Freitag, 6. Februar 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Treppe, Jalousien, Fenster, Garten im Winter
Herz­lich Will­kom­men!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für schrif­tl­iche Ar­bei­ten? Nach vielen Jah­ren in Frank­reich und den ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dien sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen und ar­bei­te auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft und Kul­tur, Land­wirt­schaft, krea­ti­ve Pro­jek­te, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie und Me­dien so­wie Ki­no, vom Ex­po­sé über Dreh­buch und Pro­duk­tions­dos­sier bis zum Pres­se­heft. Als aus­ge­bil­de­te Jour­na­lis­tin kann ich auch Text­ar­beit an­bie­ten — mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Kreative Pause

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch der krea­tive Um­gang mit Spra­che, sie auch mal wört­lich zu neh­men. Heu­te: Ei­ne Nach­dich­tung!

Vor zwei Ta­gen ha­be ich mei­ne Sprach­lie­be of­fen­bart. Oh­ne sie wä­re mei­ne Ar­beit nicht mög­lich, das stän­di­ge Le­sen, Ler­nen, Schlei­fen, Wei­ter­kom­men. Life­long lear­ning: Als der Be­griff auf­kam, ha­ben wir Dol­met­sche:rin­nen uns ge­wun­dert. Wie, ist das nicht in al­len Be­ru­fen so? Für uns war das schon im­mer All­tag.

E­ben­so das Spie­len mit Wor­ten.

Die Zei­len un­ten sind ei­ne Nach­dich­tung und ei­ne Such­an­zei­ge. Ich be­saß einst ein Kin­der­buch aus den 1970-­ern mit Ding­ge­dich­ten, Da­da­is­ti­schem, vi­su­el­ler Poe­sie, es war nicht sehr groß, nicht sehr dick, ich konn­te es be­quem im Ka­buff ei­nes VW-­Kä­fers le­sen, un­se­res ers­ten Au­tos, und dann pass­ten ne­ben mir auch noch De­cken und Kis­sen rein, der Ko­a­la­bär und die Püp­pi. Es stand da­rin et­was zur Ro­ko­ko­kom­mo­de, die ei­nen Ver­lust er­litt. Das Dra­ma ist i­den­tisch, die Form kom­plett an­ders.

Ich zeich­ne jetzt Il­lus­tra­tio­nen zu mei­nen Ver­sen und ma­che ein klei­nes Kin­der­buch dar­aus. In der Zwi­schen­zeit su­che ich wei­ter nach der Vor­la­ge, um die Per­son mit der Ur­sprungs­i­dee be­nen­nen zu kön­nen. Könn­te mir bit­te je­mand hel­fen?

Kommode, schwerer Vorhang, Teppich, Spiegel, Gummibaum
Die Ro­kok­ko­kom­mo­de

Die schö­ne Ro­ko­ko­kom­mo­de
War der­mal­eins ganz schwer in Mo­de.

Stolz steht sie da, jahr­ein, jahr­aus.
Dann heißt es schlicht: „Wir zie­hen aus!“

Vor Schreck die Knäu­fe tan­zen frei,
Kom­möd­chen is­ses ei­ner­lei.

Es geht trepp­auf, es geht trepp­un­ter,
Die Ku­geln ku­geln mun­ter run­ter.

Im LKW ist’s nicht ganz e­ben,
O­o­gott­o­gott, das geht da­ne­ben!

Ein Ruck. Ein Schlag. Ein off’­nes Fach.
O folgt auf O folgt OO-­O nach.

Im Loft mit Licht und ho­her De­cke,
die Rkkk­mm­de klmmt in der E­cke.

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Zeich­nung: C.E.

Dienstag, 3. Februar 2026

Sprachliebe

Bon­jour & hel­lo! Herz­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Als Dol­met­scher­in und Über­set­ze­rin ar­bei­te ich schrift­lich mit Deut­sch als Ziel­spra­che (Text), münd­lich meis­tens ins Fran­zö­si­sche, oft auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Wie un­ser Be­ruf den All­tag be­stimmt, aber auch die Näch­te, ist all­ge­mein nicht be­kannt. Hier be­rich­te ich dar­über.

Was be­son­ders ist im Le­ben von uns Dol­met­scher:in­nen: Wenn du ki­chernd auf­wachst, ge­weckt vom ei­ge­nen La­chen, und dann über­legst, was im Traum pas­siert sein könn­te. Es däm­mert dir lang­sam, und dann weißt du: das deut­sche Wort für hum­ming­bird wur­de ge­sucht.

Was ist denn bit­te hier pas­siert?

Die Fo­kus­sie­rung des Geis­tes auf ein feh­len­des Wort: Das ma­che ich täg­lich im Wach­zu­stand, wirk­lich stän­dig, schla­ge nach, schrei­be auf. Der Kopf mel­det zu­ver­läs­sig feh­len­de Be­grif­fe. Kurz: Das Ge­hirn ist fast stän­dig im lei­sen Ar­beits­mo­dus.

Die An­wen­dung kör­per­zen­trier­ter Tech­ni­ken zur Ent­span­nung, hier­in sind wir Dol­met­scher:in­nen meis­tens gut. Ich war wohl kurz wach, ha­be mit Mas­sa­ge und lei­sem Sum­men den Va­gus­nerv sti­mu­liert und die pa­ra­sym­pa­thi­sche „Ru­he- und Ver­dau­ungs­re­ak­ti­on” aus­ge­löst. Lei­ses Sum­men oder Brum­men wirkt mit Vi­bra­tio­nen auf das Ner­ven­sys­tem, in­dem es ei­ne lang­sa­me, kon­trol­lier­te Aus­at­mung för­dert. In In­di­en ist die­se Tech­nik, als Bh­ra­ma­ri Pra­na­ya­ma be­kannt.

Hum­ming­bird, ich schla­ge nach: Ko­li­bri. Ach ja, stimmt, die­se Vö­gel ha­be ich in den 1990-ern in den USA be­ob­ach­tet und mich nie ge­fragt, wie die sweet lit­tle bir­dies wohl auf Deutsch hei­ßen mö­gen. Jetzt nach­ge­holt, Häk­chen dran!

Wör­ter wie „Ko­li­bri” mit so wun­der­voll klin­gen­den Vo­ka­len ha­ben mich als Kind fas­zi­niert. Wenn ich nicht ein sol­ches Fas­zi­no­sum für Spra­che schon im jüngs­ten Al­ter ge­habt hät­te, wä­re ich nie Sprach­ar­bei­te­rin ge­wor­den.

Ei­ne ge­zeich­ne­te, ge­schwun­ge­ne Kom­mo­de
Spä­ter in der Wo­che mehr zum Mö­bel
Und dann fällt mir prompt auch noch die „Ro­ko­ko­kom­mo­de” ein. Ich hat­te als Kind ein Buch mit Non­sense­ge­dich­ten, halb Da­da, halb kon­kre­te Poe­sie, Gra­fik und Ge­dich­t. Über die­ser Er­in­ne­rung schla­fe ich ein.

Wenn ich nur wüss­te, wie ich die­ses Ge­dicht wie­der­fin­den kann? Ich wür­de es ger­ne den klei­nen Fräu­lein(s) zei­gen, was Nich­ten sind. Denn sie sind auch recht sprach­ver­liebt.

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Zeich­nung: C.E.

Montag, 2. Februar 2026

Montagsschreibtisch (125)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

PAUSE
Pau­se und doch im Be­reit­schafts­dienst

Der Mon­tags­schreib­tisch ist heu­te aber nicht voll. Das Pau­sen­schild ist nur halb ernst ge­meint. Ich bin wie so oft stand by für kurz­fris­tig An­ge­raum­tes (wie neu­lich bei ei­nem me­di­zi­ni­schen Not­fall).

Al­so sind es Eis­blu­men statt ech­ter Blu­men und ge­stick­te Schmet­ter­lin­ge für Lö­cher in Kin­der­ho­sen ...

Auf dem Schreib­tisch:
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­ten zum Auf­ar­bei­ten, die ei­ne gu­te Quel­le für die Vor­be­rei­tung kom­men­der Ein­sät­ze sind und
 ❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben

„Rein­ge­blei­stif­te­te Ter­mi­ne“ sind Ter­mi­ne, zu de­nen wir Kos­ten­vor­an­schlä­ge ge­schrie­ben ha­ben. Frü­her be­ka­men wir zu je­dem drit­ten An­ge­bot ei­ne Zu­sa­ge, heu­te ist die ers­te Kenn­zif­fer deut­lich zwei­stel­lig.

Es gibt we­ni­ger Ver­an­stal­tun­gen, seit man­che in der Po­li­tik stär­ker auf Glo­bish set­zen, es au­ßer­dem mehr Agen­tu­ren gibt, die nur wei­ter­be­auf­tra­gen (mit Ab­schlä­gen von bis zu 50 Pro­zent des Ho­no­rars als „Ver­gü­tung“ ei­ni­ger Mails; da „spie­len“ vie­le von uns nicht mit).

Au­ßer­dem gibt es Tech­nik­fir­men, die „KI-Dol­met­schen“ ver­kau­fen, ob­wohl die KI das nicht kann und nicht kön­nen wird, denn sie hat kei­ne Er­fah­rung, kei­ne Kör­per­lich­keit und erst recht kei­nen ech­ten Über­blick, wenn sie nur Wör­ter aus­tauscht, die nach ma­the­ma­ti­scher Wahr­schein­lich­keit auf­ein­an­der fol­gen.

Grund­la­ge da­für sind oft miss­ver­stan­de­ne Be­grif­fe, die alles ver­zer­ren. Wenn mir Ver­käu­fer die­ser Tech­nik sa­gen: „Aber un­se­re Ma­schi­nen ar­bei­ten zu 80 Prozent ak­ku­rat!“, em­pfin­de ich das als eine Be­lei­di­gung mei­nes Be­rufs­stan­des und der In­tel­li­genz der Kund:in­nen. Denn was sol­len die bit­te­schön mit 20 Pro­zent Murks ma­chen, mit Aus­las­sun­gen, Fehl­grif­fen und Er­fun­de­nem? Ein fal­sches Verb reicht, und al­les ist für die Katz. Die Auf­räum­ar­beit an­schlie­ßend wird teu­rer als die ver­meint­li­che Geld­er­spar­nis.

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Gra­fik: C.E. mit pixlr.com + Let­ter­set

Freitag, 30. Januar 2026

Eis!

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie sind hier auf der Blog­sei­te ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che ge­lan­det. Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Seit 2007 schrei­be ich hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen oder De­le­ga­tio­nen. Als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin bin ich ge­le­gent­lich auch im Spra­chen­paar Eng­lisch → Fran­zö­sisch un­ter­wegs. Sonst über­set­ze ich Tex­te ins Deut­sche.

Berliner Gehweg im Ausnahmezustand
Nicht nur ein Herbst­blatt auf dem Eis
Heu­te: [ˈaɪ̯s], der Deut­schen liebs­tes Des­sert, heu­te auf den Stra­ßen We­gen, nicht zu ver­wech­seln mit Tram­pel­tiers gleich­klin­gen­der Ge­sta­po.

Das Foto ist von gestern. In Ber­lin gibt's heu­te Neu­schnee, das sieht schön aus, ein klei­nes Win­ter­wun­der­land vor dem Haus. Wenn dar­un­ter nicht an vie­len Stel­len ei­ne ein- bis an­der­thalb Zen­ti­me­ter di­cke Eis­schicht lie­gen wür­de. Vie­le Men­schen ha­ben so Haus­ar­rest.

Wir hätten am Mor­gen ei­gent­lich Be­such aus Nord­ber­lin krie­gen sol­len. Ab­ge­sagt. Ber­lin ist hals­bre­che­risch glatt. Und ich bin ge­ra­de ein we­nig frus­tri­ert, weil mei­ne täg­li­chen Wan­de­run­gen aus­fal­len

Ber­li­ner:­in­nen sind Kum­mer ge­wohnt. Wäh­rend in Pa­ris in stark fre­quen­tier­ten Ge­gen­den täg­lich die Stra­ße ge­fegt wird, sonst al­le zwei Ta­ge, gibt es hier in Ber­lin vie­le Stra­ßen, de­nen sich die BSR viel­leicht zwei­mal im Jahr wid­met. An vie­len Ecken lie­gen Dreck und Müll. Fes­te Sperr­müll­ta­ge für al­le gibt es nicht, da­für lan­ge War­te­zei­ten auf die Ab­ho­lung. Das ist ner­vig ge­nug.

Jetzt sind seit Tagen die Geh­we­ge als Eis­lauf­bah­nen nutz­bar: mit Eis be­deckt, oft nicht ge­streut. Die Fahr­bahn da­ge­gen ist meist pri­ma nutz­bar. Bei den Fahr­rad­we­gen: mal so, mal so.

Ges­tern muss­te ich zum Kuh­damm, ei­ne der kom­mer­zi­ells­ten und tou­ris­tischs­ten Ge­gen­den der Stadt. Dort tas­ten sich die Men­schen schritt­wei­se im Pin­gu­in­wat­schel­gang über die Eis­de­cke. Ei­ne äl­te­re Da­me pro­pel­lert wild mit den Ar­men, als woll­te sie gleich ab­he­ben, schwankt kurz, fängt sich dann wie­der. Oh­ne ih­ren Ruck­sack mit Ein­käu­fen drin hät­te sie ab­ge­ho­ben!

Hals­bre­che­ri­sche Zu­stän­de gibt es auch auf et­li­chen S-Bahn-Stei­gen. Was pas­siert ei­gent­lich mit un­se­rem Fahr­geld, mit un­se­ren Steu­er­gel­dern, den Ne­ben­kos­ten für den Win­ter­dienst? Of­fen­sicht­lich fehlt es an öf­fent­li­cher Si­cher­heit, auch oh­ne Eis oft an der In­stand­hal­tung. (Übers Jahr droht vie­ler­orts Schlag­loch­a­larm.)

Win­ter ist in Ber­lin kei­ne Über­ra­schung. Schnee und Eis wa­ren jahr­zehn­te­lang All­tag. Und nun, in Zei­ten der Kli­ma­ka­ta­stro­phe, ha­ben vie­le städ­ti­sche Ei­gen­be­trie­be Tech­nik und Per­so­nal ab­ge­baut. Auch pri­va­te Win­ter­diens­te schei­nen den Win­ter un­ter­schätzt zu ha­ben. Nie­mand kommt hin­ter­her.

Da­bei wird für die Fahr­bah­nen durch­aus et­was ge­tan, al­ler­dings nicht von der Stadt, son­dern von der Phy­sik: Die Rei­fen lie­fern Rei­bungs­wär­me, Ab­ga­se und war­me Fahr­zeug­tei­le hei­zen die Stra­ße zu­sätz­lich auf. Das Ge­wicht der Fahr­zeu­ge zer­bricht und zer­malmt die Eis­schicht. Wir Fuß­gän­ger:­in­nen da­ge­gen po­lie­ren mit un­se­ren Schu­hen die Eis­ober­flä­che eher noch.

Die hier be­rich­ten­de Dol­met­sche­rin hat üb­ri­gens ge­ra­de mit ei­nem fran­zö­si­schen Gast acht Stun­den in der Not­fall­stel­le ei­nes Kran­ken­hau­ses ver­bracht. Dort: al­les vol­ler äl­te­rer Men­schen, die auf dem Eis aus­ge­rutscht wa­ren.

Seit dem Nach­mit­tag er­laubt Ber­lin das Streu­en von Salz trotz er­wie­se­ner Schäd­lich­keit. Es liegt an der Man­po­wer, nicht am Subs­trat.

CUT. In Aus­tra­li­en ist so viel Land ab­ge­brannt wie das hal­be Saar­land groß ist. Nörd­lich von Ade­lai­de wur­den 49 °C ge­mes­sen. Und wäh­rend bei uns noch häu­fi­ge­re und län­ge­re Käl­te­pha­sen dro­hen, weil die Kli­ma­ka­ta­stro­phe den Golf­strom bzw. AMOC ab­schwächt, ver­brennt auf der an­de­ren Sei­te un­se­res Glo­bus die Ge­gend.

P.S.: Ei­ne Nach­richt an die EB Im­mo­bi­li­en­ver­wal­tung: Wir ha­ben mit­be­kom­men, dass wir seit dem 3.12. ent­we­der Win­ter­dienst oder die Putz­leu­te im Haus ha­ben. Dass sie die Putz­lis­te am Aus­hang im nach­hin­ein ha­ben än­dern las­sen, än­dert da­ran nichts. Das hier ist hals­bre­che­risch. An der Haus­wand lässt sich knapp ent­lang­schlei­chen, so­lan­ge kein Ge­gen­ver­kehr ist (und wir stel­len­wei­se seit­lich tre­ten). Ach, und um die in­zwi­schen il­le­ga­le Blei­lei­tung in der Wand soll­ten Sie sich auch mal küm­mern. Mal sehen, viel­leicht re­agie­ren Sie ja auf die­se Wei­se.

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Fo­to: C.E.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Und bitte!

... lau­tet der Auf­trag an die Schau­spie­le­r:in­nen und Schau­spie­ler vor der Ka­me­ra, mit der Ar­beit los­zu­le­gen. Auf EN und FR geht's knap­per: « AC­TION »! Ich muss schmun­zeln, da ich an deut­schen Sets im­mer häu­fi­ger das hier hö­re: „Äktsch'n!“

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Sprach­mit­tle­rin. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch … und Film. Hier er­zäh­le ich re­gel­mä­ßig so, dass man nicht im­mer die Be­tref­fen­den er­kennt, da­für aber die Si­tu­a­tio­nen. Heu­te: Ber­li­na­le. Im Schat­ten des gro­ßen Events bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig.

Dol­met­schen auf Fes­ti­vals
Zwei Jahr­zehn­te lang war die Ber­li­na­le für mich gleich­be­deu­tend mit der Ein­sam­keit der Dol­metsch­ka­bi­ne, der Ber­li­na­le­büh­ne oder den Ho­tel­zim­mern mit Hoch­flor­tep­pich und Häpp­chen bei den Pres­se­inter­views.
Ich habe fran­zö­si­sche Gäs­te dem Pu­bli­kum und der Pres­se nä­her ge­bracht — oder ich war die fran­zö­si­sche Stim­me man­chen deut­schen Fil­ms für fran­ko­pho­ne Gäs­te. Lan­ge ha­ben wir aus­schließ­lich deutsch oder eng­lisch un­ter­ti­tel­te Fil­me si­mul­tan ins Fran­zö­si­sche ge­dol­metsch­t.

Die­ses so­ge­nann­te „Ein­spre­chen“ klingt ein we­nig so, wie et­li­che aus­län­di­sche Fil­me im pol­ni­schen Fern­se­hen klin­gen. In den Nul­ler­jah­ren wur­de dann Eng­lisch zur Haupt­ar­beits­spra­che des Fes­ti­vals.

I speak Ger­man, French and the lan­guage of ci­ne­ma

Ge­blie­ben sind Pres­se­inter­views. Die­se Ar­beit ist mehr als das Über­set­zen von Wör­tern: es sind hoch­auf­ge­la­de­ne, durch­cho­reo­gra­fier­te Mo­men­te, die trotz­dem leicht und spon­tan wir­ken sol­len. Ich ma­che mich da­bei un­sicht­bar. Wenn al­les pri­ma läuft, spre­chen die Künst­ler:in­nen di­rekt mit den Men­schen von der Pres­se, als hät­ten sie ein- und die­sel­be Spra­che.

Nach mehr als 25 Jah­ren auf Fes­ti­vals und vie­len VIP-Ein­sät­zen weiß ich, wor­auf es wirk­lich an­kommt.

Rückblick

Im Vor­feld steht im­mer viel Re­cher­che. Vor Ort sind Ener­gie­haus­hal­ten und Im­pro­vi­sa­ti­ons­ta­lent die ho­he Schu­le. Zu­frie­de­ne Ge­sich­ter von Künst­ler:in­nen wie Pu­bli­kum sind die schöns­te Ent­loh­nung. Häu­fig durf­te ich bei der Ent­ste­hung neu­er Ko­pro­duk­tio­nen mit­wir­ken. Die Stra­pa­zen sind dann schnell ver­ges­sen.

In den Jah­ren mit oft 30 Ber­li­na­le­ter­mi­nen war es meist ta­bu, sich abends auf Par­tys rum­zu­trei­ben, schon al­lein der Stim­me we­gen. Jah­re­lang ha­be ich die Kon­takt­pfle­ge schlei­fen las­sen müs­sen, die Ar­beit ging vor. Ber­li­na­le-Dol­met­scher mit eng ge­tak­te­tem Ter­min­ka­len­der zu sein war ein Le­ben von ge­ra­de­zu mön­chi­scher Ein­fach­heit.

Seit al­le Eng­lisch auf dem Fes­ti­val spre­chen, wur­den lei­der auch die Pu­bli­kums­ge­sprä­che ver­kürzt. Gäs­te dür­fen sich nun in Shake­spea­res Spra­che äu­ßern. Die Ge­duld des Pu­bli­kums scheint durch di­gi­ta­le Me­dien ver­kürzt, die Kon­zen­tra­ti­on schwin­det. Ein Kul­tur­ver­lust. Statt­des­sen ent­ste­hen kur­ze Vi­deos, bei de­nen al­le sehr schnell auf den Punkt kom­men müs­sen.

Zwangs­pau­se, nur zum Teil film­reif

Dann schlug bei mir das Schick­sal zu: An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge, Co­ro­na­jah­re, Long Covid, wei­te­re Pfle­ge­jah­re in Teil­zeit folg­ten. Heu­te dol­met­sche ich in den Ku­lis­sen: Pres­se­inter­views, Hin­ter­grund­ge­sprä­che, tech­ni­sche Mee­tings. 

Let's party!

Und ich den­ke wie­der an Bran­chen­treffs, die es bei der Ber­li­na­le in Dut­zen­den pro Tag gibt, Um­trun­ke, Emp­fän­ge, Par­tys; fast im­mer nur mit Ein­la­dung. Das Nach­ja­gen nach Ein­la­dun­gen kos­tet Zeit, die ich lan­ge nicht hat­te.

Drei Ein­la­dun­gen lie­gen bei mir schon auf dem Tisch, ohne jeg­li­che Nach­fra­ge: zwei da­von ech­te Brief­post mit Um­schlag und Brief­mar­ke. Very nice and the old style.

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Gra­fik: Ar­chiv

Montag, 26. Januar 2026

Montagsschreibtisch (124)

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen auf den Sei­ten mei­nes vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und ar­bei­te mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch, Deutsch ist mei­ne Mut­ter­spra­che. Heu­te wie­der ein Blick auf den Schreib­tisch.

Letz­te Ja­nuar­wo­che schon wieder, die Zeit rauscht nur so durch! Die Ber­li­na­le-Un­ter­ti­tel sind ab­ge­ge­ben; ich bin ge­spannt, was als nächs­tes kommt.

Frau am Telefon
He­le­ne beim Te­le­fon­dienst (1926)
Neu­lich wur­de bei uns ge­gen­über mal wie­der laut­ re­no­viert, dann flie­he ich meis­tens, und vom Co­wor­king-Space ha­be ich noch ei­ni­ge Slots frei. Mal se­hen, wann ich da hin­ge­he in den nächs­ten Wo­chen. Kei­ne schlech­te Sa­che, um auf neu­e Ge­dan­ken zu kom­men, so ei­ne Aus­la­ge­rung, viel­leicht wer­de ich mir ei­nes Ta­ges mit dem Netz­werk auch ei­nen Te­le­fon­ser­vice su­chen.
Da­bei schrei­be ich hier stän­dig: Bit­te send­en Sie mir ei­ne Mail und wir ver­ab­re­den ei­n Te­le­fon­gespräch, da­mit Sie die bes­te, näm­lich die di­rek­te Be­ra­tung durch Dol­met­sche:rin­nen be­kom­men, und nicht mög­li­cher­wei­se Fehl­in­for­ma­tio­nen durch Kauf­leu­te. (... in Sa­chen Tech­nik­an­for­de­rung, Pro­fi­le des Dol­metsch­teams oder gar KI-Ein­satz. War­nung: Die KI kann nicht dol­met­schen.)

Auf dem Schreib­tisch diese Woche:
♠ Kos­ten­vor­an­schlä­ge
♠ KI und Krea­ti­v­wirt­schaft
♠ Bi­blio­thek
♠ Ab­la­gen

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Sonntag, 25. Januar 2026

Nachtrag / KI / Lernen


Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Sie le­sen in ei­nem Ta­ge­buch aus der Ar­beits­welt. Ich bin Deutsch-Mut­ter­sprach­le­rin, ar­bei­te als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und aus dem Eng­li­schen, was auch die Ziel­spra­che der Bü­ro­kol­le­gin ist, die schrift­lich ar­bei­tet: sie über­setzt. Klei­nes P.S. zu ges­tern.

Der Film, den ich ges­tern ver­linkt ha­be, bringt vie­les auf den Punkt. Da­für bin ich dem Team, das ihn ge­macht hat, dank­bar.

Al­ler­dings ist mir auf­ge­sto­ßen, dass er mit ei­ner KI-Stim­me ver­tont wur­de, die ei­ni­ger­ma­ßen na­tür­lich klingt, aber eben am En­de doch syn­the­tisch, was die Auf­merk­sam­keit ein­schränkt, das Ver­ständ­nis er­schwert und da­mit, ge­mes­sen an den Ab­sich­ten, ein klas­si­sches Ei­gen­tor dar­stellt … und zu­dem be­feu­ert, dass Spre­cher:in­nen ar­beits­los wer­den.

Mit den KI-Stim­men ist es so ähn­lich wie mit dem Le­sen di­gi­ta­ler Bü­cher ver­sus ech­ter Bü­cher auf Pa­pier, wie mit di­gi­ta­len No­ti­zen ver­sus hand­schrift­li­chen No­ti­zen, wie mit den von KI zu­sam­men­kom­pi­lier­ten ver­sus von ei­nem selbst er­stell­ten Tex­ten: Um wirk­lich zu ler­nen, d.h. dau­er­haf­te Ver­knüp­fun­gen im Ge­hirn her­zu­stel­len, ist das mensch­li­che Mo­ment nö­tig, hier al­so die ech­te Stim­me mit ih­ren an­de­ren Be­to­nun­gen, Pau­sen, viel­leicht auch klei­nen Un­schär­fen in der Aus­spra­che und der Sprach­me­lo­die, mit hör­ba­ren Emo­tio­nen.

Und wir brau­chen Hand­ar­beit beim Schrei­ben, beim Ver­fol­gen der Zei­len auf Buch­sei­ten ver­an­kern wir das Ge­le­se­ne an­ders, auch durch An­strei­chun­gen und Rand­no­ti­zen. In­zwi­schen be­stä­ti­gen ers­te For­schungs­er­geb­nis­se, was vie­le Leh­ren­de so­wie wir pro­fes­sio­nel­le Dau­er­ler­nen­de schon im­mer ver­mu­tet bzw. em­pi­risch „er­forscht“ hat­ten.

Zu­sam­men­fas­sung: Ler­nen ge­schieht durch Wie­der­ho­lung, Ver­knüp­fung, Emo­tio­nen, Bin­dung, Ein­satz der Sin­ne und des Kör­pers, Ver­knüp­fun­gen, die durch die Ko­or­di­nie­rung von Hand und Hirn ent­ste­hen.

Einladung: Dekolonisieren wir die Ökologie, Vorführung mit Diskussion, französischer Filmabend der Auslandsfranzosen in Berlin
Ein­la­dung zu ei­nem Ber­li­ner Ki­no­abend
Last but not least: Als be­fremd­lich emp­fand ich auch den Link un­ter dem oben er­wähn­ten Film, der zum gr­o­ßen A. ge­führt hat, und zwar zu Me­di­ta­tions­kis­sen, Bü­chern & Co. ... Statt­des­sen bit­te den klei­nen Buch­han­del an der Ecke und eu­ro­pä­i­sche Lie­fe­rant:in­nen be­vor­zu­gen, die ih­re Steu­ern in Eu­ro­pa zah­len und die mit ih­ren Ge­win­nen nicht mut­wil­lig un­se­re De­mo­kra­tien zer­stö­ren! 

So, jetzt be­ginnt das frei­e Wo­chen­en­de, denn ges­tern ha­be ich mich tat­kräf­tig für ei­ne Ki­no­vor­füh­rung en­ga­giert.

Der Abend wird vom Ver­ein der Aus­lands­fran­zo­sen or­ga­ni­siert. Ich ha­be mich an der Vor­be­rei­tung be­tei­ligt und die­se Ein­la­dung ge­stal­tet.

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Gra­fik
: C.E.