Ich koche sehr gern. Ich backe gern, vor allem Rührkuchen. Aber zu Torten habe ich keine Meinung. Ich habe noch nie eine Torte gemacht, dafür tausende von leichten tartes, meistens salzig. Das deutsche Wort „Erdbeertorte“ klingt nach viel Zucker, nach Sahne und nach Schweinegelatine. Das mag ich alles nicht.
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| Erdbeerkram (in the making) |
Warum kann die Gute nicht an einem Samstag Geburtstag haben, dann hätte ich das Obst am gleichen Tag verarbeiten können?
So bringe ich am Samstagmorgen vom Wochenendeinkauf Erdbeeren mit, um am Samstagnachmittag festzustellen: Die sehen zu mitgenommen aus. Es gibt Erdbeeren zum Abendessen. Anschließend gehe ich nachkaufen. Danke, Ermöglicher:innen langer Öffnungszeiten!
Am Sonntagmorgen bereite ich den Tortenboden vor. Er kommt in den Ofen. Als die Backzeit vorbei ist, nehme ich flüssigen Teig in der Form aus dem Ofenfach. Mist. Der Gasherd ist ausgegangen. Ich versuch's nochmal. Geht wieder aus. Seit Putins Überfall auf die Ukraine habe ich nichts mehr gebacken. Wir sparen Gas. Ist eine Düse verstopft? Hat das Ersatzgas andere Brennwerte? Frisch gereinigt war der Ofen, also vor x Jahren, jetzt nochmal durchgewischt. Oder muss ich da etwas umstellen?
Im Netz finde ich Rezepte für Tortenböden ohne Backen. Heute, am Sonntag, kann ich nichts nachkaufen. Ich mische rezeptgetreu Butter mit gekrümeltem Keks und Zwieback (was gerade noch im Haus ist). Das Ergebnis ist ein Boden aus Crumble, der beim scharfen Hinsehen subito seine Bindung verliert. OK, dann strecke ich den Saft für den „Tortenguss“ mit Agar-Agar eben mit etwas Marmelade, plane das als erste Schicht für die Puddingschale ein, dann folgt die Käsekuchenmischung ohne Ei, im Netz finde ich unter “Erdbeerkuchen ohne Backen“ Hinweise dazu.
Und ich habe Glück. Eine Tüte zur Herstellung von „Cheesecake-Creme“ findet sich in der Vorratskammer an. Allerdings lassen sich Mascarpone und Frischkäse mit der Zubereitung nicht so richtig luftig aufschlagen, auch wenn die Beschreibung das verspricht. Nochmal Glück: Zur Absicherung hatte ich ein Tütchen hundsteurer, rosafarbener „Erdbeersüße“ mitgekauft. Damit bekommt das Ganze wenigstens einen hübsche Teint. Ob es dem Geschmack auch aufhilft, wird sich erweisen.
Nötig wär's. Denn die Erdbeeren sind, anders als die vom Abendessen, nur so lala. Das weiß ich, weil ich zwangsprobiere: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.“ Sommer halt, rasch verderbliches Obst.
Was als Boden gedacht war, wir zu Sträuseln erklärt. Dann baue ich die Etagen zusammen. (Meine Wortwahl ist vom Französischen beeinflusst, eine Torte ist eine pièce montée, eine aufgebaute, aufgetürmte Sache.) Der Sträuselboden ist jetzt oben. Eine Gedenkminute gilt der Tarte Tatin, die im Moment eines Missgeschicks entwickelt worden sein soll. Ich hoffe.
Was fehlt noch? Basilikumblätter erst im letzten Moment drauf, dazu geröstete Mandelsplitter. Und als Puderzuckerersatz noch etwas von der rosafarbenen „Erdbeersüße“. Am Ende das Ganze kurz ins Eisfach in der Hoffnung, dass sich die Teile am Ende gut von den Gefäßen lösen lassen.
Auf jeden Fall tauf' ich's um: Strawberry crumble klingt auch gut, oder?
Mich hat der Tortenbackversuch etliche Stunden und noch mehr Nerven gekostet, und das an einem Sonntag, der eigentlich der Erholung und der Kultur gilt. Eine Erdbeertorte will ich nie wieder backen müssen. Es sei denn, weil es mein eigener Wunsch ist.
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Foto: C.E.

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