­ren Ver­tre­ter:in­nen stär­ker das ein­for­dern wür­den, was ih­ren Glau­ben zen­tral aus­zeich­net?

Das wür­de na­tür­lich auch be­deu­ten, auf die „Aus­ge­mus­ter­ten“ zu­zu­ge­hen (was Zeit und Geld kos­tet)! Kon­se­quen­tes de­mo­kra­ti­sches Han­deln, von den Has­sern, Lü­gen­ba­ro­nin­nen und Ein­peit­schern den Wind aus den Se­geln neh­men.

Das war’s, mein heu­ti­ges Wort zum Sonn­tag!

(*) blü­me­rant, kommt von bleu mourant, wört­lich „ster­ben­des Blau“, al­so blass­blaue Far­be wie das Ge­sicht von Men­schen, die kurz da­vor sind, in Ohn­macht zu fal­len. Um­gangs­sprach­lich be­deu­tet der Aus­druck, dass es ei­nem schwin­de­lig oder spei­übel ist.

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Foto: C.E.

Sonntag, 14. September 2025

Heiße Luft

Gu­ten Tag! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne E­li­as, und ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin Deutsch–Fran­zö­sisch und aus dem Eng­li­schen. Ob in der Wirt­schaft, Kul­tur oder Po­li­tik, ich sor­ge für ver­läss­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on. Hier im Blog gibt’s seit 2007 kur­ze Ein­bli­cke in mei­ne Ar­beit. Sonn­tags­bil­der!

Der Herbst droht und mit ihm der Laub­blä­ser. Wer den er­fun­den hat, mö­ge in der Höl­le schmo­ren, sag­te mal ei­ne Kol­le­gin. Ganz so hart se­he ich das nicht, aber fast. Der Mo­ped­mo­to­ren­in­dus­trie fiel auf, dass die Young­sters kei­ne mo­to­ri­sier­ten Klein­zwei­rä­der mehr nut­zen, al­so war ein neu­er Markt nö­tig. Und jetzt har­ken und fe­gen sie nicht mehr, son­dern pus­ten, bla­sen und ver­schie­ben sie aus ih­rem Sicht­feld.

Weil einst zum Har­ken und Fe­gen noch das Ent­sor­gen ge­zählt hat, zum Bei­spiel das Auf­fe­gen von Kip­pen, die Sa­che heu­te aber ul­tra­be­quem sein muss, schub­sen die Sau­ber­männ­er und -frau­en von heu­te die Kip­pen in den Gul­ly, ver­la­gern und ver­grö­ßern da­mit die Pro­ble­me.

Statt dunk­lem Hin­ter­hof ...
Bei uns passiert das direkt in der Nach­bar­schaft. Ich fra­ge mich im­mer, was das die Leute vom Ord­nungs­amt ei­gent­lich be­ruf­lich so ma­chen. Ver­mut­lich ha­ken sie das un­ter Kol­la­te­ral­schä­den ab. Schlim­mer noch, mit öf­fent­li­chen Gel­dern wer­den ja ohnehin ständig "Na­tur­auf­räu­mer" mit ih­ren Ge­blä­sen in die Parks und auf die Stra­ßen ge­schickt.

In den Pri­vat­gär­ten wird es auch im­mer ab­sur­der: Die Laub­blä­ser und -sau­ger zer­rei­ßen hier sonn­täg­li­che Stil­le, dort ko­kelt ein Laub­feu­er.
Ab­fa­ckeln ist nicht bes­ser als die Ar­beit mit hei­ßer Luft. Der ver­meint­li­che zi­vi­li­sa­to­ri­sche Fort­schritt er­weist sich als mil­lio­nen­fa­cher Öko­zid im Klei­nen.

Vom dunk­len Hof mit sei­nen ka­put­ten Bäu­men gibt es lei­der kei­ne Fo­tos mehr. Bei uns im Ber­li­ner Hof­gar­ten lan­det al­les im Kom­post, oder es ver­rot­tet zwi­schen den Pflan­zen. Der Gier­sch wur­de da­mit auch ver­trie­ben. Wir kom­men oh­ne jeg­li­chen Kunst­dün­ger aus.

Kübelgarten mit diversen Gartenmöbeln
... schö­nes Gar­ten­fee­ling!
Die Na­tur hat sich was bei den Kreis­läu­fen 'ge­dacht', de­ren Teil ja auch wir sind. Igel, Bie­nen, Schmet­ter­lin­ge, Glüh­würm­chen und an­de­re Kleinst­le­be­we­sen ha­ben im "Gar­ten­müll" ih­re Be­hau­sung, ih­re Win­ter­schlaf­plät­ze, und man­ches Klein­ge­tier ist künf­ti­ge Nah­rungs­quel­le für Vö­gel. So ist es auch mit vie­len ver­blüh­ten Pflan­zen, die bis ins Früh­jahr ste­hen­blei­ben soll­ten.

Wich­tig ist nur, be­fal­le­nes Kas­ta­ni­en­laub der Müll­ent­sor­gung zu über­ge­ben; was die Mi­nier­mot­te an­rich­tet, führt je­des Jahr schon im Au­gust zu den ers­ten Herbst­laub­far­ben. Auch bei Wal­nuss­laub ist Vor­sicht ge­bo­ten we­gen der in ihm ent­hal­te­nen Gerb­stof­fe.

Es ist im­mer schlimm, die "aus­ge­räum­ten", ul­tra"saub­e­ren" Grund­stü­cke in man­chen Sied­lun­gen zu se­hen. (Was nur noch von Stein­gär­ten ge­toppt wird.) Für vie­le scheint die Na­tur nicht ein­fach nur un­ord­ent­lich aus­zu­se­hen, sie wird re­gel­recht be­kämpft. Wir müs­sen wie­der ver­mit­teln, dass es nur Sinn macht, mit der Na­tur zu ar­bei­ten statt ge­gen sie.

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Fo­tos: C.E.

Sonntag, 31. August 2025

Die Holzbiene

Den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­scherin fin­den Sie auf die­sen Sei­ten skiz­ziert. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Am Wo­chen­ende wer­de ich pri­vat.

Am Wo­chen­en­de im Gar­ten zu sit­zen, mit Frucht­säf­ten, Nüs­sen und Tee, den Frie­den ge­nie­ßen, die Son­ne, ei­ner ge­frä­ßi­gen Lar­ve zu­zu­schau­en, Na­tur pur! Dann ha­be ich zum ers­ten Mal in mei­nem Le­ben be­wusst ei­ne Holz­biene ge­se­hen.

An sol­chen Ta­gen füh­le ich mich mei­nen Vor­fah­ren sehr, sehr nah, von de­nen die meis­ten Gär­ten und gleich zwei grü­ne Dau­men hat­ten. Mir stecken Gär­ten und Bö­den ge­wis­ser­ma­ßen im Blut!

Mein Ur­groß­va­ter müt­ter­li­cher­seits war so­gar Groß­bau­er mit Gut bei Kö­nigs­berg. Ost­el­bien! Das The­ma Ost­preu­ßen ist zum Glück end­lich wieder ein The­ma, aus der re­van­chis­ti­schen Ecke be­freit! Die groß­vä­ter­li­che Li­nie stamm­te „sehr einst“ aus den Nie­der­lan­den, ver­arm­te Ju­den, und hat sich ver­geb­lich be­müht, durch krie­ge­ri­sche Tapfer­keit dau­er­haft in den Adels­stand zu ge­lan­gen. Tra­gisch.

Bei den Bil­dern habe ich ein klei­nes biss­chen ge­schum­melt und zwei Fo­tos ei­ner an­de­ren Se­rie ent­nom­men. Oder war's am En­de nur eins? Wer sieht's?

Blumen, Blumen, Holzbiene, Himmel à la Watteau, Larve
 Der Himmel à la Watteau ist echt

Und dem­nächst ha­ben wir ei­ge­nen Brenn­nes­sel­tee und -sa­men in der Kü­che! Dan­ke, lie­be P.!

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Fo­tos: C.E.

Sonntag, 20. Juli 2025

Sonntagsfreuden

Bon­jour, hel­lo & gu­ten Tag! Hier bloggt seit fast 20 Jah­ren eine Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin. Dol­met­schen gilt als ei­ner der stres­sigs­ten Be­ru­fe der Welt, ir­gend­wo zwi­schen Pi­lo­tin bei Start und Lan­dung und Flug­lot­se. Wir hö­ren die­se Aus­sa­ge im­mer wie­der, manch­mal sa­gen wir es selbst, ob­wohl nie­mand je ei­ne se­riö­se Quel­le da­für ge­se­hen hat.

Da­rum sind Ru­he­ta­ge un­ver­zicht­bar. Sonn­tags ins „Jrü­ne“, auf den Aben­teu­er­spiel­platz oder aufs Land zum See oder in den Zoo. Bal­kon, Kaf­fee, Obst, Mu­se­um, Thea­ter. Sehr wich­tig da­bei im­mer auch: gu­tes Es­sen, sehr gu­tes Es­sen.

Frauen mit Kindern im Waldzoo
Im Wald­zoo




Bei uns ste­hen bun­te Sa­la­te hoch im Kurs, und zwar mit Bio­zu­ta­ten aus der Re­gi­on vom Markt­stand oder dem ge­nos­sen­schaft­li­chen Le­bens­mit­tel­la­den.

Der Ren­ner ist ein Mix aus Pflück­sa­lat, Lö­wen­zahn, Ru­co­la, Brenn­nes­seln, ge­ras­pel­ter Ka­rot­te, To­ma­ten, Oli­ven, Kräu­tern, ei­nem biss­chen fein­ge­hack­ter Zwie­bel und was sonst so im Hau­se ist.

Die Vi­nai­gret­te da­zu ist auf Lein­öl­ba­sis, eher nicht we­gen des Ge­schmacks, son­dern der Ome­ga-3-Fett­säu­ren we­gen. Da das Öl man­chen muf­fig vor­kommt, kom­bi­nie­re ich es mit Him­beer­es­sig, der schon bei Ge­mü­se­sup­pen ei­ne tra­gen­de Rol­le spielt. Da­zu Kräu­ter­salz (auf Stein­salz­ba­sis), ei­ne Spur Mus­kat, frisch ge­mahl­ener Pfef­fer und ei­ne Mes­ser­spit­ze un­ge­zu­cker­ten Senf oder Senf­sa­men aus dem Mör­ser. Dann mä­keln auch Oma und die Kin­der nicht.

Da­zu ser­vie­re auf­ge­back­enes Rog­gen­brot und Au­ber­gi­nen­pas­te aus dem Ofen. Kin­der zie­hen To­ma­te-Par­me­san-Pas­te vor. Ich selbst es­se we­nig Brot, viel­leicht drei Schei­ben in der Wo­che, wes­halb ich im­mer ei­nen Teil des Laibs scheib­chen­wei­se ein­frie­re (mit Pa­pier ge­trennt).

Kü­chen­tipp am Ran­de: Ka­rot­ten las­sen sich ras­peln oder mit dem ent­spre­chen­den Werk­zeug in Spi­ra­len schnei­den, ich aber ich nut­ze ger­ne den Kä­se­ho­bel, ein be­son­ders hoch­wer­ti­ges Mo­dell, das wun­der­bar scharf bleibt. Für mich ei­ne güns­ti­ge Al­ter­na­tive zur (un­be­zahl­ba­ren) Voll­me­tall-Ge­mü­se­man­do­li­ne. Auch Fen­chel und Gur­ke las­sen sich da­mit gut ver­ar­bei­ten.

Mein Man­tra bleibt: Selbst­für­sor­ge ist nie falsch, ge­ra­de in un­ru­hi­gen Zei­ten, in Wo­chen vol­ler po­li­ti­scher Un­ru­he und Sor­gen.

Heu­te ist der 20. Ju­li, über­all Ge­den­ken an den Wi­der­stand der Of­fi­zie­re ge­gen Hit­ler; in die­sen Mo­na­ten wird in Deutsch­land ei­ne fa­schis­tische Par­tei im­mer stär­ker, und es ist nicht ab­zu­se­hen, wann end­lich ein Ver­bots­ver­fah­ren ge­gen sie ein­ge­lei­tet wird.

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Fo­tos: Ar­chiv Eli­as Los­sow

Sonntag, 29. Juni 2025

Echter Konservatismus ist progressiv

Bon­jour, hello & gu­ten Tag! Hier le­sen Sie in Be­rich­ten aus dem Le­ben von Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zer, Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher. Ich bin Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und ar­bei­te auch mit Eng­lisch (das Id­i­om Shake­spea­res nur als Aus­gangs­spra­che). Sonn­tags werde ich pri­vat, aber mei­ne Ge­dan­ken sind das heu­te gar nicht.

PRES­SE­LEK­TÜ­RE am Sonn­tag. Der Vize­kanz­ler fällt beim Par­tei­tag in der Zu­stim­mung der ei­ge­nen Par­tei zu­rück. Eines sei­ner Wahl­ver­spre­chen — der Min­dest­lohn von 15 € — bleibt bis­lang un­er­füllt. Es wirkt, als set­ze sich in der Ko­a­li­tion vor al­lem die stär­ke­re Kraft durch. Klei­ne und mit­tle­re Ein­kom­men ge­ra­ten aus dem Blick. Doch bräuch­ten wir jetzt eine Po­li­tik, die brei­ten Rück­halt fin­det, über al­le La­ger hin­weg.

Buchstaben auf Wand: misanfobia
Gesehen in Berlin
Gleich­zei­tig wird an­ge­kün­digt, dass Ge­flüch­te­te mit sub­si­di­ä­rem Schutz­sta­tus zwei Jah­re lang kei­ne An­ge­hö­ri­gen nach­ho­len dür­fen. Das trifft über­wie­gend Frau­en und Kin­der. Es fällt schwer, die­sen Schritt mit christ­li­chen oder hu­ma­ni­tä­ren Wer­ten zu ver­ein­ba­ren.

Im Land sinkt die all­ge­mei­ne Le­bens­zu­frie­den­heit, das zei­gen Um­fra­gen.

Ver­spro­chen wur­den mit der Glo­ba­li­sie­rung stei­gen­de Ein­kom­men für al­le. Die In­fla­ti­on je­doch zehrt sie auf. Die Le­bens­mit­tel­prei­se sind seit Be­ginn des Kriegs in der Uk­rai­ne um fast 50 % ge­stie­gen, die Mie­ten im letz­ten Jahr­zehnt gar um mehr als 100 %. Die Zahl der Men­schen, die zur Ta­fel ge­hen, steigt ste­tig.

(Aus mei­ner Sicht, ich bin in den 1970ern auf­ge­wach­sen, war die so­zia­le Un­gleich­heit da­mals weit we­ni­ger spür­bar. Die „Ta­feln“ heu­te er­in­nern mich an Al­mo­sen­ver­tei­lung. Die Ver­sor­gung der Schwäch­sten ge­hört in staat­li­che Ver­ant­wor­tung.)

1989 ZER­BRACH der Ost­block. Im Wes­ten hieß das Ge­gen­mo­dell „so­zia­le Markt­wirt­schaft“. Da­mals war es selbst­ver­ständ­lich, den Un­ter­schied zur DDR sicht­bar zu ma­chen, nicht nur durch Wor­te, son­dern durch kon­k­re­te Po­li­tik. Heu­te wirkt vie­les da­von ver­ges­sen. Der so­zia­le Woh­nungs­bau wur­de zu­rück­ge­fah­ren, öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel ver­nach­läs­sigt, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen dif­fe­ren­zie­ren stär­ker denn je.

Für Kin­der hängt der Bil­dungs­er­folg von Her­kunft und Geld­beu­tel der El­tern ab, und das so stark wie sonst in kaum ei­nem ent­wic­kel­ten Land (Quel­le: OECD). Die Ideen von Chan­cen­gleich­heit und Auf­stiegs­ver­spre­chen sind Ge­schich­te.

Die Glo­ba­li­sie­rung brach­te güns­ti­ge En­er­gie und güns­ti­ge Wa­ren, aber nur auf den ers­ten Blick, weil wir die Fol­ge­kos­ten aus­klam­mern. Zug­leich sind die öko­lo­gi­schen Be­las­tun­gen un­über­seh­bar ge­wor­den. Das Wis­sen dar­über war längst vor­han­den, es wur­de nur sel­ten nach­ge­fragt.

Heu­te ist En­er­gie teu­er, die Schä­den an der Na­tur be­tref­fen uns al­le. Trotz­dem wird noch im­mer ge­gen ei­nen Wan­del an­ge­ar­bei­tet. Tei­le der Pres­se spie­len da­bei eine frag­wür­di­ge Rol­le, zu groß ist der Ein­fluss be­stimm­ter In­ter­es­sen­grup­pen. Der Jour­na­lis­mus wur­de in den letz­ten Jahr­zehn­ten aus­ge­höhlt: We­ni­ger Zeit, we­ni­ger Re­cher­che, we­ni­ger Un­ab­hän­gig­keit. Und in den so­zia­len Me­di­en lässt sich Mei­nung leicht ma­ni­pu­lie­ren ... durch Kam­pag­nen, Bots und ge­ziel­te Stim­mungs­ma­che.

ICH BIN DANK­BAR. Durch den Be­rufs­wech­sel ha­be ich mehr Zeit zum Ein­le­sen. Auf mei­nen Rei­sen als Dol­met­sche­rin durf­te ich Dör­fer se­hen, in de­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger selbst ak­tiv ge­wor­den sind. En­er­gie­pro­jek­te, die Wind- oder Bio­gas­an­la­gen be­trei­ben, Pho­to­vol­ta­ik fast über­all, so­gar auf Bus­war­te­häus­chen. Der Strom ver­sorgt die Nach­bar­stadt mit. Neue Ar­beits­plät­ze ent­ste­hen, die Raif­fei­sen­stütz­punk­te blei­ben er­hal­ten. Ein Stück re­gio­na­le Iden­ti­tät kehrt zu­rück, et­wa durch Saat­gut­in­i­ti­a­ti­ven.

In einem Ort konn­te durch die Ein­nah­men aus Bür­ger­en­er­gie das Kul­tur­haus sa­niert wer­den, nam­haf­te Künst­ler gas­tie­ren dort. Ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de wur­de zur Dienst­woh­nung für ein Ärz­te­paar, das die ver­wais­te Pra­xis über­nahm. Men­schen zo­gen zu, dar­un­ter Fa­mi­lien und Äl­te­re. Seit der Pan­de­mie ist Ho­me­of­fice für vie­le All­tag. Die Dorf­kul­tur blüht wie­der auf, Schu­le, Feu­er­wehr, Fuß­ball­ver­ein; so­gar ei­ne Markt­gär­tnerei und ei­nen ge­nos­sen­schaft­lich be­trie­be­nen Dorf­la­den gibt es nun. Ein pen­deln­der Bä­cke­rei­an­ge­stell­ter nutzt sams­tags das his­to­ri­sche Back­haus für ech­tes Land­brot.

ER­FOLGS­GE­SCHICH­TEN sind kein Zu­fall. Die Tech­nik für de­zen­tra­le En­er­gie­ver­sor­gung schreitet vor­an. Auf Um­welt­mes­sen se­he ich re­gel­mä­ßig Neu­e­run­gen, z. B. klei­ne, leis­tungs­star­ke Wind­tur­bi­nen in Form von Dach­rei­tern auf Pri­vat­häu­sern. Der Markt ent­wi­ckelt sich ra­sant, dort, wo er ge­las­sen wird.

An­de­re Bran­chen ver­lie­ren an Be­deu­tung: in­dus­tri­el­le Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on, in­ter­natio­nale Saat­gut­kon­zer­ne, die fos­sile En­er­gie­branche. In ei­nem Dorf wer­den Land­ma­schi­nen und in­zwi­schen auch Au­tos ge­mein­schaft­lich ver­wal­tet. Nie­mand ver­teu­felt dort die Er­rung­en­schaf­ten der Mo­der­ne. Sie wer­den nur an­ders ge­nutzt.

Die­se Dör­fer zei­gen: At­trak­tive Ge­mein­den ent­ste­hen nicht zu­fäl­lig. Sie sind das Er­geb­nis kla­rer Ent­schei­dun­gen. Und oft steckt bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment da­hin­ter. Ich möch­te man­cher staat­li­chen Stel­le Dan­ke sagen, denn durch meine Dol­met­sch­ar­beit auf Rei­sen wurden mir in letz­ten Jah­ren viele Per­spek­tiven er­öff­net.

Der Ent­zug von An­schub­sub­ven­tio­nen oder so­gar neue Steu­ern auf nach­hal­tige En­er­gien dro­hen der­zeit al­ler­dings den neu­en Tech­no­lo­gien den Ga­raus zu ma­chen. Un­ver­ständ­lich bis heu­te: wie ei­ne Par­tei, die sich kon­ser­va­tiv nennt, so die deut­sche So­lar­in­dus­trie zer­stört hat.

ZU­RÜCK IN DIE GROSS­STADT. Als Lern­hel­fe­rin für Ju­gend­li­che mit an­de­rer Fa­mi­lien­sprache als Deutsch er­le­be ich, wo Struk­tu­ren feh­len: ru­hi­ge Lern­or­te, Frei­zeit­an­ge­bo­te, Räu­me für Ent­wick­lung. Die Idee: Bei Schul­neu- und Um­bauten ei­nen zwei­ten Ein­gang schaf­fen zur Schü­ler­bü­che­rei, Kü­che, Grup­pen­räu­men, of­fen auch in den Fe­ri­en, be­treut von So­zi­al- und Kul­tur­ar­bei­ter:in­nen.

Der­zeit se­hen wir das Ge­gen­teil: in Ber­lin wur­den hier fürs näch­ste Schul­jahr für die­se Ar­beit Gel­der ge­stri­chen. Man­ches Hort­team wird in­zwi­schen eh­ren­amt­lich ak­tiv, um Kin­dern zu hel­fen, die in den Fe­ri­en in Ber­lin blei­ben. Dabei ist die staat­li­che Fi­nan­zie­rung von Fe­ri­en­la­gern wich­tig. (In man­chem Bun­des­land sind hier mut­maß­lich ver­fas­sungs­feind­li­che Grup­pie­run­gen ak­tiv.)

Je­des fünf­te Kind in Deutsch­land lebt un­ter­halb oder an der Ar­muts­gren­ze, so die Bertels­mann-Stif­tung. Rund 3,3 Mil­lio­nen Be­rufs­tä­tige brau­chen laut Bun­des­an­stalt für Ar­beit zu­sätz­lich Bür­ger­geld. Die Miet­be­las­tung steigt, Zu­schüs­se sind ge­deck­elt. Man­che El­tern ver­zich­ten still­schwei­gend auf Mahl­zei­ten, da­mit die Kin­der ein sta­bi­les Um­feld be­hal­ten. An Kin­dern, an der Bil­dung zu spa­ren, halte ich für ein Ver­bre­chen. Wir brau­chen je­des Ta­lent. Sie sind un­ser ein­zi­ger Roh­stoff.

DEUTSCH­LAND ist ein rei­ches Land. Um­so mehr for­dern in­zwi­schen auch Men­schen aus bür­ger­li­chen, kirch­lich oder hu­ma­nis­tisch ge­präg­ten Mi­lieus deut­li­che Ver­än­de­run­gen. Der Ein­fluss ex­trem Ver­mö­gen­der muss ein­ge­hegt wer­den. Ihr über­mä­ßi­ger CO₂-Aus­stoß, ihr Zu­griff auf po­li­tische Ent­schei­dungs­pro­zes­se be­schä­digt De­mo­kra­tien, sie­he USA. Jüngs­tes Sym­bol: die pri­va­te Fei­er eines der Tech-Mil­liar­dä­re, die halb Ve­ne­dig ta­ge­lang lahm­legt.

Auch in Deutsch­land braucht es stär­ke­re de­mo­kra­tische Kon­trol­le. Haus­halts­gel­der wie der KTF, ur­sprüng­lich zur För­de­rung von Kli­ma­schutz und In­fra­struk­tur vor­ge­se­hen, dür­fen nicht um­ge­lenkt wer­den, schon gar nicht ein­sei­tig zu­guns­ten je­ner, die oh­ne­hin über Res­sour­cen ver­fü­gen. Wer Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2045 tor­pe­diert, ver­stößt ge­gen das Grund­ge­setz. Auch wer das So­zia­le aus­klam­mert, al­so den we­ni­ger Be­gü­ter­ten Un­ter­stüt­zung ver­wei­gert, ver­fehlt das Ziel.

Der Be­griff kon­ser­va­tiv stammt vom la­tei­ni­schen con­ser­va­re ab, be­wah­ren, er­hal­ten, be­hü­ten. Ur­sprüng­lich ging es um das Fest­hal­ten an dem, was sich be­währt hat, nicht um blin­de Ab­leh­nung des Neu­en. Ech­ter Kon­ser­va­tis­mus schützt Grund­la­gen, er­mög­licht Wei­ter­ga­be und Zu­kunft, nicht Still­stand. Ihm ge­gen­über steht das Dis­rup­tive, vom la­tei­ni­schen dis­rum­pe­re, „zer­rei­ßen, zer­schla­gen“, also das Auf­bre­chen be­ste­hen­der Struk­tu­ren, oft oh­ne Rück­sicht auf Ver­lus­te.
Doch wer heu­te wirk­lich be­wah­ren will, muss sich dem Wan­del stel­len. Wer an über­kom­me­nen Struk­tu­ren fest­hält und Fort­schritt ver­hin­dert, ver­rät den kon­ser­va­tiven Geist. Zu­kunfts­si­che­rung ist das neue Be­wah­ren.

EDIT. Kaum war der Bei­trag fer­tig, kam die­se Mel­dung: Für den Kli­ma­so­zi­al­plan kann Deutsch­land 5,3 Mil­li­ar­den Euro EU-Zu­schüs­se be­an­tra­gen, er­gänzt durch na­tür­lich er­for­der­li­che Bun­des­mit­tel. Der An­trag muss bis zum 30. Juni 2025 bei der EU-Kom­mis­sion ein­ge­hen. Bis­lang liegt kei­ne Ei­ni­gung auf kon­k­re­te Ent­las­tun­gen der Bür­ger:­in­nen vor, für die die Mit­tel ein­ge­setzt wer­den könn­ten. Oh­ne Ein­rei­chung ver­fal­len die Zu­schüs­se.

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Foto: C.E.

Sonntag, 22. Juni 2025

Mal wieder: Garten

Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Deutsch, Fran­zö­sisch (und Eng­lisch) mit Sitz in Ber­lin, ich über­setze auch. Seit über zwan­zig Jah­ren über­tra­ge ich die Wor­te von in­ter­natio­nalen Pro­fis aus For­schung, Po­li­tik und Wirt­schaft, oft zum The­ma Kli­ma­po­li­tik. Ich höre zu­erst, was an­de­re spä­ter nur zu­sam­men­ge­fasst le­sen. Und ich fra­ge mich: War­um han­deln wir nicht? Die Fak­ten sind ein­deu­tig.

Un­ser Hof­gar­ten ist eine klei­ne Idyl­le und ein Bio­top. Neu­lich blieb mir al­ler­dings das Herz fast ste­hen, als ei­ne Mit­gärt­ne­rin mit der Schau­fel im Kom­post rum­ge­hackt hat, um das Ma­te­ri­al ein we­nig run­ter­zu­drü­cken. Wir kom­pos­tie­ren, an die Groß­stadt an­ge­passt, auf we­nig Platz mit nur ei­nem Hau­fen nach dem Wald­kom­post­prin­zip, das ich von mei­nem Va­ter ge­lernt ha­be. Es la­gert im­mer ein we­nig Tot­holz an der Sei­te, da­mit et­was zur Hand ist, sonst ha­ben wir ei­nen Qua­drat­me­ter Kom­post, that's it. Un­ten ent­neh­men wir gu­te Er­de als Kom­post­be­schleu­ni­ger und fürs Gärt­nern, oben wird drauf­ge­packt, ir­gend­wann rutscht es.

Es rutscht lang­sa­mer, weil wir eben das zu Stü­cken von zehn bis zwan­zig Zen­ti­me­ter klein­ge­mach­te Holz rein­tun, das Luft und an­de­re Or­ga­nis­men ein­bringt. Ich hat­te vor bald zwan­zig Jah­ren da­mit an­ge­fan­gen, ei­nen Kom­post auf­zu­bau­en, da­mit die Um­ge­stal­tung des Hofs in ei­nen Gar­ten be­gon­nen. Aber ich „häck­se­le“ mit der Schau­fel üb­li­cher­wei­se NE­BEN dem Kom­post, nicht IN dem Hau­fen.

Durch mei­ne Ar­beit, Rei­se­ein­sät­ze, An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge und mei­ne ei­ge­ne Zeit mit Long Covid, muss­te ich los­las­sen und die Ver­ant­wor­tung über­ge­ben. Ich schau­e re­gel­mä­ßig, ob al­les gut läuft, er­gän­ze, mi­sche ein we­nig durch, im­mer vor­sich­tig. Ich will ja kei­ne tie­ri­schen Mit­be­woh­ner:in­nen ver­schre­cken.

Drei Phasen mit Zeitsprung (drei Jahre)

Das Er­geb­nis, un­ser Gärt­chen, ist auf je­den Fall über­zeu­gend. Im Ber­li­ner Hin­ter­hof wur­de neu­lich ein Hirsch­kä­fer ge­sich­tet, für die Grö­ße und die Ge­schich­te un­se­res nur we­nige Qua­drat­me­ter gro­ßen Pa­ra­die­ses ein klei­nes Wun­der. Als wir an­fin­gen, ha­ben wir viel Kriegs­schutt aus dem Beet raus­ge­sam­melt, Scher­ben von Fla­schen, Ka­chel­öfen, Tier­kno­chen.

Die Na­tur braucht je­den grü­nen Fle­cken. Ich wür­de mir wün­schen, dass das mehr Men­schen be­grei­fen ... und ak­tiv wer­den!

Ein Vier­tel der Vö­gel sind in den letz­ten zwan­zig Jah­ren „ver­schwun­den“, auch sel­te­ne Ar­ten. Über 50 % der ein­hei­mi­schen Bie­nen­ar­ten sind ak­tu­ell vom Aus­ster­ben be­droht. Wir ver­lie­ren nicht nur Be­stäu­ber, son­dern er­le­ben ge­ra­de li­ve, wie ei­ne gan­ze Tier­art ver­schwin­det.

Un­se­re Epo­che ist fort­ge­setzt de­sas­trös. Das in den Pa­ri­ser Kli­ma­ab­kom­men ge­setz­te 1,5-Grad-Ziel, auf das die glo­ba­le Er­wär­mung be­grenzt wer­den soll­te, ist längst ge­ris­sen.

Dort wur­de ein „Rest­bud­get“ be­nannt, aus dem ab­zu­le­sen ist, wie vie­le Treib­haus­ga­se die Mensch­heit noch aus­sto­ßen darf. Wenn wir so wei­ter­ma­chen, wird die­ses Li­mit welt­weit in et­wa drei Jah­ren über­schrit­ten sein. Hier in Deutsch­land sind wir wie­der mal Spit­ze. Wir ha­ben das ge­sam­te ver­blei­ben­de Rest­bud­get für 1,5 Grad be­reits im März 2024 auf­ge­braucht, so der Ex­per­ten­rat für Kli­ma­fra­gen.

Doch po­li­tische Kon­se­quen­zen ...? Fehl­an­zei­ge! Nicht ein­mal die ein­fachs­ten Din­ge wer­den um­ge­setzt, wie ein Tem­po­li­mit oder das Ver­bot von In­lands­flü­gen. Gas­hei­zun­gen wer­den wei­ter mun­ter ein­ge­baut, neue Gas­kraft­wer­ke ge­plant, Fleisch in Un­men­gen „pro­du­ziert“ (har­tes Wort für Le­be­we­sen) und kon­su­miert.

Auch ei­ne tief­grei­fen­de Bau­wen­de fehlt, bei der von Be­stands­bauten aus­zu­ge­hen wä­re. Hier lässt sich mit Steu­ern ... rich­tig!, ... so rich­tig viel steu­ern.

Das Haupt­pro­blem ak­tu­ell sind aber die Krie­ge, wo­mit wir wie­der beim The­ma von ges­tern wä­ren. Die ein­sa­men, un­at­trak­tiven Män­ner, die ih­re Exis­tenz nur da­durch zu spü­ren schei­nen, dass sie an­de­re ter­ro­ri­sie­ren, Krie­ge vom Zaun bre­chen, brand­schat­zen und mor­den, das wer­de ich nie ver­ste­hen. Denn auch die­se hat­ten Müt­ter, die sie ge­liebt ha­ben oder hät­ten lie­ben sol­len. Es ist zum Heu­len.

Die lang­fris­tigen Schä­den der Kli­ma­kri­se wer­den schlim­mer sein als die Krie­ge, die wir der­zeit er­le­ben.

So, ab in den Hofgar­ten mit mir, Ap­fel­bäum­chen pflan­zen.

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Fo­tos: C.E.

Sonntag, 18. Mai 2025

Form follows function, auch privat

Bon­jour und hal­lo! Hier bloggt seit 2007 ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin mit der Mut­ter­spra­che Deutsch über das Le­ben von Dol­met­schern und Dol­met­sche­rin­nen. Mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che ist Fran­zö­sisch. Sonn­tags bin ich hier gern pri­vat.

Hängeschränkchen mit Teedosen, Kochbüchern, Küchenwaage
Über der Sitz­bank
Drau­ßen sieht es zwi­schen­durch nach Früh­jahr aus, sonst ha­ben wir ge­ra­de "schö­ne iri­sche Som­mer­ta­ge", um 'nen Freund zu zi­tie­ren. Nicht, dass ich mich über Re­gen be­kla­gen wür­de, im Ge­gen­teil: Wir hat­ten bis­lang ein zu tro­cke­nes UND zu war­mes Früh­jahr. Aber kal­ten Wind und ei­ne Hu­sche al­le 20 Mi­nu­ten schät­ze ich an frei­en Ta­gen we­ni­ger. Ich lie­be Wo­chen, in de­nen es je­de Nacht ei­nen kräf­ti­gen Land­re­gen gibt, ger­ne in der zwei­ten Nacht­hälf­te, für die Nacht­schwä­rme­rin­nen un­ter uns.
Ber­lin­sonn­tag mit Kul­tur­ter­min und Über­le­gun­gen: Wir brau­chen ei­nen grö­ße­ren Kühl­schrank, was die ge­sam­te Kü­chen­pla­nung durch­ei­nan­der­wirft. 

Über mei­ne Kü­che den­ke ich nicht erst seit dem letz­ten Ein­satz bei ei­ner De­sign­mes­se nach. Ich hat­te schon beim Ein­zug die Ar­beits­flä­che so hoch­ge­setzt, dass zwei gro­ße Men­schen gut da­ran ar­bei­ten kön­nen und so Platz ge­schaf­fen für Spü­le UND Spül­ma­schi­ne di­rekt da­run­ter. Wir ko­chen hier frisch. Bis­lang hat der klei­ne un­ter­baufä­hi­ge Kühl­schrank aus­ge­reicht, der im Win­ter oft aus blieb, weil die Spei­se­kam­mer kühl ist. Die Woh­nung liegt um­ge­ben von Ki­nos, Ein­kaufs­lä­den und mit dem Wo­chen­markt vor der Haus­tür, Dorf­le­ben mit kur­zen We­gen. (Ich ha­be in al­len Groß­städ­ten so ge­lebt.)

Grundriss
Aktueller Planungsstand
Aber die Ar­beits- und Rei­se­rhyth­men än­dern sich. Al­so zeich­ne ich ein Wunsch­mö­bel, 100 cm hoch, 113 cm breit, und un­ter­brei­te es Hand­werks­be­trie­ben, schau­e mich pa­ral­lel kurz auch nach ei­nem al­ten Teil um (H: 100, B: 70, T: 61), an das et­was Schrä­ges an­ge­baut wer­den könn­te, denn an der Wand ist zwi­schen Tür­sturz und Wand nur 40 cm Spiel­raum und ein Rohr da­zu (im Plan li­la und ocker).
Un­ser Oze­an­damp­fer von Buf­fet darf wei­ter­zie­hen in ei­ne Fa­mi­lie, die es liebt und auf­ar­bei­tet. An sei­ne Stel­le kommt der neue Kühl­ot­to (im Plan dun­kel­blau).

50-er Jahre-Buffet
Der "Ozeandampfer"
Das Nach­den­ken war be­reits An­lass, um Koch­bü­cher aus­zu­sortie­ren. Es sind et­li­che üb­rig­ge­blie­ben. Aus man­chen ha­be ich noch Re­zep­te ab­fo­to­gra­fiert. Und der Ent­schluss steht fest, ei­ne Dunst­ab­zugs­hau­be ist oh­ne di­rek­ten Luft­aus­lass blöd, al­so kom­men die Topf­deckel über den Herd in ein um­ge­bau­tes Rack. Ich lie­be den hand­werk­li­chen Teil die­ses Nach­den­kens.

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Fo­to: C.E. 

Sonntag, 13. April 2025

Bücher und Natur

Seit 2007 be­schrei­be ich hier mei­nen sprach­be­ton­ten All­tag. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin, ar­bei­te mit der fran­zö­si­schen Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Sonn­tags wer­de ich manch­mal pri­vat.

Ro­sen­mond über Kreuz­berg
Ei­ne Bi­blio­thek ist der ein­zi­ge Ort, an dem man an ei­nem ein­zi­gen Tag et­was Neu­es ler­nen, ge­trös­tet, er­schreckt, be­geis­tert, trau­rig, über­glück­lich oder auf­ge­regt sein kann. Und das auch noch kos­ten­los.

(Amy Neftzger)

Als Buch­lieb­ha­be­rin tut mir die Auf­lö­sung un­se­res El­tern­hau­ses weh. Die El­tern wa­ren Ger­ma­nis­ten und His­to­ri­ker, sie hat­ten na­tür­lich ih­re Pri­vat­bi­blio­thek. Bü­cher sind wert­voll. Aber bei Ta­schen­bü­chern aus der Nach­kriegs­zeit mit ha­dern­hal­ti­gem Pa­pier, das in­zwi­schen bräun­lich ge­wor­den ist und mit ge­bro­che­nem Lum­back­rü­cken, ha­be ich ler­nen müs­sen, Bü­cher weg­zu­wer­fen, so­gar Ti­tel, die ich sehr ger­ne noch ge­le­sen hät­te.

Der ge­rin­ge Kon­trast zwi­schen Pa­pier und Buch­sta­ben ist nichts für mei­ne kurz­sich­ti­gen Äug­lein. Es tut mir im Her­zen weh, denn al­le an­ge­frag­ten An­ti­quar­in­nen und An­ti­qua­re ha­ben ab­ge­winkt. Es ist nicht ein­fach. Aber gu­te Aus­ga­ben le­gen wir bei­sei­te, mei­ne Bi­blio­thek wird wach­sen.

Am Abend und in der Mit­tags­pau­se geht's raus in die Na­tur. Das hilft. Und 7000 Schrit­te am Tag hel­fen auch!

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Fo­to: C.E.

Sonntag, 23. Februar 2025

Wahltag (II)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Über­setze­rin­nen tag­ein, tag­aus be­schäf­tigt, wie wir ar­bei­ten, na­tür­lich auch Dol­met­scher und Über­set­zer, kön­nen Sie hier mit­le­sen. Ich be­ob­ach­te von Be­rufs we­gen un­se­re Zeit sehr ge­nau, denn ich muss ja im­stan­de sein, alle mög­li­chen Men­schen "zu ver­to­nen".

Hand an der Urne
Wahltag ist Zahltag
Heute ist Wahl­tag in Deutsch­land. Es ist keine Wahl wie die an­de­ren zu­vor. In den let­zten Re­gio­nal­wah­len im Os­ten des Lan­des ha­ben die Rechts­ex­tre­men enor­me Zu­wäch­se er­lebt. Ich weiß, wie sie spre­chen, was sie schrei­ben. Als Dol­met­sche­rin habe ich mich, als ich für Jour­na­lis­ten aus Frank­reich tätig wurde, län­ger da­mit be­fasst.
Ich kenne den Ost­en gut. Ich weiß, mit wel­cher Ar­ro­ganz und Ver­ach­tung nach 1990 viele aus dem West­en dort­hin ge­gan­gen sind, um schnell Kar­riere und Geld zu ma­chen. Garan­tiert nicht alle, aber zu viele. Men­schen, die im West­en eta­bliert und in so­zia­le Ge­füge ein­ge­bun­den wa­ren, blie­ben meistens im West­en — auch sol­che, die ur­sprüng­lich aus dem Ost­en stamm­ten. Das weiß ich aus ers­ter Hand: Mein Va­ter, in Sach­sen ge­bo­ren und von dort ver­grault, be­kam für die letz­ten fünf bis zehn Be­rufs­jahre eine in­te­res­san­te Stel­le in Sach­sen an­ge­boten. Meine Ge­schwis­ter wa­ren da­mals Teen­ager.

Er hat­te schon ein­mal mit­er­lebt, was es macht, wenn Teen­ager aus ih­rem an­ge­stamm­ten Um­feld ge­ris­sen wer­den. Das wol­lte er nicht wie­der­ho­len.

Ich kürze ab. Eine Ge­ne­ra­ti­on spä­ter ge­hö­ren die meis­ten Lie­gen­schaf­ten in der ehe­ma­li­gen DDR West­lern. Das hat meh­re­re Grün­de. Der West­en kauf­te, Steu­er­spar­mo­del­le lock­ten, Geld war an­ge­spart, der gut­do­tier­te Job, der ei­nen Kre­dit er­mög­lich hat, vor­han­den. Die an­de­ren West­ler sind zwar dort so­zi­a­li­sier­te Men­schen, die aber man­gels Per­spek­ti­ve über die Jah­re den Ost­en ver­las­sen ha­ben. 
Da­mals ka­men viele west­li­che Un­ter­neh­mer in den Ost­en, ich kürze wei­ter ab, ver­meint­lich mit viel Geld und bes­ten Ver­bin­dun­gen, in­ves­tier­ten viel­leicht so­gar, schlimms­ten­falls nur in ei­ne "Pin­sel­sa­nie­rung", trenn­ten Firma und Pa­ten­te von Grund und Bo­den, ver­kauf­ten wei­ter. Das Wort as­set strip­ping habe ich da­mals ge­lernt. Der Ost­en war an Köp­fen so klein, dass er mit der zu­vor un­ge­nutz­ten Pro­duk­ti­vi­täts­mar­ge spie­lend mit­ver­sorgt wer­den konn­te.

Eine Zeit­lang wur­den Ar­beits­plät­ze "ge­si­chert", die Fol­ge­kos­ten trägt die All­ge­mein­heit bis heu­te. Ich ver­ein­fa­che. Aber die­ses Sche­ma wurde zu oft an­ge­wandt, als dass es nicht die Be­fin­d­lich­keit ge­prägt hät­te. Gu­te Pro­jek­te, Kauf und Über­nah­me durch die Be­legschaft, In­ves­ti­tio­nen in Neu­es, ech­ter Auf­bau Ost, wird vor dem Hin­ter­grund als Aus­nah­me wahr­ge­nom­men. Lei­der gibt es auch im West­en viele, die um ih­re so­zia­le La­ge, ih­ren klei­nen Wohl­stand und die (bit­ter nö­ti­gen) Re­for­men be­sorgt sind und be­fin­den: Es soll al­les wie­der so wer­den, wie es "früh­er" mal war.

Und al­so jetzt die "Ra­che" der klei­nen Leu­te, die mit dem Fuß auf­stamp­fen und je­nen ih­re Stim­me schen­ken, die ih­nen ein neu­es Selbst­be­wusst­sein ge­ben und gro­ße Ver­spre­chung­en ma­chen. Ich habe die Pros­pek­te selbst ge­se­hen – was da ge­druckt steht, wider­spricht zu 90 Pro­zent dem Par­tei­pro­gramm. (Wä­re künf­tig nicht auch hier an­zu­set­zen? Wahl­wer­bung muss mit dem Pro­gramm über­ei­nstim­men. Wahl­dis­kus­si­onen wer­den vor­auf­ge­zeich­net, die Fak­ten­check­er ma­chen sich so­fort an die Ar­beit und sen­den leicht zeit­ver­setzt mit Un­ter­ti­teln bzw. kur­zen Erklär­fil­men, die ein­ge­blen­det werden. Dann müs­sten sich alle Par­tei­en am Rie­men reißen.)

Dass weder die Ost­zeit noch die Wen­de­jah­re nicht gut auf­ge­ar­bei­tet wur­den, ist der Boom­e­rang, der uns heu­te ein­holt. Vie­le Ost-West­ler, In­tel­lek­tu­el­le und Psy­cho­lo­gen ha­ben ge­warnt. (Auch ich ha­be ver­sucht, mei­ne Er­fah­run­gen als WOs­si mit ein­zu­brin­gen. Aber wer glaubt in die­sem Land jen­seits von Fra­gen der Mo­de schon jun­gen Leu­ten?)

Be­find­lich­kei­ten spie­len ei­ne gro­ße Rol­le in Deutsch­land, au­ßer­dem Res­sen­ti­ments, die schwe­rer wie­gen als Fak­ten.

Politi­sche Bil­dung bei Er­wach­se­nen und bei Men­schen, die oh­ne gro­ße Be­rufs­per­spek­tiv­en in struk­tu­rell ver­nach­läs­s­ti­ge Ge­gen­den hin­ein­ge­bo­ren wur­den, ist schwer zu ma­chen, zumal die­se Leu­te auf­grund ih­rer Er­fah­rung im­mer gleich "In­do­k­trination" mut­ma­ßen, wenn man ih­nen an­de­re Per­spek­ti­ven auf­zeigt. Hier ging es von An­fang an um die oft lang nicht ge­mach­ten Er­fah­run­gen mit Men­schen aus an­de­ren Län­dern, was Fre­m­den­feind­lich­keit wach­sen ließ. (… be­son­ders ho­he Ab­leh­nungs­wer­te ha­ben Re­gio­nen, in de­nen fast nie­mand oder kei­ner zu­ge­zo­gen ist.) Die­ses Misstrauen ge­gen­über dem An­der­sein hat sich rasch aus­ge­wei­tet. Es fo­kus­siert sich in­zwi­schen auf an­de­re Welt­an­schau­un­gen oder Ori­en­tie­run­gen, auf ei­ne ge­wis­se Welt­läu­fig­keit, auf an­de­re Le­bens­wei­sen und Ein­flüs­se.

Aus Miss­trauen wur­de Angst, aus Angst Wut, aus Wut Hass. Das Gan­ze ist und bleibt mit ei­ner gro­ßen Por­tion Selbst­mit­leid grun­diert. Ge­füh­le sind leicht zu ma­ni­pu­lie­ren, und der ver­dräng­te kol­lek­ti­ve Min­der­wertig­keits­kom­plex wird um­ge­dreht und als spit­ze Pfei­le nach au­ßen gerichtet.

Dann sind plötz­lich Schick­sa­le "selbst ge­macht" und "ver­dient". In den USA hat sich, so schaut es in­zwi­schen aus, ein eben­falls emo­tions­ge­stör­ter, ver­ur­teil­ter Ma­fio­si mit IT-Un­ter­stüt­zung an die Macht ge­putscht. Er ak­zep­tiert die Ge­wal­tent­ei­lung zwar nicht, hat aber schon per Ge­setz vor­ge­sorgt, dass die USA-Wäh­ler­schaft so bald kein zwei­tes Mal an die Wahl­ur­nen ge­ru­fen wird. Und was höre ich von so ei­ner de­pri­vier­ten Ost­see­le? Sät­ze wie: "Da sind die Amis selbst dran schuld, hät­ten sie mal nicht Jahr­zehn­te­lang die Welt mit ih­rem Im­pe­ri­al­is­mus und ih­ren Krie­gen über­zo­gen." (Da scheint so­gar noch der ML-Un­ter­richt durch.)

Ähn­liche Kom­men­ta­re gibt es zur Ukrai­ne und zu Is­ra­el. De­tails er­s­pa­re ich uns jetzt hier.

Die Ki­ste ist ver­fah­ren. Mir ma­chen da in­zwi­schen auch bür­ger­li­che Po­litiker Angst, die selbst het­zen, denn wenn sie in die­ses Wut­horn bla­sen, ver­bar­ri­ka­die­ren sie aus Wahl­kal­kül für län­ger den Weg der emo­tio­na­len Auf­ar­bei­tung – die na­tür­lich auch mit kol­lek­ti­ven, ma­teri­ellen Ent­schei­dun­gen ver­bun­den sein muss. Milli­ar­dä­re tun de­mo­k­ra­ti­schen Ge­sell­schaf­ten nicht gut, auch zu ho­he Mi­lio­nen­ver­mö­gen sind schon kon­trapro­duk­tiv. Al­lein die Tat­sa­che, dass keine Sta­tis­tik mehr über die Rei­chen und Ul­tra­rei­chen ge­führt wird, seit un­ter Hel­mut Kohl die Ver­mö­gens­steu­er ab­ge­schafft wurde, ist mit de­mo­k­ra­ti­schen Grund­sät­zen nicht ver­einbar.

"Vom Te­ller­wä­scher zum Mil­lio­när" war mal ein ame­rika­ni­sches Ver­spre­chen, das dort auf­grund der schie­ren Be­völ­ke­rungs­grö­ße bei zün­den­den Ide­en manch­mal noch auf­geht ist. Bei uns, im klei­n­tei­ligen, kul­tur­di­ver­sen Eu­ro­pa, sieht es an­ders aus. Wir müs­sen bei uns an­fan­gen. Wir brau­chen ei­nen neu­en Ge­sell­schafts- und Ge­ne­ra­ti­ons­ver­trag. Un­klar, wann wir so weit sind.

Jetzt droht ers­t­mals ein ab­so­lu­tis­ti­scher Tech-Feu­da­lis­mus mit or­well­schen Kon­troll­me­ch­a­nis­men, ge­steu­ert aus Über­see.

Was der­zeit in den USA statt­fi­ndet sind so gra­vie­rend wie das deut­sche 1989. Da­mals ha­be ich al­les in ei­ner Art schlaf­wan­de­ri­schem Tau­mel er­lebt, da­bei mit ständi­ger Angst vor den let­zte­n Schlä­gen der Sta­si. Heute ist Wahl­tag. Mir sitzt ein Kloß im Hals. Un­gut für ei­ne Dol­met­sche­rin.

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Illustration: pixlr.com (Zufallsfund)

Sonntag, 22. Dezember 2024

Strickdesign aus Neukölln (LIM 1)

Bon­‍jour oder bon­soir auf den Sei­ten ei­‍ner Sprach­‍ar­bei­te­‍rin. In die­‍sem On­line­ta­‍ge­‍buch kön­‍nen Sie mit­‍le­‍sen, wie Dol­met­sche­rin­nen und Über­‍set­‍ze­‍rin­nen, Über­set­zer und Dol­met­scher ar­‍bei­‍ten. Sonn­‍tags wer­de ich pri­vat.

"Herstellung" (Pulswärmer und Fassaden in Spiegelung)
... in der Ma­nu­fak­tur vor Ort (mit Strick­ma­schi­ne)
Klei­ne Ge­schen­ke er­hal­ten die Freund­schaft oder er­freu­en die Mit­men­schen im Win­ter. Wer mich kennt, weiß, dass ich ver­ant­wor­tungs­be­wusst zu le­ben ver­su­che, was Um­welt- und Ar­beits­be­din­gun­gen an­geht. Da­her kau­fe ich re­gio­nal und ha­be auch ein klei­nes biss­chen da­zu bei­ge­tra­gen, dass es die­ses Jahr auch bei an­de­ren ei­ni­ge Ge­schen­ke aus zwei­ter Hand gibt.

Doch ich fan­ge mit dem An­fang an. Die Kü­che auf­zu­räu­men hat eini­ges zu­ta­ge ge­bracht, was dop­pelt oder drei­fach vor­han­den war oder kaum ge­nutzt wur­de. So konn­te ich über Klein­an­zei­gen.de ei­nen zu schwe­ren Mör­ser, ei­nen Tee­wa­gen und ei­ne Kü­chen­waa­ge los­wer­den. Die Freu­de war beid­sei­tig.

Bü­cher be­stel­le ich bei der Buch­hand­lung um die Ecke, auch dann, wenn ich im In­ter­net auf span­nende Ti­tel ge­sto­ßen bin. Kei­ne Spon­tan­käu­fe lau­tet das Mot­to. Ich ha­be ei­ne Da­tei, in der ich le­sens­wer­te Ti­tel sam­me­le. Bei man­chen Wer­ken muss ich nur ein biss­chen ab­war­ten, dann ent­de­cke ich sie in den städ­ti­schen Bü­cher­schrän­ken oder zu in Buch­ver­schenk­or­ten um­ge­wid­me­ten Te­le­fon­zel­len.

Pullis, Mützen, Pulswärmer, Schals
ANY­ON­ION Strick­de­sign in Neu­kölln
Man­ches ha­be ich selbst­ge­macht, auf dem Weih­nachts­markt der Ver­ei­ne und In­itia­ti­ven ge­fun­den oder bei ei­ner Tex­til­de­si­gne­rin im Kiez ge­kauft. Ge­ra­de die re­gio­nal her­ge­stell­ten Tex­ti­lien aus eng­li­schen Gar­nen, in Ita­li­en mit un­gif­ti­gen Sub­stan­zen ge­färbt, ha­ben mich über­zeugt, von höchs­ter Qua­li­tät, halt­bar und oh­ne Al­ler­gie­ge­fahr (was bei Fast Fa­shion droht).

Hier ha­ben wir es mit Slow Fa­shion zu tun! Da ist auch der höhe­re Preis bei den Wa­ren Made in Ger­ma­ny kein The­ma mehr. Die Un­ter­neh­me­rin stellt die Sa­chen im Hin­ter­zim­mer ih­res Neu­köll­ner La­dens her. Le­gen­där ihr Aus­spruch vor einigen Jahren: "Pas­sen­de Sa­chen zu su­chen kos­tet doch auch Zeit, und nicht al­le möch­ten stän­dig rum­ren­nen, um Neu­es zu kau­fen, nur weil das Fast-Neue schon wie­der ver­schlis­sen ist." Das stimmt erst recht, wenn ich mir ver­ge­gen­wär­tige, was die­se Such­zeit in Geld um­ge­rech­net wert wä­re. Die Fo­kus­sie­rung auf we­ni­ge, hoch­wer­tige Stü­cke macht mei­nen All­tag auch nach­hal­ti­ger.

ANYONION, Ga­bri­e­le Prell­witz, Bürk­ner­stra­ße 10, 12047 Ber­lin, vor Ort (am bes­ten mit Ter­min).

Wei­‍te­‍re Links:
"So macht un­‍se­‍re Klei­‍dung die Um­‍welt ka­‍putt", Quarks, 2017, 2023 ak­tu­a­li­siert. Ver­‍ant­‍wor­‍tungs­‍vol­‍ler Klei­‍dungs­‍kauf hängt nicht vom Ein­‍kom­‍men ab, auch Se­‍cond hand ist ein Teil der Lö­‍sung, sie­‍he: "Im Trend: We­‍ni­‍ger ist mehr", Kir­‍chen­‍Zei­‍tung Aachen, 2020. "LIM" steht für Less is more, es wer­‍den wei­‍te­‍re Bei­‍trä­‍ge fol­‍gen.
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Fo­to­col­la­ge: C.E.

Sonntag, 15. Dezember 2024

Vorlesepause

Als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin ar­bei­te ich haupt­säch­lich mit Fran­zö­sisch und manch­mal auch mit Eng­lisch, wo­bei Deutsch mei­ne Mut­ter­spra­che ist. Der Be­ruf ist vol­ler Stress­mo­men­te. Ei­ne der gol­de­nen Re­geln da­bei: Stress­re­du­zie­rung durch ei­nen kla­ren Schnitt in der Frei­zeit und am Wo­chen­en­de, wo ich et­was an­de­res ma­che. Sonn­tags­bild!

Sonntags beim Vorlesen
An die­sem Jah­res­en­de ver­brin­ge ich nur kur­ze Wo­chen im Bü­ro.
Die Woh­nung ist zu kalt, ich ge­he in Mu­seen, ins Ki­no Ar­se­nal, das sei­ne letz­ten Ta­ge am Pots­da­mer Platz er­lebt, dar­ü­ber folgt ei­ne Rück­schau hier spä­ter in der Wo­che, ins Thea­ter ... oder aber ich küm­me­re mich um An­ge­hö­ri­ge, um ei­ne äl­te­re pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­son und um die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on.

Ich bin jetzt zum vier­ten Mal in mei­nem Le­ben Teil­zeit­zweit­mut­ter — und ich lie­be es! (Das klei­ne Fräu­lein fing von sich aus pro­be­wei­se mit "Ma­ma" an ... und das Wort "Teil­zeit­zweit­mut­ter" ist fast ein Zun­gen­bre­cher!)

Wenn es hier zwi­schen­durch ru­hi­ger wird, bin ich in mei­ner zwei­ten Hei­mat, in Frank­reich, bzw. ein­fach nur en famille.

Vor­le­sen ist übri­gens ei­ner der zen­tra­len Tipps für die gu­te "Rei­se­lei­tung" für die Kleins­ten. Und zwar nicht nur vor dem Schlaf­en­ge­hen, son­dern oft auch zwi­schen­durch und so­gar dann noch, wenn sie längst selbst le­sen kön­nen. Im Ge­spräch wer­den Vo­ka­bel­fra­gen ge­klärt, Be­droh­li­ches ein­ge­ord­net und Wit­ze wei­ter­ge­spon­nen.

Im Zweit­spra­cher­werb ist es wich­tig, ei­ne star­ke ers­te Spra­che zu ha­ben, denn wir brau­chen an ers­ter Stel­le Wör­ter für Ide­en, Kon­zep­te, The­men und ei­nen Tief­gang in im Be­grei­fen der Welt (das gilt auch für die 3., 4. Spra­che ...).

Al­so, wer sprach­lich ge­wand­te, so­zi­al star­ke und fan­ta­sie­vol­le Mensch­lein in sei­nem Um­feld ha­ben möch­te, der/die le­se vor, je­den Tag, man­che Bü­cher vie­le Dutz­end­mal, er­fin­de mit ih­nen zu­sam­men neue Ge­schich­ten, ge­nie­ße die Nä­he. Kratz­bürs­tig sind die Fräu­leins jetzt schon manch­mal, in deut­lich we­ni­ger als zehn Jah­ren wird es erst rich­tig dol­le. Um­so wich­ti­ger ist ein gu­tes Fun­da­ment.

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Foto: Charlotte Elias

Sonntag, 17. November 2024

Beim Barte des Propheten

Kom­mu­ni­ka­ti­on ist al­les. Von Be­rufs­we­gen kom­me ich schnell in Kon­takt. Das ist vor al­lem dann wich­tig, wenn ich mit mei­nen Ein­schrän­kun­gen um­ge­hen muss. Dass im Chi­ne­si­schen das Wort "Kri­se" mit dem Be­griff "Chan­ce" ver­wandt ist, leuch­tet mir ein. Aus mei­ner größ­ten Schwä­che ha­be ich mei­nen Be­ruf ge­macht.

Von Kin­des­bei­nen an lei­de ich an ei­ner Fehl­sich­tig­keit. In­zwi­schen ha­be ich fast mi­nus 20 Di­op­tri­en plus ei­nen As­tig­ma­tis­mus auf dem Zet­tel.

Vogelperspektive: Pins in verschiedenen Farben, mit denen Standorte auf der Landkarte markiert werden
Drauf­sicht: Re­gio­na­les Netz­werk­ar­beits­ma­te­ri­al
Und ich ha­be dar­aus et­was ge­macht: Ich ha­be die Fehl­sicht ein biss­chen kom­pen­sie­ren kön­nen, denn ich hö­re be­son­ders gut, auch Nu­an­cen, kann das Ge­hör­te ei­ni­ger­ma­ßen gut nach­bil­den, zu­min­dest im Fre­quenz­be­reich und mit den Lau­ten, die zu mei­nen Spra­chen ge­hö­ren.
Kurz: Aus der op­ti­schen Ein­schrän­kung ha­be ich mei­nen Be­ruf ge­macht. Als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin be­rich­te ich hier.

Und als sol­che muss ich oft zu Kon­fe­ren­zen und Ta­gun­gen fah­ren. Mei­ne bes­te Mit­fahrsto­ry ever ha­be ich heu­te er­lebt: Ich klet­te­re zur bes­ten Kaf­fee- und Ku­chen-Zeit, die Nacht ent­zieht dem Tag schon deut­lich spür­bar das Licht, ir­gend­wo in der Pam­pa mit mei­nem Köf­fer­chen aus dem über­vol­len, lau­ten Re­gio­nal­zug. Ei­ne mehr­tä­gi­ge Ver­an­stal­tung steht an. Ich weiß, dass das Ta­gungs­haus ei­nen bis 1,3 Ki­lo­me­ter vom Bahn­hof ent­fernt liegt. Ich bin ein we­nig mü­de von der Rei­se. Mit mir stei­gen zwei Leu­te aus, ein Mann, ei­ne Frau, auch mit klei­nem Ge­päck.

Wir se­hen ein­an­der an. Ich läch­le und fra­ge sie, ob sie auch zur Ta­gung fah­ren. (Hin­ter­ge­dan­ke: Mit mei­nen schlech­ten Au­gen dro­hen Um­we­ge, ich bin nacht­blind, im Team mit Se­hen­den ist der Weg leich­ter zu fin­den, ich müss­te mich dann al­so nicht ver­lau­fen.)

Die bei­den: Nee, wir kom­men ge­ra­de von ei­ner Ta­gung, sind auf dem Weg nach Hau­se.
Ich: War's denn span­nend?
Antwort: Ja, es ging um das Le­ben ei­nes Pro­phe­ten.
Ich: Um wel­chen denn? (Ich den­ke an E­lia.)
Die Ant­wort ist: E­lia.
Ich: Sie wer­den es nicht glau­ben, aber mei­ne Fa­mi­lie heißt so, E­li­as.

Die bei­den la­chen her­zlich. Dann tuscheln sie kurz und sa­gen: Sie wol­len ins e­van­ge­li­sche Ta­gungs­zen­trum hier im Ort? Wir fah­ren sie schnell hin!

Ge­sagt, ge­tan. Vie­len Dank, E­va und Vol­ker! Um fünf schließt im Ta­gungs­haus die Ka­ffee-und-Ku­chen-The­ke. Ich ha­be ge­ra­de noch was be­kom­men!

Sonntag, 27. Oktober 2024

So ein Rummel aber auch!

Ob rein zu­fäl­lig oder ge­plant: Sie sind hier mit­ten in ein di­gi­ta­les Ar­beits­tage­buch hin­ein­ge­ra­ten. 

stet's frisch (das "s" überklebt, trotzdem sichtbar)
Deppen-Apostroph (Schatten)

Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­le­rin (so wer­den Dol­met­scher und Über­set­zer zu­sam­men­ge­fasst) ar­bei­te ich in Pa­ris, Ber­lin, Mar­seille, Hei­del­berg und dort, wo man mich braucht. Heute einige Wor­te zu den Grund­la­gen mei­ner Ar­beit. Recht­schrei­bung ge­hört dazu, und auf­grund der nicht immer logischen Recht­schreib­re­form schla­gen auch wir im­mer wie­der Be­grif­fe nach.
Etwas leichter ist die Regel mit dem Apostroph.

Mülltonne in Form eines Haifischmauls
Ge­sun­der Hun­ger
Der steht zum Bei­spiel im­mer und grund­sätz­lich, wenn ein "e" aus­ge­fal­len ist. Hier oben war er ein­deu­tig falsch.

Auch Groß- und Klein­schrei­bung sind im Deut­schen wich­tig. Hier ein Bei­spiel­satz, der, in zwei un­ter­schied­lichen Wei­sen ge­schrie­ben, die ge­gen­tei­li­ge Be­deu­tung hat: Ich hatte mit­nich­ten ei­nen schö­nen Sonn­tag. Ich hatte mit Nich­ten ei­nen schö­nen Sonn­tag.

OK, bei Rum­mel­platz­lärm hat die gan­ze An­ge­le­gen­heit für die zar­ten Dol­met­sche­rin­oh­ren et­was Schil­lern­des, in­so­fern stim­men bei­de Be­deu­tun­gen. Ei­gent­lich mag ich sol­che Ver­an­stal­tun­gen nicht.

Beim Riesenrad saß Gérard Depardieu in der Ecke mit den Putzsachen
Gé­rard war auch da­bei!
Aber Rie­sen­rad bei Son­nen­un­ter­gang und sal­zi­ges Pop­corn und vor al­lem die strah­len­den Äug­lein der Fräu­leins auf dem Kin­der­ka­rus­sell sind schon schön.

Pass­end da­zu sag­te auch mei­ne Schwes­ter: "So schlimm wie beim letz­ten Mal ist's heu­te nicht." 

Bis­schen Rum­mel­platz am En­de ei­nes mit an­de­ren Ak­ti­vi­tä­ten schön ver­brach­ten Ta­ges, mü­de Fräu­leins, die hier noch≈mal rich­tig wach sind, so ähn­lich ha­ben wir's in un­se­rer Kind­heit er­lebt. Un­sere El­tern ha­ben es mit sol­chen "zi­vi­li­sa­to­ri­schen Er­run­gen­schaf­ten" schon ge­nau­so ge­macht und da­für ge­bührt ih­nen gro­ßen Dank!

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Fo­tos: C.E.

Sonntag, 20. Oktober 2024

Upcycling (2)

Als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin ar­bei­te ich haupt­säch­lich mit Fran­zö­sisch und manch­mal auch mit Eng­lisch, wo­bei Deutsch mei­ne Mut­ter­spra­che ist. Der Be­ruf ist vol­ler Stress­mo­men­te. Ei­ne der gol­de­nen Re­geln da­bei: Stress­re­du­zie­rung durch ei­nen kla­ren Schnitt am Abend und am Wo­chen­en­de, wo ich et­was an­de­res ma­che. Sonn­tags­bild!

Zum The­ma Up­cyc­ling ha­be ich be­reits mehr­fach ge­schrie­ben, der ers­te Bei­trag mit dem Ti­tel steht hier: klick! Re­gel­mä­ßig bin ich bei ei­ner be­tag­ten An­ge­hö­ri­gen und küm­me­re mich um Lau­ne, leib­li­ches Wohl, wir neh­men Arzt­ter­mi­ne wahr und ge­hen spa­zie­ren. 

Galerie auf einer Stoffserviette (in Gebrauch)
Jetzt, an den ers­ten re­gen­nas­sen Ta­gen, darf ich mir noch mehr ein­fal­len las­sen.

Rück­sprung in un­ser El­tern­haus: Der Kühl­schrank war ver­klei­det, Ma­gne­te ha­ben nicht so gut an ihm ge­haf­tet. In der Se­nio­ren­woh­nung der Fa­mi­lie ist das an­ders. Der gro­ße Kühl­schrank ist ei­ne Stel­le für zen­tra­le In­for­ma­tio­nen des Teams Pfle­ge. An ei­nem Ver­schenk­ort der Stadt ha­be ich leis­tungs­star­ke, nack­te Ma­gne­te ge­fun­den, die sich al­ler­dings sehr schlecht vom Un­ter­grund lö­sen las­sen, so stark sind sie. Auch von ei­ner Kon­fe­renz brin­ge ich zwei star­ke Ma­gne­te heim, mit de­nen die Na­mens­schil­der zu be­fes­ti­gen wa­ren. Sie las­sen sich kaum an­fas­sen, so flach sind sie.

Wir Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen ha­ben ei­nes ge­lernt: Schnell Lö­sun­gen zu fin­den. Dass ich das jetzt seit Jahr­zehn­ten um­set­ze, mer­ke ich sehr oft im All­tag.

Cut: Ich ge­he am Stra­ßen­rand vor­bei und se­he ein Ba­by­puz­zle mit Mee­res­tie­ren in ei­ner Kis­te mit Ver­schenk­spiel­zeug lie­gen. Oh, wie schön, die klei­ne Nich­te ist im pas­sen­den Al­ter! Al­ler­dings feh­len ei­ni­ge Tei­le, die Ko­ral­len und die Schling­pflan­zen oder so­was in der Art. Ich neh­me das Spiel doch mit, denn das Dol­met­scher­hirn hat ei­ne Lö­sung vor­ge­legt.

Mit der An­ge­hö­ri­gen ein­fa­che Din­ge zu bas­teln, wä­re ein gu­ter Ge­dan­ke. Nur war die be­tref­fen­de Per­son nie bas­tel­af­fin, und mit Se­kun­den­kle­ber zu han­tie­ren, den ich noch rasch be­so­r­ge, 99 Cent als ein­zi­ge In­ves­ti­ti­on des Pro­jekts, liegt auch nicht al­len.

Aber die gro­ße Nich­te kann ich schnell be­geis­tern. Wir be­frei­en die Ma­gne­te von al­ten Kle­be­stel­len und le­gen los. Im Bild das Er­geb­nis un­se­rer kur­zen hal­ben Stun­de. Vor­her ha­ben wir al­le Ma­gne­te ge­tes­tet, wel­che Sei­te bes­ser haf­tet, und ge­mein­sam über­legt, wo wir was hin­kle­ben. Nur beim See­pferd­chen ist der Ma­gnet leicht ver­rutscht. Macht nichts.

Auf dem Kühl­schrank ma­chen sie sich die Ma­gne­te bes­tens und lie­gen per­fekt in der Hand. Die be­schenk­te Per­son liebt Tie­re. Und mit den Fräu­leins übe ich an den Tie­ren Fran­zö­sisch, win-win-win oder so.

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Foto: C.E.

Sonntag, 13. Oktober 2024

Boxenstop

Bon­‍jour oder bon­soir auf den Sei­ten ei­‍ner Sprach­‍ar­bei­te­‍rin. In die­‍sem di­‍gi­‍ta­‍len Ta­‍ge­‍buch kön­‍nen Sie an ei­ni­gen Ta­‍gen in der Wo­‍che mit­‍le­‍sen, wie Dol­met­sche­rin­nen und Über­‍set­‍ze­‍rin­nen, Über­set­zer und Dol­met­scher ar­‍bei­‍ten. Sonntagsbilder.

Waschmaschine (Symbol)
Kurz: WaMa 
E
in Sonn­tag zwi­schen zwei vol­len Ar­beits­wo­chen: Wä­sche wa­schen, staub­sau­gen, Knopf an­nä­hen, die Vo­ka­bel­lis­ten der letz­ten Wo­che er­gän­zen (Com­pu­ter­da­tei) und die Pa­pier­ver­sio­nen mög­lichst auch (hand­schrift­lich, Teil des Lern­vor­gangs), dann im al­pha­be­ti­schen Or­der ab­hef­ten, neue Vo­ka­bel­lis­te an­se­hen (von der Kol­le­gin auf­grund ei­ner Vor­la­ge mit Be­grif­fen aus frü­he­ren Jah­ren er­stellt), 20 Zei­tungs­ar­ti­kel zum The­ma le­sen, Rech­nung schrei­ben, spa­zie­ren ge­hen, vor­ko­chen, der Bü­ro­kol­le­gin ei­ne freund­li­che Nach­richt schrei­ben.


Ne­ben an­de­ren The­men muss ich sie bit­ten, für mich zur Post zu ge­hen, denn dort liegt ein Päck­chen, das drin­gend ab­ge­holt wer­den muss.

Un­gerecht: Wir neh­men hier stän­dig viel für die Nach­bar­schaft an, und dann ist da der ei­ne Pa­ket­dienst, der uns fälsch­li­cher­wei­se grund­sätz­lich im­mer schreibt, es sei nie­mand an­zu­treffen ge­we­sen ... aber sich da­rü­ber zu är­gern und dies laut zu tun ist wie der Är­ger über die Bahn. So­was von All­ge­mein­platz! Mag mich NICHT mehr echauf­fie­ren, nein, wirk­lich nicht!

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Fo­tos: C.E., das Sym­bol stammt aus ei­ner
Um­welt­aus­stel­lung im dä­ni­schen Vej­le