Montag, 12. Oktober 2026

Montagsschreibtisch (160)

In das Be­rufs­le­ben von Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­schern, Über­set­zern und Über­set­ze­rin­nen kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten klei­ne Ein­bli­cke er­hal­ten. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch ar­bei­te ich mit FR (in bei­de Rich­tun­gen) so­wie EN als Aus­gangs­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Hier be­rich­te ich über die Ar­beit in den Be­rei­chen Po­li­tik, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur, Me­di­en und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch.

Ein ba­na­ler, aber doch ner­vi­ger Ta­ge­buch­mo­ment: Mist aber auch, wenn je­mand von den Stadt­wer­ken zum Strom­ab­le­sen in den Ge­mein­schafts­kel­ler muss, die Haus­ver­wal­tung aber auf dem Schlüs­sel sitzt.

Sit­zungs­raum beim Tech­nik­check

Es scheint ja durch­aus im Be­reich des Mög­li­chen, je­man­den recht­zei­tig zu sen­den oder ei­ner/ei­nem von uns Mie­ter:in­nen eine Ko­pie des Schlüs­sels zu ge­ben, oder? Ähn­lich ner­vig, wenn Dienst­leis­ter Ter­mi­ne mor­gens von sie­ben bis neun fest­le­gen und dann je­mand spä­ter auf­schlägt, für den die HV die Chu­zpe hat, ei­ne hal­be Stel­le ab­zu­rech­nen. Ver­mut­lich wohnt er in Mün­chen und je­de Stre­cke zählt als Ar­beits­zeit. *Iro­nie off* ... jetzt nur nicht ner­ven las­sen.

Ich hätte heu­te Früh nicht auf­ma­chen kön­nen, denn es gab ei­nen Früh­stücks­ter­min in ei­nem Mi­nis­te­ri­um. (Das Buf­fet ist nicht ab­ge­bil­det. Es war statt­lich.) Von uns war je­mand ei­ne Drei­vier­tel­stun­de vor den Gäs­ten vor Ort, weil der Tech­ni­ker neu im Be­ruf ist.

Sonst kurz und bün­dig der Ein­satz, das macht Spaß, trotz der all­ge­mein mie­se­pe­tri­gen Kri­sen­stim­mung.

Die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch
❦ För­der­an­trags­dos­sier kor­rek­tur­le­sen (Film­wirt­schaft)
❦ ein Sa­hel­the­ma
❦ Kos­ten­vor­an­schlä­ge, Ter­min­pla­nung
❦ Viel­leicht Ihr Vor­ha­ben?

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Freitag, 9. Oktober 2026

Moment mal! (12)

Bon­jour auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te be­gin­nen für mich ei­ni­ge ru­hi­ge Ta­ge.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

­

Le­sen ge­hört bei mir zum Be­rufs­all­tag, je­den Tag. Als Kon­fe­renz­dol­met­scher­in muss ich auf dem Lau­fen­den sein. Um ein we­nig die ver­gan­ge­nen Wo­chen nach­zu­ho­len und weil ich das On­line­le­sen als sehr er­mü­dend emp­fin­de, ha­be ich mir zum di­gi­ta­len Abo man­cher Zei­tun­gen hin­zu jetzt Pa­pier­aus­ga­ben be­sorgt.

Die­se Wo­che stellt die Wo­chen­zei­tung „Die Zeit“ in Heft und Ma­ga­zin in die­sem li­te­ra­ri­schen Herbst 100 Bü­cher vor. Zu­erst ha­be ich mich sehr ge­freut. Bis ich beim Blät­tern zu­neh­mend ir­ri­tiert fest­stel­len muss­te, dass die Aus­wahl vor al­lem deut­sche Ver­öf­fent­li­chun­gen be­rück­sich­tigt und da­zu noch ei­ni­ge aus dem Wes­ten. Der Os­ten Eu­ro­pas ist kaum ver­tre­ten.

Die­ses Jahr ist die Tsche­chi­sche Re­pu­blik das Gast­land der Frank­fur­ter Buch­mes­se. In der Zei­tung wird ein ein­zi­ger le­ben­der Au­tor vor­ge­stellt ... und an Kaf­ka er­in­nert. Das fühlt sich ir­gend­wie nach geis­ti­ger Ab­schot­tung an, nach Bauch­na­bel­schau.

Ich be­ob­ach­te der­lei auch an­ders­wo. Das scheint lei­der ein Trend zu sein in Deutsch­land. Wir emp­fan­gen seltener De­le­ga­ti­ons­rei­sen und er­le­ben we­ni­ger internationale Be­geg­nun­gen auf di­ver­sen po­li­ti­schen Ebe­nen (was wir als Dol­met­scher:in­nen an ge­sun­ke­nen An­fra­ge­zah­len ab­le­sen kön­nen).

Denn die KI kann's nicht, da­rü­ber ha­be ich hier ge­schrie­ben. Sie lie­fert das ma­the­ma­tisch Wahr­schein­li­che, ist ein rie­si­ger Hoax, die­ses Au­to­com­ple­te, denn beim Aus­tausch geht es doch im­mer um das Be­son­de­re, das Neue, das Zu­künf­ti­ge.

Was ma­chen Ge­sell­schaf­ten, die sich nicht mit­ein­an­der auf die Zu­kunft vor­be­rei­ten? Und wir bau­en an Eu­ro­pa! Wa­rum, lie­be „Zeit“, lasst Ihr uns nicht den Blick wei­ten, um ein­an­der bes­ser ken­nen­zu­ler­nen? 

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Gra­fik:
KI (OpenAI)

Dienstag, 6. Oktober 2026

Gedenktage

Bon­jour, hel­lo, herz­lich will­kom­men! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne oder bin auf Reisen, so wie jetzt gerade. In mei­nem Le­ben mischt sich das Pri­va­te manch­mal mit dem His­to­ri­schen. Und das ist ge­ra­de jetzt be­son­ders schwer.

Der Leh­rer reicht mir das Mi­kro­fon: „Mach Du wei­ter!“ Ich: „Wie in Frank­reich?“ Er: „Wie in Frank­reich!“

Ich ste­he an ei­nem KZ-Fried­hof in Süd­deutsch­land. Es ist ein klei­nes Au­ßen­la­ger von Natz­wei­ler am Ge­denk­tag der Be­frei­ung. Et­li­che Gäs­te aus Frank­reich sind da und be­rich­ten über die­sen Tag. Ich dol­met­sche zum allerersten Mal in meinem Leben. Ich bin 17 Jah­re alt und ah­ne nicht, dass ich das ein­mal be­ruf­lich ma­chen wür­de.

Ei­ni­ge Mo­na­te zu­vor, auf ei­ner Rei­se beim Schü­ler­aus­tausch: Wir ste­hen in ei­ner Ho­nig­ku­chen­fa­brik, er­hal­ten ei­ne Füh­rung. Ne­ben der Se­kre­tä­rin des Werks steht der La­tein­leh­rer, der, wie ich spä­ter er­fah­re, auch Fran­zö­sisch un­ter­rich­tet hat. Er hat uns auf der Rei­se be­glei­tet, weil er sei­ne Frau mit­neh­men konn­te, ei­ne Leh­re­rin in der Fa­mi­li­en­pau­se. So gab es wie ge­for­dert je ei­ne männ­li­che und ei­ne weib­li­che Be­gleit­per­son; so hat nur ein ak­ti­ver Leh­rer an der Schu­le ge­fehlt, Leh­rer­man­gel schon da­mals.

Der La­tein­leh­rer, des­sen Fran­zö­sisch­un­ter­richt ähn­lich wie der ei­ner to­ten Spra­che ab­ge­lau­fen sein soll, über­trägt für uns die Er­klä­run­gen der Chef­se­kre­tä­rin. Er ringt nach Wor­ten. Ich er­bar­me mich sei­ner und flüs­te­re ihm ab und zu ei­nen Vor­schlag vor, den er dank­bar an­nimmmt. Plötz­lich ver­schluckt er sich, ringt nach Luft, geht aus dem Raum, um sich frei­zu­hus­ten. Sei­ne Frau bit­tet mich, wei­ter­zu­ma­chen. Als er zu­rück­kehrt, ist die Rol­len­ver­tei­lung klar: Ich dol­met­sche wei­ter und er souf­fliert Vo­ka­beln.

Lili Keller-Roseberg / Et nous sommes revenus seuls
Buch von Lili Keller-Roseberg 
Wie in Frank­reich ste­he ich al­so vorn. Ne­ben mir die Über­le­ben­den, auf den Stüh­len die Ho­no­ra­tio­ren, die Pres­se und die Gäs­te der Stadt. Wer­de am En­de kurz ge­lobt. Nie­man­dem ist der Rol­len­tausch ne­ga­tiv auf­ge­fal­len, das ist ja schon mal was, so mein Ge­dan­ke da­mals. Und nie­mand sagt: „Das könn­test du be­ruf­lich ma­chen.“

Da­mals ha­be ich noch nicht ge­ahnt, dass Dol­met­schen weit mehr als Tech­nik und Vo­ka­bel­wis­sen ist. Es geht um his­to­ri­sches Wis­sen, um Prä­zi­si­on und auch um ein emo­tio­na­les Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, das in kei­nem Wör­ter­buch steht.

 Zen­tral ist auch das rich­ti­ge Sprach­ni­veau.

Und in der Ana­ly­se kommt jetzt mein El­tern­haus ins Spiel, bei­de His­to­ri­ker und Ger­ma­nis­ten, stets be­dacht da­rauf, dass wir Kin­der uns gut aus­drüc­ken, de­tail­reich und vie­le Wörter ler­nen. Dan­ke!

Mich hat das „Drit­te Reich“ jahr­zehn­te­lang im­mer wie­der be­schäf­tigt, auch die­ser Ta­ge in Wei­mar. Ei­ne äl­te­re Da­me, die als Kind im KZ war, be­rich­tet vor Ju­gend­li­chen. Hier ist ei­ne be­son­ders fein­füh­li­ge Spra­che wich­tig. Al­les ist prä­zi­se zu über­tra­gen: das Grau­en und ih­re gro­ße Men­schen­lie­be, ih­re De­mut und ih­ren fei­nen Hu­mor, der dann und wann auf­blitzt. Je­des Wort, je­de Nu­an­ce zäh­len.

Und nun, an die­sem Diens­tag, als ich die Zeit­zeu­gin in ei­nem Hin­ter­zim­mer des be­rühm­ten Ho­tels Ele­fant in Wei­mar zu ei­nem Ge­spräch mit den Ho­no­ra­tio­ren des Lan­des und der Stadt be­glei­ten darf, kommt die Nach­richt, dass in Sach­sen-An­halt zum ers­ten Mal seit 1945 in Deutsch­land ein rechts­ex­tre­mer Par­la­ments­prä­si­dent ge­wählt wur­de. Es schnürt mir den Hals zu. Es war zu er­war­ten. Es ist trotz­dem er­schüt­ternd. Er hat vier Stim­men mehr er­hal­ten, als sei­ne Par­tei und das BSW, ei­ne Ab­spal­tung ei­ner lin­ken Par­tei, im Par­la­ment ha­ben.

Es ist wie vor bald 100 Jah­ren: man­geln­de Bil­dung, das in Tei­len be­rech­tig­te Ge­fühl, zu­rück­ge­setzt und be­nach­tei­ligt zu sein, Rat­ten­fän­ger, die sich neu­er Me­di­en be­die­nen, cha­ris­ma­ti­sche Per­so­nen, die kom­plett vom Par­tei­pro­gramm ab­wei­chen und das Blaue vom Him­mel ver­spre­chen in der Hoff­nung, dass die Men­schen nicht in den Quel­len le­sen.

Die­ses Stu­di­um der Quel­len, das kri­ti­sche Le­sen, ist in Zei­ten des In­ter­nets und der KI wich­ti­ger denn je, und es wur­de, ob­wohl wir ja nicht erst seit ges­tern mit neu­en Tech­no­lo­gi­en le­ben, ver­nach­läs­sigt. Ich er­gän­ze auf mei­ner Lis­te: Ein ver­sa­gen­des Schul­sys­tem, das nicht oder zu we­nig an die Her­aus­for­de­run­gen der Zeit an­ge­passt wur­de.

Un­ser Grund­ge­setz ist an­ti­fa­schis­tisch, das hat Hape Ker­ke­ling erst letz­te Wo­che so vor dem Thü­rin­ger Land­tag per­fekt zu­sam­men­ge­fasst. Es ent­stand aus dem Schock dar­über, was Men­schen vom ter­ro­ris­ti­schen NS-Re­gime an­ge­tan wur­de. Ich ver­ste­he das Zö­gern nicht. So­gar die CDU-na­he Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung hat gut­ach­ter­lich fest­ge­stellt, dass die rechts­ex­tre­me Par­tei ver­fas­sungs­feind­lich ist.

Das Schlimms­te für mich heu­te ist es aber, un­se­rer Zeit­zeu­gin und ih­rer Toch­ter von den Ent­wick­lun­gen in Deutsch­land zu be­rich­ten. Später, am Abendessenstisch, wer­den wir sit­zen­blei­ben und über his­to­ri­sche Par­al­le­len spre­chen, aber auch über die Ent­wick­lun­gen in Frank­reich und den ins To­ta­li­tä­re ab­drif­ten­den USA. Es ist der Vor­abend ei­nes Jah­res­tages, dem 7. Ok­to­ber, mit den bar­ba­ri­schen Mor­den, den Gei­sel­nah­men, un­säg­li­chem Leid ...

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Fo­to: C.E.

Montag, 5. Oktober 2026

Montagsschreibtisch (159)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

In der Dol­met­scher­ka­bine
Die­se Wo­che näh­ert sich bei der Eng­lisch­kol­le­gin eine Dead­line für ein Groß­proj­ekt. Des­halb sitzen zwei Kor­rek­tur­le­se­rin­nen mit im Bü­ro und sie klä­ren ge­mein­sam die letz­ten Zwei­fels­fäl­le. Das passt mir gut, denn ich bin unterwegs.

Diese Wo­che auf dem Schreib­tisch

❀ Ge­den­ken an den his­to­ri­schen deut­schen Zi­vi­li­sa­tions­bruch vor bald 100 Jah­ren in ei­nem ost­deut­schen Bun­desland
❀ Ju­gend­bil­dungs­ar­beit
❀ Zwei Film­ge­sprä­che
❀ Whis­tle­blo­wer

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Fo­to:
C.E.

Freitag, 2. Oktober 2026

Moment mal! (11)

Bon­jour auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Manch­mal möch­te ich mich zwei­tei­len.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Ich dol­met­sche ge­ra­de ei­ne län­ge­re Pas­sa­ge. Dann sagt der Red­ner: „So, und da­mit kom­me ich zum Schluss.“ Ich ver­dol­met­sche das. Er spricht wei­ter. Ich schaue auf die Uhr. Wir sind in fünf Minuten durch. Aus­nahms­wei­se sit­ze ich al­lei­ne in der Box, denn das En­de der Ver­an­stal­tung steht fest. Al­le sol­len an­schlie­ßend die Bus­se neh­men und zu ei­nem Emp­fang ins Rat­haus fah­ren. 

Die Dol­met­schkol­le­gin, die ein klei­nes Kind hat, ha­be ich fünf Mi­nu­ten zu­vor ge­hen las­sen, da­mit sie ih­ren Re­gio­nal­zug er­wi­scht.

Er spricht und spricht und spricht. Wir sind jetzt zehn Mi­nu­ten über die Zeit. Ir­gend­wann sagt er: „Und da­mit kom­me ich nun wirk­lich zum Schluss. Ih­re Fra­gen he­ben Sie sich bit­te auf für mor­gen.“

Jetzt über­set­ze ich vor­sichts­hal­ber et­was we­ni­ger end­gül­tig. Es fol­gen wei­te­re Wor­te ... Die Mo­de­ra­to­rin der Ver­an­stal­tung ver­lässt im Sau­se­schritt den Saal. Viel­leicht war drin­gend ei­ne Bio­pau­se nö­tig.

Dann sieht mich der Red­ner plötz­lich di­rekt an, lä­chelt und winkt in mei­ne Rich­tung. Kurz den­ke ich: Der freut sich über mei­ne Ver­olmet­schung. Dann mer­ke ich: Er war­tet auf die nächs­te Fo­lie, nie­mand mehr da von der Ver­an­stal­tungs­or­ga­ni­sa­tion, die oder der die Power­point an­kli­cken könn­te. Er ist noch im­mer nicht fer­tig.

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Gra­fik:
KI (OpenAI)

Dienstag, 29. September 2026

Disruptionen

Bon­j​our, hel­lo, gu­ten Tag! Sie ha­ben die Sei­te ei­ner Über­set­ze­rin und Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che an­ge­klickt. Wenn ich nicht ge­ra­de Dreh­bü­cher oder Fi­nan­zie­rungs­plä­ne von Fil­men über­set­ze, in der Ka­bi­ne sit­ze oder mit Kun­den Fa­bri­ken be­sich­ti­ge, be­rei­te ich mich auf die Ter­mi­ne vor. Le­sen und ler­nen ist die zwei­te Haupt­be­schäf­ti­gung von Sprach­ar­bei­ter:in­nen.

Brücke, die auseinandergebrochen ist
Dis­rup­tio­nen durch­füh­ren und dann die Fol­gen be­kla­gen
Die ak­tu­el­le Po­li­tik emp­fin­de ich der­zeit als be­las­tend.
Wir er­le­ben ei­ne Zeit, in der es un­ter ak­ti­ven Po­li­ti­ker:in­nen nicht mehr mög­lich zu sein scheint, für Feh­ler ge­ra­de­zu­ste­hen und al­les dar­an­zu­set­zen, sie wie­der aus­zu­bü­geln, sau­ber zu kom­mu­ni­zie­ren, auf die Ge­fahr hin, dass es ei­nem erst ein­mal um die Oh­ren fliegt.

Wenn das Pub­li­kum doch nur län­ger hin­hö­ren wür­de als ei­ni­ge Se­kun­den ...

An­statt pro­gres­si­ve Po­li­tik zu ge­stal­ten, lie­fern et­li­che Par­tei­en oft in­halt­li­che Vor­schlä­ge aus der Klam­ot­ten­kis­te des letz­ten Jahr­hun­derts, z. B. das Ver­bren­nen von Fos­si­lien, das über­pro­por­tio­na­le Her­an­zie­hen är­me­rer und durch­schnitt­lich ver­die­nen­der Schich­ten zur Staats­fi­nan­zie­rung im Ver­gleich zu den Ver­mö­gen­den, die sich auf­grund der Ge­set­ze arm rech­nen kön­nen, wenn sie nicht bei sehr gro­ßen Ver­mö­gen kom­plett „ge­schont“ wer­den.

In die­sem Zu­sam­men­hang wird oft die „Ross-Ap­fel-The­o­rie“ er­wähnt. Sie kommt in­zwi­schen fast nur noch als „Trick­le-Down-The­o­rie“ vor, weil der Mas­se viel­leicht ein­leuch­ten könn­te, dass sie hier als Spat­zen darge­stellt wird, die ihr Fut­ter aus Fä­ka­li­en pi­cken dür­fen. Zu die­ser The­o­rie ist nur ei­ns zu sa­gen: Die Wirk­lich­keit hat wie­der­holt be­wie­sen, dass sie nicht funk­tio­niert.

Die Ver­mö­gens­steu­ern wur­den einst vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­kippt, weil Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tum noch nach den Ein­heits­wer­ten von 1936 oder ir­gend­wel­chen an­de­ren Mo­del­len be­wer­tet wur­de. Das war En­de letz­ten Jahr­hun­derts. In­zwi­schen ha­ben wir aber wie­der ein ak­tua­li­sier­tes, funk­tio­nie­ren­des Im­mo­bi­li­en­be­wer­tungs­sys­tem. Der Aus­set­zungs­grund ist be­ho­ben. Wo bleibt die Wie­der­ein­füh­rung der Ver­mö­gens­steu­er?

Und nein, ich ver­lan­ge kei­nen Kom­mu­nis­mus, wie man­cher in der ver­kürz­ten Po­li­tik­de­bat­te jetzt 'ar­gu­men­tie­ren' wür­de, son­dern le­dig­lich die Wie­der­her­stel­lung von Steu­er­ver­hält­nis­sen, wie sie un­ter Hel­mut Kohl üb­lich wa­ren.

Ich über­set­ze Zei­tungs­aus­schnit­te für ei­ne Kor­res­pon­den­tin. Es ist nicht leicht, auf Nach­fra­gen im­mer wie­der sa­gen zu müs­sen: „Ja doch, das stimmt so.“ Dass die Bahn in Deutsch­land ein Pro­blem ist, hat die Da­me in­zwi­schen selbst be­merkt. Dass sie kei­ne Aus­nah­men er­lebt hat, war ihr schwer zu ver­mit­teln.

Und jetzt ti­telt auch die in­ter­na­tio­na­le Pres­se gar­sti­ges Zeug über un­se­re Re­gie­ren­den. Wer will es ihr ver­den­ken? Ich ha­be ei­ne Re­por­ta­ge­se­rie ge­se­hen, in der ein Nach­wuchs­po­li­ti­ker, der in sei­nem Le­ben bis­lang nichts als Po­li­ti­ker war, durchs Kanz­ler­amt schwebt mit den Al­lü­ren ei­nes roy­alen Thron­fol­gers. Kör­per­spra­che und Wort­wahl wa­ren der­art ka­ri­ka­tur­haft, dass ich am An­fang ge­dacht ha­be: „Wow, was die KI schon kann, ist ja ab­ar­tig!“ (Hier der Link zu „In­side CDU“ von De­ni­se Ja­cobs und Stef­fen Haug im ZDF.)

Eu­ro­pa | Merz­däm­me­rung | Fried­rich Merz, der Zom­bie-Kanz­ler Er kann nicht mehr auf die Bei­ne kom­men, aber nie­mand will ihm den Rest ge­ben — noch nicht
Merz­däm­me­rung — auf Deutsch im Ti­tel

Ein „Zom­biekanz­ler“ über­schrieb die nord­ame­ri­ka­ni­sche Zei­tung The Eco­no­mist ei­nen Bei­trag (Link). Ich le­se in an­de­ren Ar­ti­keln, dass er der Kanz­ler ei­ner Par­tei ist, die in Deutsch­land ge­ra­de da­mit Schlag­zei­len macht, dass ei­ni­ge ih­rer Ver­tre­ter dem nord­ame­ri­ka­ni­schen Au­to­kra­ten da­zu gra­tu­lie­ren, wie schnell die­ser sein Land um­baut. Ein an­de­rer Po­li­ti­ker der Kanz­ler­par­tei wird zum wie­der­hol­ten Mal bei fet­ten Lü­gen er­tappt. Die an­de­ren po­li­ti­schen La­ger sind ge­schwächt. In der Mit­te der zer­frans­ten Par­tei­en­land­schaft klafft ein gro­ßes Loch.

Da­bei bräuch­ten wir en­ga­gier­te Leu­te, die an­pa­cken. Das wür­de mit der Ana­ly­se los­ge­hen, dass es ein Feh­ler war, im Rah­men der Glo­ba­li­sie­rung gan­ze Fer­ti­gungs­stre­cken in Billig­lohn­län­der zu ver­la­gern. Die Leu­te dort sind nicht doof, sie ha­ben Tech­nik wei­ter­ent­wi­ckelt und die deut­sche In­ge­nieurs­kunst, so, wie sie über­haupt ran­ge­las­sen wird, über­holt. Die Au­to­her­stel­lung ist ein klei­nes Bei­spiel; die Tech­nik der Nach­hal­tig­keit das nächs­te.

Un­se­re Ge­sell­schaft wird im­mer äl­ter, im­mer nach­wuchs­feind­li­cher, und die plat­ten "Lö­sun­gen" ge­wis­ser Grup­pie­run­gen wer­den die La­ge wei­ter ver­schlim­mern. Hin­zu kommt ei­ne weit ver­brei­te­te ne­ga­ti­ve Stim­mung, die ich üb­ri­gens in vie­len Un­ter­neh­men aus­drück­lich NICHT wie­der­fin­de. Die Kla­ge sei des Kauf­manns Gruß, heißt es dort ach­sel­zu­ckend.

Psy­cho­lo­gie ist ein am stärks­ten un­ter­schätz­tes For­schungs­ge­biet, wenn es um Wirt­schaft und Po­li­tik geht. Für die Kun­din le­se ich jetzt Li­te­ra­tur über die Zwan­zi­ger und Drei­ßi­ger Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts.

Ich weiß aus an­de­ren Ein­sät­zen um die kri­ti­sche La­ge der Kli­ma­kipp­punk­te, se­he täg­lich die ra­sant schwin­den­de Bio­di­ver­si­tät, die dras­tisch ab­neh­men­de Hu­mus­men­ge und lau­ern­de Ex­tre­mis­ten, die mir oft eher vor­kom­men wie Mit­glie­der von Sek­ten als wie auf­ge­klär­te Wahl­bür­ger:in­nen.

Ja, es sind schwie­ri­ge Zei­ten.

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Gra­fik:
Die Aben­teu­er des Prin­zen
Ach­med (Lot­te Rei­ni­ger)

Montag, 28. September 2026

Montagsschreibtisch (158)

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin schenkt Tex­ten ihr wun­der­vol­les Eng­lisch. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Hamburg, Lille, Köln und auch viel­leicht bald auch ge­nau dort, wo Sie mich brau­chen!

Junge Dame im Büro
Ruth im Büro (1955)
Ei­ne wei­te­re po­li­ti­sche Wo­che liegt vor mir. Ich be­rei­te mich auf das Ge­den­ken an deut­sche Ge­schich­te vor, und zwar mehr­stu­fig. Un­ter an­de­rem werde ich in Weimar sein, erneut die Goe­the-Eiche auf­su­chen. Das ist jetzt ein Code, der spon­tan nur von man­chen ver­stan­den wird. Au­ßer­dem: ei­ne wei­te­re, um­fang­rei­che Vor­be­rei­tung.

En dé­tail
❦ Ter­min­pla­nung
❦ Deutsche Geschichte
❦ Un­ter­ti­tel: Kor­rek­tur le­sen
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung
❦ Whis­le blo­wing

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 25. September 2026

Moment mal! (10)

Bon­jour auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der­ho­le ich ei­nen Bei­trag von 2018, weil er im Grun­de der per­fek­te Bei­trag für die­se Fol­ge ge­we­sen ist.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

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„Was meinst du mit Gei­seln, Lieb­ling?“ Die Stim­me der Oma klingt leicht ver­zwei­felt, als sie die Fra­ge zum drit­ten Mal wie­der­holt. Wir sind in ei­ner Eis­die­le: Am Fens­ter sitzt ein gut Drei­jäh­ri­ger auf ei­nem Bar­ho­cker und blät­tert in der Zei­tung, die dort auf Steh­ti­schen aus­liegt. Kann der Klei­ne et­wa schon le­sen?

Dar­auf der klei­ne Mann lau­ter: „Scho­ko mit Gei­seln!“

Die hier be­rich­ten­de Dol­met­scher­in, eben aus der Ka­bi­ne ge­pur­zelt, hat die Sze­ne nur aus den Au­gen­win­keln mit­be­kom­men. „Er meint Streu­sel“, sagt sie in Rich­tung der Groß­mut­ter.

Die­se tritt nun auch an die The­ke he­ran: „Wo­her wis­sen Sie das? Wer sind Sie?" Die Ant­wort kommt so spon­tan, wie so man­che Wort­fin­dung in der Ka­bi­ne, schnell, kon­text­be­zo­gen: „Ich bin Dol­met­scher­in, gnä­di­ge Frau!“

(... und ich muss grin­sen, weil ich „Klein­kind­deutsch“ bis­lang noch nicht in der Lis­te mei­ner Fremd­spra­chen hat­te.)

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Gra­fik: KI (OpenAI)