Freitag, 30. Oktober 2015

Museum der Wörter 12

Hallo, hier bloggt eine Spracharbeiterin. Ab und zu erinnere ich an Begriffe, die wir den jüngeren Generationen erklären müssen. Heute: Drei Worte aus einem Bereich samt Anmerkungen. Ich habe aufgeräumt und fand ...
            
              T
intenlöscher, Siegellack, Paketschnur
   
Tintenlöscher sind diese wippenartigen Dinge auf dem Schreibtisch im Kontor, mit dem einstmals unsere Playmobilfiguren Wippe spielen mussten. (Hier tref­fen sich über die Dinge verschiedene Generationen.) Diese häufig aus edlem Holz ge­fer­tig­ten Teile sind von unten mit Löschpapier überzogen. Das Kaufhaus für edle Haus­halts­wa­ren à l'ancienne preist sie an als Gerätschaften für Linkshänder an.

Zum Siegellack gehört der Siegelring. Derlei haben heute nur noch nicht zu ret­ten­de Schnö­sel und heißverliebte Teenager standardmäßig in ihren Schreibutensilien.

Und Paketschnur fand ich neulich in einem Glas, auf dem "Paketschnur" stand, sel­bi­ges stand seit 18 Jahren in meiner Kammer. Mein Vater hat als Student Geld hin­zu­ver­dient, indem er für ein großes Berliner Kaufhaus Versandpakete geschnürt hat. In all den Jahrzehnten hat er dabei nicht ver­lernt, die ak­ku­ra­tes­ten Knoten der Welt zu setzen.

Ich sehe noch heute vor meinem geistigen Auge, wie meine Großmutter in der DDR diese sorgsam aufbindet, die Schnur zu einem Knäuel windet und den Zipfel so un­ter­schlägt, dass die Chose nicht wieder von alleine aufgehen, aber mit einem ruck­ar­ti­gen Zug am Ende gelöst werden kann. Und solche Teile habe ich Kriegs­en­kel also brav "in Größenordnung", wie es auch in der "Ehemalichen" (und nicht im Westen) hieß, in einem Schraub­deckel­glas bei mir bewahrt und vergessen. Was mach ich nun damit?

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Idee: H.F.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Akustiker

Hallo aus Berlin! Sie sind bei einem Weblog aus der Welt der Sprachen gelandet. Hier schreibe ich über Dolmetschen und Übersetzen für Medien, Politik, Wirt­schaft, Kunst, Gesellschaft und Soziales. Ich arbeite in Berlin, Paris, München und dort, wo ich gebraucht werde. Meine Arbeitssprachen sind Französisch (2. Spra­che) und Englisch (3. Sprache, passiv, d.h. ich dolmetsche auf Konferenzen aus dem Englischen, aber nicht zurück).

Kundenmittagessen im Res­tau­rant. Ich dolmetsche mit Ver­gnü­gen, wir sind schon sehr früh hier aufgelaufen, kurz vor 12 Uhr. Das Speiselokal ist von ausgesuchter Qualität. Wir sitzen im Hinterzimmer.

Herren von hinten, sie stehen auf einer Terrasse, rechts steht Wein (?) in voller Herbstfarbe.
Terrassenfotos im Herbstlicht
Vorne füllt sich der Laden. Das bekommen wir leider zu deut­lich mit: Im­mer wieder wird die Tür geöffnet, dann dringt ein tosendes Ge­mur­mel in den Hin­ter­raum.

Wir müssen jedes Mal das Ge­spräch unterbrechen, weil ich nichts mehr höre, da ich gleich­zei­tig sprechen muss. Wir schalten auf "Kon­sek" um, auf konsekutives Dol­met­schen.

Das bedeutet, dass ich Pausen bekomme und nicht mehr gleichzeitig dolmetsche. Die Beteiligten sind ungeduldig, sie fallen einander ins Wort. Ab etwa ein Uhr wird häu­fi­ger Kaffee bestellt; das Gurgeln des Milchschäumers kommt zum Grund­rau­schen des großen Gastraums hinzu.

Nach 1,5 Stunden (mit Pausen beim Servieren und als ich selbst eine Kleinigkeit essen durfte) bin ich fix und fertig.

Warum gibt es heute kaum noch effizient arbeitende Akustiker? Das Restaurant mit Stoffservietten und Messerbänkchen könnte sich sowas doch leisten! Dann kommt noch der Fotograf. Ich nehme mir schnell ein Taxi. Was habe ich gleich noch ge­ges­sen? Keine Erinnerung.

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Foto: Archiv

Sonntag, 25. Oktober 2015

Petition

Hallo und bienvenue auf meinen Blogseiten. Hier führe ich ein öf­fent­li­ches Ar­beits­ta­ge­buch zum Thema Sprachmittlung. Heute statt eines Sonntagsfotos: Mein Link der Woche. Die Zukunft, wie immer, eilt sehr.

Sprachmittler sind keine Zielscheibe!
Liebe Leserin, lieber Leser, bitte beteiligen Sie sich an einer Petition zur Causa der in Kriegs- und Krisengebieten tätigen Übersetzer und Dol­met­scher. Diese werden oft von den westlichen Kräften angeheuert, und entgegen der Zusicherung bei Auf­nah­me der Arbeit immer öfter schutzlos im Land zu­rück­ge­las­sen.

Sie werden häufig von der Gegenseite als Spione und Verräter qualifiziert, sie und ihre Familien werden verfolgt, festgenommen, nicht selten gefoltert und er­mor­det.

Der Petitionsbrief geht an den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, an Mogens Lyk­ke­toft, Präsident der UN-Versammlung, sowie an den UN-Sicherheitsrat.

Die Petition wird von den Berufsverbänden der Sprachmittler unterstützt.

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Illustration: UN, protect translators and
interpreters worldwide

Samstag, 24. Oktober 2015

Ayas Flucht vor dem Tod

Bonjour, Sie lesen in meinem Blog über das Leben als Dolmetscherin und Über­set­zer­in für die  Bereiche Politik, Kultur, Wirtschaft und Soziales. Im ersten Beruf war ich Journalistin.  Letzten Sommer habe ich in der psychologischen Kri­sen­in­ter­ven­tion gedolmetscht, jetzt ist die Kongresssaison. Mein Link der Woche folgt morgen; das Sonntagsfoto entfällt.

Den heutigen Beitrag verdanke ich meiner Radio- und Texterkollegin Britta Freith. Danke, Britta, für dein Engagement. So, jezt übergebe ich ...

Im Hamburger Stadtteil Ohlstedt geben Ehrenamtliche Deutschunterricht. Dabei hat eine von Ihnen Aya kennen gelernt. Aya ist 16 Jahre alt und mit der Familie ihres Onkels nach Deutschland geflohen. Jetzt lebt sie im Zelt auf dem Ohlstedter Platz. Sie hat einen Text über den Krieg in Syrien geschrieben. Ein deutsches Mäd­chen hat ihn aus dem Englischen übersetzt. 

Flucht vor dem Tod ins Ungewisse 

In Syrien ist das Leben fast unmöglich geworden. Die Menschen dort haben die Hoff­nung in fast alles verloren, außer in den Tod, der sie in jeder Lebenssituation begleitet. Sie sehen den Tod dort jeden Tag, sodass sie sich an ihn gewöhnt haben. Weil sich niemand auf der ganzen Welt um sie zu kümmern scheint, umarmen sie ihn manchmal ganz still. Sie leben jeden Tag, jede Stunde ohne über morgen nach­zu­den­ken, weil sie morgen vielleicht nie erleben werden.

Das Geräusch der Bomben ist für sie normal geworden, sodass sie es als komisch empfinden, wenn sie es nicht mehr hören. Wenn jemand es nicht mehr hört, be­deu­tet es, er ist tot. Das ist die Bedeutung von Krieg. Es gibt noch einen weiteren Kampf, den die Syrer kämpfen müssen. Den Kampf ums Essen. Der Anstieg der Prei­se hat das Leben noch schwerer gemacht. Die Menschen können es sich grade eben leisten ein Brot zu kaufen. Alles in Syrien ist teuer; alles — außer ein Men­schen­le­ben. Viele Menschen denken darüber nach auszuwandern. Sie verkaufen al­les, was sie besitzen, sogar ihre Häuser. Alles, um dem Tod zu entkommen und weil das Leben in ihrem Land nicht mehr länger möglich ist. Da sie keine Hoffnung mehr besitzen, opfern sie sich dem Meer. Wenn jemand die Hoffnung verliert, denkt er nicht länger über sein Leben nach. Viele machen sich auf den Weg auf eine schreck­li­che Reise mit nur einem Gedanke: Wenn ich es schaffe, “okay“, wenn nicht, „kein Problem“. Sie fühlen sich bereits in jeder Art und Weise tot.

Weil niemand nachvollziehen kann, was diese Menschen durchgemacht haben, hat auch niemand das Recht sie dafür zu verurteilen, dass sie diese tödliche Reise auf sich genommen haben! Es ist schwer nicht mehr in der Lage zu sein, seine eigenen Kinder beschützen zu können. Es ist schwer, behindert zu sein. Und es ist schwer, das Gefühl zu ertragen, dass du nur eine Nummer bist. Eine Nummer, die entweder denen angehört, die am Leben zu sein scheinen, oder denen die bereits tot sind.
In Syrien ist der Tod zu einem permanenten Besucher geworden. Aus diesem Grund wollen so viele Syrer ihr Land verlassen. 
Aya, 16 Jahre

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Mein Dank geht an: Aya, die unbekannte
deutsche Schülerin und Britta Freith

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Sorge

Bon­jour, hel­lo und sa­lut ... auf den Sei­ten die­ses Blogs. Hier schreibt ei­ne Dol­met­scher­in und Über­setzerin über ihren Alltag in Berlin, Paris, Köln und dort, wo sie gebraucht wird. Unsere Themen sind sehr vielfältig. Manchmal muss ich dichten.

Vorbereitung auf eine Familienkonferenz oder etwas in der Art. Rednerin A. sendet mir mit hübschem Vorlauf ihre 10-seitige PowerPointPräsentation zu. Das ist freundlich. Damit kann ich viel anfangen.

Dolmetschpult
Auf Sendung
Mehr, als mit dem, was ein Redner mir neulich zu­kom­men ließ: Statt der an­ge­kün­dig­ten Bullet point pre­sen­ta­tion flatterten knapp 12 Stunden vor dem Panel 58 Seiten Wissenschaftstext ins Postfach, davon vier Seiten Literaturhinweise in Punkt-6-Schrift, der Rest war im­mer­hin 10 Punkt mit 100 Anschlägen je Zeile und 60 Zeilen je Seite.

(Manuskriptseiten für die Sprecherkabine, die sich in zwei Minuten lesen lassen, haben einen Umfang von 60 Anschlägen je Zeile und 30 Zeilen je Seite, beides mit Leerzeichen; Punkt 12 ist Norm.)

Die 58 Seiten wären eine Woche vorher übrigens prima gewesen. Merke: Je kürzer die Vorbereitungszeit, desto knapper sollten die Dokumente sein. Und bitte auf Wortspielereien jeglicher Art verzichten, liebe Rednerinnen und Redner!

Dann schaue ich genauer auf das, was ich zugeschickt bekam. Die Dame, die auf der Familienkonferenz sprechen wird, hat ihre Rede sehr transparent aufgezogen: Sie hat das Wort SORGE zum zentralen Begriff ihrer Ausführungen gemacht, dazu nahm sie die Buchstaben jeweils als Anfangsbuchstaben neuer Wörter: Schule, Ober­auf­sicht, Rückblick, Gesetz, Europa.

Und dann hat sie diesen Begriff zum roten Faden werden lassen, "für jemanden sorgen", "sich Sorgen um etwas machen", "Sorge tragen", "Vorsorge", "Fürsorge", "Nachsorge"etc., alle Ausführungen liegt jeweils ein Begriff zugrunde.

Großartig! Bis auf das Wort "Europa" ist das total unübersetzbar. Und mir war vor­her nicht klar, wie schillernd das Wort Sorge ist. Ich habe jetzt schlicht ... Sorgen. Wie kann ich das rüberbringen? Ich muss den Witz erklären und möglichst viele Pendants erfinden. Erschwerniszulage für Dichterkunst?

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Foto: C.E.

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Blindtext

Was Sie hier durch­­blät­­tern, lie­­be Le­­ser­­in, lie­­ber Le­­ser, ist mein di­­gi­­ta­­les Ar­beits­­ta­­ge­­buch. Ich be­schäf­ti­ge mich täg­lich mit Spra­chen und Inhalten, und zwar als Dolmetscherin und Übersetzerin mit Englisch und Französisch als Ausgangssprache und, beim Dolmetschen, Französisch als zweiter Zielsprache.

Nie die Chance, in der taz zu erscheinen
Blindtexte sind keine Texte für Blinde, sie stehen auch nicht in Blindbüchern. Blindtexte sind Platzhalter, die grund­sätz­lich nie in der Zeitung auftauchen. Wenn ich nie sage, meine ich NIE.

Nie und nimmer.

Und weil es nichts gibt, was es nicht gibt, fand ich heute morgen dann doch einen. Ausgerechnet in der "tageszeitung" steht ein schicker Blindtext, sogar auf Deutsch. Da war wohl die Redaktion noch auf der Suche nach einem Text.

Was mich daran erinnert, dass ich auch auf der Suche nach einem Text bin.

Das Drehbuch, zu dem ich zu Wochenanfang einen Kostenvoranschlag geschrieben habe, wird nun doch aus dem Französischen ins Englische übertragen. Ich hätte mal wieder Lust auf ein Drehbuch mit Zielsprache Deutsch.

Irgendwo Bedarf?

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Foto: C.E. (Das Bild lässt sich, in ein
zweites Fenster geladen, vergrößern.)

Dienstag, 20. Oktober 2015

Onkel-Ali-Laden

Bonjour! Sie haben ein digitales Logbuch aus der Welt der Sprachen angesteuert. Hier schreibe ich über meinen Berufsalltag als Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache ... und über Sprache und Interkulturelles.

Abends viertel vor elf befinde ich mich auf der Zielgeraden Richtung Wohnung. Ich habe einen an­stren­gen­den Dolmetscheinsatz hinter mir. Der Kopf fühlt sich wattig an ("wattös" sagte einst Mitbewohnerin Pempi aus München). Ich lausche in mich hin­ein, welcher Aspekt meiner vitalen Existenz gerade dominiert. Ist es Müdigkeit? Neu­gierde gepaart mit sprachlichen Reflexen? (Dann höre ich in der Regel eine span­­nen­­de Sendung in der Zielsprache auf dem MP3-Player an.) Oder ist es ein leich­ter Bewegungsanalphabetismus, der mich nach anstrengenden Tagen manch­­mal überfällt?

Späti 7/24 im Gegenlicht mit nasser Straße und Lichtstreifen
Müdigkeitsveränderte Wahrnehmung
Ganz klar: Es ist Hunger! Ich stolpere in den "Späti" hinein. In Berlin gibt es ähnlich wie in Paris viele auch in der Nacht ge­öf­fne­te Läden. Die meisten werden von Zu­wan­der­ern geführt, wie auch der bei uns an der Ecke. Ich bin für die Existenz des La­dens sehr dankbar, auch wenn der Begriff Tante-Emma-Laden nicht ganz zutrifft. (Die Spätkaufläden haben zudem Probleme mit dem Gesetzgeber. Mich nervt der Gedanke an eine mögliche Einschränkung ihrer Öffnungszeiten.)

Zuhause warten Fenchel, Lauch, Kurkuma, etwas Petersilie und Quinoa auf mich. Sahne fehlt. Ich suche die Ware und gehe an den Tresen.

Der junge Verkäufer: "Die ist sogar fettreduziert!" Ich schaue auf den Deckel, will keine irgendwie in­dus­tri­ell modifizierten Sachen haben, bin Anhängerin der Slow Food-Bewegung. "Mindestens 30 % Fett" steht auf dem Pöttchen. Ich lese laut vor. Der Verkäufer: "Ja, "mindestens 30 %," sonst ist es mehr, 'mindestens' bedeutet 'reduziert'."

Ich denke kurz: Veralbern kann ick mir alleene, dann sage ich mir, dass nicht alle das Glück hatten, Deutsch bereits als Baby zu lernen. Behutsam trage ich vor, wie ich das verstehe, eingeleitet mit einem "Könnte es sein ..." — mindestens ist die Min­dest­men­ge, es mag sogar mehr sein — und ergänze augenzwinkernd: "Wehe Sie fan­gen demnächst an, kalorienreduzierten Sch* zu verkaufen!" Der junge Mann vom On­kel-Ali-Laden darauf ebenso augenzwinkernd mit Blick auf meine Silhouette: "Madame, sowas haben Sie doch gar nicht nötig!"

Das wollte ich hören. Und er hat sein Gesicht als aus Südeuropa stammender Ma­cho bewahren können.

Der Rest ist schnell zusammengefasst, weil nicht so wichtig: Kochen und Essen bis Mit­ter­nacht, ab drei Uhr Nachtruhe, acht Stunden Schlaf nach einem vollen Ein­satz. Dolmetschrelevant ist dies: Ab Ende des Einsatzes brauche ich (brauchen ver­mut­lich sehr viele) etwa vier Stunden, bis der hohe Adrenalinpegel Schlaf über­haupt zulässt. Und nach Dolmetschtagen darf es gerne eine Stunde mehr Schlaf sein. Übrigens: Der Schlaf ist weiterhin mein Freund, auch wenn ich nach et­li­chen Tagen der Flüchtlingshilfe erstmal nicht gut einschlafen konnte.

P.S.: Das Rezept findet sich hier: Chefkoch.de.

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Foto: C.E.

Montag, 19. Oktober 2015

Ziele

Hallo! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin aus Paris, Berlin und von unterwegs. Ich arbeite mit Französisch und Deutsch sowie aus dem Englischen. An dieser Stelle berichte ich, wie die Arbeit meinen Alltag verändert, stets unter Wah­rung der Schweigepflicht, was berufliche Inhalte angeht.

Bernsteincollier, mit transparentem Saughaken an eine Fensterscheibe gehängt
Auf dem Saughaken steht "Made in W-Germany"
Beim Einsprechen im Kino zähle ich die Film­länge in Wasserflaschen. Nach in­ten­si­ven Einsätzen berechne ich den Grad der Müdigkeit in Colliers, die ich als Hob­by gestalte. Dazu kaufe ich zum Bei­spiel Ketten auf dem Flohmarkt, die ich neu aufziehe. Ganz schlichte Ketten, wie diese Bernsteinkette, gefallen mir oft am besten.
Die Müdigkeit des Wochenendes betrug dieses Mal drei Perlencolliers. Ich bereite mich gleichzeitig auf die Winterzeit mit ihren Geschenkanlässen vor. Der Rest der Tage bestand aus viel Schlaf und gutem Es­sen. Andere Ziele setze ich mir an sol­chen Tagen nicht. Ich vermeide sogar das Kino, ich könnte dort einschlafen.

Auf dem Schreibtisch: Ziele nachhaltiger Entwicklung, SDG (Sustainable De­ve­lop­ment Goals), die ausgehend von den Erfahrungen mit den Millennium-Ent­wick­lungs­zie­len (MDG oder (Millennium Development Goals) entworfen worden sind. Die SDG treten am nächsten 1. Januar in Kraft und sollen für 15 Jahren die Leit­schnur der Entwicklung nicht nur in den ärmeren Ländern sein, auf sie waren die Millenniumsziele ausgerichtet, sondern in allen Staaten. Ich bin gespannt auf die Veranstaltung von AfricAvenir: "Nachhaltige Entwicklung in einer Welt der Un­gleich­heiten?", bei der kritische Blicke auf die 2030-Agenda für nachhaltige Ent­wick­lung geworfen werden.

Ab morgen auf dem Schreibtisch: Buchhaltung, Rechner überarbeiten lassen, Dreh­buch­über­set­zung kalkulieren. Ach ja, und Fenster putzen, siehe Foto.

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Foto: C.E. (In ein anderes Fenster ge-
laden, lässt sich das Bild vergrößern)

Samstag, 17. Oktober 2015

Weltliteratur to go

Samstags folgt auf dem Dolmetscherblog der "Lieb-Link". Meistens jedenfalls ... in den letzten Mo­na­ten habe ich jede Woche Dutzende potentielle "Links der Woche" vermerkt, einer bedrückender als den andere. Daher wurde es in dieser Kategorie neu­er­dings so still. Jetzt habe ich wieder mal einen.

Total schick! Klassiker der Weltliteratur im Schuhschachteltheater gibt es hier, über­setzt in die Sprache potentiell junger Rezipienten. Der Macher der klei­nen Playmobilfilme ist Dramaturg. Er definiert den Beruf so: Am Theater arbeiten zu wollen, aber zu schlecht für den Schauspielerberuf zu sein, am The­a­ter arbeiten zu wollen, aber zu feige für die Regie zu sein, am Theater arbeiten zu wollen, und mit dem Hammer in der Hand ... nee, da mögen sich alle lieber rasch in Sicherheit bringen.

Wenn das mal keine Verführung zum Lesen ist. Hier der FAZ-Artikel, der mich auf Sommer aufmerksam gemacht hat.

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Film: Sommers Weltliteratur to go

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Typisch deutsch

Hallo! Hier le­sen Sie, was eine Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in für die fran­zö­si­sche Sprache so umtreibt. Tätig werde ich in Paris, Berlin, Hamburg, Nizza und überall dort, wo Sie mich brauchen. Im Blog stelle ich mir regelmäßig Fragen zu den Stereotypen meiner Sprachheimatländer.

Lange schon wollte ich wissen, was typisch deutsch ist. Jetzt weiß ich es: Die Ordnung auf diesem Monteurswagen, die Regale, die Material- und Werkzeugliste, und dass hier täglich geprüft wird, ob alles vor­schrifts­mä­ßig ist.

Mit Rufen wie: "Das ist wirklich dermaßen deutsch!" stürzt sich die werte Kundschaft, Gäste aus Frankreich, Italien, England und Spanien, auf das Auto und reißt die Mo­bil­te­le­fo­ne hoch (... und die Dolmetscherin ihren Fotoapparat).

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Foto: C.E. (In ein anderes Fenster ge-
laden, lässt sich das Bild vergrößern)

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Auf dem Schreibtisch XXIV

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Marseille und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Schreibtisch, Vokabelkarten, Kalender, Eifelturm, &-Zeichen
Schreibtisch im Arbeitszimmer
Der Wochenanfang war prima, der Kopf dolmetscht auch auf dem Weg nachhause weiter. Die Stim­me bleibt stumm, die das Gefasel der Mitreisenden in der U-Bahn in der anderen Sprache nur für den Kopf wie­dergibt.
Abends noch eine Stunde Walken, damit der Adre­na­lin­pe­gel sinkt, sonst schlafe ich erst vier Stunden nach Ein­satz­en­de ein.

Selbst wenn nach 20.00 Uhr eigentlich ein denk­bar schlechter Zeitpunkt dafür ist: Es geht nach so viel Konzentrationsübung nichts über kräftiges Auspowern.

Heute geht es gleich wieder an die Bücher und Texte. Zunächst entstehen Kos­ten­vor­an­schlä­ge für den November, ein Angebot sogar für Juni 2016. Dann liegen da noch auf dem Schreibtisch ...
    Tonaufnahmegerät, Wasserglas, Kekse
    Schreibtisch unterwegs
  • Demographie, da­zu ein span­nen­des Interview mit Gerd Bosbach im (neben France Culture) Leib- und Ma­gen­sen­der Deutsch­land­ra­dio Kultur vom 12.10.2015) 
  • Flüchtlingspolitik 
  • Internethandel vs. klassischer Handel 
  • Burkina Faso
  • Bergbau 
... und zwar für Konferenzen, ein TV-Interview und als Verschriftung eines In­ter­views für ein Printmedium. Zwischendurch "mussdarf" ich in die Bibliothek, denn etliches findet sich nicht im Netz an.

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Fotos: C.E.

Dienstag, 13. Oktober 2015

POV VIII: Mobil

Bonjour und gu­ten Tag! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­setzerin. Heute folgt wieder meine Reihe POV, Point of view. Das ist der nur knapp kom­men­tierte sub­jek­ti­ve Blick auf die Spracharbeit — und was damit zu­sam­men­hängt.

Halbliterflasche zum Vergleich
Liebe Hersteller mobiler Dol­metsch­an­la­gen! Wenn Sie möchten, biete ich Ihnen ein vierzehntägiges Praktikum an meiner Seite an. Sie erleben den Alltag von Kon­fe­renz­dol­met­schern hautnah. Das Prak­ti­kum wird täglich mit zwei Groß­por­tio­nen Spaghetti vergütet, wie sie sonst Rad­renn­fah­rer zu sich nehmen. Denn die Tätigkeit an unserer Seite ist vor allem eins: kräftezehrend.

Früher waren die Flüsterkoffer kleiner. Ja, ich weiß, es geht sogar noch größer. Bitte rückt ab von den Baby- und Kin­der­sarg­di­men­sio­nen. Uns reicht der Muskelkater im Gehirn, wir wollen nicht auch noch wel­chen in den Oberarmen bekommen.

Dauernd muss hier jemand durch
Und hier folgt auch gleich noch der un­wahr­schein­lichs­te (aber trotzdem real existierende) Arbeitsplatz, den das Ka­len­der­jahr bislang gebracht hat. Über die Bot­schaft Frankreichs kam eine Han­dels­de­le­ga­ti­on zu uns, die wir betreuen. Der erste Termin bringt uns nach Mitte. Die De­le­ga­ti­on ist international, Fran­zö­sisch die Arbeitssprache. Außer bei einem raschen Stehtermin im Ein­gangs­be­reich einer Startup, da ist es Englisch. Wir geben unsere Män­tel ab, bekommen ein Getränk angeboten — und die Dol­met­scher­in schreibt mit fürs Protokoll und für Nachfragen im di­rek­ten Debriefing auf der Weiterfahrt zum nächsten Termin. (Zum Glück muss ich nicht dolmetschen.)

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Fotos: C.E.

Montag, 12. Oktober 2015

Babel, wir kommen!

Hallo! Hier le­sen Sie, was eine Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in für die fran­zö­si­sche Sprache so umtreibt. (Außerdem übersetze und dolmetsche ich mit Englisch als Ausgangssprache.) Tätig werde ich in Paris, Berlin, Hamburg, Nizza und überall dort, wo Sie mich brauchen.

Die Herbstsaison dauert von Mitte September bis Ende November, wir stecken also mitten drin. (Anfragen sind noch möglich, wir sind nicht restlos ausgebucht.) Zwischendurch darf ich einige Tage lang ausspannen, wieder zu mir kommen, und gleichzeitig Besuch genießen. Dann geht's weiter.

Der halbe Sonntag und Montag gehören deshalb der Vorbereitung. Dazu gibt es vor­ab eine PowerPointPräsentation, knapp 30 Folien, mit Legenden zum Teil in Buch­sta­ben­grö­ße 6. Das ist keine Kritik, sondern nur eine Beschreibung. Das Publikum muss das Original ja nicht lesen, das nehme ich ihm im Vorfeld ab. Ich bin froh, die Themen kennenzulernen, noch ehe es losgeht.

Für eine zweitägige Intensivveranstaltung sind die 30 Folien das einzige Vor­be­rei­tungs­ma­te­rial. Nur kurz sollen sich die Reisenden der Handelsdelegation im Se­mi­nar­raum aufhalten. Hauptgegenstand der Reise sind Gespräche, Begegnungen und Beobachtungen auf dem Terrain.

Vor dem Termin
Der Redner kommt aus dem Westen Deutschlands, er wird seinen Vortrag auf Eng­lisch halten, wir dolmetschen ins Französische, denn wir ar­bei­ten für eine italienische Dé­pen­dance eines fran­zö­si­schen Unternehmens.

Für einige Italiener, die nur wenig Fran­zö­sisch sprechen, wird das Gesagte dann noch ins Italienische übertragen.

Zum Glück hat uns der Redner nun zugesagt, sich doch auf Deutsch zu äußern. Babel, wir sind unterwegs!


Vokabelnotiz für den nächsten Einsatz
(sehr gelacht, für frz. Ohren klingt das wie Eisenfresserei)
the ironmongery — la quincaillerie
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Foto: ein anderer Besprechungsort (Archiv)

Sonntag, 11. Oktober 2015

Fassaden

Schö­nen gu­ten Tag oder gu­ten Abend! Hier bloggt ei­ne Über­set­zer­in und Dol­met­scher­in aus Paris, Berlin, Schwe­rin und Cannes ... und immer von dort, wo mei­ne Kun­den mich brau­chen. Der Sonntag gehört den besonderen Bildern der Woche.

Die modernen Fassaden dominieren drei Variationen: Die Schaufensterscheibe, die Wabe und die Schießscharte, manchmal auch als Kombination. Und je mehr Glas in der Fassade vorhanden ist, desto mehr ist sie für gutes Wetter gemacht. Schlechtwetterfassaden haben keinen guten Ruf.


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Fotos: C.E.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Wirtschaftskrieg

Hallo! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin aus Paris, Berlin und von unterwegs. Ich arbeite mit Französisch und Deutsch sowie aus dem Englischen. Meine Rückkehr von den letzten Konferenzen  hat einige Tage gedauert. Der Hirnnebel reißt auf, und ich sehe:

Hat der 3. Weltkrieg begonnen?, fragt die französische Wochenzeitschrift Le Nou­vel Observateur.

Nouvel Obs | La troisième Guerre Mondiale a-t-elle commencé ?
Für FR-Kundige: Hier der Vorläuferbeitrag
Ein wenig wundert mich diese Frage. Was mir meine Kunden über Kon­kur­renz­ge­ba­ren, Zersetzung und Spionage im Com­pu­ter­zeit­al­ter erzählen, klingt alles längst nach Krieg.
 
In Frankreich gibt es seit 1997 eine Schu­le für Wirtschaftskrieg, die école de guerre économique, sogar der SPIEGEL hatte sie nach zehn Jahren Bestand schon ent­deckt: Link.

Die Bildungsstätte für das einschlägige Aufbaustudium wird übrigens vom fran­zö­si­schen Verteidigungsministerium und der Rüstungsberatungsfirma Défense Conseil International kofinanziert.

Auch wenn ich mir ansehe, wie der Globus ausgeplündert und im Hinblick auf kurzfristige Renditen zerstört wird, sehe ich diese These bestätigt. Und dann sind da noch diese grausamen Stellvertreterkriege ...

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Illustration: Nouvel Obs

Samstag, 3. Oktober 2015

25

Bon­jour, hallo! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­set­zerin (Fran­zö­sisch sowie Eng­lisch, dies al­ler­dings nur als Ausgangssprache). Ich arbeite in Paris, Berlin, Köln, Hamburg ...
Heute: Link der Woche.


Ein Vierteljahrhundert deutsche Einheit, und noch immer ist diese Einheit eine gro­ße Bau­stel­le. In Deutschland wurde in Sachen Bevölkerungspolitik wiederholt der psychische Teil vergessen, den Menschen nun einmal auch ausmachen. Das war bei der Zuwanderung durch die damals "Gastarbeiter" genannten Menschen so, das war bei der deutschen Einheit so, die bei zu vielen im tiefsten Sachsen oder im tiefsten Schwarzwald noch nicht verarbeitet wurde.

Wüstenprinzessin im LaGeSo
Und das droht auch bei vielen Flücht­lin­gen so zu werden, von denen viele als Zuwanderer bleiben werden, einfach weil ihre Kinder in der Ausbildung sind oder weil sie hier die Le­bens­part­ner finden werden.

Jetzt mehren sich die Berichte zu se­xu­el­ler Gewalt und Übergriffen in Flücht­lings­la­gern, hier der Link zu einem Taz-Artikel. Und ich fühle mich einmal mehr wie die Kassandra, wie die Pro­phe­tin (naja, mit dem Namen), die aber im Lande nichts gilt.

Denn erste Mails und Briefe zum Thema verschicken wir, die wir als psychosoziale Begleitung mit Flüchtlingen arbeiten, seit Ende Juli. Irgendwie stellt sich der Eindruck ein, dass es niemand hören will. Die Behörden scheinen überfordert mit der Verwaltung des Alltags. Nein, sie scheinen nicht, sie sind überfordert. Woran liegt das?

Die Kontingentflüchtlinge und die Menschen aus dem Kossovo haben in den 1990-er Jahren keine derartigen Tumulte produziert, weder reell noch medial. Ziehen wir den In­ter­net­fak­tor ab, heute sind Medien deshalb schneller, lauter, muss ich fest­stel­len, dass nur zwei mögliche Erklärungen übrigbleiben: Der schlanke Staat ist derart auf seinen Kern reduziert, dass er stellenweise nicht funktionsfähig ist. (Ich möchte mir kein Erdbeben oder eine echte Katastrophe in Deutschland vor­stel­len.) Zweiter Punkt: Man hatte sich eingerichtet, abgeschottet. Dublin II ist nichts an­deres als das Übertragen der Probleme auf die Anrainerstaaten, deren Wirt­schafts­pro­ble­me aber auch bekannt waren. Bei der Verwendung des Narrativs vom Ex­port­welt­meis­ter, der gut durch die Krise kommt, ist ein hohes Maß Rea­li­täts­ver­dräng­ung be­tei­ligt. Und Em­pa­thie­man­gel.

Womit ich beim nächsten Thema wäre, beim Umgang mit den Mehr­fach­trau­ma­ti­sier­ten. Derzeit gibt's noch nicht mal "satt-sauber-gesicherter-Schlafplatz-für-alle", in ersten Auffangslagern kommt ersten Zeugenaussagen zufolge auch schon "se­diert" hinzu. Bitte mal kurz mitdenken und -fühlen: Wie ist es, nach einem grau­sa­men Krieg und einer schrecklichen Flucht in einer großen Halle zu Hunderten zu schlafen, von denen nachts viele schreien und weinen, die angestaute Ag­gres­sio­nen haben, die auch ihre Prägungen mitgebracht haben, und dann merken Sie, dass Sie ständig müde sind, dass sich ein Schleier über ihre Wahrnehmung legt. (Die Zeugenaussagen sind aufgenommen, die Sache ging an die Behörden. Genauso wie seit Monaten die Behörden über den psychologischen Behandlungsbedarf vieler Geflüchteter informiert sind und dass das Ehrenamt hier an seine Grenzen stößt.)

Zurück auf die Meta-Ebene: Wir verschenken gerade wesentliche Monate, die der Verarbeitung, dem Sprachenlernen und damit der  zur Integration gehören sollten. Die Verweildauer in den Massenunterkünften zu verdoppeln, wie durch den Ge­setz­ge­ber dieser Tage verfolgt, ist falsch und folgt nur dem Prinzip: Wir schaffen das nicht anders, also passen wir das Gesetz den Fakten an.

Dieser Tage bin ich oft sprachlos, auch, wenn ich an die Fehler aus den letzten 25 Jahren denke. Das ist kein Zustand für eine Dolmetscherin.

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Foto: Reinhard Ahrens

Mittwoch, 30. September 2015

Verständlich

Gesammeltes Wissen
Bonjour, hallo! Hier bloggt eine Spracharbeiterin. Wo immer Sie mich brauchen, ich leihe Ihnen gerne meine Stim­me. Neben Französisch (Aus­gangs- und Zielsprache) ar­bei­te ich aus dem Eng­li­schen. 

In die­sem digitalen Ar­beits­ta­ge­buch notiere ich be­rufs­ty­pi­sche Momente und Zitate, um sie im Schweins­ga­lopp der Zeit festzuhalten.

Heute ein Zitat zum internationalen Übersetzertag.
Translation is not a matter of words only: it is a matter of making intelligible a whole culture.  Bei einer Übersetzung geht es nicht nur um Wörter; es geht darum, eine Kultur verständlich zu machen.
(Anthony Burgess, 1917 – 1993)

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 29. September 2015

Bäume am Horizont

Hallo und guten Tag! Hier bloggt eine Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin aus Berlin und Paris und von dort, wo Sie mich brauchen. Ich übersetze Dreh­bü­cher, Webseiten und Projekte — allerdings keine Privatdokumente.

Gefangen zwischen Brotberuf und Ehrenamt bleibt mir derzeit wenig Zeit zum Bloggen. Zwischendurch arbeite ich Kostenvoranschläge ab.

Die Welt paarweise
Und dann entbrennt in mei­nem Um­feld über Zwei­­spra­chig­keit ei­ne kleine Debatte, die mir aber sehr gefällt.

Wir Zweisprachigen haben nämlich immer wieder eine andere Sicht auf die Dinge je nachdem, in welchem Idiom wir gerade denken. Der Phi­lo­soph Ludwig Wittgenstein wusste das im Grun­de schon vor langer Zeit.

"Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt", lautet eine seiner bekanntesten Essenzen. Mit der zweiten Sprache vergrößerte sich mein per­sön­li­cher Ho­ri­zont. Und so erlebe ich täglich diesen doppelten bis dreifachen Blick im [nach dem Journalismus ;-)] zweitspannendsten Berufsfeld der Welt, dem der Sprach­arbeit.

Als Übersetzerin und Dolmetscherin komme ich beispielsweise bei ein- und dem­sel­ben Thema und längerem Nachdenken auf unterschiedliche Ergebnisse. Es hängt eben ganz davon ab, ob ich mich dem Thema auf Deutsch oder Französisch ge­wid­met habe. Diese Beschreibung klingt fast so, als könnte dieser Zustand auch hin­der­lich sein. Die Situation löst für mich aber durch die ex­plo­sions­ar­ti­ge Zu­nah­me von Kriterien keine Entscheidungsprobleme aus, sondern ist ein klares Plus. Ich sehe mehr, bin aber auch darin trainiert, in Sprachdingen schneller Ent­schei­dun­gen zu treffen als Einsprachige.

So begibt sich der eine mit der Axt in den Wald in der Absicht, einen Baum zu fällen, der andere geht in den Wald, um Bäume umzuhauen (to knock over), der nächste sieht den Wald vor Bäumen nicht, während für den vierten der Baum den Wald versteckt (l'arbre qui cache la forêt).

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Foto: C.E.

Mittwoch, 23. September 2015

Fremdsprachen

Guten Tag oder guten Abend! Hier bloggt eine Sprach­mit­tler­in für Po­li­tik, Wirt­schaft und Kultur. Ge­ra­de ha­be ich viel mit Flüchtlingen zu tun. Parallel dazu startet die Kon­gresssaison und die Kinder eilen morgens wieder in die Schulen. Gleich noch ein Rückblick.

Einen Ausriss aus der Abizeitung von meiner netteren Schule habe ich gestern gebracht. An der Schule, auf der ich davor einige Jahre war, eine schwäbische Provinzpenne, habe ich ziemlich gelitten.

Schulklasse in s/w
Einige Jahrzehnte vor den beschriebenen Situationen
 __Mathe__
8. Klasse, wir durften bi­no­mi­sche Formeln üben: "So, und jetzt noch ein Mädle, das muss gehen wie's Spätzle schaben, da kennet ihr schon mal übe für später!"
Ich: "Verzeihung, Herr Mut, ich bin keine Schwäbin."
[Derr Herr hieß Mut (*) und war der feigste Pauker, dem ich je begegnet bin.]

__Französisch__
Ich: "Excusez-moi, je ne connais pas le mot 'la colle', ça veut dire quoi, s'il vous plaît?"
Lehrerin: "Der Bebb."
Ich: "Et c'est quoi, 'der bebb'?"
[Entschuldigung, ich verstehe das Wort XX nicht ... was heißt das? (...) Der Kleb­stoff.]

__Musik__
Lehrer: "Welche Note leitet hier das neue Motiv ein? Caroline?"
Ich: "Die siebente Note."
Lehrer (springt im Quadrat wie ein Gartenzwerg auf Heroin): "Ach, die siebENte Note, die siebENte Note, wie lange habe ich kein korrektes Deutsch mehr gehört!?"

__Kunst__
Lehrer: "Wie isch des mit dene Fachwerkäusern gwä? Wie hend die des Stroh rein­bracht in die Ausfachunge?"
Ich: "Sie hend's durch die Kieh gjagt!"
Lehrer: "Gnau!"
[Da mein kleiner Schwäbisch-Anflug genau diesen einen Satz lang gedauert und von niemandem bemerkt worden war, habe ich als Rei'schmeckte mit 14 Jahren be­schlos­sen, das mit der sprachlichen Integration zu lassen. Umso leichter habe ich mich einige Jahre später in Frankreich integriert.]

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Foto:
(*) oder sehr ähnlich. Aber nomen est omen.

Dienstag, 22. September 2015

Stadtameise

Bon­jour und hallo! Hier bloggt eine Kon­fe­renz­dol­met­scher­in, heute vom Über­set­zer­schreib­tisch aus und nicht vom Inneren einer Dolmetscherkabine. Meine Ar­beits­spra­chen sind Deutsch (Zielsprache z.B. bei Übersetzungen) und Fran­zö­sisch (auch Zielsprache bei Verdolmetschungen) sowie Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Nach 14 hektischen Tagen unterwegs sind Büroarbeiten dran.

Aus der Kinder- und Jugendlichenperspektive erinnere ich mich gut an den Satz: "Papa fährt zum Klassentreffen." Manchmal ist die ganze Familie mitgereist, das war immer sehr lustig, wir Kinder haben viel Unsinn dabei gemacht.

Und irgendwann trifft es einen selbst. Beim Fünf-Jahre-Abi-Treffen war ich dabei, bei einem späteren Treffen sind Ziehkind und ich in Paris wegen eines Bahnstreiks hängengeblieben. Irgendwann ist das Abitur Jahrzehnte her. Im Plural!

Die Mitschüler der Klasse, in der ich in der Mittelstufe gelitten habe, trafen sich kurz vor der Sommerpause. Ich saß parallel dazu in der Dolmetscherkabine. Die Fotos vom Ereignis haben mich nicht überzeugt. Die sehen ja alle aus wie ihre El­tern! Sehe ich auch aus wie meine Eltern?

Der Jahrgang der Schule, an dem ich mein Abi abgelegt habe, traf sich im Spät­som­mer. Ich habe parallel dazu schon wieder in der Kabine gesessen. Auf die Fotos bin ich gespannt. Werde ich hier genauso fremdeln?

Sehr gelacht habe ich über die Abizeitung, die schon eingetrudelt ist. An ihrer Ent­ste­hung war ich ein wenig als Redakteurin be­tei­ligt; unsere parallel dazu ge­stemm­te Theaterinszenierung fand ich spannender. Gibt es heute noch Abi­zei­tun­gen? Auf jeden Fall werden da alle durch den Kakao gezogen. Mich hat's damals besonders "charmant" erwischt. Ich kichere seit Stunden. Da ist ja fast alles schon drin! Fehlt nur Frankreich!

Caroline wird in Kürze ihre Dissertation veröffentlichen.Thema:"Die ostfriesische Poesie des Frühmittelalters und ihre psychosomatischen Auswirkungen auf das Sozialverhalten der Stadtameisen."
Mein Kommentar (damals wie heute): Wo sind die Leerzeichen?
Und bitte keine zwischen den drei Punkten ...
Mir ist dabei dabei eingefallen, dass ich schon in der Mittelstufe, genauer: im Über-Land-Schul­bus, den Spitznamen "Professor" trug. (In der Schule allerdings nicht. Aufgrund meiner Dyskalkulie hatte ich zum ersten Halbjahr oft einmal das No­ten­blatt rauf und runter.) Ich habe damals gelernt, im Gehen zu lesen. Und die De­kli­na­tions­ta­bel­le Bécherelle trug ich auf dem Schulweg mindestens ein Jahr lang in der Hand. In Bewegung lernt sich's gut, vor allem dann, wenn der Kopf ei­gent­lich nicht viel zu tun hat.

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Illustration: MGL-Abiteam

Sonntag, 20. September 2015

Ehrenamt?

Hallo! Hier bloggt ei­ne Dol­met­scher­in. Die Saion ist gestartet, das Wo­chen­en­de gehört der Er­ho­lung. Theoretisch. Denn mein Engagement in der Flücht­lings­hil­fe ist ja auch noch da. Also Kriseninterventionstherapie an einem Samstag, dabei kratzt der Hals und der Denkapparat will Ruhe. Sonntag gestalte ich ein Col­­lier und genieße das ländliche Groß­stadt­le­ben, hier die Sonn­tags­bil­der. Und hö­re in der Küche den "ARD-Presseclub" sowie die "Nach­ge­fragt"-Sendung auf Phoenix. Leider muss ich da widersprechen.

In der Fragerunde wurde behauptet, dass die derzeitige Situation hohe Kosten für Anwälte und Dolmetscher auf EU-Niveau auslösen würde.

Draufsicht auf Hofgarten: Ein Spätsommertag in der Stadt
Un dimanche à la campagne
In Bezug auf uns Dolmetscher ist der Satz falsch. Das Gros von uns Profis arbeitet eh­ren­amt­lich, z.B. in der psy­cho­lo­gi­schen Krisenintervention oder in Krankenhäusern.

Für diese Arbeit wurden wir in den letzten Wochen und Mo­na­ten nicht entlohnt, denn ein sol­ches Angebot wird durch die Verwaltung nicht regelmäßig angeboten.

In der Erstaufnahme helfen fast nur ehrenamtlich tätige Laien beim Übertragen der Gespräche. Hier geht es um Fra­gen zur Reise, zum Herkunftsland, zu Es­sens­zei­ten, Telekommunikation und Unterkunft.

Auch große offizielle Institutionen verpflichten immer häufiger Laien. Das führt nicht selten zu gravierenden  Problemen. Es sind nach Aussagen von Ärzten, die das bislang nur unter der Hand berichten, bereits Menschen gestorben durch un­zu­rei­chen­de Ver­dol­met­schung. Ich selbst habe erlebt, wie es beinahe zu Ab­schie­bun­gen ge­kom­men ist, weil in früheren Phasen des Asylverfahrens "über­set­zen­de" Nichtprofis beteiligt waren oder man sich mit "Englisch" beholfen hatte bzw. mit dem, was beide Seiten dafür gehalten haben.

Viele von uns Profis waren im auftragsarmen Sommer und in der großen „plötzlich“ auftretenden Notsituation gerne unentgeltlich aktiv. Ich selbst habe meinen Urlaub mehr als halbiert dafür. Aber unsere Zeit ist begrenzt. In den Herbst­mo­na­ten und im Frühjahr/Frühsommer finden die meisten Kongresse statt, dann muss un­ser­ei­ner in wenigen Monaten seinen Jahresumsatz generieren. Regelmäßige Be­treu­ung von Traumapatienten in einem geschützten, verlässlichen Verhältnis ist so nicht möglich, aber ein humanitäres Gebot. Und vermutlich können nur wir als ei­ne der füh­ren­den Wirt­schafts­na­tion­en derlei leisten. In den Anrainerstaaten Sy­riens gibt es allenfalls Überlebenshilfe, aber keine Begleitung der oft mehrfach trau­ma­ti­sier­ten Patienten. Eine Finanzierung der Arbeit wäre also wichtig. Übrigens waren bis­lang auch viele Therapeuten ohne Entgelt tätig.

In Deutschland leben noch viele Menschen, die der letzte Weltkrieg traumatisiert hat und die wissen, wie wichtig Hilfe und Menschlichkeit sind. Es gibt keinen Grund, den Kriegsflüchtlingen von heute die professionelle Hilfe, die unsere Vor­fah­ren im zerbombten Deutschland nicht erhalten konnten, zu verweigern.

Entwurf des Perlenhalsbandes
Die Hälfte bis zum Mittelstein
Denn Geld ist vorhanden. Den menschlichen Teil der Arbeit auf den Schultern von Eh­ren­amt­li­chen abzuladen und parallel dazu hohe Summen an dubiose Firmen zu zahlen, die als Teil der Not­be­her­ber­gungs­in­dus­trie mit schlechten Standards, miserablem Essen etc. Unsummen an Gewinnen erzielen, ist ein übler Miss­stand, der seit Jahren be­kannt ist.

Ein Blick in die einschlägige Berichterstattung über diesen boomenden Markt ge­nügt (z.B. bei Frontal21 oder der Welt). Es wäre schön, wenn die Politik hier end­lich aktiv würde. Zur Not müs­sen wir Sprach­ar­bei­ter nach­hel­fen und gegen den Missbrauch von Steu­er­gel­dern klagen.

Bislang sind wir von den Behörden mit unserer Arbeit kaum wahrgenommen wor­den. Der blinde Fleck hat System. Das Wort „Ehrenamt“ beinhaltet eine gewisse Anerkennung. Für uns Frei­wil­lige schwingt leider inzwischen eine bittere Note der Verachtung mit, wenn es im Zusammenhang mit der Betreuung von Kriegs­flücht­lin­gen ausgesprochen wird. Und das geht vielen Helfern so, auch jenen, die sich um andere Dinge als die Sprache kümmern.

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 17. September 2015

Druckfreigabe

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Überraschter Mann
Oups — aber hallo!
Très chic, der französische Kunde fragt vor der Druck­frei­ga­be nach, was dieses "ver­stüm­mel­te Wort" da soll, als ich von Melioration schreibe (amélioration des sols) ... und ändert nicht eigen­stän­dig. Das freut mich. Später erhalte ich den Flyer zur Ansicht mit der Bitte um rasches Abnicken.
Das geht aber leider nicht so einfach.

Wie auf Französisch durchaus korrekt, hat die Grafikerin alle Satzanfänge, Städte- und Eigennamen groß geschrieben, den Rest klein. Auch sämtliche Nomen. Da hat sie sich wirklich viel Arbeit gemacht.

Es wird eine Spätschicht für sie werden, für mich auch.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 16. September 2015

Dolmetschen im Theater

Hallo! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin aus Paris, Berlin und von unterwegs. Ich arbeite mit Französisch und Deutsch sowie aus dem Englischen. Meine Rückkehr von der letzten Konferenz hat einige Tage gedauert. Der Hirnnebel reißt auf, und ich sehe:

Link zur Schaubühne           |||            Dolmetscher*in Deutsch-Englisch

"Für die Produktion »Ungeduld des Herzens« von Stefan Zweig (Regie: Simon McBurney) su­chen wir von voraussichtlich 12. Oktober bis 19. Dezember 2015 einen Dolmetscher, der auf den Proben zwischen den deutschen Schauspielern und dem britischen Regisseur dol­metscht.

Anforderungen: fließende Deutsch und Englischkentnisse; flexible Arbeitszeiten, auch Wochenendarbeit, Theatererfahrung wünschenswert, aber nicht unbedingt erforderlich.

Vertrag: Befristetes Arbeitsverhältnis mit Probezeit. Schwerbehinderte werden bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt.

Bewerbungsunterlagen bitte senden an:

Schaubühne am Lehniner Platz
z. Hd. Maja Zade
Kurfürstendamm 153
10709 Berlin
oder per E-Mail an mzade[kringel]schaubuehne[punkt]de"

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Illustration: Archiv

Dienstag, 15. September 2015

Postdolmetschroutinen

Hallo! Hier le­sen Sie, was eine Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in für die fran­zö­si­sche Sprache so umtreibt. Tätig werde ich in Paris, Berlin, Hamburg, Nizza und überall dort, wo Sie mich brauchen.

Sieben Kabinen für eine Konferenz, viele Parallelveranstaltungen, hier haben wir uns aufgehalten, im Mathegebäude der TU
Wortlegebatterien
Nach drei Tagen Konferenz (plus Auf­takt­abend) ist das Hirn müde. Ich döse vor mich hin, während ich im Haus Rou­ti­ne­auf­ga­ben nachgehe: Spül- und Wasch­ma­schine beschicken, Staubsauger durch die Wohnung schieben, Belege sortieren, ei­nen neuen Steh­ord­ner mit dem Kon­gress­ma­te­rial und den ein­ge­sam­mel­ten Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen bef­ül­len, denn nach dem Event ist immer auch vor dem Event. Diese Dokumente werde ich mir in 14 Ta­gen wieder vor­neh­men, um das Ge­lern­te zu vertiefen und ihm den Weg ins Lang­zeit­ge­dächt­nis zu verhelfen. Denn na­tür­lich habe ich beim Einsortieren, zwei Tage später, mir alles schon noch einmal genau angesehen.

Noch eine Sache ist nach Dolmetscheinsätzen wichtig, und zwar viel zu schlafen und den ständig bohrenden Hunger zu stillen. Müdigkeit und Hunger kommen bei solchen Events gerne erst hinterher ... Als der Mini noch mini war, der weltbeste Patenziehsohn, hat mir einmal beim Vorlesen eines Kinderbuchs der Magen so laut geknurrt, dass das Kind sich erschreckt hat. Der Titel des Buches: "Die kleine Raupe Nimmersatt".

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Foto: C.E.

Sonntag, 13. September 2015

Raumfahrt

Willkommen auf den Seiten des ersten deutschen Blogs aus dem Inneren der Dol­met­scher­ka­bine. In Berlin herrscht spätsommerliche Ruhe ...

... während es in der Technischen Universität wie beim Start eines Space Shuttles ausschaut. Aber nicht die Apollo-Mission wird hier durchgeführt, sondern ein Kon­gress mit dem Ziel der Landung auf der Erde.

Vier Tage Kongress, aufgewacht mit Muskelkater in den Oberarmen. Hm, gut, da haben wir wohl alle viel gestemmt.

Dolmetscherkabinen in einer Reihe
Abendschicht
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Foto: C.E. (in einem zweiten Fenster geöffnet,
lässt sich das Bild vergrößern.)

Donnerstag, 10. September 2015

POV VII: Mattscheibe

Bonjour und gu­ten Tag! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­setzerin. Heute folgt wieder meine Reihe POV, Point of view. Das ist der nur knapp kom­men­tierte sub­jek­ti­ve Blick auf die Spracharbeit — und was damit zu­sam­men­hängt.

Blick aus der Kabine, über Technik und Papier hinweg, auf einen sehr bunten, großen Bildschirm
Der subjektive Blick aus der Kabine
Saisonbeginn. Wir sind nicht im großen Hörsaal, die Ka­bi­nen stehen direkt hinter einer kleinen Treppe. Trotz Schall­iso­la­tion hören wir das Trep­pen­haus. Zum Glück hat der Kameramann im Raum ne­ben­an aber hervorragende Ar­beit geleistet, die Matt­schei­ben sind groß, wir sehen gut. Viel besser sogar, als wenn wir irgendwo ganz hinten am Saalende kleben würden.

Eine gute Sicht kann manchmal akustische Schwächen ausbügeln helfen. Optimal ist das nicht.
 
BTW, I'm not sitting in the "biactive booth", but in the "pure (french) booth". After 10 yrs in job, still learning professional slang ... 

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Foto: C.E.

Mittwoch, 9. September 2015

Hintergrund

Hallo! Hier bloggt eine Sprach­mit­tler­in für Po­li­tik, Wirt­schaft und Kultur. Ge­ra­de ha­be ich viel mit Flüchtlingen zu tun. Parallel dazu startet die Kon­gresssaison. Mir macht etwas Bauchschmerzen. Hier der Blick auf den Schreibtisch.

Altes Schwarz-weiß-Bild mit Mann am Schreibtisch vor einem Regal
Konzentriertes Arbeiten
Bürotag. Die eine Kollegin rech­net Kostenvoranschläge durch, irgendwo werden Be­le­ge auf­ge­tackert, die andere bildet junge Kollegen fort. Ich muss rasch verhindern, dass ich am Sonntag in die reine Eng­lisch-Fran­zö­sisch-Kabine komme, eine Kollegin ist ausgefallen, und mich durch Stapel komplexer Prä­sen­ta­tionen zu einem Wirt­schafts­the­ma wühlen.

Auch ein deutscher Dokumentarfilm wird in Ausschnitten auf dem Kongress ge­zeigt. Lief der schon mal bei Arte? Schnell eine Mail an den Regisseur schreiben.

Daneben beackere ich weiter das Wortfeld "Bodengesundheit" und mache Termine für Gespräche mit Landwirten. Für eine deutsche Filmproduktionsfirma darf ich zwischendurch bei der französischen Filmförderung deren Status als Ko­pro­du­zen­tin abklären.

Nebenbei erkläre ich noch den Kolleginnen und Kollegen im sozialen Netzwerk, dass wir demnächst eine Brief- und Mailaktion starten müssen. In den letzten Wo­chen war ich als Dolmetschprofi eh­ren­amt­lich an der Seite einer ebenso eh­ren­amt­li­chen professionellen Psychologin in der Krisenintervention aktiv und werde es bleiben. Aber unser Ehrenamt kann nicht von Dauer sein, denn wir müssen ja auch unsere Kosten decken und uns finanzieren. Und es kann auch nicht sein, dass die Menschen nicht mehr betreut werden, nur weil es an wohlmeinendem, engagiertem Personal fehlt.

Hier ist die Politik gefragt, sind wir alle gefragt, sind die Verbände gefragt. Die psychologische Erstversorgung und Krisenintervention darf durchaus in einer gro­ßen Notlage für einige Zeit auf dem Rücken der Berufsabsolventen ("meine" wun­der­ba­re Psychologin) und der Ehrenamtler ruhen. Aber das darf nicht zu einem Dauerzustand werden.

Dann kommt eine Anfrage über ein großes, renommiertes Krankenhaus rein, Kin­der­station. Da Dolmetscher so schwer zu bekommen seien, suche man Menschen, die eine oder mehrere Sprachen beherrschen würden und die ehrenamtlich ... Aus der Mail wird deutlich, dass es hier nicht um das Verteilen von Spielzeug und Händ­chen­hal­ten geht.

Ganz gleich ob Allgemeinmedizin, Pädiatrie oder Psychologie: Wenn's drauf an­kommt, sind Profis wichtig. Mir hat ein Arzt mal gestanden, dass es bereits Tote gab in deutschen Krankenhäusern, weil Arzt-Patientengespräche von Nichtprofis übertragen worden sind. Und die Ärztinnen und Pfleger werden für ihre Arbeitszeit und ihre Fachkompetenz schließlich auch entlohnt.

Die Sache mit dem Fachwissen ist der Knackpunkt. In der Kleiderkammer Wäsche nach Größe sortieren, Essen austeilen, Teddybärchen verschenken etc. kann jeder mal für einige Stunden oder Tage, das sind wichtige Aufgaben, die Zeit ist ein kost­ba­res Geschenk. Aber hier bestimmt jede und jeder Tag und Dauer selbst. Eine The­rapie mit Dolmetschern wird von hochqualifizierten Profis durch­ge­führt. Wir haben Termine, die einzuhalten sind, inzwischen sogar Supervision (selbst or­ga­ni­siert), ist 'ne komplett andere Nummer. Das kann und macht nicht jeder ... und schon gar nicht mal eben so als Ehrenamt in der Freizeit neben einer Fest­an­stel­lung.

Menschen brauchen mehr als nur einen Schlafplatz und einen Teller Suppe.

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Foto: Archiv

Sonntag, 6. September 2015

Zungenbrecher

Bon­jour, guten Tag! Sie lesen hier in einem di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buch einer Dol­met­scher­in und Übersetzerin für die französische Sprache. Ich schreibe derzeit aus Berlin. Sonntags werde ich privat: Sonntagsfotos!
Und Grete krähte: 'Käthe, eine Gräte!'
Das ist ein neuer Zungenbrecher, entwickelt in der Nähe der Insel Poel, Sommer 2015, ein Urlaubsmitbringsel.

Drei Forellen in einer Schale
Forellenterzett
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Foto: Hannes Reiss. Muito obrigada!

Dienstag, 1. September 2015

Der Erste

Hallo! Seit Fe­bru­ar 2007 blog­ge ich hier aus der Dol­met­scher­ka­bi­ne und vom Über­set­zer­schreib­tisch meine kleinen Beobachtungen aus der Welt der Sprachen. Und jetzt ergeht's mir wie allen Verkäufern von Saisonartikeln und Ho­sen­schnei­dern: Die Themen wiederholen sich mit den Jahreszeiten. (Der Beweis der Redundanz: 2010, 2011, 2012, 2013.)

Heute rasch zweierlei: Während ich mich weiter ins Thema Bodengesundheit ver­gra­be und dem Weg der Nährstoffe durch die Krume folge, reden schon alle vom Herbst, und an den Supermarktkassen stehen die Schokonikoläuse neben den Weih­nachts­stol­len stramm. Eine leichte Sommernostalgie durchwehte schon meinen gestrigen Bei­trag. Prompt bekam ich eine Antwort.

Denn heute ist der erste Herbstanfang, aber nur für diejenigen, die das wirklich wollen, für alle anderen ist Spätsommer. Nämlich: "Heute ist keineswegs Herbst­an­fang; das Äquinoktium fällt in diesem Jahr auf den 23. September, dann erst be­ginnt der Herbst. Der sogenannte meteorologische Herbstanfang am 1. Sep­tem­ber dient lediglich dazu, statistische Auswertungen zu erleichtern und wäre dank EDV eigentlich gar nicht mehr erforderlich."

Das musste mal gesagt sein. Danke! Ich genieße also den Sommer bis zum zweiten Herbstanfang.

Auch in Frankreich hat sich von gestern zu heute alles verändert und ist trotz­dem alles gleich geblieben. Gestern do­mi­nier­te noch bräsige Au­gust­ver­schla­fen­heit das Land, heute beginnt in Frankreich, tataaaa, nein, nicht der Herbst, naja, unter Statistikern vielleicht auch, dafür aber die neue "Saison". Der 1.9. ist so etwas wie der 1. Januar, naja, gefühlt, denn er ist der Anfang von der Wiederaufnahme des schu­li­schen, akademischen und ge­sell­schaft­li­chen Lebens, la rentrée genannt. (Viele Kalender, nicht nur die von Schülern und Studenten, gehen vom Herbst bis zum Sommer.)
Kind mit Tornister, Brotbeutel und Zuckertüte aus den 1920er Jahren
Ernst des Lebens in Sicht

Prompt bekommen viele Sender neue Pro­gramm­sche­ma­ta, Schüler eilen wieder zu den Stätten ihrer Bildung, die hoch­ge­klapp­ten Bürgersteige werden wieder auf Nor­mal­ni­veau gebracht. Das ist wirklich eine echte Besonderheit französischen Lebens und lustig, dass es sich seit Jahrzehnten exakt so abspielt.
Was den Franzosen ihre rentrée, ist den Deutschen ihre Zuckertüte. Zum ersten Schultag gibt's diese Teile auch schon seit vielen Generationen, allerdings nur in Deutsch­land und im deutschsprachigen Aus­land. Die Franzosen kennen das das ko­ni­sche Einschulungsmöbel dafür über­haupt nicht.

Die Änderungen finden woanders statt. Die junge Erstklässlerin aus den 1920er Jahren trägt zudem einen Lederranzen, der bis in die frühen 1970er Jahre so aus­ge­se­hen hat. Meine Oma nannte das Teil "Tornister". So hießen die gerundeten Ledertaschen zum Auf-dem-Rücken-Tragen der Soldaten im 1. Weltkrieg auch schon. Hierzu passt das Wort "Klas­sen­ka­me­rad". Heute auch unbekannt, es heißt |Schulfreundin oder Schul­freund| EDIT: Mitschüler, wie eine Leserin oder ein Leser richtig bemerkt hat.

Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Mappen aus Plastik Schulranzen aus ei­nem recyclingfähigen, umweltschonenden High-Tech-Textil Platz machen, denn ihre Haltbarkeit ist von gewollt kurzer Dauer. Kaum vorzustellen, dass wir damals mit zwei Ranzen unsere ganze Schullaufbahn bestreiten konnten, mit dem kleinen "Tornister", der sogar oft übernommen worden war von einem anderen Kind, für die ersten Jahre, und einem hochwertigen Lederranzen für danach. Letztere ha­ben nur einen Malus: Sie sind schwer.

Bis dahin üben wir Äquinoktium sagen, ein seltenes Wort, eigentlich nur zwei Mal im Jahr in Gebrauch, aber sicher etwas, womit sich auch auf Spätsommerparties punkten lässt. Und l'équinoxe spricht sich irgendwie leichter aus.


Vokabelnotiz:
la rentrée littéraire — der Bücherherbst
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Foto: Privatarchiv

Montag, 31. August 2015

Tierisch aktiv

Hallo! Sie lesen hier im Arbeitstagebuch einer Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache, die in Paris, derzeit Berlin, Marseille oder München in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Bil­dung tätig ist. Im Herbst sind noch etliche Termine frei. Wie Sie mich erreichen können, steht rechts.

Vogel in Gummibaum als Schattenriss
Suchbild mit Piepmatz
Wenn man schon vor dem Fertigaufstehen an einer Übersetzung arbeitet und zum zweiten Mal "Strickstoff" statt "Stickstoff" tippt, könnte es sein, dass sich der Som­mer dem Ende zuneigt und einem einfach nur die Füße kalt sind.

Der Berliner Sommer geht schon seit dem 7. August zu Ende. An diesem Tag sind die Mau­er­seg­ler in den Süden geflogen. In­te­res­san­ter­wei­se haben wir aber noch am 15. in Schwerin, also viel weiter nördlich, Mauersegler gehört. Offenbar herrscht dort ein besonders mildes Klima vor. Und wie ich gerade über Piepmätze nach­den­ke, landet ein Spatz in meiner Pfle­­ge­­pflan­­ze auf der Küchenfensterbank.

Ich sitze gerade an einer Textkorrektur. Der Vogel schaut mir lange zu. Mit lang­sa­men Bewegungen stelle ich ihm ein Schälchen mit Wasser hin, er bleibt dabei reg­los sitzen, trinkt, als ich wieder an meinem Platz bin, badet dann in aller See­len­ru­he und schaut mir weiter bei der Arbeit zu. Nach über einer Stunde fliegt er auf die Therme, die auf der gegenüberliegenden Wand oben unter der Zim­mer­decke hängt und verlässt zielgerichtet die Küche durch das obere Fenster, das weit offen steht.

Mir fliegt manchmal etwas zu. So, das nächste Wortfeld beackern, und zwar im wahrsten Wortsinn, geht es doch weiter um Bodengesundheit. Und langweilig wird es mir dabei auch nicht, hier herrscht großes Getümmel: Da gibt es Re­gen­wür­mer, Algen, Springschwänze, kleine Ringelwürmer, Nematoden, Blattläuse, Zi­ka­den, Thripse, Schlupfwespen, Florfliegen, Schwebfliegenlarven, Marienkäfer, räu­be­ri­sche Wanzen, Spinnen und Tausendfüßler ...

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Foto: C.E.

Mittwoch, 26. August 2015

Upcycling (1)

Hallo! Sie haben ein digitales Logbuch aus der Welt der Sprachen an­ge­steu­ert. Hier schreibe ich über meinen Berufsalltag als Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache ... und darüber, was mir am Wegesrand auffällt.

Fahrt zur Post, weil der Paketdienst wieder einmal eine Benachrichtigung in den Postkasten im Erdgeschoss eingeworfen hat, anstatt mir einige Sekunden zum Re­agie­ren zu geben. (Ich bin nicht sicher, ob er überhaupt geklingelt hat.) Auf der Rückfahrt radle ich an alten Balkontüren vorbei, die vor einem Haus ste­hen. Mir tut immer leid, wie alte Formen und Architekturdetails bei To­tal­sa­nie­run­gen ver­schwin­den (und finde es Wahnsinn, dass die hermetisch in Plastik ein­ge­hüll­ten Räu­me dann anschließend unter Verwendung einer elek­tro­nisch be­trie­ben­en An­la­ge wieder "belüftet" werden müssen.)

Nur ein "Karree" weiter, the block nennen das die Amerikaner, komme ich an einer Ladenwerkstatt vorbei, in der Upcycling stattfindet. Und, oh Wunder, ich treffe auf einen alten Bekannten aus der französischsprachigen Schweiz, François, der sich rasch der ausgesetzten Fenstertüren annimmt, während ich seinen Laden hüte, dann trinken wir einen Kaffee türkisch und sprechen dabei Französisch. (Türkischer Kaffee: ohne Filter aufgebrüht, das Kaffeemehl muss décanter, wie Monsieur sich ausdrückt).

Etliche seiner Objekte gefallen mir so gut, dass ich mir gleich Anregungen hole. François wird beim Umbau meiner Garderobe eine wichtige Rolle spielen. Dann geht es weiter: Eine Schicht Farbe für einen Nachttisch in der Werkstatt, bei mir ist ein Kos­ten­vor­an­schlag zu einer Fachterminologie dran, es geht um Bo­den­ge­sund­heit, mehr darf ich nicht verraten.

Ich bin mal gespannt, was François aus den Balkontüren machen wird.

Von der Straße in die Werkstatt

Hier seine Webseite fürs Upcycling, Kunst-Nutz-Objekte aus dem Nichts: www.upcycling.mobi
François ist auch Dokumentarfilmer, hier die andere Webseite: www.belle-journee.com

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Fotos: C.E.

Dienstag, 25. August 2015

Kaltblütig

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­ter­in. Hier notiere ich Dinge aus dem Alltag von uns Kon­fe­renz­dol­met­schern und Über­setzern. Und ich denke über die Sprachen nach.

Gestern Abend berichtet der Deutschlandfunk: François Hollande hat die beiden Ame­ri­ka­ner und den Briten zu Rittern der Ehrenlegion geschlagen, die neulich im Thalys von Amsterdam nach Paris einen vermeintlichen Attentäter unschädlich ge­macht haben. Der Reporter berichtet, der französische Präsident habe sie ge­wür­digt, denn "sie hätten mit ihrem mutigem und kaltblütigen Eingreifen ein Blutbad verhindert." In französischen Agenturen finde ich, was ich vermutet habe, mit sang-froid ist hier nicht "kaltblütig", sondern "beherrscht", "mit kühlem Kopf" (statt mit kaltem Blut) gemeint. Der Begriff reiht sich ein in die Liste der faux amis, der fremden Freunde". Nicht die zufällig Mitreisenden waren kaltblütig, der Attentäter wäre möglicherweise kaltblütig zur Tat geschritten.

Liebe Medienvertreter von ARD und ZDF und den angeschlossenen Sendern! Dem Vernehmen nach sammelt ihr bis Ende 2016 ein Plus von einer Milliarde Euro an. Es wäre schön, wenn Ihr Euch dazu entscheiden könntet, voll bezahlte Profis ein­zu­set­zen, auch für redaktionelle Abnahme, ggf. Nachfrage bei Profis und für das Ver­dol­met­schen von Ministerinterviews zum Beispiel, für Hintergrundrecherchen und Sprach­coa­ching bei Aufnahmen ... sowie in der Dokumentarfilmarbeit! Hier fehlt nämlich eine faire Bezahlung. Wäret Ihr ein Kaffeehersteller, ein Label für Fair­Trade würdet Ihr nicht bekommen.

Kaltblüter
Die Betroffenen sehen das Ganze übrigens alles andere als "mit kühlem Kopf". Daher braucht Ihr Euch nicht zu wun­dern, wenn Menschen wie der Regisseur, für den ich neu­lich gearbeitet habe, gar kein TV-Gerät mehr besitzen. Er hat neulich darüber nach­ge­dacht, seine Rund­funk­ab­ga­be als Bar­zahl­ung gro­schen­wei­se leisten zu wollen. Sind Zehn-Cent-Stücke eigentlich noch Groschen?
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Foto: Percheron-Pferd (Wikicommons)