Montag, 23. März 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

______________________________
Fo­to: C.E.

Montagsschreibtisch (132)

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­tions­rei­sen. Heu­te: Montagsschreibtisch!

Schreibtisch am Fenster mit Pflanzentisch
Ruhige Arbeitsecke
Das Früh­jahr kommt jetzt mit Wucht nach Ber­lin. Schön!

In Süd­deutsch­land lau­fen sie schon ohne Män­tel her­um, man­che so­gar im T-Shirt und mit Son­nen­bri­lle, am Wo­chen­en­de dort­selbst ge­se­hen. Was steht diese Wo­che an? 

Wo­chen­pro­gramm:
❦ Ver­an­stal­tung Bil­dungs­bio­gra­fien in Eu­ropa
❦ Sprach­ver­än­de­rungen in Zei­ten der Ul­tra­di­gi­ta­li­sie­rung
❦ Kos­ten­vor­an­schlag
❦ Rei­se­pla­nung


_____________________________
Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 20. März 2026

Fehler

Hal­lo & Hel­lo, bon­jour & will­kom­men auf den Sei­ten mei­nes Dol­metsch­we­b­logs. Über mei­ne Ar­beit schrei­be ich in­zwi­schen im 20. Jahr, Ziel­pu­bli­kum wa­ren und sind Schü­ler:in­nen, Stu­dent:in­nen, Kund:in­nen und all­ge­mein an Sprach­ar­beit In­ter­es­sier­te. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Die Dritt­spra­che ist Eng­lisch, was auch die Ziel­spra­che mei­ner Bü­ro­kol­le­gin ist. 

Der­zeit gibt es Ver­zö­ge­run­gen bei mei­nen Pos­tings, ich wer­de ein we­nig ver­suchs­hal­ber pos­ten und dann wie­der off­line neh­men, al­so nicht wun­dern, bit­te, denn es gibt ei­nen Feh­ler bei Blog­spot.com, jetzt blog­ger.com.

Oder liegt es schlicht dar­an, dass ich seit bald 20 Jah­ren im glei­chen In­ter­face pos­te, das da­für gar nicht aus­ge­legt wur­de? Ich ha­be im­mer mehr den Ein­druck, dass hier in Sa­chen tech­ni­scher Main­te­nan­ce nicht viel pas­siert. Statt­des­sen haut ei­nem blog­ger.com un­ge­fragt Goog­le-Such­links in die Tex­te rein. Nun, im Som­mer muss ich die­se Sei­te wohl um­zie­hen.

Bis da­hin muss ich mir et­was über­le­gen, wenn ich links- oder rechts­bün­di­ge Bil­der pos­ten möch­te. Oder eben Tricks he­raus­finden.


Fehler 404



______________________________
Gra­fik: ChatGPT

Mittwoch, 18. März 2026

Kopf vs. Maschine

Wie Sprach­pro­fis ar­bei­ten, ge­nau­er: Fach­leu­te fürs Dol­met­schen und Über­set­zen, was sie bzw. wir ge­nau ma­chen, ist im 20. Jahr Ge­gen­stand die­ses Web­logs. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te meis­tens als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

Schulklasse, Kreidetafel
Back to the future: Kreidezeitalter!
Wir Sprach­ar­bei­ter:in­nen wis­sen ge­nau, wie Ler­nen geht. Fragt uns!

Je­de(r) von uns ist für ver­schie­de­ne Lern­ka­nä­le bes­ser oder we­ni­ger gut be­gabt. Das spie­gelt die Viel­falt un­se­rer Bio­lo­gie. Bei mir ist es ein Mix aus ver­schie­dens­ten Me­tho­den: les­en, hö­ren, schrei­ben, se­hen und selbst The­men vi­su­ell dar­stel­len.

Am An­fang von Lern­pha­sen soll­te al­so ste­hen, sich selbst und sei­ne Vor­lie­ben ken­nen­zu­ler­nen.

Ab­wechs­lung und al­le Sin­ne
Seit Jahr­zehn­ten ist die Ge­hirn­for­schung sicher: Der rei­ne Lehr­vor­trag, stu­res Pau­ken und Re­zi­tie­ren bringt Ler­nen­de sel­ten weit. Das Ge­hirn lernt nicht li­ne­ar. Es ver­knüpft, wie­der­holt, ver­wirft, baut neu. Und es braucht da­für Rei­ze, Wech­sel und Be­deu­tung und zwi­schen­mensch­li­che Be­zie­hun­gen.

Ler­nen mit al­len Sin­nen und ein ste­ti­ger Wech­sel der Me­tho­den ver­stär­ken die­sen Pro­zess.

Vom All­ge­mei­nen zum De­tail, vom Hö­ren zum Spre­chen, vom Le­sen zum An­wen­den – die­se Dy­na­mik hilft dem Ge­hirn, Struk­tu­ren auf­zu­bau­en und Wis­sen si­cher zu ver­an­kern. Ein her­vor­ra­gen­der Tipp ist: hands on! Ma­chen! Mit der Hand schrei­ben, zeich­nen, Ver­su­che auf­bau­en, um­set­zen.

Neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en zei­gen deut­lich ...
— Ak­ti­ves Ab­ru­fen von Wis­sen kann die Be­hal­tens­leis­tung um bis zu 50 % stei­gern im Ver­gleich zum blo­ßen Wie­der­le­sen.
— Be­we­gung wäh­rend des Ler­nens kann die Ge­dächt­nis­leis­tung um rund 10–20 % ver­bes­sern.
— Mul­ti­mo­da­les Ler­nen (meh­re­re Sin­ne) führt zu deut­lich hö­he­rer Trans­fer­leis­tung als ein­ka­na­li­ges Ler­nen.
— Die Auf­merk­sam­keit sinkt bei rein pas­si­vem Zu­hö­ren oft schon nach 15–20 Mi­nu­ten, bei Kin­dern, die früh mit di­ver­sen Me­dien in Kon­takt ge­tre­ten sind, so­gar nach nur ei­ner Mi­nu­te.

Viel­falt der Schul­fä­cher und Hob­bies
Wenn al­so Sport, Mu­sik, Kunst, Hand­wer­ken, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kon­flikt­trai­ning und der Um­gang mit Emo­tio­nen, die Stär­kung des Selbst­wert­ge­fühls so­wie Gärt­nern oder krea­ti­ve Pro­jek­te wie Thea­ter und Tanz fest zum Lern­all­tag ge­hö­ren, pas­siert ge­nau das: Wis­sen ver­bin­det sich mit Er­fah­rung. Es wird le­ben­dig und dau­er­haft.

Gleich­zei­tig wächst die Kri­tik an klas­si­schen Un­ter­richts­for­men wei­ter. 90 Mi­nu­ten still­sit­zen, zu­hö­ren, no­tie­ren, das wi­der­spricht dem, was wir über Auf­merk­sam­keit wis­sen. Mo­der­ne di­dak­ti­sche Kon­zep­te set­zen des­halb auf kür­ze­re Ein­hei­ten, Be­we­gung, In­ter­ak­ti­on, Phasen selbstbestimmten Lernens, ech­te Ak­ti­vie­rung.

Auch die Di­gi­ta­li­sie­rung wird in­zwi­schen dif­fe­ren­zier­ter be­trach­tet. Lan­ge galt: Ta­blet + Bild­schirm = Fort­schritt. In­zwi­schen zeigt sich ein kom­ple­xe­res Bild.

Das neue Ler­nen ist das alte
Schwe­den zum Bei­spiel hat sei­ne Stra­te­gie teil­wei­se kor­ri­giert. In ei­ner fast zwan­zig Jah­re an­dau­ern­den Pha­se star­ker Di­gi­ta­li­sie­rung wur­de be­ob­ach­tet:

— Das Le­se­ver­ständ­nis sank mess­bar
— Die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit nahm ab
— Grund­le­gen­de Fer­tig­kei­ten ver­schlech­ter­ten sich

Die Re­ak­ti­on der Gesellschaft ist klar: Es ging zu­rück zu ge­druck­ten Lehr­bü­chern, es wird wieder mehr hand­schrift­lich ge­ar­bei­tet. Stu­di­en zei­gen, dass Le­sen auf Pa­pier häu­fig zu bes­se­rem Ver­ständ­nis führt und hand­schrift­li­ches Schrei­ben mehr Ge­hirn­ak­ti­vi­tät aus­löst als Tip­pen.

Gleich­zei­tig gilt: Di­gi­ta­le Werk­zeu­ge sind nicht das Pro­blem, ihr un­re­flek­tier­ter Ein­satz war es. Als Ergänzung können sie Ler­nen ver­tie­fen, ver­net­zen und in­di­vi­dua­li­sie­ren, wenn die Grund­la­gen stim­men.

Wir Men­schen kon­trol­lie­ren
Und noch et­was kommt da­zu: Wir müs­sen wei­ter­hin un­se­re Kul­tur­tech­ni­ken be­herr­schen und un­se­re Fä­cher ver­tieft ler­nen. Denn dass KI uns Er­geb­nis­se aus­wirft, so­bald ein Prompt halb­wegs stimmt, setzt ge­nau das vor­aus. Wir müs­sen wis­sen, wie man fragt. Wie man Tex­te schreibt. Wie man über­zeu­gend for­mu­liert und In­hal­te struk­tu­riert. Und vor al­lem: wie man Er­geb­nis­se kri­tisch prüft.

Denn was die Ma­schi­ne lie­fert, ist oft nur ein (schwa­cher) Ent­wurf, manch­mal gut, oft ge­nug Sil­ben­rau­schen, Blend­werk, manch­mal schlicht Murks. Nur, wer das er­kennt, kann nach­ar­bei­ten und ver­bes­sern, im schlimms­ten Fall ein­fach neu­schrei­ben.

So, wie eine Schreib­ma­schi­ne nicht selbst tex­tet, kann es auch das to­te Sys­tem aus Bits und Bytes nicht oh­ne uns. 

Da­ten­fleisch­wolf
Das wirft recht­li­che Fra­gen auf: Ak­tu­el­le Ma­schi­nen be­ruh­en auf ei­nem rie­si­gen Da­ten­klau, der zum Glück im­mer mehr in das Be­wusst­sein der Öf­fent­lich­keit tritt. So er­mit­telt seit En­de letz­ten Jah­res die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­sion ge­gen Google, das In­halte von Web­sei­ten im KI-Mo­dus nutzt, oh­ne Rech­te­in­ha­ber:in­nen an­ge­mes­sen zu ver­gü­ten; You­Tube steht zu­dem un­ter Ver­dacht, Nut­zervi­de­os für das KI-Trai­ning zu nut­zen. Das sind nur zwei Bei­spiele un­ter vie­len.

Viel­leicht ist das die ei­gent­li­che Bot­schaft: Ler­nen und Kreativität bleiben un­se­re Auf­ga­ben. Die Werk­zeu­ge wer­den mo­der­ni­siert. Und Tech­nik in Kin­der­hän­den: Ob­acht!

______________________________
Bild: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Dienstag, 17. März 2026

Reizklima

Wie Sprach­pro­fis ar­bei­ten, ist seit 2007 Ge­gen­stand die­ses Web­logs. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te meis­tens als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Heu­te geht es ums Ler­nen.

Grund­schul­kin­der
Schul­kin­der
Ges­tern ha­be ich ei­ne Dis­kus­sion ge­hört, in der es um Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie ging, als Teil mei­ner Kon­fe­renz­vor­be­rei­tung. Zen­tral da­bei war das di­gi­ta­le „Neu­land", um die ein­sti­ge Kanz­le­rin zu zi­tie­ren. Da­mit mei­ne ich nicht das In­ter­net, son­dern die Ge­wohn­hei­ten, die es er­zeugt.

Ei­ne Leh­re­rin hat be­rich­tet, dass sie Schü­lern kaum noch län­ge­re Fil­me zei­gen kön­ne. Als ei­ne Kol­le­gin aus­fällt, bie­tet sie bei­den von ihr pa­ral­lel be­auf­sich­tig­ten Klas­sen ei­nen Do­ku­men­tar­film an, der zum Un­ter­richts­stoff passt, und ver­sucht, ih­re Zeit ge­recht auf bei­de Lern­grup­pen auf­zu­tei­len. Die Vier­zehn- und Fünf­zehn­jäh­ri­gen wur­den da­her ge­be­ten, Kern­in­for­ma­tio­nen zu no­tie­ren. In­des, ih­re Auf­merk­sam­keit bre­che viel zu schnell weg.

Sie kön­ne sol­che Fil­me nur noch so zei­gen, dass sie stän­dig vor Ort sei, um den Film zu un­ter­bre­chen und In­hal­te wie­der­ho­len zu las­sen, „da­mit über­haupt et­was hän­gen­bleibt". Mus­ste sie frü­her al­le zwei, drei Mi­nu­ten ei­nen neu­en Reiz an­bie­ten, lie­ge heu­te die Auf­merk­sam­keits­span­ne der jun­gen Leu­te bei 20 bis 30 Se­kun­den. Die Schul­lei­tung ha­be da­her Si­cher­heits­per­so­nal und Er­zie­her:in­nen für man­che Al­ters­grup­pen ein­be­stellt. Das ein­zi­ge Ziel sei jetzt nur noch ein ge­rin­ger Ge­räusch­pe­gel, sag­te sie, und sie fasst zu­sam­men: „ver­lo­re­ne Lern­zeit".

In­for­ma­ti­ke­rin Glo­ria Mark von der Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia misst das im Bü­ro: Zeig­ten Er­wach­se­ne 2004 noch 150 Se­kun­den Auf­merk­sam­keit am Stück, sind es heu­te nur noch 50, al­so zwei Drit­tel we­ni­ger Zeit und Tie­fe.

Das Pro­blem ist nicht tri­vi­al. Kur­ze Kon­zen­tra­ti­ons­pha­sen sind dra­ma­tisch in Zei­ten, in de­nen das Er­ken­nen kom­ple­xer Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen po­li­ti­schen, öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen The­men im­mer wich­ti­ger wird.

Der Grund für den Ver­lust sind ul­tra­kur­ze Schnit­te in Trick­fil­men so­wie die per­ma­nen­te Ver­füg­bar­keit der Mo­bil­te­le­fo­ne. Wer selbst so ei­nen Ta­schen­ter­ro­ris­ten sein Ei­gen nennt, kennt das Phä­no­men des Doom­scrol­lings: kli­cken-wi­schen-wei­ter! Das mag kurz im War­te­zim­mer nütz­lich sein, kon­di­tio­niert aber lang­fris­tig un­ser Ver­hal­ten: Das Ge­hirn ver­langt im­mer mehr neue Rei­ze, im­mer schnel­ler.

Die Recht­fer­ti­gung fürs In­ha­lie­ren der Schnip­sel ist eben­so na­he­lie­gend wie selbst­be­trü­ge­risch: Je­de In­fo er­scheint uns wich­tig. Doch oh­ne Ein­ord­nung, Ver­knüp­fung und Struk­tur kann das Ge­hirn das Ge­se­he­ne schwer ver­ar­bei­ten.

Be­stenfalls blei­ben De­tails hän­gen, das gro­ße Gan­ze ver­schwimmt. Wenn al­les wich­tig ist, ist nichts mehr wich­tig. Wis­sen ver­wischt, und die An­fäl­lig­keit für Falsch­in­for­ma­tio­nen steigt. Dass die Big tech ih­re Al­go­rith­men auf die Zie­le der Geld­ge­ber aus­rich­tet, ist be­kannt. So ist der Bre­xit ent­stan­den, der Ein­fluss ist be­legt.

Nach Doom­scrol­ling füh­len sich die Men­schen leer. Der Do­pa­min­spie­gel fällt ab, Frust steigt, ei­ne Grund­stim­mung, die das per­fek­te Ein­falls­tor für Het­ze dar­stellt. Der Kör­per mu­tiert fremd­ge­steu­ert zur Echo­kam­mer des Ge­se­he­nen.

Ist das zu stark ver­ein­facht? Nein, wis­sen­schaft­lich be­legt. Die For­de­rung nach Ein­schrän­kun­gen für Kin­der und Ju­gend­li­che ist nur kon­se­quent. Der klars­te Satz da­zu: Wir ge­ben ih­nen kei­ne Tech­nik in die Hand, wir lie­fern ih­re Ge­hir­ne an die Tech­nik aus.

Wis­sen auf­zu­bau­en be­deu­tet, zu­zu­hö­ren, zu le­sen, zu über­prü­fen, ein­zu­ord­nen, Struk­tu­ren zu se­hen und Fak­ten zu spei­chern. Und nur durch das Er­ken­nen von Zu­sam­men­hän­gen kom­men wir über­haupt erst in die La­ge, per­fi­de Ab­sich­ten und Feh­lin­for­ma­tio­nen auf­zu­de­cken. Bil­dung schützt meis­tens vor Rat­ten­fän­gern. Sie stärkt die De­mo­kra­tie. Und Bil­dung braucht Dis­tanz: we­ni­ger Bild­schirm, mehr Skep­sis.

In­ter­es­sant: Im Si­li­con Val­ley schi­cken vie­le ih­re Kin­der auf Wal­dorf- oder Mon­tes­so­ri­schu­len und prak­ti­zie­ren strik­te Tech­nik­kon­trol­le. Den Gran­den der Tech-In­dus­trie, die es of­fen­bar bes­ser wis­sen, müs­sen wir für den Rest der Welt schlech­te Ab­sich­ten un­ter­stel­len.

Neu­lich beim Arzt: Ein Klein­kind starrt im Kin­der­wa­gen auf Trick­fil­me, über­mü­det, un­ru­hig. Ein Drei­jäh­ri­ger im Zug lässt sich nur mit Tab­let vor Au­gen füt­tern. Und nein, au­ßer kind­ge­rech­ter Be­schäf­ti­gung und ech­ter el­ter­li­cher Zu­wen­dung hat ihm nichts ge­fehlt. (Bei­de El­tern hin­gen stän­dig an ih­ren Smart­pho­nes.) Das sind lei­der kei­ne Ein­zel­fäl­le, son­dern ei­ne Zeit­bom­be, auch volks­wirt­schaft­lich.

Ei­ni­ge Jah­re spä­ter

Das Ge­gen­gift ist so ba­nal wie wirk­sam: le­sen, vor­le­sen, Lan­ge­wei­le zu­las­sen, Men­schen tref­fen. Wer kann, soll­te me­di­tie­ren und spa­zie­ren­ge­hen. Als Kin­der ha­ben wir im Au­to das Far­ben­spiel ge­spielt, heu­te kann es ab­schwei­fen­de Ge­hir­ne ein­fan­gen: ei­ne Far­be wäh­len und schau­en, wo sie in der Um­ge­bung vor­kommt.

Gym­nas­tik und Yo­ga sind die bes­ten Er­gän­zun­gen, ge­ra­de für Sitz­men­schen. Mit der Hand schrei­ben, bas­teln, DIY. Wir ler­nen am bes­ten buch­stäb­lich durch das Be­grei­fen, der gan­ze Kör­per ist am Lern­vor­gang be­tei­ligt und das Ge­hirn braucht Ab­wechs­lung. Ei­ne Bü­ro­kol­le­gin auf Zeit lernt jetzt stri­cken, ich ge­he gleich wie­der gärt­nern.

______________________________
Fo­tos: pixlr.com (Zu­falls­fun­de)

Montag, 16. März 2026

Montagsschreibtisch (131)

Den Abeits­all­tag ei­ner Dol­met­scherin fin­den Sie auf die­sen Sei­ten skiz­ziert. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­lische Spra­che. Mei­ne Bil­dung er­wei­tere ich täg­lich, auch am Wo­chen­en­de im Mu­seum.

Das Wet­ter weist nor­ma­le Tem­pe­ra­tu­ren für die Sai­son auf, da­zu et­was wech­sel­haft, fast schon wie im April. Das ist gu­tes Wet­ter fürs Wei­ter­ler­nen, ja! Trotz­dem wun­de­re ich mich. Wir le­ben in ei­ner ko­mi­schen Zeit.

Menschen im Büro ... im Gespräch
Klei­ne Dis­kus­sion über De­sign
In ei­ner Zeit, in der Ge­sprä­che über Wet­ter und Kli­ma von zu vie­len nicht ernst­ge­nom­men wer­den. Don't look up!

Auf dem Schreib­tisch:
❦ Rei­se­pla­nung
❦ De­sign­fra­gen
❦ Film­ex­posé: Kor­rek­tur­le­sen ei­ner Über­set­zung
❦ An­ge­bote durch­rech­nen

____________________________
Fo­to: C.E. (Ar­chiv Elias Los­sow)

Freitag, 13. März 2026

Wortmuseum (44)

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Wie wir Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Be­ruf ge­hört auch, dass wir uns stän­dig Ge­dan­ken über die Ar­beits­mit­tel ma­chen, über Tech­nik, na­tür­lich, aber auch über die Spra­chen. Heu­te: Blick ins Wör­ter­mu­se­um.

              
             
 Auf­trum­pen

Die­ses Wort ist so­wohl ein Sub­stan­tiv als auch ein Verb. Ihm liegt auf­trump­fen zu­grun­de, „sei­ne Über­le­gen­heit deut­lich zei­gen, un­ter Be­weis stel­len“. Hier geht es nicht um ech­te Über­le­gen­heit, son­dern um Macht, die aus ei­ner be­stimm­ten Ecke kommt.

Wir be­ob­ach­ten der­lei ge­ra­de, wenn sich Men­schen mit po­li­ti­scher oder öko­no­mi­scher Macht die Ar­gu­men­ta­ti­ons­mus­ter und -me­tho­den der nord­ame­ri­ka­ni­schen be­lei­dig­ten Oran­ge an­eig­nen.

Hokkaidokürbis mit Trumpfrisur
Nicht nur Orange, sondern auch Kürbis

Denn aus Orange face und ‚be­lei­dig­ter Le­ber­wurst‘ wur­de jetzt auch noch die be­lei­dig­te Oran­ge. Auf Fran­zö­sisch ist die be­lei­dig­te Le­ber­wurst la pe­ti­te rei­ne oder faire du bou­din, wörtlich: ei­nen auf Blut­wurst ma­chen. Ju­bel! Hier ha­ben wir das Würst­chen wie­der, so et­was geht bei Über­set­zun­gen ja oft ver­lo­ren. Aus der Le­ber­wurst, le bou­din, ha­ben die Fran­zo­sen auch noch ein Verb ab­ge­lei­tet, bou­der.

„In Über­see spielt Orange face die be­lei­dig­te Le­ber­wurst“ könn­te auch so über­tra­gen wer­den: Aux États-Unis, le vi­sa­ge orange en fait tout un plat, wört­lich: macht Orange face (aus et­was Klei­nem) ein gan­zes Ge­richt, ei­ner Re­dens­art des frü­hen 20. Jahr­hun­derts fol­gend, „aus ei­ner Klei­nig­keit ein gro­ßes Ge­richt ma­chen“, al­so aus ei­ner win­zi­gen Zu­tat ein auf­wen­di­ges Fest­mahl zau­bert.

Oder aus der Maus ei­nen Ele­fan­ten ma­chen? Hier sind wir im Tier­reich und Orange bie­tet ein Ein­falls­tor für Miss­ver­ständ­nis­se, denn von ‚Orange‘ zu ‚Orang Utan‘ ist es vi­su­ell nicht weit. Und wir wol­len ja kei­ne Pri­ma­ten be­lei­di­gen, oder?

Zu­sam­men­fas­sung: Hier gibt es Bau­ma­te­ri­al für ad­äqua­tes Rü­ber­schub­sen in die an­de­re Kul­tur, und das ist schön!

Sprung in die Welt­la­ge: Von Pro­ble­men im In­land durch Krie­ge ab­len­ken, ist so alt wie die Welt­ge­schich­te. Schlimm, wenn es oh­ne Plan und Ziel ge­schieht. Wie krie­gen wir un­se­re Welt so sta­bil, dass nicht wie in den USA die größ­ten Psy­cho­pa­then, Un­ge­bil­de­ten, Nar­ziss­ten, Über­rei­che, Kin­der- und Frau­en­fein­de, hier so­gar: kran­ke Opas mit kur­zem Ab­lauf­da­tum und we­nig Lie­be für die die An­ge­hö­ri­gen = das Ge­gen­teil von Weit­sicht, die Macht über­neh­men?

______________________________
Gra­fik:
KI

Donnerstag, 12. März 2026

Das Orakel

Den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­scherin finden Sie auf di­esen Sei­ten skiz­ziert. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Hier folgt die Fort­set­zung zu ges­tern.

Eine Kun­din mein­te am Te­le­on, die KI sei zu­neh­mend mit Sprich­wör­tern, An­spie­lun­gen und so­gar Iro­nie ver­traut. Es sei nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis sie auch uns Pri­ma­ten voll­stän­dig ver­ste­hen wür­de und auch sich selbst, die KI, schrieb mir an an­de­rer Stel­le ein Be­kann­ter.

Sol­che Sät­ze ha­ben ei­nen ge­wis­sen Zau­ber. Sie klin­gen ein biss­chen nach Zu­kunft, ein biss­chen nach Ge­lehr­sam­keit. Sie be­die­nen ei­ne al­te mensch­li­che Nei­gung: das wir in to­ten Din­gen et­was Le­ben­di­ges er­ken­nen wollen, auch An­thro­po­mor­phis­mus ge­nannt. Ich nen­ne das eher ani­mis­ti­sches Ge­rau­ne. Wenn sich durch ein Sprach­mo­dell Sät­ze bil­den, em­pfin­den es man­che als un­heim­lich. Das Ge­fühl, es han­dele sich hier um ei­ne Art Geist im Ge­häu­se, ist nicht fern. Tat­säch­lich pas­siert et­was viel Pro­sa­i­sche­res.

Sprach­mo­del­le ler­nen aus enor­men Men­gen von Tex­ten, wel­che Wort­fol­gen sta­tis­tisch oft zu­sam­men auf­tre­ten. Auf die­ser Grund­la­ge er­rech­nen sie Schritt für Schritt die nächs­ten Wör­ter ei­nes Sat­zes. Das Er­geb­nis kann sehr über­zeu­gend klin­gen. Aber zwi­schen ei­ner über­zeu­gen­den For­mu­lie­rung und ei­nem wirk­li­chen Ver­ständ­nis liegt ein ziem­lich gro­ßer Un­ter­schied.

Wenn wir Menschen Iro­nie er­kennen, dann nicht nur auf­grund von Wör­tern. 

Wir be­rück­sich­tigen Ton­fall, Kör­per­spra­che, Si­tua­tion, Be­zie­hun­gen und Welt­wis­sen. Wenn nach ei­nem Tech­nik­pro­blem je­mand sagt: „Na wun­der­bar, das läuft ja wie ge­schmiert“, weiß je­der im Raum so­fort, wie das ge­meint ist. Erst recht, wenn bei der Kon­fe­renz von der ita­lie­ni­schen Ma­fia oder an­de­ren For­men von Günst­lings­wirt­schaft die Rede war.

Be­mer­kun­gen leben von Si­tua­tio­nen. Ei­ne Ma­schi­ne sieht nur die Bits und Bytes, die see­len­los Wör­ter zu­sam­men­klöp­peln.

Das wird ge­ra­de beim Dol­met­schen deut­lich. Dort ent­steht Spra­che nicht im ru­hi­gen Tem­po ei­nes Auf­sat­zes. Red­ner bre­chen Sät­ze ab, lie­fern an­de­re Satz­en­den, re­a­gie­ren auf das Pu­bli­kum, ma­chen Wort­spie­le oder An­spie­lun­gen. Man­che Sät­ze sind halb ge­sagt, an­de­re le­ben vom Ton oder von ei­nem Blick. Wer das über­trägt, muss mehr deu­ten als rech­nen.

Dol­met­sche­r:in­nen ver­to­nen als ech­te Men­schen mit Kör­per­lich­keit ech­te Men­schen mit Kör­per­lich­keit, le­sen Emo­tio­nen, an­ti­zi­pie­ren Iro­nie, em­pfin­den durch die Spie­gel­re­fle­xe ech­te Ge­füh­le. Beim Dol­met­schen wird nicht ein­fach nur ein Haufen Wör­ter aus dem Feld A ins Feld B ge­scho­ben. Hier geht es um Ab­sich­ten, um Vor­wis­sen, Um­gangs­for­men, so­zia­len und spra­chl­ichen Hin­ter­grund sowie kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de. Spra­che ist nur ein klei­ner Teil der Kom­mu­ni­ka­tion. Viel von die­ser Auf­zähl­ung ist noch nie im De­tail be­schrie­ben wor­den und ent­zieht sich wohl auch jeg­li­cher Be­schrei­bung.

Aktuell wird die "Künstliche Intelligenz" wieder schlechter. Ein wach­sen­der Teil der Tex­te im Netz stammt mitt­ler­wei­le selbst von KI-Sys­te­men. Für die­se wach­sen­de Men­ge au­to­ma­tisch er­zeug­ter In­hal­te hat sich in­zwi­schen ein recht tref­fen­der Be­griff ein­ge­bür­gert: AI Slop.

Das Pro­blem dar­an ist nicht nur die Men­ge, son­dern auch der Kreis­lauf. Wenn neue Mo­del­le wie­der mit Tex­ten trai­niert wer­den, die selbst schon von Ma­schi­nen stam­men, ler­nen sie zu­neh­mend aus Nach­ah­mun­gen. Das ist ein biss­chen so, als wür­de man ei­ne Ko­pie im­mer wie­der ko­pie­ren. Die Kon­tu­ren blei­ben zu­nächst er­kenn­bar, aber das Bild wird all­mäh­lich ver­wa­sche­ner bis zur Un­schär­fe.

Vie­le Men­schen er­war­ten trotz­dem ei­ne Art ma­schi­nel­len Er­kennt­nis­sprung. Ir­gend­wann, so die Hoff­nung, könn­te die Ma­schi­ne bald mehr ver­ste­hen als wir Pri­ma­ten. In­des, auf Grund­la­ge der LLMs ist das nicht mög­lich. Es ist eher um­ge­kehrt: Die Ma­schi­nen ler­nen wei­ter aus den Wort­fol­gen, die Men­schen schrei­ben, spre­chen und vor­den­ken. Und wenn wir uns den Zu­stand man­cher au­to­ma­tisch er­zeug­ter Tex­te an­se­hen, ist klar, dass wir Pri­ma­ten un­se­re Rol­le als Lie­fe­ran­t:in­nen des Aus­gangs­ma­te­ri­als noch lan­ge be­hal­ten wer­den — und wie be­schränkt die Sys­teme sind, wenn es um die ganz gro­ßen Zu­sam­men­hän­ge und um die De­tails geht, die künf­tig den Un­ter­schied ma­chen wer­den.

Das ani­mis­ti­sche Ge­rau­ne um die Ma­schi­nen wird wohl nicht so schnell ver­stum­men. Ma­schi­nen, die flüs­sig spre­chen, wir­ken auf vie­le von uns Men­schen wie ein Ora­kel. Aber Ora­kel ha­ben be­kannt­lich noch nie selbst ge­dacht.

______________________________
Bild: Ora­kel, The­mis und Aige­us,
An­ti­ken­samm­lung Ber­lin, F2538

Mittwoch, 11. März 2026

KI-Murks (6)

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­tions­rei­sen. Heu­te: ein Kurzeintrag zum KI-Mitt­woch!

KI-Übel­set­zung, 10. März 2026

"Die gro­ßen Tie­re der Welt bre­chen ei­nen Krieg vom Zaun und ken­nen jetzt kei­ne Exit-Stra­te­gie."

Le grand monde du monde tra­verse une guerre de Zaun et a une stra­té­gie de sor­tie. [Wört­lich: Die gro­ße Welt der Welt durch­läuft ei­nen Krieg von Zaun und hat ei­ne Aus­stiegs­stra­te­gie.]

The high society is going through a Zaun war and has an exit stra­te­gy.

➥ Die High Society be­fin­det sich in ei­nem Zaun-Krieg und hat ei­ne Aus­stiegs­stra­te­gie.

Er­klä­rung: Den Aus­gangs­satz ha­be ich in ei­ne Über­set­zungs­soft­ware ein­ge­ge­ben, das Er­geb­nis war das neue Aus­gangs­ma­te­rial, das ich er­neut in die Über­set­zungs­sof­tware ein­ge­ge­ben ha­be.

Kinderbild mit Bären
Bä­ren se­hen auf uns her­ab

Das Er­geb­nis hat den Vor­gang, die Han­deln­den und den Aus­blick ver­stüm­melt, denn "große Tiere" und "vom Zaun bre­chen" sind idio­ma­ti­sche Re­de­wen­dun­gen, al­so Ver­bin­dun­gen von Wör­tern zu ei­ner Ein­heit, bei de­nen sich der Sinn nicht aus den ein­zel­nen Wörtern er­schließt; solche Re­de­wen­dun­gen sind kul­tu­rell be­dingt und kom­men oft in der ge­spro­che­nen Spra­che vor.


Und hier noch­mal ganz schnell, was "KI-Dol­met­schen" be­deu­tet:

Einzelschritte beim sogenannten „KI-Dolmetschen“  1. Spracherkennung: Die gesprochene Sprache wird von einer Spracherkennungssoftware in Text umgewandelt. 2. Textverarbeitung: Der erkannte Text wird automatisch in die Zielsprache übertragen. 3. Sprachsynthese: Das Ergebnis wird durch einen Text-to-Speech-Engine wieder in gesprochene Sprache umgewandelt.  —> Drei Einfallstore für den Stille-Post-Effekt


Wei­ter mit der Ana­ly­se der Ver­zer­run­gen, wenn die KI „dol­metscht“: klick!

______________________________
Il­lus­tra­tion: Char­lot­te