Freitag, 3. Juli 2009

Übersetzer und Dolmetscher






















Meine Arbeitssprachen sind Französisch und Deutsch. Ich arbeite in Berlin und Köln, Hamburg, Paris, Marseille ... und im Team Dolmetscherinnen und Dolmetschern für andere Sprachen eng zusammen.

Sie können uns buchen für Konferenz, Verkaufsgespräch, Messe, Planung, Dreharbeiten, Interview, Besuchsprogramm etc. Meine Fachbereiche sind Politik, Wirtschaft, Handel und Kultur, der Arbeitsschwerpunkt liegt auf Medien, Theater und Kino. Wir übertragen auch Marketingkonzepte, Artikel, Drehbücher und alle Arten von Filmtexten (von Exposés über Budgets, Verträgen bis hin zu Untertiteln).

Wenn Sie es wünschen, texten wir auch für Sie bzw. schreiben Bestehendes um. Außerdem fertigen wir Exposés an - zum Beispiel über die Verfilmbarkeit von Büchern.

Wir können alle Dolmetscharten: von Flüsterdolmetschen über konsekutives und simultanes Dolmetschen bis hin zu Bühnendolmetschen - von Haus aus Journalistin moderiere ich bei Bedarf auch - gerne im Wechsel mit kurzen Verdolmetschungen.

Mein Kunden-ABC fängt mit Arte, Berlinale und Cinéma Paris an und hört mit Zero Film auf - um nur die Medienkunden zu nennen.

Über derlei öffentliche Aufträge berichte ich hier in möglichst kurzweiliger Form und unter Wahrung aller dienstlichen Geheimnisse. Andere Erfahrungen fließen anonymisiert in allgemeinere Texte über unseren Berufsalltag ein, denn wir Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind ans Schweigegebot gebunden.

Wir helfen auch gern weiter, wenn Sie Sprachmittler anderer Fachgebiete in Berlin oder anderenorts suchen. Bitte teilen Sie uns mit, wen Sie suchen - wir beraten Sie gern.

Dienstag, 30. Juni 2009

Reparaturkosten

Ein Kollege, der Italienisch-Deutsch anbietet, erlebt die gleichen steigenden Zahlen von Anfragen wie ich (siehe gestriger Eintrag). Doch dann kommt es sehr oft zu Absagen, Begründung: Er sei zu teuer.

Er hat sich dann eine nette Standardantwort einfallen lassen:
Für den Fall, dass Sie Ihren Text einem der zahlreichen, momentan auf den Markt drängenden Billiganbieter anvertrauen und von einer italienischen Hausfrau mit deutschem Ehemann oder einem Schüler übersetzen lassen: Für das Lektorat, Korrektorat des Ergebnisses werden üblicherweise 40 - 60% des normalen Zeilenpreises berechnet. Allerdings ist in den meisten Fällen die Anfertigung einer neuen Übersetzung der bessere Weg.

Die Ergebnisse sind konkret: Die Zahl der Zusagen nimmt wieder zu.

Gruß nach Rom! Gut gemacht, Herr Nolte!

__________________________________
Bild: Großer Kostenvoranschlag, für die Folgeaufträge programmiert ...

Terminplanung

Schon komisch, dieses Krisenjahr. Die Anzahl der Anfragen nimmt explosionsartig zu, die der Angebote und Kostenvoranschläge, die ich schreibe, auch.

Dabei sind je nach Anfrage meine Angebote nur noch 24-48 Stunden gültig. Denn so rasch verändert sich derzeit die Lage. Und es klappt meistens nur, wo eine persönliche Empfehlung dahintersteckt. Viral marketing? Nein, alles unbewusst ...

Daher eine große Bitte: wenn Sie uns für einen Dolmetscheinsatz buchen möchten: Bitte fragen Sie so früh wie möglich an. Gerade habe ich den ersten Vertrag für Dezember unterschrieben ...

Pina Bausch bei Radio France Culture

Jetzt im Radio: Pina Bausch ... von mir selbst übersetzt. Ich hatte den Job längst vergessen. Komisch ist das, aus Interesse zuzuschalten und auf die eigene Stimme zu stoßen. Fast ein bisschen gruselig ... und ich war damals schon richtig gut! Mit dem Abstand darf ich das wohl sagen! Und souverän! Ich bin selbst ganz baff ... Die Aufnahme stammt vom 13. Juni 1990 aus der Reihe "nuits magnétiques".

Aber das Gefühl verblasst schlagartig, als ich aus der Sendung erfahre, dass Pina Bausch heute gestorben ist. Etliches habe ich im Théâtre de la Ville von ihr gesehen, einmal versuchshalber zusammen mit der späteren Arte-Kulturmoderatorin Annette Gerlach, einer Kommilitonin (die aber überhaupt kein Pina-Fan war wie ich und dann doch lieber im Café auf mich wartete ...)

Sorry, ich schweife ins Komische ab, denn die Nachricht ergreift mich wirklich sehr. Übersprungshandlung ...

____________________________________
19.15 - 20.00 Uhr: LE RENDEZ-VOUS von Laurent Goumarre
Radio France Culture, Live-Diskussion (die Zuspieler sind aus einer anderen Sendung)

Mittwoch, 24. Juni 2009

Unfreiwillig komisch

Das Folgende stammt aus Übersetzungen und ist sprachlich und grammatikalisch richtig, wird aber wegen Wortähnlichkeit dann doch geändert.
In der Spielhölle sitzen verruchte Spieler in verrauchter Luft.
Zwei Gangster - einer bricht in der Nacht aus dem Gefängnis aus, wobei es einen Toten gibt, der andere erwartet ihn an der Gefängnismauer:
ERSTER GANGSTER
Der Lärm hat sicher die Wärter aufgeschreckt. Hauen wir ab!

ZWEITER GANGSTER
(beunruhigt)
Wen hast du auf dem Gewissen?

ERSTER GANGSTER
Den Pförtner!

ZWEITER GANGSTER
Petrus wird ihm schon seine Pforte öffnen. Los, wir müssen!

_________________________________________
Hilfsmittel: Nachschlagewerke aus drei Jahrhunderten

Samstag, 20. Juni 2009

Die Mauer

Wo stand sie denn nun?, werden "wir Berliner" derzeit oft gefragt. Die Mauer ist bis auf wenige Ausnahmen aus dem Berliner Stadtbild verschwunden. In der geteilten Stadt hatte ich 1987 für die Dauer eines Sommersemesters studiert und kehre ein Jahr später als SFB-Praktikantin zurück. Und als die Mauer fiel, war ich auch dabei. Daher weiß ich viel über Mauerverlauf und die DDR, in der ich als Schülerin oft in den Ferien war, denn meine Familie stammt väterlicherseits aus Sachsen.

Wir sind mit Kamera in Berlin unterwegs. Während Fernsehkorrespondent Maxence Bilodeau vom öffentlich-rechtlichen Sender Radio-Canada vor allem Französischsprachige vors Mikrophon bekommt, dolmetsche ich für das Umfeld. Erkläre, was wir machen - und liefere den kanadischen Gästen Hintergrundinfos. Ich bin Zeitzeugin, die Spreu vom Weizen trennt für die Berichterstattung. Diese Art von 'Übersetzungen' werden mich wohl dieses Jahr noch öfter beschäftigen.
Der Link zum TV-Beitrag demnächst hier.
_________________
Mit Maxence habe ich schon 2006 wiederholt gedreht .

Donnerstag, 18. Juni 2009

Handwerk ...

... bedeutet manchmal auch viel Fummeln. Und das, obwohl es nicht immer nötig ist.

Ich bekomme ein Drehbuch zur Übersetzung und habe zwanzig Tage Zeit. 100.000 Anschläge, das lässt sich bequem machen. Die teuersten, frischesten Stunden gehören nun jeden Morgen der Übersetzung, so der Plan. Dann ist in der ersten Woche nicht viel los im Büro, ich übersetze das Drehbuch einmal komplett noch mit etlichen Auslassungen und bunten Markierungen. Dann säubere ich den ersten Teil und meine Korrektorin bekommt ein großes erstes Drittel, fast 40 %. In der zweiten Woche sind komplexe Recherchen dran. Das Buch ist in einem sozialen Milieu angesiedelt, das mir fremd ist. Zwischendurch "säubere" ich weiter.

Irgendwann schreibt die Produktion von einer Neufassung und listet die Szenen auf, an denen erneut gearbeitet wird. Ein Drehbuch umfasst in der Regel 60 bis 80 Szenen - an zehn von ihnen soll nicht gearbeitet werden. Tags drauf kommen die ersten Änderungen. Der Auftakt des Films ist nach dem Vorspann komplett verändert, ein Dutzend Szenen völlig neu ...

Kurz: Als ich wenig drauf die nun definitiv "letzte Fassung" in Händen halte, zähle ich beim neuen Buch 10.000 Anschläge mehr.

Verändert wurde aber mehr als ein Drittel - und das kostet mich mehr als ein Drittel mehr Zeit. Warum? Weil ich Zeile für Zeile aufmerksam vergleichen und die Änderungen einbauen muss. Dabei ist auf den Kontext zu achten, wenn sich eine Replik ändert: Gibt es jetzt Wiederholungen von Verben, Adjektiven usw.? Passt die Sprachhöhe? Oft ändert sich also auch Drumherum etwas, und das kommt zu den vom Drehbuchautor vorgegebenen Änderungen noch hinzu.

Die meiste Zeit geht jetzt fürs Suchen und Schleifen drauf, einfach runterübersetzen ist verglichen damit oft eine rasch machbare Sache. Und der Bildschirm zeigt ständig drei Dokumente an, grau = erste Übersetzung, gelb = neue Passagen. Da ich ja mehrere Wochen Zeit hatte, ging die Produktionsfirma zunächst übrigens davon aus, dass sich am anvisierten Abgabetermin und der Honorarsumme nichts ändern würde. Theoretisch war ich eine Woche länger beschäftigt, da ich ja auch noch die Stunden für die Kollegin arbeiten musste, mit der ich Korrekturlesen tauschte, auch sie hatte ihre Arbeit ja gemacht. Und praktisch wurden aus der Woche zehn Tage, weil ich am Ende dieser Woche noch drei Tage von einem anderen Kunden gebucht war.

Kurze Moral von der Geschicht': Liebe Produktionsfirmen, sendet uns Eure Bücher wirklich erst dann, wenn Ihr sicher seid, dass es bei dem Text bleibt.

Deutsch stirbt aus

Der Tag ging los, wie er endete: Mit Verständnisproblemen. Und das, obwohl lauter Dolmetscher beteiligt waren, die ihren Job können.

Wir sind in einer deutschen Hochschule. Hier wird heute Abend eine mehrtätige Konferenz eröffnet. Ich begleite für zwei Stunden einen französischen Wissenschaftler. Vor der Auftaktveranstaltung wird schon die nächste geplant: In einer kleinen deutsch-französischen Sitzung. Der Raum ist klein und schmucklos, die Zimmerdäcke niedrig. Die Worte, die hin- und hergehen, hallen ganz fürchterlich. Ich habe Mühen bei der Arbeit, da hilft auch kein Kaffee.
Mit Verspätung kommt der letzte Gesprächsteilnehmer vom Flughafen. Weiter geht's mit den Gesprächen bei einem Mittagessen außerhalb - zu meiner Freude hat dieser Raum die bestmögliche Akustik.
Die Tagung, auf der mein Dolmetschkunde aus Frankreich auch spricht, soll ins Englische gedolmetscht werden. Monsieurs Englisch ist nicht so gut, als dass er in der Sprache würde arbeiten wollen. Das der deutschen Wissenschaftler ist auf den ersten "Blick" auch nicht besser. Beim Mittagessen werden viele inhaltliche Überschneidungen gefunden und Neuigkeiten über gemeinsame Bekannte ausgetauscht. Man mag sich. Man versteht sich bestens.

Abends dann die Auftaktveranstaltung. Ich gehe aus eigenem Interesse hin. Alles ist Französisch-Englisch - auch die deutschen Kollegen sprechen Englisch. Die Dolmetscher schwitzen in der Kabine. Unser französischer Gast sieht leicht irritiert aus.

Das feed back bei einem Glas guten Schaumweins (du vin mousseux, nicht zu verwechseln mit Champagner): Vieles von dem, was mittags besprochen worden war, klang am Abend anders. Monsieur hatte Verständnisprobleme, was nicht an den muttersprachlichen Dolmetschern gelegen haben kann. Ich fand die englischen Vorträge der deutschen Kollegen auch weniger treffend, fast ein wenig schwammig.

Dann fragte mich der Gast aus frankophonen Landen, wie viel Englischsprachige oder des Deutschen Unkundige denn im Saal gewesen sein mochten. Wir zogen die Teilnehmerliste zu Rate. Das Ergebnis war überraschend: Es waren alles Deutschsprachige bis auf zwei Franzosen und jeweils einen Spanier und einen Engländer, die sehr gut Deutsch können. Der französischsprachige Wissenschaftler schüttelte den Kopf und sprach aus, was ich mir auch schon im Stillen gedacht hatte: In Frankreich wäre eine solche Situation unvorstellbar.

P.S.: Dass bei dem, was die Franzosen umgangssprachlich "harte Wissenschaft" nennen (sciences dures), also Naturwissenschaften, Mathematik und Anverwandtes, Englisch oft die Arbeitssprache ist, wissen wir schon länger. Hier ging es um ein kulturwissenschaftliches Thema.