ÜBERSETZEN IST HANDWERK, DOLMETSCHEN IST MUNDWERK
Caroline Elias, Dolmetscherin für Deutsch und Französisch in Berlin
· Konferenzen · Politik und Wirtschaft · Wissenschaft · Medien · Delegationsreisen ·
Was ich anbiete
Dienstag, 6. August 2024
KI-Murks (4)
Montag, 5. August 2024
Montagsschreibtisch (54)
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| In die Tasten hauen |
⊗ Lexik zum Thema Wohnungsrenovierung wiederholen
⊗ siehe letzte Woche
Foto: C.E. (Archiv)
Sonntag, 4. August 2024
Unter Palmen
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| Wohnung mit Blick auf den Eiffelturm! |
Ich wünsche allseits gute Erholung!
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| Zwischen Balkonien und Freiluftarbeitsplatz |
Fotos: C.E.
Samstag, 3. August 2024
Fortbildung (2)
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fordert mich auf, mich in Sachen Künstlicher Intelligenz (KI) fortzubilden, obwohl ich es bin, die Fortbildungsinhalte anzubieten hätte, liebe FAZ. Die Zeitung schreibt, dass jede/r Dritte in Deutschland Angst habe, bald durch die Künstliche Intelligenz (KI) arbeitslos zu werden. 37 Prozent der Erwerbstätigen hätten zwar schon mal mit ChatGPT herumgespielt, aber sonst wenig Erfahrung, und 63 Prozent seien noch völlig 'unbedarft', so die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des TÜV vom Oktober letzten Jahres.
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| So sieht die KI unseren Beruf |
Dabei, und scusi für die Redundanz, liebe Stammleserinnen und Stammleser, arbeitet die Maschine nach mathematischen Wahrscheinlichkeiten, ist selbst nichts anderes als Hardware, Strom und Signale. Sie kann per definitionem kein "SprachGEFÜHL" haben. Sie bildet den Durchschnitt aller Texte ab, die dem System bis zum Zeitpunkt x zugänglich waren. Und das System "lernt" weiter, erkennt Formen, Farben und Muster. Aber das lässt noch lange nicht auf ein Gefühl schließen, denn dieses müsste auf Erfahrung, Angst, Schmerz und Verletzlichkeit beruhen.
Die Spracharbeiter:innenwelt muss aus dem Schatten treten und eigenständig Inhalte anbieten. Lange Zeit waren wir stolz auf unsere Unsichtbarkeit. Kollege Konstantin Angourias sprach sogar von der "Idealisierung der Unsichtbarkeit als Credo". Touché.
Wenn man unsere Arbeit nicht bemerkt hat, war alles gut; im Prinzip fallen nur Fehler auf. Wer auf dem rutschigen Parkett der diplomatischen Welt verkehrt, ist von Berufswegen Leisetreter. Konstantin Angourias hat ein weiteres Problem benannt, nämlich dass ganz grundsätzlich und auch in anderen Branchen gerade der Wert menschlicher Arbeit durch Technikgläubigkeit entwertet wird.
Was wir als Antwort darauf brauchen, ist ein Schlachtruf! Wir brauchen einen Slogan, eine schlagwortartige Zusammenfassung der Misere, Analogien, international taugliche Begriffe mit aussagekräftigem Hinterland. #InvisibleTranslators oder #GhostTranslators waren die ersten Ideen von Konstantin, dabei fehlen neben Untertitel- und Dolmetscherwelt auch die Leute, die in einfacher Sprache schreiben sowie die Filmbeschreiber:innen für Menschen, die aufs Hören angewiesen sind. Als Erweiterung könnte man an #InvisibLinguists denken.
Weitersuchen! Sichtbar werden! Aus dem Schatten zu treten ist für mich nichts Neues. Ich kann meine fragenden Augen trotz hochbrechender Brillengläser nur schwer verbergen, falle aus der Menge schon deshalb heraus, weil ich erst kurz vor 180 cm das Wachstum eingestellt habe, und ich mache bei Delegationsreisen auf dem Weg von A nach B zwischen zwei Einsätzen keinen Hehl aus meiner kulturellen und stadtgeschichtlichen Bildung. Wenn es gewünscht wird, und in 99 Prozent der Fälle freuen sich die Gäste darüber, erkläre ich, wo wir gerade sind. Mit der Bildung ist es wie mit der Liebe, sie vermehrt sich, wenn wir sie teilen.
Aber für die eigenen Interessen zu kämpfen, ist eine andere Hausnummer. Das fällt auch mir schwer. Jetzt können, nein müssen wir lernen, laut zu werden. Wir dürfen aufzeigen, dass die "Ergebnisse" der maschinellen Verarbeitung oft entstellende, fehlerbehaftete #Übelsetzungen sind. Dass diese #Bausteintexte auf den ersten Blick ganz flüssig zu lesen sind, merkt die werte Kundschaft schon selbst. Das ist allerdings ein Teil des Problems, da es zu einer zu hohen Akzeptanz (gepaart mit naiver Technikgläubigkeit) geführt hat. Die Probleme liegen allerdings im Detail, in den Nuancen, und da sind wir auch schon wieder beim Thema Diplomatie. Was nicht alle wissen: Die KI überspringt, was ihr komisch vorkommt, sie erfindet, fabuliert frei oder spuckt gerne mal das Gegenteil dessen aus, was beabsichtigt war.
KI-Tools sind #Werkzeuge für die Hände ausgebildeter Fachleute, die sich ihrer bedienen, die sie steuern, Ideen sammeln, Texte strukturieren und Entscheidungen über die angebotenen "Lösungen" treffen. Die Outputs sind lediglich Angebote, gewissermaßen unterschiedliche Baustoffe, und häufig schlicht unbrauchbar. Es kommt immer auf den Ausgangstext an. Und dann auf die Profis. Ein Haufen Material mit Perlmutt und Ebenenholz und der Hammer daneben macht noch keinen Intarsientisch!
Es gibt noch einen wichtigen, bislang kaum beachteten Aspekt. Die Überschätzung der KI droht junge Menschen davon abzuhalten, Sprachen zu lernen und sich für Sprach- und Kulturmittlung zu interessieren. Wer nachfragt, erfährt, dass wir Linguist:innen die Kontrollinstanz für die Technik sein sollen und dass am Ende nur die Besten der Besten für das diplomatische und politische Parkett gebraucht würden, also dort, wo Fingerspitzengefühl und absolute Vertraulichkeit gefragt sind. Hohe Qualität fordert aber auch die Industrie, Stichwort Patententwicklung und Datenschutz, fordert auch die Ingenieurswelt, Stichwort Sicherheit, fordert auch die Juristerei, Stichwort Gewährleistung und drohende Prozesswelle bei Fehlern.
#Berufsethik #MenschUndMaschine #Technik #Emotionen #Grenzen #Entwicklung
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Illustration: pixlr.com
Freitag, 2. August 2024
Landware
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| Romantischer Markt |
Aber in die Richtung plastikfreie Materialien muss die Reise gehen, back to the future. Ich schweife ab in einen Tagtraum. In den 80er Jahren gab es in Paris noch auf jedem Markt die gleichen Holzkisten; es gab die guten, stabilen wie auf dem Bild hier, aber immer öfter auch die leichten aus dünnem Sperrholz.
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| Fast eine Zeitreise |
Als Studentin habe ich nicht in Hörweite des Marktes gelebt. Diese Klanglandschaft habe ich erst heute. Am Abend dann, wenn in Berlin die Straßenfeger weg sind und bevor ab 22.00 Uhr der Technolärm im Club nebenan losgeht, ein Unding in einem Wohngebiet, höre ich die Grillen zirpen und die Enten schnattern. Ab und zu fliegen Schwäne über den Kanal, das klingt wie rostige Gießkannen. Die Mauersegler, die Berlin eigentlich erst um den 6. August verlassen, scheinen schon weg zu sein, der Anfang vom Ende des Sommers. Wir dürfen mit einem frühen Kälteeinbruch und hohen Minusgraden im Winter rechnen.
Donnerstag, 1. August 2024
Marktvielfalt
Liebe Gäste, liebe Leserin, lieber Leser, heute wird's touristisch! Naja, wenigstens ein bisschen. Direkt vor meiner Berliner Residenz mit Arbeitszimmerbalkon am Maybachufer gibt es einen Wochenmarkt, der dienstags und freitags seine Pforten öffnet. Also morgen wieder.
Hier finde Hobbyköchinnen und Hobbyschneider alles, was das Herz begehrt, exotische Fische und Früchte, schöne Stoffe und Knöpfe, Haushaltswaren und selbstgerührte Seifen. Seit über 25 Jahren residiere ich hier durchgehend im Sommer, in den Kongressfrühjahrs- und Herbstmonaten bin ich oft auf Dienst- und im Winter nicht selten auf Bildungsreise.
In all den Jahren begleitet mich ein typisches Linguistenhobby: Wörter sammeln. Einige Schilder hatte ich hier bereits vorgestellt. Heute präsentiere ich die neueste Trouvaille, die mein Lieblingsmensch entdeckt hat. Und ja, das ist Fremddeutsch oder -englisch. Nicht jeder bekam diese Idiome von klein auf mit. Ich liebe diese Fundsachen.
So ein Marktbummel kann sehr nahrhaft sein. "Granny Simitis" ist meine liebste Apfelsorte, schmeckt nicht nur jüdischen Omas. (Irgendwie klingt es auch etwas griechisch. War ein Gemüsestand neben dem Antipastigriechenwagen, vielleicht Familie.) Vor allem im Herbst erfreuen wir uns an "Esst Katsanien!" ... Die besten Pilze, die "Champions", sind auch außerhalb von Olympiazeiten Spitze — zu finden am Biostand.
Und wer dann einen Absacker braucht, kann am Büdchen in der Nähe, Berliner sagen gerne "Kioks", in Hessen wäre das eine "Trinkhalle", sein Wegbier kaufen, oder eben am "Späti", einem richtigen Berliner!
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Fotos: C.E. (z.T. Archiv)
Mittwoch, 31. Juli 2024
Le hinterland (4)
Die KI verändert das Berufsfeld. Übersetzer:innen sehen sich häufig vor die Herausforderung gestellt, nur noch von der KI vorübertragene Texte "korrigieren" zu müssen, heute vor einer Woche habe ich darüber geschrieben. Und jetzt sitze ich an ebendieser Drehbuchübersetzung!
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| So sieht mich die KI |
Hier die Kurzfassung: Jede Kultur prägt ihre Sprache, ihre Moden und ihre Begriffe, die nicht allein im Raum stehen, wie die Meister der KI anzunehmen scheinen, sondern ein kulturelles Hinterland haben. Dieses Hinterland ist von Sprachraum zu Sprachraum, von Region zu Region, von Generation zu Generation, ja sogar von Familie zu Familie möglicherweise anders. Wir Menschen machen uns kundig, erkennen auch das eigene Nichtwissen, recherchieren und finden Worte, bei denen das Hinterland mit hindurchscheint, zumindest für viele Menschen der aktuell lebenden Generationen.
Sie können sich nur schwer vorstellen, was ich meine? Denken Sie einfach kurz einmal an folgende Begriffe: Rote Grütze, Sachertorte, Apfelkuchen. Schauen Sie mal auf die Bilder, die jetzt vor Ihrem inneren Auge auftauchen. Denken Sie sich kurz in Situationen hinein, in denen Sie das gegessen haben.
Glauben Sie, dass es viele Menschen gibt, die hier bei allen drei Begriffen an das Gleiche denken?
Für mich wären das: Sommerferien in Sachsen, Beerenlese im Eins-zu-eins-Modus (ein Teil Mund, ein Teil Schale), die alte Puddingform, die bis heute "die Wild-Großmutter" heißt, weil eine "Oma Wild" in Florenz vor etlichen Generationen ein ähnlich rundes Gesicht hatte. (Hier habe ich etwas ähnliches im Online-Museum Rheinland-Pfalz gefunden: klick!) Oder: Wien, Pferdemist auf den Straßen, Hufgeklapper, Regen, die Wohnung einer alten Nenntante, die aus einer Zimmerflucht und Museumsmöbeln bestand. Oder: gedeckter Apfelkuchen mit Vanilleeis unter Bäumen, auf dem Land, mit einer Reisedelegation aus der Sahelzone im Auftrag des Auswärtigen Amtes, das war gefühlt erst "neulich".
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| Madeleines mit Lavendel |
Das war jetzt weit ausgeholt. Meistens geht es einfacher. Aber es sind genau diese Hinterländer von Wörtern, die uns "Humanübersetzer", wie eine Agentur neulich schrieb, in der Wortauswahl beeinflussen. Wir denken und arbeiten langsam, also nicht dieses eine Wort, hm, das ist zu neutral, ich benötige eines, das dem dieses und jenes anklingen lässt ... was natürlich jeweils vom Sinnzusammenhang des Textes abhängt.
Die KI "kann" Kontext nur bedingt, sie denkt meistens von Satzende zu Satzende, manchmal von Textende zu Textende (das ist zum Beispiel bei der Bearbeitung von "Prompts" durch ChatGPT der Fall). Schon Überschriften und Bildunterschriften liegen aufgrund der Programmierung von Online-Texten derzeit oft außerhalb des "Blickfelds". Und jüngere Publikationen zum gleichen Thema, die wir Menschen mit einem Klick im Netz finden, tauchen im KI-Algorithmus derzeit gar nicht auf.
Der Wandel des Übersetzungsmarktes ist also weniger eine Herausforderung für die eigene Arbeitsweise als vielmehr für unsere Direktkundinnen und -kunden. Damit fällt er allerdings auf uns zurück: Wir müssen ja, damit es zum Auftrag kommt, Dinge geraderücken. Dafür brauchen wir erst erstmal eine Gelegenheit, um Argumente auszutauschen. Wir brauchen die Chance, erklären zu dürfen, dass es eine großen Diskrepanz gibt zwischen vollmundigen PR-Versprechen und harter Wirklichkeit. Kurz: Wir müssen uns überlegen, wo wir noch diese "Nachhilfe" in Sachen Möglichkeiten und Grenzen der KI noch platzieren können.
Erklären, was an der Basis los ist, müssen auch viele Arbeitnehmer:innen, die sich von ihrer Chefetage aufgrund der Verheißungen der neuen Technik vor Aufgaben und Zeitvorgaben gestellt sehen, die nicht immer erfüllbar sind. Die Jobvermittlungsplattform "Upwork" hat gerade Studienergebnisse dazu veröffentlicht: "Mehr als drei von vier (77 %) geben an, dass KI-Tools ihre Produktivität verringert und ihre Arbeitsbelastung (...) erhöht haben." 47 Prozent der Befragten meinten, sie hätten keine Ahnung, wie sie die von ihren Arbeitgebern erwarteten Produktivitätssteigerungen erreichen sollten.
So viel zu den Fehleinschätzungen der Chefebenen. In dem Beitrag ist übrigens von der "häufig geäußerten Erwartung des Managements" die Rede, dass die KI "eine magische Lösung für die organisatorische Katastrophe ist, die der Trend zu Massenentlassungen darstellt."
Hier der Link zur Publikation: klick! Im Umfragezeitraum 16.4.-5.5.2024 wurden 2.500 Arbeitnehmer:innen vor allem aus dem englischsprachigen Raum befragt, darunter auch 625 Freiberufler:innen.
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Illustrationen: Pixlr und "Madeleines au miel
Dienstag, 30. Juli 2024
Alle Wetter!
Im Drehbuch, das ich gerade übersetze, regnet es viel und ausgiebig. Daher denke ich über H2O nach, das aus dem Himmel fällt.
Im Deutschen gibt es verschiedene Begriffe für Regenwetter, in Frankreich auch, dabei ist es wichtig, wie intensiv und wie lange es schüttet, um den richtigen Begriff herauszufischen. Wobei, richtig: je nach Region, ja sogar je nach Familie kann das eine richtig, das andere falsch sein.
Diesen Juli hatten wir Landregen, Schauer, die eine oder andere Husche (wenn die Regenfront kurz durchschuscht), Regenguss, Wolkenbruch, Schnurregen (wohl vom österreichischen "Schnürliregen" abgeleitet), das Wort sagt alles, und die eine oder andere Dresche. Der letzte Begriff stammt aus Sachsen, der Heimat meines Vaters. Witzig, dass es in Belgien une drache heißt, das "ch" wird auf Französisch hier wie das deutsche "sch" ausgesprochen.
Wer hat hier wen beeinflusst? Einstmals sprachen ja alle Blaublüter Französisch, und auch Sachsen hatte seinen Keenig.
Auf Französisch kennen wir une averse, une intemperie, alles viel Wasser, le crachin, wörtlich: Spuckregen, une ondée, die dauert nicht lange, la pluie torrentielle, da kommt mächtig viel aus den Wolken.
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| Es wird nass ... |
Bei der kleinen Übersicht bestätigen die vielen Begriffe auf Englisch mal wieder sämtliche Vorurteile.
Illustration: C.E.
Montag, 29. Juli 2024
Montagsschreibtisch (53)
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| Im Stehen lernen |
⊗ Drehbuchübersetzung
⊗ Nachhaltiger Landbau und Gesundheit
Das Thema Böden beschäftigt mich jetzt zum Ich-weiß-nicht-wievielten-Male. Es wird noch länger aktuell bleiben. Ebenso Biodiversität, Klimaschutz und ökonomische Transition.
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Foto: C.E., Archiv (Kunst von Detlef Baltrock)
Sonntag, 28. Juli 2024
Picknickimprovisation
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| Bon appétit ! |
Freitag, 26. Juli 2024
Mediendolmetschen (8)
Ob ich dem Nachwuchs empfehlen würde, Übersetzen und Dolmetschen zu studieren mit dem Ziel, für Medien und Film zu arbeiten? Darauf ein ganz klares Nein.
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| Dolmetschen beim Dreh (vom Nebenzimmer aus) |
Zumindest war das bisher so.
Vorrede: Vor einiger Zeit waren mir bereits im Arte-Programm Deutsche aufgefallen, die bei offensichtlich in Deutschland gemachten Filmaufnahmen Englisch gesprochen haben. Nun wurde mir ein Drehtag mit Dolmetschen abgesagt. Die Redakteurin habe es für logischer gehalten, dass der Protagonist aus Deutschland die französische Regisseurin in der Sprache des bisherigen Mailverkehrs anspricht. Paradox und neu: Der Protagonist eines Dokumentarfilms, der mit Team und Kamera durch sein Viertel läuft und alles zeigt, soll Englisch sprechen. Nur für die Interviewsequenzen sei noch Verdolmetschung nötig.
Solcher Sprachmischmasch mit doppeltem Fremdsprachgebrauch ist meistens hässlich und hölzern. Hinzu kommt, dass in beiden Versionen des Dokumentarfilms, der französischen und der deutschen, in der jeweiligen Sprachfassung über den Originalton drübergesprochen werden wird.
Das ist ein Novum für den beliebten deutsch-französischen Kultursender, bei dem bislang die Regel galt: Jede(r) spricht in der Muttersprache. Der Vorgang ist Ausdruck des Misstrauens gegenüber uns Dolmetscher nen. Unser Ziel und Stolz ist es, das Gesagte auf natürliche Weise zu vermitteln, einen maximalen Fluss zu erreichen, so dass der Austausch direkt und so natürlich wird, dass wir als „Stimme“ vergessen werden. Am Ende ist der Austausch tiefer und fühlt sich für die Beteiligten 'normal' an. Wir sind am besten, wenn niemand unsere Arbeit bemerkt.
Vielleicht hat die Redakteurin auch schlechte Erfahrungen mit Laien gemacht. Das kommt nicht von ungefähr. Die Sender haben Produktionsbudgets gekürzt. Heute jonglieren viele Produktionsfirmen mit 70 Prozent dessen, was vor zehn Jahren üblich war, und alles wird teurer. Diese Firmen bieten unseremeinen in der logischen Konsequenz 20 Prozent mehr als die 100 Dollar an, die zur Zeit des Mauerfalls üblich waren. Wenn wir am Ende besser bezahlt werden, dann ist das das Ergebnis mühsamer Verhandlungen.
Wer keine Profis bezahlen will, bekommt auch keine. Sehr oft wird auf Laien zurückgegriffen, die fünf Minuten vorzeigbar durchhalten. Dann erschrecken sie über das, was sie tun, die Hinwindungen werden zu einem Salat, in dem sie herumstochern. Oder die Menge des pro take Gesagten ist zu viel. Bei gefilmten Interviews lässt sich eben nicht Satz für Satz arbeiten.
Dann steht die Sprachbarriere unübersehbar im Raum. Sie wird auch im gedrehten Material sichtbar.
Ich bin nicht überrascht, ich bin schockiert. Die Redakteurin weiß nicht, wie wir Dolmetscher:innen arbeiten. Die Unwissenheit wird durch hausgemachte Probleme verschärft, das Budget! Daraus ergibt sich eine weitere "Erfahrung". In Summe sind bei genauem Hinsehen aber keine Fachkenntnisse, sondern laienhafte Meinung. Nur: Wer sagt es ihr?
Vor allem aber wurden Regeln gebrochen, die im Kulturaustausch lange selbstverständlich waren. Es ist ein Akt der Diplomatie und der Freiheit, Menschen ihre eigene Sprache sprechen zu lassen. Ich muss an Genscher (*) denken, den ich 2010 verdolmetschen durfte. Zitat: „Auf Englisch sage ich, was ich sagen kann, aber in meiner Muttersprache sage ich, was ich sagen will.“
Und wo wollen die Anstalten in ein paar Jahren den gut ausgebildeten, fachlich spezialisierten Nachwuchs hernehmen, wenn ihm niemand mehr die Chance gibt, seine Fähigkeiten am Set zu vertiefen und zu verfeinern?
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Foto: C. Weißgerber (Archiv)
*: Hans-Dietrich Genscher, dienstältester
deutscher Außenminister (1974 bis 1992)
Donnerstag, 25. Juli 2024
Prima Aussichten (2)
Vor ziemlich genau vor zwei Jahren (Link) hatte ich bei der Arbeit nicht etwa aus Gründen der Temperatur ein Brett vorm Kopf, sondern eine Säule brachte die Hinwindungen durcheinander. Der Stützpfeiler stand fett im Weg rum.
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| Säule mit Revisionsklappe |
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Foto: C.E. (Archiv)
Mittwoch, 24. Juli 2024
Kreatives Textübersetzen
Am Montag erhielt ich die Anfrage, ob ich ein KI-vorübersetztes Drehbuch redigieren wolle. Das angebotene Honorar betrug nur 20 Prozent meines üblichen Satzes für einen Text dieses Schwierigkeitsgrades. Meine Antwort war klar: Nein, das will ich nicht. Sofort kam die Rückfrage, ob ich jemanden empfehlen könne. Auch hier: Nein. Der Preis passt nicht zum Auftrag, und der Auftrag passt nicht zu einem kreativen Text, der eine manuelle Übersetzung erfordert.
Ich habe der potenziellen Kundin nur kurz geantwortet, möchte mich aber hier ausführlicher erklären.
Übertragen heißt das: Ein Text ist mehr als die Summe seiner Wörter. Autor:innen wählen bestimmte Begriffe bewusst, spielen auf kulturelle Phänomene, Buchtitel oder Filmzitate an, vermeiden abgenutzte Begriffe. Sie schaffen ein Gedankengeflecht aus Ideen und Bezügen. All dies bleibt in einer maschinellen Übertragung, die das Ergebnis angewandter Mathematik ist, auf der Strecke. Wir Menschen indes kennen das sprachliche und historische Hinterland der Begriffe, wir haben Assoziationstalent, die Maschine nicht. Soweit das kulturelle Argument.
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| Alles verrutscht. So sah 2023 die KI meinen Dolmetscherberuf |
Wörter und Prosodie ergeben den Stil eines Textes. Beim Aufpeppen einer seelenlosen Vorlage kann ich nicht wirklich kreativ arbeiten. Mein Gehirn ist darauf trainiert, schnell aus Version A die Version B zu machen — nicht umsonst bin ich seit über 30 Jahren Dolmetscherin und Kulturvermittlerin.
Dieses Hin und Her beim Editieren hindert mich daran, in einen kreativen Flow zu kommen. Ich versuche, gleichzeitig auf mehreren Ebenen zu arbeiten und verliere dabei oft den Gesamttext aus den Augen. Auch die KI überträgt nur von Satzanfang zu Satzende, was zu einer doppelten Kurzsichtigkeit führt. Ich schaffe maximal die Hälfte in der vorgegebenen Zeit und bin am Ende wirklich erschöpft.
Ein solcher Auftrag wäre also ein mehrfaches Problem hinsichtlich Zeitaufwand, Ergonomie und Arbeitszufriedenheit. Sollte eine Kundin darauf bestehen, dass ich maschinell vorgewählte Begriffe verbessere, müsste ich mehr als das Doppelte meines normalen Preises verlangen.
Kurz gesagt: Es fühlt sich an, als würde ich mit angezogener Handbremse ein Autorennen fahren. Ein passenderes Bild, da ich keinen Führerschein habe: Es ist, als müsste ein Rennpferd mit einem alten Holzkummet einen Acker pflügen, dabei wissen wir doch heute, dass wir wegmüssen vom Pflügen, hin zur Direktsaat!
Auf meine Kurzfassung antwortet die Kundin, dass sich die maschinelle Übersetzung gar nicht so schlecht lesen würde. Es sei recht flüssig, man müsse nur ein paar "Stopper" austauschen, den großen Aufwand sehe sie nicht. Ich schicke ihr einen Absatz, den ich von Hand übersetzt habe, direkt davor das maschinelle Ergebnis und erkläre in Kommentaren hier und da meine Wortwahl. Die Kundin wird nun mit der Firmenleitung Rücksprache halten. Drückt mir die Daumen!
Foto: Dall:e (Vorgaben: realistic, 3D,
french, painting, historic)
Dienstag, 23. Juli 2024
It's hot, baby! (1)
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| Klima ist nicht gleich Wetter |
Es gibt bereits wunderbare Beispiele für vertikale und horizontale Begrünungen von Neu- und Altbauten, von Ablufttürmen als überdimensionale Ranksysteme und von Mikrowäldern, auch Tiny Forest genannt. (Unsere Stadtväter und -mütter sollten mal einen Abstecher nach Singapur und Japan machen — oder öfter die entsprechenden Fachkonferenzen besuchen).
Es fällt mir schwer, Menschen zu verstehen, die aktuelle Entwicklungen leugnen oder auf natürliche Prozesse schieben. Im Zug führe ich manchmal solche Gespräche. Ich bin inzwischen zu einer Salamitaktik übergegangen. Ein paar emotionale Zustimmungen, unterfüttert mit eigenen Lebenserfahrungen, könnten die Leute aufs richtige Gleis setzen, um im Bild zu bleiben. Da war der zu heiße Urlaub in Südeuropa, heute fühlt sich der Ostseestrand oft an wie Italien, erstes Nicken. Die Leute stimmen weiter zu, wenn wir auf die Insekten zu sprechen kommen, die wir vor nicht allzulanger Zeit immer von der Windschutzscheibe kratzen mussten bei längeren Fahrten.
Irgendwann denke ich laut über die eigentlich langsame Evolution nach, dass Pflanzen und Tiere normalerweise gar nicht so schnell wandern können, es sei denn, sie sind im Ballastwasser von Schiffen gefangen oder stecken zwischen Waren, die mit dem Flugzeug kommen. Bevor mein Gegenüber auf krude pseudowissenschaftliche Themen kommt, lenke ich das Gespräch auf die Tigermücke und die Gefahren neuer Krankheiten. Oder die Zunahme von Zecken, die gefährliche Krankheiten übertragen, und das vermehrte Auftreten von Tropenzecken. Heute kennt leider jeder jemanden, der an Borreliose erkrankt ist. Das Gegenüber nickt wieder.
Mir ist es wichtig, Leugner durch solche Plaudereien behutsam aus ihrer argumentativen Ritterburg herauszuholen bzw. sie gar nicht erst reinkommen zu lassen in ihr Debattenschema mit den Sprachstanzen. Ich mache das hin und wieder als Hobby. Ich führe sie von den Totschlagargumenten zurück auf den Boden ihrer eigenen Beobachtungen. Es geht mir darum, ihre Aufmerksamkeit zu schärfen, dabei an ihre Erfahrungen anzuknüpfen, ich bringe dabei auch immer einen gewissen Konservatismus ins Spiel. Der Begriff bedeutet ja eigentlich "bewahren, erhalten", und wir wollen ja nicht noch mehr Risiken provozieren, sondern wünschen uns für unsere Anverwandten und Freunde eine Zukunft mit möglichst viel Sicherheit, oder?
Natürlich gehört zur Sicherheit auch eine gewisse Berechenbarkeit. Beim Thema Schiene ist es ähnlich. Meistens sitzen wir in einem verspäteten Zug. Irgendwann benenne ich das Bahndrama als das, was es ist: Folge der geplanten Privatisierung, der unterlassenen Investitionen in Erhalt und Modernisierung, obwohl Investitionen in staatliche Infrastruktur rechnerisch keine Schulden sind, weil ihnen gebaute Vermögenswerte gegenüberstehen, mit denen wiederum gearbeitet wird, was Umsatz, Einkommen und Steuereinnahmen generiert.
Ich hoffe, dass Industrie, Banken und Versicherungen langsam mehr Druck auf die Politik ausüben. Investitionen in den Klimaschutz sind billig im Vergleich zu den Folgekosten, die sonst in einigen Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommen.
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Foto: C.E. (gesehen in Sachsen)
Montag, 22. Juli 2024
Montagsschreibtisch (52)
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| Hier links sitzt der Techniker |
⊗ Nachhaltiges Bauen (Studiengruppe)
Samstag, 20. Juli 2024
Elite ist kein Fruchtjoghurt
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| Der historische Hans Sachs (Holzschnitt von 1545) |
Dann, nach einem Umzug aufs Land und nach Baden-Württemberg: An einem Provinzgymnasium traf ich auf alte Lehrerinnen und Lehrer mit zum Teil merkwürdigen Methoden. Einer von predigte uns ständig, wir seien die Elite. Den Begriff kannte ich damals nur als Marke eines Fruchtjogurts, der später zur Hausmarke eines Discounters wurde.
Der Begriff „Elite“ wird oft missverstanden und missbraucht. Keine Gesellschaft kann ohne Eliten auskommen, aber es ist hohe Zeit, die Eliten zu demokratisieren und gleichzeitig der Demokratie elitäre Züge zu verleihen.
Eine Elite besteht aus Menschen, die überdurchschnittliche Fähigkeiten oder Kenntnisse haben. Es gibt verschiedene Arten von Eliten, darunter berufliche, wissenschaftliche, politische und kulturelle Eliten. Jede Berufs- und Wissensgemeinschaft hat ihre eigenen Eliten, und der gegenwärtige Fachkräftemangel kann auch als ein Mangel an Eliten verstanden werden.
Eliten sollen Wissen, Macht und Eigentum kontrollieren, aber nicht zu selbstreferentiellen, machtbesessenen Subsystemen werden. Rechte Bewegungen richten sich nicht gegen Eliten per se, sondern nur gegen demokratische Eliten.
Eliten sollten mit ihren Privilegien und ihrer Macht verantwortungsvoll umgehen und ihre Arbeit der Gesellschaft zugute kommen lassen. Die Gesellschaft braucht Eliten, aber sie müssen demokratisch kontrolliert werden und ihr Engagement muss allen zugute kommen.
Eine der ersten Forderungen muss deshalb lauten: Die beste Bildung für alle! Womit ich wieder bei Hans Sachs wäre, nicht bei dem historischen Mann, sondern bei dem Schuldirektor, über den im Netz leider nichts zu finden war.
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Freitag, 19. Juli 2024
KI-Murks (3)
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| High-Tech-Faser mal anders |
Anderes Bespiel: Menstruationsunterwäsche, auf einer Modewebseite einsortiert unter Männerkleidung. Der Grund dafür ist einfach. Die KI hat nur die ersten drei Buchstaben "gelesen", and it's a men's world.
Die allseits beliebten "toten Taschen" (KI-Schreibweise) werden gerne von den Tote-Hosen-Fans getragen. Ich bin keine Fashionista und lerne: Die "Tote Bag" (weil DIE Tasche), Langfassung 'Tote Bag Shopper', wird über der Schulter, am Arm oder als Umhängetasche getragen."
20 Jahre als Dolmetscherin in der diplomatischen Welt haben Spuren hinterlassen. Ich habe Mühe, den Begriff wörtlich zu übertragen ... aber es wird gleich deutlich.
Es geht also um das etwas größere Tagesgepäck, die etwas kleinere Reisetasche. Ich habe baisenville aus der Literatur als ein Unisex-Accessoire in Erinnerung, Seitensprünge sind ja nicht vom Geschlecht abhängig, ich habe das Wort ein einziges Mal gehört, das war im Seminar an der Uni, vielleicht wurden die echten Französinnen und Franzosen im Raum aus den gleichen Gründen wie ich oben nicht deutlich. Denn das Netz besteht darauf, dass es eine Männertasche oder ein kleines Köfferchen sei, und heute ein Revival erlebe.
Le Baisenville oder le baise-en-ville, das unveränderliche männliche Nomen geht der Quelle zufolge auf das Jahr 1934 zurück und sei sehr umgangssprachlich. Das Gepäck solle accueillir le strict nécessaire pour passer une nuit hors du foyer, heißt es, also das Minimum dessen aufnehmen können, was für eine Nacht außerhalb nötig ist (oder sicher auch für ein kleines "5 à 7", siehe unten, Links folgen).
Das fragliche Gepäckstück könnten wir ein Techtelmechteltäschchen nennen. Ich habe mich für die kurze Übersetzung ein wenig auf dem dazugehörenden Wortfeld umgesehen. Wäre das hier ein Übersetzungsauftrag, würde ich Großstadtromane der damaligen Zeit zur Hand nehmen, zum Beispiel "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun. Aus den Hirnwindungen krame ich neben dem Techtelmechtel noch das Rumpoussieren hervor. Aber ein Wort für ein entsprechendes Handgepäck ist mir auf Deutsch nicht bekannt.
Okay, Madame nimmt also die tote Tasche mit zum Stelldichein, siehe den eingangs rapportierten Übertragungsfehler durch die KI, und ich siedele das Ganze in München an und bastele ihr ein Gspusidascherl, Monsieur kommt mit der Baisenville, das binationale Rendez-vous mit vui Gfui kann beginnen. Solange der Wlan-BH dann nicht den Standort funkt ...
Verbundene Einträge (z.T. im Netz verschwunden, Recherche läuft!)
— Du 5 à sec: Link folgt
Donnerstag, 18. Juli 2024
Prima Aussichten (1)
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| So sieht der Blick IN die Kabine aus |
Mittwoch, 17. Juli 2024
Korridor
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| Blick aus meinem 2. Wohnzimmerfenster |
Als Dolmetscherin und Familienfrau lege ich derzeit 40.000 Kilometer im Jahr mit der Bahn zurück. Lange Zeit wurde mir ein persönliches Bahnpech nachgesagt, die reihenweisen Verspätungen, von denen ich im Familien- und Freundeskreis berichten konnte, galten als legendär. Irgendwann griffen die Medien die Lage auf, nein, nicht meinen seriellen Ärger, die Gesamtlage natürlich!
Heute fallen mir den Medien Begriffe auf. Ein wegen Sanierungsarbeiten gesperrter Streckenabschnitt wird von der Bahn "der Korridor" genannt, höre ich gestern in den Nachrichten. Spontan denke ich, auf Französisch würden wir hier le tronçon sagen, zurückübersetzt bieten sich Alternativen zum "Korridor" an, nämlich: Streckenabschnitt oder Teilstrecke.
Wer viel weiß, sieht auch, wie viel sie oder er nicht einmal ahnt. Cogito et cetera. Ich bin sehr für einen allgemeinen Bildungsoptimismus.
Also schlage ich nach und lerne: Ein "Bahnkorridor" ist eine zentrale Verbindungsachse im Schienennetz, Synonyme sind "Eisenbahnkorridor", "Verkehrskorridor" oder eben verkürzt "Korridor". Dabei kommt es auf die zentrale Lage und der Nutzungsintensität des Abschnitts an; der Begriff kann sowohl stark frequentierte Verbindungen des Güter- als auch des Personenverkehrs bezeichnen.
Wieder etwas gelernt. Ob es wohl einen ähnlichen Begriff im Französischen gibt? Eine kurze Suche im Netz hat spontan nichts ergeben. Mal sehen, ob sich hier jemand meldet, die oder der es weiß.
Das Gegenteil des oben Beschriebenen ist der Dunning-Kruger-Effekt: Leute, die von etwas ein Fitzelchen Ahnung haben, steigern sich durch grenzenlose Selbstüberschätzung in vermeintliches Expertentum hinein und machen sich damit sehr laut sehr lächerlich. Eigentlich. Da die Hälfte der öffentlichen Kommunikation im Netz und in den "asozialen Medien" aus so etwas besteht, scheinen immer weniger Menschen ein Bewusstsein für diese Art von Peinlichkeit zu haben.
Ich kenne meine Wissensgebiete und bin ansonsten bescheiden. Wichtig ist, wo wir Informationen finden und wen wir fragen können und zu lernen, die eigenen Quellen einzuschätzen. Das sind neben Lesen, Schreiben, Denken und Sprechen die wichtigsten Kulturtechniken. Wichtiger als der Führerschein!
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Foto: C.E. (Archiv)
Dienstag, 16. Juli 2024
Schnack-Snack (4)
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| Mit "Deppen-Apostroph" |



















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