Sonntag, 14. Juni 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Haushalten (1)

Bon­jour ! Hier kön­nen Sie Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin be­kom­men. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch ar­bei­te ich über­wie­gend ins Fran­zö­si­sche und aus dem Eng­li­schen. Sonn­tags wer­de ich pri­vat. Heu­te: Ei­ne in­ter­kul­tu­rel­le Ver­schie­bung in der Kü­che.

Ich ko­che sehr gern. Ich ba­cke gern, vor al­lem Rühr­ku­chen. Aber zu Tor­ten habe ich kei­ne Mei­nung. Ich ha­be noch nie eine Tor­te ge­macht, da­für tau­sen­de von leich­ten tartes, meis­tens sal­zig. Das deu­tsche Wort „Erd­beer­tor­te“ klingt nach viel Zu­cker, nach Sah­ne und nach Schwei­ne­ge­la­ti­ne. Das mag ich al­les nicht.

Erdbeerkram (in the ma­king)
Und so hab' ich ein Pro­blem, denn eine sol­che hat sich eine Freun­din gar in­nig­lich zum Ge­burts­tag ge­wünscht. Ich hat­te gleich ein mul­mi­ges Ge­fühl. Es ist Som­mer, Erdbeeren zählen zu empfindlichem Obst, das rasch verdirbt.

War­um kann die Gute nicht an ei­nem Sams­tag Ge­burts­tag haben, dann hät­te ich das Obst am glei­chen Tag ver­ar­bei­ten kön­nen?

So brin­ge ich am Sams­tag­mor­gen vom Wo­chen­end­ein­kauf Erd­bee­ren mit, um am Sams­tag­nach­mit­tag fest­zu­stel­len: Die se­hen zu mit­ge­nom­men aus. Es gibt Erd­bee­ren zum Abend­es­sen. An­schlie­ßend ge­he ich nach­kau­fen. Dan­ke, Er­mög­li­cher:in­nen lan­ger Öff­nungs­zei­ten!

Am Sonn­tag­mor­gen be­rei­te ich den Tor­ten­bo­den vor. Er kommt in den Ofen. Als die Back­zeit vor­bei ist, neh­me ich flüs­si­gen Teig in der Form aus dem Ofen­fach. Mist. Der Gas­herd ist aus­ge­gan­gen. Ich ver­su­ch's noch­mal. Geht wie­der aus. Seit Pu­tins Über­fall auf die Ukrai­ne habe ich nichts mehr ge­ba­cken. Wir sparen Gas. Ist eine Dü­se ver­stopft? Hat das Er­satz­gas an­de­re Brenn­wer­te? Frisch ge­rei­nigt war der Ofen, also vor x Jahren, jetzt noch­mal durch­ge­wischt. Oder muss ich da et­was um­stel­len?

Im Netz fin­de ich Re­zep­te für Tor­ten­bö­den oh­ne Ba­cken. Heute, am Sonn­tag, kann ich nichts nach­kau­fen. Ich mi­sche re­zept­ge­treu But­ter mit ge­krü­mel­tem Keks und Zwie­back (was ge­ra­de noch im Haus ist). Das Er­geb­nis ist ein Bo­den aus Crumb­le, der beim schar­fen Hin­se­hen su­bi­to sei­ne Bin­dung ver­liert. OK, dann stre­cke ich den Saft für den „Tor­ten­guss“ mit Agar-Agar eben mit et­was Mar­me­la­de, pla­ne das als ers­te Schicht für die Pud­ding­scha­le ein, dann folgt die Kä­se­ku­chen­mi­schung oh­ne Ei, im Netz fin­de ich un­ter “Erd­beer­ku­chen oh­ne Ba­cken“ Hin­wei­se da­zu. 

Und ich habe Glück. Eine Tü­te zur Her­stel­lung von „Cheese­cake-Cre­me“ fin­det sich in der Vor­rats­kam­mer an. Al­ler­dings las­sen sich Mas­car­po­ne und Frisch­kä­se mit der Zu­be­rei­tung nicht so rich­tig luf­tig auf­schla­gen, auch wenn die Be­schrei­bung das ver­spricht. Noch­mal Glück: Zur Ab­si­che­rung hat­te ich ein Tüt­chen hunds­teu­rer, ro­sa­far­be­ner „Erd­beer­sü­ße“ mit­ge­kauft. Da­mit be­kommt das Gan­ze we­nigs­tens ei­nen hüb­sche Teint. Ob es dem Ge­schmack auch auf­hilft, wird sich er­wei­sen.

Nö­tig wär's. Denn die Erd­bee­ren sind, an­ders als die vom Abend­es­sen, nur so la­la. Das weiß ich, weil ich zwangs­pro­bie­re: „Die Gu­ten ins Töpf­chen, die Schlech­ten ins Kröpf­chen.“ Som­mer halt, rasch ver­derb­li­ches Obst.

Was als Bo­den ge­dacht war, wir zu Sträu­seln er­klärt. Dann baue ich die Eta­gen zu­sam­men. (Mei­ne Wort­wahl ist vom Fran­zö­si­schen be­ein­flusst, ei­ne Tor­te ist eine pièce mon­tée, eine auf­ge­bau­te, auf­ge­türm­te Sa­che.) Der Sträu­sel­bo­den ist jetzt oben. Ei­ne Ge­denk­mi­nu­te gilt der Tarte Tatin, die im Mo­ment ei­nes Miss­ge­schicks ent­wic­kelt wor­den sein soll. Ich hof­fe.

Was fehlt noch? Ba­si­li­kum­blät­ter erst im letz­ten Mo­ment drauf, dazu ge­rös­te­te Man­del­split­ter. Und als Pu­der­zu­cker­er­satz noch et­was von der ro­sa­far­be­nen „Erd­beer­sü­ße“. Am En­de das Gan­ze kurz ins Eis­fach in der Hoff­nung, dass sich die Tei­le am En­de gut von den Ge­fä­ßen lö­sen las­sen.

Auf je­den Fall tau­f' ich's um: Straw­ber­ry crumb­le klingt auch gut, oder?

Mich hat der Tor­ten­back­ver­such et­li­che Stun­den und noch mehr Ner­ven ge­kos­tet, und das an ei­nem Sonn­tag, der ei­gent­lich der Er­ho­lung und der Kul­tur gilt. Eine Erd­beer­tor­te will ich nie wie­der ba­cken müs­sen. Es sei denn, weil es mein ei­ge­ner Wunsch ist.

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Fo­to:
C.E.

Samstag, 13. Juni 2026

Nachruf (1)

Hal­lo! Sie sind in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch ge­lan­det. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für Fran­zö­si­sch auf Kon­fe­ren­zen und bei Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch dol­met­sche ich auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Am Wo­chen­en­de wer­de ich pri­vat.

Diese Woche ist Da­vid Hock­ney ge­stor­ben. Ich habe es ge­liebt, wie er mit Far­ben, Tex­tur und Bild­aus­schnitt auf seine Weise die Mo­tive der Mo­derne va­ri­iert hat, zu­gleich in gro­ßer Far­big­keit mit der Flä­chen­ma­le­rei ge­flir­tet und das Ganze oft ge­nug noch mit Hu­mor gar­niert hat.

Man­ches sei­ner Gar­ten­bil­der lässt mich an Hen­ri Ma­tisse den­ken, nur oft zu­sätz­lich mit Swim­ming pool, und/oder mit Jüng­ling. In sei­nen Land­schaf­ten griff er die Mus­ter der vom Acker­bau zer­schnit­te­nen Flur­stü­cke auf und re­du­zierte sie auch schon mal ra­di­kal auf ein­di­men­sio­nale Ober­flä­chen, zi­tierte ir­gend­wie zu­gleich auch die Patch­work­de­cken äl­te­rer bri­ti­scher La­dies. Stra­ßen win­den sich bei ihm wi­der­spe­n­stig durch die Bil­der, als wä­ren sie Schlan­gen in Lila oder Tür­kis, Still­le­ben zer­fal­len in Me­mo­ry­mo­tive. Wer hier nicht min­des­tens lä­chelt, nimmt Kul­tur zu ernst.

Der ge­bür­tige Brite hat lange in Ka­li­for­nien ge­lebt. Ich finde, das ist zu sehen. Far­ben do­mi­nie­ren, man­ches Fi­gür­li­che ist zu­gleich flä­chen­hafte Abs­trak­tion (oben schon in ein­fa­che­ren Wor­ten ge­sagt): Wir schauen hin und her und sehen wie in einem Ve­xier­bild bei­des gleich­zei­tig. 

Hock­ney in Süd­frank­reich

Das macht ihn so mo­dern und zu­gleich auch für uns Zu­se­hende so spie­le­risch.
Was auch gro­ßen Spaß ge­macht hat, ist, dass er sich so frisch neuen The­men und Ar­beits­mit­teln zu­ge­wandt hat. Am En­de seines Le­bens hat er sich fürs Ma­len auf dem iPad be­geis­tert. Eng­land, Eu­ropa, die ganze Welt, aber ir­gend­wie auch das bis in un­sere Tage immer wie­der so be­drü­ckend durch­schil­lernde 20. Jahr­hun­dert hat einen Gro­ßen ver­lo­ren.

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Freitag, 12. Juni 2026

Urteil gegen die „KI“

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se der­zeit von der KI er­schwer­te Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. 

Als Ende 2023 ChatGPT auf den Markt kam, war die dis­rup­ti­ve Macht der so­ge­nann­ten „Künst­li­chen In­tel­li­genz“ (KI) nur zu ah­nen. Ab 2024 ging es schnell: Mo­nat für Mo­nat san­ken die Um­sät­ze. Wir Sprach­pro­fis warn­ten: Die Tech­nik heißt KI, weil the in­tel­li­gence auf Eng­lisch auch die Da­ten­ver­ar­bei­tung be­deu­tet. Sie heißt also nicht so, wie sie heißt, weil sie be­son­ders in­tel­li­gent wäre.

Dolmetscherin in der Kabine, davor steht der KI-Roboter und schaut bedröppelt drein
Die KI kann nicht rich­tig dol­met­schen!
Dut­zen­de von Bei­trä­gen

Seit­dem ha­ben mei­ne Kol­leg:in­nen und ich re­gel­mä­ßig die Kom­ple­xi­tät von Spra­che in Text­form ana­ly­siert, aber auch von ge­spro­che­ner Spra­che, ih­re Viel­schich­tig­keit, aber auch die Ein­falls­to­re für Feh­ler ein­fach auf­grund ganz nor­ma­ler Kon­fe­renz­si­tua­tio­nen be­schrie­ben und hier ver­öf­fent­licht.

Ja, im La­bor kann die „KI“ als „Dol­met­sche­rin“ bei trai­nier­ten Tex­ten in der Art mit­hal­ten, dass wir ei­nen gro­ben Über­blick be­kom­men, wenn wir feh­ler­to­le­rant sind, wenn wir nichts auf Sprach­ni­veaus und Kon­sis­tenz ge­ben, also die Bei­be­hal­tung des ein­mal ge­wähl­ten Sprach­ni­veaus, wenn uns De­tails oder die be­rühm­ten „Hal­lu­zi­na­tio­nen“ egal sind und es we­der Nusch­ler, Ak­zen­te, noch Rück­fra­gen gibt. Da war ste­cken­wei­se das Er­geb­nis ir­gend­was wie ein Rou­let­te­spiel.

Markt­an­teil trotz No­te „man­gel­haft“

So­weit, so gut. Wir ha­ben die Funk­ti­on aus­pro­biert. Die Test­ergeb­nis­se wa­ren ein­deu­tig: Die „KI“ wür­de bei der Dol­metsch­aus­bil­dung schon am Ein­gangs­test schei­tern.

Trotz­dem ha­ben wir wei­ter Geld ver­lo­ren. „Gut ge­nug“ schien für vie­le in der Kri­se aus­zu­rei­chen. Auch ich ha­be hier im­mer deut­li­cher vor teu­ren Fol­ge­kos­ten durch Aussetzer ge­warnt, durch Aus­las­sun­gen, Ni­vel­lie­run­gen, Ver­zer­run­gen oder ech­te Feh­ler, und vor den dro­hen­den re­sul­tie­ren­den Pa­tent­ver­lus­ten oder an­de­ren ju­ris­ti­schen Fol­gen. 

Autsch, Goog­le!

Und jetzt er­lebt die Church of AI ihr ers­tes ju­ris­ti­sches Erd­be­ben. Das Land­ge­richt Mün­chen I hat eine einstweilige Verfügung unterlassen, die der Tech-Bran­che die Schweiß­per­len auf die Stirn treibt (LG Mün­chen I, Az. 25 O  869/26). Goog­le wur­de ver­knackt, weil sei­ne KI-Such­über­sich­ten mun­ter Un­wahr­hei­ten und ge­schäfts­schä­di­gen­den Un­fug hal­lu­zi­niert ha­ben. (Hier zu Com­pu­ter­base.de: KI-Hal­lu­zi­na­tio­nen | Goo­gle haf­tet, wenn der AI Over­view Fal­sches be­haup­tet.)

Goog­le haf­tet jetzt un­mit­tel­bar für die Un­zu­läng­lich­kei­ten seiner KI-Aus­wür­fe. Was an­ge­zeigt wur­de, hat das Ge­richt als ei­gen­stän­di­gen Bei­trag ge­wer­tet, und Goog­le ist des­sen Ur­he­ber.

Wer Rou­let­te spielt, zahlt.

Wenn Nut­zer:in­nen oh­ne­hin je­den KI-Aus­druck ei­gen­stän­dig prü­fen müs­sen, also auch die An­bie­ter:in­nen von „KI“-“Dol­met­schen“, weil die Er­geb­nis­se nicht be­last­bar sind, schrumpft der Nut­zen der gan­zen Funk­ti­on ge­gen Null. Dann kön­nen auch gleich wir ein­ge­setzt wer­den, die ech­ten Pro­fis.

Der Ge­richts­ent­scheid ist ein ju­ris­ti­scher To­tal­scha­den und DIE Ant­wort auf das „Good enough“-Ar­gu­ment!

Die Haf­tungs­fra­ge

Mei­ne Ant­wort aus der Ka­bi­nen-Welt lau­tet also: Wer li­ve hal­lu­zi­nie­ren­de Ma­schi­nen auf Kon­fe­ren­zen oder bei Ver­hand­lun­gen ein­setzt, kann nicht mehr be­haup­ten, dass er nichts vom Haf­tungs­pro­blem weiß.

„Eltern haf­ten für ih­re Kin­der“, steht an je­der Bau­stel­le.

Wie geht es wei­ter?

Das ers­te Luft­bläs­chen ist ge­platzt! Es wird noch ei­ne Durst­stre­cke, bis das in al­len Chef­eta­gen an­kommt. Aber das ist der An­fang vom En­de des blin­den Tech-Glau­bens.

Ich ge­he mir jetzt erst ein­mal ei­nen Kaf­fee ho­len. Es le­be das mensch­li­che Mund­werk! 

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Gra­fik: ChatGPT (auf mei­ne An­fra­ge, geb'
ich zu, nut­ze ich nur als Aus­nah­me!) 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Unsere Mitschuld

Bonjour, ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Seit fast 20 Jah­ren ge­be ich auf die­sem Blog ei­nen Ein­blick in mei­nen Ar­beits­all­tag. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch. Ich dol­met­sche über­wie­gend ins Fran­zö­si­sche und aus dem Eng­li­schen. Au­ßer­dem über­set­ze ich Tex­te. KI-Mitt­woch.

Wie und was Dol­met­sche­r:in­nen ma­chen, ist lei­der nicht be­son­ders gut be­kannt. Das wird im KI-Zeit­al­ter zum Pro­blem.

Manch­mal ha­be ich den Ein­druck, dass die An­bie­ter von „KI-Dol­met­schen“ des­halb bei vie­len Ver­an­stal­tern so leicht die Tür ein­ge­tre­ten ha­ben, weil bei­de Sei­ten et­was ge­mein­sam ha­ben: Sie mö­gen neue Spiel­zeu­ge. Da­her gen­de­re ich hier auch nicht. Es sind meis­tens Män­ner.

Da wird auf ei­nen Knopf ge­drückt, ir­gend­wo be­ginnt et­was zu blin­ken, die Ka­me­ra sieht Zah­len, filmt, wie sie über Bild­schir­me lau­fen, lang­sa­me Rück­fahrt durch gro­ße Me­tall­kis­ten, in de­nen ge­spei­chert wird, am Ran­de rie­si­ge Küh­lungs­ma­schi­nen ... ein Knopf­druck, und schon klingt al­les nach Zu­kunft und nach groß­ar­ti­gen Tricks wie bei Ja­mes Bond.

Das ist mensch­lich, denn Neu­gier ge­hört zu den an­ge­neh­men Ei­gen­schaf­ten un­se­rer Spe­zi­es. Das Pro­blem be­ginnt dort, wo Tech­ni­ker mehr ver­spre­chen, als die Tech­nik leis­ten kann.

Un­se­re Mit­schuld

Asche auf un­se­re Häup­ter! Jetzt kommt un­ser An­teil. Wir ha­ben es als Bran­che nicht ver­mocht zu ver­mit­teln, was Dol­met­schen tat­säch­lich ist. Im Ge­gen­teil ha­ben wir Dol­met­sche­r:in­nen of­fen­bar da­durch, dass wir die Kund­schaft jahr­zehn­te­lang höf­lich dar­an er­in­nert ha­ben, uns bit­te Vor­be­rei­tungs­ma­te­ri­al zu schi­cken, die ei­ne oder an­de­re Per­son ziem­lich ge­nervt. Wir ha­ben sie viel­leicht an die ei­ge­nen Müt­ter er­in­nert, an Leh­re­rin­nen, Schwes­tern oder die Frau an sei­ner Sei­te.

Da­bei ha­ben wir nur um Hin­ter­grund­ma­te­ri­al ge­be­ten, um Pro­gram­me und Le­bens­läu­fe, Ma­nu­skrip­te, Prä­sen­ta­tio­nen und ak­tua­li­sier­te Teil­neh­mer­lis­ten, um uns ak­ku­rat vor­be­rei­ten zu kön­nen. Wir ha­ben er­klärt, war­um wir die­se In­for­ma­tio­nen brau­chen. Und da­mit ha­ben wir jen­seits der Ner­ve­rei bei man­chen Men­schen ver­mut­lich den Ein­druck er­weckt, wir wür­den um Hil­fe bit­ten.

80 Pro­zent ist Vor­be­rei­tung

Das Ge­gen­teil war der Fall, denn wer Vor­be­rei­tungs­ma­te­ri­al an­for­dert, zeigt kei­ne Schwä­che, son­dern Pro­fes­si­o­na­li­tät. Ei­ne Herz­chir­ur­gin liest vor ei­ner Ope­ra­ti­on die Ak­te. Ein An­walt stu­diert die Un­ter­la­gen vor dem Pro­zess und schreibt Schriftsätze. Wer ein Flug­zeug steu­ern wird, be­rei­tet sich nach Pro­to­koll auch mi­nu­ti­ös vor.

Nie­mand kä­me auf die Idee, dies als Zei­chen man­geln­der Kom­pe­tenz aus­zu­le­gen. Aber bei Dol­met­sche­r:in­nen, und wir sind zu 90 und mehr Pro­zent Frau­en im Be­ruf, pas­siert ge­nau das lei­der er­staun­lich oft.

„Es sieht so leicht aus!“

Die­sen Satz hö­ren wir re­gel­mä­ßig. Das Pu­bli­kum in­ter­pre­tiert un­se­re Ar­beit als Schwer­lo­sig­keit, als das Er­geb­nis von Ta­lent. Da­bei braucht es mehr als das, näm­lich Sprach­kennt­nis­se, be­ruf­li­ches Trai­ning und Sitz­fleisch. Un­se­re Leich­tig­keit ha­ben wir je­des Mal aufs Neue mühe­voll er­kämpft.

Dol­met­schen ist in­tel­lek­tu­el­ler Hoch­leis­tungs­sport. Wir rin­gen mit der Gra­vi­tät der Gram­ma­tik und tra­gen die Last des Sat­zen­des mit sei­nem Verb (auf Deutsch). Da­bei ma­chen wir bel­la fi­gu­ra, lä­cheln und hal­ten beim Spre­chen al­le Bäl­le gleich­zei­tig in der Luft.

Wir Dol­met­sche­r:in­nen sind in der Re­gel un­sicht­bar. Das Be­rufs­mo­t­to ist ähn­lich wie beim Hau­se Bat­ten­berg: never com­plain, never ex­plain.

Was sie für Dol­met­schen hal­ten

Wenn wir in der Ka­bi­ne sit­zen, se­hen Sie nur die Spit­ze des Eis­bergs. Der grö­ße­re Teil ist das Eistrumm dar­un­ter: Ein­ar­bei­tung, stun­den- und ta­ge­lan­ges Selbst­stu­di­um, dün­ne Fach­ar­ti­kel, di­cke Wäl­zer, al­te Wör­ter­lis­ten und Hin­ter­grund. Wir su­chen bei Ton- und Film­ar­chi­ven wie You­Tube nach Vor­trä­gen der Re­fe­rent:in­nen, hö­ren Pod­casts, ge­wöh­nen uns an Ak­zen­te, Sprech­wei­sen und Sprech­ge­schwin­dig­kei­ten.

Wir le­gen Vo­ka­bel­lis­ten an, er­gän­zen frü­he­re Le­xi­ka, zeich­nen Wort­fel­der, schrei­ben Zu­sam­men­fas­sun­gen. Die schwie­ri­gen Be­grif­fe lan­den auf Kar­tei­kar­ten oder in Lern­pro­gram­men.

Kurz: Wir ler­nen Be­grif­fe, aber auch die Fak­ten da­hin­ter, min­des­tens in ih­ren Grund­zü­gen. Ei­ne Kol­le­gin hat frü­her ih­re selbst ein­ge­spro­che­nen Vo­ka­beln auf Kas­set­ten ge­spro­chen und auf dem Weg zwi­schen drei Schu­len ih­rer Kin­der im Au­to ge­hört. Das ist die un­sicht­ba­re Sei­te des Be­rufs.

Wir sind nur Stim­me!

Auf Un­sicht­bar­keit wa­ren wir auch im All­tag trai­niert: Lei­se auf­tre­ten, im Schat­ten sein und blei­ben, wir ver­to­nen nur, wir ha­ben kei­ne Per­sön­lich­keit, in fei­nem Tuch aber doch eher maus­grau als rost­rot ge­wan­det, sind wir Stim­me, aber kein Kör­per.

Die Hoch­flor­tep­pi­che der Sa­lons in den Mi­nis­te­ri­en ha­ben uns ge­prägt, der di­plo­ma­ti­sche Ton der Bot­schaf­ten, die Ef­fi­zi­enz der Kom­mu­ni­ka­ti­on: Wir abs­tra­hie­ren von uns selbst. Wir sind ver­ant­wort­lich für die Spra­che, für Gram­ma­tik und In­halt, für un­ser Auf­tre­ten. Der Rest: Fra­ge­zei­chen.

Wir ha­ben fast ver­lernt, ei­ge­ne In­ter­es­sen zu ver­tre­ten. Die Ve­he­menz des Vor­trags, sie­he oben, galt dem best­mög­li­chen Er­geb­nis. Und wenn Pseu­do-Agen­tu­ren uns die Kun­den ab­wer­ben, hieß es: "Die Bo­den­satz­kund­schaft brau­chen wir nicht." Das war die Ar­ro­ganz von uns als Spit­ze des Be­rufs­stands den an­de­ren ge­gen­über, die auch in wich­ti­gen Be­rufs­fel­dern ar­bei­ten. Die Ver­bän­de, die sich in eli­tä­ren Auf­nah­me­be­din­gun­gen über­bie­ten, sind über­ra­schend stumm in Sa­chen KI, war­um auch im­mer. Die La­ge ist düs­ter.

Die KI kann nicht dol­met­schen


Mann rauft sich die Haare
Die KI simuliert Dolmetschen nur. (Armes Publikum!)
An die­ser Stel­le kom­men wir zum zwei­ten Haupt­punkt des Pro­blems: Die KI kann uns Dol­met­sche­r:in­nen aus Haut und Haar ma­xi­mal ru­di­men­tär er­set­zen, weil sie Dol­met­schen nicht ver­steht. Sie si­mu­liert die Kom­mu­ni­ka­ti­on nur.

Denn mensch­li­che Spra­che ist viel zu de­tail­liert, viel­fäl­tig, nu­an­cen­reich und feh­ler­be­haf­tet für ein Sys­tem, das auf Nul­len, Ein­sen und Wahr­schein­lich­keits­rech­nung ba­siert.

Es geht um das Be­son­de­re

Bei De­le­ga­ti­ons­rei­sen, po­li­ti­schen Mee­tings, Ver­trags­ver­hand­lun­gen und an­de­ren wich­ti­gen Ter­mi­nen geht es um Din­ge, die we­der in Lehr­bü­chern noch im ge­stoh­le­nen Trai­nings­ma­te­ri­al der KI ste­hen.

Auch auf Kon­fe­ren­zen geht es sel­ten um das Durch­schnitt­li­che. Nie­mand reist durch halb Eu­ro­pa, um den sta­tis­ti­schen Mit­tel­wert ei­nes Fach­ge­biets zu hö­ren. Es geht im­mer um neue Er­kennt­nis­se, um be­son­de­re Pro­jek­te, um ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen und Aus­nah­men.

Die KI da­ge­gen ni­vel­liert al­les auf den ma­the­ma­ti­schen Durch­schnitt run­ter. Ge­nau da­für wur­de sie ent­wi­ckelt, so wird sie de­fi­niert.

In der Nussscha­le aufs Meer

Mit ei­ner KI durch die Sprach­welt von High-End-Ver­an­stal­tun­gen zu na­vi­gie­ren, ist ähn­lich, wie mit ei­nem klei­nen Frei­zeit­boot auf dem Ozean un­ter­wegs zu sein und dar­auf zu hof­fen, ir­gend­wie heil im Ziel­ha­fen an­zu­kom­men. So­lan­ge die See ru­hig bleibt, könn­te das klap­pen, ir­gend­wann, viel­leicht.

Wenn aber Ak­zen­te auf­tau­chen, die Gram­ma­tik hakt, Sät­ze be­gon­nen, aber nicht be­en­det wer­den, neue In­hal­te vor­ge­stellt und Fach­be­grif­fe im Au­gen­blick ge­prägt wer­den, je­mand mit­ten im Satz die Spra­che wech­selt, ei­ne iro­ni­sche Be­mer­kung ein­streut oder das Mi­kro­fon rauscht, oder aber wenn je­mand aus dem Pu­bli­kum die Un­ver­schämt­heit be­sit­zen soll­te, ei­ne Fra­ge zu stel­len, wird die Rei­se schnell un­ge­müt­lich. Hier kom­men nur wir Men­schen mit.

Fra­gen und Ant­wor­ten sind das Grund­ge­schäft von Kon­fe­ren­zen. Die­se Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on ist Teil des­sen, wo­zu sie über­haupt ver­an­stal­tet wer­den.

Nach dem Ein­satz geht's wei­ter

Die Ar­beit von uns Dol­met­sche­r:in­nen en­det nicht mit den Dank­sa­gun­gen und dem Schluss­ap­plaus. Bei nächs­ter Ge­le­gen­heit über­tra­gen wir neue Be­grif­fe in un­se­re Wör­ter­lis­ten, wir er­gän­zen No­ti­zen, ver­wei­sen auf Quel­len, und un­brauch­ba­re Un­ter­la­gen lan­den im Schred­der, gu­te im Ar­chiv.

Wir pfle­gen Wis­sens­be­stän­de, die über Jah­re und Jahr­zehn­te wach­sen. So ar­bei­ten Men­schen: gründ­lich, ja so­gar akri­bisch, vom All­ge­mei­nen zum Be­son­de­ren und stets un­ter Wah­rung von Ver­trau­lich­keit.

Was Sie am En­de kau­fen

Wenn Sie Dol­met­sche­r:in­nen bu­chen, be­rech­nen wir nicht sechs Stun­den oder zwei Ta­ge un­se­rer Zeit in ei­ner Ka­bi­ne. Sie be­kom­men Jah­re an Er­fah­rung, Ta­ge der Vor­be­rei­tung, des Auf­baus von Fach­wis­sen, der Rou­ti­ne und der im­mer wie­der neu ent­wi­ckel­ten Neu­gier. Sie be­zah­len für Dis­kre­ti­on und die Fä­hig­keit, auch dann noch den Über­blick zu be­hal­ten, wenn die Rea­li­tät sich nicht an Sta­tis­ti­ken hält. Des­halb si­mu­liert die KI un­se­re Ar­beit nur.

Ré­su­mé

Dol­met­schen ist ein mensch­li­cher Be­ruf. Wenn Ih­nen ein Ver­an­stal­ter „KI-Dol­met­schen“ an­bie­tet oder zu­mu­tet, ist ihm das Er­geb­nis nicht wich­tig.

Sie kön­nen mich ger­ne bu­chen. Ich emp­feh­le bei Be­darf auch Kol­le­gen an­de­rer Sprach­kom­bi­na­tio­nen.

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Gra­fik:
C.E. (un­ter Ver­wen­dung von
Netz­fun­den)

Montag, 8. Juni 2026

Montagsschreibtisch (143)

Bon­jour ! Hier kön­nen Sie Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin bekom­men. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, ar­bei­te ich über­wie­gend ins Fran­zö­sische und aus dem Eng­lischen.

Noch zu­ge­klappt: klei­ner Schreib­tisch
Ei­nen wun­der­ba­ren Start in die neue Wo­che wün­sche ich! Hier heu­te kei­ne Kon­fe­renz, da­für Rou­ti­nen. 

Die­se Woche steht an:
❦ Kos­ten­vor­an­schlag
❦ Ter­min­pla­nung
❦ Ge­sell­schaft im Wan­del
❦ Som­mer­gar­de­robe für die Ar­beit rich­ten

Auch, wenn un­ser­ei­ner die fei­ne Gar­de­robe für die Ar­beit nicht von der Steu­er ab­set­zen kann (ei­gent­lich un­ge­recht, denn bei Metz­ger­schürzen oder Ärz­tin­nen­kit­tel ist das an­ders, die sind zu­dem auch viel güns­ti­ger ...), be­deu­tet das für mich: Au­gen­merk, Auf­wand und ... Aus­ga­ben.

Bei der Klei­dung gilt für uns Dol­met­sche­r:in­nen: min­des­tens im­mer so gut ge­klei­det wie je­ne, die wir ver­to­nen.

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Fo­to: C.E.

Freitag, 5. Juni 2026

Toxische Männlichkeit

Bon­jour, hel­lo, herz­lich will­kom­men! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne, wenn ich keine De­le­ga­tio­nen oder auch Kund­schaft in­di­vi­du­ell be­glei­te. Heute eine Kurz­no­tiz zum All­tag in Deutsch­land.
 
In den USA sind's die Knar­ren, in Deutsch­land die Kar­ren: alles sakro­sankt. Und die Pri­vi­le­gien der Män­ner so­wie­so. Das ist zum Kot­zen!

Es gibt Mo­men­te, in de­nen ich froh bin, (noch) keine Ge­richts­dol­met­sche­rin zu sein. (Das Ge­richts­dol­met­schen ist mein Plan D, soll­ten die Tech-Nerds, meis­tens männ­lich, wei­ter un­seren Kun­den, meis­tens männ­lich, Mär­chen über die tol­le KI er­zäh­len, wo­durch wir der­zeit vie­le Auf­trä­ge ver­lie­ren.) Denn im schlimms­ten Fall müs­sen die Wor­te von Tä­tern durch mich hin­durch.

Ich ha­be nicht durch­ge­hend in Neu­kölln gelebt. In an­de­ren Wohn­ge­bie­ten wa­ren vor Jahr­zehn­ten die Schu­len bes­ser. Aber da­mals hat­ten wir es ein-, zwei­mal die Wo­che mit Au­to­ren­nen in ei­nem Wohn­ge­biet zu tun. Das ist lan­ge her.

Hände
Ge­schlech­ter­ge­rech­tig­keit geht auch an­ders!
Doch schon vor 20 Jah­ren be­stand kei­ne Not­wen­dig­keit für die­se (meis­tens) Jung­män­ner, ihr und das Le­ben an­de­rer bei die­sen Ren­nen zu ris­kie­ren.
Meis­tens ken­nen das nur Müt­ter (aus an­de­ren Grün­den), wie es ist, näch­te­lang im­mer wie­der aus dem Schlaf ge­ris­sen zu wer­den.
Sol­che Ra­se­rei­en sind in Ber­lin in vie­len Kie­zen bit­te­rer All­tag. Die Me­dien be­rich­ten, wenn der Ir­rsinn Men­schen­le­ben for­dert.

Das ge­schah wie­der­holt, am Kur­fürs­ten­damm, aber auch in der Neu­köll­ner Her­manns­tra­ße.

Nun wur­de der Au­to­fah­rer, der vor ei­ni­gen Jah­ren mit fast 100 km/h über die­se Haupt­stra­ße Neu­kölln ge­rast ist und Fah­rer­flucht be­ging, nach­dem er ei­nen Fuß­gän­ger tot­ge­fah­ren hat, vom Amts­ge­richt zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe von 22 Mo­na­ten und Füh­rer­schein­ent­zug von zwei­ein­halb Jah­ren ver­ur­teilt. Ich kann es nicht fas­sen, dass das fort­ge­setzt als Zi­vil­ver­fah­ren ver­folgt wird.

Ra­se­rei­en in der In­nen­stadt sind po­ten­tiel­ler Tot­schlag oder Mord. Wer so rast, weiß, was er macht. (Ich schrei­be hier ER, weil es ist kein Fall be­kannt, bei dem eine Frau be­tei­ligt wä­re.) In an­dern Län­dern wür­de der Mensch jetzt län­ger im Ge­fäng­nis sit­zen.

In Deutsch­land wird so­was be­straft, als sei es ein Ka­va­liers­de­likt. Mit „Frei­heit“ hat das nichts zu tun.

Und das ist nur ein Bei­spiel für to­xi­sche Männ­lich­keit in Deutsch­land. Mei­ne Kar­rie­re als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin er­lebt nicht nur jetzt, sie­he oben, eine Aus­brem­sung durch Männ­er­bün­de.

Da­vor habe ich in den Me­dien ge­ar­bei­tet. Hier bin ich an der „Be­set­zungs­couch“ ge­schei­tert. In an­de­ren Wor­ten: Ich bin stark ge­blie­ben (und ha­be Ohr­fei­gen ver­teilt). Später wur­de mir als Jour­na­lis­tin und in der Öf­fent­lich­keits­ar­beit, als es um ei­ne Fest­an­stel­lung ging, ein Mann vor­ge­zo­gen, ob­wohl mein Ver­trag bis ins De­tail aus­ge­han­delt und die Far­be des neu­en Büro­stuhls von mir fest­ge­legt wa­ren.

Grund: Als Frischver­hei­ra­te­te wür­de ich si­cher bald „aus­fal­len“ und der Mann muss­te so­wie­so die ei­gene Fa­mi­lie er­näh­ren ... Das war in den 1990ern, und es ist heu­te noch ge­nau­so mög­lich, denn au­ßer dem Jus­ti­zi­ar und mir gab es kei­ne Zeu­gen.

So wur­de ich Dol­met­sche­rin, denn auch hier hat­te ich mich aka­de­misch aus­bil­den las­sen (ohne je­doch die Ab­sicht zu ha­ben, spä­ter haupt­be­ruf­lich in der Kon­fe­renz­dol­metsch­ka­bi­ne zu sit­zen).

Und heu­te dann der näch­ste Pau­ken­schlag der to­xi­schen Männ­lich­keit: Die Re­gie­rung will die Ren­ten­punk­te für pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge kür­zen. 87 Pro­zent der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wer­den zu Hau­se ge­pflegt. Be­trof­fen sind vor al­lem Frau­en. (Und ich schon wie­der als Pfle­gen­de in Teil­zeit.) Na toll.

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Foto: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 3. Juni 2026

Der Schein trügt

Als Kon­fe­renz­dol­metscher­in ist Fran­zö­sisch meine Haupt­ar­beits­spra­che, ich dol­met­sche in beide Rich­tun­gen (oder, sel­te­ner, aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche). Deutsch ist meine Mut­ter­spra­che und daher bei Text­ar­beit die häu­figs­te Ziel­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Auch was die Tech­nik an­geht, müs­sen wir stän­dig hin­zu­ler­nen. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Ich sit­ze in der U-Bahn und über­flie­ge vor dem Ein­satz mei­ne No­ti­zen. Woh­nungs­kauf in Ber­lin: Zwi­schen Deutsch­land und Frank­reich gibt es et­li­che Un­ter­schie­de bei der ge­setz­li­chen Grund­la­ge. Als Kon­ferenz­dol­met­scherin muss ich die­se Nu­an­cen ken­nen und sprach­lich prä­zi­se spie­geln. Be­son­ders beim ju­ris­ti­schen Dol­met­schen im No­ta­riat, wenn Ver­trä­ge recht­lich bin­dend wer­den, zählt je­des Wort.

Gesehen in Berlin
Doch im Be­rufs­all­tag ma­che ich im­mer wie­der wi­der­sprüch­li­che Er­fah­run­gen mit der Künst­li­chen In­tel­li­genz. Ein- und der­sel­be Ort, zwei glei­che Ter­mi­ne, ein Jahr Zeit­ab­stand. Das The­ma: Woh­nungs­ver­kauf.

Ich dol­met­sche Deutsch ↔ Fran­zö­sisch si­mul­ta­n vom Blatt, ha­be den von mir mi­nu­tiös vor­be­rei­te­ten Ver­trag vor mir im Rech­ner.

Der DeepL-Aus­druck auf dem Tisch


Früh­jahr 2024: Ein Vater kauft sei­ner Toch­ter in Ber­lin eine Woh­nung, denn sie fin­det kei­ne Miet­woh­nung. Die No­ta­rin legt dem fran­zö­sisch­spra­chi­gen Man­dan­ten eine Über­set­zung auf den Platz. Ich be­kom­me auch ei­nen Aus­druck und ma­che gro­ße Au­gen.

Die No­ta­rin winkt ab: „Das ist nur eine DeepL-Ver­si­on, keine be­glau­big­te Über­set­zung.“ OK, mei­ne Va­ri­an­te ba­siert zwar auch auf Ma­chi­ne Trans­la­ti­on, ist aber mit ei­ner ein­ge­pfleg­ten Ter­mi­no­lo­gie­lis­te und drei Stun­den Hand­ar­beit im Fach­lek­to­rat ver­fei­nert wor­den.

Als ich si­mul­ta­n aus­ge­hend von mei­ner Fas­sung dol­met­sche, feilt mein Ge­hirn an vielen Stel­len den Text zurecht. Die No­ta­rin blickt ge­reizt: „Le­sen Sie doch ein­fach ab“, und zeigt auf den KI-Aus­druck. „Das darf ich nicht!“, er­wi­de­re ich. (Sie rollt mit den Au­gen. Na pri­ma. Hier auf­zu­pas­sen ist ihr Bu­si­ness, nicht meins!)

Der Kun­de stutzt we­nig spä­ter, un­ter­bricht mich und sagt auf Fran­zö­sisch: „Hier steht das aber an­ders!“ Er weist auf den DeepL-Aus­wurf. Ich er­klä­re ihm, dass die KI mit den Un­ter­schie­den des deut­schen und fran­zö­si­schen Im­mo­bi­li­en­rechts nicht viel an­fan­gen kann. Vor al­lem der Be­sitz­über­gang ist hier­zu­lan­de völ­lig an­ders als bei ei­ner fran­zö­si­schen pro­mes­se de ven­te.

Die No­ta­rin ver­steht kein fran­zö­si­sches Recht, ist un­ge­hal­ten und will schnel­ler fer­tig wer­den.

Die Er­kennt­nis

Zwölf Mo­na­te spä­ter im sel­ben Raum: Dies­mal liegt kein KI-Aus­druck auf dem Tisch. Ich ar­bei­te ent­spannt, es gibt keine Ir­ri­ta­tio­nen bei dem fran­zö­si­schen Ehe­paar, kein Au­gen­rol­len der No­ta­rin.

In der Pau­se fra­ge ich sie nach ih­ren Er­fah­run­gen mit DeepL. Ihre Ant­wort spricht Bän­de: „Die­se Fas­sun­gen sind nicht rechts­si­cher. Feh­ler, die das Sys­tem au­to­ma­tisch macht, kön­nen ganz schön teu­er wer­den!“ Sie blickt be­tre­ten, of­fen­bar eine schmerz­haf­te Ei­gen­er­fah­rung.

KI-Er­fol­ge sind laut


Aber Miss­er­fol­ge, teu­e­re Miss­ver­ständnis­se und ver­lo­re­ne Re­gress­pro­zes­se durch eine höl­zer­ne, fehlerbehaftete Sprache sind lei­se, sie wer­den ge­pflegt ver­schwie­gen.

Wir kennen das aus anderen Kontexten. Uns Dolmetscher:innen helfen peinliche, unsichtbare Missgriffe der KI derzeit eindeutig nicht in der Auftragsakquise.

Neu: Die un­sicht­ba­re Ge­fahr

Das Ri­si­ko liegt in­zwi­schen nicht mehr nur in sprach­li­chen Nu­an­cen. Wer heu­te einen Ver­trag durch KI prü­fen lässt, geht still­schwei­gend da­von aus, dass Mensch und Ma­schi­ne den­sel­ben Text se­hen. Doch die­se An­nah­me ist fra­gil. Zwi­schen der sicht­ba­ren Ober­flä­che und der ma­schi­nen­les­ba­ren Struk­tur liegt eine tech­ni­sche Schicht, die sich ma­ni­pu­lie­ren lässt. Schrift­ar­ten und Ko­die­run­gen sind nicht neu­tral.

In der Si­cher­heits­for­schung wird der­zeit dis­ku­tiert, dass Texte so ge­stal­tet wer­den kön­nen, dass sie für das mensch­li­che Auge kor­rekt er­schei­nen, wäh­rend di­gi­ta­le Sys­te­me eine völ­lig an­de­re Zei­chen­fol­ge ex­tra­hie­ren. Ein PDF kann vi­su­ell einen har­mlo­sen Text an­zei­gen, wäh­rend in­tern eine ganz an­de­re Ebe­ne ver­ar­bei­tet wird.

Wenn KI-Sys­te­me Ver­trä­ge, Klau­seln oder Be­trä­ge au­to­ma­ti­siert ana­ly­sie­ren, ver­las­sen sich Men­schen oft blind auf die­se ma­schi­nen­les­ba­re Ebene. Wird die­se ge­zielt ver­fälscht, ent­steht eine ge­fähr­li­che Dis­kre­panz zwi­schen dem, was sicht­bar ist und dem, was das Sys­tem ver­ar­bei­tet. Die Frage ver­schiebt sich von „Wie gut ist die KI?“ zu „Wie ver­läss­lich ist das Do­ku­ment, das sie liest?“

Ver­trau­en Sie lie­ber den Men­schen!


Ob beim di­rek­ten Dol­met­schen im No­ta­riat oder bei der au­to­ma­ti­schen Ri­si­ko­ana­ly­se: Rein ma­schi­nel­le Ver­fah­ren sto­ßen an si­cher­heits­re­le­van­te Gren­zen.

Ohne mensch­li­che Ex­per­ti­se bleibt der Ge­schäfts­ver­kehr ein un­kal­ku­lier­ba­res Ri­si­ko. Im Be­rufs­alltag ha­ben Dol­met­scher:in­nen und die Men­schen in No­ta­ria­ten da­von be­reits im­mer öf­ter Ah­nung. Ein No­ta­riat über­nimmt am En­de auch die Ver­ant­wor­tung (die KI nicht).

Fra­gen Sie nach oder spre­chen Sie mit dem In­for­ma­ti­ker Ih­res Ver­trau­ens da­rü­ber (oder der In­for­ma­ti­ke­rin des Ver­trau­ens)!

Wei­te­re Ge­fah­ren dro­hen

Zum Schluss noch ein un­ap­pe­tit­li­cher Punkt: KI-Sys­te­me sind nicht nur Werk­zeu­ge zur Text­ver­ar­bei­tung, son­dern auch po­ten­zi­el­le Ein­falls­to­re für ma­ni­pu­lier­te In­hal­te. Über ver­steck­te Struk­tu­ren in prä­pa­rier­te Da­tei­en kön­nen auch Tro­ja­ner ein­ge­schleust wer­den. Xpert.digital spricht von poi­soned PDFs und von Da­tei­en, die wie Waf­fen ein­ge­setzt wer­den.

#Legaltech #KI #Dolmetscherin #Dolmetscher #übersetzen #Übersetzerin #Übersetzer #Prüfverfahren #cybersecurity

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Fo­to: C.E. (Archiv)

Dienstag, 2. Juni 2026

Politikjargon

Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie ha­ben mein vir­tu­el­les Ar­beits­ta­ge­buch er­reicht, das es seit 2007 gibt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Meis­tens ar­bei­te ich bei Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch dol­met­sche ich ins Fran­zö­si­sche und Deut­sche, auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Je­de Bran­che ent­wi­ckelt ih­re ei­ge­nen Fach­be­grif­fe. In der Di­plo­ma­tie ge­schieht das be­son­ders schnell. Wer re­gel­mä­ßig in­ter­na­tio­na­le Kon­fe­ren­zen, Mi­nis­ter­tref­fen oder Ver­hand­lun­gen be­glei­tet, be­geg­net Wör­tern, die au­ßer­halb die­ser Welt kaum je­mand ver­wen­det.

Viel Platz mit Blick auf einen Saal
Dol­metsch­'suite' in Straß­burg

Nur we­ni­ge Jah­re spä­ter tau­chen ein- und die­sel­ben Be­grif­fe plötz­lich und wie selbst­ver­ständ­lich in den ‚aso­zia­len Me­dien‘, in Nach­rich­ten­sen­dun­gen und Zei­tungs­ar­ti­keln auf.

Für uns Dol­met­sche­r:in­nen ge­hört die­ses Vo­ka­bu­lar manch­mal zum Ar­beits­all­tag. Wir ler­nen früh, dass Ver­stän­di­gung und Ver­ständ­lich­keit zwei ver­schie­de­ne Din­ge sind.

Aus der Politik in die News

Heu­te hat es „Bi­lats“ in die Nach­rich­ten ge­schafft. Ge­meint wa­ren bi­la­te­ra­le Ge­sprä­che am Ran­de der in­ter­na­tio­na­len Ter­mi­ne in New York in Zu­sam­men­hang mit der Wahl ei­nes Sit­zes im Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen.

Der Be­griff ist in di­plo­ma­ti­schen Krei­sen so selbst­ver­ständ­lich ge­wor­den, dass kaum noch je­mand das voll­stän­di­ge Wort aus­spricht. Wer nicht re­gel­mä­ßig auf dem po­li­ti­schen Par­kett un­ter­wegs ist, dürf­te zu­nächst rätseln, was da­mit über­haupt ge­meint ist.

Vereinfachung der Gesetzgebung

Ähn­lich ver­hält es sich mit dem Tri­log der Eu­ro­pä­i­schen Uni­on. Da­bei ver­han­deln Eu­ro­pä­i­sche Kom­mis­si­on, Rat und Eu­ro­pä­i­sches Par­la­ment in­for­mell über Ge­setz­ge­bungs­vor­ha­ben. Ziel ist es, Kom­pro­mis­se zu fin­den, be­vor die for­ma­len Ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen wer­den, und da­mit lang­wie­ri­ge Pro­zes­se zu ver­kür­zen. Schät­zungs­wei­se rund 80 % al­ler Ge­set­ze wi­der­fährt das.

Sprach­lich wirkt der Be­griff al­ler­dings et­was ei­gen­tüm­lich. Wenn zwei Per­so­nen ei­nen Dia­log füh­ren, wä­re es für uns Deut­sche lo­gisch, wenn ein Ge­spräch zwi­schen drei Par­tei­en ein Tri­a­log ist. Die Eu­ro­pä­i­sche Uni­on hat sich aber für „Tri­log“ ent­schie­den, denn die EU-Ar­beits­spra­chen Eng­lisch und Fran­zö­sisch do­mi­nie­ren oft die Wort­wahl, und so heißt es eben the tri­logue, le tri­logue, der Tri­log.

Me­dien ver­brei­ten den Jar­gon

Man­cher die­ser Be­grif­fe ver­lässt die Zen­tren der eu­ro­pä­i­schen Po­li­tik. Jour­na­lis­ten über­neh­men sie aus Pres­se­brief­ings. Po­li­ti­ker ver­wen­den sie in In­ter­views. Nach und nach ge­lan­gen sie in die All­tags­spra­che po­li­tisch in­ter­es­sier­ter Men­schen.

Man­che die­ser Wör­ter wir­ken harm­los, an­de­re ver­schlei­ern mehr, als sie er­klä­ren. Wer zum ers­ten Mal von ei­nem Non-Pa­per hört, denkt an münd­li­che For­ma­te und an­ders fi­xier­te No­ti­zen. Tat­säch­lich han­delt es sich um ein in­for­mel­les Dis­kus­si­ons­pa­pier. Ein Rea­d-out klingt nach Tech­nik, be­zeich­net aber die of­fi­zi­el­le Zu­sam­men­fas­sung ei­nes Ge­sprächs. Und Sher­pas tra­gen in der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik kei­ne Las­ten auf Berg­pfaden, son­dern be­rei­ten Gip­fel­tref­fen vor.

Doub­let­ten

Her­vor­zu­he­ben sind auch je­ne Be­grif­fe, die aus dem Eng­li­schen über­nom­men wer­den, ob­wohl längst deut­sche Wör­ter exis­tie­ren. Im Grunde sind das Dubletten. Da wird dann ein Fahr­plan zur Road­map, ein Er­geb­nis zu ei­nem Deli­ver­a­ble und ei­ne Kon­takt­auf­nah­me zu Out­reach. Wer lan­ge ge­nug zu­hört, be­kommt den Ein­druck, dass po­li­ti­sche Pro­zes­se nicht nur or­ga­ni­siert, son­dern zu­gleich sprach­lich ver­edelt wer­den sol­len.

Sprach­ent­wick­lung live

Für mich als Dol­met­sche­rin ist die­se Ent­wick­lung fas­zi­nie­rend: Ich be­ob­ach­te ge­wis­ser­ma­ßen in Echtzeit (real time), wie Spra­che ent­steht, sich ver­än­dert und ih­ren Weg in die Öf­fent­lich­keit fin­det. Man­che Be­grif­fe ver­schwin­den wie­der. An­de­re wer­den Teil des po­li­ti­schen All­tags. Ei­ni­ge ent­wi­ckeln so­gar ein Ei­gen­le­ben und wer­den ver­wen­det, oh­ne dass die Spre­cher noch er­klä­ren könn­ten, was sie ur­sprüng­lich be­deu­te­ten.

Viel­leicht ist das die ei­gent­li­che Leh­re aus Bi­lats, Tri­lo­gen, Non-Pa­pers und Sher­pas: Po­li­tik pro­du­ziert nicht nur Ent­schei­dun­gen. Sie pro­du­ziert auch stän­dig neue Wör­ter.

Vokabelnotiz


Deutsch Fran­zö­sisch Er­läu­te­rung
Bi­la­te­ra­les Ge­spräch / bi­lat en­tre­tien bi­la­té­ral / réu­ni­on bi­la­té­ra­le Ge­spräch zwi­schen zwei Staa­ten, De­le­ga­tio­nen oder po­li­ti­schen Ak­teu­ren
De­brie­fing dé­bri­e­fing Nach­be­spre­chung nach ei­nem Tref­fen, Ein­satz oder ei­ner Ver­hand­lung
Ele­men­te der Sprach­re­ge­lung / talk­ing points élé­ments de lan­gage Vor­be­rei­te­te Ar­gu­men­ta­ti­ons­li­ni­en für Pres­se­auf­trit­te
Er­geb­nis­pa­ket / pa­cka­ge deal ac­cord glo­bal / pa­quet de com­pro­mis Kom­pro­miss über meh­re­re The­men
Fahr­plan / road­map feuil­le de rou­te Plan mit zeit­li­cher Ab­fol­ge po­li­ti­scher Maß­nah­men
Gleich­ge­sinn­te Staa­ten / li­ke-min­ded coun­tries pays par­ta­geant les mê­mes vues Staa­ten mit ähn­li­chen Po­si­tio­nen
Glei­che Wett­be­werbs­be­din­gun­gen / le­vel play­ing field con­di­ti­ons de con­cur­ren­ce équi­ta­bles Fai­re Wett­be­werbs­be­din­gun­gen
In­for­mel­les Dis­kus­si­ons­pa­pier / non-pa­per do­cu­ment in­for­mel / non-pa­per Dis­kus­si­ons­grund­la­ge oh­ne of­fi­zi­el­len Cha­rak­ter
Kom­pro­miss­zo­ne / lan­ding zo­ne zo­ne de com­pro­mis Mög­li­cher Be­reich für Ei­ni­gung
Kon­takt­pfle­ge / out­reach ac­tion de sen­si­bi­li­sa­ti­on Di­plo­ma­ti­sche Kon­takt­auf­nah­me
La­ge­bi­lanz / stock­ta­king bi­lan d’é­ta­pe Zwi­schen­stand ei­ner Ver­hand­lung
Pro­to­koll­no­tiz / rea­d-out comp­te ren­du of­fi­ci­el Of­fi­zi­el­le Zu­sam­men­fas­sung ei­nes Ge­sprächs
Sher­pa sher­paPer­so­nen, die Gip­fel­tref­fen
vor­be­rei­ten
Tri­log tri­lo­gue In­for­mel­le Ver­hand­lun­gen EU
Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se / deli­ve­ra­bles ré­su­l­tats con­crets / li­vra­bles Kon­kre­te Er­geb­nis­se ei­nes Tref­fens
Ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­men / CBMs me­su­res de con­fi­an­ce Maß­nah­men zu Ver­trau­ens­auf­bau und -pfle­ge


Hin­weis für Sprach­in­te­res­sier­te: Vie­le die­ser Be­grif­fe stam­men aus in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen wie UN, EU, NATO oder OECD und ge­lan­gen über die Me­dien in die All­ge­mein­spra­che.

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Foto: C.E. (Ar­chiv)