Mittwoch, 25. Februar 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

______________________________
Fo­to: C.E.

Die KI kostet Ihr Geld!

Wie sich der Ar­beits­all­tag von Dol­met­sche:rin­nen an­fühlt, wie wir uns vor­be­rei­ten und was Dol­met­schen wirk­lich aus­macht, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten im 20. Jahr le­sen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, ar­bei­te ich über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang Tex­te.

Für Film­leu­te ist die Ber­li­na­le die fünfte Jah­res­zeit, dann folgt der Früh­ling. Schon ges­tern flo­gen in Ber­lin die Grau­gän­se laut schnat­ternd über den Dach­first, heu­te gleich wieder. Der Schnee ist ge­schmol­zen, ich kann end­lich wie­der wei­te We­ge zu Fuß ma­chen, ohne stän­dig Angst ha­ben zu müs­sen, ir­gend­wo ei­ne ver­eis­te Stel­le zu über­se­hen.

Die Au­to­rin die­ser Zei­len
Schon wie­der KI-Mitt­woch!

Ich muss kurz ei­ni­ge Ge­dan­ken sor­tie­ren, die ich zum The­ma KI ha­be, dann wei­ter­ver­wal­ten und an­de­re Arbeit er­le­di­gen, die mit dem Dol­met­schen zu­sam­men­hän­gen, die aber meist un­sicht­bar bleiben, um in den Mo­men­ten, in de­nen ich hör­bar bin, auf den Punkt zu ar­bei­ten.

Ges­tern er­reich­te mich die Nach­richt, dass ein be­kann­ter Dienst­leis­ter für Kon­fe­renz­tech­nik In­sol­venz an­ge­mel­det hat. Das ist trau­rig, denn die Tech­nik­kol­leg:in­nen wa­ren im­mer sehr freund­lich. Wir ha­ben bei ih­nen in der Pan­de­mie oft im Hub ge­ses­sen.

Es ist ein Zei­chen, dass sich et­was am Markt ver­än­dert. Die nicht leis­tungs­star­ken Sprach­mo­del­le (LLM), ver­kürzt als „künst­li­che In­tel­li­genz“ be­zeich­net, kön­nen ein­fach nicht ad­äquat dol­met­schen. Sie si­mu­lie­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on. Sie pro­du­zie­ren Feh­ler oh­ne En­de. Ich be­rich­te hier re­gel­mä­ßig dar­über, gerne mittwochs. Hier ha­be ich be­wie­sen, wie we­nig Über­blick die­se Tech­nik hat. Und oh­ne Über­blick kein sinn­vol­les Dol­met­schen.

Trotz­dem fließt Geld in die Kas­sen der Tech­nik­an­bie­ter und der Gi­gan­ten, die hin­ter der Soft­ware ste­hen, sehr viel Geld so­gar.

Seit dem Er­schei­nen von ChatGPT im Jahr 2022 wird al­lent­hal­ben der Ein­druck ver­mit­telt, es han­de­le sich um ei­nen quan­ten­sprung­haf­ten Durch­bruch. Tat­säch­lich ba­sie­ren gro­ße Sprach­mo­del­le auf sta­tis­ti­schen Ver­fah­ren, de­ren Grund­la­gen schon seit den 1980er-Jah­ren be­kannt sind. Neu ist vor al­lem die Re­chen­leis­tung, die schie­re Men­ge an Da­ten und die in­dus­tri­el­le Ska­lie­rung. Das Prin­zip bleibt: Wort folgt auf Wort nach Wahr­schein­lich­keit. Be­deu­tung wird nicht ver­stan­den, son­dern erraten bzw. er­rech­net.

Die­se Sys­te­me wur­den mit Tex­ten trai­niert, die Men­schen ge­dacht, for­mu­liert und ver­öf­fent­licht ha­ben, aus dem In­ter­net, aus Ar­chi­ven, aus Bi­blio­the­ken, und dabei wurde in vielfältiger Weise das Urheberrecht verletzt. Oh­ne die­se men­schen­ge­mach­ten In­hal­te gä­be es kei­ne Ant­wor­ten. Es gä­be nur Lee­re. Was heu­te als „ei­gen­stän­di­ge“ Leis­tung der Ma­schi­ne ver­kauft wird, ist in Wahr­heit die sta­tis­ti­sche Re­kom­bi­na­ti­on frem­der Ge­dan­ken. Und dann ha­ben vie­le Men­schen dar­an ge­ar­bei­tet, aus den 100 Pro­zent Zu­fall­s­murks nur noch 40 oder 20 Pro­zent Zu­fall­s­murks zu ma­chen. Bis heu­te su­chen die Tech-Bu­den hän­de­rin­gend nach Pro­fis, die am Sys­tem wei­ter­schrau­ben. Auch ich be­kom­me fast täg­lich Ar­beits­an­ge­bo­te in die­se Rich­tung.

Denn was viel­fach als „au­to­ma­ti­sier­te KI-Lö­sung“ ver­kauft wird, lebt von mensch­li­cher Ar­beit da­hin­ter, und zwar in er­heb­li­chem Um­fang. Trans­pa­renz­be­rich­te zei­gen, dass Mil­lio­nen von In­hal­ten au­to­ma­ti­siert über­prüft wer­den, dass aber auch Mil­lio­nen von ma­nu­el­len Prü­fun­gen durch Men­schen statt­fin­den. Kon­ser­va­ti­ve Schät­zun­gen ge­hen von 100 000 Men­schen aus, die weltweit als „Trai­ner“ von KI-Sys­te­men ar­bei­ten. Beim Chat­bot Ge­mi­ni (Goog­le) wur­den laut The Guar­di­an erst knapp 25 so­ge­nann­te Su­per ra­ters ein­ge­stellt, be­vor die Teams im Zu­ge des KI-Wett­be­werbs auf fast 2000 Men­schen an­wuch­sen (wo­von spä­ter wie­der 500 ent­las­sen wor­den sein sol­len). Das ist nur ein Bei­spiel un­ter vie­len.

Die Mas­se der Men­schen sitzt in Bil­lig­lohn­län­dern wie In­di­en, so­ge­nann­te Klick­wor­ker:in­nen, die oft in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen nicht nur Ge­walt­dar­stel­lun­gen und Por­no­gra­fie ein­zu­däm­men ver­su­chen, son­dern die auch in­halt­lich ein­grei­fen, KI-Aus­wür­fe be­wer­ten und lö­schen.

Trotz die­ses Auf­wands ist das Er­geb­nis oft ent­täu­schend: so­ge­nann­te „Hal­lu­zi­na­tio­nen“, al­so frei er­fun­de­ne Fak­ten, fal­sche Quel­len, plau­si­bel klin­gen­de, aber sach­lich un­rich­ti­ge Aus­sa­gen spucken die Maschinen aus. For­schen­de wie Dagmar Monett spre­chen in die­sem Zu­sam­men­hang von „de­ge­ne­ra­ti­ver KI“, also von Sys­te­men, die nicht zu Er­kennt­nis­ge­winn füh­ren, son­dern vor­han­de­nes Ma­te­ri­al im­mer wei­ter ver­wäs­sern. Wenn sol­che Mo­del­le zu­künf­tig mit ih­ren ei­ge­nen, syn­the­ti­schen Aus­würfen trai­niert wer­den, droht ein zir­ku­lä­rer Ef­fekt: Qua­li­tät sinkt, Feh­ler ver­viel­fa­chen sich, In­for­ma­ti­on de­ge­ne­riert. Die Schlan­ge beißt sich in den Schwanz, am En­de wächst der Da­ten­müll. Es gibt Men­schen, die des­halb das In­ter­net schon am Ende se­hen. Filmt­ipp: KI: Der Tod des In­ter­nets von Mario Six­tus, ver­füg­bar ab dem 28. Feb­ruar in der Ar­te-Me­dia­thek

Sind die KI-Ela­bo­ra­te ei­ne trag­fä­hi­ge Ar­beits­grund­la­ge für Men­schen, die auf ho­hem Ni­veau den­ken, spre­chen, schrei­ben und dol­met­schen, also in ei­nen Be­ruf, bei dem Nu­an­cen, Kon­text, Im­pli­ka­tio­nen und kul­tu­rel­le Re­fe­ren­zen ent­schei­dend sind? Nein. Und auch nicht für un­se­re End­kund:in­nen in der Sprach­ar­beit, so sehr sich das Leu­te, die der­lei an­bie­ten oder be­auf­tra­gen, sich das auch wün­schen mö­gen.

Ein Sprach­mo­dell kann be­kann­te Wort­fol­gen mit ho­her Wahr­schein­lic­hkeit re­pro­du­zieren. Es schei­tert aber zu­ver­läs­sig am Neu­en, und vom Neu­en le­ben Kon­fe­ren­zen, Mes­sen und Pres­se­kon­fe­ren­zen. Es wird auch kei­ne Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Es „weiß“ nichts von der je­wei­li­gen Si­tua­ti­on, der Dy­na­mik im Raum, der po­li­ti­schen Bri­sanz. Es „weiß“ nicht, wann ein Satz ex­plo­siv ist und wann er ver­söhn­lich wir­ken muss. Es „kennt“ kei­ne Stra­te­gie, kei­ne Di­plo­ma­tie, kei­ne in­ter­kul­tu­rel­le Fein­füh­lig­keit.

Und doch wer­den sol­che Sys­te­me als „Stand-alone-Lö­sung“ für Kon­fe­renz­dol­met­schen an­ge­bo­ten. Tech-Bu­den prei­sen „KI-Dol­met­schen“ als kos­ten­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve an. Wenn es schei­tert, und es schei­tert re­gel­mä­ßig, wird das als „Lern­kur­ve“ ver­kauft. Man ha­be im­mer­hin „ge­spart“. Man sei „pio­nie­r­haft“ un­ter­wegs. Schul­ter­klop­fen, meis­tens un­ter Män­nern: Das neue tech­ni­sche Spiel­zeug be­ein­druckt.

Das ist öko­no­misch bri­sant. Oft kos­tet es mehr als das ver­meint­lich ein­ge­spar­te Geld, um hinterher Schä­den an Image oder In­halt zu kor­ri­gie­ren. Bei­spiel: Auf ei­ner Mes­se hat neu­lich ein An­bie­ter land­wirt­schaft­li­cher Ge­rä­te KI-„Über­set­zun­gen“ an­ge­bo­ten und die Ma­schi­ne hat Mist ge­baut. Po­ten­ziel­le Kund­schaft war so nicht zu über­zeu­gen. Im Ver­trag des Dienst­leis­ters war ei­ne Ge­währ­leis­tung im Klein­ge­druck­ten aus­ge­schlos­sen.

Das ist auch de­mo­kra­tie­po­li­tisch bri­sant. In den aso­zia­len Netz­wer­ken ver­stär­ken au­to­ma­ti­sier­te Sys­te­me Mei­nun­gen, imi­tie­ren Zu­stim­mung, er­zeu­gen mas­sen­haf­te Kom­men­ta­re. Die Gren­ze zwi­schen ech­ter Re­so­nanz und syn­the­ti­scher Ver­stär­kung ver­schwimmt. Men­schen füh­len sich be­stärkt durch ver­meint­li­che Mehr­hei­ten. Dis­kur­se ver­ro­hen. Ra­di­ka­le Po­si­tio­nen ge­win­nen Sicht­bar­keit. Was als tech­ni­sche In­no­va­ti­on be­gon­nen hat, wird zum Macht­fak­tor: Stim­men, Mehr­hei­ten und letzt­lich Geld­strö­me ver­schie­ben sich.

Des­halb schrei­be ich hier dar­über, nicht, weil ich Tech­nik grund­sätz­lich ab­leh­nen wür­de, son­dern als besorgte Bürgerin und weil Prä­zi­si­on mein Beruf ist, Kom­mu­ni­ka­tion, Ver­ant­wor­tung und Hand­werk.

Was der­zeit als „KI“ ver­kauft wird, ist kei­ne den­ken­de In­tel­li­genz. Es ist sta­tis­ti­sche Text­ver­dich­tung mit gi­gan­ti­scher Re­chen­leis­tung, gi­gan­ti­schem Strom­ver­brauch und gi­gan­ti­schem Küh­lungs­be­darf. Die KI hält nicht, was ih­re Ver­käu­fer ver­spre­chen. Sie wirkt aber trotz­dem, durch Mar­ke­ting, durch In­ves­ti­ti­ons­druck, durch die Sehn­sucht nach schnel­len Lö­sun­gen.

Der Markt ver­än­dert sich. Kon­fe­renz­tech­nik-Fir­men ge­ra­ten un­ter Druck, wir Dol­met­sche:rin­nen eben­so. Sprach­be­ru­fe wer­den in­fra­ge ge­stellt, künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen das Stu­dium aus­ge­re­det. Aber Spra­che ist kein Da­ten­strom, sie ist Kon­text, Hin­ter­grund, Be­zie­hung, be­steht aus Nu­an­cen und Ver­ant­wor­tung.

Und wer ein­mal in ei­nem Raum ge­sessen hat, in dem ein ein­zi­ges falsch über­tra­ge­nes Wort ei­ne Ver­hand­lung kip­pen kann, der weiß: Si­mu­la­ti­on ist kei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on.

______________________________
Foto: Fo­to­jour­na­list Mar­co Ur­ban

Montag, 23. Februar 2026

Montagsschreibtisch (128)

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin ist Film: Dreh­buch, Pro­duk­tion, Her­stel­lung, Mar­ke­ting, Fes­ti­val.

Der Mon­tag nach der Ber­li­na­le ist für vie­le ein Schalt­tag, so ähn­lich wie bei den Leu­ten aus dem Mu­seums­be­reich oder dem Haar­sty­ling nach Ta­gen mit gro­ßem An­sturm. Auf dem Mon­tags­schreib­tisch für die­se Wo­che:

Menschen stehen in 50-er Jahre-Kleidung vor einem Nachkriegsbau
POV als Klein­dar­stel­le­rin beim Film: die Au­to­rin die­ser Zei­len
✗ Fol­low-up der Ber­li­na­le­tref­fen
✗ Be­grif­fe, Ma­te­rial, Fo­tos sor­tie­ren
✗ Strategieüberlegungen
✗ Kos­ten­vor­an­schlag
✗ Über­set­zungs­lek­to­rat (ein ech­tes, kein KI-Bull­shit-Auf­räu­men)

Im Fo­to­ar­chiv habe ich die­sen Schnapp­schuss aus mei­nen An­fän­gen in der Film­sprach­ar­beit ge­fun­den, als ich als Kom­par­sin Vo­ka­beln ge­sam­melt ha­be.

Hier hat­te ich Glück: Ich durf­te am Set aus nächs­ter Näh­e al­len auf die Hän­de se­hen und ge­nau zu­hö­ren und muss­te nur sel­ten (wie die meis­ten) in ir­gend­ei­nem Auf­ent­halts­raum ab­hän­gen. Der Grund: Mit Sprech­aus­bil­dung wur­de ich oft di­rekt zur Klein­dar­stel­lerin be­för­dert.

Aus recht­li­chen Grün­den ord­ne ich dem Fo­to jetzt kei­nen Film zu. Am Dreh­tag ent­stand eine be­rühm­te „Film-im-Film“-Sze­ne, die in der deut­schen Nach­kriegs­zeit ver­or­tet war.

______________________________
Foto: C.E.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Zur „Autowaschanlage“

Die Prob­le­me, die uns die so­ge­nann­te Künst­li­che In­tel­li­genz bringt, sind al­le wis­sen­schaft­lich er­kannt, be­schrie­ben und es wird vie­ler­orts ge­warnt. Trotz­dem glau­ben die Leu­te all­zu oft, dass die KI ei­ne ein­fa­che Lö­sung dar­stel­len wür­de, weil sie es ger­ne so hät­ten. Sie möch­ten be­tro­gen wer­den. (Ich ka­pier's nicht.)

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Schrift­lich ar­bei­te ich meis­tens auf Deutsch. Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die Ar­beit und zwar so, dass die Si­tu­a­tio­nen klar er­kenn­bar sind, nicht aber die Be­tref­fen­den. Im Schat­ten der Ber­li­na­le bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. Da ich ge­ra­de viel im Ki­no bin, kom­me ich noch­mal kurz auf mei­nen Bei­trag von ges­tern zu­rück.

Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren?

ChatGPT: Ganz klar zu Fuß, das ist um­welt­scho­nen­der.

Was ist ges­tern bei dem Bei­spiel­text pas­siert? Die KI bleibt am En­de ei­nes Sat­zes ste­hen, geht dann zum nächs­ten über und ver­peilt man­gels Le­bens­er­fah­rung die Si­tu­a­ti­on. Sie ver­schiebt den Kon­text, da­mit ih­re Ant­wort „funk­tio­niert“. Was sie pro­du­ziert, wirkt auf den ers­ten Blick ko­hä­rent.

Ale­xan­der­bär
In der KI-For­schung wird von si­tu­a­ted cog­ni­ti­on ge­spro­chen. Den Be­griff ken­ne ich aus der Lern­theo­rie. Situated cognition be­schreibt in der Theo­rie, wie Ler­nen durch so­zia­le In­ter­ak­ti­on und prak­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten statt­fin­det, vor­zugs­wei­se in rea­len Kon­tex­ten. Die Si­tu­a­ti­on im di­gi­ta­len Raum wird wei­ter er­forscht. Die ei­ge­ne Kör­per­lich­keit, der kul­tu­rel­le Hin­ter­grund und so­zia­le As­pek­te ste­hen hier im Mit­tel­punkt.

Die­se so­zia­le Kom­po­nen­te wird im Ler­nen oft un­ter­schätzt, vor al­lem von den jun­gen Leu­ten, bei de­nen Cool­ness noch im­mer an­ge­sagt zu sein scheint (hier mein Rant da­zu). Da­bei müs­sen wir Men­schen mit Herz und See­le bei et­was da­bei sein, da­mit es uns er­reicht.

Wo­bei wir wie­der bei der KI sind. Sie hat we­der ein Herz noch (ei­ne wie auch im­mer de­fi­nier­te) See­le, kei­nen Kör­per, kei­ne Er­fah­rung im Raum oder in so­zia­len Zu­sam­men­hän­gen.

Die KI ist Sta­tis­tik in ac­tion. Sie kann Sät­ze fort­set­zen und weiß nicht, ob sie über­haupt sinn­voll sind. Ich hat­te ges­tern au­to com­ple­te on speed zi­tiert. Die Wis­sen­schaft spricht von au­to­re­gres­si­ve mo­dels: Die Ge­rä­te sa­gen die nächs­te Kom­po­nen­te in ei­ner Se­quenz vor­her und stüt­zen sich da­bei auf frü­her ge­ge­be­ne oder in Trai­nings­ma­te­ri­al ent­hal­te­ne In­for­ma­tio­nen.

Und Iro­nie, Ab­sur­des (wie mei­ne Fra­ge), der be­wuss­te Clash von Spra­che­be­nen, Stil und in­halt­li­che, kul­tu­rel­le Fein­hei­ten: Fehl­an­zei­ge.

Die KI baut sich ih­ren Ent­schei­dungs­baum, sie ar­bei­tet ihn stur ab und glät­tet da­bei Wi­der­sprü­che und De­tails, was für Kon­fe­ren­zen al­les an­de­re als ziel­füh­rend ist. Sie ver­schiebt den Sinn, um ei­ne plau­si­ble Ant­wort lie­fern zu kön­nen.

In der For­schung heißt das Se­man­tic drift: Be­deu­tungs­ver­schie­bun­gen, da­mit die sta­tis­ti­sche Ko­hä­renz „funk­tio­niert“. Hier wird nichts ver­stan­den, hier wird plau­si­bel hal­lu­zi­niert.

Noch ein Fach­be­griff: Epis­te­mic opa­ci­ty. Die KI weiß nicht, wa­rum sie et­was sagt, kann ih­re "Ent­schei­dun­gen" auch nicht be­grün­den. Dann hal­lu­zi­niert sie lie­ber, oh­ne Leer­stel­len zu lie­fern, Fach­be­griff AI hal­lu­ci­na­tions. Ihr fehlt der Ge­samt­über­blick, the big pic­tu­re, la vi­sion d'en­sem­ble, Wis­sen um das gro­ße Gan­ze, das wird Con­text star­va­tion ge­nannt.

Last but not least greift in vie­len Fäl­len, ich sprin­ge zu­rück zu "übel­setz­ten" Kon­fe­ren­zen, auch noch der Au­to­ma­ti­on bi­as, wenn das ge­neig­te Pu­bli­kum der Ma­schi­ne mehr glaubt als den ei­ge­nen Zwei­feln. Men­schen wer­den im­mer be­que­mer, nei­gen zu Träg­heit, ver­ges­sen, Fak­ten zu prü­fen oder zu hin­ter­fra­gen.

Und dann stellt sich die Fra­ge der Ver­ant­wor­tung. Die KI über­nimmt sie nicht, die Dienst­leis­ter, die die Tech­nik als Wun­der­ma­schi­ne an­prei­sen, auch nicht.

So schnell macht sich je­mand lä­cher­lich, ist Re­pu­ta­ti­on ver­spielt. Es kos­tet Geld, Ima­ge oder Fehl­ent­schei­dun­gen zu re­pa­rie­ren.

Des­halb ist hier im­mer der Ein­satz mensch­li­cher In­tel­li­genz nö­tig, die er­gänzt, die aber vor al­lem im Vor­feld be­reits ent­schei­det, ob der Ein­satz der KI über­haupt sinn­voll ist. Die KI ver­bie­tet sich, wenn sen­si­ble In­for­ma­tio­nen, Wirt­schafts­ge­heim­nis­se, Pa­ten­te oder stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen im Spiel sind. Für al­les an­de­re bleibt die KI ein Werk­zeug. Den Maß­stab bil­den wir Men­schen. 

Ber­li­na­le­ta­ge: Ganz wun­der­ba­re Fil­me ge­se­hen und ei­nem un­ter­ir­di­schen und ei­nem her­vor­ra­gen­den Film­ge­spräch zu­ge­hört, je­weils auf Eng­lisch ge­führt, beim ers­ten Mal in dop­pel­ter Fremd­spra­chig­keit, beim zwei­ten Bei­spiel in 1,5-fa­cher Fremd­spra­chig­keit. (Die Mo­de­ra­to­rin hat schon als Kind in Eng­land ge­lebt, nur ihr Ak­zent schim­mert noch durch.)

Die bei­den bes­ten Fil­me bis­lang für mich, je­der auf sei­ne ei­ge­ne Wei­se: "Take me home" und "Die Blut­grä­fin". In bei­den Fäl­len wä­re mit KI als Stand alo­ne-Tech­nik hier kein Blu­men­pott zu ge­win­nen ge­we­sen, denn mensch­li­che Nä­he, Gren­zen, Kul­tur, Hin­ter­grund­wis­sen, vi­su­el­le Iro­nie und Stil­über­schrei­tun­gen kann die Ma­schi­ne nicht, ja der­lei scheut die­se Tech­nik oft wie der Teu­fel das Weih­was­ser.

Thank you very much, Liz and An­na Sar­gent, vie­len Dank, Ul­ri­ke Oet­tin­ger, mer­ci beau­coup, Isa­bel­le Hu­p­pert !

______________________________
Fo­to: C.E.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Philosophisch fragwürdig

Bon­jour & hel­lo! Hier schreibt ei­ne Wort­schub­se! Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen, ich schub­se Wör­ter. Die All­ge­mein­heit nimmt uns Si­mul­tan­d­ol­met­sche:rin­nen ähn­lich sel­ten wahr wie die Pro­fis im Gas­traum ei­nes Flug­zeugs (oft ab­schät­zig „Saft­schub­se“ ge­nannt). Aus Ig­no­ranz ent­steht da­bei zu oft Gleich­gül­tig­keit. Wir ha­ben lan­ge Aus­bil­dungs­zei­ten, im Schnitt 7,5 Jah­re, per­fek­tio­nie­ren Spra­che, Kul­tur, Fach­ge­bie­te, Me­tho­dik und Be­rufs­kun­de, da­zu kom­men As­sis­ten­zen. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Neu­lich bei ei­nem Ber­li­na­le­emp­fang (bei dem ich aus Grün­den wohl aus­ge­la­den wur­de): Die KI lie­fer­te „Un­ter­ti­tel“ zu ei­ner live ge­hal­te­nen Re­de und der Aus­wurf der Ma­schi­ne war vol­ler Feh­ler und Pein­lich­kei­ten. Aber ir­gend­wie hat nie­mand rich­tig hin­ge­se­hen. Wer wird schon je­ne kri­ti­sie­ren, die ei­nen ge­ne­rös zum Es­sen oder auf Kaf­fee und Ku­chen ein­la­den?

Im Nach­hi­nein be­frag­te Leu­te mein­ten sinn­ge­mäß und nicht oh­ne Schmun­zeln: „Wir ken­nen die Re­den von G. be­reits, und die Ge­mein­plät­ze bei sol­chen An­läs­sen be­herrscht die Ma­schi­ne meis­tens gut.“ Dass aus Arte prompt „Arty“ wird, liest sich wie ei­ne Pe­ti­tes­se. Da­bei hat nie­mand auf dem Schirm, dass „Arty“ noch schnel­ler zu „Darty“ wird, der bri­ti­sche Haus­halts­ge­rä­te­händ­ler, der neu­er­dings Ber­li­na­le-Emp­fän­ge spon­sert. Na, pri­ma!

Und nein, die KI kann nicht dol­met­schen, LLMs kön­nen es nicht, und selbst wenn, wä­re es ge­fähr­lich für die De­mo­kra­tie, al­les par­tout aus­la­gern zu wol­len. War­um soll­ten sich Sprach­un­kun­di­ge mit 80 Pro­zent des ge­spro­che­nen Worts (oft in fal­scher Rei­hen­fol­ge, d.h. mit fal­schen Be­zü­gen) zu­frie­den­ge­ben, gar­niert mit 20 Pro­zent Vo­la­ti­lem: Leer­stel­len, von der KI Er­fun­de­nem oder eben Arty. 

War­um sol­len wir mög­li­cher­wei­se auch stra­te­gi­sche In­for­ma­tio­nen den gro­ßen Da­ten­kra­ken an­ver­trau­en? War­um sol­len wir die Gel­der, die sonst Men­schen in Eu­ro­pa zu­ge­flos­sen sind (und die als Kauf­kraft und Steu­ern hier ver­blie­ben sind), den Tech-Gi­gan­ten (vor al­lem in Über­see) zu­spie­len, die aus Geld­über­fluss und Selbst­über­schät­zung die De­mon­ta­ge der west­li­chen Welt fi­nan­zie­ren?

Dol­met­schen ist Ver­trau­ens­ar­beit, und noch nie ist ei­ne Do­lm­etsche­rin, ein Dol­met­scher, fer­tig vom Him­mel ge­fal­len. Die ve­rmeint­lich „ein­fa­chen“ Ein­sät­ze mit ih­ren Tisch­re­den, Höf­lich­kei­ten und Ge­mein­plät­zen sind für den Nach­wuchs ein Übungs­feld, um mit Lam­pen­fie­ber zu­recht­zu­kom­men, und sie ent­schä­di­gen auch uns Ge­stan­de­ne für an­de­re Ein­sät­ze, bei denen oft die (nicht ver­gü­te­te) Vor­be­rei­tung sehr auf­wän­dig ist, al­so in Sum­me gna­den­los un­ter­be­zahlt.

Die Sa­che mit den „al­ter­na­tiv­lo­sen“ KI-„Über­set­zern“ ist al­so nicht mo­dern und ef­fi­zi­ent, son­dern tech­nik­ver­liebt, un­zu­läng­lich und de­mo­kra­tie­feind­lich. Die KI über­nimmt auch kei­ne Ver­ant­wor­tung, nicht für ihre Er­geb­nis­se, nicht für even­tu­ell nö­ti­ge Re­pa­ra­tur­kos­ten. Die KI ist im wahrs­ten Wort­sin­ne ver­ant­wor­tungs­los. Nicht mehr und nicht we­ni­ger.

Die so­ge­nann­te KI ist nur künst­lich, aber kei­ne In­tel­li­genz. Das gro­ße, was­ser- und ener­gie­ver­schlin­gen­de Sys­tem ist das nichts an­de­res als ein enormes Auto com­ple­te. Sie ken­nen das vom Han­dy, wo wie von Geis­ter­hand Wör­ter fer­tig­ge­schrie­ben wer­den, die oft ge­nug falsch sind oder beim Tip­pen selbst nerv­tö­tend im­mer wie­der Be­grif­fe „fehl­kor­ri­gie­ren“. Ei­ner nann­te die KI mal auto com­ple­te on speed, ei­ne ge­dop­te au­to­ma­ti­sche Wort­ver­voll­stän­di­gung.

Und die KI ist der­zeit ein be­lieb­tes Spiel­feld für In­ves­tor:in­nen. Ei­ne enor­me Bla­se hat sich ge­bildet, die dem­nächst laut plat­zen wird. War­nung an die Po­li­tik: Haut sie nicht raus auf Kos­ten al­ler. Es ha­ben ge­nü­gend Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Pro­gram­mie­rer ge­warnt.

Die ge­kop­pel­ten Ma­schi­nen kön­nen nicht den­ken, da­her feh­len oft Sinn­zusam­men­hän­ge, die über das Satz­en­de hin­aus­ge­hen. Die KI ver­ar­bei­tet Zei­chen­ket­ten, re­pro­du­ziert be­kann­te Mus­ter. Da­her „kann“ sie oft Ge­mein­plät­ze, ver­sagt aber be­son­ders bei Neu­em und Au­ßer­ge­wöhn­li­chem, was ja die Gründe fürs Ausrichten von Kon­fe­ren­zen überhaupt sind.

Die KI weiß nichts von Sprech­ab­sich­ten, die KI denkt oft auch nicht über den Punkt hin­aus. Na­tür­lich lässt sich viel ver­bes­sern mit gu­ten Brie­fings und Hin­ter­grund­in­fos. Aber wol­len Sie tat­säch­lich ei­ne Mit­ar­bei­te­rin/ei­nen Mit­ar­bei­ter ta­ge­lang Prompts üben las­sen, ei­ne Tech­nik­bu­de teu­er be­zah­len und am En­de dro­hen Pein­lich­kei­ten?

Die KI „rech­net“ zu­dem nicht mit der Feh­ler­an­fäl­lig­keit der Men­schen, mit Nu­scheln, Dia­lek­ten, kör­per­li­chen Be­son­der­hei­ten, Fehl­be­to­nun­gen, ver­tausch­ten Wör­tern oder la­p­sus lin­guae.

Als Zu­schau­er:in ken­nen Sie die „Fehl­le­sun­gen“ und Fehl­leis­tun­gen von au­to­ma­tisch ge­ne­rier­ten Un­ter­ti­teln, wie sie bei You­Tube, aber auch an­de­ren An­bie­tern, so­gar teu­er be­zahl­ten, an der Ta­ges­ord­nung sind (ich sa­ge nur Net­flix). Wenn mangelhafter Krem­pel dann wei­ter­über­tra­gen wird, wer­den die Feh­ler fort­ge­schrie­ben. Am En­de kommt stel­len­wei­se gro­ber Dop­pel­murks her­aus, und wenn der Text noch in ein Sys­tem Text to voice hin­ein­ge­ge­ben wird, ha­ben wir das nächs­te Ein­falls­tor für Feh­ler und die Ver­grö­ße­rung der Be­ste­he­nden. Und der Murks der einen KI, ih­r Aus­wurf, wird von der anderen KI dann als „neu­es“ Trai­nings­ma­te­ri­al verstoffwechselt.

Ein durch die KI er­zeug­ter Tipp­feh­ler im Un­ter­ti­tel, der auf dem durch­schnitt­li­chen Mo­ni­tor we­ni­ger als ei­nen Zen­ti­me­ter groß ist, er­reicht auf der Lein­wand (ab­hän­gig von de­ren For­mat, of cour­se) dann Ma­ße zwi­schen Hand­tel­ler und Schul­li­ne­al. Er fällt al­so auf.

Hier als Raus­schmei­ßer noch ei­ne lus­ti­ge Fra­ge und, *räus­per*, wohl­feil un­ter­mau­er­te Ant­wor­ten. He­lau! (Ach nee, heu­te ist ja Ascher­mitt­woch.)

Ca­ro­li­ne Elias: Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren? ChatGPT: Ganz klar: zu Fuß. Wenn Du mit dem Au­to fährst, wird Dein Au­to auf den ers­ten 100 Me­tern noch schmut­zi­ger. Zu Fuß bleibt der Schmutz­grad kon­stant. Das ist lo­gi­scher und um­welt­scho­nen­der. Al­les an­de­re ist phi­lo­so­phisch frag­wür­dig.
Hier ei­ne Über­sicht über ei­ni­ge der ge­mach­ten Feh­ler: klick!

______________________________
Gra­fik:
ChatGPT

Dienstag, 17. Februar 2026

Globish (mal wieder)

Bon­jour und hal­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on und den Um­gang mit uns. Wir sind auf ei­nem Tief­punkt an­ge­langt.

Kuchen unter Glasglocken im Kerzenschein
Ge­burts­tags­ku­chen für einen Blog
Ei­gent­lich hat­te ich ge­ra­de mei­nen ei­ge­nen Fei­er­tag: Die­ser Blog be­steht ges­tern seit 19 Jah­ren! Er ent­stand auf der Ber­li­na­le in ei­ner Zeit, als es noch „das Blog“ hieß. Da­mals Pio­nie­rin, bin ich heu­te eine der letzten Mo­hi­ka­ner:in­nen ;-) …

Und wie alle x Jah­re stel­le ich mir auch heu­te die Fra­ge: wei­ter­ma­chen oder auf­hö­ren? Das Zwan­zigs­te geb' ich mir noch! Das wa­ren jetzt zwei Kom­men­ta­re zum Blog­gen!

Trauri­ge Be­ob­ach­tung: Die Ent­pro­fes­sio­na­li­sie­rung des Dol­met­sch­be­rufs schrei­tet mun­ter vo­ran. Grund­sätz­lich kommt der Nie­der­gang von au­ßen. Die ver­meint­li­che Lin­gua Fran­ca, das „Glo­bish“, hat ih­ren An­teil da­ran. Die Kri­se ver­flacht die Dis­kur­se.

Das zweite Problem ist die Technik: Die KI mit ih­ren „Wun­der­lö­sun­gen“ schei­tert oft gran­di­os, dann wer­den rasch Eng­lisch­teams zu­sam­men­ge­sucht, auch und be­son­ders bei lau­fen­den Kon­fe­ren­zen, um ein trag­fä­hi­ges Mi­ni­mal­an­ge­bot si­cher­zu­stel­len. Eng­lisch ist auch die Re­dun­danz, wenn das Preis­dum­ping da­zu ge­führt hat, dass die ein­be­stell­ten (Un)Kol­le­gin­nen, die da mit­ma­chen, nicht aus­rei­chend qua­li­fi­ziert sind.

Denn zu den prak­ti­schen Fä­hig­kei­ten hin­zu sind beim Dol­met­schen für Film­leute vie­le Kennt­nis­se ge­fragt, und zwar gleich aus meh­re­ren Be­rei­chen der Film­her­stel­lung, von der Stoff­ent­wick­lung über die Team­bil­dung, die Ka­me­ra­ar­beit (Auf­lö­sung, Ein­stel­lungs­grö­ßen, Blen­den­wer­te), Fra­gen von Schnitt, Soft­ware, End­fer­ti­gung, aber auch Dra­ma­tur­gie, Äs­the­tik, Aus­stat­tung, … ich weiß nicht, wie­ vie­le tau­send Wör­ter das sind. Ich ha­be sie ge­lernt in der Pro­duk­ti­ons- und Re­gie­as­sis­tenz, die ich als re­cher­chie­ren­de Jour­na­lis­ten jah­re­lang ne­ben der fremd­spra­chi­gen Be­treu­ung von Drehs in Frank­reich oder fran­zö­si­schen Drehs in Deutsch­land ge­macht ha­be, pa­ral­lel da­zu 20 + Jah­re auf der Ber­li­na­le.

Und so­gar mir feh­len manch­mal noch De­tail­be­grif­fe, weil sich die Film­her­stel­lung durch die Tech­nik stän­dig ver­än­dert. Ich fri­sche je­des Jahr auf. Lei­der er­lebe ich immer öf­ter, dass ich von Leu­ten er­setzt wer­de, die die üb­li­chen Sät­ze gna­den­los un­ter­bie­ten. Preis­dum­ping ist das Er­geb­nis ei­ner dop­pelten Fehl­ein­schät­zung: „Ich ge­he oft ins Ki­no, ken­ne mich aus, und es ist ja ‚nur‘ Kul­tur“.

Wenn, weil das Dol­met­schen dann nicht „fließt“, die Pres­se­in­ter­views in den Ho­tels schließ­lich auf Eng­lisch fort­ge­setzt wer­den, weil die In­ter­view­‚slots‘ nur 20 Mi­nu­ten lang sind, kann ich das gut ver­ste­hen. Die preis­dum­pen­de Dol­met­sche­rin denkt: „Die kön­nen gut ge­nug Eng­lisch, die spre­chen jetzt in ih­rer Wunsch­spra­che.“ Die Krea­ti­ven den­ken: „Scha­de, dass die­se Dol­met­sche­rin das Wis­sen nicht hat.“ Die Pres­se­agen­tur denkt: „Das nächs­te Mal spa­ren wir den Pos­ten ‚Sprach­mitt­lung‘, wenn die sich auf Eng­lisch gut be­hel­fen kön­nen.“

Als Re­dun­danz von „KI-Dol­metsch-De­sas­ter“ und von schlech­tem Dol­met­schen ist in bei­den Fäl­len Eng­lisch die ver­meint­li­che Uni­ver­sal­spra­che. Doch die De­tails ge­hen da­bei zu oft flö­ten. Und die Stim­me ist ein we­sent­li­cher Teil des Kör­per­li­chen, da­her lie­ben ech­te Ci­né­as­ten ja Un­ter­ti­tel. War­um müs­sen sich die Krea­ti­ven jetzt un­be­dingt al­le auf „Glo­bish“ selbst „syn­chro­ni­sie­ren“, um es mal sa­lopp zu sa­gen?

Ich ru­fe hier­mit den Wunsch in den gro­ßen Raum hin­ein: Be­sinnt Euch auf die kul­tu­rel­len Fein­hei­ten! Spra­che, ge­spro­che­ne Spra­che, Un­ter­ti­tel, das Art­work mit Buch­sta­ben drauf (Pres­se­heft, aber auch im Vor­feld: Pro­jekt­map­pe zur Ein­rei­chung) sind Eu­re Vi­si­ten­kar­ten und die Vi­si­ten­kar­ten des Films. Und da­mit auch Teil sei­ner künst­le­ri­schen und wirt­schaft­li­chen Wir­kung. Ihr druckt das doch auch nicht auf Klo­pa­pier, oder?

In der her­stel­len­den In­dus­trie ke­hren ge­ra­de die ers­ten Kund:in­nen zu­rück, die ha­ben ver­stan­den, was Profis wert sind. Da in den letz­ten Jah­ren vie­le aus dem Dol­metsch­be­ruf ge­flo­hen sind, kön­nen wir dem­nächst die Prei­se selbst be­stim­men.

______________________________
Fo­to: C.E.
Tags: #Ber­li­na­le2026 #1nt #xl8

Montag, 16. Februar 2026

Montagsschreibtisch (127)

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Hamburg, Lille, Köln oder an­ders­wo. 

Hier be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch sowie dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert.

Two Ladies and a Clown
Kar­ne­val 1926
So kalt wie die­se war lan­ge kei­ne Ber­li­na­le mehr, und jetzt auch noch Schnee! Wie oft liegt das Fes­ti­val in der Fa­schingszeit. Am Mor­gen prompt ei­nen Clown ge­se­hen, der es so schnell nicht ins Kino ge­schafft hat. Er muss­te vie­le Sel­fies mit ei­ner Grup­pe Asiat:in­nen ma­chen. Das hat mich an das Fo­to rechts er­in­nert!

Auf dem Mon­tags­schreib­tisch:
❦ An­ge­bot schrei­ben
❦ Ter­mi­ne planen
❦ Film­ex­po­sé Kor­rek­tur le­sen;
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung er­stel­len

______________________________
Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Samstag, 14. Februar 2026

Hintergrundarbeit

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie lesen hier im Blog ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che. Ich übersetze auch, und Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Ich schrei­be hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen, De­le­ga­tio­nen oder im Filmkontext. Ge­ra­de läuft die Ber­li­na­le, die in diesem Jahr et­was an­ders ist für mich als frü­her.
   
Wäh­rend die ers­ten Ver­leih­fir­men, Tech­nik­bu­den, Film­produktionsfirmen usw. ih­re Ber­li­na­le­früh­stücke ver­an­stal­ten, sit­ze ich am Vor­mit­tag am Schreib­tisch an zwei Tex­ten: Grund­la­gen­pa­pier und Pro­jekt. Das Zoom-Ge­spräch vor­ges­tern war sehr er­gie­big, zum Glück den­ke und schrei­be ich schnell.

Das Ge­sprä­ch musste ich aus­wärts ein­schie­ben, letz­ten Freitag: Am Ver­an­stal­tungs­ort von Mit­glie­der­ver­samm­lung und Em­pfang des Do­ku­men­tar­film­ver­bands AG DOK, ei­nem Co­wor­king-Space, gibt es im Un­ter­ge­schoss Te­le­fon­bo­xen, und auf die Schnel­le hat­te ich mich schon auf der Trep­pe auf dem Mo­bil­te­le­fon ins Ge­spräch ein­ge­loggt. „Man muss sich nur zu hel­fen wis­sen“, sag­te mei­ne klei­ne Oma im­mer, „Omaus“, ge­nannt. Und das ha­be ich von ihr ge­lernt: Zack!, meine im­pro­vi­sier­te Ar­beits­sta­tion, mit dem al­ten Pri­vat­han­dy fo­to­gra­fiert. Eh­re, wem Eh­re ge­bührt!

Ei­nen An­teil an der Schnel­lig­keit in Sa­chen Ideen­fin­dung hat si­cher aber auch mein Dol­metsch­be­ruf. Wir sind ja da­rauf trai­niert, fix Lö­sun­gen zu fin­den, die wie hier im wahrs­ten Wort­sin­ne trag­fähig sind.

Das Holz ist der ein­fachs­te, leich­tes­te Lap­top­stän­der der Welt und heißt „it stood“
Nach­mit­tags ging es zu einer Pres­se­kon­fe­renz ins Rote Rat­haus, dann ins Ki­no.

______________________________
Fo­tos: C.E.

Freitag, 13. Februar 2026

Rennstrecke (1)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te. Hier nur kur­ze Fuß­no­ten zur Ber­li­na­le 2026.

Groß­ar­ti­ger Sit­zungs­saal in ei­nem ehe­ma­li­gen Um­spann­werk (Strom)
Der Saal kurz vor Ver­an­stal­tungs­en­de
Wäh­rend an­ders­wo der Kar­ne­val tobt, step­pt in der deut­schen Haupt­stadt der Ber­li­na­le­bär.
Vor­mit­tags: ler­nen im Büro für ei­nen Ein­satz zur in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit und Men­schen­rech­te, nach­mit­tags: eben je­ner Ter­min, spä­ter Nach­mit­tag: Ver­bands­tref­fen, neue Hin­ter­grün­de ler­nen und von Trends er­fah­ren.
Wich­tig ist aber auch die Kon­takt­ar­beit!

A­bends dann: klei­ner Emp­fang, ge­folgt von noch ei­ner Zoom-Sit­zung, wo es um Ak­ti­vi­tä­ten zur Hu­man In­tel­li­gence ver­sus KI geht, dann noch um die Ecke zum Emp­fang ei­nes Film­ver­leihs.

Ich bin auf der Ber­li­na­le und ma­che das, was wich­tig ist: In­ter­es­sens­ver­tre­tung, und ich dol­met­sche auch auf Zu­ruf.

______________________________
Fo­to: C.E. / der Ort heißt BuM