Freitag, 4. September 2026

Moment mal! (7)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der: ein kur­zer Ein­blick in den All­tag.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag
Da haben vie­le die Par­tei­en von Ver­bren­nerautos und Hei­zung ge­wählt, die mit Fos­si­lem be­trie­ben wer­den, und be­kla­gen sich nun über ex­plo­die­ren­de Ener­gie­prei­se, In­dus­trie­um­bau und Ent­las­sun­gen. Der Gas­preis ex­plo­die­rt um 40 Pro­zent bei halb­lee­ren Spei­chern.

An­dere Ener­gien wer­den er­neut se­hen­den Au­ges aus­ge­bremst. In der Re­gion, aus der mei­ne Fa­mi­lie stammt, wac­kelt die In­dus­trie, auch wenn das E-Au­to dort längst auf dem Weg war.

Im Fest­hal­ten an al­ten Tech­no­lo­gi­en, im Schum­meln bei Ab­gas­wer­ten, im Ver­zö­gern und Ver­drän­gen des Wan­dels liegt der Sün­den­fall.

Der VW-Ab­gas­skan­dal von 2015 war die Spitze vom Ei­berg. Heu­te er­le­ben wir pa­ni­sche Um­bau­maß­nah­men der In­dus­trie und ei­ne Po­li­tik, de­ren Ant­wor­ten aus ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zu stam­men schei­nen.

Letz­ten Sonn­tag war ich mit ei­ner sehr christ­li­chen Freun­din bei ei­nem Kir­chen­fest, Tauf­tag, Chor­kon­zert und Gar­ten­par­ty in ei­nem. Ort: ein Bun­des­land, in dem Sonn­tag ge­wählt wird. Die Ge­sprä­che wa­ren in­ter­es­sant. Etliche Wäh­ler der ak­ti­ven Re­gie­rungs­par­tei­en lei­den still. An­de­re wir­ken rat­los, ei­ne klei­ne Grup­pe er­staun­lich ent­schie­den.

Im­mer wie­der lässt mich ir­ri­tiert zu­rück, wie vie­le Men­schen aus der La­ge die fal­schen Schlüs­se zie­hen. Was wir in den USA se­hen, ist mehr als ein Kul­tur­kampf im Netz: Es sind an­ti­de­mo­kra­ti­sche, au­to­ri­tä­re Struk­tu­ren, ver­bun­den mit Wis­sen­schafts­ver­leug­nung, Macht und ex­zes­si­vem Reich­tum. Und die so­zia­len Me­di­en sind längst Teil die­ser Macht.

Auch hier ist al­ler­höchs­te Ei­sen­bahn. Die nächs­te Hy­dra hat vor bald drei Jah­ren ih­re Köp­fe aus dem Sumpf ge­streckt: KI für den Mas­sen­kon­sum. Ih­re Ver­flech­tun­gen mit Macht, Geld, Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit und apo­ka­lyp­ti­schem Ge­rau­ne sind in­zwi­schen micht mehr zu über­se­hen.

Un­se­re Zeit lässt mich oft kopf­schüt­telnd zu­rück. Für mein emo­tio­na­les Gleich­ge­wicht kann ich mich ins Pri­va­te zu­rück­zie­hen. Als Dol­met­sche­rin aber ar­bei­te ich im Kern des Aus­tau­sches über Wis­sen, For­schung und Zu­kunft. Ge­ra­de des­halb brau­chen wir heu­te mehr Aus­tausch, nicht we­ni­ger.

______________________________
Gra­fik: KI (OpenAI)

Donnerstag, 3. September 2026

Unsittliches Angebot

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, ist hier im 20. Jahr Ge­gen­stand. Mit Deutsch als Mut­ter­spra­che ar­bei­te ich als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Hier ein schnel­ler Kom­men­tar zu ei­ner Mail, die nach gründ­li­cher Prü­fung lei­der kein Scam ist.

Ich be­kom­me Mail­post von ei­nem re­nom­mier­ten Ver­lag. Ich darf Pres­se­ar­ti­kel schrei­ben. Ju­bel. Da er­kennt mich je­mand: Ich schrei­be ger­ne, hab's ge­lernt, hät­te auch et­was mit­zu­tei­len.

Abgerissener Klebezettel: "... Zeiten ... "
Zeiten sind das!?
Le­se dann wei­ter: „Die Zu­sam­men­ar­beit ist für bei­de Sei­ten kos­ten­frei ... Mit Ih­rer fach­li­chen Ex­per­ti­se pro­fi­tie­ren Sie von der Reich­wei­te un­se­rer Me­di­en­mar­ke und von un­se­rer ho­hen Sicht­bar­keit! Ih­re Bei­trä­ge sind selbst­re­dend mit Ih­rem Na­men ge­kenn­zeich­net. Durch die Zu­sam­men­ar­beit kön­nen Ih­re ei­ge­nen An­ge­bo­te ei­ne bes­se­re Auf­find­bar­keit in Such­ma­schi­nen und bei So­cial Me­dia er­hal­ten.“

Die Mail ha­be ich hier aufs We­sent­li­che zu­sam­men­ge­metz­gert. Zu vie­le Re­dun­dan­zen, wie sie sich im Aus­gangs­text fin­den, le­sen sich sonst nur noch nach KI. Da­bei zi­tie­re ich doch nur.

Ich glaub's hackt!

Ich weiß nicht, wie vie­le „Ex­per­ten“ ge­ra­de sol­che Mails be­kom­men. Es sind ei­ni­ge. Das be­wusst nicht na­ment­lich ge­nann­te Print­me­di­um fin­det sich je­de Wo­che neu am Kiosk. Pres­se­or­ga­ne, die für lau ih­re Blät­ter fül­len und Au­tor:in­nen, die auf sol­che Bauch­pin­se­lei­en rein­fal­len und zu­gleich den Jour­na­lis­mus zer­stö­ren, so­was ist wirk­lich un­fass­bar.

(Un)lie­bes Me­di­um, wa­rum geht Ihr nicht gleich den ul­ti­ma­ti­ven Schritt? Au­tor:in­nen wür­den si­cher sehr ger­ne für ih­re Zu­ar­beit noch Geld zah­len! Ver­gesst das mit der Vier­ten Ge­walt im Staa­te, den Me­di­en, lasst Euch doch ein­fach kom­plett kau­fen. Dann habt Ihr noch mehr! Und ihr zer­stört wei­ter mun­ter die De­mo­kra­tie ...

Ganz gro­ßes Ki­no!

Nein.

______________________________
Bild: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 2. September 2026

Diese KI ... kann's so nie!

Kon­fe­renz­dol­met­schen ist hier im 20. Jahr Ge­gen­stand. Als Deutsch-Mut­ter­spra­chlerin ar­bei­te ich als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend ins Fran­zö­sische und aus dem Eng­lischen. Mei­ne Büro­kol­le­gin schenkt Ges­chrie­be­nem ihr wun­der­vol­les Eng­lisch. Heu­te aus ak­tu­el­lem An­lass: KI-War­nung.

AI im Muster
The ar­ti­fi­ci­alin­tel­li­gence...
... oder KI auf Deutsch ist in al­ler Mun­de. Eine Kun­din er­wägt, die Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) auf ei­ner Kon­fe­renz in ver­schie­de­ne Spra­chen ar­bei­ten zu las­sen. Ach ja! Die KI kann man­ches: Da­ten wie­der­fin­den, Fo­tos vor­sor­tie­ren, Vo­ka­beln raus­su­chen, für die Ter­mi­no­lo­gie­ar­beit frü­he und be­son­de­re Nut­zun­gen von Be­grif­fen nach­wei­sen.
Die KI hilft in der wis­sen­schaft­li­chen For­schung und in der me­di­zi­ni­schen Diag­nos­tik.
Aber sie HILFT nur. Sie lie­fert In­fos, bei der viel falsch ist. Pro­fis ent­schei­den dann.

War­nung vor ei­nem schlech­ten Ka­lau­er: Die Künst­li­che In­tel­li­genz ist kei­ne Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, son­dern ma­xi­mal ei­ne Si­mu­lant­dol­met­sche­rin. Da­bei klingt die Vi­si­on der Tech-Kon­zer­ne doch so ver­lo­ckend: ein Klick, ein Al­go­rith­mus im Ohr, und schon ver­stän­di­gen sich Men­schen über Sprach­gren­zen hin­weg flie­ßend, feh­ler­frei und ver­meint­lich kos­ten­güns­tig.

Denn die Tech-Nerds ver­lan­gen ca. 50 Pro­zent des­sen, was wir so ver­an­schla­gen. Da­für schnei­det die KI laut ei­ner WHO-Stu­die er­nüch­ternd ab: Je nach Spra­che er­reich­ten die ma­schi­nel­len Ver­dol­met­schun­gen Qua­li­täts­wer­te zwi­schen nur 5 und 83 Pro­zent. Die hö­he­re Zahl klingt nicht schlecht, aber oft stim­mte die Rei­hen­fol­ge der Be­grif­fe, die Zu­ord­nung der In­hal­te nicht. 

Der Ge­samt­durch­schnitt der „Dol­met­sch­leis­tun­gen“ der KI lag bei 46 Prozent; von 90 ge­tes­te­ten KI-„Ver­dol­met­schun­gen“ be­stand ge­ra­de mal ei­ne ein­zi­ge den Test. Kei­ne war frei von Be­grif­fen und Aus­sa­gen mit Re­pu­ta­ti­ons­ri­si­ko. Hier der Link zur Stu­die (über die AIIC: klick).

Wer die Rea­li­tät auf Mes­sen und Märk­ten, in­ter­na­tio­na­len Kon­fe­ren­zen, po­li­ti­schen Gip­feln oder bei hoch­ran­gi­gen Ver­hand­lun­gen kennt, durch­schaut die Il­lu­si­on schnell. Die Aus­wür­fe der KI fol­gen der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung. Sie re­pro­du­ziert aus dem Be­stand, was ein­fach ist. Das Sen­si­ble, das Be­son­de­re und Neue, die Aus­nah­men, um die es beim Dol­met­schen meis­tens geht, fal­len da hin­ten rü­ber.

An­de­re, die sich we­ni­ger gut aus­ken­nen, schauen ver­wun­dert auf eine Ma­schi­ne, die mit atem­be­rau­ben­der Ge­schwin­dig­keit gram­ma­ti­ka­lisch glatt wir­ken­de Sät­ze aus­spuckt.

Aber da die Te­chnik selbst we­der in­tel­li­genz- noch ver­nunft­be­gabt ist, ihr Na­me lei­tet be­wusst in die Ir­re, hat sie da­bei kein ein­zi­ges Wort in­halt­lich ver­stan­den und wirk­lich ver­ar­bei­tet. Und rich­tig kri­tisch wird es im­mer dann, wenn Auf­trag­ge­ber nicht über aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nisse ver­fü­gen, um die Qua­li­tät des KI-Aus­wurfs selbst ein­schät­zen zu kön­nen.

Die KI ar­bei­tet an der Ober­flä­che. Sie ist ein gi­gan­ti­sches Auto­com­plete-Pro­gramm. Der Un­ter­schied zwi­schen mensch­li­cher Ex­zel­lenz und ma­schi­nel­ler Wahr­schein­lich­keits­rech­nung lässt sich an et­li­chen Punk­ten fest­ma­chen.

1. Sta­tis­tik statt Ver­ste­hen

Gro­ße Sprach­mo­del­le (LLMs) be­sit­zen kein Be­wusst­sein, kein Welt­wis­sen und kei­ne kog­ni­ti­ve Em­pa­thie. Sie ana­ly­sie­ren rie­si­ge Da­ten­men­gen und be­rech­nen ma­the­ma­tisch, wel­ches Wort mit der höchs­ten Wahr­schein­lich­keit auf das vor­he­ri­ge folgt.

Mensch­li­ches Dol­met­schen ist da­ge­gen ein hoch­kom­ple­xer neu­ro­kog­ni­ti­ver Pro­zess: Wir er­fas­sen In­ten­tio­nen und Nu­an­cen, Iro­nie und Brüche, kul­tu­rel­le Sub­tex­te und an­ge­deu­te­te Zwi­schen­tö­ne in kür­zes­ter Zeit. Wir über­tra­gen Be­deu­tungen, nicht Wort­hül­len. Da­rin sind wir un­schlag­bar. Die KI merkt nicht, wenn sie lo­gi­schen Un­fug pro­du­ziert, so­lan­ge die Syn­tax stimmt.

2. Starr und oh­ne Kon­tex­t

Ein Red­ner auf ei­ner Fach­kon­fe­renz weicht vom Skript ab, nutzt ei­ne lo­ka­le Re­de­wen­dung oder macht ei­nen sub­ti­len Witz, um die Stim­mung auf­zu­lo­ckern. Ei­ne pro­fes­sio­nel­le Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin adap­tiert die­se Bot­schaft blitz­schnell für das Ziel­pub­li­kum.

Die KI schei­tert an sol­chen kul­tu­rel­len Trans­fer­leis­tun­gen. Oh­ne Kon­text­wis­sen über­trägt sie Me­ta­phern flach oder ver­liert bei schnel­len Spre­cher­wech­seln und Dia­lek­ten völ­lig den Fa­den. Was als prä­zi­ser Dis­kurs ge­dacht war, ver­kommt im di­gi­ta­len Äther zu ei­ner le­bens­lo­sen, me­cha­ni­schen Wort­wüs­te.

3. Hal­lu­zi­na­ti­onen

Wenn ei­ne KI im Un­kla­ren über den ex­ak­ten Kon­text ist, rät sie ein­fach. Wir Men­schen wür­den nach­fra­gen, und zwar vor der Ver­anst­al­tung, näm­lich dann, wenn das Vor­be­rei­tungs­ma­te­rial un­klar ist. Wir ha­ben schon man­che(n) Red­ner:in da­vor be­wahrt, bei Vor­trä­gen über ei­ge­ne Tipp­feh­ler zu stol­pern.

KI-Kri­ti­ker nen­nen die Fan­ta­sie­pro­duk­te der Ma­schi­nen be­schö­ni­gend „Hal­lu­zi­na­ti­onen“. Auf Kon­fe­renzen, in Be­hör­den oder bei Ge­richt ist der­lei schlicht ein Feh­ler mit mög­li­cher­wei­se fa­ta­len Fol­gen.

4. Haf­tung

Ge­nau die­ses blin­de Ver­trau­en in die schein­bar un­fehl­ba­re KI-Ge­ne­rie­rung hat im Früh­som­mer ein weg­wei­sen­des ju­ris­ti­sches Nach­spiel ge­habt. Mit dem Ur­teil vom 28. Mai 2026 (Az. 26 O 869/26) hat das Land­ge­richt Mün­chen I ent­schie­den, dass Google un­mit­tel­bar als Stö­rer für un­wah­re Be­haup­tun­gen haf­tet, die durch des­sen KI-Funk­ti­on („AI Over­views“) ge­ne­riert wur­den.

Das Ge­richt stell­te un­miss­ver­ständ­lich klar: Wer ei­gen­stän­dig for­mu­lier­te KI-In­hal­te als fer­ti­ge, ab­ge­schlos­se­ne Aus­sa­gen prä­sen­tiert, kann sich nicht auf das Pri­vi­leg rei­ner, haf­tungs­be­frei­ter Such­ver­mitt­lung be­ru­fen.

Kern­aus­sa­ge: Die KI er­zeugt ei­ne ei­ge­ne Ant­wort, die dem An­bie­ter recht­lich voll zu­ge­rech­net wird.

Das Ur­teil lässt sich aufs Dol­metschen über­tra­gen: Wer Ver­ant­wor­tung für hoch­ka­rä­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on trägt, kann die Haf­tung für Fehl­er nicht an ei­ne Soft­ware de­le­gie­ren, die in ih­ren Nut­zungs­be­din­gun­gen jeg­li­che Haf­tung aus­schließt.

5. Fa­zit

Die KI mag für ein­fa­che Stan­dard-Tex­te à la Web­shop mit ähn­li­cher Wa­re und für den ra­schen Über­blick prak­tisch sein. Mit ech­tem Si­mul­tan­dol­met­schen oder kul­tur­sen­si­blem Über­set­zen hat das aber herz­lich we­nig zu tun.

Bei In­hal­ten, auf die es an­kommt, ge­schrie­be­nen oder ge­spro­che­nen, bei de­nen es um Re­pu­ta­ti­on, Mil­lio­nen­ver­trä­ge, di­plo­ma­ti­sche Nu­an­cen und recht­li­che Si­cher­heit geht, blei­ben wir Men­schen un­er­setz­lich. Ver­trau­en Sie lie­ber ei­ner ech­ten Dol­met­sche­rin als ei­ner pro­gram­mier­ten Si­mu­lan­tin.

______________________________
Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Dienstag, 1. September 2026

Auf ein Neues!

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin mit für die fran­zö­si­sche Spra­che mehr als 20 Jah­ren Be­rufs­er­fah­rung. Als Teil ei­nes Netz­werks bin ich eu­ro­pa­weit tä­tig zu Wirt­schafts- und Kul­tur­the­men, Kli­ma und Land­wirt­schaft, um nur vier Bei­spie­le zu nen­nen.

Heute ist der 1. Sep­tem­ber. In Frank­reich ist heu­te nicht ein­fach der Mon­tag ei­nes Mo­nats mit „R“ da­rin. Heu­te ist la ren­trée. Da­rü­ber ha­be ich schon frü­her ge­schrie­ben: klick.

Mädchen mit Schultüte, Text: Mein erster Schulgang
Das Wort Schulgang ist heute vergessen

Und jähr­lich grüßt das Mur­mel­tier. Der fran­zö­si­sche Jah­res­lauf ist stär­ker durch­ge­tak­tet als dies hier­zu­lan­de der Fall ist. Denn mit die­sem Ers­ten be­ginnt in Frank­reich das neue Jahr.

In Deutsch­land be­ginnt das Jahr am 1. Ja­nu­ar und auch nur ein einziges Mal. Der Herbst be­ginnt, wenn die Son­ne über dem Äqua­tor steht. Und die Schu­le be­ginnt, wenn die Som­mer­fe­ri­en vor­bei sind.

Frank­reich hat da eine ei­ge­ne Ord­nung. La ren­trée heißt wört­lich erst ein­mal „Rück­kehr“. Das Wort be­zeich­net aber längst nicht nur die Rück­kehr der Kin­der in die Schu­le. Das Centre na­tio­nal de res­sources tex­tuelles et le­xi­ca­les nennt auch die Wie­der­auf­nah­me der Ak­ti­vi­tät ei­ner In­sti­tu­ti­on oder des ge­sell­schaft­li­chen Le­bens nach ei­ner Pau­se.

So kommt la ren­trée nicht im Sin­gu­lar, son­dern liefert uns gleich für die kom­men­den Wo­chen eine Vo­ka­bel­lis­te.
La ren­trée sco­laire: Der Schul­an­fang
La ren­trée uni­ver­si­taire: Der Se­mes­ter­be­ginn
La ren­trée po­li­tique: Das En­de der po­li­ti­schen Som­mer­pau­se
La ren­trée so­ci­ale: Die Ge­sell­schaft, die Ge­werk­schaf­ten, die Ver­bän­de und ihre Kon­flik­te mel­den sich zu­rück
La ren­trée théâ­trale: Der Be­ginn der The­a­ter­sai­son
La ren­trée lit­té­raire: Der Bü­cher­herbst mit Neu­er­schei­nun­gen und Buch­mes­se

Der Bü­cher­herbst ist in Frank­reich be­son­ders aus­ge­prägt. Zwi­schen Mit­te Au­gust und Ok­to­ber kom­men 2026, so­weit ver­mel­det, 461 Ro­ma­ne auf den fran­zö­si­schen Buch­markt, dar­un­ter 68 ers­te Ro­ma­ne, au­ßer­dem ist es die Sai­son der Li­te­ra­tur­prei­se.

Die ren­trée ist al­so kein Über­set­zungs­the­ma, sondern ein echtes Kul­tur­phä­no­men.

Für uns ist der Sep­tem­ber­an­fang ei­ne his­to­ri­sche Er­in­ne­rung und der Herbst­an­fang für Sta­tis­ti­ker. Durch die­sen Trick be­kommt die­se Jah­res­zeit ih­re kom­plet­ten Ka­len­der­mo­na­te, so las­sen sich Mo­nats­mit­tel, Nie­der­schlags­sum­men und an­de­re Kli­ma­da­ten sau­ber ver­glei­chen.

Ei­gent­lich hät­ten die Sta­tis­ti­ker ei­ni­ge Wo­chen war­ten kön­nen, wenn es schon or­dent­lich zu­ge­hen soll, und den 1. Ok­to­ber zum me­te­o­ro­lo­gi­schen Herbst­an­fang er­klä­ren, also den ers­ten vol­len Ka­len­der­mo­nat nach dem ech­ten Herbst­an­fang. Nun denn.

Auch in der Ukra­i­ne be­ginnt heu­te das neue Schul­jahr. Der 1. Sep­tem­ber ist dort der Den zna­nj, der „Tag des Wis­sens“. Schule und Schul­ein­gangs­fei­er bei Luft­alarm ma­chen den heu­ti­gen 1. Sep­tem­ber grö­ßer, und dies zum fünf­ten Mal.

Wün­schen wir den Men­schen dort ein bal­di­ges Kriegs­en­de. Und der Mensch­heit 265 Ta­ge des Wis­sens jähr­lich und eine Ab­kehr von sek­ten­ähn­li­chen, wis­sen­schafts­feind­li­chen Ge­dan­ken, die es der Po­li­tik in vie­len Ländern über­haupt erst er­mög­licht, we­sent­li­che Ent­schei­dun­gen zu Energie, Wirt­schaft und sozialer Ge­rech­tig­keit wei­ter zu ver­ta­gen.

Vive la ren­trée !

______________________________
Foto: Ar­chiv Eli­as Los­sow

Montag, 31. August 2026

Montagsschreibtisch (155)

Bonjour & hello! Den All­tag ei­ner Dol­met­scherin fin­den Sie auf den Sei­ten die­ses di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs skiz­ziert. Mit Deutsch als Mut­ter­spra­che, ar­bei­te ich vor al­lem als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für fran­zö­sisch­spra­chi­ge Kon­fe­renzen und De­le­ga­tions­rei­sen, in der Po­li­tik und bei pri­va­ten An­läs­sen; au­ßer­dem aus dem Eng­li­schen, der Ziel­spra­che mei­ner Büro­kol­le­gin, die Tex­te über­trägt.

Ver­wal­tungs­ar­beit ist klein­tei­lig
Zwei­mal tief durch­ge­at­met und schon geht der Som­mer zu­ende! Wie mei­ne Be­kann­te Hé­lène Kohl neu­lich ge­sagt hat, kann­te der Som­mer die­ses Jahr kein Som­mer­loch, was die Nach­rich­ten­la­ge an­ging.

Auch sonst war der Pau­sen­cha­rak­ter in die­ser Jah­res­zeit auch be­grenzt, was ei­ne Fol­ge de häu­fi­gen Ex­trem­wet­ter­la­gen war.

Die Herbst­sai­son kün­digt sich bis­lang nur ver­hal­ten an. Das ist seit Co­ro­na so. Ei­ner­seits schrei­ben wir hier stän­dig sehr aus­führ­li­che Kos­ten­vor­an­schlä­ge.

An­der­er­seits sind die Rück­läu­fe lei­der, an­ders als frü­her, eher be­schei­den. Seit der Pan­de­mie plant die Kund­schaft nicht mehr so lang­fris­tig wie früher. Auch se­hen wir, dass die Ver­wal­tung im­mer mehr aus­ge­la­gert wird. Wei­te­re Ver­lus­te lie­gen nach­weis­lich an der un­lau­te­ren KI-Kon­kur­renz. Die KI ist kein Dol­met­scher, auch wenn man­che Tech-Nerds das be­haup­ten. Oder wird die Bun­des­po­li­tik noch selbst­be­zo­ge­ner?

Die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch:

We­ge aus der Kri­se
Kol­le­ge/n für ei­nen Ehe­schlie­ßungs­ter­min fin­den
Kos­ten­vor­an­schlä­ge
Viel­leicht Ihr Vor­ha­ben?

______________________________
Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 28. August 2026

Moment mal! (6)

Bon­jour, hel­lo gu­ten Tag! Im 20. Jahr be­schrei­be ich, Ca­ro­li­ne Eli­as, hier mein Le­ben als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­scherin für Fran­zö­sisch, Deutsch (und aus der eng­li­schen Spra­che) in Ber­lin. Ge­mein­sam mit an­de­ren aus dem Dol­metsch­team be­glei­te ich De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen, sit­ze da­bei sehr oft ir­gend­wo in Kon­fe­renz­dol­metsch­ka­bi­nen. Und ich rei­se oft mit der Bahn.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag
Ein Kind hört im Zug, wie ich auf Fran­zö­sisch te­le­fo­nie­re. Das Ge­spräch ist zu­en­de. Der klei­ne Mann, noch nicht im Grund­schul­al­ter, fragt: „Was für ei­ne Spra­che war denn das?“

Ich: „Das war Fran­zö­sisch.“ (... so ein biss­chen wie der Kom­men­tar aus der „Sen­dung mit der Maus“ ge­spro­chen).

Der Jun­ge: „Kannst du auch Deutsch?“

„Na, hörs­te doch ge­ra­de.“

„Ja. Und Ame­ri­ka­nisch?“

„Ame­ri­ka­ni­sches Eng­lisch we­ni­ger, aber Eng­lisch, ja.“

Pau­se.

„Ach so. Dann kannst du ja al­les sa­gen.“

„Nein.“

„Wa­rum nicht?“

„Weil ich nicht al­les weiß.“

Das Kind denkt kurz nach.

„Aber wenn du al­les weißt, kannst du al­les sa­gen, oder?“

(Ja, klingt lo­gisch. Ach, wenn die Welt doch nur so ein­fach wä­re.)


______________________________
Gra­fik:
KI (OpenAI)

Donnerstag, 27. August 2026

Herbstfarben

Hal­lo, hier kön­nen Sie im 20. Jahr Epi­so­den aus dem Ar­beits­all­tag ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Mut­ter­spra­che Deutsch le­sen. Meis­tens ar­bei­te ich als Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin, aber auch aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche und schrift­lich ins Deut­sche. Die Ar­beit ist an­stren­gend. Um­so wich­ti­ger ist gu­te Er­ho­lung: Nicht­stun ... oder et­was kom­plett an­de­res!

Stof­fe in leuch­ten­den und ge­deck­ten Far­ben, Klei­der
Erste Ideen
Nach Ta­gen mit in­tel­lek­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen er­ho­le ich mich mit Up­cy­cling. Bei der Haus­halts­auf­lö­sung der Mut­ter ei­ner Freun­din fie­len zwei Klei­der für mich ab. Sie sind mir zu groß, die Far­ben pas­sen nicht, aber sie sind aus gu­ter, nicht zu schwe­re Baum­wol­le.

Die Aus­gangs­schnit­te ha­ben Po­ten­zi­al. Zum Glück durf­te ich in der Schu­le Nä­hen ler­nen.

Bei­de Klei­der wer­de ich fär­ben. Ich lie­be be­son­ders Na­turtöne, zum Bei­spiel ein dunk­les, war­mes Oli­v­grün, pas­send zu mei­nem Teint. Ich mag auch die Mo­de der Twen­ties.
Ei­nes der Klei­der hat prompt ei­ne sehr tie­fe „Taille“.

Pro Kleid wer­de ich ver­mut­lich nur vier bis sechs Näh­te än­dern müs­sen, in ei­nem Fall Ta­schen weg­neh­men, die Ta­schen­klap­pen aber ste­hen­las­sen, au­ßer­dem neue Knöp­fe dran­nä­hen. Für die Knöp­fe wer­de ich auf Na­tur­ma­te­ri­ali­en zu­rück­grei­fen, auf we­nig Auf­fäl­li­ges, und mich bei der Fir­ma Paul Knopf be­ra­ten las­sen.

Ei­ne Freun­din, Kos­tüm­bild­ne­rin beim Film, hilft beim Up­cy­cling-Pro­jekt. Zu­nächst lie­fert sie „Vi­su­als“. Das hilft schon mal wei­ter. Wir mes­sen al­les Mög­li­che aus, Wei­te, Län­ge, sie steckt ab, ich nä­he. Fürs Um­fär­ben erwägen wir Dun­kel­grün, Tan­nen­grün, Oliv­grün oder Rost­rot, um die zu grel­len Farb­tö­ne zu über­fär­ben und ein span­nen­des Ge­samt­er­geb­nis zu be­kom­men. Wir über­le­gen, was wie aus­se­hen wird und möch­ten am En­de nur ei­nen Fär­be­gang ma­chen. Die fi­na­le Ent­schei­dung steht noch aus. Es wird spät­som­mer­lich bis herbst­lich wer­den.

Das ei­ne Kleid hat ei­nen zeit­lo­sen Schnitt, das an­de­re soll ein Ta­ges­kleid im Stil der 1920er wer­den. In der Kern­zeit der Twen­ties, ca. 1922–1928, lag der Saum et­wa ei­ne Hand­breit un­ter dem Knie. Das be­kom­men wir mit dem vor­han­de­nen Stoff nur knapp hin. In bei­den Fäl­len fehlt Stoff für Är­mel. Auch wenn wir in der Wei­te et­li­che Zen­ti­me­ter her­aus­neh­men, so kann ich ma­xi­mal Gür­tel dar­aus nä­hen.

Ich wer­de ei­ne Art „Jum­per Dress“ (Trä­ger­kleid) dar­aus ma­chen, bei küh­ler Wit­te­rung ein Shirt oder ei­ne Blu­se drun­ter­zie­hen und es so schnei­den, dass ich es im Hoch­som­mer auch kurz­ärmlig tra­gen kann. Das Kleid mit Hemd­blu­sen­cha­rak­ter be­kommt ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Aus­schnitt ver­passt.

Es wird span­nend.

______________________________
Gra­fik: Adeline (en­co­re mer­ci beau­coup !)

Mittwoch, 26. August 2026

Die nette Apo­ka­lypse

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Die KI-Gran­den spre­chen mit er­staun­li­cher Ge­las­sen­heit da­von, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit ihre Er­fin­dung die Mensch­heit aus­lö­schen oder sie dauer­haft ent­mach­ten wird. Sie schät­zen die Ge­fahr auf et­was zwi­schen 25 und 50 Pro­zent ein.

Nie­mand wür­de in ein Flug­zeug ein­stei­gen, das mit der Wahr­schein­lich­keit von 25 bis 50 Pro­zent ab­stür­zen wird. Hier aber lau­tet der Re­frain: „Kein Grund zur Pa­nik! Fas­ten seat­belt! Auf zur nächs­ten Run­de!“

... und (fast) al­le se­hen das Prob­lem!
Die Ge­men­ge­la­ge er­weist sich als fast nied­lich, wenn wir be­denk­en, WER hier am Werk ist: Die mehr als 3.000 Mil­li­ar­dä­re der Welt besit­zen inzwi­schen 18,3 Bil­lio­nen Dol­lar, wäh­rend die ärmere Hälf­te der Mensch­heit weni­ger besitzt als die zwölf reichs­ten Män­ner zusam­men. In der Spit­zen­grup­pe der Überreichen fin­den sich Tech-Män­ner — und nicht eine Frau.

Diese Her­ren ser­vie­ren uns ein Ar­gu­ment, das ich eine Beru­hi­gungs­pil­le nen­ne: Sie be­haup­ten, dass Ar­beit künf­tig optio­nal wer­den kön­ne, da Maschi­nen für uns ar­bei­ten wür­den. Und da­mit nie­mand in Pa­nik ver­fällt, wird hin­ter­her­ge­scho­ben, dass jed­er Mensch ein üppi­ges Grund­ein­kom­men be­kom­men wer­de.

Ach, wie über­aus beru­hi­gend!

Nur: Wenn die­se Her­ren wirk­lich so sehr am Wohl­er­ge­hen der Mensch­heit inter­es­siert wä­ren, wa­rum ma­chen sie nicht heu­te schon et­was? Sie könn­ten längst einen be­trächt­li­chen Teil ih­res Ver­mö­gens und ih­res poli­ti­schen Ein­flus­ses ge­zielt da­für ein­set­zen, Hun­ger, ver­meid­ba­re Krank­hei­ten und extre­me Armut zu bekämp­fen und die Struk­tu­ren dau­er­haft zu ver­än­dern, die die­se Un­gleich­hei­ten seit Jahr­hun­der­ten pro­du­zie­ren. Das Geld da­für ha­ben sie, den Ein­fluss auch, die Tech­nik erst recht.

Statt­des­sen bau­en sie Rechen­zen­tren, die ex­trem viel Strom, Was­ser, Land und Infra­struk­tur bean­spru­chen, für de­ren Be­trieb neue Gas­kraft­wer­ke ent­ste­hen sol­len. Kurz: Die KI ist ein ast­rei­ner CO₂-Trei­ber. Ers­ter Wi­der­stand regt sich vie­ler­orts; man­che Gemein­den ver­hin­dern oder brem­sen die Pla­nung aus. (Wohl dem Land, des­sen de­mo­kra­ti­sche Struk­tu­ren funk­tio­nie­ren!) Die In­ter­na­tio­na­le Energie­agen­tur (IEA) erwar­tet, dass sich der welt­wei­te Strom­ver­brauch von Rechen­zen­tren bis 2030 etwa ver­dop­pelt.

Und auch die öko­lo­gi­schen Neben­wir­kun­gen wer­den unter­sucht: Lärm, Licht, elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der, Was­ser­ver­brauch sowie die Fra­ge, was sol­che Anla­gen mit den Öko­sys­te­men ma­chen, in die sie ge­stellt wer­den. Bei Bie­nen gibt es bereits Hin­wei­se auf Beein­träch­ti­gun­gen der wert­vol­len Ar­beit der Be­stäu­ber durch Re­chen­zen­tren; der direk­te Nach­weis steht aller­dings noch aus.

Die ei­gent­li­che Zu­kunfts­vi­sion muss eine an­de­re sein: nicht Ma­schi­nen­herr­schaft mit Grund­ein­kom­men, son­dern Men­schen­herr­schaft über die Ma­schi­nen. Denn wir sind die Mehr­heit, wir ha­ben Stimm­recht, wir kön­nen NEIN sa­gen, wenn unse­re Land­schaf­ten, unser Was­ser, unser Strom und un­se­re Le­bens­zeit für die nächs­te Bil­lio­närs­phan­ta­sie drauf­ge­hen sol­len.

Wir müs­sen nicht bei den dys­to­pi­schen Bil­dern und den lee­ren Ver­spre­chen der Tech-Bros ste­hen blei­ben. Es gibt vie­le po­si­ti­ve Bil­der ei­ner le­bens­wer­ten Zu­kunft, die wir ent­wic­keln und ver­brei­ten dür­fen. Das mit der Ver­brei­tung ist ei­ne Fra­ge der Kom­mu­ni­ka­tion. Die mensch­li­che Psy­che zieht lei­der Ne­ga­tiv­mel­dun­gen vor. Wir sind eine Spe­zies, de­ren Psy­che noch auf dem Stand der Höh­len­be­woh­ner funk­tio­niert. Da­mals war es über­le­bens­wich­tig, Ge­fah­ren schnell zu er­ken­nen.

Chan­cen ha­ben es schwe­rer. Da­bei gibt es star­ke Bil­der ei­ner an­de­ren Zu­kunft: Schwamm­städ­te, Agro­forst­wirt­schaft, re­gio­nal an­ge­pass­tes Saat­gut, Markt­gärt­ne­rei­en, Hu­mus­auf­bau, na­tür­li­che Wäl­der, Was­ser­land­schaf­ten, ge­sun­de Bö­den und Le­bens­mit­tel. Ge­nos­sen­schaft­li­ches Bau­en, Holz, Lehm und ge­sun­de Bau­stof­fe, Mit­be­stim­mung, De­mo­kra­tie und Bil­dung mit Kopf, Hän­den und dem Bo­den un­ter den Fü­ßen.

High­tech wird da­zu­ge­hö­ren, wenn sie uns hilft, Zu­sam­men­hän­ge zu ver­ste­hen, statt sie zu zer­stö­ren, wenn sie beim Mes­sen und Ana­ly­sie­ren und In­for­mie­ren hilft.

Die Na­tur ist kom­ple­xer, als wir den­ken; sie ist so kom­plex, dass wir sie noch nicht ver­ste­hen. Auf dem Mars ist der Bo­den tot. Hier ist al­les mit al­lem ver­bun­den und wir sind ihre Schü­ler. Wir wis­sen viel, aber längst nicht ge­nug. Wir sind al­le Lehr­lin­ge. Nur eins ist klar: Wir Men­schen sind Teil der Na­tur. Au­ßer­halb ei­ner ge­sun­den Na­tur kön­nen wir nicht über­le­ben.

Die Welt ge­hört uns nicht, wir ge­hö­ren zu ihr. Uto­pie statt Apo­ka­lyp­se, lau­tet die Pa­ro­le. In­ner­halb der nächs­ten Ta­ge folgt da­zu mehr.


______________________________
Gra­fik: C.E. (mit al­ten Mit­teln plus Pho­to­shop)