Posts mit dem Label Sprache im Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sprache im Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 17. Juni 2026

Mal wieder: Titel!

Hallo und guten Tag! Hier schreibt eine Kon­fe­renz­dol­metscher­in mit Fran­zö­sisch als Haupt­ar­beits­spra­che. Ich dol­met­sche in beide Rich­tun­gen oder, sel­te­ner, aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche. Deutsch ist meine Mut­ter­spra­che und bei Text­ar­beit die häu­figs­te Ziel­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Dieses Posting ist Vorschau und Rückblick in einem. Der KI-Mittwoch ist heute nur ein Einwurf von der Seitenlinie.

Der Vor­teil von Lang­le­big­keit und viel­fäl­ti­ger be­ruf­li­cher Ex­per­ti­se: Ge­ra­de ist meine Un­ter­ti­tel­kom­pe­tenz, theo­re­tisch wie prak­tisch, mal wie­der ge­fragt. 

Das liegt dar­an, dass die Ti­tel, die über­all zu le­sen sind, von Net­flix über Ber­li­na­le, von Film­hoch­schu­le bis zu den Öf­fis, nicht sel­ten ... naja, weit un­ter ih­ren Mög­lich­kei­ten lie­gen. (Jahr­zehn­te in Po­li­tik und Di­plo­ma­tie fär­ben ab!)

„Film und Spra­che“ ist ein The­ma, das die letz­ten Jahr­zehn­te all­ge­mein ver­nach­läs­sigt wur­de. Und in den letz­ten Jah­ren hat dann auch noch die KI vie­le Men­schen aus dem Be­ruf ge­trie­ben.

selbstverständlich ->gewiss, immer wieder -> oft etc.
Untertitel brauchen kurze Wörter

Man­che von uns schät­zen den Weg­gang von Kol­leg:in­nen aus der Sprach­bran­che auf 40 Pro­zent. Ich ken­ne kei­nen Be­rufs­stand, der ähn­lich schnell aus­ge­blu­tet wä­re.

Da geht ak­tu­ell viel Wis­sen ver­lo­ren, das in Sa­chen Film über die Jahr­zehn­te auf­grund stän­di­ger Kür­zungs­run­den (oder dem Nicht­er­hö­hen von Bud­gets in In­fla­ti­ons­zei­ten) oh­ne­hin im­mer sel­te­ner nach­ge­fragt wur­de, zu­gleich aber nicht zum fes­ten Be­stand­teil des Wis­sens oder der Grund­la­gen­ver­mitt­lung in der Aus­bil­dung ge­wor­den war.

Noch die­ses Jahr wer­de ich mei­nen Blog auf eine ei­ge­ne Web­sei­te um­zie­hen. Und ich wer­de über die Sprach­ar­beit ein Buch schrei­ben. „Film und Spra­che“ wird zen­tral sein.

______________________________ 
Grafik:
C.E. (Archiv)

Mittwoch, 21. Februar 2024

Welttag der Muttersprache

Will­kom­men auf den Sei­ten des ers­ten Blogs Deutsch­lands aus der Dol­metsch­ka­bi­ne, seit 2020 pan­de­mie­be­dingt häu­fig auch 'out­side the box' (*), der Blick von au­ßer­halb der Dol­met­sch­ka­bine auf das Le­ben: Vom ei­ge­nen On­line-Dol­metsch­stu­dio aus, aus der Über­set­zer­werk­statt, über den sprach­be­ton­ten All­tag in schwie­ri­gen Zei­ten und über lan­des­ty­pi­sche The­men.

Heute ist der Tag der Mut­ter­spra­che. Wäh­rend mich von den Spiel­or­ten und Treff­punk­ten der Ber­li­na­le Krank­mel­dun­gen erei­len, die In­fluen­za gras­siert, sit­ze ich kurz­fris­tig und in Kran­ken­ver­tre­tung am Pro­jekt­ma­nage­ment für eine Doku­men­tar­film­end­fer­ti­gung.

Dateien hochladen und intelligenter arbeiten mit AI  Erstellen Sie eine Wissensdatenbank und füllen Sie sie mit Ihren Dokumenten. Sie ist buchstäblich Ihr zweites Gehirn. Komponieren sie  Los geht's Kollaborieren mit KI, die Ihre Stimme spricht, kennt Sie und Ihr unternehmen, gefüllt mit den neuesten Trends im Web.
Manch­mal bet­telt die KI um Da­ten

In den Un­ter­la­gen dazu liegt auch eine Über­set­zung aus dem Fran­zö­si­schen. In der deut­schen Fas­sung se­he ich auf den ers­ten Blick Un­stim­mig­kei­ten. Ich las­se mir den Aus­gangs­text zu­schi­cken und sehe, die Erst­über­tra­gung hat die KI ge­macht, und dann war ein Mensch damit be­auf­tragt ge­we­sen, das Er­geb­nis zu ver­bes­sern. Das End­pro­dukt war, wie ich der Kor­re­spon­denz ent­nehme, auch noch sehr teu­er ge­we­sen.
Hin­ter­grund des Mal­heurs: In der Pro­duk­ti­ons­fir­ma kannte nie­mand den Un­ter­schied zwi­schen einer vor allem im In­ter­net prä­sen­ten Agen­tur und Frei­be­ruf­ler:in­nen.

Text ver­sus Tex­ti­les

Im Ver­gleich mit dem Klei­der­han­del wäre das Erste die Dis­coun­ter­ket­te mit der Weg­werf­mo­de, die Ware wird in Kar­tons in In­dus­trie­re­ga­le ge­sta­pelt, hält nicht lange, wurde mög­li­cher­wei­se au­ßer­halb Eu­ro­pas mit gif­ti­gen Che­mi­ka­li­en ge­färbt; und das Zweite, Frei­be­ruf­ler:in­nen, sind da­ge­gen die Schnei­der­meis­ter­be­trie­be mit Qua­li­täts­be­wusst­sein.

Ne­ben die­sen Pseu­do­agen­tu­ren gibt es gut ar­bei­ten­de, al­te Be­trie­be, lei­der ist im Netz nicht zu se­hen, wer hier wer ist. Aber die­se (z.T. auch schon wieder älteren New­co­mer, Adres­se, Web­prä­senz und Stock­fo­tos kos­ten nicht viel. arbeiten wie Mak­ler: Ge­rin­ges Ei­gen­in­vest­ment, schnel­ler Wei­ter­ver­kauf (hier: der Ar­beit an Sub­un­ter­neh­mer:in­nen) mit größ­ter Mar­ge, Kun­den­zu­frie­den­heit oder Kun­den­bin­dung ste­hen nicht im Zen­trum des Un­ter­neh­mens. Hit and run, schnell zu­schla­gen und wei­ter!

Frei­be­ruf­le­r:in­nen im Netz­werk oder be­gab­te Crew­mit­glie­der?

Der Ver­gleich hinkt, nie­mand wählt beim Klei­der­kauf zwi­schen Weg­werf­kla­mot­ten und Haute Cou­ture. Gründ­lich und maß­voll ar­bei­ten Fach­be­trie­be und Netz­wer­ke von Frei­be­ruf­ler:in­nen. Wir sind ei­gent­lich die preis­wer­ten, je­ne, die ihren Preis wert sind. Last but not least gibt es auch noch be­gn­ade­te Schnitt­as­sis­tent:in­nen oder Mit­ar­bei­ten­de an­de­rer Ge­wer­ke, die sich müh­sam ein­ge­ar­bei­tet ha­ben. Letz­te­re sind sel­ten — und sie sind meis­tens von lin­guis­ti­schen Be­trach­tun­gen und dem Er­fah­rungs­schatz der letz­ten Jahr­zehn­te ab­ge­schnit­ten.

Den oben er­wähn­ten Text habe neu über­setzt, das ging schnel­ler. Vie­le von uns Sprach­pro­fis lek­to­rie­ren die Ar­beit von an­de­ren Pro­fis mit Ver­gnü­gen. Aber es ist frus­trie­rend, wenn es aber gar nicht um das Mit­den­ken bei Sprach­kno­be­lei­en geht, nicht darum, einen gu­ten Text noch bes­ser zu ma­chen, son­dern ei­gent­lich nur um Flick­e­rei des­sen geht ist, was kal­te Bits und Bytes hin- und her­ge­scho­ben ha­ben.

Qua­li­tät und Wahr­schein­lich­keits­rech­nung

Die KI lie­fert ihre Tex­te mit "Über­tra­gungs­lö­sun­gen", die sie für die wahr­schein­lich bes­ten hält. Sie "ana­ly­siert" das be­reits Ver­öf­fent­lich­te und schiebt mit Al­go­rith­men die plau­si­bels­ten Re­de­wen­dun­gen in den Vor­der­grund. Das Er­geb­nis ist der Quer­schnitt des be­reits Ver­öf­fent­lich­ten, was nicht zwin­gen­der­wei­se schlech­ter Durch­schnitt sein muss, denn es gibt ja her­vor­ra­gen­de Tex­te im Netz.

Aber meis­tens klingt es ver­hack­stückt, ge­bas­telt, im­mer wie­der schräg ... und wie­der­holt wa­ren in mei­nem kon­kre­ten Fall kom­plett fal­sche Sachen zu le­sen. An­geb­lich wur­den die Ma­schi­nen mit al­lem ge­füt­tert, was das Word wide web bis vor eini­gen Jah­ren ver­füg­bar hatte. 2026 soll die KI das gan­ze Netz 'aus­ge­le­sen' ha­ben. Die Ma­schi­nen ha­ben also schlicht kei­nen Zu­griff auf neu­ere In­for­ma­tio­nen und flicken die Lücken mit wil­den Er­fin­dun­gen.

Brü­che in der Ton­spur

Er­in­nern Sie sich an den Film "Die fa­bel­haf­te Welt der Amé­lie" von Jean-Pierre Jeu­net ? Die trau­rige Con­cier­ge ih­res Wohn­hau­ses hat­te lan­ge nichts mehr von ih­rem Mann ge­hört. Da­rauf­hin schlich Amé­lie in die Con­cier­gen­woh­nung, "lieh" sich die Brie­fe des Ver­miss­ten aus, ging in den Co­py­shop und stell­te mit der Sche­re "neue" Briefe aus Wort­schnip­seln zu­sam­men.

Er­in­nern Sie sich auch an die Ton­spur da­zu? Die Stim­me war mal oben, mal unten, mal ver­rauscht, mal ver­raucht, mal kam sie von links, mal aus einer tie­fen Höh­le oder klang müde. Die Sät­ze be­stan­den vor allem nur aus Sprün­gen. SO "klin­gen" viele von der KI über­tra­ge­ne Texte für Mut­ter­sprach­li­che Ohren.

Schlimm, dass jetzt im­mer mehr schlam­pig Lek­to­rier­tes ge­druckt wird, wo­durch sich die deut­sche Spra­che lang­sam ver­än­dert, sie wird stei­fer, im­mer häu­fi­ger fließt di­rekt aus dem Eng­li­schen Über­setz­tes in die All­tags­spra­che ein, ob­wohl Mut­ter­sprach­ler:in­nen ei­gent­lich spon­tan ganz an­de­re Be­grif­fe ver­wen­den würden.

Neue Mut­ter­spra­che "DEng­lish"?

Oder aber die Spra­che steckt vol­ler ech­ter oder fal­scher An­gli­zis­men, weil es mo­disch ist, sich so aus­zu­drücken.

In der Pau­se am Mor­gen drau­ßen so­was in der Art gehört: "Im­mer diese Rush hour mor­gens, erst die Gro­ße zum Wal­king bus brin­gen, dann die Klei­ne an der Drop off-Zone ab­set­zen, den Mann hab ich heu­te zum Flug­ha­fen ge­bracht ... Nein, das kos­tet mich nichts, gut dass es Kiss and fly gibt, vor dem ers­ten Meeting noch einen Cof­fee to go und ein Wrap, ..."

______________________________
Il­lus­tra­tion:
Netz­fund (nicht in der CI-Farbe,
leicht ver­än­dert)

Samstag, 28. April 2018

Kreisblende

Will­kom­men auf den Sei­ten ei­nes vir­­tu­­el­­len Ar­beits­­ta­­ge­buchs aus der Spra­chen­welt. Ich bin Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Hier denke ich über unsere Berufswelt nach und berichte von besonderen Momenten.

Kreisblende
Irgendein Wort fehlt immer. Die Kreis­blen­de heißt auf Französisch fermeture à iris.

Auch auf Deutsch ist der Begriff bekannt. Irisblende verwenden Kameraleute indes für das technische Mittel, also eine Blen­de, deren Öffnungsweite sich so ver­än­dern lässt, dass sie um einen fest­ste­hen­dem Mittelpunkt herum ei­ni­ger­ma­ßen kreisförmig bleibt.

Der Effekt, aus der Stummfilmzeit be­kannt, heißt auf Deutsch in Fachkreisen wie gesagt Kreisblende, es gibt hier also zwei unterschiedliche Begriffe für Mittel und Wirkung, im Französischen nur einen.
Ohne Vorwarnung ist das eine Falle.

Bei der Recherche hatte ich einen entsprechenden Terminus gefunden und mich damit begnügt. Reingefallen! Ein ähnliches Phänomen kennt das Wort "die Farbe", auf Französisch la couleur (Farbrichtung, -nuance) und la peinture (das Farb­ma­te­rial in Tube oder Dose, zugleich auch Genreoberbegriff in der Bildenden Kunst so­wie Bezeichnung eines gemalten Werks).

Derart sind die Klippen beim Dolmetschen des Marburger Kamerapreises. Und schön, auch trotz jahrelanger Erfahrung kommen neue Begriffe hinzu oder alte lösen sich aus dem Hirn. Beispiel la gélatine für Lichtfolien, also diese durch­sich­ti­gen Plastikdinger, mit denen am Set sich Licht "getönt" wird. Hätte ich nicht in diesem Blog 2009 und 2013 darüber geschrieben, das Wort, das ich Mitte der 1990-er Jahre mal verwenden durfte, wäre mir nicht mehr eingefallen.

Dummerweise hatte ich über étalonnage noch nicht geblogt. Der Begriff für "Licht­kor­rek­tur in der Endfertigung" (oder "color grading in der Postpro") war unscharf geworden. Danke, Rolf Coulanges, für die Schärfung. Der Nachtrag folgt hier dieser Tage. Nächstes Mal noch mehr Zeit auf die Vorbereitung legen und die Lexik die­sem Kameramann vorher zum Gegenlesen geben.

Die Veranstaltung war für alle Beteiligten ein schönes und spannendes Ereignis. Stellvertretend für alle: Merci à Madame Hélène Louvart pour vos films et pour votre présence à Marbourg.

______________________________  
Illustration: Marvi (5 Jahre)

Donnerstag, 15. Februar 2018

Fachjargon

In Spiegelschrift, was drin ist
Morgen seit elf Jah­ren ver­öf­fent­li­che ich hier in lo­ser Fol­ge klei­ne Mo­men­te aus dem Über­set­zer- und Dol­met­scher­all­tag.

Neulich, vor der Haustür: Ein Filmteam blockiert alles. In der Bäckerei unten im Nachbarhaus entsteht eine Tatort-Folge.

Wir hatten geplant, an diesem Tag etwas zu transportieren. Der Kamera- und Licht-LKW steht genau dort, wo wir kurz zum Beladen stehen würden. Nur steht er wohl länger hier.
Aus der Notiz an die Bewohner geht eine Uhrzeit hervor. Ich kenne solche Angaben als Maximalzeiten.


Abladen
Ich frage einen Techniker freundlich, wie lange das gehen soll. Er: "Weiß nicht!" Ich: "Aber Sie müssen doch wissen, wie lange Sie hier heute arbeiten werden?! Techniker: "Keine Ahnung!" Ich: "Wie bitte?" Er: "Mal länger, mal kürzer!"
Mir platzt der Kragen: "Guter Mann, ist das heute das einzige Motiv oder setzen Sie heute nochmal um?"

Bitte Ruhe, wir wollen drehen!
Er zögert. Ich gebe eine Anweisung: "Schauen Sie bitte sofort in die Dispo!"

Er zuckt zusammen, dann nestelt er den Arbeitsplan des Tages aus der Tasche. Die Fachvokabeln haben gewirkt.

Auf jeden Fall bis zum Abend, kein zweites Motiv, danke, bitte.

Fahren wir halt einen Tag später.




______________________________
Fotos: C.E.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

1920-er Jahre

Hal­lo! Sie su­chen eine Dol­met­scher­in oder Über­set­zer­in mit Mehrwert? Für die fran­zö­si­sche oder deut­sche Sprache, für Themen aus den Feldern Politik, Wirt­schaft, Kultur und Soziales? Hier bin ich! Und ich reise auch dorthin, wo Sie mich brauchen. (By the way, die Winterpause wird dieses Saison voraussichtlich erst Ende Februar angesetzt werden.)

Straßenszene in Berlin
Drehbuchlektorat, der Film soll in Paris und auch in Berlin spielen, und zwar vor mehr als 90 Jahren im Künst­ler­mi­lieu. Ich habe einige al­te Kul­tur­zeit­schrif­ten von meinem Vater geschenkt bekommen und lese auch sonst gerne über diese Zeit, deren Spra­che ihren ganz eigenen Sound hatte.

Dieses Material inspiriert und hilft, dem Film das gewünschte historische Lo­kal­ko­lo­rit zu verpassen. Die Zeit war, was vielen nicht bewusst ist, eine höchst moderne Epoche, die die Nazis da beendet haben. Es geht um Mutter und Tochter, diverse amouröse Abenteuer, gleich­ge­schlecht­li­che Liebe und eine jüdische Familie, die erst von der Hitlerei zu Ju­den gemacht wird. Den Hintergrund bildet allerdings In­to­le­ranz und Klein­geis­tig­keit der weniger gebildeten Schichten.

Alles Themen, die in Frankreich derzeit hochaktuell sind. Die französischsprachige Set-Designerin und die Kostümbildnerin darf ich im neuen Jahr auch noch in ein Archiv und zwei Fundi be­glei­ten. Außerdem müssen Assistenten gefunden werden, die später das Fach­spe­zi­fi­sche übersetzen.

Was mich freut: Meine kleine Fotosammlung mit frühen Aufnahmen urbanen Le­bens und Wohnens vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ende der Wei­ma­rer Re­pu­blik wird auch hinzugezogen. Etliche Fliegen mit einer Klappe, schön!

______________________________  
Foto: © C.E. (Archiv)

Donnerstag, 9. April 2015

Der Optativ ... oder: Gehacktes

Will­kom­men auf den Sei­ten mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs, dem ersten Web­log aus dem In­ne­ren der Ka­bine der Französischdolmetscher. Bonjour, c'est votre interprète de français qui vous parle (pour le français, cliquez ici). Ob in Berlin, Paris oder London, hier schreibe ich regelmäßig über meine Arbeit mit Sprachen.

What the heck are they doing? They're hacking ... Kleines Wortspiel, denn What the heck? mit E heißt so viel wie "Was zum Teufel ...?!", während hack mit A direkt vom deut­schen Hacken kommt.

Site en maintenance
Diese Webseite wird über das Wochenende überarbeitet
Der Vorgang dürfte bekannt sein: Da werden Webseiten in ihre Einzelteile zerlegt oder Zugangscodes von TV-Sendern geknackt und stattdessen Schwarzbild gesendet, wie es gestern Abend dem fran­zö­sichspra­chi­gen Aus­lands­sen­der TV5MONDE wi­der­fahren ist.

Bei Angrifffen auf die Medien wie diesem ist der Begriff ein­deu­tig ne­ga­tiv kon­no­tiert. Die kalifornische Firma facebook allerdings hat sich das Wort hack in so gro­ßen Buch­sta­ben ins Pflaster legen lassen, dass es aus dem Flugzeug gelesen wer­den kann. Hier meint es wohl die Umwidmung einer landesweit bekannten Pu­bli­ka­tion, einer Art Abizeitung für jedes Schuljahr und jede Klasse, das war der erste Wort­sinn, in eine wer­be­fi­nan­zier­te Infoaustauschseite, die weltweit Kunden hat. Und dann sind da noch die Hacks des schwedischen Möbelhauses zum Beispiel, wie die individuell an­ge­pass­ten Produkte von Massenware genannt werden, der Begriff the cus­to­mi­za­tion beschreibt den Vorgang, sogar die Franzosen sprechen schon von la cus­to­mi­sa­tion.

Auf Deutsch haben wir diese Vokabel (noch) nicht übernommen, obwohl es im Deutschen sonst doch so viel stärker von Anglizismen wimmelt als im Fran­zö­si­schen. Und Französisch ist hier wirklich das Stichwort: Ich würde mich zur Stunde herzlich gerne auf einen Einsatz vorbereiten, aber bei einer französischen Behörde dauert das Osterwochenende offenbar die halbe Osterwoche an, seither hat sich die Seite nicht verändert. Oder waren da auch Hacker am Werk? Oder streiken die Informatiker? Ich wünsche mir baldige Änderung, dann denke ich übers Wünschen nach.

Ich sinniere zur Tatsache, wie schade doch es ist, dass es im Deutschen die gram­ma­ti­ka­li­sche Form des Optativs nicht gibt. Dieser unterscheidet sich in zwei For­men: Ein kupitiver Optativ drückt in einer eigenen Verbform einen wün­schens­wer­ten Wunsch aus, nicht zu verwechseln mit der anderen Verbform, potentialer Op­ta­tiv genannt, der wiederum einen mög­li­chen Wunsch ausdrückt. Manche Sprachen kennen diesen eigenständigen Modus, da­run­ter das Färöische, aber auch das Tür­ki­sche.

Lingua World, Anzeige, Dolmetscherinnen für 7,50 Euro die halbe Stunde (von 2011)
Etwas historisch, diese Anzeige, doch beispielhaft bis heute
Mir geht es um den Satz „Ich würde mich freuen dürfen, wenn ihr alsbald kreuz­ge­wal­tig auf die Nase flöget". Ein solcher Satz, mit echten (kupitiven und potentialen) Op­ta­ti­ven sicher sehr viel schö­ner, bezieht sich auf das Ge­ba­ren gewisser (Pseudo-)Agen­tu­ren, deren in­ter­net­me­dia­le und me­di­a­le Überpräsenz extrem ner­ven.

Denn mit aggressiven Marketing und mit Dum­ping­prei­sen reduzieren sie nicht nur un­se­re Honorare auf Trinkgeldhöhe, sondern sie scheren sich einen Dreck darum, ob das Ergebnis am Ende gut ist. Denn außer diesem hoch­of­fi­ziel­len, staatlichen Ein­satz habe ich dieser Tage nichts vorzubereiten; eine Agen­tur scheint unsere Re­fe­renz­liste ab­te­le­fo­niert und unseren Kunden vermittelt zu haben, dass sie jetzt uns "vertreten" würde, was nicht stimmt. Ergebnis: Der eine und andere Kunde unterschrieb das Angebot nämlicher Konkurrenz mit ihren Sonderangeboten, die, als die Sache aufflog, juristisch wurde.

Leider gibt es keinerlei schriftlichen Beweis und direkte Opfer der Abwerbegespräche beim Kunden waren Assistentinnen und Referenten, die sich angeblich verhört haben sollen. Ach, und warum unsere Arbeit ihren Preis hat, steht hier: klick!

Zum Thema Sprachmakler sagt Freundin und Kollegin Britta knapp ihr: "Die sollen sich gehackt legen", und es passt. Und natürlich gab es Hackbraten zu Mittag, al­lein schon der Kohärenz wegen.


P.S.: Reaktion der französischen Kulturministerin Fleur Pellerin zum Hackerangriff hier: klick!
______________________________
Illustration: Netzfunde

Samstag, 18. Oktober 2014

Lexik zum neuen Thema

Hallo! Absichtlich oder zufällig sind Sie auf den Seiten einer Kon­fe­renz­dol­met­scher­in und Übersetzerin gelandet. Ich dolmetsche Französisch, Deutsch und aus dem Englischen. 
 
www.termcoord.eu/wp-content/uploads/2014/10/Glossary-of-Ebola-related-terms-by-DGT-TermCoord.pdf 
Das passt! Die Terminologie-Koordination des Europäsischen Parlaments hat ein Glossar zum Thema Ebola veröffentlicht. Trifft ins Schwarze.

______________________________  
Illustration: www.termcoord.eu
Begriffsanregungen an
dgtrad.termcoord@europarl.europa.eu

Dienstag, 24. Juni 2014

Fundbüro (1)

Hallo! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Manchmal muss es schnell gehen, besonders mit Zufallsnotizen: Fundbüro! 

Leinwand, Mikro, Computer mit Untertitelliste
Film und Text, Beschreibung hier
Die englische Sprache kennt bekannt­lich kein Sie­zen. Wie ist sprachliche Distanz­nah­me, wie wir sie kennen, auf Englisch möglich?

By the way, Untertitler, die Englisches ins Deutsche übertragen und die Sitten und Sprachgebräuche gleich mit transferieren, haben folgende Regel für die Entwicklung vom Sie zum Du: Im deutschen Untertitel wird geduzt, sobald die Protagonisten mit­ein­an­der im Bett waren.

______________________________  
Foto: C.E. (Archiv. Bild kann in ein zweites Fenster geladen und vergrößert
werden.)

Mittwoch, 11. Juni 2014

Stilübungen im Drehbuch

Was Sie hier durch­­blät­­tern, lie­­be Le­­ser­­in, lie­­ber Le­­ser, ist mein di­­gi­­ta­­les Ar­beits­­ta­­ge­­buch. Ich be­schäf­ti­ge mich täg­lich mit Spra­chen und Inhalten, und zwar als Dolmetscherin und Übersetzerin.

Drehbücher zu übersetzen bedeutet, für einen bestimmten Zeitraum in die Haut eines anderen Autors zu schlüpfen. Mir kommt das, ähnlich wie das Dolmetschen, immer wie eine Art Rollenspiel vor. Ich mag diese Arbeit, nein, ich liebe beide Varianten des Sprachmittelns.
Passanten, ein Müllauto, der Pariser Boulevard ist zur frühen Stun­de noch fast leer. Schwenk über eine Fassade hoch über die Karyatiden, die ohne große Anstrengungen einen massiven, aus Stein gehauenen Bal­kon der Bel­etage in die Höhe stemmen. Die Balkontür steht offen. Dahinter liegt ein Büro, schwarze Designmöbel auf Fischgrätparkett, es ist groß und luftig. Von draußen klingt der nun ferne Lärm der Stadt herein. Das leise Echo eines klingelnden Telefons ist jetzt eindeutig erkennbar. In einer Bodenvase ein Strauß langstieliger Lilien: Auf der wei­ßen, pelz­ar­ti­gen Oberfläche einer der Blüten zeichnen sich Blutstropfen ab.
Gerne hätte ich bei der Verfilmung des Buches dieser Tage die Kommunikation des deutschen Hauptdarstellers mit dem Team erleichtert. Leider ist ein zentral am Film Beteiligter so schwer erkrankt, dass der Dreh auf unbestimmte Zeit ver­­­scho­­­ben worden ist. Es handelt sich um einen Streifen, in dem auch die Po­li­zei er­mit­telt. Dazu lerne ich Polizeijargon und Begriffe, die ich sonst nicht brauche (siehe unten).

Der Wille zum Einarbeiten in die jeweilige Filmthematik ist beim Dreh­buch­über­setzen immer entscheidend.

Handschriftliche Notizen mit vielen Durchstreichungen (les ratures).
Komplexe Texte brauchen ihre Zeit
Ich höre gerne dem Volk aufs Maul, so­gar den verschiedensten Völkchen, die Tür an Tür in den verschiedensten Ge­bie­ten und Gegenden wohnen. Ich habe mich schon im Jugendfreizeit­heim eines Pro­blem­kie­zes rumgetrieben (meine Ein­tritts­kar­te war Abi­vor­be­rei­tung fürs Schreiben von französischen Aufsätzen, die ich gegeben habe), bin in Hin­ter­zim­mern von Kneipen zocken gegangen (mit et­was Spiel­geld und dem am Leib ver­steck­ten Diktiergerät), habe über Hydra ver­mit­telt mit jungen Prosti­tu­ier­ten ge­spro­chen, den Ver­ein kannte ich von einer jour­na­listi­schen Recherche für Radio Canada, und was derlei Abenteuer mehr sind.

Was ist wichtig für Sie als Kunden? Aus aktuellem Anlass bringe ich hier erneut mein

Merkblatt Drehbuchübersetzung 
— Weniger ist mehr: Ermitteln Sie bitte die Länge ihres Dokuments (wenn Sie nicht wissen, wie das geht, klicken Sie hier). Wir legen die Anzahl der Zeichen in­klu­sive Leerzeichen zugrunde. Ein Übersetzer schafft in guter Qualität bei an­spruchs­vol­len Texten 10-12.000 Anschläge täglich, bei einfacheren Texten bis zu 15.000. 'Übersetzt' bedeutet das: zwischen 10 und 15 Seiten eines in Final Draft erstellten Dokuments. Hier gilt: Jeden Tag konzentriert weniger Zeilen zu über­tra­gen ist bes­ser als Akkordarbeit.

Vier-Augen-Prinzip: Idealerweise arbeiten immer zwei Kollegen an einem Pro­jekt, und zwar jeweils ein native speaker für die Ausgangs- und die Ziel­spra­che. Der Muttersprachler der Zielsprache ist federführend bei der Übersetzung, der andere liest gegen, leitet das Projekt und ist Ihr Ansprechpartner. Kommen mehr Sprachen im Drehbuch vor, erhöht sich entsprechend die Anzahl der Mitarbeiter.

Internes Lektorat: Korrektoren und/oder Fachleute lesen gegen — diesen Ser­vice bieten nur wenige an, fragen Sie deshalb bitte nach. Möglicherweise können aber auch Mitarbeiter Ihrer Firma diese Aufgabe übernehmen, dann müssen Sie sie nicht extern einkaufen.

— Talent und Sachkenntnis: "Nicht jeder kann ein Drehbuch schreiben". Dieser Satz ist für Sie vermutlich eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht jeder kann auch ein Drehbuch übersetzen. Die beschreibenden Passagen sind oft von literarischer Qua­li­tät, die erhalten werden muss.

Gesprochene Sprache darf nicht nach raschelndem Papier klingen, weder im Original noch in der Übersetzung.

Erfahrung: Fragen Sie nach der Vorerfahrung. Besteht keine, haken Sie bitte nach, ob eventuell jemand mit Fachkenntnis den Nachwuchs 'an die Hand nimmt'.

Gute Zeitplanung: Ihr Drehbuch entstand nicht in einer Woche — Zeit ist auch für den Übersetzer wichtig, siehe den ersten Punkt. Gefragte Leute sind oft aus­ge­bucht, und wenn's auf den Dreh einer internationalen Koproduktion zugeht, tritt jedes Projekt nochmal kurz in die "heiße Phase" und bindet Kräfte. Also fragen Sie bitte rechtzeitig an, damit die Übersetzer ihren 'Workflow' planen können.

Wenn Sie weitere Fragen haben, sind wir gerne für Sie da. Bitte wenden Sie sich direkt über Mail an uns.


Vokabelnotiz
clouter une affaire [argot]— einen Fall abschließen
une arme blanche eine Stichwaffe
une déliquance en col blanc — white-collar-criminality die An­zug­trä­ger­ver­bre­chen [Versuch] ... oder etwas mit Schreibtischtäter, wenn das Wort nicht so sehr mit der deutschen Geschichte verbunden wäre.
______________________________ 
Foto: Archiv

Sonntag, 12. Mai 2013

Critics are quick!

Hallo, hello et bon­jour ... beim 1. deut­schen Web­log aus der Ka­bi­ne ei­ner Kon­fe­renz­dol­met­scher­in und Über­setz­erin für die fran­zö­si­sche Spra­che. An dieser Stelle schreibe ich über meinen Berufsalltag ... und wie er mein Privatleben verändert. Unbefangen das Fernsehgerät anschalten oder ins Kino kann unsereiner nicht. Hier kommt die Erklärung, warum das so ist. Caroline proudly presents: Link der Woche vom Samstag und Sonntagsbilder auf einmal. 

Die Technisierung schreitet nicht voran, sie macht große Sprünge. Warum sollten also die Aufgaben von uns Über­setz­ern und Dolmetschern nicht viel einfacher durch die Technik erledigt werden kön­nen, das ist eine Annahme, die mitfühlende Zeitgenossen,  vom Thema völlig Unbeleckte und sogar Wissenschaftler immer wieder mal äußern.

Die EU gibt nicht nur für uns Sprachmittler viel Geld aus, sie investiert sehr viel in diese Forschungen, aber das ist ein anderes Thema.

Über automatisches Übersetzen habe ich Donnerstag mal wieder ge­schrie­ben, heute geht's kurz und fündig mit dem Thema Dolmetschen weiter, anders ge­sagt: Mit automatischer Spracherkennungssoftware und ihrer Über­tragung in Film­un­ter­titel.

Mit großem Vergnügen sehe ich derzeit alte Hitchcock-Filme wieder. Seine Werke aus den 30-er Jahren sind jetzt Gemeingut, können gratis und völlig legal z.B. bei YouTube gesehen werden. Unlängst stolperte ich über eine bildrestaurierte Version von "The lady vanishes", sie hat wieder Grautöne, und fing vergnügt an, den Film zu sehen, der auch deutlich mehr Luft um die Köpfe lässt, die Bilder wirken wie anders "kadriert".

Da ich Filme fast immer im Original und am liebsten auch dann mit Untertiteln sehe, wenn ich eine Sprache kenne (gern z.B. mit der gleichsprachigen Un­ter­ti­tel­ung für Schwerhörige: Zum Hören kommt das Schriftbild hinzu, das sind Lern- und Verfestigungsmomente, die keinerlei Aufwand kosten), da ich also Untertitel liebe, machte ich mich sogleich auf die Suche ... und entdecke welche, die Ergebnis der automatischen Spracherkennung sind.

Was für eine Gaudi! Zum Vergleich die französischen Untertitel anbei. Zur Story: Reisende sind wegen Unwetters in einem osteuropäischen Gebirgsort im Staate "Bandrika "hängengeblieben. Für Dolmetscher bieten diese Szenen des ersten Aktes übrigens eine lustige Rahmenhandlung: Hier wird eine Fantasiesprache gesprochen und das Hotelpersonal jongliert bei der Buchung mit Fremdsprachen. Außerdem kommt in "The lady vanishes" eine Dienstbotenkammer vor — wie die Bediensteten wohnen, wird ja in Filmen ja sonst so gut wie gezeigt. In Ermangelung freier Zim­mer müssen zwei Reisende in die Dienstbotenkammer ausweichen. (Wo dann die Angestellten nächtigen, wird nicht erwähnt.)

Nachfolgend zwei kurze Szenen. Zwei englische Herren wollen in der 11. Film­mi­nute dringend Sportergebnisse erfahren, es ist natürlich lange vor TV und Mobil­te­lefon, der Film stammt von 1938. Außerdem liegt wie ein dichter Nebel über Hitch­cocks Filmen jener Zeit die krisenhafte weltpolitische Lage, die kurz darauf zum Weltkrieg führte; sie bietet Subtext und Plot des spannenden Films.

Zwei Screnshots: like this in a coloful communications cut-off time of crisis
"Schrecklich, wenn der Nachrichtenstrom in Krisenzeiten abreißt."
("Ohne Kontakte" steht im französischen Titel, das gefällt mir nicht.)
Hier lässt sich im automatisch übersetzten Untertitel wenigstens erahnen, dass es um Infomangel und eine krisenhafte Situation geht. Dann läutet das Telefon für einen anderen Gast. Der Hotelwirt verlässt den Empfang, die Herren schleichen sich zum Telefonapparat.

Zwei Screenshots ein- und derselben Einstellung, links: and i'm not the filter (rechts übersetzt im Unterititel)
"Sind sie in London? Nein, hier spricht nicht Herr Seltzer, sondern Herr Charters".
Wie das System aus "Seltzer" einen "Filter" macht, ist mir schleierhaft. (Um die Ecke gedacht ist es fast komisch, dass es nicht heißt: "Hier ist nicht Herr Brau­se­tablette!")

Zwei Screenshots ein- und derselben Einstellung, links: critics are quick (rechts übersetzt im Unterititel)
"Es geht um Cricket, meine Güte!"
Ja, Kritiker sind schnell. Und critics und cricket klingt ja auch fast gleich, oder? (Für meine Ohren nicht, aber für einen Computer vielleicht.) Dann sind die Herren hungrig. Sie gehen ins hoteleigene Restaurant.

Zwei Screenshots, der Linke: dated about business
Er sagt, dass das Hotel übelaufen sei und dass es nichts mehr zu essen gebe.
Was die Spracherkennung hier erfasst haben will, überrascht mich schon sehr. Ich finde keinerlei Verbindung mehr.

Zwei Screenshots, links: expect us to sabb plastic dot box on the seven p m
Nichts mehr zu essen! Sie versuchen, uns unterzubringen, aber mit leerem Magen ...
Interessant ist es, an dieser Stelle kurz die deutsche Synchronfassung zu be­trach­ten. Da sagt der ältere Herr: "Man mutet uns zu, mit einem Zimmermädchen eine Hundehütte zu teilen, und noch dazu mit leerem Magen." Ich hatte beim raschen Transkript zunächst "mit knurrendem Magen" aufgeschrieben, was ja wohl der komischere Satz gewesen wäre. Nehmen wir es als schönes Beispiel für die Frage: 'Wie viel Wortwitz kommt durch die Übersetzer in die Werke hinein?' Außerdem ist an dieser Stelle gut zu erkennen, dass Untertitel das Ergebnis von Reduktion sind. Die Dienstbotenkammer kommt im französischen Untertitel gar nicht vor.

Die Hundehütte (dog box) aus dem englischen Original wurde also zur dot box im Untertitel. Die Art dieser beiden Begriffe merken wir uns mal.

Die Dame, an deren Tisch sie zufällig geraten sind, verlässt das Land "Bedrika" nach einem längeren Aufenthalt.

Zwei Screenshots, links: into six years i just her i'd go into dubbed country especially optics i
In sechs Jahren habe ich dieses Land zu lieben gelernt.
Hier stimmt nur die Zeitangabe, wenigstens grob betrachtet. Zurück zu dot und box. Offensichtlich wird die automatische Spracherkennung oft für Technik ein­ge­setzt, Begriffe wie website, dot, business, optics, plastic, cash, notebook, logged of usw. kommen in der automatischen Untertitelung dieses Films re­gel­mä­ßig vor. Will be that website steht dann da auch prompt als 'Übersetzung' für "On the red side for me" als Bestellung für ein Steak. (Er meint vermutlich "blutig" ...)

Während die Herren sich dann an den Resten ihrer Käseplatte bedienen, lobt die fremde Dame das Land und seine Schönheiten. Die Berge hätte sie mit der Zeit wie eine Nachbarsfamilie liebgewonnen:

Zwei Screenshots, links: mother know templates no hands amid nephews and nieces
Papa-Berg und Mama-Berg in Zipfelmützen aus Schnee.

Die Nichten und Neffen vom Titel links folgen übrigens im nächsten Satz. Und die Stimme der alten Dame bekommt etwas Märchentantenhaftes, worauf die Herren, die ihr gegenüber sitzen, verträumt-schläfrig dreinblicken.

Zwei Screenshots, links: i'd like to box provided to keep in mind that the moon i'm so glad them tonight
Ich beobachte sie vom Fenster aus ... in jeder mondhellen Nacht.
Hier stimmt nur der Mond/die helle Nacht in beiden Untertitelfassungen überein.

Wer den Film vor langer Zeit gesehen hat und ihn hier nicht wiedererkennen sollte: Kein Angst! Der Film spielt hauptsächlich im Orient-Express, ich bin bei meinen Be­trachtungen in der Exposition hängengeblieben, dann habe ich den Film mit fran­zö­si­schen UTs weitergesehen. Die automatische Spracherkennung war wirklich an­strengend. Wer kein Englisch versteht, dem kann sie absolut nicht beim Verständnis des Films helfen.

Natürlich werfe ich der Technik hier keinesfalls vor, kein "Bandrikisch" zu ver­stehen, die Phantasiesprache des Landes. Aber es werden von ihr sogar Geräusche und Musik "transkribiert", also akustische Momente, die alles andere als mit Sprache zu tun haben. Peinlich!

______________________________  
Screenshots erstellt von C.E.
Filme hier: restaurierte Fassung und
OmfU

Freitag, 2. November 2012

Herr Rommel und Gatte

Hallo! Sie haben ein digitales Logbuch aus der Welt der Sprachen angesteuert. Hier schreibe ich über meinen Berufsalltag als Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache mit den Schwerpunkten Politik, Wirtschaft, Kultur ... und Film.

Film ist Teamwork, manches Unternehmen hat sich von dieser Tatsache sogar zu seinem Firmennamen anregen lassen. Leider gerät im Zusammenhang von  Globalisierung und digitaler Industrialisierung auch die Filmbranche immer öfter unter enormen Druck. Am Ende entsteht nicht nur an manchem Set, sondern auch in einigen Etagen der Kulturverwaltungen, eine Stimmung, die weniger ein kreatives Miteinander ist denn ein stetes Einander-Übertrumpfen im Hinblick auf den nächsten Zeitvertrag.

Das ist sehr unschön. Oft können wir Basisarbeiter, Sprachmittler arbeiten zwar auf allen Ebenen, tragen aber vor allem zu den Grundlagen der Kommunikation bei, nicht erkennen, wer aufgrund welcher Interessen wo blockiert. Wir sehen nur die Ergebnisse.

Gestern lief mit großer Ankündigung aller Medien der TV-Film "Rommel" in der ARD, Regie: Niki Stein. Ich war bei Freunden eingeladen, um den Film mitzusehen, möchte jetzt inhaltlich nicht detailliert auf den Film eingehen, weil ich erst noch anderes Material sichten möchte, bevor ich meine Meinung äußere.

Mir fiel nur zweierlei auf. An einer Stelle verlässt Rommel das französische Schloss, in dem er einquartiert ist, und will ins Auto steigen. In der Nähe des Wagens steht der Schlossherr, macht einen kleinen Schritt auf ihn zu ... und übergibt ihm ein Geschenk. Er sagt (eindeutig): "Für ihren Mann ...!" Die aus Luxemburg stammende Schauspielerin, die seine Tochter verkörpert "übersetzt": "Für ihre Frau zum Geburtstag!" Hier kurz der Unterschied in phonetischer Schrift: [epu] für den Gatten, [epuz] für die Gattin, am Ende von épouse ist ein warmes, rundes "s" zu hören.

Hier ist der Ton, ca. 16 Sekunden: Klick!
Eine grafische Darstellung der Töne samt Pfeil, um das Anhören zu starten

Ich weiß natürlich nicht, wie die Stimmung am Set von "Rommel" war. Ich sehe (bzw. höre) nur das Ergebnis. So stelle ich mir die Frage, warum im Produktionsprozess niemand dem Team sagen konnte, dass der deutsche Darsteller (vermutlich ein Komparse) da einen Fehler gemacht hat ... Für den Fehler ist übrigens nicht er verantwortlich zu machen. Es wäre die Aufgabe des Teams gewesen, das Einüben des kleinen Sätzchens professionell zu begleiten. Durch geschärfte Aufmerksamkeit beim Dreh hätte diese Stelle leicht als mögliche Fehlerquelle identifiziert werden können. Es wäre anschließend keine große Sache gewesen, einen Sprachkundigen kurz an den Schneidetisch zu holen, um den vielleicht sogar vor Ort doch auch richtig aufgenommenen "take" heraussuchen zu helfen.

Hier hat wiederholt das Teamwork nicht geklappt. Das ist, angesichts dessen, wie viel Mühe und Geld solche Produktionen kosten, mehr als bedauerlich. Und ich beobachte sowas nicht zum ersten Mal (Link).

Frankreich kam übrigens im Film nur als unscharfe Kulisse vor. Auch das ist schade und entspricht nicht mehr den kulturellen Erfahrungen und Sehgewohnheiten vieler. Solche Grundtendenzen sind dafür verantwortlich, dass Menschen wie ich lange TV-abstinent gelebt haben. Ab nächstem Jahr werden wir zur Zahlung genötigt, Stichwort "Haushaltsabgabe". Wir werden uns einmischen müssen.

Meine Schlusspointe ist ein wenig schlicht, ich bitte vorab um Verzeihung, sie ist mehr ein Kalauer. Die Firma, die den Film hergestellt hat, heißt ... teamWorx.

______________________________  
Ton: soundcloud.com

Dienstag, 16. Oktober 2012

Les Gammas!

Sie haben einen Weblog aus der Arbeitswelt angeklickt (oder erhalten die neuen Postings per Mail). Meine Aufgabe ist das Dolmetschen und Übersetzen in Politik, Wirtschaft und Kultur, darunter auch Medien, Arbeitssprachen Französisch, Deutsch und Englisch (C-Sprache). Heute werde ich privat: Wie die Spracharbeit den Nachtschlaf beeinflusst.

Der Kopf ist eine Wortmaschine. Auf dem Weg an den Ort, an dem ich meinen Kopf zur Nacht bette, hatte ich auf einmal ein Wort auf den Lippen, le parpaing, das kam in den Niedrig-/Plusenergiehäusern eigentlich nicht vor, jedenfalls nicht so, dass es in der Lexik gelandet wäre. Kurz vor dem Schlafengehen schlage ich noch nach, es ist der "Leichtbaustein".

Dann strecke ich mich im Bett aus, die Gedanken kreisen und Vokabeln tauchen auf. Schon mischen sich ins Bauvokabular Begriffe zum Thema Nah­rungs­mit­tel­si­cher­heit, Lebensmittelspekulation, ökologischer Landbau, klassische Wech­sel­feld­wirt­schaft, der letzte Lernstoff heute, und plötzlich lässt sich, ich bin schon im Halbschlaf, der Maiszünsler auf dem Leichtbaustein nieder, schlägt mit den Flü­geln, beschäftigt mich im Schlaf auf Französisch auch zwischendurch beim Auf­wa­chen (la pyrale du maïs [Ostrinia nubilalis]).

Ich möchte auch mal wieder eine Nacht ohne ständige Vokabelwiedervorlage schlafen. Aber trotzdem: Es macht Spaß ...

Das Ganze erinnert mich an eine Frage, die mir mein Vater einst gestellt hat, als als ich noch viel jünger war als der weltbeste Patensohn heute: "Träumst Du in Farbe oder Schwarz-Weiß?" Damals hatten wir den ersten Fernseher bekommen, ein Schwarz-Weiß-Gerät, und ich durfte sehen, was für Fünfjährige geeignet er­schien: "Die Sendung mit der Maus" und "Sesamy Street", in Hessen die ersten bei­den (?) Jahre nur auf Englisch ausgestrahlt. Das waren die besten Sprach­grund­la­gen, die ich bekommen konnte, ergänzt durch Frühenglisch in der Vorschule, das eine britische Erzieherin ermöglichte, angewandt mit Kathy, der Tochter eines englischen Soldaten aus der Nachbarschaft.

Einige Jahre später zeigte das 3. Programm, das damals eine Volkshochschule war, das ist jetzt eine (anerkennende) Feststellung, keine Kritik, die Französischreihe Les Gammas, les Gammas, die ich ebenfalls sehen durfte (ORTF/ARD, 74-76).
Der Französischsprachkurs über drei Außerirdische, die in Paris notlanden und Französisch lernen müssen, aber eigentlich die ganze Zeit von zuhause träumen, hatte was von Warten auf Godot (nur, dass ich Beckett natürlich damals noch nicht kannte). Mich hat als Kind noch etwas amüsiert: Die Studioaufnahmen mit ihren gemalten Hintergründen (Bluescreen) und einfachen Kulissen waren schon damals schon zum Lachen komisch in ihrer naiven Anmutung. Das habe ich sogar als "Großkind"(*) gemerkt. Heute erkenne ich zudem viel französische Selbstironie in den Filmchen.

Szenenbild
Ein Gamma bei einer Rede
Hier ist gleich noch der Link zu einigen Folgen: Klick. Solche Sachen sehe ich mir manchmal an, wenn ich nach den ersten zwei Schlaf­pha­sen zwischendurch nicht wieder einschlafen kann ... oder ein­fach aus Spaß. Hier rechts sehen wir die dis­kus­sions­freu­di­gen Franzosen im 70-er Jahre-Dekor aus Papp­ma­ché.

Die Franzosen selbst wirken altmodisch in ihrer Kleidung. Der Außerirdische, die Figur im weißen Gewand, hält einen Vortrag und sagt zu jeder sich bietenden Ge­le­gen­heit: "Zu dieser Frage habe ich ein Buch verfasst, das ich nach dem Vortrag verkaufe. Es kostet ..." Dass ich hier Selbstironie feststelle, liegt am Ana­lo­gie­schluss zwischen Franzosen und Gammas. Er, vom Zuschauer sofort als Gamma er­kenn­bar, spricht über die außerirdischen Wesen, stellt sich aber als Franzose vor. Sein zentraler, vom Publikum wiederholter Satz, lautet: Ils sont comme nous! ("Sie sind wie wir!") Das oft stupide Wiederholen von zu lernenden Sätzen wird hier zum Stilmittel erhoben und klingt wie absurdes Theater.

Eine gute Laune und Lachen sind wichtig beim Sprachenlernen. Die bei YouTube gefundenen Aufnahmen, vor allem der Film des zweiten Links, lassen das Schräge der allerersten Folgen, die ihre Zuschauer auf Plot und Serie einschwört, erahnen, nur fehlt leider der charmante Grammatikerklärer, der mich als kleines Mädchen dann wirklich schwer beeindruckt hat. (Heute würde man ihn wohl als cool be­zeich­nen.)

Und schon fliegt der (schwarz-weiße) Maiszünsler mit der fliegenden Untertasse der Gammas, die aus Leichtbausteinen zusammengesteckt wurde, weiter ins Land der Träume ...

______________________________  
Foto: Les Gammas! ... (BR-Verweis)
(*) Privatdefinition: Alter etwa 1.-4. Klasse.
Mit elf sind es schon "Pre-Teens".

Donnerstag, 23. Februar 2012

Nachbereitung

Willkommen et bienvenue beim Arbeitstagebuch einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Meine Arbeitssprachen sind Deutsch und Französisch, meine Interessensschwerpunkte sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Kunst und Kultur. Bis vor kurzem war ich auf der Berlinale. Und was machen Filmdolmetscher nach dem Festival? Ausruhen, verarbeiten, Rechnungen schreiben, nachbereiten, sich wundern, weiterlernen. Nach dem Event ist vor dem Event. Das Ohr ist geschärft, das Hirn arbeitet unerbittlich weiter ... déformation professionnelle heißt das wohl.

Frankreichkompetenz gibt es nicht in allen Redaktionen und Synchronstudios, das ist logisch. Umso trauriger, dass die Betreffenden nicht bei Fachleuten nachfragen. (Niemand kann alles wissen.) Hier kommt etwas Medienkritik, aber immer ganz positiv und in Verbindung mit Medientipps.

1. Gestern Abend auf Arte, ich sehe den Film "François Truffaut — Eine Autobiografie" bei meiner besten Freundin auf großer Leinwand, einen Film von 2004 in der Regie von Anne Andreu. Leider gibt's in ihrem Kabel nur die deutsche Fassung zu sehen. Natürlich ist auch von dem wunderbaren Spielfilm "Jules et Jim" von 1962 die Rede. Dass man Jim englisch aussprechen müsse, also "Dschim", wird im Film exakt so gesagt, aber alle Sprecher, jene des Kommentars und jene, die Interviewte "dubben" (nicht ganz synchron mit "synchronisieren"), sagen "Jim" mit einfachem Anlaut. Hat denn der Regisseur der deutschen Sprachenfassung keine Ahnung von Truffaut? Oder die französische Regisseurin keinen Vermerk dazu geschrieben? Und Cathérine Deneuve heißt natürlich Deneuve und nicht Deneuf!

Okay, sind wir großzügig, zitieren wir Truffaut: Depuis un certain temps, je suis convaincu que les films vivent par leurs défauts. (Seit einiger Zeit bin ich davon überzeugt, dass Filme von ihren Fehlern leben.)

Der Film läuft noch eine Woche lang in der Mediathek "Arte+7", hier auf Deutsch und hier auf Französisch.

Berlinale-Rose auf dem Coffee-Table aus alten Koffern
Mein 2. Beispiel ist ohne Link, taugt aber als Hinweis dafür, was unsereinen bei nächtlichem Radiohören so ereilen kann. Aus einer Presseschau im deutschen Hörfunk (vorgestern Abend), es wird die Veröffentlichung einer neuen französischen Zeitschrift angekündigt mit dem Titel L'homme parfaite, ich stutze und übersetze automatisch: "die perfekte Mann?" (Der Kopf hat nur kurz gerödelt, um die Verdolmetschung zu finden, denn auf Französisch wurde das Adjektiv "perfekt" eindeutig und fälschlicherweise an ein weibliches Nomen angeglichen, auf Deutsch ist das Adjektiv der/die perfekte Mann/Frau aber für beide Geschlechter identisch, so dass ich stattdessen, um den Gedanken des Weiblichen wiederzugeben, den Artikel le = der, den wir auf Französisch wegen des Buchstaben "h" nicht hören können, es ist kein h aspiré, angleichen muss ... Ähh, hallo?, sind Sie noch da? War das verständlich?) ... und während ich mich noch über "die perfekte Mann" wundere, Metrosex? Transgender?, spricht der Journalist weiter, "l'homme parfaite, [ɔm paʀfɛt] was auf Französisch 'die Unperfekte' heißt" ...

Schluck. Ach so, l'imparfaite [ɛ̃paʀfɛt], das ist aber was ganz anderes ...

Unnützes Neuronenflirren zu nächtlicher Stunde! Aber verstehen Sie jetzt, warum wir im Vorfeld von Dolmetscheinsätzen immer alles ganz genau wissen wollen?


3. Im Film über Truffaut kommt auch das wunderbare Hitchcock-Interview vor, das simultan verdolmetscht wird, ich habe es in meinem Leben mindestens schon zwei Mal in Gänze gehört, immer wieder phantastisch, hier beim Hitchcockwiki in unbegrenzter Dauer hörbar.


Quelle für das Truffaut-Zitat: Nämlicher Film.
______________________________
Foto: C.E.

Mittwoch, 11. Januar 2012

genau!

Willkommen auf den Seiten des Arbeitsjournals einer Französischdolmetscherin aus Berlin. Neben dem Dolmetschen biete ich Übersetzungen an, und hier ist der Ort, an dem ich über das, was wir oft in Hektik erleben, in Ruhe nachdenken kann.

Montag in der deutschen Hauptstadt: Die Kanzlerin fasst den Stand der Beratungen zusammen, danneben steht ihr französischer Counterpart und lauscht ihren Worten, die in seiner Sprache aus der Dolmetscherkabine über den "Knopf im Ohr" zu ihm gelangen. Dann tritt eine kleine Pause ein (er hört noch dem Rest dessen zu, was verdolmetscht wird, es gibt da ja immer einen kleinen "Überhang").

Am Ende weist er auf sie, sagt ein Wort ... und grinst anschließend schelmisch:

"genau!"!
Dieses Wort gehört zu der Handvoll deutscher Vokabeln, die viele Franzosen kennen. Allerdings sind diese Sprachkenntnisse leider meistens auf keine schönen (Seh-)Erfahrungen zurückzuführen. Das Gros der Franzosen kennt sie aus Filmen, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielen und in denen sich die deutschen Besatzer vor allem mit Ein- oder Zweisilbern ausdrücken: Halt, da, raus, Achtung, genau!

Unsereiner hört, dass oft selbst die Darsteller (oder Synchronsprecher) dieser Filme keine Deutschen sind und vermutlich nur eben diese Wörter kennen. Das ist ungefähr so, wie wir als Kinder in den westdeutschen 1970ern Italienisch imitierten: Avanti, Spaghetti, Pizza Margherita, Gelato, Bambini!

Daher jetzt ein herzliches bravo! an Monsieur Sarkozy für diesen neuen Kontext!
.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Filmkritik

Bonjour beim Logbuch einer Sprachmittlerin aus dem Inneren der Dolmetscherkabine! Wenn ich nicht in dem rund zwei Quadratmeter kleinen Kabuff hocke, sitze ich am Schreibtisch und übersetze aus der französischen Sprache. Oder aber ich bin im Kino, denn ich habe mich unter anderem auf Film und Medien spezialisiert. Ab und zu veröffentliche ich hier in loser Folge Filmkritiken und -gespräche, vor allem in Zeiten, in denen immer mehr Stars Englisch sprechen und mancher Filmkritiker wegen sinkender Honorare Pressehefte übersetzt und/oder Interviews dolmetscht.


Die Liebesfälscher (Copie conforme)
Eine Frau, ein Mann, eine Landschaft, so lässt sich der neue Film des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami zusammenfassen. In Cannes, auf dessen Festival dieser Film im letzten Mai im Wettbewerb lief, hat der iranische Regisseur die Ausgangsidee benannt: Einen Film in drei Sprachen wollte er drehen, bei denen sich die Betreffenden auch ohne Übersetzung verstünden.

Analog zum Sprichwort, dass jeder Mensch, der zwei Sprachen spricht, auch zwei Leben hat, ist dieser dreisprachige Film sogar drei Filme auf einmal: Ein Original, eine Kopie und ein Vexierbild. Um Original, Kopie und Fälschung geht es in der ersten Hälfte des Films. Ein englischer Buchautor (William Shimell) reist in die Toscana, um sein Buch “Copie conforme” vorzustellen. Dort trifft er auf eine Frau (Juliette Binoche), eine erfolgreiche Galeristin. Die beiden sympathisieren und brechen zu einem gemeinsamen Sonntagsausflug auf.

Kiarostami lässt nun zwei Reisende in seinem ersten Film, der nicht im Iran spielt, gemeinsam einen Ort entdecken, der mit den romantischen Erwartungen des Zuschauers spielt. (...)
Hier entlang zur Fortsetzung der Kritik auf www.franzoesischerfilm.de.

Und dort stand schon etwas zur Berliner Premiere des Films, der letzte Woche im Kino angelaufen ist und der nicht sinnvoll synchronisiert werden kann, denn die Sprachen geben viel Lokalkolorit.

______________________________
Foto: MK2 Diffusion

Sonntag, 3. Oktober 2010

Das macht Unsinn!

Synchrondeutsch ist ein Problem, das uns Spracharbeiter besonders betrifft.

Sprache unterliegt steten Wandlungen im Kontakt mit anderen Sprachen, das ist normal. Radikaler gesagt: Ohne Austausch keine Sprachentwicklung. Mit der Zeit schleifen sich die Ausdrücke ein, verlieren den Beiklang des Fremden. Synchrondeutsch versuche ich dennoch ganz bewusst zu vermeiden, denn es ist kein Ergebnis normalen Sprachkontakts.

Ein neues Beispiel, das mir erst gestern wieder aufstieß: "Annette und ihr Chef tauschen Blicke." Sie könnten auch Mappen tauschen oder Stift gegen Radiergummi. Für meine Ohren klingt das übersetzt. Der französische Ausdruck échanger des regards könnte dem zugrunde liegen. Ich ziehe vor: Annette und ihr Chef sehen sich kurz/vielsagend an ... je nach Kontext.

Manche Ausdrücke hören wir in den Medien so viele Jahre, dass wir gar nicht mehr spüren, dass sie Synchrondeutsch sind. "Das macht Sinn" meinen Sie zu diesem Beitrag?

Freitag, 18. Juni 2010

Babylonien im Film, die Zweite

Heute fällt mein Thema "Sprache im Film" mit dem Link der Woche zusammen.

Schon vor einiger Zeit lief in den deutschen Kinos der Film "Willkommen bei den Sch'tis", noch immer suchen Leser Informationen darüber im Netz und stoßen auf mein Foto von Dany Boon. Und zufällig entdecke ich (erst jetzt) auf YouTube, dass Arte einen Beitrag dazu im Programm hatte. Interessant das Interview des Verleihchefs Stefan Hutter über die Art und Weise, wie der deutsche Schti-Dialekt 'gebaut' wurde sowie zu den Kosten der Synchronisierung, die hier mit über 150.000 Euro (statt üblicherweise 40-60.000) zu Buche schlug.

Hier geht's zum Beitrag. Leider wird in der Name des Autors/der Autorin nicht genannt, schade!