Freitag, 17. April 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

KI-Test

Notizen aus dem Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie hier in lo­se­rer Fol­ge le­sen. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te da­ne­ben auch mit der eng­li­schen Spra­che, was die Ziel­spra­che mei­ner als Über­set­ze­rin tä­ti­gen Bü­ro­kol­le­gin ist. Heu­te ein kur­zer Nach­trag zum KI-Mitt­woch.

Für die nach Per­fek­tion stre­ben­de KI sind wir Men­schen zu un­per­fekt. So kann ich mei­nen Bei­trag von vor­ge­stern zu­sam­men­fas­sen. Un­se­re Spra­che ist nicht im­mer ein­deu­tig. Bei uns Zwei­bei­nern gibt es zwi­schen Null (ein En­de) und Eins (das an­de­re En­de) ei­ne gro­ße Viel­falt an Nuan­cen, Fein­hei­ten, Un­schär­fen, Kul­tur­ab­hän­gi­gem, an Takt und di­plo­ma­ti­scher Rück­sicht­nah­me, an Nu­an­cie­rung auf­grund von Emp­find­lich­kei­ten und Ver­mei­dungs­stra­te­gien. (Die KI kennt we­der Samt­hand­schu­he noch Fett­näp­fchen.)

Manch­mal sind es ein­fach nur Ent­wick­lun­gen, die mit neu­en Be­grif­fen ein­her­ge­hen, die bei der Red­ne­rin oder beim Red­ner noch nicht kom­plett sit­zen. Kurz: Kom­mu­ni­ka­ti­on von uns Men­schen ist sel­ten so ein­deu­tig und so per­fekt, dass das Aus­gangs­ma­te­ri­al so gut ist, dass die KI kaum Feh­ler macht.

Und bei ein­fa­chen Be­grif­fen macht die KI nur we­nig Feh­ler; es ist kom­ple­xe­re Spra­che, die schwie­rig ist, Aus­nah­me­kom­mu­ni­ka­ti­on, die zu Ent­schei­dun­gen führt, und vor al­lem sind es die Si­tua­tio­nen, an de­nen die KI gerne schei­tert.

Und wo ich hier schon wie­der so viel über die Grau­be­rei­che zwi­schen Schwarz und Weiß schrei­be, darf ich auch das wie­der­ho­len, was eng da­mit zu­sam­men­hängt: nach­den­ken! Wir Men­schen den­ken län­ger nach, an­ders als die Ma­schi­ne eben auch sehr oft zwi­schen­durch, und das für ihr an­de­res Tem­po häufig pro­ble­ma­tisch.

Es gibt ei­ne neue „KI-Über­tra­gungs­funk­ti­on“ bei Zoom, ei­nem In­ter­face für Mee­tings. Sie ist in der BE­TA-Pha­se. Abon­nent:in­nen, die mit Haupt­welt­spra­chen wie Eng­lisch, Chi­ne­sisch und Spa­nisch zu tun ha­ben, be­kom­men zehn Pro­be­stun­den in­ner­halb von zwei Mo­na­ten gra­tis. Ernest Niño-Murcia, ein Spa­nisch<>Eng­lisch-Kol­le­ge, hat sie ge­tes­tet und fest­ge­stellt, was wir al­le wuss­ten: sie­he oben (und sie­he mei­ne an­de­ren Bei­trä­ge zur KI). Spra­che ist kon­text­ab­hän­gig und funk­tio­niert zwi­schen Men­schen mit ei­nem sehr ho­hen An­teil an im­pli­zi­tem Wis­sen, das in kei­nem Wör­ter­buch und in kei­ner Ab­hand­lung über Wort­bil­dung steht.

Aber Denk­pau­sen ir­ri­tie­ren die KI ma­xi­mal. Sie in­ter­pre­tiert Denk­pau­sen oft als Satz­en­de, und dann ras­selt mög­li­cher­wei­se der gan­ze Satz zu­sam­men, weil die Be­zü­ge nicht mehr stim­men. Oder aber sie macht Pau­sen, springt in ein an­de­res Idi­om, bricht mit­ten­drin ab.

Hier links der Test, Thank you, E. Niño-Mur­cia! Das Vi­deo ist auf Start beim fran­zö­si­schen Sound ein­ge­stellt (EN>FR bei 13'34'').

Mal se­hen, wann die Me­di­en auf­wa­chen. KI, hold my beer!

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Film: E. Niño-Mur­cia / TEA Lan­guage So­lu­tions

Donnerstag, 16. April 2026

The Cuckoo

Zu­fäl­lig oder ge­plant: Sie sind hier auf der Blog­seite ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin ge­lan­det. Wie wir Sprach­pro­fis ar­bei­ten, ist seit 2007 Ge­gen­stand die­ses Web­logs. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te meis­tens als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Cu­cu­lus ca­no­rus
Auch ich darf mein Eng­lisch ein­mal mehr ver­bes­sern.

Manch­mal ha­be ich mit ei­nem De­menz­kranken zu tun, der lan­ge in Lon­don ge­lebt hat. So spre­che ich mehr Eng­lisch als sonst. Und ich ler­ne eng­li­sche Kin­der­ver­se, nur­se­ry rhymes.

The Cuckoo comes in April,
In May she sings all day,
In June she changes her tune,
In Ju­ly she makes rea­dy to fly,
And Au­gust she flys away.

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Fo­to: Wi­ki­com­mons / Lo­ca­gua­pa
(with­out any chan­ges)

Mittwoch, 15. April 2026

Vielschichtigkeit

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len steht. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­ti­ons­rei­sen. Heu­te: KI-Mitt­woch!

Vogelperspektive: runder Konferenztisch
Hier geht's rund!
Auf Fran­zö­sisch bin ich une in­ter­prè­te, wört­lich: ei­ne In­ter­pre­tin. Nein, kei­ne Schau­spie­le­rin, da­für wird der Be­griff im Fran­zö­si­schen üb­ri­gens auch ge­braucht (ne­ben ac­tri­ce).
Und schon sind wir mit­ten im The­ma. Heu­te geht es um Sprach­- und Si­tua­tions­viel­falt. Ich in­ter­pre­tie­re, was ich hö­re, wäh­le in der Men­ge der mög­li­chen Be­grif­fe je­ne aus, die Sinn er­ge­ben in dem je­wei­li­gen Kon­text, bei der je­wei­li­gen Per­son, die die­se oder je­ne Sprech­ab­sich­ten hat, im­mer ab­ge­si­chert durch mein In­for­ma­ti­ons- und Vor­be­rei­tungs­ma­te­ri­al.

Denn 80 Pro­zent un­se­rer Ar­beit hängt von der Vor­be­rei­tung ab. Hier ent­steht Qua­li­tät, le­ge ich die Grund­la­gen für Aus­wahl, Ge­wich­tung, An­ti­zi­pa­tion.

Ja, aber die Ma­schi­nen wüss­ten al­les, hö­re ich Zwei­fler:in­nen an mei­nen Wor­ten ein­wen­den. Sie ha­ben al­le In­for­ma­tio­nen der Welt zur Ver­fü­gung, al­so dürf­ten sie sich doch nicht groß ver­tun! Und so­wie­so: Die Ma­schi­nen wür­den je­den Mo­nat, ja je­de Wo­che bes­ser! Es wä­re nur ei­ne Fra­ge der Zeit, und ich wä­re ar­beits­los!

Dass Com­pu­ter­sys­te­me schon sehr bald ge­spro­ch­ene und ge­schrie­be­ne Spra­che per Knopf­druck über­tra­gen kön­nen, wird min­des­tens seit den 1950-er­n geschrieben. So alt ist je­den­falls das äl­tes­te Buch über Com­pu­ter­lin­guis­tik in un­se­rer Bi­blio­thek.

Die Ma­schi­nen er­sau­fen in zu viel In­fo, jetzt kom­men auch noch die Kom­men­tar­tex­te der aso­zia­len The­men hin­zu so­wie die Aus­wür­fe der Ma­schi­ne, die sie selbst bis­her pro­du­ziert hat, denn die Mas­se des ge­schrie­be­nen Wor­tes soll welt­weit ein­mal ab­ge­gras­t sein, so­weit di­gi­tal ver­füg­bar. Und ge­nau das ist das ei­ne Pro­blem: Zu viel, zu we­nig Kon­text­dif­fe­ren­zie­rung, zu schlecht. Dann das an­de­re: Ma­schi­nen kön­nen Re­le­vanz nicht ei­gen­stän­dig de­fi­nie­ren, son­dern nur aus Trai­nings­mus­tern ab­lei­ten. Und ge­nau da kippt es in spe­zia­li­sier­ten, sen­si­blen und neu­en Zu­sam­men­hän­gen. Und wo­zu wer­den Events ver­an­stal­tet, wenn nicht für das Neue, das Be­son­de­re?

Ne­ben dem Kon­text stö­ren auch noch grund­le­gen­de Ei­gen­schaf­ten der Spra­che, zum Bei­spiel ih­re Viel­fäl­tig­keit. Beim Un­ter­ti­teln hilft uns un­se­re All­ge­mein­bil­dung, das rich­ti­ge Wort her­aus­zu­pi­cken. Wer sich mal ei­ne Wei­le mit You­Tube-Ti­teln be­fasst hat, merkt das Di­lem­ma der Ma­schi­nen, die häu­fig Ho­mo­ny­me neh­men und in Ti­tel ein­bau­en. Aber Ho­mo­ny­me klin­gen eben nur ähn­lich, be­deu­ten in der Re­gel et­was ganz an­de­res.

Kurz: Die Ma­schi­ne greift oft auf im Kon­text voll­kom­men sinn­lo­se Wör­ter zu­rück. Ist das ein Sub­stan­tiv, wird dann ger­ne auch das Nach­ste­hen­de voll­kom­men ver­frem­det, dann kip­pen die Sät­ze in Se­rie um wie die Do­mi­no­stei­ne und rei­ßen den Rest mit in den Ab­grund.

Die Tech­nik kann oft auch nicht mit Pau­sen um­ge­hen, die wir Men­schen ma­chen, mit Nach­denk- oder Blick­pau­sen, win­zi­gen Zwi­schen­fäl­len, dem War­ten auf den Po­wer­Point, mit be­son­de­ren Be­to­nun­gen. Dann kol­la­bie­ren manch­mal die Be­zü­ge, ent­ste­hen Lö­cher, legt die KI-Stim­me kurz ICE-Tempo ein, um dann in ge­mäch­li­chem Re­gio­nal­zug­tem­po wei­ter­zu­ma­chen, wenn ich die­ses als Stan­dard für die Nach­voll­zieh­bar­keit set­ze. Und na­tür­lich fällt beim Stak­ka­to In­halt weg bzw. wird ver­stüm­melt.

Das gilt auch für zu schnell ge­spro­che­nen In­hal­te, wo wir Men­schen dank der Vor­be­rei­tung wis­sen, was das We­sent­li­che des Vor­trags ist, auf das wir das Ge­sa­gte run­ter­metz­gern. Die­ses Mal ist der ICE am Spre­cher­pult.

Das wa­ren jetzt ei­ni­ge Sy­mbo­le für Wor­te in Be­we­gung. Ja, die Tech­nik ist dy­na­misch. Und durch­aus, das Ma­schi­nen­kau­der­welsch ver­bes­sert sich je­des Jahr ein My. Aber es geht lang­sam, alles, was mit der Es­senz von Kom­mu­ni­ka­tion zu­sam­men­hängt, Emo­tio­nen, kul­tu­rel­le Be­zü­ge, Hu­mor, wer­den die LLMs nicht ler­nen. Das Problem derzeit ist, dass Menschen, die die an­de­re Spra­che nicht ken­nen, die Feh­ler aber nur dann auf­fal­len, wenn es kom­plett ab­surd wird. Das Va­ge oder ei­ni­ger­ma­ßen Ver­ständ­li­che führt be­son­ders in die Ir­re.

Wel­che Kon­fe­renz­ver­an­stal­ter:in­nen möch­ten mit Un­ge­fäh­rem ar­bei­ten, wel­che Mes­se­stand­lei­tun­gen ei­ne Bla-Bla-Kom­mu­ni­ka­tion ha­ben, die nicht zum Nach­fra­gen bei den Men­schen vor Ort an­regt?

Ne­ben Ho­mo­ny­men schla­gen auch Ak­zen­te zu: Ich muss rasch an die Kol­le­g:in­nen im EU-Par­la­ment den­ken, die auch Bay­nglisch oder Schwäng­lish meis­tern, oh­ne in La­chen aus­zu­bre­chen. Vor al­lem schaf­fen sie dar­über hin­aus, auch noch den In­halt rü­ber­zu­wup­pen. (Als ich das ers­te Mal Öt­tin­ger-Eng­lisch ge­hört ha­be, ha­be ich Trä­nen ge­lacht und muss­te die Ka­bi­ne ver­las­sen. Aber so­gar dieses Idiom kön­nen wir Men­schen ler­nen.)

Ach, wenn das jetzt nur al­les wä­re! Sehr oft ver­has­peln sich Men­schen, star­ten ei­nen Satz neu, spre­chen in An­deu­tun­gen oder nu­scheln. Der ei­ne hat ei­ne Ha­sen­schar­te, die an­de­re ist kom­plett ver­krampft (und knö­delt), ist vol­ler Iro­nie oder ver­greift sich im Be­griff (was wir Men­schen kor­ri­gie­ren dür­fen und kön­nen, vor­aus­ge­setzt, wir ha­ben im Vor­feld aus­rei­chend Vor­be­rei­tungs­ma­te­ri­al er­hal­ten). Kurz: Wir Zweibeiner und un­se­re Spra­che sind viel zu viel­fäl­tig und feh­ler­be­haf­tet, da­mit kom­men die Bits und Bytes nicht klar.

Ei­ne Kon­fe­renz, ei­ne Verh­and­lung, ei­ne De­le­ga­tions­rei­se sind zudem keine Si­tua­tio­nen, in de­nen „wah­rschein­lich rich­tig“ aus­reicht. Da braucht es je­man­den, der not­falls ein­greift, glät­tet, nach­fragt, ent­schei­det. Ge­nau die­ser Mo­ment, das ak­ti­ve Ein­grei­fen, ist etwas, das Ma­schi­nen struk­tu­rell fehlt.

Die KI schei­tert manch­mal an der Spra­che, häufig an Si­tua­tio­nen.

An­ders­rum ge­sagt: Wenn al­le Wör­ter ei­nen ein­deu­ti­gen Sinn hät­ten und nicht kon­text­ab­hän­gig wä­ren, wenn Ma­schi­nen Sin­ne hät­ten, füh­len könn­ten und vor die­sem Hin­ter­grund nicht her­um­rät­seln müss­ten, son­dern ent­schei­den könn­n­ten, wenn un­se­re Ar­beit nicht ver­trau­lich wä­re, wenn die KI in sol­chen Mo­men­ten nicht hal­lu­zi­nie­ren wür­de, wenn die KI von den Lip­pen ab­le­sen und Kör­per­spra­che er­ken­nen könn­te und zu Iro­nie fä­hig wä­re, wenn die gro­ßen Ma­schi­nen nicht den Tech-Fa­schis­ten ge­hö­ren wür­den, die mit Sprach­ver­bo­ten für Ver­zer­rung sor­gen, wenn die KI nicht im­mer al­les auf das ma­the­ma­tisch wahr­schein­lichs­te Mit­tel run­ter­pe­geln müss­te, wenn die KI auch oh­ne Wlan und Strom­ka­bel ar­bei­ten könn­te, ja, dann wür­de die KI uns er­set­zen, nun, éven­tuel­le­ment (nicht: even­tual­ly).

Zu­ge­spitzt könn­te ich sa­gen: Beim Dol­met­schen durch die KI stö­ren ers­tens die Spre­cher:in­nen und zwei­tens die Zu­hö­rer­schaft. Sonst läuft al­les per­fekt! Al­so fast, aber bald, mög­li­cher­wei­se, viel­leicht!

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Gra­fik: Pixlr.com (Zu­falls­fund)

Samstag, 11. April 2026

Frühlingsgedicht

Bienvenue auf den Seiten einer Sprachar­bei­te­rin. Wie Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakes­peares meistens als Ausgangssprache). Und manchmal übersetze ich das, was ich sehe, in Worte. 

Baum, Blätter, blauer Himmel, Häuser
Luft und Himmel
Fadenscheinig
April webt feinen, grünen Schuss
In braune Kette, fadenscheinig
Sieht es aus oder wie eine
Doppelbelichtung: Ich sehe
Den Straßenbaum und auch
Das Haus dahinter. Zeitgleich.

Da wird mir klar:
Das Wichtigste an den Bäumen ist
Die Luft zwischen den Blättern.

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Foto: C.E.

Dienstag, 7. April 2026

Montagsschreibtisch (134)

Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten neh­men. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ge­ra­de fre­uen sich al­le über die sprie­ßen­de Na­tur.

Bald wie­der: Out­door­bü­ro
Der Mon­tags­schreib­tisch folgt heu­te fei­er­tags­be­dingt am Diens­tag. Ich bin nur halb­tags am Ar­beits­platz, sonst ge­hört die Zeit dem Früh­jahr.

Was steht die­se Wo­che an?

❦ drei An­ge­bo­te schrei­ben (Kon­fe­ren­zen)
❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den Ka­len­der ein­tra­gen
❦ Fil­me sich­ten für Mo­de­ra­tio­nen auf einem Fes­ti­val
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung


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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Dienstag, 31. März 2026

Keine Gastrokritik

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Wie wir Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Be­ruf ge­hört auch, dass wir uns stän­dig Ge­dan­ken über die Ar­beits­welt ma­chen, über Spra­che und Tech­nik und über Or­te.

Kellerkneipe, 70-er Jahre
Zum Glück wird heute nicht mehr in Kneipen geraucht
Vor dem Ki­no­gang sit­zen wir im Gast­raum ei­nes Res­tau­rants in Ber­lin-Kreuz­berg. Es schmeckt mir nicht. Ich sto­che­re in mei­ner Ge­mü­se­brü­he her­um. Sie schmeckt ein My scharf, ein My nach Sel­le­rie, das heiße Wasser hat sonst ein Aro­ma von Brüh­wür­fel. Dazu schwim­men noch ei­ni­ge Fä­den ge­ras­pel­ter Ka­rot­te und wei­ße Schnip­sel he­rum.

Ist das Sel­le­rie, Pe­ter­si­lien­wur­zel oder Pas­ti­na­ke? Ich kann's nicht iden­ti­fi­zi­eren, zu klein, zu lan­ge ge­kocht; on top ei­ni­ge Pe­ter­si­li­en­blatt­zi­ta­te. Der Kör­per ver­bucht das Mahl als Schein­fas­ten. Seit Wo­chen ha­be ich al­ler­gi­sche Re­ak­tio­nen, wenn ich aus­wärts esse. Jetzt mi­ni­mie­re ich das Ri­si­ko. 

Wa­re­nein­satz von un­ter fünf­zig Cent, rech­net der Hinterkopf zu­sam­men, viel­leicht so­gar in­klu­si­ve der teu­ren Ener­gie. Preis­lich liegt die Sup­pe bei 7,90 Eu­ro, was dem Gan­zen ei­ne ge­wis­se me­ta­phy­si­sche Tie­fe ver­leiht. Dazu Bio­tee, 3,90 Eu­ro für hei­ßes Was­ser mit Dop­pel­kam­mer­beu­tel. So­viel kos­tet sonst die Pac­kung mit 20 Beu­teln. Im­mer­hin ist es acht­sam prä­sen­tiert, al­so oh­ne Keks, kei­ne un­nö­ti­gen Ver­loc­kun­gen, das ist wirk­lich su­per!

Aber für Dank­bar­keit wird mir kaum Zeit ge­gönnt. Die Tür zu den Toi­let­ten geht auf. Je­des Mal riecht es da­bei pe­ne­trant nach Rei­ni­gungs­mit­teln. Das stört al­le.

Wäh­rend ich mein Süpp­chen löf­fele, kommt mir ein Ge­dan­ke, der mit Gas­tro­no­mie nur am Ran­de zu tun hat. Wir be­zah­len im Res­tau­rant nicht nur den Wa­ren­ein­satz, der im Schnitt bei et­wa 25 bis 35 Pro­zent liegt, son­dern vor al­lem die Struk­tur da­hin­ter. Das Gros des Prei­ses ver­schwin­det in Mie­te, Per­so­nal, En­er­gie und all dem, was da­für sorgt, dass der Löf­fel sei­nen Weg zu mir fin­det. Die Sup­pe ist nur der sicht­ba­re Teil.

Beim Dol­met­schen ist das an­ders. Ich brau­che kei­ne Hül­le, kei­ne teu­re La­ge, kei­ne Ku­lis­se. Ich bin selbstän­di­ge Dol­met­sche­rin aus dem Pre­mi­um­seg­ment, ein Bio-Fein­kost­la­den oh­ne Ge­schmacks­ver­stär­ker in der Wa­re, oh­ne künst­li­che Farb­stof­fe, oh­ne auf­ge­bläh­te Ver­pa­ckung mit un­rea­lis­ti­schem Ser­vier­vor­schlag, oh­ne Wer­bung. Bei mir be­kom­men Sie, wo­für Sie be­zah­len, ehr­lich, of­fen, klar.

Um im Le­bens­mit­tel­bild zu blei­ben, wir sind der Fein­kost­la­den und Agen­tu­ren die Dis­coun­ter mit sen­sa­tio­nel­ler Mar­ge. Oft blei­ben dort 50 Pro­zent oder mehr des ei­gent­lich für un­se­re Ar­beit be­stimm­ten Ho­no­rars hän­gen, oh­ne dass dies Ein­fluss auf die Qua­li­tät hät­te (eher im Ge­gen­teil).

Wer di­rekt bucht, spart sich die Hül­le, in­ves­tiert in die Ar­beit, bekommt se­nior in­ter­pre­ters, also be­währ­te Kräf­te mit viel Er­fah­rung.

Zu­rück an den Res­tau­rant­tisch. Mein Ge­gen­über hat Saf­tgu­lasch in Bio­qua­li­tät, da­zu Ge­mü­se und Kar­tof­feln, deut­lich sub­stan­zi­el­ler, aber of­fen­sicht­lich auch ohne aro­ma­ti­sche Hö­hen­flü­ge.

Ich fin­de Bio­gas­tro ei­gent­lich groß­ar­tig, ge­ra­de mit Al­ler­gi­en. Aber ein biss­chen Fair­ness wür­de nicht scha­den. Nicht je­der isst nach 19 Uhr noch groß, auch ha­ben vie­le Men­schen be­grenz­te Bud­gets, zum Bei­spiel am Ne­ben­tisch, da saß ein Frau­en­chor nach der Pro­be. Prompt fällt mir das Wort „so­zia­le Teil­ha­be“ ein. Et­was mehr Acht­sam­keit wä­re da gut ... und viel­leicht ei­ne Brü­he, die nicht nur op­tisch, son­dern auch in­halt­lich und auch preis­lich gut ver­tret­bar ist, ge­nau­so der ein ein­facher Tee. Am Nach­bar­tisch wird die Da­me, die sich an ei­nem Glas Li­mo­na­de fest­hält, das drei­gän­gige Ge­la­ge ih­rer Tisch­nach­barin quer­sub­ven­tio­nie­ren.

Seit der Chor mit im Raum sitzt, kön­nen wir uns am Tisch nicht mehr gut un­ter­hal­ten. Das liegt nicht an den star­ken Stim­men, son­dern an der mie­sen Akus­tik im Raum. (Es gibt heu­te kaum noch Orte mit gu­ter Akus­tik. Zum Glück muss ich nicht dol­met­schen.)

Und gleich noch ei­ne Be­mer­kung. In Frank­reich All­tag, hier gilt es als an­stö­ßig: im Res­tau­rant eine Ka­raf­fe mit Lei­tungs­was­ser zu be­stel­len. Dort wird sie gra­tis hin­ge­stellt. In Deutsch­land ha­be ich auf meine Bit­te hin oft hoch­ge­zo­ge­ne Au­gen­brau­en und dann zwei Eu­ro auf der Rech­nung da­für ge­se­hen. Oder es kom­men Sät­ze wie: „Wir ha­ben Blei­leit­ungen, das dür­fen wir nicht.“ (Die Ge­gen­fra­ge un­ter­bleibt meist: „Und mit die­sem Was­ser ko­chen Sie?“) Die nächs­te Va­ria­nte: „Wir ha­ben auch stil­les Was­ser, soll es ein Glas oder eine Fla­sche sein?“ Und wenn es dann doch schnö­des H2O auf den Tisch schaf­fen soll­te, dann viel­leicht zum Kaf­fe und in ei­nem Glas von ei­ner Grö­ße, das aus der Pup­pen­kü­che stam­men könn­te.

Wenn das kos­ten­freie Trink­was­ser auch bei uns üb­lich wä­re, wür­de die Da­me vom Ne­ben­tisch viel­leicht auch eine (bes­sere) Ge­mü­se­brühe es­sen. Bei ge­rech­te­rer Kos­ten­auf­tei­lung wä­re es kein Ver­lust für die Gas­tro­no­mie, aber ein Ge­winn für die Mensch­lich­keit.

Wo ist in der Markt­wirt­schaft das Wört­chen „so­zial“ ge­blie­ben, wo die Ver­ant­wor­tung al­ler fürs Mit­ein­an­der? Da­mit wä­re auch das Wort „Gast­raum“ nicht mehr sinn­ent­leert.

Ins er­wähn­te Res­tau­rant wer­den wir nicht zu­rück­keh­ren. Und ich stel­le mir ei­ne Gas­tro­kri­tik von ei­ner vier­tel Spal­te vor: Über­schrift, In­tro, dann wei­ße, un­be­druc­kte Zei­len, am En­de folgt der Na­me des Lo­kals. Hier aber heu­te nicht.

So, auf­ge­ges­sen! Wir flie­hen so schnell wie mög­lich aus der Beiz und wur­den beim Ab­räu­men nicht ein­mal ge­fragt, ob es uns ge­schmeckt hat. Wa­rum nur?

P.S.: Wenn Sie in Ber­lin eine Ver­an­stal­tung mit Res­tau­rant­be­such pla­nen, be­ra­te ich ger­ne.

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Gra­fik: Ar­chiv

Montag, 30. März 2026

Montagsschreibtisch (133)

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen in meinem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und sit­ze in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Eng­lisch ist manch­mal die Aus­gangs­spra­che, Deutsch bei Tex­ten die Ziel­spra­che. Ich ar­bei­te ne­ben Kon­fe­ren­zen auch auf De­le­ga­tions­rei­sen, bei Ver­an­stal­tun­gen und po­li­ti­schen Hin­ter­grund­ge­sprä­chen.

Als Blog­gerin bin ich über die Jahr­zehn­te so am Ball ge­blie­ben, wie ich es an den Pro­jek­ten un­se­rer Kun­d:in­nen blei­be: Vol­ler Ener­gie, sprach­li­cher Viel­falt und Aus­dauer.

Zwi­schen­durch waren Blogs kom­plett out, jetzt bin ich in der neu­en Blog­ging­wel­le ei­ne der we­ni­gen, die im 20. Jahr schreibt.

Frau als Schattenriss am Fenster
Ar­beit mit Pa­pier (noch oh­ne Re­chner)
Am Mon­tag vor Os­tern: In Tei­len Deutsch­lands ist der Schnee zu­rück, bei uns har­te Kon­tras­te we­gen Re­gen­wol­ken über Ber­lin. Da­zu passt mein al­tes Bild.

Auf dem Schreib­tisch diese Wo­che:
⊗ Zu­kunft der Ar­beit
⊗ Ak­tu­el­le Po­li­tik
⊗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge
⊗ Früh­lings­break

Da ich zwi­schen Ter­minen, Pfle­ge, Früh­jahrs­putz, Schreib­tisch und Kon­fe­ren­zen pen­de­le, bin ich am bes­ten per Mail er­reich­bar oder un­ter 0176 897 66 256.

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Mittwoch, 25. März 2026

Arbeitsplatzverluste

Den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin be­schrei­be ich hier seit 2007 in lo­se­r Fol­ge. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch.

Der­zeit gibt es in den USA ei­ne gro­ße Ent­las­sungs­wel­le. Auch in Deutsch­land neh­men die „Frei­stel­lun­gen“ in den Ver­wal­tun­gen zu. Hin­ter vie­len, so rauscht es im Flur­funk, soll die KI ste­hen. (Die Wirt­schafts­wo­che schreibt da­zu: „Das ha­ben wir in Deutsch­land in die­sem Aus­maß zu­vor nicht ge­se­hen“.)

Was hier aus recht­li­chen Grün­den als An­pas­sung an die wirt­schaft­li­che La­ge be­zeich­net wird, kom­mu­ni­zie­ren nord­ame­ri­ka­ni­sche CEOs of­fe­ner und nen­nen die KI als Grund. Es fol­gen Fir­ma auf Fir­ma mit den glei­chen Schlag­zei­len: Ent­las­sun­gen, Grund: an­geb­lich KI.

Mit der Zeit zeigt sich: Das trägt nicht. Die Ana­lys­ten der Deut­schen Bank ha­ben da­für ei­nen Be­griff ge­prägt: AI Re­dun­dan­cy Wa­shing, die Schutz­be­haup­tung, Mit­ar­bei­ter:in­nen wür­den durch KI über­flüs­sig. Mit Re­dun­dan­cy wird der Über­hang be­zeich­net, das Wort wa­shing ken­nen wir aus green­wa­shing, wo plötz­lich mit ei­ner Lü­ge im Wirt­schafts­le­ben ein ver­meint­li­cher Vor­teil für die Um­welt kons­tru­iert wird. Für den Be­griff ha­ben wir noch kei­ne deut­sche Ent­spre­chung. Auch die KI ist über­for­dert da­mit, ihn zu über­tra­gen.

AI Re­dun­dan­cy Wa­shing - überflüssiges Waschen durch KI

Was ge­schieht nach den Ent­las­sun­gen? Die Bör­sen­kur­se der be­tref­fen­den Fir­men stei­gen dann oft, und prompt heißt es: „KI-Trans­for­ma­ti­on“. Wenn An­le­ger:in­nen spä­ter in die Jah­res­be­rich­te schau­en, fin­det sich dort sel­ten ein kla­rer Ver­weis auf AI lay­offs. Ge­werk­schaf­ten mel­den das, sta­tis­ti­sche Quel­len be­stä­ti­gen es, in New York sind sol­che Da­ten so­gar ver­pflich­tend: Bereits Anfang Januar hat Wi­red be­rich­tet, kein ein­zi­ges Un­ter­neh­men ha­be ein­ge­räumt, Ar­beits­plät­ze we­gen KI ge­stri­chen zu ha­ben. 

Bei vie­len Un­ter­neh­men, auch in Deutsch­land, pas­siert gleich­zei­tig et­was an­de­res: Nach "KI-Ent­las­sun­gen" er­schei­nen Stel­len­aus­schrei­bun­gen, neue Mit­ar­bei­ten­de wer­den ge­sucht. Was hier ka­schiert wird: Die KI dient als all­zu­be­que­me Er­klä­rung um Teams zu ver­jüngen und um Ge­halts­kos­ten zu sen­ken, denn Nach­wuchs kos­tet we­ni­ger als Alt­ge­dien­te. Auch Peronalüber­hänge aus Zei­ten des over­hi­ring lassen sich so ele­gant ab­bau­en. So war es neulich beim Mit­tag­es­sen mit CEOs zu hö­ren. Nein, kei­ne Na­men.

Ich wür­de mei­nen frü­he­ren Be­ruf nicht eh­ren, wür­de ich nicht noch ei­ne zwei­te ge­druck­te Quel­le nach­le­gen. Ei­ne ehe­ma­li­ge Jour­na­lis­tin bleibt da kon­se­quent!

Hier der zwei­te Ar­ti­kel: For­tu­ne be­rich­tet un­ter Be­ru­fung auf Ox­ford Eco­no­mics, laut Ei­gen­dar­stel­lung "Welt­markt­füh­rer in glo­ba­ler Wirt­schafts­pro­gno­se, quan­ti­ta­ti­ver Ana­ly­se und Vor­den­ker­schaft", KI-be­grün­de­te Ent­las­sun­gen wirk­ten "zu­neh­mend wie ei­ne Un­ter­neh­mens­fik­ti­on, die ei­ne düs­te­re Rea­li­tät ver­schlei­ert" (7.1.26).

Auch hier steht die The­se im Raum: Nicht die KI führt zu Ent­las­sun­gen, son­dern sie dient als Vor­wand für rou­ti­ne­mä­ßi­gen Per­so­nal­ab­bau. Ei­ne zy­ni­sche Stra­te­gie. Ent­las­sun­gen wer­den als gu­te Nach­richt ver­kauft. Das sen­det po­si­ti­ve Si­gna­le an In­ves­to­ren und Über­be­stän­de las­sen sich in Zei­ten schwin­den­der Nach­fra­ge un­auf­fäl­li­ger ab­bau­en. Zu­gleich ent­steht das Bild ei­nes tech­no­lo­gi­schen Vor­rei­ters.

Der Ox­ford-Be­richt ver­weist auf Da­ten von Chal­len­ger, Gray & Christ­mas. Dem­nach ge­hen zwi­schen Ja­nu­ar und No­vem­ber 2025 nur 4,5 Pro­zent des Stel­len­ab­baus auf tech­ni­schen Um­bau durch die KI zu­rück. Ein Blick auf die Pro­duk­ti­vi­tät stützt das: Wür­de die KI tat­säch­lich Auf­ga­ben al­lein über­neh­men, müss­te der An­teil der Ge­ste­hungs­kos­ten sin­ken und das Pro­duk­ti­vi­täts­wachs­tum deut­lich an­zie­hen. Der­zeit zeigt sich eher ein ex­pe­ri­men­tel­ler Ein­satz als ein sys­te­ma­ti­scher Aus­tausch von Mensch ge­gen Ma­schi­ne.

Und noch et­was wird deut­lich, was ich hier schon län­ger be­schrei­be: Der Ein­stieg in den Be­ruf wird schwie­ri­ger. Rou­ti­ne­auf­ga­ben wer­den von der KI über­nom­men, die Fest­an­ge­stell­ten be­klagen pa­ral­lel da­zu im­mer mehr Über­stun­den und Auf­wand, weil sie die KI kon­trol­lie­ren müs­sen. Kurz: Bör­sen­an­leger:in­nen ge­win­nen, die Ar­beit­neh­mer­schaft ver­liert.

Ré­su­mé: Das, was uns der­zeit als KI ver­kauft wird, ist ein gro­ßer Schwin­del.

Da­zu passt mei­ne Il­lus­tra­ti­on. Die Mit­be­woh­ne­rin hat die KI ge­fragt, wo bei uns in der Kü­che Stau­raum­re­ser­ve be­ste­hen wür­de und da­zu ei­ni­ge Fo­tos hoch­ge­la­den. Die KI-Bil­der mit den Vor­schlä­gen zei­gen klar, was die KI ig­no­riert, weil ihr Le­bens­er­fah­rung und Hin­ter­grund­wis­sen feh­len. Für uns Men­schen, ge­ra­de für uns Dol­met­sche­rin­nen in der Ka­bi­ne, ist das Welt­wis­sen so selbst­ver­ständ­lich, dass wir uns des­sen oft gar nicht be­wusst sind.

Zwei Küchen, wie es sie im wirklichen Leben niemals geben würde
Nur Murks!

Feh­ler:
— Gas­ther­me an der Au­ßen­wand und nicht am Schorn­stein
— Kühl­schrank di­rekt vor der Gas­ther­me
— Papp­bo­xen in ei­nem Kü­chen­re­gal
— Re­gal und gro­ßer Koch­topf wür­den die Spei­se­kam­mer­tür stö­ren
— di­to: Ar­beits­plat­te vor der Spei­se­kam­mer­tür
— kei­ne Be­we­gungs­flä­che in der Mit­te
— Bei ei­nem Bild: Die Spü­le ist jetzt bit­te wo? Der An­schluss gibt den Platz vor
— Wir ko­chen mit Gas und nicht elek­trisch
— Auch die Hei­zung hat bei uns ei­nen fes­ten Platz (nicht vor dem Fens­ter)

Re­min­der: Die KI ist ein Werk­zeug für die Hän­de von Pro­fis.

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Gra­fik: ChatGPT