Freitag, 12. Juni 2026

Urteil gegen die "KI"

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die­se der­zeit von der KI er­schwer­te Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­ler Aus­tausch. 

Als Ende 2023 ChatGPT auf den Markt kam, war die dis­rup­ti­ve Macht der so­ge­nann­ten "Künst­li­chen In­tel­li­genz" (KI) nur zu ah­nen. Ab 2024 ging es schnell: Mo­nat für Mo­nat san­ken die Um­sät­ze. Wir Sprach­pro­fis warn­ten: Die Tech­nik heißt KI, weil the in­tel­li­gence auf Eng­lisch auch die Da­ten­ver­ar­bei­tung be­deu­tet. Sie heißt also nicht so, wie sie heißt, weil sie be­son­ders in­tel­li­gent wäre.

Dolmetscherin in der Kabine, davor steht der KI-Roboter und schaut bedröppelt drein
Die KI kann nicht rich­tig dol­met­schen!
Dut­zen­de von Bei­trä­gen

Seit­dem ha­ben mei­ne Kol­leg:in­nen und ich re­gel­mä­ßig die Kom­ple­xi­tät von Spra­che in Text­form ana­ly­siert, aber auch von ge­spro­che­ner Spra­che, ih­re Viel­schich­tig­keit, aber auch die Ein­falls­to­re für Feh­ler ein­fach auf­grund ganz nor­ma­ler Kon­fe­renz­si­tua­tio­nen be­schrie­ben und hier ver­öf­fent­licht.

Ja, im La­bor kann die "KI" als "Dol­met­sche­rin" bei trai­nier­ten Tex­ten in der Art mit­hal­ten, dass wir ei­nen gro­ben Über­blick be­kom­men, wenn wir feh­ler­to­le­rant sind, wenn wir nichts auf Sprach­ni­veaus und Kon­sis­tenz ge­ben, also die Bei­be­hal­tung des ein­mal ge­wähl­ten Sprach­ni­veaus, wenn uns De­tails oder die be­rühm­ten "Hal­lu­zi­na­tio­nen" egal sind und es we­der Nusch­ler, Ak­zen­te, noch Rück­fra­gen gibt. Da war ste­cken­wei­se das Er­geb­nis ir­gend­was wie ein Rou­let­te­spiel.

Markt­an­teil trotz No­te "man­gel­haft"

So­weit, so gut. Wir ha­ben die Funk­ti­on aus­pro­biert. Die Test­ergeb­nis­se wa­ren ein­deu­tig: Die "KI" wür­de bei der Dol­metsch­aus­bil­dung schon am Ein­gangs­test schei­tern.

Trotz­dem ha­ben wir wei­ter Geld ver­lo­ren. "Gut ge­nug" schien für vie­le in der Kri­se aus­zu­rei­chen. Auch ich ha­be hier im­mer deut­li­cher vor teu­ren Fol­ge­kos­ten durch Aussetzer ge­warnt, durch Aus­las­sun­gen, Ni­vel­lie­run­gen, Ver­zer­run­gen oder ech­te Feh­ler, und vor den dro­hen­den re­sul­tie­ren­den Pa­tent­ver­lus­ten oder an­de­ren ju­ris­ti­schen Fol­gen. 

Autsch, Goog­le!

Und jetzt er­lebt die Church of AI ihr ers­tes ju­ris­ti­sches Erd­be­ben. Das Land­ge­richt Mün­chen I hat eine einstweilige Verfügung unterlassen, die der Tech-Bran­che die Schweiß­per­len auf die Stirn treibt (LG Mün­chen I, Az. 25 O  869/26). Goog­le wur­de ver­knackt, weil sei­ne KI-Such­über­sich­ten mun­ter Un­wahr­hei­ten und ge­schäfts­schä­di­gen­den Un­fug hal­lu­zi­niert ha­ben. (Hier zu Com­pu­ter­base.de: KI-Hal­lu­zi­na­tio­nen | Goo­gle haf­tet, wenn der AI Over­view Fal­sches be­haup­tet.)

Goog­le haf­tet jetzt un­mit­tel­bar für die Un­zu­läng­lich­kei­ten seiner KI-Aus­wür­fe. Was an­ge­zeigt wur­de, hat das Ge­richt als ei­gen­stän­di­gen Bei­trag ge­wer­tet, und Goog­le ist des­sen Ur­he­ber.

Wer Rou­let­te spielt, zahlt.

Wenn Nut­zer:in­nen oh­ne­hin je­den KI-Aus­druck ei­gen­stän­dig prü­fen müs­sen, also auch die An­bie­ter:in­nen von "KI"-"Dol­met­schen", weil die Er­geb­nis­se nicht be­last­bar sind, schrumpft der Nut­zen der gan­zen Funk­ti­on ge­gen Null. Dann kön­nen auch gleich wir ein­ge­setzt wer­den, die ech­ten Pro­fis.

Der Ge­richts­ent­scheid ist ein ju­ris­ti­scher To­tal­scha­den und DIE Ant­wort auf das „Good enough“-Ar­gu­ment!

Die Haf­tungs­fra­ge

Mei­ne Ant­wort aus der Ka­bi­nen-Welt lau­tet also: Wer li­ve hal­lu­zi­nie­ren­de Ma­schi­nen auf Kon­fe­ren­zen oder bei Ver­hand­lun­gen ein­setzt, kann nicht mehr be­haup­ten, dass er nichts vom Haf­tungs­pro­blem weiß.

"Er­wach­se­ne haf­ten für ih­re Kin­der", steht an je­der Bau­stel­le.

Wie geht es wei­ter?

Das ers­te Luft­bläs­chen ist ge­platzt! Es wird noch ei­ne Durst­stre­cke, bis das in al­len Chef­eta­gen an­kommt. Aber das ist der An­fang vom En­de des blin­den Tech-Glau­bens.

Ich ge­he mir jetzt erst ein­mal ei­nen Kaf­fee ho­len. Es le­be das mensch­li­che Mund­werk! 

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Gra­fik: ChatGPT (auf mei­ne An­fra­ge, geb'
ich zu, nut­ze ich nur als Aus­nah­me!) 

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