Samstag, 22. August 2026

Bonjour

.. und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Grüne Jalousien, Treppe, Pflanzen
Bienvenue !

Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben Jour­na­lis­tin, bie­te ich auch Text­ar­beit an­, und zwar mit gro­ßem Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te in­ner­halb von we­ni­gen Stun­den, ma­xi­mal zwölf.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

______________________________
Fo­to: C.E.


Freitag, 21. August 2026

Moment mal! (5)

Bon­jour, hel­lo,gu­ten Tag! Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten im 20. Jahr be­schrieben. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, arbei­te ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne auf Kon­fe­ren­zen, oder ich rei­se mit De­le­ga­tio­nen durch Län­der oder Mi­nis­te­rial­ge­bäu­de. Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ich ar­bei­te in Ber­lin, Pa­ris, Hei­delberg, Mar­seil­le und dort, wo Sie mich brau­chen!

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Manch­mal fehlt ein Wort. Nicht, weil wir ei­ne Spra­che nicht aus­rei­chend be­herr­schen wür­den. Son­dern, weil Spra­che grund­sätz­lich kom­ple­xer ist als ein Wör­ter­buch. 

Spra­che ver­än­dert sich stän­dig, wäh­rend so ein Wör­ter­buch sta­tisch bleibt, so­gar ein di­gi­ta­les. Und es kom­mt im­mer auf den Kon­text an: den sprach­li­chen Zu­sam­men­hang, die Fra­gen, das Vor­wis­sen, die Si­tuation. Des­halb kann die KI auch nur gro­be Zu­sam­men­fas­sun­gen oder zu wort­rei­ches Kau­der­welsch lie­fern. (Hal­lu­zinationen kom­men noch on top.)

Un­se­re mensch­li­chen Spra­chen sind Wun­der­wer­ke. Ein ein­zi­ges Wort kann Kul­tur, Er­fah­rung und ei­nen be­stimm­ten Blick auf die Welt ent­hal­ten. 

Der pas­sen­de Aus­druck muss nicht nur ver­ständ­lich sein. Er muss den rich­ti­gen Ton tref­fen.

Ge­nau die­se Mo­men­te ma­chen mei­nen Be­ruf span­nend. Beim Dol­met­schen geht es nicht nur dar­um, Wör­ter aus ei­ner Spra­che in ei­ne an­de­re zu über­tra­gen. Es geht dar­um, Be­deu­tung, Ab­sicht und At­mo­sphä­re zu er­fas­sen.

Manch­mal ist die kur­ze Pau­se, die das Pub­li­kum kaum wahr­nimmt, der Au­gen­blick, in dem die ei­gent­li­che Ar­beit pas­siert. Und wenn am En­de der rich­ti­ge Aus­druck ge­fun­den ist, merkt nie­mand mehr, dass er ge­sucht wur­de.

Und dann ist da die­ser Be­griff, der mir so ver­traut ist, dass ich kurz grüb­le und eine Se­kun­de län­ger su­che als sonst, weil mir erst wäh­rend des Nach­den­kens ein­fällt, dass es die­ses ei­ne, ganz be­stim­mte Wort nur in ei­ner mei­ner Spra­chen gibt. Dann darf ich einen kur­zen An­flug von Trau­er weg­at­men, denn ein Mo­ment von Prä­zi­sion und Schön­heit wird das Ohr der ge­neig­ten Zu­hö­rer­schaft heu­te nicht er­rei­chen, und schnell wei­ter­spre­chen.

(Der Kopf hat­te hier kurz aus ei­ner in die­sel­be Spra­che zu über­tra­gen ver­sucht. Na­tür­lich flir­ren im­mer bei­de Idio­me stän­dig lei­se mit, ger­ne auch die drit­te oder x-te Spra­che.)

Das Pu­bli­kum merkt auch die­ses Zö­gern nicht. Das ist viel­leicht das schöns­te Kom­pli­ment für gu­te Dol­met­sch­ar­beit, wenn Sprach­gren­zen ver­schwin­den: „Es war so, als hät­ten wir der vor­tra­gen­den Per­son im O-Ton zu­ge­hört!“
______________________________
Gra­fik: KI (OpenAI)

Mittwoch, 19. August 2026

Wolfskinder

Hal­lo, lie­be Le­se­rin, lie­ber Le­ser! Wer schreibt hier? Ich bin Kon­fe­ren­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und blog­ge an die­ser Stel­le im 20. Jahr. Ich über­set­ze auch aus dem Eng­li­schen, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Heu­te mal wie­der: KI-Mitt­woch.

Rück­sprung in tra­gi­sche Zei­ten: Aus der Ge­schich­te sind die so­ge­nann­ten Wolfs­kin­der be­kannt, die aus den ver­schie­dens­ten Grün­den oh­ne El­tern oder an­de­re Be­zugs­per­so­nen auf­wach­sen musst­en. Sie konn­ten vie­le Grund­la­gen des Le­bens nicht ler­nen, weil nie­mand da war, der sie be­glei­te­te. Sie konn­ten ihre De­fi­zi­te meis­tens nicht auf­ho­len.

Ler­nen ist Müh­sal. Ein Kind muss erst krie­chen, krab­beln, hin­fal­len, sich hoch­zie­hen, wie­der hin­fal­len, auf­ste­hen, wa­ckeln, stol­pern, wie­der fal­len und wie­der auf­ste­hen. Das geht schier end­los so. Ir­gend­wann kann es lau­fen. Nie­mand kä­me auf die Idee, ei­nem ein­jäh­ri­gen Kind ei­nen Ro­bo­ter hin­zu­stel­len, der für es läuft, und dann zu sa­gen: „Siehst du? Jetzt kannst du ge­hen.“ Beim Ler­nen ma­chen vie­le aber ge­nau die­sen Denk­feh­ler.

Mädchen mit süßlichem Lächeln auf dem "Bärenfell" mit Selfie-Handy in der Hand
Die KI als Selbstbespielungsmaschine 
Ler­nen braucht Übung und Pra­xis. Vor al­lem braucht es den Mo­ment, in dem et­was nicht funk­tio­niert: in dem wir nach­fra­gen, uns ver­has­peln, Feh­ler ma­chen und es wei­ter ver­su­chen. Er­kennt­nis ent­steht nicht da­durch, dass die rich­ti­ge Ant­wort je­der­zeit ver­füg­bar ist. Ler­nen braucht auch ein Ge­gen­über aus Fleisch und Blut. Wer das Ler­nen ge­lernt hat, kann spä­ter na­tür­lich selbst­stän­dig mit al­ler­lei Quel­len ar­bei­ten. Das In­ter­net kann ei­ne da­von sein.

Es braucht Zeit und Ge­duld, um z.B. ei­ne Spra­che zu ler­nen.

Die KI mit ih­rer Ge­schwin­dig­keit macht zu­sam­men mit den im­mer kür­ze­ren Film­chen auf den Sei­ten der aso­zia­len Me­di­en die Men­schen im­mer un­ge­dul­di­ger. Das ist für uns Gro­ße schon ge­fähr­lich, aber bei den Klei­nen wird es brand­ge­fähr­lich.

Spre­chen­ler­nen braucht Hin­ga­be, egal ob Erst- oder Zweit­spra­che. Wir müs­sen den Sinn hin­ter den Wör­tern er­fas­sen, viel­leicht so­gar meh­re­re Be­deu­tungs­ebe­nen. Wir ler­nen beim Pro­bie­ren, beim Bas­teln mit Sil­ben, beim Spre­chen. Wir su­chen nach Wör­tern, ver­grei­fen und kor­ri­gie­ren uns. Wir er­le­ben, wie ein Laut, ein Wort schmeckt und im Mund liegt, wel­che Mus­keln da­bei ar­bei­ten und wel­che Nu­an­ce in wel­cher Si­tua­ti­on passt.

Die gan­ze Zeit geht es um viel mehr als Vo­ka­beln und Gram­ma­tik. Das kann die Ma­schi­ne schnell aus­wer­fen und ana­ly­sie­ren, manch­mal be­kommt sie so­gar die Nu­an­ce hin. Aber sie lie­fert das Wahr­schein­lichs­te, nicht das Er­leb­te, Erprobte.

Für die sprach­li­che Ent­wick­lung von Kin­dern zählt, wie viel­fäl­tig, de­tail­reich, sy­no­nym­reich, emo­tio­nal au­then­tisch und dif­fe­ren­ziert die Spra­che ist, die sie von El­tern und an­de­ren Be­zugs­per­so­nen hö­ren. Der frü­he Grund­la­gen­kurs in Co­ding ist da­hin­ge­gen kom­plett wum­pe, wie es auf Ber­li­nisch heißt, schie­te­gal auf Ham­bur­gisch, a Hen­na­furz auf gut Schwä­bisch.

Ein Kind, das für „trau­rig“ acht ver­schie­de­ne Wör­ter und Wen­dun­gen ken­nen­lernt, hat et­was ge­lernt, das sich nicht so ein­fach durch ei­nen wei­te­ren di­gi­ta­len Skill er­set­zen lässt. Es lernt, Un­ter­schie­de wahr­zu­neh­men, Ge­füh­le zu be­nen­nen und Emp­fin­dun­gen zu un­ter­schei­den. Es lernt, sich zu re­gu­lie­ren und, falls nö­tig, Hil­fe zu ho­len. Und es be­kommt ein Werk­zeug, mit dem es spä­ter selbst wei­ter­den­ken kann: Spra­che und Struk­tur, Dif­fe­ren­zie­rungs- und Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz.

Das ei­gent­li­che Pro­blem an der gro­ßen KI-Eu­pho­rie der Tech-Bros ist des­halb gar nicht, dass die­se Tech­no­lo­gie nichts „kann“. Im Ge­gen­teil: Sie „kann“ auf Grund­la­ge der Imi­ta­ti­on un­se­rer Kul­tur­pro­duk­te er­staun­lich viel (hier ge­he ich da­von aus­, dass „Kön­nen“ er­wor­be­ne Fä­hig­kei­ten von Le­be­we­sen be­zeich­net).

Das Pro­blem ist die Ver­wechs­lung von Zu­gang zu wis­sens­ba­sier­ten In­hal­ten mit ei­ge­nem Wis­sen; von rech­ne­ri­scher Leis­tungs­fä­hig­keit mit Ver­ste­hen; von ei­ner fer­ti­gen Ant­wort mit ei­nem selbst er­ar­bei­te­ten In­halt, den wir auf Plau­si­bi­li­tät prü­fen kön­nen.

Wie soll die KI uns al­le klü­ger ma­chen? Wir ha­ben die­ses Ex­pe­ri­ment doch längst ge­macht. Das In­ter­net hat uns die Bi­blio­thek der Mensch­heit in die Hand ge­ge­ben. Je­der kann Pla­ton le­sen, Spra­chen ler­nen, sich mit Ge­schich­te, Phy­sik, Mu­sik oder Öko­lo­gie be­schäf­ti­gen. Es gibt Vor­le­sun­gen, Kur­se, Do­ku­men­ta­tio­nen und die wun­der­ba­re Idee ei­ner Uni­ver­si­té de tous les sa­voirs: Wis­sen ist da.

Und was ha­ben wir dar­aus ge­macht?

Wir ha­ben, plötz­lich wis­sens­durs­tig, eben nicht mil­lio­nen­fach den Weg an die Hoch­schu­len an­ge­tre­ten. Statt­des­sen ver­brin­gen wir ei­nen er­staun­li­chen Teil un­se­rer Zeit da­mit, uns in so­zia­len Me­di­en ge­gen­sei­tig beim Ver­blö­den zu­zu­se­hen. Das Pro­blem ist al­so nicht der feh­len­de Zu­gang zu Wis­sen. Das Pro­blem ist, was Men­schen mit die­sem Zu­gang an­fan­gen.

Mit der KI bekamen vie­le Men­schen ein gran­dio­ses Werk­zeug: ei­nen per­so­na­li­sier­ten Tu­tor, ei­ne Lek­to­rin, ei­nen Pro­gram­mie­rer, ei­ne Re­cher­che­as­sis­ten­tin und da­mit mög­li­cher­wei­se Hil­fe beim Zu­gang zu mehr Wis­sen, als ein ein­zel­ner Mensch je­mals über­bli­cken kann. Und dann ma­chen die meis­ten Men­schen da­mit im We­sent­li­chen den­sel­ben Murks wie zu­vor, nur schnel­ler und mit noch mehr Ein­satz von Ener­gie, Was­ser und Land für Re­chen­zen­tren, mit­ten in ei­ner mul­ti­plen Kli­ma­kri­se.

Das gilt na­tür­lich nicht für al­le Be­rei­che. In Me­di­zin, Tech­nik und In­for­ma­tik kön­nen Ma­schi­nen durch die Re­kom­bi­na­ti­on be­ste­hen­den Wis­sens neue Er­kennt­nis­se, Funk­ti­ons­wei­sen und Soft­ware­lö­sun­gen er­mög­li­chen. Aber auch dort bleibt die Fra­ge, wer das Er­geb­nis ver­steht, ein­ord­net und prüft.

Ein bes­se­res Werk­zeug macht aus Men­schen nicht au­to­ma­tisch bes­se­re Le­be­we­sen. Es macht uns viel­leicht zu leis­tungs­fä­hi­ge­ren Men­schen mit all unseren Neu­ro­sen, der Be­quem­lich­keit, der Un­wis­sen­heit, dem schlech­ten Ge­schmack und dem Be­dürf­nis vieler, am liebs­ten gar nichts mehr selbst ma­chen zu müs­sen.

Die KI kann er­klä­ren, re­cher­chie­ren, for­mu­lie­ren und ver­bes­sern. Sie kann aber auch ein­fach zwölf Sei­ten Un­sinn pro­du­zie­ren, die ir­gend­wie nach Wis­sen aus­se­hen. Und wenn die­ser Un­sinn dann mil­lio­nen­fach ins Netz ge­kippt wird, ha­ben wir nicht nur ein Bil­dungs­pro­blem. Wir ver­grö­ßern mit dem gro­ßen Wider­käu­er den welt­wei­ten Da­ten­müll, wäh­rend die Ma­schi­ne, der wir das ver­dan­ken, kost­ba­re Res­sour­cen im­mer knap­per wer­den lässt.

Das ist die gro­ße Pa­ra­do­xie: Wir ha­ben mehr Zu­gang zu Wis­sen als je zu­vor und im­mer bes­se­re Werk­zeu­ge, um et­was da­mit an­zu­fan­gen. Aber Ler­nen lässt sich nicht out­sour­cen.

Ein Kind muss lau­fen ler­nen. Es muss fal­len und wie­der auf­ste­hen. Im KI-Zeit­al­ter dür­fen wir nicht ver­ler­nen, selbst zu den­ken, selbst zu üben, selbst zu ir­ren, selbst zu schei­tern und dar­aus zu ler­nen.

Aus Kin­der­gär­ten und Schu­len ist zu hö­ren, dass im­mer mehr Kin­der nicht mehr rück­wärts ge­hen oder ei­ne Sche­re be­nut­zen kön­nen, da­für auf je­dem Han­dy so­fort Un­ter­hal­tungs­pro­gram­me fin­den, auch wenn sie noch gar nicht le­sen kön­nen. Das ist die Alarm­stu­fe ROT. Wir ris­kie­ren, di­gi­ta­le Wolfs­kin­der her­an­zu­zie­hen — und selbst zu er­wach­se­nen di­gi­ta­len Wolfs­kin­dern zu wer­den.

Wer weiß, was Bild­schirm­me­dien mit Auf­merk­sam­keit und Ent­wick­lung ma­chen kön­nen, schützt die ei­ge­ne Brut davor. Die Tech-Bros wis­sen das sehr ge­nau. Des­halb schi­cken die Tek­kies im Si­li­con Val­ley ih­re Kin­der ger­ne in den Wal­dorf­kin­der­gar­ten und spä­ter auf Schu­len die­ser Geis­tes­hal­tung. Im Kin­der­gar­ten spie­len sie mit Rin­de, Äst­chen und Moos, Mo­bil­te­le­fo­ne und Com­pu­ter sind ver­pönt und wer­den in der Schu­le nur in ho­mö­o­pa­thi­schen Do­sen ein­ge­setzt. Ähn­lich re­strik­tiv, wie wir ech­ten Kon­ser­va­ti­ven es ja auch hal­ten wol­len.

Und ja: Die KI kann auch gu­te Lern­pro­gram­me schrei­ben. Wer me­tho­disch ar­bei­ten kann, kri­tisch bleibt, Quel­len liest und In­hal­te ab­gleicht, kann sie als Werk­zeug nut­zen.

______________________________ 
Fo­to:
pixlr.com (Zu­falls­fund)

Dienstag, 18. August 2026

Wüstendesign

Bon­jour und gu­ten Tag! Sie sind auf mei­nen di­gi­ta­len Ta­ge­buch­seiten ge­lan­det. Ich bin Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin mit mehr als 20 Jah­ren Be­rufs­er­fah­rung, als Teil ei­nes Netz­werks eu­ro­pa­weit tä­tig zu Wirt­schafts- und Kul­tur­the­men, Kli­ma und Land­wirt­schaft, um nur vier Bei­spie­le zu nen­nen. Vor der Kon­fe­renz­sai­son hel­fe ich der­zeit Pri­vat­kund­schaft. Heu­te ist der ers­te Strick­jacken­tag die­ses Ul­tra­som­mers. Zeit für ei­nen Rück­blick, der lei­der sehr ak­tu­ell ist. 

Neu­lich war ich als Dol­met­scherin bei ei­ner Haus­be­sich­ti­gung auf dem plat­ten Land. „Das plat­te Land“ fühlt sich in Ber­lin erst ein­mal wie ei­ne Redens­art an. Ber­lin ist ja topf­eben. Die Hü­gel, die wir ha­ben, sind groß­teils Kriegs­schutt­ber­ge, „Mont Kla­mott“ ge­nannt.

Es ging um den Nach­zug einer Fa­mi­lie in ei­ne Lan­des­haupt­stadt eines öst­li­chen Bun­des­lan­des. Die Ehe­frau war ei­nem Ruf an eine ört­li­che Hoch­schu­le ge­folgt, die Fa­mi­lie hat­te die Nase voll vom Pen­deln. Der Re­gio­nal­zug brachte uns, den fran­zö­sisch­spra­chi­gen Familien­vater und mich, in die Stadt, wo eine jun­ge Da­me uns am Bahn­hof er­war­tete. In ei­ner schi­cken Limou­si­ne ging es an den Ziel­ort: eine rela­tiv junge Sied­lung in einer Ge­gend, die jahr­zehn­te­lang kei­nen Zu­bau ge­kannt hatte.

In den Nach­bar­gär­ten sah die Wie­se aus, als wä­re sie mit dem Li­neal mani­kürt, über­all wa­ren die Rasen­spreng­er im Ein­satz. Die an­gren­zen­den Äcker: Wüs­ten­sand­gelb stand das zu kurze Ge­trei­de, da­ne­ben ver­dorr­te Son­nen­blu­men, die wie Vo­gel­scheu­chen aus­sa­hen. Und an vie­len Grund­stü­cken mit den teu­ren Immo­bi­li­en — ein­deu­tig der Mil­lio­närs­hü­gel der Ge­mein­de — stan­den die­se grü­nen, eng­ma­schi­gen Metall­zäu­ne, die frü­her vor allem in Indus­trie­ge­bie­ten als bil­ligs­te Ein­he­gung zu se­hen wa­ren und in de­nen sich Tie­re, zum Bei­spiel Igel, zu Tode quä­len kön­nen, wenn sie sich dar­in ver­fan­gen. Da sind dann die Plas­tik­bän­der, die als Sicht­schutz ein­ge­floch­ten wer­den, viel­leicht sogar gut. Aber nur viel­leicht.

Gabionen, Steine, Steine ... und ein zartes Baumstämmchen
Gesehen anderswo
Die Alter­na­tive da­zu wa­ren Stein­gär­ten. Auf dem Fuß­weg zum Res­tau­rant, eini­ge Stun­den spä­ter, konn­ten wir den Hitze­stau durch die­se An­häu­fun­gen schon Meter im Vor­aus spü­ren. Wüs­ten­de­sign, nur dass es in Eu­ro­pa nachts eben nicht so kalt wird wie in der Sa­ha­ra. 
Am schlimms­ten fand ich ei­nen Me­tall­zaun mit ei­nem Tarn­netz aus ver­wit­tern­dem Plas­tik­e­feu oben­drauf. 

Das Gan­ze sah mehr nach Mili­tär­ba­sis aus als nach dem hilf­lo­sen Ver­such, Na­tur zu imi­tie­ren.

Ich hat­te an die­sem Tag eini­ges zu dol­met­schen. Die Ver­käu­fe­rin pries die Vor­zü­ge des Hau­ses und der Sied­lung an, sie wies auf das groß­zü­gi­ge Umfeld hin, und ich über­trug das alles brav und voll­stän­dig ins Fran­zö­sische. Ge­nau dafür bin ich schließ­lich da. Ich rei­ße mich zu­sam­men: kei­ne Iro­nie, kei­ne hoch­ge­zo­ge­ne Au­gen­braue, kei­ne klei­ne sprach­li­che Kurs­kor­rek­tur in Rich­tung Wirk­lich­keit. Eine Dol­met­scherin ist nicht dafür da, ei­ge­ne Kom­men­tare zu lie­fern.

Bei dem Ein­satz fiel es mir aller­dings nicht ganz leicht, die An­prei­sun­gen eins zu eins zu über­tra­gen, wäh­rend ich auf die­se Land­schaft schaute. Das Dol­met­schen war al­so noch an­stren­ge­nder, als sonst schon.

Die Ver­käu­fe­rin zeig­te uns dann noch ei­ni­ge Lie­gen­schaf­ten. Es wur­de nicht besser. Auf dem Weg zum Res­tau­rant gin­gen die Ver­käu­fe­rin und die Familien­mut­ter ein Stück vor uns durch eine ähn­liche, klei­ne­re, nicht ganz so vor­neh­me Sied­lung. Mon­sieur und ich folg­ten mit et­was Ab­stand. So war­en wir für einen Mo­ment unter uns. Nun durf­te ich er­fah­ren, was er von der Ge­gend hielt. Sehr viel diplo­ma­ti­scher als ich hät­te sein kön­nen, war er da­bei aller­dings nicht.

Schließ­lich wur­de es ein Dorf in der Nach­bar­schaft, ge­fun­den über Klein­an­zei­gen. Dort zieht die Fa­mi­lie bald in ei­nen res­tau­rier­ten Rest­hof, umge­ben von ech­ter Na­tur. 

#Deutschland #Hitze #Steingarten #Wassermangel #August2026 

______________________________
Fo­to: C.E. (Archiv)

Montag, 17. August 2026

Montagsschreibtisch (153)

Hal­lo! Sie le­sen (ab­sicht­lich oder zu­fäl­lig) auf Blog­sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Hier be­rich­te ich unter Wah­rung be­ruf­li­cher Ge­heim­nis­se aus unserem Be­rufs­all­tag. Hier ge­wäh­re ich wie­der ei­nen Blick auf den Schreib­tisch.

Computer, Lampe, Schreibtisch
Heu­te: drei­spra­chig
Die­se Wo­che steht an:

Ehe­schlie­ßung dol­met­schen
Ge­bäu­de­iso­lie­rung in all ih­ren Schat­tie­run­gen
 Kollege/n fin­den, der Lu­gan­da spricht (für eine Film­pro­duk­tion)
 Ab­rechnung letzte Dienst­rei­se
 Ter­min­pla­nung
 Viel­leicht Ihr Vor­ha­ben?


Huch, ers­ter Strick­jac­ken­tag seit drei Mo­na­ten! Die dic­ken Woll­soc­ken sind ganz hin­ten in der Schub­la­de. 

Es sind un­glaub­lich ge­rin­ge 20 °C. in Ber­lin, da­zu weht ein küh­les Lüft­chen durchs Fens­ter. Dann wirft je­mand die Bo­den­schleif­ma­schine an. Ab mit mir ins nächs­te Aus­weich­quar­tier. Ber­li­ner All­tag halt.

______________________________
Fo­to: C.E.

Freitag, 14. August 2026

Moment mal! (4)

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten! Ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und ar­bei­te seit 20 Jah­ren als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch, Deutsch und Eng­lisch in Ber­lin. Ge­mein­sam mit Netz­werk­kol­leg:in­nen be­glei­te ich Kon­fe­ren­zen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen. Heu­te wie­der: ein kurzer Ein­blick in den All­tag.

Der schnelle Einblick
in meinen Berufsalltag
Es gibt Sät­ze, die blei­ben mir nicht we­gen ih­res In­halts in Er­in­ne­rung, son­dern weil es ei­ne spon­ta­ne For­mu­lie­rung war, die al­le über­rascht hat. Viel­leicht im Ne­ben­satz, viel­leicht war es ei­ne Hy­po­the­se. Das Pu­bli­kum lacht, wir „Sprachis“ freu­en uns. Und manch­mal ist mir ein Wort­spiel lie­ber als ein im Af­fen­tem­po ab­ge­le­se­nes Zi­tat von ... na­ja, sa­gen wir mal Hei­deg­ger.

Die spon­ta­nen Ab­wei­chun­gen ma­chen un­se­re Ein­sät­ze be­son­ders. Bei der Vor­be­rei­tung ar­bei­ten wir mit Fach­be­grif­fen, Do­ku­men­ten und Hin­ter­grund­ma­te­ri­al. Aber wäh­rend ei­ner Ver­an­stal­tung geht es nicht nur um In­for­ma­tio­nen. Es geht um Men­schen, Kul­tu­ren und Hin­ter­grün­de.

Manch­mal ist es ei­ne Im­pro­vi­sa­ti­on, mal sind es zu vie­le Sprich­wör­ter.

Zack, dann pumpt der Kör­per ein­mal Ad­re­na­lin im Kreis her­um und wir wer­den plötz­lich schlau­er, als wir ei­gent­lich sind. In so ei­nem Mo­ment ha­be ich die fran­zö­si­sche Ver­si­on von „Wer schreibt, der bleibt!“ er­fun­den, näm­lich Ce­lui qui écrit, res­te dans les es­prits. Da gab's gleich ei­ne Do­sis Ad­re­na­lin als Nach­schlag.

Wir freu­en uns im­mer über Red­ner:in­nen, die für ih­re The­men bren­nen, über Dis­kus­sio­nen, die ei­ne un­er­war­te­te Rich­tung neh­men, und über Mo­men­te, in de­nen wir auf der Kla­via­tur der Spra­che spie­len, als wä­ren wir die größ­ten Ge­nies un­ter al­len Pia­nist:in­nen.

Viel­leicht ist das ei­ner der Grün­de, wa­rum ich die­sen Be­ruf lie­be und ver­tei­di­ge: Er schenkt mir das Glück, Spra­che und Kom­mu­ni­ka­ti­on im­mer wie­der ganz neu er­le­ben zu dür­fen.

______________________________ 
Grafik:
 
KI (OpenAI)

Mittwoch, 12. August 2026

Minimalvoraussetzungen

Bon­jour & hel­lo! Hier er­hal­ten Sie Ein­blick in mei­nen All­tag aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Am heu­tigen KI-Mitt­woch: Der Eig­nungs­test.

Ein Satz lässt mich die­se Wo­che nicht los: „KI-Dol­met­schen“ wür­de schon an der Auf­nah­me­prü­fung zur Dol­met­schau­bil­dung kra­chend schei­tern. Er fiel mir neu­lich in einem Ge­spräch spon­tan ein. Jetzt zi­tie­ren ihn an­de­re.

Die KI hat bei einem Dachzimmer die Schräge und die Eindeckung bis ins Zimmer hinein verlängert
Der KI fehlt die Le­bens­er­fah­rung
War­um? Weil Tech-Gran­den gern das blo­ße Aus­spu­cken von Wort­ket­ten mit der hoch­kom­ple­xen, kogni­ti­ven Denk­sport­auf­ga­be in der Ka­bi­ne ver­wech­seln. Ein ehr­li­cher Eig­nungs­test kennt aber kei­ne sta­tis­ti­schen Rabat­te. 
Die KI kann nicht dol­met­schen, da sie von der Viel­sei­tig­keit der Sprach­ver­wen­dung ob­jek­tiv nichts weiß, nichts wis­sen kann, denn ihr feh­len die Er­fahr­un­gen von Kör­per­lich­keit und All­tag. Des­halb ver­hed­dert sie sich oft nicht nur in der Syn­tax (Link).
Die KI hat auch kein Vor­wis­sen. Nicht ein­mal das The­ma Sprech­ge­schwin­dig­kei­ten ist ihr be­kannt. Also bringt sie manch­mal zum Auf­ho­len z.B. etwas in 300-pro­zen­ti­ger Ges­chwin­dig­keit oder wech­selt un­ver­mit­telt die Spra­che.

Hier das Er­geb­nis des Test­laufs (Link), den wir einem Kol­le­gen ver­dan­ken. Hö­ren Sie selbst (ab Sekun­de 30 wird's ab­surd).

Auch an den aka­de­mi­schen Kri­te­rien schei­tern die Ma­schi­nen, z. B. an:

1. Kul­tur- und Sinn­er­fas­sung
In der Prü­fung wird ge­tes­tet, ob der/die Kan­di­dat:in spon­tan lo­gi­sche Be­zü­ge her­stel­len kann. Mensch­li­che Spra­che ist vol­ler Me­ta­phern, Idi­o­me oder Re­de­wen­dun­gen. Pro­fis hö­ren den Sinn, ver­ste­hen das Bild und über­tra­gen es ad­äquat. Die KI hin­ge­gen nimmt al­les wört­lich. Ihr fehlt je­der ech­te Kon­text. Sie rät rein ma­the­ma­tisch, rech­net mit Wahr­schein­lich­kei­ten und pro­du­ziert dann jene aben­teu­er­li­chen Hal­lu­zi­na­tio­nen, die aus ei­nem Miet­shaus, maison de rapport, ein Bor­dell ma­chen. Ein sol­cher Feh­ler be­deu­tet in je­der Prü­fung das so­for­ti­ge Aus.

2. Resi­li­enz- und Em­pa­thie
Wir Lebe­we­sen ler­nen, weil wir Ge­füh­le haben, aus Feh­lern und durch mensch­li­che Rück­mel­dun­gen. Eine Prü­fung ver­langt emo­tio­na­le In­tel­li­genz. Beim Dolmetschen müssen wir uns blitz­schnell auf den/die Red­ner:in ein­stel­len und mit dem ei­ge­nen Lam­pen­fie­ber um­ge­hen. Wir kennen die Verantwortung, die wir tragen. Die Ma­schi­ne spuckt nur Da­ten aus. Ihr fehlt die Ge­wis­sen­haft­ig­keit, der Über­blick und das Be­wusst­sein für das, was Kom­mu­ni­ka­ti­on im Kern aus­macht.

3. Be­rufs­ethik und Verantwortung
Zum Be­ruf ge­hört Ver­trau­lich­keit. Eine KI kann we­der Dis­kre­ti­on wah­ren, noch über­nimmt sie Ver­ant­wor­tung für ih­ren Murks. Wenn der Sound bricht oder Be­grif­fe un­klar sind, kann sie nicht ei­gen­stän­dig nach­schär­fen.

Was nüt­zen cloud-ba­sier­te Über­tra­gun­gen, die schnell und bil­lig sind, wenn die Feh­ler­quo­te das Er­geb­nis zur Un­kennt­lich­keit ent­stellt? Wer ver­ba­le oder ge­schrie­be­ne Maß­schnei­de­rei sucht, bucht Men­schen!

______________________________
Bild: pixlr.com (Zu­falls­fund); Prompt: Mäd­chen,
das aus ei­nem Fens­ter klet­tert (80er Jah­re)

Montag, 10. August 2026

Montagsschreibtisch (152)

Bonjour ! Ein­blick in die Welt des Kon­fe­renz­dol­met­sche­ns kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten neh­men. Ich ar­bei­te mit Mut­ter­spra­che Deutsch, über­wie­gend ins Fran­zö­sische und zu­rück (und aus dem Eng­li­schen). Ich über­set­ze auch, wie die Büro­kol­le­gin, de­ren Ziel­spra­che Eng­lische ist. Im Som­mer ist es ru­hi­ger.

Wir sind im Bü­ro und doch nicht im Bü­ro, „Schrö­din­gers Lin­gu­is­tin­nen“ ... Vor al­lem ist das Bü­ro oh­ne­hin kein „La­den“ mit Öff­nungs­zei­ten, son­dern ein häus­li­ches Ar­beits­zim­mer.
Schwarz-Weiß-Bild eines Mannes am Schreibtisch mit Listen, Tinte, Löschwiege und einem schwarzen Bakelittelefon im Hintergrund
Der fa­mose Herr Franz
Es ist Hoch­som­mer, seit Juni schon. Der See lockt, die küh­len Wäl­der und Mu­seen locken auch, ei­ne von uns hat An­gi­na, an­de­re vom Netz­werk sind ver­reist. So kön­nen man­che Text­auf­trä­ge an­gen­om­men wer­den, so­fern es nicht ei­lig ist.

In der Pla­nung hält Herr Franz die Stel­lung. Im Herbst gibt es noch viele freie Ter­mi­ne.

Herr Franz sitzt hier zwar vor dem „Fern­spre­cher“, dem schwe­ren Ding, das an der Wand hängt. Trotz­dem läuft bei uns die Auf­trags­bu­chung zu 99 Pro­zent per Mail. Wir sind er­reich­bar und mel­den uns bin­nen 24 Stun­den, meis­tens schnel­ler.

______________________________
Fo­to:
Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 7. August 2026

Moment mal! (3)

Bon­jour, hel­lo gu­ten Tag! Im 20. Jahr be­schrei­be ich, Ca­ro­li­ne Eli­as, hier mein Le­ben als frei­be­ruf­li­che Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch, Deutsch (und aus der eng­li­schen Spra­che) in Ber­lin. Ge­mein­sam mit an­de­ren aus dem Dol­metsch­team be­glei­te ich De­le­ga­ti­ons­rei­sen, Fach­ge­sprä­che und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen, sit­ze da­bei sehr oft ir­gen­dwo in Kon­fe­renz­dol­metsch­ka­bi­nen.

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Was sieht das Pub­li­kum ei­ner Kon­fe­renz? Ihr Em­pfangs­ge­rät, ih­ren Kopf­hö­rer, vor­ne auf dem Podium ein Mi­kro­fon oder eine gan­ze Reihe da­von. Zwei Dol­met­sche­rin­nen in ei­ner Ka­bi­ne, ein­er der bei­den kann auch ein Mann sein, zwei Män­ner sind sehr sel­ten. Dol­met­schen ist ein Frau­en­be­ruf.

Was das ge­neig­te Pub­li­kum meist ig­no­riert: die Stun­den und Tage da­vor. Je­der Ter­min be­ginnt lan­ge vor den Be­grü­ßungs­wor­ten. Wir dürfen Fach­tex­te le­sen, Be­grif­fe re­cher­chie­ren, Hin­ter­grün­de ver­ste­hen, Zu­sam­men­hän­ge er­ken­nen, Wort­lis­ten schrei­ben, Zi­ta­te über­set­zen, Pod­casts zum The­ma hö­ren, uns über Wort­sor­gen­kin­der aus­tau­schen.

Das al­les ge­hört zur Ar­beit.

Gu­tes Dol­met­schen be­ginnt mit Zu­hö­ren, Fra­gen stel­len, Text­ar­beit und Ler­nen. Das Wort life­long lear­ning könn­te von einer Dol­met­sche­rin er­fun­den wor­den sein.

Ge­nau das ist für mich ei­ner der schö­nen Aspek­te die­ses Be­rufs: Wir sind ewi­ge Stu­dent:in­nen, dür­fen neu­gie­rig sein auf die Welt da drau­ßen, im­mer wie­der neue The­men ent­de­cken und dann, für die Dauer einer Abend­ver­an­stal­tung, ein­es Kon­gres­ses oder ei­ner De­le­ga­tions­rei­se, in an­de­re Fach­wel­ten ein­tau­chen.

Vor­ne räus­pert sich je­mand, glei­ch geht es los, das Pub­li­kum wird un­se­re Stim­men hö­ren und von der in­ten­si­ven Vor­be­rei­tungs­zeit viel­leicht so­gar et­was ah­nen.

______________________________ 
Gra­fik:
KI (OpenAI)

Donnerstag, 6. August 2026

Reichweite und KI

Hal­lo! Hier le­sen sie die Sei­ten ei­nes Blogs aus der Ar­beits­welt, ge­nau­er: aus dem All­tag ei­ner Dol­met­scher­in, der seit 2007 be­steht. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Am heu­ti­gen Don­ners­tag schaue ich zu­rück, Throw­back thurs­day.

Vie­le Jah­re lang hat­te ich täg­lich zwi­schen 60 und 250 Zu­grif­fe auf die­sem Blog. Lief ein Text gut, wa­ren es schon ein­mal 1000 und mehr Klicks. Die Spit­ze lag bei 2500. Die Ver­blei­be- und hof­fent­lich auch Le­se­dau­er lag in Sum­me so bei 40 bis 60 Mi­nu­ten, und das je­den Tag. Das hat mir mal ein Pro­fi aus­ge­rech­net, der ir­gend­wie auch das Wei­ter­klick­en aus­le­sen konn­te.

Dass ich mit mei­nen Tex­ten bei kom­plet­ter Ab­we­sen­heit pro Tag knapp ei­ne Stun­de lang in­for­mie­ren und be­ra­ten konn­te, war im­mer ein An­trieb für mich, wei­ter­zu­ma­chen. Vie­le Le­ser:in­nen wa­ren und sind auch jun­ge Kol­le­g:in­nen oder Men­schen in der Ori­en­tie­rungs­pha­se, wie ich aus Rück­mel­dun­gen weiß.

Seit dem Früh­jahr darf ich bei den Klicks durch­ge­hend ei­ne Null dran­hän­gen. Was gut läuft, liegt bei 10.000 Klicks und mehr. Die Le­se­dau­er hat sich in­des nur we­nig ver­än­dert.

Ich über­le­ge mir kurz, ob ich grund­sätz­lich möch­te, dass mei­ne Tex­te die KI trai­nie­ren. Die li­te­ra­ri­schen Mo­men­te, die po­li­ti­schen Hin­ter­grün­de, Wort­de­fi­ni­tio­nen und Pri­va­tes ei­gent­lich eher nicht.

Nur lässt sich das nicht tren­nen von dem, was mir sehr wohl recht ist: al­les, was mit der Kom­ple­xi­tät des Dol­met­schens zu tun hat, mit der KI-Kri­tik. Sehr ger­ne al­so! Denn ich weiß, dass ech­te, wir­kungs­vol­le Sprach­ar­beit, Le­bens­er­fah­rung, ei­ge­ne Kör­per­lich­keit, der Kon­takt mit den Men­schen, ein Wis­sen (oder fun­dier­te Ah­nung) zu ih­ren Er­war­tun­gen, ih­rem Vor­wis­sen und ih­ren Zie­len nicht mal eben auf ei­nen di­gi­ta­len Fin­ger­schnipp hin von ei­ner Ma­schi­ne ohne Ge­füh­le und ohne ech­te Kom­mu­ni­ka­tions­fä­hig­kei­ten über­nom­men wer­den kann. (Un­se­rein­er fragt oft dis­kret nach, beim Ho­tel­früh­stück, im Bus bei Trans­fers, in Pau­sen.)

Die KI weiß nichts, sie si­mu­liert Wis­sen nur. Bei ver­meint­li­chen Ge­sprä­chen si­mu­liert sie Em­pa­thie, sie wur­de ex­akt dar­auf trai­niert. (Oder eben auf Frem­den­hass und Ge­walt­phan­ta­sien, wie die Soft­ware, die nach dem dritt­letz­ten Buch­sta­ben des Al­pha­bets heißt, weil sie ei­nem der bru­ta­len, men­schen­ver­ach­ten­den Tech-Bros ge­hört.)

Die KI kann nicht kom­mu­ni­zie­ren. Sie si­mu­liert Kom­mu­ni­ka­ti­on ge­nau­so wie Dol­met­schen. Lei­der ver­lei­ten Tech-Fir­men un­se­re (po­ten­ti­el­le) Kund­schaft da­zu, es mit der min­der­wer­ti­gen Tech­nik zu ver­su­chen, und sie be­dro­hen da­mit un­se­ren Be­ruf, denn Aus­bil­dungs­stät­ten wer­den tat­säch­lich be­reits ver­klei­nert; auch hier: Ko­sten­druck vor Qua­li­tät.

Fra­gen über Fra­gen. Was nützt es der Kund­schaft, wenn sie im über­tra­ge­nen Wort­strom nur ei­nen Teil der ur­sprüng­li­chen Aus­sa­ge hört – et­wa 43 Pro­zent der Aus­gangs­wör­ter (WHO-Sta­ti­stik) –, weil die Wör­ter zu schnell auf­ein­an­der fol­gen, zen­tra­le Be­grif­fe feh­len oder Hal­lu­zi­na­tio­nen hin­zu­kom­men? Wel­chen Er­kennt­nis­ge­winn bie­tet ei­ne sol­che In­for­ma­ti­ons­grund­la­ge für Stu­di­um, Wis­sen­schaft, For­schung, Wirt­schaft oder Po­li­tik? Die ei­gent­li­che Fra­ge lau­tet doch: Reicht das aus, um Wis­sen auf­zu­bau­en, auf de­ren Grund­la­ge ein­mal fun­dier­te Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wer­den sol­len?

Das geht nur in ei­nem to­ta­li­tä­ren oder au­to­kra­ti­schen Sy­stem, wenn die Er­geb­nis­se von vor­ne­her­ein fest­ste­hen und ein de­mo­kra­ti­scher Ent­schei­dungs­pro­zess nur si­mu­liert wird. Im Be­reich Hoch­schu­le und For­schung scheint es dann kom­plett egal zu sein, wel­che Er­geb­nis­se die­se Art von Kom­mu­ni­ka­ti­on zei­tigt.

Buchstaben in Flammen: Künstliche Intelligenz / Stempel: KI-Zensur
KI-Dar­stel­lun­gen der Pro­ble­me, die die KI-Bros uns schaf­fen




Es gibt bei Blogger.com eine Funk­ti­on, die an­zeigt, wel­che Bei­trä­ge oft an­ge­klickt wor­den sind und wel­che kaum. Ich fas­se hier kurz noch ei­nen vom Jah­res­an­fang zu­sam­men: Code­na­me Pa­na­ma. Ich nen­ne es ei­ne „di­gi­ta­le Bü­cher­ver­bren­nung“.

Mein Bei­trag über das Pa­na­ma-Pro­jekt von An­thropic und ähn­li­che In­i­ti­a­ti­ven von An­fang Ja­nu­ar fand so gut wie kei­ne Le­ser. Liegt es dar­an, dass ich hier KI di­rekt kri­ti­sie­re und KI mich des­halb block­iert? Fach­leu­te nen­nen es Sha­dow­ ban­ning, die Tex­te wer­den schlicht kaum an­ge­zeigt.


Be­rich­ten zu­fol­ge wer­den Mil­lio­nen von Bü­chern ge­kauft, zer­legt, ge­scannt und ver­nich­tet, um KI-Mo­del­le zu trai­nie­ren. Bei An­thropic lau­te­te die in­ter­ne Be­zeich­nung für die­sen Pro­zess „Pro­jekt Pa­na­ma“, aber auch an­de­re KI-Un­ter­neh­men nut­zen die­se oft sel­te­nen Bü­cher als „Trai­nings­da­ten“.

An­thro­pics in­ter­ne Be­zeich­nung für die­sen Pro­zess war „Pro­jekt Pa­na­ma“. Die­se Bü­cher wer­den zu Ma­schi­nen­fut­ter ver­ar­bei­tet. Ih­re phy­si­sche Form gilt wohl als ent­behr­lich. Ame­ri­ka­ni­sche Ge­set­ze för­dern die­se Les­art.

Als Dol­met­scher­in, Über­set­zer­in und le­bens­lan­ge Buch­lieb­ha­be­rin fin­de ich das ver­stö­rend.

Was be­deu­tet es für un­ser kul­tu­rel­les Er­be, wenn Bü­cher zu Weg­werf-Roh­ma­te­ri­al für Ma­schi­nen wer­den? Und was, wenn durch den Ver­lust und die end­gül­ti­ge Ver­nich­tung sel­te­ner Wer­ke das letz­te Wort über die In­ter­pre­ta­ti­on un­se­rer Kul­tur letzt­end­lich al­lein bei den „Tech-Bros“ liegt, die die De­mo­kra­tie ver­ach­ten und au­to­ri­tä­re Mo­nar­chien er­rich­ten wol­len? Und war­um gibt es „im We­sten“ (mi­nus USA) so we­nig kri­ti­sche Stim­men und Wi­der­stand da­ge­gen?

#KI #ProjectPanama #Anthropic #Bücher #Ur­he­ber­recht #Bi­bli­o­the­ken #Ver­lags­we­sen #Kul­tu­rel­les­Er­be
______________________________
Gra­fi­ken: pixlr.com (Zu­falls­fun­de)

Mittwoch, 5. August 2026

KI: fehlerhalft, teuer

Gu­ten Tag, lie­be Kol­le­gin­nen, Kol­le­gen und ge­schätz­te Mit­le­sen­de aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Di­plo­ma­tie! Hier bloggt im 20. Jahr eine Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin mit den Sprachen DE, FR und EN. Heu­te: Wer für die hei­ße Luft be­zahlt, war­um KI-Hal­lu­zi­na­tio­nen beim Dol­met­schen rich­tig teuer wer­den. KI-Mitt­woch!

Wer die­sen Blog re­gel­mä­ßig liest, weiß: Ich se­he Spra­che nicht als blo­ße An­ein­an­der­rei­hung von Wör­tern, son­dern als Hand­werk, als kom­ple­xes Be­zie­hungs­ge­flecht und — vor al­lem — als Ver­ant­wor­tung. Ma­schi­nen kön­nen das nicht. Wenn in der Di­plo­ma­tie oder bei ei­ner Auf­sichts­rats­sitz­ung Wör­ter falsch ge­wählt wer­den, wird es brenz­lig.

Bis­lang hieß es von den Tech-Evan­ge­lis­ten zu sol­chen Si­tua­tio­nen, die von der KI aus­ge­löst wur­den, nur ge­lang­weilt bis über­cool: „Na und? Dann hal­lu­zi­niert die KI eben ein biss­chen. Ist doch nur Tech­nik, ver­sen­det sich, ist egal.“ Die­ses „Egal“ war ei­ne Chiff­re für ‚Haf­tet ja kei­ner da­für‘. Falsch ge­dacht.

Die Schon­frist für Al­go­pfusch ist end­gül­tig vor­bei.

Die Ge­rich­te ha­ben eine glas­kla­re Li­nie ge­zo­gen. Und das hat mas­si­ve Aus­wir­kun­gen dar­auf, wie Un­ter­neh­men, Messen, Medien und di­plo­ma­ti­scher Dienst künf­tig mit dem The­ma Dol­met­schen um­ge­hen müs­sen. Das Land­ge­richt Mün­chen I hat ge­ur­teilt (Az. 26 O 869/26), dass Goog­le di­rekt für feh­ler­haf­te Ant­wor­ten sei­ner KI-Zu­sam­men­fas­sun­gen haf­tet. Die Rich­ter ar­gu­men­tier­ten: Wer KI-Tex­te ge­ne­riert und als fer­ti­ges Er­geb­nis prä­sen­tiert, macht sich die­se In­hal­te zu ei­gen. Die­ses Prin­zip lässt sich eins zu eins auf das KI-Dol­met­schen über­tra­gen.

Ein Live-„Über­set­zungs“­tool spuckt nicht bloß Wör­ter aus ei­nem Wör­ter­buch aus, es ge­ne­riert ei­gen­stän­dig Sät­ze. Wenn die­ses Tool in ei­ner Ver­hand­lung gro­be Feh­ler macht oder, wie es so schön eu­phe­mis­tisch heißt, „hal­lu­zi­niert“, steht der Be­trei­ber oder das ein­set­zen­de Un­ter­neh­men voll in der Ver­ant­wor­tung. Da­zu kommt die EU-Pro­dukt­haf­tungs­richt­li­nie. KI-Sys­te­me gel­ten recht­lich als „Pro­duk­te“. Be­deu­tet: Der Her­stel­ler haf­tet bei Feh­lern ver­schul­dens­un­ab­hän­gig und un­be­grenzt.

Beim un­kon­trol­lier­ten Ein­satz von KI-Sys­te­men im Pro­fi-Be­reich re­den wir nicht über klei­ne Tipp­feh­ler. Wir re­den über hand­fes­te Ri­si­ken. In der Wirt­schaft kann eine falsch ge­dol­met­sch­te Klau­sel bei ei­ner Über­nah­me oder ein miss­ver­stan­de­nes De­tail in ei­ner Pa­tent­ver­hand­lung den Deal kom­plett zum Ein­sturz brin­gen. Das mün­det in Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen, die in die Mil­lio­nen ge­hen. In der Di­plo­ma­tie kann ein Nu­an­cen-Feh­ler bei ei­nem Hin­ter­grund­ge­spräch in­ter­na­tio­na­le Ver­stim­mun­gen aus­lö­sen.

Ein Staat kann sich bei di­plo­ma­ti­schen Kri­sen nicht dar­auf be­ru­fen, dass „der Bot ei­nen schlech­ten Tag hat­te“. Bes­ser wis­sen müss­ten es ei­gent­lich die­je­ni­gen, die sol­che Tools ver­kau­fen.

Mo­der­ne Tech-An­bie­ter und Ver­triebs­leu­te ver­spr­echen das Blaue vom Him­mel, um ihre Soft­ware als vol­lwer­ti­gen Er­satz für mensch­liche Dol­met­scher zu po­si­tio­nie­ren. Sie ig­no­rie­ren da­bei be­wusst, dass die Tech­no­lo­gie ei­ner qua­li­fi­zier­ten Fach­kraft frap­pier­end un­ter­le­gen ist.

Zehn knall­har­te Grün­de, war­um KI-Sys­te­me das rich­ti­ge Dol­met­schen schlicht­weg gar nicht be­herr­schen kön­nen:
🛑 Lückenfantasie: KI er­fin­det bei Un­klar­hei­ten plötz­lich kom­plett ei­ge­ne In­hal­te da­zu, die Hal­lu­zi­na­tio­nen.
🛑 Kon­text­blind­heit: Ge­sell­schaft­li­che An­spie­lun­gen oder Kul­tur-Kon­tex­te wer­den nicht er­fasst.
🛑 Lärmkol­laps: Hin­ter­grund­ge­räu­sche oder Ne­ben­ge­sprä­che brin­gen das Sys­tem zum Ab­sturz.
🛑 Dia­lekt­schwä­che: Star­kes Nu­scheln oder lo­ka­le Ak­zen­te ver­zerr­en das Re­sul­tat voll­stän­dig.
🛑 Wortchaos: Wenn Men­schen dur­ch­ein­an­der­re­den, ver­liert der Al­go­rith­mus den Fa­den.
🛑 Kör­per­ig­no­ranz: Ge­stik und Mi­mik wer­den nicht ‚gesehen‘, ob­wohl sie die Be­deu­tung steu­ern.
🛑 Feh­ler­ket­ten: Ver­spricht sich der Red­ner, über­setzt die KI den Ab­bruch un­kor­ri­giert mit.
🛑 Wort­spiel­ab­sen­ce: Kom­ple­xe Me­ta­phern er­ge­ben nach der KI-Über­tra­gung oft kei­nen Sinn.
🛑 Iro­nie­taub­heit: Zwi­schen­tö­ne wie Sar­kas­mus ver­steht die Ma­schi­ne meis­tens wort­wört­lich.
🛑 Em­pa­thie­fer­ne­: KI kann un­höf­li­che Spit­zen in Ver­hand­lun­gen nicht de­es­ka­lie­rend glät­ten.

Ein Tool hat kein Un­rechts­be­wusst­sein. Ei­ne Soft­ware spürt kein Scham­ge­fühl, wenn sie ein Un­ter­neh­men in den Ru­in treibt, und man kann sie nicht vor Ge­richt zer­ren. Wir mensch­li­chen Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher bie­ten et­was, das keine KI der Welt re­pli­zie­ren kann: Be­rufs­ethos und Haf­tung. Wir ste­hen mit un­se­rem Na­men, un­se­rem Ver­stand und, ganz prag­ma­tisch, mit un­se­rer Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung für die ab­so­lu­te Prä­zi­si­on un­se­rer Ar­beit ge­ra­de.

Dolmetschpult, Mikro, Kopfhörer, Kaffeetasse
Ar­beits­platz Dol­metsch­ka­bi­ne
Wir fil­tern das Nu­scheln, wir ver­ste­hen die Iro­nie, wir glät­ten die Wo­gen und wir le­sen zwi­schen den Zei­len, um das We­sent­li­che zu trans­por­tier­en. Wer am Dol­metsch­bud­get spart und auf die ver­meint­lich „güns­ti­ge“ KI setzt, spart am fal­schen Ende. Die Church of AI führt ihre Glau­ben­den aufs Glatt­eis. Denn „gut ge­nug“ kann ver­dammt teuer kom­men, wenn's schief geht. Und es geht schief, sie­he oben.

Wie se­hen Sie das? Ha­ben Sie in Ih­rem ge­schäft­li­chen All­tag schon er­lebt, dass KI-Über­set­zun­gen zu ech­ten Miss­ver­ständ­nis­sen ge­führt ha­ben? Schrei­ben Sie's mir gern in den Kom­men­ta­ren!

Herz­li­che Grü­ße aus der Ka­bi­ne (Som­mer­uni­ver­si­tät),
Ihre
Ca­ro­li­ne Eli­as

______________________________
Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Dienstag, 4. August 2026

Museum der Wörter (49)

Bon­jour & hel­lo! Hier er­hal­ten Sie Ein­blick in mei­nen All­tag aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Heu­te: Sprach­schatz.

Jus de chaussettes, wört­lich: So­cken­saft, wird auf Fran­zö­sisch to­tal dün­ner Kaf­fee ge­nannt. Beurk, würg, igit­ti­gitt.

Vie­le Kon­fe­ren­zen, Text- oder auch Buch­über­set­zun­gen sind nur mit Un­ter­stüt­zung die­ses Ge­tränks mög­lich.

Auf Deutsch wäre das ei­ne „dün­ne Plör­re“. Für bild­li­che Aus­drü­cke muss ich in mein Va­ter­land Sach­sen schau­en: „Blüm­chen­kaf­fee“, al­so so dünn, dass of­fen­sicht­lich statt Boh­nen nur Blüm­chen mit hei­ßem Was­ser über­gos­sen wor­den sind ... oder a­ber das Blu­men­de­kor in der Tas­se (oder au­ßen) sicht­bar wird. (In säch­si­schem O-Ton klingt das so ähn­lich wie Bliem­chen­gof­fee.)

Auch schön:

              
             
Schwer­ter­kaf­fee

Ist er noch dün­ner, wird er „Doppel­schwer­ter­kaf­fee“ ge­nannt.

In Mei­ßen liegt ei­ne Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur, de­ren Sym­bol die ge­kreuz­ten Klin­gen von Schwer­tern (mit­samt den Grif­fen) sind. Sie sind auf dem Un­ter­bo­den von Tas­se und Un­ter­tas­se auf­ge­bracht. Hier hat dün­ne Plör­re Zau­ber­kräf­te und macht das wei­ße Gold so­gar in der zwei­ten E­be­ne trans­pa­rent.

Bild­bei­spiel für die Ma­gie (mit Pixrl.com rea­li­siert)
______________________________
Col­la­ge: C.E.

Montag, 3. August 2026

Montagsschreibtisch (151)

Bonjour & hello! Hier erfahren Sie, wie der Ar­beits­all­tag ei­ner Konferenz­dol­met­scher­in aussieht, die auch als Über­set­ze­rin arbeitet. Als Deutsch-Mut­ter­spra­ch­le­rin ar­bei­te ich mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Jetzt, im Som­mer, läuft al­les lang­sa­mer.

PAUSE
Som­mer, Pau­se und doch im Be­reit­schafts­dienst
In der Sai­son be­ar­bei­ten wir von Zeit zu Zeit im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te. Jetzt aber sind die meis­ten Kund:in­nen im Ur­laub und auch wir ha­ben Som­mer­pau­se, sind aber vor Ort und unter­stüt­zen Sie zwischen­durch mit dem größ­ten Ver­gnü­gen bei Ihren Ter­mi­nen beim Amt oder beim No­tar, in der Kli­nik oder bei Shop­ping- und Städ­te­tou­ren!

Kurz gesagt, liegt nicht viel auf dem Mon­tags­schreib­tisch:
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­te des letz­ten Ein­sat­zes nach­be­rei­ten
❦ Mahn­we­sen
❦ Fort­bil­dung
❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben

„Rein­ge­blei­stif­te­te Ter­mi­ne“ sind Ter­mi­ne, zu de­nen wir Kos­ten­vor­an­schlä­ge ge­schrie­ben ha­ben. Die­se Ter­mi­ne re­ser­vie­ren wir erst­mal un­ter Vor­be­halt. Frü­her be­ka­men wir zu je­dem drit­ten Kos­ten­vor­an­schlag ei­ne Zu­sa­ge, heu­te ist es eher je­des 15. An­ge­bot. Wir müs­sen al­so oft das Ra­dier­gum­mi be­nutz­en.

In der Po­li­tik wird immer häufiger Glo­bish ge­spro­chen, bis die Re­fe­rent:innen und Mit­ar­bei­ter:innen der Spra­chen­diens­te zu viel re­pa­rie­ren müs­sen und es ei­nen Rück­lauf gibt. Da­ne­ben ver­schau­keln so man­che Inter­net-„Agen­tu­ren“ die Kund­schaft, das sind Fir­men, die oft unter Ein­be­hal­tung von 50 Pro­zent un­se­rer Ho­no­ra­re die Auf­trä­ge an jene wei­ter­ge­ben, die das bö­se Spiel mit­ma­chen. Ich per­sön­lich hal­te fünf bis 15 Pro­zent für ver­tret­bar, da­nach wird es kri­tisch.

Die drit­ten Par­tei­en, die der­zeit zum Fut­ter­trog strö­men, sind Tech­nik­fir­men, die „KI-Dol­met­schen“ ver­kau­fen. Da­bei wis­sen wir jetzt, dass die KI es nicht kann. Ihr fehlt die Aus­bil­dung, die Er­fah­rung, der Über­blick und die Ge­wis­sen­haf­tig­keit, die wir Men­schen an den Tag le­gen, da­zu ein Be­wusst­sein für das, was Kom­mu­ni­ka­tion aus­macht, und aus­rei­chend Vor­wis­sen, die End­kund­schaft rich­tig ein­zu­schät­zen, sich auf sie ein­zu­stel­len, bei Ver­ständ­nis­pro­ble­men di­rekt nach­zu­schär­fen und auch Dis­kre­tion wal­ten zu las­sen.

Mal se­hen, wel­cher „Auf­räum­job“ mich im Som­mer noch er­eilt. Meis­tens sind es KI-Über­tra­gun­gen von Tex­ten in an­de­re Spra­chen, wo Feh­ler, Fehl­stel­lun­gen und Hal­lu­zi­na­ti­o­nen das Er­geb­nis zur Unt­kennt­lich­keit ent­stel­len. Denn was nüt­zen In­for­ma­ti­o­nen, die zu ca. 20 Pro­zent (Tex­te) oder knapp zur Hälf­te (münd­li­che Über­tra­gun­gen) falsch sind?

______________________________
Gra­fik: C.E. mit pixlr.com + Let­ter­set

Sonntag, 2. August 2026

Namenstag

Hal­lo! Hier er­hal­ten Sie Ein­blick in mei­nen All­tag aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Ich ar­beite oft in den Be­rei­chen Öko­land­bau, nach­hal­ti­ger Ur­ba­nis­mus, ge­sun­des Bau­en, Ener­gie­wen­de, Na­tur- und Um­welt­schutz. An Sonn­ta­gen wer­de ich hier pri­vat.

Das in­ter­kul­tu­rel­le Le­ben be­rei­chert mich und uns sehr. Ei­ne An­ge­hö­ri­ge in Hei­del­berg lebt mit ei­ner Da­me aus der Re­pu­blik Mol­dau zu­sam­men. Dort wird heu­te, am 2. Au­gust, des Hei­li­gen Eli­as' ge­dacht, Sfântul Ilie. Er ist ein or­tho­do­xer Fei­er­tag nach dem al­ten ju­lia­ni­schen Ka­len­der.

Da­her ist der Tag ar­beits­frei, ab­hän­gig von in­di­vi­du­el­len Ab­spra­chen; Äm­ter und Ge­schäf­te ha­ben aber ge­öff­net.

Der Pro­phet Eli­as gilt im Volks­glau­ben als Be­schüt­zer der Ern­te und Be­herr­scher von Re­gen, Don­ner und Blitz. Ne­ben Got­tes­diens­ten wer­den die ers­te Ho­nig­ern­te, Äp­fel und Gar­ten­früch­te ge­seg­net. Wer Ilie heißt, fei­ert sei­nen Na­mens­tag, es wer­den auch Dorf­fes­te ver­an­stal­tet. Zu sei­ner Eh­re wird Gur­ke ge­ges­sen, die mit Ho­nig be­stri­chen ist.

Aus der glei­chen Quel­le weiß ich, dass es dort im Au­gust sehr vie­le Fei­er­ta­ge gibt. Un­ser Va­ter, der His­to­ri­ker Dr. Ot­to-Hein­rich Eli­as, hät­te das so ana­ly­siert: Sol­che se­ri­el­len Fei­er­ta­ge sind im­mer zum Schutz der ar­bei­ten­den Be­völ­ke­rung. 

Ackerweg, gesäumt von Bäumen und Hecken
Der Weg in die Zu­kunft geht al­le an
Als Ur­en­ke­lin ei­nes Groß­bau­ern in Ost­preu­ßen weiß ich, dass die Ern­te­zeit oft sehr lan­ge Ar­beits­ta­ge be­deu­tet. Nur, wenn Kir­che oder Tra­di­ti­on Un­ter­bre­chun­gen ein­for­dern, re­spek­tiert das die Herr­schaft. Ei­ne Ana­lo­gie da­zu sind die Rau­näch­te „zwi­schen den Jah­ren“ und zu Jah­res­an­fang — nach den An­stren­gun­gen des Jah­res­en­des und den da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Fes­ti­vi­tä­ten.

Wenn ich mich für die Na­tur, für Kom­post, Hu­mus­auf­bau, na­tur­na­he Ar­chi­tek­tur und den Er­halt der Um­welt ein­set­ze, ma­che ich nur, was mein Fa­mi­li­en­na­me mir vor­gibt.
Au­ßer­dem ist es mensch­lich lo­gisch, sich für den Er­halt der Le­bens­grund­la­gen zu en­ga­gie­ren. Wie die Phy­sik kennt auch die Öko­lo­gie kein Par­tei­buch.

Wir, de­nen die Welt auch für die nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen des Ho­mo Sa­piens wich­tig ist, sind die wah­ren Kon­ser­va­ti­ven. 

______________________________
Fo­to:
C.E. (Ar­chiv)