Bonjour & hello! Herzlich willkommen beim ersten deutschen Dolmetscherweblog aus dem Inneren der Dolmetschkabine. Ich bin Dolmetscherin für die französische Sprache, und ich übersetze auch (auch aus dem Englischen und meistens ins Deutsche). Auf diesen Seiten berichte ich über diese derzeit von der KI erschwerte Arbeit im Bereich Kommunikation, Kultur und internationaler Austausch.
Als Ende 2023 ChatGPT auf den Markt kam, war die disruptive Macht der sogenannten "Künstlichen Intelligenz" (KI) nur zu ahnen. Ab 2024 ging es schnell: Monat für Monat sanken die Umsätze. Wir Sprachprofis warnten: Die Technik heißt KI, weil the intelligence auf Englisch auch die Datenverarbeitung bedeutet. Sie heißt also nicht so, wie sie heißt, weil sie besonders intelligent wäre.
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| Die KI kann nicht richtig dolmetschen! |
Seitdem haben meine Kolleg:innen und ich regelmäßig die Komplexität von Sprache in Textform analysiert, aber auch von gesprochener Sprache, ihre Vielschichtigkeit, aber auch die Einfallstore für Fehler einfach aufgrund ganz normaler Konferenzsituationen beschrieben und hier veröffentlicht.
Ja, im Labor kann die "KI" als "Dolmetscherin" bei trainierten Texten in der Art mithalten, dass wir einen groben Überblick bekommen, wenn wir fehlertolerant sind, wenn wir nichts auf Sprachniveaus und Konsistenz geben, also die Beibehaltung des einmal gewählten Sprachniveaus, wenn uns Details oder die berühmten "Halluzinationen" egal sind und es weder Nuschler, Akzente, noch Rückfragen gibt. Da war steckenweise das Ergebnis irgendwas wie ein Roulettespiel.
Marktanteil trotz Note "mangelhaft"
Soweit, so gut. Wir haben die Funktion ausprobiert. Die Testergebnisse waren eindeutig: Die "KI" würde bei der Dolmetschausbildung schon am Eingangstest scheitern.
Trotzdem haben wir weiter Geld verloren. "Gut genug" schien für viele in der Krise auszureichen. Auch ich habe hier immer deutlicher vor teuren Folgekosten durch Aussetzer gewarnt, durch Auslassungen, Nivellierungen, Verzerrungen oder echte Fehler, und vor den drohenden resultierenden Patentverlusten oder anderen juristischen Folgen.
Autsch, Google!
Und jetzt erlebt die Church of AI ihr erstes juristisches Erdbeben. Das Landgericht München I hat eine einstweilige Verfügung unterlassen, die der Tech-Branche die Schweißperlen auf die Stirn treibt (LG München I, Az. 25 O 869/26). Google wurde verknackt, weil seine KI-Suchübersichten munter Unwahrheiten und geschäftsschädigenden Unfug halluziniert haben. (Hier zu Computerbase.de: KI-Halluzinationen | Google haftet, wenn der AI Overview Falsches behauptet.)
Google haftet jetzt unmittelbar für die Unzulänglichkeiten seiner KI-Auswürfe. Was angezeigt wurde, hat das Gericht als eigenständigen Beitrag gewertet, und Google ist dessen Urheber.
Wer Roulette spielt, zahlt.
Wenn Nutzer:innen ohnehin jeden KI-Ausdruck eigenständig prüfen müssen, also auch die Anbieter:innen von "KI"-"Dolmetschen", weil die Ergebnisse nicht belastbar sind, schrumpft der Nutzen der ganzen Funktion gegen Null. Dann können auch gleich wir eingesetzt werden, die echten Profis.
Der Gerichtsentscheid ist ein juristischer Totalschaden und DIE Antwort auf das „Good enough“-Argument!
Die Haftungsfrage
Meine Antwort aus der Kabinen-Welt lautet also: Wer live halluzinierende Maschinen auf Konferenzen oder bei Verhandlungen einsetzt, kann nicht mehr behaupten, dass er nichts vom Haftungsproblem weiß.
"Erwachsene haften für ihre Kinder", steht an jeder Baustelle.
Wie geht es weiter?
Das erste Luftbläschen ist geplatzt! Es wird noch eine Durststrecke, bis das in allen Chefetagen ankommt. Aber das ist der Anfang vom Ende des blinden Tech-Glaubens.
Ich gehe mir jetzt erst einmal einen Kaffee holen. Es lebe das menschliche Mundwerk!
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Grafik: ChatGPT (auf meine Anfrage, geb'
ich zu, nutze ich nur als Ausnahme!)

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