Dienstag, 29. September 2026

Disruptionen

Bon­j​our, hel­lo, gu­ten Tag! Sie ha­ben die Sei­te ei­ner Über­set­ze­rin und Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che an­ge­klickt. Wenn ich nicht ge­ra­de Dreh­bü­cher oder Fi­nan­zie­rungs­plä­ne von Fil­men über­set­ze, in der Ka­bi­ne sit­ze oder mit Kun­den Fa­bri­ken be­sich­ti­ge, be­rei­te ich mich auf die Ter­mi­ne vor. Le­sen und ler­nen ist die zwei­te Haupt­be­schäf­ti­gung von Sprach­ar­bei­ter:in­nen.

Brücke, die auseinandergebrochen ist
Dis­rup­tio­nen durch­füh­ren und dann die Fol­gen be­kla­gen
Die ak­tu­el­le Po­li­tik emp­fin­de ich der­zeit als be­las­tend.
Wir er­le­ben ei­ne Zeit, in der es un­ter ak­ti­ven Po­li­ti­ker:in­nen nicht mehr mög­lich zu sein scheint, für Feh­ler ge­ra­de­zu­ste­hen und al­les dar­an­zu­set­zen, sie wie­der aus­zu­bü­geln, sau­ber zu kom­mu­ni­zie­ren, auf die Ge­fahr hin, dass es ei­nem erst ein­mal um die Oh­ren fliegt.

Wenn das Pub­li­kum doch nur län­ger hin­hö­ren wür­de als ei­ni­ge Se­kun­den ...

An­statt pro­gres­si­ve Po­li­tik zu ge­stal­ten, lie­fern et­li­che Par­tei­en oft in­halt­li­che Vor­schlä­ge aus der Klam­ot­ten­kis­te des letz­ten Jahr­hun­derts, z. B. das Ver­bren­nen von Fos­si­lien, das über­pro­por­tio­na­le Her­an­zie­hen är­me­rer und durch­schnitt­lich ver­die­nen­der Schich­ten zur Staats­fi­nan­zie­rung im Ver­gleich zu den Ver­mö­gen­den, die sich auf­grund der Ge­set­ze arm rech­nen kön­nen, wenn sie nicht bei sehr gro­ßen Ver­mö­gen kom­plett „ge­schont“ wer­den.

In die­sem Zu­sam­men­hang wird oft die „Ross-Ap­fel-The­o­rie“ er­wähnt. Sie kommt in­zwi­schen fast nur noch als „Trick­le-Down-The­o­rie“ vor, weil der Mas­se viel­leicht ein­leuch­ten könn­te, dass sie hier als Spat­zen darge­stellt wird, die ihr Fut­ter aus Fä­ka­li­en pi­cken dür­fen. Zu die­ser The­o­rie ist nur ei­ns zu sa­gen: Die Wirk­lich­keit hat wie­der­holt be­wie­sen, dass sie nicht funk­tio­niert.

Die Ver­mö­gens­steu­ern wur­den einst vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­kippt, weil Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tum noch nach den Ein­heits­wer­ten von 1936 oder ir­gend­wel­chen an­de­ren Mo­del­len be­wer­tet wur­de. Das war En­de letz­ten Jahr­hun­derts. In­zwi­schen ha­ben wir aber wie­der ein ak­tua­li­sier­tes, funk­tio­nie­ren­des Im­mo­bi­li­en­be­wer­tungs­sys­tem. Der Aus­set­zungs­grund ist be­ho­ben. Wo bleibt die Wie­der­ein­füh­rung der Ver­mö­gens­steu­er?

Und nein, ich ver­lan­ge kei­nen Kom­mu­nis­mus, wie man­cher in der ver­kürz­ten Po­li­tik­de­bat­te jetzt 'ar­gu­men­tie­ren' wür­de, son­dern le­dig­lich die Wie­der­her­stel­lung von Steu­er­ver­hält­nis­sen, wie sie un­ter Hel­mut Kohl üb­lich wa­ren.

Ich über­set­ze Zei­tungs­aus­schnit­te für ei­ne Kor­res­pon­den­tin. Es ist nicht leicht, auf Nach­fra­gen im­mer wie­der sa­gen zu müs­sen: „Ja doch, das stimmt so.“ Dass die Bahn in Deutsch­land ein Pro­blem ist, hat die Da­me in­zwi­schen selbst be­merkt. Dass sie kei­ne Aus­nah­men er­lebt hat, war ihr schwer zu ver­mit­teln.

Und jetzt ti­telt auch die in­ter­na­tio­na­le Pres­se gar­sti­ges Zeug über un­se­re Re­gie­ren­den. Wer will es ihr ver­den­ken? Ich ha­be ei­ne Re­por­ta­ge­se­rie ge­se­hen, in der ein Nach­wuchs­po­li­ti­ker, der in sei­nem Le­ben bis­lang nichts als Po­li­ti­ker war, durchs Kanz­ler­amt schwebt mit den Al­lü­ren ei­nes roy­alen Thron­fol­gers. Kör­per­spra­che und Wort­wahl wa­ren der­art ka­ri­ka­tur­haft, dass ich am An­fang ge­dacht ha­be: „Wow, was die KI schon kann, ist ja ab­ar­tig!“ (Hier der Link zu „In­side CDU“ von De­ni­se Ja­cobs und Stef­fen Haug im ZDF.)

Eu­ro­pa | Merz­däm­me­rung | Fried­rich Merz, der Zom­bie-Kanz­ler Er kann nicht mehr auf die Bei­ne kom­men, aber nie­mand will ihm den Rest ge­ben — noch nicht
Merz­däm­me­rung — auf Deutsch im Ti­tel

Ein „Zom­biekanz­ler“ über­schrieb die nord­ame­ri­ka­ni­sche Zei­tung The Eco­no­mist ei­nen Bei­trag (Link). Ich le­se in an­de­ren Ar­ti­keln, dass er der Kanz­ler ei­ner Par­tei ist, die in Deutsch­land ge­ra­de da­mit Schlag­zei­len macht, dass ei­ni­ge ih­rer Ver­tre­ter dem nord­ame­ri­ka­ni­schen Au­to­kra­ten da­zu gra­tu­lie­ren, wie schnell die­ser sein Land um­baut. Ein an­de­rer Po­li­ti­ker der Kanz­ler­par­tei wird zum wie­der­hol­ten Mal bei fet­ten Lü­gen er­tappt. Die an­de­ren po­li­ti­schen La­ger sind ge­schwächt. In der Mit­te der zer­frans­ten Par­tei­en­land­schaft klafft ein gro­ßes Loch.

Da­bei bräuch­ten wir en­ga­gier­te Leu­te, die an­pa­cken. Das wür­de mit der Ana­ly­se los­ge­hen, dass es ein Feh­ler war, im Rah­men der Glo­ba­li­sie­rung gan­ze Fer­ti­gungs­stre­cken in Billig­lohn­län­der zu ver­la­gern. Die Leu­te dort sind nicht doof, sie ha­ben Tech­nik wei­ter­ent­wi­ckelt und die deut­sche In­ge­nieurs­kunst, so, wie sie über­haupt ran­ge­las­sen wird, über­holt. Die Au­to­her­stel­lung ist ein klei­nes Bei­spiel; die Tech­nik der Nach­hal­tig­keit das nächs­te.

Un­se­re Ge­sell­schaft wird im­mer äl­ter, im­mer nach­wuchs­feind­li­cher, und die plat­ten "Lö­sun­gen" ge­wis­ser Grup­pie­run­gen wer­den die La­ge wei­ter ver­schlim­mern. Hin­zu kommt ei­ne weit ver­brei­te­te ne­ga­ti­ve Stim­mung, die ich üb­ri­gens in vie­len Un­ter­neh­men aus­drück­lich NICHT wie­der­fin­de. Die Kla­ge sei des Kauf­manns Gruß, heißt es dort ach­sel­zu­ckend.

Psy­cho­lo­gie ist ein am stärks­ten un­ter­schätz­tes For­schungs­ge­biet, wenn es um Wirt­schaft und Po­li­tik geht. Für die Kun­din le­se ich jetzt Li­te­ra­tur über die Zwan­zi­ger und Drei­ßi­ger Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts.

Ich weiß aus an­de­ren Ein­sät­zen um die kri­ti­sche La­ge der Kli­ma­kipp­punk­te, se­he täg­lich die ra­sant schwin­den­de Bio­di­ver­si­tät, die dras­tisch ab­neh­men­de Hu­mus­men­ge und lau­ern­de Ex­tre­mis­ten, die mir oft eher vor­kom­men wie Mit­glie­der von Sek­ten als wie auf­ge­klär­te Wahl­bür­ger:in­nen.

Ja, es sind schwie­ri­ge Zei­ten.

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Gra­fik:
Die Aben­teu­er des Prin­zen
Ach­med (Lot­te Rei­ni­ger)

Montag, 28. September 2026

Montagsschreibtisch (158)

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin schenkt Tex­ten ihr wun­der­vol­les Eng­lisch. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Hamburg, Lille, Köln und auch viel­leicht bald auch ge­nau dort, wo Sie mich brau­chen!

Junge Dame im Büro
Ruth im Büro (1955)
Ei­ne wei­te­re po­li­ti­sche Wo­che liegt vor mir. Ich be­rei­te mich auf das Ge­den­ken an deut­sche Ge­schich­te vor, und zwar mehr­stu­fig. Un­ter an­de­rem werde ich in Weimar sein, erneut die Goe­the-Eiche auf­su­chen. Das ist jetzt ein Code, der spon­tan nur von man­chen ver­stan­den wird. Au­ßer­dem: ei­ne wei­te­re, um­fang­rei­che Vor­be­rei­tung.

En dé­tail
❦ Ter­min­pla­nung
❦ Deutsche Geschichte
❦ Un­ter­ti­tel: Kor­rek­tur le­sen
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung
❦ Whis­le blo­wing

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 25. September 2026

Moment mal! (10)

Bon­jour auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der­ho­le ich ei­nen Bei­trag von 2018, weil er im Grun­de der per­fek­te Bei­trag für die­se Fol­ge ge­we­sen ist.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

­

„Was meinst du mit Gei­seln, Lieb­ling?“ Die Stim­me der Oma klingt leicht ver­zwei­felt, als sie die Fra­ge zum drit­ten Mal wie­der­holt. Wir sind in ei­ner Eis­die­le: Am Fens­ter sitzt ein gut Drei­jäh­ri­ger auf ei­nem Bar­ho­cker und blät­tert in der Zei­tung, die dort auf Steh­ti­schen aus­liegt. Kann der Klei­ne et­wa schon le­sen?

Dar­auf der klei­ne Mann lau­ter: „Scho­ko mit Gei­seln!“

Die hier be­rich­ten­de Dol­met­scher­in, eben aus der Ka­bi­ne ge­pur­zelt, hat die Sze­ne nur aus den Au­gen­win­keln mit­be­kom­men. „Er meint Streu­sel“, sagt sie in Rich­tung der Groß­mut­ter.

Die­se tritt nun auch an die The­ke he­ran: „Wo­her wis­sen Sie das? Wer sind Sie?" Die Ant­wort kommt so spon­tan, wie so man­che Wort­fin­dung in der Ka­bi­ne, schnell, kon­text­be­zo­gen: „Ich bin Dol­met­scher­in, gnä­di­ge Frau!“

(... und ich muss grin­sen, weil ich „Klein­kind­deutsch“ bis­lang noch nicht in der Lis­te mei­ner Fremd­spra­chen hat­te.)

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Donnerstag, 24. September 2026

Wort des Jahres (1)

Bon­jour, hello und gu­ten Tag! Im 20. Jahr kön­nen Sie hier Epi­so­den aus dem All­tag ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in mit der Mut­ter­spra­che Deutsch le­sen. Meis­tens sit­ze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne, dol­met­sche manch­mal aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche. Au­ßer­dem über­set­ze ich Tex­te ins Deut­sche und lek­to­rie­re. Als Dol­met­scher­in den­ke ich oft über Spra­che nach.

Sind die jetzt alle durch­ge­dreht? Die Bou­le­vard­pres­se schäumt, die bür­ger­li­che Pres­se macht mit: ein­zel­ne, schlim­me Kon­tak­te von we­ni­gen zu Men­schen mit an­ti­jü­di­scher Hal­tung und kri­mi­nel­lem Hin­ter­grund wer­den auf­ge­bauscht. 

über­füll­te Stra­ße
Den Au­tos ge­hört die Stadt
Der Bay­ern­chef droht so­gar mit dem Aus­set­zen des Län­der­fi­nanz­aus­gleichs. Ich spre­che von der Wahl in Ber­lin, in der Die Lin­ke auf­grund der Mie­ten­ka­ta­stro­phe mit 25,7 Pro­zent Stim­men­an­teil ge­punk­tet hat, wäh­rend al­les ru­hig ist, was die Wahl von er­wie­se­nen oder mut­maß­li­chen Ver­fas­sungs­fein­den an­geht, ich spre­che von Sach­sen-An­halt und 43,8 Pro­zent, wo der glei­che Mi­nis­ter­prä­si­dent den Vor­schlag, den bin­nen­deut­schen Geld­trans­fer zu dros­seln, als ‚an­ti­de­mo­kra­tisch‘ ge­gei­ßelt hat­te.
Das ist schon schräg ...

Die­ses Schäu­men hat­ten wir schon mal. Das war, als Frau­ke Bro­si­us-Gers­dorf zur Ver­fas­sungs­rich­te­rin ge­wählt wer­den soll­te. Das ist ein Jahr her. Ihr eil­te der Ruf vor­aus, dem Prüf­ver­fah­ren für ein Ver­bot der Rechts­ex­tre­men nicht ab­ge­neigt zu ha­ben. Die­ses Schäu­men hat­ten wir auch, als der Grü­nen­chef als Ban­dit mit auf dem „Spie­gel“-Co­ver ab­ge­bil­det war, wie er ge­ra­de eine Gas­ther­me zer­trüm­mert hat: Die Zeich­nung war eine Va­ri­a­ti­on von „Ha­becks Heiz­ham­mer“.

Heu­te wis­sen al­le, dass das eine drei­ste Lü­ge war; Wär­me­tau­scher fin­den rei­ßen­den Ab­satz, so­gar für schlecht iso­lier­te Ge­bäu­de, und al­le be­dau­ern, dass auch un­ter Mit­wir­kung der ak­tu­el­len Wirt­schafts­mi­nis­te­rin die So­lar­wirt­schaft in Deutsch­land zer­stört wur­de.

Ich wer­de hier sel­ten po­li­tisch und bin es auch heu­te hier nicht. Das sind Fak­ten.

Na­tür­lich schimp­fen jetzt vie­le an der Tank­säu­le. Aber wir wis­sen aus der Sta­tis­tik, dass je­ne, die am häu­figs­ten lan­ge Stre­cken fah­ren, in der Re­gel zu den Ver­mö­gen­den zäh­len und häu­fi­ger in ver­brauchs­in­ten­si­ven Au­tos sit­zen. Der „Tank­ra­batt“ ist die be­rühm­te Gieß­kan­ne, er „hilft“ den Fal­schen. Er sub­ven­tio­niert auch die Öl­kon­zer­ne, die be­reits wie­der­holt be­wie­sen ha­ben, dass sie den Preis­nach­lass nur zum Teil an die Ver­brau­cher:in­nen wei­ter­rei­chen. Kon­zer­ne, die die­ses Jahr schon ex­tre­me Ge­win­ne er­zielt ha­ben und de­nen von der ak­tu­el­len Po­li­tik kei­ne Über­ge­winn­steu­er droht.

Au­ßer­dem ist eine Pro­dukt­sub­ven­ti­on das fal­sche Si­gnal. Der Stoff ist knapp und wir müs­sen deut­lich we­ni­ger ver­brau­chen, weil das Ver­bren­nen von Fos­si­lem öko­lo­gisch schäd­lich ist. Der Som­mer hat uns ge­zeigt, dass wir mit­ten in der Kli­ma­ka­ta­stro­phe ste­cken. Das 1,5-Grad-Ziel ist ab­seh­bar schon ge­ris­sen. Wir müs­sen so­fort an­fan­gen zu ret­ten, was noch zu ret­ten ist. Und statt­des­sen die an­de­ren Sub­ven­tio­nen von Schäd­li­chem lang­sam ab­bau­en.

Al­so: Die Sub­ven­ti­on an der Zapf­säu­le ist öko­no­misch, so­zi­al und öko­lo­gisch ein De­sas­ter — und auch po­li­tisch, denn sie wirkt hilf­los und setzt ein schlim­mes Zei­chen. Das war schon beim 1. Mal falsch, beim 2. Mal ein Irr­sinn, für das 3. Mal feh­len so­gar mir als Dol­met­scher­in die Wor­te. 

Spie­gel-Co­ver 2023
„Heiz­ham­mer“ war nicht 
das Un­wort des Jah­res 2023
Lö­sun­gen gibt es: ein „En­er­gie­geld“ für al­le, die es brau­chen. Wir ha­ben die­se „Ant­wort“ be­reits zu Co­ro­na dis­ku­tiert, als ge­ziel­te Hil­fen nicht „zu­ge­stellt“ wer­den konn­ten, weil die Re­gie­rung ge­sagt hat: Sor­ry, aber wir ken­nen Eu­re Kon­to­ver­bin­dun­gen nicht. Wie lan­ge ist das gleich her?

Letz­ter Punkt: Die Noch-Re­gie­rung in Ber­lin will der­zeit Rad­we­ge ab­bau­en und Bäu­me fäl­len, schnell noch Fak­ten schaf­fen (Link zur Pe­ti­ti­on), be­vor es even­tu­ell zum Re­gie­rungs­wech­sel kommt.

In Zei­ten von Ver­kehrs­wen­de und Hit­ze­wel­len, die nächs­te ist an­ge­kün­digt, zu­min­dest für den Sü­den Deutsch­lands, ist das viel­leicht nicht ganz die rich­ti­ge Ent­schei­dung.

Ich kom­me zu­rück zum An­fang mei­nes Tex­tes: Stün­de das Land Ber­lin un­ter ei­ner Koa­li­tions­re­gie­rung mit den Lin­ken, wären die Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Bunde­srat an­de­re; auch die zwei­te deut­sche Kam­mer könn­te das Ver­fah­ren zum Ver­bot der Rechts­ex­tre­men an­sto­ßen.

Die­ser Auf­schlag muss­te sein. Dem­nächst wird das Wort des Jah­res ge­wählt. Wird es das Wort „Ver­kehrs­wen­de“ sein oder „Tank­ra­batt“? Ich schät­ze, es wird das, was in den Köp­fen der Men­schen der­zeit nur als Kür­zung ver­stoff­wech­selt wird: „Re­form“.

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Bil­der:
KI-Zu­falls­fund; DER SPIE­GEL

Montag, 21. September 2026

Montagsschreibtisch (157)

Bon­jour, gu­ten Tag & he­llo! Sie sind auf den Sei­ten ei­nes Dol­met­scher­web­logs aus dem In­ne­ren der Französischka­bi­ne und vom Über­set­ze­rin­nen­schreib­tisch gelandet. Ich ar­bei­te zu­sam­men mit De­le­ga­tio­nen, auf Kon­fe­ren­zen und bei Hin­ter­grund­ge­sprä­chen, um nur ei­ni­ge Bei­spie­le zu nen­nen. Die­sen Herbst ha­be ich noch Ka­pa­zi­tä­ten frei!

Ein­fach­heit ist die Kro­ne der Voll­en­dung

Der Schock um die KI-De­bat­te hat hof­fent­lich ei­ni­ges be­wirkt: Mehr Kri­tik und mehr Miss­trau­en an den 'wun­der­ba­ren' Ma­schi­nen, die ver­meint­lich alles schnell, bil­lig und gut machen. 

Das stimmt ja drei­fach nicht, denn schnell Murks zu lie­fern, viel­leicht auch nur par­tiell, bleibt Murks. Bil­lig ist es nicht, wenn wir die Ne­ben­kos­ten, die Folge­kos­ten von Feh­lern und für die Um­welt so­wie die ak­tu­ell dis­ku­tier­ten Kos­ten für die Ar­beits­welt, den so­zia­len Frie­den und so­gar die Mensch­heit als Gan­zes be­trach­ten. Und gut ... *räus­per* ... hier mehr da­zu: klick und klick.

Die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch:
❀ ak­tu­el­le Po­li­tik
❀ Ver­tragli­ches
❀ An­ge­bo­te schrei­ben
❀ Mehr­tä­gi­gen Ein­satz vor­be­rei­ten

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Gra­fik:
Pitts­burg Vi­si­ble Type­wri­ter

Freitag, 18. September 2026

Moment mal! (9)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit mehr als 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der der kur­ze Mo­ment aus der Dol­met­scher­ka­bi­ne.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

The floor is yours! Eben wur­de die nächs­te Red­ne­rin an­ge­kün­digt. Ich ha­be sämt­li­che Na­men der Ta­gung ge­le­sen, auch schon mal aus­ge­spro­chen, zur Pro­be. Aber die­ser Na­me klingt neu. Ich wie­der­ho­le ihn lei­se und mit Fra­ge­zei­chen, aber ex­akt so, wie die Sit­zungs­lei­te­rin ihn aus­ge­spro­chen hat. Die Kol­le­gin schüt­telt den Kopf.

Noch ein­mal über­flie­ge ich die Lis­te der Red­ner:in­nen.
Dann löst sich ei­ne Da­me aus den Stuhl­rei­hen, schält sich aus ei­nem rie­si­gen Schal, als wür­de sich ein Schmet­ter­ling ent­pup­pen. Auf ho­hen Ha­cken­schu­hen geht sie mög­lichst wür­de­voll zum Pult. Das Wort „schrei­ten“ wür­de hier nicht ganz pas­sen.
Ich hal­te die Luft an.

Bis­lang ha­be ich ih­ren Na­men nicht durchs Mi­kro­fon ge­spro­chen, ih­re An­kün­di­gung mit „Ich be­grü­ße die nächs­te Red­ne­rin!“ be­en­det …

Ich mer­ke, dass mei­ne über­aus ge­naue Be­ob­ach­tung ih­res We­ges zum Pult mit der Schreck­se­kun­de zu­sam­men­hängt, die das Nicht­fin­den ih­res Na­mens in der Lis­te aus­ge­löst hat. Es ist, wie in Zeit­lu­pe vom Fahr­rad zu flie­gen.

Die Da­me steht be­reit, sie nickt dem Pu­bli­kum zu. Dann stellt sie das Mi­kro auf ih­re Hö­he ein. Sie trinkt ei­nen Schluck aus dem Was­ser­glas, das ihr ge­ra­de hin­ge­stellt wur­de. Sie macht es span­nend.

Die Da­me be­ginnt mit: „Sie wer­den sich fra­gen, wer vor Ih­nen steht!“ Mir fällt ein Stein vom Herzen, wäh­rend sie ei­ne Kunst­pau­se macht.

Sie schmun­zelt ins Pu­bli­kum, fun­kelt dann lus­tig die Sit­zungs­lei­te­rin an, spricht sie mit Vor­na­men an: „So­was kommt von so­was. Wir du­zen uns seit 20 Jah­ren, und of­fen­bar hat­ten wir noch nicht die Ge­le­gen­heit, an ein- und der­sel­ben Kon­fe­renz teil­zu­neh­men. Mein Na­me spricht sich näm­lich so aus: …“ Und sie spricht ihn aus.

Die­sen Na­men hät­te wohl je­der ver­semmelt. Al­le la­chen. Ich muss kurz den MUTE-Knopf drü­cken, al­so das Mi­kro stumm stel­len, weil auch ich la­che.

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Gra­fik: KI (OpenAI)

Mittwoch, 16. September 2026

Teure Systemfehler

Ein­blicke in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie seit 2007 auf die­sen Sei­ten neh­men. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin schenkt Über­set­zun­gen ih­re wun­der­ba­re eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

S
eit die­ser Blog hier auf die 2. Ebe­ne ge­rückt ist, sind wir un­ter uns. Vor­teil: Po­ten­zi­el­le Kund­schaft fin­det mich mit der fes­ten Ti­tel­sei­te bes­ser. Und das steht ge­ra­de im Vor­der­grund. Noch ein Vor­teil: Ich darf di­rek­ter sein, so wie heu­te.

Das war die ers­te Vor­re­de. Und die zwei­te folgt so­gleich. Ich hän­ge hier ei­nen doo­fen Feh­ler ei­ner pro­mi­nen­ten Film­pro­duk­ti­on ins Sprach­la­den­schau­fens­ter. Die Pro­duk­ti­ons­fir­ma ist in­for­miert (und hat nicht ge­ant­wor­tet). Es gibt noch wei­te­re Feh­ler in den Ti­teln. Ich ha­be ei­ne Art In­itia­tiv­be­wer­bung aus der Mel­dung ge­macht.

So, jetzt geht's aber wirk­lich los. Ge­ra­de bei BABY­LON BER­LIN ge­se­hen: Der Wie­ner Jour­na­list Sa­mu­el Ka­tel­bach bringt ei­ner schniefen­den, schwit­zen­den Eli­sa­beth Behn­ke Kar­tof­fel­wi­ckel und Me­lis­sen­geist ans Bett und sagt, als sie sich den Al­ko­hol hin­ter die Bin­de ge­kippt hat, laut Un­ter­ti­tel: „Ihr Ka­ter ist schnel­ler Ge­schich­te | als der Spuk von mei­nem un­se­li­gen Lands­mann.“

„Ihr KATER ist schneller Geschichte | als der Spuk von meinem unseligen Landsmann.“
Fol­ge 1, Staf­fel 5, 22. Mi­nu­te



 

 

 

Tja, wo­her soll die kör­per­lo­se KI denn auch ei­nen Ka­tarrh ken­nen? Oder Men­schen im Aus­land, die ihr Deutsch im te­le­fo­ni­schen Kun­den­dienst prak­ti­ziert ha­ben, oder eu­ro­päi­sche Schü­ler? Bett, Un­wohl­sein, das muss der Suff sein -> Miau! 

SPRA­CHE ist für die meis­ten in der Film­bran­che lei­der noch kein Ge­werk, son­dern ei­ne är­ger­li­che Not­wen­dig­keit. Da­bei sind un­se­re Ar­beits­er­geb­nis­se die Vi­si­ten­kar­ten von Pro­duk­tio­nen … oder lus­ti­ge Wer­bung wie oben. 

Wor­te, auf die es an­kommt: Ex­po­sés und Un­ter­ti­tel, Über­set­zun­gen und Dol­met­schen am Set, Tran­skrip­te für den Schnitt, Hör­film­buch, Pres­se­heft. Die­se Auf­ga­ben wer­den oft glücks­ver­teilt an Prak­tis, Be­kann­te von Freun­den, Nach­wuchs, die KI, Agen­tu­ren in Schwel­len­län­dern mit Brief­kas­ten­dé­pen­dance in Deutsch­land. Das kann klap­pen, muss aber nicht. Auch die KI hat ih­re gu­ten Stun­den. 

Aber häu­fi­ger geht’s halt par­ti­ell schief und dann ist (oder wä­re) Auf­räum­ar­beit an­ge­sagt. (Die manch­mal teu­rer ist, als es gleich rich­tig zu ma­chen.) 

Aber es gibt ja uns, die Pro­fis. Auch wir nut­zen die KI manch­mal, oft aber auch nicht, denn: Je krea­ti­ver die Auf­ga­be, des­to hö­her ihr Schei­terns­po­ten­ti­al. 

Kos­ten­age­bo­te sind gra­tis. Ich bin in­zwi­schen auch Gut­ach­te­rin bei Ge­richt.

Ein Satz noch an die Film­pro­duk­tio­nen: Ori­en­tiert Euch bei den Ho­no­ra­ren fürs Ge­werk Spra­che bit­te eher an der Ka­me­ra­per­son als am Run­ner, denn wir „Spra­chis“ ha­ben oft lan­ge stu­diert und müs­sen fort­ge­setzt um­trie­big sein, um die Spra­chen le­ben­dig zu hal­ten. (Das geht aus der Dienst­bo­ten­kam­mer her­aus mit der Dünn­blatt-Edi­ti­on der Su­che nach der ver­lo­re­nen Zeit in der Hand nur be­dingt.)

Dan­ke fürs Le­sen und Mit­den­ken! Wir freu­en uns über Emp­feh­lun­gen — und hel­fen auch re­gel­mä­ßig bei der Kol­leg:in­nen­su­che.


P.S.: Zum The­ma der Ge­fahr, dass ei­ne ir­re ge­wor­de­ne KI die Mensch­heit in­ner­halb der nächs­ten Mo­na­te oder Jah­re aus­lö­schen könn­te: Da die KI mit al­len ver­füg­ba­ren Tex­ten trai­niert wur­de, auch den ge­meins­ten, men­schen­feind­lichs­ten, ist grund­sätz­lich al­les denk­bar. Ich schät­ze aber, dass die KI-Gran­den jetzt die­ses Mo­ment viel­leicht als ei­nen Aus­weg nut­zen, um den An­le­ger:in­nen die rie­si­gen Sum­men nicht zu­rück­zah­len zu müs­sen, die ih­nen an­ver­traut wur­den. Set­zen die Staa­ten der Wel­ten­ge­mein­schaft erst ein­deu­tig Re­geln, wird na­tür­lich DAS der Ver­hin­de­rer sat­ter Di­vi­den­den­aus­schüt­tung sein.

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Bil­der:
X-Fil­me

Dienstag, 15. September 2026

Museum der Wörter (50)

Bonjour & hello auf den Sei­ten meines di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs! Mit Deutsch als Mut­ter­spra­che, ar­bei­te ich vor al­lem als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für fran­zö­sisch­spra­chi­ge Kon­fe­renzen und De­le­ga­tions­rei­sen, in der Po­li­tik und bei pri­va­ten An­läs­sen, au­ßer­dem aus dem Eng­li­schen, der Ziel­spra­che mei­ner Büro­kol­le­gin. Heu­te blic­ken wir in die Haupt­stadt.

Oh, nein! Ei­ne wei­te­re Ber­li­ner In­sti­tu­ti­on ver­schwin­det end­gül­tig! Und da­mit auch der Na­me, näm­lich:

              
             
Kranzler

Das Ca­fé Kranz­ler macht end­gül­tig dicht. Es ist schon seit zwei Jah­ren ge­schlos­sen, nach­dem es un­ter die Kup­pel der Ro­tun­de ver­bannt wor­den war.

In die­sem Ca­fé ha­ben mei­ne El­tern mei­ner säch­si­schen Groß­mut­ter und der Ur­groß­mut­ter er­zählt, dass es bald ein Mensch­lein der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on ge­ben wür­de, näm­lich mich. Ich stel­le mir im­mer vor, wie sie auf der Ca­fé­ter­ras­se un­ter der tra­di­tio­nell rot-weiß­ ge­streif­ten Mar­ki­se sit­zen. Aber im Spät­herbst oder Win­ter wa­ren sie doch wohl eher drin­nen.

In Ber­lin gibt es kaum noch ech­te Kaf­fee­häu­ser, ge­ra­de am Ku'damm. Häu­fig zo­gen in die Lo­ka­le üb­ri­gens Mo­de­lä­den ein.

Café Kranz­ler, Kur­fürs­ten­damm 1955
Ich stel­le mir Zeit­rei­sen­de von vor 100 Jah­ren vor: Wenn sich Li­te­ra­ten aus der Hoch­zeit der Ber­li­ner Kaf­fee­haus­zeit in den Wes­ten ver­ir­ren wür­den, sie hät­ten wohl Mü­he, al­les wie­der­zu­er­ken­nen.
Ne­ben den Cafés sind auch die meis­ten Ki­nos vom Bou­le­vard ver­schwun­den. Das Kern­ge­bäu­de des Kranz­lers ver­fügt über et­li­che denk­mal­ge­schütz­te Ele­men­te. An­de­re Tei­le des Nach­kriegs­wie­der­auf­baus wur­den vor Jah­ren durch Hoch­häu­ser er­setzt. Mich stimmt die­se Ge­schichts­ver­ges­sen­heit trau­rig.


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BildF002774-0010, Bun­des­ar­chiv, B 145
Brodde / CC BY-SA 3.0 de