Donnerstag, 18. Juni 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

______________________________
Fo­to: C.E.

Vorsorgeprinzip adé?

Bon­jour, hel­lo, herz­lich will­kom­men! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne, wenn ich kei­ne De­le­ga­tio­nen oder auch Kund­schaft in­di­vi­du­ell be­glei­te. Heu­te eine Kurz­no­tiz zum All­tag in Eu­ro­pa.

Par­kin­son ist fast eine Volks­krank­heit un­ter al­ten Men­schen, be­son­ders auf dem Land. Der Nach­satz war ein Hin­weis für die For­schung, die ein­deu­tig be­le­gen kann, dass so­ge­nann­ten Pflan­zen­schutz­mit­tel die Ge­sund­heit von Men­schen in der Land­wirt­schaft und An­rai­nern be­drohen. Das ist jetzt vor­sich­tig for­mu­liert. Ich bin Dol­met­sche­rin.

In Fran­kreich ist Par­kin­son schon seit 2012 als Be­rufs­krank­heit an­er­kannt. 

Sa­lat in ei­nem Sieb
Wild­kräu­ter­sa­lat (Bio­wa­re)
In Deutsch­land schei­tert das bis­lang, da die Fol­ge­kos­ten für die Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten sehr hoch wä­ren. Die Be­trof­fe­nen sind al­lein­ge­las­sen. Auch das führt zu De­mo­kra­tie­fer­ne, wie ich bei vie­len Ein­sät­zen fest­stel­len muss­te.

Im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment wur­den ges­tern ei­ni­ge Ent­schei­dun­gen ge­fällt, wo­bei es die Brand­mau­er zur ex­tre­men Rech­ten nicht mehr zu ge­ben scheint.

Rechts und ex­trem Rechts haben ge­mein­sam für die Rück­kehr der GVO ge­stimmt, das sind gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men (GVO), auch gen­tech­nisch mo­di­fi­zier­te Or­ga­nis­men und auf EN ge­ne­ti­cal­ly mo­di­fied or­ga­nism (GMO) ge­nannt. Mehr da­zu bei der Bun­des­zen­tra­le für Po­li­ti­sche Bil­dung: Link zur bpb.de: GVO.

Mir be­rei­tet das Bauch­schmer­zen. Wir Kon­su­ment:in­nen sol­len künf­tig nicht er­fah­ren, ob un­ser Ge­trei­de, Obst oder Ge­mü­se GVO ent­hält. Ei­ne Aus­zeich­nungs­pflicht auf den Eti­ket­ten ist aus­drück­lich nicht er­wünscht. Fun fact: Um­fra­gen zu­fol­ge wünscht die Be­völ­ke­rung in et­li­chen Eu­ro­pä­ischen Län­dern ge­nau ei­ne sol­che Kenn­zeich­nung (bzw. we­ni­ger Ge­fahr­stof­fe im All­tag).

Es gab und gibt ei­ni­ge „Ge­sund­heits­flops“ in Zu­sam­men­hang mit Mas­sen­pro­duk­ti­on: As­best, et­li­che „Pflan­zen­schutz­mit­tel“, sie­he oben, die Mi­kro­plas­tik­seu­che. Wo bleibt das sonst in Eu­ro­pa üb­li­che Vor­sor­ge­prin­zip? 

Es war auch lan­ge vom mün­di­gen Ver­brau­cher, von der mün­di­gen Ver­brau­che­rin die Re­de. Im­mer stär­ker wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf Wahl­frei­heit ge­setzt. Nun al­so die Rol­le rück­wärts.

Wenn wir nicht mehr wis­sen, ob un­ser Es­sen GVO ent­hält, be­deu­tet das für mich: Ich zah­le mit mei­nen Steu­ern ei­ne zer­stö­re­ri­sche Land­wirt­schaft mit und in­di­rekt auch aus­wärts bei der Ar­beit an­ge­bo­te­nes Es­sen, auf das ich ver­zich­ten soll­te, denn auch oh­ne die Sor­gen um schlum­mern­de neue Ge­fah­ren ha­be ich schon jetzt vie­le Al­ler­gien, viel­leicht eben auch, weil ich als Ju­gend­li­che ne­ben Äckern auf­ge­wach­sen bin.

Das be­deu­tet auch, dass wir we­ni­ger ins Res­tau­rant ge­hen wer­den. Durch die Al­ler­gien kam ich üb­ri­gens zu ei­nem mei­ner Fach­ge­bie­te: Land­wirt­schaft, be­son­ders Öko-Land­bau, Bo­den­re­ge­ne­ra­ti­on, Hu­mus­auf­bau, Bio­di­ver­si­tät.

Auch in der Po­li­tik brau­chen wir ein Vor­sor­ge­prin­zip. Mich treibt um, dass das Wis­sen um die Ge­schich­te des 20. Jahr­hun­derts, die Macht­er­grei­fung der Na­zis, so we­nig ver­brei­tet scheint.


Vo­ka­bel­no­tiz

die Brand­mau­er — le cor­don sa­ni­tai­re

______________________________
Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 17. Juni 2026

Mal wieder: Titel!

Hallo und guten Tag! Hier schreibt eine Kon­fe­renz­dol­metscher­in mit Fran­zö­sisch als Haupt­ar­beits­spra­che. Ich dol­met­sche in beide Rich­tun­gen oder, sel­te­ner, aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche. Deutsch ist meine Mut­ter­spra­che und bei Text­ar­beit die häu­figs­te Ziel­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Dieses Posting ist Vorschau und Rückblick in einem. Der KI-Mittwoch ist heute nur ein Einwurf von der Seitenlinie.

Der Vor­teil von Lang­le­big­keit und viel­fäl­ti­ger be­ruf­li­cher Ex­per­ti­se: Ge­ra­de ist meine Un­ter­ti­tel­kom­pe­tenz, theo­re­tisch wie prak­tisch, mal wie­der ge­fragt. 

Das liegt dar­an, dass die Ti­tel, die über­all zu le­sen sind, von Net­flix über Ber­li­na­le, von Film­hoch­schu­le bis zu den Öf­fis, nicht sel­ten ... naja, weit un­ter ih­ren Mög­lich­kei­ten lie­gen. (Jahr­zehn­te in Po­li­tik und Di­plo­ma­tie fär­ben ab!)

„Film und Spra­che“ ist ein The­ma, das die letz­ten Jahr­zehn­te all­ge­mein ver­nach­läs­sigt wur­de. Und in den letz­ten Jah­ren hat dann auch noch die KI vie­le Men­schen aus dem Be­ruf ge­trie­ben.

selbstverständlich ->gewiss, immer wieder -> oft etc.
Untertitel brauchen kurze Wörter

Man­che von uns schät­zen den Weg­gang von Kol­leg:in­nen aus der Sprach­bran­che auf 40 Pro­zent. Ich ken­ne kei­nen Be­rufs­stand, der ähn­lich schnell aus­ge­blu­tet wä­re.

Da geht ak­tu­ell viel Wis­sen ver­lo­ren, das in Sa­chen Film über die Jahr­zehn­te auf­grund stän­di­ger Kür­zungs­run­den (oder dem Nicht­er­hö­hen von Bud­gets in In­fla­ti­ons­zei­ten) oh­ne­hin im­mer sel­te­ner nach­ge­fragt wur­de, zu­gleich aber nicht zum fes­ten Be­stand­teil des Wis­sens oder der Grund­la­gen­ver­mitt­lung in der Aus­bil­dung ge­wor­den war.

Noch die­ses Jahr wer­de ich mei­nen Blog auf eine ei­ge­ne Web­sei­te um­zie­hen. Und ich wer­de über die Sprach­ar­beit ein Buch schrei­ben. „Film und Spra­che“ wird zen­tral sein.

______________________________ 
Grafik:
C.E. (Archiv)

Dienstag, 16. Juni 2026

Kitchen trouble

Als Kon­fe­renz­dol­metscher­in ist Fran­zö­sisch meine Haupt­ar­beits­spra­che, ich dol­met­sche in beide Rich­tun­gen (oder, sel­te­ner, aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche). Deutsch ist meine Mut­ter­spra­che und daher bei Text­ar­beit die häu­figs­te Ziel­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Heute der gestern angedeutete kleine Rückblick.

Himmel, Blume, Gegenlicht
Dra­ma­ti­scher Him­mel und in­te­res­san­te For­men
Ei­ne Blu­me, die ma­xi­mal ge­öff­net ist, da­hin­ter ein Him­mel mit Wol­ken, Abend­licht, den Wind dürf­ten wir uns da­zu den­ken, ha­be ich Sonn­tag­abend fo­to­gra­fiert. Eine Blu­me, de­ren Blät­ter wie Vo­gel­flü­gel aus­se­hen ge­gen den Him­mel, hell, zart wie Fe­dern, mit schö­nen For­men. 
Die Zeit steht still.

Ich bin aus­wärts zu Be­such, wir fei­ern. 

Das Ge­burts­tags­kind hat ei­ni­ges auf dem Her­zen. Mei­ne Hin­ga­be an den Ver­such, ei­ne Tor­te zu bac­ken, hat­te sei­ne Grün­de. Ich hö­re zu. Das war letz­tes Wo­chen­en­de, an dem es Pleiten in Se­rie gab. Am Abend ha­ben wir ge­mein­sam da­rü­ber la­chen kön­nen.

Am Sonn­tag­nach­mit­tag konn­te ich mit mei­ner Eng­lisch­leh­re­rin Ma­ry noch den Text ver­bes­sern. Sur­prise, sur­prise: Der Sonn­tags­text ge­riet mir auf Engl­isch viel lus­ti­ger.

En­joy!

Se­vere kitch­en troub­le: I’m a con­fe­rence in­ter­pre­ter. I work bet­ween Ger­man, French and Eng­lish. Which means I spend a fair amount of time ex­plai­ning that a French tar­te is not a Ger­man Tor­te.

This dis­tinc­tion be­ca­me pain­ful­ly re­le­vant when a friend re­ques­ted a straw­ber­ry birth­day Tor­te. (The Ger­man word Erd­beer­tor­te sounds like whip­ped cream, pork ge­la­tin, and lots of su­gar. Yuck — beurk — igitt.)

The Mis­sion was sup­po­sed to be com­ple­ted by Sun­day eve­ning. First, the straw­ber­ries star­ted to go bad on Sa­tur­day — wit­hin a day. I went out and bought more of the de­li­ca­te or­ga­nic fruit. Then my gas oven de­ci­ded to give up the ghost right in the midd­le of ba­king the spon­ge cake base. What came out wasn’t a cake base, but a warm re­min­der that gra­vi­ty ex­ists.

Emer­gen­cy mea­su­res fol­lo­wed. The in­ter­net sug­ges­ted a no-ba­ke so­lu­tion. I crus­hed coo­kies, I crus­hed zwie­back, and what litt­le self-con­fi­dence I had left crum­bled away on its own. The re­sul­ting base had the struc­tu­ral in­te­gri­ty of a diplo­ma­tic coa­li­tion bet­ween a dic­ta­tor and a com­mit­ted de­mo­crat.

At this point, I stop­ped ma­king a Tor­te and star­ted ma­na­ging a cri­sis.

Agar-agar was de­ploy­ed. Cheese­ca­ke cream was mo­bi­li­zed. Mas­car­po­ne re­fu­sed to co­ope­ra­te. Ex­pen­si­ve pink straw­ber­ry pow­der was cal­led in as a cos­me­tic con­sul­tant. The straw­ber­ries them­sel­ves de­li­ve­red a per­for­man­ce best de­scri­bed as ade­qua­te, which is not what you want from a straw­ber­ry.

Even­tual­ly I em­bra­ced the si­tua­tion. What had been in­ten­ded as the bot­tom be­ca­me the top. At this point I si­lent­ly than­ked the Ta­tin sis­ters. That was help­ful.

What emer­ged was a dis­tinct­ly pan-Eu­ro­pean com­pro­mi­se. The lay­ers were re­in­ter­pre­ted. The French con­cept of a piè­ce mon­tée, so­me­thing that is as­sem­bled ra­ther than ba­ked, sud­den­ly see­med very help­ful to me.

Ba­sil, al­monds, and op­ti­mism will com­ple­te the pro­ject this eve­ning.

Will I bring a straw­ber­ry cake? May­be. It cer­tain­ly won’t be any­thing you’d call a Tor­te. As in my pro­fes­sio­nal life, I found my­self ad­jus­ting the ter­mi­no­lo­gy. It might just be a straw­ber­ry crum­ble in its fi­nest eve­ning at­ti­re.

Plea­se keep your fin­gers cros­sed that the fi­nal re­sult is ac­tual­ly edi­ble. It still needs a brief stay in the free­zer to pull it­self to­ge­ther. As for me, I spent se­ve­ral hours of a week­end meant for re­la­xa­tion, cul­tu­re, and other se­lect ac­ti­vi­ties, grap­pling with fruit, dai­ry pro­ducts, and ther­mo­dy­na­mics.

Would I ever at­tempt ano­ther Erd­beer­tor­te? On­ly on one con­di­tion: That it’s en­ti­re­ly my own idea.

#1nt #xl8 #di­plo 

______________________________
Foto: C.E.

Montag, 15. Juni 2026

Montagsschreibtisch (144)

Bon­jour & hel­lo! Sie le­sen in einem di­gi­ta­les Tage­buch aus der Spra­chen­welt. Ich über­setze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Die Früh­jahrs­sai­son war so ver­ha­gelt wie zu Co­ro­na­zei­ten.

Schreibtisch, Zeitungen, Stifte, Lampe
Le­se­schreib­tisch (Pres­se­schau)
Das liegt an der KI, die zwar nicht gut dol­met­schen kann, aber von nur am Um­satz in­te­res­sier­ten Tech­nik­nerds als sol­che ver­kauft wird.

Schon wie­der Mon­tag! Was liegt vor?
⊗ Kor­rek­tur­lesen (Web­sei­te)
⊗ Kon­gress­zu­sam­men­fas­sung
⊗ Krieg und Frie­den (Frei­tag)
⊗ Ehe­schlie­ßung (für Freunde)
and, last but not least:
⊗ Schlacht­feld der ges­tri­gen Ver­hand­lun­gen auf­räu­men (Ach­tung, Iro­nie, spä­ter mehr dazu)

______________________________
Gra­fik: Pixlr.com (Fund­sa­che)

Sonntag, 14. Juni 2026

Haushalten (1)

Bon­jour ! Hier kön­nen Sie Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin be­kom­men. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch ar­bei­te ich über­wie­gend ins Fran­zö­si­sche und aus dem Eng­li­schen. Sonn­tags wer­de ich pri­vat. Heu­te: Ei­ne in­ter­kul­tu­rel­le Ver­schie­bung in der Kü­che.

Ich ko­che sehr gern. Ich ba­cke gern, vor al­lem Rühr­ku­chen. Aber zu Tor­ten habe ich kei­ne Mei­nung. Ich ha­be noch nie eine Tor­te ge­macht, da­für tau­sen­de von leich­ten tartes, meis­tens sal­zig. Das deu­tsche Wort „Erd­beer­tor­te“ klingt nach viel Zu­cker, nach Sah­ne und nach Schwei­ne­ge­la­ti­ne. Das mag ich al­les nicht.

Erdbeerkram (in the ma­king)
Und so hab' ich ein Pro­blem, denn eine sol­che hat sich eine Freun­din gar in­nig­lich zum Ge­burts­tag ge­wünscht. Ich hat­te gleich ein mul­mi­ges Ge­fühl. Es ist Som­mer, Erdbeeren zählen zu empfindlichem Obst, das rasch verdirbt.

War­um kann die Gute nicht an ei­nem Sams­tag Ge­burts­tag haben, dann hät­te ich das Obst am glei­chen Tag ver­ar­bei­ten kön­nen?

So brin­ge ich am Sams­tag­mor­gen vom Wo­chen­end­ein­kauf Erd­bee­ren mit, um am Sams­tag­nach­mit­tag fest­zu­stel­len: Die se­hen zu mit­ge­nom­men aus. Es gibt Erd­bee­ren zum Abend­es­sen. An­schlie­ßend ge­he ich nach­kau­fen. Dan­ke, Er­mög­li­cher:in­nen lan­ger Öff­nungs­zei­ten!

Am Sonn­tag­mor­gen be­rei­te ich den Tor­ten­bo­den vor. Er kommt in den Ofen. Als die Back­zeit vor­bei ist, neh­me ich flüs­si­gen Teig in der Form aus dem Ofen­fach. Mist. Der Gas­herd ist aus­ge­gan­gen. Ich ver­su­ch's noch­mal. Geht wie­der aus. Seit Pu­tins Über­fall auf die Ukrai­ne habe ich nichts mehr ge­ba­cken. Wir sparen Gas. Ist eine Dü­se ver­stopft? Hat das Er­satz­gas an­de­re Brenn­wer­te? Frisch ge­rei­nigt war der Ofen, also vor x Jahren, jetzt noch­mal durch­ge­wischt. Oder muss ich da et­was um­stel­len?

Im Netz fin­de ich Re­zep­te für Tor­ten­bö­den oh­ne Ba­cken. Heute, am Sonn­tag, kann ich nichts nach­kau­fen. Ich mi­sche re­zept­ge­treu But­ter mit ge­krü­mel­tem Keks und Zwie­back (was ge­ra­de noch im Haus ist). Das Er­geb­nis ist ein Bo­den aus Crumb­le, der beim schar­fen Hin­se­hen su­bi­to sei­ne Bin­dung ver­liert. OK, dann stre­cke ich den Saft für den „Tor­ten­guss“ mit Agar-Agar eben mit et­was Mar­me­la­de, pla­ne das als ers­te Schicht für die Pud­ding­scha­le ein, dann folgt die Kä­se­ku­chen­mi­schung oh­ne Ei, im Netz fin­de ich un­ter “Erd­beer­ku­chen oh­ne Ba­cken“ Hin­wei­se da­zu. 

Und ich habe Glück. Eine Tü­te zur Her­stel­lung von „Cheese­cake-Cre­me“ fin­det sich in der Vor­rats­kam­mer an. Al­ler­dings las­sen sich Mas­car­po­ne und Frisch­kä­se mit der Zu­be­rei­tung nicht so rich­tig luf­tig auf­schla­gen, auch wenn die Be­schrei­bung das ver­spricht. Noch­mal Glück: Zur Ab­si­che­rung hat­te ich ein Tüt­chen hunds­teu­rer, ro­sa­far­be­ner „Erd­beer­sü­ße“ mit­ge­kauft. Da­mit be­kommt das Gan­ze we­nigs­tens ei­nen hüb­sche Teint. Ob es dem Ge­schmack auch auf­hilft, wird sich er­wei­sen.

Nö­tig wär's. Denn die Erd­bee­ren sind, an­ders als die vom Abend­es­sen, nur so la­la. Das weiß ich, weil ich zwangs­pro­bie­re: „Die Gu­ten ins Töpf­chen, die Schlech­ten ins Kröpf­chen.“ Som­mer halt, rasch ver­derb­li­ches Obst.

Was als Bo­den ge­dacht war, wir zu Sträu­seln er­klärt. Dann baue ich die Eta­gen zu­sam­men. (Mei­ne Wort­wahl ist vom Fran­zö­si­schen be­ein­flusst, ei­ne Tor­te ist eine pièce mon­tée, eine auf­ge­bau­te, auf­ge­türm­te Sa­che.) Der Sträu­sel­bo­den ist jetzt oben. Ei­ne Ge­denk­mi­nu­te gilt der Tarte Tatin, die im Mo­ment ei­nes Miss­ge­schicks ent­wic­kelt wor­den sein soll. Ich hof­fe.

Was fehlt noch? Ba­si­li­kum­blät­ter erst im letz­ten Mo­ment drauf, dazu ge­rös­te­te Man­del­split­ter. Und als Pu­der­zu­cker­er­satz noch et­was von der ro­sa­far­be­nen „Erd­beer­sü­ße“. Am En­de das Gan­ze kurz ins Eis­fach in der Hoff­nung, dass sich die Tei­le am En­de gut von den Ge­fä­ßen lö­sen las­sen.

Auf je­den Fall tau­f' ich's um: Straw­ber­ry crumb­le klingt auch gut, oder?

Mich hat der Tor­ten­back­ver­such et­li­che Stun­den und noch mehr Ner­ven ge­kos­tet, und das an ei­nem Sonn­tag, der ei­gent­lich der Er­ho­lung und der Kul­tur gilt. Eine Erd­beer­tor­te will ich nie wie­der ba­cken müs­sen. Es sei denn, weil es mein ei­ge­ner Wunsch ist.

______________________________
Fo­to:
C.E.

Samstag, 13. Juni 2026

Nachruf (1)

Hal­lo! Sie sind in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch ge­lan­det. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für Fran­zö­si­sch auf Kon­fe­ren­zen und bei Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch dol­met­sche ich auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Am Wo­chen­en­de wer­de ich pri­vat.

Diese Woche ist Da­vid Hock­ney ge­stor­ben. Ich habe es ge­liebt, wie er mit Far­ben, Tex­tur und Bild­aus­schnitt auf seine Weise die Mo­tive der Mo­derne va­ri­iert hat, zu­gleich in gro­ßer Far­big­keit mit der Flä­chen­ma­le­rei ge­flir­tet und das Ganze oft ge­nug noch mit Hu­mor gar­niert hat.

Man­ches sei­ner Gar­ten­bil­der lässt mich an Hen­ri Ma­tisse den­ken, nur oft zu­sätz­lich mit Swim­ming pool, und/oder mit Jüng­ling. In sei­nen Land­schaf­ten griff er die Mus­ter der vom Acker­bau zer­schnit­te­nen Flur­stü­cke auf und re­du­zierte sie auch schon mal ra­di­kal auf ein­di­men­sio­nale Ober­flä­chen, zi­tierte ir­gend­wie zu­gleich auch die Patch­work­de­cken äl­te­rer bri­ti­scher La­dies. Stra­ßen win­den sich bei ihm wi­der­spe­n­stig durch die Bil­der, als wä­ren sie Schlan­gen in Lila oder Tür­kis, Still­le­ben zer­fal­len in Me­mo­ry­mo­tive. Wer hier nicht min­des­tens lä­chelt, nimmt Kul­tur zu ernst.

Der ge­bür­tige Brite hat lange in Ka­li­for­nien ge­lebt. Ich finde, das ist zu sehen. Far­ben do­mi­nie­ren, man­ches Fi­gür­li­che ist zu­gleich flä­chen­hafte Abs­trak­tion (oben schon in ein­fa­che­ren Wor­ten ge­sagt): Wir schauen hin und her und sehen wie in einem Ve­xier­bild bei­des gleich­zei­tig. 

Hock­ney in Süd­frank­reich

Das macht ihn so mo­dern und zu­gleich auch für uns Zu­se­hende so spie­le­risch.
Was auch gro­ßen Spaß ge­macht hat, ist, dass er sich so frisch neuen The­men und Ar­beits­mit­teln zu­ge­wandt hat. Am En­de seines Le­bens hat er sich fürs Ma­len auf dem iPad be­geis­tert. Eng­land, Eu­ropa, die ganze Welt, aber ir­gend­wie auch das bis in un­sere Tage immer wie­der so be­drü­ckend durch­schil­lernde 20. Jahr­hun­dert hat einen Gro­ßen ver­lo­ren.

______________________________ 
Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Freitag, 12. Juni 2026

Urteil gegen die „KI“

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se der­zeit von der KI er­schwer­te Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. 

Als Ende 2023 ChatGPT auf den Markt kam, war die dis­rup­ti­ve Macht der so­ge­nann­ten „Künst­li­chen In­tel­li­genz“ (KI) nur zu ah­nen. Ab 2024 ging es schnell: Mo­nat für Mo­nat san­ken die Um­sät­ze. Wir Sprach­pro­fis warn­ten: Die Tech­nik heißt KI, weil the in­tel­li­gence auf Eng­lisch auch die Da­ten­ver­ar­bei­tung be­deu­tet. Sie heißt also nicht so, wie sie heißt, weil sie be­son­ders in­tel­li­gent wäre.

Dolmetscherin in der Kabine, davor steht der KI-Roboter und schaut bedröppelt drein
Die KI kann nicht rich­tig dol­met­schen!
Dut­zen­de von Bei­trä­gen

Seit­dem ha­ben mei­ne Kol­leg:in­nen und ich re­gel­mä­ßig die Kom­ple­xi­tät von Spra­che in Text­form ana­ly­siert, aber auch von ge­spro­che­ner Spra­che, ih­re Viel­schich­tig­keit, aber auch die Ein­falls­to­re für Feh­ler ein­fach auf­grund ganz nor­ma­ler Kon­fe­renz­si­tua­tio­nen be­schrie­ben und hier ver­öf­fent­licht.

Ja, im La­bor kann die „KI“ als „Dol­met­sche­rin“ bei trai­nier­ten Tex­ten in der Art mit­hal­ten, dass wir ei­nen gro­ben Über­blick be­kom­men, wenn wir feh­ler­to­le­rant sind, wenn wir nichts auf Sprach­ni­veaus und Kon­sis­tenz ge­ben, also die Bei­be­hal­tung des ein­mal ge­wähl­ten Sprach­ni­veaus, wenn uns De­tails oder die be­rühm­ten „Hal­lu­zi­na­tio­nen“ egal sind und es we­der Nusch­ler, Ak­zen­te, noch Rück­fra­gen gibt. Da war ste­cken­wei­se das Er­geb­nis ir­gend­was wie ein Rou­let­te­spiel.

Markt­an­teil trotz No­te „man­gel­haft“

So­weit, so gut. Wir ha­ben die Funk­ti­on aus­pro­biert. Die Test­ergeb­nis­se wa­ren ein­deu­tig: Die „KI“ wür­de bei der Dol­metsch­aus­bil­dung schon am Ein­gangs­test schei­tern.

Trotz­dem ha­ben wir wei­ter Geld ver­lo­ren. „Gut ge­nug“ schien für vie­le in der Kri­se aus­zu­rei­chen. Auch ich ha­be hier im­mer deut­li­cher vor teu­ren Fol­ge­kos­ten durch Aussetzer ge­warnt, durch Aus­las­sun­gen, Ni­vel­lie­run­gen, Ver­zer­run­gen oder ech­te Feh­ler, und vor den dro­hen­den re­sul­tie­ren­den Pa­tent­ver­lus­ten oder an­de­ren ju­ris­ti­schen Fol­gen. 

Autsch, Goog­le!

Und jetzt er­lebt die Church of AI ihr ers­tes ju­ris­ti­sches Erd­be­ben. Das Land­ge­richt Mün­chen I hat eine einstweilige Verfügung unterlassen, die der Tech-Bran­che die Schweiß­per­len auf die Stirn treibt (LG Mün­chen I, Az. 25 O  869/26). Goog­le wur­de ver­knackt, weil sei­ne KI-Such­über­sich­ten mun­ter Un­wahr­hei­ten und ge­schäfts­schä­di­gen­den Un­fug hal­lu­zi­niert ha­ben. (Hier zu Com­pu­ter­base.de: KI-Hal­lu­zi­na­tio­nen | Goo­gle haf­tet, wenn der AI Over­view Fal­sches be­haup­tet.)

Goog­le haf­tet jetzt un­mit­tel­bar für die Un­zu­läng­lich­kei­ten seiner KI-Aus­wür­fe. Was an­ge­zeigt wur­de, hat das Ge­richt als ei­gen­stän­di­gen Bei­trag ge­wer­tet, und Goog­le ist des­sen Ur­he­ber.

Wer Rou­let­te spielt, zahlt.

Wenn Nut­zer:in­nen oh­ne­hin je­den KI-Aus­druck ei­gen­stän­dig prü­fen müs­sen, also auch die An­bie­ter:in­nen von „KI“-“Dol­met­schen“, weil die Er­geb­nis­se nicht be­last­bar sind, schrumpft der Nut­zen der gan­zen Funk­ti­on ge­gen Null. Dann kön­nen auch gleich wir ein­ge­setzt wer­den, die ech­ten Pro­fis.

Der Ge­richts­ent­scheid ist ein ju­ris­ti­scher To­tal­scha­den und DIE Ant­wort auf das „Good enough“-Ar­gu­ment!

Die Haf­tungs­fra­ge

Mei­ne Ant­wort aus der Ka­bi­nen-Welt lau­tet also: Wer li­ve hal­lu­zi­nie­ren­de Ma­schi­nen auf Kon­fe­ren­zen oder bei Ver­hand­lun­gen ein­setzt, kann nicht mehr be­haup­ten, dass er nichts vom Haf­tungs­pro­blem weiß.

„Eltern haf­ten für ih­re Kin­der“, steht an je­der Bau­stel­le.

Wie geht es wei­ter?

Das ers­te Luft­bläs­chen ist ge­platzt! Es wird noch ei­ne Durst­stre­cke, bis das in al­len Chef­eta­gen an­kommt. Aber das ist der An­fang vom En­de des blin­den Tech-Glau­bens.

Ich ge­he mir jetzt erst ein­mal ei­nen Kaf­fee ho­len. Es le­be das mensch­li­che Mund­werk! 

______________________________ 
Gra­fik: ChatGPT (auf mei­ne An­fra­ge, geb'
ich zu, nut­ze ich nur als Aus­nah­me!) 

Donnerstag, 11. Juni 2026

DEnglish (26)

Un­ter­ti­tel: KI-Murks (8)

Im 20. Jahr füh­re ich hier mein vir­tu­el­les Ta­ge­buch aus der Dol­metsch­welt. Meis­tens Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch und Deutsch, über­set­ze ich auch Texte ins Deut­sche (auch aus dem Eng­li­schen). Zwi­schen si­mul­ta­nen (in der Ka­bi­ne) und kon­se­ku­ti­ven Ein­sät­zen (oft auf der Büh­ne) den­ke ich hier auch über Spra­che nach. 

Als wir im Café in Neu­kölln die Be­stel­lung auf­ge­ben möch­ten, fragt die männ­li­che Be­die­nung auf Eng­lisch nach, was ge­wünscht sei. Er spricht kein Deutsch. Das stört mich nicht. Är­ger­lich fin­de ich die Nach­läs­sig­keit im Um­gang mit der Spra­che bei lang­jäh­rig in Deutsch­land Le­ben­den, was sprach­li­che und kul­tu­rel­le Ein­flüs­se an­geht.

„Erst wenn er sich committed, kann ich all in gehen!“, ver­traut die Frau am Nach­bar­tisch einer Freun­din an. Sie sieht mit ihren blon­den, um den Kopf fest­ge­ta­cker­ten Zöp­fen so aus, als wäre sie di­rekt einem Ge­schichts­buch ent­sprun­gen, 1933 fol­gen­de. Auch den Blau­zis könn­te sie als Covergirl ge­fal­len. Ich bin weit ent­fernt von völ­ki­schen Ge­dan­ken. Aber das Misch­masch, das immer öf­ter zu hö­ren ist, tut mei­nen Oh­ren weh.

The mish­mash fun­giert, an­ders­her­um, üb­ri­gens als deut­sches Lehn­wort im Eng­li­schen. Ok, mo­de­ra­te Ein­fluss­nah­men sind gut, die mehr sind als the zeitgeist, aber meis­tens sind sie ein mismatch oder „ein Mis(s)­match“. Die Da­men vom Tisch rechts ge­hen. Män­ner kom­men. Sprach­lich wird es nicht bes­ser.

Ein Kol­le­ge aus dem Netz­werk hat 2019 das Kau­der­welsch mit­ge­schrie­ben, es ging ums Brie­fing vor ei­nerIn­for­mal mis­sion:

Das ist nicht mit bö­ser in­ten­tion, es geht eher da­rum, die pro­fes­sio­nal in­te­gr­ity des Mi­nis­ters zu schüt­zen. Er reist ohne of­fi­ziel­les Man­dat, das ist so ein kind of test. Das wer­den wir dann mit ei­ni­gen Part­nern so mo­der­ie­ren on the place. Der an­de­re Rei­se­zeit­raum ging nicht, weil das Ho­tel so tre­men­dous ex­pen­si­ve war, das krie­ge ich nicht ge­co­vert. Auch für Sie brauch ich ap­prou­val aus Wa­shing­ton. (Te­le­fo­nat mit ei­ner deut­schen Kun­din)

In der Wer­bung fal­len immer mehr Ex­zes­se auf. Das liegt auch dar­an, weil die KI eben kei­nen kul­tu­rel­len Hin­ter­grund kennt und weder Feh­ler noch Zwei­fel be­nennt. Und weil an Men­schen ge­spart wird, die auf­pas­sen. Schön, dass wir jetzt nicht an Hohn und Spott spa­ren müs­sen!

Also ich rei­se lie­ber mit Le­ben­den ...
Die Er­geb­nis­se wer­den immer ab­sur­der. Ich habe eine Kol­le­gin, die ihre „Tote“ gerne an den See mit­nimmt. OK, sie ist Eng­lisch-Dol­met­sche­rin und sie nu­schelt uns der­lei müde zu, ist also kei­ne öf­fent­lich ge­führ­te Rede.

Tote bag
, kurz: the tote, ist auf Fran­zö­sisch le (sac) baisenville, über den ich hier auch schon ge­schrie­ben habe.
Schon schick, so eine Schul­ter­ta­sche für den Kurz­aus­flug.

Es kann auch ein Wo­chen­end­aus­flug sein oder was die Men­schen sonst noch so zum Spaß trei­ben.

Beim Es­sen gibt es die­se Re­gel: „Er­näh­re Dich ge­sund, ver­zeh­re nichts, was die Oma nicht kann­te, füge Avo­ca­dos, Chia­sa­men und eine exo­ti­sche Frucht dei­ner Wahl hin­zu.“ (In­zwi­schen muss es wohl Uro­ma hei­ßen.) Und beim Spre­chen? Nein, kein Ge­sichts­er­ker (Na­se), Schrift­lei­ter (Chef­re­dak­teur) und auch kei­ne Kul­tur­schaf­fen­den (ja, wirk­lich Na­zi­spra­che) soll­ten wir ver­wen­den. Aber die­ses Fremd­sprech ist ge­nau­so un­schön wie das gras­sie­ren­de Brain rot durch die KI. Kurz­in­fo zum letz­ten Fach­be­griff: Die Leute ver­ler­nen das Den­ken. Dazu mor­gen mehr.

______________________________
Gra­fik:
Mat­thi­as und Netz­fund