Freitag, 23. Oktober 2026

Moment mal! (14)

Herz­lich will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­ti­ons­rei­sen. Heu­te Ge­dan­ken zu Schreib­mö­beln und dar­über hin­aus!

Der schnel­le Ein­blick
in mei­nen Be­rufs­all­tag

Mein Blick wan­dert zum obe­ren En­de des Schreib­tischs, wäh­rend ich nach Wör­tern su­che. Die Vor­be­rei­tung von Ter­mi­nen ist oft zeit­in­ten­siv. Da­bei sit­ze ich im Bü­ro, ste­he am Steh­pult, oder aber ich ge­he, wenn das Bü­ro mit ei­ner Schluss­re­dak­ti­on durch die  Über­set­zer­kol­le­gin be­legt ist, zum klei­nen Se­kre­tär im Schlaf­zim­mer, den ich sehr lie­be, ein altes Mö­bel, wie das meis­te hier.

Es gibt seit Jah­ren den Trend, al­te Mö­bel an­zu­strei­chen. Be­liebt sind Grau, Weiß oder Bon­bon­far­ben. Ich bin ei­gent­lich ve­he­ment da­ge­gen. An­ge­fan­gen hat das wie vie­les in den USA. Dort gibt es nur we­ni­ge ech­te An­ti­qui­tä­ten, Im­por­te, ja, und die Sha­ker-Mö­bel, die nur Ken­ner ha­ben. De­nen dürf­te nichts pas­sie­ren. 

Ech­te al­te Mö­bel aus Nord­ame­ri­ka sind die Chim­ney cup­boards, die oft schon be­malt wa­ren. Die dort üb­li­chen häu­fi­gen Wohn­ort­wech­sel ha­ben viel al­tes Mo­bi­li­ar ver­nich­tet.

Dann ging es in Eu­ro­pa los: Ech­te Schät­ze aus ech­tem Holz be­ka­men, wie es be­reits ein­mal in den 1970ern Mo­de war, ei­ne Plas­tik­haut. Mir tut so­was weh.

Dass man­chen Men­schen dunk­le Mö­bel zu alt vor­kom­men, ge­schenkt. Das ist ei­ne Fra­ge der Prä­gung. Dass an­de­re kei­ne Lust auf ins Oran­ge ver­gilb­te Mö­bel (oder Holz­bö­den) ha­ben, kann ich so­gar ver­ste­hen in Zei­ten, in de­nen durch in­ter­na­tio­na­len Ein­fluss die Far­be Oran­ge nicht ge­ra­de den bes­ten Ruf hat.

Jetzt kommt die Gü­ter­ab­wä­gung. Wenn die Um­ge­stal­tung al­te Mö­bel vor dem Müll ret­tet, sol­len sie lie­ber um­ge­stal­tet wer­den, vor al­lem, weil die Al­ter­na­ti­ve oft das skan­di­na­vi­sche Mö­bel­haus ist. Denn das ist ein Um­welt­zer­stö­rer oh­ne­glei­chen.

(We­gen Al­ler­gien ha­ben wir von dort nur we­nig. Mas­sen­ge­fer­tig­tes ist oft nicht aus mas­si­vem Holz. Rest­holz wird zer­malmt, mit Kleb­stof­fen zu neu­en Plat­ten ver­ar­bei­tet. Die­se ga­sen aus. Ich ha­be Mi­grä­ne­ody­seen er­lebt bis zur Dia­gno­se.)

Der welt­weit agie­ren­de Mö­bel­her­stel­ler ver­ar­bei­tet nicht nur Holz, son­dern seit ei­ni­gen Jah­ren auch Pa­pier­fa­sern, die mit Kleb­stoff ver­se­hen und mit Plas­tik­fo­lie be­klebt wer­den. Und jetzt kommt die Nach­richt, dass je­nes Mö­bel­haus trotz­dem wei­ter ir­ra­tio­nal vie­le Wäl­der ab­hol­zen lässt.

Wald­bo­den ist nach Kahl­schlä­gen oft tot und braucht lan­ge, bis er sich re­na­tu­riert. Die heu­ti­gen Wäl­der Eu­ro­pas sind meis­tens kei­ne na­tür­li­chen Wäl­der mehr, son­dern Plan­ta­gen (was Brän­de nicht stoppt, sie­he die Ka­tas­tro­phen in Frank­reich). 

Aber näm­li­ches Mö­bel­un­ter­neh­men greift auch nach öko­lo­gisch wert­volls­ten, ech­ten Wäl­dern, und das seit Jah­ren. Das sind al­te, ge­wach­se­ne Öko­sys­te­me, sel­te­ne Re­fu­gi­en für die Bio­di­ver­si­tät. Die­se müss­ten ei­gent­lich AL­LE un­ter stren­gem Schutz ste­hen. Oft feh­len Ge­set­ze. Manch­mal man­gelt es nur an Be­hör­den, die über­wa­chen, was pas­siert oder ob die An­ga­ben in den Pa­pie­ren stim­men.

Es ist ein Dra­ma, dass stän­dig Na­tur auf dem Al­tar des Neo­li­be­ra­lis­mus ge­op­fert wird. Nein, das Wort reicht nicht aus. Es ist ein Mensch­heits­ver­bre­chen.

Die­se Ta­ge fin­det die 17. Welt­na­tur­kon­fe­renz (CBD COP17) statt, und zwar in Ar­me­ni­en. Da sind sol­che The­men Ge­gen­stand. Dort, bei Je­re­wan, soll der Bi­bel zu­fol­ge der­ma­leinst die Ar­che Noah ge­stran­det sein. Was für ei­ne Iro­nie der Ge­schich­te!

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Gra­fik:
KI (OpenAI)

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