Mittwoch, 25. März 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Arbeitsplatzverluste

Den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin be­schrei­be ich hier seit 2007 in lo­se­r Fol­ge. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch.

Der­zeit gibt es in den USA ei­ne gro­ße Ent­las­sungs­wel­le. Auch in Deutsch­land neh­men die „Frei­stel­lun­gen“ in den Ver­wal­tun­gen zu. Hin­ter vie­len, so rauscht es im Flur­funk, soll die KI ste­hen. (Die Wirt­schafts­wo­che schreibt da­zu: „Das ha­ben wir in Deutsch­land in die­sem Aus­maß zu­vor nicht ge­se­hen“.)

Was hier aus recht­li­chen Grün­den als An­pas­sung an die wirt­schaft­li­che La­ge be­zeich­net wird, kom­mu­ni­zie­ren nord­ame­ri­ka­ni­sche CEOs of­fe­ner und nen­nen die KI als Grund. Es fol­gen Fir­ma auf Fir­ma mit den glei­chen Schlag­zei­len: Ent­las­sun­gen, Grund: an­geb­lich KI.

Mit der Zeit zeigt sich: Das trägt nicht. Die Ana­lys­ten der Deut­schen Bank ha­ben da­für ei­nen Be­griff: AI Re­dun­dan­cy Wa­shing ge­prägt, ei­ne Schutz­be­haup­tung, Mit­ar­bei­ter:in­nen wür­den durch KI über­flüs­sig. Mit Re­dun­dan­cy wird der Über­hang be­zeich­net, das Wort wa­shing ken­nen wir aus green­wa­shing, wo plötz­lich mit ei­ner Lü­ge im Wirt­schafts­le­ben ein ver­meint­li­cher Vor­teil für die Um­welt kons­tru­iert wird. Für den Be­griff ha­ben wir noch kei­ne deut­sche Ent­spre­chung. Auch die KI ist über­for­dert da­mit, ihn zu über­tra­gen.

AI Re­dun­dan­cy Wa­shing - überflüssiges Waschen durch KI

Was ge­schieht nach den Ent­las­sun­gen? Die Bör­sen­kur­se der be­tref­fen­den Fir­men stei­gen dann oft, und prompt heißt es: „KI-Trans­for­ma­ti­on“. Wenn An­le­ger:in­nen spä­ter in die Jah­res­be­rich­te schau­en, fin­det sich dort sel­ten ein kla­rer Ver­weis auf AI lay­offs an. Ge­werk­schaf­ten mel­den das, sta­tis­ti­sche Quel­len be­stä­ti­gen es, in New York sind sol­che Da­ten so­gar ver­pflich­tend: Bereits Anfang Januar hat Wi­red be­rich­tet, kein ein­zi­ges Un­ter­neh­men ha­be ein­ge­räumt, Ar­beits­plät­ze we­gen KI ge­stri­chen zu ha­ben. 

Bei vie­len Un­ter­neh­men, auch in Deutsch­land, pas­siert gleich­zei­tig et­was an­de­res: Nach "KI-Ent­las­sun­gen" er­schei­nen Stel­len­aus­schrei­bun­gen, neue Mit­ar­bei­ten­de wer­den ge­sucht. Was hier ka­schiert wird: Die KI dient als all­zu­be­que­me Er­klä­rung um Teams zu ver­jüngen und um Ge­halts­kos­ten zu sen­ken, denn Nach­wuchs kos­tet we­ni­ger als Alt­ge­dien­te. Auch Peronalüber­hänge aus Zei­ten des over­hi­ring lassen sich so ele­gant ab­bau­en. So war es neulich beim Mit­tag­es­sen mit CEOs zu hö­ren. Nein, kei­ne Na­men.

Ich wür­de mei­nen frü­he­ren Be­ruf nicht eh­ren, wür­de ich nicht noch ei­ne zwei­te ge­druck­te Quel­le nach­le­gen. Ei­ne ehe­ma­li­ge Jour­na­lis­tin bleibt da kon­se­quent!

Hier der zwei­te Ar­ti­kel: For­tu­ne be­rich­tet un­ter Be­ru­fung auf Ox­ford Eco­no­mics, laut Ei­gen­dar­stel­lung "Welt­markt­füh­rer in glo­ba­ler Wirt­schafts­pro­gno­se, quan­ti­ta­ti­ver Ana­ly­se und Vor­den­ker­schaft", KI-be­grün­de­te Ent­las­sun­gen wirk­ten "zu­neh­mend wie ei­ne Un­ter­neh­mens­fik­ti­on, die ei­ne düs­te­re Rea­li­tät ver­schlei­ert" (7.1.26).

Auch hier steht die The­se im Raum: Nicht die KI führt zu Ent­las­sun­gen, son­dern sie dient als Vor­wand für rou­ti­ne­mä­ßi­gen Per­so­nal­ab­bau. Ei­ne zy­ni­sche Stra­te­gie. Ent­las­sun­gen wer­den als gu­te Nach­richt ver­kauft. Das sen­det po­si­ti­ve Si­gna­le an In­ves­to­ren und Über­be­stän­de las­sen sich in Zei­ten schwin­den­der Nach­fra­ge un­auf­fäl­li­ger ab­bau­en. Zu­gleich ent­steht das Bild ei­nes tech­no­lo­gi­schen Vor­rei­ters.

Der Ox­ford-Be­richt ver­weist auf Da­ten von Chal­len­ger, Gray & Christ­mas. Dem­nach ge­hen zwi­schen Ja­nu­ar und No­vem­ber 2025 nur 4,5 Pro­zent des Stel­len­ab­baus auf tech­ni­schen Um­bau durch die KI zu­rück. Ein Blick auf die Pro­duk­ti­vi­tät stützt das: Wür­de die KI tat­säch­lich Auf­ga­ben al­lein über­neh­men, müss­te der An­teil der Ge­ste­hungs­kos­ten sin­ken und das Pro­duk­ti­vi­täts­wachs­tum deut­lich an­zie­hen. Der­zeit zeigt sich eher ein ex­pe­ri­men­tel­ler Ein­satz als ein sys­te­ma­ti­scher Aus­tausch von Mensch ge­gen Ma­schi­ne.

Und noch et­was wird deut­lich, was ich hier schon län­ger be­schrei­be: Der Ein­stieg wird schwe­rer. Rou­ti­ne­auf­ga­ben wer­den von der KI über­nom­men, die Fest­an­ge­stell­ten be­klagen pa­ral­lel da­zu im­mer mehr Über­stun­den und Auf­wand, weil sie die KI kon­trol­lie­ren müs­sen. Kurz: Bör­sen­an­leger:in­nen ge­win­nen, die Ar­beit­neh­mer­schaft ver­liert.

Ré­su­mé: Das, was uns der­zeit als KI ver­kauft wird, ist ein gro­ßer Schwin­del.

Da­zu passt mei­ne Il­lus­tra­ti­on. Die Mit­be­woh­ne­rin hat die KI ge­fragt, wo bei uns in der Kü­che Stau­raum­re­ser­ve be­ste­hen wür­de. Die Bil­der da­zu zei­gen, was die KI nicht weiß, weil ihr die Le­bens­er­fah­rung und das Hin­ter­grund­wis­sen feh­len. Für uns Men­schen, ge­ra­de für uns Dol­met­sche­rin­nen in der Ka­bi­ne, ist das Welt­wis­sen so selbst­ver­ständ­lich, dass wir uns des­sen oft gar nicht be­wusst sind.

Zwei Küchen, wie es sie im wirklichen Leben niemals geben würde
Nur Murks!

Feh­ler:
— Gas­ther­me an der Au­ßen­wand und nicht am Schorn­stein
— Kühl­schrank di­rekt vor der Gas­ther­me
— Papp­bo­xen in ei­nem Kü­chen­re­gal
— Re­gal und gro­ßer Koch­topf wür­den die Spei­se­kam­mer­tür stö­ren
— di­to: Ar­beits­plat­te vor der Spei­se­kam­mer­tür
— kei­ne Be­we­gungs­flä­che in der Mit­te
— Bei ei­nem Bild: Die Spü­le ist jetzt bit­te wo? Der An­schluss gibt den Platz vor
— Wir ko­chen mit Gas und nicht elek­trisch
— Auch die Hei­zung hat bei uns ei­nen fes­ten Platz (nicht vor dem Fens­ter)

Re­min­der: Die KI ist ein Werk­zeug für die Hän­de von Pro­fis.

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Gra­fik: ChatGPT

Dienstag, 24. März 2026

Wortmuseum (45)

Will­kom­men bei mei­nem di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buch aus der Welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und bin oft bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­ti­ons­rei­sen. Hier schrei­be ich über Spra­che und Wör­ter so­wie über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Der Feh­ler bei blog­spot.com, über den ich Frei­tag ge­schrie­ben habe, ist er­le­digt. Heu­te: Wort­mu­se­um.

              
                            
 Le cla­vier
Aus ei­nem Dreh­buch, es geht um ei­ne Frau, ei­ne Rück­blen­de: Elle s’ap­pro­cha du pia­no droit et pro­me­na les mains sur le cla­vier. Wer kein Fran­zö­sisch kann, hat hier ein be­kann­tes Wort ent­deckt, le cla­vier. Und ja, un­se­re Film­hel­din hat sich ans Kla­vier ge­setzt und spielt. Aber le cla­vier be­deu­tet auf Fran­zö­sisch ein klein we­nig et­was an­de­res, als an­ge­nom­men. Wenn ein deutscher Aus­tausch­schü­ler sagt: je joue le cla­vier und „Ich spie­le Kla­vier“ meint, ist das ein ‚Fal­scher Freund‘ und ein Gram­ma­tik­feh­ler.

Ich fan­ge von hin­ten an: Auf Fran­zö­sisch sa­gen wir: jouer d'un in­stru­ment, al­so je joue de la flûte, ich spie­le Flö­te. Der Dreh­buch­satz lau­tet auf DE: „Sie ging zum Kla­vier und ließ ih­re Hän­de über die Tas­ten glei­ten.“ Le cla­vier sind al­so die Tas­ten, die­ser Feh­ler heißt ‚Fal­scher Freund‘. Und wenn ich wie hier am Com­pu­ter „in die Tas­ten haue“, dann be­we­ge ich mei­ne Fin­ger auch über ein cla­vier.

Made in France
By the way, der­art ein­fa­che Sät­ze wie mein Bei­spiel­satz da oben über­trägt die KI spie­lend. Trotz­dem ver­lan­gen wir Pro­fis für die Über­set­zung das glei­che Ho­no­rar wie frü­her, denn das Kor­rek­tur­le­sen ist auf­wän­di­ger.

Und bei krea­ti­ven Tex­ten, wo es auf Nu­an­cen an­kommt, auf kul­tu­rel­le An­spie­lun­gen, auf die Mu­si­ka­li­tät ei­nes Tex­tes, ist die KI kom­plett über­for­dert.

Et voi­là ! (Aus­spra­che­hil­fen: [e vwaˈla] und Link)

Sol­che Aus­spra­che­hil­fen sind wich­tig. Ich är­ge­re mich je­des Mal, wenn pro­fes­sio­nel­le Spre­cher Be­grif­fe nicht nach­schla­gen und dann Ej, Vio­la! sa­gen. Erst neu­lich in ei­nem Hör­buch ei­ner deut­schen Au­to­rin, das in Pa­ris spielt, ge­hört da­zu wur­den 90 Pro­zent al­ler fran­zö­si­schen Ei­gen- und Orts­na­men falsch aus­ge­spro­chen. Wo wa­ren da: Re­gie, Re­dak­ti­on, Her­stel­lungs­lei­tung, Ver­lags­mit­ar­bei­ter, Au­to­rin? Wo­für be­kom­men die ihr Geld? Wo liegt hier jetzt bit­te­schön der Mehr­wert?)

P.S.: Ich kann auch als Spre­che­rin ge­bucht wer­den, der sowas nicht pas­siert.

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Gra­fik: Netz­fund

Montag, 23. März 2026

Montagsschreibtisch (132)

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­tions­rei­sen. Heu­te: Montagsschreibtisch!

Schreibtisch am Fenster mit Pflanzentisch
Ruhige Arbeitsecke
Das Früh­jahr kommt jetzt mit Wucht nach Ber­lin. Schön!

In Süd­deutsch­land lau­fen sie schon ohne Män­tel her­um, man­che so­gar im T-Shirt und mit Son­nen­bri­lle, am Wo­chen­en­de dort­selbst ge­se­hen. Was steht diese Wo­che an? 

Wo­chen­pro­gramm:
❦ Ver­an­stal­tung Bil­dungs­bio­gra­fien in Eu­ropa
❦ Sprach­ver­än­de­rungen in Zei­ten der Ul­tra­di­gi­ta­li­sie­rung
❦ Kos­ten­vor­an­schlag
❦ Rei­se­pla­nung


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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 20. März 2026

Fehler

Hal­lo & Hel­lo, bon­jour & will­kom­men auf den Sei­ten mei­nes Dol­metsch­we­b­logs. Über mei­ne Ar­beit schrei­be ich in­zwi­schen im 20. Jahr, Ziel­pu­bli­kum wa­ren und sind Schü­ler:in­nen, Stu­dent:in­nen, Kund:in­nen und all­ge­mein an Sprach­ar­beit In­ter­es­sier­te. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Die Dritt­spra­che ist Eng­lisch, was auch die Ziel­spra­che mei­ner Bü­ro­kol­le­gin ist. 

Der­zeit gibt es Ver­zö­ge­run­gen bei mei­nen Pos­tings, ich wer­de ein we­nig ver­suchs­hal­ber pos­ten und dann wie­der off­line neh­men, al­so nicht wun­dern, bit­te, denn es gibt ei­nen Feh­ler bei Blog­spot.com, jetzt blog­ger.com.

Oder liegt es schlicht dar­an, dass ich seit bald 20 Jah­ren im glei­chen In­ter­face pos­te, das da­für gar nicht aus­ge­legt wur­de? Ich ha­be im­mer mehr den Ein­druck, dass hier in Sa­chen tech­ni­scher Main­te­nan­ce nicht viel pas­siert. Statt­des­sen haut ei­nem blog­ger.com un­ge­fragt Goog­le-Such­links in die Tex­te rein. Nun, im Som­mer muss ich die­se Sei­te wohl um­zie­hen.

Bis da­hin muss ich mir et­was über­le­gen, wenn ich links- oder rechts­bün­di­ge Bil­der pos­ten möch­te. Oder eben Tricks he­raus­finden.


Fehler 404



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Gra­fik: ChatGPT

Mittwoch, 18. März 2026

Kopf vs. Maschine

Wie Sprach­pro­fis ar­bei­ten, ge­nau­er: Fach­leu­te fürs Dol­met­schen und Über­set­zen, was sie bzw. wir ge­nau ma­chen, ist im 20. Jahr Ge­gen­stand die­ses Web­logs. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te meis­tens als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

Schulklasse, Kreidetafel
Back to the future: Kreidezeitalter!
Wir Sprach­ar­bei­ter:in­nen wis­sen ge­nau, wie Ler­nen geht. Fragt uns!

Je­de(r) von uns ist für ver­schie­de­ne Lern­ka­nä­le bes­ser oder we­ni­ger gut be­gabt. Das spie­gelt die Viel­falt un­se­rer Bio­lo­gie. Bei mir ist es ein Mix aus ver­schie­dens­ten Me­tho­den: les­en, hö­ren, schrei­ben, se­hen und selbst The­men vi­su­ell dar­stel­len.

Am An­fang von Lern­pha­sen soll­te al­so ste­hen, sich selbst und sei­ne Vor­lie­ben ken­nen­zu­ler­nen.

Ab­wechs­lung und al­le Sin­ne
Seit Jahr­zehn­ten ist die Ge­hirn­for­schung sicher: Der rei­ne Lehr­vor­trag, stu­res Pau­ken und Re­zi­tie­ren bringt Ler­nen­de sel­ten weit. Das Ge­hirn lernt nicht li­ne­ar. Es ver­knüpft, wie­der­holt, ver­wirft, baut neu. Und es braucht da­für Rei­ze, Wech­sel und Be­deu­tung und zwi­schen­mensch­li­che Be­zie­hun­gen.

Ler­nen mit al­len Sin­nen und ein ste­ti­ger Wech­sel der Me­tho­den ver­stär­ken die­sen Pro­zess.

Vom All­ge­mei­nen zum De­tail, vom Hö­ren zum Spre­chen, vom Le­sen zum An­wen­den – die­se Dy­na­mik hilft dem Ge­hirn, Struk­tu­ren auf­zu­bau­en und Wis­sen si­cher zu ver­an­kern. Ein her­vor­ra­gen­der Tipp ist: hands on! Ma­chen! Mit der Hand schrei­ben, zeich­nen, Ver­su­che auf­bau­en, um­set­zen.

Neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en zei­gen deut­lich ...
— Ak­ti­ves Ab­ru­fen von Wis­sen kann die Be­hal­tens­leis­tung um bis zu 50 % stei­gern im Ver­gleich zum blo­ßen Wie­der­le­sen.
— Be­we­gung wäh­rend des Ler­nens kann die Ge­dächt­nis­leis­tung um rund 10–20 % ver­bes­sern.
— Mul­ti­mo­da­les Ler­nen (meh­re­re Sin­ne) führt zu deut­lich hö­he­rer Trans­fer­leis­tung als ein­ka­na­li­ges Ler­nen.
— Die Auf­merk­sam­keit sinkt bei rein pas­si­vem Zu­hö­ren oft schon nach 15–20 Mi­nu­ten, bei Kin­dern, die früh mit di­ver­sen Me­dien in Kon­takt ge­tre­ten sind, so­gar nach nur ei­ner Mi­nu­te.

Viel­falt der Schul­fä­cher und Hob­bies
Wenn al­so Sport, Mu­sik, Kunst, Hand­wer­ken, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kon­flikt­trai­ning und der Um­gang mit Emo­tio­nen, die Stär­kung des Selbst­wert­ge­fühls so­wie Gärt­nern oder krea­ti­ve Pro­jek­te wie Thea­ter und Tanz fest zum Lern­all­tag ge­hö­ren, pas­siert ge­nau das: Wis­sen ver­bin­det sich mit Er­fah­rung. Es wird le­ben­dig und dau­er­haft.

Gleich­zei­tig wächst die Kri­tik an klas­si­schen Un­ter­richts­for­men wei­ter. 90 Mi­nu­ten still­sit­zen, zu­hö­ren, no­tie­ren, das wi­der­spricht dem, was wir über Auf­merk­sam­keit wis­sen. Mo­der­ne di­dak­ti­sche Kon­zep­te set­zen des­halb auf kür­ze­re Ein­hei­ten, Be­we­gung, In­ter­ak­ti­on, Phasen selbstbestimmten Lernens, ech­te Ak­ti­vie­rung.

Auch die Di­gi­ta­li­sie­rung wird in­zwi­schen dif­fe­ren­zier­ter be­trach­tet. Lan­ge galt: Ta­blet + Bild­schirm = Fort­schritt. In­zwi­schen zeigt sich ein kom­ple­xe­res Bild.

Das neue Ler­nen ist das alte
Schwe­den zum Bei­spiel hat sei­ne Stra­te­gie teil­wei­se kor­ri­giert. In ei­ner fast zwan­zig Jah­re an­dau­ern­den Pha­se star­ker Di­gi­ta­li­sie­rung wur­de be­ob­ach­tet:

— Das Le­se­ver­ständ­nis sank mess­bar
— Die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit nahm ab
— Grund­le­gen­de Fer­tig­kei­ten ver­schlech­ter­ten sich

Die Re­ak­ti­on der Gesellschaft ist klar: Es ging zu­rück zu ge­druck­ten Lehr­bü­chern, es wird wieder mehr hand­schrift­lich ge­ar­bei­tet. Stu­di­en zei­gen, dass Le­sen auf Pa­pier häu­fig zu bes­se­rem Ver­ständ­nis führt und hand­schrift­li­ches Schrei­ben mehr Ge­hirn­ak­ti­vi­tät aus­löst als Tip­pen.

Gleich­zei­tig gilt: Di­gi­ta­le Werk­zeu­ge sind nicht das Pro­blem, ihr un­re­flek­tier­ter Ein­satz war es. Als Ergänzung können sie Ler­nen ver­tie­fen, ver­net­zen und in­di­vi­dua­li­sie­ren, wenn die Grund­la­gen stim­men.

Wir Men­schen kon­trol­lie­ren
Und noch et­was kommt da­zu: Wir müs­sen wei­ter­hin un­se­re Kul­tur­tech­ni­ken be­herr­schen und un­se­re Fä­cher ver­tieft ler­nen. Denn dass KI uns Er­geb­nis­se aus­wirft, so­bald ein Prompt halb­wegs stimmt, setzt ge­nau das vor­aus. Wir müs­sen wis­sen, wie man fragt. Wie man Tex­te schreibt. Wie man über­zeu­gend for­mu­liert und In­hal­te struk­tu­riert. Und vor al­lem: wie man Er­geb­nis­se kri­tisch prüft.

Denn was die Ma­schi­ne lie­fert, ist oft nur ein (schwa­cher) Ent­wurf, manch­mal gut, oft ge­nug Sil­ben­rau­schen, Blend­werk, manch­mal schlicht Murks. Nur, wer das er­kennt, kann nach­ar­bei­ten und ver­bes­sern, im schlimms­ten Fall ein­fach neu­schrei­ben.

So, wie eine Schreib­ma­schi­ne nicht selbst tex­tet, kann es auch das to­te Sys­tem aus Bits und Bytes nicht oh­ne uns. 

Da­ten­fleisch­wolf
Das wirft recht­li­che Fra­gen auf: Ak­tu­el­le Ma­schi­nen be­ruh­en auf ei­nem rie­si­gen Da­ten­klau, der zum Glück im­mer mehr in das Be­wusst­sein der Öf­fent­lich­keit tritt. So er­mit­telt seit En­de letz­ten Jah­res die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­sion ge­gen Google, das In­halte von Web­sei­ten im KI-Mo­dus nutzt, oh­ne Rech­te­in­ha­ber:in­nen an­ge­mes­sen zu ver­gü­ten; You­Tube steht zu­dem un­ter Ver­dacht, Nut­zervi­de­os für das KI-Trai­ning zu nut­zen. Das sind nur zwei Bei­spiele un­ter vie­len.

Viel­leicht ist das die ei­gent­li­che Bot­schaft: Ler­nen und Kreativität bleiben un­se­re Auf­ga­ben. Die Werk­zeu­ge wer­den mo­der­ni­siert. Und Tech­nik in Kin­der­hän­den: Ob­acht!

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Bild: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Dienstag, 17. März 2026

Reizklima

Was wir Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher be­ruf­lich ge­nau ma­chen, ist seit 2007 Ge­gen­stand die­ses Web­logs. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te meis­tens als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Heu­te geht es ums Ler­nen.

Grund­schul­kin­der
Schul­kin­der
Ges­tern ha­be ich ei­ne Dis­kus­sion ge­hört, in der es um Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie ging, als Teil mei­ner Kon­fe­renz­vor­be­rei­tung. Zen­tral da­bei war das di­gi­ta­le „Neu­land", um die ein­sti­ge Kanz­le­rin zu zi­tie­ren. Da­mit mei­ne ich nicht das In­ter­net, son­dern die Ge­wohn­hei­ten, die es er­zeugt.

Ei­ne Leh­re­rin hat be­rich­tet, dass sie Schü­lern kaum noch län­ge­re Fil­me zei­gen kön­ne. Als ei­ne Kol­le­gin aus­fällt, bie­tet sie bei­den von ihr pa­ral­lel be­auf­sich­tig­ten Klas­sen ei­nen Do­ku­men­tar­film an, der zum Un­ter­richts­stoff passt, und ver­sucht, ih­re Zeit ge­recht auf bei­de Lern­grup­pen auf­zu­tei­len. Die Vier­zehn- und Fünf­zehn­jäh­ri­gen wur­den da­her ge­be­ten, Kern­in­for­ma­tio­nen zu no­tie­ren. In­des, ih­re Auf­merk­sam­keit bre­che viel zu schnell weg.

Sie kön­ne sol­che Fil­me nur noch so zei­gen, dass sie stän­dig vor Ort sei, um den Film zu un­ter­bre­chen und In­hal­te wie­der­ho­len zu las­sen, „da­mit über­haupt et­was hän­gen­bleibt". Mus­ste sie frü­her al­le zwei, drei Mi­nu­ten ei­nen neu­en Reiz an­bie­ten, lie­ge heu­te die Auf­merk­sam­keits­span­ne der jun­gen Leu­te bei 20 bis 30 Se­kun­den. Die Schul­lei­tung ha­be da­her Si­cher­heits­per­so­nal und Er­zie­her:in­nen für man­che Al­ters­grup­pen ein­be­stellt. Das ein­zi­ge Ziel sei jetzt nur noch ein ge­rin­ger Ge­räusch­pe­gel, sag­te sie, und sie fasst zu­sam­men: „ver­lo­re­ne Lern­zeit".

In­for­ma­ti­ke­rin Glo­ria Mark von der Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia misst das im Bü­ro: Zeig­ten Er­wach­se­ne 2004 noch 150 Se­kun­den Auf­merk­sam­keit am Stück, sind es heu­te nur noch 50, al­so zwei Drit­tel we­ni­ger Zeit und Tie­fe.

Das Pro­blem ist nicht tri­vi­al. Kur­ze Kon­zen­tra­ti­ons­pha­sen sind dra­ma­tisch in Zei­ten, in de­nen das Er­ken­nen kom­ple­xer Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen po­li­ti­schen, öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen The­men im­mer wich­ti­ger wird.

Der Grund für den Ver­lust sind ul­tra­kur­ze Schnit­te in Trick­fil­men so­wie die per­ma­nen­te Ver­füg­bar­keit der Mo­bil­te­le­fo­ne. Wer selbst so ei­nen Ta­schen­ter­ro­ris­ten sein Ei­gen nennt, kennt das Phä­no­men des Doom­scrol­lings: kli­cken-wi­schen-wei­ter! Das mag kurz im War­te­zim­mer nütz­lich sein, kon­di­tio­niert aber lang­fris­tig un­ser Ver­hal­ten: Das Ge­hirn ver­langt im­mer mehr neue Rei­ze, im­mer schnel­ler.

Die Recht­fer­ti­gung fürs In­ha­lie­ren der Schnip­sel ist eben­so na­he­lie­gend wie selbst­be­trü­ge­risch: Je­de In­fo er­scheint uns wich­tig. Doch oh­ne Ein­ord­nung, Ver­knüp­fung und Struk­tur kann das Ge­hirn das Ge­se­he­ne schwer ver­ar­bei­ten.

Be­stenfalls blei­ben De­tails hän­gen, das gro­ße Gan­ze ver­schwimmt. Wenn al­les wich­tig ist, ist nichts mehr wich­tig. Wis­sen ver­wischt, und die An­fäl­lig­keit für Falsch­in­for­ma­tio­nen steigt. Dass die Big tech ih­re Al­go­rith­men auf die Zie­le der Geld­ge­ber aus­rich­tet, ist be­kannt. So ist der Bre­xit ent­stan­den, der Ein­fluss ist be­legt.

Nach Doom­scrol­ling füh­len sich die Men­schen leer. Der Do­pa­min­spie­gel fällt ab, Frust steigt, ei­ne Grund­stim­mung, die das per­fek­te Ein­falls­tor für Het­ze dar­stellt. Der Kör­per mu­tiert fremd­ge­steu­ert zur Echo­kam­mer des Ge­se­he­nen.

Ist das zu stark ver­ein­facht? Nein, wis­sen­schaft­lich be­legt. Die For­de­rung nach Ein­schrän­kun­gen für Kin­der und Ju­gend­li­che ist nur kon­se­quent. Der klars­te Satz da­zu: Wir ge­ben ih­nen kei­ne Tech­nik in die Hand, wir lie­fern ih­re Ge­hir­ne an die Tech­nik aus.

Wis­sen auf­zu­bau­en be­deu­tet, zu­zu­hö­ren, zu le­sen, zu über­prü­fen, ein­zu­ord­nen, Struk­tu­ren zu se­hen und Fak­ten zu spei­chern. Und nur durch das Er­ken­nen von Zu­sam­men­hän­gen kom­men wir über­haupt erst in die La­ge, per­fi­de Ab­sich­ten und Feh­lin­for­ma­tio­nen auf­zu­de­cken. Bil­dung schützt meis­tens vor Rat­ten­fän­gern. Sie stärkt die De­mo­kra­tie. Und Bil­dung braucht Dis­tanz: we­ni­ger Bild­schirm, mehr Skep­sis.

In­ter­es­sant: Im Si­li­con Val­ley schi­cken vie­le ih­re Kin­der auf Wal­dorf- oder Mon­tes­so­ri­schu­len und prak­ti­zie­ren strik­te Tech­nik­kon­trol­le. Den Gran­den der Tech-In­dus­trie, die es of­fen­bar bes­ser wis­sen, müs­sen wir für den Rest der Welt schlech­te Ab­sich­ten un­ter­stel­len.

Neu­lich beim Arzt: Ein Klein­kind starrt im Kin­der­wa­gen auf Trick­fil­me, über­mü­det, un­ru­hig. Ein Drei­jäh­ri­ger im Zug lässt sich nur mit Tab­let vor Au­gen füt­tern. Und nein, au­ßer kind­ge­rech­ter Be­schäf­ti­gung und ech­ter el­ter­li­cher Zu­wen­dung hat ihm nichts ge­fehlt. (Bei­de El­tern hin­gen stän­dig an ih­ren Smart­pho­nes.) Das sind lei­der kei­ne Ein­zel­fäl­le, son­dern ei­ne Zeit­bom­be, auch volks­wirt­schaft­lich.

Ei­ni­ge Jah­re spä­ter

Das Ge­gen­gift ist so ba­nal wie wirk­sam: le­sen, vor­le­sen, Lan­ge­wei­le zu­las­sen, Men­schen tref­fen. Wer kann, soll­te me­di­tie­ren und spa­zie­ren­ge­hen. Als Kin­der ha­ben wir im Au­to das Far­ben­spiel ge­spielt, heu­te kann es ab­schwei­fen­de Ge­hir­ne ein­fan­gen: ei­ne Far­be wäh­len und schau­en, wo sie in der Um­ge­bung vor­kommt.

Gym­nas­tik und Yo­ga sind die bes­ten Er­gän­zun­gen, ge­ra­de für Sitz­men­schen. Mit der Hand schrei­ben, bas­teln, DIY. Wir ler­nen am bes­ten buch­stäb­lich durch das Be­grei­fen, der gan­ze Kör­per ist am Lern­vor­gang be­tei­ligt und das Ge­hirn braucht Ab­wechs­lung. Ei­ne Bü­ro­kol­le­gin auf Zeit lernt jetzt stri­cken, ich ge­he gleich wie­der gärt­nern.

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Fo­tos: pixlr.com (Zu­falls­fun­de)

Montag, 16. März 2026

Montagsschreibtisch (131)

Den Abeits­all­tag ei­ner Dol­met­scherin fin­den Sie auf die­sen Sei­ten skiz­ziert. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­lische Spra­che. Mei­ne Bil­dung er­wei­tere ich täg­lich, auch am Wo­chen­en­de im Mu­seum.

Das Wet­ter weist nor­ma­le Tem­pe­ra­tu­ren für die Sai­son auf, da­zu et­was wech­sel­haft, fast schon wie im April. Das ist gu­tes Wet­ter fürs Wei­ter­ler­nen, ja! Trotz­dem wun­de­re ich mich. Wir le­ben in ei­ner ko­mi­schen Zeit.

Menschen im Büro ... im Gespräch
Klei­ne Dis­kus­sion über De­sign
In ei­ner Zeit, in der Ge­sprä­che über Wet­ter und Kli­ma von zu vie­len nicht ernst­ge­nom­men wer­den. Don't look up!

Auf dem Schreib­tisch:
❦ Rei­se­pla­nung
❦ De­sign­fra­gen
❦ Film­ex­posé: Kor­rek­tur­le­sen ei­ner Über­set­zung
❦ An­ge­bote durch­rech­nen

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv Elias Los­sow)

Freitag, 13. März 2026

Wortmuseum (44)

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Wie wir Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Be­ruf ge­hört auch, dass wir uns stän­dig Ge­dan­ken über die Ar­beits­mit­tel ma­chen, über Tech­nik, na­tür­lich, aber auch über die Spra­chen. Heu­te: Blick ins Wör­ter­mu­se­um.

              
             
 Auf­trum­pen

Die­ses Wort ist so­wohl ein Sub­stan­tiv als auch ein Verb. Ihm liegt auf­trump­fen zu­grun­de, „sei­ne Über­le­gen­heit deut­lich zei­gen, un­ter Be­weis stel­len“. Hier geht es nicht um ech­te Über­le­gen­heit, son­dern um Macht, die aus ei­ner be­stimm­ten Ecke kommt.

Wir be­ob­ach­ten der­lei ge­ra­de, wenn sich Men­schen mit po­li­ti­scher oder öko­no­mi­scher Macht die Ar­gu­men­ta­ti­ons­mus­ter und -me­tho­den der nord­ame­ri­ka­ni­schen be­lei­dig­ten Oran­ge an­eig­nen.

Hokkaidokürbis mit Trumpfrisur
Nicht nur Orange, sondern auch Kürbis

Denn aus Orange face und ‚be­lei­dig­ter Le­ber­wurst‘ wur­de jetzt auch noch die be­lei­dig­te Oran­ge. Auf Fran­zö­sisch ist die be­lei­dig­te Le­ber­wurst la pe­ti­te rei­ne oder faire du bou­din, wörtlich: ei­nen auf Blut­wurst ma­chen. Ju­bel! Hier ha­ben wir das Würst­chen wie­der, so et­was geht bei Über­set­zun­gen ja oft ver­lo­ren. Aus der Le­ber­wurst, le bou­din, ha­ben die Fran­zo­sen auch noch ein Verb ab­ge­lei­tet, bou­der.

„In Über­see spielt Orange face die be­lei­dig­te Le­ber­wurst“ könn­te auch so über­tra­gen wer­den: Aux États-Unis, le vi­sa­ge orange en fait tout un plat, wört­lich: macht Orange face (aus et­was Klei­nem) ein gan­zes Ge­richt, ei­ner Re­dens­art des frü­hen 20. Jahr­hun­derts fol­gend, „aus ei­ner Klei­nig­keit ein gro­ßes Ge­richt ma­chen“, al­so aus ei­ner win­zi­gen Zu­tat ein auf­wen­di­ges Fest­mahl zau­bert.

Oder aus der Maus ei­nen Ele­fan­ten ma­chen? Hier sind wir im Tier­reich und Orange bie­tet ein Ein­falls­tor für Miss­ver­ständ­nis­se, denn von ‚Orange‘ zu ‚Orang Utan‘ ist es vi­su­ell nicht weit. Und wir wol­len ja kei­ne Pri­ma­ten be­lei­di­gen, oder?

Zu­sam­men­fas­sung: Hier gibt es Bau­ma­te­ri­al für ad­äqua­tes Rü­ber­schub­sen in die an­de­re Kul­tur, und das ist schön!

Sprung in die Welt­la­ge: Von Pro­ble­men im In­land durch Krie­ge ab­len­ken, ist so alt wie die Welt­ge­schich­te. Schlimm, wenn es oh­ne Plan und Ziel ge­schieht. Wie krie­gen wir un­se­re Welt so sta­bil, dass nicht wie in den USA die größ­ten Psy­cho­pa­then, Un­ge­bil­de­ten, Nar­ziss­ten, Über­rei­che, Kin­der- und Frau­en­fein­de, hier so­gar: kran­ke Opas mit kur­zem Ab­lauf­da­tum und we­nig Lie­be für die die An­ge­hö­ri­gen = das Ge­gen­teil von Weit­sicht, die Macht über­neh­men?

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Gra­fik:
KI