Mittwoch, 27. Mai 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Dienstag, 26. Mai 2026

Montagsschreibtisch (141)

Bon­jour ! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne bei Kon­fe­ren­zen oder be­glei­te De­le­ga­tio­nen oder auch Kund­schaft in­di­vi­du­ell. Was liegt die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch? Mein Mon­tags­schreib­tisch mal wie­der am Diens­tag!

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, wie wir ar­bei­ten, da­von er­hal­ten Sie seit 2007 auf die­sen Sei­ten ei­nen Ein­druck. Ich bin Dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, die Dritt­spra­che Eng­lisch. Mei­ne Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che, ge­mein­sam ar­bei­ten wir ins Deut­sche. Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin ist Film und Me­dien (Link): Dreh­buch und Dreh­ar­bei­ten, Pro­duk­tion, Mar­ke­ting, Fes­ti­val. 

Stifte und Pinsel und ein Souvenir
In Can­nes war ich die­ses Jahr schon wie­der nicht. Erst Jah­re mit ei­nem klei­nen Kind, dann die Pan­de­mie, mein ei­ge­nes (über­stan­de­nes) Long Co­vid, dann An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge, auch bei uns gibt es gro­ße Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern, die Lis­te der Grün­de ist lang.

Noch ein Grund, der mich der­zeit stark be­las­tet: ge­wis­se KI-Nerds, die vor­ge­ben, die­se Tech­nik kön­ne ganz al­lein und oh­ne Men­schen dol­met­schen. Die­se Herr­schaf­ten ha­ben nicht mir seit Mo­na­ten zu viel Um­satz ge­stoh­len. An­ders als Dieb­stahl kann ich es nicht be­zeich­nen.

Die End­kund­schaft be­kommt Fake-Dol­met­schen, auch KI-Bull­shit ge­nannt: Stre­cken­wei­se gut, al­so satz­wei­se, dann Pau­sen, dann Über­schall­ge­schwin­dig­keits­wort­sa­lat, dann er­fun­de­ne Ver­ben, dann Sil­ben­sa­lat (hier: Link).

Man­cher Ver­an­stal­ter spricht am En­de von „kei­nen oder we­ni­gen Be­schwer­den“, da­bei reicht es doch selbst, mal rein­zu­hören oder die Au­gen auf­zu­ma­chen, wenn die „Über­tra­gung“ per Un­ter­ti­tel ge­schieht. Es ist auch ein Pro­blem Mann-Frau. Die Ent­schei­der sind sehr oft Män­ner. Sie wa­ren in der Sprach­ar­beit schon im­mer von ei­nem Be­rufs­stand ab­hän­gig, in dem haupt­säch­lich Frau­en ar­bei­ten. Am En­de ge­ben sich die Ker­le High-five und üben sich in Schul­ter­klo­pfen: „Wir sind Pio­nie­re, die Tech­nik wird schon!“

Wird sie nicht. Die Tech­nik ist zu ein­deu­tig, ver­gli­chen mit dem Cha­os mensch­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on, die sie dau­er­haft über­for­dert, auch mit „selbst­ler­nen­der KI“. (Und noch ein Link.)

War­um gibt es so we­nig Be­schwer­den? Das ist wich­tig: Die Leu­te ha­ben das Ge­fühl, dass sie die Sprach­ar­beit gra­tis be­kom­men ... und ei­nem ge­schenk­ten Gaul ... Naja. Oder aber sie la­chen die Tech­nik im Grun­de aus und ver­su­chen es oh­ne oder mit den gro­ben An­halts­punk­ten zum In­halt, die sie lie­fert. Dass es hier zu öko­no­mi­schen Schä­den kommt, dass die End­kund­schaft ein An­recht auf gu­te Sprach­ar­beit hat, z.B. wenn sie ho­he Ein­tritts­prei­se für ei­ne Mes­se ent­rich­tet, däm­mert den Ers­ten.

So, nun zum Pro­gramm der Wo­che:
✗ Zwei Buch­ti­tel prü­fen, ob ich sie über­set­zen mag (Rech­te wer­den der­zeit ver­han­delt)
✗ Frau­en, Wis­sen­schaft, Kunst
✗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge

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Fo­to:
C.E.

Montag, 18. Mai 2026

Montagsschreibtisch (140)

Ei­nen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. 

Gemütlicher Leseplatz

Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

Sprach­ar­beit er­for­dert gro­ße geis­ti­ge und kör­per­li­che Fle­xi­bi­li­tät. Das Wo­chen­pro­gramm ist wie­der recht bunt.

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:
❦ Frau­en in der In­for­ma­tik
❦ Bör­sen­strom­prei­se
❦ Hör­spiel­dra­ma­tur­gie
❦ Kos­ten­vor­an­schlag
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­te auf­ar­bei­ten

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Bild:
Zu­falls­fund

Samstag, 16. Mai 2026

KI und Grafik

Bon­jour & hel­lo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­sch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze (auch aus dem Eng­li­schen). Heu­te mein Link der Wo­che. 

Am Don­ners­tag habe ich KI-Gra­fik gelobt, weil es so schnell ging. Ach­tung: Das war kein pau­scha­les Lob. Für die­se Bran­che gilt mit der Ex­trem­di­gi­ta­li­sie­rung, dass wir schon jetzt die oft er­kenn­ba­re „Äs­the­tik“ über haben. Die KI ist nicht in­no­va­tiv, das sind nur Men­schen. Und hier fällt die Ma­xi­mal­tech­ni­sie­rung durch einen mas­si­ven Vor­la­gen­dieb­stahl auf, wie's auch für die Tex­te gilt, für Sti­le wie für In­hal­te.

Draufsicht: Technik, Papier in der Kabine
Ein Dol­metsch­ar­beits­platz
Wir haben es mit mas­si­ven Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen, mit Qua­li­täts­ver­lust und dem Schutz von Ar­beits­plät­zen zu tun. Die ethi­schen Be­den­ken wer­den der­zeit kaum ge­hört.
Das ist ein ge­sell­schaft­li­ches Prob­lem.

Denn die Künst­le­rin­nen und De­si­gner, Au­to­rin­nen und Tex­ter wur­den nie um Er­laub­nis ge­fragt ... und sie wur­den erst recht nicht fi­nan­zi­ell ent­lohnt.

Für den Auswurf der krea­ti­vem Ho­mo­ge­ni­sie­rung gibt es einen Be­grif­f. End­lich ha­be ich für das eng­li­sche AI slop auch eine deut­sche Ent­spre­chung ge­fun­den, den „ge­ne­ri­schen Ein­heits­brei“.

Bei KI-Gra­fi­ken ist es wie mit der Sprach­ar­beit: Hier fehlt der emo­tio­na­le oder kul­tu­rel­le Kon­text. Und das spü­ren wir beim Be­trach­ten.

Für die ra­sche Il­lus­tra­ti­on oder das Lö­schen stö­ren­der Ele­men­te taugt die KI. Was ich hier mit der Technik il­lus­trie­re, hät­te nie­mals zu einem Gra­fik­auf­trag ge­führt. Ich hät­te ein Foto aus der Sprach­ar­beit ge­nom­men. Das gilt auch für ra­sches „dee­peln“ eines fremd­spra­chi­gen Tex­tes, um einen gro­ben Über­blick zu be­kom­men.

Das The­ma Ethik und KI muss er­wei­tert wer­den auf die Fra­ge nach der Macht­kon­zen­tra­ti­on durch die Tech­nik: Fin­ger weg von Bild­ge­ne­ra­to­ren (Netz­po­li­tik.org)!

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Donnerstag, 14. Mai 2026

KI-Murks (7)

Wie und was Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin­nen ma­chen, natür­lich auch die weni­gen Män­ner im Be­ruf, beschrei­be ich hier in lo­ser Folge im 20. Jahr. Ich arbei­te mit den Spra­chen DE, FR und aus dem Eng­li­schen. Dane­ben über­set­ze ich (schrift­li­che Ar­beit), so wie es die Büro­kol­le­gin macht, nur arbei­tet sie mit As­sis­ten­tin im Spra­chen­paar EN⇔DE.

Papagei auf Schulter des Redners versus verrottende Texte
Schicksal der Rede: Papagei oder Rotte?
Groß­ar­ti­ge KI! Hier als „Über­set­ze­rin“, ein Totalausfall), ist also ironisch gemeint, dort in der Umset­zung mei­nes Prompts, sie­he rechts, ernst ge­mein­tes Lob (außer, dass Frau­en feh­len!)
Es folgt der Aus­gangs­satz: Many non-ex­perts as­sume that in­ter­pre­ters will one day be re­placed by ma­chines be­cause they see in­ter­pre­ting as mere me­cha­ni­cal par­rot­ting.

Dar­aus macht die KI (auf Lind­ked­In): „Vie­le Lai­en ge­hen davon aus, dass Dol­met­scher eines Ta­ges durch Maschi­nen er­setzt wer­den, da die Men­schen Dol­met­schen als mecha­ni­sches Nach­ver­rot­ten ver­ste­hen.“

Der Grund für das Ver­sa­gen war der Tipp­feh­ler in par­ro­ting, ein Wort, das sich nicht mit dop­pel­tem T schreibt. Das Sys­tem hat das Wort des­halb falsch zer­legt, und so lan­de­te es im Or­kus, ir­gend­wo zwi­schen dem Prä­fix „nach-“ und „rot­ten“ (ver­rot­ten).

Das ist sprach­li­che Rot­te, kul­tu­rel­le Entro­pie oder Zom­bie­syn­chro­ni­sa­ti­on und genau die Art Feh­ler, den vie­le Sprach­sys­te­me sehr ger­ne ma­chen: for­mal plau­si­ble deut­sche Wort­bil­dung, se­man­ti­scher To­tal­scha­den.

Noch ein­mal: Der Grund fürs Ver­sa­gen ist ein Tipp­feh­ler von mensch­li­cher Hand. Die KI ver­sagt hier und beim Dol­met­schen so oft, da Kom­mu­ni­ka­ti­on aus Kon­text be­steht, aus Vor­wis­sen, Erfah­rung und Sprech­ab­sich­ten.

Da­rum ist der eng­li­sche Satz trotz des Tipp­feh­lers rich­tig: Dol­met­schen ist mehr als Nach­plap­pern.

Voka­bel­no­tiz
to parrot — gedan­ken­los nach­plap­pern
to rot — ver­rot­ten

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Gra­fik: ChatGPT (ers­ter Ver­such!)

Mittwoch, 13. Mai 2026

Sprache sind keine Daten

Herz­lich will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, auf der ich über Spra­che schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len steht. Ich bin auch Über­set­zerin, denn Krea­ti­ves wie Dreh­bü­cher passt meist nicht zur Ma­schi­ne. Ich schrei­be auch Tex­te um und adap­tie­re sie an die ver­schie­de­nen Be­dürf­nis­se. Im fol­gen­den Text re­flek­tie­re ich die KI aus der dop­pel­ten Per­spek­ti­ve als Dol­met­scherin und Über­set­ze­rin.

„Was macht die KI mit Ih­rer Bran­che?“, wur­de ich ges­tern von mei­ner Au­gen­ärz­tin et­was kul­tur­sen­si­bler ge­fragt als neul­ich von der Da­me im Zug (Be­richt ges­tern). Danke für die Frage! Wir sind ei­ni­ge, die den KI-Nerds und Hei­ße-Luft-Ver­käu­fern den Kampf an­ge­sagt ha­ben.

Versteckt in der Kabine
Das be­deu­tet: Wir sind nicht kom­plett ge­gen die KI, die vie­les kann, zum Bei­spiel lang­wei­li­ge Lis­ten in Win­de­seile er­stel­len (die trotz­dem zu prü­fen sind), gut rech­nen und Tipp­feh­ler fin­den (was im­mer ei­nen mensch­li­chen Durch­gang be­darf), die Feh­ler in Com­pu­ter­codes fin­det oder selbst Codes su­per er­gän­zen kann. Ja, das ist schon toll.

Aber krea­ti­ve Ar­beit kann sie nur si­mu­lie­ren. Wenn es Ar­beit mit Sinn, Stil und Ab­sicht ist, schei­tert sie oft, bei ge­spro­che­ner Spra­che erst recht: 85 Pro­zent Ge­nau­ig­keit wä­ren da in den nächs­ten Jah­ren mög­lich, sag­te neul­ich ei­ner der Tech­nik­ver­käu­fer (ak­tu­ell sind es laut WHO 43 Pro­zent). Das Ziel sieht groß aus, ist es aber nicht. Wür­den Sie in ein Flug­zeug ein­stei­gen, bei dem die Ab­sturz­quo­te bei ei­nem Vier­tel liegt? Wohl nicht.

Auch im Be­reich Text­ar­beit ist Vor­sicht an­ge­ra­ten. Die Tex­te klin­gen glatt, zu glatt, was kein Wun­der ist: Sie spie­geln den Durch­schnitt des schon Ge­schrie­be­nen. Stil ent­steht durch Form­kennt­nis, durch Kul­tur und Nut­zung oder das Bre­chen der Re­geln. Das ist mein Brot-und-But­ter-Ge­schäft: krea­ti­ve Tex­te für Ki­no und TV und in der Me­dien­pro­duk­tion; Sätze, die sit­zen müs­sen.

Al­les, was zu glatt ist, fällt nicht nur bei Men­schen durch. Es wird in­zwi­schen von den Ma­schi­nen, die im Netz bei­spiels­wei­se Ih­re Sei­te be­wer­ten und ein­stu­fen, schlicht nicht mehr wahr­ge­nom­men. Ih­re Sei­te bie­tet jetzt mehr In­for­ma­tio­nen als frü­her an, bringt aber kei­ne an­de­re Sicht­bar­keit? Da wird bei ih­rer Er­stel­lung wohl zu viel KI im Spiel ge­we­sen sein.

In der Schu­le sind wir stän­dig vor der Wie­der­ho­lung von Be­grif­fen ge­warnt wor­den. „Du musst Sy­no­ny­me ein­set­zen“, war da­mals das Man­tra. In der wis­sen­schaft­li­chen Ar­beit ist das falsch, bei vielen Webseiten auch. Für die Sicht­bar­keit im Netz sind Sy­no­ny­me oft Gift, vor al­lem dann, wenn es kei­ne ech­ten sind. Ich ha­be ge­ra­de die Sei­te ei­nes Un­ter­neh­mens le­kto­riert, da wa­ren von acht Sy­no­ny­men sechs falsch und ha­ben den Text ver­wäs­sert und un­sicht­bar wer­den las­sen.

Kei­ne Zi­ta­te, Kun­den­schutz, aber die Be­grif­fe „Dol­met­scher“ und „Über­set­zer“ sind ja auch kei­ne Sy­no­ny­me. Wie er­bit­tert strei­ten man­che Pres­se­leu­te mit uns, dass dem doch so sei, ob­wohl wir als Pro­fis de­nen nach­wei­sen kön­nen, dass sie falsch lie­gen. (Recht­ha­ben ist be­quem ge­wor­den in Zei­ten, in de­nen noch die ku­rio­ses­te In­for­ma­ti­on als „Mei­nung“ un­wi­der­spro­chen im Raum ste­hen blei­ben darf.)

Wenn Ih­nen ag­gres­siv ver­kauft wird, dass heu­te die Ma­schi­nen die bes­se­ren Dol­met­scher:in­nen und Über­set­zer:in­nen sei­en, dann soll­ten Sie dies wis­sen:

KI-Sys­te­me nei­gen da­zu, Wi­der­sprüch­li­ches oder Un­voll­stän­di­ges zu „glät­ten“. Wo wir Men­schen nach­fra­gen, er­fin­det KI häu­fig schein­bar plau­si­ble Ant­wor­ten. Das ist oft ge­fähr­lich: Was pas­siert, wenn ei­ne Über­set­zung zu 85 Pro­zent rich­tig ist, in den üb­ri­gen Stel­len aber gra­vie­ren­de Feh­ler, Haf­tungs­ri­si­ken oder Si­cher­heits­pro­ble­me ent­ste­hen? Ge­ra­de im ju­ris­ti­schen Be­reich sind Ge­set­ze und Rechts­la­gen zwi­schen Län­dern nicht de­ckungs­gleich. Sprach­pro­fis wis­sen das und klä­ren Zwei­fels­fäl­le mit An­wält:in­nen oder No­tar:in­nen ab.

Vie­le KI-Fir­men ste­hen mas­siv un­ter Druck. Die Mil­li­ar­den-In­ves­ti­tio­nen ha­ben nicht zu wirt­schaft­li­chen Er­fol­gen ge­führt. Ven­ture-Ca­pi­tal­ge­ber wer­den un­ru­hig. Zu­gleich wird der Ein­druck ver­mit­telt, KI kön­ne mensch­li­che Sprach­pro­fis schon jetzt oder in Kür­ze voll­stän­dig er­set­zen. Der öko­no­mi­sche Druck ver­zerrt hier die Kom­mu­ni­ka­ti­on, um es di­plo­ma­tisch zu sa­gen.

Auch ge­samt­wirt­schaft­lich macht der Roll­out der­zeit Pro­ble­me. Stu­di­en zei­gen, dass Un­ter­neh­men, die für KI Stel­len ab­ge­baut ha­ben, da­durch nicht au­to­ma­tisch bes­se­re Er­geb­nis­se er­zielt ha­ben. Vie­le Fir­men wür­den der­zeit wie­der Mit­ar­bei­ten­de ein­stel­len, heißt es. Er­folg­rei­cher sind meist je­ne Un­ter­neh­men, die KI als Werk­zeug zur Un­ter­stüt­zung ih­rer Teams nut­zen (und nicht, um Men­schen zu er­set­zen).

Ge­ra­de bei sen­si­blen Tex­ten, bei Web­sei­ten, Ver­trä­gen oder Ver­hand­lun­gen kann KI-"Über­set­zung" schwer­wie­gen­de Feh­ler ein­bau­en. Ju­ris­ti­sche Be­grif­fe, kul­tu­rel­le Nu­an­cen oder sprach­li­che Fein­hei­ten las­sen sich nicht im­mer ein­deu­tig au­to­ma­ti­sie­ren. Feh­ler kön­nen zu Um­satz­ver­lus­ten auf­grund von Miss­ver­ständ­nis­sen, Rechts­strei­tig­kei­ten und Ver­trau­ens­ver­lust füh­ren. Ich ha­be ei­ni­ge Rück­mel­dun­gen die­ser Art von zu­rück­ge­kehr­ten Kun­den.

Auch in der „Echt­zeit-Kom­mu­ni­ka­ti­on“ (von Dol­met­schen wür­de ich nicht spre­chen) ver­tut sich die KI oft in der Ton­la­ge und lässt viel weg oder ver­dreht In­hal­te. Bei Emo­tio­nen, iro­ni­schen Wen­dun­gen und fei­nen Zwi­schen­tö­nen ist sie über­for­dert. In di­plo­ma­ti­schen, me­di­zi­ni­schen oder wirt­schaft­li­chen Ge­sprä­chen ha­ben klei­ne Feh­ler oft gro­ße Fol­gen. Hin­zu kommt ein ge­fähr­li­cher Ef­fekt: Weil die KI-Aus­wür­fe oft sou­ve­rän wir­ken, wird ih­re Ge­nau­ig­keit häu­fig über­schätzt.

Wir aus der Sprach­bran­che se­hen die Zu­kunft des­halb nicht in der Er­set­zung mensch­li­cher Dol­met­scher:in­nen, son­dern in ei­ner ver­ant­wor­tungs­vol­len Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Mensch und KI. Die KI kann uns in der Vor­be­rei­tung un­ter­stüt­zen, kann Red­ner:in­nen mit Leucht­sig­nal­zei­chen zei­gen, wenn sie zu schnell spre­chen: die „Pult-Am­pel“! Bei Über­set­zun­gen ist sie mal hilf­reich, mal nicht. Ech­te krea­ti­ve Tex­te eig­nen sich oft zu null Pro­zent für au­to­ma­ti­sche Be­ar­bei­tung. (Die Prob­le­me se­hen oft nur Pro­fis.)

Kurz: Ur­teils­ver­mö­gen, kul­tu­rel­les Ver­ständ­nis, Ethik und Ver­ant­wor­tung sind mensch­li­che Auf­ga­ben.

Gleich­zei­tig wächst die Kri­tik an der Macht gro­ßer Tech-Kon­zer­ne, die di­gi­ta­le In­fra­struk­tur, Da­ten und KI-Sys­te­me zu­neh­mend kon­trol­lie­ren. Im­mer mehr Stim­men war­nen da­vor, dass hin­ter Schlag­wor­ten wie „Ef­fi­zi­enz“, „Fort­schritt“ oder „In­no­va­ti­on“ oft auch hand­fes­te wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen, neue Ab­hän­gig­kei­ten und ei­ne wach­sen­de Kon­trol­le über öf­fent­li­che und ge­sell­schaft­li­che Struk­tu­ren ste­hen.

Rasch noch ei­nen Satz für mei­ne Freun­de in Süd­frank­reich: Heu­te star­tet das Film­fes­ti­val in Can­nes! Ich wün­sche gu­tes Wet­ter und schö­ne Fil­me! Und wenn was mit Fran­zö­sisch-Über­set­zungs- und Dol­met­sch­be­darf da­bei ist, wo es um Nu­an­cen geht, denn am We­sent­li­chen schei­tert die KI so oft, dann ger­ne mich in­for­mie­ren. Bin die­ses Jahr in der An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge ... viel­leicht nächs­tes Jahr wie­der in ... naja, Can­nes sein! Have fun! Gruß an die Croi­sette!

(Heu­te kei­ne Links, denn kei­ne Zeit!)
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Fo­to: Mar­co Ur­ban — Fo­to­jour­na­list

Dienstag, 12. Mai 2026

Très chic oder trashig?

Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch, das es seit 2007 gibt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Caroline Elias
Die Autorin als Begleitdolmetsche
„Ach, dann müs­sen Sie ja bald aufs Job­cen­ter?", fragt mich vol­ler Mit­ge­fühl die net­te Oma im Zug, als ich ihr sa­ge, was mein Be­ruf ist. Jein. Wer uns der­zeit die Ar­beit klaut, sind Tech­ni­ker, die un­se­ren Kun­den wah­re Wun­der ver­spre­chen, die die KI aber nicht hält, nicht hal­ten kann. Und das liegt vor al­lem an uns Men­schen selbst.

Denn die KI ist oft zu per­fekt für die mensch­li­che Spra­che. Das klingt pa­ra­dox, ist aber ge­nau das Pro­blem. Men­schen spre­chen näm­lich nicht wie Ma­schi­nen. Wir spre­chen un­sau­ber, sprin­gen in Ge­dan­ken, ver­ges­sen Wör­ter, ver­has­peln uns, fan­gen drei Sät­ze gleich­zei­tig an und be­en­den aus­ge­rech­net den zwei­ten.

Je­mand dreht den Kopf vom Mi­kro weg, hustet in den Satz hin­ein oder sucht plötz­lich nach ei­nem Be­griff, der ihm seit vier­zig Jah­ren selbst­ver­ständ­lich war und nun für ei­nen Mo­ment ent­glei­tet. Und trotz­dem funk­tio­niert men­schli­che Kom­mu­ni­ka­ti­on meis­tens er­staun­lich gut. So­lan­ge kei­ne Tech­nik rein­funkt ...

Das liegt dar­an, dass Men­schen eben nicht nur Wör­ter hö­ren. Wir hö­ren Ab­sich­ten, Un­si­cher­hei­ten, Macht­ver­hält­nis­se, Höf­lich­keit, Iro­nie und das, was ge­ra­de nicht ge­sagt wird. Ein Pu­bli­kum merkt oft so­fort, wenn ein Wort plötz­lich fehlt oder er­setzt wird. Wenn aus ei­ner „Kri­se“ nur noch ei­ne „Her­aus­for­de­rung“ wird oder aus ei­nem „An­griff“ ein „Vor­fall“, dann ist das kei­ne sprach­li­che Ne­ben­säch­lich­keit, son­dern oft ei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung. Ge­nau dort wird es für KI schwie­rig, denn Ma­schi­nen er­ken­nen zwar Mus­ter, aber kei­ne Span­nung im Raum.

Die Aus­wür­fe der Ge­rä­te wir­ken trotz­dem oft be­ein­dru­ckend. Wir lesen ei­nen flüs­si­gen Text, der gram­ma­tisch sau­ber und ge­schmei­dig klingt und In­halt lie­fert. Wir hö­ren ei­ne Stim­me, die ru­hig und sou­ve­rän spricht. Das al­les sug­ge­riert Ver­läss­lich­keit ... bis zum zwei­ten Blick. Dann wird aus „très chic“ plötz­lich „tra­shig“, aus dem „Prä­si­den­ten“ ein „Laut­spre­cher“ (the speaker) und aus ei­ner fei­nen An­spie­lung sprach­li­cher Be­ton. Die KI pro­du­ziert oft ei­ne Ober­flä­che, die rei­bungs­los wirkt, aber ge­nau da­durch den Ein­druck von Prä­zi­si­on er­zeugt, wo in Wirk­lich­keit längst Be­deu­tung ver­lo­ren ge­gan­gen ist.

Das Pro­blem liegt nicht nur in ein­zel­nen Feh­lern. Es liegt tie­fer. Mensch­li­che Spra­che ist näm­lich kein sau­be­res Über­tra­gungs­sys­tem, son­dern ein hoch­gra­dig feh­ler­an­fäl­li­ger Vor­gang, der trotz­dem funk­tio­niert, weil Men­schen per­ma­nent er­gän­zen, re­kon­stru­ie­ren und mit­den­ken. Wir ver­ste­hen oft ei­nen halb ver­schluck­ten Satz, den nie­mand voll­stän­dig aus­ge­spro­chen hat. Wir er­ken­nen am Ton­fall, ob je­mand blufft, sich her­aus­re­det oder kurz da­vor ist, die Ner­ven zu ver­lie­ren. Und wir wis­sen meist in­tui­tiv, wann ei­ne Un­schär­fe ab­sicht­lich ist.

Beim Dol­met­schen kommt noch et­was hin­zu. Dort geht es nicht nur um Spra­che, son­dern um Si­tua­tio­nen, um Räu­me, Men­schen und Kon­flik­te, um Zeit­druck und ein Pu­bli­kum mit Vor­wis­sen. Ein- und der­sel­be Satz kann in Ber­lin, Brüs­sel oder Pa­ris voll­kom­men un­ter­schied­lich wir­ken. Er kann iro­nisch klin­gen oder be­lei­di­gend, di­plo­ma­tisch oder lä­cher­lich. Er kann Span­nung ent­schär­fen oder ei­nen gan­zen Raum kip­pen las­sen. Ge­nau die­se Ebe­nen müs­sen Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher in Se­kun­den­bruch­tei­len mit­den­ken.

Und dann gibt es noch die Akus­tik der Wirk­lich­keit: Rascheln, Ne­ben­ge­räu­sche, Halb­sät­ze, Lis­peln und Über­lap­pun­gen. Laut WHO stim­men beim KI-Aus­wurf "Dol­met­schen" im Mit­tel al­ler Spra­chen rund 43 Pro­zent der Wör­ter mit dem Ori­gi­nal über­ein. Al­ler­dings nicht un­be­dingt in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge und lei­der auch nicht im­mer mit den rich­ti­gen Be­zü­gen. Hier se­hen Sie, wie aus ei­ner flüs­si­gen Si­mu­la­ti­on ei­ne fal­sche Aus­sa­ge wird.

Vie­le Men­schen ver­wech­seln Sprach­glät­te mit Sprach­ver­ständ­nis. Die KI klingt oft sou­ve­rän, weil sie kei­ne Müdig­keit kennt, we­der Angst noch Scham, sie ist oh­ne Kör­per und so­zia­len Druck. Aber ge­nau die­se mensch­li­chen Stö­run­gen ge­hö­ren zur Kom­mu­ni­ka­ti­on da­zu. Wir spre­chen nicht trotz un­se­rer Feh­ler. Wir spre­chen mit ih­nen.

Die KI si­mu­liert Kom­mu­ni­ka­ti­on. Wir Men­schen blei­ben un­er­setz­bar.

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Montag, 11. Mai 2026

Montagsschreibtisch (139)

Bon­jour & hel­lo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­sch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze (auch aus dem Eng­li­schen). 

Eiffelturm (Miniatur), Stiftköcher, Uhr
Time is running
Ge­ra­de kom­me ich von ei­nem Fern­ein­satz zu­rück. Die­se Wo­che ste­hen we­ni­ger Ent­fer­nun­gen an.

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:
⊗ Ver­wal­tungs­ein­satz
⊗ Nach­be­rei­tung
⊗ Rech­nungs­we­sen
⊗ Rah­men­be­din­gun­gen in­ter­na­tio­na­ler Zu­sam­men­ar­beit in der Kunst

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Gra­fik:
C.E. (Ar­chiv)