Dienstag, 6. August 2024

KI-Murks (4)

Sie le­sen hier in ei­nem di­gi­ta­len Ta­ge­buch aus der Ar­beits­welt. Was Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­zer, Über­set­ze­rin­nen und Dol­met­scher so um­treibt, be­schäf­tigt mich hier. Man­che be­fin­den ja, dass es mög­lich sein müsse, uns Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen (so­wie die Män­ner im Be­ruf) durch die KI zu er­set­zen. Das ist der­zeit ein wich­ti­ges The­ma auf die­sen Sei­ten.

Sta­tis­tik ei­ner Smart­watch
Un­ter dem Ti­tel "KI-Murks" könn­te ich täg­lich pos­ten. 
Über­set­zer­kol­le­gin Yvon­ne Bütt­gen­bach hat mal wie­der was ge­sich­tet, ei­ne ech­te KI-Übel­set­zung! Köst­lich!

Hier stand im Aus­gangs­ma­te­ri­al wohl Wed., die KI hat sich ge­gen die Wahr­schein­lich­keit ent­schie­den. Wed. wur­de hier als wed­ding ge­le­sen, nicht als Wednesday, Mitt­woch. So ein Mitt­woch kommt im Le­ben der Men­schen ga­ran­tiert öf­ter vor als ei­ne Hoch­zeit, Aus­nah­me: im Leben der Stan­des­be­am­tin­nen und Hoch­zeits­fo­to­gra­fen. Kurz: Hier hat so­gar der Kon­text nicht wei­ter­ge­hol­fen. 

Zu­gleich fin­de ich es ver­wun­der­lich, dass der letz­te Tag in der Rei­he nicht "Sonne" heißt. Die KI hat das ge­macht, was sie im­mer macht, wenn sie et­was nicht ein­schät­zen kann: über­sprin­gen (ste­hen­las­sen) oder aus­las­sen. 

So, und ich fah­re jetzt zu ei­nem Kurz­ter­min in den Be­zirk Hoch­zeit. Wo­hin? Na, ist doch klar, nach Ber­lin-Wed­ding.

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Il­lus­tra­tion: Dan­ke an Yvon­ne Bütt­gen­bach!

Montag, 5. August 2024

Montagsschreibtisch (54)

Wie Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, be­schrei­be ich hier seit 16 Jah­ren. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Deutsch (Mut­ter­spra­che), Fran­zö­sisch und Eng­lisch; mei­ne Bü­ro­kol­le­gin ar­bei­tet als Über­set­ze­rin, al­so schrift­lich, mit Ziel­spra­che Eng­lisch. 

Tastatur einer alten Schreibmaschine
In die Tasten hauen
Wer so lan­ge wie ich ein di­gi­ta­les Ar­beits­ta­ge­buch führt, erlebt Wie­der­ho­lun­gen, vor al­lem bei län­ge­ren Pro­jek­ten!

Auf dem Schreib­tisch:
⊗ Le­xik zum The­ma Woh­nungs­re­no­vie­rung wie­der­ho­len
⊗ sie­he letz­te Wo­che

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Fo­to: C.E.  (Ar­chiv)

Sonntag, 4. August 2024

Unter Palmen

Bien­ve­nue auf den Sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­te­rin. Wie Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zer, Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, kön­nen Sie hier mit­le­sen. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind (ne­ben Deutsch) Fran­zö­sisch und Eng­lisch (das Idi­om Shakes­peares nur als Aus­gangs­spra­che). 

Wohnung mit Blick auf den Eif­fel­turm!
Heu­te: Sonn­tags­bil­der!

Ein we­nig le­sen, dann im Strand­korb chil­len, Bei­ne hoch und run­ter­kom­men! Man­ches Wo­chen­en­de in mei­ner Som­mer­re­si­denz ist ei­ne Mi­schung aus Bal­ko­nien, neu­deutsch: Staycation, und Ar­beit, da ich in Ruf­be­reit­schaft bin. Vom Markt vor dem Haus gibt's Obst, am Tag drauf dann die Su­che nach der rich­tigen Le­xik mit quietsch­blau­em Ber­lin­him­mel.

Ich wün­sche all­seits gu­te Er­ho­lung!

Zwi­schen Bal­ko­nien und Frei­luft­ar­beits­platz

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Fo­tos: C.E.

Samstag, 3. August 2024

Fortbildung (2)

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher so ma­chen, ist hier seit 2007 The­ma. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Deutsch (Mut­ter­spra­che), Fran­zö­sisch und Eng­lisch; die Bü­ro­kol­le­gin ist Über­set­ze­rin (schrift­lich) mit Ziel­spra­che Eng­lisch. Life­long lear­ning ge­hört zum Be­ruf; heu­te folgt ein Sams­tag­link.

Die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung for­dert mich auf, mich in Sa­chen Künst­li­cher In­tel­li­genz (KI) fort­zu­bil­den, ob­wohl ich es bin, die Fort­bil­dungs­in­hal­te an­zu­bie­ten hät­te, lie­be FAZ. Die Zei­tung schreibt, dass je­de/r Drit­te in Deutsch­land Angst ha­be, bald durch die Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) ar­beits­los zu wer­den. 37 Pro­zent der Er­werbs­tä­ti­gen hät­ten zwar schon mal mit ChatGPT her­um­ge­spielt, aber sonst we­nig Er­fah­rung, und 63 Pro­zent sei­en noch völ­lig 'un­be­darft', so die Er­geb­nis­se ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Um­fra­ge des TÜV vom Ok­to­ber letz­ten Jah­res.

Gut, die Zah­len sind nicht tau­frisch, aber dass es Vor­be­hal­te gibt, liegt auf der Hand. Ich emp­feh­le ger­ne die Volks­hoch­schu­len, die sind un­schlag­bar.

Drei Gra­zi­en im Chor vor Mi­kro­fo­nen
So sieht die KI un­se­ren Be­ruf
Gleich­zei­tig emp­feh­le ich aber ge­ra­de de­nen, die bei den Ver­spre­chun­gen der KI nur Dol­lar- oder Euro­zei­chen in den Au­gen se­hen, Kur­se zu be­su­chen; Se­mi­nar­an­ge­bo­te, die es viel­leicht erst im Herbst gibt. Denn zu vie­le ge­hen fälsch­li­cher­wei­se da­von aus, dass KI die Lö­sung al­ler Pro­ble­me ist, vor al­lem der Text- und Sprach­pro­ble­me. Wir kön­nen schon von ei­nem KI-Hy­pe spre­chen.

Da­bei, und scu­si für die Re­dun­danz, lie­be Stamm­le­se­rin­nen und Stamm­le­ser, ar­bei­tet die Ma­schi­ne nach ma­the­ma­ti­schen Wahr­schein­lich­kei­ten, ist selbst nichts an­de­res als Hard­ware, Strom und Si­gna­le. Sie kann per de­fi­ni­tio­nem kein "Sprach­GE­FÜHL" ha­ben. Sie bil­det den Durch­schnitt al­ler Tex­te ab, die dem Sys­tem bis zum Zeit­punkt x zu­gäng­lich wa­ren. Und das Sys­tem "lernt" wei­ter, er­kennt For­men, Far­ben und Mus­ter. Aber das lässt noch lan­ge nicht auf ein Ge­fühl schlie­ßen, denn die­ses müss­te auf Er­fah­rung, Angst, Schmerz und Ver­letz­lich­keit be­ru­hen.

Viel­leicht soll­ten auch wir Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher, Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer uns fort­bil­den, und zwar da­rü­ber, wie wir die­se gan­ze Pro­ble­ma­tik ver­mit­teln. Als Ein­stieg emp­feh­le ich hier, da Sie auf mei­nem Blog le­sen, ei­ni­ge äl­te­re Posts von mir, zum Bei­spiel die­ses Schman­kerl hier: klick! Auf den Sei­ten des Be­rufs­netz­werks Linked­In lau­fen der­zeit die bes­ten De­bat­ten zum The­ma.

Die Sprach­ar­bei­ter:in­nen­welt muss aus dem Schat­ten tre­ten und ei­gen­stän­dig In­hal­te an­bie­ten. Lan­ge Zeit wa­ren wir stolz auf un­se­re Un­sicht­bar­keit. Kol­le­ge Kon­stan­tin An­gou­rias sprach so­gar von der "Ide­a­li­sie­rung der Un­sicht­bar­keit als Cre­do". Tou­ché.

Wenn man un­se­re Ar­beit nicht be­merkt hat, war al­les gut; im Prin­zip fal­len nur Feh­ler auf. Wer auf dem rut­schi­gen Par­kett der di­plo­ma­ti­schen Welt ver­kehrt, ist von Be­rufs­we­gen Lei­se­tre­ter. Kon­stan­tin An­gou­rias hat ein wei­te­res Pro­blem be­nannt, näm­lich dass ganz grund­sätz­lich und auch in an­de­ren Bran­chen ge­ra­de der Wert mensch­li­cher Ar­beit durch Tech­nik­gläu­big­keit ent­wer­tet wird.

Was wir als Ant­wort dar­auf brau­chen, ist ein Schlacht­ruf! Wir brau­chen ei­nen Slo­gan, ei­ne schlag­wort­ar­ti­ge Zu­sam­men­fas­sung der Mi­se­re, Ana­lo­gi­en, in­ter­na­tio­nal taug­li­che Be­grif­fe mit aus­sa­ge­kräf­ti­gem Hin­ter­land. #In­vi­si­ble­Trans­la­tors oder #Ghost­Trans­la­tors wa­ren die ers­ten Ide­en von Kon­stan­tin, dabei fehlen ne­ben Un­ter­ti­tel- und Dol­met­scher­welt auch die Leu­te, die in ein­fa­cher Spra­che schrei­ben so­wie die Film­be­schrei­ber:in­nen für Men­schen, die aufs Hö­ren an­ge­wie­sen sind. Als Er­wei­te­rung könn­te man an #In­visib­Lin­guists den­ken.

Das sieht lus­tig aus, ist aber wahr­schein­lich zu kom­pli­ziert für die Frau, den Mann von der Stra­ße. Ich hö­re schon: "Lin­gu-bit­te-was!?"

Wei­ter­suchen! Sicht­bar werden! Aus dem Schat­ten zu tre­ten ist für mich nichts Neu­es. Ich kann mei­ne fra­gen­den Au­gen trotz hoch­bre­chen­der Bril­len­glä­ser nur schwer ver­ber­gen, fal­le aus der Men­ge schon des­halb her­aus, weil ich erst kurz vor 180 cm das Wachs­tum ein­ge­stellt ha­be, und ich ma­che bei De­le­ga­ti­ons­rei­sen auf dem Weg von A nach B zwi­schen zwei Ein­sät­zen kei­nen Hehl aus mei­ner kul­tu­rel­len und stadt­ge­schicht­li­chen Bil­dung. Wenn es ge­wünscht wird, und in 99 Pro­zent der Fäl­le freu­en sich die Gäs­te dar­über, er­klä­re ich, wo wir ge­ra­de sind. Mit der Bil­dung ist es wie mit der Lie­be, sie ver­mehrt sich, wenn wir sie tei­len.

Aber für die ei­ge­nen In­ter­es­sen zu kämp­fen, ist ei­ne an­de­re Haus­num­mer. Das fällt auch mir schwer. Jetzt kön­nen, nein müs­sen wir ler­nen, laut zu wer­den. Wir dür­fen auf­zei­gen, dass die "Er­geb­nis­se" der ma­schi­nel­len Ver­ar­bei­tung oft ent­stel­len­de, feh­ler­be­haf­te­te #Übel­set­zun­gen sind. Dass die­se #Bau­stein­tex­te auf den ers­ten Blick ganz flüs­sig zu le­sen sind, merkt die wer­te Kund­schaft schon selbst. Das ist al­ler­dings ein Teil des Pro­blems, da es zu ei­ner zu ho­hen Ak­zep­tanz (ge­paart mit nai­ver Tech­nik­gläu­big­keit) ge­führt hat. Die Pro­ble­me lie­gen al­ler­dings im De­tail, in den Nuan­cen, und da sind wir auch schon wie­der beim The­ma Di­plo­ma­tie. Was nicht al­le wis­sen: Die KI über­springt, was ihr ko­misch vor­kommt, sie er­fin­det, fa­bu­liert frei oder spuckt ger­ne mal das Ge­gen­teil des­sen aus, was be­ab­sich­tigt war.

KI-Tools sind #Werk­zeu­ge für die Hän­de aus­ge­bil­de­ter Fach­leu­te, die sich ih­rer be­die­nen, die sie steu­ern, Ide­en sam­meln, Tex­te struk­tu­rie­ren und Ent­schei­dun­gen über die an­ge­bo­te­nen "Lö­sun­gen" tref­fen. Die Out­puts sind le­dig­lich An­ge­bo­te, ge­wis­ser­ma­ßen un­ter­schied­li­che Bau­stof­fe, und häu­fig schlicht un­brauch­bar. Es kommt im­mer auf den Aus­gangs­text an. Und dann auf die Pro­fis. Ein Hau­fen Ma­te­ri­al mit Perl­mutt und Ebe­nen­holz und der Ham­mer da­ne­ben macht noch kei­nen In­tar­si­en­tisch!

Es gibt noch ei­nen wich­ti­gen, bis­lang kaum be­ach­te­ten As­pekt. Die Über­schät­zung der KI droht jun­ge Men­schen da­von ab­zu­hal­ten, Spra­chen zu ler­nen und sich für Sprach- und Kul­tur­mitt­lung zu in­te­res­sie­ren. Wer nach­fragt, er­fährt, dass wir Lin­gu­is­t:in­nen die Kon­troll­in­stanz für die Tech­nik sein sol­len und dass am En­de nur die Bes­ten der Bes­ten für das di­plo­ma­ti­sche und po­li­ti­sche Par­kett ge­braucht wür­den, al­so dort, wo Fin­ger­spit­zen­ge­fühl und ab­so­lu­te Ver­trau­lich­keit ge­fragt sind. Ho­he Qua­li­tät for­dert aber auch die In­dus­trie, Stich­wort Pa­tent­ent­wick­lung und Da­ten­schutz, for­dert auch die In­ge­ni­eurs­welt, Stich­wort Si­cher­heit, for­dert auch die Ju­ris­te­rei, Stich­wort Ge­währ­leis­tung und dro­hen­de Pro­zess­wel­le bei Feh­lern.

Die Po­li­tik könn­te auf die Idee kom­men, an der Aus­bil­dung von uns Fach­leu­ten zu spa­ren. Wir Men­schen brau­chen aber, um per­fekt steu­ern zu kön­nen und un­se­re Be­ru­fe wei­ter­hin voll zu be­herr­schen, ne­ben gu­ter Aus­bil­dung vor al­lem eins: Pra­xis, Pra­xis, Pra­xis!

Die KI in ei­ner Ar­beits­welt oh­ne Men­schen ist brand­ge­fähr­lich. Oder wol­len Sie in ei­nem Flug­zeug sit­zen, des­sen Pi­lo­tin nicht rich­tig flie­gen ge­lernt hat? Oder auf dem OP-Tisch lie­gen und er­fah­ren, dass der Chir­urg oh­ne KI nicht mehr ar­bei­ten kann, weil ihm die Rou­ti­ne fehlt?

#Be­rufs­ethik #Mensch­Und­Ma­schi­ne #Tech­nik #Emo­tio­nen #Gren­zen #Ent­wick­lung

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Il­lus­tra­tion: pixlr.com

Freitag, 2. August 2024

Landware

Bon­jour und herz­lich will­kom­men! Hier bloggt eine Sprach­ar­bei­te­rin. Fran­zö­sisch in Ber­lin, Deutsch in Frank­reich, so stelle ich mich manch­mal mit mei­ner Sprach­kom­bi­na­tion vor und erkläre, was Dol­met­scher machen. Wir Dol­met­sche­rin­nen müs­sen uns im­mer wie­der mit Leich­tig­keit an die Um­ge­bung an­pas­sen, die wir ver­to­nen. Heu­te: So klingt mein ak­tu­el­ler Ar­beits­platz.

Mein Sound­scape im zwei­ten Be­rufs­feld, dem Über­set­zen: Wenn live vor dem Fens­ter Gas­sen­hauer der 1920-er Jah­re oder ku­ba­ni­scher Swing ge­spielt wer­den, ha­be ich nichts da­ge­gen. Die Tech­no­mucke mit Ge­wehr­sal­ven, die mei­nen Puls zum Ja­gen bringt, weil der dazu neigt, sich an­zu­glei­chen, ge­fällt mir nicht. Aber das ist dann schon am spä­te­ren Nach­mit­tag und droht in der Nacht.

Blick in die Straße auf den Markt
Romantischer Markt
Mor­gens höre ich lange Ita­lie­nisch auf der Stra­ße, da gibt es Luigi, aber in­zwi­schen auch noch ei­ni­ge an­de­re. Neu­lich haben sie sich un­ten ge­strit­ten wie die Kes­sel­fli­cker. Spä­ter kommt die asia­ti­sche Gar­kü­che. Seit die da ist, koche ich gar nicht mehr im Wok, der Ge­ruch reicht mir. Aber trotz­dem, ich mag das al­ter­tüm­lich an­mu­ten­de Mo­ment hier. Der Markt sieht gut aus vom Bal­kon: Holz­ge­stän­ge, Stoff­pla­nen, der Kaf­fee­wa­gen aus Blech. Mor­gens sind die Far­ben noch kräf­tig, Licht­fle­cken tan­zen über die Straße.

Am spä­te­ren Nach­mit­tag sind die Far­ben ein we­nig ver­blasst, als ich mit dem Wei­den­korb run­ter zum Ein­kau­fen gehe. Die Kar­tof­feln kom­men in den alten Stoff­beu­tel, vie­les kaufe ich lose. 

Das mag alt­mo­disch er­schei­nen. Ich sehe den Stand mit Holz­kis­ten und freue mich. "Land­wa­re" hat auch et­was Al­ter­tüm­li­ches, das klingt nicht nach heute.

Mit die­sen bei­den Bild­aus­schnit­ten sieht mein Wo­chen­markt ganz nach­hal­tig aus, dabei be­stim­men mehr­heit­lich noch die Plas­tik­kis­ten den Ein­druck, die abends dann rol­len­wei­se mit Plas­tik­fo­lie mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den.

Aber in die Rich­tung plas­tik­freie Ma­te­ria­li­en muss die Rei­se ge­hen, back to the fu­ture. Ich schwei­fe ab in ei­nen Tag­traum. In den 80er Jah­ren gab es in Pa­ris noch auf je­dem Markt die glei­chen Holz­kis­ten; es gab die gu­ten, sta­bi­len wie auf dem Bild hier, aber im­mer öf­ter auch die leich­ten aus dün­nem Sperr­holz.

Holzkisten, Schild "Landware"
Fast eine Zeitreise
Von den fes­ten Kis­ten wan­der­ten si­cher ei­ni­ge in die Stu­den­ten­bu­den. Ich ha­be bei mir al­les Scharf­kan­ti­ge von Hand ab­ge­schlif­fen, die Kis­ten dann mit sei­den­mat­ten Far­ben in Moos­grün und Va­nil­leeis­bei­ge ge­stri­chen und ge­sta­pelt: Das war ein­mal mein Bü­cher­re­gal, acht Stück, et­was asy­mme­trisch ge­sta­pelt mit ei­ner schnell wu­chern­den Efeu­pflan­ze oben drauf. (Da­rin war die­se Epo­che kom­plett an­ders als heu­te: Es gibt kein Fo­to da­von.)

Als Stu­den­tin ha­be ich nicht in Hör­wei­te des Mark­tes ge­lebt. Die­se Klang­land­schaft ha­be ich erst heu­te. Am Abend dann, wenn in Ber­lin die Stra­ßen­fe­ger weg sind und bevor ab 22.00 Uhr der Tech­no­lärm im Club ne­ben­an los­geht, ein Un­ding in ei­nem Wohn­ge­biet, höre ich die Gril­len zir­pen und die En­ten schnat­tern. Ab und zu flie­gen Schwä­ne über den Ka­nal, das klingt wie ros­ti­ge Gieß­kan­nen. Die Mau­er­seg­ler, die Ber­lin ei­gent­lich erst um den 6. Au­gust ver­las­sen, schei­nen schon weg zu sein, der An­fang vom Ende des Som­mers. Wir dür­fen mit ei­nem frü­hen Käl­te­ein­bruch und hohen Mi­nus­gra­den im Win­ter rech­nen.

Schluss­vol­te in Rich­tung Über­set­zen: So sehr ich mich als Dol­met­sche­rin der Um­ge­bung an­pas­sen muss, so sehr zählt beim Über­set­zen nur der Text. Manch­mal ist mir die Mu­sik zu viel, ich brau­che Stille, um der Mu­si­ka­li­tät der Spra­che fol­gen zu kön­nen. Tech­no ist in die­sem Zu­sam­men­hang im­mer Schei­ße, ex­cuse my French, auch was den Nacht­schlaf be­trifft.

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Fo­tos: C.E.

Donnerstag, 1. August 2024

Marktvielfalt

Wir Dol‍­met‍­scher und Dol‍­met‍­scher‍­in‍­nen, Über‍­set‍­zer und Über‍­set‍­zer‍­in‍­nen ha‍­ben ein Fa‍­ible für Spra‍­chen. Wir er‍­in‍­nern uns zärt‍­lich an die Aus‍­drücke oder Sil‍­ben‍­dre‍­her der Kin‍­der oder Freun‍­des‍­kin‍­der, E‍­sa‍­li‍­beth‍­kir‍­che, a‍­réo‍­port, Se‍­re‍­ve‍­rad. "Sie ha‍­ben gar kei‍­nen Ak‍­zent, aber bit‍­te be‍­hal‍­ten Sie ihn!", hör‍­ten die Kol‍­le‍g:in‍­nen im‍ Stu­dium. Wir ha‍­ben al‍­le viel Ar‍­beit in‍­ves‍­tiert für un‍­ser sprach‍­liches Mi‍­mik‍­ry. Und wir sam‍­meln wei‍­ter, zärt‍­lich, nicht mo‍­kant.

Lie‍­be Gäs‍­te, lie‍­be Le‍­se‍­rin, lie‍­ber Le‍­ser, heu‍­te wird's tou‍­ris‍­tisch! Na‍­ja, we‍­nigs‍­tens ein biss‍­chen. Di‍­rekt vor mei‍­ner Ber‍­li‍­ner Re‍­si‍­denz mit Ar‍­beits‍­zim‍­mer‍­bal‍­kon am May‍­bach‍­ufer gibt es ei‍­nen Wo‍­chen‍­markt, der diens‍­tags und frei‍­tags sei‍­ne Pfor‍­ten öff‍­net. Al‍­so mor‍­gen wie‍­der.

Hier fin‍­de Hob‍­by‍­köch‍­in‍­nen und Hob‍­by‍­schnei‍­der al‍­les, was das Herz be‍­gehrt, exo‍­ti‍­sche Fi‍­sche und Früch‍­te, schö‍­ne Stof‍­fe und Knöp‍­fe, Haus‍­halts‍­wa‍­ren und selbst‍­ge‍­rühr‍­te Sei‍­fen. Seit über 25 Jah‍­ren re‍­si‍­die‍­re ich hier durch‍­ge‍­hend im Som‍­mer, in den Kon‍­gress‍­früh‍­jahrs- und Herbst‍­mo‍­na‍­ten bin ich oft auf Dienst- und im Win‍­ter nicht sel‍­ten auf Bil‍­dungs‍­rei‍­se.

In all den Jah‍­ren be‍­glei‍­tet mich ein ty‍­pi‍­sches Lin‍­gu‍­is‍­ten‍­hob‍­by: Wör‍­ter sam‍­meln. Ei‍­ni‍­ge Schil‍­der hat‍­te ich hier be‍­reits vor‍­ge‍­stellt. Heu‍­te prä‍­sen‍­tie‍­re ich die neu‍­es‍­te Trou‍­vaille, die mein Lieb‍­lings‍­mensch ent‍­deckt hat. Und ja, das ist Fremd‍­deutsch oder -eng‍­lisch. Nicht je‍­der be‍­kam die‍­se Idi‍­ome von klein auf mit. Ich lie­be die‍­se Fund‍­sa‍­chen.

So ein Markt‍­bum‍­mel kann sehr nah‍r­haft sein. "Granny Si‍­mi‍­tis" ist mei‍­ne lieb‍­ste Ap‍­fel‍­sor‍­te, schmeckt nicht nur jü‍­disch‍­en O‍­mas. (Irg‍­end‍­wie klingt es auch et‍­was grie‍­chisch. War ein Ge‍­mü‍­se‍­stand ne‍­ben dem An‍­ti‍­pa‍­sti‍­grie‍­chen‍­wa‍­gen, viel‍­leicht Fa‍­mi‍­lie.) Vor al‍­lem im Herbst er­freu­en wir uns an "Esst Kat‍­sa‍­nie‍n!" ... Die bes‍­ten Pil‍­ze, die "Cham‍­pi‍­ons", sind auch au­ßer­halb von Olym­pia­zei­ten Spi­tze — zu fin­den am Bio‍­stand.
Und wer dann ei‍­nen Ab‍­sac‍­ker braucht, kann am Bü‍­dchen in der Nä‍­he, Ber‍­li‍­ner sa‍­gen ger‍­ne "Ki‍­oks", in Hes‍­sen wä‍­re das ei‍­ne "Trink‍­hal‍­le", sein Weg­bier kau‍­fen, oder eben am "Spä‍­ti", ei­nem rich­ti­gen Ber­li­ner!

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Fo‍­tos: C.E. (z.T. Ar‍­chiv)

Mittwoch, 31. Juli 2024

Le hinterland (4)

Zu­fäll­ig oder ab­sicht­lich sind Sie hier ge­lan­det, bonjour ! Was wir Dol­met­scher und Über­setzer ma­chen, be­schäf­tigt mich hier. (Ich be­nut­ze kurz den männ­li­chen Ober­be­griff, um im Netz bes­ser ge­sehen zu wer­den, ob­wohl der Be­ruf über­wie­gend weib­lich ist). Wir be­ob­ach­ten der­zeit sehr ge­nau, was sich im Be­reich Tech­no­lo­gie tut.

Die KI ver­än­dert das Be­rufs­feld. Über­set­zer:in­nen se­hen sich häu­fig vor die He­raus­for­de­rung ge­stellt, nur noch von der KI vor­über­tra­ge­ne Tex­te "kor­ri­gie­ren" zu müs­sen, heu­te vor ei­ner Wo­che habe ich da­rü­ber ge­schrie­ben. Und jetzt sit­ze ich an eben­die­ser Dreh­buch­über­set­zung!

Frau vor Tastatur
So sieht mich die KI
Je kom­ple­xer ein Text, des­to we­niger ist das mach­bar. Die Grün­de ha­be ich auf die­sen Sei­ten be­reits er­klärt. Es liegt unter an­de­rem am je­wei­li­gen Hin­ter­land der Ge­dan­ken und Be­grif­fe. Das deut­sche Wort Hin­ter­land ist so prä­gend, dass ich es als Lehn­wort im Fran­zö­si­schen und Eng­li­schen ge­hört ha­be.

Hier die Kurz­fas­sung: Je­de Kul­tur prägt ih­re Spra­che, ih­re Mo­den und ih­re Be­grif­fe, die nicht al­lein im Raum ste­hen, wie die Meis­ter der KI an­zu­neh­men schei­nen, son­dern ein kul­tu­rel­les Hin­ter­land ha­ben. Die­ses Hin‍‍­ter‍‍­land ist von Sprach‍‍­raum zu Sprach‍‍­raum, von Re‍‍­gion zu Re‍‍­gion, von Ge‍‍­ne‍‍­ra‍‍­tion zu Ge‍‍­ne‍‍­ra‍‍­tion, ja so‍‍­gar von Fa‍‍­mi‍‍­lie zu Fa‍‍­mi‍‍­lie mög‍‍­li‍‍­cher‍‍­wei‍‍­se an‍‍­ders. Wir Men‍‍­schen ma‍‍­chen uns kun‍‍­dig, er‍‍­ken‍‍­nen auch das ei‍‍­ge‍‍­ne Nicht‍‍­wis‍‍­sen, re‍‍­cher‍‍­chie‍‍­ren und fin‍‍­den Wor‍‍­te, bei de‍‍­nen das Hin‍‍­ter‍‍­land mit hin‍‍­durch‍‍­scheint, zu­min­dest für vie­le Men­schen der ak­tu­ell le­ben­den Ge­ne­ra­tio­nen.

Sie kön‍‍­nen sich nur schwer vor‍‍­stel‍‍­len, was ich mei‍‍­ne? Den­ken Sie ein­fach kurz ein­mal an fol­gen­de Be­grif­fe: Ro­te Grüt­ze, Sa­cher­tor­te, Ap­fel­ku­chen. Schau­en Sie mal auf die Bil­der, die jetzt vor Ih­rem in­ne­ren Au­ge auf­tau­chen. Den­ken Sie sich kurz in Si­tua­tio­nen hin­ein, in de­nen Sie das ge­ges­sen ha­ben.

Glau­ben Sie, dass es vie­le Men­schen gibt, die hier bei al­len drei Be­grif­fen an das Glei­che den­ken?

Für mich wä­ren das: Som­mer­fe­rien in Sach­sen, Bee­ren­le­se im Eins-zu-eins-Mo­dus (ein Teil Mund, ein Teil Scha­le), die al­te Pud­ding­form, die bis heu­te "die Wild-Groß­mut­ter" heißt, weil ei­ne "Oma Wild" in Flo­renz vor et­li­chen Ge­ne­ra­ti­on­en ein ähn­lich run­des Ge­sicht hat­te. (Hier habe ich et­was ähn­li­ches im Online-Mu­se­um Rhein­land-Pfalz ge­fun­den: klick!) Oder: Wien, Pfer­de­mist auf den Stra­ßen, Huf­ge­klap­per, Re­gen, die Woh­nung ei­ner al­ten Nen­ntan­te, die aus ei­ner Zim­mer­flucht und Mu­se­ums­mö­beln be­stand. Oder: ge­deck­ter Ap­fel­ku­chen mit Va­nil­leeis un­ter Bäu­men, auf dem Land, mit ei­ner Rei­se­de­le­ga­ti­on aus der Sa­hel­zo­ne im Auf­trag des Aus­wär­ti­gen Am­tes, das war ge­fühlt erst "neu­lich". 

Das ist jetzt mein ur­ei­ge­nes Hin­ter­land. Ma­le­rei, Fern­seh­se­ri­en, Ly­rik und Ro­ma­ne sor­gen lan­des­weit für das je­wei­li­ge Hin­ter­land. Ein be­rühm­tes Bei­spiel stammt vom fran­zö­si­schen Schrift­stel­ler Mar­cel Proust (1871 bis 1922).

Madeleines auf einem Teller, Teetasse im Hintergrund
Ma­de­leines mit La­ven­del
Er hat die "Ma­de­lei­ne" ver­ewigt, ein fluf­fi­ges, saft­iges, bau­chi­ges Löff­el­bis­kuit, das vor­zugs­wei­se in Kräu­ter­tee zu tau­chen ist, ver­mut­lich Lin­den­blü­te. Zum As­so­zi­a­ti­ons­feld ge­hö­ren Tee­tas­se, Dorf­kir­che mit ge­drun­ge­nem Kirch­lein, das ei­ner Hen­ne gleicht, unter de­ren Dach oder Flü­geln sich die Häu­ser oder Kü­ken eng an­ein­an­der­ku­scheln.

Das war jetzt weit aus­ge­holt. Meis­tens geht es ein­fa­cher. Aber es sind ge­nau die­se Hin­ter­län­der von Wör­tern, die uns "Hu­ma­n­über­set­zer", wie ei­ne Agen­tur ne­ulich schrieb, in der Wort­aus­wahl be­ein­flus­sen. Wir den­ken und ar­bei­ten lang­sam, also nicht die­ses ei­ne Wort, hm, das ist zu neu­tral, ich be­nö­ti­ge ei­nes, das dem die­ses und je­nes an­klin­gen lässt ... was na­tür­lich je­weils vom Sinn­zu­sam­men­hang des Tex­tes ab­hängt.

Die KI "kann" Kon­text nur be­ding­t, sie denkt meis­tens von Satz­ende zu Satz­ende, manch­mal von Text­ende zu Text­ende (das ist zum Bei­spiel bei der Be­ar­bei­tung von "Prompts" durch ChatGPT der Fall). Schon Über­schriften und Bild­un­ter­schrif­ten lie­gen auf­grund der Pro­gram­mie­rung von On­line-Tex­ten der­zeit oft au­ßerhalb des "Blick­felds". Und jün­ge­re Pu­bli­ka­tio­nen zum glei­chen The­ma, die wir Men­schen mit ei­nem Klick im Netz fin­den, tau­chen im KI-Al­go­rith­mus der­zeit gar nicht auf.

Der Wan­del des Über­set­zungs­mark­tes ist al­so weniger eine He­raus­for­de­rung für die ei­ge­ne Ar­beits­wei­se als viel­mehr für un­se­re Di­rekt­kun­din­nen und -kun­den. Da­mit fällt er al­ler­dings auf uns zu­rück: Wir müs­sen ja, damit es zum Auf­trag kommt, Din­ge ge­ra­de­rücken. Da­für brau­chen wir erst erst­mal eine Ge­le­gen­heit, um Ar­gu­men­te aus­zu­tau­schen. Wir brau­­chen die Chan­ce, er­klä­ren zu dür‍­fen, dass es ei‍­ne gro‍­ßen Dis­kr­epanz gibt zwi‍­schen voll‍­mun‍­di‍­gen PR-Ver‍­spre‍­chen und har­ter Wirk‍­lich‍­keit. Kurz: Wir müs‍­sen uns über­le­gen, wo wir noch diese "Nach‍­hil‍­fe" in Sa‍­chen Mög‍­lich‍­kei‍­ten und Gren‍­zen der KI noch plat­zie­ren kön­nen.

Er‍­klä‍­ren, was an der Ba‍­sis los ist, müs‍­sen auch vie‍­le Ar‍­beit‍­neh‍­mer:‍­in‍­nen, die sich von ih‍­rer Chef‍­eta‍­ge auf‍­grund der Ver‍­hei‍­ßun‍­gen der neu‍­en Tech‍­nik vor Auf‍­ga‍­ben und Zeit‍­vor‍­ga‍­ben ge‍­stellt se‍­hen, die nicht im‍­mer er‍­füll‍­bar sind. Die Job­ver­mitt­lungs­platt­form "Up‍­work" hat ge‍­ra‍­de Stu‍­di‍­en‍­er‍­geb‍­nis‍­se da‍­zu ver‍­öf‍­fent‍­licht: "Mehr als drei von vier (77 %) ge‍­ben an, dass KI-Tools ih‍­re Pro‍­duk‍­ti‍­vi‍­tät ver‍­rin‍­gert und ih‍­re Ar‍­beits‍­be‍­las‍­tun‍­g (...) er‍­höht ha‍­ben." 47 Pro‍­zent der Be­frag­ten mein­ten, sie hät‍­ten kei‍­ne Ah‍­nung, wie sie die von ih‍­ren Ar‍­beit‍­ge‍­bern er‍­war‍­te‍­ten Pro‍­duk‍­ti‍­vi‍­täts‍­stei‍­ge‍­run‍­gen er‍­reich‍­en soll­ten.

So‍ viel zu den Fehl‍­ein‍­schät‍­zun‍­gen der Chef‍­e‍­ben‍­en. In dem Bei‍­trag ist üb‍­ri‍­gens von der "häu‍­fig ge‍­äu‍­ßer‍­ten Er‍­war‍­tung des Ma‍­na‍­ge‍­ments" die Re‍­de, dass die KI "ei‍­ne ma‍­gi‍­sche Lö‍­sung für die or‍­ga‍­ni‍­sa‍­to‍­ri‍­sche Ka‍­ta‍­stro‍­phe ist, die der Trend zu Mas‍­sen‍­ent‍­las‍­sun‍­gen dar‍­stellt."

Hier der Link zur Pub­li­ka­tion: klick! Im Um‍­fra‍­ge‍­zeit‍­raum 16.4.-5.5.2024 wur­den 2.500 Ar‍­beit‍­neh‍­mer:in­nen vor al‍­lem aus dem eng‍­lisch‍­sprach‍­i‍­gen Raum be­fragt, dar‍­un‍­ter auch 625 Frei‍­be‍­ruf‍­ler:‍­in‍­nen.

Näch‍­ste Wo‍­che folgt hier am Mitt‍­woch, dem Tag für län‍­ge‍­re Stücke, ein Ver‍­such zum The‍­ma Dol‍­met‍­schen und KI.

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Illustrationen: Pixlr und "Ma‍­de‍­lei‍­nes au miel 
de la‍­van‍­de", cray‍­on‍­mon‍­key, Wi‍­ki‍­com‍­mons

Dienstag, 30. Juli 2024

Alle Wetter!

Wie Über­set­ze­rin­nen und Dol­met­sche­rin­nen ar­bei­ten, aber auch Über­set­zer und Dol­met­scher, er­fah­ren Sie auf die­sen Sei­ten. Als Deutsch-Mut­ter­sprach­le­rin mit Zweit­spra­che Fran­zö­sisch bin ich Teil ei­nes in­ter­na­tio­na­len Netz­werks. Ein nas­ser Mo­nat geht zu­en­de, der welt­weit lei­der vor al­lem ein hei­ßer Mo­nat war.

Im Drehbuch, das ich gerade übersetze, regnet es viel und ausgiebig. Daher denke ich über H2O nach, das aus dem Himmel fällt. 

In meiner Nach­bar­schaft ist neu­lich ein Event ins Was­ser ge­fal­len, ge­nau­er: das Som­mer­fest von vis-à-vis ins Re­gen­was­ser. Jul­vem­ber halt. Der Mo­nat gilt in Ber­lin als der re­gen­reich­ste über­haupt. Und nach Jah­ren der Hy­per­trock­en­heit ha­ben wir wie­der ge­leg­ent­lich wech­seln­de Wet­ter­la­gen.

Im Deut­schen gibt es ver­schie­de­ne Be­grif­fe für Re­gen­wet­ter, in Frank­reich auch, da­bei ist es wich­tig, wie in­ten­siv und wie lan­ge es schüt­tet, um den rich­tigen Be­griff her­aus­zu­fi­schen. Wobei, rich­tig: je nach Re­gion, ja so­gar je nach Fa­mi­lie kann das ei­ne rich­tig, das an­de­re falsch sein.

Die­sen Ju­li hat­ten wir Land­re­gen, Schau­er, die ei­ne oder an­de­re Hu­sche (wenn die Re­gen­front kurz durch­schuscht), Re­gen­guss, Wol­ken­bruch, Schnur­re­gen (wohl vom ös­ter­rei­chi­schen "Schnürliregen" ab­ge­lei­tet), das Wort sagt al­les, und die ei­ne oder an­de­re Dre­sche. Der letz­te Be­griff stammt aus Sach­sen, der Hei­mat mei­nes Va­ters. Wit­zig, dass es in Bel­gi­en une drache heißt, das "ch" wird auf Fran­zö­sisch hier wie das deut­sche "sch" aus­ge­spro­chen.

Wer hat hier wen be­ein­flusst? Einst­mals spra­chen ja al­le Blau­blü­ter Fran­zö­sisch, und auch Sach­sen hat­te sei­nen Keenig.

Auf Fran­zö­sisch ken­nen wir une averse, une intemperie, al­les viel Was­ser, le crachin, wört­lich: Spuck­re­gen, une ondée, die dau­ert nicht lan­ge, la pluie tor­ren­tielle, da kommt mäch­tig viel aus den Wol­ken.

Dresche / - / heavy rain, pounding rain //  Husche / - / short, heavy rain // Landregen / - / steady rain //  Regenguss / - /  downpour // Schauer / une averse / shower // Schnurregen / - / continuous rain // Wolkenbruch / la pluie torrentielle / torrential rain // - / le crachin / drizzle // -  / une intemperie / inclement weather //  - /  une ondée / sudden shower
Es wird nass ...
In­te­res­sant sind auch die Ver­ben. Il pleut ist Hoch­fran­zö­sisch, il flotte gilt als vul­gär (eben­so: la flotte, das da­zu­ge­hö­ri­ge No­men). Auf Deutsch las­sen wir es (hier sub­jek­tiv auf­stei­gend) tröpf­eln, nie­seln, re­gnen, plad­dern (Ber­li­nisch), schüt­ten, gie­ßen.
Bei der klei­nen Über­sicht bestätigen die vielen Be­grif­fe auf Eng­lisch mal wie­der sämt­li­che Vor­ur­tei­le.

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I­llus­tra­tion: C.E.

Montag, 29. Juli 2024

Montagsschreibtisch (53)

Gu­ten Tag, bon­jour & hello! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Ber­lin, Hei­del­berg, Lyon und dort, wo ich ge­braucht wer­de.

Stehpultaufsatz mit Computer
Im Stehen lernen
Die ak­tu­el­len The­men sind:
 
⊗ Dreh­buch­über­set­zung
⊗ Nach­hal­ti­ger Land­bau und Ge­sund­heit

Das The­ma Bö­den be­schäf­tigt mich jetzt zum Ich-weiß-nicht-wie­viel­ten-Ma­le. Es wird noch län­ger ak­tu­ell blei­ben. Eben­so Bio­di­ver­si­tät, Kli­ma­schutz und öko­no­mi­sche Tran­si­tion.


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Fo­to: C.E., Ar­chiv (Kunst von Det­lef Balt­rock)

Sonntag, 28. Juli 2024

Picknickimprovisation

Seit 2007 blog­ge ich hier als Sprach­ar­bei­te­rin und ge­währe Ein­blicke in die Welt der Dol­met­scher und Dol­met­scherin­nen, Über­set­zer und Über­set­zerin­nen. Ich spre­che Fran­zö­sisch und Deutsch, manch­mal auch aus dem Eng­li­schen. Über­set­zun­gen, also ge­schrie­be­ne Spra­che, lie­fe­re ich nur ins Deut­sche, mei­ne Mut­ter­spra­che. Auch heu­te ar­bei­te ich. Und dann kam es zu ei­ner will­kom­me­nen Un­ter­bre­chung.

Draufsicht: Henkelmannschalen mit Essen, kariertes Geschirrtuch, das "karierte" Glasdach spiegelt sich im Deckel
Bon appétit !
Wenn ei­ne Kol­le­gin von vor 20 Jah­ren von ei­ner er­folg­rei­chen Be­wer­bungs­tour mit dem Zug durch Ber­lin fährt und die Bahn mal wie­der kei­nen Spei­se­wa­gen be­reit­ge­stellt hat, nut­ze ich ger­ne ei­ne ver­län­ger­te Um­stiegs­zeit und lie­fe­re ein klei­nes, im­pro­vi­sier­tes Pick­nick. Im Ca­te­ring heu­te: hart­ge­koch­tes Ei, Kohl-Lin­sen-Sup­pe und den be­rühm­ten Ap­fel.
Wit­zig, die For­men, das Run­de muss nicht ins Ecki­ge, wir sit­zen auf dem un­wirt­li­chen Haupt­bahn­hof und ver­su­chen, das stres­si­ge Um­feld zu ver­ges­sen. Nach ei­ner Stun­de reist die Kol­le­gin wei­ter.

Und eine An­zei­ge: Ge­sucht wird eine be­zahl­ba­re 1,5 bis zwei Zim­mer­woh­nung in Frank­furt, Of­fen­bach, Han­au oder Um­ge­bung, die Kol­le­gin ist un­be­fris­tet fest­an­ge­stell­te Kul­tur­ma­na­ge­rin und ar­bei­tet im Bil­dungs­be­reich, sie ist ruhig, zu­ver­läs­sig und ohne Haus­tie­re (vom ei­nen oder an­de­ren Buch­wurm mal ab­ge­se­hen), ab dem 1.9., für den Über­gang wäre ein Zim­mer in ei­ner Be­rufs­tä­tigen-WG schön!

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Foto: C.E.

Freitag, 26. Juli 2024

Mediendolmetschen (8)

Guten Tag oder gu­‍ten Abend! Sie le­‍sen in ei­‍nem Ar­‍beits­ta­ge­‍buch, das den The­men Spra­‍che, Dol­‍met­schen, Über­‍set­zen und Kul­‍tu­ren ge­‍wid­‍met ist. Als frei­‍be­‍ruf­li­‍che Sprach­‍mitt­le­‍rin ar­‍bei­te ich dort, wo ich ge­‍braucht wer­de, oft in der Dol­‍met­‍sch­ka­‍bi­ne, di­‍rekt bei Kun­den oder am Film­‍set.

Ob ich dem Nach­wuchs emp­feh­len wür­de, Über­set­zen und Dol­met­schen zu stu­die­ren mit dem Ziel, für Me­dien und Film zu ar­bei­ten? Da­rauf ein ganz kla­res Nein.

Dolmetscherin, Funkgerät, Mikro (Mobiltelefonie), 1. Rechner: Material, 2. Rechner: Ton vom Dreh, manchmal Kamerabild
Dolmetschen beim Dreh (vom Nebenzimmer aus)
Die­se Ar­beit geht nicht mit TV-Li­ve­shows los, dort lan­den nur sehr we­ni­ge, wer das ist, hängt letzt­lich vom Wohn­ort, von Zu­fäl­len und per­sön­li­chen Be­kannt­schaf­ten ab. Und na­tür­lich vom Ta­lent, der Flüs­sig­keit der Ar­beit, der Qua­li­tät der Stim­me. Zu­vor ist aber jahr­zehn­te­lan­ge Ba­sis­ar­beit nö­tig, auch auf nor­ma­len Kon­fe­ren­zen, die Gründe sind Geld und Trai­ning. Am häu­figs­ten ist im Be­reich Me­dien­dol­met­schen Ar­beit am Set ge­fragt.

Zu­min­dest war das bis­her so.

Vor­re­de: Vor ei­ni­ger Zeit wa­ren mir be­reits im Ar­te-Pro­gramm Deut­sche auf­ge­fal­len, die bei of­fen­sicht­lich in Deutsch­land ge­mach­ten Film­auf­nah­men Eng­lisch ge­spro­chen ha­ben. Nun wur­de mir ein Dreh­tag mit Dol­met­schen ab­ge­sagt. Die Re­dak­teurin ha­be es für lo­gi­scher ge­hal­ten, dass der Protagonist aus Deutsch­land die fran­zö­si­sche Re­gis­seu­rin in der Spra­che des bis­he­ri­gen Mail­ver­kehrs an­spricht. Pa­ra­dox und neu: Der Protagonist ei­nes Do­ku­men­tar­films, der mit Team und Ka­me­ra durch sein Vier­tel läuft und al­les zeigt, soll Eng­lisch spre­chen. Nur für die In­ter­view­se­quen­zen sei noch Ver­dol­met­schung nö­tig.

Sol­cher Sprach­misch­masch mit dop­pel­tem Fremd­sprach­ge­brauch ist meis­‍tens häss­lich und höl­zern. Hin­zu kommt, dass in bei­den Ver­sio­nen des Do­ku­men­tar­films, der fran­zö­si­schen und der deut­schen, in der je­wei­li­gen Sprach­fas­sung über den Ori­gi­nal­ton drü­ber­ge­spro­chen wer­den wird.

Das ist ein No­vum für den be­lieb­ten deutsch-fran­zö­si­schen Kul­tur­sen­der, bei dem bis­lang die Re­gel galt: Je­de(r) spricht in der Mut­ter­spra­che. Der Vor­gang ist Aus­druck des Miss­trau­ens ge­gen­über uns Dol­met­scher ­nen. Un­ser Ziel und Stolz ist es, das Ge­sag­te auf na­tür­li­che Wei­se zu ver­mit­teln, ei­nen ma­xi­ma­len Fluss zu er­rei­chen, so dass der Aus­tausch di­rekt und so na­tür­lich wird, dass wir als „Stim­me“ ver­ges­sen wer­den. Am En­de ist der Aus­tausch tie­fer und fühlt sich für die Be­tei­lig­ten 'nor­mal' an. Wir sind am bes­ten, wenn nie­mand un­se­re Ar­beit be­merkt.

Viel­leicht hat die Re­dak­teurin auch schlech­te Er­fah­run­gen mit Lai­en ge­macht. Das kommt nicht von un­ge­fähr. Die Sen­der ha­ben Pro­duk­ti­ons­bud­gets ge­kürzt. Heu­te jon­glie­ren vie­le Pro­duk­ti­ons­fir­men mit 70 Pro­zent des­sen, was vor zehn Jah­ren üb­lich war, und al­les wird teu­rer. Die­se Fir­men bie­ten un­se­rem­ei­nen in der lo­gi­schen Kon­se­quenz 20 Pro­zent mehr als die 100 Dol­lar an, die zur Zeit des Mau­er­falls üb­lich wa­ren. Wenn wir am En­de bes­ser be­zahlt wer­den, dann ist das das Er­geb­nis müh­sa­mer Ver­hand­lun­gen.

Wer kei­ne Pro­fis be­zah­len will, be­kommt auch kei­ne. Sehr oft wird auf Lai­en zu­rück­ge­grif­fen, die fünf Mi­nu­ten vor­zeig­bar durch­hal­ten. Dann er­schre­cken sie über das, was sie tun, die Hin­win­dun­gen wer­den zu ei­nem Sa­lat, in dem sie her­um­sto­chern. Oder die Men­ge des pro take Ge­sag­ten ist zu viel. Bei ge­film­ten In­ter­views lässt sich eben nicht Satz für Satz ar­bei­ten.

Dann steht die Sprach­bar­rie­re un­über­seh­bar im Raum. Sie wird auch im ge­dreh­ten Ma­te­ri­al sicht­bar.

Ich bin nicht über­rascht, ich bin scho­ckiert. Die Re­dak­teurin weiß nicht, wie wir Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten. Die Un­wis­sen­heit wird durch haus­ge­mach­te Pro­ble­me ver­schärft, das Bud­get! Da­raus er­gibt sich ei­ne wei­te­re "Er­fah­rung". In Sum­me sind bei ge­na­uem Hin­se­hen aber kei­ne Fach­kennt­nis­se, son­dern lai­en­haf­te Mei­nung. Nur: Wer sagt es ihr?

Vor al­lem aber wur­den Re­geln ge­bro­chen, die im Kul­tur­aus­tausch lan­ge selbst­ver­ständ­lich wa­ren. Es ist ein Akt der Di­plo­ma­tie und der Frei­heit, Men­schen ih­re ei­ge­ne Spra­che spre­chen zu las­sen. Ich muss an Genscher (*) den­ken, den ich 2010 ver­dol­met­schen durf­te. Zi­tat: „Auf Eng­lisch sa­ge ich, was ich sa­gen kann, aber in mei­ner Mut­ter­spra­che sa­ge ich, was ich sa­gen will.“

Und wo wol­len die An­stal­ten in ein paar Jah­ren den gut aus­ge­bil­de­ten, fach­lich spe­zia­li­sier­ten Nach­wuchs her­neh­men, wenn ihm nie­mand mehr die Chan­ce gibt, sei­ne Fä­hig­kei­ten am Set zu ver­tie­fen und zu ver­fei­nern?

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Foto: C. Weißgerber (Archiv)
*:
Hans-Diet­rich Genscher, dienst­äl­tes­ter
deut­scher Au­ßen­mi­nis­ter (1974 bis 1992)

Donnerstag, 25. Juli 2024

Prima Aussichten (2)

Wie Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, be­schrei­be ich hier seit 2007. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Deutsch (Mut­ter­spra­che), Fran­zö­sisch und Eng­lisch; mei­ne Bü­ro­kol­le­gin ar­bei­tet als Über­set­ze­rin, al­so schrift­lich, mit Ziel­spra­che Eng­lisch. Wer so lan­ge wie ich ein di­gi­ta­les Ar­beits­ta­ge­buch führt, kann sich selbst über die Schul­ter se­hen. Ein ko­mi­sches Ge­fühl! 

Im Som­mer ha­be ich kaum Le­se­rin­nen und Le­ser, da kann ich al­te Bei­trä­ge her­vor­kra­men, die sonst viel­leicht als "zu kri­tisch" ins Kreuz­feu­er der Kri­tik ge­ra­ten wür­den. It's throw­back thurs­day!

Vor ziem­lich ge­nau vor zwei Jah­ren (Link) hat­te ich bei der Ar­beit nicht et­wa aus Grün­den der Tem­pe­ra­tur ein Brett vorm Kopf, son­dern ei­ne Säu­le brach­te die Hin­win­dun­gen durch­ein­an­der. Der Stütz­pfei­ler stand fett im Weg rum.

Eine Säule versperrt den Blick auf die Leinwand
Säu­le mit Re­vi­si­ons­klap­pe
Es war bei ei­nem Hoch­som­mer­ein­satz, und Hit­ze kam noch on top. Wir ha­ben bei der abend­li­chen Auf­takt­ver­an­stal­tung so gut es ging ver­sucht, drum­her­um­zu­ar­bei­ten ... bis die Ver­an­stal­te­rin uns zum Glück am nächs­ten Mor­gen ei­ne gu­te Sicht ver­schafft hat. Nein, nicht die Säu­le wur­de ver­scho­ben, auch nicht die schwe­re Ka­bi­ne ver­rückt (ei­ne in ei­ner Rei­he von fün­fen); das Bild da­zu am En­de die­ses Links: klick!

Wenn Sie ei­ne Kon­fe­renz pla­nen und sich fra­gen, ob der Raum ge­eig­net ist: Prü­fen Sie die Lage vor Ort, den­ken Sie in Sicht­ach­sen! Im Zwei­fels­fall dür­fen Sie mich ger­ne an­ru­fen. Ich ha­be schon Mo­na­te vor dem Ein­satz Ka­bi­nen­stand­or­te in Grund­riss­plä­ne ein­ge­zeich­net.

In Ber­lin se­he ich mich auch vor Ort um. Wir ha­ben so­gar ei­nen Ent­fer­nungs­mes­ser mit La­ser im Bü­ro. Ich weiß, wie viel Platz für ei­nen Stuhl, für die Luft da­zwi­schen und für die Gän­ge vor­ge­se­hen ist. Wir sind be­ra­ten­de Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher und wir lie­ben gu­te Ar­beits­be­din­gun­gen!

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 24. Juli 2024

Kreatives Textübersetzen

Bonjour, hello & gu­ten Tag! Auf die­sen Sei­ten er­hal­ten Sie Ein­bli­cke in mei­nen Ar­beits­all­tag als Dol­met­scherin. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, und ich ar­bei­te haupt­säch­lich mit Fran­zö­sisch als Ausgangssprache. Als Dol­met­scherin bin ich al­ler­din­gs bi­la­te­ral tätig, in bei­de Rich­tun­gen, Eng­lisch grund­sätz­lich nur als Aus­gangs­spra­che. Da­für über­setzt mei­ne Büro­kol­le­gin ins Eng­li­sche.

Am Mon­tag er­hielt ich die An­fra­ge, ob ich ein KI-vo­rüber­setz­tes Dreh­buch re­di­gie­ren wol­le. Das an­ge­bo­te­ne Ho­no­rar be­trug nur 20 Pro­zent mei­nes üb­li­chen Sat­zes für ei­nen Text die­ses Schwie­rig­keits­gra­des. Mei­ne Ant­wort war klar: Nein, das will ich nicht. So­fort kam die Rück­fra­ge, ob ich je­man­den emp­feh­len kön­ne. Auch hier: Nein. Der Preis passt nicht zum Auf­trag, und der Auf­trag passt nicht zu ei­nem krea­ti­ven Text, der ei­ne ma­nu­el­le Über­set­zung er­for­dert.

Ich ha­be der po­ten­zi­el­len Kun­din nur kurz ge­ant­wor­te­t, möch­te mich aber hier aus­führ­li­cher er­klä­ren.

Ein Wald ist mehr als die Sum­me sei­ner Bäu­me

Über­tra­gen heißt das: Ein Text ist mehr als die Sum­me sei­ner Wör­ter. Au­tor:in­nen wäh­len be­stimm­te Be­grif­fe be­wusst, spie­len auf kul­tu­rel­le Phä­no­me­ne, Buch­ti­tel oder Film­zi­ta­te an, ver­mei­den ab­ge­nutz­te Be­grif­fe. Sie schaf­fen ein Ge­dan­ken­ge­flecht aus Ide­en und Be­zü­gen. All dies bleibt in ei­ner ma­schi­nel­len Über­tra­gung, die das Er­geb­nis an­ge­wand­ter Ma­the­ma­tik ist, auf der Stre­cke. Wir Men­schen in­des ken­nen das sprach­li­che und his­to­ri­sche Hin­ter­land der Begrif­fe, wir haben As­so­zia­tions­ta­lent, die Ma­schi­ne nicht. So­weit das kul­tu­rel­le Ar­gu­ment. 

Diverse merkwürdige Darstellungen von "Dolmetscher:innen"
Alles verrutscht. So sah 2023 die KI meinen Dolmetscherberuf
Nun zu mei­nem Zeit­bud­get: Beim so­ge­nann­ten Post-Edi­ting muss ich zu­erst den Aus­gangs­text und dann die ma­schi­nel­le Über­set­zung le­sen. Mei­ne Au­gen sind auf ge­druck­te Tex­te trai­niert, und es dau­ert län­ger, bis ich mich von ei­ner vor­ge­ge­be­nen "Über­set­zung" lö­sen kann. Spra­che ist im­mer auch Mu­sik. 

Der Klang der ma­schi­nel­len "Lö­sungs­vor­ga­ben" be­ein­träch­tigt zu­sätz­lich mei­ne Ar­beit. Es ver­geht al­so mehr Zeit, bis ich pro­duk­tiv wer­de.

Wört­er und Pro­so­die er­ge­ben den Stil ei­nes Tex­tes. Beim Auf­pep­pen ei­ner see­len­lo­sen Vor­la­ge kann ich nicht wirk­lich krea­tiv ar­bei­ten. Mein Ge­hirn ist dar­auf trai­niert, schnell aus Ver­si­on A die Ver­si­on B zu ma­chen — nicht um­sonst bin ich seit über 30 Jah­ren Dol­met­scherin und Kul­tur­ver­mitt­le­rin.

Zeit­auf­wand und Er­go­no­mie

Die­ses Hin und Her beim Edi­tie­ren hin­dert mich dar­an, in ei­nen krea­ti­ven Flow zu kom­men. Ich ver­su­che, gleich­zei­tig auf meh­re­ren Ebe­nen zu ar­bei­ten und ver­lie­re da­bei oft den Ge­samt­text aus den Au­gen. Auch die KI über­trägt nur von Satz­an­fang zu Satz­en­de, was zu ei­ner dop­pel­ten Kurz­sich­tig­keit führt. Ich schaf­fe ma­xi­mal die Hälf­te in der vor­ge­ge­be­nen Zeit und bin am En­de wirk­lich er­schöpft. 

Ein sol­cher Auf­trag wä­re al­so ein mehr­fa­ches Pro­blem hin­sicht­lich Zeit­auf­wand, Er­go­no­mie und Ar­beits­zu­frie­den­heit. Soll­te ei­ne Kun­din dar­auf be­ste­hen, dass ich ma­schi­nell vor­ge­wähl­te Be­grif­fe ver­bes­se­re, müss­te ich mehr als das Dop­pel­te mei­nes nor­ma­len Prei­ses ver­lan­gen.

Ein­zel­ne Ma­schen statt kunst­vol­les Text­ge­flecht

Rich­tig übel wird es, wenn ich mir den Aus­gangs­text er­neut in Ru­he vor­neh­me und dem kul­tu­rel­len und sprach­li­chen Hin­ter­land nach­spü­re. Beim ver­ba­len Bal­ken­tur­nen (im­mer der vor­ge­ge­be­nen Li­nie ent­lang) bleibt zu viel auf der Stre­cke. Ich kann mei­ne Kom­pe­ten­zen beim "Edi­ting" von ma­schi­nell "Über­setz­tem" nicht voll ein­brin­gen, weil al­les an der Ober­flä­che bleibt. Ein Text ist eben mehr als die Sum­me sei­ner Wör­ter. 

Kurz ge­sagt: Es fühlt sich an, als wür­de ich mit an­ge­zo­ge­ner Hand­brem­se ein Au­to­ren­nen fah­ren. Ein pas­sen­de­res Bild, da ich kei­nen Füh­rer­schein ha­be: Es ist, als müss­te ein Renn­pferd mit ei­nem al­ten Holz­kum­met ei­nen Acker pflü­gen, da­bei wis­sen wir doch heu­te, dass wir weg­müs­sen vom Pflü­gen, hin zur Di­rekt­saat!

Nach­re­de

Auf mei­ne Kurz­fas­sung ant­wor­tet die Kun­din, dass sich die ma­schi­nel­le Über­set­zung gar nicht so schlecht le­sen wür­de. Es sei recht flüs­sig, man müs­se nur ein paar "Stop­per" aus­tau­schen, den gro­ßen Auf­wand se­he sie nicht. Ich schi­cke ihr ei­nen Ab­satz, den ich von Hand über­setzt ha­be, di­rekt da­vor das ma­schi­nel­le Er­geb­nis und er­klä­re in Kom­men­ta­ren hier und da mei­ne Wort­wahl. Die Kun­din wird nun mit der Fir­men­lei­tung Rück­sprache hal­ten. Drückt mir die Dau­men!

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Fo­to: Dall:e (Vorgaben: realistic, 3D,
french, painting, historic)

Dienstag, 23. Juli 2024

It's hot, baby! (1)

Aus dem Ar­beits­­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten ei­ni­ges er­fah­ren. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te haupt­säch­lich mit Fran­zö­sisch, ein we­nig mit Eng­lisch. Sehr häu­fig dol­met­sche ich zu Um­welt- und Klima­the­men, Um­welt­tech­nik, Na­tur- und Flä­chen­schutz, Flä­chen­neu­in­an­spruch­nahme (ar­ti­fi­cia­li­sa­tion des sols) und nach­hal­ti­gem Bauen. Für mich ist es manch­mal schwer zu ver­ste­hen, dass nicht längst alle He­bel um­ge­legt wor­den sind ...

Teddybär und Stickdecke beim Trödler: "Schön Wetter"
Klima ist nicht gleich Wetter
Sta­tis­ti­ker ver­mel­den, dass sich die Zahl der jähr­li­chen Hitze­tage in Deutsch­land seit den 1950er Jah­ren bis heute auf neun Tage ver­drei­facht hat. Dem steht ein Rück­gang der "Eis­tage" ge­gen­über. Dazu zäh­len alle Tage, an denen die Luft­tem­pe­ra­tur unter null Grad Cel­si­us liegt. In den 50er Jah­ren waren es noch 28 per annum, heute sind es 19.
Des­halb geht es jetzt da­rum, die Städ­te an­ders zu pla­nen, mehr auf be­reits er­schlos­se­ne Flä­chen zu­rück­zu­grei­fen, den Be­stand klima­gerecht um­zu­bau­en, Stich­wort Schwamm­städ­te, mit Retentions­flä­chen, Zis­ter­nen und viel, viel mehr Grün als heute, auch an den Fassaden, in den Hö­fen und Gär­ten, um das Regen­was­ser dort zu sam­meln, wo Pflan­zen küh­len und Schat­ten spen­den.

Es gibt be­reits wun­der­ba­re Bei­spie­le für ver­ti­ka­le und hori­zon­ta­le Be­grü­nun­gen von Neu- und Alt­bau­ten, von Ab­luft­tür­men als über­di­men­sio­na­le Rank­sys­te­me und von Mikro­wäl­dern, auch Tiny Forest ge­nannt. (Un­se­re Stadt­vä­ter und -müt­ter soll­ten mal ei­nen Ab­ste­cher nach Singapur und Japan ma­chen — oder öfter die ent­spre­chen­den Fach­kon­fe­ren­zen be­su­chen).

Es fällt mir schwer, Men­schen zu ver­ste­hen, die ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen leug­nen oder auf na­tür­li­che Pro­zes­se schie­ben. Im Zug füh­re ich manch­mal sol­che Ge­sprä­che. Ich bin in­zwi­schen zu ei­ner Sa­la­mi­tak­tik über­ge­gan­gen. Ein paar emo­tio­na­le Zu­stim­mun­gen, un­ter­füt­tert mit ei­ge­nen Le­bens­er­fah­run­gen, könn­ten die Leu­te aufs rich­ti­ge Gleis set­zen, um im Bild zu blei­ben. Da war der zu hei­ße Ur­laub in Süd­eu­ro­pa, heute fühlt sich der Ost­see­strand oft an wie Ita­lien, ers­tes Ni­cken. Die Leu­te stim­men wei­ter zu, wenn wir auf die In­sek­ten zu spre­chen kom­men, die wir vor nicht all­zu­lan­ger Zeit im­mer von der Wind­schutz­schei­be krat­zen muss­ten bei län­ge­ren Fahr­ten.

Schmet­ter­lin­ge und Li­bel­len, ken­nen das die Kin­der von heute? Au­ßer dem "Klei­nen Kohl­weiß­ling" se­hen wir heute oft fast nichts mehr flie­gen. Und das Vo­gel­ge­zwit­scher ist lei­ser ge­wor­den. (Klei­ne Bio­lo­gie­stun­de für Lai­en: "Kein Wun­der, die fres­sen ja In­sek­ten!") ...

Irgend­wann den­ke ich laut über die ei­gent­lich lang­sa­me Evo­lu­tion nach, dass Pflan­zen und Tie­re nor­ma­ler­wei­se gar nicht so schnell wan­dern können, es sei denn, sie sind im Ballast­was­ser von Schif­fen ge­fan­gen oder ste­cken zwi­schen Wa­ren, die mit dem Flug­zeug kom­men. Be­vor mein Ge­gen­über auf krude pseu­do­wis­sen­schaft­li­che The­men kommt, len­ke ich das Ge­spräch auf die Ti­ger­mü­cke und die Ge­fah­ren neuer Krank­hei­ten. Oder die Zu­nah­me von Ze­cken, die ge­fähr­li­che Krank­hei­ten über­tra­gen, und das ver­mehr­te Auf­tre­ten von Tro­pen­ze­cken. Heute kennt lei­der je­der je­man­den, der an Bor­re­liose er­krankt ist. Das Ge­gen­über nickt wie­der.

Mir ist es wich­tig, Leug­ner durch sol­che Plaudereien be­hut­sam aus ih­rer ar­gu­men­ta­ti­ven Rit­ter­burg her­aus­zu­ho­len bzw. sie gar nicht erst rein­kom­men zu las­sen in ihr De­bat­tensche­ma mit den Sprach­stan­zen. Ich ma­che das hin und wie­der als Hob­by. Ich füh­re sie von den Tot­schlag­ar­gu­men­ten zu­rück auf den Bo­den ih­rer ei­ge­nen Be­ob­ach­tun­gen. Es geht mir dar­um, ih­re Auf­merk­sam­keit zu schär­fen, da­bei an ih­re Er­fah­run­gen an­zu­knüp­fen, ich brin­ge da­bei auch im­mer ei­nen ge­wis­sen Kon­ser­va­tis­mus ins Spiel. Der Be­griff be­deu­tet ja eigent­lich "be­wah­ren, er­hal­ten", und wir wol­len ja nicht noch mehr Ri­si­ken pro­vo­zie­ren, son­dern wün­schen uns für un­se­re An­ver­wand­ten und Freun­de eine Zu­kunft mit mög­lichst viel Si­cher­heit, oder?

Na­tür­lich ge­hört zur Si­cher­heit auch ei­ne ge­wis­se Be­rech­en­bar­keit. Beim The­ma Schie­ne ist es ähn­lich. Meis­tens sit­zen wir in ei­nem ver­spä­te­ten Zug. Irgend­wann be­nen­ne ich das Bahn­dra­ma als das, was es ist: Fol­ge der ge­plan­ten Pri­va­ti­sie­rung, der un­ter­las­se­nen In­ves­ti­tio­nen in Er­halt und Mo­der­ni­sie­rung, obwohl In­ves­ti­tio­nen in staat­li­che In­fra­struk­tur rech­ne­risch keine Schul­den sind, weil ih­nen ge­bau­te Ver­mö­gens­wer­te ge­gen­über­ste­hen, mit denen wie­der­um ge­ar­bei­tet wird, was Um­satz, Ein­kom­men und Steu­er­ein­nah­men ge­ne­riert.

Ich hoffe, dass In­dus­trie, Ban­ken und Ver­si­che­run­gen lang­sam mehr Druck auf die Po­li­tik aus­üben. In­ves­ti­tio­nen in den Klima­schutz sind bil­lig im Ver­gleich zu den Fol­ge­kos­ten, die sonst in ei­ni­gen Jah­ren und Jahr­zehn­ten auf uns zu­kom­men.

Zum The­ma wer­de ich wei­ter­le­sen und mir auch klei­ne Kärt­chen zum Aus­wen­dig­ler­nen ma­chen. Link zum PIK, für das ich schon ge­dol­metscht ha­be. Ich nen­ne das Ar­beit an der De­mo­kra­tie.

P.S.: Der letz­te Sonn­tag war welt­weit der hei­ßes­te Tag seit Be­ginn der Auf­zeich­nun­gen. Pr­osit!

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Foto: C.E. (ge­se­hen in Sach­sen)

Montag, 22. Juli 2024

Montagsschreibtisch (52)

Kabine, Monitore, Mischpult
Hier links sitzt der Techniker
Bon­jour & hel­lo! Sie lesen hier in einem di­gi­ta­les Tage­buch aus der Spra­chen­welt. Ich über­setze ins Deut­sche und dol­met­sche bi­la­te­ral Fran­zö­sisch und Deutsch so­wie aus dem Eng­li­schen. Die Früh­jahrs­sai­son wur­de vor allem durch Sommer­uni­ver­si­täts­ein­sät­ze ver­län­gert, von denen ei­ni­ge wie in Corona­zei­ten "re­mo­te" statt­fin­den. 

Puh, schon wie­der Mon­tag! Was liegt vor?

⊗ Nach­hal­ti­ges Bauen (Stu­di­en­grup­pe) 
⊗ Spiel­film­dra­ma­tur­gie (Nach­be­rei­tung)  
⊗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge schrei­ben 
⊗ Klei­dung durch­sehen und re­pa­rie­ren 

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Foto: C.E. (Archiv)

Samstag, 20. Juli 2024

Elite ist kein Fruchtjoghurt

Bon­jour und herz­lich will­kom­men! Hier bloggt eine Sprach­ar­bei­te­rin. Fran­zö­sisch in Ber­lin, Deutsch in Frank­reich, so geht mit mei­ner Sprach­kom­bi mei­ne De­fi­ni­ti­on für Dol­met­scher los. Wir müs­sen uns im­mer wie­der mit gro­ßer Leich­tig­keit an die Um­ge­bung an­pas­sen, die wir ver­to­nen. Heu­te: Lieb-Link der Wo­che!

Hans Sachs,  Holzschnitt von Michael Ostendorfer (1545)
Der his­to­ri­sche Hans Sachs (Holz­schnitt von 1545)
Schon als Schü­le­rin ha­be ich un­ter­schied­li­che Mi­lieus stu­diert, al­ler­dings eher un­frei­wil­lig. Ein­ge­schult wur­de ich in ei­ner mit­tel­hes­si­schen Uni­stadt, be­such­te die Grund­schu­le in der Nach­bar­schaft mit ei­nem ge­walt­tä­ti­gen Ex-Na­zi als Leh­rer. Als Freun­des­grup­pe wech­sel­ten wir im ers­ten Schul­halb­jahr ge­schlos­sen in ei­ne Grund­schu­le am Stadt­rand. 

Hier, im Neu­bau­ge­biet, lei­te­te ein al­ter, hu­ma­nis­tisch ge­präg­ter Di­rek­tor die Schu­le. Er war in den letz­ten zwei Jah­ren un­ser Klas­sen­leh­rer, er hieß Hans Sachs, ich ver­eh­re ihn bis heu­te.


Er präg­te das Kli­ma in der Schu­le, in der ge­stal­te­ri­sche Früh­er­zie­hung eben­so an­ge­bo­ten wur­de wie Chor­ge­sang. Sol­che kul­tu­rel­len Leucht­tür­me braucht je­der Stadt­teil. Die Nach­bar­schu­le war ei­ne neue Ge­samt­schu­le mit jun­gen Leh­rern, wir wech­sel­ten spä­ter wie­der als Grup­pe, und al­les in al­lem ein­fach toll. Es gab ein Sprach­la­bor, ei­ne Schul­kü­che, Holz- und Me­tall­werk­stät­ten, ein Fo­rum, das für de­mo­kra­ti­sche Pro­zes­se ge­nutzt wur­de und ei­ne sehr gro­ße Sport­hal­le. An der Schu­le tra­fen sich Kin­der aus den un­ter­schied­lichs­ten Schich­ten.

Dann, nach ei­nem Um­zug aufs Land und nach Ba­den-Würt­tem­berg: An ei­nem Pro­vinz­gym­na­si­um traf ich auf al­te Leh­rer­in­nen und Leh­rer mit zum Teil merk­wür­di­gen Me­tho­den. Ei­ner von pre­dig­te uns stän­dig, wir sei­en die Eli­te. Den Be­griff kann­te ich da­mals nur als Mar­ke ei­nes Frucht­jo­gurts, der spä­ter zur Haus­mar­ke ei­nes Dis­coun­ters wur­de.

Heu­te: Ge­dan­ken zu ei­nem um­strit­te­nen Be­griff und der Link zu ei­nem Zei­tungs­ar­ti­kel, der mir aus dem Her­zen spricht. Es fol­gen die Kern­the­sen von "Hilfe, ich bin eli­tär" aus der Fe­der von Georg Se­eß­len, die ta­ges­zei­tung, 17.7.2024. 

Der Be­griff „Eli­te“ wird oft miss­ver­stan­den und miss­braucht. Kei­ne Ge­sell­schaft kann oh­ne Eli­ten aus­kom­men, aber es ist ho­he Zeit, die Eli­ten zu de­mo­kra­ti­sie­ren und gleich­zei­tig der De­mo­kra­tie eli­tä­re Zü­ge zu ver­lei­hen.

Ei­ne Eli­te be­steht aus Men­schen, die über­durch­schnitt­li­che Fä­hig­kei­ten oder Kennt­nis­se ha­ben. Es gibt ver­schie­de­ne Ar­ten von Eli­ten, dar­un­ter be­ruf­li­che, wis­sen­schaft­li­che, po­li­ti­sche und kul­tu­rel­le Eli­ten. Je­de Be­rufs- und Wis­sens­ge­mein­schaft hat ih­re ei­ge­nen Eli­ten, und der ge­gen­wär­ti­ge Fach­kräf­te­man­gel kann auch als ein Man­gel an Eli­ten ver­stan­den wer­den.

Eli­ten sol­len Wis­sen, Macht und Ei­gen­tum kon­trol­lie­ren, aber nicht zu selbst­re­fe­ren­ti­el­len, macht­be­ses­se­nen Sub­sys­te­men wer­den. Rech­te Be­we­gun­gen rich­ten sich nicht ge­gen Eli­ten per se, son­dern nur ge­gen de­mo­kra­ti­sche Eli­ten.

Eli­ten soll­ten mit ih­ren Pri­vi­le­gi­en und ih­rer Macht ver­ant­wor­tungs­voll um­ge­hen und ih­re Ar­beit der Ge­sell­schaft zu­gu­te kom­men las­sen. Die Ge­sell­schaft braucht Eli­ten, aber sie müs­sen de­mo­kra­tisch kon­trol­liert wer­den und ihr En­ga­ge­ment muss al­len zu­gu­te kom­men.

Ei­ne der ers­ten For­de­run­gen muss des­halb lau­ten: Die bes­te Bil­dung für al­le!  Wo­mit ich wie­der bei Hans Sachs wä­re, nicht bei dem his­to­ri­schen Mann, son­dern bei dem Schul­di­rek­tor, über den im Netz lei­der nichts zu fin­den war.

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Il­lus­tra­ti­on (Wi­ki­me­dia): Hans Sachs, 

Freitag, 19. Juli 2024

KI-Murks (3)

Ein­‍blicke in den Ar­‍beits­‍all­‍tag ei­‍ner Dol­‍met­‍sche­‍rin kön­nen Sie hier neh­men. Mei­‍ne Mut­ter­‍spra­‍che ist Deutsch, ich ar­‍bei­te mit Fran­‍zö­‍sich und Eng­‍lisch; die Büro­‍kol­le­‍gin über­‍setzt in die Spra­‍che Shakes­‍peares. Na­tür­‍lich be­‍ob­‍ach­‍ten wir auch im Som­‍mer un­‍ser Ar­‍beits­‍ma­te­‍ri­‍al, die Spra­‍chen.

High-‍Tech-‍Fa­‍ser mal an­‍ders
Die Über­‍set­‍zer:‍in­nen­‍welt freut sich, wenn die KI z.B. aus dem bü­‍gel­‍lo­‍sen BH ei­‍nen draht­‍lo­‍sen BH macht, der dann in der "Übel­‍set­‍zung" zum ka­‍bel­‍lo­‍sen BH mu­‍tiert. Des­‍sous mit Funk­‍ver­‍bin­‍dung, très chic!
An­‍de­‍res Be­‍spiel: Mens­‍tru­‍a­ti­‍ons­‍un­ter­‍wä­‍sche, auf ei­‍ner Mo­‍de­‍web­‍sei­‍te ein­‍so­‍rtiert un­ter Män­‍ner­‍klei­‍dung. Der Grund da­‍für ist ein­‍fach. Die KI hat nur die ers­‍ten drei Buch­‍sta­‍ben "ge­‍le­‍sen", and it's a men's world.

Die all­‍seits be­‍lieb­‍ten "to­‍ten Ta­‍schen" (KI-Schreib­‍wei­‍se) wer­den ger­‍ne von den To­‍te-‍Ho­‍sen-‍Fans ge­‍tra­gen. Ich bin kei­‍ne Fa­‍shio­‍nis­ta und ler­ne: Die "To­‍te Bag" (weil DIE Ta­‍sche), Lang­‍fas­‍sung 'To­‍te Bag Shop­‍per', wird über der Schul­‍ter, am Arm oder als Um­‍hän­‍ge­ta­‍sche ge­‍tra­gen."

Nur die KI zu bas­‍hen ist mir zu lang­‍wei­‍lig. Ich spin­ne das The­‍ma wei­‍ter. Auf Fran­‍zö­‍sisch hieß ei­‍ne grö­‍ßere Hand­‍ta­‍sche einst­‍mals bai­‍sen­‍vil­le.
20 Jah­‍re als Dol­‍met­‍sche­‍rin in der di­‍plo­‍ma­‍ti­‍schen Welt ha­‍ben Spu­‍ren hin­‍ter­‍las­‍sen. Ich ha­‍be Mü­‍he, den Be­‍griff wört­‍lich zu über­‍tra­gen ... aber es wird gleich deut­‍lich.

Es geht al­‍so um das et­‍was grö­‍ße­‍re Ta­‍ges­ge­‍päck, die et­‍was klei­‍ne­‍re Rei­‍se­‍ta­‍sche. Ich habe bai­‍sen­‍vil­le aus der Li­‍te­‍ra­‍tur als ein Uni­‍sex-‍Ac­‍ces­‍soi­re in Er­‍in­‍ne­‍rung, Sei­‍tensprün­ge sind ja nicht vom Ge­‍schlecht ab­‍hän­‍gig, ich habe das Wort ein einziges Mal gehört, das war im Se­‍mi­‍nar an der Uni, viel­‍leicht wur­‍den die ech­‍ten Fran­‍zö­‍sin­‍nen und Franzo­‍sen im Raum aus den glei­‍chen Grün­‍den wie ich oben nicht deut­‍lich. Denn das Netz be­‍steht dar­‍auf, dass es ei­‍ne Män­‍ner­‍ta­‍sche oder ein klei­‍nes Köf­‍fer­‍chen sei, und heu­‍te ein Re­‍vi­‍val er­‍le­‍be.

Le Bai­‍sen­‍vil­le oder le bai­‍se-‍en-‍vil­le, das un­‍ver­‍än­‍der­‍li­‍che männ­‍li­‍che No­‍men geht der Quel­‍le zu­‍fol­ge auf das Jahr 1934 zu­‍rück und sei sehr um­‍gangs­‍spra­‍chlich. Das Ge­‍päck sol­‍le ac­‍cueil­‍lir le strict né­‍ces­‍sai­‍re pour pas­‍ser une nuit hors du foy­‍er, heißt es, al­‍so das Mi­‍ni­‍mum des­‍sen auf­‍neh­‍men kön­‍nen, was für ei­‍ne Nacht au­‍ßer­‍halb nö­‍tig ist (oder si­‍cher auch für ein klei­‍nes "5 à 7", sie­‍he un­‍ten, Links fol­‍gen).

Die Zeit um 1934 in Fran­‍k­reich wird im Netz in fol­‍gen­‍den Kon­‍text ge­‍stellt: C'était une épo­‍que d’o­‍pu­‍len­‍ce qui voit éclore la so­‍cié­‍té de con­‍som­‍ma­‍ti­‍on et avec une nou­‍vel­le ma­niè­‍re de vi­‍vre où il est ques­‍tion de pro­‍fi­‍ter de la vie ! Le cli­‍mat est lé­‍ger et le ba­‍di­‍na­‍ge amou­‍reux, for­‍cé­‍ment de mi­‍se ! Le bai­‍sen­‍vil­le est donc à pren­‍dre au pied de la let­‍tre, il con­‍tient le kit de sur­‍vie né­‍ces­‍sai­‍re à une soi­‍rée de dé­‍couch­‍a­‍ge. Un pas­‍sé sul­‍fu­‍reux très bien as­‍su­‍mé par ces nou­‍veaux por­‍teurs, qui l'ap­‍pré­‍cient pour son as­‍pect mo­‍de mais éga­‍le­‍ment pour son his­‍toire qui en fait sou­‍ri­‍re plus d'un.

Rasch von Hand über­‍tra­gen: "Es wa­‍ren Jah­‍re des Über­‍schw­‍angs und der Fül­‍le, in der die Kon­‍sum­ge­‍sell­‍schaft ent­‍steht und mit ihr ei­‍ne neue Le­‍bens­‍wei­‍se, und zwar das Le­‍ben in vol­‍len Zü­‍gen zu ge­‍nie­‍ßen. Die Stim­‍mung ist leicht und amou­‍rö­‍ses Ge­‍plän­‍kel ge­‍hört ein­‍fach da­‍zu! Die "Bai­‍sen­‍vil­le" ist al­‍so wört­‍lich zu ver­‍ste­‍hen, es ent­‍hält das Über­‍le­‍bens­‍not­‍wen­‍di­‍ge für die lust­‍voll aus­‍häu­‍sig ver­‍brach­‍te Nacht. Über das er­‍neut in Mo­‍de ge­‍kom­‍me­‍ne Ac­‍ces­‍soi­re und die schlüp­‍fri­‍ge Ge­‍schich­‍te, die da­‍bei mit­‍schwingt, wird heu­‍te­‍zu­‍ta­‍ge wis­‍send ge­‍schmun­‍zelt."

Das frag­‍li­‍che Ge­‍päck­‍stück könn­‍ten wir ein Tech­‍tel­‍mech­‍tel­‍täsch­‍chen nen­‍nen. Ich ha­‍be mich für die kur­‍ze Über­‍set­‍zung ein we­‍nig auf dem da­‍zu­ge­‍hö­‍ren­‍den Wort­‍feld um­ge­‍se­‍hen. Wä­‍re das hier ein Über­‍set­‍zungs­‍auf­‍trag, wür­‍de ich Groß­‍stadt­‍ro­‍ma­‍ne der da­‍ma­‍li­‍gen Zeit zur Hand neh­‍men, zum Bei­‍spiel "Das kunst­‍sei­de­‍ne Mäd­‍chen" von Irm­‍gard Keun. Aus den Hirn­‍win­‍dun­‍gen kra­‍me ich ne­‍ben dem Tech­‍tel­‍mech­‍tel noch das Rum­‍pous­‍sie­‍ren her­‍vor. Aber ein Wort für ein ent­‍spre­‍chen­‍des Hand­ge­‍päck ist mir auf Deutsch nicht be­‍kannt.

Okay, Ma­‍da­‍me nimmt al­‍so die to­‍te Ta­‍sche mit zum Stell­‍di­‍chein, sie­‍he den ein­‍gangs rap­‍por­‍tier­‍ten Über­‍tra­‍gungs­‍feh­‍ler durch die KI, und ich sie­‍de­le das Gan­‍ze in Mün­‍chen an und bas­‍te­le ihr ein Gspu­‍si­‍da­‍scherl, Mon­‍sieur kommt mit der Bai­‍sen­‍vil­le, das bi­na­‍tio­‍na­‍le Ren­‍dez-‍vous mit vui Gfui kann be­‍gin­‍nen. So­‍lan­‍ge der Wlan-‍BH dann nicht den Stand­‍ort funkt ...

Ver­‍bun­‍de­‍ne Ein­‍trä­‍ge (z.T. im Netz ver­‍schwun­‍den, Re­‍cher­‍che läuft!)
— Du 5 à sec: Link folgt
— Le lit na­tio­‍nal: 1. Link (ak­‍tiv), 2. Link (folgt)
— Das Ren­‍dez-‍Vous: 1. Link (ak­‍tiv), 2. Link (folgt)

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Fo­‍tos: Netz­‍fun­‍de (be­‍ar­‍bei­‍tet)

Donnerstag, 18. Juli 2024

Prima Aussichten (1)

Guten Tag oder gu­‍ten Abend! Sie le­‍sen in ei­‍nem Ar­‍beits­ta­ge­‍buch, das den The­men Spra­‍che, Dol­‍met­schen, Über­‍set­zen und Kul­‍tu­ren ge­‍wid­‍met ist. Als frei­‍be­‍ruf­li­‍che Sprach­‍mitt­le­‍rin ar­‍bei­te ich dort, wo ich ge­‍braucht wer­de, oft am Film­‍set, bei Kun­den oder in der Dol­‍met­‍sch­ka­‍bi­ne. 

Dolmetscherin im Dunkel der Kabine, gestikuliert, Blick gesenkt
So sieht der Blick IN die Ka­‍bi­‍ne aus
In der Som­‍mer­‍pau­se dür­‍fen wir Dol­‍met­‍scher und Dol­‍met­‍sche­‍rin­nen durch­‍at­men und Mus­‍kel­‍ka­ter ab­‍bau­‍en.

Das Hirn hat manch­‍mal wel­‍chen, aber auch an­de­‍re Mus­‍keln sind ge­‍for­‍dert. Oben ha­‍be ich die Dol­‍met­‍sch­ka­‍bi­nen er­‍wähnt. Nun, es gibt da sol­‍che und sol­‍che Bo­‍xen.

Heu­te bringt uns mein Throwback thurs­day zu ei­‍ner her­‍aus­‍for­‍dern­den Aus­‍sicht! 
Bitte hier ent­‍lang: klick!


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Fo­‍to:  Merci beaucoup à Pierre-Jérôme
Adjedj, Pidji Photography

Mittwoch, 17. Juli 2024

Korridor

Durch Zu­fall oder Ab­sicht sind Sie hier auf den Sei­ten ei­nes di­gi­talen Tage­buchs aus der Ar­beits­welt ge­lan­det. Was Dol­met­scher und Über­setzer tun, be­schäf­tigt mich hier. (Ich be­nutze heu­te den männ­li­chen Ober­be­griff, um im Netz bes­ser ge­sehen zu wer­den, ob­wohl wir in der Mehr­zahl Frau­en sind). In mei­nem Be­ruf ha­ben wir ein selt­sa­mes Hobby: Wir sam­mel­n Be­griffe (und das Wis­sen da­hin­ter). 

End­lich, end­lich wird die Bahn von Grund auf sa­niert bzw. wer­den gan­ze Ab­schnit­te neu ge­baut. Den An­fang macht die Strecke Frank­furt-Mann­heim.
Blick auf Schienenstränge
Blick aus mei­nem 2. Wohn­zim­mer­fens­ter

Als Dol­met­sche­rin und Fa­mi­lien­frau le­ge ich der­zeit 40.000 Ki­lo­me­ter im Jahr mit der Bahn zu­rück. Lan­ge Zeit wur­de mir ein per­sön­li­ches Bahn­pech nach­ge­sagt, die rei­hen­wei­sen Ver­spä­tun­gen, von de­nen ich im Fa­mi­lien- und Freun­des­kreis be­rich­ten konn­te, gal­ten als le­gen­där. Ir­gend­wann griffen die Me­di­en die La­ge auf, nein, nicht mei­nen se­ri­el­len Är­ger, die Ge­samt­la­ge na­tür­lich!

Heu­te fal­len mir den Me­di­en Be­griffe auf. Ein we­gen Sa­nie­rungs­ar­bei­ten ge­sperr­ter Stre­cken­ab­schnitt wird von der Bahn "der Kor­ri­dor" ge­nannt, hö­re ich ges­tern in den Nach­rich­ten. Spon­tan den­ke ich, auf Fran­zö­sisch wür­den wir hier le tronçon sa­gen, zu­rück­über­setzt bie­ten sich Al­ter­na­tiven zum "Kor­ri­dor" an, näm­lich: Stre­cken­ab­schnitt oder Teil­strecke.
Wer viel weiß, sieht auch, wie viel sie oder er nicht ein­mal ahnt. Cogito et cetera. Ich bin sehr für ei­nen all­ge­mei­nen Bil­dungs­op­ti­mis­mus.

Al­so schla­ge ich nach und ler­ne: Ein "Bahn­kor­ri­dor" ist eine zen­tra­le Ver­bin­dungs­ach­se im Schie­nen­netz, Sy­no­ny­me sind "Ei­sen­bahn­kor­ri­dor", "Ver­kehrs­kor­ri­dor" oder eben ver­kürzt "Kor­ri­dor". Da­bei kommt es auf die zen­tra­le La­ge und der Nut­zungs­in­ten­sität des Ab­schnitts an; der Be­griff kann so­wohl stark fre­quen­tier­te Ver­bin­dun­gen des Gü­ter- als auch des Per­so­nen­ver­kehrs be­zeich­nen.

Wie­der et­was ge­lernt. Ob es wohl einen ähn­li­chen Be­griff im Fran­zö­si­schen gibt? Eine kur­ze Su­che im Netz hat spon­tan nichts er­ge­ben. Mal se­hen, ob sich hier je­mand mel­det, die oder der es weiß.

Das Ge­gen­teil des oben Be­schrie­be­nen ist der Dun­ning-Kru­ger-Effekt: Leu­te, die von et­was ein Fit­zel­chen Ah­nung ha­ben, stei­gern sich durch gren­zen­lo­se Selbst­über­schät­zung in ver­meint­li­ches Ex­per­ten­tum hin­ein und ma­chen sich da­mit sehr laut sehr lä­cher­lich. Ei­gent­lich. Da die Häl­fte der öf­fent­li­chen Kom­mu­ni­ka­tion im Netz und in den "a­so­zia­len Me­di­en" aus so et­was be­steht, schei­nen im­mer we­ni­ger Men­schen ein Be­wusst­sein für diese Art von Pein­lich­keit zu ha­ben.

Ich ken­ne mei­ne Wis­sens­ge­bie­te und bin an­son­sten be­schei­den. Wich­tig ist, wo wir In­for­ma­ti­onen fin­den und wen wir fra­gen kön­nen und zu ler­nen, die ei­ge­nen Quel­len ein­zu­schät­zen. Das sind ne­ben Le­sen, Schrei­ben, Den­ken und Spre­chen die wich­tigs­ten Kul­tur­tech­ni­ken. Wich­ti­ger als der Füh­rer­schein!

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Foto:
C.E. (Archiv)

Dienstag, 16. Juli 2024

Schnack-Snack (4)

Wie Über­set­zerin­nen und Dol­met­scherin­nen ar­bei­ten, aber auch Über­set­zer und Dol­met­scher, er­fah­ren Sie auf die­sen Sei­ten. Als Deutsch-Mut­ter­sprach­le­rin mit Zweit­spra­che Fran­zö­sisch bin ich Teil ei­nes in­ter­na­tio­na­len Netz­werks. Mei­ne Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Als Sprach­wis­sen­schaft­le­rin ha­be ich im­mer ein Au­ge auf Wör­ter und Schreib­wei­sen.

Mit "Dep­pen-Apostroph"
Kurz­nach­rich­ten­dia­log am Mo­bil­te­le­fon mit ei­ner Mit­ku­ren­den, als ich an der See war:

— Ich geh ein kau­fen, brauchs­te was?
— Was gehst du kau­fen? Wo?
— Wie im­mer.
— Ver­steh' ich nicht.
— Obst + Voll­korn­ Brot, wie im­mer und noch Ken's Ei's. Soll ich dir eins mit ­brin­gen?

Nein, bloß nicht! Ich will kein Ei von Ken! Im Ernst, sie mein­te ei­ne Eis­die­le bzw. den Eis­wa­gen. Die zwang­haf­te ge trennt Schrei­bung nervt.

Die letz­te Recht­schreib­re­form hat uns die­se all­ge­mei­ne Ver­un­si­che­rung ein­ge­brockt. Die Da­me hat stu­diert und zwei Kin­der durch die Grund­schu­le be­glei­tet.

Dan­ke, ich ha­be kei­ne Fra­gen mehr.

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Il­lus­tra­ti­on: Dall:e, im Stil von Henri Ma­tis­se