Bonjour & hello! Herzlich willkommen beim ersten deutschen Dolmetscherweblog aus dem Inneren der Französischkabine und vom Übersetzerinnenschreibtisch. Am liebsten gehe ich mit Delegationen auf große Reise, am zweitliebsten gehe ich auf Konferenzen oder Hintergrundgesprächen dolmetschen. Dann folgen Notariate, Erkundungen, Archivrecherchen und andere Termine, die oft überraschend und spannend sind. Ich habe noch Kapazitäten frei!
Jetzt, wo mein digitales Arbeitstagebuch auf die zweite Ebene verschoben wurde, traue ich mich zu mehr Geständnissen, zumal an einem Donnerstag, der nicht der Tag mit den meisten Zugriffen ist. Wir sind also unter uns!
Zunächst der Rücksprung: Natürlich klingt das alarmistisch, was ich Dienstag in der Presseschau zitiert habe: die Britin, die die Wahl in Sachsen-Anhalt als deutsches Brexit-Moment beschreibt. Natürlich haben gewisse Kreise jetzt Oberwasser und hoffen, von Wahlerfolg zu Wahlerfolg zu rasen. Dabei dürfen wir nie vergessen, dass in diesem Bundesland nur 2,8 Prozent der deutschen Wahlberechtigten leben. Blick aus der Kabine
Bei 80 Prozent Wahlbeteiligung haben 44,3 Prozent AfD gewählt — das ist etwas mehr als ein Prozent aller Wahlberechtigten Deutschlands.
Trotzdem und gerade jetzt heißt es, als demokratisch gesinnte Menschen wach und aktiv zu sein. Ich selbst bin als Dolmetscherin zu solidarischen Honorarsätzen an der demokratischen Bildung beteiligt. Das gilt auch für die Zukunft!
Und jetzt gleich noch etwas anderes. Derzeit wundere ich mich über weniger Neukunden. Auch die Bestandskundschaft macht sich rar. Sind das die Konjunkturzyklen, von denen wir in der Volkswirtschaftsvorlesung gehört haben? Alle soundsoviele Jahre, nicht statistisch exakt alle sieben oder acht, aber doch wellenförmig?
Die KI hat das ganze Netz verändert, auch die Suchmaschinen haben sich umgestellt. Deshalb wurde im Sommer am Blog geschraubt. Mal sehen, ob die Suchergebnisse wieder anders werden.
Aber eine Korrelation hat einen bitteren Nachgeschmack: Seit ich hier öffentlich gemacht und auch meinen Kunden mitgeteilt habe, dass ich in Teilzeit pflege, gibt es weniger Nachfrage, mehr Kostenvoranschläge, weniger Zusagen.
Ähnliches habe ich schon in den Zeiten beobachtet, als ich alleinerziehende Patentante meines Teilzeitziehsohns war. Manche zogen sich sofort zurück. Andere haben mich bewusst weiterempfohlen, Eltern waren da ganz oben.
Dabei ist meine verfügbare Zeit alles andere als unberechenbar: Die Pflege ist klar organisiert, meine Arbeitszeiten bestens geplant und Einsätze lassen sich entsprechend vereinbaren.
Ob es daran liegt oder ob gerade mehrere Dinge zusammenkommen? Die Konsultationen mit Frankreich sind seit dem letzten Regierungswechsel weniger geworden, ebenso die Delegationen aus französischsprachigen Ländern. Und dann sind da noch die KI-Nerds, die inzwischen mit erstaunlicher Chuzpe um unsere Kundschaft werben, obwohl die KI es nicht kann (1. Link, 2. Link).
Auch Branchen, die stabil sind, wurden vom Krisengeraune erfasst. Alle scheinen die Kröten zusammenzuhalten, immer weniger betreiben interkulturelles Benchmarking oder planen mit Blick auf die Modelle aus anderen Ländern. Auch die Energiepolitik der Regierung ist ein Bremsfaktor für Weiterentwicklungen, um nur ein Beispiel zu nennen. Dann sind da noch der Ukrainekrieg und die Aufrüstung.
Vielleicht wirkt auch noch etwas anderes nach: Als ich Corona hatte und mich nur langsam erholt habe, wurde mir meine wichtigste Kollegin abgeworben. Wir hatten unsere Kunden gemeinsam betreut. Solche Dinge lassen sich im Nachhinein schlecht auseinanderdividieren. Aber es schmerzt.
Und falls Sie gerade jemanden suchen, der Französisch ⇄ Deutsch simultan oder konsekutiv dolmetscht: Ich freue mich natürlich, von Ihnen zu hören. Auch über Empfehlungen freue ich mich sehr!
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Foto: C.E. (Archiv)
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