Donnerstag, 10. September 2026

Umbau

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Französischka­bi­ne und vom Über­set­ze­rin­nen­schreib­tisch. Am liebs­ten gehe ich mit De­le­ga­tio­nen auf große Rei­se, am zweit­liebs­ten gehe ich auf Kon­fe­ren­zen oder Hin­ter­grund­ge­sprä­chen dol­met­schen. Dann fol­gen No­ta­ria­te, Er­kun­dun­gen, Ar­chiv­re­cher­chen und an­de­re Ter­mi­ne, die oft über­ra­schend und span­nend sind. Ich habe noch Ka­pa­zi­tä­ten frei!

Jetzt, wo mein di­gi­ta­les Ar­beits­ta­ge­buch auf die zwei­te Ebe­ne ver­scho­ben wur­de, traue ich mich zu mehr Ge­ständ­nis­sen, zumal an ei­nem Don­ners­tag, der nicht der Tag mit den meis­ten Zu­grif­fen ist. Wir sind al­so un­ter uns!

Dolmetschpult, Wasser, Gäste
Blick aus der Kabine
Zu­nächst der Rück­sprung: Na­tür­lich klingt das alar­mis­tisch, was ich Diens­tag in der Pres­se­schau zi­tiert ha­be: die Bri­tin, die die Wahl in Sach­sen-An­halt als deut­sches Bre­xit-Mo­ment be­schreibt. Na­tür­lich ha­ben ge­wis­se Krei­se jetzt Ober­was­ser und hof­fen, von Wahl­er­folg zu Wahl­er­folg zu ra­sen. Da­bei dür­fen wir nie ver­ges­sen, dass in die­sem Bun­des­land nur 2,8 Pro­zent der deut­schen Wahl­be­rech­tig­ten le­ben. 

Bei 80 Pro­zent Wahl­be­tei­li­gung ha­ben 44,3 Pro­zent AfD ge­wählt — das ist et­was mehr als ein Pro­zent al­ler Wahl­be­rech­tig­ten Deutsch­lands.

Trotz­dem und ge­ra­de jetzt heißt es, als de­mo­kra­tisch ge­sinn­te Men­schen wach und ak­tiv zu sein. Ich selbst bin als Dol­met­sche­rin zu so­li­da­ri­schen Ho­no­rar­sät­zen an der de­mo­kra­ti­schen Bil­dung be­tei­ligt. Das gilt auch für die Zukunft!

Und jetzt gleich noch et­was an­de­res. Der­zeit wun­de­re ich mich über we­ni­ger Neu­kun­den. Auch die Be­stands­kund­schaft macht sich rar. Sind das die Kon­junk­tur­zy­klen, von de­nen wir in der Volks­wirt­schafts­vor­le­sung ge­hört ha­ben? Al­le sound­so­vie­le Jah­re, nicht sta­tis­tisch ex­akt al­le sie­ben oder acht, aber doch wel­len­för­mig?

Die KI hat das gan­ze Netz ver­än­dert, auch die Such­ma­schi­nen ha­ben sich um­ge­stellt. Des­halb wur­de im Som­mer am Blog ge­schraubt. Mal se­hen, ob die Such­ergeb­nis­se wie­der an­ders wer­den.

Aber eine Korrelation hat einen bitteren Nachgeschmack: Seit ich hier öf­fent­lich ge­macht und auch mei­nen Kun­den mit­ge­teilt ha­be, dass ich in Teil­zeit pfle­ge, gibt es we­ni­ger Nach­fra­ge, mehr Kos­ten­vor­an­schlä­ge, we­ni­ger Zu­sa­gen.

Ähnliches ha­be ich schon in den Zei­ten be­ob­ach­tet, als ich al­lein­er­zie­hen­de Pa­ten­tan­te mei­nes Teil­zeit­zieh­sohns war. Man­che zo­gen sich so­fort zu­rück. An­de­re ha­ben mich be­wusst wei­ter­emp­foh­len, El­tern wa­ren da ganz oben.

Da­bei ist mei­ne ver­füg­ba­re Zeit al­les an­de­re als un­be­re­chen­bar: Die Pfle­ge ist klar or­ga­ni­siert, mei­ne Ar­beits­zei­ten bes­tens ge­plant und Ein­sät­ze las­sen sich ent­spre­chend ver­ein­ba­ren.

Ob es dar­an liegt oder ob ge­ra­de meh­re­re Din­ge zu­sam­men­kom­men? Die Kon­sul­ta­tio­nen mit Frank­reich sind seit dem letz­ten Re­gie­rungs­wech­sel we­ni­ger ge­wor­den, eben­so die De­le­ga­ti­onen aus fran­zö­sisch­spra­chi­gen Län­dern. Und dann sind da noch die KI-Nerds, die in­zwi­schen mit er­staun­li­cher Chu­zpe um un­se­re Kund­schaft wer­ben, ob­wohl die KI es nicht kann (1. Link, 2. Link).

Auch Bran­chen, die sta­bil sind, wur­den vom Kri­sen­ge­rau­ne er­fasst. Al­le schei­nen die Krö­ten zu­sam­men­zu­hal­ten, im­mer we­ni­ger be­trei­ben in­ter­kul­tu­rel­les Bench­mark­ing oder pla­nen mit Blick auf die Mo­del­le aus an­de­ren Län­dern. Auch die En­er­gie­po­li­tik der Re­gie­rung ist ein Brems­fak­tor für Wei­ter­ent­wick­lun­gen, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen. Dann sind da noch der Ukrai­ne­krieg und die Auf­rüs­tung.

Viel­leicht wirkt auch noch et­was an­de­res nach: Als ich Co­ro­na hat­te und mich nur lang­sam er­holt ha­be, wur­de mir mei­ne wich­tigs­te Kol­le­gin ab­ge­wor­ben. Wir hat­ten un­se­re Kun­den ge­mein­sam be­treut. Sol­che Din­ge las­sen sich im Nach­hin­ein schlecht aus­ein­an­der­di­vi­die­ren. Aber es schmerzt.

Und falls Sie ge­ra­de je­man­den su­chen, der Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch si­mul­tan oder kon­se­ku­tiv dol­metscht: Ich freue mich na­tür­lich, von Ih­nen zu hö­ren. Auch über Emp­feh­lun­gen freue ich mich sehr!

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

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