Freitag, 5. Juni 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Toxische Männlichkeit

Bon­jour ! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne, wenn ich keine De­le­ga­tio­nen oder auch Kund­schaft in­di­vi­du­ell be­glei­te. Heute eine Kurz­no­tiz zum All­tag in Deutsch­land.
 
In den USA sind's die Knar­ren, in Deutsch­land die Kar­ren: alles sakro­sankt. Und die Pri­vi­le­gien der Män­ner so­wie­so. Das ist zum Kot­zen!

Es gibt Mo­men­te, in de­nen ich froh bin, (noch) keine Ge­richts­dol­met­sche­rin zu sein. (Das Ge­richts­dol­met­schen ist mein Plan D, soll­ten die Tech-Nerds, meis­tens männ­lich, wei­ter un­seren Kun­den, meis­tens männ­lich, Mär­chen über die tol­le KI er­zäh­len, wo­durch wir der­zeit vie­le Auf­trä­ge ver­lie­ren.) Denn im schlimms­ten Fall müs­sen die Wor­te von Tä­tern durch mich hin­durch.

Ich ha­be nicht durch­ge­hend in Neu­kölln gelebt. In an­de­ren Wohn­ge­bie­ten wa­ren vor Jahr­zehn­ten die Schu­len bes­ser. Aber da­mals hat­ten wir es ein-, zwei­mal die Wo­che mit Au­to­ren­nen in ei­nem Wohn­ge­biet zu tun. Das ist lan­ge her.

Hände
Ge­schlech­ter­ge­rech­tig­keit geht auch an­ders!
Doch schon vor 20 Jah­ren be­stand kei­ne Not­wen­dig­keit für die­se (meis­tens) Jung­män­ner, ihr und das Le­ben an­de­rer bei die­sen Ren­nen zu ris­kie­ren.
Meis­tens ken­nen das nur Müt­ter (aus an­de­ren Grün­den), wie es ist, näch­te­lang im­mer wie­der aus dem Schlaf ge­ris­sen zu wer­den.
Sol­che Ra­se­rei­en sind in Ber­lin in vie­len Kie­zen bit­te­rer All­tag. Die Me­dien be­rich­ten, wenn der Ir­rsinn Men­schen­le­ben for­dert.

Das ge­schah wie­der­holt, am Kur­fürs­ten­damm, aber auch in der Neu­köll­ner Her­manns­tra­ße.

Nun wur­de der Au­to­fah­rer, der vor ei­ni­gen Jah­ren mit fast 100 km/h über die­se Haupt­stra­ße Neu­kölln ge­rast ist und Fah­rer­flucht be­ging, nach­dem er ei­nen Fuß­gän­ger tot­ge­fah­ren hat, vom Amts­ge­richt zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe von 22 Mo­na­ten und Füh­rer­schein­ent­zug von zwei­ein­halb Jah­ren ver­ur­teilt. Ich kann es nicht fas­sen, dass das fort­ge­setzt als Zi­vil­ver­fah­ren ver­folgt wird.

Ra­se­rei­en in der In­nen­stadt sind po­ten­tiel­ler Tot­schlag oder Mord. Wer so rast, weiß, was er macht. (Ich schrei­be hier ER, weil es ist kein Fall be­kannt, bei dem eine Frau be­tei­ligt wä­re.) In an­dern Län­dern wür­de der Mensch jetzt län­ger im Ge­fäng­nis sit­zen.

In Deutsch­land wird so­was be­straft, als sei es ein Ka­va­liers­de­likt. Mit „Frei­heit“ hat das nichts zu tun.

Und das ist nur ein Bei­spiel für to­xi­sche Männ­lich­keit in Deutsch­land. Mei­ne Kar­rie­re als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin er­lebt nicht nur jetzt, sie­he oben, eine Aus­brem­sung durch Männ­er­bün­de.

Da­vor habe ich in den Me­dien ge­ar­bei­tet. Hier bin ich an der „Be­set­zungs­couch“ ge­schei­tert. In an­de­ren Wor­ten: Ich bin stark ge­blie­ben (und ha­be Ohr­fei­gen ver­teilt). Später wur­de mir als Jour­na­lis­tin und in der Öf­fent­lich­keits­ar­beit, als es um ei­ne Fest­an­stel­lung ging, ein Mann vor­ge­zo­gen, ob­wohl mein Ver­trag bis ins De­tail aus­ge­han­delt und die Far­be des neu­en Büro­stuhls von mir fest­ge­legt wa­ren.

Grund: Als Frischver­hei­ra­te­te wür­de ich si­cher bald „aus­fal­len“ und der Mann muss­te so­wie­so die ei­gene Fa­mi­lie er­näh­ren ... Das war in den 1990ern, und es ist heu­te noch ge­nau­so mög­lich, denn au­ßer dem Jus­ti­zi­ar und mir gab es kei­ne Zeu­gen.

So wur­de ich Dol­met­sche­rin, denn auch hier hat­te ich mich aka­de­misch aus­bil­den las­sen (ohne je­doch die Ab­sicht zu ha­ben, spä­ter haupt­be­ruf­lich in der Kon­fe­renz­dol­metsch­ka­bi­ne zu sit­zen).

Und heu­te dann der näch­ste Pau­ken­schlag der to­xi­schen Männ­lich­keit: Die Re­gie­rung will die Ren­ten­punk­te für pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge kür­zen. 87 Pro­zent der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wer­den zu Hau­se ge­pflegt. Be­trof­fen sind vor al­lem Frau­en. (Und ich schon wie­der als Pfle­gen­de in Teil­zeit.) Na toll.

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Foto: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 3. Juni 2026

Der Schein trügt

Als Kon­fe­renz­dol­metscher­in ist Fran­zö­sisch meine Haupt­ar­beits­spra­che, ich dol­met­sche in beide Rich­tun­gen (oder, sel­te­ner, aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche). Deutsch ist meine Mut­ter­spra­che und daher bei Text­ar­beit die häu­figs­te Ziel­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Auch was die Tech­nik an­geht, müs­sen wir stän­dig hin­zu­ler­nen. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Ich sit­ze in der U-Bahn und über­flie­ge vor dem Ein­satz mei­ne No­ti­zen. Woh­nungs­kauf in Ber­lin: Zwi­schen Deutsch­land und Frank­reich gibt es et­li­che Un­ter­schie­de bei der ge­setz­li­chen Grund­la­ge. Als Kon­ferenz­dol­met­scherin muss ich die­se Nu­an­cen ken­nen und sprach­lich prä­zi­se spie­geln. Be­son­ders beim ju­ris­ti­schen Dol­met­schen im No­ta­riat, wenn Ver­trä­ge recht­lich bin­dend wer­den, zählt je­des Wort.

Gesehen in Berlin
Doch im Be­rufs­all­tag ma­che ich im­mer wie­der wi­der­sprüch­li­che Er­fah­run­gen mit der Künst­li­chen In­tel­li­genz. Ein- und der­sel­be Ort, zwei glei­che Ter­mi­ne, ein Jahr Zeit­ab­stand. Das The­ma: Woh­nungs­ver­kauf.

Ich dol­met­sche Deutsch ↔ Fran­zö­sisch si­mul­ta­n vom Blatt, ha­be den von mir mi­nu­tiös vor­be­rei­te­ten Ver­trag vor mir im Rech­ner.

Der DeepL-Aus­druck auf dem Tisch


Früh­jahr 2024: Ein Vater kauft sei­ner Toch­ter in Ber­lin eine Woh­nung, denn sie fin­det kei­ne Miet­woh­nung. Die No­ta­rin legt dem fran­zö­sisch­spra­chi­gen Man­dan­ten eine Über­set­zung auf den Platz. Ich be­kom­me auch ei­nen Aus­druck und ma­che gro­ße Au­gen.

Die No­ta­rin winkt ab: „Das ist nur eine DeepL-Ver­si­on, keine be­glau­big­te Über­set­zung.“ OK, mei­ne Va­ri­an­te ba­siert zwar auch auf Ma­chi­ne Trans­la­ti­on, ist aber mit ei­ner ein­ge­pfleg­ten Ter­mi­no­lo­gie­lis­te und drei Stun­den Hand­ar­beit im Fach­lek­to­rat ver­fei­nert wor­den.

Als ich si­mul­ta­n aus­ge­hend von mei­ner Fas­sung dol­met­sche, feilt mein Ge­hirn an vielen Stel­len den Text zurecht. Die No­ta­rin blickt ge­reizt: „Le­sen Sie doch ein­fach ab“, und zeigt auf den KI-Aus­druck. „Das darf ich nicht!“, er­wi­de­re ich. (Sie rollt mit den Au­gen. Na pri­ma. Hier auf­zu­pas­sen ist ihr Bu­si­ness, nicht meins!)

Der Kun­de stutzt we­nig spä­ter, un­ter­bricht mich und sagt auf Fran­zö­sisch: „Hier steht das aber an­ders!“ Er weist auf den DeepL-Aus­wurf. Ich er­klä­re ihm, dass die KI mit den Un­ter­schie­den des deut­schen und fran­zö­si­schen Im­mo­bi­li­en­rechts nicht viel an­fan­gen kann. Vor al­lem der Be­sitz­über­gang ist hier­zu­lan­de völ­lig an­ders als bei ei­ner fran­zö­si­schen pro­mes­se de ven­te.

Die No­ta­rin ver­steht kein fran­zö­si­sches Recht, ist un­ge­hal­ten und will schnel­ler fer­tig wer­den.

Die Er­kennt­nis

Zwölf Mo­na­te spä­ter im sel­ben Raum: Dies­mal liegt kein KI-Aus­druck auf dem Tisch. Ich ar­bei­te ent­spannt, es gibt keine Ir­ri­ta­tio­nen bei dem fran­zö­si­schen Ehe­paar, kein Au­gen­rol­len der No­ta­rin.

In der Pau­se fra­ge ich sie nach ih­ren Er­fah­run­gen mit DeepL. Ihre Ant­wort spricht Bän­de: „Die­se Fas­sun­gen sind nicht rechts­si­cher. Feh­ler, die das Sys­tem au­to­ma­tisch macht, kön­nen ganz schön teu­er wer­den!“ Sie blickt be­tre­ten, of­fen­bar eine schmerz­haf­te Ei­gen­er­fah­rung.

KI-Er­fol­ge sind laut


Aber Miss­er­fol­ge, teu­e­re Miss­ver­ständnis­se und ver­lo­re­ne Re­gress­pro­zes­se durch eine höl­zer­ne, fehlerbehaftete Sprache sind lei­se, sie wer­den ge­pflegt ver­schwie­gen.

Wir kennen das aus anderen Kontexten. Uns Dolmetscher:innen helfen peinliche, unsichtbare Missgriffe der KI derzeit eindeutig nicht in der Auftragsakquise.

Neu: Die un­sicht­ba­re Ge­fahr

Das Ri­si­ko liegt in­zwi­schen nicht mehr nur in sprach­li­chen Nu­an­cen. Wer heu­te einen Ver­trag durch KI prü­fen lässt, geht still­schwei­gend da­von aus, dass Mensch und Ma­schi­ne den­sel­ben Text se­hen. Doch die­se An­nah­me ist fra­gil. Zwi­schen der sicht­ba­ren Ober­flä­che und der ma­schi­nen­les­ba­ren Struk­tur liegt eine tech­ni­sche Schicht, die sich ma­ni­pu­lie­ren lässt. Schrift­ar­ten und Ko­die­run­gen sind nicht neu­tral.

In der Si­cher­heits­for­schung wird der­zeit dis­ku­tiert, dass Texte so ge­stal­tet wer­den kön­nen, dass sie für das mensch­li­che Auge kor­rekt er­schei­nen, wäh­rend di­gi­ta­le Sys­te­me eine völ­lig an­de­re Zei­chen­fol­ge ex­tra­hie­ren. Ein PDF kann vi­su­ell einen har­mlo­sen Text an­zei­gen, wäh­rend in­tern eine ganz an­de­re Ebe­ne ver­ar­bei­tet wird.

Wenn KI-Sys­te­me Ver­trä­ge, Klau­seln oder Be­trä­ge au­to­ma­ti­siert ana­ly­sie­ren, ver­las­sen sich Men­schen oft blind auf die­se ma­schi­nen­les­ba­re Ebene. Wird die­se ge­zielt ver­fälscht, ent­steht eine ge­fähr­li­che Dis­kre­panz zwi­schen dem, was sicht­bar ist und dem, was das Sys­tem ver­ar­bei­tet. Die Frage ver­schiebt sich von „Wie gut ist die KI?“ zu „Wie ver­läss­lich ist das Do­ku­ment, das sie liest?“

Ver­trau­en Sie lie­ber den Men­schen!


Ob beim di­rek­ten Dol­met­schen im No­ta­riat oder bei der au­to­ma­ti­schen Ri­si­ko­ana­ly­se: Rein ma­schi­nel­le Ver­fah­ren sto­ßen an si­cher­heits­re­le­van­te Gren­zen.

Ohne mensch­li­che Ex­per­ti­se bleibt der Ge­schäfts­ver­kehr ein un­kal­ku­lier­ba­res Ri­si­ko. Im Be­rufs­alltag ha­ben Dol­met­scher:in­nen und die Men­schen in No­ta­ria­ten da­von be­reits im­mer öf­ter Ah­nung. Ein No­ta­riat über­nimmt am En­de auch die Ver­ant­wor­tung (die KI nicht).

Fra­gen Sie nach oder spre­chen Sie mit dem In­for­ma­ti­ker Ih­res Ver­trau­ens da­rü­ber (oder der In­for­ma­ti­ke­rin des Ver­trau­ens)!

Wei­te­re Ge­fah­ren dro­hen

Zum Schluss noch ein un­ap­pe­tit­li­cher Punkt: KI-Sys­te­me sind nicht nur Werk­zeu­ge zur Text­ver­ar­bei­tung, son­dern auch po­ten­zi­el­le Ein­falls­to­re für ma­ni­pu­lier­te In­hal­te. Über ver­steck­te Struk­tu­ren in prä­pa­rier­te Da­tei­en kön­nen auch Tro­ja­ner ein­ge­schleust wer­den. Xpert.digital spricht von poi­soned PDFs und von Da­tei­en, die wie Waf­fen ein­ge­setzt wer­den.

#Legaltech #KI #Dolmetscherin #Dolmetscher #übersetzen #Übersetzerin #Übersetzer #Prüfverfahren #cybersecurity

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Fo­to: C.E. (Archiv)

Dienstag, 2. Juni 2026

Politikjargon

Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie ha­ben mein vir­tu­el­les Ar­beits­ta­ge­buch er­reicht, das es seit 2007 gibt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Meis­tens ar­bei­te ich bei Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch dol­met­sche ich ins Fran­zö­si­sche und Deut­sche, auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Je­de Bran­che ent­wi­ckelt ih­re ei­ge­nen Fach­be­grif­fe. In der Di­plo­ma­tie ge­schieht das be­son­ders schnell. Wer re­gel­mä­ßig in­ter­na­tio­na­le Kon­fe­ren­zen, Mi­nis­ter­tref­fen oder Ver­hand­lun­gen be­glei­tet, be­geg­net Wör­tern, die au­ßer­halb die­ser Welt kaum je­mand ver­wen­det.

Viel Platz mit Blick auf einen Saal
Dol­metsch­'suite' in Straß­burg
Nur we­ni­ge Jah­re spä­ter tau­chen ein- und die­sel­ben Be­grif­fe plötz­lich und wie selbst­ver­ständ­lich in den ‚aso­zia­len Me­dien‘, in Nach­rich­ten­sen­dun­gen und Zei­tungs­ar­ti­keln auf.

Für uns Dol­met­sche­r:in­nen ge­hört die­ses Vo­ka­bu­lar manch­mal zum Ar­beits­all­tag. Wir ler­nen früh, dass Ver­stän­di­gung und Ver­ständ­lich­keit zwei ver­schie­de­ne Din­ge sind.

Aus der Politik in die News

Heu­te hat es „Bi­lats“ in die Nach­rich­ten ge­schafft. Ge­meint wa­ren bi­la­te­ra­le Ge­sprä­che am Ran­de der in­ter­na­tio­na­len Ter­mi­ne in New York in Zu­sam­men­hang mit der Wahl ei­nes Sit­zes im Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen.

Der Be­griff ist in di­plo­ma­ti­schen Krei­sen so selbst­ver­ständ­lich ge­wor­den, dass kaum noch je­mand das voll­stän­di­ge Wort aus­spricht. Wer nicht re­gel­mä­ßig auf dem po­li­ti­schen Par­kett un­ter­wegs ist, dürf­te zu­nächst rätseln, was da­mit über­haupt ge­meint ist.

Vereinfachung der Gesetzgebung

Ähn­lich ver­hält es sich mit dem Tri­log der Eu­ro­pä­i­schen Uni­on. Da­bei ver­han­deln Eu­ro­pä­i­sche Kom­mis­si­on, Rat und Eu­ro­pä­i­sches Par­la­ment in­for­mell über Ge­setz­ge­bungs­vor­ha­ben. Ziel ist es, Kom­pro­mis­se zu fin­den, be­vor die for­ma­len Ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen wer­den, und da­mit lang­wie­ri­ge Pro­zes­se zu ver­kür­zen. Schät­zungs­wei­se rund 80 % al­ler Ge­set­ze wi­der­fährt das.

Sprach­lich wirkt der Be­griff al­ler­dings et­was ei­gen­tüm­lich. Wenn zwei Per­so­nen ei­nen Dia­log füh­ren, wä­re es für uns Deut­sche lo­gisch, wenn ein Ge­spräch zwi­schen drei Par­tei­en ein Tri­a­log ist. Die Eu­ro­pä­i­sche Uni­on hat sich aber für „Tri­log“ ent­schie­den, denn die EU-Ar­beits­spra­chen Eng­lisch und Fran­zö­sisch do­mi­nie­ren oft die Wort­wahl, und so heißt es eben the tri­logue, le tri­logue, der Tri­log.

Me­dien ver­brei­ten den Jar­gon

Man­cher die­ser Be­grif­fe ver­lässt die Zen­tren der eu­ro­pä­i­schen Po­li­tik. Jour­na­lis­ten über­neh­men sie aus Pres­se­brief­ings. Po­li­ti­ker ver­wen­den sie in In­ter­views. Nach und nach ge­lan­gen sie in die All­tags­spra­che po­li­tisch in­ter­es­sier­ter Men­schen.

Man­che die­ser Wör­ter wir­ken harm­los, an­de­re ver­schlei­ern mehr, als sie er­klä­ren. Wer zum ers­ten Mal von ei­nem Non-Pa­per hört, denkt an münd­li­che For­ma­te und an­ders fi­xier­te No­ti­zen. Tat­säch­lich han­delt es sich um ein in­for­mel­les Dis­kus­si­ons­pa­pier. Ein Rea­d-out klingt nach Tech­nik, be­zeich­net aber die of­fi­zi­el­le Zu­sam­men­fas­sung ei­nes Ge­sprächs. Und Sher­pas tra­gen in der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik kei­ne Las­ten auf Berg­pfaden, son­dern be­rei­ten Gip­fel­tref­fen vor.

Doub­let­ten

Her­vor­zu­he­ben sind auch je­ne Be­grif­fe, die aus dem Eng­li­schen über­nom­men wer­den, ob­wohl längst deut­sche Wör­ter exis­tie­ren. Im Grunde sind das Dubletten. Da wird dann ein Fahr­plan zur Road­map, ein Er­geb­nis zu ei­nem Deli­ver­a­ble und ei­ne Kon­takt­auf­nah­me zu Out­reach. Wer lan­ge ge­nug zu­hört, be­kommt den Ein­druck, dass po­li­ti­sche Pro­zes­se nicht nur or­ga­ni­siert, son­dern zu­gleich sprach­lich ver­edelt wer­den sol­len.

Sprach­ent­wick­lung live

Für mich als Dol­met­sche­rin ist die­se Ent­wick­lung fas­zi­nie­rend: Ich be­ob­ach­te ge­wis­ser­ma­ßen in Echtzeit (real time), wie Spra­che ent­steht, sich ver­än­dert und ih­ren Weg in die Öf­fent­lich­keit fin­det. Man­che Be­grif­fe ver­schwin­den wie­der. An­de­re wer­den Teil des po­li­ti­schen All­tags. Ei­ni­ge ent­wi­ckeln so­gar ein Ei­gen­le­ben und wer­den ver­wen­det, oh­ne dass die Spre­cher noch er­klä­ren könn­ten, was sie ur­sprüng­lich be­deu­te­ten.

Viel­leicht ist das die ei­gent­li­che Leh­re aus Bi­lats, Tri­lo­gen, Non-Pa­pers und Sher­pas: Po­li­tik pro­du­ziert nicht nur Ent­schei­dun­gen. Sie pro­du­ziert auch stän­dig neue Wör­ter.

Vokabelnotiz


Deutsch Fran­zö­sisch Er­läu­te­rung
Bi­la­te­ra­les Ge­spräch / bi­lat en­tre­tien bi­la­té­ral / réu­ni­on bi­la­té­ra­le Ge­spräch zwi­schen zwei Staa­ten, De­le­ga­tio­nen oder po­li­ti­schen Ak­teu­ren
De­brie­fing dé­bri­e­fing Nach­be­spre­chung nach ei­nem Tref­fen, Ein­satz oder ei­ner Ver­hand­lung
Ele­men­te der Sprach­re­ge­lung / talk­ing points élé­ments de lan­gage Vor­be­rei­te­te Ar­gu­men­ta­ti­ons­li­ni­en für Pres­se­auf­trit­te
Er­geb­nis­pa­ket / pa­cka­ge deal ac­cord glo­bal / pa­quet de com­pro­mis Kom­pro­miss über meh­re­re The­men
Fahr­plan / road­map feuil­le de rou­te Plan mit zeit­li­cher Ab­fol­ge po­li­ti­scher Maß­nah­men
Gleich­ge­sinn­te Staa­ten / li­ke-min­ded coun­tries pays par­ta­geant les mê­mes vues Staa­ten mit ähn­li­chen Po­si­tio­nen
Glei­che Wett­be­werbs­be­din­gun­gen / le­vel play­ing field con­di­ti­ons de con­cur­ren­ce équi­ta­bles Fai­re Wett­be­werbs­be­din­gun­gen
In­for­mel­les Dis­kus­si­ons­pa­pier / non-pa­per do­cu­ment in­for­mel / non-pa­per Dis­kus­si­ons­grund­la­ge oh­ne of­fi­zi­el­len Cha­rak­ter
Kom­pro­miss­zo­ne / lan­ding zo­ne zo­ne de com­pro­mis Mög­li­cher Be­reich für Ei­ni­gung
Kon­takt­pfle­ge / out­reach ac­tion de sen­si­bi­li­sa­ti­on Di­plo­ma­ti­sche Kon­takt­auf­nah­me
La­ge­bi­lanz / stock­ta­king bi­lan d’é­ta­pe Zwi­schen­stand ei­ner Ver­hand­lung
Pro­to­koll­no­tiz / rea­d-out comp­te ren­du of­fi­ci­el Of­fi­zi­el­le Zu­sam­men­fas­sung ei­nes Ge­sprächs
Sher­pa sher­paPer­so­nen, die Gip­fel­tref­fen
vor­be­rei­ten
Tri­log tri­lo­gue In­for­mel­le Ver­hand­lun­gen EU
Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se / deli­ve­ra­bles ré­su­l­tats con­crets / li­vra­bles Kon­kre­te Er­geb­nis­se ei­nes Tref­fens
Ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­men / CBMs me­su­res de con­fi­an­ce Maß­nah­men zu Ver­trau­ens­auf­bau und -pfle­ge


Hin­weis für Sprach­in­te­res­sier­te: Vie­le die­ser Be­grif­fe stam­men aus in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen wie UN, EU, NATO oder OECD und ge­lan­gen über die Me­dien in die All­ge­mein­spra­che.

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Foto: C.E. (Ar­chiv)

Montag, 1. Juni 2026

Montagsschreibtisch (142)

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch so­wie dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert.


Uff, die ers­te Hit­ze­pha­se ist über­wun­den. Jetzt war­tet halb Eu­ro­pa drin­gend auf Re­gen. Als Ur­en­ke­lin ei­nes Groß­bau­ern, a­ber vor al­lem als Dol­met­scher­in, die in den Be­rei­chen Wirt­schaft und Land­wirt­schaft (nicht ak­ku­rat über­setzt: cul­tu­re et a­gricul­tu­re), Kunst, Me­di­en, So­zia­les, Ur­ba­nis­mus und Film dol­metscht, um nur ei­ni­ge Bei­spie­le zu nen­nen, ha­be ich stets ein offe­nes Au­ge für mei­ne Fach­be­rei­che.

Ich le­se da­her je­den Tag als ers­tes eine Stun­de Zei­tung, der­zeit mit Fo­kus auf die eu­ro­päi­sche Ag­rar­wen­de, die Um­welt- und Kli­ma­kri­sen so­wie B2B-Markt­trends. Au­ßer­dem le­se ich min­des­tens ei­ne Stun­de lang in ei­nem Buch pro Tag, oft län­ger, denn bei Haus­halts­tä­tig­kei­ten hö­re ich auch Bü­cher, be­vor­zugt fran­zö­sisch- und eng­lisch­spra­chi­ge Ge­sell­schafts­ana­ly­sen.

So, was ist die­se Wo­che los? Auf dem Schreib­tisch:
❦ An­ge­bot schrei­ben
❦ Ter­min­pla­nung
❦ Re­lo­ca­ti­on­kun­din
❦ ... viel­leicht Ihr Auf­trag?

Die Bürowand im Wandel der Zeit (Archiv)

 

Hier lie­gen auch noch Fach­blät­ter aus dem Ber­li­ner Raum und aus Bran­den­burg, die mich auf den nächst­en in­ter­na­tio­na­len Austausch in Sa­chen Wirt­schaft, Po­li­tik und For­schung à jour brin­gen. Ne­ben di­gi­ta­len Abos freue ich mich auch über sol­che Pa­pier­do­ku­men­te, in den­en ich he­rum­krit­zeln kann, was die Lern­kurve för­dert. Man­cher Aus­riss wan­dert auch in die The­men­ord­ner.

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Freitag, 29. Mai 2026

It's hot, baby!

Im 20. Jahr füh­re ich hier mein vir­tu­el­les Ta­ge­buch aus der Dol­metsch­welt. Meis­tens Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Französisch Deutsch, über­set­ze ich auch Texte ins Deut­sche (auch aus dem Eng­li­schen). Zwi­schen si­mul­ta­nen (in der Ka­bi­ne) und kon­se­ku­ti­ven Ein­sät­zen (oft auf der Büh­ne) den­ke ich hier auch über Sprache nach. In Frank­reich prägt der Be­griff la pas­soire ther­mique in­zwi­schen die po­li­ti­sche De­bat­te über Klima­wan­del und Woh­nen. Man­cher Fach­be­griff hat sein ganz ei­ge­nes Hin­ter­land.

Als ich Kind war, galt Wet­ter wie das, was wir der­zeit ha­ben, als „Hoch­som­mer. Heute dol­met­sche ich bei po­li­ti­schen Ver­an­stal­tungen, Fach­kon­fe­ren­zen und in­ter­na­tio­na­len Be­geg­nun­gen auch zu Kli­ma- und Land­wirt­schafts­the­men.

Die ers­te Hit­ze­wel­le hat die­ses Jahr im Mai zu­ge­schla­gen und in Deutsch­land fast al­le Tro­cken­heits­re­kor­de ge­ris­sen. Das macht mir Sor­gen. Auf den Äckern wächst der­zeit, was uns mor­gen er­näh­ren soll.

Hit­ze­wel­le in Frank­reich


So vie­le Hoch­som­mer­ta­ge im Mai gab es noch nie seit Be­ginn der Wet­ter­auf­zeich­nung. In Frank­reich wer­den sämt­li­che Hit­ze­re­kor­de ge­ris­sen. Acht dé­par­te­ments ha­ben die Warn­stu­fe „Oran­ge" aus­ge­ru­fen, ein No­vum für den Früh­lings­mo­nat Mai. Ges­tern dann der vor­läu­fi­ge Hö­he­punkt die­ser Hit­ze­wel­le mit Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu 37,8 Grad bei Bor­deaux. Normalerweise wäre es etwa 15 Grad kühler. Im Frühling also Hochsommer, auf Französisch la ca­ni­cu­le.

La ca­ni­cule

…lei­tet sich ety­mo­lo­gisch vom la­tei­ni­schen canicula („klei­ner Hund“) ab und be­zieht sich auf das Stern­bild Canis Major (Gro­ßer Hund) und des­sen hells­ten Stern, Si­ri­us. Im Hoch­som­mer (den so­ge­nann­ten „Hunds­ta­gen“) geht die­ser Stern gleich­zei­tig mit der Son­ne auf.

In­fol­ge der Ne­ben­ef­fek­te der Kli­ma­ka­ta­stro­phe bleibt die­se Wet­ter­la­ge über Ta­ge, ja Wo­chen un­ver­än­dert wie im Him­mel fest­ge­tac­kert. In süd­li­che­ren eu­ro­pä­i­schen Län­dern wer­den heu­te Tem­pe­ra­tu­ren über 40 Grad er­war­tet, Wald­brän­de dro­hen. Auch bei uns herrscht ei­ne Wald­brand­ge­fahr wie sonst eher im Ju­li.


Pas­soire ther­mique: Über­set­zungs­prob­lem


Europa leidet derzeit gemeinsam unter der Hitze. Das Wort „leiden“ ist wörtlich zu nehmen.

Fran­zö­si­schen Re­gie­rungs­an­ga­ben zufolge hat die Ex­trem­wet­ter­la­ge im Land be­reits sie­ben Men­schen­le­ben ge­for­dert. Die An­zahl der in schlecht iso­lier­ten Woh­nun­gen auf­grund der Hit­ze vor­fris­tig Ver­stor­be­nen wird nicht er­fasst (oder ist noch nicht pu­bli­ziert).

Allerdings gibt es einen Be­griff für die­se Be­hau­sun­gen, die be­son­ders häu­fig im so­zia­len Woh­nungs­bau zu fin­den sind: les pas­soi­res ther­mi­ques, im Win­ter teu­er zu hei­zen, im Som­mer mög­li­che Hit­ze(to­des)­fal­len. Auch Al­ten­hei­me und Schu­len gel­ten (im wahrs­ten Wort­sinn) als Brenn­punk­te, die nur we­nig Be­ach­tung fin­den. Men­schen, die drau­ßen ar­bei­ten, zäh­len eben­falls zu den Ver­ges­se­nen.

Po­li­ti­sche Groß­wet­ter­lage


In­des: Kli­ma­schutz scheint aus der Sicht man­cher Par­tei­en in bei­den Län­dern ein The­ma zu sein, das zu­rück­ste­hen muss in der all­ge­mei­nen Po­li­tik- und Wirt­schafts­kri­se. Da­bei ist die Kli­ma­kri­se ein Teil der Wirt­schafts­kri­se. 

Nö­tig: Mehr In­ves­ti­tio­nen in In­fra­struk­tur
Es wird über Tech­no­lo­gie­of­fen­heit fa­bu­liert, wäh­rend Chi­na in ei­nem Jahr so viel So­lar­ener­gie in­stal­liert, wie der Rest der Welt seit Be­ginn der Tech­no­lo­gie ins­ge­samt. 
Das war 2025. Ein Jahr der Hit­ze­re­kor­de, die „Jahr­hun­dert­wet­ter" ge­nannt wer­den, trotz des re­gen­rei­chen Som­mers.

Und 2026 wer­den die­se „Re­kor­de" er­neut ge­schla­gen, als wä­ren es Er­run­gen­schaf­ten auf Olym­pi­a­den. Zu­gleich ver­leug­nen im­mer mehr vor al­lem rechts­ex­trem ge­präg­te Re­gie­run­gen den men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del und wol­len ins fos­sile Zeit­al­ter zu­rück­keh­ren.

Was­ser­man­gel


Auch in Deutsch­land ist die La­ge kri­sen­haft: Noch be­vor der Som­mer über­haupt be­gon­nen hat, bit­ten ers­te Kom­mu­nen in Nord­rhein-West­fa­len die Ein­woh­ner­schaft, bitte Trink­was­ser zu spa­ren. Der Grund­was­ser­pe­gel liegt der­zeit deut­lich un­ter dem Durch­schnitt. Noch sieht es ei­ni­ger­ma­ßen grün aus da drau­ßen, aber tief im Bo­den wer­den die Was­ser­re­ser­ven knapp.

Die Bö­den selbst spei­chern Was­ser: bis in zwei Me­ter Tie­fe kann der Nie­der­schlag ei­nes hal­ben Jah­res ste­cken. Die Vor­aus­set­zung da­für ist, dass er re­gel­mä­ßig fällt. Wenn es ab dem Wo­chen­en­de reg­nen wird, wird viel ein­fach nur „durch­lau­fen" oder, schlim­mer, kost­ba­ren Hu­mus weg­spü­len. Wir al­le ken­nen das, wenn wir nach ei­nem Ur­laub die Bal­kon­käs­ten das ers­te Mal wie­der gie­ßen: Erst­mal läuft's durch. Die Acker­bö­den trock­nen wei­ter aus, was ei­ne Ge­fahr für un­se­re Le­bens­mit­tel­ver­sor­gung dar­stellt.

Die Land­wirt­schaft wird sich um­stel­len müs­sen. Wir sind längst in ei­ner an­de­ren Kli­ma­zo­ne an­ge­kom­men mit ei­ner an­de­ren Ver­tei­lung der Nie­der­schlä­ge über das Jahr. Tro­cke­ne Som­mer be­gin­nen im Früh­jahr. Die sonst feuch­ten Win­ter sind in Sum­me auch tro­cke­ner und hel­fen nicht mehr, die Was­ser­spei­cher auf­zu­fül­len. Durch hö­he­re Tem­pe­ra­tu­ren steigt zu­dem die Ver­duns­tung an.

War­me Luft kann we­sent­lich mehr Was­ser­dampf auf­neh­men als kal­te Luft.Faust­re­gel: Pro Grad Tem­pe­ra­tur­an­stieg sind es rund sie­ben Pro­zent mehr Feuch­tig­keit. Die über­aus sta­bi­len Wet­ter­la­gen füh­ren am En­de zu mehr Ak­ku­mu­la­ti­on von Was­ser in den Wol­ken, was wie­de­rum Stark­re­gen­er­eig­nis­se wahr­schein­li­cher macht.
 

Fazit


Kli­ma­schutz ist nicht die Kir­sche auf der Tor­te, son­dern ist Tor­ten­bo­den und die Tor­te selbst mit ih­ren Schich­ten. Wir müs­sen als Ge­sell­schaft end­lich ler­nen, ei­ne Ah­nung von den In­ter­de­pen­den­zen zu be­kom­men, mit de­nen wir es zu tun ha­ben.

Kli­ma­schutz ist ein Kon­junk­tur­pro­gramm, denn ei­ne re­si­li­en­te Um­welt, ei­ne re­si­li­en­te In­fra­struk­tur sind schlicht die Grund­vor­aus­set­zung des Wirt­schaf­tens.

Vo­ka­bel­no­tiz


Der fran­zö­si­sche Be­griff la pas­soi­re ther­mi­que, wört­lich: ein ther­mi­sches Sieb (das al­les durch­lässt), wirft ei­ne Über­set­zungs­fra­ge auf. „Schlecht iso­lier­te Woh­nung" wä­re die neut­rals­te Um­schrei­bung, „Wär­me­schleu­der" die Be­schrei­bung aus Win­ter­per­spek­ti­ve, „Hit­ze­fal­le" nimmt den Som­mer zum Aus­gangs­punkt. Bei „ener­ge­ti­sche Bruch­bu­de" steckt schon ein deut­li­ches Maß Po­le­mik in der Aus­drucks­wei­se.

Was ist Ihr/Dein Fa­vo­rit? Gibt es bes­se­re Vor­schlä­ge?

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Gra­fik: Lot­te Rei­nin­ger, Prinz Ach­med

Mittwoch, 27. Mai 2026

Sicht­bar­keit und Qualität

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Wie wir Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Über den Be­ruf ver­öf­fent­li­che ich hier im 20. Jahr Tex­te. Die Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) ver­zerrt der­zeit in mehr­fa­cher Hin­sicht den Markt.

Heute fasse ich meh­rere As­pek­te zu­sam­men, denn die be­rühm­ten Hal­lu­zi­na­tio­nen sind bei wei­tem nicht das ein­zige Pro­blem der Tech­nik.

Das Pa­ra­dox der glat­ten Stim­men

Der­zeit durch­le­ben viele frei­be­ruf­li­che Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher eine Krise. Da sind zu­nächst man­che Tech­nik­an­bie­ter:innen, die vor­ge­ben, die KI könne in­zwi­schen so gut oder fast so gut wie Men­schen dol­met­schen. Das ist ge­lo­gen, und die­se Fir­men wis­sen das.

Die Tech­nik kommt so­gar bei op­ti­ma­len La­bor­be­din­gun­gen nicht ein­mal so weit, dass sie den Ein­gangs­test der Fach­aus­bil­dung an der Hoch­schule be­ste­hen würde. Ihr Out­put klingt stel­len­weise gut, strotzt aber vor Feh­lern, Aus­las­sun­gen und Er­fin­dun­gen. 

Frau in der Kabine, vor ihr das Schreckgespenst KI
Kommentar der KI selbst
Die Ma­schine, die eher hal­lu­zi­niert als zu­zu­ge­ben, dass Hin­ter­grund­wis­sen fehlt oder ein an­de­rer Feh­ler vor­liegt, setzt Fehl­in­for­ma­tio­nen in die Welt. Das kos­tet am Ende oft mehr, als an Aus­ga­ben ge­spart wurde. Dann ist da noch die aal­glat­te Stim­me oh­ne Em­pa­thie, dafür mit et­li­chen Be­to­nungs­feh­lern, denn sie weiß nicht, was sie da­her­plap­pert.

Ak­tu­el­le For­schun­gen haben er­ge­ben, dass die In­hal­te, die von ei­ner künst­li­chen Stim­me ver­mit­telt wer­den, in der Be­hal­tens­kurve der Zu­hö­rer­schaft weit hin­ter dem zu­rück­blei­ben, was eine echte mensch­li­che Stimme ver­mit­teln kann. Hier wird Ver­mitt­lung nur si­mu­liert. (Da­zu mehr, so­bald al­les ver­öf­fent­licht ist.)

Qua­li­tät ist schwer zu fin­den

Et­li­che un­se­rer Kund:innen, die uns als Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher su­chen, star­ten mit einer On­line-Re­cherche. Such­ma­schi­nen zei­gen Agen­tu­ren, Ver­zeich­nisse und stark op­ti­mierte Web­sites ak­tu­ell sehr weit oben an.

Das mag prak­tisch sein, kann aber ge­nauso eine Fal­le sein wie die Su­che mit der KI. Daher sa­gen die Sucher­geb­nisse der­zeit meist nur ein­ge­schränkt etwas über die Qua­li­tät der sprach­li­chen Ar­beit aus.


Dis­kre­tion ist zen­tral

Im Be­reich des Kon­fe­renz- und Ver­hand­lungs­dol­met­schens funk­tio­niert der Markt in vie­ler­lei Hin­sicht an­ders als es auf den ers­ten Blick ver­mu­tet wird. Viele sehr er­fah­rene Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten seit Jah­ren für Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten, in­ter­na­tio­nale In­sti­tu­tio­nen, Kul­tur­ein­rich­tun­gen oder Un­ter­neh­men, dis­kret und oft über per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen. Auch die­ser Blog hier nennt nur sel­ten Na­men, und zwar aus­schließ­lich dann, wenn die Ar­beit öf­fent­lich oder halb­öf­fent­lich war, z.B. bei Pres­se­kon­fe­ren­zen.

Die meis­ten Ein­sätze sind ver­trau­lich. In sen­si­blen oder po­li­ti­schen Zu­sam­men­hän­gen ge­hört Zu­rück­hal­tung zur Grund­lage. Denn nicht jede Kon­fe­renz, nicht jedes Hin­ter­grund­ge­spräch und nicht jede De­le­ga­ti­ons­reise eig­nen sich für öf­fent­li­ches Re­fe­renz­mar­ke­ting. Wir sind viele, die sich als Sprach­pro­fis blei­ben des­halb on­line be­wusst zu­rück­hal­ten bzw. nur win­zige Aus­schnitte zei­gen, et­wa dann, wenn ein neuer Be­griff ge­sucht wird.


Un­schär­fen, von der KI ge­spie­gelt

Noch einen Feh­ler macht die KI häu­fig. Sie ver­wech­selt die Be­griffe "Über­set­zen" und "Dol­met­schen" bzw. setzt diese gleich. Hier spie­gelt der vir­tu­elle Su­per­com­pu­ter, dass auch im All­tag die Men­schen außer­halb der Bran­che die Be­griffe sehr oft nicht un­ter­schei­den kön­nen.

Bei ei­ni­gen schnel­len Stich­pro­ben (noch vor der Hit­ze­welle, im März, ich will ja nicht den Druck aufs Was­ser nicht noch mehr er­hö­hen), wur­den auch Kolleg:innen an­ge­zeigt, die gar nicht mehr ak­tiv sind. Das Sys­tem be­lohnt gutes SEO, auch dann, wenn es lange zu­rück­liegt, sowie das Alter der Web­seiten.

Nächs­ter Feh­ler: Die KI setzt oft eine ge­richt­li­che „Be­ei­di­gung“ vor­aus, um Kolleg:innen an­zu­zei­gen. Auch hier spie­gelt sie die Un­klar­heit der meis­ten Men­schen dar­über, was eine „Be­ei­di­gung“ be­deu­tet. Die ge­richt­li­che Be­ei­di­gung ist eine for­male Qua­li­fi­ka­tion für Ge­richts-, No­ta­riats- oder Be­hör­den­ein­sätze. Für die Qua­li­tät im Kon­fe­renz-, Kul­tur-, Me­dien- oder Wirt­schafts­dol­met­schen ist sie aber nicht aus­schlag­ge­bend. 


Au­gen­arzt ist nicht gleich Kin­der­arzt

Die An­for­de­run­gen un­ter­schei­den sich: Si­mul­tan­dol­met­schen bei in­ter­na­tio­na­len Ver­an­stal­tun­gen oder di­plo­ma­ti­schen Be­geg­nun­gen ver­langt neben sprach­li­cher Prä­zi­sion auch hohe Fle­xi­bi­li­tät, was die Si­tua­tio­nen an­geht, in­halt­li­che Viel­sei­tig­keit, kul­tu­rel­les Fin­ger­spit­zen­ge­fühl und oft jah­re­lange Er­fah­rung in kom­ple­xen Kom­mu­ni­ka­tions­si­tua­tio­nen.

Ei­nige der eben er­wähn­ten Punkte müs­sen auch Ge­richts­dol­met­scher:innen mit­brin­gen, die al­ler­dings eine starke Spe­zia­li­sie­rung auf Jura mit­brin­gen. Über das Thema schreibe ich dem­nächst mal ge­son­dert. Die Un­ter­schiede las­sen sich durch­aus mit fach­ärzt­li­chen Aus­rich­tun­gen ver­glei­chen. Wenn Menschen zur Kin­der­ärz­tin gehen möch­ten, ma­chen sie keinen Ter­min mit der Au­gen­ärz­tin aus. Die KI ver­mischt hier also Äpfel und Bir­nen.

Große Fir­men be­vor­zugt 

Die KI be­vor­zugt außer­dem Agen­tu­ren, echte oder sol­che, die nur aus Bau­kas­ten­text, Brief­kas­ten­adresse und Stock­fotos be­ste­hen und ei­gent­lich in Asien be­hei­ma­tet sind oder per Fran­chi­sing auf re­gio­nale An­säs­sig­keit set­zen, wo­bei die Büro­lei­tung nicht sel­ten fach­fremd ist und in ei­ni­gen Fäl­len aus Stu­den­ten im Mi­ni­job be­steht. 

Echte Agen­tu­ren erfül­len wich­tige Funk­tio­nen, wenn sie Groß­pro­jekte koor­di­nie­ren, Teams zu­sam­men­stel­len, Tech­nik or­ga­ni­sie­ren und ad­mi­nis­tra­tive Ab­läufe steu­ern. Diese ma­chen ihren ei­ge­nen Auf­wand in der Regel deut­lich und schla­gen eine Gebühr für diese Ar­beit auf. Hier trennt sich Spreu vom Wei­zen. (Im Zwei­fels­fall fra­gen Sie nach die­ser Gebühr bzw. bit­ten um De­tails zur Ho­no­rar­auf­tei­lung.)


"Si­mu­lierte" Si­mul­tan­dol­metsch­fir­men

Jene, die ich Pseu­do-Agen­tu­ren nenne, haben sich nicht auf die Kun­den­zu­frie­den­heit ver­stän­digt, son­dern sind zual­ler­erst an ihrem ei­ge­nen Ge­winn in­ter­es­siert. Et­li­che be­hal­ten so­gar für ein­fachste Ein­sätze ohne gro­ßen Ver­mitt­lungs­auf­wand Agen­tur­auf­wand-"Ge­bühren" von bis zu 50 Pro­zent ein, die von un­se­rem Ho­no­rar ab­ge­hen. (Wir "Senior In­ter­pre­ter" spie­len da meis­tens nicht mit.)

Für Auf­trag­ge­be­rinnen und Auf­trag­ge­ber ist die di­rekte Be­auf­tra­gung der beste Weg, auch bei grö­ße­ren Ver­an­stal­tun­gen. Jede/r von uns hat auch schon ein­mal "nur" or­ga­ni­siert. Es ist also wich­tig, wenn Kund:in­nen sich ge­nau un­sere in­di­vi­du­el­len Er­fah­run­gen, Spe­zia­li­sie­run­gen und Ar­beits­wei­sen an­schau­en. Dar­über äu­ßern wir Dol­met­scher:innen uns durch­aus.

Fa­zit

Gute Dol­met­sch­leis­tung lässt sich also kaum an der Sicht­bar­keit im Netz ab­le­sen. Wir ar­bei­ten meis­tens außer­halb der Bild­aus­schnitte, die Ka­me­ra­ob­jek­tive ein­fan­gen. Wir ste­hen oder sit­zen im Hin­ter­grund oder in der Dol­metsch­ka­bine. Für uns ist die Zu­frie­den­heit der Endkund:innen zentral. Dann fol­gen lang­fris­tige Be­zie­hun­gen zur Auf­trag­ge­ber­schaft. In der Ar­beit ste­hen Prä­zi­sion, Ver­läss­lich­keit, Dis­kre­tion und die Fä­hig­keit im Fo­kus, selbst an­spruchs­volle Ge­sprä­che sprach­lich sou­ve­rän zu be­glei­ten.

Das be­son­dere Plus

Mensch­li­ches Dol­met­schen ist also auch immer ein Zei­chen von Wert­schät­zung, den End­kund:in­nen und dem Red­ner­pult ge­gen­über. Hier geht es um Ge­nau­ig­keit, um Fein­hei­ten und um die Kunst der Kom­mu­ni­ka­tion.

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Gra­fik: ChatGPT (als ich neu­lich nach Ideen
für eine Gra­fik frag­te und mit Text rech­ne­te)

Dienstag, 26. Mai 2026

Montagsschreibtisch (141)

Bon­jour ! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne bei Kon­fe­ren­zen oder be­glei­te De­le­ga­tio­nen oder auch Kund­schaft in­di­vi­du­ell. Was liegt die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch? Mein Mon­tags­schreib­tisch mal wie­der am Diens­tag!

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, wie wir ar­bei­ten, da­von er­hal­ten Sie seit 2007 auf die­sen Sei­ten ei­nen Ein­druck. Ich bin Dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, die Dritt­spra­che Eng­lisch. Mei­ne Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che, ge­mein­sam ar­bei­ten wir ins Deut­sche. Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin ist Film und Me­dien (Link): Dreh­buch und Dreh­ar­bei­ten, Pro­duk­tion, Mar­ke­ting, Fes­ti­val. 

Stifte und Pinsel und ein Souvenir
In Can­nes war ich die­ses Jahr schon wie­der nicht. Erst Jah­re mit ei­nem klei­nen Kind, dann die Pan­de­mie, mein ei­ge­nes (über­stan­de­nes) Long Co­vid, dann An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge, auch bei uns gibt es gro­ße Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern, die Lis­te der Grün­de ist lang.

Noch ein Grund, der mich der­zeit stark be­las­tet: ge­wis­se KI-Nerds, die vor­ge­ben, die­se Tech­nik kön­ne ganz al­lein und oh­ne Men­schen dol­met­schen. Die­se Herr­schaf­ten ha­ben nicht mir seit Mo­na­ten zu viel Um­satz ge­stoh­len. An­ders als Dieb­stahl kann ich es nicht be­zeich­nen.

Die End­kund­schaft be­kommt Fake-Dol­met­schen, auch KI-Bull­shit ge­nannt: Stre­cken­wei­se gut, al­so satz­wei­se, dann Pau­sen, dann Über­schall­ge­schwin­dig­keits­wort­sa­lat, dann er­fun­de­ne Ver­ben, dann Sil­ben­sa­lat (hier: Link).

Man­cher Ver­an­stal­ter spricht am En­de von „kei­nen oder we­ni­gen Be­schwer­den“, da­bei reicht es doch selbst, mal rein­zu­hören oder die Au­gen auf­zu­ma­chen, wenn die „Über­tra­gung“ per Un­ter­ti­tel ge­schieht. Es ist auch ein Pro­blem Mann-Frau. Die Ent­schei­der sind sehr oft Män­ner. Sie wa­ren in der Sprach­ar­beit schon im­mer von ei­nem Be­rufs­stand ab­hän­gig, in dem haupt­säch­lich Frau­en ar­bei­ten. Am En­de ge­ben sich die Ker­le High-five und üben sich in Schul­ter­klo­pfen: „Wir sind Pio­nie­re, die Tech­nik wird schon!“

Wird sie nicht. Die Tech­nik ist zu ein­deu­tig, ver­gli­chen mit dem Cha­os mensch­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on, die sie dau­er­haft über­for­dert, auch mit „selbst­ler­nen­der KI“. (Und noch ein Link.)

War­um gibt es so we­nig Be­schwer­den? Das ist wich­tig: Die Leu­te ha­ben das Ge­fühl, dass sie die Sprach­ar­beit gra­tis be­kom­men ... und ei­nem ge­schenk­ten Gaul ... Naja. Oder aber sie la­chen die Tech­nik im Grun­de aus und ver­su­chen es oh­ne oder mit den gro­ben An­halts­punk­ten zum In­halt, die sie lie­fert. Dass es hier zu öko­no­mi­schen Schä­den kommt, dass die End­kund­schaft ein An­recht auf gu­te Sprach­ar­beit hat, z.B. wenn sie ho­he Ein­tritts­prei­se für ei­ne Mes­se ent­rich­tet, däm­mert den Ers­ten.

So, nun zum Pro­gramm der Wo­che:
✗ Zwei Buch­ti­tel prü­fen, ob ich sie über­set­zen mag (Rech­te wer­den der­zeit ver­han­delt)
✗ Frau­en, Wis­sen­schaft, Kunst
✗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge

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Fo­to:
C.E.

Montag, 18. Mai 2026

Montagsschreibtisch (140)

Ei­nen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. 

Gemütlicher Leseplatz

Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

Sprach­ar­beit er­for­dert gro­ße geis­ti­ge und kör­per­li­che Fle­xi­bi­li­tät. Das Wo­chen­pro­gramm ist wie­der recht bunt.

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:
❦ Frau­en in der In­for­ma­tik
❦ Bör­sen­strom­prei­se
❦ Hör­spiel­dra­ma­tur­gie
❦ Kos­ten­vor­an­schlag
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­te auf­ar­bei­ten

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Bild:
Zu­falls­fund