Bonjour auf den Seiten eines Logbuchs aus dem Inneren der Dolmetschkabine oder des Übersetzerarbeitszimmers. Ich heiße Caroline Elias und arbeite seit Jahrzehnten mit der deutschen und der französischen Sprache, überwiegend im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext. Heute fliegen die Graugänse über den Dachfirst in den Süden. Und ich lerne und denke über Sprache nach.
Stellen Sie sich vor, eine französische Delegation besucht einen deutschen Betrieb. Der Geschäftsführer sagt beim Wechsel aus der Kantine in den kleinen Speisesaal zur Begrüßung: „Na, dann wollen wir mal Nägel mit Köpfen machen!“
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| Beim Dolmetschen kein Alkohol! |
Wörtlich übersetzt, macht dieser Satz auf Französisch keinen Sinn. Auch eine rein sprachliche Ersetzung durch eine ähnliche Redensart wird nicht passen.
Es geht in hier darum, dass beide Seiten ihre Entscheidungen endlich konkret machen. Als Dolmetscherin muss ich nicht nur die Wörter verstehen, sondern vor allem die Absicht, den kulturellen Kontext und die Wirkung der Äußerung in der konkreten Situation erfassen.
Wir hatten in der Kantine, dem größten Raum des Unternehmens, gerade den öffentlichen Teil mit Politik, Presse und Belegschaft absolviert. Jetzt folgte die nächste Etappe.
Konkret auf dem Programm: Mittagessen im kleinen Kreise, Tischreden und Unterzeichnung des ausverhandelten Assoziierungsvertrags. Übertragen habe ich das mit: « Bon, nous allons enfin passer à table ! » (Wörtlich: Gut, dann essen wir endlich.)
Das ist wieder so ein Moment, den die KI mit ihren wörtlichen, wortreichen Übertragungen verpeilt hätte.
Was wir Menschen hier machen, beschreibt Hans J. Vermeer:
„Eine Translation ist nicht die Transkodierung von Wörtern oder Sätzen aus einer Sprache in eine andere, sondern eine komplexe Handlung, in der jemand unter neuen funktionalen und kulturellen und sprachlichen Bedingungen in einer neuen Situation über einen Text (Ausgangssachverhalt) berichtet, indem er ihn auch formal möglichst nachahmt.“
Quelle: Vermeer, Hans J. (1986): „Übersetzen als kultureller Transfer“. In: Snell-Hornby, Mary (Hrsg.): *Übersetzungswissenschaft – eine Neuorientierung. Zur Integrierung von Theorie und Praxis.* Tübingen/Basel: Francke, S. 33.
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