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Freitag, 21. August 2026

Moment mal! (5)

Bon­jour, hel­lo,gu­ten Tag! Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten im 20. Jahr be­schrieben. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, arbei­te ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne auf Kon­fe­ren­zen, oder ich rei­se mit De­le­ga­tio­nen durch Län­der oder Mi­nis­te­rial­ge­bäu­de. Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ich ar­bei­te in Ber­lin, Pa­ris, Hei­delberg, Mar­seil­le und dort, wo Sie mich brau­chen!

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Manch­mal fehlt ein Wort. Nicht, weil wir ei­ne Spra­che nicht aus­rei­chend be­herr­schen wür­den. Son­dern, weil Spra­che grund­sätz­lich kom­ple­xer ist als ein Wör­ter­buch. 

Spra­che ver­än­dert sich stän­dig, wäh­rend so ein Wör­ter­buch sta­tisch bleibt, so­gar ein di­gi­ta­les. Und es kom­mt im­mer auf den Kon­text an: den sprach­li­chen Zu­sam­men­hang, die Fra­gen, das Vor­wis­sen, die Si­tuation. Des­halb kann die KI auch nur gro­be Zu­sam­men­fas­sun­gen oder zu wort­rei­ches Kau­der­welsch lie­fern. (Hal­lu­zinationen kom­men noch on top.)

Un­se­re mensch­li­chen Spra­chen sind Wun­der­wer­ke. Ein ein­zi­ges Wort kann Kul­tur, Er­fah­rung und ei­nen be­stimm­ten Blick auf die Welt ent­hal­ten. 

Der pas­sen­de Aus­druck muss nicht nur ver­ständ­lich sein. Er muss den rich­ti­gen Ton tref­fen.

Ge­nau die­se Mo­men­te ma­chen mei­nen Be­ruf span­nend. Beim Dol­met­schen geht es nicht nur dar­um, Wör­ter aus ei­ner Spra­che in ei­ne an­de­re zu über­tra­gen. Es geht dar­um, Be­deu­tung, Ab­sicht und At­mo­sphä­re zu er­fas­sen.

Manch­mal ist die kur­ze Pau­se, die das Pub­li­kum kaum wahr­nimmt, der Au­gen­blick, in dem die ei­gent­li­che Ar­beit pas­siert. Und wenn am En­de der rich­ti­ge Aus­druck ge­fun­den ist, merkt nie­mand mehr, dass er ge­sucht wur­de.

Und dann ist da die­ser Be­griff, der mir so ver­traut ist, dass ich kurz grüb­le und eine Se­kun­de län­ger su­che als sonst, weil mir erst wäh­rend des Nach­den­kens ein­fällt, dass es die­ses ei­ne, ganz be­stim­mte Wort nur in ei­ner mei­ner Spra­chen gibt. Dann darf ich einen kur­zen An­flug von Trau­er weg­at­men, denn ein Mo­ment von Prä­zi­sion und Schön­heit wird das Ohr der ge­neig­ten Zu­hö­rer­schaft heu­te nicht er­rei­chen, und schnell wei­ter­spre­chen.

(Der Kopf hat­te hier kurz aus ei­ner in die­sel­be Spra­che zu über­tra­gen ver­sucht. Na­tür­lich flir­ren im­mer bei­de Idio­me stän­dig lei­se mit, ger­ne auch die drit­te oder x-te Spra­che.)

Das Pu­bli­kum merkt auch die­ses Zö­gern nicht. Das ist viel­leicht das schöns­te Kom­pli­ment für gu­te Dol­met­sch­ar­beit, wenn Sprach­gren­zen ver­schwin­den: „Es war so, als hät­ten wir der vor­tra­gen­den Per­son im O-Ton zu­ge­hört!“
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Gra­fik: KI (OpenAI)

Freitag, 14. August 2026

Moment mal! (4)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der: ein kurzer Ein­blick in den All­tag.

Der schnelle Einblick
in meinen Berufsalltag
Es gibt Sät­ze, die blei­ben mir nicht we­gen ih­res In­halts in Er­in­ne­rung, son­dern weil es ei­ne spon­ta­ne For­mu­lie­rung war, die al­le über­rascht hat. Viel­leicht im Ne­ben­satz, viel­leicht war es ei­ne Hy­po­the­se. Das Pu­bli­kum lacht, wir „Sprachis“ freu­en uns. Und manch­mal ist mir ein Wort­spiel lie­ber als ein im Af­fen­tem­po ab­ge­le­se­nes Zi­tat von ... na­ja, sa­gen wir mal Hei­deg­ger.

Die spon­ta­nen Ab­wei­chun­gen ma­chen un­se­re Ein­sät­ze be­son­ders. Bei der Vor­be­rei­tung ar­bei­ten wir mit Fach­be­grif­fen, Do­ku­men­ten und Hin­ter­grund­ma­te­ri­al. Aber wäh­rend ei­ner Ver­an­stal­tung geht es nicht nur um In­for­ma­tio­nen. Es geht um Men­schen, Kul­tu­ren und Hin­ter­grün­de.

Manch­mal ist es ei­ne Im­pro­vi­sa­ti­on, mal sind es zu vie­le Sprich­wör­ter.

Zack, dann pumpt der Kör­per ein­mal Ad­re­na­lin im Kreis her­um und wir wer­den plötz­lich schlau­er, als wir ei­gent­lich sind. In so ei­nem Mo­ment ha­be ich die fran­zö­si­sche Ver­si­on von „Wer schreibt, der bleibt!“ er­fun­den, näm­lich Ce­lui qui écrit, res­te dans les es­prits. Da gab's gleich ei­ne Do­sis Ad­re­na­lin als Nach­schlag.

Wir freu­en uns im­mer über Red­ner:in­nen, die für ih­re The­men bren­nen, über Dis­kus­sio­nen, die ei­ne un­er­war­te­te Rich­tung neh­men, und über Mo­men­te, in de­nen wir auf der Kla­via­tur der Spra­che spie­len, als wä­ren wir die größ­ten Ge­nies un­ter al­len Pia­nist:in­nen.

Viel­leicht ist das ei­ner der Grün­de, wa­rum ich die­sen Be­ruf lie­be und ver­tei­di­ge: Er schenkt mir das Glück, Spra­che und Kom­mu­ni­ka­ti­on im­mer wie­der ganz neu er­le­ben zu dür­fen.

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Grafik:
 
KI (OpenAI)

Freitag, 7. August 2026

Moment mal! (3)

Bon­jour, hel­lo gu­ten Tag! Im 20. Jahr be­schrei­be ich, Ca­ro­li­ne Eli­as, hier mein Le­ben als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch, Deutsch (und aus der eng­li­schen Spra­che) in Ber­lin. Ge­mein­sam mit an­de­ren aus dem Dol­metsch­team be­glei­te ich De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen, sit­ze da­bei sehr oft ir­gen­dwo in Kon­fe­renz­dol­metsch­ka­bi­nen.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Was sieht das Pub­li­kum ei­ner Kon­fe­renz? Ihr Em­pfangs­ge­rät, ih­ren Kopf­hö­rer, vor­ne auf dem Podium ein Mi­kro­fon oder eine gan­ze Reihe da­von. Zwei Dol­met­sche­rin­nen in ei­ner Ka­bi­ne, ein­er der bei­den kann auch ein Mann sein, zwei Män­ner sind sehr sel­ten. Dol­met­schen ist ein Frau­en­be­ruf.

Was das ge­neig­te Pub­li­kum meist ig­no­riert: die Stun­den und Tage da­vor. Je­der Ter­min be­ginnt lan­ge vor den Be­grü­ßungs­wor­ten. Wir dürfen Fach­tex­te le­sen, Be­grif­fe re­cher­chie­ren, Hin­ter­grün­de ver­ste­hen, Zu­sam­men­hän­ge er­ken­nen, Wort­lis­ten schrei­ben, Zi­ta­te über­set­zen, Pod­casts zum The­ma hö­ren, uns über Wort­sor­gen­kin­der aus­tau­schen.

Das al­les ge­hört zur Ar­beit.

Gu­tes Dol­met­schen be­ginnt mit Zu­hö­ren, Fra­gen stel­len, Text­ar­beit und Ler­nen. Das Wort life­long lear­ning könn­te von einer Dol­met­sche­rin er­fun­den wor­den sein.

Ge­nau das ist für mich ei­ner der schö­nen Aspek­te die­ses Be­rufs: Wir sind ewi­ge Stu­dent:in­nen, dür­fen neu­gie­rig sein auf die Welt da drau­ßen, im­mer wie­der neue The­men ent­de­cken und dann, für die Dauer einer Abend­ver­an­stal­tung, ein­es Kon­gres­ses oder ei­ner De­le­ga­tions­rei­se, in an­de­re Fach­wel­ten ein­tau­chen.

Vor­ne räus­pert sich je­mand, glei­ch geht es los, das Pub­li­kum wird un­se­re Stim­men hö­ren und von der in­ten­si­ven Vor­be­rei­tungs­zeit viel­leicht so­gar et­was ah­nen.

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Gra­fik:
KI (OpenAI)

Freitag, 17. Juli 2026

Moment mal! (2)

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Meine Mut­ter­spra­che ist DE, ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit FR und EN und zwar in Ber­lin, Pa­ris, Stutt­gart und dort, wo Sie mich brau­chen! Nun heißt es am letz­ten Werk­tag: Mo­ment mal!, ein kur­zer Ein­blick in mei­nen Be­rufs­all­tag.


Innenansicht Dolmetscherkabine, das Headset liegt auf dem Tisch
Ein Blick, ein Wort, eine Frage
Oft wer­de ich ge­fragt, ob ich nach zwan­zig Jah­ren als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin nicht schon al­les ein­mal ge­hört und ob ich nicht auch ein­mal zu­en­de ge­lernt hät­te.

Das Ge­gen­teil ist rich­tig.

Viel­leicht ist das das schöns­te Ge­schenk die­ses Be­rufs: Je­de Wo­che öff­net sich ei­ne neue Welt. 

Mal geht es um Land­wirt­schaft, mal um Eu­ro­pa­po­li­tik, um Kli­ma, Ge­sund­heit, Bil­dung oder Wirt­schaft. Oft ha­be ich mich ta­ge­lang in ein The­ma ein­ge­le­sen, von dem ich we­ni­ge Wo­chen zu­vor kaum et­was wuss­te. In an­de­ren Wo­chen fri­sche ich The­men auf, fühle mich in ih­nen schon recht zu­hau­se.

Mit je­dem Ein­satz kom­men neue Be­grif­fe hin­zu, neue Men­schen und neue Per­spek­ti­ven. Manch­mal auch neue Fra­gen, auf die nie­mand ei­ne schnel­le Ant­wort hat. Ich liebe es, mich in The­men zu ver­sen­ken, in den Flow zu kom­men.

Ich glau­be, ge­nau das hält mich neu­gie­rig. Ich darf im­mer wie­der über den Tel­ler­rand schau­en, oh­ne mei­nen Be­ruf zu wech­seln.

Na­tür­lich gibt es an­stren­gen­de und auch sehr an­stren­gen­de Ta­ge, umfangreiche Vor­be­rei­tung unter Zeit­druck, weil zu viel erst fünf vor Event im Mail­post­fach war, mit lan­gen Sit­zun­gen oder frü­hen Ab­fahr­ten. Aber selbst dann gibt es oft ei­nen Mo­ment, in dem ich den­ke: Wie span­nend, dass ich das heu­te ler­nen durf­te.

Ich fin­de, Neu­gier ist ei­ne wun­der­ba­re Be­glei­te­rin. Sie macht den Ar­beits­all­tag bun­ter und hilft, auch nach vie­len Jah­ren noch mit of­fe­nen Au­gen durch die Welt zu ge­hen.

Und viel­leicht ist das gar nicht nur beim Dol­met­schen so.


P.S.: Meis­tens hilft eine Sies­ta aus dem Tief, kann auch im Bus oder im Zug pas­sie­ren. Oder aber ich geh­e für ei­ne, zwei Stun­den raus in die Na­tur.

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Gra­fik:
OpenAI

Freitag, 10. Juli 2026

Moment mal! (1)

Bon­jour & hel­lo! Sie le­sen in einem di­gi­ta­len Ta­ge­buch aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch so­wie aus dem Eng­li­schen. Neue Ru­brik, glei­cher Blog: Hier hal­te ich künf­tig die­se win­zi­gen Au­gen­blic­ke fest, in de­nen beim Dol­met­schen für ei­nen Atem­zug die Zeit still­zu­steh­en scheint: Mo­ment mal!

Innenansicht Dolmetscherkabine, das Headset liegt auf dem Tisch
Ein Blick, ein Wort, eine Frage
Der Mo­ment, um den es hier geht, ist im­mer der glei­che und nie der­sel­be: die­ser eine Wim­pern­schlag zwi­schen den Wör­tern, der ge­ra­de für je­ne sicht­bar wird, die wis­sen, des ei­ne sel­te­ne Fach­be­griff, der im Ohr an­kommt oder der Satz, der rasch aus dem Mund her­aus­schlüp­fen will.
Et­was, das vie­le gar nicht wahr­ne­hmen.

Da­zwi­schen manch­mal ein win­zi­ges Loch, ein Ein­ras­ten, ein Klick im Kopf, der Au­gen­blick der Selbst­re­fle­xi­on mit­ten im Satz, den nie­mand im Saal be­merkt, au­ßer wir Dol­met­sche­r:in­nen selbst.

Ge­nau die­se Se­kun­den samm­le ich hier ab jetzt. Kei­ne gro­ße Drama­tur­gie, kein Blitz, kein Knall, nur der Mo­ment, der sonst spur­los durch die Ka­bi­ne rauscht.

Klei­ne Ab­gren­zung, weil’s mich als Sprach­frau juckt: Der Mo­ment ist der Au­gen­blick, das kur­ze Jetzt, ge­nau das, was die­se Ru­brik meint. Das Mo­ment da­ge­gen ist et­was ganz an­de­res: ein Fak­tor, ein Um­stand, ein Be­stand­teil ei­ner grö­ße­ren Sa­che, "das ent­schei­den­de Mo­ment ei­ner Ver­hand­lung" zum Bei­spiel. Und schließ­lich gibt es noch das Mo­men­tum, das aus der Phy­sik und zu­neh­mend auch aus dem Ma­nage­ment-Sprech her­über­schwappt: Schwung, Wucht, die Kraft ei­ner Be­we­gung, die (noch) trägt.

Drei Wör­ter, die sich äh­neln, die aber nichts mit­ein­an­der zu tun ha­ben, au­ßer viel­leicht, dass ein gu­ter Mo­ment manch­mal das Mo­men­tum ei­nes gan­zen Ge­sprächs kip­pen kann.

Am Frei­tag, dem meist­ge­buch­ten Tag der Wo­che, wird die­se Ru­brik lan­den, mein klei­ner Auf­ruf zum In­ne­hal­ten. Nicht, weil dann schon das Wo­chen­end­ru­he aus­bre­chen wür­de, son­dern weil ge­ra­de dann, mit­ten im dich­tes­ten Pro­gramm, sich die­ser Mo­ment am häu­figs­ten ein­stellt.

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Gra­fik:
OpenAI