Über welche Suchmaschine auch immer: Sie sind auf den Seiten des ersten deutschen Dolmetscherweblogs aus dem Inneren der Dolmetschkabine gelandet. Ich bin Dolmetscherin für die französische Sprache, und ich übersetze auch (auch aus dem Englischen und meistens ins Deutsche). Hier berichte ich über diese derzeit von der KI erschwerte Arbeit im Bereich Kommunikation, Kultur und internationaler Austausch.
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| Verführerische Technik |
Weniger gewöhnlich war seine Nachfrage infolge einer Auskunft, die er online bekommen hatte.
Eine KI habe ihm vorgeschlagen, über eine Plattform zu buchen. Nicht etwa, weil dort die beste Dolmetscherin arbeiten würde, sondern weil die Wahl der richtigen KI wichtiger sei als die Wahl der Dolmetscherin, die die KI dann für ihn einsetzen würde.
WHAT?!
Das Wording der Tech-Firmen scheint sich gerade leise zu verschieben. Vor einem Jahr hieß es noch, die KI würde Dolmetscher ersetzen. Heute liest man immer häufiger von „Human in the loop“.
Mit anderen Worten: Wir Menschen sind plötzlich wieder da. Allerdings nur noch als Zubehör zur Maschine. Denn der Kunde fragte mich dann, mit welcher KI ich arbeite.
Ich antwortete, dass ich mich beim Dolmetschen überwiegend auf meinen Kopf verlasse. Der hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten als erstaunlich zuverlässig erwiesen.
Ja, ich nutze KI gelegentlich für die Vorbereitung. Wenn kurzfristig noch ein angrenzendes Fachgebiet hinzukommt und keine vertraulichen Inhalte betroffen sind, kann sie beim Sammeln von Vokabeln helfen. Aber sie bleibt dabei noch immer weit unterhalb meiner Möglichkeiten, auch nach Training.
Sie haben richtig gelesen, ich bin eine KI-kritische Dolmetscherin, und ich arbeite mit der KI. Ich verwende sie maßvoll, nach längerem Nachdenken wegen des hohen Strom- und Wasserverbrauchs, den sie mit sich bringt. Sie hilft mir auch beim Bloggen, wenn es um unsichtbare Trennzeichen geht. Sie findet Tippfehler für mich, echte oder falsche, am Ende entscheide ich. Sie schlägt mir manchmal vor, wie ich einen Gedanken stilvoller fertigschreiben könnte. That's it.
Dolmetschen bleibt unsere Arbeit!
Vielleicht ist das die eigentliche Nachricht dieser neuen Werbesprache: Je mehr von „Human in the loop“ die Rede ist, desto deutlicher wird, dass irgendjemand die Fehler korrigieren muss. Derzeit kommt ein beträchtlicher Teil meiner Arbeit von Kunden, die genau diese Erfahrung gemacht haben.
Die KI war ja bereits in der Schleife, nein, sie war die Schleife. Es gab Pleiten, Pech und Pannen mit der KI ohne jegliche Kontrolle. Die KI ist kein Dolmetscher (Link), wenn es um echte, vielfältige, unkoordinierte, fehlerbehaftete Situationen geht. Die KI scheitert meistens schon an den Rückfragen (Sprecherwechsel, unbekannte Person).
Dabei mussten etliche teures Lehrgeld bezahlen. Die Probleme, die durch fehlerhafte Übertragung und Lücken bei den Konferenzgästen entstehen, übersteigen oft um ein Vielfaches die Ersparnisse auf Veranstalterseite.Um sinnvoll dolmetschen zu können, muss ich sehr viel mehr sein als eine automatische Silbenvervollständigungsmaschine, die nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung „arbeitet“. Wir Menschen liefern 95 Prozent der ausgesprochenen Wörter, manchmal mehr, und Kontext und das Gemeinte sind immer dabei.
(Für mich gilt noch diese Ausnahme: Wenn eine Anspielung zu sehr auf der Ebene der Popkultur angesiedelt ist, hab ich Probleme. Um die zu kennen, fehlt mir die Zeit, denn meiner Arbeit geht ein ständiges Selbststudium voraus. Aber in der Kabine sind wir zu zweit, da übernimmt dann die Kollegin!)
Bei mir riskieren sie vor allem auch keinen Prozess aus Haftungsgründen.
Haben Sie die aktuelle Rechtssprechung auf dem Schirm? Hier entlang zu einem älteren Text: Urteil gegen die „Künstliche Intelligenz“!
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Grafik: pixlr.com (Zufallsfund)

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