Freitag, 16. Oktober 2026

Moment mal! (13)

Bon­jour auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Oft trägt der Blick von au­ßen zur Selbst­er­kennt­nis bei.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Ich bin mit Dol­met­schen dran. Die Kol­le­gin ist ei­ne Nach­wuchs­kraft und be­ob­ach­tet mich ge­nau.

Die Red­ne­rin sagt et­was sehr Wich­ti­ges. Das Pu­bli­kum nickt, man­che klat­schen spon­tan Bei­fall. Mit et­was Zeit­ver­zub über­tra­ge ich die Wor­te der Red­ne­rin. Und dann nicke auch ich. 

Das wird mir nach­her die jun­ge Kol­le­gin zu­rück­mel­den. Es ist fast ei­ne Art Be­rufs­krank­heit. Zu­min­dest für mich, die ich frü­her sehr viel bei Dreh­ar­bei­ten un­ter­wegs war.

Und so kam es auch, dass ich exakt die­se Fest­stel­lung schon frü­her ge­hört ha­be, auf der Ber­li­na­le, wo ich auf ei­nem Pa­nel da­bei­saß und kon­se­ku­tiv gedol­met­scht ha­be.

Da­mals war die Be­ob­ach­ten­de nie­mand Ge­rin­ge­res als die beim Gast­film für Con­ti­nui­ty Zu­stän­di­ge: Sie hat da­für ge­sorgt, dass der fer­ti­ge Film oh­ne „Brü­che“ zu ge­nie­ßen ist in Sa­chen Span­nung, Ges­ten, Bli­cke und Klei­dung, dass al­les „auf An­schluss“ ist beim Film­dreh, der in der Re­gel nicht chro­no­lo­gisch statt­fin­det.

Und ja, ich weiß, dass ich auch mit Ges­ten ler­ne und mit der räum­li­chen Ver­knüp­fung von In­hal­ten, wenn ich zum Bei­spiel ei­nen Pod­cast hö­re und da­bei Neu­es ler­ne.

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Gra­fik:
KI (OpenAI)

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Untertiteldrama

Kon­fe­renz­dol­met­schen ist hier im 20. Jahr Ge­gen­stand. Als Deutsch-Mut­ter­sprach­le­rin ar­bei­te ich als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend ins Fran­zö­si­sche und aus dem Eng­li­schen. Mei­ne Bü­ro­kol­le­gin schenkt Ge­schrie­be­nem ihr wun­der­vol­les Eng­lisch. Heu­te eine Mail aus der Pra­xis, wie ich sie ein­mal ge­schrie­ben und drei­mal ver­wen­det habe. KI-Mittwoch.

S
ehr ge­ehr­tes Pub­li­kum! Fra­gen Sie sich manch­mal, war­um heut­zu­ta­ge Un­ter­ti­tel oft so schlecht sind? Hier kommt die Ant­wort. Die Qua­li­tät der Untertitel, kurz: UT, wird von der KI be­ein­flusst, aber nicht nur. Das Dra­ma ist äl­ter. Es hat mit der Ver­ach­tung von Sprach­ar­bei­ter­in­nen zu tun. Hier eine Mail aus mei­nem Post­fach.

Lie­be Leu­te von der Film­pro­duk­ti­on XYZ,

für Euch habe ich ge­ra­de eine Un­ter­tit­le­rin oder einen Un­ter­tit­ler für Eng­lisch ge­sucht, sie­ben Leu­te an­ge­fragt, zwei hät­ten Zeit, die an­de­ren sind aus­ge­bucht, Ein­rei­chun­gen für die Ber­li­na­le, die Frist läuft En­de Ok­to­ber ab.

Die Ver­ga­be soll­te über mich lau­fen, denn ich brau­che einen Über­blick über die Prei­se in ih­rer Band­brei­te. Ich bin bei Film­un­ter­ti­teln oft nur noch dann Kor­rek­to­rin, wenn das Kind in den Brun­nen ge­fal­len ist. Und als Gut­ach­te­rin bei Ge­richt hö­re ich re­gel­mä­ßig die Fra­ge, wie denn die Sprei­zung der Ho­no­ra­re sei. Das zu mei­nem En­ga­ge­ment in die­sem Film­er­netz­werk, aus­ge­hend vom Wunsch, zu hel­fen.

Dann gibt es den As­pekt des Schut­zes. Man­che/r Un­ter­tit­ler:in kann nicht gut ver­han­deln und lässt sich schnell zu Kon­di­ti­o­nen breit­schla­gen, die un­fair sind.

Ich weiß, dass we­nig Geld in der Bran­che ist. Nicht nur dort. Ihr wisst auch, dass Men­schen ge­mein­hin ei­nem Brot­er­werb nach­ge­hen, auch um teu­re Mie­ten und die ak­tuell ver­dop­pel­ten Gas­rech­nun­gen zu zah­len (in Ber­lin wer­den ge­fühlt 80 Pro­zent der Woh­nun­gen mit Gas be­heizt).

Nun zum Ar­gu­ment, das kom­men wird: Wir wis­sen nicht, ob wir über­haupt auf dem Fes­ti­val lau­fen, „macht's doch ein­fach mal schnell, muss nicht so ge­nau sein!" Auch das Ar­gu­ment ken­nen wir. Sag doch mal einem Arzt: „Impf' mich mal schnell, muss nicht so ge­nau sein." Oder: „Ope­rie­re mich mal schnell, muss nicht so ge­nau sein." Sag einem Chauf­feur: „Fahr mich nach Pa­ris, mach's in zwei Stun­den statt in zehn, muss nicht so ge­nau sein."

UT: Warum kommst du hier? statt: Warum kommst du her?
Ge­lau­fe­ne UTs (nicht das ak­tu­el­le Bei­spiel)

Ich hof­fe, Ihr ver­zeiht mir die Iro­nie. 
Im Gespräch folgt oft ein „Nehmt doch die KI!“... Sie kann, wie neu­lich ge­zeigt, hel­fen, muss aber nicht. Bei in­di­vi­du­el­len Aus­drucks­wei­sen ver­sagt die Tech­nik oft, vor al­lem bei Nu­an­cen, An­spie­lun­gen, Iro­nie. Das hat ja auch die Her­stel­ler­fir­ma ei­ner Flag­schiff­pro­duk­ti­on, be­kann­te Se­rie, erst neu­lich er­lebt (Link). 

Die fal­schen Ti­tel flim­mern bis heute über den Sen­der, ob­wohl ich al­le Be­tei­lig­ten an­ge­mailt ha­be.

Die KI zeigt uns schwarz auf weiß ei­nen Vor­schlag. Mit Buch­sta­ben, die schwarz auf weiß ge­druckt sind, wur­den wir so­zia­li­siert. Wir glau­ben Ih­nen eher als Buch­sta­ben, die von Hand ge­krit­zelt wur­den. Sich da­von wie­der zu lö­sen, et­was Neu­es zu fin­den, im­mer wie­der auf das Ori­gi­nal zu schau­en, nach­dem man auf eine ver­meint­li­che Über­set­zung ge­schaut hat, be­deu­tet, dass wir dop­pelt so viel le­sen wie vor­her und dop­pelt so viel geis­tig ver­ar­bei­ten müs­sen.

Ihr ahnt es: Die Ar­beit mit der KI ver­lang­samt mög­li­cher­wei­se er­heb­lich die Pro­zes­se. Und wer husch-husch ar­bei­tet, lie­fert schlech­te Qua­li­tät, husch-pfusch
eben.

Ein Ar­gu­ment aus mei­ner Ar­beit in der Fes­ti­val­film­aus­wahl: So oft wur­den vom Sichtungsteam Fil­me ab­ge­bro­chen, weil ab­surd un­ter­ti­telt, weil nicht in den ers­ten Mi­nu­ten mit einer Bild­ge­walt oder Äs­the­tik prä­sent, die ih­res­glei­chen sucht! Das tut sprach­ba­sier­ten Fil­men un­recht. Wie oft hab ich mich als Ku­ra­to­rin dann al­lei­ne durch Un­ter­ti­tel­wüs­ten ge­käm­pft und Sinn ge­fun­den, dann noch­mal dem Team vorgeführt und der Film war beim Fes­ti­val mit brand­neu­en UTs ein ganz an­de­rer ...

Letz­tes Ar­gu­ment aus mei­ner Ar­beit als Un­ter­tit­le­rin: Die Leu­te, die eine Grob­fas­sung er­hal­ten, kom­men sel­ten zu­rück. Am En­de, auf Nach­fra­ge, hat es su­per schnell ge­hen müs­sen und die Prak­ti­kan­tin, die ein Jahr im Aus­land war, durf­­te noch­mal ran. Oder so­was in der Art. Die Fes­ti­vals ha­ben ih­re UT-Re­dak­ti­o­nen ab­ge­schafft, vom Fes­ti­val kommt des­halb sel­ten Kri­tik. Und am En­de fehlt im­mer Geld. Ach, die Ho­tels sind so teu­er und die Ti­ckets erst!

Zu­sam­men­fas­sung: Qua­li­tät hat ih­ren Wert und ih­ren Preis. Die Un­ter­ti­tel sind die Vi­si­ten­kar­te des Films. Ein Si­cher­heits­netz für Qua­li­tät sei­tens der Fes­ti­vals fehlt heu­te. 

Ich ha­be auf der Ber­li­na­le­lein­wand schon zwei Mal mei­ne Prüf­mar­ke ge­se­hen: ^prüf^. Ich hat­te sie der Pro­duk­ti­ons­fir­ma er­klärt. Ein­mal wa­ren In­for­ma­ti­o­nen wi­der­sprüch­lich, die in einer Ein­blen­dung vor­ka­men.

Es ist zum Heu­len. Sor­ry für die Län­ge.

Herz­lich,
Ca­ro­li­ne


P.S.: Ich un­ter­ti­tle nur noch we­nig. Aber für Kino­nutzung wird in Frank­reich oft noch der dop­pel­te Satz ge­zahlt wie vor 30 Jah­ren in Deutsch­land (in­fla­tions­be­rei­nigt).

* * * * *

Ei­ner der Kol­le­gen hat mir ge­schrie­ben: Vie­le Filme­ma­cher fra­gen sich of­fen­sicht­lich nicht, wie wir die Mie­te zah­len sol­len, selbst wenn sie Fil­me über Ar­mut und Un­gleich­heit dre­hen.

Rück­sprung: 1995 be­kam ich ca. 2000 DM für einen lan­gen Film mit 1000 Unterti­teln, al­so 2 DM für die Über­set­zung pro UT. Wer es konn­te, hat den Satz ver­dop­pelt, denn wei­te­re 2 DM wur­den pro Titel für das so­ge­nann­te Spot­ting ge­zahlt, das Festlegen der Ein­blen­de- und Aus­blen­de­zei­ten. Heute wirft die KI-ge­stütz­te Schnittsoft­ware deutsch­spra­chi­ge Ti­tel in­klu­si­ve des Spot­tings aus. Die­se Ti­tel ent­spre­chen stellenweise nicht dem Rhyth­mus des Films, sind re­dun­dant, oft ge­nug falsch, ge­hen über Schnit­te usw.
 
Wie al­les im Film folgen auch Un­ter­ti­tel dra­ma­tur­gi­schen Re­geln. Ich muss al­so, wenn ich die­se KI-ge­ne­rier­ten Ti­tel be­ar­bei­te, einen Teil mei­ner Ar­beits­kraft hier ins Re­pa­rie­ren und An­pas­sen in­ves­tie­ren, auch des­halb, weil je­de Spra­che ih­ren ei­ge­nen Zeit- und Raum­be­darf hat. Man­che sind knap­per, Eng­lisch zum Bei­spiel, und Fran­zö­si­sch braucht ger­ne mehr Sil­ben. Das be­deu­tet, dass der Ein­stiegs­punkt der Un­ter­ti­tel öf­ter mal stimmt, der Aus­stiegs­punkt aber fast nie.

Ja, die Soft­ware von heu­te ist leich­ter zu be­die­nen. Wir be­zah­len seit je­her un­sere Ar­beits­mit­tel selbst. Trotzdem ist es Zusatzarbeit.

Berücksichtigen wir auch die Auf­merk­sam­keits­en­er­gie, ist der Ver­gleichs­wert von da­mals fair­er­wei­se hö­her an­zu­set­zen, näm­lich bei 3,00 DM. Auf der Ba­sis von 1995 er­gibt sich ein Satz von 1,53 Eu­ro pro Un­ter­ti­tel (UT). Durch den Kauf­kraft­ver­lust von da­mals zu heu­te würden in­fla­ti­ons­be­rei­nigt ca. 2,68 Eu­ro pro UT dar­aus.

Der ent­spre­chend dem Auf­wand ge­recht um­ge­‚rubelte‘ Wert von 1995 liegt dem­nach heute bei 2,68 Eu­ro pro UT. Ak­tu­el­le An­ge­bo­te in Deutschland lau­ten in­des 1,00 bis 1,35 Eu­ro pro UT. (So­eben kommt ei­ne An­fra­ge für 0,50 Eu­ro rein.)

Wir ha­ben es hier al­so mit ei­ner sys­te­ma­ti­schen Ho­no­rar­kür­zung von 49,63 bis 62,69 Pro­zent zu tun. (Bei der neu­en An­fra­ge soll ich ge­ra­de mal für lä­cher­li­che 18,66 Pro­zent des­sen ar­bei­ten, was ich 1995 um­ge­setzt habe.)

Wir spre­chen hier von Unter­ti­teln für Ki­no und Fes­ti­val, für die auch Ur­he­ber­rechts­ver­gü­tungen aus­ge­schüt­tet wer­den (in Sum­me nicht viel, aber im­mer­hin). Für den bru­ta­len frei­en Rest des Markts, der oft über Platt­for­men läuft, die mit­ver­die­nen, be­kom­men UT-Au­to­ren oft nur noch we­ni­ger als vier Pro­zent des­sen raus, was 1995 üb­lich war, und zwar für das Re­pa­rie­ren von KI-Aus­wurf. Das ist eine Kür­zung von über 96 Pro­zent und mehr, da oh­ne Na­mens­nen­nung. So wird ein Hohn­o­rar da­raus.

Zu­rück zur Fes­ti­val­ar­beit. Wäh­rend un­se­re UT-Ho­no­ra­re für Ki­no in 30 Jahren al­so um mehr als die Hälf­te ge­kürzt wur­den und sich im frei­en Fall be­fin­den, hat der Ber­li­ner Miet­markt im glei­chen Zeit­raum einen ex­plo­si­ven An­stieg von weit über 200 Pro­zent ver­zeich­net, in man­chen Kie­zen bei Neu­ver­trä­gen so­gar 300 bis 400 Pro­zent. Un­ter die­sem bru­ta­len Druck ste­hen wir nicht al­lein: Auch frei­e Jour­na­lis­tin­nen, frei­e Hoch­schul­leh­rer, Men­schen in Krea­tiv­be­ru­fen und der Lo­gis­tik er­lei­den seit Jahr­zehn­ten ei­nen Lohn­ab­sturz bei stei­gen­den Le­bens­hal­tungs­kos­ten.

„AI real time translation“, darunter: - „Minister benutzt hat.“ - „Stage“ - „Der.“ - „Stage“ - „Es war ein trauriges Lied.“ - „Stage“ - „Ist für Toiletten nicht Fake?“; ganz unten EGY von STRATEGY
Die KI ist keine passende "STRATEGY"
In den Neun­zi­gern ließ sich vom Un­ter­ti­teln gut le­ben. Bei Kon­fe­ren­zen wa­ren Un­ter­tit­ler:in­nen ge­stan­de­ne Leu­te, die Kin­der hat­ten, die stu­dier­ten und die ein Haus ab­zah­len konn­ten. Zehn Jah­re spä­ter sa­ßen nur noch Be­rufs­an­fän­ger:in­nen im Raum. 2015 fand das Pa­nel noch statt, aber es gab kaum noch In­ter­es­sier­te. Das Gros der Un­ter­ti­tel wur­de längst im Ne­ben- oder Mini­job er­stellt, von El­tern, Stu­die­ren­den und Schü­ler:in­nen, die nicht auf Kon­fe­ren­zen gin­gen. Als ich das letz­te Mal auf das Pro­gramm die­ser re­gel­mä­ßig statt­fin­den­den Kon­fe­renz ge­schaut habe, hat das UT-The­ma kom­plett ge­fehlt. 

Die ge­samte Bran­che hat­te es schlicht nicht mehr auf dem Schirm.

Und weil der glei­che Ab­wer­tungs­sch*iß mit mie­ser Qua­li­tät jetzt mit „KI-Dol­met­schen“ los­geht (noch grot­ti­ger als bei schlech­ten UTs), bin ich wirk­lich sauer. Ich habe ein Déjà vu. Mit der be­son­de­ren Aus­prä­gung, dass KI-„Dol­met­schen“ und UTs hy­b­rid ge­kreuzt wer­den, sie­he Fo­to von ei­ner Ver­an­stal­tung, wo wir Dol­met­sche:rin­nen „ein­ge­spart“ wur­den, weil die KI ja so su­per ist. *Sar­kas­mus aus*

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Fo­tos: C.E. und Dan­ke an Do­rin Po­pa!

Dienstag, 13. Oktober 2026

Transkodierung

Bon­jour auf den Sei­ten ei­nes Log­buchs aus dem In­neren der Dol­metsch­kabine oder des Über­setzer­arbeits­zimmers. Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit Jahr­zehn­ten mit der deut­schen und der fran­zö­si­schen Spra­che, über­wie­gend im po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Kon­text. Heu­te flie­gen die Grau­gän­se über den Dach­first in den Sü­den. Und ich ler­ne und den­ke über Spra­che nach.

Stel­len Sie sich vor, ei­ne fran­zö­si­sche De­le­ga­ti­on be­sucht ei­nen deut­schen Be­trieb. Der Ge­schäfts­füh­rer sagt beim Wech­sel aus der Kan­ti­ne in den klei­nen Spei­se­saal zur Be­grü­ßung: „Na, dann wol­len wir mal Nä­gel mit Köp­fen ma­chen!“  

Gläser in Reihe
Beim Dol­metschen kein Alko­hol!

Wört­lich über­setzt, macht dieser Satz auf Fran­zö­sisch kei­nen Sinn. Auch ei­ne rein sprach­li­che Er­set­zung durch ei­ne ähn­li­che Re­dens­art wird nicht pas­sen. 

Es geht in hier dar­um, dass bei­de Sei­ten ih­re Ent­schei­dun­gen end­lich kon­kret ma­chen. Als Dol­met­sche­rin muss ich nicht nur die Wör­ter ver­ste­hen, son­dern vor al­lem die Ab­sicht, den kul­tu­rel­len Kon­text und die Wir­kung der Äu­ße­rung in der kon­kre­ten Si­tua­ti­on er­fas­sen.

Wir hat­ten in der Kan­ti­ne, dem größ­ten Raum des Un­ter­neh­mens, ge­ra­de den öf­fent­li­chen Teil mit Po­li­tik, Pres­se und Be­leg­schaft ab­sol­viert. Jetzt folg­te die nächs­te Etap­pe.

Kon­kret auf dem Pro­gramm: Mit­tag­es­sen im klei­nen Krei­se, Tisch­re­den und Un­ter­zeich­nung des aus­ver­han­del­ten As­so­zi­ie­rungs­ver­trags. Über­tra­gen ha­be ich das mit: « Bon, nous al­lons en­fin pas­ser à table ! » (Wört­lich: Gut, dann es­sen wir end­lich.) 

Das ist wie­der so ein Mo­ment, den die KI mit ih­ren wört­li­chen, wort­rei­chen Über­tra­gun­gen ver­peilt hät­te.

Was wir Men­schen hier ma­chen, be­schreibt Hans J. Ver­meer:

„Ei­ne Trans­la­ti­on ist nicht die Trans­ko­die­rung von Wör­tern oder Sät­zen aus ei­ner Spra­che in ei­ne an­de­re, son­dern ei­ne kom­ple­xe Hand­lung, in der je­mand un­ter neu­en funk­tio­na­len und kul­tu­rel­len und sprach­li­chen Be­din­gun­gen in ei­ner neu­en Si­tua­ti­on über ei­nen Text (Aus­gangs­sach­ver­halt) be­rich­tet, in­dem er ihn auch for­mal mög­lichst nach­ahmt.“

Quel­le: Ver­meer, Hans J. (1986): „Über­set­zen als kul­tu­rel­ler Trans­fer“. In: Snell-Horn­by, Ma­ry (Hrsg.): *Über­set­zungs­wis­sen­schaft – ei­ne Neu­ori­en­tie­rung. Zur In­te­grie­rung von Theo­rie und Pra­xis.* Tü­bin­gen/Ba­sel: Fran­cke, S. 33.

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Montag, 12. Oktober 2026

Montagsschreibtisch (160)

In das Be­rufs­le­ben von Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­schern, Über­set­zern und Über­set­ze­rin­nen kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten klei­ne Ein­bli­cke er­hal­ten. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch ar­bei­te ich mit FR (in bei­de Rich­tun­gen) so­wie EN als Aus­gangs­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Hier be­rich­te ich über die Ar­beit in den Be­rei­chen Po­li­tik, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur, Me­di­en und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch.

Ein ba­na­ler, aber doch ner­vi­ger Ta­ge­buch­mo­ment: Mist aber auch, wenn je­mand von den Stadt­wer­ken zum Strom­ab­le­sen in den Ge­mein­schafts­kel­ler muss, die Haus­ver­wal­tung aber auf dem Schlüs­sel sitzt.

Sit­zungs­raum beim Tech­nik­check

Es scheint ja durch­aus im Be­reich des Mög­li­chen, je­man­den recht­zei­tig zu sen­den oder ei­ner/ei­nem von uns Mie­ter:in­nen eine Ko­pie des Schlüs­sels zu ge­ben, oder? Ähn­lich ner­vig, wenn Dienst­leis­ter Ter­mi­ne mor­gens von sie­ben bis neun fest­le­gen und dann je­mand spä­ter auf­schlägt, für den die HV die Chu­zpe hat, ei­ne hal­be Stel­le ab­zu­rech­nen. Ver­mut­lich wohnt er in Mün­chen und je­de Stre­cke zählt als Ar­beits­zeit. *Iro­nie off* ... jetzt nur nicht ner­ven las­sen.

Ich hätte heu­te Früh nicht auf­ma­chen kön­nen, denn es gab ei­nen Früh­stücks­ter­min in ei­nem Mi­nis­te­ri­um. (Das Buf­fet ist nicht ab­ge­bil­det. Es war statt­lich.) Von uns war je­mand ei­ne Drei­vier­tel­stun­de vor den Gäs­ten vor Ort, weil der Tech­ni­ker neu im Be­ruf ist.

Sonst kurz und bün­dig der Ein­satz, das macht Spaß, trotz der all­ge­mein mie­se­pe­tri­gen Kri­sen­stim­mung.

Die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch
❦ För­der­an­trags­dos­sier kor­rek­tur­le­sen (Film­wirt­schaft)
❦ ein Sa­hel­the­ma
❦ Kos­ten­vor­an­schlä­ge, Ter­min­pla­nung
❦ Viel­leicht Ihr Vor­ha­ben?

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Freitag, 9. Oktober 2026

Moment mal! (12)

Bon­jour auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te be­gin­nen für mich ei­ni­ge ru­hi­ge Ta­ge.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

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Le­sen ge­hört bei mir zum Be­rufs­all­tag, je­den Tag. Als Kon­fe­renz­dol­met­scher­in muss ich auf dem Lau­fen­den sein. Um ein we­nig die ver­gan­ge­nen Wo­chen nach­zu­ho­len und weil ich das On­line­le­sen als sehr er­mü­dend emp­fin­de, ha­be ich mir zum di­gi­ta­len Abo man­cher Zei­tun­gen hin­zu jetzt Pa­pier­aus­ga­ben be­sorgt.

Die­se Wo­che stellt die Wo­chen­zei­tung „Die Zeit“ in Heft und Ma­ga­zin in die­sem li­te­ra­ri­schen Herbst 100 Bü­cher vor. Zu­erst ha­be ich mich sehr ge­freut. Bis ich beim Blät­tern zu­neh­mend ir­ri­tiert fest­stel­len muss­te, dass die Aus­wahl vor al­lem deut­sche Ver­öf­fent­li­chun­gen be­rück­sich­tigt und da­zu noch ei­ni­ge aus dem Wes­ten. Der Os­ten Eu­ro­pas ist kaum ver­tre­ten.

Die­ses Jahr ist die Tsche­chi­sche Re­pu­blik das Gast­land der Frank­fur­ter Buch­mes­se. In der Zei­tung wird ein ein­zi­ger le­ben­der Au­tor vor­ge­stellt ... und an Kaf­ka er­in­nert. Das fühlt sich ir­gend­wie nach geis­ti­ger Ab­schot­tung an, nach Bauch­na­bel­schau.

Ich be­ob­ach­te der­lei auch an­ders­wo. Das scheint lei­der ein Trend zu sein in Deutsch­land. Wir emp­fan­gen seltener De­le­ga­ti­ons­rei­sen und er­le­ben we­ni­ger internationale Be­geg­nun­gen auf di­ver­sen po­li­ti­schen Ebe­nen (was wir als Dol­met­scher:in­nen an ge­sun­ke­nen An­fra­ge­zah­len ab­le­sen kön­nen).

Denn die KI kann's nicht, da­rü­ber ha­be ich hier ge­schrie­ben. Sie lie­fert das ma­the­ma­tisch Wahr­schein­li­che, ist ein rie­si­ger Hoax, die­ses Au­to­com­ple­te, denn beim Aus­tausch geht es doch im­mer um das Be­son­de­re, das Neue, das Zu­künf­ti­ge.

Was ma­chen Ge­sell­schaf­ten, die sich nicht mit­ein­an­der auf die Zu­kunft vor­be­rei­ten? Und wir bau­en an Eu­ro­pa! Wa­rum, lie­be „Zeit“, lasst Ihr uns nicht den Blick wei­ten, um ein­an­der bes­ser ken­nen­zu­ler­nen? 

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Gra­fik:
KI (OpenAI)

Dienstag, 6. Oktober 2026

Gedenktage

Bon­jour, hel­lo, herz­lich will­kom­men! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne oder bin auf Reisen, so wie jetzt gerade. In mei­nem Le­ben mischt sich das Pri­va­te manch­mal mit dem His­to­ri­schen. Und das ist ge­ra­de jetzt be­son­ders schwer.

Der Leh­rer reicht mir das Mi­kro­fon: „Mach Du wei­ter!“ Ich: „Wie in Frank­reich?“ Er: „Wie in Frank­reich!“

Ich ste­he an ei­nem KZ-Fried­hof in Süd­deutsch­land. Es ist ein klei­nes Au­ßen­la­ger von Natz­wei­ler am Ge­denk­tag der Be­frei­ung. Et­li­che Gäs­te aus Frank­reich sind da und be­rich­ten über die­sen Tag. Ich dol­met­sche zum allerersten Mal in meinem Leben. Ich bin 17 Jah­re alt und ah­ne nicht, dass ich das ein­mal be­ruf­lich ma­chen wür­de.

Ei­ni­ge Mo­na­te zu­vor, auf ei­ner Rei­se beim Schü­ler­aus­tausch: Wir ste­hen in ei­ner Ho­nig­ku­chen­fa­brik, er­hal­ten ei­ne Füh­rung. Ne­ben der Se­kre­tä­rin des Werks steht der La­tein­leh­rer, der, wie ich spä­ter er­fah­re, auch Fran­zö­sisch un­ter­rich­tet hat. Er hat uns auf der Rei­se be­glei­tet, weil er sei­ne Frau mit­neh­men konn­te, ei­ne Leh­re­rin in der Fa­mi­li­en­pau­se. So gab es wie ge­for­dert je ei­ne männ­li­che und ei­ne weib­li­che Be­gleit­per­son; so hat nur ein ak­ti­ver Leh­rer an der Schu­le ge­fehlt, Leh­rer­man­gel schon da­mals.

Der La­tein­leh­rer, des­sen Fran­zö­sisch­un­ter­richt ähn­lich wie der ei­ner to­ten Spra­che ab­ge­lau­fen sein soll, über­trägt für uns die Er­klä­run­gen der Chef­se­kre­tä­rin. Er ringt nach Wor­ten. Ich er­bar­me mich sei­ner und flüs­te­re ihm ab und zu ei­nen Vor­schlag vor, den er dank­bar an­nimmmt. Plötz­lich ver­schluckt er sich, ringt nach Luft, geht aus dem Raum, um sich frei­zu­hus­ten. Sei­ne Frau bit­tet mich, wei­ter­zu­ma­chen. Als er zu­rück­kehrt, ist die Rol­len­ver­tei­lung klar: Ich dol­met­sche wei­ter und er souf­fliert Vo­ka­beln.

Lili Keller-Roseberg / Et nous sommes revenus seuls
Buch von Lili Keller-Roseberg 
Wie in Frank­reich ste­he ich al­so vorn. Ne­ben mir die Über­le­ben­den, auf den Stüh­len die Ho­no­ra­tio­ren, die Pres­se und die Gäs­te der Stadt. Wer­de am En­de kurz ge­lobt. Nie­man­dem ist der Rol­len­tausch ne­ga­tiv auf­ge­fal­len, das ist ja schon mal was, so mein Ge­dan­ke da­mals. Und nie­mand sagt: „Das könn­test du be­ruf­lich ma­chen.“

Da­mals ha­be ich noch nicht ge­ahnt, dass Dol­met­schen weit mehr als Tech­nik und Vo­ka­bel­wis­sen ist. Es geht um his­to­ri­sches Wis­sen, um Prä­zi­si­on und auch um ein emo­tio­na­les Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, das in kei­nem Wör­ter­buch steht.

 Zen­tral ist auch das rich­ti­ge Sprach­ni­veau.

Und in der Ana­ly­se kommt jetzt mein El­tern­haus ins Spiel, bei­de His­to­ri­ker und Ger­ma­nis­ten, stets be­dacht da­rauf, dass wir Kin­der uns gut aus­drüc­ken, de­tail­reich und vie­le Wörter ler­nen. Dan­ke!

Mich hat das „Drit­te Reich“ jahr­zehn­te­lang im­mer wie­der be­schäf­tigt, auch die­ser Ta­ge in Wei­mar. Ei­ne äl­te­re Da­me, die als Kind im KZ war, be­rich­tet vor Ju­gend­li­chen. Hier ist ei­ne be­son­ders fein­füh­li­ge Spra­che wich­tig. Al­les ist prä­zi­se zu über­tra­gen: das Grau­en und ih­re gro­ße Men­schen­lie­be, ih­re De­mut und ih­ren fei­nen Hu­mor, der dann und wann auf­blitzt. Je­des Wort, je­de Nu­an­ce zäh­len.

Und nun, an die­sem Diens­tag, als ich die Zeit­zeu­gin in ei­nem Hin­ter­zim­mer des be­rühm­ten Ho­tels Ele­fant in Wei­mar zu ei­nem Ge­spräch mit den Ho­no­ra­tio­ren des Lan­des und der Stadt be­glei­ten darf, kommt die Nach­richt, dass in Sach­sen-An­halt zum ers­ten Mal seit 1945 in Deutsch­land ein rechts­ex­tre­mer Par­la­ments­prä­si­dent ge­wählt wur­de. Es schnürt mir den Hals zu. Es war zu er­war­ten. Es ist trotz­dem er­schüt­ternd. Er hat vier Stim­men mehr er­hal­ten, als sei­ne Par­tei und das BSW, ei­ne Ab­spal­tung ei­ner lin­ken Par­tei, im Par­la­ment ha­ben.

Es ist wie vor bald 100 Jah­ren: man­geln­de Bil­dung, das in Tei­len be­rech­tig­te Ge­fühl, zu­rück­ge­setzt und be­nach­tei­ligt zu sein, Rat­ten­fän­ger, die sich neu­er Me­di­en be­die­nen, cha­ris­ma­ti­sche Per­so­nen, die kom­plett vom Par­tei­pro­gramm ab­wei­chen und das Blaue vom Him­mel ver­spre­chen in der Hoff­nung, dass die Men­schen nicht in den Quel­len le­sen.

Die­ses Stu­di­um der Quel­len, das kri­ti­sche Le­sen, ist in Zei­ten des In­ter­nets und der KI wich­ti­ger denn je, und es wur­de, ob­wohl wir ja nicht erst seit ges­tern mit neu­en Tech­no­lo­gi­en le­ben, ver­nach­läs­sigt. Ich er­gän­ze auf mei­ner Lis­te: Ein ver­sa­gen­des Schul­sys­tem, das nicht oder zu we­nig an die Her­aus­for­de­run­gen der Zeit an­ge­passt wur­de.

Un­ser Grund­ge­setz ist an­ti­fa­schis­tisch, das hat Hape Ker­ke­ling erst letz­te Wo­che so vor dem Thü­rin­ger Land­tag per­fekt zu­sam­men­ge­fasst. Es ent­stand aus dem Schock dar­über, was Men­schen vom ter­ro­ris­ti­schen NS-Re­gime an­ge­tan wur­de. Ich ver­ste­he das Zö­gern nicht. So­gar die CDU-na­he Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung hat gut­ach­ter­lich fest­ge­stellt, dass die rechts­ex­tre­me Par­tei ver­fas­sungs­feind­lich ist.

Das Schlimms­te für mich heu­te ist es aber, un­se­rer Zeit­zeu­gin und ih­rer Toch­ter von den Ent­wick­lun­gen in Deutsch­land zu be­rich­ten. Später, am Abendessenstisch, wer­den wir sit­zen­blei­ben und über his­to­ri­sche Par­al­le­len spre­chen, aber auch über die Ent­wick­lun­gen in Frank­reich und den ins To­ta­li­tä­re ab­drif­ten­den USA. Es ist der Vor­abend ei­nes Jah­res­tages, dem 7. Ok­to­ber, mit den bar­ba­ri­schen Mor­den, den Gei­sel­nah­men, un­säg­li­chem Leid ...

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Fo­to: C.E.

Montag, 5. Oktober 2026

Montagsschreibtisch (159)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten mit­le­sen. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

In der Dol­met­scher­ka­bine
Die­se Wo­che näh­ert sich bei der Eng­lisch­kol­le­gin eine Dead­line für ein Groß­proj­ekt. Des­halb sitzen zwei Kor­rek­tur­le­se­rin­nen mit im Bü­ro und sie klä­ren ge­mein­sam die letz­ten Zwei­fels­fäl­le. Das passt mir gut, denn ich bin unterwegs.

Diese Wo­che auf dem Schreib­tisch

❀ Ge­den­ken an den his­to­ri­schen deut­schen Zi­vi­li­sa­tions­bruch vor bald 100 Jah­ren in ei­nem ost­deut­schen Bun­desland
❀ Ju­gend­bil­dungs­ar­beit
❀ Zwei Film­ge­sprä­che
❀ Whis­tle­blo­wer

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Fo­to:
C.E.

Freitag, 2. Oktober 2026

Moment mal! (11)

Bon­jour auf den Blog­sei­ten ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Manch­mal möch­te ich mich zwei­tei­len.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Ich dol­met­sche ge­ra­de ei­ne län­ge­re Pas­sa­ge. Dann sagt der Red­ner: „So, und da­mit kom­me ich zum Schluss.“ Ich ver­dol­met­sche das. Er spricht wei­ter. Ich schaue auf die Uhr. Wir sind in fünf Minuten durch. Aus­nahms­wei­se sit­ze ich al­lei­ne in der Box, denn das En­de der Ver­an­stal­tung steht fest. Al­le sol­len an­schlie­ßend die Bus­se neh­men und zu ei­nem Emp­fang ins Rat­haus fah­ren. 

Die Dol­met­schkol­le­gin, die ein klei­nes Kind hat, ha­be ich fünf Mi­nu­ten zu­vor ge­hen las­sen, da­mit sie ih­ren Re­gio­nal­zug er­wi­scht.

Er spricht und spricht und spricht. Wir sind jetzt zehn Mi­nu­ten über die Zeit. Ir­gend­wann sagt er: „Und da­mit kom­me ich nun wirk­lich zum Schluss. Ih­re Fra­gen he­ben Sie sich bit­te auf für mor­gen.“

Jetzt über­set­ze ich vor­sichts­hal­ber et­was we­ni­ger end­gül­tig. Es fol­gen wei­te­re Wor­te ... Die Mo­de­ra­to­rin der Ver­an­stal­tung ver­lässt im Sau­se­schritt den Saal. Viel­leicht war drin­gend ei­ne Bio­pau­se nö­tig.

Dann sieht mich der Red­ner plötz­lich di­rekt an, lä­chelt und winkt in mei­ne Rich­tung. Kurz den­ke ich: Der freut sich über mei­ne Ver­olmet­schung. Dann mer­ke ich: Er war­tet auf die nächs­te Fo­lie, nie­mand mehr da von der Ver­an­stal­tungs­or­ga­ni­sa­tion, die oder der die Power­point an­kli­cken könn­te. Er ist noch im­mer nicht fer­tig.

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Gra­fik:
KI (OpenAI)