Hallo! Hier lesen sie die Seiten eines Blogs aus der Arbeitswelt, genauer: aus dem Alltag einer Dolmetscherin, der seit 2007 besteht. Meine Muttersprache ist Deutsch, ich arbeite überwiegend mit Französisch und Englisch, die Bürokollegin übersetzt in die englische Sprache. Am heutigen Donnerstag schaue ich zurück, Throwback thursday.
Viele Jahre lang hatte ich täglich zwischen 60 und 250 Zugriffe auf diesem Blog. Lief ein Text gut, waren es schon einmal 1000 und mehr Klicks. Die Spitze lag bei 2500. Die Verbleibe- und hoffentlich auch Lesedauer lag in Summe so bei 40 bis 60 Minuten, und das jeden Tag. Das hat mir mal ein Profi ausgerechnet, der irgendwie auch das Weiterklicken auslesen konnte.
Dass ich mit meinen Texten bei kompletter Abwesenheit pro Tag knapp eine Stunde lang informieren und beraten konnte, war immer ein Antrieb für mich, weiterzumachen. Viele Leser:innen waren und sind auch junge Kolleg:innen oder Menschen in der Orientierungsphase, wie ich aus Rückmeldungen weiß.
Seit dem Frühjahr darf ich bei den Klicks durchgehend eine Null dranhängen. Was gut läuft, liegt bei 10.000 Klicks und mehr. Die Lesedauer hat sich indes nur wenig verändert.
Ich überlege mir kurz, ob ich grundsätzlich möchte, dass meine Texte die KI trainieren. Die literarischen Momente, die politischen Hintergründe, Wortdefinitionen und Privates eigentlich eher nicht.
Nur lässt sich das nicht trennen von dem, was mir sehr wohl recht ist: alles, was mit der Komplexität des Dolmetschens zu tun hat, mit der KI-Kritik. Sehr gerne also! Denn ich weiß, dass echte, wirkungsvolle Spracharbeit, Lebenserfahrung, eigene Körperlichkeit, der Kontakt mit den Menschen, ein Wissen (oder fundierte Ahnung) zu ihren Erwartungen, ihrem Vorwissen und ihren Zielen nicht mal eben auf einen digitalen Fingerschnipp hin von einer Maschine ohne Gefühle und ohne echte Kommunikationsfähigkeiten übernommen werden kann. (Unsereiner fragt oft diskret nach, beim Hotelfrühstück, im Bus bei Transfers, in Pausen.)
Die KI weiß nichts, sie simuliert Wissen nur. Bei vermeintlichen Gesprächen simuliert sie Empathie, sie wurde exakt darauf trainiert. (Oder eben auf Fremdenhass und Gewaltphantasien, wie die Software, die nach dem drittletzten Buchstaben des Alphabets heißt, weil sie einem der brutalen, menschenverachtenden Tech-Bros gehört.)
Die KI kann nicht kommunizieren. Sie simuliert Kommunikation genauso wie Dolmetschen. Leider verleiten Tech-Firmen unsere (potentielle) Kundschaft dazu, es mit der minderwertigen Technik zu versuchen, und sie bedrohen damit unseren Beruf, denn Ausbildungsstätten werden tatsächlich bereits verkleinert; auch hier: Kostendruck vor Qualität.
Fragen über Fragen. Was nützt es der Kundschaft, wenn sie im übertragenen Wortstrom nur einen Teil der ursprünglichen Aussage hört – etwa 43 Prozent der Ausgangswörter (WHO-Statistik) –, weil die Wörter zu schnell aufeinander folgen, zentrale Begriffe fehlen oder Halluzinationen hinzukommen? Welchen Erkenntnisgewinn bietet eine solche Informationsgrundlage für Studium, Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft oder Politik? Die eigentliche Frage lautet doch: Reicht das aus, um Wissen aufzubauen, auf deren Grundlage einmal fundierte Entscheidungen getroffen werden sollen?
Das geht nur in einem totalitären oder autokratischen System, wenn die Ergebnisse von vorneherein feststehen und ein demokratischer Entscheidungsprozess nur simuliert wird. Im Bereich Hochschule und Forschung scheint es dann komplett egal zu sein, welche Ergebnisse diese Art von Kommunikation zeitigt.
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KI-Darstellungen der Probleme, die die KI-Bros uns schaffen
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Es gibt bei
Blogger.com eine Funktion, die anzeigt, welche Beiträge oft angeklickt worden sind und welche kaum. Ich fasse hier kurz noch einen vom Jahresanfang zusammen:
Codename Panama. Ich nenne es eine „digitale Bücherverbrennung“.
Mein Beitrag über das Panama-Projekt von Anthropic und ähnliche Initiativen von Anfang Januar fand so gut wie keine Leser. Liegt es daran, dass ich hier KI direkt kritisiere und KI mich deshalb blockiert? Fachleute nennen es
Shadow banning, die Texte werden schlicht kaum angezeigt.
Berichten zufolge werden Millionen von Büchern gekauft, zerlegt, gescannt und vernichtet, um KI-Modelle zu trainieren. Bei Anthropic lautete die interne Bezeichnung für diesen Prozess „Projekt Panama“, aber auch andere KI-Unternehmen nutzen diese oft seltenen Bücher als „Trainingsdaten“.
Anthropics interne Bezeichnung für diesen Prozess war „Projekt Panama“. Diese Bücher werden zu Maschinenfutter verarbeitet. Ihre physische Form gilt wohl als entbehrlich. Amerikanische Gesetze fördern diese Lesart.
Als Dolmetscherin, Übersetzerin und lebenslange Buchliebhaberin finde ich das verstörend.
Was bedeutet es für unser kulturelles Erbe, wenn Bücher zu Wegwerf-Rohmaterial für Maschinen werden? Und was, wenn durch den Verlust und die endgültige Vernichtung seltener Werke das letzte Wort über die Interpretation unserer Kultur letztendlich allein bei den „Tech-Bros“ liegt, die die Demokratie verachten und autoritäre Monarchien errichten wollen? Und warum gibt es „im Westen“ (minus USA) so wenig kritische Stimmen und Widerstand dagegen?
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Grafiken: pixlr.com (Zufallsfunde)