Donnerstag, 21. Mai 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

______________________________
Fo­to: C.E.

KI-Murks (8)

Bon­jour, hel­lo & gu­ten Tag oder Abend. Hier kön­nen Sie Ein­bli­cke in den Ar­beits­all­tag ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Mut­ter­spra­che Deutsch be­kom­men. Ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und aus dem Eng­li­schen. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Heu­te: KI-Mitt­woch.

KI-­Dol­met­schen kann im Worst Case sehr teu­er wer­den. Das An­ge­bot klingt ver­lo­ckend: Ein Klick, eine KI-­App, und schon soll die in­ter­na­tio­na­le Ver­hand­lung rei­bungs­los lau­fen. Die Ko­sten lie­gen deut­lich un­ter de­nen ei­ner Dol­metsch­ka­bi­ne, Ho­no­ra­ren und viel­leicht auch Rei­se-, Res­tau­rant- und Ho­tel­ko­sten.

Ein­spa­run­gen als Ge­schäfts­ri­si­ko

„Wer bil­lig ein­kauft, zahlt dop­pelt.“ Die­ser Satz, den mir mei­ne Oma ein­ge­schärft hat, gilt auch in der Ge­schäfts­welt. Ge­ra­de in Zei­ten wirt­schaft­li­chen Drucks wird Kom­mu­ni­ka­ti­on zum ent­schei­den­den Fak­tor. Wenn aus­ge­rech­net hier ge­spart wird, kön­nen Miss­ver­ständ­nis­se, Ver­trau­ens­ver­lu­ste und fi­nan­zi­el­le Schä­den ent­ste­hen, die weit über die Er­spar­nis­se durch die KI hin­aus­ge­hen.

Die KI kann nicht dolmetschen
Überblick erstellt durch die KI (der arme Einstein!)




Drei ak­tu­el­le Pra­xis­bei­spie­le

Land­ma­schi­nen­her­stel­ler: Auf der In­ter­na­tio­na­len Grü­nen Wo­che in Ber­lin wur­den neue Ent­wick­lun­gen ei­nes Her­stel­lers prä­sen­tiert. Um Bud­get zu spa­ren, ent­schied sich der Ver­an­stal­ter des Rah­men­pro­gramms für eine KI-ba­sier­te „Dol­metsch­“lö­sung. Be­kann­te tech­ni­sche In­hal­te wur­den kor­rekt über­tra­gen. Die ei­gent­li­chen Neu­erun­gen je­doch er­kann­te das Sy­stem nicht, das mit dem Bekannten trainiert wurde und alles auf ein Mittelmaß, den mathematischen Durchschnitt, bringt, und es konn­te sie da­her auch nicht ver­mit­teln.

An­ders als wir Men­schen stellt die KI kei­ne Rück­fra­gen, wenn Kon­text­wis­sen fehlt oder In­hal­te un­klar sind. Für Kun­den und Ein­käu­fer blie­ben wich­ti­ge tech­ni­sche Be­son­der­hei­ten da­her un­sicht­bar.

Im er­sten Quar­tal ent­stand dar­aus nach­weis­lich ein Ver­lust von 280.000 € bei ei­nem Groß­kun­den; Mo­na­te spä­ter wur­de der Zu­sam­men­hang bei ei­nem pri­va­ten Ge­spräch deut­lich. Wie stark sich zu­sätz­lich die all­ge­mei­ne Markt­la­ge aus­ge­wirkt hat, lässt sich nicht mehr exakt be­stim­men, fest steht ein Umsatzeinbruch von 40 Prozent derzeit. 

Bau­pro­jekt In­fra­struk­tur: Bei ei­ner kom­ple­xen Ver­trags­ver­hand­lung nutz­te ein Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer KI-­Tools zur Über­set­zung lau­fen­der Ge­sprä­che. Das Wort „Haf­tung“ wur­de ju­ri­stisch zwar kor­rekt über­setzt, im kul­tu­rel­len und se­man­ti­schen Kon­text je­doch deut­lich ab­ge­schwächt und als blo­ße „Ver­ant­wor­tung“ ver­stan­den.
 
Die aus­län­di­schen Ge­schäfts­part­ner zo­gen sich kurz dar­auf oh­ne nä­he­re Be­grün­dung zu­rück. Erst spä­ter wur­de klar, dass die For­mu­lie­rung miss­ver­stan­den wor­den war und auf der Ge­gen­sei­te Zwei­fel an der Ver­trags­trans­pa­renz ent­stan­den wa­ren. Der fi­nan­zi­el­le Scha­den war er­heb­lich.

Ven­ture-­Ca­pi­tal-­Su­che: Ein Bio­tech-­Start-­up nutz­te bei ei­nem Live-­Pitch eine KI-­App, um Pa­tent­prä­sen­ta­tio­nen zeit­gleich für asia­ti­sche In­ves­to­r:in­nen zu über­tra­gen. Über­se­hen wur­de da­bei, dass vie­le güns­ti­ge oder ko­sten­lo­se KI-­Dien­ste Da­ten zur Wei­ter­ver­ar­bei­tung in Cloud-­Sy­ste­men spei­chern.

Ver­trau­li­che In­for­ma­tio­nen wur­den da­durch Teil ex­ter­ner Log­files. Der Ver­lust der Ex­klu­si­vi­tät be­en­de­te die Fi­nan­zie­rungs­run­de un­mit­tel­bar. Ge­ra­de bei ver­trau­li­chen Ver­hand­lun­gen, Pa­ten­ten oder Stra­te­gie­ge­sprä­chen bleibt häu­fig un­klar, wo und wie Da­ten tat­säch­lich ver­ar­bei­tet wer­den.

Und war­um kom­men sol­che Fäl­le sel­ten in den Me­di­en vor? Der Landmaschinenhersteller brach­te es tref­fend auf den Punkt: „Das An­ge­bot klang ei­gent­lich zu gut, um wahr zu sein.“ Er weiß jetzt, dass die ma­schi­nel­le Über­tra­gung dort an Gren­zen stößt, wo neue In­hal­te, Fach­wis­sen und prä­zi­se Kom­mu­ni­ka­ti­on ent­schei­dend sind. Und wie andere Un­ter­neh­men spricht er nicht öffentlich über kost­spie­li­ge Fehl­ent­schei­dun­gen oder pein­li­che Miss­ver­ständ­nis­se. (Schade!)

Fa­zit

KI-­Sy­ste­me können uns helfen, wenn wir uns zum Beispiel bei einem Text einen groben Überblick verschaffen möchten. Sie finden Tippfehler und liefern uns Textvariationen. Entscheiden muss hier am Ende immer ein Mensch. Die Maschinen er­fas­sen keine stra­te­gi­schen Zwi­schen­tö­ne und kul­tu­rel­le Nu­an­cen. Vertraulichkeit ist hier oft ein Fremdwort. 

Wo Prä­zi­si­on und Dis­kre­ti­on, Neuerungen und Fein­ge­fühl ent­schei­dend sind, bleibt mensch­li­ches Dol­met­schen ein zen­tra­ler Fak­tor er­folg­rei­cher in­ter­na­tio­na­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on.

______________________________ 
Grafik:
Gemini (3. Anlauf, + 30 Min.
händische Korrektur)

Montag, 18. Mai 2026

Montagsschreibtisch (140)

Ei­nen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. 

Gemütlicher Leseplatz

Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

Sprach­ar­beit er­for­dert gro­ße geis­ti­ge und kör­per­li­che Fle­xi­bi­li­tät. Das Wo­chen­pro­gramm ist wie­der recht bunt.

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:
❦ Frau­en in der In­for­ma­tik
❦ Bör­sen­strom­prei­se
❦ Hör­spiel­dra­ma­tur­gie
❦ Kos­ten­vor­an­schlag
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­te auf­ar­bei­ten

______________________________
Bild:
Zu­falls­fund

Samstag, 16. Mai 2026

KI und Grafik

Bon­jour & hel­lo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­sch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze (auch aus dem Eng­li­schen). Heu­te mein Link der Wo­che. 

Am Don­ners­tag habe ich KI-Gra­fik gelobt, weil es so schnell ging. Ach­tung: Das war kein pau­scha­les Lob. Für die­se Bran­che gilt mit der Ex­trem­di­gi­ta­li­sie­rung, dass wir schon jetzt die oft er­kenn­ba­re „Äs­the­tik“ über haben. Die KI ist nicht in­no­va­tiv, das sind nur Men­schen. Und hier fällt die Ma­xi­mal­tech­ni­sie­rung durch einen mas­si­ven Vor­la­gen­dieb­stahl auf, wie's auch für die Tex­te gilt, für Sti­le wie für In­hal­te.

Draufsicht: Technik, Papier in der Kabine
Ein Dol­metsch­ar­beits­platz
Wir haben es mit mas­si­ven Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen, mit Qua­li­täts­ver­lust und dem Schutz von Ar­beits­plät­zen zu tun. Die ethi­schen Be­den­ken wer­den der­zeit kaum ge­hört.
Das ist ein ge­sell­schaft­li­ches Prob­lem.

Denn die Künst­le­rin­nen und De­si­gner, Au­to­rin­nen und Tex­ter wur­den nie um Er­laub­nis ge­fragt ... und sie wur­den erst recht nicht fi­nan­zi­ell ent­lohnt.

Für den Auswurf der krea­ti­vem Ho­mo­ge­ni­sie­rung gibt es einen Be­grif­f. End­lich ha­be ich für das eng­li­sche AI slop auch eine deut­sche Ent­spre­chung ge­fun­den, den „ge­ne­ri­scher Ein­heits­brei“.

Bei KI-Gra­fi­ken ist es wie mit der Sprach­ar­beit: Hier fehlt der emo­tio­na­le oder kul­tu­rel­le Kon­text. Und das spü­ren wir beim Be­trach­ten.

Für die ra­sche Il­lus­tra­ti­on oder das Lö­schen stö­ren­der Ele­men­te taugt die KI. Was ich hier mit der Technik il­lus­trie­re, hät­te nie­mals zu einem Gra­fik­auf­trag ge­führt. Ich hät­te ein Foto aus der Sprach­ar­beit ge­nom­men. Das gilt auch für ra­sches „dee­peln“ eines fremd­spra­chi­gen Tex­tes, um einen gro­ben Über­blick zu be­kom­men.

Das The­ma Ethik und KI muss er­wei­tert wer­den auf die Fra­ge nach der Macht­kon­zen­tra­ti­on durch die Tech­nik: Fin­ger weg von Bild­ge­ne­ra­to­ren (Netz­po­li­tik.org)!

______________________________
Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Donnerstag, 14. Mai 2026

KI-Murks (7)

Wie und was Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin­nen ma­chen, natür­lich auch die weni­gen Män­ner im Be­ruf, beschrei­be ich hier in lo­ser Folge im 20. Jahr. Ich arbei­te mit den Spra­chen DE, FR und aus dem Eng­li­schen. Dane­ben über­set­ze ich (schrift­li­che Ar­beit), so wie es die Büro­kol­le­gin macht, nur arbei­tet sie mit As­sis­ten­tin im Spra­chen­paar EN⇔DE.

Papagei auf Schulter des Redners versus verrottende Texte
Schicksal der Rede: Papagei oder Rotte?
Groß­ar­ti­ge KI! Hier als „Über­set­ze­rin“, ein Totalausfall), ist also ironisch gemeint, dort in der Umset­zung mei­nes Prompts, sie­he rechts, ernst ge­mein­tes Lob (außer, dass Frau­en feh­len!)
Es folgt der Aus­gangs­satz: Many non-ex­perts as­sume that in­ter­pre­ters will one day be re­placed by ma­chines be­cause they see in­ter­pre­ting as mere me­cha­ni­cal par­rot­ting.

Dar­aus macht die KI (auf Lind­ked­In): „Vie­le Lai­en ge­hen davon aus, dass Dol­met­scher eines Ta­ges durch Maschi­nen er­setzt wer­den, da die Men­schen Dol­met­schen als mecha­ni­sches Nach­ver­rot­ten ver­ste­hen.“

Der Grund für das Ver­sa­gen war der Tipp­feh­ler in par­ro­ting, ein Wort, das sich nicht mit dop­pel­tem T schreibt. Das Sys­tem hat das Wort des­halb falsch zer­legt, und so lan­de­te es im Or­kus, ir­gend­wo zwi­schen dem Prä­fix „nach-“ und „rot­ten“ (ver­rot­ten).

Das ist sprach­li­che Rot­te, kul­tu­rel­le Entro­pie oder Zom­bie­syn­chro­ni­sa­ti­on und genau die Art Feh­ler, den vie­le Sprach­sys­te­me sehr ger­ne ma­chen: for­mal plau­si­ble deut­sche Wort­bil­dung, se­man­ti­scher To­tal­scha­den.

Noch ein­mal: Der Grund fürs Ver­sa­gen ist ein Tipp­feh­ler von mensch­li­cher Hand. Die KI ver­sagt hier und beim Dol­met­schen so oft, da Kom­mu­ni­ka­ti­on aus Kon­text be­steht, aus Vor­wis­sen, Erfah­rung und Sprech­ab­sich­ten.

Da­rum ist der eng­li­sche Satz trotz des Tipp­feh­lers rich­tig: Dol­met­schen ist mehr als Nach­plap­pern.

Voka­bel­no­tiz
to parrot — gedan­ken­los nach­plap­pern
to rot — ver­rot­ten

______________________________
Gra­fik: ChatGPT (ers­ter Ver­such!)

Mittwoch, 13. Mai 2026

Sprache sind keine Daten

Herz­lich will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, auf der ich über Spra­che schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len steht. Ich bin auch Über­set­zerin, denn Krea­ti­ves wie Dreh­bü­cher passt meist nicht zur Ma­schi­ne. Ich schrei­be auch Tex­te um und adap­tie­re sie an die ver­schie­de­nen Be­dürf­nis­se. Im fol­gen­den Text re­flek­tie­re ich die KI aus der dop­pel­ten Per­spek­ti­ve als Dol­met­scherin und Über­set­ze­rin.

„Was macht die KI mit Ih­rer Bran­che?“, wur­de ich ges­tern von mei­ner Au­gen­ärz­tin et­was kul­tur­sen­si­bler ge­fragt als neul­ich von der Da­me im Zug (Be­richt ges­tern). Danke für die Frage! Wir sind ei­ni­ge, die den KI-Nerds und Hei­ße-Luft-Ver­käu­fern den Kampf an­ge­sagt ha­ben.

Versteckt in der Kabine
Das be­deu­tet: Wir sind nicht kom­plett ge­gen die KI, die vie­les kann, zum Bei­spiel lang­wei­li­ge Lis­ten in Win­de­seile er­stel­len (die trotz­dem zu prü­fen sind), gut rech­nen und Tipp­feh­ler fin­den (was im­mer ei­nen mensch­li­chen Durch­gang be­darf), die Feh­ler in Com­pu­ter­codes fin­det oder selbst Codes su­per er­gän­zen kann. Ja, das ist schon toll.

Aber krea­ti­ve Ar­beit kann sie nur si­mu­lie­ren. Wenn es Ar­beit mit Sinn, Stil und Ab­sicht ist, schei­tert sie oft, bei ge­spro­che­ner Spra­che erst recht: 85 Pro­zent Ge­nau­ig­keit wä­ren da in den nächs­ten Jah­ren mög­lich, sag­te neul­ich ei­ner der Tech­nik­ver­käu­fer (ak­tu­ell sind es laut WHO 43 Pro­zent). Das Ziel sieht groß aus, ist es aber nicht. Wür­den Sie in ein Flug­zeug ein­stei­gen, bei dem die Ab­sturz­quo­te bei ei­nem Vier­tel liegt? Wohl nicht.

Auch im Be­reich Text­ar­beit ist Vor­sicht an­ge­ra­ten. Die Tex­te klin­gen glatt, zu glatt, was kein Wun­der ist: Sie spie­geln den Durch­schnitt des schon Ge­schrie­be­nen. Stil ent­steht durch Form­kennt­nis, durch Kul­tur und Nut­zung oder das Bre­chen der Re­geln. Das ist mein Brot-und-But­ter-Ge­schäft: krea­ti­ve Tex­te für Ki­no und TV und in der Me­dien­pro­duk­tion; Sätze, die sit­zen müs­sen.

Al­les, was zu glatt ist, fällt nicht nur bei Men­schen durch. Es wird in­zwi­schen von den Ma­schi­nen, die im Netz bei­spiels­wei­se Ih­re Sei­te be­wer­ten und ein­stu­fen, schlicht nicht mehr wahr­ge­nom­men. Ih­re Sei­te bie­tet jetzt mehr In­for­ma­tio­nen als frü­her an, bringt aber kei­ne an­de­re Sicht­bar­keit? Da wird bei ih­rer Er­stel­lung wohl zu viel KI im Spiel ge­we­sen sein.

In der Schu­le sind wir stän­dig vor der Wie­der­ho­lung von Be­grif­fen ge­warnt wor­den. „Du musst Sy­no­ny­me ein­set­zen“, war da­mals das Man­tra. In der wis­sen­schaft­li­chen Ar­beit ist das falsch, bei vielen Webseiten auch. Für die Sicht­bar­keit im Netz sind Sy­no­ny­me oft Gift, vor al­lem dann, wenn es kei­ne ech­ten sind. Ich ha­be ge­ra­de die Sei­te ei­nes Un­ter­neh­mens le­kto­riert, da wa­ren von acht Sy­no­ny­men sechs falsch und ha­ben den Text ver­wäs­sert und un­sicht­bar wer­den las­sen.

Kei­ne Zi­ta­te, Kun­den­schutz, aber die Be­grif­fe „Dol­met­scher“ und „Über­set­zer“ sind ja auch kei­ne Sy­no­ny­me. Wie er­bit­tert strei­ten man­che Pres­se­leu­te mit uns, dass dem doch so sei, ob­wohl wir als Pro­fis de­nen nach­wei­sen kön­nen, dass sie falsch lie­gen. (Recht­ha­ben ist be­quem ge­wor­den in Zei­ten, in de­nen noch die ku­rio­ses­te In­for­ma­ti­on als „Mei­nung“ un­wi­der­spro­chen im Raum ste­hen blei­ben darf.)

Wenn Ih­nen ag­gres­siv ver­kauft wird, dass heu­te die Ma­schi­nen die bes­se­ren Dol­met­scher:in­nen und Über­set­zer:in­nen sei­en, dann soll­ten Sie dies wis­sen:

KI-Sys­te­me nei­gen da­zu, Wi­der­sprüch­li­ches oder Un­voll­stän­di­ges zu „glät­ten“. Wo wir Men­schen nach­fra­gen, er­fin­det KI häu­fig schein­bar plau­si­ble Ant­wor­ten. Das ist oft ge­fähr­lich: Was pas­siert, wenn ei­ne Über­set­zung zu 85 Pro­zent rich­tig ist, in den üb­ri­gen Stel­len aber gra­vie­ren­de Feh­ler, Haf­tungs­ri­si­ken oder Si­cher­heits­pro­ble­me ent­ste­hen? Ge­ra­de im ju­ris­ti­schen Be­reich sind Ge­set­ze und Rechts­la­gen zwi­schen Län­dern nicht de­ckungs­gleich. Sprach­pro­fis wis­sen das und klä­ren Zwei­fels­fäl­le mit An­wält:in­nen oder No­tar:in­nen ab.

Vie­le KI-Fir­men ste­hen mas­siv un­ter Druck. Die Mil­li­ar­den-In­ves­ti­tio­nen ha­ben nicht zu wirt­schaft­li­chen Er­fol­gen ge­führt. Ven­ture-Ca­pi­tal­ge­ber wer­den un­ru­hig. Zu­gleich wird der Ein­druck ver­mit­telt, KI kön­ne mensch­li­che Sprach­pro­fis schon jetzt oder in Kür­ze voll­stän­dig er­set­zen. Der öko­no­mi­sche Druck ver­zerrt hier die Kom­mu­ni­ka­ti­on, um es di­plo­ma­tisch zu sa­gen.

Auch ge­samt­wirt­schaft­lich macht der Roll­out der­zeit Pro­ble­me. Stu­di­en zei­gen, dass Un­ter­neh­men, die für KI Stel­len ab­ge­baut ha­ben, da­durch nicht au­to­ma­tisch bes­se­re Er­geb­nis­se er­zielt ha­ben. Vie­le Fir­men wür­den der­zeit wie­der Mit­ar­bei­ten­de ein­stel­len, heißt es. Er­folg­rei­cher sind meist je­ne Un­ter­neh­men, die KI als Werk­zeug zur Un­ter­stüt­zung ih­rer Teams nut­zen (und nicht, um Men­schen zu er­set­zen).

Ge­ra­de bei sen­si­blen Tex­ten, bei Web­sei­ten, Ver­trä­gen oder Ver­hand­lun­gen kann KI-"Über­set­zung" schwer­wie­gen­de Feh­ler ein­bau­en. Ju­ris­ti­sche Be­grif­fe, kul­tu­rel­le Nu­an­cen oder sprach­li­che Fein­hei­ten las­sen sich nicht im­mer ein­deu­tig au­to­ma­ti­sie­ren. Feh­ler kön­nen zu Um­satz­ver­lus­ten auf­grund von Miss­ver­ständ­nis­sen, Rechts­strei­tig­kei­ten und Ver­trau­ens­ver­lust füh­ren. Ich ha­be ei­ni­ge Rück­mel­dun­gen die­ser Art von zu­rück­ge­kehr­ten Kun­den.

Auch in der „Echt­zeit-Kom­mu­ni­ka­ti­on“ (von Dol­met­schen wür­de ich nicht spre­chen) ver­tut sich die KI oft in der Ton­la­ge und lässt viel weg oder ver­dreht In­hal­te. Bei Emo­tio­nen, iro­ni­schen Wen­dun­gen und fei­nen Zwi­schen­tö­nen ist sie über­for­dert. In di­plo­ma­ti­schen, me­di­zi­ni­schen oder wirt­schaft­li­chen Ge­sprä­chen ha­ben klei­ne Feh­ler oft gro­ße Fol­gen. Hin­zu kommt ein ge­fähr­li­cher Ef­fekt: Weil die KI-Aus­wür­fe oft sou­ve­rän wir­ken, wird ih­re Ge­nau­ig­keit häu­fig über­schätzt.

Wir aus der Sprach­bran­che se­hen die Zu­kunft des­halb nicht in der Er­set­zung mensch­li­cher Dol­met­scher:in­nen, son­dern in ei­ner ver­ant­wor­tungs­vol­len Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Mensch und KI. Die KI kann uns in der Vor­be­rei­tung un­ter­stüt­zen, kann Red­ner:in­nen mit Leucht­sig­nal­zei­chen zei­gen, wenn sie zu schnell spre­chen: die „Pult-Am­pel“! Bei Über­set­zun­gen ist sie mal hilf­reich, mal nicht. Ech­te krea­ti­ve Tex­te eig­nen sich oft zu null Pro­zent für au­to­ma­ti­sche Be­ar­bei­tung. (Die Prob­le­me se­hen oft nur Pro­fis.)

Kurz: Ur­teils­ver­mö­gen, kul­tu­rel­les Ver­ständ­nis, Ethik und Ver­ant­wor­tung sind mensch­li­che Auf­ga­ben.

Gleich­zei­tig wächst die Kri­tik an der Macht gro­ßer Tech-Kon­zer­ne, die di­gi­ta­le In­fra­struk­tur, Da­ten und KI-Sys­te­me zu­neh­mend kon­trol­lie­ren. Im­mer mehr Stim­men war­nen da­vor, dass hin­ter Schlag­wor­ten wie „Ef­fi­zi­enz“, „Fort­schritt“ oder „In­no­va­ti­on“ oft auch hand­fes­te wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen, neue Ab­hän­gig­kei­ten und ei­ne wach­sen­de Kon­trol­le über öf­fent­li­che und ge­sell­schaft­li­che Struk­tu­ren ste­hen.

Rasch noch ei­nen Satz für mei­ne Freun­de in Süd­frank­reich: Heu­te star­tet das Film­fes­ti­val in Can­nes! Ich wün­sche gu­tes Wet­ter und schö­ne Fil­me! Und wenn was mit Fran­zö­sisch-Über­set­zungs- und Dol­met­sch­be­darf da­bei ist, wo es um Nu­an­cen geht, denn am We­sent­li­chen schei­tert die KI so oft, dann ger­ne mich in­for­mie­ren. Bin die­ses Jahr in der An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge ... viel­leicht nächs­tes Jahr wie­der in ... naja, Can­nes sein! Have fun! Gruß an die Croi­sette!

(Heu­te kei­ne Links, denn kei­ne Zeit!)
______________________________
Fo­to: Mar­co Ur­ban — Fo­to­jour­na­list

Dienstag, 12. Mai 2026

Très chic oder trashig?

Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch, das es seit 2007 gibt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Caroline Elias
Die Autorin als Begleitdolmetsche
„Ach, dann müs­sen Sie ja bald aufs Job­cen­ter?", fragt mich vol­ler Mit­ge­fühl die net­te Oma im Zug, als ich ihr sa­ge, was mein Be­ruf ist. Jein. Wer uns der­zeit die Ar­beit klaut, sind Tech­ni­ker, die un­se­ren Kun­den wah­re Wun­der ver­spre­chen, die die KI aber nicht hält, nicht hal­ten kann. Und das liegt vor al­lem an uns Men­schen selbst.

Denn die KI ist oft zu per­fekt für die mensch­li­che Spra­che. Das klingt pa­ra­dox, ist aber ge­nau das Pro­blem. Men­schen spre­chen näm­lich nicht wie Ma­schi­nen. Wir spre­chen un­sau­ber, sprin­gen in Ge­dan­ken, ver­ges­sen Wör­ter, ver­has­peln uns, fan­gen drei Sät­ze gleich­zei­tig an und be­en­den aus­ge­rech­net den zwei­ten.

Je­mand dreht den Kopf vom Mi­kro weg, hustet in den Satz hin­ein oder sucht plötz­lich nach ei­nem Be­griff, der ihm seit vier­zig Jah­ren selbst­ver­ständ­lich war und nun für ei­nen Mo­ment ent­glei­tet. Und trotz­dem funk­tio­niert men­schli­che Kom­mu­ni­ka­ti­on meis­tens er­staun­lich gut. So­lan­ge kei­ne Tech­nik rein­funkt ...

Das liegt dar­an, dass Men­schen eben nicht nur Wör­ter hö­ren. Wir hö­ren Ab­sich­ten, Un­si­cher­hei­ten, Macht­ver­hält­nis­se, Höf­lich­keit, Iro­nie und das, was ge­ra­de nicht ge­sagt wird. Ein Pu­bli­kum merkt oft so­fort, wenn ein Wort plötz­lich fehlt oder er­setzt wird. Wenn aus ei­ner „Kri­se“ nur noch ei­ne „Her­aus­for­de­rung“ wird oder aus ei­nem „An­griff“ ein „Vor­fall“, dann ist das kei­ne sprach­li­che Ne­ben­säch­lich­keit, son­dern oft ei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung. Ge­nau dort wird es für KI schwie­rig, denn Ma­schi­nen er­ken­nen zwar Mus­ter, aber kei­ne Span­nung im Raum.

Die Aus­wür­fe der Ge­rä­te wir­ken trotz­dem oft be­ein­dru­ckend. Wir lesen ei­nen flüs­si­gen Text, der gram­ma­tisch sau­ber und ge­schmei­dig klingt und In­halt lie­fert. Wir hö­ren ei­ne Stim­me, die ru­hig und sou­ve­rän spricht. Das al­les sug­ge­riert Ver­läss­lich­keit ... bis zum zwei­ten Blick. Dann wird aus „très chic“ plötz­lich „tra­shig“, aus dem „Prä­si­den­ten“ ein „Laut­spre­cher“ (the speaker) und aus ei­ner fei­nen An­spie­lung sprach­li­cher Be­ton. Die KI pro­du­ziert oft ei­ne Ober­flä­che, die rei­bungs­los wirkt, aber ge­nau da­durch den Ein­druck von Prä­zi­si­on er­zeugt, wo in Wirk­lich­keit längst Be­deu­tung ver­lo­ren ge­gan­gen ist.

Das Pro­blem liegt nicht nur in ein­zel­nen Feh­lern. Es liegt tie­fer. Mensch­li­che Spra­che ist näm­lich kein sau­be­res Über­tra­gungs­sys­tem, son­dern ein hoch­gra­dig feh­ler­an­fäl­li­ger Vor­gang, der trotz­dem funk­tio­niert, weil Men­schen per­ma­nent er­gän­zen, re­kon­stru­ie­ren und mit­den­ken. Wir ver­ste­hen oft ei­nen halb ver­schluck­ten Satz, den nie­mand voll­stän­dig aus­ge­spro­chen hat. Wir er­ken­nen am Ton­fall, ob je­mand blufft, sich her­aus­re­det oder kurz da­vor ist, die Ner­ven zu ver­lie­ren. Und wir wis­sen meist in­tui­tiv, wann ei­ne Un­schär­fe ab­sicht­lich ist.

Beim Dol­met­schen kommt noch et­was hin­zu. Dort geht es nicht nur um Spra­che, son­dern um Si­tua­tio­nen, um Räu­me, Men­schen und Kon­flik­te, um Zeit­druck und ein Pu­bli­kum mit Vor­wis­sen. Ein- und der­sel­be Satz kann in Ber­lin, Brüs­sel oder Pa­ris voll­kom­men un­ter­schied­lich wir­ken. Er kann iro­nisch klin­gen oder be­lei­di­gend, di­plo­ma­tisch oder lä­cher­lich. Er kann Span­nung ent­schär­fen oder ei­nen gan­zen Raum kip­pen las­sen. Ge­nau die­se Ebe­nen müs­sen Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher in Se­kun­den­bruch­tei­len mit­den­ken.

Und dann gibt es noch die Akus­tik der Wirk­lich­keit: Rascheln, Ne­ben­ge­räu­sche, Halb­sät­ze, Lis­peln und Über­lap­pun­gen. Laut WHO stim­men beim KI-Aus­wurf "Dol­met­schen" im Mit­tel al­ler Spra­chen rund 43 Pro­zent der Wör­ter mit dem Ori­gi­nal über­ein. Al­ler­dings nicht un­be­dingt in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge und lei­der auch nicht im­mer mit den rich­ti­gen Be­zü­gen. Hier se­hen Sie, wie aus ei­ner flüs­si­gen Si­mu­la­ti­on ei­ne fal­sche Aus­sa­ge wird.

Vie­le Men­schen ver­wech­seln Sprach­glät­te mit Sprach­ver­ständ­nis. Die KI klingt oft sou­ve­rän, weil sie kei­ne Müdig­keit kennt, we­der Angst noch Scham, sie ist oh­ne Kör­per und so­zia­len Druck. Aber ge­nau die­se mensch­li­chen Stö­run­gen ge­hö­ren zur Kom­mu­ni­ka­ti­on da­zu. Wir spre­chen nicht trotz un­se­rer Feh­ler. Wir spre­chen mit ih­nen.

Die KI si­mu­liert Kom­mu­ni­ka­ti­on. Wir Men­schen blei­ben un­er­setz­bar.

______________________________
Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Montag, 11. Mai 2026

Montagsschreibtisch (139)

Bon­jour & hel­lo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­sch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze (auch aus dem Eng­li­schen). 

Eiffelturm (Miniatur), Stiftköcher, Uhr
Time is running
Ge­ra­de kom­me ich von ei­nem Fern­ein­satz zu­rück. Die­se Wo­che ste­hen we­ni­ger Ent­fer­nun­gen an.

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:
⊗ Ver­wal­tungs­ein­satz
⊗ Nach­be­rei­tung
⊗ Rech­nungs­we­sen
⊗ Rah­men­be­din­gun­gen in­ter­na­tio­na­ler Zu­sam­men­ar­beit in der Kunst

______________________________
Gra­fik:
C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 6. Mai 2026

Die kaputte Leiter

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Wie wir Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Über die Be­rufs­welt schrei­be ich hier im 20. Jahr. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Karriereleiter, die in der Luft hängt. Unten die Jungen, ratlos, oben die Alten bei der Ernte
"Karriereleiter" mit Disruption
Üb­lich war der Be­rufs­ein­stieg mit Sys­tem: Die Jun­gen ler­nen von den Al­ten, die Al­ten von den Jun­gen, denn sie brin­gen fri­sches Wis­sen von den Hoch­schu­len mit, ken­nen ih­re Ge­ne­ra­ti­on gut, ein Ge­ben und Neh­men. So wird Wis­sen nicht nur von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben, son­dern bes­ten­falls wei­ter­ent­wi­ckelt.

Die Neu­lin­ge ha­ben da­bei mit ein­fa­chen Auf­ga­ben be­gon­nen, Er­fah­rung und Rou­ti­ne in der Pra­xis ge­sam­melt. Die un­te­ren Stu­fen der Ka­r­rie­re­lei­ter wa­ren viel­leicht nicht be­son­ders pres­ti­ge­träch­tig, aber sie wa­ren un­ver­zicht­bar.

Und jetzt die Dis­rup­ti­on! Die so­ge­nann­te Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) reißt ge­ra­de die­se un­te­ren Stu­fen aus der Lei­ter. Und sie weiß nicht, was sie tut, sie­he Il­lus­tra­ti­on. 

Die KI warnt nicht, sie ver­spricht nur ra­sche Ge­win­ne. Ei­ne Wirt­schaft, die das Wort Nach­hal­tig­keit noch nicht ver­stoff­wech­selt hat, macht dumm mit.

Im­mer mehr Tä­tig­kei­ten, die frü­her klas­si­sche Ein­stiegs­ar­beit wa­ren, wer­den auf die KI aus­ge­la­gert: Da­ten ein­ge­ben, Do­ku­men­te struk­tu­rie­ren, Ent­wür­fe für Stan­dard­fäl­le tex­ten. Das be­trifft Buch­hal­tung, Ju­ra und Ver­wal­tung glei­cher­ma­ßen.

Die Zah­len da­zu sind ein­deu­tig. In Be­ru­fen mit ho­her KI-An­fäl­lig­keit sind Ein­stiegs­stel­len in den letz­ten Jah­ren um rund 13 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen. In der Fi­nanz­bran­che liegt der Rück­gang bei Ju­ni­or­stel­len so­gar bei ca. 24 Pro­zent, bei ein­zel­nen Tä­tig­kei­ten so­gar hö­her. Gleich­zei­tig bleibt die Nach­fra­ge nach er­fah­re­nen Kräf­ten sta­bil oder steigt.

Auf den ers­ten Blick ist das ef­fi­zi­ent. Ein er­fah­re­ner Mit­ar­bei­ter, un­ter­stützt durch die KI, kann heu­te mehr leis­ten als frü­her ein gan­zes Team von Be­rufs­ein­stei­gern.

Aber Ein­stiegs­jobs sind kei­ne über­flüs­si­gen Rou­ti­ne­po­si­tio­nen. Sie sind die Pha­se, in der sich be­ruf­li­ches Ur­teils­ver­mö­gen ent­wi­ckelt. Wer nie Stan­dard­fäl­le be­ar­bei­tet hat, wird spä­ter auch kei­ne kom­ple­xen Fäl­le sou­ve­rän ent­schei­den kön­nen.

Ge­nau hier ent­steht ei­ne Lü­cke. Un­ter­neh­men spa­ren an den un­te­ren Stu­fen und fra­gen noch nicht, wo­her in Zu­kunft die er­fah­re­nen Fach­kräf­te kom­men sol­len. Wir schaf­fen ein neu­es Pro­blem.

Was ge­ra­de als tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt ver­kauft wird, hat ei­ne drit­te und vier­te Sei­te, über die we­ni­ger ge­spro­chen wird. Die Ar­beit ver­schwin­det nicht ein­fach. Sie ver­la­gert sich.

Ein gro­ßer Teil lan­det wie­der bei den Er­fah­re­nen, die die Aus­wür­fe der Sys­te­me prü­fen, kor­ri­gie­ren und ein­ord­nen müs­sen. Das ist kei­ne Ent­las­tung, son­dern ei­ne Ver­la­ge­rung von Rou­ti­ne in Kon­troll­ar­beit. (For­de­run­gen nach der Ver­län­ge­rung der täg­li­chen Ar­beits­zeit ha­ben plötz­lich ei­nen Grund.)

Der an­de­re Teil wird in klei­ne Auf­ga­ben zer­teilt und aus­ge­la­gert, meist schlecht be­zahlt, oh­ne Zu­sam­men­hang und oh­ne Rück­mel­dung: Click­work statt Be­rufs­ein­stieg bei gleich­zei­ti­ger Ent­wer­tung von Stu­di­um und Aus­bil­dung.

Das ma­chen dann die­je­ni­gen, die ei­gent­lich in ei­nem Be­rufs­kon­text ler­nen soll­ten. Sie be­ar­bei­ten Ein­zel­tei­le, oh­ne das gro­ße Gan­ze zu se­hen. Sie er­hal­ten kei­ne struk­tu­rier­te An­lei­tung und kei­ne ech­te Feed­back-Schlei­fe. Was frü­her ein ge­steu­er­ter Lern­pro­zess war, wird zu ei­ner Ab­fol­ge iso­lier­ter Mi­ni­auf­ga­ben.

Das ist kein Fort­schritt, sondern Blend­werk. Hier wird Macht miss­braucht, al­te Er­fah­rung ver­braucht und kei­ne neue sys­te­ma­tisch auf­ge­baut. Die Pro­duk­ti­vi­tät steigt kurz­fris­tig auf dem Pa­pier, zu­gleich wer­den die Grund­la­gen für die Zu­kunft zer­stört.


Vo­ka­bel­no­tiz

le court-ter­mis­me — das Quar­tals­den­ken, die Quar­tals­den­ke
______________________________ 
Gra­fik:
pixlr.com (Zu­falls­fund)