... und herzlich willkommen! Als erfahrene Konferenzdolmetscherin
(„senior interpreter“) und Übersetzerin bin ich seit bald 20
Jahren in Deutschland, Frankreich und in anderen Ländern Europas
tätig — meist mit Französisch und Deutsch als Arbeits- und Zielsprache. Als Teil
eines Netzwerks kann ich Ihnen auch bei der Suche nach Unterstützung in anderen Sprachen helfen.
Herzlich Willkommen!
Sie suchen Kommunikationsprofis fürs Dolmetschen oder für schriftliche Arbeiten? Nach vielen Jahren in Frankreich und den einschlägigen akademischen Studien sitze ich in der Französischkabine. Schriftlich arbeite ich ins Deutsche, auch aus dem Englischen.
Allein oder im Team begleite ich Delegationen und arbeite auf Konferenzen, in Ministerien, Botschaften oder am Filmset ... für Politik, Unternehmen und Privatleute.
Schwerpunkte: Aktuelles, Industrie, Wirtschaft und
Kultur, Landwirtschaft, kreative Projekte, Urbanismus und Bau,
Energie und Medien sowie Kino, vom Exposé über Drehbuch und
Produktionsdossier bis zum Presseheft. Als ausgebildete Journalistin kann ich auch Textarbeit anbieten — mit dem größten Vergnügen.
Mit einer ersten Kontaktmail an
caroline@adazylla.de können
Sie einen telefonischen Beratungstermin vereinbaren, um Ihren
Bedarf abzuklären. (Ich antworte spätestens nach zwölf Stunden.)
Ich biete an: Simultan- (fast zeitgleich), Konsekutiv- (zeitversetzt), Flüster- und Begleitdolmetschen,
Bühnendolmetschen, Sprecheinsätze (Tonaufnahmen), DialogCoaching
für Film und Bühne, Ferndolmetschen.
Dolmetschen lebt von Fachkompetenz, Hintergrundwissen und
Erfahrung. Gerne bin ich Ihre Brücke zwischen der deutsch- und
französischsprachigen Welt — flexibel und punktgenau! Vor Ort oder mit
Online-Expertise: Mein Einsatz garantiert Ihnen Verständlichkeit ohne
Missverständnisse.
Doch genauso gern unterstütze ich kleinere Initiativen,
persönliche Begegnungen oder punktuelle Einsätze, denn auch bei
diesen sind Fingerspitzengefühl, gute Vorbereitung und eine
ausgebildete Stimme gefragt.
Jetzt planen — Erfolg sichern!
Dolmetschen ist mehr als Sprache: Präzision, Kontext, Wissen um
Sprechabsichten, Hintergrund, Taktgefühl und Erfahrung. Sichern Sie
sich meine oder unsere professionelle Unterstützung!
Herzliche Grüße,
Caroline Elias
P.S.: Wir sind nicht nur Spracharbeiterinnen und
Spracharbeiter, sondern beobachten auch die Welt. Hier dürfen Sie in
meinem Arbeitstagebuch mitlesen. Diese Seite ist für das Weblayout
optimiert, sonst drohen Textpassagen hinter den Fotos zu verschwinden.
Bonjour & hello! Herzlich willkommen beim ersten deutschen Dolmetscherweblog aus dem Inneren der Dolmetschkabine. Als Dolmetscherin und Übersetzerin arbeite ich schriftlich mit Deutsch als Zielsprache (Text), mündlich meistens ins Französische, oft auch mit Englisch als Ausgangssprache. Wie unser Beruf den Alltag bestimmt, aber auch die Nächte, ist allgemein nicht bekannt. Hier berichte ich darüber.
Was besonders ist im Leben von uns Dolmetscher:innen: Wenn du kichernd aufwachst, geweckt vom eigenen Lachen, und dann überlegst, was im Traum passiert sein könnte. Es dämmert dir langsam, und dann weißt du: das deutsche Wort für hummingbird wurde gesucht.
Was ist denn bitte hier passiert?
Die Fokussierung des Geistes auf ein fehlendes Wort: Das mache ich täglich im Wachzustand, wirklich ständig, schlage nach, schreibe auf. Der Kopf meldet zuverlässig fehlende Begriffe. Kurz: Das Gehirn ist fast ständig im leisen Arbeitsmodus.
Die Anwendung körperzentrierter Techniken zur Entspannung, hierin sind wir Dolmetscher:innen meistens gut. Ich war wohl kurz wach, habe mit Massage und leisem Summen den Vagusnerv stimuliert und die parasympathische „Ruhe- und Verdauungsreaktion” ausgelöst. Leises Summen oder Brummen wirkt mit Vibrationen auf das Nervensystem, indem es eine langsame, kontrollierte Ausatmung fördert. In Indien ist diese Technik, als Bhramari Pranayama bekannt.
Hummingbird, ich schlage nach: Kolibri. Ach ja, stimmt, diese Vögel habe ich in den 1990-ern in den USA beobachtet und mich nie gefragt, wie die sweet little birdies wohl auf Deutsch heißen mögen. Jetzt nachgeholt, Häkchen dran!
Wörter wie „Kolibri” mit so wundervoll klingenden Vokalen haben mich als Kind fasziniert. Wenn ich nicht ein solches Faszinosum für Sprache schon im jüngsten Alter gehabt hätte, wäre ich nie Spracharbeiterin geworden.
Später in der Woche mehr zum Möbel
Und dann fällt mir prompt auch noch die „Rokokokommode” ein. Ich hatte als Kind ein Buch mit Nonsensegedichten, halb Dada, halb konkrete Poesie, Grafik und Gedicht. Über dieser Erinnerung schlafe ich ein.
Wenn ich nur wüsste, wie ich dieses Gedicht wiederfinden kann? Ich würde es gerne den kleinen Fräulein(s) zeigen, was Nichten sind. Denn sie sind auch recht sprachverliebt.
Einen Einblick in den Arbeitsalltag einer Dolmetscherin können Sie auf diesen Seiten erhalten. Meine Muttersprache ist Deutsch, ich arbeite überwiegend mit Französisch und Englisch, die Bürokollegin übersetzt in die englische Sprache. Von Zeit zu Zeit bearbeiten wir im Team in größerem Umfang gemeinsam Texte.
Pause und doch im Bereitschaftsdienst
Der Montagsschreibtisch ist heute aber nicht voll. Das Pausenschild ist nur halb ernst gemeint. Ich bin wie so oft stand by für kurzfristig Angeraumtes (wie neulich bei einem medizinischen Notfall).
Also sind es Eisblumen statt echter Blumen und gestickte Schmetterlinge für Löcher in Kinderhosen ...
Auf dem Schreibtisch: ❦ Terminologielisten zum Aufarbeiten, die eine gute Quelle für die Vorbereitung kommender Einsätze sind und ❦ Termine mit Bleistift in den neuen Kalender schreiben
„Reingebleistiftete Termine“ sind Termine, zu denen wir Kostenvoranschläge geschrieben haben. Früher bekamen wir zu jedem dritten Angebot eine Zusage, heute ist die erste Kennziffer deutlich zweistellig.
Es gibt weniger Veranstaltungen, seit manche in der Politik stärker auf Globish setzen, es außerdem mehr Agenturen gibt, die nur weiterbeauftragen (mit Abschlägen von bis zu 50 Prozent des Honorars als „Vergütung“ einiger Mails; da „spielen“ viele von uns nicht mit).
Außerdem gibt es Technikfirmen, die „KI-Dolmetschen“ verkaufen, obwohl die KI das nicht kann und nicht können wird, denn sie hat keine Erfahrung, keine Körperlichkeit und erst recht keinen echten Überblick, wenn sie nur Wörter austauscht, die nach mathematischer Wahrscheinlichkeit aufeinander folgen.
Grundlage dafür sind oft missverstandene Begriffe, die alles verzerren. Wenn mir Verkäufer dieser Technik sagen: „Aber unsere Maschinen arbeiten zu 80 Prozent akkurat!“, empfinde ich das als eine Beleidigung meines Berufsstandes und der Intelligenz der Kund:innen. Denn was sollen die bitteschön mit 20 Prozent Murks machen, mit Auslassungen, Fehlgriffen und Erfundenem? Ein falsches Verb reicht, und alles ist für die Katz. Die Aufräumarbeit anschließend wird teurer als die vermeintliche Geldersparnis.
______________________________ Grafik: C.E. mit pixlr.com + Letterset
Ob geplant oder zufällig: Sie sind hier auf der Blogseite einer Dolmetscherin für die französische Sprache mit Deutsch als Muttersprache gelandet. Französisch ist meine Hauptarbeitssprache. Seit 2007 schreibe ich hier in loser Folge über die Arbeit auf Konferenzen, für Privatkund:innen oder Delegationen. Als Simultandolmetscherin bin ich gelegentlich auch im Sprachenpaar Englisch → Französisch unterwegs. Sonst übersetze ich Texte ins Deutsche.
Nicht nur ein Herbstblatt auf dem Eis
Heute: [ˈaɪ̯s], der Deutschen liebstes Dessert, heute auf den Straßen Wegen, nicht zu verwechseln mit Trampeltiers gleichklingender Gestapo.
Das Foto ist von gestern. In Berlin gibt's heute Neuschnee, das sieht schön aus, ein kleines Winterwunderland vor dem Haus. Wenn darunter nicht an vielen Stellen eine ein- bis anderthalb Zentimeter dicke Eisschicht liegen würde. Viele Menschen haben so Hausarrest.
Wir hätten am Morgen eigentlich Besuch aus Nordberlin kriegen sollen.
Abgesagt. Berlin ist halsbrecherisch glatt. Und ich bin gerade
ein wenig frustriert, weil meine täglichen Wanderungen
ausfallen
Berliner:innen sind Kummer gewohnt. Während in Paris in stark frequentierten Gegenden täglich die Straße gefegt wird, sonst alle zwei Tage, gibt es hier in Berlin viele Straßen, denen sich die BSR vielleicht zweimal im Jahr widmet. An vielen Ecken liegen Dreck und Müll. Feste Sperrmülltage für alle gibt es nicht, dafür lange Wartezeiten auf die Abholung. Das ist nervig genug.
Jetzt sind seit Tagen die Gehwege als Eislaufbahnen nutzbar: mit Eis bedeckt, oft nicht gestreut. Die Fahrbahn dagegen ist meist prima nutzbar. Bei den Fahrradwegen: mal so, mal so.
Gestern musste ich zum Kuhdamm, eine der kommerziellsten und touristischsten Gegenden der Stadt. Dort tasten sich die Menschen schrittweise im Pinguinwatschelgang über die Eisdecke. Eine ältere Dame propellert wild mit den Armen, als wollte sie gleich abheben, schwankt kurz, fängt sich dann wieder. Ohne ihren Rucksack mit Einkäufen drin hätte sie abgehoben!
Halsbrecherische Zustände gibt es auch auf etlichen S-Bahn-Steigen. Was passiert eigentlich mit unserem Fahrgeld, mit unseren Steuergeldern, den Nebenkosten für den Winterdienst? Offensichtlich fehlt es an öffentlicher Sicherheit, auch ohne Eis oft an der Instandhaltung. (Übers Jahr droht vielerorts Schlaglochalarm.)
Winter ist in Berlin keine Überraschung. Schnee und Eis waren jahrzehntelang Alltag. Und nun, in Zeiten der Klimakatastrophe, haben viele städtische Eigenbetriebe Technik und Personal abgebaut. Auch private Winterdienste scheinen den Winter unterschätzt zu haben. Niemand kommt hinterher.
Dabei wird für die Fahrbahnen durchaus etwas getan, allerdings nicht von der Stadt, sondern von der Physik: Die Reifen liefern Reibungswärme, Abgase und warme Fahrzeugteile heizen die Straße zusätzlich auf. Das Gewicht der Fahrzeuge zerbricht und zermalmt die Eisschicht. Wir Fußgänger:innen dagegen polieren mit unseren Schuhen die Eisoberfläche eher noch.
Die hier berichtende Dolmetscherin hat übrigens gerade mit einem französischen Gast acht Stunden in der Notfallstelle eines Krankenhauses verbracht. Dort: alles voller älterer Menschen, die auf dem Eis ausgerutscht waren.
Seit dem Nachmittag erlaubt Berlin das Streuen von Salz trotz erwiesener Schädlichkeit. Es liegt an der Manpower, nicht am Substrat.
CUT. In Australien ist so viel Land abgebrannt wie das halbe Saarland groß ist. Nördlich von Adelaide wurden 49 °C gemessen. Und während bei uns noch häufigere und längere Kältephasen drohen, weil die Klimakatastrophe den Golfstrom bzw. AMOC abschwächt, verbrennt auf der anderen Seite unseres Globus die Gegend.
P.S.: Eine Nachricht an die EB Immobilienverwaltung: Wir haben mitbekommen, dass wir seit dem 3.12. entweder Winterdienst oder die Putzleute im Haus haben. Dass sie die Putzliste am Aushang im nachhinein haben ändern lassen, ändert daran nichts. Das hier ist halsbrecherisch. An der Hauswand lässt sich knapp entlangschleichen, solange kein Gegenverkehr ist (und wir stellenweise seitlich treten). Ach, und um die inzwischen illegale Bleileitung in der Wand sollten Sie sich auch mal kümmern. Mal sehen, vielleicht reagieren Sie ja auf diese Weise.
... lautet der Auftrag an die Schauspieler:innen und Schauspieler vor der Kamera, mit der Arbeit loszulegen. Auf EN und FR geht's knapper: « ACTION »! Ich muss schmunzeln, da ich an deutschen Sets immer häufiger das hier höre: „Äktsch'n!“
Willkommen auf den Seiten des digitalen Logbuchs einer Sprachmittlerin. Meine Arbeitssprachen sind Französisch, Deutsch … und Film. Hier erzähle ich regelmäßig so, dass man nicht immer die Betreffenden erkennt, dafür aber die Situationen. Heute: Berlinale. Im Schatten des großen Events bin ich gefühlt schon ewig als Dolmetscherin sichtbar oder unsichtbar tätig.
Dolmetschen auf Festivals
Zwei Jahrzehnte lang war die Berlinale für mich gleichbedeutend mit der Einsamkeit der Dolmetschkabine, der Berlinalebühne oder den Hotelzimmern mit Hochflorteppich und Häppchen bei den Presseinterviews. Ich habe französische Gäste dem Publikum und der Presse näher gebracht — oder ich war die französische Stimme manchen deutschen Films für frankophone Gäste. Lange haben wir ausschließlich deutsch oder englisch untertitelte Filme simultan ins Französische gedolmetscht.
Dieses sogenannte „Einsprechen“ klingt ein wenig so, wie etliche ausländische Filme im polnischen Fernsehen klingen. In den Nullerjahren wurde dann Englisch zur Hauptarbeitssprache des Festivals.
I speak German, French and the language of cinema
Geblieben sind Presseinterviews. Diese Arbeit ist mehr als das Übersetzen von Wörtern: es sind hochaufgeladene, durchchoreografierte Momente, die trotzdem leicht und spontan wirken sollen. Ich mache mich dabei unsichtbar. Wenn alles prima läuft, sprechen die Künstler:innen direkt mit den Menschen von der Presse, als hätten sie ein- und dieselbe Sprache.
Nach mehr als 25 Jahren auf Festivals und vielen VIP-Einsätzen weiß ich, worauf es wirklich ankommt.
Rückblick
Im Vorfeld steht immer viel Recherche. Vor Ort sind Energiehaushalten und Improvisationstalent die hohe Schule. Zufriedene Gesichter von Künstler:innen wie Publikum sind die schönste Entlohnung. Häufig durfte ich bei der Entstehung neuer Koproduktionen mitwirken. Die Strapazen sind dann schnell vergessen.
In den Jahren mit oft 30 Berlinaleterminen war es meist tabu, sich abends auf Partys rumzutreiben, schon allein der Stimme wegen. Jahrelang habe ich die Kontaktpflege schleifen lassen müssen, die Arbeit ging vor. Berlinale-Dolmetscher mit eng getaktetem Terminkalender zu sein war ein Leben von geradezu mönchischer Einfachheit.
Seit alle Englisch auf dem Festival sprechen, wurden leider auch die Publikumsgespräche verkürzt. Gäste dürfen sich nun in Shakespeares Sprache äußern. Die Geduld des Publikums scheint durch digitale Medien verkürzt, die Konzentration schwindet. Ein Kulturverlust. Stattdessen entstehen kurze Videos, bei denen alle sehr schnell auf den Punkt kommen müssen.
Zwangspause, nur zum Teil filmreif
Dann schlug bei mir das Schicksal zu: Angehörigenpflege, Coronajahre, Long Covid, weitere Pflegejahre in Teilzeit folgten. Heute dolmetsche ich in den Kulissen: Presseinterviews, Hintergrundgespräche, technische Meetings.
Let's party!
Und ich denke wieder an Branchentreffs, die es bei der Berlinale in Dutzenden pro Tag gibt, Umtrunke, Empfänge, Partys; fast immer nur mit Einladung. Das Nachjagen nach Einladungen kostet Zeit, die ich lange nicht hatte.
Drei Einladungen liegen bei mir schon auf dem Tisch, ohne jegliche Nachfrage: zwei davon echte Briefpost mit Umschlag und Briefmarke. Very nice and the old style.
Hallo! Wie auch immer Sie hier gelandet sind, Sie lesen auf den
Seiten meines virtuellen Arbeitstagebuchs. Ich bin
Konferenzdolmetscherin und arbeite mit den Sprachen
Französisch und Englisch, Deutsch ist meine Muttersprache. Heute
wieder ein Blick auf den Schreibtisch.
Letzte Januarwoche schon wieder, die Zeit rauscht nur so durch! Die Berlinale-Untertitel sind abgegeben; ich bin gespannt, was als nächstes kommt.
Helene beim Telefondienst (1926)
Neulich wurde bei uns gegenüber mal wieder laut renoviert, dann fliehe ich meistens, und vom Coworking-Space habe ich noch einige Slots frei. Mal sehen, wann ich da hingehe in den nächsten Wochen. Keine schlechte Sache, um auf neue Gedanken zu kommen, so eine Auslagerung, vielleicht werde ich mir eines Tages mit dem Netzwerk auch einen Telefonservice suchen. Dabei schreibe ich hier ständig: Bitte senden Sie mir eine Mail und wir verabreden ein Telefongespräch, damit Sie die beste, nämlich die direkte Beratung durch Dolmetsche:rinnen bekommen, und nicht möglicherweise Fehlinformationen durch Kaufleute. (... in Sachen Technikanforderung, Profile des Dolmetschteams oder gar KI-Einsatz. Warnung: Die KI kann nicht dolmetschen.)
Auf dem Schreibtisch diese Woche: ♠ Kostenvoranschläge ♠ KI und Kreativwirtschaft
♠ Bibliothek
♠ Ablagen
______________________________ Foto: Archiv Elias Lossow
Bonjour, hello, guten Tag! Sie lesen in einem Tagebuch aus der Arbeitswelt. Ich bin Deutsch-Muttersprachlerin, arbeite als Konferenzdolmetscherin mit Französisch und aus dem Englischen, was auch die Zielsprache der Bürokollegin ist, die schriftlich arbeitet: sie übersetzt. Kleines P.S. zu gestern.
Der Film, den ich gestern verlinkt habe, bringt vieles auf den Punkt. Dafür bin ich dem Team, das ihn gemacht hat, dankbar.
Allerdings ist mir aufgestoßen, dass er mit einer KI-Stimme vertont wurde, die einigermaßen natürlich klingt, aber eben am Ende doch synthetisch, was die Aufmerksamkeit einschränkt, das Verständnis erschwert und damit, gemessen an den Absichten, ein klassisches Eigentor darstellt … und zudem befeuert, dass Sprecher:innen arbeitslos werden.
Mit den KI-Stimmen ist es so ähnlich wie mit dem Lesen digitaler Bücher versus echter Bücher auf Papier, wie mit digitalen Notizen versus handschriftlichen Notizen, wie mit den von KI zusammenkompilierten versus von einem selbst erstellten Texten: Um wirklich zu lernen, d.h. dauerhafte Verknüpfungen im Gehirn herzustellen, ist das menschliche Moment nötig, hier also die echte Stimme mit ihren anderen Betonungen, Pausen, vielleicht auch kleinen Unschärfen in der Aussprache und der Sprachmelodie, mit hörbaren Emotionen.
Und wir brauchen Handarbeit beim Schreiben, beim Verfolgen der Zeilen auf Buchseiten verankern wir das Gelesene anders, auch durch Anstreichungen und Randnotizen. Inzwischen bestätigen erste Forschungsergebnisse, was viele Lehrende sowie wir professionelle Dauerlernende schon immer vermutet bzw. empirisch „erforscht“ hatten.
Zusammenfassung: Lernen geschieht durch Wiederholung, Verknüpfung, Emotionen, Bindung, Einsatz der Sinne und des Körpers, Verknüpfungen, die durch die Koordinierung von Hand und Hirn entstehen.
Einladung zu einem Berliner Kinoabend
Last but not least: Als befremdlich empfand ich auch den Link unter
dem oben erwähnten Film, der zum großen A. geführt hat, und zwar zu
Meditationskissen, Büchern & Co. ... Stattdessen bitte den
kleinen Buchhandel an der Ecke und europäische
Lieferant:innen bevorzugen, die ihre Steuern in Europa zahlen
und die mit ihren Gewinnen nicht mutwillig unsere Demokratien
zerstören!
So, jetzt beginnt das freie Wochenende, denn gestern habe ich mich tatkräftig für eine Kinovorführung engagiert.
Der Abend wird vom Verein der Auslandsfranzosen organisiert. Ich habe mich an der Vorbereitung beteiligt und diese Einladung gestaltet.
Was Dolmetscherinnen und Übersetzerinnen, Dolmetscher und Übersetzer umtreibt, wie wir arbeiten, ist hier seit 2007 in loser Folge Thema. Als Französischdolmetscherin mit Englisch als Drittsprache beobachte daneben unsere Zeit sehr genau ... und sortiere ein, aus der Perspektive einer Dolmetscherin. Samstags bringe ich gerne meinen Link der Woche.
Vorab: Hat diese Woche ein ernstzunehmendes Medium das Aufflammen antigrüner Propaganda in den Medien und in der Politik zum Thema gehabt? Mir fiel auf, das hier etwas fehlt. Und ja, ich habe natürlich nicht alles gelesen, mangels Zeit und Zugang, und habe selbst schon darüber geschrieben: klick. Ich hätte hier gerne einen Artikel verlinkt. Habe ich ihn übersehen? Dann bitte ich um einen Hinweis an caroline@adazylla.de!
Das aktuelle Sündenbocknarrativ geht so: Acht grüne Europaabgeordnete bringen das Mercosur-Abkommen zu Fall. Parallel dazu tölpelt ein kranker, reicher Mann vor exklusivem Publikum mit Lügen, Verkürzungen und Drohungen rum. Natürlich braucht Europa gute, solide Partner. Das Mercosur-Abkommen bietet sich hier an. Aber eine gute Partnerschaft braucht eine feste Grundlage.
Jetzt also dieser Skandal! Das Publikum denkt (einmal mehr): Mit den Grünen ist kein Staat zu machen, die sind destruktiv und blöd, so wie jene, die neulich in Berlin ganze Bezirke von der Stromleitung abgeschnitten haben. So oder so ähnlich.
Wer Ihnen das einflüstert, manche Politiker und etliche Medien, handelt undemokratisch. Denn es gibt keinen Skandal, es wird nur in wenigen Monaten in Baden-Württemberg gewählt.
Normalerweise hätte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Vorfeld des parlamentarischen Termins Zeit gehabt, um alle Details des Abkommens zu prüfen. Die Kommission wollte aber in der aktuellen Weltlage, dass der Text vom Parlament rasch bestätigt werden würde und ließ diese Etappe aus. Nach genug Zeit sieht's ja aus: Das Abkommen wurde in über 25 Jahren verhandelt. In diesem Vierteljahrhundert haben indes häufig die Delegationen gewechselt, und es wurde mal ernsthaft, mal halbherzig, mal lieblos debattiert. Daher steckt der Text voller Widersprüche, ist heterogen.
Mancher Tag im politischen Betrieb kleiner Verhandlungskommissionen endet damit, dass sich alle Seiten auf eine Absichtserklärung einigen, oft unscharf gefasst, damit zu Hause die Zeilen alle abnicken können. Wichtig ist, dass ein Häkchen an die Aufgabe gesetzt werden kann.
Das weiß ich aus erster Reihe als Dolmetscherin. Manches aber könnte anschließend zum Problem werden, wenn ausländische Investoren entgangene Gewinne einklagen, überhaupt droht bei einer handwerklich schlecht gemachten Arbeit am Ende eine Kostenlawine, Spott und Hohn für schlechtes Regieren. Damit handelt es sich hier um eine Präventivmaßnahme, die ebenso normal wie banal ist.
Etliche Aspekte des aktuellen Texts können nämlich gegen die Europäischen Verträge verstoßen, daher ist dieser Schritt immens wichtig. Außerdem soll geprüft werden, ob das Abkommen mit dem europäischen Vorsorgeprinzip konform geht. So, wie es derzeit im Text steht, würden Prüf- und Kontrollmechanismen für Agrarimporte abgesenkt.
Es geht schlicht um Verbraucherschutz und die Erfüllung der Sorgfaltspflicht.
Alle, die den Text des Abkommens dem EuGH zur Prüfung vorlegen möchten, haben also dem Politikbetrieb überhaupt keine Steine in den Weg gelegt, sondern ganz im Gegenteil ein Bekenntnis zu Rechtsstaatlichkeit und für rechtssichere europäische Gesetzgebung abgegeben. Die vom Gerichtshof am Ende möglicherweise beanstandeten Punkte würden neu verhandelt, was das Abkommen in Gänze nicht gefährdet. In der Zwischenzeit kann das Abkommen vorläufig in Kraft treten.
Zur Einordnung, wie groß die Propagandaleistung ist: Die Mehrheit hing an zehn Stimmen, für die Anrufung des EuGH haben acht deutsche Grüne gestimmt. Ohne sie wäre der Antrag trotzdem durchgegangen, auch wegen knapp 100 Ja-Stimmen der konservativen und sozialen/demokratischen Fraktionen.
Wir dürfen uns in unserer Politik nicht von den Sauen abhängig machen, die das Trampeltier da durchs Dorf treibt, aber auch nicht von parteipolitischen Interessen, die sich am Wahlkalender orientieren.
Viele der Grünen selbst fühlen sich inzwischen so unter Druck, dass sie selbst zu den Kritikern dieses Abstimmungsergebnisses zählen und leider die offensichtliche Meinungsmache sowie die Details nicht öffentlich klarstellen. Das ist das Eingeständnis, dass viele Menschen, die demnächst an die Wahlurne treten dürfen, mit solchen komplexen Details überfordert sind, aber auch jammerschade, denn im Grunde ist es hohe Zeit, diese Propagandamechanismen aufzudecken.
Wir hatten das schon beim „Heizhammer“ gesehen, dem „Heizungsgesetz“, das es mit diesem Namen nie gab, durch das Robert Habeck angeblich arme Rentner:innen um ihre kleinen Häuschen bringen wollte. Die Kritik bezog sich auf das von CDU und SPD eingebrachte Gebäudeenergiegesetz (GEG), das unter grüner Leitung nicht verschärft, sondern im Gegenteil entschärft wurde. Aber alle Medien, sogar die Öffentlich-Rechtlichen, sind darauf angesprungen.
Einschub: Dass die aktuelle Pflegesituation viele Familien kalt enteignet und Kassen ruiniert, dafür satte Dividenden bei den Anlegern einfährt, davon kaum ein Sterbenswörtchen in der heutigen Politik. Einschubende.
Die aktuelle Lage: Wärmepumpen hatten noch nie einen so guten Absatz wie im letzten Jahr, sie werden weiter verbessert, leiser, hübscher, auch SPLIT-Klimaanlagen werden technisch besser, die Industrie arbeitet mit Hochdruck an Energiespeichermodellen und die aktuelle Regierung hat die Förderung für E-Autos wieder aufgelegt. Die Energiewende ist in vollem Gange, trotzdem landet aktuell zu viel des knappen Geldes durch Subventionen der Fossilindustrie nicht nur in falschen Kassen, sondern schädigt weiterhin Umwelt, Biodiversität, Klima und die Zukunftsperspektiven unserer Kinder und Enkel.
Résumé: Wer Fakten bereits als Parteinahme empfindet, hat den Boden der Debatte verlassen.
Zur Vertiefung: In diesem Video wird erörtert, wie Lautstärke politische Wahrnehmung beeinflusst und warum oft die sachlich Kompetentesten die Leisen sind; ein Phänomen, das auch im medialen Diskurs um das Mercosur-Abkommen relevant ist.
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Film: am besten ohne Werbung im DuckDuckGo-Player!