Freitag, 19. Juni 2026

AI in the loop?

Über wel­che Such­ma­schi­ne auch im­mer: Sie sind auf den Sei­ten des ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne ge­lan­det. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Hier be­rich­te ich über die­se der­zeit von der KI er­schwer­te Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch.

Mann packt strahlende Technik in eine Kiste, umgeben von Kisten, Förderbändern etc.
Verführerische Technik
Eben mel­dete sich ein po­ten­ti­el­ler Kun­de auf der Su­che nach einer Dol­met­sche­rin bei mir. So weit, so ge­wöhn­lich. Ich sei ihm em­pfoh­len wor­den, von ei­ner Part­ner­fir­ma. Das ist schön!

We­ni­ger ge­wöhn­lich war sei­ne Nach­fra­ge in­fol­ge ei­ner Aus­kunft, die er on­line be­kom­men hat­te.

Eine KI ha­be ihm vor­ge­schla­gen, über eine Platt­form zu bu­chen. Nicht etwa, weil dort die bes­te Dol­met­sche­rin ar­bei­ten wür­de, son­dern weil die Wahl der rich­ti­gen KI wich­ti­ger sei als die Wahl der Dol­met­sche­rin, die die KI dann für ihn ein­set­zen wür­de.

WHAT?! 
Das Wor­ding der Tech-Fir­men scheint sich ge­ra­de lei­se zu ver­schie­ben. Vor ei­nem Jahr hieß es noch, die KI wür­de Dol­met­scher er­set­zen. Heu­te liest man im­mer häu­fi­ger von „Hu­man in the loop“.

Mit an­de­ren Wor­ten: Wir Men­schen sind plötz­lich wie­der da. Al­ler­dings nur noch als Zu­be­hör zur Ma­schi­ne. Denn der Kun­de frag­te mich dann, mit wel­cher KI ich ar­bei­te.

Ich ant­wor­te­te, dass ich mich beim Dol­met­schen über­wie­gend auf mei­nen Kopf ver­las­se. Der hat sich in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten als er­staun­lich zu­ver­läs­sig er­wie­sen.

Ja, ich nut­ze KI ge­le­gent­lich für die Vor­be­rei­tung. Wenn kurz­fris­tig noch ein an­gren­zen­des Fach­ge­biet hin­zu­kommt und kei­ne ver­trau­li­chen In­hal­te be­trof­fen sind, kann sie beim Sam­meln von Vo­ka­beln hel­fen. Aber sie bleibt da­bei noch im­mer weit un­ter­halb mei­ner Mög­lich­kei­ten, auch nach Trai­ning.

Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen, ich bin eine KI-kri­ti­sche Dol­met­sche­rin, und ich ar­bei­te mit der KI. Ich ver­wen­de sie maß­voll, nach län­ge­rem Nach­den­ken we­gen des ho­hen Strom- und Was­ser­ver­brauchs, den sie mit sich bringt. Sie hilft mir auch beim Blog­gen, wenn es um un­sicht­ba­re Trenn­zei­chen geht. Sie fin­det Tipp­feh­ler für mich, echte oder fal­sche, am Ende ent­schei­de ich. Sie schlägt mir manch­mal vor, wie ich einen Ge­dan­ken stil­vol­ler fer­tig­schrei­ben könn­te. That's it.

Dol­met­schen bleibt un­se­re Ar­beit!

Viel­leicht ist das die ei­gent­li­che Nach­richt die­ser neu­en Wer­be­spra­che: Je mehr von „Hu­man in the loop“ die Re­de ist, des­to deut­li­cher wird, dass ir­gend­je­mand die Feh­ler kor­ri­gie­ren muss. Der­zeit kommt ein be­trächt­li­cher Teil mei­ner Ar­beit von Kun­den, die ge­nau die­se Er­fah­rung ge­macht ha­ben.

Die KI war ja be­reits in der Schlei­fe, nein, sie war die Schlei­fe. Es gab Plei­ten, Pech und Pan­nen mit der KI oh­ne jeg­li­che Kon­trol­le. Die KI ist kein Dol­met­scher (Link), wenn es um ech­te, viel­fäl­ti­ge, un­ko­or­di­nier­te, feh­ler­be­haf­te­te Si­tua­tio­nen geht. Die KI schei­tert meis­tens schon an den Rück­fra­gen (Spre­cher­wech­sel, un­be­kann­te Per­son).

Da­bei muss­ten et­li­che teu­res Leh­rgeld be­zah­len. Die Prob­le­me, die durch feh­ler­haf­te Über­tra­gung und Lüc­ken bei den Kon­fe­renz­gäs­ten ent­ste­hen, über­stei­gen oft um ein Viel­fa­ches die Er­spar­nis­se auf Ver­an­stal­ter­sei­te.

Um sinn­voll dol­met­schen zu kön­nen, muss ich sehr viel mehr sein als ei­ne au­to­ma­ti­sche Sil­ben­ver­voll­stän­di­gungs­ma­schi­ne, die nach den Ge­set­zen der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung „ar­bei­tet“. Wir Men­schen lie­fern 95 Pro­zent der aus­ge­spro­che­nen Wör­ter, manch­mal mehr, und Kon­text und das Ge­mein­te sind im­mer da­bei.

(Für mich gilt noch die­se Aus­nah­me: Wenn ei­ne An­spie­lung zu sehr auf der Ebe­ne der Pop­kul­tur an­ge­sie­delt ist, hab ich Prob­le­me. Um die zu ken­nen, fehlt mir die Zeit, denn mei­ner Ar­beit geht ein stän­di­ges Selbst­stu­dium vor­aus. Aber in der Ka­bi­ne sind wir zu zweit, da über­nimmt dann die Kol­le­gin!)

Bei mir ris­kie­ren sie vor al­lem auch kei­nen Pro­zess aus Haf­tungs­grün­den.

Ha­ben Sie die ak­tu­el­le Rechts­spre­chung auf dem Schirm? Hier ent­lang zu ei­nem äl­te­ren Text: Urteil gegen die „Künstliche Intelligenz“!

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

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