Freitag, 25. September 2026

Moment mal! (10)

Bon­jour auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der­ho­le ich ei­nen Bei­trag von 2018, weil er im Grun­de der per­fek­te Bei­trag für die­se Fol­ge ge­we­sen ist.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

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„Was meinst du mit Gei­seln, Lieb­ling?“ Die Stim­me der Oma klingt leicht ver­zwei­felt, als sie die Fra­ge zum drit­ten Mal wie­der­holt. Wir sind in ei­ner Eis­die­le: Am Fens­ter sitzt ein gut Drei­jäh­ri­ger auf ei­nem Bar­ho­cker und blät­tert in der Zei­tung, die dort auf Steh­ti­schen aus­liegt. Kann der Klei­ne et­wa schon le­sen?

Dar­auf der klei­ne Mann lau­ter: „Scho­ko mit Gei­seln!“

Die hier be­rich­ten­de Dol­met­scher­in, eben aus der Ka­bi­ne ge­pur­zelt, hat die Sze­ne nur aus den Au­gen­win­keln mit­be­kom­men. „Er meint Streu­sel“, sagt sie in Rich­tung der Groß­mut­ter.

Die­se tritt nun auch an die The­ke he­ran: „Wo­her wis­sen Sie das? Wer sind Sie?" Die Ant­wort kommt so spon­tan, wie so man­che Wort­fin­dung in der Ka­bi­ne, schnell, kon­text­be­zo­gen: „Ich bin Dol­met­scher­in, gnä­di­ge Frau!“

(... und ich muss grin­sen, weil ich „Klein­kind­deutsch“ bis­lang noch nicht in der Lis­te mei­ner Fremd­spra­chen hat­te.)

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Donnerstag, 24. September 2026

Wort des Jahres (1)

Bon­jour, hello und gu­ten Tag! Im 20. Jahr kön­nen Sie hier Epi­so­den aus dem All­tag ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in mit der Mut­ter­spra­che Deutsch le­sen. Meis­tens sit­ze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne, dol­met­sche manch­mal aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche. Au­ßer­dem über­set­ze ich Tex­te ins Deut­sche und lek­to­rie­re. Als Dol­met­scher­in den­ke ich oft über Spra­che nach.

Sind die jetzt alle durch­ge­dreht? Die Bou­le­vard­pres­se schäumt, die bür­ger­li­che Pres­se macht mit: ein­zel­ne, schlim­me Kon­tak­te von We­ni­gen zu Men­schen mit an­ti­jü­di­scher Hal­tung und kri­mi­nel­lem Hin­ter­grund wer­den auf­ge­bauscht. 

über­füll­te Stra­ße
Den Au­tos ge­hört die Stadt
Der Bay­ern­chef droht so­gar mit dem Aus­set­zen des Län­der­fi­nanz­aus­gleichs. Ich spre­che von der Wahl in Ber­lin, in der Die Lin­ke auf­grund der Mie­ten­ka­ta­stro­phe mit 25,7 Pro­zent Stim­men­an­teil ge­punk­tet hat, wäh­rend al­les ru­hig ist, was die Wahl von er­wie­se­nen oder mut­maß­li­chen Ver­fas­sungs­fein­den an­geht, ich spre­che von Sach­sen-An­halt und 43,8 Pro­zent, wo der glei­che Mi­nis­ter­prä­si­dent den Vor­schlag, den bin­nen­deut­schen Geld­trans­fer zu dros­seln, als ‚an­ti­de­mo­kra­tisch‘ ge­gei­ßelt hat­te.
Das ist schon schräg ...

Die­ses Schäu­men hat­ten wir schon mal. Das war, als Frau­ke Bro­si­us-Gers­dorf zur Ver­fas­sungs­rich­te­rin ge­wählt wer­den soll­te. Das ist ein Jahr her. Ihr eil­te der Ruf vor­aus, dem Prüf­ver­fah­ren für ein Ver­bot der Rechts­ex­tre­men nicht ab­ge­neigt zu ha­ben. Die­ses Schäu­men hat­ten wir auch, als der Grü­nen­chef als Ban­dit mit auf dem „Spie­gel“-Co­ver ab­ge­bil­det war, wie er ge­ra­de eine Gas­ther­me zer­trüm­mert hat: Die Zeich­nung war eine Va­ri­a­ti­on von „Ha­becks Heiz­ham­mer“.

Heu­te wis­sen al­le, dass das eine drei­ste Lü­ge war; Wär­me­tau­scher fin­den rei­ßen­den Ab­satz, so­gar für schlecht iso­lier­te Ge­bäu­de, und al­le be­dau­ern, dass auch un­ter Mit­wir­kung der ak­tu­el­len Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­en die So­lar­wirt­schaft in Deutsch­land zer­stört wur­de.

Ich wer­de hier sel­ten po­li­tisch und bin es auch heu­te hier nicht. Das sind Fak­ten.

Na­tür­lich schimp­fen jetzt vie­le an der Tank­säu­le. Aber wir wis­sen aus der Sta­tis­tik, dass je­ne, die am häu­figs­ten lan­ge Stre­cken fah­ren, in der Re­gel zu den Ver­mö­gen­den zäh­len und häu­fi­ger in ver­brauchs­in­ten­si­ven Au­tos sit­zen. Der „Tank­ra­batt“ ist die be­rühm­te Gieß­kan­ne, er „hilft“ den Fal­schen. Er sub­ven­tio­niert auch die Öl­kon­zer­ne, die be­reits wie­der­holt be­wie­sen ha­ben, dass sie den Preis­nach­lass nur zum Teil an die Ver­brau­cher:in­nen wei­ter­rei­chen. Kon­zer­ne, die die­ses Jahr schon ex­tre­me Ge­win­ne ge­macht ha­ben und de­nen von der ak­tu­el­len Po­li­tik kei­ne Über­ge­winn­steu­er droht.

Au­ßer­dem ist eine Pro­dukt­sub­ven­ti­on das fal­sche Si­gnal. Der Stoff ist knapp und wir müs­sen deut­lich we­ni­ger ver­brau­chen, weil das Ver­bren­nen von Fos­si­lem öko­lo­gisch schäd­lich ist. Der Som­mer hat uns ge­zeigt, dass wir mit­ten in der Kli­ma­ka­ta­stro­phe ste­cken. Das 1,5-Grad-Ziel ist ab­seh­bar schon ge­ris­sen. Wir müs­sen so­fort an­fan­gen zu ret­ten, was noch zu ret­ten ist. Und statt­des­sen die an­de­ren Sub­ven­tio­nen von Schäd­li­chem lang­sam ab­bau­en.

Al­so: Die Sub­ven­ti­on an der Zapf­säu­le ist öko­no­misch, so­zi­al und öko­lo­gisch ein De­sas­ter — und auch po­li­tisch, denn sie wirkt hilf­los und setzt ein schlim­mes Zei­chen. Das war schon beim 1. Mal falsch, beim 2. Mal ein Irr­sinn, für das 4. Mal feh­len so­gar mir als Dol­met­scher­in die Wor­te. 

Spie­gel-Co­ver 2023
„Heiz­ham­mer“ war nicht 
das Un­wort des Jah­res 2023
Lö­sun­gen gibt es: ein „En­er­gie­geld“ für al­le, die es brau­chen. Wir hat­ten die­se „Ant­wort“ be­reits zu Co­ro­na, als ge­ziel­te Hil­fen nicht „zu­ge­stellt“ wer­den konn­ten, weil die Re­gie­rung ge­sagt hat: Sor­ry, aber wir ha­ben Eu­re Kon­to­ver­bin­dun­gen nicht. Wie lan­ge ist das gleich her?

Letz­ter Punkt: Die Noch-Re­gie­rung in Ber­lin will der­zeit Rad­we­ge ab­bau­en und Bäu­me fäl­len, schnell noch Fak­ten schaf­fen (Link zur Pe­ti­ti­on), be­vor es even­tu­ell zum Re­gie­rungs­wech­sel kommt. 

In Zei­ten von Ver­kehrs­wen­de und Hit­ze­wel­len, die nächs­te ist an­ge­kün­digt, zu­min­dest für den Sü­den Deutsch­lands, ist das viel­leicht nicht ganz die rich­ti­ge Ent­schei­dung.

Ich kom­me zu­rück zum An­fang mei­nes Tex­tes: Wä­re das Land Ber­lin un­ter ei­ner Koa­li­tions­re­gie­rung mit den Lin­ken, wären die Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Bunde­srat an­de­re; auch die zwei­te deut­sche Kam­mer könn­te das Ver­fah­ren zum Ver­bot der Rechts­ex­tre­men an­sto­ßen. 

Die­ser Auf­schlag muss­te sein. Dem­nächst wird das Wort des Jah­res ge­wählt. Wird es das Wort  „Ver­kehrs­wen­de“ sein oder  „Tank­ra­batt“? Ich schät­ze, es wird das, was in den Köp­fen der Men­schen der­zeit nur als Kür­zung ver­stoff­wech­selt wird: „Re­form“.

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Bil­der:
KI-Zu­falls­fund; DER SPIE­GEL

Montag, 21. September 2026

Montagsschreibtisch (157)

Bon­jour, gu­ten Tag & he­llo! Sie sind auf den Sei­ten ei­nes Dol­met­scher­web­logs aus dem In­ne­ren der Französischka­bi­ne und vom Über­set­ze­rin­nen­schreib­tisch gelandet. Ich ar­bei­te zu­sam­men mit De­le­ga­tio­nen, auf Kon­fe­ren­zen und bei Hin­ter­grund­ge­sprä­chen, um nur ei­ni­ge Bei­spie­le zu nen­nen. Die­sen Herbst ha­be ich noch Ka­pa­zi­tä­ten frei!

Ein­fach­heit ist die Kro­ne der Voll­en­dung

Der Schock um die KI-De­bat­te hat hof­fent­lich ei­ni­ges be­wirkt: Mehr Kri­tik und mehr Miss­trau­en an den 'wun­der­ba­ren' Ma­schi­nen, die ver­meint­lich alles schnell, bil­lig und gut machen. 

Das stimmt ja drei­fach nicht, denn schnell Murks zu lie­fern, viel­leicht auch nur par­tiell, bleibt Murks. Bil­lig ist es nicht, wenn wir die Ne­ben­kos­ten, die Folge­kos­ten von Feh­lern und für die Um­welt so­wie die ak­tu­ell dis­ku­tier­ten Kos­ten für die Ar­beits­welt, den so­zia­len Frie­den und so­gar die Mensch­heit als Gan­zes be­trach­ten. Und gut ... *räus­per* ... hier mehr da­zu: klick und klick.

Die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch:
❀ ak­tu­el­le Po­li­tik
❀ Ver­tragli­ches
❀ An­ge­bo­te schrei­ben
❀ Mehr­tä­gi­gen Ein­satz vor­be­rei­ten

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Gra­fik:
Pitts­burg Vi­si­ble Type­wri­ter

Freitag, 18. September 2026

Moment mal! (9)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit mehr als 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der der kur­ze Mo­ment aus der Dol­met­scher­ka­bi­ne.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

The floor is yours! Eben wur­de die nächs­te Red­ne­rin an­ge­kün­digt. Ich ha­be sämt­li­che Na­men der Ta­gung ge­le­sen, auch schon mal aus­ge­spro­chen, zur Pro­be. Aber die­ser Na­me klingt neu. Ich wie­der­ho­le ihn lei­se und mit Fra­ge­zei­chen, aber ex­akt so, wie die Sit­zungs­lei­te­rin ihn aus­ge­spro­chen hat. Die Kol­le­gin schüt­telt den Kopf.

Noch ein­mal über­flie­ge ich die Lis­te der Red­ner:in­nen.
Dann löst sich ei­ne Da­me aus den Stuhl­rei­hen, schält sich aus ei­nem rie­si­gen Schal, als wür­de sich ein Schmet­ter­ling ent­pup­pen. Auf ho­hen Ha­cken­schu­hen geht sie mög­lichst wür­de­voll zum Pult. Das Wort „schrei­ten“ wür­de hier nicht ganz pas­sen.
Ich hal­te die Luft an.

Bis­lang ha­be ich ih­ren Na­men nicht durchs Mi­kro­fon ge­spro­chen, ih­re An­kün­di­gung mit „Ich be­grü­ße die nächs­te Red­ne­rin!“ be­en­det …

Ich mer­ke, dass mei­ne über­aus ge­naue Be­ob­ach­tung ih­res We­ges zum Pult mit der Schreck­se­kun­de zu­sam­men­hängt, die das Nicht­fin­den ih­res Na­mens in der Lis­te aus­ge­löst hat. Es ist, wie in Zeit­lu­pe vom Fahr­rad zu flie­gen.

Die Da­me steht be­reit, sie nickt dem Pu­bli­kum zu. Dann stellt sie das Mi­kro auf ih­re Hö­he ein. Sie trinkt ei­nen Schluck aus dem Was­ser­glas, das ihr ge­ra­de hin­ge­stellt wur­de. Sie macht es span­nend.

Die Da­me be­ginnt mit: „Sie wer­den sich fra­gen, wer vor Ih­nen steht!“ Mir fällt ein Stein vom Herzen, wäh­rend sie ei­ne Kunst­pau­se macht.

Sie schmun­zelt ins Pu­bli­kum, fun­kelt dann lus­tig die Sit­zungs­lei­te­rin an, spricht sie mit Vor­na­men an: „So­was kommt von so­was. Wir du­zen uns seit 20 Jah­ren, und of­fen­bar hat­ten wir noch nicht die Ge­le­gen­heit, an ein- und der­sel­ben Kon­fe­renz teil­zu­neh­men. Mein Na­me spricht sich näm­lich so aus: …“ Und sie spricht ihn aus.

Die­sen Na­men hät­te wohl je­der ver­semmelt. Al­le la­chen. Ich muss kurz den MUTE-Knopf drü­cken, al­so das Mi­kro stumm stel­len, weil auch ich la­che.

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Mittwoch, 16. September 2026

Teure Systemfehler

Ein­blicke in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie seit 2007 auf die­sen Sei­ten neh­men. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin schenkt Über­set­zun­gen ih­re wun­der­ba­re eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

S
eit die­ser Blog hier auf die 2. Ebe­ne ge­rückt ist, sind wir un­ter uns. Vor­teil: Po­ten­zi­el­le Kund­schaft fin­det mich mit der fes­ten Ti­tel­sei­te bes­ser. Und das steht ge­ra­de im Vor­der­grund. Noch ein Vor­teil: Ich darf di­rek­ter sein, so wie heu­te.

Das war die ers­te Vor­re­de. Und die zwei­te folgt so­gleich. Ich hän­ge hier ei­nen doo­fen Feh­ler ei­ner pro­mi­nen­ten Film­pro­duk­ti­on ins Sprach­la­den­schau­fens­ter. Die Pro­duk­ti­ons­fir­ma ist in­for­miert (und hat nicht ge­ant­wor­tet). Es gibt noch wei­te­re Feh­ler in den Ti­teln. Ich ha­be ei­ne Art In­itia­tiv­be­wer­bung aus der Mel­dung ge­macht.

So, jetzt geht's aber wirk­lich los. Ge­ra­de bei BABY­LON BER­LIN ge­se­hen: Der Wie­ner Jour­na­list Sa­mu­el Ka­tel­bach bringt ei­ner schniefen­den, schwit­zen­den Eli­sa­beth Behn­ke Kar­tof­fel­wi­ckel und Me­lis­sen­geist ans Bett und sagt, als sie sich den Al­ko­hol hin­ter die Bin­de ge­kippt hat, laut Un­ter­ti­tel: „Ihr Ka­ter ist schnel­ler Ge­schich­te | als der Spuk von mei­nem un­se­li­gen Lands­mann.“

„Ihr KATER ist schneller Geschichte | als der Spuk von meinem unseligen Landsmann.“
Fol­ge 1, Staf­fel 5, 22. Mi­nu­te



 

 

 

Tja, wo­her soll die kör­per­lo­se KI denn auch ei­nen Ka­tarrh ken­nen? Oder Men­schen im Aus­land, die ihr Deutsch im te­le­fo­ni­schen Kun­den­dienst prak­ti­ziert ha­ben, oder eu­ro­päi­sche Schü­ler? Bett, Un­wohl­sein, das muss der Suff sein -> Miau! 

SPRA­CHE ist für die meis­ten in der Film­bran­che lei­der noch kein Ge­werk, son­dern ei­ne är­ger­li­che Not­wen­dig­keit. Da­bei sind un­se­re Ar­beits­er­geb­nis­se die Vi­si­ten­kar­ten von Pro­duk­tio­nen … oder lus­ti­ge Wer­bung wie oben. 

Wor­te, auf die es an­kommt: Ex­po­sés und Un­ter­ti­tel, Über­set­zun­gen und Dol­met­schen am Set, Tran­skrip­te für den Schnitt, Hör­film­buch, Pres­se­heft. Die­se Auf­ga­ben wer­den oft glücks­ver­teilt an Prak­tis, Be­kann­te von Freun­den, Nach­wuchs, die KI, Agen­tu­ren in Schwel­len­län­dern mit Brief­kas­ten­dé­pen­dance in Deutsch­land. Das kann klap­pen, muss aber nicht. Auch die KI hat ih­re gu­ten Stun­den. 

Aber häu­fi­ger geht’s halt par­ti­ell schief und dann ist (oder wä­re) Auf­räum­ar­beit an­ge­sagt. (Die manch­mal teu­rer ist, als es gleich rich­tig zu ma­chen.) 

Aber es gibt ja uns, die Pro­fis. Auch wir nut­zen die KI manch­mal, oft aber auch nicht, denn: Je krea­ti­ver die Auf­ga­be, des­to hö­her ihr Schei­terns­po­ten­ti­al. 

Kos­ten­age­bo­te sind gra­tis. Ich bin in­zwi­schen auch Gut­ach­te­rin bei Ge­richt.

Ein Satz noch an die Film­pro­duk­tio­nen: Ori­en­tiert Euch bei den Ho­no­ra­ren fürs Ge­werk Spra­che bit­te eher an der Ka­me­ra­per­son als am Run­ner, denn wir „Spra­chis“ ha­ben oft lan­ge stu­diert und müs­sen fort­ge­setzt um­trie­big sein, um die Spra­chen le­ben­dig zu hal­ten. (Das geht aus der Dienst­bo­ten­kam­mer her­aus mit der Dünn­blatt-Edi­ti­on der Su­che nach der ver­lo­re­nen Zeit in der Hand nur be­dingt.)

Dan­ke fürs Le­sen und Mit­den­ken! Wir freu­en uns über Emp­feh­lun­gen — und hel­fen auch re­gel­mä­ßig bei der Kol­leg:in­nen­su­che.


P.S.: Zum The­ma der Ge­fahr, dass ei­ne ir­re ge­wor­de­ne KI die Mensch­heit in­ner­halb der nächs­ten Mo­na­te oder Jah­re aus­lö­schen könn­te: Da die KI mit al­len ver­füg­ba­ren Tex­ten trai­niert wur­de, auch den ge­meins­ten, men­schen­feind­lichs­ten, ist grund­sätz­lich al­les denk­bar. Ich schät­ze aber, dass die KI-Gran­den jetzt die­ses Mo­ment viel­leicht als ei­nen Aus­weg nut­zen, um den An­le­ger:in­nen die rie­si­gen Sum­men nicht zu­rück­zah­len zu müs­sen, die ih­nen an­ver­traut wur­den. Set­zen die Staa­ten der Wel­ten­ge­mein­schaft erst ein­deu­tig Re­geln, wird na­tür­lich DAS der Ver­hin­de­rer sat­ter Di­vi­den­den­aus­schüt­tung sein.

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Bil­der:
X-Fil­me

Dienstag, 15. September 2026

Museum der Wörter (50)

Bonjour & hello auf den Sei­ten meines di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs! Mit Deutsch als Mut­ter­spra­che, ar­bei­te ich vor al­lem als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für fran­zö­sisch­spra­chi­ge Kon­fe­renzen und De­le­ga­tions­rei­sen, in der Po­li­tik und bei pri­va­ten An­läs­sen, au­ßer­dem aus dem Eng­li­schen, der Ziel­spra­che mei­ner Büro­kol­le­gin. Heu­te blic­ken wir in die Haupt­stadt.

Oh, nein! Ei­ne wei­te­re Ber­li­ner In­sti­tu­ti­on ver­schwin­det end­gül­tig! Und da­mit auch der Na­me, näm­lich:

              
             
Kranzler

Das Ca­fé Kranz­ler macht end­gül­tig dicht. Es ist schon seit zwei Jah­ren ge­schlos­sen, nach­dem es un­ter die Kup­pel der Ro­tun­de ver­bannt wor­den war.

In die­sem Ca­fé ha­ben mei­ne El­tern mei­ner säch­si­schen Groß­mut­ter und der Ur­groß­mut­ter er­zählt, dass es bald ein Mensch­lein der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on ge­ben wür­de, näm­lich mich. Ich stel­le mir im­mer vor, wie sie auf der Ca­fé­ter­ras­se un­ter der tra­di­tio­nell rot-weiß­ ge­streif­ten Mar­ki­se sit­zen. Aber im Spät­herbst oder Win­ter wa­ren sie doch wohl eher drin­nen.

In Ber­lin gibt es kaum noch ech­te Kaf­fee­häu­ser, ge­ra­de am Ku'damm. Häu­fig zo­gen in die Lo­ka­le üb­ri­gens Mo­de­lä­den ein.

Café Kranz­ler, Kur­fürs­ten­damm 1955
Ich stel­le mir Zeit­rei­sen­de von vor 100 Jah­ren vor: Wenn sich Li­te­ra­ten aus der Hoch­zeit der Ber­li­ner Kaf­fee­haus­zeit in den Wes­ten ver­ir­ren wür­den, sie hät­ten wohl Mü­he, al­les wie­der­zu­er­ken­nen.
Ne­ben den Cafés sind auch die meis­ten Ki­nos vom Bou­le­vard ver­schwun­den. Das Kern­ge­bäu­de des Kranz­lers ver­fügt über et­li­che denk­mal­ge­schütz­te Ele­men­te. An­de­re Tei­le des Nach­kriegs­wie­der­auf­baus wur­den vor Jah­ren durch Hoch­häu­ser er­setzt. Mich stimmt die­se Ge­schichts­ver­ges­sen­heit trau­rig.


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BildF002774-0010, Bun­des­ar­chiv, B 145
Brodde / CC BY-SA 3.0 de

Freitag, 11. September 2026

Moment mal! (8)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit mehr als 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der der kur­ze Mo­ment aus dem All­tag.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag
Wir sind wie­der auf 2,56 Qua­drat­me­tern.
So groß (o­der viel­mehr: klein) sind die Dol­metsch­ka­bi­nen laut ISO-Norm 4043 mit den In­nen­ma­ßen von etwa 1,60 mal 1,60 Me­ter.

Die Kol­le­gin ist dran. Ich hö­re zu, ma­che No­ti­zen. Dann kommt ein Be­griff, bei dem ich weiß: Auf Deutsch war er schwer zu fin­den, und er stand nicht in der Lis­te der noch of­fe­nen Vo­ka­beln, die wir vor Ver­an­stal­tungs­be­ginn durch­ge­gan­gen wa­ren (wa­rum auch im­mer er ge­fehlt hat).

Ich hat­te das Wort ge­fun­den, mir von Fach­leu­ten sei­ne Ver­wen­dung be­stä­ti­gen las­sen.

Die Kol­le­gin kennt es ver­mut­lich auch. Ver­mut­lich o­der viel­leicht? Für ei­nen Se­kun­den­bruch­teil sieht sie mich an.

Ich zie­he den Be­griff aus mei­ner Lis­te im Rech­ner rie­sen­groß und dre­he ihr mei­nen Mo­ni­tor hin. (Manch­mal nut­zen wir auch den Zet­tel, der zwi­schen uns liegt.)

Sie ü­ber­nimmt ihn. Und so­fort geht's wei­ter im Satz. Das war's auch schon!

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Donnerstag, 10. September 2026

Umbau

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Französischka­bi­ne und vom Über­set­ze­rin­nen­schreib­tisch. Am liebs­ten gehe ich mit De­le­ga­tio­nen auf große Rei­se, am zweit­liebs­ten gehe ich auf Kon­fe­ren­zen oder Hin­ter­grund­ge­sprä­chen dol­met­schen. Dann fol­gen No­ta­ria­te, Er­kun­dun­gen, Ar­chiv­re­cher­chen und an­de­re Ter­mi­ne, die oft über­ra­schend und span­nend sind. Ich habe noch Ka­pa­zi­tä­ten frei!

Jetzt, wo mein di­gi­ta­les Ar­beits­ta­ge­buch auf die zwei­te Ebe­ne ver­scho­ben wur­de, traue ich mich zu mehr Ge­ständ­nis­sen, zumal an ei­nem Don­ners­tag, der nicht der Tag mit den meis­ten Zu­grif­fen ist. Wir sind al­so un­ter uns!

Dolmetschpult, Wasser, Gäste
Blick aus der Kabine
Zu­nächst der Rück­sprung: Na­tür­lich klingt das alar­mis­tisch, was ich Diens­tag in der Pres­se­schau zi­tiert ha­be: die Bri­tin, die die Wahl in Sach­sen-An­halt als deut­sches Bre­xit-Mo­ment be­schreibt. Na­tür­lich ha­ben ge­wis­se Krei­se jetzt Ober­was­ser und hof­fen, von Wahl­er­folg zu Wahl­er­folg zu ra­sen. Da­bei dür­fen wir nie ver­ges­sen, dass in die­sem Bun­des­land nur 2,8 Pro­zent der deut­schen Wahl­be­rech­tig­ten le­ben. 

Bei 80 Pro­zent Wahl­be­tei­li­gung ha­ben 44,3 Pro­zent AfD ge­wählt — das ist et­was mehr als ein Pro­zent al­ler Wahl­be­rech­tig­ten Deutsch­lands.

Trotz­dem und ge­ra­de jetzt heißt es, als de­mo­kra­tisch ge­sinn­te Men­schen wach und ak­tiv zu sein. Ich selbst bin als Dol­met­sche­rin zu so­li­da­ri­schen Ho­no­rar­sät­zen an der de­mo­kra­ti­schen Bil­dung be­tei­ligt. Das gilt auch für die Zukunft!

Und jetzt gleich noch et­was an­de­res. Der­zeit wun­de­re ich mich über we­ni­ger Neu­kun­den. Auch die Be­stands­kund­schaft macht sich rar. Sind das die Kon­junk­tur­zy­klen, von de­nen wir in der Volks­wirt­schafts­vor­le­sung ge­hört ha­ben? Al­le sound­so­vie­le Jah­re, nicht sta­tis­tisch ex­akt al­le sie­ben oder acht, aber doch wel­len­för­mig?

Die KI hat das gan­ze Netz ver­än­dert, auch die Such­ma­schi­nen ha­ben sich um­ge­stellt. Des­halb wur­de im Som­mer am Blog ge­schraubt. Mal se­hen, ob die Such­ergeb­nis­se wie­der an­ders wer­den.

Aber eine Korrelation hat einen bitteren Nachgeschmack: Seit ich hier öf­fent­lich ge­macht und auch mei­nen Kun­den mit­ge­teilt ha­be, dass ich in Teil­zeit pfle­ge, gibt es we­ni­ger Nach­fra­ge, mehr Kos­ten­vor­an­schlä­ge, we­ni­ger Zu­sa­gen.

Ähnliches ha­be ich schon in den Zei­ten be­ob­ach­tet, als ich al­lein­er­zie­hen­de Pa­ten­tan­te mei­nes Teil­zeit­zieh­sohns war. Man­che zo­gen sich so­fort zu­rück. An­de­re ha­ben mich be­wusst wei­ter­emp­foh­len, El­tern wa­ren da ganz oben.

Da­bei ist mei­ne ver­füg­ba­re Zeit al­les an­de­re als un­be­re­chen­bar: Die Pfle­ge ist klar or­ga­ni­siert, mei­ne Ar­beits­zei­ten bes­tens ge­plant und Ein­sät­ze las­sen sich ent­spre­chend ver­ein­ba­ren.

Ob es dar­an liegt oder ob ge­ra­de meh­re­re Din­ge zu­sam­men­kom­men? Die Kon­sul­ta­tio­nen mit Frank­reich sind seit dem letz­ten Re­gie­rungs­wech­sel we­ni­ger ge­wor­den, eben­so die De­le­ga­ti­onen aus fran­zö­sisch­spra­chi­gen Län­dern. Und dann sind da noch die KI-Nerds, die in­zwi­schen mit er­staun­li­cher Chu­zpe um un­se­re Kund­schaft wer­ben, ob­wohl die KI es nicht kann (1. Link, 2. Link).

Auch Bran­chen, die sta­bil sind, wur­den vom Kri­sen­ge­rau­ne er­fasst. Al­le schei­nen die Krö­ten zu­sam­men­zu­hal­ten, im­mer we­ni­ger be­trei­ben in­ter­kul­tu­rel­les Bench­mark­ing oder pla­nen mit Blick auf die Mo­del­le aus an­de­ren Län­dern. Auch die En­er­gie­po­li­tik der Re­gie­rung ist ein Brems­fak­tor für Wei­ter­ent­wick­lun­gen, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen. Dann sind da noch der Ukrai­ne­krieg und die Auf­rüs­tung.

Viel­leicht wirkt auch noch et­was an­de­res nach: Als ich Co­ro­na hat­te und mich nur lang­sam er­holt ha­be, wur­de mir mei­ne wich­tigs­te Kol­le­gin ab­ge­wor­ben. Wir hat­ten un­se­re Kun­den ge­mein­sam be­treut. Sol­che Din­ge las­sen sich im Nach­hin­ein schlecht aus­ein­an­der­di­vi­die­ren. Aber es schmerzt.

Und falls Sie ge­ra­de je­man­den su­chen, der Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch si­mul­tan oder kon­se­ku­tiv dol­metscht: Ich freue mich na­tür­lich, von Ih­nen zu hö­ren. Auch über Emp­feh­lun­gen freue ich mich sehr!

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)