Donnerstag, 21. Oktober 2021

Ein kurzes Vorwort

Bon­jour und herz­lich will­kom­men auf meinen Web­sei­ten! Was Dol­met­scher und Dolmet­scherinnen beschäftigt, können Sie hier seit 2007 mitlesen. Derzeit finden aller­dings coronabedingt wenig Prä­senz­ver­an­staltungen statt. Die Arbeit ändert sich.

Solidaritaet ist mehr als Haendewaschen (Plakat)
Am Maybachufer in Berlin

Aktuell werden corona­be­dingt ein Großteil der Kon­fe­ren­zen und alle De­le­ga­tions­rei­sen auf später ver­scho­ben.

Wir sind indes weiter für un­se­re Kun­din­nen und Kunden da: Digital aus dem eigenen Dolmetschstudio oder mit hy­briden Formaten, wenn Dol­met­scher, einige Redner und Technik­leu­te vor Ort sind und alle an­de­ren zugeschaltet werden.

Vor Ort sind auch wir Dolmetscher*innen, außerdem werden wir im Stan­desa­mt oder im Kran­ken­haus tätig, bei Werks­be­­sich­ti­gun­gen und Hin­ter­grund­ge­­sprä­chen sowie in An­walts­kan­zleien, stets unter Berücksichtigung aller Hy­gie­ne­re­geln.

Gerne finden wir mit Ihnen zusammen das passende An­gebot fürs On­line­dol­met­schen: konsekutiv (in Sprechpausen hinein) oder simultan (nahezu zeit­gleich). Weil diese Art der Übertragung für alle an­stren­gen­der ist, Blick auf klei­ne Mo­ni­tor­bil­der, ge­stauch­te und damit un­na­tür­liche Stimmen, Rauschen, Echos oder Zeit­ver­zö­ge­run­gen, sind diese Einheiten meistens kürzer als normale Ein­sätze.

Wir bieten keine Bü­ro­sprech­stun­den an, können uns aber für Kurz­be­sprechungen mit Gäs­ten in den Hofgarten setzen. Wir freuen uns auf Ihre An­fra­ge!

Da wir nicht nur Spracharbeiterinnen und Spracharbeiter sind, sondern auch Men­schen, die beobachten und die Zeit dokumentieren, in der wir leben, finden Sie auf den folgenden Seiten mein COVIDiary.

______________________________  
Foto: C.E.

Mittwoch, 29. September 2021

COVIDiary (389)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir ar­beiten, ist hier seit 2007 re­gel­mä­ßig Thema. Derzeit sitze ich viel am Schreibtisch.

Grauer Himmel, elektrisches Licht schon am Vormittag, Gewitter: Donnerwetter, schon wieder ist Herbst!

Tageslicht vs. natürliches Licht in einem Zimmer
Im Sommer hilft sie nur wenig

Hohe Zeit, die Tageslicht­lampe wieder aus der Kam­mer zu ho­len. Und einen Blog­ein­trag zu recyclen, der einen Blogeintrag recycelt: Über "Mehr Licht" hab ich hier bereits geschrieben.

Außerdem futtere ich ab einem gewis­sen Zeit­punkt Vitamin D und mache viele Gänge über­wie­gend in der Mit­tags­zeit, wenn die natür­liche Licht­menge auch im Winter hoch ist.

______________________________
Foto:
Wikipedia/Creative Commons

Dienstag, 21. September 2021

COVIDiary (385)

Bien­ve­nue auf den Sei­ten einer Sprachar­bei­te­rin. Wir Über­setzerin­nen, Über­set­zer, Dol­metscherinnen und Dolmetscher ar­beiten seit Beginn der Pan­demie über­wie­gend zu Hause im eigenen Ar­beits­zimmer. Der eigene Garten ist da nicht fern. Anlass zu Natur­beob­achtungen!

Vom Regen über Böden, Gewässer, Reinigungsanlagen, Industrie und Haushalte ... zurück zur Verdunstung
Was­ser­kreislauf und -reinigung
2017 floss mir mal wieder ein Ge­dicht aus der Feder. Ich hab es neulich kurz rum­ge­zeigt. Eine Be­kannte schrieb dazu: "Der Kli­ma­wan­del ist schnel­ler als unsere Wahrnehmung." Gefühlt habe ich das Gedicht ges­tern ge­schrie­ben, gefühlt waren die Berlinsommer nasskalt und bestanden aus vier Mo­na­ten April­wet­ter. Das ist nun an­ders.
Verglichen mit den Wet­ter­auf­zeich­nun­gen lagen die Durch­schnitts­gra­de der Som­mer­mo­na­te 2021 fast ein Grad über den Durch­schnitts­tem­pe­ra­tu­ren der letzten drei Jahr­zehn­te.

Berlinsommer

Was in Berlin so Sommer genannt wird.
Der Keller trocknet noch, auch die Schuh.
Weggehen, morgen Abend? Ach nee, es
Wird doch wieder schütten, aber sowas

Von nass wird's. Im Rinnstein ein Meer
Und die Tomaten schon wieder ersoffen.
Tage später steht die Luft. Der Eismann
Macht endlich die Deals seines Lebens.

Was in Berlin Sommer genannt wird, war
Früher mal besseres Aprilwetter. Balkon
Putzen? Sitzkissen auf die Stühle dort?
Lohnt doch nicht. Komm lieber mit mir

Ins Kino. Aber vergiss die Jacke nicht.
Los! Heute! Wetter, echtes. Statt Büro
Die Räder angespannt und zum See ge-
Radelt. Was in Berlin so Sommer heißt.

______________________________
Foto: C.E. (Archiv)

Montag, 13. September 2021

COVIDiary (381)

Das Be­rufs­bild der Dol­met­scher und Über­setzer (hier: ei­ne Dol­met­sche­rin­ und Über­set­ze­rin­) ist oft we­nig be­kannt. De­tails daraus be­schreibe ich seit 2007 an dieser Stelle. Meine Spra­chen sind Franzö­sisch, natür­lich Deutsch, und Englisch als Ausgangs­sprache. Der Som­mer lässt Be­gehr­lich­kei­ten wachsen: Kopf­eins­ichten und Blick auf den Schreibtisch.

Le son est devenu très médiocre. / Merci de l'avoir signalé, nous essayons de régler le problème. C'est le son de la traduction? / Toujours un son accompagné de parasites. / S'agit-il du son de la traduction? / Oui /Déchiffrable, mais avec des résonances / c'est mieux || Der Ton ist sehr schlecht geworden / Danke für Ihren Hinweis, wir versuchen, das Problem zu beheben. Ist es der Ton der Übersetzung? / Immer noch viel Rauschen / Ist es die Übersetzung? / Ja / Verständlich, aber mit Echo / Jetzt besser
Zehn Minuten Stress
Parasiten im Raum! Zum Glück nur im digitalen!

Le son est parasité bedeutet auf Deutsch einfach nur, dass der Ton gestört ist. Parasiten, die im "Normalfall" Energie vom Wirtskörper nehmen, können wir uns auf ein akustisches Er­geb­nis über­tragen gut vor­stel­len. Es wird Band­­breite weg­­ge­­knab­bert. Ich stelle mir wenig pos­sier­liche Tier­chen vor, wie sie durch die Lei­tung krab­beln. Das macht so seine Husch- und Kratz­ge­­räu­sche. 

Ein anderer uner­wünschter Begleit­sound, wie wir ihn aus dem Jahrhundert des fest­netz­ge­bun­de­nen Telefons kennen, wurde so beschrie­ben: Il y a de la friture sur la ligne! Auf Deutsch: Es rauscht in der Leitung. La friture bedeutet eigentlich "Brat­fett". Wir stellen uns vor, unsere Wörter werden frisch in die Sauteuse ge­wor­fen wie Kar­tof­fel­stück­chen, die zu pommes frites werden sollen.

Das Knistern und Knastern einer solchen Friteuse wird mal eben auf die Verbindung übertragen. Und nein, ich denke jetzt nicht an fritierte Krabbelviecher als Ei­weiß­quel­le der Zukunft. Bon appétit !


P.S.: Ursache waren übrigens normale Schwankungen im Netz. Die Dol­metsch­kol­legin saß in einem Dorf, das leitungstechnisch nicht gut angebunden ist. Deutsch­land muss noch viel machen in Sachen Di­gi­ta­li­sie­rung.

______________________________
Illustration:
... aus einer Online-Konferenz

Mittwoch, 8. September 2021

COVIDiary (377)

Was Dol­met­scher und Über­setzer um­treibt (hier: eine Dol­met­sche­rin­ und Über­set­ze­rin­), be­schreibe ich seit 2007 an dieser Stelle. Meine Spra­chen sind Franzö­sisch, natürlich Deutsch, und oft auch Englisch als Ausgangs­sprache. Heute ein kurzer Rück­blick in vor­pan­de­mische Zeiten. Triggerwarnung: Wer zu Mi­grä­ne neigt, möge bitte die Illustration zuhalten.

Sorry für mein ungelenkes GIF
Auf manche Übersetzungen kommen wir nicht durch lan­ges Nach­denken, sondern aus­schließ­lich si­tua­tiv. 

Vor der Pandmie: Eine De­le­ga­tions­reise mit Hand­wer­kern und Ar­chi­tekten, es geht um be­hut­same Alt­bau­sa­nierung. Im Um­feld von Histori­kern, Bau­bio­logen und Ar­chi­tek­tur­kriti­kern kenne ich den bösen Spruch: "Und fällt dem Archi­tekt nichts ein, so greift er schnell zum Glas­bau­stein!" Solche Schnacks gel­ten nor­­ma­­ler­­wei­se als un­über­setzbar, da zu stark kul­tu­­rell kon­­no­­tiert. Wobei: Bau­ver­schan­de­lung ist uni­ver­sell.

Dann stehen wir vor so einem Win­ter­gar­ten, in den die Nachbarn nicht ein­sehen können.

Alte Bau­substanz, die Steine pas­sen wie die Faust aufs Auge. Und ich höre mich sagen: Si l'archi­tecte n'a pas d'idées, la brique de verre le [la] fe­ra bril­ler. (Rück­über­setzt: Wenn der Ar­chi­tekt keine Ideen hat, wird der Glas­bau­stein ihn [sie] bril­lant erscheinen las­sen.)

Gut, da ist eine kleine Verschiebung drin, aber sowas ist er­laubt. Die Über­setzung wäre mir nicht so spon­tan von den Lip­pen geflos­sen, wenn mich im glei­chen Mo­ment nicht die sich im Glas spiegeln­de Sonne ge­blen­det hätte! Schön: Die fran­zö­sische Varian­te kann Mon­sieur oder Ma­dame l'Archi­tecte meinen.

Ein ähn­liches Au­gen­blicks­glück habe ich hier schon mal be­schrie­ben, als wir für den Deut­schen An­walt­ver­ein unterwegs waren: "Wer schreibt, der bleibt!"

Vokabelnotiz
spur-of-the-moment — spontane Eingebung
serendipity — Serendipität, verwandt: glücklicher Zufall

______________________________
Foto:
C.E.

Freitag, 3. September 2021

COVIDiary (374)

Was und wie Über­set­zer und Dol­met­scher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Die meis­ten von uns sind Frauen, also Dol­met­scherinnen und Überset­zerinnen, und Festanstellungen sind die Ausnahme. In der Coronazeit ist Selbständigkeit nicht unproblematisch. Und dann kommen weitere Probleme hinzu.

Auf deutschen Baustellen herrscht Materialmangel, vor allem Holz ist schwer zu bekommen. Das liegt unter anderem an den Großbränden in den USA der letzten Monate und Jahre. Alte Kauf­optionen mit diesem nordameri­kanischen Staat, aber auch mit China, werden jetzt gezogen. Kurz: Holz geht in großem Umfang nach Über­see. Es wird auch deshalb immer teuerer, weil der Borken­käfer vielerorts zu­ge­schla­gen hat. Weitere Liefer­ketten drohen zu brechen.

Lieferkette

Nun fühle ich mich selbst als Teil einer solchen Kette. Meine Probleme wa­ren und sind: Quaran­täne und Eisen­bah­ner­streik.

Dieser Zug endet hier
Nicht wegen des Streiks bin bin ich dieses Jahr nicht als Mo­de­ra­to­rin und Dol­met­sche­rin in Schwe­rin beim Film­­festival, sondern aus privaten Grün­den. Vom "Home office" aus mache ich gerade halb­stun­denweise das Back office von Kol­le­gin­nen, die nicht oder nur schwer zu ihren Einsätzen kommen.

Ein Bahnfüh­rer­streik mitten in einer Pan­de­mie, diese Idee finde ich nicht nahe­lie­gend. Bahn­rei­sende sind angesichts der deutlich an­stecken­deren Delta-Variante, die auch Ge­imp­fte verbreiten können, auf viel Luft in den Wagons zwischen sich und den Mit­men­schen angewiesen. Und jetzt das: Der Zäh­lung einer Kollegin zufolge fuhren von zehn Zügen, die infragegekommen wären, gerade mal zwei. 

Entsprechend gestopft waren die Züge. Sie machte auf dem Absatz kehrt, mietete einen Wagen an. Das kann nicht jede(r), nicht alle besitzen einen Führe­rschein. Das hatte Aus­wir­kun­gen auf die Arbeit: Vorbereitungsmaterial, das kurz vor knapp ankam, konnte nicht mehr bearbeitet wer­den; eine andere Kollegin kam total genervt vom Stra­ßen­ver­kehr am Ziel an. Wir aber müs­sen völlig entspannt sein bei unseren Ein­sätzen.

Pandemiegeschehen

Ich ziehe den Fokus auf, weg von der eignen Betrof­fenheit. Menschen sitzen enger im Zug, das In­fek­tions­ge­sche­hen wird angeheizt, es kommt zu mehr Infizie­rten, Er­krankten, Lang­zeit­er­krankten und Toten. Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal und Rei­ni­gungs­kräfte bekommen vermeidbare Zu­satzarbeit aufgebrummt.

So richtig ich gesellschaftliches Engagement und auch Ar­beits­kampf finde, so fatal ist das zur falschen Zeit. Hier wird auf dem Rücken vieler unter Ausblendung der Gefahren für die In­ter­es­sen einer kleinen Gruppe gekämpft.

Zu­rück ins Konkrete: Eine Netzwerkkollegin konnte diese Woche aufgrund des Streiks einen drei­tägigen Einsatz im Süden Deutschlands nicht an­tre­ten, denn mit einer Vor­er­kran­kung wird sie sich nicht auf eine Fahrt ohne "Hy­gie­ne­pro­tokoll" einlassen. Und Fliegen darf sie aus den gleichen Gründen nicht.

Sie hat den Einsatz an eine Kollegin wei­ter­ge­ge­ben, die in der Nähe wohnt. Statt nach an­dert­halb Jahren mit sehr geringem Ein­kom­men endlich mal wieder ar­bei­ten zu können und dabei auch ihren Vater wie­der­zu­sehen, der dort lebt, sitzt die Berliner Dolmetscherin zu Hause.  

Plan B

Diese "Grundversorgung" ist eine Zumutung

Andere Kol­le­gin­nen erreichen ent­le­gene Arbeits­stätten nicht, einiges wird zurück ins Netz verlagert. Oder aber sie müs­sen für einen Inlands­flug ins Flug­zeug steigen, was sie aus Um­welt­grün­den ei­gent­lich nie wieder machen wollten. 

Co­ro­na­fol­gen: In man­chen Teilen der Ge­sell­schaft schwin­det die Soli­da­ri­tät mit anderen.

Links, was die GDL derzeit so zu­lässt.


Vokabelliste

Lieferkette, die — chaîne (f) de distribution / d'approvisionnement
Borkenkäfer, der — scolyte (m), bostryche / bostriche (m)
Arbeitskampf, der — conflit social (m), grève (f)
Entsolidarisierung der Gesellschaft — recul (m) de la solidarité sociale
______________________________
Foto:
C.E. (Archiv) / Die Bahn

Mittwoch, 1. September 2021

COVIDiary (372)

Herz­lich will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­metscher und Über­setzer machen, wie sie arbeiten, wie sie leben, ist hier seit 2007 re­gel­mä­ßig Thema. Außerdem denke ich über die Spra­chen und Unterschiede zwischen den Kul­turen nach. Durch das viele Nach­denken im Vor­feld kann ich spä­ter, wenn es nötig ist, be­sonnen reagieren.

Bei Dolmetsch­ein­sätzen kommt es vor, dass Gäste im Raum auch unsere Ar­beits­spra­chen sprechen. Das ist völlig nor­mal, stört uns keines­falls. Im Ge­gen­teil, je besser die betref­fende Person beide Spra­chen spricht, desto besser kann sie sie ein­schät­zen, was wir leisten. Sehr oft entstan­den Empfeh­lungen und neue Kun­den­be­zie­hun­gen aus solchen Momenten.

Schwieriger ist es, wenn jemand ein wenig Franzö­sisch kann und auch noch sehr stolz darauf ist. Vor ei­ni­gen Jahren ist mir an einem 1. Sep­tember mal etwas in diesem Zu­sam­men­hang passiert.

Hier spricht die Dolmetscherin
Ich muss kurz ausho­len: Der 1. Sep­tem­ber steht in Frankreich und Deutsch­land für komplett un­ter­schied­li­che Dinge.
Der Tag ist in Deutschland der An­ti­kriegs­tag, denn die Wehr­macht hat an einem 1. Sep­tem­ber Polen überfallen und damit den Zwei­ten Weltkrieg be­gon­nen. In Frank­reich be­deu­tet dieser Tag den Neu­start in die Sai­son — und mit "Saison" ist es auch der Start in ein neues Jahr. 

Das Wort Sai­son ist hier im Sinne von 'Theatersaison' oder 'akade­misches Jahr' zu verstehen. Am 1. September kehren franzö­sische die Schüler zurück in die Klassen, es ist der Beginn der so­ge­nann­ten rentrée, dem schu­li­schen, ökono­mi­schen, poli­ti­schen, gesell­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Herbst­an­fang.

Der Verweis

Daraus folgt, dass Ereignisse, die vor der großen Som­mer­pause stattgefunden ha­ben, gerne als l'année dernière zugeschrieben werden, letztes Jahr also.

Vor Jahren hat ein fran­zö­sischer Gast bei einem deutsch-franzö­sischen Meeting von Industriellen, das an einem 1. September stattfand, über eine Zusam­men­kunft im März be­rich­tet. Später bezog er sich auf das Tref­fen und sagte l'année der­nière. Er meinte genau diesen Termin, das war aus verschie­denen Gründen klar, der Ver­weis auf "früher im Jahr", so habe ich es gedol­metscht, wurde von allen, die dabei waren, mit einem Nicken aufgenommen.

Die Blutgrätsche

Nur ein Herr starrte mich an. Vielleicht war er neu, vielleicht war er aus anderen Gründen nicht beim Frühjahrs­treffen dabei gewesen, vielleicht musste er sich pro­fi­lie­ren in der testosteron­do­mi­nier­ten Vor­stands­runde. Auf jeden Fall wurde er leider sofort un­an­ge­nehm und sagte: „Hier muss ich reing­rät­schen, der Dolmet­scherin ist ein Feh­ler unterlaufen! Mon­sieur Soundso hat 'letztes Jahr' gesagt und nicht 'früher im Jahr'!"

Die Franzosen im Raum schauten mich irritiert an. Wir sa­ßen noch nicht lan­ge zu­sam­men, waren in der An­wärm­pha­se, in der es im fran­ko­pho­nen Raum immer sehr höf­lich zugeht. Sie hatten zwar nicht verstanden, was der Betroffene gesagt hatte, wie er es gesagt hatte, war aller­dings unmiss­verständlich. Für mich war das Wort "reingrät­schen" prob­le­ma­tisch, für das ich im Franzö­sischen keine Entspre­chung kenne, zumindest nicht vom Fußballfeld, für die anderen Laut­stärke und Gesten des Teil­nehmers.

Die Reaktion

Schreckse­kunde! Dann habe ich dann mit san­fter Stimme diese Worte sinn­ge­mäß übertragen, "ich würde gerne in­ter­ve­nieren", j'aime­rais in­ter­ve­nir, und nicht "ich muss" ... und es am Ende in eine Fra­ge münden las­sen: "Sind Sie sicher, dass Sie dieses Jahr meinen ... oder nicht doch vielleicht letztes?"

Der Fran­zose hat dann sehr freund­lich ge­ant­wortet, dass es vielleicht miss­ver­ständ­lich gewesen sei und dass er durchaus den letzten März meine.

Das Gespräch ging ruhig weiter. Auch die Bull­dogge im weißem Hemd­kragen war an­schlie­ßend friedlich. Alle haben ihr Ge­sicht wahren können. Auch das sind die Auf­gaben einer Kon­fe­renz­dol­met­scherin.

______________________________
Foto: C.E. (Archiv)

Montag, 30. August 2021

COVIDiary (370)

Was Sprach­ar­bei­ter*in­nen ma­chen, ge­na­uer: Über­setzer- und Dol­met­scher*in­nen für Fran­zö­sisch, kön­nen Sie hier mit­lesen. Auch wenn wir in Co­ro­nazeiten weniger Kon­fe­renzen ha­ben, achten wir weiter­hin sehr genau auf die Sprache.

Wahlkampf auf n-tv und RTL: Die drei Kan­didaten disku­tieren im "Trialog". Dieses Format und seinen Namen kennen wir Dolmet­scher*innen schon lange, neu scheint der Begriff für die breite Öffent­lichkeit zu sein, bekannter ist der "Dialog". Statt "Duell" nennt die ARD den verbalen Schlagabtausch ein "Triell". 

Das neue Format fand ich lebendiger als die alten Wahlkampfdebatten. Dabei ist interessant, wie die US-Wahl­kämpfe der letzten Jahre als unausgesprochene Re­fe­renz mitschwingen. Als der SPD-Kandidat vom Moderator ganz zu Beginn zum An­griff auf einen Wettbe­werber aufgefordert wird, sagt dieser sehr ruhig (sinn­ge­mäß): "Das ist nicht der Stil, in dem wir hier­zulande diskutieren sollten."

Das fand ich schon mal gut. Fair play und konstruktiv wurde es dann. Es gab einige Elfme­ter, einige Bälle gingen direkt ins Netz, es gab auch Eigentore. Der am­tie­ren­de NRW-Minister­präsident würde sich gern von der Gesell­schaft wünschen, dass wir "die Tassen im Schrank lassen". Den wind of change bringt er in Über­set­zung, "Wind der Verän­derung", möchte sich ihm aber mit Stand­haf­tig­keit entgegen­stel­len. Nun ja. Dabei schien näm­li­chem Kan­didaten Sprache sehr am Herzen zu lie­gen, denn Gendern sei für ihn Über­treibung.

Eine Analyse der Körper­sprache der Beteiligen wäre sicher sehr lohnend. In­ter­es­sant fand ich, wie Baerbock für ihr Schluss­statement vors Pult getreten ist. Dafür hat sie weniger optimale Ausleuch­tung in Kauf ge­nommen, ist die Kamera gegen Ende nicht so nah an sie he­range­fahren wie bei den Herren. Aber ich empfand es als eine "direkte Ansprache" als Bürgerin (und nicht primär als Kand­idatin). 

Die Über­ra­schungs­ge­win­nerin der Show ist die Ge­bär­den­sprach­dol­met­sche­rin, die im Stream leider oft beide Herausforderer des derzeit von der CDU besetzten Am­tes verdeckt hat. Das war ein Regiefehler. So wie online den Saalton bei einer Pro­gramm­un­ter­bre­chung anzulassen, als im TV die Werbe­pause kam.

Hier: Was wäre, wenn heute die Kanz­lerin/der Kanzler direkt gewählt werden könnte? Danke, Gazetteur.Umfrageschock für Union nach #Triell: TV-Duell-Gebärdensprachdolmetscherin jetzt vor Armin Laschet

______________________________
Illustration:
Profis vor! Der Gazetteur

Samstag, 28. August 2021

COVIDiary (369)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir ar­beiten, ist hier seit 2007 re­gel­mä­ßig Thema. Der­zeit sitze ich an einer Über­setzung. Und ziehe den zweiten Wollpulli über. Hier die Links der Woche.

Ende August Pulsw­ärmer, Wollpulli und -socken aus dem "Motten­safe" zu holen, wo sie gera­de mal seit Ende Mai liegen, ist un­schön, der Dauer­re­gen der letzten Zeit auch. Doch kön­nen wir (ab­ge­sehen von der Flut­ka­tas­tro­phe im Ahrtal) zufrie­den sein, dass nach den drei Dür­re­jahren die Was­ser­re­ser­ven einiger­maßen aufge­füllt werden können. Nicht mehr ganz Deutschland leidet unter extremer Dürre.

So rede ich mir schön, dass der Balkon seit Wo­chen ein No Man's Land ist. Diesen Som­mer haben wir ihn so gut wie nicht nutzen kön­nen, die Tage lagen im hei­ßen Juni; eine gute Freundin aus Mar­seille, Künstlerin, die damals hier im Kiez Quar­tier nahm, plant schon wie­der ihre Rück­reise; an­dere Freun­de sind auf der Durch­reise vom "Hotel Opa" für einige Tage da; in Ber­lin läuft die Schu­le schon wie­der normal.

Gefühlt geht ein Som­mer zuende, der irgend­wie nicht in Schwung kam. Haben wir uns an die kli­ma­ka­tas­tro­pha­len Hitze­sommer zu sehr ge­wöhnt? In der wär­me­ren Jahres­zeit sind al­le ger­ne drau­ßen, weil es ein­fach mög­lich ist. Nun wird der zwei­ten Co­ro­na­sep­tember zum meist­nach­ge­frag­ten Mo­nat für Kon­fe­renz­dol­met­schen seit Beginn der Pan­de­mie. Für man­che Tage ha­ben wir vier Anfra­gen pa­ral­lel. Die Kon­gress­welt scheint in Sorge über die Lage zu sein und zieht das Herbst­pro­gramm auf diesen spä­ten Sommer­monat vor, Ok­to­ber dage­gen: eine bestä­tigte Buchung.

Alles andere ist un­klar. Es bleibt an­stren­gend. Aber das ist nicht einmal eine Be­schwer­de wert, wenn ich mir die poli­ti­sche Welt­lage ansehe.

"Berlin Wetter" - Huch! Wir haben keine Ergebnisse. Versuchen Sie es mit allgemeineren Suchwörtern!
Ich hatte es befürchtet: Wetter fällt aus!


Das wo­chen­lang unverändert an den Himmel ge­tackerte Wetter ist schon Teil der Kli­ma­ka­tas­tro­phe, das weiß je­des Kind, auch solche Stark­re­gen­mom­ente wie im Ahrtal. 

Die englische Seite IFLScience, die sich dem fak­ten­ba­sier­ten, über­prüf­ten, in­for­ma­ti­ven und auch un­ter­halt­samen Wis­sen­schafts­jour­na­lis­mus verschrie­ben hat, zitiert in diesem Zu­sam­men­hang den letzten Bericht des IPCC (zwischen­staat­li­cher Aus­schuss für Klima­änderungen): "Wir können jetzt mit Sicher­heit sagen, dass die gesam­te globale Er­wärmung, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts eingetreten ist, auf menschli­ches Handeln zurückzuführen ist. Diese Fak­ten sind zwar er­nüch­ternd, aber wir sollten kei­nes­falls verzweifeln. Der Bericht zeigt auch, dass wenn sich die Gesell­­schaften jetzt für eine starke Reduk­tion der Treib­haus­gas­emis­sionen ent­schei­den, wir die schlimmsten Folgen ver­mei­den kön­nen und dass die Erde in die­sem Jahr­hun­dert nur eine mo­de­rate zusätz­liche Er­wär­mung verzeichnen wird, an die wir uns wahr­scheinlich wer­den anpassen können."

Dabei gibt es viele Stell­­schra­uben, an denen wir ein­zeln und als Ge­sell­schaft dre­hen können, ein kurzer Film stellt sie vor. Leider ist er schon ein wenig über­holt: Der Ama­zonas hat dieses Jahr mehr CO2 aus­ge­sto­ßen als auf­ge­nom­men. Das war erst für 2035 er­wartet worden.

______________________________
Illustration: irgendeine Suchmaschine
Film:
Quarks, TabulaRasa

Mittwoch, 25. August 2021

COVIDiary (367)

Bien­ve­nue auf den Sei­ten einer Sprachar­bei­te­rin. Wir Über­setzerinnen, Über­set­zer, Dol­metscherinnen und Dolmetscher arbeiten seit Beginn der Pan­demie über­wie­gend zu Hause im eigenen Arbeits­zimmer, lesen Sie hier. Sofern es denn Arbeit gibt.

Tische zum Quadrat, Stühle zum Quadrat, blauer Teppichboden und zwei Dolmetscherinnen
Mit echten Menschen vor Ort!
Und jetzt, tadaaa, dürfen wir endlich wie­der Menschen live erleben. Nach 1,5 Jahren corona­bedingtem quasi-Still­stand findet die Herbstsaison 2021 im September statt. Das ist gut, aber irgendwie auch nicht ideal. Wir können's nicht ändern. Also sind wir lieber froh.
Und ja, liebe Kun­dinnen und Kunden, bitte fragen Sie uns weiter für diesen Monat an. Wir sind ein Netzwerk und können die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen.

Sie haben richtig gelesen: "Netzwerk", wie das Wasser­leitungs­netzwerk, durch das Sie Ihr Kaffee­wasser beziehen oder wie das große weltweite Netzwerk, das wir Internet nennen und das Ihnen grade diesen Text liefert.

Viele Menschen kennen den Begriff "Agentur". Eine solche sind wir erklärter­maßen nicht. Was un­terscheidet eine Agentur von einem Netzwerk? Wir müssen dif­fe­ren­zie­ren: Eine Schauspiel­agentur vertritt Schau­spieler, d. h., sie versucht, aktiv diese auf die verschiedenen Filmsets zu bekommen. Eine Dolmetsch­agentur hin­ge­gen dürfte sich eigent­lich gar nicht so nennen. Sie bieten eine Ware auf dem Markt an, die nicht eng mit der Firma verbunden ist, für die sie sich auch sonst nicht ver­pflich­tet fühlt. Agenturleute schreiben Angebote, suchen dann auf dem freien Markt nach Menschen, die dann Einsätze übernehmen und nur die Eckdaten dazu erhalten. Dafür verlangen Agenturen einen recht üppigen Anteil vom Kuchen. Ihre Arbeits­weise ist die von Maklern.

Gleich­be­rechtigte Kolleg:innen

Ein Netzwerk besteht aus gleich­berech­tigten Partner*innen, die einander helfen und unterstützen. So, wie eine Kollegin neulich, die einen Einsatz für mich or­ga­ni­siert hat. So, wie ich jetzt, die ich für zwei Kolleginnen einen Termin plane. Dieser Kunde hat seit neuestem französische Anteils­eigner und war noch nie mit der Not­wen­dig­keit konfrontiert, eine Vorstands­sitzung mehr­sprachig abhalten zu müssen. da musste ich zunächst sämtliche Bedürf­nisse abfragen, mit der Haus­meisterin te­le­­fo­­nie­ren und den Raum kennenlernen, was durch eine online-Liveüber­tragung sehr einfach ging, dann durfte ich die Technik briefen, damit deren Angebot zum Bedarf passt.

Bei Stamm­kunden dürfen wir hier ein Ver­waltungs­pauschale aufschlagen, was rich­tig ist, denn tout travail mérite salaire jede Arbeit verdient es, bezahlt zu wer­den. Bei Neu­­kunden trauen wir uns das eher nicht, denn sie vergleichen natürlich unsere Preise mit denen der "Agenturen".

Maklerarbeit

Eine Agentur bezahlt ihre Büro-, Te­le­fon-, Gehalts­kosten plus den Gewinn vom Ho­no­rar der Dolmetscher:innen, mit­un­ter auch der (z.T. fiktiven) Reisekosten, was oft 30 Prozent der Rechnung aus­macht, in Extrem­fällen bis zu 60 oder mehr Pro­zent gehen kann.

Je erfahrener die Kollegin:nen sind, desto geringer ist ihre Neigung, bei so etwas mitzumachen. Und ja, es soll Agenturen geben, die sich ganz mustergültig um ihre Schütz­­lin­ge kümmern, die den Kontakt zu den End­kun­den herstellen, damit der Infor­ma­tionsfluss über die Inhalte ge­währ­leistet ist, die sich kein zu großes Stück vom Kuchen abschneiden und die auch von Herzen danke sagen. Bislang habe ich leider von dieser Art Agentur nicht viel mit­­be­­kom­men. Gerne würde ich mich eines Besseren belehren lassen.

Zum Foto

Hier sitzen wir im Re­gierungs­viertel in einem Kongress­hotel und debattieren über die Energie­systeme der Zukunft. Alle vor Ort sind getestet, geimpft oder ge­ne­sen, die Abstände werden einge­halten, die Mas­ken auf Wegen getragen. Der Ter­min dauert nur zwei Stunden, daher sitzen wir nicht in der Kabine. Wo­an­ders konnte sich der Ver­an­stal­ter nicht ein­quartieren, da alles aus­ge­bucht ist, siehe oben. Der Septem­ber beginnt schon Ende August.

______________________________
Foto:
C.E.

Dienstag, 24. August 2021

COVIDiary (366)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Der Blog wurde zum COVIDiary.

Ein On­line­mee­ting zum Thema Bil­dungs(un)ge­rech­tigkeit und das Em­po­wer­ment von Mädchen (*): Lauter Ex­per­tinnen und Experten sitzen im Kongo, in Frank­reich und Deutsch­land an den Com­putern. Der Aus­tausch ist span­nend und hoch­gradig in­for­ma­tiv. Es sind zwei Dol­met­sche­rin­nen dabei, im Bild links unten zu sehen.

Viele Köpfe, wobei auffällt, dass die Teilnehmenden in Afrika sich als Gruppen je einen Rechner teilt. Die Mehrzahl aller verwendet kein Mikrofon.
Nur die Minderheit trägt Kopfhörer und nutzt ein ex­ternes Mikrofon

  




Als wieder eine Fach­frau aus dem Kon­go dran ist, muss meine Kol­le­gin sagen: "Lei­der ist die Ver­bin­dung so schlecht, dass die Dol­metscherin nur Stichworte ver­ste­hen kann." (Wir spre­chen von uns in sol­chen Mo­menten immer in der 3. Person Sin­gular, weil damit klar wird, dass wir gerade nicht dol­met­schen.) Alle achten jetzt auf die leicht pfeifenden Ver­zer­rungen, dann wird der O-Ton ganz still, dauert die Pause länger als die Über­tra­gung, schließ­lich setzt we­nigs­tens das Pfei­fen wieder ein. Hier ha­ben alle gehört, was im Extrem­fall unsere Arbeit be­hin­dert.

Weniger offensichtlich ist dieser Fall: Eine ältere Fach­frau sitzt hinter einem mo­der­nen Rechner, allerdings ohne Kopfhörer und Mi­kro­fon. Weil in Süd­deutsch­land (im Gegen­satz zu Berlin) das Wet­ter gut ist, stehen bei ihr Fenster und Türen of­fen. Wir hören das Vo­gel­ge­zwit­scher, spie­lende Kinder, irgen­dwann auch die Müll­ab­fuhr, dann hören wir die Teen­ager der Nach­barn, die auf der Ter­ras­se chil­len. Sie waren am Tag am See und würden gerne gril­len, so viel kann ich wört­lich ver­stehen, wenn ich mich auf die Pa­ral­lel­stim­men kon­zen­triere, wäh­rend die Kol­legin dolmetscht.

Die Kollegin zieht ihren Ein­satz durch ohne zu murren, die Gäste hören eine Ver­dol­metschung. Mög­li­cher­weise fällt ihnen nicht auf, wie viel fehlt und wie an­stren­gend hier die Kon­zen­tra­tions­arbeit ist. Denn manche Nu­ance fällt weg. Wir hören in sol­chen Mo­menten nicht alles, da wir ja auch gleich­zeitig spre­chen und damit den Schall­pegel im ei­ge­nen Kopf erhöhen.

Unsere Bitten:
⊗ Sofern möglich, sollte jeder und jede am ei­ge­nen Rech­ner sitzen.
⊗ Bitte Kopf­hörer und externes Mikrofon nutzen (z.B. ein separates Headset).
⊗ Die Übertra­gung wird durch ein LAN-Kabel deutlich verbessert.
⊗ Einen mög­lichst ruhigen Ort wählen. Störungen im Vorfeld ausräumen.
⊗ Vorab einen Termin mit möglichst vielen Teil­neh­menden anberaumen, an dem die Technik getes­tet wird.
⊗ Be­ob­ach­tungen for­mu­lieren, Wün­sche ableiten, ein(e) Be­tei­lig­t(er) schreibt die On­line­eti­ket­te auf und sen­det sie an alle.
⊗ ... in der zum Bei­spiel steht, dass nur wer spricht das Mi­kro­fon einschaltet.
⊗ ... in der zum Bei­spiel auch steht, dass zwischen Ant­wor­ten und neuen Fragen kurze Pausen zu be­las­sen sind, vor allem dann, wenn die Dis­kus­sions­spra­che ge­wech­selt wird. Bei­spiel: Eben wird noch ins Deutsche ge­dol­metscht — Dol­met­schen braucht immer ein wenig län­ger als der/die Red­ner/in selbst. Wenn jetzt die Mo­de­ra­tion auf Deutsch sofort die nächs­te Frage stellt, ist der deut­sche Ton­ka­nal dop­pelt belegt und we­der das eine, noch das an­de­re sau­ber zu hören.

Spre­chen Sie uns an! Wir wir­ken gerne mit einem Test­lauf am Entwickeln Ihrer On­line­eti­ket­te mit! Unserer Er­fah­rung nach hilft nur die Team­er­fah­rung eines Vor­ab-Tref­fens mit dem ge­mein­sa­men Ent­wickeln dieser "Neti­quette", um mög­lichst viele zu erreichen.

______________________________
Foto: C.E. (Die Kollegin, hier nur im Foto, war
war bestausgestattet.)
(*)
oder war's ein Gesundheitsthema? Der Blog
ist Autobiofiktion und damit wahrhaftig.
O-Ton: Originalton

Freitag, 20. August 2021

COVIDiary (363)

Bon­jour, hel­lo und gu­ten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer ma­chen, na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Heute: mein Sonn­tagsbild vor Ende der Wo­che.

Es ist wichtig, die Arbeits­moral hoch­zu­halten, beson­ders dann, wenn die Zeiten nicht leicht sind. Da hilft, be­wusst Freund­schaf­ten zu pfle­gen, außer­dem Kunst und Kul­tur und Musik, auch der Kunst des Fei­erns einen Tribut zu zollen und uns gastfreundlich zu zeigen, natürlich co­ro­na­kon­form unter Be­rück­sich­ti­gung der Drei-G-Regeln.

Mit dem Gros meiner Nach­barn lebe ich fast in sowas wie in einer großen Wohn­ge­mein­schaft. Das liegt sicher auch an der Garten­arbeit. Es gab etwas zu feiern. Nie­mand wollte eine Rede halten, alle wink­ten mit großen Gesten ab. "Machst du doch wieder, oder?", durfte ich mir im­mer wieder an­hören. Weil ... naja, Erfah­rung. Also hab ich ge­sprochen.

Und mir die Auf­zeich­nung später an­ge­hört. War alles drin, was drin sein sollte, nur ge­schrie­ben hätte ich es etwas dif­fe­ren­zierter, hier ein kleines re­tar­die­ren­des Moment eingebaut, dort den einen oder anderen Absatz gesetzt (= Pause!), viel­leicht wäre mir auch noch ein Witz eingefallen. Merke: Vor der nächsten öf­fent­lichen Rede ei­nige Pas­sagen auf­schre­iben, lernen und dann bewusst frei spre­chen.

Vorgegeben waren fol­gende Stich­punkte: "we­sent­li­cher Be­stand­teil", "Lieb­lings­nach­barin", "Tradition", "Kom­post­haufen", "Gar­tenhaus", "Was­ser­grund­stück".

Wenn sich die Lage normalisiert hat, belege ich mal wieder einen Rhetorikkurs.

Draufsicht: Hofgarten, Guirlanden, Menschen, Buffet, Musiker
Für die meisten von uns war es das erste Konzert seit fast zwei Jahren!


______________________________
Foto:
C.E.

Montag, 16. August 2021

COVIDiary (360)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ein­blicke in das Le­ben einer Sprach­ar­bei­terin können Sie hier ­ erhalten. Ich bin Dol­met­scherin für die fran­zö­sische Sprache, und ich über­set­ze auch aus dem En­g­li­schen. Die neue Woche be­ginnt mit ge­misch­ten Ge­fühlen.

Heute ist Ver­drän­gen der aktuellen Lage angesagt, statt­des­sen Textlektorat, Über­set­zungs­ar­beiten und die Erstellung zweier Kosten­vor­an­schläge für insgesamt fünf Tage im Früh­herbst. Vier sind be­reits gebucht. Wir wis­sen nicht, ob die Termine zu­stan­de­kom­men, wie der zwei­te Co­ro­na­herbst werden wird. 

Kopffigur mit bedrohlichem Blick und Maul
                Schreckliche Aussichten
Ich trauere mit Haiti. Was muss diese Insel leiden! Ich denke an die An­ge­hö­ri­gen von Freun­den, denen dort re­gel­mä­ßig der Boden unter den Füßen weg­ge­ris­sen wird. Und dazu Hochwasser in Deutschland und in der Tür­kei, Brände und Hitzewellen dortselbst und in Süd­eu­ropa sowie stei­gen­de In­fek­tions­zah­len.
Und ich bange mit in Sachen (Über­)Le­bens­chan­cen von Frauen und Mäd­chen, Wis­sen­schaftler:innen, Künst­ler:innen und Regis­seur:innen in Afgha­nis­tan; Ortskräf­te der westlichen Truppen wie Dolme­tscher kom­men hinzu. Schwer ver­ständlich, dass die Bundesregie­rung erst jetzt Eva­kuierungs­pläne er­ar­bei­tet. Wieder sei daran erinnert, dass der Westen die Taliban vor Jahr­zehn­ten groß ge­macht hat.

Das war lange vor dem Mauer­fall. Der Grund war Anti­kom­mu­nis­mus: "Der Feind mei­nes Fein­des muss mein Freund sein." Die Tali­ban haben damals aktiv gegen die So­wjet­union gekämpft. Ein solches Rä­so­nie­ren war schon da­mals grund­falsch. Diese Epi­sode wird lei­der immer gerne ver­ges­sen. Ja, damit trägt der Westen Ver­ant­wor­tung. Und wer finan­ziert eigentlich die Tali­ban heute fort­wäh­rend? Wer lie­fert ihnen Waffen? Mancher islami­scher, radikali­sierter Staat, aber auch die Dro­gen­pro­duk­tion für den Wes­ten. Solange in un­se­rer west­lichen Welt so viele Men­schen un­glück­lich sind, wer­den dort die Kas­sen des Dro­gen­han­dels geflutet. Eines Han­dels mit Wa­ren, die im Land an­ge­baut wur­den, wäh­rend es west­liche Mäch­te be­setzt hat­ten.

______________________________
Illustration: Wandmalerei in Kreuzberg

Sonntag, 15. August 2021

COVIDiary (359)

Was Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher so erleben, können Sie hier mitverfolgen. Wir sind im 2. Co­ro­na­som­mer. Kon­feren­zen gibt es nur wenige, meine Spra­chen (Franzö­sisch und Eng­lisch) spreche ich jetzt haupt­sächlich privat. Sonn­tags­bild!

Mit Hackenschuhen, Dutt und Blumen

Sonntag bei einer befreundeten Familie: Die kleine Camille und ich arbeiten weiter an der Aus­sprache. Ich habe hier schon davon berichtet. Das Prob­lem mit den falsch sitzenden Lau­ten möc­hte ich spie­­le­­risch zu lösen helfen. Wir brin­gen die Zun­gen in Schwung. Heim­liches Zun­ge­­raus­­strecken macht gut erzogenen Töch­­tern wie uns ja immer Spaß! Wer schafft es, mit der Zun­ge die Na­sen­spitze zu berüh­ren? Kann je­­mand mit der Zunge das Kinn er­reichen? Jetzt die glei­che Bewe­gung im Mund, die Zunge bleibt hinter den Zäh­nen. Der Zun­ge-Rich­tung-Nase-Druck macht ein /t/. Der Zunge-Rich­tung-Kinn-Druck führt in Rich­tung /k/. Zur Un­ter­stüt­zung drücken wir mit dem Fin­ger die Zun­ge runter, jede für sich.

Und plötz­lich sagt Ca­mille ihr erstes /k/. 

Der Moment, in dem sie ihren El­tern zum ers­ten Mal in ih­rem Leben ihren Namen feh­ler­frei sagt, mit fast vier­ein­halb Jah­ren, bringt mich fast zum Heu­len vor Freu­de. Ihr Strah­len — un­be­zahl­bar! (Die große Schwes­ter reicht diskret ein Ta­schen­tuch an.)

Jetzt bin ich sehr, sehr, sehr happy. Die klei­ne Maus übt ab und zu spie­le­risch wei­ter, wir sehen uns wei­ter­hin einmal in der Woche, nicht immer ist es der Sonntag, und üben weiter. Einen sol­chen Er­folg hatte ich seit an­dert­halb Jahren in keinem meiner Berufs­fel­der! Auch das ist ein Moment der Co­ro­na­pan­de­mie: Wir Selb­stän­digen, die wir direkt mit Men­schen arbeiten, haben weniger bis keine beruflichen Erfolgs­er­leb­nis­se.

Zum Dank hat mich Camilles große Schwester por­trai­tiert. Sonn­tags­bild!

______________________________
Illustration: S. N.-B.

Montag, 9. August 2021

COVIDiary (356)

Was Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher so erleben, können Sie hier mit­ver­folgen. Ich arbeite mit den Sprachen Fran­zösisch und Englisch. Wir sind im zweiten Co­ro­na­sommer. Anders als früher, als ich meistens vor Ort tätig war, ar­beite ich jetzt oft aus der Ferne. Und ich muss Im­pul­se setzen, um mir den Tag zu gestal­ten.

In Berlin fangen die Tage derzeit mit herbstkühlem Wetter an, und sie enden auch so. Morgens um acht höre ich den kleinen Grund­schüler mit der schrägen Stimme von oben, wie er seine vermut­lich noch müde Mutter die Treppe runter­palavert. Schon vor der Einschulung war er ein beson­deres Kerl­chen mit seiner Stimme, die nach rostiger Gießkanne klingt und seinem Blick, der durch und durch geht. Ich liebe den kleinen Mann, dessen Kommentare und Fragen hoch­span­nend sind. Wenn er mit seinen Mor­gen­be­trach­tungen um acht Uhr die Hausge­meinschaft unterhält, hat die Schule wieder begonnen.

Berlin ist dieses Jahr sehr früh dran. Dabei hat die zweite Sommer­hälfte doch eben erst begonnen. Ich sitze und schreibe um, übersetze, lektoriere. Ein weiterer Ur­laubs­trip fällt wohl aus. Die Inziden­zen steigen, eine vierte Welle baut sich auf. Ich organisiere daher mit Hilfe die Woh­nung so um, dass ab dem Winter ein Zim­mer vermietet werden wird, und halte ansons­ten die Kröten beisammen. Wer weiß, wann wir wieder Kon­ferenzen er­leben werden. Für den Oktober wurden soeben drei Ta­ge optioniert. Wird das klappen? Oder kommt die fünfte Absagewelle?

Wildkräutersalat, Apfel, Karotte, Banane, Zitrone, Leinöl
Powerfrühstück Smoothie

In der Zwischenzeit "kure" ich. Meine Kur geht so (und ist eigentlich gar keine):
⊗ früh aufstehen, Wechseldusche nach Bürsten­massage,
⊗ freie Schreib­zeit am Morgen,
⊗ morgens ab 10.00 Uhr: Ein Smoothie aus einem Apfel, einer Banane, einer Karotte, einer großen Hand­voll Salat, dazu Walnüsse und etwas Leinöl, Flohsamen­schalen, manchmal Hafer­flocken oder Hanf­mehl oder/und Joghurt —plus H2O,
⊗ jeden Tag aus­mis­ten. Aus meinem Haushalt wird kein Mi­ni­ma­lis­ten­pro­jekt, aber etwas lichter darf er werden,
⊗ zwei Mal die Woche: Tee aus Brennesseln (vom Biostand),
⊗ jede Woche ein Sachbuch lesen, Begriffe raus­schrei­ben und übersetzen,
⊗ in­ter­mit­tie­ren­des Fasten (derzeit 15 Stunden ohne zu essen, kann gestei­gert wer­den),
⊗ jeden zweiten Tag einen Blog­ein­trag schreiben, den anderen Tag lekto­rieren und hochladen (wenn's mehr wird, ist es auch gut),
⊗ jeden Tag mindestens drei, eher fünf bis sieben Kilo­meter zu Fuß un­ter­wegs sein
Five o'clock-tea zelebrieren, gerne mit Freunden
⊗ Mittags dominieren Kohle­hydrate, dann kurzes Mittags­schläfchen; abends leichter essen,
⊗ die Schluss­klappe des Tages zur festen Uhrzeit, ebenso den Start morgens (mit Wecker).

Vieles von dem habe ich vorher schon so gemacht, werde al­ler­dings mehr davon in meine täglichen Rou­ti­nen aufnehmen. In Zeiten, in der es kaum Termine gibt, ist eine klare Alltags­struktur für Selb­ständige wichtig. Also in Zeiten von Corona und Kli­ma­ka­tas­trophe, in der mich die Leugner genauso emotional belasten wie die Nach­richten selbst.

______________________________
Fotos:
C.E.

Sonntag, 8. August 2021

COVIDiary (355)

Was und wie Sprach­ar­bei­ter machen, ge­na­uer: Über­setzer und Dol­met­scher für Fran­zö­sisch, können Sie hier mitlesen. Die meis­ten von uns sind selb­stän­dig, sie ar­beiten selbst und stän­dig. Durch Co­ro­na ver­än­dern sich unsere Auf­gaben. Zeit für ein Sonntags­bild!

Mein Sonntagsbild ist mein Foto der Wo­che: Ca­mille (Name geändert), die auf mei­nem Schoß sitzt und gerade zeichnet. Ohne es zu bemer­ken, hat sie eben per­fekt gesagt: "Das ist ein Mäd­chen, hier ist ihr Kleid ... und jetzt kom­men noch die Stin­ke­fü­ße!"

Wenige Sekunden zuvor ...

Das war mein Moment der Woche! Ich war einfach nur glück­lich. Noch vor vier Wochen konnte sie überhaupt kein /g/ oder /k/ aussprechen. Pandemiebedingt ist das Kind noch nicht in logopädischer Behandlung. Aber ich durfte der Klei­nen, sie ist die Toch­ter von Freun­den, ein wenig weiter­helfen. Wir sehen uns einmal die Woche.

Als Prak­ti­kan­tin im Hörfunk, also ir­gend­wann im letzten Jahr­hun­dert, durfte ich einmal zusehen (und auf­neh­men und zu­sam­men­schnei­den), wie ein gehörloses Kind das Wort "Affe" aus­zu­spre­chen gelernt hat. Da­bei hat mich be­ein­druckt, dass vie­le Lau­te durch die "Wind­men­ge" am Mund, das Be­ben von Na­se oder Hals von­ein­ander un­ter­schie­den wer­den kön­nen.

Das kleine Mädchen liebt es, zu toben und zu kitzeln. Also hab ich vor Wochen ge­sagt: "Schau mal, das /g/ kitzelt Deinen Hals!" Damit hatte ich ihre Auf­merk­sam­keit. Wir haben das immer wieder mal gemacht und haben geplaudert, denn ich wollte verste­hen, ob sie nur diese beiden Buch­staben durch ein /t/ ersetzt oder ob eine tiefer­lie­gen­de Sprach­störung bei der Vier­jäh­ri­gen vorliegt. Acht Tage später höre ich ein sau­be­res "gleich". Wir haben sogleich einige Sätze mit "gleich" drin geübt; es war, oh Freude!, kein "Unfall", das /g/ blieb an Ort und Stelle. 

Beim nächsten Mal waren wir im Sand­kas­ten schon bei "gleich grabe ich ein großes Loch". Das üben wir jetzt, manchmal klappt es, dann wieder nicht, wenn sie im Stress ist zum Bei­spiel, daher machen wir etwas Gym­nas­tik vor dem Üben, um die Kon­zen­tration auf etwas anderes zu ver­lagern. Die Gym­nas­tik­übun­gen sprechen auch das Ge­hirn an (wie auf einem Bein zu stehen und bis 20 zu zählen).

Glatze, Gretel, grau, wir verlängern die Liste. Sofort vom gut­tu­ralen G zum Vokal zu springen funktioniert nicht. Wir üben den Laut isoliert und hän­gen an­de­res dran, das physio­logisch in der Nähe liegt. Für den Laut /k/ hab ich ihr aufgemalt, wo die Zunge bei /t/ ist und wo sie bei /k/ hin­soll. Vorher waren wir Hände­wa­schen, dann haben wir uns je­weils im eigenen Mund rum­ge­fin­gert und viel gelacht dabei.

Und wieder eine Wo­che später, beim entspannten Malen ...

______________________________
Foto:
C.E.

Samstag, 7. August 2021

COVIDiary (354)

Hallo! Hier bloggt ei­ne Über­set­ze­rin und Dol­met­sche­rin für die franzö­sische Spra­che. Rechts finden Sie meine Kontakt­daten, unten lesen Sie Notizen aus dem All­tag von Sprach­ar­beitern. Heute Schnapp­schüsse, die ich am Weges­rand auf­ge­le­sen habe, sowie Links der Woche. Wir sind im zweiten Corona­sommer.

Schon wieder ist eine bunte Sommer­arbeits­woche vorbei. In den letzten acht Ta­gen habe ich ...

gedacht und Gedanken sortiert zu unserer Art des Wirtschaf­tens. Die Ge­mein­wohl­öko­no­mie könnte ein Ausweg aus der Krise sein!
gedol­metscht: nichts. Sommer­pause,
(mich) gefreut: über /g/ und /k/,
gegessen: mediter­ranes Gemüse im arabi­schen Restau­rant, zusammen mit J-L aus Südfrankreich, 
gehört: Radiosendungen auf Englisch und Französisch über den Jetstream (und den Golfstrom), die im­mer öfter für im Himmel festgetackerte Wetterlagen ver­ant­wort­lich sind,
gekauft und gegessen: Wildkräutersalat, der in neun Jahren um einen Euro je 100 Gramm teurer wurde (Link zum Foto von 2012),

Baum mit Punktdekoration, Tastatur, Buntblatt, das Palme spielt, Schneeballhortensie, Brillensuchbrillenhalter etc.
Bunte Bilder einer Augustwoche

gelacht: über die Herrschaften im Bade­mantel vor dem Haupt­eingang eines Hotels bei Fehl­alarm. Möchte ich in einen Krimi einbauen,
gelaufen: 34 Stock­werke an einem Tag (Nachbar­schaftshilfe, Alt­papier, Besuche etc.)
gelesen: "Fabian" von Erich Kästner, bald sehen wir die Verfilmung von Dominik Graf; hier noch einige Ergänzungen zu oben, und mehr: GolfstromKlimafolgen,
genossen:
lange Spazier­gänge zum Nachdenken,
geplant:
meine eigenen Fortbil­dungsmodule ab dem Herbst 2021, die mich auf ein Dritt­studium vorbereiten,
geschenkt bekommen:
dunkelblaue Tassen, die zu meinen Jumbo­tassen passen (Danke, Hanne!)
geschwänzt:
Pilates im Park,
gesehen:
lauter schöne Punkte am Gropius­bau, ich warte noch auf Ticketglück für die Yayoi Kusama-Retrospektive,
getan:
Kleiderkammer ausgeräumt, geputzt, wieder eingeräumt,
getippt:
Urkun­denkram und Pres­se­heft,
getrunken:
Apfel-Rote-Beete-Saft vom Biobauern, zusam­men mit Freund und Kol­lege A. auf dem Zicken­platz­markt,
geträumt:
wie ich auf einem Kon­gress dolmetsche. Wann wird wohl das nächste Mal sein?
(mich schwer) gewundert: über einen Mann, den ich nicht verstehe.

______________________________
Fotos:
C.E.

Freitag, 6. August 2021

COVIDiary (353)

Bonjour, welcome und hallo beim ersten Blog Deutsch­lands aus dem In­neren der Dol­met­scherkabine. Wie wir arbeiten be­schreibe ich seit 2007 an dieser Stelle. Meine Branche ver­ändert sich gerade, was an Corona liegt. Aber auch die KI, die Künst­liche In­tel­li­genz, spielt eine Rolle. Die allerdings an ihre Grenzen stößt.

DeepL-Fail (4): Ein Privat­kunde bittet mich, einen kurzen Satz für seinen Ar­beit­ge­ber ins Deut­sche zu übertragen. Er arbeitet als frankophoner Mensch in Berlin in einer inter­nationalen Firma, in der Englisch die office language ist. Derzeit ist eine Urlaubs­vertretung am Platz, die alten Regeln gelten nicht un­be­dingt.

Sein Ausgangs­text: Ma femme prendra ce matin les enfants sco­lar­isés pour achat des af­faires scolaires, la petite fille restera avec moi ce qui m'oblige a faire au­jourd'hui le homme office.

Ma femme prendra ce matin les enfants scolarisés pour achat des affaires scolaires, la petite fille restera avec moi ce qui m'oblige à faire aujourd'hui le homme office. // Meine Frau wird heute Morgen mit den Kindern zur Schule fahren, um Schulsachen zu kaufen, die Kleine bleibt bei mir, was bedeutet, dass ich heute das Büro des Mannes erledigen muss.
Quelle: www.DeepL.com





 

Dass da etwas nicht stimmt, erkennt jeder Mensch sofort, der/die über etwas bes­se­re Deutsch­kennt­nisse verfügt. In der Schule gibt es keine Schul­sachen zu kaufen, das ist der erste Fehler. Auf Französisch stand dort: "nimmt heute die schul­pflich­tigen (wört­lich: ein­ge­schul­ten) Kinder für Schul­sachenkauf", was etwas knapp for­mu­liert ist, OK, Tele­gramm­stil, mehr ist aber auch nicht nötig, der Mann ist Ma­nager. 

Dass ein geschie­dener Vater sein Kind über das Wo­chen­ende "nimmt" ist ein Klas­si­ker, dass Eltern sich je Be­darf bei meh­reren Kindern aufteilen, ebenso. Das System hat bemüht auf ein Ziel gewartet, weil es so pro­gram­miert worden ist: Be­we­gun­gen von Zwei­beinern der Spe­zies Homo sapiens sapiens sind zumeist mit einem Ziel­ort verbunden. Also wurde aus ein­ge­schult bzw. schul­pflich­tig eben schnell die Schu­le zum Ziel gemacht. Der Maschine fehlt im­pli­zites Wissen. Wir Men­schen wis­sen, wo wir Schul­sachen kaufen, das bedarf kei­ner wei­te­ren Er­wäh­nung und ist auch nicht wirk­lich wich­tig.

Nun zum zweiten Fehler: "... was be­deutet, dass ich heute das Büro des Mannes er­le­di­gen muss." Nun ist bekannt, dass franko­phone Men­schen oft nicht über großartige Englisch­kennt­nisse ver­fügen. So wurde hier aus dem "Home­office", da das Fran­zö­si­sche rein­gefunkt hat, ein Büro des Mannes oder des Menschen, denn das bedeutet das fran­zö­sische Wort l'homme.

Der dritte Fehler: "Home­office" ist eigent­lich gar kein englisches Wort. Auf Eng­lisch be­deutet home office vor allem "In­nen­mi­nis­te­rium". Der Autor der Zei­len hat, da er schon seit ge­rau­mer Zeit hier lebt, diesen Feh­ler übernommen. Wäre er erst vor kurzem in Berlin ansässig, hätte er noch télé­travail ver­wen­det, wörtlich "Fern­ar­beit". Die Ma­schinen müssten also auch über sämt­liche mög­li­chen Fremd­spra­chenfehler der Zwei­beiner aus den Län­dern der Welt und ihrer diversen sozialen Gruppen "informiert" werden. Und kon­kret in un­se­rem Fall hätte die Maschine "wis­sen" müssen, wie lange der Ma­na­ger schon in Deut­schland lebt.

Die Künstliche Intelligenz (KI) stößt hier er­neut an ihre Grenzen. Der Mensch ist schlicht zu un­perfekt dafür, als dass die KI Auf­ga­ben wie Über­setzen und Dol­metschen allein überneh­men könnte. Sie ist ein Werk­zeug in den Händen von Profis — ver­gleichbar mit dem di­gi­ta­len Se­zier­messer in der Hand von Chirurgen.

Frühere Bei­träge zum Thema KI-Fails hier: "PC", "Ich weise alle Schuld von mir", "Gesetzesvorhaben".

______________________________
Illustration:
DeepL

Donnerstag, 5. August 2021

COVIDiary (352)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Was ich bei manchen Themen liebe, in die ich mich als Dolmetscherin einarbeite, ist die Möglichkeit, praktisch einiges um­setzen. Wie zum Beispiel beim Thema pflan­zen­schut­zmit­tel­fre­ies Gärtnern.

Lob der Einfachheit: Pflanzenschutz geht im Stadt- und Balkongarten biologisch und billig. 

Brennesseljauche ...
Gelernt habe ich in Frankreich von einer af­ri­ka­ni­schen Nachbarin, deren Bal­kon­pflan­zen groß­artig wuchsen und blühten: Ich kratze das Innere von Ba­na­nen­scha­len (Bio­laden) aus, das Weiße, was ins Gelbe geht, manch­mal ist es auch schon etwas mat­schig-bräun­lich, und lege jede Wo­che (im Winter alle drei Wo­chen) davon et­was auf die Er­de, in der küh­len Ja­hres­zeit breit verteilt, damit es nicht schim­melt. Meistens neh­me ich den Er­trag von einer Banane für zwei bis drei Pflan­zen. 

Außerdem trinke ich aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig Bren­­nesseltee. Vom beim Öko­gärtner gekauften Grün­zeug vom unge­spritzten Betrieb bleibt immer wieder mal die Hälfte übrig. 

Sofern die Nachbarin sie mir nicht abnimmt, landen die Blätter klein­ge­schnitten im Glas, dann kommt ein Ess­löffel Gesteins­mehl darüber, damit die Chose nicht so sehr nach Am­moniak stinkt, schließlich etwas alter Stoff drauf und ein Gummi­ring drum. Das Gefäß steht dann zwei Wochen lang am Kompost­haufen, ich "rühre" einmal täglich um.

... am Komposthaufen
An­schließend einen Teil Jauche auf neun bis zehn Teile Wasser, fertig ist der perfekte To­­ma­ten­dün­ger. Andere Pflanzen stärkt die Jauche auch, außerdem macht es sie Wi­der­stands­fähiger gegen Schäd­linge.

Die Düngeeffekte von Kaffeesatz haben sich inzwischen rum­ge­sprochen. Vor allem Pflan­zen, die ein saures Um­feld mögen, freuen sich über die Über­bleibsel des Kaf­fee­trin­kens. Kaffee­satz hat einen nied­rigen pH-Wert, daher eignet er sich zum Beispiel be­son­ders für Rho­do­den­dren und Hor­ten­sien, von denen wir viele im Garten haben. Wichtig ist, den Kaffee­satz vorher trocknen zu las­sen, denn er schim­melt leicht. Und immer nur einen Naturdünger aufs Mal verwenden und Pausen einlegen.

Vokabelnotizen
⊗ en­grais de peaux de ba­nanes (10 % de potassium, 2 % d'azote, 1 % de cal­cium, puis du mag­nésium, du fer et du soufre) Ba­na­nen­scha­len­dünger (10 % Kalium, 2 % Stickstoff, 1 % Kalzium, außer­dem Mag­nesium, Eisen und Schwe­fel)
⊗ marc de café (2 % d'azote, 0,4 % de phos­phore et 0,8 % d'azote, plus potas­sium) Kaffee­satz (2 % Stickstoff, 0,4 % Phosphor und 0,8 % Stick­stoff, außer­dem Kalium)
⊗ purin d'orties (13 % de po­tas­sium, 29 % de calcium, égale­ment du fer, du phos­phore, de l'azote et de l'acide silicique) Bren­nesseljauche (13 % Kalium, 29 % Kalzium, außerdem Eisen, Phosphor, Stick­stoff und Kiesel­säure)

LINK auf Französisch zu anderen Pflanzenjauchen: www.coop-nice.fr
______________________________
Fotos:
C.E.

Mittwoch, 4. August 2021

COVIDiary (351)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Der Blog wurde zum COVIDiary.

Corona hat den europäischen Flug­verkehr stark zurückgehen lassen. In Deutsch­land sind letztes Jahr ca. 31,3 Millionen Menschen geflogen, 2019 waren es noch 124,4 Millionen. Statt der ver­blei­benden 25,5 Prozent der sonst üblichen Flug­gäste er­wartet die Branche dieses Jahr maximal 45 Pro­zent.

Und weil (nicht nur) jüngere Leute wie­der mehr mit der Bahn fahren, sollen auch die vor we­ni­gen Jahren ab­ge­schaff­ten Nacht­zug­linien wie­der in Betrieb genom­men werden, ein erster Schritt zu einer wieder at­trak­ti­ve­ren Bahn.

Bunt und duftend

















Den redu­zier­ten Flugverkehr genieße ich, denn alles riecht intensiver als zu­vor: die re­gen­nasse Stadt, Blüten, was aus dem Küchen­fenster bei den Nach­barn kommt, die Backstube im Vor­bei­gehen. April 2020 fiel mir das zum ersten Mal auf. Ich weiß nicht, wer's noch bemerkt hat, aber es wirkt auf mich so, als würde vom Flug­verkehr auch eine inten­sive Luft­ver­schmut­zung mit kleinsten Par­tikeln aus­gehen, der unseren Geruchs­sinn be­hin­dert.

Meinem Vater, der Altwerden mit der Ab­nahme dieses Sinnes beschrieb und der diesen Um­stand beklagt hat, war nicht bewusst, wieso er mög­li­cher­weise in der zweiten Hälf­te seines Lebens immer schlech­ter riechen (und auch schmecken) konnte. Die tagesschau zitiert in diesem Zusam­menhang einen Finanz­berater von Air­lines: "Die Luft­fahrt ist die letzten 40 Jahre kon­ti­nu­ier­lich gew­achsen, hat etwa alle zehn Jahre den Um­satz ver­dop­pelt." (Schade, dass ich die­se Beob­ach­tung mit ihm nicht mehr tei­len kann.)

Diese Branche wird wohl weiter­hin kleiner bleiben. Ein dauer­hafter Struk­tur­wan­del läuft, Ent­las­sungen, Um­schu­lungen, es ist von "Gesund­schrumpfen" die Rede. Das ist schwie­rig, aber wohl nötig. Auch meine Bran­che betrifft es, denn mit den Flug­gast­zah­len gingen auch die Studien­reisen, Fortbildungen, Kongresse und informelle Be­geg­nungen zum Beispiel in der Po­li­tik­be­ratung stark zurück, das war jahrelang mein Arbeitsfeld. Auch wenn diese Bereiche wichtig sind und nicht ewig auf Sparflamme weiterlaufen werden, so kenne ich kenne Kol­leg*innen, die sich kri­sen­be­dingt in den Ruhe­stand ver­­ab­­schie­­det haben und aufs Land gezogen sind. Andere sind Leh­rer*in­nen ge­worden, Coa­ches, Ma­nager*innen.

Auch ich werde mich di­ver­si­fi­zie­ren, werde meine Fach­be­reiche ver­tie­fen und damit möglicherweise eine krisen­festere Ne­ben­be­schäf­ti­gung auf­bauen, denn die olle War­te­rei liegt mir nicht.

Und über die bessere Atem­luft freuen sich alle, sofern die Bahn die Kurve kriegt.

______________________________
Collage: C.E.

Dienstag, 3. August 2021

COVIDiary (350)

Bien­ve­nue auf den Sei­ten einer Sprachar­bei­te­rin. Wir Über­setzerinnen, Über­set­zer, Dol­metscherinnen und Dolmetscher arbeiten seit Beginn der Pan­demie über­wie­gend zu Hause im eigenen Arbeits­zimmer. Dabei arbeiten wir nicht nur zu fest­ge­leg­ten Arbeitszeiten. Rund um die Uhr sam­meln wir Wörter, aktuell be­son­ders auch die Coronawörter.

Brille mit großen Gläsern im Abendlicht
Brille im Lampionlicht

Ein Freund hat sich eine neue Brille machen lassen. Bevor der Abendregen uns von der Res­tau­rant­ter­ras­se ver­treibt, hat diese Blick auf einen Sei­ten­arm der Spree.
Die Bril­len­far­be kommt ziem­lich nah ans berühmte Yves Klein-Blau heran, was das Foto in der abend­li­chen Lichtstim­mung nicht zeigt. Au­ßer­dem ist sie recht groß, so groß, wie sie heute die Youngs­ters tragen.

Fast entschuldigend sagt der Mann, der dieser Alter­sgruppe seit einiger Zeit nicht mehr ange­hört: "Normalerweise hätte ich die Gläser kleiner gewählt."

Und er ergänzt: "Aber bei der Arbeit sitzen wir die ganze Zeit mit Mundschutz im Groß­raum­büro. Da geht das nicht, die Gläser wären ständig beschlagen. Das ist meine Coronabrille." (Ce sont mes lunettes Covid.)

______________________________
Foto: C.E.

Sonntag, 1. August 2021

COVIDiary (349)

Ein­blicke in das Le­ben einer Sprach­ar­bei­terin können Sie hier ­ erhalten. Ich bin Dol­met­scherin für die fran­zö­sische Sprache, und ich übersetze auch aus dem En­gli­schen. Am siebenten Tag der Woche poste ich private Sonn­tagsbilder.

Ein nass­kalter August wird vorher­gesagt, daher findet das erste August­wo­chen­ende über­wie­gend draußen statt: Touristen spielen in einer der Heimat­städte. Berlin kenne ich seit 1987 gut, ich darf die Stadt als Hei­mat ver­bu­chen.

Wolken, alte une neue Bäume, Himmel und Hölle (Hüpfekästchchen), Pflanzen, Partyluftballon, Fotografierende, ein Paar an der Spree am Humboldt Forum (Preußenschloss) ... ...
Berliner Mix

______________________________
Fotos:
C.E.

Freitag, 30. Juli 2021

COVIDiary (348)

Bienvenue auf den Seiten einer Sprachar­bei­te­rin. Wir Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dol­metscherinnen und Dolmetscher arbeiten seit Corona überwiegend zu Hause im eigenen Arbeitszimmer. Dabei arbeiten wir nicht nur zu festgelegten Arbeitszeiten. Wir dienen der Gesellschaft auch durch das Finden neuer Begriffe.

Gestern war der Erdüberlastungstag, der Tag, an dem wir Menschen die Menge an Ressourcen verbraucht haben, die der Globus binnen eines Jahres erzeugt. Wir müs­sen den Raubbau an unserem Heimatplaneten stoppen!

Lange war auch im Deutschen der englische Begriff in Umlauf, overshoot day. Das hat Debatten und Handeln erschwert, denn solange die Problematik nicht allen Menschen bewusst ist, wird sich ihr Ver­halten ge­samt­ge­sell­schaftlich nicht verändern lassen. Hier waren Lin­gu­ist­in­nen und Lin­gu­isten am Werk und haben das Wort "Erd­über­las­tungs­tag" ent­wickelt. In Frankreich geschah dasselbe, le jour du dépassement wurde erfunden.

Overshoot-Tag | Die Menschheit hat alle Ressourcen verbraucht, die die Erde in einem Jahr erzeugen kann.
Erdüberlastungstag
Wir Dol­met­scher:innen kennen diese Sprach­proble­matik im politischen Kon­text gut. Vor etli­chen Jahren haben wir das Wort "Gentri­fi­zie­rung" neu über­tra­gen, und zwar zu einer Zeit, als es nur im Stadt­pla­ner­mi­lieu bekannt war.
Ein Englisch-Über­set­zer­kol­lege hat mitgeholfen und kam schließlich auf die "Verdrängungssanierung".

Auf manchen Kon­ti­nen­ten aast die mensch­liche Be­völ­ke­rung mit den Res­sour­cen. Erschreckend finde ich die Schnelligkeit der Verkürzung dieser Zeit, denn der Tag wird seit Jahr­­zehn­­ten immer früher im Jahr erreicht: von Ende De­zem­ber im Jahr 1970 zu Ende Septem­ber im Jahr 2000 bis heute hat die Ent­wick­lung deutlich an Fahrt auf­ge­nom­men. 

Menschen in Indien haben einen CO2-Fußabdruck, der bei 20 Prozent der Menschen in unserem Land liegt. Verglichen mit den USA liegt der Pro­zent­satz sogar nur bei 11%.

Das liegt an der überwiegend vegetarischen Ernährung dort. Der Überkonsum an Fleisch­ in unserer sogenannten westlichen Welt hängt in direkter Linie mit der Rodung des Ama­zonas zusammen, denn von dort kommen wert­vol­le Kalorien, ohne die große Zahl der Vieh­bestän­de in den reichen Ländern nicht er­nährt werden könnte. Im Ama­zonas wird inzwi­schen CO2 freigesetzt, statt dort zu binden, Trocken­heit nimmt zu, Wasser ver­dunstet und erhöht da­durch die Gefahr, dass es anderen­orts zu sint­flut­ar­ti­gen Regen­­fällen kommt.

Und um die Katastrophe noch hässlicher zu machen: Ein Drittel der Lebensmittel in Deutschl­and landen im Müll — im Handel oder bei den Verbrauchern. Ein weiterer, schwer ermit­telbarer Pro­zent­satz wird gar nicht geerntet oder vermarktet, weil die Agrar­pro­dukte nicht der Norm entsprechen.

Wir haben es mit einem strukturellen Problem zu tun und müs­­sen dringend han­deln, um die größte Ka­tastro­phe zu vermeiden. Es wird dra­matisch genug. Und ja, wir müssen anfan­gen und dürfen uns nicht lähmen lassen. Es gibt viele gute Einzel­bei­spiele.

______________________________
Foto:
ID (www.linfodurable.fr)

Donnerstag, 29. Juli 2021

COVIDiary (347)

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beit­swelt. Wie wir Dol­metscher*innen und Über­set­zer*innen ar­beiten, ist oft nicht gut be­kannt. Durch die Pan­demie fin­den kaum noch Konferenzen statt, auf denen ich nor­ma­ler­weise mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch arbeite. Umso wichtiger sind Privatkunden, die ich berate.

Deepl-Fails, die X-te. Der Autofahrerkunde machte zunächst seine abschließende Mail­kor­­res­­pon­denz al­leine, naja, nicht ganz, er nutzte den be­kann­ten On­­line-Wör­ter­tausch­­ser­vice. 

Was er bei DeepL rein­ge­kippt hat, weiß ich nicht, mir fehlt die Vorlage. Seine Mail war mittel­lang. Mitten­drin findet sich wieder ein grober Fehler. Wenn ich den ein­zel­nen Satz bei DeepL ein­gebe, tauscht das System die Wörter allerdings ak­kurat aus. Nur eben nicht im Kon­text, der kom­plett unauf­fällig war. 

Oben links das, was DeepL aus dem wie gesagt mir nicht bekannten Aus­gangs­text ge­macht hat. Leider heißt projet de loi nicht das, was rechts ins Deutsche zu­rück­ge­tauscht steht, Rechnung, was beabsichtigt war, sondern "Gesetzesvorhaben".

Der Kunde diktiert seine Kor­res­pon­denz in einen Computer. Er spricht sehr schnell. Da geht schon mal was schief. Es wird auch hier wieder ein Deutsch­­fehler an der feh­ler­haf­ten Über­tragung beteiligt gewesen sein.

Da die Mails im Nach­gang noch pa­ral­lel über mein Post­fach liefen, konnte ich die ent­­spre­­chen­de Begleit­­musik spielen. Ich hoffe, dass der Autofah­rerkunde, der Ge­schäfts­­führer einiger Firmen ist, künf­tig Menschen mit der Überset­zung wirk­lich wich­ti­ger Tex­te beauftragt.

Frühere Beiträge zum Thema hier: "PC" und "Ich weise alle Schuld von mir".

Das Auto ist inzwischen ge­bor­gen! Die Dame vom Ret­tungs­dienst schrieb mir als Dank­sa­gung: "Sie haben sehr schnell per E-Mail ge­ant­wor­tet, das habe ich sehr zu schät­zen gewusst, so haben wir keine Zeit verloren. Zum Thema Über­set­zung ist es gut und richtig, dass es dafür Fachleute wie Sie gibt, so hat jeder seinen Beruf. Sie ha­ben es sehr gut gemacht!"

Wagen im Graben, zwei Fahrzeuge zur Bergung waren nötig
Eine anspruchsvolle Aufgabe


______________________________
Illustration:
DeepL
Foto:
Merci beaucoup à France Dépannage, Marck (F)

Dienstag, 27. Juli 2021

COVIDiary (346)

Was Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher für die fran­zösische Sprache so erleben, können Sie hier mitverfolgen. Wir sind im 2. Coronasommer. Anders als früher, als ich meistens vor Ort tätig war, arbeite ich jetzt oft aus der Ferne.

Mutterseelenallein sitzt diesen Montag ein junger Mann auf dem Gang des Berliner Polizeipräsidiums. Er hat am Vortag sein Auto in Frankreich zurücklassen müssen und fragt sich jetzt, wie er es schnell wiederbekommt.

Ein Malheur ist rasch passiert

Bei solchen Problemen kann ich hel­fen. Dass er sich privat eine Dol­met­sche­rin suchen muss, hat ihm ein französischsprechender Po­li­zei­be­­am­ter gesagt, dem ge­gen­über Mi­nu­ten zuvor ein agent de police auf fran­zö­si­scher Seite den Hörer mitten im Telefonat ein­gehängt hat.

Der Erklä­­rungs­versuch des Anrufers war mögli­cherweise etwas schwer ver­stän­d­lich gewesen, genauer weiß ich es nicht.

Vielleicht hat auch formal was nicht gestimmt. Die Berliner Polizei ist für ihren di­rek­ten Tonfall bekannt. In Frankreich indes ist bei einer ersten Kontaktaufnahme immer gut zu wissen, wer wie angesprochen wird — und wo er oder sie ist.

Doch der Reihe nach. Der Wagenhalter war Ende letzter Woche über Belgien und Frankreich privat nach Großbritannien gefahren, um dort eine Person abzuholen, die in Deutschland ins Krankenhaus muss. Auf der Rückfahrt, kurz nach dem Tun­nel, der unter dem Kanal entlangführt, forderte die Natur ihren Tribut ein. Der Mann fuhr auf einer Landstraße rechts ran und wollte kurz auf einen Seitenstreifen ne­ben einem Acker parken — oder was er dafür hielt. In Wirklichkeit befindet sich dort ein komplett zugewachsener Graben. Der Wagen ist dann 1,20 Meter in den Graben gerutscht, einige Scheiben zerbrachen, die Airbags gingen auf. 

Glücklicherweise sind den beiden Passagiere vor Ort sehr viele nette Franzosen zu Hilfe geeilt. Jemand hat die eingeklemmten Tür aufgemacht, andere haben Polizei und Krankenwagen gerufen. Da zum Glück kein Schaden an Menschen eingetreten war, blieb die Polizei fern. Mitten am Wochenende kam auch der Abschleppdienst nicht umgehend. Der Fahrgast aus England, der aus anderen als den Unfallgründen in ein Krankenhaus sollte, wurde erstmal in ein Hotel einquartiert. 

Da die Informationslage vor Ort mau war, es schien sich abzuzeichnen, dass die Ver­si­che­rung bei einem selbstverschuldeten Unfall im Ausland den Pan­nen­ser­vice und die Rückholung des Wagens möglicherweise nicht übernimmt, und weil auch kein Pan­nen­dienst in Sicht war, vor allem aber weil der Patient nicht länger un­ter­wegs sein sollte, fuhren die beiden dann mit dem Zug zurück nach Deutschland. 

Der Unfall löste eine Pannenserie an Kommunikationsschwierigkeiten aus: Bestellte Taxis blieen weg, der Besitzer des Unfallwagens schob das auf seine mageren Fran­zö­sisch­kennt­nis­­se, und der Pannendienst beschrieb unwidersprochen als absolute Not­wen­dig­keit, dass der Mann persönlich nach Frankreich zurückkommen müsse um das Au­to eigen­hän­dig auf­zu­schlie­ßen, damit der Abschleppdienst sicher sein könne, dass er selbst der Eigentümer ist. Ein Auto aufzuschließen dauert Se­kun­den, da­ran, es zur Not auf­zu­bre­chen, arbeitet ein Fachmann auch nicht lange.

2000 Kilometer Hin- und Rückfahrt dauern entschieden länger. Dies als absolute Not­wen­dig­keit darzustellen, klingt unwahrscheinlich in Zeiten, in denen wir heute ganz alltäglich in Konferenzräumen sitzen, die von New York über Nairobi, Berlin, Paris, Genève reichen, um nur ein aktuelles Beispiel zu erwähnen. 

Die Dolmetscherin kommt ins Spiel, also ich, per Telefon. Es gibt erste In­for­ma­tio­nen, dass der Auto-Schutzbrief doch den Rücktransport deckt. In der Sommerpause ist beim Po­li­zei­re­vier einer mittelkleinen Stadt die Unfallabteilung unbesetzt, ich frage mich durch, suche dann auch nach einer passenden Ab­schlepp­fir­ma, kurz­zei­tig war so­gar mal eine vor Ort, jene, die vom eigenhändigen Aufschließen sprach. Auch die­ses Pro­blem löst sich sehr schnell in Wohlgefallen auf. 

Das Gute: Der staatliche Abschleppdienst (la fourrière) hat sich in der Zwi­schen­zeit des Autos nicht ermächtigt, damit wäre es sofort teuerer und ad­mi­nis­tra­tiv kom­pli­zier­ter geworden. Es wurde auch noch nichts polizei­lich zu Proto­koll ge­ge­ben, auf Fran­zö­sisch: aucune main courante n'a été déposée, auch keine An­zei­ge wegen illega­len Abstellens des Autos, so dass die Polizei auch jetzt nicht handeln muss (pas d'in­ter­ven­tion policière) und die Ange­le­genheit ein reines privat- und ver­si­che­rungs­recht­li­ches Problem ist, das Kosten für die Pan­nenhilfe (frais de dé­pan­nage) und Abschlepp­­kosten (frais de re­mor­quage) auslöst, zu überschaubaren Pau­scha­len, plus die Stun­den­sätze der Beteiligten.

Die beste Nachricht zum Schluss: Der Patient ist wohl­be­halten in einem deut­schen Kran­kenhaus angekommen, und das ganz ohne das Zutun einer Dolmetscherin.

______________________________
Illustration:
Lehrbuch (eigenes Archiv)