Donnerstag, 23. Januar 2020

Offline

Guten Tag, bon­jour & hel­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­­beits­­welt! Hier ver­öf­­fent­­li­che ich kurze (anonymisierte) Episoden aus meinem viel­sei­ti­gen All­tag, Gedanken zu Kultur und Sprache sowie Hinweise zu unserer Art und Weise des Arbeitens.

Klausurtagung offline
Wir Dolmetscher übertragen mehr als Wör­ter. Wir haben nicht nur im Vorfeld die Vo­ka­beln des jewei­ligen Bereichs einge­hend stu­diert, sondern uns auch die Inhalte an­ge­le­sen. Wir kennen kul­tu­relle Beson­der­heiten der Länder un­se­rer Spra­chen, wis­sen um den Sinn des Treffens, die Absicht der Veran­stalter, und wir können daher auch spezifi­sche Begriffe und Rede­wen­dun­gen übertragen.

Dabei tragen wir stets eine große Ver­ant­wor­tung. Denn es geht ja nicht nur um das Gesagte, auch das Un­ge­sagte nehmen wir wahr, be­ob­ach­ten und interpretieren (oft un­be­wusst) Gestik und Mi­mik, Stimm­la­ge und Sprech­ge­schwin­dig­keit.

Mancher Redner, manche Rednerin stehen unter Stress. Von solcher Hektik dürfen wir uns auf Veranstaltungen nicht mitreißen lassen. Diese Coolness hat ihren Preis. Wir brauchen intensive Vorbereitungs-, aber auch Ruhephasen. Und wir benutzen Hilfsmittel: Vokabellisten, Text- und Audioquellen für die Vor­bereitung, das Ma­te­rial vom letzten Einsatz einer ähn­li­chen The­matik, sofern wir das be­hal­ten durf­ten, Wörterbücher auf Papier und na­tür­lich als elektro­ni­sche Dateien.

Entsprechend wichtig ist es oft, dass wir Zugang zum Internet haben, um noch schnell etwas nach­zuschlagen. Das ist nicht immer gegeben. Es gibt Klau­sur­ta­gun­gen, bei denen sind wir von der Außenwelt abgeschnitten. Das ist nicht immer bequem.

Für potentielle Kunden: Daher kann es manchmal einen bis zwei Tage dauern, bis wir Ihnen ein Kostenangebot zumailen können.

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Foto: C.E. (Archiv)

Freitag, 17. Januar 2020

Zum Zvieri

Herzlich willkommen auf den Sei­ten des ersten deut­schen Web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­metscherin über ihre Einsätze in Ber­lin, Paris, Cannes und anderswo. Derzeit sind wir in der Win­ter­pau­se. Heute denke ich über Cross­over oder Multi­kulti in der Küche nach.

Häuslich zu sein erlaubt uns das Pflegen von Ritualen: Widme ich mich jetzt dem leckeren Apfelkuchenrezept oder gibt es etwas sächsischen Stollen mit Orangentee und Hafermilch oder Zitrone?

Sächsischer Stollen
Stollen habe ich jetzt noch im Brot­fach. Ganz klas­sisch wird er hier nicht im Herbst ge­kauft und ge­ges­sen, sondern erst zu Win­ter­be­ginn an­ge­schnitten. His­to­ri­scher­wei­se sind das die Extra-Ka­lo­rien für den Win­ter und auch eine Art und Wei­se, Le­bens­mit­tel zu kon­ser­vie­ren. Das Ap­fel­ku­chen­re­zept klingt allerdings wun­derbar. Es stammt aus der Schweiz.

Es kam mit dem Hinweis "zum Zvieri". Für alle im Post­zustel­lungs­bereich au­ßer­halb der Schweiz sei mir als Linguis­tin eine kleine Übersetzung erlaubt: Das Zvieri ist die nachmit­täg­liche Zwischen­mahlzeit, etwa: „zu vier Gegessenes".

Franzosen würden le goûter dazu sagen, in Deutschland wä­re das "Kaf­fee und Ku­chen", wenn auch die Be­griffe aus der Schweiz und aus Frank­reich, ohne Koffein, mehr aus dem Fa­mi­lien­le­ben mit Kindern stam­men.

So, mal schauen, was es heute in Berlin bei uns zum Zvieri gibt!

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Foto: C.E.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Piff-paff-bumm

Was und wie Kon­fe­renz­dol­metscher und Übersetzer (und Dolmetsche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen) arbeiten, darüber berichte ich hier im 13. Jahr. Im Winter fin­den kaum Konferenzen statt. Derzeit erhole ich mich von einer Grippe und denke übers Leben nach.

Krank zu sein macht dankbar, bescheiden und auf­merk­sam für die Dinge um uns he­rum. "Als hättest du derlei nötig!", wider­spricht mir mein Inneres. Ich lese die Zei­tung und be­kom­me schlechte Laune. Warum muss ich immer an Albert Ein­stein denken, der der­mal­einst sagte: "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, al­les beim Alten zu las­sen und gleich­zeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert."

Privates Silvesterfeuerwerk
Die­ser Diagnose zufolge weiß ich, was ich der­zeit von Politik und weiten Kreisen der Wirt­schaft halten darf. Selbst dann, wenn ver­meint­lich Neues gedacht wird, verläuft es in alten Bah­nen. Wenigstens hören wir in­zwi­schen immer lauter Kritik; sie wird auch von den Medien wie­der­ge­ge­ben.

Nach­trag zu Silvester (was ich zum Teil ver­schlief. Da aber in Kreuz­berg vom 30.12. gegen Mittag bis in die ers­ten Tage des neu­en Jah­res dau­er­ge­knallt wird, konnte ich es nicht ver­pas­sen): Schätzun­­gen zufolge sollen die Böller, mit denen das neue Jahr begrüßt wurde, allein in Deutsch­land 133 Mil­lio­nen Euro gekostet haben. Was für eine  Geld­ver­nich­tung!

Menschen mit Atem­wegs­er­kran­kungen wie ich haben sich zudem über die Erhöhung des Fein­staubs gefreut. Dem Bundes­umweltamt zufolge wurden zum Jahres­wechsel 16 Prozent der Menge in die Luft geblasen, die der Straßen­verkehr pro Jahr frei­setzt. Doch nicht genug. Freunde von mir, die den Krieg in Aleppo knapp überlebt haben, Teile ihrer Fa­milie kamen darin um, verlassen in diesen Tagen nicht das Haus. Die Kinder sind dann wie verstört. Ja, sie wissen sehr genau, was die Knal­lerei hier bedeutet. Aber die Erin­ne­rungen sitzen tief.

Ich kann sie verstehen. Auf manchen Berliner Straßen wirkt Silvester fast wie ein (vergleichsweise gemä­ßigter) Bürger­krieg. Mein Schafpelz­mantel, der mich viele Winter schon zuverlässig er­freut, das Geschenk einer Freun­din, davor hatte die Jacke sie gewärmt, hat an der Unterseite des linken Ärmels einen Ster­nen­nebel aus­ge­brann­ter Stellen. Da haben vor einigen Jahren einige Idioten auf dem Geh­weg Knaller auf mich geworfen, ich hob den Arm zum Schutz, meine Haare fin­gen Feuer, mein Be­glei­ter hat hel­den­haft sei­nen Schal geopfert.

Seitdem vermeide ich zum Jahres­wechsel auch in gesun­dem Zu­stand den Gang nach drau­ßen. Lässt es sich partout nicht vermeiden, trage ich Ohrstöp­sel. Denn die Gefahren sind groß. Ein Bekannter trug in einer Silvester­nacht einen Hör­scha­den davon, weil Idioten in der U-Bahn mit Böllern um sich warfen. Er war frü­her Or­chester­mu­si­ker und ist heute Musiklehrer. (Auch bei uns Dolmetschern zählt das Gehör zum Berufs­kapital.)
 
Krankenhäuser vermelden in Zusammenhang mit dem Feuerwerk schwerste Ver­let­zungen, Verstüm­me­lungen und Tote. 2019/20 starben den Medien zufolge vier Kin­der unter zehn Jahren. Solche Minis können noch gar keine Gefah­ren ab­schät­zen, weshalb sie ja sogar auf dem Geh­weg fahr­rad­fah­ren dür­fen. Aber die Eltern lassen sie mit Feuerwerkskörpern "spielen" bzw. diese sind auch für Lüt­te be­schaf­fbar ...
 
Dann ist da noch das liebe Vieh: Haus- und Wildtiere leiden in der Nacht zu Neu­jahr Todes­ängste oder sterben in Feuers­brünsten wie die Insassen des Affenhauses im Krefelder Zoo. Das alles ist ebenso vermeid­bar wie die Tot­ge­burten in Ställen von Tierzüchtern. Einer befreun­de­ten Tier­ärztin zufolge gibt das um Silvester ein Drittel mehr Fälle als sonst.

Böllerdreck, in Berlin bis in den Februar vorzufinden
Zum Glück ist Rau­chen in öf­fent­li­chen, ge­schlos­se­nen Räumen heute verboten. Vor über 20 Jahren, zu Be­ginn mei­nes 1. Berufs­le­bens, wur­de in Ge­mein­schafts­büros noch ge­raucht.
Mit mei­nen empfind­li­chen Lun­gen war ich des­halb oft krank. Das hat mir da­mals die Karriere im Sender erschwert, denn der/die Abwe­sen­de hat nie­mals recht.

Den letzten Satz habe ich jetzt gröblich dem Französischen entlehnt, l'absent(e) a toujours tort, "der/die Abwesende ist immer im Unrecht", so das Sprichwort. Wer weiß, was aus mir geworden wäre, hätte es diese doofe Qualmerei nicht gegeben!

Um nicht miss­ver­stan­den zu werden: Gegen ein zentrales Sil­ves­ter­feu­er­werk habe ich wenig einzuwenden. Ich bin mir aber sicher, dass wir uns in 15 Jahren über die private Knal­lerei von heute im Nach­hin­ein ge­na­uso wundern werden wie über die Rau­che­rei in der Bahn, in Restau­rants, Flugzeugen, Büros und Lehrerzimmern von vor 20, 30 Jahren.

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Fotos: C.E. (Archiv)

Mittwoch, 15. Januar 2020

Lesezeit! Gutes Neues!

Bonjour, hier bloggt seit mehr als ei­nem Dut­zend Jah­re eine Über­set­ze­rin und Dolmetscherin. Ich arbeite in Paris, Lyon, Köln, Berlin, Marseille, Brüssel, Erfurt, München und dort, wo Sie mich brauchen. Im Januar pausiert das all­ge­mei­ne Kon­fe­renz­ge­sche­hen.

Pause ist auch sonst das Stichwort: Zu Jah­res­en­de wird es immer still, zwischen den Jahren ist nicht viel los, und zu Jahres­an­fang kommen nur wenig Anfra­gen. Also plane ich das, was in der dunklen Jahres­zeit ohne­hin die beste Sache ist: lesen.

Aller­dings bin ich diesen Winter, bevor ich richtig losle­gen konnte mit dem Lesen, krank geworden. Dieses Mal hat mich kein grip­pa­ler Infekt erwischt, sondern eine echte Grippe. Die letzte hatte ich 2008, ich musste mich drein­finden, was nicht einfach war. Und war dann erst­mal so schlapp, dass ich nicht mal daran denken konnte, zum Buch zu grei­fen.

Altes Foto: Junge Dame mit Buch und Zeitschrift
Stille Leserin

So sind meine Neu­jahrs­wün­sche an Sie, liebe Leserin, lieber Leser dieser Zeilen, auch ein Nach­trag: Für 2020 wünsche ich alles Gute, Gesund­heit und Gelassen­heit in den wichtigen Lebenslagen! Und natürlich viel Zeit für gute Bücher!

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Foto: Eigenes Archiv

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Berlin am Meer

Herzlich willkommen beim Web­log aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­metscherin über ihre Einsätze in Ber­lin, Paris, Lille und anderswo. 

Pflanzen vor und Möwen hinter dem Fenster
Möwen im Doppelkastenfenster
Jetzt beginnen die Tage au­ßer­halb der Ka­bi­ne: Ver­wal­tungs­kram steht an, Vo­ka­bel­lis­ten sind zu er­gän­zen, und das ein­ge­sam­mel­te Ma­te­rial landet gro­ßenteils in den Reißwolf. Die Beine sind im Büro, der Kopf plötzlich am Meer.

Berlin kann so schön sein. Gerade füt­tert wieder je­mand am Ufer die Möwen (was eigent­lich nicht so toll ist fürs Ka­nal­was­ser). Das beschert uns hier eine Klang­land­schaft, als wohnten wir am Hafen, als würden eben die Fisch­kutter von hoher See zu­rück­keh­ren. Ich schmecke das Jod der See­luft und spüre Sand zwi­schen den Ze­hen. Das hat was: Berlin-sur-mer (siehe Titel dieses Blogposts). Und gleich fällt mir Tucholsky ein.

Kurt Tucholsky
DAS IDEAL

Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn —
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.

Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:

Neun Zimmer — nein, doch lieber zehn!
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
Radio, Zentralheizung, Vakuum,
eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,
eine süße Frau voller Rasse und Verve —
(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) — 
eine Bibliothek und drumherum
Einsamkeit und Hummelgesumm.

Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,
acht Autos, Motorrad — alles lenkste
natürlich selber — das wär ja gelacht!
Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.

Ja, und das hab ich ganz vergessen:
Prima Küche – erstes Essen —
alte Weine aus schönem Pokal —
und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.
Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
Und noch ne Million und noch ne Million.
Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.

Ja, das möchste!

Aber, wie das so ist hienieden:
manchmal scheints so, als sei es beschieden
nur pöapö, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten —
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

Etwas ist immer.
Tröste dich.

Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat:
das ist selten.

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Foto: C.E.  
Gedicht von 1927

Dienstag, 17. Dezember 2019

Paris

Hier schreibt und denkt eine Übersetzerin und Dolmetscherin, derzeit in Berlin. Ich arbeite aber auch in Paris, Brüssel, Erfurt, Cannes und dort, wo Sie mich brauchen. Auch in turbulenten Zeiten gehen Dolmetscherinnen und Dolmetscher ihrer Arbeit nach.

Jeden Tag beschäftigen wir Dolmetscherinnen und Dolmetscher uns aufs Neue mit ge­sell­schaftlich relevanten Themen, dazu gehö­ren auch Theorien und erste Praxis­versuche einer anderen Art des Wirt­schaftens, von sozialer und soli­da­ri­scher Öko­no­mie bei­spiels­weise, die meiner Mei­nung nach noch nicht genug Beach­tung fin­den. Unsere Länder müssen mehr Geld für Um­welt­schutz einsetzen, für den Um­bau der Ökonomie, für Bil­dung, Bil­dung, Bil­dung und natürlich für So­ziales. Die an­ste­hen­de nach­haltige Transi­tion wird  ohne sozia­le Gerechtigkeit nicht mög­lich sein. Und von so­zia­ler Gerech­tig­keit sind wir in vie­len Län­dern der­zeit weit ent­fernt — das ist weder ökolo­gisch noch sozial oder christ­lich.

A propos christlich und die an­ste­hen­den Feier­tage: Interessant eine Initiative in München. Dort gehen eine Hochschwangere und ein Handwerker gerade ebenso pres­se- wie pub­li­kums­wirk­sam auf Woh­nungs­suche, das Ganze hübsch inszeniert als Protest­ak­tion gegen Wohnraum als Spekulationsobjekt (Link zum SZ-Artikel).

Buntstiftzeichnung: Absperrung durch die Polizei (ganz in Schwarz)
Baudenkmal hinter schwarzer Wand







Oder eben Paris: In der Stadt meines zweiten Wohn­sitzes geht es derzeit hoch her. Der Weg zur Arbeit ist müh­se­lig. Wir Dol­met­scher streiken nicht, ha­ben indes Ver­ständ­nis für Ar­beits­käm­pfe und Aus­ein­an­der­set­zun­gen um soziale Standards, sind unter­schied­li­che Mei­nun­gen und das Aus­ver­han­deln doch Teil der De­mo­kratie; das Gleiche gilt für die immer drin­gender wer­dende Fra­ge nach der Nachhal­tigkeit un­se­rer Le­bens­wei­se.

Aber mir macht die Entwick­lung derzeit Angst. All­zu oft schla­gen etli­che dort über die Strän­ge, Steine­wer­fer auf der einen, aber auch Vertreter der Staats­­macht auf der anderen Seite, die, fast kom­plett schwarz ge­kleidet, mit Hel­men und Schil­­den eher wie Robo­­cops wirken als wie unser "Freund und Helfer". Es kam in den letzten Monaten zu schrecklichen Ver­stüm­­me­­lun­gen Demons­­trie­render und Pas­san­ten und sogar zu Toten. Diese Staatsmacht lässt mit Gummi­­ge­schos­sen auf Men­schen schie­ßen.

Die schwarze Wand vor Bau­denk­­malen finde ich beäng­sti­gend. Beim Vor­bei­ren­nen zum Einsatz spüre ich die dräuende Wut bei­der Seiten fast physisch. Schnell weg hier, fort zum Ter­min und nachher durch den Hin­ter­­ein­gang raus und auf Um­wegen zu Fuß nach Hause.

Warum Dol­met­scher nicht streiken, dürfte klar sein: Der Aus­­tausch zwischen den verschie­denen Akteu­­ren der diversen Länder ist unsere Arbeit; aber auch Rück­spra­chen, wis­sen­schaft­­li­­che Be­glei­tung der gesell­schaft­li­chen Entwicklung ebenso wie das Nach­den­ken diverser Grup­pen über Lösungen und anstehende, wei­ter­ge­hen­de Fra­gen. Wir Dol­met­scher sind da ähnlich wie Ärzte oder Feu­er­wehr­leute.

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Illustration: C.E.

Montag, 25. November 2019

Frische Luft!

Willkommen beim Blog aus der Arbeitswelt. Wie Dolmetscher und Übersetzer ar­beiten, ist oft nicht gut bekannt. Darüber schreibe ich hier sowie über an­gren­zen­de Berufe — zwi­­schen Hirnforschung, Ghostwriting und Tontechnik. Diese Berufe haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Daher werfe ich auch manchen nicht ernstgemeinten Blick zurück.

Luft ist wichtig für die kleinen grau­en Zel­len. Ich liebe alte Bü­ros und dort die Mög­­lich­keit, die Fenster aufreißen zu können — wie hier bei dieser Bau­haus­fas­sade aus den 1920-ern. Wir sehen zwei Mit­ar­bei­ter eines High-Tech-Labors der da­ma­li­gen Zeit; hier werden Mi­kro­fo­ne getestet. Die Mit­ar­bei­te­rin schaut sich zwi­schen­durch Ver­gleichs­er­geb­nis­se auf ihrem Smart­phone an.

Arbeitswelt in den 1920-er Jahren
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Foto: Eigenes Archiv (zum Vergrößern
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Sonntag, 24. November 2019

Koffein

Was und wie Über­setzer und Dol­met­scher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Die meis­ten von uns sind selb­stän­dig, sie ar­beiten selbst und ständig. Gerade jetzt im Herbst bleiben oft kaum Pausen im Konferenzbetrieb. Sonntagsbilder!

Kaffebohnen, -mühle und -kocher
Draufsicht im Licht der morgendlichen Glühbirne
Bis Frei­tag­abend war ich im Ein­satz, Sams­tag dann Er­ho­lungs- und Haus­halts­tag, Sonn­tag wird wei­ter­ge­lernt, weil ab Mon­tag neue Kon­fe­ren­zen und De­le­ga­tio­nen und Pres­se­in­ter­views an­ste­hen. Wie schön, dass wir un­se­re le­ga­len Sti­mu­lan­tien ha­ben. Mor­gens trinke ich ger­ne Kaf­fee, dann mu­tiere ich ab dem spä­ten Vor­mit­tag zur Tee­trin­ke­rin.

Teekannen auf Stövchen
Grün- und Schwarztee im Nachmittagslicht
Dazu ge­nie­ße ich ab und zu fast ro­he Scho­ko­la­de, sehr hoch­pro­zen­ti­ge, die die Kof­fe­in­do­sis wun­der­bar er­gän­zen kann.
Pro­gramm heu­te: Ein we­nig gärt­nern, et­was nä­hen, ein My Mu­se­um, dann Über­set­zungs­be­spre­chung mit ei­nem bil­den­den Künst­ler für spä­ter im Jahr, Vo­ka­bel­ler­nen und Vor­trä­ge vor­be­rei­ten. Ein völ­lig nor­ma­ler Sonn­tag!

Andere Dro­gen sind für das Gros der Dol­metscher tabu. OK, also ab und zu etwas Wein oder Bier. Und Sport, was eine Droge sein kann, und Luft und Lie­be. Dol­met­schen ist ein in­tel­lek­tu­el­ler Hoch­leis­tungs­sport. Wir füh­ren das Le­ben von Leis­tungs­sportlern. Aber nur mit le­ga­lem Doping.

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Fotos: C.E.