Sonntag, 22. Februar 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Treppe, Jalousien, Fenster, Garten im Winter
Herz­lich Will­kom­men!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für schrif­tl­iche Ar­bei­ten? Nach vielen Jah­ren in Frank­reich und den ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dien sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen und ar­bei­te auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft und Kul­tur, Land­wirt­schaft, krea­ti­ve Pro­jek­te, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie und Me­dien so­wie Ki­no, vom Ex­po­sé über Dreh­buch und Pro­duk­tions­dos­sier bis zum Pres­se­heft. Als aus­ge­bil­de­te Jour­na­lis­tin kann ich auch Text­ar­beit an­bie­ten — mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Zur „Autowaschanlage“

Die Prob­le­me, die uns die so­ge­nann­te Künst­li­che In­tel­li­genz bringt, sind al­le wis­sen­schaft­lich er­kannt, be­schrie­ben und es wird vie­ler­orts ge­warnt. Trotz­dem glau­ben die Leu­te all­zu oft, dass die KI ei­ne ein­fa­che Lö­sung dar­stel­len wür­de, weil sie es ger­ne so hät­ten. Sie möch­ten be­tro­gen wer­den. (Ich ka­pier's nicht.)

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Schrift­lich ar­bei­te ich meis­tens auf Deutsch. Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die Ar­beit und zwar so, dass die Si­tu­a­tio­nen klar er­kenn­bar sind, nicht aber die Be­tref­fen­den. Im Schat­ten der Ber­li­na­le bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. Da ich ge­ra­de viel im Ki­no bin, kom­me ich noch­mal kurz auf mei­nen Bei­trag von ges­tern zu­rück.

Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren?

ChatGPT: Ganz klar zu Fuß, das ist um­welt­scho­nen­der.

Was ist ges­tern bei dem Bei­spiel­text pas­siert? Die KI bleibt am En­de ei­nes Sat­zes ste­hen, geht dann zum nächs­ten über und ver­peilt man­gels Le­bens­er­fah­rung die Si­tu­a­ti­on. Sie ver­schiebt den Kon­text, da­mit ih­re Ant­wort „funk­tio­niert“. Was sie pro­du­ziert, wirkt auf den ers­ten Blick ko­hä­rent.

Ale­xan­der­bär
In der KI-For­schung wird von si­tu­a­ted cog­ni­ti­on ge­spro­chen. Den Be­griff ken­ne ich aus der Lern­theo­rie. Situated cognition be­schreibt in der Theo­rie, wie Ler­nen durch so­zia­le In­ter­ak­ti­on und prak­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten statt­fin­det, vor­zugs­wei­se in rea­len Kon­tex­ten. Die Si­tu­a­ti­on im di­gi­ta­len Raum wird wei­ter er­forscht. Die ei­ge­ne Kör­per­lich­keit, der kul­tu­rel­le Hin­ter­grund und so­zia­le As­pek­te ste­hen hier im Mit­tel­punkt.

Die­se so­zia­le Kom­po­nen­te wird im Ler­nen oft un­ter­schätzt, vor al­lem von den jun­gen Leu­ten, bei de­nen Cool­ness noch im­mer an­ge­sagt zu sein scheint (hier mein Rant da­zu). Da­bei müs­sen wir Men­schen mit Herz und See­le bei et­was da­bei sein, da­mit es uns er­reicht.

Wo­bei wir wie­der bei der KI sind. Sie hat we­der ein Herz noch (ei­ne wie auch im­mer de­fi­nier­te) See­le, kei­nen Kör­per, kei­ne Er­fah­rung im Raum oder in so­zia­len Zu­sam­men­hän­gen.

Die KI ist Sta­tis­tik in ac­tion. Sie kann Sät­ze fort­set­zen und weiß nicht, ob sie über­haupt sinn­voll sind. Ich hat­te ges­tern au­to com­ple­te on speed zi­tiert. Die Wis­sen­schaft spricht von au­to­re­gres­si­ve mo­dels: Die Ge­rä­te sa­gen die nächs­te Kom­po­nen­te in ei­ner Se­quenz vor­her und stüt­zen sich da­bei auf frü­her ge­ge­be­ne oder in Trai­nings­ma­te­ri­al ent­hal­te­ne In­for­ma­tio­nen.

Und Iro­nie, Ab­sur­des (wie mei­ne Fra­ge), der be­wuss­te Clash von Spra­che­be­nen, Stil und in­halt­li­che, kul­tu­rel­le Fein­hei­ten: Fehl­an­zei­ge.

Die KI baut sich ih­ren Ent­schei­dungs­baum, sie ar­bei­tet ihn stur ab und glät­tet da­bei Wi­der­sprü­che und De­tails, was für Kon­fe­ren­zen al­les an­de­re als ziel­füh­rend ist. Sie ver­schiebt den Sinn, um ei­ne plau­si­ble Ant­wort lie­fern zu kön­nen.

In der For­schung heißt das Se­man­tic drift: Be­deu­tungs­ver­schie­bun­gen, da­mit die sta­tis­ti­sche Ko­hä­renz „funk­tio­niert“. Hier wird nichts ver­stan­den, hier wird plau­si­bel hal­lu­zi­niert.

Noch ein Fach­be­griff: Epis­te­mic opa­ci­ty. Die KI weiß nicht, wa­rum sie et­was sagt, kann ih­re "Ent­schei­dun­gen" auch nicht be­grün­den. Dann hal­lu­zi­niert sie lie­ber, oh­ne Leer­stel­len zu lie­fern, Fach­be­griff AI hal­lu­ci­na­tions. Ihr fehlt der Ge­samt­über­blick, the big pic­tu­re, la vi­sion d'en­sem­ble, Wis­sen um das gro­ße Gan­ze, das wird Con­text star­va­tion ge­nannt.

Last but not least greift in vie­len Fäl­len, ich sprin­ge zu­rück zu "übel­setz­ten" Kon­fe­ren­zen, auch noch der Au­to­ma­ti­on bi­as, wenn das ge­neig­te Pu­bli­kum der Ma­schi­ne mehr glaubt als den ei­ge­nen Zwei­feln. Men­schen wer­den im­mer be­que­mer, nei­gen zu Träg­heit, ver­ges­sen, Fak­ten zu prü­fen oder zu hin­ter­fra­gen.

Und dann stellt sich die Fra­ge der Ver­ant­wor­tung. Die KI über­nimmt sie nicht, die Dienst­leis­ter, die die Tech­nik als Wun­der­ma­schi­ne an­prei­sen, auch nicht.

So schnell macht sich je­mand lä­cher­lich, ist Re­pu­ta­ti­on ver­spielt. Es kos­tet Geld, Ima­ge oder Fehl­ent­schei­dun­gen zu re­pa­rie­ren.

Des­halb ist hier im­mer der Ein­satz mensch­li­cher In­tel­li­genz nö­tig, die er­gänzt, die aber vor al­lem im Vor­feld be­reits ent­schei­det, ob der Ein­satz der KI über­haupt sinn­voll ist. Die KI ver­bie­tet sich, wenn sen­si­ble In­for­ma­tio­nen, Wirt­schafts­ge­heim­nis­se, Pa­ten­te oder stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen im Spiel sind. Für al­les an­de­re bleibt die KI ein Werk­zeug. Den Maß­stab bil­den wir Men­schen. 

Ber­li­na­le­ta­ge: Ganz wun­der­ba­re Fil­me ge­se­hen und ei­nem un­ter­ir­di­schen und ei­nem her­vor­ra­gen­den Film­ge­spräch zu­ge­hört, je­weils auf Eng­lisch ge­führt, beim ers­ten Mal in dop­pel­ter Fremd­spra­chig­keit, beim zwei­ten Bei­spiel in 1,5-fa­cher Fremd­spra­chig­keit. (Die Mo­de­ra­to­rin hat schon als Kind in Eng­land ge­lebt, nur ihr Ak­zent schim­mert noch durch.)

Die bei­den bes­ten Fil­me bis­lang für mich, je­der auf sei­ne ei­ge­ne Wei­se: "Take me home" und "Die Blut­grä­fin". In bei­den Fäl­len wä­re mit KI als Stand alo­ne-Tech­nik hier kein Blu­men­pott zu ge­win­nen ge­we­sen, denn mensch­li­che Nä­he, Gren­zen, Kul­tur, Hin­ter­grund­wis­sen, vi­su­el­le Iro­nie und Stil­über­schrei­tun­gen kann die Ma­schi­ne nicht, ja der­lei scheut die­se Tech­nik oft wie der Teu­fel das Weih­was­ser.

Thank you very much, Liz and An­na Sar­gent, vie­len Dank, Ul­ri­ke Oet­tin­ger, mer­ci beau­coup, Isa­bel­le Hu­p­pert !

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Fo­to: aus C.E.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Philosophisch fragwürdig

Bon­jour & hel­lo! Hier schreibt ei­ne Wort­schub­se! Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen, ich schub­se Wör­ter. Die All­ge­mein­heit nimmt uns Si­mul­tan­d­ol­met­sche:rin­nen ähn­lich sel­ten wahr wie die Pro­fis im Gas­traum ei­nes Flug­zeugs (oft ab­schät­zig „Saft­schub­se“ ge­nannt). Aus Ig­no­ranz ent­steht da­bei zu oft Gleich­gül­tig­keit. Wir ha­ben lan­ge Aus­bil­dungs­zei­ten, im Schnitt 7,5 Jah­re, per­fek­tio­nie­ren Spra­che, Kul­tur, Fach­ge­bie­te, Me­tho­dik und Be­rufs­kun­de, da­zu kom­men As­sis­ten­zen. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Neu­lich bei ei­nem Ber­li­na­le­emp­fang (bei dem ich aus Grün­den wohl aus­ge­la­den wur­de): Die KI lie­fer­te „Un­ter­ti­tel“ zu ei­ner live ge­hal­te­nen Re­de und der Aus­wurf der Ma­schi­ne war vol­ler Feh­ler und Pein­lich­kei­ten. Aber ir­gend­wie hat nie­mand rich­tig hin­ge­se­hen. Wer wird schon je­ne kri­ti­sie­ren, die ei­nen ge­ne­rös zum Es­sen oder auf Kaf­fee und Ku­chen ein­la­den?

Im Nach­hi­nein be­frag­te Leu­te mein­ten sinn­ge­mäß und nicht oh­ne Schmun­zeln: „Wir ken­nen die Re­den von G. be­reits, und die Ge­mein­plät­ze bei sol­chen An­läs­sen be­herrscht die Ma­schi­ne meis­tens gut.“ Dass aus Arte prompt „Arty“ wird, liest sich wie ei­ne Pe­ti­tes­se. Da­bei hat nie­mand auf dem Schirm, dass „Arty“ noch schnel­ler zu „Darty“ wird, der bri­ti­sche Haus­halts­ge­rä­te­händ­ler, der neu­er­dings Ber­li­na­le-Emp­fän­ge spon­sert. Na, pri­ma!

Und nein, die KI kann nicht dol­met­schen, LLMs kön­nen es nicht, und selbst wenn, wä­re es ge­fähr­lich für die De­mo­kra­tie, al­les par­tout aus­la­gern zu wol­len. War­um soll­ten sich Sprach­un­kun­di­ge mit 80 Pro­zent des ge­spro­che­nen Worts (oft in fal­scher Rei­hen­fol­ge, d.h. mit fal­schen Be­zü­gen) zu­frie­den­ge­ben, gar­niert mit 20 Pro­zent Vo­la­ti­lem: Leer­stel­len, von der KI Er­fun­de­nem oder eben Arty. 

War­um sol­len wir mög­li­cher­wei­se auch stra­te­gi­sche In­for­ma­tio­nen den gro­ßen Da­ten­kra­ken an­ver­trau­en? War­um sol­len wir die Gel­der, die sonst Men­schen in Eu­ro­pa zu­ge­flos­sen sind (und die als Kauf­kraft und Steu­ern hier ver­blie­ben sind), den Tech-Gi­gan­ten (vor al­lem in Über­see) zu­spie­len, die aus Geld­über­fluss und Selbst­über­schät­zung die De­mon­ta­ge der west­li­chen Welt fi­nan­zie­ren?

Dol­met­schen ist Ver­trau­ens­ar­beit, und noch nie ist ei­ne Do­lm­etsche­rin, ein Dol­met­scher, fer­tig vom Him­mel ge­fal­len. Die ve­rmeint­lich „ein­fa­chen“ Ein­sät­ze mit ih­ren Tisch­re­den, Höf­lich­kei­ten und Ge­mein­plät­zen sind für den Nach­wuchs ein Übungs­feld, um mit Lam­pen­fie­ber zu­recht­zu­kom­men, und sie ent­schä­di­gen auch uns Ge­stan­de­ne für an­de­re Ein­sät­ze, bei denen oft die (nicht ver­gü­te­te) Vor­be­rei­tung sehr auf­wän­dig ist, al­so in Sum­me gna­den­los un­ter­be­zahlt.

Die Sa­che mit den „al­ter­na­tiv­lo­sen“ KI-„Über­set­zern“ ist al­so nicht mo­dern und ef­fi­zi­ent, son­dern tech­nik­ver­liebt, un­zu­läng­lich und de­mo­kra­tie­feind­lich. Die KI über­nimmt auch kei­ne Ver­ant­wor­tung, nicht für ihre Er­geb­nis­se, nicht für even­tu­ell nö­ti­ge Re­pa­ra­tur­kos­ten. Die KI ist im wahrs­ten Wort­sin­ne ver­ant­wor­tungs­los. Nicht mehr und nicht we­ni­ger.

Die so­ge­nann­te KI ist nur künst­lich, aber kei­ne In­tel­li­genz. Das gro­ße, was­ser- und ener­gie­ver­schlin­gen­de Sys­tem ist das nichts an­de­res als ein enormes Auto com­ple­te. Sie ken­nen das vom Han­dy, wo wie von Geis­ter­hand Wör­ter fer­tig­ge­schrie­ben wer­den, die oft ge­nug falsch sind oder beim Tip­pen selbst nerv­tö­tend im­mer wie­der Be­grif­fe „fehl­kor­ri­gie­ren“. Ei­ner nann­te die KI mal auto com­ple­te on speed, ei­ne ge­dop­te au­to­ma­ti­sche Wort­ver­voll­stän­di­gung.

Und die KI ist der­zeit ein be­lieb­tes Spiel­feld für In­ves­tor:in­nen. Ei­ne enor­me Bla­se hat sich ge­bildet, die dem­nächst laut plat­zen wird. War­nung an die Po­li­tik: Haut sie nicht raus auf Kos­ten al­ler. Es ha­ben ge­nü­gend Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Pro­gram­mie­rer ge­warnt.

Die ge­kop­pel­ten Ma­schi­nen kön­nen nicht den­ken, da­her feh­len oft Sinn­zusam­men­hän­ge, die über das Satz­en­de hin­aus­ge­hen. Die KI ver­ar­bei­tet Zei­chen­ket­ten, re­pro­du­ziert be­kann­te Mus­ter. Da­her „kann“ sie oft Ge­mein­plät­ze, ver­sagt aber be­son­ders bei Neu­em und Au­ßer­ge­wöhn­li­chem, was ja die Gründe fürs Ausrichten von Kon­fe­ren­zen überhaupt sind.

Die KI weiß nichts von Sprech­ab­sich­ten, die KI denkt oft auch nicht über den Punkt hin­aus. Na­tür­lich lässt sich viel ver­bes­sern mit gu­ten Brie­fings und Hin­ter­grund­in­fos. Aber wol­len Sie tat­säch­lich ei­ne Mit­ar­bei­te­rin/ei­nen Mit­ar­bei­ter ta­ge­lang Prompts üben las­sen, ei­ne Tech­nik­bu­de teu­er be­zah­len und am En­de dro­hen Pein­lich­kei­ten?

Die KI „rech­net“ zu­dem nicht mit der Feh­ler­an­fäl­lig­keit der Men­schen, mit Nu­scheln, Dia­lek­ten, kör­per­li­chen Be­son­der­hei­ten, Fehl­be­to­nun­gen, ver­tausch­ten Wör­tern oder la­p­sus lin­guae.

Als Zu­schau­er:in ken­nen Sie die „Fehl­le­sun­gen“ und Fehl­leis­tun­gen von au­to­ma­tisch ge­ne­rier­ten Un­ter­ti­teln, wie sie bei You­Tube, aber auch an­de­ren An­bie­tern, so­gar teu­er be­zahl­ten, an der Ta­ges­ord­nung sind (ich sa­ge nur Net­flix). Wenn mangelhafter Krem­pel dann wei­ter­über­tra­gen wird, wer­den die Feh­ler fort­ge­schrie­ben. Am En­de kommt stel­len­wei­se gro­ber Dop­pel­murks her­aus, und wenn der Text noch in ein Sys­tem Text to voice hin­ein­ge­ge­ben wird, ha­ben wir das nächs­te Ein­falls­tor für Feh­ler und die Ver­grö­ße­rung der Be­ste­he­nden. Und der Murks der einen KI, ih­r Aus­wurf, wird von der anderen KI dann als „neu­es“ Trai­nings­ma­te­ri­al verstoffwechselt.

Ein durch die KI er­zeug­ter Tipp­feh­ler im Un­ter­ti­tel, der auf dem durch­schnitt­li­chen Mo­ni­tor we­ni­ger als ei­nen Zen­ti­me­ter groß ist, er­reicht auf der Lein­wand (ab­hän­gig von de­ren For­mat, of cour­se) dann Ma­ße zwi­schen Hand­tel­ler und Schul­li­ne­al. Er fällt al­so auf.

Hier als Raus­schmei­ßer noch ei­ne lus­ti­ge Fra­ge und, *räus­per*, wohl­feil un­ter­mau­er­te Ant­wor­ten. He­lau! (Ach nee, heu­te ist ja Ascher­mitt­woch.)

Ca­ro­li­ne Elias: Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren? ChatGPT: Ganz klar: zu Fuß. Wenn Du mit dem Au­to fährst, wird Dein Au­to auf den ers­ten 100 Me­tern noch schmut­zi­ger. Zu Fuß bleibt der Schmutz­grad kon­stant. Das ist lo­gi­scher und um­welt­scho­nen­der. Al­les an­de­re ist phi­lo­so­phisch frag­wür­dig.

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Gra­fik:
ChatGPT

Dienstag, 17. Februar 2026

Globish (mal wieder)

Bon­jour und hal­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on und den Um­gang mit uns. Wir sind auf ei­nem Tief­punkt an­ge­langt.

Kuchen unter Glasglocken im Kerzenschein
Ge­burts­tags­ku­chen für einen Blog
Ei­gent­lich hat­te ich ge­ra­de mei­nen ei­ge­nen Fei­er­tag: Die­ser Blog be­steht ges­tern seit 19 Jah­ren! Er ent­stand auf der Ber­li­na­le in ei­ner Zeit, als es noch „das Blog“ hieß. Da­mals Pio­nie­rin, bin ich heu­te eine der letzten Mo­hi­ka­ner:in­nen ;-) …

Und wie alle x Jah­re stel­le ich mir auch heu­te die Fra­ge: wei­ter­ma­chen oder auf­hö­ren? Das Zwan­zigs­te geb' ich mir noch! Das wa­ren jetzt zwei Kom­men­ta­re zum Blog­gen!

Trauri­ge Be­ob­ach­tung: Die Ent­pro­fes­sio­na­li­sie­rung des Dol­met­sch­be­rufs schrei­tet mun­ter vo­ran. Grund­sätz­lich kommt der Nie­der­gang von au­ßen. Die ver­meint­li­che Lin­gua Fran­ca, das „Glo­bish“, hat ih­ren An­teil da­ran. Die Kri­se ver­flacht die Dis­kur­se.

Das zweite Problem ist die Technik: Die KI mit ih­ren „Wun­der­lö­sun­gen“ schei­tert oft gran­di­os, dann wer­den rasch Eng­lisch­teams zu­sam­men­ge­sucht, auch und be­son­ders bei lau­fen­den Kon­fe­ren­zen, um ein trag­fä­hi­ges Mi­ni­mal­an­ge­bot si­cher­zu­stel­len. Eng­lisch ist auch die Re­dun­danz, wenn das Preis­dum­ping da­zu ge­führt hat, dass die ein­be­stell­ten (Un)Kol­le­gin­nen, die da mit­ma­chen, nicht aus­rei­chend qua­li­fi­ziert sind.

Denn zu den prak­ti­schen Fä­hig­kei­ten hin­zu sind beim Dol­met­schen für Film­leute vie­le Kennt­nis­se ge­fragt, und zwar gleich aus meh­re­ren Be­rei­chen der Film­her­stel­lung, von der Stoff­ent­wick­lung über die Team­bil­dung, die Ka­me­ra­ar­beit (Auf­lö­sung, Ein­stel­lungs­grö­ßen, Blen­den­wer­te), Fra­gen von Schnitt, Soft­ware, End­fer­ti­gung, aber auch Dra­ma­tur­gie, Äs­the­tik, Aus­stat­tung, … ich weiß nicht, wie­ vie­le tau­send Wör­ter das sind. Ich ha­be sie ge­lernt in der Pro­duk­ti­ons- und Re­gie­as­sis­tenz, die ich als re­cher­chie­ren­de Jour­na­lis­ten jah­re­lang ne­ben der fremd­spra­chi­gen Be­treu­ung von Drehs in Frank­reich oder fran­zö­si­schen Drehs in Deutsch­land ge­macht ha­be, pa­ral­lel da­zu 20 + Jah­re auf der Ber­li­na­le.

Und so­gar mir feh­len manch­mal noch De­tail­be­grif­fe, weil sich die Film­her­stel­lung durch die Tech­nik stän­dig ver­än­dert. Ich fri­sche je­des Jahr auf. Lei­der er­lebe ich immer öf­ter, dass ich von Leu­ten er­setzt wer­de, die die üb­li­chen Sät­ze gna­den­los un­ter­bie­ten. Preis­dum­ping ist das Er­geb­nis ei­ner dop­pelten Fehl­ein­schät­zung: „Ich ge­he oft ins Ki­no, ken­ne mich aus, und es ist ja ‚nur‘ Kul­tur“.

Wenn, weil das Dol­met­schen dann nicht „fließt“, die Pres­se­in­ter­views in den Ho­tels schließ­lich auf Eng­lisch fort­ge­setzt wer­den, weil die In­ter­view­‚slots‘ nur 20 Mi­nu­ten lang sind, kann ich das gut ver­ste­hen. Die preis­dum­pen­de Dol­met­sche­rin denkt: „Die kön­nen gut ge­nug Eng­lisch, die spre­chen jetzt in ih­rer Wunsch­spra­che.“ Die Krea­ti­ven den­ken: „Scha­de, dass die­se Dol­met­sche­rin das Wis­sen nicht hat.“ Die Pres­se­agen­tur denkt: „Das nächs­te Mal spa­ren wir den Pos­ten ‚Sprach­mitt­lung‘, wenn die sich auf Eng­lisch gut be­hel­fen kön­nen.“

Als Re­dun­danz von „KI-Dol­metsch-De­sas­ter“ und von schlech­tem Dol­met­schen ist in bei­den Fäl­len Eng­lisch die ver­meint­li­che Uni­ver­sal­spra­che. Doch die De­tails ge­hen da­bei zu oft flö­ten. Und die Stim­me ist ein we­sent­li­cher Teil des Kör­per­li­chen, da­her lie­ben ech­te Ci­né­as­ten ja Un­ter­ti­tel. War­um müs­sen sich die Krea­ti­ven jetzt un­be­dingt al­le auf „Glo­bish“ selbst „syn­chro­ni­sie­ren“, um es mal sa­lopp zu sa­gen?

Ich ru­fe hier­mit den Wunsch in den gro­ßen Raum hin­ein: Be­sinnt Euch auf die kul­tu­rel­len Fein­hei­ten! Spra­che, ge­spro­che­ne Spra­che, Un­ter­ti­tel, das Art­work mit Buch­sta­ben drauf (Pres­se­heft, aber auch im Vor­feld: Pro­jekt­map­pe zur Ein­rei­chung) sind Eu­re Vi­si­ten­kar­ten und die Vi­si­ten­kar­ten des Films. Und da­mit auch Teil sei­ner künst­le­ri­schen und wirt­schaft­li­chen Wir­kung. Ihr druckt das doch auch nicht auf Klo­pa­pier, oder?

In der her­stel­len­den In­dus­trie ke­hren ge­ra­de die ers­ten Kund:in­nen zu­rück, die ha­ben ver­stan­den, was Profis wert sind. Da in den letz­ten Jah­ren vie­le aus dem Dol­metsch­be­ruf ge­flo­hen sind, kön­nen wir dem­nächst die Prei­se selbst be­stim­men.

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Fo­to: C.E.
Tags: #Ber­li­na­le2026 #1nt #xl8

Montag, 16. Februar 2026

Montagsschreibtisch (127)

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Hamburg, Lille, Köln oder an­ders­wo. 

Hier be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch sowie dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert.

Two Ladies and a Clown
Kar­ne­val 1926
So kalt wie die­se war lan­ge kei­ne Ber­li­na­le mehr, und jetzt auch noch Schnee! Wie oft liegt das Fes­ti­val in der Fa­schingszeit. Am Mor­gen prompt ei­nen Clown ge­se­hen, der es so schnell nicht ins Kino ge­schafft hat. Er muss­te vie­le Sel­fies mit ei­ner Grup­pe Asiat:in­nen ma­chen. Das hat mich an das Fo­to rechts er­in­nert!

Auf dem Mon­tags­schreib­tisch:
❦ An­ge­bot schrei­ben
❦ Ter­mi­ne planen
❦ Film­ex­po­sé Kor­rek­tur le­sen;
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung er­stel­len

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Samstag, 14. Februar 2026

Hintergrundarbeit

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie lesen hier im Blog ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che. Ich übersetze auch, und Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Ich schrei­be hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen, De­le­ga­tio­nen oder im Filmkontext. Ge­ra­de läuft die Ber­li­na­le, die in diesem Jahr et­was an­ders ist für mich als frü­her.
   
Wäh­rend die ers­ten Ver­leih­fir­men, Tech­nik­bu­den, Film­produktionsfirmen usw. ih­re Ber­li­na­le­früh­stücke ver­an­stal­ten, sit­ze ich am Vor­mit­tag am Schreib­tisch an zwei Tex­ten: Grund­la­gen­pa­pier und Pro­jekt. Das Zoom-Ge­spräch vor­ges­tern war sehr er­gie­big, zum Glück den­ke und schrei­be ich schnell.

Das Ge­sprä­ch musste ich aus­wärts ein­schie­ben, letz­ten Freitag: Am Ver­an­stal­tungs­ort von Mit­glie­der­ver­samm­lung und Em­pfang des Do­ku­men­tar­film­ver­bands AG DOK, ei­nem Co­wor­king-Space, gibt es im Un­ter­ge­schoss Te­le­fon­bo­xen, und auf die Schnel­le hat­te ich mich schon auf der Trep­pe auf dem Mo­bil­te­le­fon ins Ge­spräch ein­ge­loggt. „Man muss sich nur zu hel­fen wis­sen“, sag­te mei­ne klei­ne Oma im­mer, „Omaus“, ge­nannt. Und das ha­be ich von ihr ge­lernt: Zack!, meine im­pro­vi­sier­te Ar­beits­sta­tion, mit dem al­ten Pri­vat­han­dy fo­to­gra­fiert. Eh­re, wem Eh­re ge­bührt!

Ei­nen An­teil an der Schnel­lig­keit in Sa­chen Ideen­fin­dung hat si­cher aber auch mein Dol­metsch­be­ruf. Wir sind ja da­rauf trai­niert, fix Lö­sun­gen zu fin­den, die wie hier im wahrs­ten Wort­sin­ne trag­fähig sind.

Das Holz ist der ein­fachs­te, leich­tes­te Lap­top­stän­der der Welt und heißt „it stood“
Nach­mit­tags ging es zu einer Pres­se­kon­fe­renz ins Rote Rat­haus, dann ins Ki­no.

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Fo­tos: C.E.

Freitag, 13. Februar 2026

Rennstrecke (1)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te. Hier nur kur­ze Fuß­no­ten zur Ber­li­na­le 2026.

Groß­ar­ti­ger Sit­zungs­saal in ei­nem ehe­ma­li­gen Um­spann­werk (Strom)
Der Saal kurz vor Ver­an­stal­tungs­en­de
Wäh­rend an­ders­wo der Kar­ne­val tobt, step­pt in der deut­schen Haupt­stadt der Ber­li­na­le­bär.
Vor­mit­tags: ler­nen im Büro für ei­nen Ein­satz zur in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit und Men­schen­rech­te, nach­mit­tags: eben je­ner Ter­min, spä­ter Nach­mit­tag: Ver­bands­tref­fen, neue Hin­ter­grün­de ler­nen und von Trends er­fah­ren.
Wich­tig ist aber auch die Kon­takt­ar­beit!

A­bends dann: klei­ner Emp­fang, ge­folgt von noch ei­ner Zoom-Sit­zung, wo es um Ak­ti­vi­tä­ten zur Hu­man In­tel­li­gence ver­sus KI geht, dann noch um die Ecke zum Emp­fang ei­nes Film­ver­leihs.

Ich bin auf der Ber­li­na­le und ma­che das, was wich­tig ist: In­ter­es­sens­ver­tre­tung, und ich dol­met­sche auch auf Zu­ruf.

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Fo­to: C.E. / der Ort heißt BuM

Donnerstag, 12. Februar 2026

Berlinaledolmetschen 2026

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Sprach­mitt­le­rin. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch … und Film. Auf die­sen Sei­ten er­zäh­le ich re­gel­mä­ßig so, dass man nicht im­mer die Be­tref­fen­den er­kennt, da­für aber die Si­tu­a­tio­nen. Heu­te: Ber­li­na­le. Im Schat­ten des gro­ßen Events bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. 

Un­sicht­bar: Das wird die­ses Jahr auf dem Blog so blei­ben. Nur kur­ze Sta­tus­mit­tei­lun­gen, kein Hin­ter­grund, mir fehlt die Zeit, die ich mir vor Jah­ren noch ge­nom­men hat­te ... bzw., klei­ner Blick ins Näh­käst­chen: Ich hat­te einst Stü­cke vor­pro­du­ziert, die wie­der­keh­ren­den Mo­men­te schon be­schrie­ben, be­vor das Fes­ti­val über­haupt er­öff­net war, und die­se Tei­le dann ak­tua­li­siert!

Berlinale-Bär, vom Inneren des „Festivalpalasts“ aus gesehen
POV der Dolmetscherin kurz vor Filmstart
So ar­bei­ten Me­di­en ja auch. Im Erst­be­ruf war ich Jour­na­lis­tin, und mit Ma­te­ri­al im Steh­satz lässt sich gut blog­gen und auch Zu­sa­gen ma­chen, wie mein täg­li­ches Ber­li­na­le-Ge­flüs­ter auf UEPO aus dem Jahr 2009: Hier geht's zum ers­ten Bei­trag der Rei­he.

Was steht die­ser Ta­ge an? Die Ber­li­na­le hat noch un­ter Koss­lick in un­se­re Bran­che fies rein­ge­metz­gert und dem Film und der Kom­mu­ni­ka­ti­on da­mit kei­nen Ge­fal­len ge­tan. Die meis­ten Film­ge­sprä­che sind in­zwi­schen auf Eng­lisch, so­gar in der Ju­gend­sek­ti­on. Das hat ab­sur­de Fol­gen, wie zum Bei­spiel vie­le Jah­re Film­kul­tur­ar­beit in ei­ner Neu­köll­ner Brenn­punkt­schu­le in we­ni­gen Mi­nu­ten durch „Klas­sis­mus“ zer­stört wor­den sind.

Das ha­be ich hier ir­gend­wo be­schrie­ben ... Mo­ment ... ach, Mist, ich fin­de den Link nicht. Kurz­fas­sung: Tee­na­ger aus Neu­kölln mit Zweit­spra­che Deutsch rät­seln über eng­li­sche Un­ter­ti­tel, die Büh­nen­spra­che ist auch EN, an­de­re jun­ge Teil­neh­mer:innen des Ju­gend­film­wett­be­werbs brüs­kie­ren sie auf of­fe­ner Büh­ne mit per­fek­tem Eng­lisch (Ju­gend­li­che von in­ter­na­tio­na­len Schu­len in Ber­lin) und stel­len sie in ge­meins­ter Wei­se bloß. Bäng! Zi­tat: „Nie wie­der dein Scheiß Kul­tur­ki­no, ab jetzt nur noch Ac­tion­fil­me!“

Vie­le Men­schen aus Ost­deutsch­land, aber auch West­ber­li­ner und West­deut­sche sind nicht so per­fect­ly flu­ent in Eng­lish; bei den Q & As, ques­ti­ons and an­swers, frü­her: Pu­bli­kums­ge­sprä­che, sind meist nur die glei­chen Per­so­nen ak­tiv, in­ter­na­tio­na­le Gäs­te, EN-Mut­ter­sprach­ler, sehr sel­ten sind die auf Deutsch oder Wa­ckel­eng­lisch ge­stell­ten Fra­gen.

Al­so ar­bei­te ich im Hin­ter­grund, mit Pro­du­zen­ten und Pres­se­leu­ten, kurz: dort, wo es für die Ver­lei­her wirk­lich auf Nu­an­cen an­kommt, denn Murks ge­fähr­det Um­sät­ze.

Und ich stel­le er­schüt­tert fest, dass ich bei vie­len In­ter­views von ei­ner Kol­le­gin aus­ge­boo­tet wur­de, die ich mal für ei­ne an­de­re Sprach­kom­bi­na­ti­on emp­foh­len ha­be, die jetzt in die und aus der Fremd­spra­che für (ver­mut­lich deut­lich) we­ni­ger als 50 Pro­zent der Ho­no­ra­re ar­bei­tet, als sie ei­gent­lich üb­lich sind. Es ist nicht ein­fach für mich, laut zu wer­den. Wir Dol­met­scher:in­nen sind ja ge­prägt vom di­plo­ma­ti­schen Par­kett.

Mein Ver­ständ­nis ist höchst ge­ring. „Wir wa­ren jung und brauch­ten das Geld“ wä­re schlimm, ist aber nicht der Fall, wenn es um eta­blier­te Kräf­te mit aus­kömm­li­chen Ren­ten­an­sprü­chen al­lei­ne durch ei­nen gut­ver­die­nen­den Gat­ten geht. Man­che ver­die­nen sich die Ex­tras für den Ur­laub hin­zu. Ich ar­bei­te für mei­nen Le­bens­un­ter­halt und mei­ne ei­ge­nen Al­ters­rück­la­gen. Bit­ter.

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Fo­to:
C.E. (Ar­chiv)