Freitag, 26. November 2021

Ein kurzes Vorwort

Bon­jour und herz­lich will­kom­men auf meinen Web­sei­ten! Was Dol­met­scher und Dol­met­scherinnen beschäftigt, können Sie hier seit 2007 mitlesen. Derzeit finden aller­dings coronabedingt wenig Prä­senz­ver­an­staltungen statt. Die Arbeit ändert sich.

Solidaritaet ist mehr als Haendewaschen (Plakat)
Am Maybachufer in Berlin

Auch Herbst 21 finden co­ro­na­be­dingt nur selten Kon­fe­ren­zen und De­le­ga­tions­rei­sen statt. Soll­ten Sie etwas in der Art veranstalten, sind wir gern für Sie da. Wir, das ist ein Team von Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­schern, mehr­fach geimpft oder genesen.

Wir wir­ken auch digital aus dem Dolmetsch­stu­dio heraus, aus dem Hub oder im Hy­brid­for­mat.

Natürlich unterstützen wir Sie auch bei administrativen Vorgängen, sind im Kran­ken­haus tätig, bei Werks­be­­sich­ti­gun­gen und Hin­ter­grund­ge­sprä­chen sowie in An­walts­kan­zleien, stets unter Berück­sichtigung aller Hy­gie­ne­re­geln.

Gerne finden wir mit Ihnen zusammen das passende An­gebot fürs On­line­dol­met­schen: konsekutiv (in Sprechpausen hinein) oder simultan (nahezu zeit­gleich). Weil diese Art der Übertragung für alle an­stren­gen­der ist, Blick auf klei­ne Mo­ni­tor­bil­der, ge­stauch­te und damit un­na­tür­liche Stimmen, Rauschen, Echos oder Zeit­ver­zö­ge­run­gen, sind diese Einheiten meistens kürzer als normale Ein­sätze.

Wir bieten keine Bü­ro­sprech­stun­den an, können uns aber für Kurz­be­sprechungen mit Gäs­ten in den Hofgarten setzen. Wir freuen uns auf Ihre An­fra­ge!

Da wir nicht nur Spracharbeiterinnen und Spracharbeiter sind, sondern auch Men­schen, die beobachten und die Zeit dokumentieren, in der wir leben, finden Sie auf den folgenden Seiten mein COVIDiary.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 11. November 2021

COVIDiary (425)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ein­blicke in das Le­ben einer Sprach­ar­bei­terin können Sie hier erhalten. Ich bin Dol­met­scherin für die fran­zö­sische Spra­che, und ich über­set­ze auch aus dem En­g­li­schen. Die Wo­che geht mit ge­misch­ten Ge­fühlen in die Ziel­gerade.

Strichzeichnung: Eine Lady? Schwarz-weiß ...
Minimalistische Kunst im Herbstlicht

Die sani­tä­re Lage in Deutsch­land ist Schrei­ße, 50.000 Neu­in­fek­tio­nen an einem Tag, die Intensiv­sta­tionen laufen lang­sam zu.

Schreiße — wir Dol­met­scher:in­nen ver­wen­den sol­che Wör­ter nor­ma­ler­weise nicht, denn wir sind verbale Lei­se­tre­ter, spre­chen immer schön und über­aus ge­wählt, ganz so, als stün­den wir die gan­ze Zeit auf cosy Hoch­flor­tep­pichen, die hin­ter hun­dert Ber­gen von zarten Kin­der­händen ge­knüpft wur­den und in den Sa­lons der Haupt­stadt­re­prä­sen­tanzen von Wirtschaft und Po­li­tik liegen. Sagen wir's mal so: Solche Mi­lieus prä­gen. Dass wir im dolmet­schen­den Be­rufs­all­tag gro­be Wör­ter immer weniger grob wie­der­geben in der Über­tra­gung, ist häufig Selbst­schutz.

Denn wenn sich die Her­ren (also meis­tens sind es Herren) am Ende wieder ver­tra­gen, möchten ja, wir als Über­brin­ge­rin­nen dieses häss­lichen Voka­bu­lars ja nicht vom Hof gejagt werden. "Hof" ist hier auch das Stich­wort, die­ses Gebah­ren (ein­fa­che­res Wort dafür: Ver­halten) stammt aus hö­fi­schen Tagen. Höfisch und höflich klingen nicht zufällig ähnlich.

Strichzeichnung: Eine Lady? Dieses Mal bunt
... bunt und in Farbe

Verdamm­te Hacke, die aktu­ellen Fall­zah­len se­hen al­les an­de­re als gut aus. Wenn un­ser­ei­ner dann doch mal böse Wörter los­wer­den muss, behilft er oder sie sich gern mit Zi­ta­ten. Das "Schrei­ße" da oben stammt ver­mut­lich vom Über­set­zer­paar, das Al­fred Jar­rys Ubu Roi über­tra­gen hat. In die­sem The­ater­stück schreit ein klei­ner, ner­viger König im­mer wieder laut merdre, also die fran­zö­si­sche Ent­spre­chung mit dem rein­ge­schmug­gelten "R".

Noch ein Zitat: Ich winke rasch den Radio­lo­gen Frank Ulrich Mont­go­mery auf die Bühne, Eh­ren­vor­sit­zender der Ärzte­ge­werk­schaft Mar­burger Bund. Er hat kürz­lich zur La­ge ge­sagt: "Wir wer­den von ein paar lauten Voll­idio­ten in Geisel­haft ge­hal­ten."

König Ubu ließ immer alles im gro­ßen Loch ver­schwin­den, hinter oder unter der Fall­tür / Klappe / Ver­sen­kung mit einem don­nern­den: "À la trappe !" Das wür­de ich jetzt am liebs­ten der Pan­de­mie an­ge­deihen lassen. Hin­fort und weg mit ihr! Die Nase voll!

In Son­der­heit auch von jenen, die die Pan­demie gerade anfeuern, durch Impf­ver­wei­ge­rung, Karneval und Kol­lek­tiv­be­säuf­nisse und damit durch die wei­tere Fall­zu­nahme das Aus­brü­ten einer neuen Varian­te fördern. Wer macht sowas? Leute mit Fest­an­stel­lung und bes­tem Ren­ten­an­spruch, fürchte ich. Keine frei­be­ruf­li­chen Über­set­zerin­nen und Dol­met­scherin­nen. Uns, die wir in der Poli­tik und im For­schungs- und Mes­se­be­reich ar­bei­ten, zieht man er­neut den Bo­den unter den Fü­ßen weg.

Merk­wür­di­ger­weise zeich­nen sich deutsch­spra­chi­ge Länder gerade als Herde der Impf­ver­wei­ge­rung aus. Ausländische Presse wie die Fi­nan­cial Times beri­chtet da­rü­ber. Mir treibt das Scha­mes­röte ins Gesicht. Was für ein Schlag in die Ma­gen­grube fürs me­di­zi­nische Per­so­nal, das jetzt seit 21 Monaten kämpft! Si­cher gab es auch Ru­he­mo­men­te, auch nicht über­all ist Krise, aber die Ab­nah­me der In­ten­siv­bet­ten durch den Aus­stieg von Pfle­ge­kräf­ten kam ja auch nicht von un­gefähr.

Die Liste der mög­li­chen Neu­va­rian­ten von Covid-19 ist noch lang, das grie­chi­sche Al­pha­bet bie­tet als­dann Ep­si­lon, Zeta, Eta, Theta, Iota und et­liche mehr. (EDIT: An­de­re Län­der sind schon bei Lamb­da!) "Wel­ches Schwein­derl hät­ten's denn gern?", fragte Ro­bert Lemb­ke, der be­rühm­te Talk­mas­ter des deut­schen Fern­sehens, in den 1970ern. Wel­chen Buch­sta­ben soll die gerade in Deut­schland wahr­schein­lich er­brü­tete denn Varian­te tra­gen?

MERDRE!

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Foto:
C.E. (besser s/w oder bunt?)

Mittwoch, 3. November 2021

COVIDiary (419)

Bien­ve­nue auf den Sei­ten einer Sprachar­bei­te­rin. Wir Über­setzerin­nen, Über­set­zer, Dol­metscherinnen und Dolmetscher ar­beiten seit Beginn der Pan­demie we­ni­ger als zu­vor. Die Ein­sät­ze sind kom­ple­xer ge­wor­den, noch an­stren­gen­der als frü­her. Dies ist eine Fest­stel­lung, keine Be­schwer­de! Wir küm­mern uns schon um uns.

"Je simpler die Antwort auf eine komplexe Frage ist, desto wahrscheinlicher ist sie falsch." Daran musste ich gestern im Zug denken, als ich vom Einsatz zurückkam.

Es gibt Tage und Wochen, da machen mich die einfachen Antworten eines Teils der Gesellschaft einfach nur müde. Ich muss dann immer sehr aufpassen, gezielt etwas zum Ausgleich zu machen, zu den Pinseln zu greifen wäre eine Sache, die his­to­ri­schen Fotos zu sortieren oder mich mit Lieblingsbuch, Tee und einer Woll­decke in den Sessel zu fle­zen, wären solche Aktivitäten die hel­fen, um an der Menschheit nicht zu ver­zwei­feln. Das sind Tage, an denen ich nur zwei­mal Nach­rich­ten lese.

Wenn ich unterwegs beim Einsatz bin, geht das we­ni­ger gut, da ist die innere Emi­gra­tion nicht so leicht. Lesen hilft da, klassi­sche Musik auch, auch Vo­ka­bel­pauk­tran­ce kann hilfreich sein. Zum Glück haben wir Sprach­ar­beiterinnen grundsätzlich gute Laune, das hab ich ja ges­tern schon an­ge­deutet. Warum? Die Arbeit ist schwer genug, warum sollten wir sie uns mit schlechter Laune noch schwerer machen?

Hotel: schummrig, Kerze: abgebrannt, Tischlampe: schwach, Badezimmerlampe: gemütlich
Alles eine Fra­ge des Lichts
Es gibt wei­tere Hilfs­mit­tel. Licht ist eins. Der nass­dunk­le Herbst­teil ist an­ge­bro­chen. Schon ges­tern Abend habe ich im Hotel­zim­mer damit be­gon­nen, über Be­leuch­tung nach­zu­den­ken. Nach einem spä­ten Mit­tag­es­sen wie­der zu­hau­se, hilft eine Kerze beim Kaf­fee­. Wie wär's mit ei­ner Le­se­lampe zum Ak­ten­stu­dium am Be­spre­chungs­tisch? Und was ist als neu­es Licht im Bad denk­bar, das Well­­ness­stim­mung schafft?
Jene Para­meter an­zu­ge­hen, die ich selbst ver­än­dern kann, das ist mein Mittel der Wahl für eine po­si­tive Stim­mung. Die alte Zeit wird hier nicht ver­herr­licht: Rien n’est plus res­ponsable du « bon vieux temps » qu’une mau­vaise mémoire.

Auf Deutsch: "Nichts ist so sehr für die 'gute alte Zeit' ver­ant­wort­lich wie ein schlech­tes Ge­dächt­nis." (Anatole France)

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Fotos: C.E.

Dienstag, 2. November 2021

COVIDiary (418)

Was Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher so erleben, können Sie hier mit­ver­folgen. Ich arbeite mit den Sprachen Fran­zösisch und Eng­lisch. Wir sind im zweiten Co­ro­na­herbst. Anders als früher, als ich meistens vor Ort tätig war, ar­beite ich jetzt oft aus der Ferne.

Immer wieder dolmet­schen wir auf Bau­stellen, bei der Sanie­rung von altem Be­stand mit öko­lo­gi­schen Bau­stof­fen ebenso wie im Industrie­sektor. Dieses Dol­met­schen findet zwischendurch oft online statt, was die Ar­beit manch­mal leichter macht: Mit Hilfsmitteln lässt sich das besser be­werk­stel­ligen als ohne.

Internetanschluss kurz vor dem Anschluss
Bald auch online
Hier folgt ein Beispiel­satz aus der in­dus­tri­el­len Kühl­technik, bei der un­ser­ei­ner froh ist, wenn beim Dolmetschen fünf, sechs Grund­be­griffe be­kannt und zudem eine (zumin­dest grobe) Idee vom tech­ni­schen Vor­gang vor­han­den ist, der dem Gan­­zen zu­grun­de liegt:

"Kon­den­sa­to­ren, die luft­ge­kühlt sind, oder Verdam­pfer, die ab­raum­luft­be­heizt wer­den, be­ste­hen aus einem kombinier­ten Lüfter-Verdam­pferge­häu­se, in dem rip­pen­artig ge­bo­gene Kühl­mit­tel­roh­re ange­ord­net sind, er­gänzt durch min­des­tens ein Ge­blä­se, wobei die Kühl­mit­tel­rohre halb­kreis­för­mig und in Ab­stän­den über­ein­an­der mit einem jeweils kons­tan­ten Radius an­ge­ord­net sind ..."

Die all­ge­mei­ne Bau­lexik aller 13 Gewer­ke umfasst jetzt 110 Seiten, die ver­kürz­te nur zwölf, die lässt sich schnel­ler durch­blät­tern. Die größte Bau­stelle ist leider in Verzug geraten, erst Corona, dann Hoch­was­ser, jetzt Bau­ma­te­rial­man­gel. Keine ein­fa­chen Zeiten sind das. Wir Dolmetscher:innen bleiben indes immer ruhig und positiv. Alles andere wäre kon­tra­pro­duk­tiv.

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Foto: C.E.

Montag, 1. November 2021

COVIDiary (417)

Hal­lo! Sie sind auf den Sei­ten eines di­gi­talen Ar­beits­ta­ge­buchs gelan­det. Hier fin­den Sie Bilder und Mo­mente aus dem All­tag einer Dol­metscherin in Pan­de­mie­zei­ten. Meine Spra­chen sind Fran­zö­sisch, Eng­lisch und natür­lich auch Deutsch, meine Mut­ter­spra­che.

Kreativer Kopf (Kunst)
Kopf, nicht von Pappe
Es gibt Tage, da erinnere ich mich gerne an meine Kunden. Und dann gibt es sol­che, Kunden, nicht Tage, die würde ich lieber heute als mor­gen ver­gessen. Wie diese fran­zösi­sch­spra­chige Klein­familie, die schwer zur Boboisierung (s.u.) Berlins mit ihren schlech­testen Ausprä­gun­gen beige­tragen hat. Einige Male durfte ich die Leute zu Ämtern be­glei­ten, zur Ein­schu­lungs­un­ter­su­chung der Tochter und zu Gericht. Die Fa­mi­lie schien immer klamm, so zu­mindest bei der Ho­no­rar­ver­hand­lung. An­sonsten hat sie auf großem Fuße gelebt. Und eine Über­wei­sung meiner Ho­norar­note konnte schon mal Monate in An­spruch nehmen.

Eines Tages bekam ich eine Mail. Ich wartete gerade wieder auf eine Überwei­sung. 

Ob ich nicht vielleicht das schöne Designer­sofa über­nehmen wolle statt der Bezah­lung, Foto im Anhang, wurde ich gefragt. Der De­signer ist namhaft, weltweit, die Möbel gelten als elegant, ich finde sie aber ebenso un­be­quem wie un­prak­tisch. Hier folgt kein Marken­name, kein Bild. Der Ärger muss nicht noch größer werden.

Mit einer zweiten Mail, ver­sendet an eine grö­ßere, anony­me Grup­pe, er­reichte mich eine Woh­nungs­an­zeige. Man werde aus beruflichen Gründen Berlin verlas­sen, ziehe nach Lon­don. Die schöne neue Wohnung am Gleis­dreieck sei jetzt frei, 180-Grad-Blick auf den Park und Rich­tung Pots­damer Platz würden hier geboten, 120 Qua­drat­meter für 3100 Euro warm, mit Kamin und zwei Tiefgaragestellplätzen, nur 15 Minuten Fußweg zur franzö­si­schen Grund­schule Voltaire. Ich ahne, in welchem Neubau­bereich die résidence tant aimée liegt, das "so sehr gelieb­te Anwesen".

Kreativer Kopf (Kunst)
Kein Holzkopf
Idéal pour une famille d'expats, steht da noch, ideal für eine Fami­lie von Expats, expatriés, außer­halb der Heimat le­bende und ar­bei­tende Menschen, die (eigent­lich engli­sche) Exklusiv­form des Wortes "Gast­ar­bei­ter". 

Der Familien­vater war nicht politisch-dip­lo­matisch tätig, wie manche unserer Privat­kun­den, sondern für ein deutsches Groß­un­ternehmen, das fran­zö­sisches Geld fi­nan­ziert. Maman gab ab und zu Yogastunden, und sie entwarf Kinder­kleidung für ein La­bel, bei dem ein einzi­ges Kleid­­chen so viel kostet wie die Restau­rierung meines alten Kleider­schranks samt neuer Kleidung ge­kos­tet hat. Ich über­treibe, ja, aber nur mini­mal.


Vokabelnotiz
La boboïsation
— die Schi­cki­micki­fi­zierung, das wäre zumin­dest mein be­schei­de­ner Ter­mi­no­lo­gie­vorschlag. Bour­geois bohème sind jene Bour­geois, die sich für Bohème halten, mit ihrem Verhalten diese aber zerstören. Auch in Deutsch­land macht die Schi­cki­micki­be­völkerung aus einst hippen Vierteln eine muse­ali­sier­te, kaputt­sa­nierte Pup­penstuben­welt.
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Bilder:
gesehen in einer Behinderten-
werkstatt (bearbeitet)

Sonntag, 31. Oktober 2021

COVIDiary (416)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir ar­beiten, ist hier seit 2007 re­gel­mä­ßig Thema. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Eng­lisch und Deutsch. Sonn­tag: Hier fol­gen die eher pri­va­ten Sonn­tags­fo­tos!

Der letzte Tag des gol­de­nen Ok­to­bers leuch­tet wirk­lich in den schöns­ten Farben. Hier gibt es einen Blick in un­se­ren Hof­gar­ten am May­bach­ufer:

Bunte Blüten und Blätter als Collage
Die Regentropfenbilder sind vom letzten Jahr zur gleichen Zeit


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Collage: C.E.

Freitag, 29. Oktober 2021

COVIDiary (414)

Wie wir Sprach­ar­bei­ter:in­nen ar­beiten, genauer Konferenz­dol­metscher und Über­set­zer, beschreibe ich hier. International tätige Simul­tan­dolmetscher reisen nor­ma­ler­wei­se viel. Durch die Pandemie reise ich im zweiten Jahr durch die Woh­nung und unsere Nach­bar­schaft.

Marktwägen und -stände, vom Balkon aus gesehen
Viele Stadtbäume sind noch sehr grün
Einkauf direkt vor dem Haus, regional, un­ver­packt und an der frischen Luft: Wir zäh­len zum privi­le­gierten Teil der Bevöl­kerung, der das regel­mäßig machen kann. Aufgrund von Kanalar­beiten und der Pan­demie wurde der May­bach­ufer­markt, der dienstags und freitags stattfindet, fast bis vor unser Haus verlängert. Und meinen Stand der Bio­gärt­ne­rin­nen gibt es weiterhin, weiter unten am Markt.

Ich habe Nach­barinnen, die dort regelmäßig mit­arbeiten, was in zentralen Wohnvierteln der Haupt­stadt in Zei­ten der Gen­tri­fi­zie­rung be­droht ist. Es sind Mütter mit Kindern, die davon profitieren, dass der Weg zum Ar­beits­platz nah ist. 

1929 in Berlin
Für die Kinder die­ser Mütter ist das auch gut. Es ist schlimm, daran er­in­nern zu müssen, aber eine Stadt ist ein soziales Gefüge, die für alle Platz bie­tet. Nor­ma­ler­weise.

Es kann nicht sein, dass weniger Ver­mö­gende aus den In­nen­städten ver­trie­ben werden, wie es derzeit der Fall ist. Hier soll­te die Politik drin­gend ak­tiv werden.

Ich erin­nere mich an eine dazu pas­sen­de Ab­bil­dung aus den 1920-er Jah­ren aus meinem Foto­archiv: Hier ist meine Roman­heldin Anna mit ihrem erst­ge­bo­re­nen Sohn Ma­xi­mi­lian zu sehen, wie sie je­man­den be­suchen gehen.
Fast 100 Jahre liegen zwischen den beiden Aufnahmen. Geändert hat sich, dass die Markt­meister heute fluores­zie­re­nde Westen tra­gen und da­mals An­züge. Über­haupt waren früher die Leute besser gekleidet.

Und dass wir heute mehr Ver­kaufs­trailer haben. Flecht­körbe versus Plas­tik"körbe", Euro-Palet­ten versus Handwagen, Unmengen von Plas­tik­fo­lie versus Rupfen- oder Hanf­seil, das sind die ande­ren Pa­ra­meter. Es gibt andere Bilder die­ser Zeit, auf de­nen sind schon die typi­schen Ber­liner "Büd­chen" mit ih­ren wei­ßen Regen­pla­nen ab­ge­bil­det, die Sie oben auf dem Bild sehen kön­nen. Sie ka­men in­des nicht in allen Wohn­vier­teln gleich­zei­tig auf.

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Fotos:
privat. Das Blumenbild möchte ich bald
von den Nachbarn im 1. OG aus nachstellen.

Donnerstag, 28. Oktober 2021

COVIDiary (413)

Sie sind auf den Sei­ten eines digitalen Ta­ge­buchs aus der Welt der Sprachen ge­landet. Seit 2007 blog­ge ich hier über das Be­rufsle­ben der Über­set­zer und Dol­met­scher. Seit März 2020 gibt es aus den be­kann­ten Gründen kaum Konfe­renzen, hat sich unsere Arbeit stark verändert.

Heute ist die Luft sauber und nicht zu kühl. Ich sehe in einen wun­der­voll herbst­blau­en Him­mel hin­ein.

Mein Bal­kon­mit­be­wohner und neue Knospen

Meine Nach­barn von Ge­gen­über sehe ich das hal­be Jahr indes fast nicht mehr, so zu­ge­wachsen ist alles. In der Ferne bellt ein Hund. Fahr­rä­der schnur­ren vorbei, Meisen und Els­tern meckern am Ufer, dann pfeifen drei Schwä­ne mit kräf­ti­gen Flü­gel­schlä­gen den Kanal ent­lang.
Plötzlich schleicht das Tou­ris­ten­schiff "Fortuna" am Haus vorbei, über­ra­schend lei­se ver­gli­­chen mit früher.

Ich kann den Un­ter­schied auch riechen. Die Diesel­moto­ren scheinen der Ver­gan­gen­heit anzugehören. Auch Autos höre ich weniger, hier ist der Unter­schied sehr gering, aber wahr­nehm­bar. Ihre Anzahl scheint in unserem Viertel etwas ab­ge­­nom­men zu haben, in absoluten Zahlen oder nur in der Men­ge des das Viertel durch­que­ren­den Ver­kehrs, ich weiß es nicht. Das wären dann einige der guten Ne­ben­ef­fekte der Sch*pan­demie.

Was liegt auf dem Schreib­tisch? Ein Vertrag, der da dringend wieder runter muss, dann Vo­kabel­listen "Neubau In­dus­trie­ge­bäude", "Leben mit Be­hin­derung", "Öko­land­bau" zur Wie­der­holung sowie nur ein (als Ziffer: 1!) Kos­ten­vor­an­schlag. Au­ßer­dem Abla­gen, Abrechnungen und Technik­planung. Auch au­ßer­halb der Ho­no­rar­tage ist zu tun.

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Foto:
C.E.