Dienstag, 24. August 2021

COVIDiary (366)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Der Blog wurde zum COVIDiary.

Ein On­line­mee­ting zum Thema Bil­dungs(un)ge­rech­tigkeit und das Em­po­wer­ment von Mädchen (*): Lauter Ex­per­tinnen und Experten sitzen im Kongo, in Frank­reich und Deutsch­land an den Com­putern. Der Aus­tausch ist span­nend und hoch­gradig in­for­ma­tiv. Es sind zwei Dol­met­sche­rin­nen dabei, im Bild links unten zu sehen.

Viele Köpfe, wobei auffällt, dass die Teilnehmenden in Afrika sich als Gruppen je einen Rechner teilt. Die Mehrzahl aller verwendet kein Mikrofon.
Nur die Minderheit trägt Kopfhörer und nutzt ein ex­ternes Mikrofon

  




Als wieder eine Fach­frau aus dem Kon­go dran ist, muss meine Kol­le­gin sagen: "Lei­der ist die Ver­bin­dung so schlecht, dass die Dol­metscherin nur Stichworte ver­ste­hen kann." (Wir spre­chen von uns in sol­chen Mo­menten immer in der 3. Person Sin­gular, weil damit klar wird, dass wir gerade nicht dol­met­schen.) Alle achten jetzt auf die leicht pfeifenden Ver­zer­rungen, dann wird der O-Ton ganz still, dauert die Pause länger als die Über­tra­gung, schließ­lich setzt we­nigs­tens das Pfei­fen wieder ein. Hier ha­ben alle gehört, was im Extrem­fall unsere Arbeit be­hin­dert.

Weniger offensichtlich ist dieser Fall: Eine ältere Fach­frau sitzt hinter einem mo­der­nen Rechner, allerdings ohne Kopfhörer und Mi­kro­fon. Weil in Süd­deutsch­land (im Gegen­satz zu Berlin) das Wet­ter gut ist, stehen bei ihr Fenster und Türen of­fen. Wir hören das Vo­gel­ge­zwit­scher, spie­lende Kinder, irgen­dwann auch die Müll­ab­fuhr, dann hören wir die Teen­ager der Nach­barn, die auf der Ter­ras­se chil­len. Sie waren am Tag am See und würden gerne gril­len, so viel kann ich wört­lich ver­stehen, wenn ich mich auf die Pa­ral­lel­stim­men kon­zen­triere, wäh­rend die Kol­legin dolmetscht.

Die Kollegin zieht ihren Ein­satz durch ohne zu murren, die Gäste hören eine Ver­dol­metschung. Mög­li­cher­weise fällt ihnen nicht auf, wie viel fehlt und wie an­stren­gend hier die Kon­zen­tra­tions­arbeit ist. Denn manche Nu­ance fällt weg. Wir hören in sol­chen Mo­menten nicht alles, da wir ja auch gleich­zeitig spre­chen und damit den Schall­pegel im ei­ge­nen Kopf erhöhen.

Unsere Bitten:
⊗ Sofern möglich, sollte jeder und jede am ei­ge­nen Rech­ner sitzen.
⊗ Bitte Kopf­hörer und externes Mikrofon nutzen (z.B. ein separates Headset).
⊗ Die Übertra­gung wird durch ein LAN-Kabel deutlich verbessert.
⊗ Einen mög­lichst ruhigen Ort wählen. Störungen im Vorfeld ausräumen.
⊗ Vorab einen Termin mit möglichst vielen Teil­neh­menden anberaumen, an dem die Technik getes­tet wird.
⊗ Be­ob­ach­tungen for­mu­lieren, Wün­sche ableiten, ein(e) Be­tei­lig­t(er) schreibt die On­line­eti­ket­te auf und sen­det sie an alle.
⊗ ... in der zum Bei­spiel steht, dass nur wer spricht das Mi­kro­fon einschaltet.
⊗ ... in der zum Bei­spiel auch steht, dass zwischen Ant­wor­ten und neuen Fragen kurze Pausen zu be­las­sen sind, vor allem dann, wenn die Dis­kus­sions­spra­che ge­wech­selt wird. Bei­spiel: Eben wird noch ins Deutsche ge­dol­metscht — Dol­met­schen braucht immer ein wenig län­ger als der/die Red­ner/in selbst. Wenn jetzt die Mo­de­ra­tion auf Deutsch sofort die nächs­te Frage stellt, ist der deut­sche Ton­ka­nal dop­pelt belegt und we­der das eine, noch das an­de­re sau­ber zu hören.

Spre­chen Sie uns an! Wir wir­ken gerne mit einem Test­lauf am Entwickeln Ihrer On­line­eti­ket­te mit! Unserer Er­fah­rung nach hilft nur die Team­er­fah­rung eines Vor­ab-Tref­fens mit dem ge­mein­sa­men Ent­wickeln dieser "Neti­quette", um mög­lichst viele zu erreichen.

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Foto: C.E. (Die Kollegin, hier nur im Foto, war
war bestausgestattet.)
(*)
oder war's ein Gesundheitsthema? Der Blog
ist Autobiofiktion und damit wahrhaftig.
O-Ton: Originalton

Freitag, 20. August 2021

COVIDiary (363)

Bon­jour, hel­lo und gu­ten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer ma­chen, na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Heute: mein Sonn­tagsbild vor Ende der Wo­che.

Es ist wichtig, die Arbeits­moral hoch­zu­halten, beson­ders dann, wenn die Zeiten nicht leicht sind. Da hilft, be­wusst Freund­schaf­ten zu pfle­gen, außer­dem Kunst und Kul­tur und Musik, auch der Kunst des Fei­erns einen Tribut zu zollen und uns gastfreundlich zu zeigen, natürlich co­ro­na­kon­form unter Be­rück­sich­ti­gung der Drei-G-Regeln.

Mit dem Gros meiner Nach­barn lebe ich fast in sowas wie in einer großen Wohn­ge­mein­schaft. Das liegt sicher auch an der Garten­arbeit. Es gab etwas zu feiern. Nie­mand wollte eine Rede halten, alle wink­ten mit großen Gesten ab. "Machst du doch wieder, oder?", durfte ich mir im­mer wieder an­hören. Weil ... naja, Erfah­rung. Also hab ich ge­sprochen.

Und mir die Auf­zeich­nung später an­ge­hört. War alles drin, was drin sein sollte, nur ge­schrie­ben hätte ich es etwas dif­fe­ren­zierter, hier ein kleines re­tar­die­ren­des Moment eingebaut, dort den einen oder anderen Absatz gesetzt (= Pause!), viel­leicht wäre mir auch noch ein Witz eingefallen. Merke: Vor der nächsten öf­fent­lichen Rede ei­nige Pas­sagen auf­schre­iben, lernen und dann bewusst frei spre­chen.

Vorgegeben waren fol­gende Stich­punkte: "we­sent­li­cher Be­stand­teil", "Lieb­lings­nach­barin", "Tradition", "Kom­post­haufen", "Gar­tenhaus", "Was­ser­grund­stück".

Wenn sich die Lage normalisiert hat, belege ich mal wieder einen Rhetorikkurs.

Draufsicht: Hofgarten, Guirlanden, Menschen, Buffet, Musiker
Für die meisten von uns war es das erste Konzert seit fast zwei Jahren!


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Foto:
C.E.

Montag, 16. August 2021

COVIDiary (360)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ein­blicke in das Le­ben einer Sprach­ar­bei­terin können Sie hier ­ erhalten. Ich bin Dol­met­scherin für die fran­zö­sische Sprache, und ich über­set­ze auch aus dem En­g­li­schen. Die neue Woche be­ginnt mit ge­misch­ten Ge­fühlen.

Heute ist Ver­drän­gen der aktuellen Lage angesagt, statt­des­sen Textlektorat, Über­set­zungs­ar­beiten und die Erstellung zweier Kosten­vor­an­schläge für insgesamt fünf Tage im Früh­herbst. Vier sind be­reits gebucht. Wir wis­sen nicht, ob die Termine zu­stan­de­kom­men, wie der zwei­te Co­ro­na­herbst werden wird. 

Kopffigur mit bedrohlichem Blick und Maul
                Schreckliche Aussichten
Ich trauere mit Haiti. Was muss diese Insel leiden! Ich denke an die An­ge­hö­ri­gen von Freun­den, denen dort re­gel­mä­ßig der Boden unter den Füßen weg­ge­ris­sen wird. Und dazu Hochwasser in Deutschland und in der Tür­kei, Brände und Hitzewellen dortselbst und in Süd­eu­ropa sowie stei­gen­de In­fek­tions­zah­len.
Und ich bange mit in Sachen (Über­)Le­bens­chan­cen von Frauen und Mäd­chen, Wis­sen­schaftler:innen, Künst­ler:innen und Regis­seur:innen in Afgha­nis­tan; Ortskräf­te der westlichen Truppen wie Dolme­tscher kom­men hinzu. Schwer ver­ständlich, dass die Bundesregie­rung erst jetzt Eva­kuierungs­pläne er­ar­bei­tet. Wieder sei daran erinnert, dass der Westen die Taliban vor Jahr­zehn­ten groß ge­macht hat.

Das war lange vor dem Mauer­fall. Der Grund war Anti­kom­mu­nis­mus: "Der Feind mei­nes Fein­des muss mein Freund sein." Die Tali­ban haben damals aktiv gegen die So­wjet­union gekämpft. Ein solches Rä­so­nie­ren war schon da­mals grund­falsch. Diese Epi­sode wird lei­der immer gerne ver­ges­sen. Ja, damit trägt der Westen Ver­ant­wor­tung. Und wer finan­ziert eigentlich die Tali­ban heute fort­wäh­rend? Wer lie­fert ihnen Waffen? Mancher islami­scher, radikali­sierter Staat, aber auch die Dro­gen­pro­duk­tion für den Wes­ten. Solange in un­se­rer west­lichen Welt so viele Men­schen un­glück­lich sind, wer­den dort die Kas­sen des Dro­gen­han­dels geflutet. Eines Han­dels mit Wa­ren, die im Land an­ge­baut wur­den, wäh­rend es west­liche Mäch­te be­setzt hat­ten.

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Illustration: Wandmalerei in Kreuzberg

Sonntag, 15. August 2021

COVIDiary (359)

Was Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher so erleben, können Sie hier mitverfolgen. Wir sind im 2. Co­ro­na­som­mer. Kon­feren­zen gibt es nur wenige, meine Spra­chen (Franzö­sisch und Eng­lisch) spreche ich jetzt haupt­sächlich privat. Sonn­tags­bild!

Mit Hackenschuhen, Dutt und Blumen

Sonntag bei einer befreundeten Familie: Die kleine Camille und ich arbeiten weiter an der Aus­sprache. Ich habe hier schon davon berichtet. Das Prob­lem mit den falsch sitzenden Lau­ten möc­hte ich spie­­le­­risch zu lösen helfen. Wir brin­gen die Zun­gen in Schwung. Heim­liches Zun­ge­­raus­­strecken macht gut erzogenen Töch­­tern wie uns ja immer Spaß! Wer schafft es, mit der Zun­ge die Na­sen­spitze zu berüh­ren? Kann je­­mand mit der Zunge das Kinn er­reichen? Jetzt die glei­che Bewe­gung im Mund, die Zunge bleibt hinter den Zäh­nen. Der Zun­ge-Rich­tung-Nase-Druck macht ein /t/. Der Zunge-Rich­tung-Kinn-Druck führt in Rich­tung /k/. Zur Un­ter­stüt­zung drücken wir mit dem Fin­ger die Zun­ge runter, jede für sich.

Und plötz­lich sagt Ca­mille ihr erstes /k/. 

Der Moment, in dem sie ihren El­tern zum ers­ten Mal in ih­rem Leben ihren Namen feh­ler­frei sagt, mit fast vier­ein­halb Jah­ren, bringt mich fast zum Heu­len vor Freu­de. Ihr Strah­len — un­be­zahl­bar! (Die große Schwes­ter reicht diskret ein Ta­schen­tuch an.)

Jetzt bin ich sehr, sehr, sehr happy. Die klei­ne Maus übt ab und zu spie­le­risch wei­ter, wir sehen uns wei­ter­hin einmal in der Woche, nicht immer ist es der Sonntag, und üben weiter. Einen sol­chen Er­folg hatte ich seit an­dert­halb Jahren in keinem meiner Berufs­fel­der! Auch das ist ein Moment der Co­ro­na­pan­de­mie: Wir Selb­stän­digen, die wir direkt mit Men­schen arbeiten, haben weniger bis keine beruflichen Erfolgs­er­leb­nis­se.

Zum Dank hat mich Camilles große Schwester por­trai­tiert. Sonn­tags­bild!

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Illustration: S. N.-B.

Montag, 9. August 2021

COVIDiary (356)

Was Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher so erleben, können Sie hier mit­ver­folgen. Ich arbeite mit den Sprachen Fran­zösisch und Englisch. Wir sind im zweiten Co­ro­na­sommer. Anders als früher, als ich meistens vor Ort tätig war, ar­beite ich jetzt oft aus der Ferne. Und ich muss Im­pul­se setzen, um mir den Tag zu gestal­ten.

In Berlin fangen die Tage derzeit mit herbstkühlem Wetter an, und sie enden auch so. Morgens um acht höre ich den kleinen Grund­schüler mit der schrägen Stimme von oben, wie er seine vermut­lich noch müde Mutter die Treppe runter­palavert. Schon vor der Einschulung war er ein beson­deres Kerl­chen mit seiner Stimme, die nach rostiger Gießkanne klingt und seinem Blick, der durch und durch geht. Ich liebe den kleinen Mann, dessen Kommentare und Fragen hoch­span­nend sind. Wenn er mit seinen Mor­gen­be­trach­tungen um acht Uhr die Hausge­meinschaft unterhält, hat die Schule wieder begonnen.

Berlin ist dieses Jahr sehr früh dran. Dabei hat die zweite Sommer­hälfte doch eben erst begonnen. Ich sitze und schreibe um, übersetze, lektoriere. Ein weiterer Ur­laubs­trip fällt wohl aus. Die Inziden­zen steigen, eine vierte Welle baut sich auf. Ich organisiere daher mit Hilfe die Woh­nung so um, dass ab dem Winter ein Zim­mer vermietet werden wird, und halte ansons­ten die Kröten beisammen. Wer weiß, wann wir wieder Kon­ferenzen er­leben werden. Für den Oktober wurden soeben drei Ta­ge optioniert. Wird das klappen? Oder kommt die fünfte Absagewelle?

Wildkräutersalat, Apfel, Karotte, Banane, Zitrone, Leinöl
Powerfrühstück Smoothie

In der Zwischenzeit "kure" ich. Meine Kur geht so (und ist eigentlich gar keine):
⊗ früh aufstehen, Wechseldusche nach Bürsten­massage,
⊗ freie Schreib­zeit am Morgen,
⊗ morgens ab 10.00 Uhr: Ein Smoothie aus einem Apfel, einer Banane, einer Karotte, einer großen Hand­voll Salat, dazu Walnüsse und etwas Leinöl, Flohsamen­schalen, manchmal Hafer­flocken oder Hanf­mehl oder/und Joghurt —plus H2O,
⊗ jeden Tag aus­mis­ten. Aus meinem Haushalt wird kein Mi­ni­ma­lis­ten­pro­jekt, aber etwas lichter darf er werden,
⊗ zwei Mal die Woche: Tee aus Brennesseln (vom Biostand),
⊗ jede Woche ein Sachbuch lesen, Begriffe raus­schrei­ben und übersetzen,
⊗ in­ter­mit­tie­ren­des Fasten (derzeit 15 Stunden ohne zu essen, kann gestei­gert wer­den),
⊗ jeden zweiten Tag einen Blog­ein­trag schreiben, den anderen Tag lekto­rieren und hochladen (wenn's mehr wird, ist es auch gut),
⊗ jeden Tag mindestens drei, eher fünf bis sieben Kilo­meter zu Fuß un­ter­wegs sein
⊗ Five o'clock-tea zelebrieren, gerne mit Freunden
⊗ Mittags dominieren Kohle­hydrate, dann kurzes Mittags­schläfchen; abends leichter essen,
⊗ die Schluss­klappe des Tages zur festen Uhrzeit, ebenso den Start morgens (mit Wecker).

Vieles von dem habe ich vorher schon so gemacht, werde al­ler­dings mehr davon in meine täglichen Rou­ti­nen aufnehmen. In Zeiten, in der es kaum Termine gibt, ist eine klare Alltags­struktur für Selb­ständige wichtig. Also in Zeiten von Corona und Kli­ma­ka­tas­trophe, in der mich die Leugner genauso emotional belasten wie die Nach­richten selbst.

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Fotos:
C.E.

Sonntag, 8. August 2021

COVIDiary (355)

Was und wie Sprach­ar­bei­ter machen, ge­na­uer: Über­setzer und Dol­met­scher für Fran­zö­sisch, können Sie hier mitlesen. Die meis­ten von uns sind selb­stän­dig, sie ar­beiten selbst und stän­dig. Durch Co­ro­na ver­än­dern sich unsere Auf­gaben. Zeit für ein Sonntags­bild!

Mein Sonntagsbild ist mein Foto der Wo­che: Ca­mille (Name geändert), die auf mei­nem Schoß sitzt und gerade zeichnet. Ohne es zu bemer­ken, hat sie eben per­fekt gesagt: "Das ist ein Mäd­chen, hier ist ihr Kleid ... und jetzt kom­men noch die Stin­ke­fü­ße!"

Wenige Sekunden zuvor ...

Das war mein Moment der Woche! Ich war einfach nur glück­lich. Noch vor vier Wochen konnte sie überhaupt kein /g/ oder /k/ aussprechen. Pandemiebedingt ist das Kind noch nicht in logopädischer Behandlung. Aber ich durfte der Klei­nen, sie ist die Toch­ter von Freun­den, ein wenig weiter­helfen. Wir sehen uns einmal die Woche.

Als Prak­ti­kan­tin im Hörfunk, also ir­gend­wann im letzten Jahr­hun­dert, durfte ich einmal zusehen (und auf­neh­men und zu­sam­men­schnei­den), wie ein gehörloses Kind das Wort "Affe" aus­zu­spre­chen gelernt hat. Da­bei hat mich be­ein­druckt, dass vie­le Lau­te durch die "Wind­men­ge" am Mund, das Be­ben von Na­se oder Hals von­ein­ander un­ter­schie­den wer­den kön­nen.

Das kleine Mädchen liebt es, zu toben und zu kitzeln. Also hab ich vor Wochen ge­sagt: "Schau mal, das /g/ kitzelt Deinen Hals!" Damit hatte ich ihre Auf­merk­sam­keit. Wir haben das immer wieder mal gemacht und haben geplaudert, denn ich wollte verste­hen, ob sie nur diese beiden Buch­staben durch ein /t/ ersetzt oder ob eine tiefer­lie­gen­de Sprach­störung bei der Vier­jäh­ri­gen vorliegt. Acht Tage später höre ich ein sau­be­res "gleich". Wir haben sogleich einige Sätze mit "gleich" drin geübt; es war, oh Freude!, kein "Unfall", das /g/ blieb an Ort und Stelle. 

Beim nächsten Mal waren wir im Sand­kas­ten schon bei "gleich grabe ich ein großes Loch". Das üben wir jetzt, manchmal klappt es, dann wieder nicht, wenn sie im Stress ist zum Bei­spiel, daher machen wir etwas Gym­nas­tik vor dem Üben, um die Kon­zen­tration auf etwas anderes zu ver­lagern. Die Gym­nas­tik­übun­gen sprechen auch das Ge­hirn an (wie auf einem Bein zu stehen und bis 20 zu zählen).

Glatze, Gretel, grau, wir verlängern die Liste. Sofort vom gut­tu­ralen G zum Vokal zu springen funktioniert nicht. Wir üben den Laut isoliert und hän­gen an­de­res dran, das physio­logisch in der Nähe liegt. Für den Laut /k/ hab ich ihr aufgemalt, wo die Zunge bei /t/ ist und wo sie bei /k/ hin­soll. Vorher waren wir Hände­wa­schen, dann haben wir uns je­weils im eigenen Mund rum­ge­fin­gert und viel gelacht dabei.

Und wieder eine Wo­che später, beim entspannten Malen ...

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Foto:
C.E.

Samstag, 7. August 2021

COVIDiary (354)

Hallo! Hier bloggt ei­ne Über­set­ze­rin und Dol­met­sche­rin für die franzö­sische Spra­che. Rechts finden Sie meine Kontakt­daten, unten lesen Sie Notizen aus dem All­tag von Sprach­ar­beitern. Heute Schnapp­schüsse, die ich am Weges­rand auf­ge­le­sen habe, sowie Links der Woche. Wir sind im zweiten Corona­sommer.

Schon wieder ist eine bunte Sommer­arbeits­woche vorbei. In den letzten acht Ta­gen habe ich ...

gedacht und Gedanken sortiert zu unserer Art des Wirtschaf­tens. Die Ge­mein­wohl­öko­no­mie könnte ein Ausweg aus der Krise sein!
gedol­metscht: nichts. Sommer­pause,
(mich) gefreut: über /g/ und /k/,
gegessen: mediter­ranes Gemüse im arabi­schen Restau­rant, zusammen mit J-L aus Südfrankreich, 
gehört: Radiosendungen auf Englisch und Französisch über den Jetstream (und den Golfstrom), die im­mer öfter für im Himmel festgetackerte Wetterlagen ver­ant­wort­lich sind,
gekauft und gegessen: Wildkräutersalat, der in neun Jahren um einen Euro je 100 Gramm teurer wurde (Link zum Foto von 2012),

Baum mit Punktdekoration, Tastatur, Buntblatt, das Palme spielt, Schneeballhortensie, Brillensuchbrillenhalter etc.
Bunte Bilder einer Augustwoche

gelacht: über die Herrschaften im Bade­mantel vor dem Haupt­eingang eines Hotels bei Fehl­alarm. Möchte ich in einen Krimi einbauen,
gelaufen: 34 Stock­werke an einem Tag (Nachbar­schaftshilfe, Alt­papier, Besuche etc.)
gelesen: "Fabian" von Erich Kästner, bald sehen wir die Verfilmung von Dominik Graf; hier noch einige Ergänzungen zu oben, und mehr: Golfstrom, Klimafolgen,
genossen:
lange Spazier­gänge zum Nachdenken,
geplant:
meine eigenen Fortbil­dungsmodule ab dem Herbst 2021, die mich auf ein Dritt­studium vorbereiten,
geschenkt bekommen:
dunkelblaue Tassen, die zu meinen Jumbo­tassen passen (Danke, Hanne!)
geschwänzt:
Pilates im Park,
gesehen:
lauter schöne Punkte am Gropius­bau, ich warte noch auf Ticketglück für die Yayoi Kusama-Retrospektive,
getan:
Kleiderkammer ausgeräumt, geputzt, wieder eingeräumt,
getippt:
Urkun­denkram und Pres­se­heft,
getrunken:
Apfel-Rote-Beete-Saft vom Biobauern, zusam­men mit Freund und Kol­lege A. auf dem Zicken­platz­markt,
geträumt:
wie ich auf einem Kon­gress dolmetsche. Wann wird wohl das nächste Mal sein?
(mich schwer) gewundert: über einen Mann, den ich nicht verstehe.

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Fotos:
C.E.

Freitag, 6. August 2021

COVIDiary (353)

Bonjour, welcome und hallo beim ersten Blog Deutsch­lands aus dem In­neren der Dol­met­scherkabine. Wie wir arbeiten be­schreibe ich seit 2007 an dieser Stelle. Meine Branche ver­ändert sich gerade, was an Corona liegt. Aber auch die KI, die Künst­liche In­tel­li­genz, spielt eine Rolle. Die allerdings an ihre Grenzen stößt.

DeepL-Fail (4): Ein Privat­kunde bittet mich, einen kurzen Satz für seinen Ar­beit­ge­ber ins Deut­sche zu übertragen. Er arbeitet als frankophoner Mensch in Berlin in einer inter­nationalen Firma, in der Englisch die office language ist. Derzeit ist eine Urlaubs­vertretung am Platz, die alten Regeln gelten nicht un­be­dingt.

Sein Ausgangs­text: Ma femme prendra ce matin les enfants sco­lar­isés pour achat des af­faires scolaires, la petite fille restera avec moi ce qui m'oblige a faire au­jourd'hui le homme office.

Ma femme prendra ce matin les enfants scolarisés pour achat des affaires scolaires, la petite fille restera avec moi ce qui m'oblige à faire aujourd'hui le homme office. // Meine Frau wird heute Morgen mit den Kindern zur Schule fahren, um Schulsachen zu kaufen, die Kleine bleibt bei mir, was bedeutet, dass ich heute das Büro des Mannes erledigen muss.
Quelle: www.DeepL.com





 


Dass da etwas nicht stimmt, erkennt jeder Mensch sofort, der/die über etwas bes­se­re Deutsch­kennt­nisse verfügt. In der Schule gibt es keine Schul­sachen zu kaufen, das ist der erste Fehler. Auf Französisch stand dort: "nimmt heute die schul­pflich­tigen (wört­lich: ein­ge­schul­ten) Kinder für Schul­sachenkauf", was etwas knapp for­mu­liert ist, OK, Tele­gramm­stil, mehr ist aber auch nicht nötig, der Mann ist Ma­nager. 

Dass ein geschie­dener Vater sein Kind über das Wo­chen­ende "nimmt" ist ein Klas­si­ker, dass Eltern sich je Be­darf bei meh­reren Kindern aufteilen, ebenso. Das System hat bemüht auf ein Ziel gewartet, weil es so pro­gram­miert worden ist: Be­we­gun­gen von Zwei­beinern der Spe­zies Homo sapiens sapiens sind zumeist mit einem Ziel­ort verbunden. Also wurde aus ein­ge­schult bzw. schul­pflich­tig eben schnell die Schu­le zum Ziel gemacht. Der Maschine fehlt im­pli­zites Wissen. Wir Men­schen wis­sen, wo wir Schul­sachen kaufen, das bedarf kei­ner wei­te­ren Er­wäh­nung und ist auch nicht wirk­lich wich­tig.

Nun zum zweiten Fehler: "... was be­deutet, dass ich heute das Büro des Mannes er­le­di­gen muss." Nun ist bekannt, dass franko­phone Men­schen oft nicht über großartige Englisch­kennt­nisse ver­fügen. So wurde hier aus dem "Home­office", da das Fran­zö­si­sche rein­gefunkt hat, ein Büro des Mannes oder des Menschen, denn das bedeutet das fran­zö­sische Wort l'homme.

Der dritte Fehler: "Home­office" ist eigent­lich gar kein englisches Wort. Auf Eng­lisch be­deutet home office vor allem "In­nen­mi­nis­te­rium". Der Autor der Zei­len hat, da er schon seit ge­rau­mer Zeit hier lebt, diesen Feh­ler übernommen. Wäre er erst vor kurzem in Berlin ansässig, hätte er noch télé­travail ver­wen­det, wörtlich "Fern­ar­beit". Die Ma­schinen müssten also auch über sämt­liche mög­li­chen Fremd­spra­chenfehler der Zwei­beiner aus den Län­dern der Welt und ihrer diversen sozialen Gruppen "informiert" werden. Und kon­kret in un­se­rem Fall hätte die Maschine "wis­sen" müssen, wie lange der Ma­na­ger schon in Deut­schland lebt.

Die Künstliche Intelligenz (KI) stößt hier er­neut an ihre Grenzen. Der Mensch ist schlicht zu un­perfekt dafür, als dass die KI Auf­ga­ben wie Über­setzen und Dol­metschen allein überneh­men könnte. Sie ist ein Werk­zeug in den Händen von Profis — ver­gleichbar mit dem di­gi­ta­len Se­zier­messer in der Hand von Chirurgen.

Frühere Bei­träge zum Thema KI-Fails hier: "PC", "Ich weise alle Schuld von mir", "Gesetzesvorhaben".

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Illustration:
DeepL

Donnerstag, 5. August 2021

COVIDiary (352)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Was ich bei manchen Themen liebe, in die ich mich als Dolmetscherin einarbeite, ist die Möglichkeit, praktisch einiges um­setzen. Wie zum Beispiel beim Thema pflan­zen­schut­zmit­tel­fre­ies Gärtnern.

Lob der Einfachheit: Pflanzenschutz geht im Stadt- und Balkongarten biologisch und billig. 

Brennesseljauche ...
Gelernt habe ich in Frankreich von einer af­ri­ka­ni­schen Nachbarin, deren Bal­kon­pflan­zen groß­artig wuchsen und blühten: Ich kratze das Innere von Ba­na­nen­scha­len (Bio­laden) aus, das Weiße, was ins Gelbe geht, manch­mal ist es auch schon etwas mat­schig-bräun­lich, und lege jede Wo­che (im Winter alle drei Wo­chen) davon et­was auf die Er­de, in der küh­len Ja­hres­zeit breit verteilt, damit es nicht schim­melt. Meistens neh­me ich den Er­trag von einer Banane für zwei bis drei Pflan­zen. 

Außerdem trinke ich aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig Bren­­nesseltee. Vom beim Öko­gärtner gekauften Grün­zeug vom unge­spritzten Betrieb bleibt immer wieder mal die Hälfte übrig. 

Sofern die Nachbarin sie mir nicht abnimmt, landen die Blätter klein­ge­schnitten im Glas, dann kommt ein Ess­löffel Gesteins­mehl darüber, damit die Chose nicht so sehr nach Am­moniak stinkt, schließlich etwas alter Stoff drauf und ein Gummi­ring drum. Das Gefäß steht dann zwei Wochen lang am Kompost­haufen, ich "rühre" einmal täglich um.

... am Komposthaufen
An­schließend einen Teil Jauche auf neun bis zehn Teile Wasser, fertig ist der perfekte To­­ma­ten­dün­ger. Andere Pflanzen stärkt die Jauche auch, außerdem macht es sie Wi­der­stands­fähiger gegen Schäd­linge.

Die Düngeeffekte von Kaffeesatz haben sich inzwischen rum­ge­sprochen. Vor allem Pflan­zen, die ein saures Um­feld mögen, freuen sich über die Über­bleibsel des Kaf­fee­trin­kens. Kaffee­satz hat einen nied­rigen pH-Wert, daher eignet er sich zum Beispiel be­son­ders für Rho­do­den­dren und Hor­ten­sien, von denen wir viele im Garten haben. Wichtig ist, den Kaffee­satz vorher trocknen zu las­sen, denn er schim­melt leicht. Und immer nur einen Naturdünger aufs Mal verwenden und Pausen einlegen.

Vokabelnotizen
⊗ en­grais de peaux de ba­nanes (10 % de potassium, 2 % d'azote, 1 % de cal­cium, puis du mag­nésium, du fer et du soufre) — Ba­na­nen­scha­len­dünger (10 % Kalium, 2 % Stickstoff, 1 % Kalzium, außer­dem Mag­nesium, Eisen und Schwe­fel)
⊗ marc de café (2 % d'azote, 0,4 % de phos­phore et 0,8 % d'azote, plus potas­sium)— Kaffee­satz (2 % Stickstoff, 0,4 % Phosphor und 0,8 % Stick­stoff, außer­dem Kalium)
⊗ purin d'orties (13 % de po­tas­sium, 29 % de calcium, égale­ment du fer, du phos­phore, de l'azote et de l'acide silicique) — Bren­nesseljauche (13 % Kalium, 29 % Kalzium, außerdem Eisen, Phosphor, Stick­stoff und Kiesel­säure)

LINK auf Französisch zu anderen Pflanzenjauchen: www.coop-nice.fr
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Fotos:
C.E.

Mittwoch, 4. August 2021

COVIDiary (351)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Der Blog wurde zum COVIDiary.

Corona hat den europäischen Flug­verkehr stark zurückgehen lassen. In Deutsch­land sind letztes Jahr ca. 31,3 Millionen Menschen geflogen, 2019 waren es noch 124,4 Millionen. Statt der ver­blei­benden 25,5 Prozent der sonst üblichen Flug­gäste er­wartet die Branche dieses Jahr maximal 45 Pro­zent.

Und weil (nicht nur) jüngere Leute wie­der mehr mit der Bahn fahren, sollen auch die vor we­ni­gen Jahren ab­ge­schaff­ten Nacht­zug­linien wie­der in Betrieb genom­men werden, ein erster Schritt zu einer wieder at­trak­ti­ve­ren Bahn.

Bunt und duftend

















Den redu­zier­ten Flugverkehr genieße ich, denn alles riecht intensiver als zu­vor: die re­gen­nasse Stadt, Blüten, was aus dem Küchen­fenster bei den Nach­barn kommt, die Backstube im Vor­bei­gehen. April 2020 fiel mir das zum ersten Mal auf. Ich weiß nicht, wer's noch bemerkt hat, aber es wirkt auf mich so, als würde vom Flug­verkehr auch eine inten­sive Luft­ver­schmut­zung mit kleinsten Par­tikeln aus­gehen, der unseren Geruchs­sinn be­hin­dert.

Meinem Vater, der Altwerden mit der Ab­nahme dieses Sinnes beschrieb und der diesen Um­stand beklagt hat, war nicht bewusst, wieso er mög­li­cher­weise in der zweiten Hälf­te seines Lebens immer schlech­ter riechen (und auch schmecken) konnte. Die tagesschau zitiert in diesem Zusam­menhang einen Finanz­berater von Air­lines: "Die Luft­fahrt ist die letzten 40 Jahre kon­ti­nu­ier­lich gew­achsen, hat etwa alle zehn Jahre den Um­satz ver­dop­pelt." (Schade, dass ich die­se Beob­ach­tung mit ihm nicht mehr tei­len kann.)

Diese Branche wird wohl weiter­hin kleiner bleiben. Ein dauer­hafter Struk­tur­wan­del läuft, Ent­las­sungen, Um­schu­lungen, es ist von "Gesund­schrumpfen" die Rede. Das ist schwie­rig, aber wohl nötig. Auch meine Bran­che betrifft es, denn mit den Flug­gast­zah­len gingen auch die Studien­reisen, Fortbildungen, Kongresse und informelle Be­geg­nungen zum Beispiel in der Po­li­tik­be­ratung stark zurück, das war jahrelang mein Arbeitsfeld. Auch wenn diese Bereiche wichtig sind und nicht ewig auf Sparflamme weiterlaufen werden, so kenne ich kenne Kol­leg*innen, die sich kri­sen­be­dingt in den Ruhe­stand ver­­ab­­schie­­det haben und aufs Land gezogen sind. Andere sind Leh­rer*in­nen ge­worden, Coa­ches, Ma­nager*innen.

Auch ich werde mich di­ver­si­fi­zie­ren, werde meine Fach­be­reiche ver­tie­fen und damit möglicherweise eine krisen­festere Ne­ben­be­schäf­ti­gung auf­bauen, denn die olle War­te­rei liegt mir nicht.

Und über die bessere Atem­luft freuen sich alle, sofern die Bahn die Kurve kriegt.

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Collage: C.E.

Dienstag, 3. August 2021

COVIDiary (350)

Bien­ve­nue auf den Sei­ten einer Sprachar­bei­te­rin. Wir Über­setzerinnen, Über­set­zer, Dol­metscherinnen und Dolmetscher arbeiten seit Beginn der Pan­demie über­wie­gend zu Hause im eigenen Arbeits­zimmer. Dabei arbeiten wir nicht nur zu fest­ge­leg­ten Arbeitszeiten. Rund um die Uhr sam­meln wir Wörter, aktuell be­son­ders auch die Coronawörter.

Brille mit großen Gläsern im Abendlicht
Brille im Lampionlicht

Ein Freund hat sich eine neue Brille machen lassen. Bevor der Abendregen uns von der Res­tau­rant­ter­ras­se ver­treibt, hat diese Blick auf einen Sei­ten­arm der Spree.
Die Bril­len­far­be kommt ziem­lich nah ans berühmte Yves Klein-Blau heran, was das Foto in der abend­li­chen Lichtstim­mung nicht zeigt. Au­ßer­dem ist sie recht groß, so groß, wie sie heute die Youngs­ters tragen.

Fast entschuldigend sagt der Mann, der dieser Alter­sgruppe seit einiger Zeit nicht mehr ange­hört: "Normalerweise hätte ich die Gläser kleiner gewählt."

Und er ergänzt: "Aber bei der Arbeit sitzen wir die ganze Zeit mit Mundschutz im Groß­raum­büro. Da geht das nicht, die Gläser wären ständig beschlagen. Das ist meine Coronabrille." (Ce sont mes lunettes Covid.)

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Foto: C.E.

Sonntag, 1. August 2021

COVIDiary (349)

Ein­blicke in das Le­ben einer Sprach­ar­bei­terin können Sie hier ­ erhalten. Ich bin Dol­met­scherin für die fran­zö­sische Sprache, und ich übersetze auch aus dem En­gli­schen. Am siebenten Tag der Woche poste ich private Sonn­tagsbilder.

Ein nass­kalter August wird vorher­gesagt, daher findet das erste August­wo­chen­ende über­wie­gend draußen statt: Touristen spielen in einer der Heimat­städte. Berlin kenne ich seit 1987 gut, ich darf die Stadt als Hei­mat ver­bu­chen.

Wolken, alte une neue Bäume, Himmel und Hölle (Hüpfekästchchen), Pflanzen, Partyluftballon, Fotografierende, ein Paar an der Spree am Humboldt Forum (Preußenschloss) ... ...
Berliner Mix

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Fotos:
C.E.

Freitag, 30. Juli 2021

COVIDiary (348)

Bienvenue auf den Seiten einer Sprachar­bei­te­rin. Wir Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dol­metscherinnen und Dolmetscher arbeiten seit Corona überwiegend zu Hause im eigenen Arbeitszimmer. Dabei arbeiten wir nicht nur zu festgelegten Arbeitszeiten. Wir dienen der Gesellschaft auch durch das Finden neuer Begriffe.

Gestern war der Erdüberlastungstag, der Tag, an dem wir Menschen die Menge an Ressourcen verbraucht haben, die der Globus binnen eines Jahres erzeugt. Wir müs­sen den Raubbau an unserem Heimatplaneten stoppen!

Lange war auch im Deutschen der englische Begriff in Umlauf, overshoot day. Das hat Debatten und Handeln erschwert, denn solange die Problematik nicht allen Menschen bewusst ist, wird sich ihr Ver­halten ge­samt­ge­sell­schaftlich nicht verändern lassen. Hier waren Lin­gu­ist­in­nen und Lin­gu­isten am Werk und haben das Wort "Erd­über­las­tungs­tag" ent­wickelt. In Frankreich geschah dasselbe, le jour du dépassement wurde erfunden.

Overshoot-Tag | Die Menschheit hat alle Ressourcen verbraucht, die die Erde in einem Jahr erzeugen kann.
Erdüberlastungstag
Wir Dol­met­scher:innen kennen diese Sprach­proble­matik im politischen Kon­text gut. Vor etli­chen Jahren haben wir das Wort "Gentri­fi­zie­rung" neu über­tra­gen, und zwar zu einer Zeit, als es nur im Stadt­pla­ner­mi­lieu bekannt war.
Ein Englisch-Über­set­zer­kol­lege hat mitgeholfen und kam schließlich auf die "Verdrängungssanierung".

Auf manchen Kon­ti­nen­ten aast die mensch­liche Be­völ­ke­rung mit den Res­sour­cen. Erschreckend finde ich die Schnelligkeit der Verkürzung dieser Zeit, denn der Tag wird seit Jahr­­zehn­­ten immer früher im Jahr erreicht: von Ende De­zem­ber im Jahr 1970 zu Ende Septem­ber im Jahr 2000 bis heute hat die Ent­wick­lung deutlich an Fahrt auf­ge­nom­men. 

Menschen in Indien haben einen CO2-Fußabdruck, der bei 20 Prozent der Menschen in unserem Land liegt. Verglichen mit den USA liegt der Pro­zent­satz sogar nur bei 11%.

Das liegt an der überwiegend vegetarischen Ernährung dort. Der Überkonsum an Fleisch­ in unserer sogenannten westlichen Welt hängt in direkter Linie mit der Rodung des Ama­zonas zusammen, denn von dort kommen wert­vol­le Kalorien, ohne die große Zahl der Vieh­bestän­de in den reichen Ländern nicht er­nährt werden könnte. Im Ama­zonas wird inzwi­schen CO2 freigesetzt, statt dort zu binden, Trocken­heit nimmt zu, Wasser ver­dunstet und erhöht da­durch die Gefahr, dass es anderen­orts zu sint­flut­ar­ti­gen Regen­­fällen kommt.

Und um die Katastrophe noch hässlicher zu machen: Ein Drittel der Lebensmittel in Deutschl­and landen im Müll — im Handel oder bei den Verbrauchern. Ein weiterer, schwer ermit­telbarer Pro­zent­satz wird gar nicht geerntet oder vermarktet, weil die Agrar­pro­dukte nicht der Norm entsprechen.

Wir haben es mit einem strukturellen Problem zu tun und müs­­sen dringend han­deln, um die größte Ka­tastro­phe zu vermeiden. Es wird dra­matisch genug. Und ja, wir müssen anfan­gen und dürfen uns nicht lähmen lassen. Es gibt viele gute Einzel­bei­spiele.

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Foto:
ID (www.linfodurable.fr)

Donnerstag, 29. Juli 2021

COVIDiary (347)

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beit­swelt. Wie wir Dol­metscher*innen und Über­set­zer*innen ar­beiten, ist oft nicht gut be­kannt. Durch die Pan­demie fin­den kaum noch Konferenzen statt, auf denen ich nor­ma­ler­weise mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch arbeite. Umso wichtiger sind Privatkunden, die ich berate.

Deepl-Fails, die X-te. Der Autofahrerkunde machte zunächst seine abschließende Mail­kor­­res­­pon­denz al­leine, naja, nicht ganz, er nutzte den be­kann­ten On­­line-Wör­ter­tausch­­ser­vice. 

Was er bei DeepL rein­ge­kippt hat, weiß ich nicht, mir fehlt die Vorlage. Seine Mail war mittel­lang. Mitten­drin findet sich wieder ein grober Fehler. Wenn ich den ein­zel­nen Satz bei DeepL ein­gebe, tauscht das System die Wörter allerdings ak­kurat aus. Nur eben nicht im Kon­text, der kom­plett unauf­fällig war. 

Oben links das, was DeepL aus dem wie gesagt mir nicht bekannten Aus­gangs­text ge­macht hat. Leider heißt projet de loi nicht das, was rechts ins Deutsche zu­rück­ge­tauscht steht, Rechnung, was beabsichtigt war, sondern "Gesetzesvorhaben".

Der Kunde diktiert seine Kor­res­pon­denz in einen Computer. Er spricht sehr schnell. Da geht schon mal was schief. Es wird auch hier wieder ein Deutsch­­fehler an der feh­ler­haf­ten Über­tragung beteiligt gewesen sein.

Da die Mails im Nach­gang noch pa­ral­lel über mein Post­fach liefen, konnte ich die ent­­spre­­chen­de Begleit­­musik spielen. Ich hoffe, dass der Autofah­rerkunde, der Ge­schäfts­­führer einiger Firmen ist, künf­tig Menschen mit der Überset­zung wirk­lich wich­ti­ger Tex­te beauftragt.

Frühere Beiträge zum Thema hier: "PC" und "Ich weise alle Schuld von mir".

Das Auto ist inzwischen ge­bor­gen! Die Dame vom Ret­tungs­dienst schrieb mir als Dank­sa­gung: "Sie haben sehr schnell per E-Mail ge­ant­wor­tet, das habe ich sehr zu schät­zen gewusst, so haben wir keine Zeit verloren. Zum Thema Über­set­zung ist es gut und richtig, dass es dafür Fachleute wie Sie gibt, so hat jeder seinen Beruf. Sie ha­ben es sehr gut gemacht!"

Wagen im Graben, zwei Fahrzeuge zur Bergung waren nötig
Eine anspruchsvolle Aufgabe


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Illustration:
DeepL
Foto:
Merci beaucoup à France Dépannage, Marck (F)

Dienstag, 27. Juli 2021

COVIDiary (346)

Was Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher für die fran­zösische Sprache so erleben, können Sie hier mitverfolgen. Wir sind im 2. Coronasommer. Anders als früher, als ich meistens vor Ort tätig war, arbeite ich jetzt oft aus der Ferne.

Mutterseelenallein sitzt diesen Montag ein junger Mann auf dem Gang des Berliner Polizeipräsidiums. Er hat am Vortag sein Auto in Frankreich zurücklassen müssen und fragt sich jetzt, wie er es schnell wiederbekommt.

Ein Malheur ist rasch passiert

Bei solchen Problemen kann ich hel­fen. Dass er sich privat eine Dol­met­sche­rin suchen muss, hat ihm ein französischsprechender Po­li­zei­be­­am­ter gesagt, dem ge­gen­über Mi­nu­ten zuvor ein agent de police auf fran­zö­si­scher Seite den Hörer mitten im Telefonat ein­gehängt hat.

Der Erklä­­rungs­versuch des Anrufers war mögli­cherweise etwas schwer ver­stän­d­lich gewesen, genauer weiß ich es nicht.

Vielleicht hat auch formal was nicht gestimmt. Die Berliner Polizei ist für ihren di­rek­ten Tonfall bekannt. In Frankreich indes ist bei einer ersten Kontaktaufnahme immer gut zu wissen, wer wie angesprochen wird — und wo er oder sie ist.

Doch der Reihe nach. Der Wagenhalter war Ende letzter Woche über Belgien und Frankreich privat nach Großbritannien gefahren, um dort eine Person abzuholen, die in Deutschland ins Krankenhaus muss. Auf der Rückfahrt, kurz nach dem Tun­nel, der unter dem Kanal entlangführt, forderte die Natur ihren Tribut ein. Der Mann fuhr auf einer Landstraße rechts ran und wollte kurz auf einen Seitenstreifen ne­ben einem Acker parken — oder was er dafür hielt. In Wirklichkeit befindet sich dort ein komplett zugewachsener Graben. Der Wagen ist dann 1,20 Meter in den Graben gerutscht, einige Scheiben zerbrachen, die Airbags gingen auf. 

Glücklicherweise sind den beiden Passagiere vor Ort sehr viele nette Franzosen zu Hilfe geeilt. Jemand hat die eingeklemmten Tür aufgemacht, andere haben Polizei und Krankenwagen gerufen. Da zum Glück kein Schaden an Menschen eingetreten war, blieb die Polizei fern. Mitten am Wochenende kam auch der Abschleppdienst nicht umgehend. Der Fahrgast aus England, der aus anderen als den Unfallgründen in ein Krankenhaus sollte, wurde erstmal in ein Hotel einquartiert. 

Da die Informationslage vor Ort mau war, es schien sich abzuzeichnen, dass die Ver­si­che­rung bei einem selbstverschuldeten Unfall im Ausland den Pan­nen­ser­vice und die Rückholung des Wagens möglicherweise nicht übernimmt, und weil auch kein Pan­nen­dienst in Sicht war, vor allem aber weil der Patient nicht länger un­ter­wegs sein sollte, fuhren die beiden dann mit dem Zug zurück nach Deutschland. 

Der Unfall löste eine Pannenserie an Kommunikationsschwierigkeiten aus: Bestellte Taxis blieen weg, der Besitzer des Unfallwagens schob das auf seine mageren Fran­zö­sisch­kennt­nis­­se, und der Pannendienst beschrieb unwidersprochen als absolute Not­wen­dig­keit, dass der Mann persönlich nach Frankreich zurückkommen müsse um das Au­to eigen­hän­dig auf­zu­schlie­ßen, damit der Abschleppdienst sicher sein könne, dass er selbst der Eigentümer ist. Ein Auto aufzuschließen dauert Se­kun­den, da­ran, es zur Not auf­zu­bre­chen, arbeitet ein Fachmann auch nicht lange.

2000 Kilometer Hin- und Rückfahrt dauern entschieden länger. Dies als absolute Not­wen­dig­keit darzustellen, klingt unwahrscheinlich in Zeiten, in denen wir heute ganz alltäglich in Konferenzräumen sitzen, die von New York über Nairobi, Berlin, Paris, Genève reichen, um nur ein aktuelles Beispiel zu erwähnen. 

Die Dolmetscherin kommt ins Spiel, also ich, per Telefon. Es gibt erste In­for­ma­tio­nen, dass der Auto-Schutzbrief doch den Rücktransport deckt. In der Sommerpause ist beim Po­li­zei­re­vier einer mittelkleinen Stadt die Unfallabteilung unbesetzt, ich frage mich durch, suche dann auch nach einer passenden Ab­schlepp­fir­ma, kurz­zei­tig war so­gar mal eine vor Ort, jene, die vom eigenhändigen Aufschließen sprach. Auch die­ses Pro­blem löst sich sehr schnell in Wohlgefallen auf. 

Das Gute: Der staatliche Abschleppdienst (la fourrière) hat sich in der Zwi­schen­zeit des Autos nicht ermächtigt, damit wäre es sofort teuerer und ad­mi­nis­tra­tiv kom­pli­zier­ter geworden. Es wurde auch noch nichts polizei­lich zu Proto­koll ge­ge­ben, auf Fran­zö­sisch: aucune main courante n'a été déposée, auch keine An­zei­ge wegen illega­len Abstellens des Autos, so dass die Polizei auch jetzt nicht handeln muss (pas d'in­ter­ven­tion policière) und die Ange­le­genheit ein reines privat- und ver­si­che­rungs­recht­li­ches Problem ist, das Kosten für die Pan­nenhilfe (frais de dé­pan­nage) und Abschlepp­­kosten (frais de re­mor­quage) auslöst, zu überschaubaren Pau­scha­len, plus die Stun­den­sätze der Beteiligten.

Die beste Nachricht zum Schluss: Der Patient ist wohl­be­halten in einem deut­schen Kran­kenhaus angekommen, und das ganz ohne das Zutun einer Dolmetscherin.

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Illustration:
Lehrbuch (eigenes Archiv)

Donnerstag, 22. Juli 2021

COVIDiary (342)

Was Dol­met­scher und Über­setzer umtreibt (hier: eine Dol­met­sche­rin­ und Über­set­ze­rin­), be­schreibe ich seit 2007 an dieser Stelle. Meine Sprachen sind Franzö­sisch, natürlich Deutsch, und Englisch als Ausgangs­sprache. Der Som­mer lässt Be­gehr­lich­kei­ten wachsen: Kopfeinsichten und Blick auf den Schreibtisch.

Gefühlt alle sind derzeit im Urlaub. Ich war zwölf Tage weg, einen Tag zur Arbeit, der Rest der Zeit war Familie und Filmfest gewidmet. Ich durfte einen Film mit­be­tre­uen, was sich aber nicht nach Arbeit angefühlt hat. "Tendenziell gibt es bei Frauen eine gewisse Sehnsucht nach Ef­fi­zienz", sagte die Kanzlerin heute bei ihrer letzten Som­mer-Pressekonferenz. Vielleicht war mir allerdings diese Reise doch zu effizient.

Buntes Palettengesicht
Naive urban art
Ein wenig träumt mein Hin­ter­kopf von einem Ferien­domizil, nichts aufregendes, von ver­trö­del­ter Zeit, ein wenig Bas­te­leien, einige Ent­deckun­gen in der Nähe, Wochen­markt, See oder Meer. Und dann weiß ich, wenn ich den Tag­traum ein we­nig von außen betrachte, dass ich mich glück­lich schätzen darf, das alles am May­bach­ufer längst zu haben.

Dieser Tage mache ich mir ein­mal mehr Gedanken über Fra­gen des Wohnens und Ein­rich­tens, grund­le­gen­de Fragen, Stichwort "Ferien­wohnungs­am­biente". 

Wie kann ich meinem Umfeld die unbekümmerte Leichtigkeit und den zau­ber­haf­ten Charme eines Ferienhauses geben? Was macht gemütliches Woh­nen aus? Was macht eine Wohnung visuell ruhiger mit meinen Dutzen­den Aktenordnern und Tausenden Büchern? Wie kann ich hier die Arbeit optisch ein wenig in den Hin­ter­grund treten lassen und Multi­funktiona­lität rein­bringen?

Wobei ich schon beim nächsten Gedanken bin. Wir Dol­met­scherin­nen und Dol­met­scher pauken ja alles immer am besten so, dass es "prüfungsfest" sitzt. Wir möch­ten die Begriffe nicht nur passiv kön­nen, wir müssen sie aktiv beherrschen. ("Beherrschen" und "aktiv" kommt mir hier ein wenig vor wie ein Pleo­nasmus.)

Im Gründe könnte ich, da ich mich intensiv mit diversen Materien beschäftige, auch noch Hochschul­seminare belegen, um etwas mehr Systematik rein­zu­be­kom­men. Und dann im Vorbei­gehen Prüfungen machen. Richtig gelesen, ich spiele mit dem Gedan­ken eines Dritt­studiums neben der Berufs­tätigkeit, die ja ohnehin zu 80 Prozent aus Lesen und Lernen besteht.

Innenarchitektur und Design könnte ein Fach sein, außerdem begeistere ich mich für Agro-Forstwirtschaft und Bodengesundheit, betreue immer wieder Kinder aus der Migration und gebe Lernmethoden weiter, Didaktik und Wissensmanagement sind zentrale Themen, Medienerziehung und Literatur. Außerdem begeistere ich mich für narrative Strukturen und Rhetorik. Ich suche mir jetzt etwas zur Mo­ti­va­tion für den Herbst, das ich nach der Pandemie hof­fent­lich hy­brid wei­ter­stu­die­ren kann.

Was wir/ich derzeit so mache(n): Schreiben (eigene Sachen), Filmstart vorbereiten (der nächste Mitmensch, ich assistiere hier und da ein wenig), Sprach­auf­nahmen (für Kunden), Vokabellisten pflegen, Ablagen ausmisten, ins Kino gehen, Museen be­suchen, jeden Tag fünf bis acht Kilometer zu Fuß gehen, Blüh­pflanzen für den Spät­som­mer aussähen und jeden Tag mit einem kleinen Jungen, der Deutsch als Zweit­sprache lernt, ein Buch weiterlesen.

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Foto: C.E.

Dienstag, 20. Juli 2021

COVIDiary (341)

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig, Sie sind auf den Sei­ten des ers­ten Dol­met­scher­blogs Deutsch­lands aus dem Inneren der Dol­metscherkabine gelandet. Ich arbeite mit den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch. Die Umstände ma­chen aus mei­nem Blog aus dem Be­rufsall­tag das eher private COVIDiary.

Eine Erinnerung aus der Zukunft. Ich freue mich schon heute auf den Tag, wenn jemand sagen wird: "Ach, lasst uns doch mal wieder per Zoom treffen, so wie früher!"


Und dann fällt mir das Foto vom schram­me­li­gen Ein-Euro-Laden am Kott­bus­ser Damm und seiner Schau­­fens­­ter­­deko wie­der ein, die ich Januar 2020 fo­to­gra­fiert habe.

Was für eine Weit­sicht damals mit dem Heul­ge­sicht auf den Lüftungsschlitzen, eine Maskenverpackung, die an sich ja schon höchst ungewöhnlich ist, dem großen Plastik­co­ro­na­vi­rus und den Mur­meln, an denen etliche eine haben, was sich bald erweisen sollte!

"Einen an der Murmel haben" ist wie "eine Schraube locker haben" oder "nicht mehr alle Tassen im Schrank haben" ein weiterer Ausdruck für "spinnen", "bekloppt sein" oder "einen an der Waffel haben".

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Foto:
C.E.

Sonntag, 18. Juli 2021

COVIDiary (340)

Was und wie Über­setzer und Dol­met­scher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Die meis­ten von uns sind selb­stän­dig. Co­ro­na stellt auch un­sere Exis­tenzen auf tö­ner­ne Füße. Wir erholen uns mehrsprachig und im Spiel. Sonn­tags­bild!

Viele Familien verbrin­gen derzeit die großen Ferien ganz oder in großen Teilen am Wohnort. Das gilt auch für Berlin. Eine Parallel­straße hier wird an Sonn- und Fei­er­ta­gen regelmäßig zur Spielstraße, so dass entfernte Ziele plötzlich nicht immer so attraktiv erscheinen wie sonst. Die touristi­­schen Destinatio­nen der Stadt lassen sich auch un­ter der Woche ansteuern; die Sonntags­spielstraßen verringern dort übergroßen An­drang am sie­ben­ten Tag der Woche, pande­misch vorteilhaft, andere können da­rü­ber nach­denken, wem eigentlich der öffentliche Straßenraum gehört.

Das Ganze geschieht in unserem Fall viersprachig: DE, FR, IT, AR. Nebenbei erreilt mich die Überraschung, dass junge Schul­kinder inner­halb eines Jahres eine Spra­che fast kom­plett vergessen können. 

Hand- und Fußabdrücke auf Asphalt
Berliner Spielstraße


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Fotos:
C.E.

Mittwoch, 7. Juli 2021

COVIDiary (337)

Was Dol­met­scher und Über­setzer umtreibt (hier: eine Dol­met­sche­rin­ und Über­set­ze­rin­), be­schreibe ich seit 2007 an dieser Stelle. Meine Branche verändert sich, woran Corona nicht unbeteiligt ist. Aber auch die KI, die Künstliche Intelligenz, spielt eine Rolle. Die allerdings an ihre Grenzen stößt.

Der Stress auf der Baustelle neulich war groß. Aber alle haben es geschafft, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind; es wurde sogar hier und da gelacht.

Anschluss diverser "Medien" (Gas, Wasser)
Sich zu ärgern würde an der Lage ohnehin nichts ändern. 

Die Baupreise explodieren, al­lein Edelstahl hat jüngst ein Plus von 50 Prozent ver­zeich­net, was Teil einer langen Ver­ket­tung ist: In der Pan­de­mie gehen die Im­mo­bi­lien­preise durch die Decke, denn die Ban­ken ver­lan­gen für Depots "Ne­ga­tiv­zin­sen", gleichzeitig fluten die Regierungen viele Branchen mit Geld. 

Offenbar landet viel von den sogenannten Coronahilfen einfach nur auf Bank­kon­ten, wird also gar nicht dringend benötigt. Nur bei vielen Solo-Selbstän­digen kommt nichts an, wir hatten's schon davon. (Auch ich kann das als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Schwerpunkt Kunst, Kino, Kultur, Politik und Gesell­schafts­wis­sen­schaf­­ten leider bezeugen. Zum Glück wurde aus meinem "Spielbein", der Arbeit für die Indus­trie, inzwischen mein "Stand­bein".)

Zurück auf die Baustelle: Natürlich wurde trotzdem dort auch ein wenig nach den Schuldigen ge­sucht. Im Anschluss daran gingen Mails hin und her. Der Online­dienst DeepL lie­fert oft eine Grobübersetzung dieser Korres­pon­denz. Zum Glück behalte ich den Austausch im Auge. Hier unsere jüngsten DeepL-Perlen.

Einer der Planer schrieb: "Ich weiße damit alle Schuld von mir, dass ein Bauverzug dadurch entsteht, dass ich nicht die Pläne liefere." Den Schreibfehler "weiße" statt "weise" interpretierte das System wohl als "ich weiß, dass ... " und machte daraus "Je prends toute la responsabilité d'un retard dans la construction parce que je ne livre pas les plans."

8. Die Rohbaufirma könnte daher los bauen. Da das Material aber noch nicht da ist, geht dies nicht. 9. Ich weiße damit alle Schuld von mir, dass ein Bauverzug dadurch entsteht, dass ich nicht die Pläne liefere. // 8. L'entreprise de construction en coquille pourrait donc commencer à construire. Cependant, comme le matériau n'est pas encore là, ce n'est pas possible. 9. Je prends toute la responsabilité d'un retard dans la construction parce que je ne livre pas les plans.

Es ist das Gegenteil dessen, was auf Deutsch gesagt worden war. Denn ohne Kon­text automatisch rückübersetzt, ergibt der in der deutschen Urfassung fett ge­setz­te Satz:

Je prends toute la responsabilité d'un retard dans la construction parce que je ne livre pas les plans. // Ich übernehme die volle Verantwortung für eine Bauverzögerung, weil ich die Pläne nicht liefere.

Gegenprobe: Die Rechtschreibung des Ausgangssatzes habe ich korrigiert nochmal ins System eingegeben, was wiederum ergibt: 

Ich weise damit alle Schuld von mir, dass ein Bauverzug dadurch entsteht, dass ich nicht die Pläne liefere. //  Je décline toute responsabilité pour tout retard dans la construction résultant de mon incapacité à fournir les plans.

Mit dem richtigen Verb wurde der Satzanfang richtig 'übertragen'. Der Mail­schrei­ber hat sich allerdings für die internationale Kommunikation doppelt ungeschickt ausgedrückt: "… dass ich die Pläne nicht liefere" steht hier der Affirmation und nicht als Hypothese. "... da ich an­geb­lich die Pläne nicht liefere“, würde es zum Beispiel auf Französisch heißen, das 'angeblich' könnte im Verb stecken. In diesem Fall wäre die Unterstellung kenntlich gemacht.

Zum Vergleich nochmal das oben erzielte "Ergebnis", das Satzende separat zurück ins Deutsche übertragen. Selbst mit korrigiertem Verb wird die Aus­sage nicht we­ni­ger hässlich und liest sich wie eine Selbstanklage.

... résultant de mon incapacité à fournir les plans. // ...die aus meiner Unfähigkeit resultieren, die Pläne zur Verfügung zu stellen.

Dass hier kein falscher Eindruck entsteht: Es ist garantiert nicht meine Art, hoch­qua­li­fi­zier­ten Menschen mangelnde Schreib­fä­hig­keit vor­zu­wer­fen, im Gegenteil, das ist gar nicht ihr Beruf. Was diese Damen und Herr­­en leisten, könnte ich nie: Bau­vo­lu­mi­na berechnen, Luft­ab­zugs­men­gen oder die Statik des Gebäu­des. Und ge­nau­so­­wenig müssen die mei­nen Beruf beherrschen. 

Die künstli­che Intelli­genz aber auch nicht. Sie kennt keinen Kontext, ahnt nichts von Schuld und Unschuld, von Rechtschreibfehlern und Dialekten, vom Impliziten, das Anlass der Mail war, von Hierarchien und Rechtfertigungen. Das sind alles zu­tiefst mensch­liche Dinge. Einsen und Nullen, die Welt der Rechner, sind indes kalt, ge­fühl­los und weder emotional noch intelligent. Der Begriff KI ist eine Wortlüge.

 

Vokabelnotiz
Medienanschlüsse (wie oben) — les attentes [wörtlich "die Erwartungen"]

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Illustrationen:
C.E. und DeepL

Dienstag, 6. Juli 2021

COVIDiary (336)

Sie sind auf den Sei­ten eines digitalen Ta­ge­buchs aus der Welt der Sprachen ge­landet. Seit 2007 blog­ge ich hier über das Be­rufsle­ben der Über­set­zer und Dol­met­scher, und seit März 2020 gibt es kaum Konferenzen, hat sich unsere Arbeit stark verändert.

Diverse Baubeteiligte
Neulich auf einer Baustelle: 20 Leute ste­hen mit mir im Halbkreis in einem Bü­ro­ge­bäu­de aus Holz, es ist noch ein Roh­bau. Wir spre­chen über Kabel­schä­chte, Ablauf­rinnen, Entlüftungs­kanäle, eine Zwi­schen­decke, Roll­gerüste, die Bo­den­plat­te mit darunterlie­gendem Rohrsystem und ähn­liche Schman­kerl mehr.

Der Kopf rödelt, ich dolmetsche simultan für einen Fran­zosen, der neben mir steht, und konse­kutiv in die Runde hinein. Manche(r) spricht zu leise, mehrfach bitte ich um etwas mehr Laut­stärke. Die Span­nung ist zum Greifen nahe. Wir haben deut­li­chen Bau­verzug, die ein­zel­nen Gewerke müssen sich koordinieren.

Zwischendurch denke ich: Jetzt ein Foto von den Füßen im Kreis schießen. Aber wir stehen so weit aus­einander, je­mand hätte meh­re­re Tor­ten­stück­fotos machen und dann an­ein­and­erlegen müssen. In der Kon­zen­trier­theit entfällt sogar ein Beispielfoto vom Tortenstückchen vor meinen eigenen Füßen.

20 Menschen sind wir im Büro­ge­bäude, an­dere warten im Pau­sen­raum auf uns oder richten einen Imbiss an, wie­der ande­re bauen hier und da weiter. So viele Men­schen auf einem Hau­fen habe ich seit an­dert­halb Jahren nicht er­lebt. Mich schüch­tertet die Situation ein. Aber nur ein bisschen.

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Fotos:
C.E. (gesehen in München)