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| The artificial ‚intelligence‘... |
Die KI hilft in der wissenschaftlichen Forschung und in der medizinischen Diagnostik.
Aber sie HILFT nur. Sie liefert Infos, bei der viel falsch ist. Profis entscheiden dann.
Warnung vor einem schlechten Kalauer: Die Künstliche Intelligenz ist keine Simultandolmetscherin, sondern maximal eine Simulantdolmetscherin. Dabei klingt die Vision der Tech-Konzerne doch so verlockend: ein Klick, ein Algorithmus im Ohr, und schon verständigen sich Menschen über Sprachgrenzen hinweg fließend, fehlerfrei und vermeintlich kostengünstig.
Denn die Tech-Nerds verlangen ca. 50 Prozent dessen, was wir so veranschlagen. Dafür schneidet die KI laut einer WHO-Studie ernüchternd ab: Je nach Sprache erreichten die maschinellen Verdolmetschungen Qualitätswerte zwischen nur 5 und 83 Prozent. Die höhere Zahl klingt nicht schlecht, aber oft stimmte die Reihenfolge der Begriffe, die Zuordnung der Inhalte nicht.
Der Gesamtdurchschnitt der „Dolmetschleistungen“ der KI lag bei 46 Prozent; von 90 getesteten KI-„Verdolmetschungen“ bestand gerade mal eine einzige den Test. Keine war frei von Begriffen und Aussagen mit Reputationsrisiko. Hier der Link zur Studie (über die AIIC: klick).
Wer die Realität auf Messen und Märkten, internationalen Konferenzen, politischen Gipfeln oder bei hochrangigen Verhandlungen kennt, durchschaut die Illusion schnell. Die Auswürfe der KI folgen der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie reproduziert aus dem Bestand, was einfach ist. Das Sensible, das Besondere und Neue, die Ausnahmen, um die es beim Dolmetschen meistens geht, fallen da hinten rüber.
Andere, die sich weniger gut auskennen, schauen verwundert auf eine Maschine, die mit atemberaubender Geschwindigkeit grammatikalisch glatt wirkende Sätze ausspuckt.
Aber da die Technik selbst weder intelligenz- noch vernunftbegabt ist, ihr Name leitet bewusst in die Irre, hat sie dabei kein einziges Wort inhaltlich verstanden und wirklich verarbeitet. Und richtig kritisch wird es immer dann, wenn Auftraggeber nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen, um die Qualität des KI-Auswurfs selbst einschätzen zu können.
Die KI arbeitet an der Oberfläche. Sie ist ein gigantisches Autocomplete-Programm. Der Unterschied zwischen menschlicher Exzellenz und maschineller Wahrscheinlichkeitsrechnung lässt sich an etlichen Punkten festmachen.
1. Statistik statt Verstehen
Große Sprachmodelle (LLMs) besitzen kein Bewusstsein, kein Weltwissen und keine kognitive Empathie. Sie analysieren riesige Datenmengen und berechnen mathematisch, welches Wort mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf das vorherige folgt.
Menschliches Dolmetschen ist dagegen ein hochkomplexer neurokognitiver Prozess: Wir erfassen Intentionen und Nuancen, Ironie und Brüche, kulturelle Subtexte und angedeutete Zwischentöne in kürzester Zeit. Wir übertragen Bedeutungen, nicht Worthüllen. Darin sind wir unschlagbar. Die KI merkt nicht, wenn sie logischen Unfug produziert, solange die Syntax stimmt.
2. Starr und ohne Kontext
Ein Redner auf einer Fachkonferenz weicht vom Skript ab, nutzt eine lokale Redewendung oder macht einen subtilen Witz, um die Stimmung aufzulockern. Eine professionelle Konferenzdolmetscherin adaptiert diese Botschaft blitzschnell für das Zielpublikum.
Die KI scheitert an solchen kulturellen Transferleistungen. Ohne Kontextwissen überträgt sie Metaphern flach oder verliert bei schnellen Sprecherwechseln und Dialekten völlig den Faden. Was als präziser Diskurs gedacht war, verkommt im digitalen Äther zu einer lebenslosen, mechanischen Wortwüste.
3. Halluzinationen
Wenn eine KI im Unklaren über den exakten Kontext ist, rät sie einfach. Wir Menschen würden nachfragen, und zwar vor der Veranstaltung, nämlich dann, wenn das Vorbereitungsmaterial unklar ist. Wir haben schon manche(n) Redner:in davor bewahrt, bei Vorträgen über eigene Tippfehler zu stolpern.
KI-Kritiker nennen die Fantasieprodukte der Maschinen beschönigend „Halluzinationen“. Auf Konferenzen, in Behörden oder bei Gericht ist derlei schlicht ein Fehler mit möglicherweise fatalen Folgen.
4. Haftung
Genau dieses blinde Vertrauen in die scheinbar unfehlbare KI-Generierung hat im Frühsommer ein wegweisendes juristisches Nachspiel gehabt. Mit dem Urteil vom 28. Mai 2026 (Az. 26 O 869/26) hat das Landgericht München I entschieden, dass Google unmittelbar als Störer für unwahre Behauptungen haftet, die durch dessen KI-Funktion („AI Overviews“) generiert wurden.
Das Gericht stellte unmissverständlich klar: Wer eigenständig formulierte KI-Inhalte als fertige, abgeschlossene Aussagen präsentiert, kann sich nicht auf das Privileg reiner, haftungsbefreiter Suchvermittlung berufen.
Kernaussage: Die KI erzeugt eine eigene Antwort, die dem Anbieter rechtlich voll zugerechnet wird.
Das Urteil lässt sich aufs Dolmetschen übertragen: Wer Verantwortung für hochkarätige Kommunikation trägt, kann die Haftung für Fehler nicht an eine Software delegieren, die in ihren Nutzungsbedingungen jegliche Haftung ausschließt.
5. Fazit
Die KI mag für einfache Standard-Texte à la Webshop mit ähnlicher Ware und für den raschen Überblick praktisch sein. Mit echtem Simultandolmetschen oder kultursensiblem Übersetzen hat das aber herzlich wenig zu tun.
Bei Inhalten, auf die es ankommt, geschriebenen oder gesprochenen, bei denen es um Reputation, Millionenverträge, diplomatische Nuancen und rechtliche Sicherheit geht, bleiben wir Menschen unersetzlich. Vertrauen Sie lieber einer echten Dolmetscherin als einer programmierten Simulantin.
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Grafik: pixlr.com (Zufallsfund)
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