Mittwoch, 16. September 2026

Teure Systemfehler

Ein­blicke in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie seit 2007 auf die­sen Sei­ten neh­men. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin schenkt Über­set­zun­gen ih­re wun­der­ba­re eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch!

S
eit die­ser Blog hier auf die 2. Ebe­ne ge­rückt ist, sind wir un­ter uns. Vor­teil: Po­ten­zi­el­le Kund­schaft fin­det mich mit der fes­ten Ti­tel­sei­te bes­ser. Und das steht ge­ra­de im Vor­der­grund. Noch ein Vor­teil: Ich darf di­rek­ter sein, so wie heu­te.

Das war die ers­te Vor­re­de. Und die zwei­te folgt so­gleich. Ich hän­ge hier ei­nen doo­fen Feh­ler ei­ner pro­mi­nen­ten Film­pro­duk­ti­on ins Sprach­la­den­schau­fens­ter. Die Pro­duk­ti­ons­fir­ma ist in­for­miert (und hat nicht ge­ant­wor­tet). Es gibt noch wei­te­re Feh­ler in den Ti­teln. Ich ha­be ei­ne Art In­itia­tiv­be­wer­bung aus der Mel­dung ge­macht.

So, jetzt geht's aber wirk­lich los. Ge­ra­de bei BABY­LON BER­LIN ge­se­hen: Der Wie­ner Jour­na­list Sa­mu­el Ka­tel­bach bringt ei­ner schniefen­den, schwit­zen­den Eli­sa­beth Behn­ke Kar­tof­fel­wi­ckel und Me­lis­sen­geist ans Bett und sagt, als sie sich den Al­ko­hol hin­ter die Bin­de ge­kippt hat, laut Un­ter­ti­tel: „Ihr Ka­ter ist schnel­ler Ge­schich­te | als der Spuk von mei­nem un­se­li­gen Lands­mann.“

„Ihr KATER ist schneller Geschichte | als der Spuk von meinem unseligen Landsmann.“
Fol­ge 1, Staf­fel 5, 22. Mi­nu­te



 

 

 

Tja, wo­her soll die kör­per­lo­se KI denn auch ei­nen Ka­tarrh ken­nen? Oder Men­schen im Aus­land, die ihr Deutsch im te­le­fo­ni­schen Kun­den­dienst prak­ti­ziert ha­ben, oder eu­ro­päi­sche Schü­ler? Bett, Un­wohl­sein, das muss der Suff sein -> Miau! 

SPRA­CHE ist für die meis­ten in der Film­bran­che lei­der noch kein Ge­werk, son­dern ei­ne är­ger­li­che Not­wen­dig­keit. Da­bei sind un­se­re Ar­beits­er­geb­nis­se die Vi­si­ten­kar­ten von Pro­duk­tio­nen … oder lus­ti­ge Wer­bung wie oben. 

Wor­te, auf die es an­kommt: Ex­po­sés und Un­ter­ti­tel, Über­set­zun­gen und Dol­met­schen am Set, Tran­skrip­te für den Schnitt, Hör­film­buch, Pres­se­heft. Die­se Auf­ga­ben wer­den oft glücks­ver­teilt an Prak­tis, Be­kann­te von Freun­den, Nach­wuchs, die KI, Agen­tu­ren in Schwel­len­län­dern mit Brief­kas­ten­dé­pen­dance in Deutsch­land. Das kann klap­pen, muss aber nicht. Auch die KI hat ih­re gu­ten Stun­den. 

Aber häu­fi­ger geht’s halt par­ti­ell schief und dann ist (oder wä­re) Auf­räum­ar­beit an­ge­sagt. (Die manch­mal teu­rer ist, als es gleich rich­tig zu ma­chen.) 

Aber es gibt ja uns, die Pro­fis. Auch wir nut­zen die KI manch­mal, oft aber auch nicht, denn: Je krea­ti­ver die Auf­ga­be, des­to hö­her ihr Schei­terns­po­ten­ti­al. 

Kos­ten­age­bo­te sind gra­tis. Ich bin in­zwi­schen auch Gut­ach­te­rin bei Ge­richt.

Ein Satz noch an die Film­pro­duk­tio­nen: Ori­en­tiert Euch bei den Ho­no­ra­ren fürs Ge­werk Spra­che bit­te eher an der Ka­me­ra­per­son als am Run­ner, denn wir „Spra­chis“ ha­ben oft lan­ge stu­diert und müs­sen fort­ge­setzt um­trie­big sein, um die Spra­chen le­ben­dig zu hal­ten. (Das geht aus der Dienst­bo­ten­kam­mer her­aus mit der Dünn­blatt-Edi­ti­on der Su­che nach der ver­lo­re­nen Zeit in der Hand nur be­dingt.)

Dan­ke fürs Le­sen und Mit­den­ken! Wir freu­en uns über Emp­feh­lun­gen — und hel­fen auch re­gel­mä­ßig bei der Kol­leg:in­nen­su­che.


P.S.: Zum The­ma der Ge­fahr, dass ei­ne ir­re ge­wor­de­ne KI die Mensch­heit in­ner­halb der nächs­ten Mo­na­te oder Jah­re aus­lö­schen könn­te: Da die KI mit al­len ver­füg­ba­ren Tex­ten trai­niert wur­de, auch den ge­meins­ten, men­schen­feind­lichs­ten, ist grund­sätz­lich al­les denk­bar. Ich schät­ze aber, dass die KI-Gran­den jetzt die­ses Mo­ment viel­leicht als ei­nen Aus­weg nut­zen, um den An­le­ger:in­nen die rie­si­gen Sum­men nicht zu­rück­zah­len zu müs­sen, die ih­nen an­ver­traut wur­den. Set­zen die Staa­ten der Wel­ten­ge­mein­schaft erst ein­deu­tig Re­geln, wird na­tür­lich DAS der Ver­hin­de­rer sat­ter Di­vi­den­den­aus­schüt­tung sein.

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Bil­der:
X-Fil­me

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