Einblicke in den Arbeitsalltag einer Dolmetscherin können Sie seit 2007 auf diesen Seiten nehmen. Meine Muttersprache ist Deutsch, ich arbeite überwiegend mit Französisch und Englisch, die Bürokollegin schenkt Übersetzungen ihre wunderbare englische Sprache. KI-Mittwoch!
Seit dieser Blog hier auf die 2. Ebene gerückt ist, sind wir unter uns. Vorteil: Potenzielle Kundschaft findet mich mit der festen Titelseite besser. Und das steht gerade im Vordergrund. Noch ein Vorteil: Ich darf direkter sein, so wie heute.
Das war die erste Vorrede. Und die zweite folgt sogleich. Ich hänge hier einen doofen Fehler einer prominenten Filmproduktion ins Sprachladenschaufenster. Die Produktionsfirma ist informiert (und hat nicht geantwortet). Es gibt noch weitere Fehler in den Titeln. Ich habe eine Art Initiativbewerbung aus der Meldung gemacht.
So, jetzt geht's aber wirklich los. Gerade bei BABYLON BERLIN gesehen: Der Wiener Journalist Samuel Katelbach bringt einer schniefenden, schwitzenden Elisabeth Behnke Kartoffelwickel und Melissengeist ans Bett und sagt, als sie sich den Alkohol hinter die Binde gekippt hat, laut Untertitel: „Ihr Kater ist schneller Geschichte | als der Spuk von meinem unseligen Landsmann.“
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| Folge 1, Staffel 5, 22. Minute |
Tja, woher soll die körperlose KI denn auch einen Katarrh kennen? Oder Menschen im Ausland, die ihr Deutsch im telefonischen Kundendienst praktiziert haben, oder europäische Schüler? Bett, Unwohlsein, das muss der Suff sein -> Miau!
SPRACHE ist für die meisten in der Filmbranche leider noch kein Gewerk, sondern eine ärgerliche Notwendigkeit. Dabei sind unsere Arbeitsergebnisse die Visitenkarten von Produktionen … oder lustige Werbung wie oben.
Worte, auf die es ankommt: Exposés und Untertitel, Übersetzungen und Dolmetschen am Set, Transkripte für den Schnitt, Hörfilmbuch, Presseheft. Diese Aufgaben werden oft glücksverteilt an Praktis, Bekannte von Freunden, Nachwuchs, die KI, Agenturen in Schwellenländern mit Briefkastendépendance in Deutschland. Das kann klappen, muss aber nicht. Auch die KI hat ihre guten Stunden.
Aber häufiger geht’s halt partiell schief und dann ist (oder wäre) Aufräumarbeit angesagt. (Die manchmal teurer ist, als es gleich richtig zu machen.)
Aber es gibt ja uns, die Profis. Auch wir nutzen die KI manchmal, oft aber auch nicht, denn: Je kreativer die Aufgabe, desto höher ihr Scheiternspotential.
Kostenagebote sind gratis. Ich bin inzwischen auch Gutachterin bei Gericht.
Ein Satz noch an die Filmproduktionen: Orientiert Euch bei den Honoraren fürs Gewerk Sprache bitte eher an der Kameraperson als am Runner, denn wir „Sprachis“ haben oft lange studiert und müssen fortgesetzt umtriebig sein, um die Sprachen lebendig zu halten. (Das geht aus der Dienstbotenkammer heraus mit der Dünnblatt-Edition der Suche nach der verlorenen Zeit in der Hand nur bedingt.)
Danke fürs Lesen und Mitdenken! Wir freuen uns über Empfehlungen — und helfen auch regelmäßig bei der Kolleg:innensuche.
P.S.: Zum Thema der Gefahr, dass eine irre gewordene KI die Menschheit innerhalb der nächsten Monate oder Jahre auslöschen könnte: Da die KI mit allen verfügbaren Texten trainiert wurde, auch den gemeinsten, menschenfeindlichsten, ist grundsätzlich alles denkbar. Ich schätze aber, dass die KI-Granden jetzt dieses Moment vielleicht als einen Ausweg nutzen, um den Anleger:innen die riesigen Summen nicht zurückzahlen zu müssen, die ihnen anvertraut wurden. Setzen die Staaten der Weltengemeinschaft erst eindeutig Regeln, wird natürlich DAS der Verhinderer satter Dividendenausschüttung sein.
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Bilder: X-Filme





