KI-Dolmetschen

Bei der Suche nach Dolmetschern werden Sie über KI-Dolmetschen gestolpert sein. Wir Profis nutzen hier gerne Anführungszeichen: „KI“-„Dolmetschen“. Denn Künstliche Intelligenz ist ein guter Marketingbegriff für „statistische Datenanalyse und -reproduktion“, was deutlich weniger verkaufsträchtig klingt.

Symbol "Interpreter"
Dol­met­schen ist hochkomplex
Der zentrale Unterschied: Maschinen verarbeiten Sprache mechanisch als Code, während wir Menschen in Situationen arbeiten, Absichten erfassen, die Atmosphäre spüren und emotionale Intelligenz einbringen. Wir haben Vorwissen, das wir uns in früherer Arbeit, im eigenen Leben und im intensiven, von den Kunden orientierten Selbststudium angeeignet haben.

Dem gegenüber steht eine KI, die ein überdimensioniertes Autocomplete-System ist.

Sie kennen vermutlich die Systeme, die Wörter vervollständigen. Daraus wurde eine Satzergänzungsmaschine, die den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung folgt. Sie täuscht mit glatter Oberfläche Perfektion vor, liefert aber oft nur wortreiches Kauderwelsch.

Der Kontrast zu den Versprechungen der  Tech-Konzerne sieht ernüchternd aus. Wer glaubt, eine künstliche Intelligenz könne ohne weiteres Komplexes dolmetschen, verwechselt Technologie mit Können. Um es ungeschminkt zu sagen: Die KI ist keine Simultandolmetscherin, sondern maximal eine „Simulantdolmetscherin“.

INFO: Sprache zu Text zu Sprache Spracherkennung: Die gesprochene Sprache wird von einer Spracherkennungs-software in Text umgewandelt. Textverarbeitung: Der erkannte Text wird in die Zielsprache übertragen. Sprachsynthese: Das Ergebnis wird durch einen Text-to-Speech-Engine wieder in gesprochene Sprache transferiert.
Viele Einfallstore für Fehler
Dolmetscher:innen übertragen mehr als Wörter. Wir wissen um Herausforderungen und Absichten, wir erkennen Ironie, Anspielungen und kulturellen Hintergrund, hören das Ungesagte zwischen den Zeilen, spüren die Atmosphäre im Raum, reagieren auf Gestik und Publikum.

Und wir können mit den ganzen unvorhersehbaren Momenten umgehen, die die KI doppelt und dreifach überfordert: Redner A spricht Dialekt, Rednerin B sieht eine Person im Publikum an, wechselt mitten im Satz die Sprache, denn sie bezieht sich auf ein Kaffeepausengespräch und spricht diese Person direkt an, Person C hat eine Hasenscharte oder nuschelt, dann folgt D: diese Dame springt wild im Redenkonzept herum und verhaspelt sich, und E:L der junge Mann, der vor der Pause dran ist, bekommt sich vor Lampenfieber kaum ein, spricht zu schnell und zu leise ...

Wir Menschen können damit umgehen bzw. fangen viel im Vorfeld auf.

Algorithmen scheitern grundsätzlich bei allem, was außergewöhnlich und neu ist, denn sie basieren ja auf statistischer Wahrscheinlichkeit. Doch genau um das Neue geht es bei 99 Prozent der Veranstaltungen. Nächste Probleme: Sendepausen, Halluzinationen, Auslassungen, Worte in Überschallgeschwindigkeit oder als digitales Stammeln. Genau das beobachten wir bei KI-Übelsetzungen oft.

Einer WHO-Studie zufolge liegt der Erfolg von KI-„Dolmetschleistungen“ bei 46 Prozent. Von 90 getesteten KI-„Verdolmetschungen“ bestand eine einzige den Test. Keine war frei von Begriffen und Aussagen mit Reputationsrisiko. 
Hier der Link zur Stu­die: klick

Wo Kommunikation rechtliche, geschäftliche, juristische oder menschliche Folgen hat, ist Blindflug gefährlich. Das Landgericht München hat mit Urteil vom 28. Mai 2026 (Az. 26 O 869/26) beschieden, dass Google unmittelbar als Störer für unwahre Behauptungen haftet, die durch dessen KI-Funktion generiert wurden. Und ja, das lässt sich auf das Dolmetschen übertragen.

Echte Verständigung braucht keine seelenlose Maschine, sondern das feine Gehör, die Empathie und die blitzschnelle Präzision von menschlichen Profis.

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