Freitag, 11. September 2026

Moment mal! (8)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit mehr als 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der der kur­ze Mo­ment aus dem All­tag.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag
Wir sind wie­der auf 2,56 Qua­drat­me­tern.
So groß (o­der viel­mehr: klein) sind die Dol­metsch­ka­bi­nen laut ISO-Norm 4043 mit den In­nen­ma­ßen von etwa 1,60 mal 1,60 Me­ter.

Die Kol­le­gin ist dran. Ich hö­re zu, ma­che No­ti­zen. Dann kommt ein Be­griff, bei dem ich weiß: Auf Deutsch war er schwer zu fin­den, und er stand nicht in der Lis­te der noch of­fe­nen Vo­ka­beln, die wir vor Ver­an­stal­tungs­be­ginn durch­ge­gan­gen wa­ren (wa­rum auch im­mer er ge­fehlt hat).

Ich hat­te das Wort ge­fun­den, mir von Fach­leu­ten sei­ne Ver­wen­dung be­stä­ti­gen las­sen.

Die Kol­le­gin kennt es ver­mut­lich auch. Ver­mut­lich o­der viel­leicht? Für ei­nen Se­kun­den­bruch­teil sieht sie mich an.

Ich zie­he den Be­griff aus mei­ner Lis­te im Rech­ner rie­sen­groß und dre­he ihr mei­nen Mo­ni­tor hin. (Manch­mal nut­zen wir auch den Zet­tel, der zwi­schen uns liegt.)

Sie ü­ber­nimmt ihn. Und so­fort geht's wei­ter im Satz. Das war's auch schon!

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Donnerstag, 10. September 2026

Umbau

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Französischka­bi­ne und vom Über­set­ze­rin­nen­schreib­tisch. Am liebs­ten gehe ich mit De­le­ga­tio­nen auf große Rei­se, am zweit­liebs­ten gehe ich auf Kon­fe­ren­zen oder Hin­ter­grund­ge­sprä­chen dol­met­schen. Dann fol­gen No­ta­ria­te, Er­kun­dun­gen, Ar­chiv­re­cher­chen und an­de­re Ter­mi­ne, die oft über­ra­schend und span­nend sind. Ich habe noch Ka­pa­zi­tä­ten frei!

Jetzt, wo mein di­gi­ta­les Ar­beits­ta­ge­buch auf die zwei­te Ebe­ne ver­scho­ben wur­de, traue ich mich zu mehr Ge­ständ­nis­sen, zumal an ei­nem Don­ners­tag, der nicht der Tag mit den meis­ten Zu­grif­fen ist. Wir sind al­so un­ter uns!

Dolmetschpult, Wasser, Gäste
Blick aus der Kabine
Zu­nächst der Rück­sprung: Na­tür­lich klingt das alar­mis­tisch, was ich Diens­tag in der Pres­se­schau zi­tiert ha­be: die Bri­tin, die die Wahl in Sach­sen-An­halt als deut­sches Bre­xit-Mo­ment be­schreibt. Na­tür­lich ha­ben ge­wis­se Krei­se jetzt Ober­was­ser und hof­fen, von Wahl­er­folg zu Wahl­er­folg zu ra­sen. Da­bei dür­fen wir nie ver­ges­sen, dass in die­sem Bun­des­land nur 2,8 Pro­zent der deut­schen Wahl­be­rech­tig­ten le­ben. 

Bei 80 Pro­zent Wahl­be­tei­li­gung ha­ben 44,3 Pro­zent AfD ge­wählt — das ist et­was mehr als ein Pro­zent al­ler Wahl­be­rech­tig­ten Deutsch­lands.

Trotz­dem und ge­ra­de jetzt heißt es, als de­mo­kra­tisch ge­sinn­te Men­schen wach und ak­tiv zu sein. Ich selbst bin als Dol­met­sche­rin zu so­li­da­ri­schen Ho­no­rar­sät­zen an der de­mo­kra­ti­schen Bil­dung be­tei­ligt. Das gilt auch für die Zukunft!

Und jetzt gleich noch et­was an­de­res. Der­zeit wun­de­re ich mich über we­ni­ger Neu­kun­den. Auch die Be­stands­kund­schaft macht sich rar. Sind das die Kon­junk­tur­zy­klen, von de­nen wir in der Volks­wirt­schafts­vor­le­sung ge­hört ha­ben? Al­le sound­so­vie­le Jah­re, nicht sta­tis­tisch ex­akt al­le sie­ben oder acht, aber doch wel­len­för­mig?

Die KI hat das gan­ze Netz ver­än­dert, auch die Such­ma­schi­nen ha­ben sich um­ge­stellt. Des­halb wur­de im Som­mer am Blog ge­schraubt. Mal se­hen, ob die Such­ergeb­nis­se wie­der an­ders wer­den.

Aber eine Korrelation hat einen bitteren Nachgeschmack: Seit ich hier öf­fent­lich ge­macht und auch mei­nen Kun­den mit­ge­teilt ha­be, dass ich in Teil­zeit pfle­ge, gibt es we­ni­ger Nach­fra­ge, mehr Kos­ten­vor­an­schlä­ge, we­ni­ger Zu­sa­gen.

Ähnliches ha­be ich schon in den Zei­ten be­ob­ach­tet, als ich al­lein­er­zie­hen­de Pa­ten­tan­te mei­nes Teil­zeit­zieh­sohns war. Man­che zo­gen sich so­fort zu­rück. An­de­re ha­ben mich be­wusst wei­ter­emp­foh­len, El­tern wa­ren da ganz oben.

Da­bei ist mei­ne ver­füg­ba­re Zeit al­les an­de­re als un­be­re­chen­bar: Die Pfle­ge ist klar or­ga­ni­siert, mei­ne Ar­beits­zei­ten bes­tens ge­plant und Ein­sät­ze las­sen sich ent­spre­chend ver­ein­ba­ren.

Ob es dar­an liegt oder ob ge­ra­de meh­re­re Din­ge zu­sam­men­kom­men? Die Kon­sul­ta­tio­nen mit Frank­reich sind seit dem letz­ten Re­gie­rungs­wech­sel we­ni­ger ge­wor­den, eben­so die De­le­ga­ti­onen aus fran­zö­sisch­spra­chi­gen Län­dern. Und dann sind da noch die KI-Nerds, die in­zwi­schen mit er­staun­li­cher Chu­zpe um un­se­re Kund­schaft wer­ben, ob­wohl die KI es nicht kann (1. Link, 2. Link).

Auch Bran­chen, die sta­bil sind, wur­den vom Kri­sen­ge­rau­ne er­fasst. Al­le schei­nen die Krö­ten zu­sam­men­zu­hal­ten, im­mer we­ni­ger be­trei­ben in­ter­kul­tu­rel­les Bench­mark­ing oder pla­nen mit Blick auf die Mo­del­le aus an­de­ren Län­dern. Auch die En­er­gie­po­li­tik der Re­gie­rung ist ein Brems­fak­tor für Wei­ter­ent­wick­lun­gen, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen. Dann sind da noch der Ukrai­ne­krieg und die Auf­rüs­tung.

Viel­leicht wirkt auch noch et­was an­de­res nach: Als ich Co­ro­na hat­te und mich nur lang­sam er­holt ha­be, wur­de mir mei­ne wich­tigs­te Kol­le­gin ab­ge­wor­ben. Wir hat­ten un­se­re Kun­den ge­mein­sam be­treut. Sol­che Din­ge las­sen sich im Nach­hin­ein schlecht aus­ein­an­der­di­vi­die­ren. Aber es schmerzt.

Und falls Sie ge­ra­de je­man­den su­chen, der Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch si­mul­tan oder kon­se­ku­tiv dol­metscht: Ich freue mich na­tür­lich, von Ih­nen zu hö­ren. Auch über Emp­feh­lun­gen freue ich mich sehr!

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 9. September 2026

Gruselig

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

Ein Klassiker nicht nur für Kinder
Wo wird uns die KI-Ent­wick­lung hin­füh­ren? Eine Fra­ge, die man inzwi­schen kaum noch stel­len kann, ohne ziem­lich schnell bei den gro­ßen Wor­ten zu lan­den: Wett­be­werb, geo­po­li­ti­sche Macht, Si­cher­heit, Su­per­in­tel­li­genz, und jetzt steht sogar die Aus­lö­schung der Mensch­heit als Ge­fahr im Raum.

Wür­den Men­schen ein Flug­zeug be­stei­gen, das mit zehn­pro­zen­ti­ger Wahr­schein­lich­keit nicht an­kom­men wür­de? Ga­ran­tiert nicht.
Und jetzt sit­zen wir alle un­ge­fragt in die­sem Flie­ger.

La­dies and gen­tle­men, fasten seatbelt,
und die zehn Pro­zent wer­den über­all dis­ku­tiert. Schon sind wir bei der Fra­ge, ob die Tek­kies ei­gent­lich noch wis­sen, was sie da ge­ra­de bau­en.

Der Grund dafür ist wie­der ein­mal die Su­che nach Wachs­tum und öko­no­mi­scher Do­mi­nanz, der welt­wei­te Wett­lauf um die leis­tungs­fä­higs­te KI.

Im Som­mer gab es ei­nen Fall, in de­m ein hoch­ent­wi­ckel­tes KI-Mo­del­l bei Si­cher­heits­tests Gren­zen der vor­ge­se­he­nen Test­um­ge­bung über­schrit­ten haben. Als „Aus­bruch aus dem Sand­kas­ten“ be­schrei­ben es Fach­leu­te. Das klingt fast nied­lich. Ge­meint ist aber et­was ziem­lich Un­ge­müt­li­ches: KI-Sys­te­me soll­ten in ei­ner be­grenz­ten Um­ge­bung be­stimm­te Auf­ga­ben er­le­di­gen und haben Wege ge­fund­en, die­se Be­gren­zun­gen zu um­ge­hen. 

Mit der Zeit kam her­aus, dass es meh­re­re Vor­fäl­le verschiedener Entwicklerfirmen gab. Und es gibt auch nicht nur „ei­ne“ KI je Fir­ma. Die Soft­ware ver­viel­fäl­tigt sich stän­dig au­to­ma­tisch, va­ri­iert Lö­sun­gen, fin­det neue Funk­ti­ons­wei­sen. Sie wur­de so pro­gram­miert.

Das be­deu­tet nicht, dass ei­ne KI plötz­lich ei­nen ei­ge­nen Wil­len ent­wi­ckelt. Viel­mehr zei­gen sich die Be­gleit­er­schei­nun­gen ih­rer Pro­gram­mie­rung: Sys­te­me, die auf ein Ziel hin op­ti­miert wur­den und im­mer mehr ei­gen­stän­dig han­deln dür­fen, fin­den Mit­tel und Wege, an die die Ent­wick­lungs­teams nicht ge­dacht ha­ben.

Je mehr aus dem Chat­bot ein Agent wird, desto grö­ßer wird die Reich­wei­te. Ein Agent kann nicht nur Text aus­spu­cken. Er kann re­cher­chie­ren, Pro­gram­me aus­füh­ren, Da­tei­en ver­än­dern, Code schrei­ben, an­de­re Sys­te­me an­steu­ern und, so­fern er die ent­spre­chen­den Rech­te hat, in der Au­ßen­welt han­deln.

Da be­kommt der Satz „Dann zie­hen wir eben den Ste­cker“ ei­ne an­de­re Qua­li­tät. EIN Ste­cker reicht dann nicht mehr. Wir alle hän­gen am Strom­netz, von der En­er­gie­pro­duk­ti­on über die Was­ser­auf­be­rei­tung bis hin zu den Brut­käs­ten, in de­nen Früh­ge­bo­re­ne nach­rei­fen.

Und wäh­rend die Si­cher­heits­fra­ge im­mer dring­li­cher wird, wächst auch der Res­sour­cen­hun­ger. Re­chen­zen­tren brau­chen ge­wal­ti­ge Men­gen an Strom, Was­ser zur Küh­lung, Flä­che für Ge­bäu­de, In­fra­struk­tur und noch mehr En­er­gie für Net­ze, Bau und Be­trieb. Die KI ver­schärft die Um­welt­kri­sen. Sie ist kei­nes­wegs nur et­was, das ir­gend­wo in ei­ner im­ma­te­ri­el­len Cloud statt­fin­det. Die Cloud steht auf sehr viel Be­ton.

Des­halb müss­ten Po­li­tik und Zi­vil­ge­sell­schaft mei­ner Mei­nung nach bei je­dem gro­ßen KI-Re­chen­zen­trum die­sel­ben Fra­gen stel­len wie bei je­der an­de­ren Groß­in­fra­struk­tur: Wie viel Strom wird ge­braucht, wie viel Was­ser und Flä­che? Wer be­zahlt die zu­sätz­li­che In­fra­struk­tur? Was ge­schieht mit der Ab­wär­me? Was be­kommt die Re­gi­on da­für?

An man­chen Or­ten läuft es schon jetzt auf ei­ne Wett­be­werbs­fra­ge zwi­schen Re­chen­zen­trum und na­tür­li­chen An­rai­nern hin­aus, de­ren Teil wir Men­schen sind.

Auch bei der KI selbst brau­chen wir Gren­zen. Nicht je­de neue Mo­dell­ge­ne­ra­ti­on darf nach dem Mot­to „Der an­de­re macht es sonst zu­erst“ auf die Welt los­ge­las­sen wer­den. Ge­ra­de bei Sys­te­men, die selbst­stän­dig han­deln kön­nen, muss gel­ten: Erst nach­wei­sen, dass die Ri­si­ken be­herrsch­bar sind, dann ska­lie­ren.

Das ist kei­ne For­de­rung ge­gen KI. Ich fin­de KI als Werk­zeug manch­mal nütz­lich. Sie kann Da­ten durch­su­chen, Mus­ter bei Haut­ver­än­de­run­gen er­ken­nen, Be­grif­fe fin­den, bei Re­cher­chen hel­fen. Aber ein Werk­zeug, das im­mer selbst­stän­di­ger wird, im­mer mehr Zu­griff be­kommt und zu­gleich im­mer mehr En­er­gie, Was­ser und In­fra­struk­tur be­nö­tigt, darf nicht in die Müh­le der Wett­be­werbs­lo­gik fal­len.

Es ist höchs­te Ei­sen­bahn für Trans­pa­renz, un­ab­hän­gi­ge Si­cher­heits­prü­fun­gen, Um­welt­auf­la­gen und ei­ne po­li­ti­sche De­bat­te dar­über, wel­che Ri­si­ken wir über­haupt ein­ge­hen wol­len — und zwar in­ter­na­tio­nal. Wir ste­cken schon jetzt in der Lo­gik des Wett­rüs­tens, bei der kei­ne Sei­te die­je­ni­ge sein will, die ab­bremst, weil die an­de­re dann schnel­ler sein könn­te.

Viel­leicht ist das die ei­gent­li­che po­li­ti­sche Fra­ge der KI-Zeit: nicht, ob wir KI ent­wi­ckeln, son­dern wer ent­schei­det, wie schnell, wie groß und mit wel­chem Ri­si­ko.

Auf dem Nacht­tisch liegt die „Kon­fe­renz der Tie­re“, ein Kin­der­buch von Erich Käst­ner. Ich weiß, dass Klas­si­ker gut al­tern. Ich konn­te nicht viel da­von le­sen. Es hat mir den Hals zu­ge­schnürt.

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Co­ver:
Alte Aus­ga­be; das Werk ist in
je­dem gu­ten Buch­han­del zu fin­den.

Dienstag, 8. September 2026

Internationale Presseschau (1)

Will­kom­men et bien­venue auf mei­nem Blog. Als Fran­zösisch­dol­met­scher­in arbei­te ich auch aus dem Eng­li­schen zu The­men Po­li­tik, Wirt­schaft, Ge­sell­schaft, Kunst und Kul­tur. Ich bin froh, die inter­nationale Pres­se auch über deut­sche Vor­komm­nisse lesen zu kön­nen. Dan­ke, Eltern und Hoch­schu­len und Dan­ke, Rei­se­frei­heit (einer im Wes­ten Deutsch­lands Auf­ge­wach­senen)!

His­to­ri­sche Ver­glei­che hin­ken meis­tens. Die neu­en deut­schen „Her­ren“ aus ei­nem klei­nen, öst­li­chen Bun­des­land mit 1,7 Mil­lio­nen Ein­woh­nern, die sich ge­ra­de auf­schwin­gen, dort die Macht zu er­grei­fen, ver­bin­det ei­nes mit dem Auf­stieg der Na­zis vor bald 100 Jah­ren: Es wa­ren und sind über­pro­por­ti­o­nal vie­le Vor­be­straf­te da­bei, Be­trü­ger und an­de­re frag­wür­di­ge Ge­stal­ten.

Ich fas­se hier kurz zu­sam­men, was in Sum­me ge­gen die neu­en Ab­ge­ord­ne­ten vor­liegt: Dieb­stahl, Ur­kun­den­be­trug, Dro­gen­miss­brauch, Rot­licht­mi­lieu (Por­no­pro­duk­tion), Sub­ven­ti­ons­be­trug (Co­ro­na-Hil­fen, mehr­fach), Ver­wen­dung ver­bo­te­ner Na­zi-Pa­ro­len, Bei­hil­fe zu schwe­rer Kör­per­ver­let­zung, ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung (mehr­fach), Volks­ver­het­zung, Geld­wä­sche, Nö­ti­gung, Ge­walt­de­lik­te mit Waf­fen­ge­brauch, Spio­na­ge im ei­ge­nen Bü­ro­um­feld, Volks­ver­het­zung (mehr­fach), vor­ge­täusch­te Über­fäl­le, häus­li­che Ge­walt, ge­fähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr (mehr­fach), Ver­let­zung des Dienst­ge­heim­nisses, Ver­wen­dung von Sym­bo­len ver­fas­sungs­wid­ri­ger Or­ga­ni­sa­ti­o­nen, En­ga­ge­ment in neo­na­zis­ti­schen Struk­tu­ren, mut­maß­li­che fi­nan­zi­el­le Ein­fluss­nah­me.

Und dann ist da noch die Mit­wir­kung, z.T. in lei­ten­der Funk­tion, in der DDR-Staats­si­cher­heit. „Wir ho­len uns un­ser Land zu­rück“, be­kommt da ei­nen ganz scha­len Bei­ge­schmack.

Et­li­che der Herr­schaf­ten wur­den wie­der­holt we­gen Be­lei­di­gung so­wie ei­ner gut er­kenn­ba­ren Nä­he zu rus­si­schen In­for­ma­ti­ons­netz­wer­ken ak­ten­kun­dig, we­gen Be­su­chen in Bot­schaf­ten oder di­rekt vor Ort und Auf­trit­ten in rus­si­schen Staats­me­dien.

Und was wä­re, wenn der ver­ei­tel­te Droh­nen­an­griff auf den Leip­zi­ger Flug­ha­fen ein­fach nur Wahl­kampf­hil­fe für die Ex­tre­mis­ten ge­we­sen wä­re? Wie­der­holt wird von der in­ter­na­ti­o­na­len Pres­se kom­men­tiert, dass mit dem Sieg der Deutsch­tüm­ler nun Plä­ne aus Russ­land auf­ge­hen wür­den, die in letz­ter Kon­se­quenz die Zer­stö­rung der EU an­vi­sie­re.

This is Germany’s Brexit moment – only far more dangerous Having been on the ground and watched this extraordinary story unfold, I can attest to both its potency and its vitriol.
„Deutsch­lands Bre­xit-Mo­ment“

In ei­nem Kom­men­tar der Zei­tung „In­de­pen­dent“ schreibt die Jour­na­lis­tin Anne McEl­voy, die so­gar schon im Herbst 1989 vor Ort ge­we­sen war, den Erd­rutsch­sieg so: „Das ist Deutsch­lands Brex­it-Mo­ment — nur weit­aus ge­fähr­li­cher“. Und wei­ter: „Ich war vor Ort und ha­be mit­er­lebt, wie sich die­se au­ßer­ge­wöhn­li­che Ge­schich­te zu­ge­tra­gen hat, und kann so­wohl ih­re Wucht als auch ih­re Zer­stö­rungs­kraft be­zeu­gen.“

In ih­rem Kom­men­tar wirft sie der eta­blier­ten Po­li­tik in Ber­lin ei­nen lang­jäh­ri­gen Ent­frem­dungs­pro­zess zu den Wäh­lern in den öst­li­chen Bun­des­län­dern vor. Sie spricht über Po­li­ti­ker aus Lon­don und Ber­lin glei­cher­ma­ßen von einem „ver­schla­fe­nen und oft selbst­ge­fäl­li­gen po­li­ti­schen Es­ta­blish­ment“.

Und je­ne, vor Ort, die es „den Mäch­ti­gen“ in Ber­lin mal so rich­tig zei­gen woll­ten, be­kom­men nun prompt Lob, Gra­tu­la­ti­on und viel­leicht so­gar Blu­men­sträu­ße von ge­wis­sen Men­schen aus Nord­ame­ri­ka, die vor al­lem prä­sent sind im An­stre­ben der Welt­herr­schaft durch ei­ne tech­ni­sche Re­vo­lu­ti­on. 

Der reichs­te Mann der Welt for­der­te zu­dem, Deutsch­land müs­se sei­nen „Schuld­kult“ (past guilt) ab­schaf­fen. Im Pro­gramm der Rechts­ex­tre­men ste­hen ähn­li­che Zei­len. McEl­voy sieht bei der Be­we­gung über­wie­gend jun­ge Leu­te am Werk, die „Ost­deutsch­land“ skan­dier­ten, ob­wohl sie die DDR gar nicht ge­kannt hat­ten. Das geht über Ge­schichts­ver­ges­sen­heit hin­aus. Da­hin­ter liegt der Wunsch, die Ge­schich­te um­zu­schrei­ben. Die Kul­tur­ho­heit, da­mit auch die Lehr­plä­ne, liegt auf der Ebe­ne der Bun­des­län­der.

Ich ver­ste­he bis heu­te nicht, dass ei­ne Par­tei, die er­wie­sen rechts­ex­tre­mis­tisch ist und ge­gen Staat und Grund­ge­setz hetzt, sich über­haupt zur Wahl stel­len durf­te.

Als Toch­ter ei­nes His­to­ri­kers, der im letz­ten Jahr der Wei­ma­rer Re­pu­blik auf die Welt gekom­men ist, muss ich jetzt lei­der sa­gen, dass ich froh bin, dass er das nicht mehr mit­er­le­ben muss.


Zur Per­son: Anne McEl­voy ist Chef­re­dak­teu­rin bei POLITICO (Lon­don) und Au­to­rin von The Sadd­led Cow: East Ger­ma­ny's Life And Le­ga­cy, 1992, über die DDR und die Wen­de, und sie ist Ko-Au­to­rin der für den eng­lisch­spra­chi­gen Markt um­ge­schrie­be­nen Au­to­bi­o­gra­fie von Markus Wolf. Er war der Chef des Aus­lands­ge­heim­diensts der DDR -> Wi­ki­pe­dia. Anne McEl­voy hat in der spä­ten DDR an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät stu­diert.

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Gra­fik: In­de­pen­dent

Montag, 7. September 2026

Montagsschreibtisch (156)

Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten neh­men. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ge­ra­de freu­en sich al­le über die sprie­ßen­de Na­tur.

Et hop ! Schon wie­der ei­ne Wo­che rum. Ehe ich mich hier in Bin­sen­weis­hei­ten ver­stei­ge von we­gen ra­sen­de Uhr, hier nur ein klei­ner Rück­blick.

1926: „Bit­te nicht be­we­gen!“
Wäh­rend in ei­nem klei­nen, ost­deut­schen Bun­des­land ei­ne als ge­si­chert recht­s­ex­tre­m be­zeich­ne­te Par­tei sich an­schick­te, bei Wah­len ab­zu­räu­men, was sie dann tat­säch­lich ge­macht hat, wie im­mer kei­ne Na­men, hat­te (und ha­be) ich es mit Kund­schaft zu tun, die durch die Er­eig­nis­se in Deutsch­land von vor hun­dert Jah­ren den Groß­teil ih­rer Fa­mi­lie und auch ih­res Be­sit­zes ver­lo­ren hat.

Die Fa­mi­lie hat­te be­reits ei­ni­ge An­stren­gun­gen un­ter­nom­men, um ge­stoh­le­ne Kunst­wer­ke wie­der­zu­fin­den. Für ein statt­li­ches Miet­shaus im Her­zen Ber­lins war sie in der Nach­kriegs­zeit mit der läp­pi­schen Sum­me von 20.000 Mark ent­schä­digt wor­den. Heu­te dürf­te das Ge­bäu­de 20 Mil­lio­nen wert sein.

Les œuvres d'art spo­li­ées, heißt das auf Fran­zö­sisch, Raub­kunst, oder spo­li­a­ti­on d'art, und ich bin mit ei­ner fran­zö­si­schen Kunst­his­to­ri­ke­rin in Ar­chi­ven zu­gan­ge.

Er­schüt­ternd: Wir fin­den den Brief ei­nes Pfar­rers, der sich bei den Macht­ha­bern nach Kunst­wer­ken er­kun­digt, die er ger­ne kau­fen möch­te. Er hat nach dem Krieg groß Kar­rie­re ge­macht. An­de­re Un­ter­la­gen be­schrei­ben öf­fent­li­che Auk­ti­o­nen.

Wer nach 1945 ge­sagt hat: „Wir wuss­ten von nichts“, hat ent­we­der ge­lo­gen, auf dem Mars ge­lebt oder war Meis­ter:in im Ver­drän­gen. Und heu­te las­sen sich ak­tu­el­le Par­tei­pro­gram­me le­sen und ernst neh­men.

Die­se Wo­che liegt auf dem Schreib­tisch:
❀ ak­tu­el­le Po­li­tik
❀ Be­ra­tung: Un­ter­ti­tel
❀ An­ge­bo­te schrei­ben


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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 4. September 2026

Moment mal! (7)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der: ein kur­zer Ein­blick in den All­tag.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag
Da haben vie­le die Par­tei­en von Ver­bren­nerauto und Hei­zung ge­wählt, die mit Fos­si­lem be­trie­ben wer­den, und be­kla­gen sich nun über ex­plo­die­ren­de Ener­gie­prei­se, In­dus­trie­um­bau und Ent­las­sun­gen. Der Gas­preis ex­plo­die­rt aktuell um 40 Pro­zent, und das bei halb­lee­ren Spei­chern.

An­dere Ener­gien wer­den er­neut se­hen­den Au­ges aus­ge­bremst. In der Re­gion, aus der mei­ne Fa­mi­lie stammt, wac­kelt die In­dus­trie, auch wenn das E-Au­to dort längst auf dem Weg war.

Im Fest­hal­ten an al­ten Tech­no­lo­gi­en, im Schum­meln bei Ab­gas­wer­ten, im Ver­zö­gern und Ver­drän­gen des Wan­dels liegt der Sün­den­fall.

Der VW-Ab­gas­skan­dal von 2015 war die Spitze vom Ei­berg. Heu­te er­le­ben wir pa­ni­sche Um­bau­maß­nah­men der In­dus­trie und ei­ne Po­li­tik, de­ren Ant­wor­ten aus ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zu stam­men schei­nen.

Letz­ten Sonn­tag war ich mit ei­ner sehr christ­li­chen Freun­din bei ei­nem Kir­chen­fest, Tauf­tag, Chor­kon­zert und Gar­ten­par­ty in ei­nem. Ort: ein Bun­des­land, in dem Sonn­tag ge­wählt wird. Die Ge­sprä­che wa­ren in­ter­es­sant. Etliche Wäh­ler der ak­ti­ven Re­gie­rungs­par­tei­en lei­den still. An­de­re wir­ken rat­los, ei­ne klei­ne Grup­pe er­staun­lich ent­schie­den.

Im­mer wie­der lässt mich ir­ri­tiert zu­rück, wie vie­le Men­schen aus der La­ge die fal­schen Schlüs­se zie­hen. Was wir in den USA se­hen, ist mehr als ein Kul­tur­kampf im Netz: Es sind an­ti­de­mo­kra­ti­sche, au­to­ri­tä­re Struk­tu­ren, ver­bun­den mit Wis­sen­schafts­ver­leug­nung, Macht und ex­zes­si­vem Reich­tum. Und die so­zia­len Me­di­en sind längst Teil die­ser Macht.

Auch hier ist al­ler­höchs­te Ei­sen­bahn. Die nächs­te Hy­dra hat vor bald drei Jah­ren ih­re Köp­fe aus dem Sumpf ge­streckt: KI für den Mas­sen­kon­sum. Ih­re Ver­flech­tun­gen mit Macht, Geld, Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit und apo­ka­lyp­ti­schem Ge­rau­ne sind in­zwi­schen micht mehr zu über­se­hen.

Un­se­re Zeit lässt mich oft kopf­schüt­telnd zu­rück. Für mein emo­tio­na­les Gleich­ge­wicht kann ich mich ins Pri­va­te zu­rück­zie­hen. Als Dol­met­sche­rin aber ar­bei­te ich im Kern des Aus­tau­sches über Wis­sen, For­schung und Zu­kunft. Ge­ra­de des­halb brau­chen wir heu­te mehr Aus­tausch, nicht we­ni­ger.

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Donnerstag, 3. September 2026

Unsittliches Angebot

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, ist hier im 20. Jahr Ge­gen­stand. Mit Deutsch als Mut­ter­spra­che ar­bei­te ich als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Hier ein schnel­ler Kom­men­tar zu ei­ner Mail, die nach gründ­li­cher Prü­fung lei­der kein Scam ist.

Ich be­kom­me Mail­post von ei­nem re­nom­mier­ten Ver­lag. Ich darf Pres­se­ar­ti­kel schrei­ben. Ju­bel. Da er­kennt mich je­mand: Ich schrei­be ger­ne, hab's ge­lernt, hät­te auch et­was mit­zu­tei­len.

Abgerissener Klebezettel: "... Zeiten ... "
Zeiten sind das!?
Le­se dann wei­ter: „Die Zu­sam­men­ar­beit ist für bei­de Sei­ten kos­ten­frei ... Mit Ih­rer fach­li­chen Ex­per­ti­se pro­fi­tie­ren Sie von der Reich­wei­te un­se­rer Me­di­en­mar­ke und von un­se­rer ho­hen Sicht­bar­keit! Ih­re Bei­trä­ge sind selbst­re­dend mit Ih­rem Na­men ge­kenn­zeich­net. Durch die Zu­sam­men­ar­beit kön­nen Ih­re ei­ge­nen An­ge­bo­te ei­ne bes­se­re Auf­find­bar­keit in Such­ma­schi­nen und bei So­cial Me­dia er­hal­ten.“

Die Mail ha­be ich hier aufs We­sent­li­che zu­sam­men­ge­metz­gert. Zu vie­le Re­dun­dan­zen, wie sie sich im Aus­gangs­text fin­den, le­sen sich sonst nur noch nach KI. Da­bei zi­tie­re ich doch nur.

Ich glaub's hackt!

Ich weiß nicht, wie vie­le „Ex­per­ten“ ge­ra­de sol­che Mails be­kom­men. Es sind ei­ni­ge. Das be­wusst nicht na­ment­lich ge­nann­te Print­me­di­um fin­det sich je­de Wo­che neu am Kiosk. Pres­se­or­ga­ne, die für lau ih­re Blät­ter fül­len und Au­tor:in­nen, die auf sol­che Bauch­pin­se­lei­en rein­fal­len und zu­gleich den Jour­na­lis­mus zer­stö­ren, so­was ist wirk­lich un­fass­bar.

(Un)lie­bes Me­di­um, wa­rum geht Ihr nicht gleich den ul­ti­ma­ti­ven Schritt? Au­tor:in­nen wür­den si­cher sehr ger­ne für ih­re Zu­ar­beit noch Geld zah­len! Ver­gesst das mit der Vier­ten Ge­walt im Staa­te, den Me­di­en, lasst Euch doch ein­fach kom­plett kau­fen. Dann habt Ihr noch mehr! Und ihr zer­stört wei­ter mun­ter die De­mo­kra­tie ...

Ganz gro­ßes Ki­no!

Nein.

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Bild: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 2. September 2026

Diese KI ... kann's so nie!

Kon­fe­renz­dol­met­schen ist hier im 20. Jahr Ge­gen­stand. Als Deutsch-Mut­ter­spra­chlerin ar­bei­te ich als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend ins Fran­zö­sische und aus dem Eng­lischen. Mei­ne Büro­kol­le­gin schenkt Ges­chrie­be­nem ihr wun­der­vol­les Eng­lisch. Heu­te aus ak­tu­el­lem An­lass: KI-War­nung.

AI im Muster
The ar­ti­fi­ci­alin­tel­li­gence...
... oder KI auf Deutsch ist in al­ler Mun­de. Eine Kun­din er­wägt, die Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) auf ei­ner Kon­fe­renz in ver­schie­de­ne Spra­chen ar­bei­ten zu las­sen. Ach ja! Die KI kann man­ches: Da­ten wie­der­fin­den, Fo­tos vor­sor­tie­ren, Vo­ka­beln raus­su­chen, für die Ter­mi­no­lo­gie­ar­beit frü­he und be­son­de­re Nut­zun­gen von Be­grif­fen nach­wei­sen.
Die KI hilft in der wis­sen­schaft­li­chen For­schung und in der me­di­zi­ni­schen Diag­nos­tik.
Aber sie HILFT nur. Sie lie­fert In­fos, bei der viel falsch ist. Pro­fis ent­schei­den dann.

War­nung vor ei­nem schlech­ten Ka­lau­er: Die Künst­li­che In­tel­li­genz ist kei­ne Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, son­dern ma­xi­mal ei­ne Si­mu­lant­dol­met­sche­rin. Da­bei klingt die Vi­si­on der Tech-Kon­zer­ne doch so ver­lo­ckend: ein Klick, ein Al­go­rith­mus im Ohr, und schon ver­stän­di­gen sich Men­schen über Sprach­gren­zen hin­weg flie­ßend, feh­ler­frei und ver­meint­lich kos­ten­güns­tig.

Denn die Tech-Nerds ver­lan­gen ca. 50 Pro­zent des­sen, was wir so ver­an­schla­gen. Da­für schnei­det die KI laut ei­ner WHO-Stu­die er­nüch­ternd ab: Je nach Spra­che er­reich­ten die ma­schi­nel­len Ver­dol­met­schun­gen Qua­li­täts­wer­te zwi­schen nur 5 und 83 Pro­zent. Die hö­he­re Zahl klingt nicht schlecht, aber oft stim­mte die Rei­hen­fol­ge der Be­grif­fe, die Zu­ord­nung der In­hal­te nicht. 

Der Ge­samt­durch­schnitt der „Dol­met­sch­leis­tun­gen“ der KI lag bei 46 Prozent; von 90 ge­tes­te­ten KI-„Ver­dol­met­schun­gen“ be­stand ge­ra­de mal ei­ne ein­zi­ge den Test. Kei­ne war frei von Be­grif­fen und Aus­sa­gen mit Re­pu­ta­ti­ons­ri­si­ko. Hier der Link zur Stu­die (über die AIIC: klick).

Wer die Rea­li­tät auf Mes­sen und Märk­ten, in­ter­na­tio­na­len Kon­fe­ren­zen, po­li­ti­schen Gip­feln oder bei hoch­ran­gi­gen Ver­hand­lun­gen kennt, durch­schaut die Il­lu­si­on schnell. Die Aus­wür­fe der KI fol­gen der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung. Sie re­pro­du­ziert aus dem Be­stand, was ein­fach ist. Das Sen­si­ble, das Be­son­de­re und Neue, die Aus­nah­men, um die es beim Dol­met­schen meis­tens geht, fal­len da hin­ten rü­ber.

An­de­re, die sich we­ni­ger gut aus­ken­nen, schauen ver­wun­dert auf eine Ma­schi­ne, die mit atem­be­rau­ben­der Ge­schwin­dig­keit gram­ma­ti­ka­lisch glatt wir­ken­de Sät­ze aus­spuckt.

Aber da die Te­chnik selbst we­der in­tel­li­genz- noch ver­nunft­be­gabt ist, ihr Na­me lei­tet be­wusst in die Ir­re, hat sie da­bei kein ein­zi­ges Wort in­halt­lich ver­stan­den und wirk­lich ver­ar­bei­tet. Und rich­tig kri­tisch wird es im­mer dann, wenn Auf­trag­ge­ber nicht über aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nisse ver­fü­gen, um die Qua­li­tät des KI-Aus­wurfs selbst ein­schät­zen zu kön­nen.

Die KI ar­bei­tet an der Ober­flä­che. Sie ist ein gi­gan­ti­sches Auto­com­plete-Pro­gramm. Der Un­ter­schied zwi­schen mensch­li­cher Ex­zel­lenz und ma­schi­nel­ler Wahr­schein­lich­keits­rech­nung lässt sich an et­li­chen Punk­ten fest­ma­chen.

1. Sta­tis­tik statt Ver­ste­hen

Gro­ße Sprach­mo­del­le (LLMs) be­sit­zen kein Be­wusst­sein, kein Welt­wis­sen und kei­ne kog­ni­ti­ve Em­pa­thie. Sie ana­ly­sie­ren rie­si­ge Da­ten­men­gen und be­rech­nen ma­the­ma­tisch, wel­ches Wort mit der höchs­ten Wahr­schein­lich­keit auf das vor­he­ri­ge folgt.

Mensch­li­ches Dol­met­schen ist da­ge­gen ein hoch­kom­ple­xer neu­ro­kog­ni­ti­ver Pro­zess: Wir er­fas­sen In­ten­tio­nen und Nu­an­cen, Iro­nie und Brüche, kul­tu­rel­le Sub­tex­te und an­ge­deu­te­te Zwi­schen­tö­ne in kür­zes­ter Zeit. Wir über­tra­gen Be­deu­tungen, nicht Wort­hül­len. Da­rin sind wir un­schlag­bar. Die KI merkt nicht, wenn sie lo­gi­schen Un­fug pro­du­ziert, so­lan­ge die Syn­tax stimmt.

2. Starr und oh­ne Kon­tex­t

Ein Red­ner auf ei­ner Fach­kon­fe­renz weicht vom Skript ab, nutzt ei­ne lo­ka­le Re­de­wen­dung oder macht ei­nen sub­ti­len Witz, um die Stim­mung auf­zu­lo­ckern. Ei­ne pro­fes­sio­nel­le Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin adap­tiert die­se Bot­schaft blitz­schnell für das Ziel­pub­li­kum.

Die KI schei­tert an sol­chen kul­tu­rel­len Trans­fer­leis­tun­gen. Oh­ne Kon­text­wis­sen über­trägt sie Me­ta­phern flach oder ver­liert bei schnel­len Spre­cher­wech­seln und Dia­lek­ten völ­lig den Fa­den. Was als prä­zi­ser Dis­kurs ge­dacht war, ver­kommt im di­gi­ta­len Äther zu ei­ner le­bens­lo­sen, me­cha­ni­schen Wort­wüs­te.

3. Hal­lu­zi­na­ti­onen

Wenn ei­ne KI im Un­kla­ren über den ex­ak­ten Kon­text ist, rät sie ein­fach. Wir Men­schen wür­den nach­fra­gen, und zwar vor der Ver­anst­al­tung, näm­lich dann, wenn das Vor­be­rei­tungs­ma­te­rial un­klar ist. Wir ha­ben schon man­che(n) Red­ner:in da­vor be­wahrt, bei Vor­trä­gen über ei­ge­ne Tipp­feh­ler zu stol­pern.

KI-Kri­ti­ker nen­nen die Fan­ta­sie­pro­duk­te der Ma­schi­nen be­schö­ni­gend „Hal­lu­zi­na­ti­onen“. Auf Kon­fe­renzen, in Be­hör­den oder bei Ge­richt ist der­lei schlicht ein Feh­ler mit mög­li­cher­wei­se fa­ta­len Fol­gen.

4. Haf­tung

Ge­nau die­ses blin­de Ver­trau­en in die schein­bar un­fehl­ba­re KI-Ge­ne­rie­rung hat im Früh­som­mer ein weg­wei­sen­des ju­ris­ti­sches Nach­spiel ge­habt. Mit dem Ur­teil vom 28. Mai 2026 (Az. 26 O 869/26) hat das Land­ge­richt Mün­chen I ent­schie­den, dass Google un­mit­tel­bar als Stö­rer für un­wah­re Be­haup­tun­gen haf­tet, die durch des­sen KI-Funk­ti­on („AI Over­views“) ge­ne­riert wur­den.

Das Ge­richt stell­te un­miss­ver­ständ­lich klar: Wer ei­gen­stän­dig for­mu­lier­te KI-In­hal­te als fer­ti­ge, ab­ge­schlos­se­ne Aus­sa­gen prä­sen­tiert, kann sich nicht auf das Pri­vi­leg rei­ner, haf­tungs­be­frei­ter Such­ver­mitt­lung be­ru­fen.

Kern­aus­sa­ge: Die KI er­zeugt ei­ne ei­ge­ne Ant­wort, die dem An­bie­ter recht­lich voll zu­ge­rech­net wird.

Das Ur­teil lässt sich aufs Dol­metschen über­tra­gen: Wer Ver­ant­wor­tung für hoch­ka­rä­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on trägt, kann die Haf­tung für Fehl­er nicht an ei­ne Soft­ware de­le­gie­ren, die in ih­ren Nut­zungs­be­din­gun­gen jeg­li­che Haf­tung aus­schließt.

5. Fa­zit

Die KI mag für ein­fa­che Stan­dard-Tex­te à la Web­shop mit ähn­li­cher Wa­re und für den ra­schen Über­blick prak­tisch sein. Mit ech­tem Si­mul­tan­dol­met­schen oder kul­tur­sen­si­blem Über­set­zen hat das aber herz­lich we­nig zu tun.

Bei In­hal­ten, auf die es an­kommt, ge­schrie­be­nen oder ge­spro­che­nen, bei de­nen es um Re­pu­ta­ti­on, Mil­lio­nen­ver­trä­ge, di­plo­ma­ti­sche Nu­an­cen und recht­li­che Si­cher­heit geht, blei­ben wir Men­schen un­er­setz­lich. Ver­trau­en Sie lie­ber ei­ner ech­ten Dol­met­sche­rin als ei­ner pro­gram­mier­ten Si­mu­lan­tin.

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)