Freitag, 12. April 2024

Bonjour ...

... und herz­lich will­kom­men auf mei­ner Blog­sei­te! Was Dol­met­scher und Dol­met­scherin­nen be­schäftigt, kön­nen Sie hier seit 2007 mit­le­sen. Das neu­e Jahr nimmt Fahrt auf!

Dol­mets­chen bei Kon­gres­sen, für den Po­li­tik­be­trieb, auf De­le­ga­tions­rei­sen, bei ad­mi­nis­tra­ti­ven Vor­gängen, in der Kanz­lei oder im Kran­ken­haus, bei Werks­be­sich­ti­gun­gen und Hin­ter­grund­ge­sprä­chen — un­se­re Ein­sät­ze sind über­aus viel­fäl­tig.

Grüne Jalousien, grüne Vase, Garten mit Hortensien
Frühjahr
Da­bei über­tra­gen wir In­hal­te kon­se­ku­tiv (in Sprech­pau­sen hin­ein) oder si­mul­tan (na­he­zu zeit­gleich).

In den letz­ten Jah­ren sind wir im­mer öft­er auch online gefragt. Da diese Über­tra­gungs­art für alle an­stren­gen­der ist, klei­ne Mo­ni­tor­bil­der, ge­stauch­te und damit un­na­tür­liche Stim­men, Rau­schen oder Echos, sind die­se Ein­heiten meis­tens kür­zer als nor­ma­le Ein­sätze.

Zur Pla­nung Ihres Dol­metsch­be­darfs erreichen Sie uns be­quem per Mail an info@adazylla.de.

Es gibt keine Bü­ro­sprech­stun­den

Wir freu­en uns auf Ihre An­fra­ge!


Bit­te be­ach­ten: Krea­ti­ve Tex­te über­tra­ge ich selbst nur ins Deut­sche; an­de­re Spra­chen deckt un­ser Netz­werk ab. Do­ku­men­te be­ar­bei­ten Kol­le­gin und Kol­le­ge au­ßer­halb Ber­lins (im Post­ver­kehr).

Da wir nicht nur Spra­char­bei­terin­nen und Sprach­ar­beiter sind, son­dern auch Men­schen, die be­ob­ach­ten und Ihre Epo­che do­ku­men­tieren, fin­den Sie auf den fol­gen­den Sei­ten mein mit­un­ter sub­jek­tiv ge­präg­tes Ar­beits­ta­ge­buch.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 11. April 2024

Interkulturelle Kommunikation

Sie le­sen hier in ei­nem Blog aus der Ar­beits­welt, ge­nau­er: aus dem All­tag ei­ner Dol­met­sche­rin. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­si­sch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Heu­te geht es wei­ter mit Hin­ter­grund zu un­se­rem Be­ruf, von dort aus wir­ken wir, buch­stäb­lich.

Fahnen (D, F), Stühle, Konferenztisch, Mikro
Hintergrund
An ei­nem Nach­mit­tag die­ser Wo­che in Ber­lin: Deut­sche und Fran­zo­sen sit­zen um einen Tisch he­rum, es geht um ein ge­mein­sa­mes Ziel. Es wird nach­ge­dacht, ver­han­delt, sor­tiert. Die Fran­zo­sen ver­fü­gen in ei­nem zen­tra­len The­ma über mehr Hin­ter­grund­wis­sen und über Da­ten.
Die deut­sche Sei­te fragt durch die Blu­me nach. Sehr durch die Blu­me.

Dann ha­ben wir eine Pau­se. Es wer­den Da­ten und Do­ku­men­te gemailt und Hin­ter­grund­ge­sprä­che ge­führt. An­schlie­ßend fragt die deut­sche Seite er­neut nach, denn die­ses Hin­ter­grund­wis­sen ist im­mer noch nicht mit al­len ge­teilt wor­den (wa­rum auch im­mer). Die Nach­fra­ge fällt wie­der sehr höf­lich aus.

Al­ler­dings war das zu höflich. Die Mes­sa­ge ist nicht an­ge­kom­men. Die Deut­schen sind lang­sam ein we­nig en­er­viert. Je­mand muss ih­nen ge­sagt ha­ben, dass man bei Fran­zo­sen nicht mit der Tür ins Haus fal­len soll. Ich ken­ne die Fran­zo­sen und er­mu­ti­ge ei­ne deut­sche Teil­neh­me­rin in der Mit­tags­pau­se, die Sa­che et­was di­rek­ter an­zu­spre­chen.

Al­ler­dings geht sie auf mei­nen Vor­schlag nicht ein. Die De­bat­te ei­ert wei­ter­hin um die kon­kre­te Fehl­stel­le: Nicht al­le ver­fü­gen über das glei­che Hin­ter­grund­wis­sen. Lang­sam nervt's mich. Es schleicht sich hier ein ge­rei­zter Un­ter­ton ein, dort Über­ra­schung. Das ist nicht schön zu dol­met­schen.

In der nächs­ten Pau­se tref­fen die Kol­le­gin und ich zu­fäl­lig an je­nem Ort die Lei­te­rin der fran­zö­si­schen De­le­ga­ti­on, wo die männ­li­chen Mit­glie­der bei­der De­le­ga­tio­nen nicht hin­kom­men. Wir ha­ben schon oft für sie ge­ar­bei­tet. Beim Hände­wa­schen re­den wir un­ter Frau­en Tache­les, al­ler­dings nur in der kon­junk­ti­vi­schen Fra­ge­form (al­so al­les an­de­re als di­rekt). Sie: "Ach so, jetzt ver­ste­he ich! Dan­ke, dass Sie das so di­rekt an­ge­spro­chen ha­ben."

Sie ver­lässt ei­lig den Wasch­raum, geht an ih­ren Com­pu­ter, dann in den Neben­raum, wo Kaf­fee, Tee und Ku­chen ge­reicht wer­den. We­nig spä­ter se­he ich ein ers­tes er­leich­ter­tes Ge­sicht auf deut­scher Sei­te, dann macht sich dort hei­te­re Stim­mung breit. Und weil wir Dol­met­sche­rin­nen so­was an­geb­lich nicht tun (dür­fen), ha­be ich hier auch Ort, Zeit und Han­deln­de ein we­nig ver­frem­det. Sonst stimmt al­les.

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Foto: C.E.

Montag, 8. April 2024

Montagsschreibtisch (37)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ich bin Dol­met­sche­rin, ar­bei­te mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, ha­be Deut­sch als Mut­ter­spra­che. Seit 2007 blogge ich hier zum Thema, wie Dol­met­scher le­ben und arbeiten (und na­tür­lich die Dol­met­sche­rin­nen, wir sind im Be­ruf in der Über­zahl). Der Ter­min­ka­len­der füllt sich lang­sam.

Balkon mit Palme und Monstera, auf dem Tisch Vokabellisten
Arbeiten im Grünen
Auf dem Schreib­tisch:

⊗ Agro-Öko­lo­gie, Vor­be­rei­tung von Ter­mi­nen und Zu­sam­men­füh­rung zwei­er Le­xi­ken
⊗ In­sol­venz­recht (Be­grif­fe nach­tra­gen)
⊗ Agroforstwirtschaft: Viel lesen ...
⊗ Kul­tur Frank­reich/Deutsch­land
⊗ Kos­ten­vor­an­schläge schrei­ben
⊗ Filme vor­stel­len und Ge­sprä­che mo­de­rie­ren/dol­met­schen
⊗ Vor­be­rei­tung der Sai­son: Klei­dung, Reise­né­ces­saire und an­de­re Din­ge durch­sehen



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Foto: C.E.

Sonntag, 7. April 2024

Sonntagsruhe

Seit 2007 be­schrei­be ich hier mei­nen in­ter­kul­tu­rel­len Ein­satz im Sprach­be­reich. Wir sind ein Netz­werk, Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen, Über­set­zer und Über­set­ze­rin­nen. Ne­ben der münd­li­chen Über­tra­gung, dem Dol­met­schen, über­set­ze auch Tex­te (FR>DE und EN>DE); die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Sonn­tags wer­de ich hier pr­ivat: Sonn­tags­bild!

Der Flieder blüht, das ist viel zu früh! Nor­ma­ler­wei­se wäre das erst ab der zwei­ten Mai­hälf­te der Fall. Wa­rum ich das weiß? Weil mei­ne Mut­ter an ei­nem 15. Mai ge­bo­ren wur­de und der Flie­der ih­re Lieb­lings­blume ist, sie lan­ge nur dann ei­nen Flie­der­strauß auf dem Ga­ben­tisch vor­fin­den konn­te, wenn sie Glück hat­te und der Flie­der sehr zei­tig in sei­ner Blü­te stand.

Die Ve­ge­ta­ti­on ist die­ses Jahr fünf bis sechs Wo­chen zu früh dran. So er­weist sich der Sonn­tags­spazier­gang, der ei­gent­lich der Er­ho­lung die­nen soll, für den kla­ren Kopf nicht nur als ge­such­te, will­kom­me­ne Ab­len­kung vom All­tag. Die Na­tur wirft uns den Kli­ma­wan­del vor die Fü­ße und vie­le, all­zu viele, wol­len es noch im­mer nicht se­hen.

Ne­ben be­wuss­ten Aus­zei­ten ist ge­sun­der Schlaf ein wich­ti­ges The­ma in mei­nem Be­ruf. Es gibt Be­rufs­fel­der, bei de­nen ist gu­tes Schla­fen­kön­nen eine Grund­vor­aus­set­zung, Me­di­zin, Me­di­en, so­zia­le Arbeit ... zu letz­te­rem zäh­le ich oft ge­nug un­se­ren Be­ruf. Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen über­stra­pa­zie­ren mit­un­ter das ei­gene Ge­hirn. Kur­ze Pau­sen zwi­schen­durch sind sehr hilf­reich. Nicht so hilf­reich: Wenn sich im Ta­gungs­ho­tel oder Kon­fe­renz­zen­trum kei­ne ru­hi­ge Ecke fin­den lässt. Auch zwi­schen meh­re­re Pha­sen von Power lear­ning le­ge ich oft klei­ne Power nap­ping-Pha­sen ein, also in­ten­si­ve Lern­pha­sen mit zwi­schen­ge­schal­te­tem Schlum­mer­vier­tel­stünd­chen. Das geht zum Bei­spiel im Ru­he­be­reich der Bahn (so­fern die Mit­rei­sen­den sich an die Ru­he­vor­gabe hal­ten).

Bett, Lampe, Wand, alles hell, schlicht und freundlich
Ruhiges Schlafzimmer

Für gu­ten Nacht­schlaf emp­feh­len sich ei­ne gu­te Nacht­hy­gie­ne, Rou­ti­nen, we­nig Rei­ze vor dem Schla­fen­ge­hen, vor al­len Din­gen aber Blau­licht ver­mei­den (TV-Krimi oder ein bläu­lich schim­mern­der, laufender Com­pu­ter­mon­it­or). 

Und dann ent­span­nen­de Ge­dan­ken, etwas Yo­ga und/oder Bild­bände. Bei mir ge­ra­de der Ren­ner: In­nen­ar­chi­tek­tur. Früher wa­ren's eher Na­tur­bücher.

Die ro­sa­far­be­nen Blätt­chen der ja­pa­ni­schen Kirsch­en rie­seln gerade zu Bo­den, die Mag­no­lien­blü­te ist längst pas­sé. An­de­res steht auch in vol­ler Blü­te, das nor­ma­ler­wei­se ge­staf­felt blü­hen würde. Doch die Prob­le­me sind erst mor­gen wie­der dran!

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Foto: C.E.

Mittwoch, 3. April 2024

Fraktur reden

Will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und -über­set­ze­rin mit Haupt­ar­beits­ort Ber­lin. Hier kön­nen Sie Ein­bli­cke in un­se­ren All­tag er­hal­ten, denn die Be­ru­fe der Dol­met­sch­er und Über­set­zer / Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen sind oft nicht gut be­kannt. Ein Teil der Auf­ga­ben ist das Sam­meln von Vo­ka­beln und das Be­ob­ach­ten sprach­li­cher Nu­an­cen, die sich ver­än­dern kön­nen.

Frak­tur­schrift (Buch­laden­wer­bung)
Heute eine schnel­le Voka­bel­no­tiz zum The­ma von ges­tern. Wer zu je­man­dem "Du re­dest Frak­tur" sagt, möch­te damit aus­drü­cken, dass das Gegen­über sich be­son­ders ge­stelzt und kom­pli­ziert aus­drückt, so kenne ich den Be­griff. Das ist die mo­der­ne In­ter­pre­ta­ti­on der Re­de­wen­dung, die sehr alt ist.

Der­ma­le­inst (= früher) hat der Be­griff exakt das Ge­gen­teil be­deu­tet. "Du sprichst Frak­tur" war da­mals gleich­zu­set­zen mit 'deut­lich wer­den', 'Klar­text spre­chen', sich 'ohne Um­schweife aus­drücken'. 

Da­mals konn­ten in Deutsch­land alle, die le­sen konn­ten, Frak­tur­schrift leicht ent­zif­fern. 

Wer Frak­tur sprach, wur­de deut­lich. An­stö­ßi­ge Be­grif­fe oder fremd­sprach­li­che Ter­mi­ni, die nicht allen be­kannt wa­ren, oder die nicht "ju­gend­frei" wa­ren, wur­den in la­tei­ni­scher Spra­che wie­der­ge­ge­ben. Auf al­ten Buch­sei­ten se­hen wir diese Wör­ter, in la­tei­ni­sche Buch­sta­ben ge­setzt, die sich vom Frak­tur­text im Schrift­bild ein­deu­tig ab­he­ben. Eine sol­che Seite werde ich hier dem­nächst nach­tra­gen, jetzt mag der ge­stern er­wähn­te Tüten­auf­druck ein­er Buch­handels­ket­te als Bei­spiel für alte Frak­tur­schrift genü­gen.

Auf Fran­zö­sisch würde ich für 'ge­stelz­ten Stil' üb­ri­gens style ta­ra­bis­co­té sagen, ge­schraubt, ver­sch­nör­kelt, über­la­den. Das Ge­gen­teil da­von, 'Klar­text re­den', wäre dann en ter­mes très clairs oder un lan­ga­ge clair oder pour mettre les choses au clair.

Im Fran­zö­si­schen ein Aus­druck mit clair al­so, das mit un­se­rem deut­schen Wort 'klar' ver­wandt ist, weil bei­des auf das la­tei­ni­sche clārus zurück­geht: hell, leuch­tend, deut­lich ...

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Il­lus­tra­ti­on:
Hu­gen­du­bel

Dienstag, 2. April 2024

Reise durch Raum und Zeit

Bon­jour, hel­lo und gu­ten Tag auf dem ers­ten Web­log Deutsch­lands aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin­nen rei­sen nor­ma­ler­wei­se viel, hin­zu kom­men pri­va­te Ver­pflich­tun­gen. Mein All­tag be­steht oft aus Rei­sen.

Abend­rou­ti­nen und Mor­gen­rou­ti­nen, die kom­men stets in den Kof­fer mit rein, wenn es auf Dienst­rei­se geht.

Reisefertig

Ich ha­be ein Köf­fer­chen, das im­mer fer­tig ge­packt auf Kurz­ein­sät­ze in der "Ab­sei­te" über dem Wohn­ungs­ein­gang war­tet, da­rin al­les, um von Kopf bis Fuß vor­be­rei­tet zu sein, als da wä­ren: mein klei­nes Rei­se­kis­sen, frisch be­zo­gen und mit zwei­ter Hül­le, so­wie Bau­stel­len­schu­he für be­son­de­re Ein­sät­ze, in der Plas­tik­tü­te ei­ner Buch­hand­lung. Plas­tik­tü­ten wer­den lang­sam sel­ten. Die­ses Ex­em­plar ist recht alt, aber nicht so alt, wie es aus­sieht, denn es sind Frak­tur­buch­sta­ben drauf­ge­druckt.

Packta­schen

Im Kof­fer be­fin­den sich auch tex­ti­le Pack­ta­schen für Wä­sche, dün­ne Le­der­haus­schu­he aus Ma­rok­ko in ei­ner Wachs­tuch­ta­sche so­wie ein klei­ner "Kul­tur­beu­tel" mit Zahn­putz­ta­blet­ten in ei­nem win­zi­gen Dös­chen, da­zu ein klei­ner Tie­gel Haut­creme, ein hand­ge­säg­ter Horn­kamm, Oh­ro­pax und die Schlaf­ma­ske.
In ei­nem Me­tall­dös­chen steckt das über Wo­chen klein ge­wor­de­ne Stück Haar­sei­fe aus Kreuz­küm­mel­öl so­wie ein ähn­lich re­du­zier­ter fes­ter Deo-Cube aus na­tür­li­chen Zu­ta­ten der fran­zö­si­schen Fir­ma La­ma­zu­na (oh­ne un­nö­ti­ge Ver­packung).

Schulbuchfigur Grete auf dem Weg ins Bett, im Bad, beim Anziehen
Häus­li­cher All­tag



Vor Dienst­rei­sen wer­fe ich nur noch ein, zwei, drei Klei­dungs­stü­cke in die Pack­ta­sche, im Som­mer flache Schu­he in eine ge­son­der­te, Sie ah­nen es, Schuh­ta­sche, packe die Zahn­bürs­te in die Bam­bu­s­röh­re, in der sie auf Rei­sen wohnt, dann be­fül­le ich Trink­fla­sche und Vor­rats­box (bei­des aus Edel­stahl). Ich brau­che dafür et­wa fünf Mi­nu­ten. 

 Einfaches Packen

Frü­her war mei­ne Pack­zeit be­reits auf 25 Mi­nu­ten ge­schrumpft, aber in den Jah­ren des Pen­delns in der Fa­mi­li­en­zeit ha­be ich das op­ti­miert. Auf Rei­sen hat al­les sei­nen Platz, so­gar, was die La­ge im Kof­fer an­geht. In der klei­nen Vor­der­ta­sche sind Re­gen­schirm, Stoff­tü­cher, Des­in­fek­ti­ons­gel und Mund­schutz (plus Vor­rat), ich weiß ja nie, wem ich un­ter­wegs so be­geg­ne, die ak­tu­el­le Lek­tü­re kommt hin­zu, fer­tig!

Schnel­lig­keit

Auch im Ruck­sack hat al­les sei­nen an­ge­stamm­ten Platz. Das al­les mag ma­ni­sch wir­ken, es geht mir hier aber nur um Rou­ti­nen und Schnel­lig­keit. Ich fin­de so­gar im Halb­dun­kel ei­nes Ta­xis mit einem Griff, was ich su­che. Und mit Rou­ti­nen und Schnel­lig­keit ha­be ich ja im Dol­met­schen gu­te Er­fah­run­gen ge­macht, das Gan­ze schlicht er­wei­tert. (In der Wohn­ungs­ord­nung bin ich noch nicht so weit, träu­me aber da­von.)

Frak­tur­schrift

Zu­rück zur Frak­tur, den al­ten go­ti­schen Buch­sta­ben auf der Plas­tik­tü­te fürs gro­be Schuh­werk. Die Bil­der­fol­ge oben zeigt die klei­ne Gre­te aus einem Schul­buch für das Fach Deutsch, das aus Frank­reich stammt, ge­druckt im Jahr des Mau­er­baus, also 1961. Eini­ges scheint dort noch alt­ba­cke­ner, als wir uns die frü­hen 60-er vor­stel­len. Und ir­gend­wie ein we­nig falsch.

Be­son­ders ir­ri­tiert mich näm­lich, dass die­ses Schul­buch in Frak­tur­schrift ge­setzt wor­den ist. Und die Schul­buch­lerntex­te sind auch be­fremd­lich. Ich ha­be den Text trans­kri­biert, mit dem Maus­zei­ger über das Bild ge­hen und er taucht auf.
Soll­te das nicht funk­tio­nie­ren, bit­te aufs Mi­ni­bild klicken ... 

75. — Gretes Morgentoilette. 1. Gestern Abend war Grete sehr müde. Sie ging früh zu Bett. Sie kleidete sich aus. Sie drehte das Licht aus und schlief sogleich ein. 2. Es ist 6 1/2. Grete erwacht. Sie springt rasch aus dem Bett. Sie geht ins Badezimmer, wäscht sich und bürstet ihre Zähne. Sie nimmt den Kamm und kämmt ihre Haare. 3. Nachher wird sie sich ankleiden. Sie wird ihren Rock und ihre Bluse, ihre Strümpfe und ihre Schuhe anziehen. Sie wird den Hut aufsetzen und zur Schule gehen.
A­bend- und Mor­gen­rou­ti­nen

Kritik am Inhalt

Das Licht dreht heu­te nie­mand mehr aus, hier fun­zelt noch das Öl­lämp­chen so­wie der Dreh­schal­ter lei­se mit, den die In­ge­nieu­re bei der Er­fin­dung von "elek­trisch Licht" zu­nächst bau­en lie­ßen. Heu­te ma­chen wir das Licht aus. Um 6 1/2 steht heu­te kei­ner mehr auf. Wie war das da­mals? Stand man wirk­lich um sech­sein­halb auf, oder doch eher wie heu­te um halb sie­ben? Auch Zäh­ne­put­zen vor dem Früh­stück er­scheint ir­gend­wie doof, un­nütz, außerdem heißt es 'Zäh­ne putzen' und nicht 'Zä­hne bürs­ten', auch wenn die Zahn­bürs­te wirk­lich so heißt. Das Wort "sich an­klei­den" ist al­ter­tüm­lich und kommt ge­spro­chen ma­xi­mal im "An­klei­de­zim­mer" (kurz: die An­klei­de) vor. Ich schät­ze mal, dass be­reits An­fang der 1960-er Jah­re "sich an­zie­hen" ge­sagt wur­de.

Mit dem Hut in die Schu­le, auch frag­lich. Bei Do­ku­men­tar­auf­nah­men der 1920-er und 30-er Jahre tra­gen in der Tat fast al­le ei­ne Kopf­be­de­ckung. Aber es­sen müs­sen Schul­bruch­gre­ten of­fen­bar nicht, ih­re be­son­de­re Stoff­lich­keit lässt sie zwar mü­de, nicht aber hun­gri­g wer­den.

Kritik an der Form

Vor al­lem ir­ri­tiert mich, dass fran­zö­si­schen Schul­kin­dern da­mals Frak­tur zu­ge­mu­tet wur­de, auch 'alt­deut­sche Schrift' ge­nannt. Die hat­ten die Nazis im Zug ih­rer Er­obe­rung Eu­ro­pas doch längst ab­ge­schafft ge­habt, sie sei, so der völ­ki­sche Hoch­mut, al­len au­ßer den Men­schen von 𝔱𝔢𝔲𝔱­𝔰𝔠𝔥𝔢𝔪 𝔊𝔢­𝔟lü­𝔱𝔥𝔢 nicht zu­mut­bar.

Mein Va­ter durf­te als Kind da­her gleich zwei­mal schrei­ben ler­nen. Nach ei­ner kur­zen Netz­re­cher­che ha­be ich auch das Da­tum: 3.1.1941. Die­se Herr­schaft­en be­zeich­ne­ten die Let­tern üb­ri­gens als "go­ti­sche Schrift", so wie sie heu­te auf Fran­zö­sisch noch hei­ßen, let­tres go­thi­ques.

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Il­lus­tra­tio­nen:
L. Bo­de­vin, P. Isler, Collec­tion
Deutsch­land, Vol. 1, Mas­son et Cie., Pa­ris
Schrift: www.font-ge­ne­ra­tor.de
Merci beau­coup à Di­dier Schei­be et à son épo­use !

Montag, 1. April 2024

Montagsschreibtisch (36)

Schreibtisch unter Ahnenbildern, auf dem Tisch steht auch ein Inhalator
Arbeiten unter Aufsicht
Bon­jour & hel­lo! Sie sind auf den Sei­ten ei­nes di­gi­talen Ta­ge­buchs aus der Welt der Spra­chen ge­lan­det, das es seit 2007 gibt. Was Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ma­chen, aber auch Über­set­ze­rin­nen und Dol­met­scher, be­schrei­be ich hier in loser Fol­ge. Ich bin Teil zwei­er gro­ßer Netz­wer­ke. Die­ses Früh­jahr sind wir wie­der im Auf­trag von Kun­d:in­nen un­ter­wegs. Noch herrscht nach­öster­li­che Ru­he.

Auf dem Schreib­tisch die­se Wo­che:
⊗ Lek­to­rat für einen Do­ku­men­tar­film über Anne Frank
⊗ Agro­forst­wirt­schaft / l'agro­fo­res­te­rie
⊗  Länd­li­che Ent­wick­lung in West­afri­ka
⊗ Ab­la­ge

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Foto: C.E.

Sonntag, 31. März 2024

Piepmatzrabatz

Ob zu­fäl­lig oder ge­plant: Sie sind mit­ten in ei­nem di­gi­ta­len Ta­ge­buch aus der Ar­beits­welt der Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen ge­lan­det, das seit 2007 be­steht — in In­ter­net­jah­ren ge­rech­net seit ewig. Ich dol­met­sche mit Deutsch als Mut­ter­spra­che be­vor­zugt in die fran­zö­si­sche Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Sonn­tags wer­de ich hier pri­vat.

Nach Ar­beits­ta­gen und -wo­chen vol­ler an­spruchs­vol­ler Her­aus­for­de­run­gen er­ho­le ich mich ger­ne in der Som­mer­er­wei­te­rung meiner Woh­nung, dem Bal­kon, sit­ze auf der Kom­post­kis­te oder ha­be die Pfo­ten in der Er­de, die Na­se an der fri­schen Luft.

Hier noch un­be­sucht: neu­e Be­wäs­se­rung
Bald wächst hier wie­der al­les kreuz und quer! Aber jetzt putze ich, dann mische ich Hu­muserde aus mei­nem Kom­post un­ter die Bal­kon­kas­ten­erde. Die dunkle, krü­me­lige Mi­schung ver­spricht meinen Pflan­zen eine gute Nähr­stoff­ver­sor­gung.

Da­bei höre ich dem Zwit­schern der Vö­gel um mich herum, Piep, Piep, Tschilp, Tschilp, Au­tos gibt es heute Mor­gen nur we­nige auf der Straße, nur ei­ni­ge Be­trun­kene fluchen tor­kelnd nach­hause. Die meis­ten Bäu­me sind noch kahl, hier und da sprie­ßen die ers­ten Blätt­chen. Das wich­tigs­te an den Bäu­men ist die Luft zwi­schen den Blät­tern, fällt mir wie­der mal auf. Noch seh­en wir durch Bäu­me hin­durch.

Da­bei höre ich nur Zwit­schern der Vö­gel um mich herum, Piep, Piep, Tschilp, Tschilp, Au­tos gibt es heute Mor­gen kaum auf der Stra­ße, nur zwei Be­trun­kene flu­chen tor­kelnd nach­hause. Die meis­ten Bäu­me sind noch kahl, hier und das ers­te Grün. Das wich­tigs­te an den Bäu­men ist die Luft zwi­schen den Blät­tern, fällt mir wie­der mal auf. Noch seh­en wir durch die Bäu­me hin­durch.

Auf dem Markt habe ich ei­ni­ge Ol­las ge­kauft, die tra­di­tio­nel­len Be­wäs­se­rungs­krüge aus Ton. Ich grabe sie in Blumentöpfe und -kä­sten ein, damit ich nach lan­gen Ar­beits­ta­gen und Tan­go­aben­den nicht im­mer ans Wä­ssern den­ken muss (die lie­ben Mit­men­schen über­las­sen mir das im­mer)!

Rasch die Er­de ange­feuch­tet und gleich auch et­was Saat­gut ver­teilt; einen Kaf­fee im "Jrünen" spä­ter geht's in die Kü­che zu an­deren Auf­gaben. Als al­les kö­chelt, schaue ich noch­mal aus dem Bal­kon­fen­ster raus. Was muss ich sehen?

Auf dem Bal­kon fin­det ein ve­ri­tab­les Fa­mi­lien­tref­fen statt! Ein Dut­zend Piep­mätze sitzt fröh­lich auf der Blu­men­topf­er­de, macht gro­ßen Ra­batz und lässt sich da­bei das Fest­mahl schmecken. Die Ol­las mit ih­ren noch ge­öff­ne­ten Fla­schen­häl­sen bie­ten eine ide­ale Vo­gel­trän­ke! Wenn die Mi­nia­tur­flug­sau­rier da drau­ßen so wei­ter­ma­chen, sind die Sa­men weg, bevor sie über­haupt eine Chan­ce hat­ten zu kei­men.

Ich las­se der Na­tur erst­mal ih­ren Lauf in der Hoff­nung, dass trotz der hun­grigen Vö­gel ei­ni­ge Sa­men­körn­chen kei­men und den Weg ans Ta­ges­licht fin­den werden. Ich könn­te auch die Kette mit den alten, CD-ar­ti­gen Da­tens­pei­chern aus der Kis­te ho­len, mal wieder vor dem Bal­kon­fen­ster auf­hän­gen und neu sä­hen.

Und ja, ich ge­be es zu, den gan­zen Blog­ein­trag ha­be ich nur we­gen eines Wor­tes ge­schrie­ben: Piep­matz­ra­batz.

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Foto: C.E.