Donnerstag, 27. August 2026

Bonjour

.. und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Grüne Jalousien, Treppe, Pflanzen
Bienvenue !

Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben Jour­na­lis­tin, bie­te ich auch Text­ar­beit an­, und zwar mit gro­ßem Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.


Mittwoch, 26. August 2026

Die nette Apo­ka­lypse

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Die KI-Gran­den spre­chen mit er­staun­li­cher Ge­las­sen­heit da­von, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit ihre Er­fin­dung die Mensch­heit aus­lö­schen oder sie dauer­haft ent­mach­ten wird. Sie schät­zen die Ge­fahr auf et­was zwi­schen 25 und 50 Pro­zent ein.

Nie­mand wür­de in ein Flug­zeug ein­stei­gen, das mit der Wahr­schein­lich­keit von 25 bis 50 Pro­zent ab­stür­zen wird. Hier aber lau­tet der Re­frain: „Kein Grund zur Pa­nik! Fas­ten seat­belt! Auf zur nächs­ten Run­de!“

... und (fast) al­le se­hen das Prob­lem!
Die Ge­men­ge­la­ge er­weist sich als fast nied­lich, wenn wir be­denk­en, WER hier am Werk ist: Die mehr als 3.000 Mil­li­ar­dä­re der Welt besit­zen inzwi­schen 18,3 Bil­lio­nen Dol­lar, wäh­rend die ärmere Hälf­te der Mensch­heit weni­ger besitzt als die zwölf reichs­ten Män­ner zusam­men. In der Spit­zen­grup­pe der Überreichen fin­den sich Tech-Män­ner — und nicht eine Frau.

Diese Her­ren ser­vie­ren uns ein Ar­gu­ment, das ich eine Beru­hi­gungs­pil­le nen­ne: Sie be­haup­ten, dass Ar­beit künf­tig optio­nal wer­den kön­ne, da Maschi­nen für uns ar­bei­ten wür­den. Und da­mit nie­mand in Pa­nik ver­fällt, wird hin­ter­her­ge­scho­ben, dass jed­er Mensch ein üppi­ges Grund­ein­kom­men be­kom­men wer­de.

Ach, wie über­aus beru­hi­gend!

Nur: Wenn die­se Her­ren wirk­lich so sehr am Wohl­er­ge­hen der Mensch­heit inter­es­siert wä­ren, wa­rum ma­chen sie nicht heu­te schon et­was? Sie könn­ten längst einen be­trächt­li­chen Teil ih­res Ver­mö­gens und ih­res poli­ti­schen Ein­flus­ses ge­zielt da­für ein­set­zen, Hun­ger, ver­meid­ba­re Krank­hei­ten und extre­me Armut zu bekämp­fen und die Struk­tu­ren dau­er­haft zu ver­än­dern, die die­se Un­gleich­hei­ten seit Jahr­hun­der­ten pro­du­zie­ren. Das Geld da­für ha­ben sie, den Ein­fluss auch, die Tech­nik erst recht.

Statt­des­sen bau­en sie Rechen­zen­tren, die ex­trem viel Strom, Was­ser, Land und Infra­struk­tur bean­spru­chen, für de­ren Be­trieb neue Gas­kraft­wer­ke ent­ste­hen sol­len. Kurz: Die KI ist ein ast­rei­ner CO₂-Trei­ber. Ers­ter Wi­der­stand regt sich vie­ler­orts; man­che Gemein­den ver­hin­dern oder brem­sen die Pla­nung aus. (Wohl dem Land, des­sen de­mo­kra­ti­sche Struk­tu­ren funk­tio­nie­ren!) Die In­ter­na­tio­na­le Energie­agen­tur (IEA) erwar­tet, dass sich der welt­wei­te Strom­ver­brauch von Rechen­zen­tren bis 2030 etwa ver­dop­pelt.

Und auch die öko­lo­gi­schen Neben­wir­kun­gen wer­den unter­sucht: Lärm, Licht, elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der, Was­ser­ver­brauch sowie die Fra­ge, was sol­che Anla­gen mit den Öko­sys­te­men ma­chen, in die sie ge­stellt wer­den. Bei Bie­nen gibt es bereits Hin­wei­se auf Beein­träch­ti­gun­gen der wert­vol­len Ar­beit der Be­stäu­ber durch Re­chen­zen­tren; der direk­te Nach­weis steht aller­dings noch aus.

Die ei­gent­li­che Zu­kunfts­vi­sion muss eine an­de­re sein: nicht Ma­schi­nen­herr­schaft mit Grund­ein­kom­men, son­dern Men­schen­herr­schaft über die Ma­schi­nen. Denn wir sind die Mehr­heit, wir ha­ben Stimm­recht, wir kön­nen NEIN sa­gen, wenn unse­re Land­schaf­ten, unser Was­ser, unser Strom und un­se­re Le­bens­zeit für die nächs­te Bil­lio­närs­phan­ta­sie drauf­ge­hen sol­len.

Wir müs­sen nicht bei den dys­to­pi­schen Bil­dern und den lee­ren Ver­spre­chen der Tech-Bros ste­hen blei­ben. Es gibt vie­le po­si­ti­ve Bil­der ei­ner le­bens­wer­ten Zu­kunft, die wir ent­wic­keln und ver­brei­ten dür­fen. Das mit der Ver­brei­tung ist ei­ne Fra­ge der Kom­mu­ni­ka­tion. Die mensch­li­che Psy­che zieht lei­der Ne­ga­tiv­mel­dun­gen vor. Wir sind eine Spe­zies, de­ren Psy­che noch auf dem Stand der Höh­len­be­woh­ner funk­tio­niert. Da­mals war es über­le­bens­wich­tig, Ge­fah­ren schnell zu er­ken­nen.

Chan­cen ha­ben es schwe­rer. Da­bei gibt es star­ke Bil­der ei­ner an­de­ren Zu­kunft: Schwamm­städ­te, Agro­forst­wirt­schaft, re­gio­nal an­ge­pass­tes Saat­gut, Markt­gärt­ne­rei­en, Hu­mus­auf­bau, na­tür­li­che Wäl­der, Was­ser­land­schaf­ten, ge­sun­de Bö­den und Le­bens­mit­tel. Ge­nos­sen­schaft­li­ches Bau­en, Holz, Lehm und ge­sun­de Bau­stof­fe, Mit­be­stim­mung, De­mo­kra­tie und Bil­dung mit Kopf, Hän­den und dem Bo­den un­ter den Fü­ßen.

High­tech wird da­zu­ge­hö­ren, wenn sie uns hilft, Zu­sam­men­hän­ge zu ver­ste­hen, statt sie zu zer­stö­ren, wenn sie beim Mes­sen und Ana­ly­sie­ren und In­for­mie­ren hilft.

Die Na­tur ist kom­ple­xer, als wir den­ken; sie ist so kom­plex, dass wir sie noch nicht ver­ste­hen. Auf dem Mars ist der Bo­den tot. Hier ist al­les mit al­lem ver­bun­den und wir sind ihre Schü­ler. Wir wis­sen viel, aber längst nicht ge­nug. Wir sind al­le Lehr­lin­ge. Nur eins ist klar: Wir Men­schen sind Teil der Na­tur. Au­ßer­halb ei­ner ge­sun­den Na­tur kön­nen wir nicht über­le­ben.

Die Welt ge­hört uns nicht, wir ge­hö­ren zu ihr. Uto­pie statt Apo­ka­lyp­se, lau­tet die Pa­ro­le. In­ner­halb der nächs­ten Ta­ge folgt da­zu mehr.


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Gra­fik: C.E. (mit al­ten Mit­teln plus Pho­to­shop)

Montag, 24. August 2026

Montagsschreibtisch (154)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Mon­tags schau­en wir auf mei­nen Schreib­tisch.

Fenster, Tisch, Laptop mit Erhöhung
Am Schreib­tisch quer durchs Land
Mein Ar­beits­platz ist an die­sem Wo­chen­an­fang wie­der in Be­we­gung! Ich sit­ze re­gel­mä­ßig im Zug, für die Ar­beit und für An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge, die mich zur Pend­le­rin macht.

Die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch
(wie­der in Ber­lin):
❦ ein An­ge­bot schrei­ben (Kon­fe­renz)
❦ Un­ter­ti­tel kor­rek­tur­le­sen
❦ Al­te Le­xi­ken ab­hef­ten
❦ Kom­men­de Ter­mi­ne in den Ka­len­der ein­tra­gen
❦ Ihr Ter­min viel­leicht?

Da­mit ich über­all er­go­no­misch ar­bei­ten kann, habe ich ein Hilfs­mit­tel. Es ist eben­so so ge­ni­al wie ein­fach.

Im De­tail: Es ist leicht, prak­tisch, rei­se­taug­lich und ich nut­ze es re­gel­mä­ßig. Eben­so re­gel­mä­ßig spre­chen mich Mit­rei­sen­de im Zug auf mei­ne Bü­ro­tech­nik an.

Das Ac­ces­soire ist low tech im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes, beim Ge­wicht an­ge­fan­gen: Laut mei­ner et­was gröb­lich mes­sen­den al­ten Kü­chen­waa­ge wiegt das Teil 150 Gramm. Die­se Com­pu­ter­er­hö­hung be­schert mit eins, zwei, fix eine gute Ar­beits­hö­he für die Tas­ta­tur so­wie die Min­dest­hö­he für den aus­ge­klapp­ten Mo­ni­tor, in­dem sie den Lap­top um 15 Grad kippt. Das ist nicht nur im Zug prak­tisch, son­dern auch am ei­ge­nen Schreib­tisch oder in der Dol­metsch­ka­bi­ne auf Kon­fe­ren­zen.

Der Stän­der ist nach­hal­tig, weil aus eu­ro­päi­schem Bu­chen­holz ge­fer­tigt und mit ei­ner ein­fa­chen Kreuz­über­blat­tung (so heißt das wirk­lich!), die die­sen ra­schen Auf- und Ab­bau er­mög­licht. Sonst rei­sen die bei­den „Ar­me“ flach­ge­legt in der Com­pu­ter­ta­sche mit.

Im Som­mer noch da­zu ul­tra­prak­tisch: Der Rech­ner hängt in der Luft, die Lüf­tung setzt sel­te­ner ein, denn der Stän­der wirkt als Über­hit­zungs­schutz. Ein­mal hat im Zug ein Mann sei­nen Kaf­fee ver­schüt­tet, die Mit­rei­sen­den ris­sen pa­nisch ih­re Lap­tops hoch, ich konn­te ge­las­se­ner re­agie­ren, denn die Kaf­fee­pfüt­ze hat nur die Fü­ße des Stän­ders be­netzt.

Wenn mich Mit­rei­sen­de nach dem Teil fra­gen, sa­ge ich kurz: „Wer­be­pau­se!“, er­klä­re, dass jetzt kei­ne be­zahl­te Wer­bung folgt, und wo die­ses Teil zu be­kom­men ist. Auch das hier ist kei­ne be­zahl­te Wer­be­un­ter­bre­chung. Die Fir­ma stood.it ist ei­ne ber­li­nisch-ita­lie­ni­sche Ko­pro­duk­ti­on. Ent­deckt ha­be ich sie vor län­ge­rer Zeit auf dem Kunst­markt in Ber­lin-Mit­te.

Details: Laptop mit Erhöhung
Die Er­hö­hung von stood.it
In­zwi­schen las­sen sich die Stän­der (die es auch für kom­pak­te­re Klapp­rech­ner und an­de­re Ge­rät­schaf­ten gibt) be­quem im Netz be­stel­len: Link. Wer et­was aus Me­tall sucht, wird bei Cy­ber­port oder Kauf­land fün­dig. Letz­te­res ent­wi­ckelt sich üb­ri­gens zu ei­nem Ein­kaufs­por­tal, ähn­lich dem Gi­gan­ten mit dem gro­ßen A., den kri­ti­sche Men­schen in­zwi­schen so oft wie es geht ver­mei­den (weil er Ar­beits­schutz, Ge­werk­schaf­ten und Steu­er­zah­lun­gen ver­mei­det).

Die Her­stel­ler von stood.it ge­ben Men­gen­ra­bat­te bei Groß­be­stel­lun­gen mit Fir­men­lo­go­prä­gung. Ich emp­feh­le die­se Tei­le als Prä­sent zum Jah­res­en­de. In vier Mo­na­ten plus ei­ni­gen Ta­gen be­ginnt das neue Jahr!

Vo­ka­bel­no­tiz
Kreuz­über­blat­tung — en­tail­le en croix, en­four­che­ment/en­tail­le croi­sée, as­sem­bla­ge à mi-bois en croix
die Bu­che — le hêtre


Dis­clai­mer

Ein­mal hat sich bei uns ein Gast auf ei­nen der Stän­der drauf­ge­setzt, der vom So­fa­rü­cken auf die Sitz­flä­che und ir­gend­wie un­ter ein Kis­sen ge­rutscht war. „Krack!“, das war's. Bei stood.it nach­be­stellt, und da ich schon ei­ni­ge Tei­le zum Ver­schen­ken ge­kauft und mein Ma­leur be­rich­tet ha­be, war die Fir­ma me­ga­ku­lant und hat mir spon­tan ei­nen Stän­der gra­tis zu­ge­schickt. Da­zu er­neut vie­len Dank! Den ka­put­ten Stän­der­arm ha­ben wir tat­säch­lich kom­pos­tiert.

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Fo­tos: C.E.

Freitag, 21. August 2026

Moment mal! (5)

Bon­jour, hel­lo,gu­ten Tag! Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten im 20. Jahr be­schrieben. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, arbei­te ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne auf Kon­fe­ren­zen, oder ich rei­se mit De­le­ga­tio­nen durch Län­der oder Mi­nis­te­rial­ge­bäu­de. Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ich ar­bei­te in Ber­lin, Pa­ris, Hei­delberg, Mar­seil­le und dort, wo Sie mich brau­chen!

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Manch­mal fehlt ein Wort. Nicht, weil wir ei­ne Spra­che nicht aus­rei­chend be­herr­schen wür­den. Son­dern, weil Spra­che grund­sätz­lich kom­ple­xer ist als ein Wör­ter­buch. 

Spra­che ver­än­dert sich stän­dig, wäh­rend so ein Wör­ter­buch sta­tisch bleibt, so­gar ein di­gi­ta­les. Und es kom­mt im­mer auf den Kon­text an: den sprach­li­chen Zu­sam­men­hang, die Fra­gen, das Vor­wis­sen, die Si­tuation. Des­halb kann die KI auch nur gro­be Zu­sam­men­fas­sun­gen oder zu wort­rei­ches Kau­der­welsch lie­fern. (Hal­lu­zinationen kom­men noch on top.)

Un­se­re mensch­li­chen Spra­chen sind Wun­der­wer­ke. Ein ein­zi­ges Wort kann Kul­tur, Er­fah­rung und ei­nen be­stimm­ten Blick auf die Welt ent­hal­ten. 

Der pas­sen­de Aus­druck muss nicht nur ver­ständ­lich sein. Er muss den rich­ti­gen Ton tref­fen.

Ge­nau die­se Mo­men­te ma­chen mei­nen Be­ruf span­nend. Beim Dol­met­schen geht es nicht nur dar­um, Wör­ter aus ei­ner Spra­che in ei­ne an­de­re zu über­tra­gen. Es geht dar­um, Be­deu­tung, Ab­sicht und At­mo­sphä­re zu er­fas­sen.

Manch­mal ist die kur­ze Pau­se, die das Pub­li­kum kaum wahr­nimmt, der Au­gen­blick, in dem die ei­gent­li­che Ar­beit pas­siert. Und wenn am En­de der rich­ti­ge Aus­druck ge­fun­den ist, merkt nie­mand mehr, dass er ge­sucht wur­de.

Und dann ist da die­ser Be­griff, der mir so ver­traut ist, dass ich kurz grüb­le und eine Se­kun­de län­ger su­che als sonst, weil mir erst wäh­rend des Nach­den­kens ein­fällt, dass es die­ses ei­ne, ganz be­stim­mte Wort nur in ei­ner mei­ner Spra­chen gibt. Dann darf ich einen kur­zen An­flug von Trau­er weg­at­men, denn ein Mo­ment von Prä­zi­sion und Schön­heit wird das Ohr der ge­neig­ten Zu­hö­rer­schaft heu­te nicht er­rei­chen, und schnell wei­ter­spre­chen.

(Der Kopf hat­te hier kurz aus ei­ner in die­sel­be Spra­che zu über­tra­gen ver­sucht. Na­tür­lich flir­ren im­mer bei­de Idio­me stän­dig lei­se mit, ger­ne auch die drit­te oder x-te Spra­che.)

Das Pu­bli­kum merkt auch die­ses Zö­gern nicht. Das ist viel­leicht das schöns­te Kom­pli­ment für gu­te Dol­met­sch­ar­beit, wenn Sprach­gren­zen ver­schwin­den: „Es war so, als hät­ten wir der vor­tra­gen­den Per­son im O-Ton zu­ge­hört!“
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Gra­fik: KI (OpenAI)

Mittwoch, 19. August 2026

Wolfskinder

Hal­lo, lie­be Le­se­rin, lie­ber Le­ser! Wer schreibt hier? Ich bin Kon­fe­ren­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und blog­ge an die­ser Stel­le im 20. Jahr. Ich über­set­ze auch aus dem Eng­li­schen, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Heu­te mal wie­der: KI-Mitt­woch.

Rück­sprung in tra­gi­sche Zei­ten: Aus der Ge­schich­te sind die so­ge­nann­ten Wolfs­kin­der be­kannt, die aus den ver­schie­dens­ten Grün­den oh­ne El­tern oder an­de­re Be­zugs­per­so­nen auf­wach­sen musst­en. Sie konn­ten vie­le Grund­la­gen des Le­bens nicht ler­nen, weil nie­mand da war, der sie be­glei­te­te. Sie konn­ten ihre De­fi­zi­te meis­tens nicht auf­ho­len.

Ler­nen ist Müh­sal. Ein Kind muss erst krie­chen, krab­beln, hin­fal­len, sich hoch­zie­hen, wie­der hin­fal­len, auf­ste­hen, wa­ckeln, stol­pern, wie­der fal­len und wie­der auf­ste­hen. Das geht schier end­los so. Ir­gend­wann kann es lau­fen. Nie­mand kä­me auf die Idee, ei­nem ein­jäh­ri­gen Kind ei­nen Ro­bo­ter hin­zu­stel­len, der für es läuft, und dann zu sa­gen: „Siehst du? Jetzt kannst du ge­hen.“ Beim Ler­nen ma­chen vie­le aber ge­nau die­sen Denk­feh­ler.

Mädchen mit süßlichem Lächeln auf dem "Bärenfell" mit Selfie-Handy in der Hand
Die KI als Selbstbespielungsmaschine 
Ler­nen braucht Übung und Pra­xis. Vor al­lem braucht es den Mo­ment, in dem et­was nicht funk­tio­niert: in dem wir nach­fra­gen, uns ver­has­peln, Feh­ler ma­chen und es wei­ter ver­su­chen. Er­kennt­nis ent­steht nicht da­durch, dass die rich­ti­ge Ant­wort je­der­zeit ver­füg­bar ist. Ler­nen braucht auch ein Ge­gen­über aus Fleisch und Blut. Wer das Ler­nen ge­lernt hat, kann spä­ter na­tür­lich selbst­stän­dig mit al­ler­lei Quel­len ar­bei­ten. Das In­ter­net kann ei­ne da­von sein.

Es braucht Zeit und Ge­duld, um z.B. ei­ne Spra­che zu ler­nen.

Die KI mit ih­rer Ge­schwin­dig­keit macht zu­sam­men mit den im­mer kür­ze­ren Film­chen auf den Sei­ten der aso­zia­len Me­di­en die Men­schen im­mer un­ge­dul­di­ger. Das ist für uns Gro­ße schon ge­fähr­lich, aber bei den Klei­nen wird es brand­ge­fähr­lich.

Spre­chen­ler­nen braucht Hin­ga­be, egal ob Erst- oder Zweit­spra­che. Wir müs­sen den Sinn hin­ter den Wör­tern er­fas­sen, viel­leicht so­gar meh­re­re Be­deu­tungs­ebe­nen. Wir ler­nen beim Pro­bie­ren, beim Bas­teln mit Sil­ben, beim Spre­chen. Wir su­chen nach Wör­tern, ver­grei­fen und kor­ri­gie­ren uns. Wir er­le­ben, wie ein Laut, ein Wort schmeckt und im Mund liegt, wel­che Mus­keln da­bei ar­bei­ten und wel­che Nu­an­ce in wel­cher Si­tua­ti­on passt.

Die gan­ze Zeit geht es um viel mehr als Vo­ka­beln und Gram­ma­tik. Das kann die Ma­schi­ne schnell aus­wer­fen und ana­ly­sie­ren, manch­mal be­kommt sie so­gar die Nu­an­ce hin. Aber sie lie­fert das Wahr­schein­lichs­te, nicht das Er­leb­te, Erprobte.

Für die sprach­li­che Ent­wick­lung von Kin­dern zählt, wie viel­fäl­tig, de­tail­reich, sy­no­nym­reich, emo­tio­nal au­then­tisch und dif­fe­ren­ziert die Spra­che ist, die sie von El­tern und an­de­ren Be­zugs­per­so­nen hö­ren. Der frü­he Grund­la­gen­kurs in Co­ding ist da­hin­ge­gen kom­plett wum­pe, wie es auf Ber­li­nisch heißt, schie­te­gal auf Ham­bur­gisch, a Hen­na­furz auf gut Schwä­bisch.

Ein Kind, das für „trau­rig“ acht ver­schie­de­ne Wör­ter und Wen­dun­gen ken­nen­lernt, hat et­was ge­lernt, das sich nicht so ein­fach durch ei­nen wei­te­ren di­gi­ta­len Skill er­set­zen lässt. Es lernt, Un­ter­schie­de wahr­zu­neh­men, Ge­füh­le zu be­nen­nen und Emp­fin­dun­gen zu un­ter­schei­den. Es lernt, sich zu re­gu­lie­ren und, falls nö­tig, Hil­fe zu ho­len. Und es be­kommt ein Werk­zeug, mit dem es spä­ter selbst wei­ter­den­ken kann: Spra­che und Struk­tur, Dif­fe­ren­zie­rungs- und Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz.

Das ei­gent­li­che Pro­blem an der gro­ßen KI-Eu­pho­rie der Tech-Bros ist des­halb gar nicht, dass die­se Tech­no­lo­gie nichts „kann“. Im Ge­gen­teil: Sie „kann“ auf Grund­la­ge der Imi­ta­ti­on un­se­rer Kul­tur­pro­duk­te er­staun­lich viel (hier ge­he ich da­von aus­, dass „Kön­nen“ er­wor­be­ne Fä­hig­kei­ten von Le­be­we­sen be­zeich­net).

Das Pro­blem ist die Ver­wechs­lung von Zu­gang zu wis­sens­ba­sier­ten In­hal­ten mit ei­ge­nem Wis­sen; von rech­ne­ri­scher Leis­tungs­fä­hig­keit mit Ver­ste­hen; von ei­ner fer­ti­gen Ant­wort mit ei­nem selbst er­ar­bei­te­ten In­halt, den wir auf Plau­si­bi­li­tät prü­fen kön­nen.

Wie soll die KI uns al­le klü­ger ma­chen? Wir ha­ben die­ses Ex­pe­ri­ment doch längst ge­macht. Das In­ter­net hat uns die Bi­blio­thek der Mensch­heit in die Hand ge­ge­ben. Je­der kann Pla­ton le­sen, Spra­chen ler­nen, sich mit Ge­schich­te, Phy­sik, Mu­sik oder Öko­lo­gie be­schäf­ti­gen. Es gibt Vor­le­sun­gen, Kur­se, Do­ku­men­ta­tio­nen und die wun­der­ba­re Idee ei­ner Uni­ver­si­té de tous les sa­voirs: Wis­sen ist da.

Und was ha­ben wir dar­aus ge­macht?

Wir ha­ben, plötz­lich wis­sens­durs­tig, eben nicht mil­lio­nen­fach den Weg an die Hoch­schu­len an­ge­tre­ten. Statt­des­sen ver­brin­gen wir ei­nen er­staun­li­chen Teil un­se­rer Zeit da­mit, uns in so­zia­len Me­di­en ge­gen­sei­tig beim Ver­blö­den zu­zu­se­hen. Das Pro­blem ist al­so nicht der feh­len­de Zu­gang zu Wis­sen. Das Pro­blem ist, was Men­schen mit die­sem Zu­gang an­fan­gen.

Mit der KI bekamen vie­le Men­schen ein gran­dio­ses Werk­zeug: ei­nen per­so­na­li­sier­ten Tu­tor, ei­ne Lek­to­rin, ei­nen Pro­gram­mie­rer, ei­ne Re­cher­che­as­sis­ten­tin und da­mit mög­li­cher­wei­se Hil­fe beim Zu­gang zu mehr Wis­sen, als ein ein­zel­ner Mensch je­mals über­bli­cken kann. Und dann ma­chen die meis­ten Men­schen da­mit im We­sent­li­chen den­sel­ben Murks wie zu­vor, nur schnel­ler und mit noch mehr Ein­satz von Ener­gie, Was­ser und Land für Re­chen­zen­tren, mit­ten in ei­ner mul­ti­plen Kli­ma­kri­se.

Das gilt na­tür­lich nicht für al­le Be­rei­che. In Me­di­zin, Tech­nik und In­for­ma­tik kön­nen Ma­schi­nen durch die Re­kom­bi­na­ti­on be­ste­hen­den Wis­sens neue Er­kennt­nis­se, Funk­ti­ons­wei­sen und Soft­ware­lö­sun­gen er­mög­li­chen. Aber auch dort bleibt die Fra­ge, wer das Er­geb­nis ver­steht, ein­ord­net und prüft.

Ein bes­se­res Werk­zeug macht aus Men­schen nicht au­to­ma­tisch bes­se­re Le­be­we­sen. Es macht uns viel­leicht zu leis­tungs­fä­hi­ge­ren Men­schen mit all unseren Neu­ro­sen, der Be­quem­lich­keit, der Un­wis­sen­heit, dem schlech­ten Ge­schmack und dem Be­dürf­nis vieler, am liebs­ten gar nichts mehr selbst ma­chen zu müs­sen.

Die KI kann er­klä­ren, re­cher­chie­ren, for­mu­lie­ren und ver­bes­sern. Sie kann aber auch ein­fach zwölf Sei­ten Un­sinn pro­du­zie­ren, die ir­gend­wie nach Wis­sen aus­se­hen. Und wenn die­ser Un­sinn dann mil­lio­nen­fach ins Netz ge­kippt wird, ha­ben wir nicht nur ein Bil­dungs­pro­blem. Wir ver­grö­ßern mit dem gro­ßen Wider­käu­er den welt­wei­ten Da­ten­müll, wäh­rend die Ma­schi­ne, der wir das ver­dan­ken, kost­ba­re Res­sour­cen im­mer knap­per wer­den lässt.

Das ist die gro­ße Pa­ra­do­xie: Wir ha­ben mehr Zu­gang zu Wis­sen als je zu­vor und im­mer bes­se­re Werk­zeu­ge, um et­was da­mit an­zu­fan­gen. Aber Ler­nen lässt sich nicht out­sour­cen.

Ein Kind muss lau­fen ler­nen. Es muss fal­len und wie­der auf­ste­hen. Im KI-Zeit­al­ter dür­fen wir nicht ver­ler­nen, selbst zu den­ken, selbst zu üben, selbst zu ir­ren, selbst zu schei­tern und dar­aus zu ler­nen.

Aus Kin­der­gär­ten und Schu­len ist zu hö­ren, dass im­mer mehr Kin­der nicht mehr rück­wärts ge­hen oder ei­ne Sche­re be­nut­zen kön­nen, da­für auf je­dem Han­dy so­fort Un­ter­hal­tungs­pro­gram­me fin­den, auch wenn sie noch gar nicht le­sen kön­nen. Das ist die Alarm­stu­fe ROT. Wir ris­kie­ren, di­gi­ta­le Wolfs­kin­der her­an­zu­zie­hen — und selbst zu er­wach­se­nen di­gi­ta­len Wolfs­kin­dern zu wer­den.

Wer weiß, was Bild­schirm­me­dien mit Auf­merk­sam­keit und Ent­wick­lung ma­chen kön­nen, schützt die ei­ge­ne Brut davor. Die Tech-Bros wis­sen das sehr ge­nau. Des­halb schi­cken die Tek­kies im Si­li­con Val­ley ih­re Kin­der ger­ne in den Wal­dorf­kin­der­gar­ten und spä­ter auf Schu­len die­ser Geis­tes­hal­tung. Im Kin­der­gar­ten spie­len sie mit Rin­de, Äst­chen und Moos, Mo­bil­te­le­fo­ne und Com­pu­ter sind ver­pönt und wer­den in der Schu­le nur in ho­mö­o­pa­thi­schen Do­sen ein­ge­setzt. Ähn­lich re­strik­tiv, wie wir ech­ten Kon­ser­va­ti­ven es ja auch hal­ten wol­len.

Und ja: Die KI kann auch gu­te Lern­pro­gram­me schrei­ben. Wer me­tho­disch ar­bei­ten kann, kri­tisch bleibt, Quel­len liest und In­hal­te ab­gleicht, kann sie als Werk­zeug nut­zen.

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Fo­to:
pixlr.com (Zu­falls­fund)

Dienstag, 18. August 2026

Wüstendesign

Bon­jour und gu­ten Tag! Sie sind auf mei­nen di­gi­ta­len Ta­ge­buch­seiten ge­lan­det. Ich bin Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin mit mehr als 20 Jah­ren Be­rufs­er­fah­rung, als Teil ei­nes Netz­werks eu­ro­pa­weit tä­tig zu Wirt­schafts- und Kul­tur­the­men, Kli­ma und Land­wirt­schaft, um nur vier Bei­spie­le zu nen­nen. Vor der Kon­fe­renz­sai­son hel­fe ich der­zeit Pri­vat­kund­schaft. Heu­te ist der ers­te Strick­jacken­tag die­ses Ul­tra­som­mers. Zeit für ei­nen Rück­blick, der lei­der sehr ak­tu­ell ist. 

Neu­lich war ich als Dol­met­scherin bei ei­ner Haus­be­sich­ti­gung auf dem plat­ten Land. „Das plat­te Land“ fühlt sich in Ber­lin erst ein­mal wie ei­ne Redens­art an. Ber­lin ist ja topf­eben. Die Hü­gel, die wir ha­ben, sind groß­teils Kriegs­schutt­ber­ge, „Mont Kla­mott“ ge­nannt.

Es ging um den Nach­zug einer Fa­mi­lie in ei­ne Lan­des­haupt­stadt eines öst­li­chen Bun­des­lan­des. Die Ehe­frau war ei­nem Ruf an eine ört­li­che Hoch­schu­le ge­folgt, die Fa­mi­lie hat­te die Nase voll vom Pen­deln. Der Re­gio­nal­zug brachte uns, den fran­zö­sisch­spra­chi­gen Familien­vater und mich, in die Stadt, wo eine jun­ge Da­me uns am Bahn­hof er­war­tete. In ei­ner schi­cken Limou­si­ne ging es an den Ziel­ort: eine rela­tiv junge Sied­lung in einer Ge­gend, die jahr­zehn­te­lang kei­nen Zu­bau ge­kannt hatte.

In den Nach­bar­gär­ten sah die Wie­se aus, als wä­re sie mit dem Li­neal mani­kürt, über­all wa­ren die Rasen­spreng­er im Ein­satz. Die an­gren­zen­den Äcker: Wüs­ten­sand­gelb stand das zu kurze Ge­trei­de, da­ne­ben ver­dorr­te Son­nen­blu­men, die wie Vo­gel­scheu­chen aus­sa­hen. Und an vie­len Grund­stü­cken mit den teu­ren Immo­bi­li­en — ein­deu­tig der Mil­lio­närs­hü­gel der Ge­mein­de — stan­den die­se grü­nen, eng­ma­schi­gen Metall­zäu­ne, die frü­her vor allem in Indus­trie­ge­bie­ten als bil­ligs­te Ein­he­gung zu se­hen wa­ren und in de­nen sich Tie­re, zum Bei­spiel Igel, zu Tode quä­len kön­nen, wenn sie sich dar­in ver­fan­gen. Da sind dann die Plas­tik­bän­der, die als Sicht­schutz ein­ge­floch­ten wer­den, viel­leicht sogar gut. Aber nur viel­leicht.

Gabionen, Steine, Steine ... und ein zartes Baumstämmchen
Gesehen anderswo
Die Alter­na­tive da­zu wa­ren Stein­gär­ten. Auf dem Fuß­weg zum Res­tau­rant, eini­ge Stun­den spä­ter, konn­ten wir den Hitze­stau durch die­se An­häu­fun­gen schon Meter im Vor­aus spü­ren. Wüs­ten­de­sign, nur dass es in Eu­ro­pa nachts eben nicht so kalt wird wie in der Sa­ha­ra. 
Am schlimms­ten fand ich ei­nen Me­tall­zaun mit ei­nem Tarn­netz aus ver­wit­tern­dem Plas­tik­e­feu oben­drauf. 

Das Gan­ze sah mehr nach Mili­tär­ba­sis aus als nach dem hilf­lo­sen Ver­such, Na­tur zu imi­tie­ren.

Ich hat­te an die­sem Tag eini­ges zu dol­met­schen. Die Ver­käu­fe­rin pries die Vor­zü­ge des Hau­ses und der Sied­lung an, sie wies auf das groß­zü­gi­ge Umfeld hin, und ich über­trug das alles brav und voll­stän­dig ins Fran­zö­sische. Ge­nau dafür bin ich schließ­lich da. Ich rei­ße mich zu­sam­men: kei­ne Iro­nie, kei­ne hoch­ge­zo­ge­ne Au­gen­braue, kei­ne klei­ne sprach­li­che Kurs­kor­rek­tur in Rich­tung Wirk­lich­keit. Eine Dol­met­scherin ist nicht dafür da, ei­ge­ne Kom­men­tare zu lie­fern.

Bei dem Ein­satz fiel es mir aller­dings nicht ganz leicht, die An­prei­sun­gen eins zu eins zu über­tra­gen, wäh­rend ich auf die­se Land­schaft schaute. Das Dol­met­schen war al­so noch an­stren­ge­nder, als sonst schon.

Die Ver­käu­fe­rin zeig­te uns dann noch ei­ni­ge Lie­gen­schaf­ten. Es wur­de nicht besser. Auf dem Weg zum Res­tau­rant gin­gen die Ver­käu­fe­rin und die Familien­mut­ter ein Stück vor uns durch eine ähn­liche, klei­ne­re, nicht ganz so vor­neh­me Sied­lung. Mon­sieur und ich folg­ten mit et­was Ab­stand. So war­en wir für einen Mo­ment unter uns. Nun durf­te ich er­fah­ren, was er von der Ge­gend hielt. Sehr viel diplo­ma­ti­scher als ich hät­te sein kön­nen, war er da­bei aller­dings nicht.

Schließ­lich wur­de es ein Dorf in der Nach­bar­schaft, ge­fun­den über Klein­an­zei­gen. Dort zieht die Fa­mi­lie bald in ei­nen res­tau­rier­ten Rest­hof, umge­ben von ech­ter Na­tur. 

#Deutschland #Hitze #Steingarten #Wassermangel #August2026 

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Fo­to: C.E. (Archiv)

Montag, 17. August 2026

Montagsschreibtisch (153)

Hal­lo! Sie le­sen (ab­sicht­lich oder zu­fäl­lig) auf Blog­sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Hier be­rich­te ich unter Wah­rung be­ruf­li­cher Ge­heim­nis­se aus unserem Be­rufs­all­tag. Hier ge­wäh­re ich wie­der ei­nen Blick auf den Schreib­tisch.

Computer, Lampe, Schreibtisch
Heu­te: drei­spra­chig
Die­se Wo­che steht an:

Ehe­schlie­ßung dol­met­schen
Ge­bäu­de­iso­lie­rung in all ih­ren Schat­tie­run­gen
 Kollege/n fin­den, der Lu­gan­da spricht (für eine Film­pro­duk­tion)
 Ab­rechnung letzte Dienst­rei­se
 Ter­min­pla­nung
 Viel­leicht Ihr Vor­ha­ben?


Huch, ers­ter Strick­jac­ken­tag seit drei Mo­na­ten! Die dic­ken Woll­soc­ken sind ganz hin­ten in der Schub­la­de. 

Es sind un­glaub­lich ge­rin­ge 20 °C. in Ber­lin, da­zu weht ein küh­les Lüft­chen durchs Fens­ter. Dann wirft je­mand die Bo­den­schleif­ma­schine an. Ab mit mir ins nächs­te Aus­weich­quar­tier. Ber­li­ner All­tag halt.

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Fo­to: C.E.

Freitag, 14. August 2026

Moment mal! (4)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der: ein kurzer Ein­blick in den All­tag.

Der schnelle Einblick
in meinen Berufsalltag
Es gibt Sät­ze, die blei­ben mir nicht we­gen ih­res In­halts in Er­in­ne­rung, son­dern weil es ei­ne spon­ta­ne For­mu­lie­rung war, die al­le über­rascht hat. Viel­leicht im Ne­ben­satz, viel­leicht war es ei­ne Hy­po­the­se. Das Pu­bli­kum lacht, wir „Sprachis“ freu­en uns. Und manch­mal ist mir ein Wort­spiel lie­ber als ein im Af­fen­tem­po ab­ge­le­se­nes Zi­tat von ... na­ja, sa­gen wir mal Hei­deg­ger.

Die spon­ta­nen Ab­wei­chun­gen ma­chen un­se­re Ein­sät­ze be­son­ders. Bei der Vor­be­rei­tung ar­bei­ten wir mit Fach­be­grif­fen, Do­ku­men­ten und Hin­ter­grund­ma­te­ri­al. Aber wäh­rend ei­ner Ver­an­stal­tung geht es nicht nur um In­for­ma­tio­nen. Es geht um Men­schen, Kul­tu­ren und Hin­ter­grün­de.

Manch­mal ist es ei­ne Im­pro­vi­sa­ti­on, mal sind es zu vie­le Sprich­wör­ter.

Zack, dann pumpt der Kör­per ein­mal Ad­re­na­lin im Kreis her­um und wir wer­den plötz­lich schlau­er, als wir ei­gent­lich sind. In so ei­nem Mo­ment ha­be ich die fran­zö­si­sche Ver­si­on von „Wer schreibt, der bleibt!“ er­fun­den, näm­lich Ce­lui qui écrit, res­te dans les es­prits. Da gab's gleich ei­ne Do­sis Ad­re­na­lin als Nach­schlag.

Wir freu­en uns im­mer über Red­ner:in­nen, die für ih­re The­men bren­nen, über Dis­kus­sio­nen, die ei­ne un­er­war­te­te Rich­tung neh­men, und über Mo­men­te, in de­nen wir auf der Kla­via­tur der Spra­che spie­len, als wä­ren wir die größ­ten Ge­nies un­ter al­len Pia­nist:in­nen.

Viel­leicht ist das ei­ner der Grün­de, wa­rum ich die­sen Be­ruf lie­be und ver­tei­di­ge: Er schenkt mir das Glück, Spra­che und Kom­mu­ni­ka­ti­on im­mer wie­der ganz neu er­le­ben zu dür­fen.

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Grafik:
 
KI (OpenAI)