Freitag, 17. April 2026

KI-Test

Notizen aus dem Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie hier in lo­se­rer Fol­ge le­sen. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te da­ne­ben auch mit der eng­li­schen Spra­che, was die Ziel­spra­che mei­ner als Über­set­ze­rin tä­ti­gen Bü­ro­kol­le­gin ist. Heu­te ein kur­zer Nach­trag zum KI-Mitt­woch.

Für die nach Per­fek­tion stre­ben­de KI sind wir Men­schen zu un­per­fekt. So kann ich mei­nen Bei­trag von vor­ge­stern zu­sam­men­fas­sen. Un­se­re Spra­che ist nicht im­mer ein­deu­tig. Bei uns Zwei­bei­nern gibt es zwi­schen Null (ein En­de) und Eins (das an­de­re En­de) ei­ne gro­ße Viel­falt an Nuan­cen, Fein­hei­ten, Un­schär­fen, Kul­tur­ab­hän­gi­gem, an Takt und di­plo­ma­ti­scher Rück­sicht­nah­me, an Nu­an­cie­rung auf­grund von Emp­find­lich­kei­ten und Ver­mei­dungs­stra­te­gien. (Die KI kennt we­der Samt­hand­schu­he noch Fett­näp­fchen.)

Manch­mal sind es ein­fach nur Ent­wick­lun­gen, die mit neu­en Be­grif­fen ein­her­ge­hen, die bei der Red­ne­rin oder beim Red­ner noch nicht kom­plett sit­zen. Kurz: Kom­mu­ni­ka­ti­on von uns Men­schen ist sel­ten so ein­deu­tig und so per­fekt, dass das Aus­gangs­ma­te­ri­al so gut ist, dass die KI kaum Feh­ler macht.

Und bei ein­fa­chen Be­grif­fen macht die KI nur we­nig Feh­ler; es ist kom­ple­xe­re Spra­che, die schwie­rig ist, Aus­nah­me­kom­mu­ni­ka­ti­on, die zu Ent­schei­dun­gen führt, und vor al­lem sind es die Si­tua­tio­nen, an de­nen die KI gerne schei­tert.

Und wo ich hier schon wie­der so viel über die Grau­be­rei­che zwi­schen Schwarz und Weiß schrei­be, darf ich auch das wie­der­ho­len, was eng da­mit zu­sam­men­hängt: nach­den­ken! Wir Men­schen den­ken län­ger nach, an­ders als die Ma­schi­ne eben auch sehr oft zwi­schen­durch, und das für ihr an­de­res Tem­po häufig pro­ble­ma­tisch.

Es gibt ei­ne neue „KI-Über­tra­gungs­funk­ti­on“ bei Zoom, ei­nem In­ter­face für Mee­tings. Sie ist in der BE­TA-Pha­se. Abon­nent:in­nen, die mit Haupt­welt­spra­chen wie Eng­lisch, Chi­ne­sisch und Spa­nisch zu tun ha­ben, be­kom­men zehn Pro­be­stun­den in­ner­halb von zwei Mo­na­ten gra­tis. Ernest Niño-Murcia, ein Spa­nisch<>Eng­lisch-Kol­le­ge, hat sie ge­tes­tet und fest­ge­stellt, was wir al­le wuss­ten: sie­he oben (und sie­he mei­ne an­de­ren Bei­trä­ge zur KI). Spra­che ist kon­text­ab­hän­gig und funk­tio­niert zwi­schen Men­schen mit ei­nem sehr ho­hen An­teil an im­pli­zi­tem Wis­sen, das in kei­nem Wör­ter­buch und in kei­ner Ab­hand­lung über Wort­bil­dung steht.

Aber Denk­pau­sen ir­ri­tie­ren die KI ma­xi­mal. Sie in­ter­pre­tiert Denk­pau­sen oft als Satz­en­de, und dann ras­selt mög­li­cher­wei­se der gan­ze Satz zu­sam­men, weil die Be­zü­ge nicht mehr stim­men. Oder aber sie macht Pau­sen, springt in ein an­de­res Idi­om, bricht mit­ten­drin ab.

Hier ist der Test, Thank you, E. Niño-Mur­cia! Das Vi­deo ist auf Start beim fran­zö­si­schen Sound ein­ge­stellt (EN>FR bei 13'34'').

Mal se­hen, wann die Me­di­en auf­wa­chen. KI, hold my beer!



Film: E. Niño-Mur­cia / TEA Lan­guage So­lu­tions

Keine Kommentare: