Dienstag, 15. September 2026

Museum der Wörter (50)

Bonjour & hello auf den Sei­ten meines di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs! Mit Deutsch als Mut­ter­spra­che, ar­bei­te ich vor al­lem als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für fran­zö­sisch­spra­chi­ge Kon­fe­renzen und De­le­ga­tions­rei­sen, in der Po­li­tik und bei pri­va­ten An­läs­sen, au­ßer­dem aus dem Eng­li­schen, der Ziel­spra­che mei­ner Büro­kol­le­gin. Heu­te blic­ken wir in die Haupt­stadt.

Oh, nein! Ei­ne wei­te­re Ber­li­ner In­sti­tu­ti­on ver­schwin­det end­gül­tig! Und da­mit auch der Na­me, näm­lich:

              
             
Kranzler

Das Ca­fé Kranz­ler macht end­gül­tig dicht. Es ist schon seit zwei Jah­ren ge­schlos­sen, nach­dem es un­ter die Kup­pel der Ro­tun­de ver­bannt wor­den war.

In die­sem Ca­fé ha­ben mei­ne El­tern mei­ner säch­si­schen Groß­mut­ter und der Ur­groß­mut­ter er­zählt, dass es bald ein Mensch­lein der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on ge­ben wür­de, näm­lich mich. Ich stel­le mir im­mer vor, wie sie auf der Ca­fé­ter­ras­se un­ter der tra­di­tio­nell rot-weiß­ ge­streif­ten Mar­ki­se sit­zen. Aber im Spät­herbst oder Win­ter wa­ren sie doch wohl eher drin­nen.

In Ber­lin gibt es kaum noch ech­te Kaf­fee­häu­ser, ge­ra­de am Ku'damm. Häu­fig zo­gen in die Lo­ka­le üb­ri­gens Mo­de­lä­den ein.

Café Kranz­ler, Kur­fürs­ten­damm 1955
Ich stel­le mir Zeit­rei­sen­de von vor 100 Jah­ren vor: Wenn sich Li­te­ra­ten aus der Hoch­zeit der Ber­li­ner Kaf­fee­haus­zeit in den Wes­ten ver­ir­ren wür­den, sie hät­ten wohl Mü­he, al­les wie­der­zu­er­ken­nen.
Ne­ben den Cafés sind auch die meis­ten Ki­nos vom Bou­le­vard ver­schwun­den. Das Kern­ge­bäu­de des Kranz­lers ver­fügt über et­li­che denk­mal­ge­schütz­te Ele­men­te. An­de­re Tei­le des Nach­kriegs­wie­der­auf­baus wur­den vor Jah­ren durch Hoch­häu­ser er­setzt. Mich stimmt die­se Ge­schichts­ver­ges­sen­heit trau­rig.


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BildF002774-0010, Bun­des­ar­chiv, B 145
Brodde / CC BY-SA 3.0 de

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