Mittwoch, 11. März 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

KI-Murks (6)

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­tions­rei­sen. Heu­te: ein Kurzeintrag zum KI-Mitt­woch!

KI-Übel­set­zung, 10. März 2026

"Die gro­ßen Tie­re der Welt bre­chen ei­nen Krieg vom Zaun und ken­nen jetzt kei­ne Exit-Stra­te­gie."

Le grand monde du monde tra­verse une guerre de Zaun et a une stra­té­gie de sor­tie. [Wört­lich: Die gro­ße Welt der Welt durch­läuft ei­nen Krieg von Zaun und hat ei­ne Aus­stiegs­stra­te­gie.]

The high society is going through a Zaun war and has an exit stra­te­gy.

➥ Die High Society be­fin­det sich in ei­nem Zaun-Krieg und hat ei­ne Aus­stiegs­stra­te­gie.

Er­klä­rung: Den Aus­gangs­satz ha­be ich in ei­ne Über­set­zungs­soft­ware ein­ge­ge­ben, das Er­geb­nis war das neue Aus­gangs­ma­te­rial, das ich er­neut in die Über­set­zungs­sof­tware ein­ge­ge­ben ha­be.

Kinderbild mit Bären
Bä­ren se­hen auf uns her­ab

Das Er­geb­nis hat den Vor­gang, die Han­deln­den und den Aus­blick ver­stüm­melt, denn "große Tiere" und "vom Zaun bre­chen" sind idio­ma­ti­sche Re­de­wen­dun­gen, al­so Ver­bin­dun­gen von Wör­tern zu ei­ner Ein­heit, bei de­nen sich der Sinn nicht aus den ein­zel­nen Wörtern er­schließt; solche Re­de­wen­dun­gen sind kul­tu­rell be­dingt und kom­men oft in der ge­spro­che­nen Spra­che vor.


Und hier noch­mal ganz schnell, was "KI-Dol­met­schen" be­deu­tet:

Einzelschritte beim sogenannten „KI-Dolmetschen“  1. Spracherkennung: Die gesprochene Sprache wird von einer Spracherkennungssoftware in Text umgewandelt. 2. Textverarbeitung: Der erkannte Text wird automatisch in die Zielsprache übertragen. 3. Sprachsynthese: Das Ergebnis wird durch einen Text-to-Speech-Engine wieder in gesprochene Sprache umgewandelt.  —> Drei Einfallstore für den Stille-Post-Effekt


Wei­ter mit der Ana­ly­se der Ver­zer­run­gen, wenn die KI „dol­metscht“: klick!

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Il­lus­tra­tion: Char­lot­te

Dienstag, 10. März 2026

Auf­hei­te­rungs­zo­nen

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen auf den Sei­ten mei­nes vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und ar­bei­te mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch, Deutsch ist mei­ne Mut­ter­spra­che. Heu­te: Nach­den­ken über un­se­re Zeit.

Heut­e Mor­gen in den Nach­rich­ten: In Deutsch­land ha­ben wir hö­he­re Temp­e­ra­tu­ren als in Spa­nien. Die Men­schen freut's, kaum je­mand denkt wei­ter. Und die „Wet­ter­frö­sche“ in den Me­dien sa­gen es neu­tral an, zie­hen viel­leicht ei­ne Au­gen­braue hoch, ver­knei­fen sich den Alarm, der nö­tig wä­re.

In ei­nem frü­he­ren Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin. Mir fal­len ge­ra­de in den Me­dien die re­gel­mä­ßi­gen Kurz­be­rich­te über Wet­ter­ka­tas­tro­phen auf seit Jahresanfang: in Por­tu­gal an­hal­ten­der Stark­re­gen, der nicht nur schwer ab­floss, son­dern in die Häu­ser und Stra­ßen hoch­ge­spült wur­de. In Spanien: eine Gewitterfront nach der anderen. Auch in La­tein­a­me­ri­ka: ex­tre­me Re­gen­fäl­le, Über­schwem­mun­gen, Erd­rut­sche. Das Was­ser for­dert über­all Men­schen­le­ben. Auch wenn das räum­lich weit ent­fernt ist, me­te­o­ro­lo­gisch folgt es ähn­li­chen Mus­tern. 

Mir fällt auf, dass es der­zeit Fehl­stel­len in der Be­richt­er­stat­tung gibt, die Fak­ten wer­den in Kür­zest­bei­trä­gen knapp ab­ge­ar­bei­tet, and that's it.

The ele­phant in the room

Gewitterstimmung
Kurz vor dem Gewitter
Frü­her hieß es schlech­tes Wetter, heu­te Da­ten­lage: Lan­ge Pha­sen oh­ne Wet­ter­än­de­run­gen ha­ben vie­le von in Er­in­ne­rung. z.B. die hei­ßen Som­mer 2003 und 2018. Da­mals kon­nten wir un­se­ren win­di­gen Nord­bal­kon an ei­nem Fließ­ge­wäs­ser von An­fang Mai bis En­de Ok­to­ber nut­zen, frü­her ma­xi­mal vier Wo­chen. Ver­las­sen wir den Bal­kon, öf­fnen wir den Fo­kus.

In ganz Eu­ro­pa erleben wir jetzt al­le paar Jah­re ei­nen „Jahr­hun­dert­som­mer“ mit mo­na­te­lan­gen Hit­ze­wel­len, Dür­re, To­de­sop­fern. Das Phä­no­men nennt sich „blo­ckie­ren­de Wet­ter­la­ge“, die Fol­ge ver­lang­sam­ter West­wind­strö­mung­en etwa in der Hö­he, in der auch Ver­kehrs­flug­zeu­ge fliegen, der Jet­stream, der schwä­cher und wel­li­ger wird. Da­durch sind Wet­ter­la­gen wie am Him­mel fest­ge­ta­ckert. Das sind Fol­gen der Kli­ma­ka­tas­tro­phe, die auch dann un­ser neu­er All­tag bleibt, wenn wir mor­gen die CO2-Emis­sio­nen ra­di­kal re­du­zie­ren wür­den. (Lei­der macht „der Wes­ten“ der­zeit das Ge­gen­teil.)

Der Win­ter 2025/2026 zählt nun zu den ex­trem­s­ten, die Eu­ro­pa je er­lebt hat. Mir feh­len in den Zei­tun­gen und im TV die zahl­rei­chen Hin­ter­grund­re­por­ta­gen (zu ver­nünf­ti­ger Sen­de­zeit) und ein­ord­nen­de Stüc­ke in den A­bend­nach­rich­ten, die das The­ma er­for­dert. Es ist der Ele­fant im Raum.

Aus­nah­me­zu­stand

In­ner­halb we­ni­ger Wo­chen tra­fen den Kon­ti­nent mas­si­ve Ge­gen­sät­ze: me­ter­ho­he Wel­len im Mit­tel­meer, schwe­re Über­schwem­mun­gen in Süd­ita­lien, auf Mal­ta und der Ibe­ri­schen Halb­in­sel, wäh­rend schwe­re Schnee­stürme und ark­ti­sche Käl­te den Bal­kan, die Al­pen und Tei­le Grie­chen­lands lahm­leg­ten, vie­ler­orts gab es La­wi­nen­ge­fahr.

Den Auf­takt mach­te im Ja­nu­ar der Zy­klon „Har­ry“, ein hur­ri­kan-ähn­li­cher Wir­bel­sturm: Mit Wind­bö­en über 120 km/h, bis zu 16 Me­ter ho­hen Wel­len und enor­men Re­gen­men­gen ver­ur­sach­te er vor al­lem in Si­zi­lien, Sar­di­ni­en, Ka­la­bri­en und Mal­ta schwe­re Schä­den. In­fra­struk­tur wur­de zer­stört, hun­der­te Men­schen eva­ku­iert, die wirt­schaft­li­chen Ver­lus­te gehen in die Mil­li­ar­den. Tra­gisch: Zahl­rei­che Men­schen star­ben bei dem Ver­such, wäh­rend des Sturms das Mit­tel­meer zu über­que­ren.

Seit­dem trans­por­tier­ten auf­ein­an­der­fol­gen­de Tief­druck­sys­te­me feucht­war­me Luft aus dem au­ßer­ge­wöhn­lich war­men Mit­tel­meer nach Nor­den, wo sie auf kal­te ark­ti­sche Luft traf. Die Fol­ge war ein ex­tre­mer Wet­ter­kon­trast: schwe­re Schnee­stür­me auf dem Bal­kan, Strom­aus­fäl­le, blo­ckier­te Ver­kehrs­we­ge und To­des­op­fer durch wet­ter­be­ding­te Un­fäl­le. Auch Ös­ter­reich und die Al­pen er­leb­ten Stark­schnee, La­wi­nen­war­nun­gen und Über­schwem­mun­gen durch Re­gen auf Schnee.

In Süd­spa­nien reiht sich ein Un­wet­ter an das nächs­te, in Gra­za­le­ma fiel in­ner­halb we­ni­ger Ta­ge im Feb­ru­ar mehr Nie­der­schlag als im ge­sam­ten Jah­res­mit­tel.

Wis­sen­schaft­lich ist das Mus­ter gut er­klär­bar: Das Mit­tel­meer war 2025 so warm wie nie zu­vor ge­mes­sen, mit Ab­wei­chun­gen von bis zu +5 °C. Wär­me­res Was­ser be­deu­tet mehr Ver­duns­tung, mehr Feuch­tig­keit in der At­mo­sphä­re (pro Grad etwa sie­ben Pro­zent mehr Was­ser­dampf), zu­sätz­li­che En­er­gie für Stür­me. Stu­di­en zei­gen, dass der men­schen­ge­mach­te Kli­ma­wan­del sol­che Er­eig­nis­se deut­lich ver­stärkt. Kli­ma­for­scher spre­chen von ei­ner neu­en Re­a­li­tät: ei­ner Häu­fung ex­tre­mer Wet­ter­la­gen, die ex­akt den Pro­gno­sen ei­nes sich er­wär­men­den Kli­mas ent­spricht.

Wenn's ein Dreh­buch wäre, wür­de man sa­gen: zu dick auf­ge­tra­gen. (So ähn­lich wie die ak­tu­el­le Nach­rich­ten­la­ge, was se­xu­el­len Miss­brauch und Ver­schwö­rung an­geht, sprengt die Si­tu­a­tion un­ser Vor­stel­lungs­ver­mö­gen.) Klar ist: Wir wer­den künf­tig re­gel­mä­ßig Ex­trem­wet­ter be­kom­men, hö­he­re Kos­ten und wach­sen­des Leid. Der Kli­ma­wan­del ist längst da.

(Mit die­sen Zei­len hät­te ich ger­ne Un­recht, wirk­lich so gern. Aber die Wis­sen­schaft ist sich zu 99 Pro­zent si­cher. Das ei­ne Pro­zent sind ge­kauf­te „Gut­ach­ten“).

Or­te und Mo­men­te der Er­ho­lung

Wie ge­hen wir am bes­ten da­mit um, wenn im TV zwi­schen Bör­se und Sport der Phy­sik kaum Raum ein­ge­räumt wird, statt­des­sen Rechts­ex­tre­me ihre kru­den Ideen in der Haupt­sen­de­zeit zu oft un­wi­der­spro­chen breit­tre­ten dürfen? Wir müs­sen die­sen Raum ein­for­dern! Ich schrei­be Zu­schau­er­post. Aus mei­ner Zeit als Re­dak­teu­rin weiß ich, dass der­lei auf­merk­sam ge­le­sen wird.

En­ga­ge­ment für Men­schen­rech­te und Auf­klä­rung brauchen Aus­dauer und Er­ho­lungs­pau­sen. „Auf­hei­te­rungs­zo­nen“ im All­tag sind wichtig, damit wir Kraft schöp­fen können, um ge­gen die­se im­per­ti­nen­te Wis­sen­schafts­leug­nung an­zu­ge­hen, im Team mit an­de­ren, die es gibt, die ähn­lich wie Du, Sie, wir, ich fast wahn­sin­nig wer­den in die­sen dunk­len Ta­gen (und da mei­ne ich jetzt mal nicht die Ab­we­sen­heit von Son­ne die­ser Ta­ge in Ber­lin)!


Ich spiele hier an auf:
✗ Epstein-Files
✗ Ministerin Reiche plant Baustopp für Wind und Solar für mindestens zehn Jahre
✗ Die Regierung plant u.a., das Nutzer:innen erneuerbarer Energien mit Sonderabgaben belastet werden für die allgemeinen Netzkosten
✗ Rechtsextremist Chr. in prominenter Talkshow
✗ Geplante Kürzung der Solarförderung

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Foto:
C.E. (Archiv)

Montag, 9. März 2026

Montagsschreibtisch (130)

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Was ist diese Wo­che los?

Fan­gen wir an mit ei­nem Bil­dungs­tipp für Fa­mi­li­en: Sel­te­ne Din­ge sam­meln und si­cher im Schrank hin­ter Glas ver­wah­ren, ab und zu da­vor­stel­len und Ge­füh­le ha­ben, sich da­bei von den Klei­nen be­o­b­ach­ten las­sen. Das mit den Ge­füh­len ist ein­fach, wenn auch al­te und sehr al­te Fo­tos da­bei sind.

Hin­ter Glas sind bei uns Mi­ni­a­tu­ren von Streit­wa­gen und al­ten Ben­zin­kut­schen, al­te Mün­zen, Mu­scheln, ver­stei­ner­te Schne­cken, Bern­stein mit In­sek­ten­ein­schluss, Mi­ni­a­tu­ren aus Ägyp­ten, die der Opa mit­ge­bracht hat. Bei uns sitzt Gott Set, Schutz­gott der Oa­sen und der Be­du­i­nen, di­rekt ne­ben di­ver­sem Ge­stein, dar­un­ter Vul­kan­stein vom Ät­na. Wich­tig: al­les im­mer gut hin­ter Ver­schluss las­sen. Wün­sche und In­ter­es­se wach­sen las­sen: „Das ist sehr wert­voll!“

Irgend­wann sind die Klei­nen groß ge­nug, um sich den Schatz an­zu­se­hen, und die Fräu­leins, was mei­ne Nich­ten sind, ma­chen das im­mer wie­der ger­ne. Mit drei­ein­halb Jah­ren hat da­bei mir dann die Klei­ne die ägyt­pi­sche Gott­heit als sol­che iden­ti­fi­ziert und vom Nil und den Wüs­ten er­zählt. Da hat wohl auch ein Buch aus dem Kin­der­gar­ten nach­ge­wirkt.

Schreib­tisch, Uten­si­li­en, Schreib­ma­schi­ne, Blu­men, Schreib­kraft
Pla­nungs­schreib­tisch flo­ral
Ges­tern Abend ist im Sü­den West­deutsch­land ein Me­te­o­rit ein­ge­schla­gen, klei­ne Stein­chen, die jetzt ana­ly­siert wer­den. Das klei­ne Fräu­lein wür­de wohl Ähn­lich­keit mit Vul­kan­ge­stein dar­in er­ken­nen, ober­fläch­lich ge­spro­chen.

Na­tur­wis­sen­schaft ist gut, his­to­ri­sche Bil­dung auch. Grund­sätz­lich si­chern sie die Zu­kunft des Lan­des ab.

Ak­tu­ell steht an:
❦ Kos­ten­vor­an­schlag Über­set­zung (Bil­dungs­ar­beit, Ge­schich­te)
❦ Schrift­kram für Re­lo­ca­ti­on-Kun­din (Ge­flüch­te­te aus den USA)
❦ Gut­ach­ten fürs Ge­richt (KI-Tran­skrip­ti­on)
❦ Kos­ten­vor­an­schlag Dol­met­schen (Ur­ba­nis­mus)
❦ Ter­min­pla­nung

Wir hat­ten es eben vom Me­te­o­ri­ten, da­her mei­ne drin­gen­de Film­emp­feh­lung: „Don't look up“ von Adam McKay (2021), der Film ist ak­tu­el­ler denn je. Und ja, wer in die­sen Zei­len ei­nen Kom­men­tar zur ak­tu­el­len po­li­ti­schen La­ge er­kennt, liegt nicht falsch.

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Fo­to: pri­va­tes Fo­to­ar­chiv (1926)

Donnerstag, 5. März 2026

Ernsthafte Warnung!

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Ham­burg, Lil­le, Köln oder an­ders­wo.

Heu­te früh flat­tert mir ei­ne Ab­sa­ge zu ei­nem mei­ner Kos­ten­an­schlä­ge in den di­gi­ta­len Brief­kas­ten. Ich ha­ke nach. Die Ant­wort: Man ha­be sich für ei­ne Fir­ma ent­schie­den, die KI-Dol­met­schen an­bie­tet.

Schild: Meeting, bitte nicht stören
Über­wie­gend Schlips­trä­ger
Da­vor kann ich nur war­nen. Die KI lie­fert viel, das ei­ni­ger­ma­ßen gut klingt, aber auch viel Er­fun­de­nes.
Wenn die Sta­tis­tik an­gibt, dass 80 Pro­zent der Be­grif­fe von der KI über­tra­gen wer­den, so je­den­falls wer­ben die An­bie­ter­fir­men, fra­gen wir Lin­guist:in­nen: Stimmt die Rei­hen­fol­ge der Wör­ter? Das ist wich­tig, denn ei­ne fal­sche Rei­hen­fol­ge kann die Aus­sa­ge kom­plett ver­än­dern.

Und was ist mit den ver­blei­ben­den 20 Pro­zent? Sind das Fehl­grif­fe, Hal­lu­zi­na­tio­nen oder ein­fach nur Pau­sen?

Sol­cher Murks kos­tet Geld. Ei­nen un­se­rer Kun­den, er ist Land­ma­schi­nen­her­stel­ler, hat das schon meh­re­re hun­dert­tau­send Eu­ro ge­kos­tet. Sol­che In­for­ma­tio­nen ste­hen lei­der nicht in der Zei­tung, sie sind hoch­not­pein­lich.

Der Grund für den Mist, den die Ma­schi­ne oft baut, ist rasch er­klärt: Men­schen ver­hal­ten sich nur sehr sel­ten so, wie es für die KI ide­al wä­re. Was bie­ten die Tech­nik­nerds an? Bei "Dol­met­schen" oh­ne Men­schen wer­den meh­re­re KI-Tools hin­ter­ein­an­der­ge­schal­tet: Voice to text, text to text, text to voice. Wer ein­mal er­lebt hat, wie De­tails in der KI-Ver­ar­bei­tung ver­schwim­men, kann sich vor­stel­len, wel­che "Stil­le Post"-Ef­fek­te da mög­lich sind. Den Pro­fis vor der Ka­bi­ne (die Kas­se ma­chen wol­len,) ist das egal. Wir Pro­fis aus der Ka­bi­ne (die wir wirk­lich wis­sen, wie Dol­met­schen geht,) war­nen.

Men­schen kom­mu­ni­zie­ren zu chao­tisch, ma­chen Feh­ler, ver­has­peln sich, steu­ern mit­ten im Satz auf ein an­de­res Satz­en­de zu, nut­zen in ih­rer Re­dun­danz manch­mal ein ver­meint­li­ches Sy­no­nym, was die Tech­nik dann "auf die fal­sche Fähr­te" bringt. (Mehr Feh­ler­mo­men­te ste­hen hier: klick.)

Denn die KI ist weit da­von ent­fernt, Auf­ga­ben zu be­herr­schen, die über ein­fa­che Fra­gen nach dem Be­fin­den des an­de­ren oder ei­ner Weg­be­schrei­bung hin­aus­ge­hen. Ich er­gän­ze: Ste­reo­ty­pi­sche, trai­nier­te, vor­ge­ge­be­ne In­hal­te "kann" sie auch. Nun geht es bei 99 Pro­zent der Ver­an­stal­tun­gen ein­mal um das Neue, Be­son­de­re ... und um den Aus­tausch. Bei Rück­fra­gen schei­tert die KI zu­ver­läs­sig.

Wie feh­ler­be­haf­tet spon­ta­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on sein kann, und sei es nur durch spon­ta­nen Wech­sel der Spra­che, ha­be ich ges­tern in ei­nem Blog­post ge­schrie­ben (Link). Miss­ver­ständ­nis­se lie­fern Men­schen schon al­lein gut ge­nug.

Beim ges­tern be­schrie­be­nen Ter­min ging es in ei­ner Run­de um Land­wirt­schaft, Vieh­zucht, Bio­land­bau und Dün­ge­mit­tel, al­so auch um In­fla­ti­on. Am Ran­de wur­den neue, noch nicht von Bio-La­bels an­er­kann­te Me­tho­den be­spro­chen.

Wir sa­ßen al­le ge­mein­sam im Raum, wir dol­met­schten halb kon­se­ku­tiv, halb si­mul­tan (mit mo­bi­ler Dol­met­schan­la­ge). Der Teil­neh­mer aus Frank­reich hat mal in Ber­lin ge­lebt. Er hat ein Wort aus dem Mun­de des Ge­gen­übers auf­ge­schnappt, falsch ver­stan­den und es dann halb­laut selbst über­tra­gen, in den Wort­strom der Dol­met­sche­rin hin­ein. Der Bri­te vis-à-vis des Ti­sches hat das Wort kurz als Schimpf­wort auf­ge­fasst ... und an­schlie­ßend selbst beim fran­zö­si­schen Kol­le­gen ge­nau hin­ge­hört, bis er glaub­te, ein Wort zu er­ken­nen, und er sich da­mit geis­tig be­schäf­tigt hat, statt wei­ter sei­ner Dol­met­sche­rin zu­zu­hö­ren.

Die Her­ren (die Kun­den wa­ren Män­ner und Frau­en ha­ben ge­dol­met­scht) wa­ren nicht miss­trau­isch, die Sze­ne spie­gelt schlicht den All­tag. Wenn wir Dol­met­sche­rin­nen mit im Raum sit­zen und ei­gent­lich Kon­se­ku­tiv­dol­met­schen ge­wünscht ist, in die Pau­sen hin­ein, kön­nen sol­che Mo­men­te leicht ent­ste­hen, aber auch beim Si­mul­tan­dol­met­schen. Denn bei drei Spra­chen an ei­nem Tisch wa­ren wir mit Tech­nik zur Sit­zung er­schie­nen, die für ei­nen Abend­ter­min oh­ne­hin ge­bucht war. 

Wir Sprach­ar­bei­ter:in­nen durf­ten dann das lin­gu­is­ti­sche To­hu­wa­bo­hu ent­wir­ren. Es hat ge­klappt. Al­le ha­ben ge­lacht. Es wur­de ein aus­ge­spro­chen har­mo­ni­scher Ter­min. Die KI wä­re an den men­sch­li­chen Feh­lern ge­schei­tert. Denn sie ist oft ge­nug aus­rei­chend da­mit be­schäf­tigt, ei­ge­ne Feh­ler zu ma­chen.

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 4. März 2026

Historische Fälschungen

Wie Sprach­pro­fis ar­bei­ten, ist seit 2007 Ge­gen­stand die­ses Web­logs. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te meis­tens als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

Sehr oft ha­be ich über die Res­ti­tu­ti­on von Raub­kunst ge­dol­metscht, in Schu­len, Ge­denk­stät­ten, bei Buch- und Film­vor­stel­lun­gen zur Na­zi­zeit, be­son­ders über den zen­tra­len Zi­vi­li­sa­ti­ons­bruch der deut­schen Ge­schich­te.

Der Kreis der Über­le­ben­den des in­dus­tri­el­len Mas­sen­mords an Men­schen an­de­ren Glau­bens, an­de­rer po­li­ti­scher Über­zeu­gung oder an­de­rer ge­schlecht­li­cher Ori­en­tie­rung wird täg­lich klei­ner. Um die Er­in­ne­rung an die jüngs­te Ge­schich­te le­ben­dig zu er­hal­ten, ha­ben sich vie­le Men­schen da­zu be­reit­er­klärt, als „Zweit­zeu­gen” zu fun­gie­ren: Zeu­gen aus zwei­ter Hand, die vie­len Über­le­ben­den be­geg­net sind, mit ih­nen lan­ge ge­spro­chen und his­to­ri­sche Do­ku­men­te und Or­te be­sucht ha­ben. Auch ich bin so ei­ne „Zweit­zeu­gin”.

Seit Jahr­zehn­ten über­le­gen wir in die­sen Krei­sen, wie es später wei­ter­ge­hen wird.

Mit ei­nem konn­ten wir nicht rech­nen: dem Auf­kom­men der KI und ih­rer Ver­wen­dung in frag­wür­di­ger Ab­sicht — oder ein­fach nur zur ei­ge­nen Ver­mö­gens­ver­wer­tung.

Ich meine Vor­gän­ge wie die­se hier: Men­schen steh­len sich die Le­bens­da­ten und Aus­gangs­fo­tos von Op­fern, „ver­bes­sern” die­se, in­dem sie neue Bil­der von der KI schaf­fen las­sen, die glei­che Per­son, nur äl­ter, der glei­che Mensch, nur mit ei­nem an­de­ren Blick. Wo das Op­fer eben fein ge­schmun­zelt hat, sieht es nun tra­gisch drein. Fake­bil­der sind für Ge­üb­te leicht zu er­ken­nen, sie sind de­tail­rei­cher, ha­ben ei­ne an­de­re Kör­nung, auch wenn in­zwi­schen oft ab­sicht­lich Feh­ler ein­ge­baut wer­den, um das Pub­li­kum in die Ir­re zu füh­ren.

Die Ma­ni­pu­la­ti­on der Bil­der mit KI er­folgt mit dem Ziel, die Her­zen der Le­ser:in­nen in den „aso­zia­len Me­di­en” bes­ser zu er­o­bern und mehr Klicks zu ge­ne­rie­ren. Da­zu wer­den Ge­schich­ten er­fun­den und mit De­tails aus­ge­schmückt. Aus ei­nem frü­he­ren To­des­zeit­punkt von El­tern bei­spiels­wei­se wer­den herz­zer­rei­ßen­de Ge­schich­ten er­fun­den über al­lei­ne in Groß­städ­ten her­um­ir­ren­de Kin­der, die in Kel­lern über­nach­ten und sich aus dem Müll er­näh­ren.

Nicht, dass es das nicht ge­ge­ben hät­te. Es hat sol­che Ge­schich­ten mas­sen­haft ge­ge­ben. Aber es ist nicht ver­bürgt, dass eben je­ne Per­son das Schick­sal er­lit­ten hat, de­ren Na­men je­weils her­hal­ten muss. Es sind Fäl­schun­gen. Auf­ge­fal­len sind mir sol­che Pu­bli­ka­tio­nen u.a. bei Face­book, wo die Un­ter­sei­ten, auf de­nen sie ste­hen, so ge­mei­ne Na­men tra­gen wie „Mar­velous His­to­ry”, wun­der­ba­re Ge­schich­te.

Die KI droht, die all­ge­mei­ne Wahr­neh­mung der Ge­schich­te zu ver­zer­ren. Ver­fälsch­te Bil­der aus dem In­ne­ren der La­ger sind be­reits auf­ge­taucht, zum Teil wa­ren da­bei äu­ßerst wohl­ge­nähr­te Op­fer zu se­hen. Das ist äu­ßerst ge­fähr­lich. Die Mehr­heit des Pu­bli­kums hat ver­mut­lich nicht den schar­fen Blick der nö­tig ist, um ech­te von ge­fälsch­ten Bil­dern zu un­ter­schei­den. Das Tor steht weit of­fen, das zu kom­plet­ter Ma­ni­pu­la­ti­on bis hin zur Ne­gie­rung his­to­ri­scher Fak­ten führt.

In ei­nem an­de­ren Fall, den ich ge­nau­er un­ter­sucht ha­be, fin­de ich auf Ge­nea­lo­gie­sei­ten die Na­men der El­tern des Op­fers, ei­nes Mäd­chens, kor­rekt wie­der­ge­ge­ben, eben­so wie das Ar­ron­dis­se­ment, in dem die Fa­mi­lie in Pa­ris ge­lebt hat. Und dann folgt ei­ne ver­mut­lich mensch­li­che Er­fin­dung auf ei­ner Face­book-Un­ter­sei­te, die das Wort „Sto­ry­tel­ling” im Na­men trägt. Da­mit es nicht so­fort auf­fällt, wur­de der Na­me des Mäd­chens durch den Aus­tausch ei­nes Buch­sta­bens ver­än­dert.

Kei­ne Fake­fo­tos hier, ich möch­te das Sys­tem nicht be­feu­ern. Ich ge­den­ke stell­ver­tre­tend für Mil­lio­nen zwei­er Op­fer des Ho­lo­caust, de­ren Ge­burts­tag sich heu­te jährt. Da ist die nie­der­län­di­sche Jü­din Ce­line Jo­han­na Kui­jper aus Rot­ter­dam, Fo­to links, Jahr­gang 1923, so­wie die Tsche­chin Ali­ce Rei­fo­vá, sie wur­de schon 1907 in Prag ge­bo­ren. Die Frau­en wur­den Au­gust 1943 bzw. Ok­to­ber 1944 nach Ausch­witz de­por­tiert und dort er­mor­det.

Ce­line Jo­han­na Kuij­per und Alice Rei­fo­vá

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Fo­tos: Au­schwitz Me­mo­rial / Au­schwitz-Mu­se­um

Mist aber auch!

Was Dol­met­scherin­nen und Über­set­zerin­nen, Dol­met­scher und Über­set­zer um­treibt, wie wir ar­bei­ten, ist hier im 20. Jahr in lo­ser Fol­ge The­ma. Ich be­ob­ach­te da­ne­ben un­se­re Zeit sehr ge­nau. Heu­te wird es im Blog schmut­zig. Nein, es geht nicht um Sex, aber um Fä­ka­li­en, genauer: um tie­ri­sche Aus­schei­dun­gen. KI-Mitt­woch!

Vor­be­rei­tungs­run­de für eine De­le­ga­ti­ons­rei­se, The­ma: Land­wirt­schaft, Rin­der­hal­tung, Bio­land­bau, In­fla­ti­on und der­glei­chen mehr. Da im Bio­land­bau nicht auf pe­tro­che­mi­sche Dün­ge­mit­tel zu­rück­ge­grif­fen wird, ist er von ei­nem Teil der Teu­e­run­gen durch den Krieg im Na­hen Os­ten ver­schont. Es wird um Marketing, Kommunikation und neue Anbaumethoden gehen.

Es sind drei Spra­chen im Raum, EN, FR und DE. Wir sit­zen mit im Raum und dol­met­schen halb kon­se­ku­tiv (in für uns ge­mach­te Sprech­pau­sen hin­ein), halb flüs­ternd, un­ter­stützt durch leicht trans­por­tier­ba­re Tech­nik. Die Sit­zung ist für 90 Mi­nu­ten an­be­raumt, da ist das kein Pro­blem.

Irgend­wann fällt ein Satz, der in et­wa so geht: We are con­si­de­ring in­ten­si­fy­ing a­qua­po­nics tech­niques, even though these are not lis­ted in the stan­dard pro­to­cols for or­ga­nic far­ming. This in­vol­ves gro­wing plants by sus­pen­ding their roots in a den­se, nu­tri­ent-rich mist. This is be­ne­fi­cial be­cause it re­du­ces both wa­ter con­sump­tion and CO2 emis­sions. (Auf Deutsch: Wir er­wä­gen, häu­fi­ger A­qua­po­nik ein­zu­set­zen, ob­wohl sie nicht in den Stan­dard­pro­to­kol­len des Ö­ko­land­baus ent­hal­ten ist. Da­bei wer­den die Wur­zeln der Pflan­zen ei­nem dich­ten, nähr­stoff­rei­chen Ne­bel aus­ge­setzt, was Vor­tei­le hat, da es so­wohl den Was­ser­ver­brauch als auch die CO2-E­mis­sio­nen re­du­ziert.)

Der Fran­zo­se, der frü­her mal ei­ni­ge Jah­re in Ber­lin ge­lebt hat, nickt. „Ah! Mist!“, sagt er spon­tan auf Deutsch und nickt sehr zu­frie­den.

Die Eng­lisch-Dol­met­sch­kol­le­gin rollt mit den Au­gen. Es ist im­mer schwie­rig, wenn Teil­neh­men­de bei ei­nem Ter­min spon­tan die Spra­che wech­seln, das ist für uns an­stren­gend, aber es be­las­tet auch den In­halt.

An­statt zu dol­met­schen, sa­ge ich dem fran­zö­si­schen Teil­neh­mer: Au fait, il parle de la bru­me. Voici ce qu'il a dit: ... und dol­met­sche dann Wort für Wort.

Fischtank für Aquaponik
Hier kommt das angereicherte Wasser her
Der Fran­zo­se dar­auf: Il n'a pas par­lé de mer­de? Ich in den fran­zö­si­schen Ka­nal: Non, il ne parle pas de fu­mier. Il parle tou­jours de bru­me. (Nein, er spricht nicht von Mist. Er spricht noch im­mer von Ver­ne­be­lung.)

Und dann wie­der­ho­le ich, was der Mann ge­sagt hat, weil mein Kun­de of­fen­bar so ent­zückt war, ein Wort zu ver­ste­hen, das er zu erkennt glaubt, dass er nicht gut zu­ge­hört hat, auch wenn es ein deut­sches Wort war und der Kol­le­ge Eng­lisch spricht.

Wir sind in Deutsch­land, auch so et­was ver­schiebt Wahr­neh­mun­gen. Mais c'est tout au­tre cho­se !, sagt un­ser Franz­mann, ... il parle du hors-sol !, wo­mit er recht hat: Das ist ja ganz was an­de­res! Er meint An­bau oh­ne Er­de! (A­qua­po­nik wird auf Fran­zö­sisch oft so be­nannt.)

In der Zwi­schen­zeit hat die Eng­lisch-Kol­le­gin da­mit zu tun, dem eng­li­schen Mut­ter­sprach­ler zu er­klä­ren, was hier ge­ra­de ab­läuft. Denn der hat­te das Wort mer­de sehr wohl ge­hört, was ja auch als Fluch ver­stan­den wer­den kann, und er woll­te wis­sen, was sein Kol­le­ge aus Frank­reich denn für ein Pro­blem ha­be.

Die Kol­le­gin ist sehr ru­hig und ge­dul­dig bei der Ant­wort. Un­ser Bri­te hat in­des zwi­schen­durch auch dem Kol­le­gen aus Frank­reich Auf­merk­sam­keit ge­schenkt und in ih­rer A­tem­hol­pau­se hat er das fran­zö­si­sche Wort hors-sol auf­ge­schnappt, in pho­ne­ti­scher Um­schrift [ɔʁ sɔl], wo­bei die ers­te Sil­be dem eng­li­schen Wort "horse" so ähn­lich klingt, wie eben ein Fran­zo­se oh­ne das im Fran­zö­si­schen un­üb­li­che "h" das Wort aus­spre­chen wür­de. Er schüt­telt den Kopf und sagt kon­ster­niert: Ab­so­lu­tely no hor­ses ... (wirk­lich gar kei­ne Pfer­de).

Wir er­klä­ren wei­ter. Lang­sam lich­tet sich der Ne­bel, wer­den Mist, mer­de und hors-sol ge­klärt. Am En­de la­chen al­le über das in­ter­kul­tu­rel­le Hin und Her.

Und jetzt er­zäh­le mir mal ei­ner, wie die KI so­was be­werk­stel­li­gen soll, wenn sie selbst stän­dig Feh­ler baut (und Sa­chen er­fin­det), aber nicht mit­schnei­det, dass die feh­ler­be­haf­te­te mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on ei­ne gro­ße Quel­le für Miss­ver­ständ­nis­se ist.

Of­fen bleibt, ob und wann die Ne­bel­be­wäs­se­rung ei­nes Ta­ges in den Ka­non der zu­läs­si­gen An­bau­me­tho­den für nach­hal­ti­gen Öko­land­bau ein­ge­hen wird.

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Graphic courtesy of I. Karonent, adapted
for aquaponics by S. Friend (Wikimedia)

Montag, 2. März 2026

Montagsschreibtisch (129)

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Die Sonne scheint am Mon­tag­mor­gen, die Vögel vor dem Haus zwitschern was von Früh­jahr. Und während es draußen kalt ist, flammt im Nahen Osten der Krieg erneut auf und zieht Kreise. Ach, wenn Wün­schen hel­fen wür­de ... 

Bücherschrank, Schreibitsch und -sessel, Gardine und Fenster
An der Wand: Schloss und Gut Podewitten (Kr. Wehlau)
Auf dem Schreibtisch:

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Mittwoch, 25. Februar 2026

Die KI kostet Ihr Geld!

Wie sich der Ar­beits­all­tag von Dol­met­sche:rin­nen an­fühlt, wie wir uns vor­be­rei­ten und was Dol­met­schen wirk­lich aus­macht, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten im 20. Jahr le­sen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, ar­bei­te ich über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang Tex­te.

Für Film­leu­te ist die Ber­li­na­le die fünfte Jah­res­zeit, dann folgt der Früh­ling. Schon ges­tern flo­gen in Ber­lin die Grau­gän­se laut schnat­ternd über den Dach­first, heu­te gleich wieder. Der Schnee ist ge­schmol­zen, ich kann end­lich wie­der wei­te We­ge zu Fuß ma­chen, ohne stän­dig Angst ha­ben zu müs­sen, ir­gend­wo ei­ne ver­eis­te Stel­le zu über­se­hen.

Die Au­to­rin die­ser Zei­len
Schon wie­der KI-Mitt­woch!

Ich muss kurz ei­ni­ge Ge­dan­ken sor­tie­ren, die ich zum The­ma KI ha­be, dann wei­ter­ver­wal­ten und an­de­re Arbeit er­le­di­gen, die mit dem Dol­met­schen zu­sam­men­hän­gen, die aber meist un­sicht­bar bleiben, um in den Mo­men­ten, in de­nen ich hör­bar bin, auf den Punkt zu ar­bei­ten.

Ges­tern er­reich­te mich die Nach­richt, dass ein be­kann­ter Dienst­leis­ter für Kon­fe­renz­tech­nik In­sol­venz an­ge­mel­det hat. Das ist trau­rig, denn die Tech­nik­kol­leg:in­nen wa­ren im­mer sehr freund­lich. Wir ha­ben bei ih­nen in der Pan­de­mie oft im Hub ge­ses­sen.

Es ist ein Zei­chen, dass sich et­was am Markt ver­än­dert. Die nicht leis­tungs­star­ken Sprach­mo­del­le (LLM), ver­kürzt als „künst­li­che In­tel­li­genz“ be­zeich­net, kön­nen ein­fach nicht ad­äquat dol­met­schen. Sie si­mu­lie­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on. Sie pro­du­zie­ren Feh­ler oh­ne En­de. Ich be­rich­te hier re­gel­mä­ßig dar­über, gerne mittwochs. Hier ha­be ich be­wie­sen, wie we­nig Über­blick die­se Tech­nik hat. Und oh­ne Über­blick kein sinn­vol­les Dol­met­schen.

Trotz­dem fließt Geld in die Kas­sen der Tech­nik­an­bie­ter und der Gi­gan­ten, die hin­ter der Soft­ware ste­hen, sehr viel Geld so­gar.

Seit dem Er­schei­nen von ChatGPT im Jahr 2022 wird al­lent­hal­ben der Ein­druck ver­mit­telt, es han­de­le sich um ei­nen quan­ten­sprung­haf­ten Durch­bruch. Tat­säch­lich ba­sie­ren gro­ße Sprach­mo­del­le auf sta­tis­ti­schen Ver­fah­ren, de­ren Grund­la­gen schon seit den 1980er-Jah­ren be­kannt sind. Neu ist vor al­lem die Re­chen­leis­tung, die schie­re Men­ge an Da­ten und die in­dus­tri­el­le Ska­lie­rung. Das Prin­zip bleibt: Wort folgt auf Wort nach Wahr­schein­lich­keit. Be­deu­tung wird nicht ver­stan­den, son­dern erraten bzw. er­rech­net.

Die­se Sys­te­me wur­den mit Tex­ten trai­niert, die Men­schen ge­dacht, for­mu­liert und ver­öf­fent­licht ha­ben, aus dem In­ter­net, aus Ar­chi­ven, aus Bi­blio­the­ken, und dabei wurde in vielfältiger Weise das Urheberrecht verletzt. Oh­ne die­se men­schen­ge­mach­ten In­hal­te gä­be es kei­ne Ant­wor­ten. Es gä­be nur Lee­re. Was heu­te als „ei­gen­stän­di­ge“ Leis­tung der Ma­schi­ne ver­kauft wird, ist in Wahr­heit die sta­tis­ti­sche Re­kom­bi­na­ti­on frem­der Ge­dan­ken. Und dann ha­ben vie­le Men­schen dar­an ge­ar­bei­tet, aus den 100 Pro­zent Zu­fall­s­murks nur noch 40 oder 20 Pro­zent Zu­fall­s­murks zu ma­chen. Bis heu­te su­chen die Tech-Bu­den hän­de­rin­gend nach Pro­fis, die am Sys­tem wei­ter­schrau­ben. Auch ich be­kom­me fast täg­lich Ar­beits­an­ge­bo­te in die­se Rich­tung.

Denn was viel­fach als „au­to­ma­ti­sier­te KI-Lö­sung“ ver­kauft wird, lebt von mensch­li­cher Ar­beit da­hin­ter, und zwar in er­heb­li­chem Um­fang. Trans­pa­renz­be­rich­te zei­gen, dass Mil­lio­nen von In­hal­ten au­to­ma­ti­siert über­prüft wer­den, dass aber auch Mil­lio­nen von ma­nu­el­len Prü­fun­gen durch Men­schen statt­fin­den. Kon­ser­va­ti­ve Schät­zun­gen ge­hen von 100 000 Men­schen aus, die weltweit als „Trai­ner“ von KI-Sys­te­men ar­bei­ten. Beim Chat­bot Ge­mi­ni (Goog­le) wur­den laut The Guar­di­an erst knapp 25 so­ge­nann­te Su­per ra­ters ein­ge­stellt, be­vor die Teams im Zu­ge des KI-Wett­be­werbs auf fast 2000 Men­schen an­wuch­sen (wo­von spä­ter wie­der 500 ent­las­sen wor­den sein sol­len). Das ist nur ein Bei­spiel un­ter vie­len.

Die Mas­se der Men­schen sitzt in Bil­lig­lohn­län­dern wie In­di­en, so­ge­nann­te Klick­wor­ker:in­nen, die oft in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen nicht nur Ge­walt­dar­stel­lun­gen und Por­no­gra­fie ein­zu­däm­men ver­su­chen, son­dern die auch in­halt­lich ein­grei­fen, KI-Aus­wür­fe be­wer­ten und lö­schen.

Trotz die­ses Auf­wands ist das Er­geb­nis oft ent­täu­schend: so­ge­nann­te „Hal­lu­zi­na­tio­nen“, al­so frei er­fun­de­ne Fak­ten, fal­sche Quel­len, plau­si­bel klin­gen­de, aber sach­lich un­rich­ti­ge Aus­sa­gen spucken die Maschinen aus. For­schen­de wie Dagmar Monett spre­chen in die­sem Zu­sam­men­hang von „de­ge­ne­ra­ti­ver KI“, also von Sys­te­men, die nicht zu Er­kennt­nis­ge­winn füh­ren, son­dern vor­han­de­nes Ma­te­ri­al im­mer wei­ter ver­wäs­sern. Wenn sol­che Mo­del­le zu­künf­tig mit ih­ren ei­ge­nen, syn­the­ti­schen Aus­würfen trai­niert wer­den, droht ein zir­ku­lä­rer Ef­fekt: Qua­li­tät sinkt, Feh­ler ver­viel­fa­chen sich, In­for­ma­ti­on de­ge­ne­riert. Die Schlan­ge beißt sich in den Schwanz, am En­de wächst der Da­ten­müll. Es gibt Men­schen, die des­halb das In­ter­net schon am Ende se­hen. Filmt­ipp: KI: Der Tod des In­ter­nets von Mario Six­tus, ver­füg­bar ab dem 28. Feb­ruar in der Ar­te-Me­dia­thek

Sind die KI-Ela­bo­ra­te ei­ne trag­fä­hi­ge Ar­beits­grund­la­ge für Men­schen, die auf ho­hem Ni­veau den­ken, spre­chen, schrei­ben und dol­met­schen, also in ei­nen Be­ruf, bei dem Nu­an­cen, Kon­text, Im­pli­ka­tio­nen und kul­tu­rel­le Re­fe­ren­zen ent­schei­dend sind? Nein. Und auch nicht für un­se­re End­kund:in­nen in der Sprach­ar­beit, so sehr sich das Leu­te, die der­lei an­bie­ten oder be­auf­tra­gen, sich das auch wün­schen mö­gen.

Ein Sprach­mo­dell kann be­kann­te Wort­fol­gen mit ho­her Wahr­schein­lic­hkeit re­pro­du­zieren. Es schei­tert aber zu­ver­läs­sig am Neu­en, und vom Neu­en le­ben Kon­fe­ren­zen, Mes­sen und Pres­se­kon­fe­ren­zen. Es wird auch kei­ne Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Es „weiß“ nichts von der je­wei­li­gen Si­tua­ti­on, der Dy­na­mik im Raum, der po­li­ti­schen Bri­sanz. Es „weiß“ nicht, wann ein Satz ex­plo­siv ist und wann er ver­söhn­lich wir­ken muss. Es „kennt“ kei­ne Stra­te­gie, kei­ne Di­plo­ma­tie, kei­ne in­ter­kul­tu­rel­le Fein­füh­lig­keit.

Und doch wer­den sol­che Sys­te­me als „Stand-alone-Lö­sung“ für Kon­fe­renz­dol­met­schen an­ge­bo­ten. Tech-Bu­den prei­sen „KI-Dol­met­schen“ als kos­ten­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve an. Wenn es schei­tert, und es schei­tert re­gel­mä­ßig, wird das als „Lern­kur­ve“ ver­kauft. Man ha­be im­mer­hin „ge­spart“. Man sei „pio­nie­r­haft“ un­ter­wegs. Schul­ter­klop­fen, meis­tens un­ter Män­nern: Das neue tech­ni­sche Spiel­zeug be­ein­druckt.

Das ist öko­no­misch bri­sant. Oft kos­tet es mehr als das ver­meint­lich ein­ge­spar­te Geld, um hinterher Schä­den an Image oder In­halt zu kor­ri­gie­ren. Bei­spiel: Auf ei­ner Mes­se hat neu­lich ein An­bie­ter land­wirt­schaft­li­cher Ge­rä­te KI-„Über­set­zun­gen“ an­ge­bo­ten und die Ma­schi­ne hat Mist ge­baut. Po­ten­ziel­le Kund­schaft war so nicht zu über­zeu­gen. Im Ver­trag des Dienst­leis­ters war ei­ne Ge­währ­leis­tung im Klein­ge­druck­ten aus­ge­schlos­sen.

Das ist auch de­mo­kra­tie­po­li­tisch bri­sant. In den aso­zia­len Netz­wer­ken ver­stär­ken au­to­ma­ti­sier­te Sys­te­me Mei­nun­gen, imi­tie­ren Zu­stim­mung, er­zeu­gen mas­sen­haf­te Kom­men­ta­re. Die Gren­ze zwi­schen ech­ter Re­so­nanz und syn­the­ti­scher Ver­stär­kung ver­schwimmt. Men­schen füh­len sich be­stärkt durch ver­meint­li­che Mehr­hei­ten. Dis­kur­se ver­ro­hen. Ra­di­ka­le Po­si­tio­nen ge­win­nen Sicht­bar­keit. Was als tech­ni­sche In­no­va­ti­on be­gon­nen hat, wird zum Macht­fak­tor: Stim­men, Mehr­hei­ten und letzt­lich Geld­strö­me ver­schie­ben sich.

Des­halb schrei­be ich hier dar­über, nicht, weil ich Tech­nik grund­sätz­lich ab­leh­nen wür­de, son­dern als besorgte Bürgerin und weil Prä­zi­si­on mein Beruf ist, Kom­mu­ni­ka­tion, Ver­ant­wor­tung und Hand­werk.

Was der­zeit als „KI“ ver­kauft wird, ist kei­ne den­ken­de In­tel­li­genz. Es ist sta­tis­ti­sche Text­ver­dich­tung mit gi­gan­ti­scher Re­chen­leis­tung, gi­gan­ti­schem Strom­ver­brauch und gi­gan­ti­schem Küh­lungs­be­darf. Die KI hält nicht, was ih­re Ver­käu­fer ver­spre­chen. Sie wirkt aber trotz­dem, durch Mar­ke­ting, durch In­ves­ti­ti­ons­druck, durch die Sehn­sucht nach schnel­len Lö­sun­gen.

Der Markt ver­än­dert sich. Kon­fe­renz­tech­nik-Fir­men ge­ra­ten un­ter Druck, wir Dol­met­sche:rin­nen eben­so. Sprach­be­ru­fe wer­den in­fra­ge ge­stellt, künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen das Stu­dium aus­ge­re­det. Aber Spra­che ist kein Da­ten­strom, sie ist Kon­text, Hin­ter­grund, Be­zie­hung, be­steht aus Nu­an­cen und Ver­ant­wor­tung.

Und wer ein­mal in ei­nem Raum ge­sessen hat, in dem ein ein­zi­ges falsch über­tra­ge­nes Wort ei­ne Ver­hand­lung kip­pen kann, der weiß: Si­mu­la­ti­on ist kei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on.

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Foto: Fo­to­jour­na­list Mar­co Ur­ban

Montag, 23. Februar 2026

Montagsschreibtisch (128)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf diesen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin ist Film: Dreh­buch, Pro­duk­tion, Her­stel­lung, Mar­ke­ting, Fes­ti­val.

Der Mon­tag nach der Ber­li­na­le ist für vie­le ein Schalt­tag, so ähn­lich wie bei den Leu­ten aus dem Mu­seums­be­reich oder dem Haar­sty­ling nach Ta­gen mit gro­ßem An­sturm. Auf dem Mon­tags­schreib­tisch für die­se Wo­che:

Menschen stehen in 50-er Jahre-Kleidung vor einem Nachkriegsbau
POV als Klein­dar­stel­le­rin beim Film: die Au­to­rin die­ser Zei­len
✗ Fol­low-up der Ber­li­na­le­tref­fen
✗ Be­grif­fe, Ma­te­rial, Fo­tos sor­tie­ren
✗ Strategieüberlegungen
✗ Kos­ten­vor­an­schlag
✗ Über­set­zungs­lek­to­rat (ein ech­tes, kein KI-Bull­shit-Auf­räu­men)

Im Fo­to­ar­chiv habe ich die­sen Schnapp­schuss aus mei­nen An­fän­gen in der Film­sprach­ar­beit ge­fun­den, als ich als Kom­par­sin Vo­ka­beln ge­sam­melt ha­be.

Hier hat­te ich Glück: Ich durf­te am Set aus nächs­ter Näh­e al­len auf die Hän­de se­hen und ge­nau zu­hö­ren und muss­te nur sel­ten (wie die meis­ten) in ir­gend­ei­nem Auf­ent­halts­raum ab­hän­gen. Der Grund: Mit Sprech­aus­bil­dung wur­de ich oft di­rekt zur Klein­dar­stel­lerin be­för­dert.

Aus recht­li­chen Grün­den ord­ne ich dem Fo­to jetzt kei­nen Film zu. Am Dreh­tag ent­stand eine be­rühm­te „Film-im-Film“-Sze­ne, die in der deut­schen Nach­kriegs­zeit ver­or­tet war.

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Foto: C.E.