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| 1926: „Bitte nicht bewegen!“ |
Diese Woche liegt auf dem Schreibtisch:
❀ aktuelle Politik
❀ Beratung: Untertitel
❀ Angebote schreiben
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Foto: Archiv Elias Lossow
ÜBERSETZEN IST HANDWERK, DOLMETSCHEN IST MUNDWERK
Caroline Elias, Konferenzdolmetscherin für Deutsch und Französisch in Berlin
Berichte aus dem Kabinenalltag, vom Filmset und von der Delegationsreise
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| 1926: „Bitte nicht bewegen!“ |
Diese Woche liegt auf dem Schreibtisch:
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| Der schnelle Einblick in meinen Berufsalltag |
Im Festhalten an alten Technologien, im Schummeln bei Abgaswerten, im Verzögern und Verdrängen des Wandels liegt der Sündenfall.
Der VW-Abgasskandal von 2015 war die Spitze vom Eiberg. Heute erleben wir panische Umbaumaßnahmen der Industrie und eine Politik, deren Antworten aus vergangenen Jahrzehnten zu stammen scheinen.
Letzten Sonntag war ich mit einer sehr christlichen Freundin bei einem Kirchenfest, Tauftag, Chorkonzert und Gartenparty in einem. Ort: ein Bundesland, in dem Sonntag gewählt wird. Die Gespräche waren interessant. Etliche Wähler der aktiven Regierungsparteien leiden still. Andere wirken ratlos, eine kleine Gruppe erstaunlich entschieden.
Immer wieder lässt mich irritiert zurück, wie viele Menschen aus der Lage die falschen Schlüsse ziehen. Was wir in den USA sehen, ist mehr als ein Kulturkampf im Netz: Es sind antidemokratische, autoritäre Strukturen, verbunden mit Wissenschaftsverleugnung, Macht und exzessivem Reichtum. Und die sozialen Medien sind längst Teil dieser Macht.
Auch hier ist allerhöchste Eisenbahn. Die nächste Hydra hat vor bald drei Jahren ihre Köpfe aus dem Sumpf gestreckt: KI für den Massenkonsum. Ihre Verflechtungen mit Macht, Geld, Verantwortungslosigkeit und apokalyptischem Geraune sind inzwischen micht mehr zu übersehen.
Unsere Zeit lässt mich oft kopfschüttelnd zurück. Für mein emotionales Gleichgewicht kann ich mich ins Private zurückziehen. Als Dolmetscherin aber arbeite ich im Kern des Austausches über Wissen, Forschung und Zukunft. Gerade deshalb brauchen wir heute mehr Austausch, nicht weniger.
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Grafik: KI (OpenAI)
Ich bekomme Mailpost von einem renommierten Verlag. Ich darf Presseartikel schreiben. Jubel. Da erkennt mich jemand: Ich schreibe gerne, hab's gelernt, hätte auch etwas mitzuteilen.
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| Zeiten sind das!? |
Die Mail habe ich hier aufs Wesentliche zusammengemetzgert. Zu viele Redundanzen, wie sie sich im Ausgangstext finden, lesen sich sonst nur noch nach KI. Dabei zitiere ich doch nur.
Ich glaub's hackt!
Ich weiß nicht, wie viele „Experten“ gerade solche Mails bekommen. Es sind einige. Das bewusst nicht namentlich genannte Printmedium findet sich jede Woche neu am Kiosk. Presseorgane, die für lau ihre Blätter füllen und Autor:innen, die auf solche Bauchpinseleien reinfallen und zugleich den Journalismus zerstören, sowas ist wirklich unfassbar.
(Un)liebes Medium, warum geht Ihr nicht gleich den ultimativen Schritt? Autor:innen würden sicher sehr gerne für ihre Zuarbeit noch Geld zahlen! Vergesst das mit der Vierten Gewalt im Staate, den Medien, lasst Euch doch einfach komplett kaufen. Dann habt Ihr noch mehr! Und ihr zerstört weiter munter die Demokratie ...
Ganz großes Kino!
Nein.
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Bild: C.E. (Archiv)
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| The artificial ‚intelligence‘... |
Warnung vor einem schlechten Kalauer: Die Künstliche Intelligenz ist keine Simultandolmetscherin, sondern maximal eine Simulantdolmetscherin. Dabei klingt die Vision der Tech-Konzerne doch so verlockend: ein Klick, ein Algorithmus im Ohr, und schon verständigen sich Menschen über Sprachgrenzen hinweg fließend, fehlerfrei und vermeintlich kostengünstig.
Denn die Tech-Nerds verlangen ca. 50 Prozent dessen, was wir so veranschlagen. Dafür schneidet die KI laut einer WHO-Studie ernüchternd ab: Je nach Sprache erreichten die maschinellen Verdolmetschungen Qualitätswerte zwischen nur 5 und 83 Prozent. Die höhere Zahl klingt nicht schlecht, aber oft stimmte die Reihenfolge der Begriffe, die Zuordnung der Inhalte nicht.
Der Gesamtdurchschnitt der „Dolmetschleistungen“ der KI lag bei 46 Prozent; von 90 getesteten KI-„Verdolmetschungen“ bestand gerade mal eine einzige den Test. Keine war frei von Begriffen und Aussagen mit Reputationsrisiko. Hier der Link zur Studie (über die AIIC: klick).
Wer die Realität auf Messen und Märkten, internationalen Konferenzen, politischen Gipfeln oder bei hochrangigen Verhandlungen kennt, durchschaut die Illusion schnell. Die Auswürfe der KI folgen der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie reproduziert aus dem Bestand, was einfach ist. Das Sensible, das Besondere und Neue, die Ausnahmen, um die es beim Dolmetschen meistens geht, fallen da hinten rüber.
Andere, die sich weniger gut auskennen, schauen verwundert auf eine Maschine, die mit atemberaubender Geschwindigkeit grammatikalisch glatt wirkende Sätze ausspuckt.
Aber da die Technik selbst weder intelligenz- noch vernunftbegabt ist, ihr Name leitet bewusst in die Irre, hat sie dabei kein einziges Wort inhaltlich verstanden und wirklich verarbeitet. Und richtig kritisch wird es immer dann, wenn Auftraggeber nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen, um die Qualität des KI-Auswurfs selbst einschätzen zu können.
Die KI arbeitet an der Oberfläche. Sie ist ein gigantisches Autocomplete-Programm. Der Unterschied zwischen menschlicher Exzellenz und maschineller Wahrscheinlichkeitsrechnung lässt sich an etlichen Punkten festmachen.
1. Statistik statt Verstehen
Große Sprachmodelle (LLMs) besitzen kein Bewusstsein, kein Weltwissen und keine kognitive Empathie. Sie analysieren riesige Datenmengen und berechnen mathematisch, welches Wort mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf das vorherige folgt.
Menschliches Dolmetschen ist dagegen ein hochkomplexer neurokognitiver Prozess: Wir erfassen Intentionen und Nuancen, Ironie und Brüche, kulturelle Subtexte und angedeutete Zwischentöne in kürzester Zeit. Wir übertragen Bedeutungen, nicht Worthüllen. Darin sind wir unschlagbar. Die KI merkt nicht, wenn sie logischen Unfug produziert, solange die Syntax stimmt.
2. Starr und ohne Kontext
Ein Redner auf einer Fachkonferenz weicht vom Skript ab, nutzt eine lokale Redewendung oder macht einen subtilen Witz, um die Stimmung aufzulockern. Eine professionelle Konferenzdolmetscherin adaptiert diese Botschaft blitzschnell für das Zielpublikum.
Die KI scheitert an solchen kulturellen Transferleistungen. Ohne Kontextwissen überträgt sie Metaphern flach oder verliert bei schnellen Sprecherwechseln und Dialekten völlig den Faden. Was als präziser Diskurs gedacht war, verkommt im digitalen Äther zu einer lebenslosen, mechanischen Wortwüste.
3. Halluzinationen
Wenn eine KI im Unklaren über den exakten Kontext ist, rät sie einfach. Wir Menschen würden nachfragen, und zwar vor der Veranstaltung, nämlich dann, wenn das Vorbereitungsmaterial unklar ist. Wir haben schon manche(n) Redner:in davor bewahrt, bei Vorträgen über eigene Tippfehler zu stolpern.
KI-Kritiker nennen die Fantasieprodukte der Maschinen beschönigend „Halluzinationen“. Auf Konferenzen, in Behörden oder bei Gericht ist derlei schlicht ein Fehler mit möglicherweise fatalen Folgen.
4. Haftung
Genau dieses blinde Vertrauen in die scheinbar unfehlbare KI-Generierung hat im Frühsommer ein wegweisendes juristisches Nachspiel gehabt. Mit dem Urteil vom 28. Mai 2026 (Az. 26 O 869/26) hat das Landgericht München I entschieden, dass Google unmittelbar als Störer für unwahre Behauptungen haftet, die durch dessen KI-Funktion („AI Overviews“) generiert wurden.
Das Gericht stellte unmissverständlich klar: Wer eigenständig formulierte KI-Inhalte als fertige, abgeschlossene Aussagen präsentiert, kann sich nicht auf das Privileg reiner, haftungsbefreiter Suchvermittlung berufen.
Kernaussage: Die KI erzeugt eine eigene Antwort, die dem Anbieter rechtlich voll zugerechnet wird.
Das Urteil lässt sich aufs Dolmetschen übertragen: Wer Verantwortung für hochkarätige Kommunikation trägt, kann die Haftung für Fehler nicht an eine Software delegieren, die in ihren Nutzungsbedingungen jegliche Haftung ausschließt.
5. Fazit
Die KI mag für einfache Standard-Texte à la Webshop mit ähnlicher Ware und für den raschen Überblick praktisch sein. Mit echtem Simultandolmetschen oder kultursensiblem Übersetzen hat das aber herzlich wenig zu tun.
Bei Inhalten, auf die es ankommt, geschriebenen oder gesprochenen, bei denen es um Reputation, Millionenverträge, diplomatische Nuancen und rechtliche Sicherheit geht, bleiben wir Menschen unersetzlich. Vertrauen Sie lieber einer echten Dolmetscherin als einer programmierten Simulantin.
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Grafik: pixlr.com (Zufallsfund)
Heute ist der 1. September. In Frankreich ist heute nicht einfach der Montag eines Monats mit „R“ darin. Heute ist la rentrée. Darüber habe ich schon früher geschrieben: klick.
| Das Wort „Schulgang“ ist heute vergessen |
Und jährlich grüßt das Murmeltier. Der französische Jahreslauf ist stärker durchgetaktet als dies hierzulande der Fall ist. Denn mit diesem Ersten beginnt in Frankreich das neue Jahr.
In Deutschland beginnt das Jahr am 1. Januar und auch nur ein einziges Mal. Der Herbst beginnt, wenn die Sonne über dem Äquator steht. Und die Schule beginnt, wenn die Sommerferien vorbei sind.
Frankreich hat da eine eigene Ordnung. La rentrée heißt wörtlich erst einmal „Rückkehr“. Das Wort bezeichnet aber längst nicht nur die Rückkehr der Kinder in die Schule. Das Centre national de ressources textuelles et lexicales nennt auch die Wiederaufnahme der Aktivität einer Institution oder des gesellschaftlichen Lebens nach einer Pause.
So kommt la rentrée nicht im Singular, sondern liefert uns gleich für die kommenden Wochen eine Vokabelliste.
Die rentrée ist also kein Übersetzungsthema, sondern ein echtes Kulturphänomen.
Für uns ist der Septemberanfang eine historische Erinnerung und der Herbstanfang für Statistiker. Durch diesen Trick bekommt diese Jahreszeit ihre kompletten Kalendermonate, so lassen sich Monatsmittel, Niederschlagssummen und andere Klimadaten sauber vergleichen.
Eigentlich hätten die Statistiker einige Wochen warten können, wenn es schon ordentlich zugehen soll, und den 1. Oktober zum meteorologischen Herbstanfang erklären, also den ersten vollen Kalendermonat nach dem echten Herbstanfang. Nun denn.
Auch in der Ukraine beginnt heute das neue Schuljahr. Der 1. September ist dort der Den znanj, der „Tag des Wissens“. Schule und Schuleingangsfeier bei Luftalarm machen den heutigen 1. September größer, und dies zum fünften Mal.
Wünschen wir den Menschen dort ein baldiges Kriegsende. Und der Menschheit 265 Tage des Wissens jährlich und eine Abkehr von sektenähnlichen, wissenschaftsfeindlichen Gedanken, die es der Politik in vielen Ländern überhaupt erst ermöglicht, wesentliche Entscheidungen zu Energie, Wirtschaft und sozialer Gerechtigkeit weiter zu vertagen.
Vive la rentrée !
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Foto: Archiv Elias Lossow
| Verwaltungsarbeit ist kleinteilig |
Andererseits sind die Rückläufe leider, anders als früher, eher bescheiden. Seit der Pandemie plant die Kundschaft nicht mehr so langfristig wie früher. Auch sehen wir, dass die Verwaltung immer mehr ausgelagert wird. Weitere Verluste liegen nachweislich an der unlauteren KI-Konkurrenz. Die KI ist kein Dolmetscher, auch wenn manche Tech-Nerds das behaupten. Oder wird die Bundespolitik noch selbstbezogener?
Diese Woche auf dem Schreibtisch:
✗ Wege aus der Krise
✗ Kollege/n für einen Eheschließungstermin finden ✓
✗ Kostenvoranschläge
✗ Vielleicht Ihr Vorhaben?
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Foto: Archiv Elias Lossow
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| Der schnelle Einblick in meinen Berufsalltag |
Ich: „Das war Französisch.“ (... so ein bisschen wie der Kommentar aus der „Sendung mit der Maus“ gesprochen).
Der Junge: „Kannst du auch Deutsch?“
„Na, hörste doch gerade.“
„Ja. Und Amerikanisch?“
„Amerikanisches Englisch weniger, aber Englisch, ja.“
Pause.
„Ach so. Dann kannst du ja alles sagen.“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil ich nicht alles weiß.“
Das Kind denkt kurz nach.
„Aber wenn du alles weißt, kannst du alles sagen, oder?“
(Ja, klingt logisch. Ach, wenn die Welt doch nur so einfach wäre.)
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Grafik: KI (OpenAI)
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| Erste Ideen |
Die Ausgangsschnitte haben Potenzial. Zum Glück durfte ich in der Schule Nähen lernen.
Beide Kleider werde ich färben. Ich liebe besonders Naturtöne, zum Beispiel ein dunkles, warmes Olivgrün, passend zu meinem Teint. Ich mag auch die Mode der Twenties.
Eines der Kleider hat prompt eine sehr tiefe „Taille“.
Pro Kleid werde ich vermutlich nur vier bis sechs Nähte ändern müssen, in einem Fall Taschen wegnehmen, die Taschenklappen aber stehenlassen, außerdem neue Knöpfe drannähen. Für die Knöpfe werde ich auf Naturmaterialien zurückgreifen, auf wenig Auffälliges, und mich bei der Firma Paul Knopf beraten lassen.
Eine Freundin, Kostümbildnerin beim Film, hilft beim Upcycling-Projekt. Zunächst liefert sie „Visuals“. Das hilft schon mal weiter. Wir messen alles Mögliche aus, Weite, Länge, sie steckt ab, ich nähe. Fürs Umfärben erwägen wir Dunkelgrün, Tannengrün, Olivgrün oder Rostrot, um die zu grellen Farbtöne zu überfärben und ein spannendes Gesamtergebnis zu bekommen. Wir überlegen, was wie aussehen wird und möchten am Ende nur einen Färbegang machen. Die finale Entscheidung steht noch aus. Es wird spätsommerlich bis herbstlich werden.
Das eine Kleid hat einen zeitlosen Schnitt, das andere soll ein Tageskleid im Stil der 1920er werden. In der Kernzeit der Twenties, ca. 1922–1928, lag der Saum etwa eine Handbreit unter dem Knie. Das bekommen wir mit dem vorhandenen Stoff nur knapp hin. In beiden Fällen fehlt Stoff für Ärmel. Auch wenn wir in der Weite etliche Zentimeter herausnehmen, so kann ich maximal Gürtel daraus nähen.
Ich werde eine Art „Jumper Dress“ (Trägerkleid) daraus machen, bei kühler Witterung ein Shirt oder eine Bluse drunterziehen und es so schneiden, dass ich es im Hochsommer auch kurzärmlig tragen kann. Das Kleid mit Hemdblusencharakter bekommt einen außergewöhnlichen Ausschnitt verpasst.
Es wird spannend.
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Grafik: Adeline (encore merci beaucoup !)