Donnerstag, 12. Februar 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Treppe, Jalousien, Fenster, Garten im Winter
Herz­lich Will­kom­men!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für schrif­tl­iche Ar­bei­ten? Nach vielen Jah­ren in Frank­reich und den ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dien sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen und ar­bei­te auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft und Kul­tur, Land­wirt­schaft, krea­ti­ve Pro­jek­te, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie und Me­dien so­wie Ki­no, vom Ex­po­sé über Dreh­buch und Pro­duk­tions­dos­sier bis zum Pres­se­heft. Als aus­ge­bil­de­te Jour­na­lis­tin kann ich auch Text­ar­beit an­bie­ten — mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Berlinaledolmetschen 2026

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Sprach­mitt­le­rin. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch … und Film. Auf die­sen Sei­ten er­zäh­le ich re­gel­mä­ßig so, dass man nicht im­mer die Be­tref­fen­den er­kennt, da­für aber die Si­tu­a­tio­nen. Heu­te: Ber­li­na­le. Im Schat­ten des gro­ßen Events bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. 

Un­sicht­bar: Das wird die­ses Jahr auf dem Blog so blei­ben. Nur kur­ze Sta­tus­mit­tei­lun­gen, kein Hin­ter­grund, mir fehlt die Zeit, die ich mir vor Jah­ren noch ge­nom­men hat­te ... bzw., klei­ner Blick ins Näh­käst­chen: Ich hat­te einst Stü­cke vor­pro­du­ziert, die wie­der­keh­ren­den Mo­men­te schon be­schrie­ben, be­vor das Fes­ti­val über­haupt er­öff­net war, und die­se Tei­le dann ak­tua­li­siert!

Berlinale-Bär, vom Inneren des „Festivalpalasts“ aus gesehen
POV der Dolmetscherin kurz vor Filmstart
So ar­bei­ten Me­di­en ja auch. Im Erst­be­ruf war ich Jour­na­lis­tin, und mit Ma­te­ri­al im Steh­satz lässt sich gut blog­gen und auch Zu­sa­gen ma­chen, wie mein täg­li­ches Ber­li­na­le-Ge­flüs­ter auf UEPO aus dem Jahr 2009: Hier geht's zum ers­ten Bei­trag der Rei­he.

Was steht die­ser Ta­ge an? Die Ber­li­na­le hat noch un­ter Koss­lick in un­se­re Bran­che fies rein­ge­metz­gert und dem Film und der Kom­mu­ni­ka­ti­on da­mit kei­nen Ge­fal­len ge­tan. Die meis­ten Film­ge­sprä­che sind in­zwi­schen auf Eng­lisch, so­gar in der Ju­gend­sek­ti­on. Das hat ab­sur­de Fol­gen, wie zum Bei­spiel vie­le Jah­re Film­kul­tur­ar­beit in ei­ner Neu­köll­ner Brenn­punkt­schu­le in we­ni­gen Mi­nu­ten durch „Klas­sis­mus“ zer­stört wor­den sind.

Das ha­be ich hier ir­gend­wo be­schrie­ben ... Mo­ment ... ach, Mist, ich fin­de den Link nicht. Kurz­fas­sung: Tee­na­ger aus Neu­kölln mit Zweit­spra­che Deutsch rät­seln über eng­li­sche Un­ter­ti­tel, die Büh­nen­spra­che ist auch EN, an­de­re jun­ge Teil­neh­mer:innen des Ju­gend­film­wett­be­werbs brüs­kie­ren sie auf of­fe­ner Büh­ne mit per­fek­tem Eng­lisch (Ju­gend­li­che von in­ter­na­tio­na­len Schu­len in Ber­lin) und stel­len sie in ge­meins­ter Wei­se bloß. Bäng! Zi­tat: „Nie wie­der dein Scheiß Kul­tur­ki­no, ab jetzt nur noch Ac­tion­fil­me!“

Vie­le Men­schen aus Ost­deutsch­land, aber auch West­ber­li­ner und West­deut­sche sind nicht so per­fect­ly flu­ent in Eng­lish; bei den Q & As, ques­ti­ons and an­swers, frü­her: Pu­bli­kums­ge­sprä­che, sind meist nur die glei­chen Per­so­nen ak­tiv, in­ter­na­tio­na­le Gäs­te, EN-Mut­ter­sprach­ler, sehr sel­ten sind die auf Deutsch oder Wa­ckel­eng­lisch ge­stell­ten Fra­gen.

Al­so ar­bei­te ich im Hin­ter­grund, mit Pro­du­zen­ten und Pres­se­leu­ten, kurz: dort, wo es für die Ver­lei­her wirk­lich auf Nu­an­cen an­kommt, denn Murks ge­fähr­det Um­sät­ze.

Und ich stel­le er­schüt­tert fest, dass ich bei vie­len In­ter­views von ei­ner Kol­le­gin aus­ge­boo­tet wur­de, die ich mal für ei­ne an­de­re Sprach­kom­bi­na­ti­on emp­foh­len ha­be, die jetzt in die und aus der Fremd­spra­che für (ver­mut­lich deut­lich) we­ni­ger als 50 Pro­zent der Ho­no­ra­re ar­bei­tet, als sie ei­gent­lich üb­lich sind. Es ist nicht ein­fach für mich, laut zu wer­den. Wir Dol­met­scher:in­nen sind ja ge­prägt vom di­plo­ma­ti­schen Par­kett.

Mein Ver­ständ­nis ist höchst ge­ring. „Wir wa­ren jung und brauch­ten das Geld“ wä­re schlimm, ist aber nicht der Fall, wenn es um eta­blier­te Kräf­te mit aus­kömm­li­chen Ren­ten­an­sprü­chen al­lei­ne durch ei­nen gut­ver­die­nen­den Gat­ten geht. Man­che ver­die­nen sich die Ex­tras für den Ur­laub hin­zu. Ich ar­bei­te für mei­nen Le­bens­un­ter­halt und mei­ne ei­ge­nen Al­ters­rück­la­gen. Bit­ter.

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Fo­to:
C.E. (Ar­chiv)

Dienstag, 10. Februar 2026

Kolonialismus und Ökologie

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen hier in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und ar­bei­te mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch (und Deutsch als Mut­ter­spra­che). Als Dol­met­scherin und Zeit­ge­nos­sin bin ich auch an der Ver­an­stal­tung von Ki­no­aben­den be­tei­ligt. Ges­tern Abend ging es um De­ko­lo­ni­sie­rung, Ab­schaf­fung der Skla­ve­rei und den Gift­s­kan­dal um Chlor­de­con in Mar­ti­ni­que und Gua­de­lou­pe.

Ein Infozettel klebt an der Tür
Am Ver­an­stal­tungs­ort

Der Do­ku­men­ta­rfilm „Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie“ gibt den Be­völ­ke­run­gen Mar­ti­ni­ques und Gua­de­loupes ei­ne Stim­me, die bis heu­te den Folbgen der Ko­lo­nia­li­sie­rung aus­ge­setzt sind. Dabei sind die­ beiden An­til­len­in­seln auch noch 2026 durch eine post­ko­lo­nia­le Na­bel­schnur mit Frank­reich ver­bun­den. Die Nach­fah­ren der Ko­lo­nis­ato­ren, die Bé­kés, sind ver­hasst, denn die Aus­beu­tung der Bö­den und der Men­schen dort hat nie wirk­lich auf­ge­hört. Nicht nur Was­ser und das Erd­reich sind kon­ta­mi­niert, son­dern auch die meis­ten Be­woh­ner:in­nen der In­seln.
Die Ba­na­ne, Sym­bol ei­ner aus dem ko­lo­nia­len Sys­tem her­vor­ge­gan­ge­nen Land­wirt­schaft, wird trotz ih­rer ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen wei­ter­hin an­ge­baut.

Ohne EU-För­de­run­gen wäre die­ser An­bau üb­ri­gens un­wirt­schaft­lich.

Rück­blick 

Die­se Ver­schmut­zun­gen sind Teil ei­ner lan­gen Ge­schich­te der Un­ter­drü­ckung. Im 17. Jahr­hun­dert wur­den Mar­ti­ni­que und Gua­de­lou­pe im Dienst der fran­zö­si­schen Wirt­schaft der Mo­no­kul­tur un­ter­wor­fen. Die Skla­ve­rei, 1642 le­ga­li­siert und durch den Code Noir or­ga­ni­siert, be­grün­de­te er­gän­zend ein Sys­tem, in dem sich Macht, Land und Reich­tum in den Hän­den we­ni­ger Fa­mi­li­en kon­zen­trie­ren. Nach der Ab­schaf­fung der Skla­ve­rei blie­ben die­se Struk­tu­ren in an­de­ren For­men be­ste­hen. Bis heu­te kon­trol­lie­ren we­ni­ge Fa­mi­lien den Groß­teil der frucht­bars­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen.

Ba­na­nen­an­bau und -han­del ist nach wie vor eine der wirt­schaft­li­chen Säu­len der bei­den In­seln: Fast die ge­sam­te Ern­te wird nach Eu­ro­pa ex­por­tiert. Ihr Anbau ist je­doch ohne den mas­si­ven Ein­satz von Pes­ti­zi­den un­denk­bar. 

Das Gift und die Fol­gen

Chlor­de­con, das of­fi­zi­ell zwi­schen 1972 und 1993 ein­ge­setzt wur­de, hat Bö­den, Flüs­se und Küs­ten­ge­bie­te kon­ta­mi­niert; es braucht noch etwa 700 Jah­re, bis die Chemikalie nicht mehr schädlich ist. Bis heu­te tau­chen noch Be­stän­de der Sub­stanz auf, die seit Jahr­zehn­ten in Eu­ro­pa ver­bo­ten ist.

Mehr als 90 % der Be­völ­ke­rung wa­ren dem hoch­gif­ti­gen Chlor­de­con aus­ge­setzt, das un­ter an­de­rem mit ei­nem mas­si­ven An­stieg von Krebserkrankungen so­wie schwe­ren Ent­wick­lungs­stö­run­gen bei Kin­dern in Ver­bin­dung steht. Trotz seit vor über fünf­zehn Jah­ren ein­ge­reich­ter Kla­gen we­gen „Ge­fähr­dung des Le­bens Drit­ter“ sta­gnie­ren die Ge­richts­ver­fah­ren und schü­ren ein tie­fes Ge­fühl von Un­ge­rech­tig­keit und Ver­las­sen­sein.

Der Film be­schreibt ein­drück­lich die tra­gi­sche Iro­nie der Ver­schmut­zung: Die Bö­den blei­ben noch für Jahr­hun­der­te kon­ta­mi­niert, zu­gleich wä­re heute der Über­gang zu nachhaltigen Be­triebs­mit­teln deut­lich teu­rer als der Ein­satz vom Che­mie­keu­len. Die­ser Preis scheint zu hoch zu sein für die Play­er des glo­ba­len Han­dels.

Selbst­er­mä­chti­gung

Ein wei­te­res Ka­pi­tel des Films ist dem Wi­der­stand ge­wid­met, der sich ge­bil­det hat und bil­det, um den Ver­ge­hen gegen Ar­beits- und Um­welt­schutz et­was ent­ge­gen­zu­set­zen. Es ent­stan­den Ge­werk­schaf­ten, Bür­ger:in­nen­ko­mi­tees, po­li­ti­sche Be­we­gun­gen so­wie al­ter­na­ti­ve land­wirt­schaft­li­che In­itia­ti­ven mit dem Ziel, die Kon­trol­le über Ter­ri­to­ri­um und Ge­sund­heit zu­rück­zu­ge­win­nen. Der Kampf ist glei­cher­ma­ßen öko­lo­gisch, so­zi­al und po­li­tisch: Es geht dar­um, mit ei­nem wirt­schaft­li­chen Mo­dell zu bre­chen, das aus der Ko­lo­ni­al­zeit stammt, und eine ech­te Er­näh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät auf­zu­bau­en. Dass viele Ländereien geraubt sind, setzt dem Drama noch die Krone auf.

Aus­blick

Am En­de stellt der Film eine ra­di­ka­le und sym­bo­li­sche Fra­ge: Müs­sen zu­erst die Ba­na­nen­plan­ta­gen ab­ge­fa­ckelt wer­den, da­mit aus ih­rer Asche end­lich eine ge­sun­de Land­wirt­schaft ent­ste­hen kann? „Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie“ er­in­nert dar­an, dass die Um­welt­kri­se nicht von his­to­ri­schen Herr­schafts­ver­hält­nis­sen zu tren­nen ist. Die Na­tur zu schüt­zen be­deu­tet hier auch, Un­ge­rech­tig­kei­ten zu re­pa­rie­ren, Er­in­ne­rung wei­ter­zu­ge­ben und eine le­bens­fä­hi­ge Zu­kunft zu ent­wer­fen.

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Publikum vor Leinwand
Au Café Plume

Le do­cu­men­taire « Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie » donne la pa­role aux po­pu­la­tions mar­ti­ni­quaises et gua­de­lou­pé­ennes, con­fron­tées aux hé­ri­ta­ges tou­jours vi­ru­lants de la co­lo­ni­sa­tion. 

Ces îles sont en­core au­jourd’hui re­liées à la France par un cor­don om­bi­li­cal post­co­lo­nial. La co­lère contre les bé­kés, des­cen­dants des co­lons et grands pro­prié­taires fon­ciers, reste vive.

Les ha­bi­tants dé­non­cent l’ex­ploi­ta­tion con­ti­nue des terres, la pol­lu­tion mas­sive de l’en­vi­ron­ne­ment et ses con­sé­quen­ces dra­ma­tiques : l’eau, le sol et les hu­mains sont con­ta­mi­nés. La ba­nane, sym­bole d’une agri­cul­ture hé­ri­tée du sys­tème co­lo­nial, con­ti­nue d’être cul­ti­vée mal­gré ses ef­fets dé­vas­ta­teurs.

Sans les sub­ven­tions de l’UE, cette cul­ture ne se­rait d’ail­leurs pas ren­table.

Coup d'œil sur l'his­toire

Ces pol­lu­tions s’in­scri­vent dans une his­toire longue de do­mi­na­tion. Dès le XVIIᵉ siècle, la Mar­ti­nique et la Gua­de­lou­pe de­viennent des terres de mo­no­cul­ture au ser­vice de l’é­co­no­mie fran­çaise. L’es­cla­vage, lé­ga­lisé en 1642 et or­ga­nisé par « Code Noir », fonde un sys­tème de con­cen­tra­tion des terres et des ri­ches­ses entre les mains de quel­ques fa­milles. Après l’a­bo­li­tion, cette do­mi­na­tion éco­no­mique se main­tient sous d’autres formes. Au­jourd’hui en­core, quel­ques fa­milles con­trôlent l’es­sen­tiel des terres agri­coles les plus pro­duc­tives.

La fi­lière ba­na­nière cons­ti­tue tou­jours l’un des pi­liers éco­no­miques des deux îles : près de 100 % de la pro­duc­tion est ex­por­tée vers l’Eu­rope. Mais cette agri­cul­ture re­pose sur un usage mas­sif de pes­ti­cides. 

Le pro­duit to­xique et son im­pact

Le chlor­de­cone, qui a été uti­lisé of­fi­ciel­le­ment ent­re 1972 et 1993, a con­ta­miné les sols, ri­vières et les zones cô­tières; sa dé­gra­da­tion pren­dra en­vi­ron sept sièc­les.

Plus de 90 % de la po­pu­la­tion a été ex­po­sée au chlor­dé­cone hau­te­ment to­xique, as­so­cié no­tam­ment à une ex­plo­sion des can­cers et à de graves trou­bles du dé­ve­lop­pe­ment chez les en­fants. Mal­gré les plaintes dé­po­sées de­puis plus de quinze ans pour mise en dan­ger de la vie d’au­trui, les pro­cé­dures ju­di­ciaires sta­gnent, ali­men­tant un pro­fond sen­ti­ment d’in­jus­tice et d’a­ban­don.

Le film sou­ligne avec force l’i­ro­nie tra­gique de cette pol­lu­tion : alors que les sols res­te­ront con­ta­mi­nés pour des siècles, la tran­si­tion vers des in­trants agri­coles du­ra­bles coû­te­rait net­te­ment plus cher que l’u­ti­li­sa­tion des cock­tails chi­miques, un coût qui semble dé­ri­soire aux yeux des grands ac­teurs du com­merce mon­dial.

Eman­ci­pa­tion

Un aut­re cha­pitre du film est con­sac­ré à la ré­sis­tan­ce qui s'est for­mée et con­ti­nue de se for­mer pour lut­ter con­tre les in­frac­tions en ma­tière de pro­tec­tion du tra­vail et de l'en­vi­ron­ne­ment. Il mon­tre l’é­mer­gence de syn­di­cats, co­mi­tés ci­toyens, mou­ve­ments po­li­tiques et ini­tia­tives agri­coles al­ter­na­tives s’or­ga­nisent pour re­prendre le con­trôle du ter­ri­toire et de la santé. La lutte est à la fois éco­lo­gique, so­ciale et po­li­tique : il s’a­git de rompre avec un mo­dèle éco­no­mique hé­rité de la co­lo­ni­sa­tion et de cons­truire une vé­ri­table sou­ve­rai­neté ali­men­taire. Le fait que de nom­breu­ses pro­prié­tés aient été vo­lées ajou­te en­core au drame.

Nou­velles pers­pec­ti­ves

En con­clu­sion, le film pose une ques­tion ra­di­cale et sym­bo­lique : faut-il d’a­bord brû­ler les ba­na­ne­raies pour que, de leurs cendres, puisse en­fin naît­re une agri­cul­ture saine ? « Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie » rap­pelle que la crise en­vi­ron­ne­men­tale ne peut être dis­so­ciée des rap­ports de do­mi­na­tion his­to­riques. Pro­té­ger la na­ture, ici, si­gni­fie aussi ré­pa­rer les in­jus­tices, trans­mettre la mé­moire et i­ma­gi­ner un ave­nir via­ble.


Pour al­ler plus loin, nous vous con­seil­lons les res­sour­ces sui­van­tes :
— Pod­cast « La Terre au carré : Scan­dale du chlor­dé­cone aux An­til­les : une his­toire co­lon­ia­le », France Inter (Paris), nov. 2024
Une écologie décoloniale, penser l'écologie depuis le monde caribéen , Mal­colm Fer­di­nand, Cairn (Paris), 2019
S'aimer la Terre: Dé­fai­re l'ha­bi­ter co­lo­nial, Mal­colm Fer­di­nand, Seuil (Paris), 2024 

Mer­ci beau­coup à la sec­tion ber­li­noi­se des Fran­çais du Mon­de !

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Fo­tos:
C.E.

Montag, 9. Februar 2026

Montagsschreibtisch (126)

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne, den es seit 2007 gibt. Mei­nen Ar­beits­all­tag mit Mut­ter­spra­che Deutsch und den Ar­bei­tssprachene Fran­zö­sisch (bi­la­te­ral) und Eng­lisch (Aus­gangs­spra­che) be­schrei­be ich hier in lo­ser Fol­ge.

Vor der Frühjahrs­saison lau­tet die Pa­ro­le: Flei­ßig ar­bei­ten!

Frau vor Schreibmaschine (1926)
Klee als Bü­ro­pflan­ze (1926)

Al­ler­dings ar­bei­ten wir ins Blaue hin­ein, und dann dür­fen wir ab­war­ten, was be­stä­tigt wird.

❦ Fünf An­ge­bo­te schrei­ben (Kon­fe­ren­zen)
❦ Dreh­buch­über­set­zung be­treuen, Fil­me sich­ten.
❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben
❦ Kol­le­‍gin für ei­nen Ein­‍satz an ei­‍nem Tag su­chen, an dem ich nicht kann.
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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Samstag, 7. Februar 2026

Bitte seid uncool!

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Köln oder an­ders­wo. Hier be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on und dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert. Heu­te: Link der Wo­che.

Ei­ner sag­te mal: „Ich er­zie­he mei­ne Kin­der kaum, ich le­be ih­nen ein gu­tes, sinn­füll­tes und ver­ant­wort­li­ches Le­ben vor.“

Pup­pen­kopf, ge­se­hen in Wien
Köpf­chen be­wei­sen!
Je äl­ter ich wer­de, des­to wich­ti­ger wird die­ser Satz für mich.
Auch mei­ne Ab­leh­nung der "Cool­ness", die vor al­lem bei Ju­gend­li­chen, da be­son­ders bei männ­li­chen Ju­gend­li­chen, seit Jahr­zehn­ten en vo­gue ist, he­ge ich schon lan­ge.

Wer sich cool gibt, vor al­lem läs­sig im Un­ter­richt auf den Stuhl flezt und so tut, als ge­he ihn das al­les nicht an, oder sel­te­ner: sie, der (oder die) lernt nicht gut. Die Kri­se der Männ­lich­keit, des Bil­dungs­rück­stands der Tes­to­ste­ron­trä­ger, hängt mit der Mo­de zu­sam­men, mög­lichst ge­chil­led, un­be­tei­ligt, un­be­rühr­bar wir­ken zu wol­len.

So stump­fen Em­pa­thie und Ehr­geiz ab, wächst die Not­wen­dig­keit, sich mit kör­per­li­cher Kraft, Geld, Tri­cke­rei­en oder Ge­mein­hei­ten ei­nen Platz in der Welt zu su­chen und zu be­haup­ten.

Erst ges­tern ha­be ich da­zu Be­stä­ti­gung ge­fun­den. Ha­be den ers­ten Teil ei­ner „Na­no“-Re­por­ta­ge mit dem Ti­tel „Mein Kör­per, mein Ge­däch­t­nis“ ge­se­hen (auf 3Sat, Me­dia­the­ken­film­tipp: Link). Da wird ei­ne Schau­spie­le­rin ge­zeigt, die fünf, sechs Stück lau­fend im Re­per­toire hat und spielt, da­zu wei­te­re Stücke probt und lernt. Sie be­rich­tet, dass sie sich Din­ge no­tie­re, um sie nicht zu ver­ges­sen, zum Bei­spiel ei­nen An­ruf zu tä­ti­gen.

Das ken­ne ich aus Ge­hirn­über­las­tungs­zei­ten.

Jetzt kom­me ich rasch auf mein Ein­gangs­state­ment zu­rück. Ein grie­chi­scher Lern­for­scher wird in­ter­viewt, der Ler­nen als Vor­gang be­schreibt, bei dem es um drei Din­ge ge­he: Wie­der­ho­lung, Ver­knüp­fung mit schon Be­kann­tem, Emo­tio­nen.

Et voi­là !

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Donnerstag, 5. Februar 2026

Kreative Pause

Bon­jour und hal­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch der krea­tive Um­gang mit Spra­che, sie auch mal wört­lich zu neh­men. Heu­te: Ei­ne Nach­dich­tung!

Vor zwei Ta­gen ha­be ich mei­ne Sprach­lie­be of­fen­bart. Oh­ne sie wä­re mei­ne Ar­beit nicht mög­lich, das stän­di­ge Le­sen, Ler­nen, Schlei­fen, Wei­ter­kom­men. Life­long lear­ning: Als der Be­griff auf­kam, ha­ben wir Dol­met­sche:rin­nen uns ge­wun­dert. Wie, ist das nicht in al­len Be­ru­fen so? Für uns war das schon im­mer All­tag.

E­ben­so das Spie­len mit Wor­ten.

Die Zei­len un­ten sind ei­ne Nach­dich­tung und ei­ne Such­an­zei­ge. Ich be­saß einst ein Kin­der­buch aus den 1970-­ern mit Ding­ge­dich­ten, Da­da­is­ti­schem, vi­su­el­ler Poe­sie, es war nicht sehr groß, nicht sehr dick, ich konn­te es be­quem im Ka­buff ei­nes VW-­Kä­fers le­sen, un­se­res ers­ten Au­tos, und dann pass­ten ne­ben mir auch noch De­cken und Kis­sen rein, der Ko­a­la­bär und die Püp­pi. Es stand da­rin et­was zur Ro­ko­ko­kom­mo­de, die ei­nen Ver­lust er­litt. Das Dra­ma ist i­den­tisch, die Form kom­plett an­ders.

Ich zeich­ne jetzt Il­lus­tra­tio­nen zu mei­nen Ver­sen und ma­che ein klei­nes Kin­der­buch dar­aus. In der Zwi­schen­zeit su­che ich wei­ter nach der Vor­la­ge, um die Per­son mit der Ur­sprungs­i­dee be­nen­nen zu kön­nen. Könn­te mir bit­te je­mand hel­fen?

Kommode, schwerer Vorhang, Teppich, Spiegel, Gummibaum
Die Ro­kok­ko­kom­mo­de

Die schö­ne Ro­ko­ko­kom­mo­de
War der­mal­eins ganz schwer in Mo­de.

Stolz steht sie da, jahr­ein, jahr­aus.
Dann heißt es schlicht: „Wir zie­hen aus!“

Vor Schreck die Knäu­fe tan­zen frei,
Kom­möd­chen is­ses ei­ner­lei.

Es geht trepp­auf, es geht trepp­un­ter,
Die Ku­geln ku­geln mun­ter run­ter.

Im LKW ist’s nicht ganz e­ben,
O­o­gott­o­gott, das geht da­ne­ben!

Ein Ruck. Ein Schlag. Ein off’­nes Fach.
O folgt auf O folgt OO-­O nach.

Im Loft mit Licht und ho­her De­cke,
die Rkkk­mm­de klmmt in der E­cke.

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Zeich­nung: C.E.

Dienstag, 3. Februar 2026

Sprachliebe

Bon­jour & hel­lo! Herz­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Als Dol­met­scher­in und Über­set­ze­rin ar­bei­te ich schrift­lich mit Deut­sch als Ziel­spra­che (Text), münd­lich meis­tens ins Fran­zö­si­sche, oft auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Wie un­ser Be­ruf den All­tag be­stimmt, aber auch die Näch­te, ist all­ge­mein nicht be­kannt. Hier be­rich­te ich dar­über.

Was be­son­ders ist im Le­ben von uns Dol­met­scher:in­nen: Wenn du ki­chernd auf­wachst, ge­weckt vom ei­ge­nen La­chen, und dann über­legst, was im Traum pas­siert sein könn­te. Es däm­mert dir lang­sam, und dann weißt du: das deut­sche Wort für hum­ming­bird wur­de ge­sucht.

Was ist denn bit­te hier pas­siert?

Die Fo­kus­sie­rung des Geis­tes auf ein feh­len­des Wort: Das ma­che ich täg­lich im Wach­zu­stand, wirk­lich stän­dig, schla­ge nach, schrei­be auf. Der Kopf mel­det zu­ver­läs­sig feh­len­de Be­grif­fe. Kurz: Das Ge­hirn ist fast stän­dig im lei­sen Ar­beits­mo­dus.

Die An­wen­dung kör­per­zen­trier­ter Tech­ni­ken zur Ent­span­nung, hier­in sind wir Dol­met­scher:in­nen meis­tens gut. Ich war wohl kurz wach, ha­be mit Mas­sa­ge und lei­sem Sum­men den Va­gus­nerv sti­mu­liert und die pa­ra­sym­pa­thi­sche „Ru­he- und Ver­dau­ungs­re­ak­ti­on” aus­ge­löst. Lei­ses Sum­men oder Brum­men wirkt mit Vi­bra­tio­nen auf das Ner­ven­sys­tem, in­dem es ei­ne lang­sa­me, kon­trol­lier­te Aus­at­mung för­dert. In In­di­en ist die­se Tech­nik, als Bh­ra­ma­ri Pra­na­ya­ma be­kannt.

Hum­ming­bird, ich schla­ge nach: Ko­li­bri. Ach ja, stimmt, die­se Vö­gel ha­be ich in den 1990-ern in den USA be­ob­ach­tet und mich nie ge­fragt, wie die sweet lit­tle bir­dies wohl auf Deutsch hei­ßen mö­gen. Jetzt nach­ge­holt, Häk­chen dran!

Wör­ter wie „Ko­li­bri” mit so wun­der­voll klin­gen­den Vo­ka­len ha­ben mich als Kind fas­zi­niert. Wenn ich nicht ein sol­ches Fas­zi­no­sum für Spra­che schon im jüngs­ten Al­ter ge­habt hät­te, wä­re ich nie Sprach­ar­bei­te­rin ge­wor­den.

Ei­ne ge­zeich­ne­te, ge­schwun­ge­ne Kom­mo­de
Spä­ter in der Wo­che mehr zum Mö­bel
Und dann fällt mir prompt auch noch die „Ro­ko­ko­kom­mo­de” ein. Ich hat­te als Kind ein Buch mit Non­sense­ge­dich­ten, halb Da­da, halb kon­kre­te Poe­sie, Gra­fik und Ge­dich­t. Über die­ser Er­in­ne­rung schla­fe ich ein.

Wenn ich nur wüss­te, wie ich die­ses Ge­dicht wie­der­fin­den kann? Ich wür­de es ger­ne den klei­nen Fräu­lein(s) zei­gen, was Nich­ten sind. Denn sie sind auch recht sprach­ver­liebt.

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Zeich­nung: C.E.

Montag, 2. Februar 2026

Montagsschreibtisch (125)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

PAUSE
Pau­se und doch im Be­reit­schafts­dienst

Der Mon­tags­schreib­tisch ist heu­te aber nicht voll. Das Pau­sen­schild ist nur halb ernst ge­meint. Ich bin wie so oft stand by für kurz­fris­tig An­ge­raum­tes (wie neu­lich bei ei­nem me­di­zi­ni­schen Not­fall).

Al­so sind es Eis­blu­men statt ech­ter Blu­men und ge­stick­te Schmet­ter­lin­ge für Lö­cher in Kin­der­ho­sen ...

Auf dem Schreib­tisch:
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­ten zum Auf­ar­bei­ten, die ei­ne gu­te Quel­le für die Vor­be­rei­tung kom­men­der Ein­sät­ze sind und
 ❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben

„Rein­ge­blei­stif­te­te Ter­mi­ne“ sind Ter­mi­ne, zu de­nen wir Kos­ten­vor­an­schlä­ge ge­schrie­ben ha­ben. Frü­her be­ka­men wir zu je­dem drit­ten An­ge­bot ei­ne Zu­sa­ge, heu­te ist die ers­te Kenn­zif­fer deut­lich zwei­stel­lig.

Es gibt we­ni­ger Ver­an­stal­tun­gen, seit man­che in der Po­li­tik stär­ker auf Glo­bish set­zen, es au­ßer­dem mehr Agen­tu­ren gibt, die nur wei­ter­be­auf­tra­gen (mit Ab­schlä­gen von bis zu 50 Pro­zent des Ho­no­rars als „Ver­gü­tung“ ei­ni­ger Mails; da „spie­len“ vie­le von uns nicht mit).

Au­ßer­dem gibt es Tech­nik­fir­men, die „KI-Dol­met­schen“ ver­kau­fen, ob­wohl die KI das nicht kann und nicht kön­nen wird, denn sie hat kei­ne Er­fah­rung, kei­ne Kör­per­lich­keit und erst recht kei­nen ech­ten Über­blick, wenn sie nur Wör­ter aus­tauscht, die nach ma­the­ma­ti­scher Wahr­schein­lich­keit auf­ein­an­der fol­gen.

Grund­la­ge da­für sind oft miss­ver­stan­de­ne Be­grif­fe, die alles ver­zer­ren. Wenn mir Ver­käu­fer die­ser Tech­nik sa­gen: „Aber un­se­re Ma­schi­nen ar­bei­ten zu 80 Prozent ak­ku­rat!“, em­pfin­de ich das als eine Be­lei­di­gung mei­nes Be­rufs­stan­des und der In­tel­li­genz der Kund:in­nen. Denn was sol­len die bit­te­schön mit 20 Pro­zent Murks ma­chen, mit Aus­las­sun­gen, Fehl­grif­fen und Er­fun­de­nem? Ein fal­sches Verb reicht, und al­les ist für die Katz. Die Auf­räum­ar­beit an­schlie­ßend wird teu­rer als die ver­meint­li­che Geld­er­spar­nis.

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Gra­fik: C.E. mit pixlr.com + Let­ter­set

Freitag, 30. Januar 2026

Eis!

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie sind hier auf der Blog­sei­te ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che ge­lan­det. Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Seit 2007 schrei­be ich hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen oder De­le­ga­tio­nen. Als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin bin ich ge­le­gent­lich auch im Spra­chen­paar Eng­lisch → Fran­zö­sisch un­ter­wegs. Sonst über­set­ze ich Tex­te ins Deut­sche.

Berliner Gehweg im Ausnahmezustand
Nicht nur ein Herbst­blatt auf dem Eis
Heu­te: [ˈaɪ̯s], der Deut­schen liebs­tes Des­sert, heu­te auf den Stra­ßen We­gen, nicht zu ver­wech­seln mit Tram­pel­tiers gleich­klin­gen­der Ge­sta­po.

Das Foto ist von gestern. In Ber­lin gibt's heu­te Neu­schnee, das sieht schön aus, ein klei­nes Win­ter­wun­der­land vor dem Haus. Wenn dar­un­ter nicht an vie­len Stel­len ei­ne ein- bis an­der­thalb Zen­ti­me­ter di­cke Eis­schicht lie­gen wür­de. Vie­le Men­schen ha­ben so Haus­ar­rest.

Wir hätten am Mor­gen ei­gent­lich Be­such aus Nord­ber­lin krie­gen sol­len. Ab­ge­sagt. Ber­lin ist hals­bre­che­risch glatt. Und ich bin ge­ra­de ein we­nig frus­tri­ert, weil mei­ne täg­li­chen Wan­de­run­gen aus­fal­len

Ber­li­ner:­in­nen sind Kum­mer ge­wohnt. Wäh­rend in Pa­ris in stark fre­quen­tier­ten Ge­gen­den täg­lich die Stra­ße ge­fegt wird, sonst al­le zwei Ta­ge, gibt es hier in Ber­lin vie­le Stra­ßen, de­nen sich die BSR viel­leicht zwei­mal im Jahr wid­met. An vie­len Ecken lie­gen Dreck und Müll. Fes­te Sperr­müll­ta­ge für al­le gibt es nicht, da­für lan­ge War­te­zei­ten auf die Ab­ho­lung. Das ist ner­vig ge­nug.

Jetzt sind seit Tagen die Geh­we­ge als Eis­lauf­bah­nen nutz­bar: mit Eis be­deckt, oft nicht ge­streut. Die Fahr­bahn da­ge­gen ist meist pri­ma nutz­bar. Bei den Fahr­rad­we­gen: mal so, mal so.

Ges­tern muss­te ich zum Kuh­damm, ei­ne der kom­mer­zi­ells­ten und tou­ris­tischs­ten Ge­gen­den der Stadt. Dort tas­ten sich die Men­schen schritt­wei­se im Pin­gu­in­wat­schel­gang über die Eis­de­cke. Ei­ne äl­te­re Da­me pro­pel­lert wild mit den Ar­men, als woll­te sie gleich ab­he­ben, schwankt kurz, fängt sich dann wie­der. Oh­ne ih­ren Ruck­sack mit Ein­käu­fen drin hät­te sie ab­ge­ho­ben!

Hals­bre­che­ri­sche Zu­stän­de gibt es auch auf et­li­chen S-Bahn-Stei­gen. Was pas­siert ei­gent­lich mit un­se­rem Fahr­geld, mit un­se­ren Steu­er­gel­dern, den Ne­ben­kos­ten für den Win­ter­dienst? Of­fen­sicht­lich fehlt es an öf­fent­li­cher Si­cher­heit, auch oh­ne Eis oft an der In­stand­hal­tung. (Übers Jahr droht vie­ler­orts Schlag­loch­a­larm.)

Win­ter ist in Ber­lin kei­ne Über­ra­schung. Schnee und Eis wa­ren jahr­zehn­te­lang All­tag. Und nun, in Zei­ten der Kli­ma­ka­ta­stro­phe, ha­ben vie­le städ­ti­sche Ei­gen­be­trie­be Tech­nik und Per­so­nal ab­ge­baut. Auch pri­va­te Win­ter­diens­te schei­nen den Win­ter un­ter­schätzt zu ha­ben. Nie­mand kommt hin­ter­her.

Da­bei wird für die Fahr­bah­nen durch­aus et­was ge­tan, al­ler­dings nicht von der Stadt, son­dern von der Phy­sik: Die Rei­fen lie­fern Rei­bungs­wär­me, Ab­ga­se und war­me Fahr­zeug­tei­le hei­zen die Stra­ße zu­sätz­lich auf. Das Ge­wicht der Fahr­zeu­ge zer­bricht und zer­malmt die Eis­schicht. Wir Fuß­gän­ger:­in­nen da­ge­gen po­lie­ren mit un­se­ren Schu­hen die Eis­ober­flä­che eher noch.

Die hier be­rich­ten­de Dol­met­sche­rin hat üb­ri­gens ge­ra­de mit ei­nem fran­zö­si­schen Gast acht Stun­den in der Not­fall­stel­le ei­nes Kran­ken­hau­ses ver­bracht. Dort: al­les vol­ler äl­te­rer Men­schen, die auf dem Eis aus­ge­rutscht wa­ren.

Seit dem Nach­mit­tag er­laubt Ber­lin das Streu­en von Salz trotz er­wie­se­ner Schäd­lich­keit. Es liegt an der Man­po­wer, nicht am Subs­trat.

CUT. In Aus­tra­li­en ist so viel Land ab­ge­brannt wie das hal­be Saar­land groß ist. Nörd­lich von Ade­lai­de wur­den 49 °C ge­mes­sen. Und wäh­rend bei uns noch häu­fi­ge­re und län­ge­re Käl­te­pha­sen dro­hen, weil die Kli­ma­ka­ta­stro­phe den Golf­strom bzw. AMOC ab­schwächt, ver­brennt auf der an­de­ren Sei­te un­se­res Glo­bus die Ge­gend.

P.S.: Ei­ne Nach­richt an die EB Im­mo­bi­li­en­ver­wal­tung: Wir ha­ben mit­be­kom­men, dass wir seit dem 3.12. ent­we­der Win­ter­dienst oder die Putz­leu­te im Haus ha­ben. Dass sie die Putz­lis­te am Aus­hang im nach­hin­ein ha­ben än­dern las­sen, än­dert da­ran nichts. Das hier ist hals­bre­che­risch. An der Haus­wand lässt sich knapp ent­lang­schlei­chen, so­lan­ge kein Ge­gen­ver­kehr ist (und wir stel­len­wei­se seit­lich tre­ten). Ach, und um die in­zwi­schen il­le­ga­le Blei­lei­tung in der Wand soll­ten Sie sich auch mal küm­mern. Mal sehen, viel­leicht re­agie­ren Sie ja auf die­se Wei­se.

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Fo­to: C.E.