Sonntag, 4. Juli 2021

COVIDiary (335)

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt. Wie wir Dol­metscher*innen und Über­set­zer*innen ar­beiten, ist oft nicht gut be­kannt. Seit die Pan­demie aus­ge­bro­chen ist, fin­den kaum noch Konferenzen statt (normalerweise arbeite ich mit den Sprachen Französisch und Englisch). Meine Mehr­spra­chig­keit erlebe ich seit lan­gem wieder zusammen mit anderen Menschen. Sonntagsbilder!

Endlich Sommer!

Abendessen im Restaurant mit Freunden in Zusammenhang mit einem neuen Film: Wir sitzen zum ersten Mal seit einem Jahr drinnen, ein wenig fremdele ich, es ist so un­ge­wohnt. Die­ser An­blick ist be­son­ders: Über ei­nem wun­der­schönen Par­kett schwe­ben Plexiglas­wände über Füßen aus ro­hem Bau­holz. Wir sitzen an of­fe­nen Fens­tern beim Edel­chinesen.

Unsere Her­kunfts­­län­­der sind Ge­or­gien, Deutsch­land, Türkei. Frankreich spielt hier auch eine große Rolle, denn es ist für ei­ni­ge von uns die Bil­dungs­heimat.

Wie oft im internationalen Kontext erweist sich zunächst Englisch als die zentrale Umgangssprache. Aber immer wieder geht es in alle möglichen Richtungen, in Win­des­eile wechseln wir die Idiome und dolmetschen auch Nuancen. Das über­rascht die Servicekraft, die am Ende nur noch in Gesten mit uns kom­mu­ni­ziert, weil sie nicht weiß, welche Sprachen die Person spricht, die sie jeweils vor sich hat.

Familienübel: zerstreut danebengestellte Tasse beim Warten
Auf dem Nachhauseweg dann an der Bushaltestelle über Wer­bung sinniert, mit er ein Groß­un­ter­neh­men sich einen Öko-Anstrich ver­pas­sen will. Den in Deutschland oft ver­wen­de­ten Begriff Green­washing habe ich mal kurz mit "Öko­tün­chen" übersetzt. Klappt leider nur be­dingt im mi­gran­ti­schen Milieu, da das "Tün­chen" für "Fär­ben" geho­bene Spra­che ist. "Öko­lo­gi­sche Augen­wischerei" schlägt der Mit­mensch mit mi­gran­ti­schem Hintergrund vor, ja, schön, aber lang. Alibi-Öko-irgendwas ... Hm. Weiter­denken.

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Fotos:
C.E.

Samstag, 3. Juli 2021

COVIDiary (334)

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, und na­tür­lich auch wir Frau­en im Be­ruf, wie sie bzw. wir arbeiten, ist hier seit Mitte der Nuller Jahre re­gel­mä­ßig Gegen­stand in Form kleiner Be­richte aus dem Alltag. Der Blog wurde zum COVIDiary, heute folgt mein Link der Woche!

Rückenfreundlicher Ar­beits­platz

Nach ihren Lieblings­tools hat eine deut­sche Kollegin aus Frankreich neulich einige Über­set­zerinnen und Über­setzer gefragt. Sie dachte dabei an allerlei elektro­nischen Kram, der unsere Arbeit erleichtert.
Bei mir sind diese Werk­zeu­ge indes aus Holz, Leder, Stahl und irgendwas Weichem, das hat mit der Sitzarbeit zu tun und der vielen Re­cherche im Vorfeld von Dol­metsch­ein­sätzen. 

Hier entlang: "Die besten Tools für Übersetzer*innen und Texter*innen" — und ich habe mal wieder das letzte Wort.

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Foto:
C.E. (Archiv)

Montag, 28. Juni 2021

COVIDiary (332)

Was Dol­met­scher und Über­setzer umtreibt (hier: eine Dol­met­sche­rin­ und Über­set­ze­rin­), beschreibe ich seit 2007 an dieser Stelle. Meine Sprach­kennt­nis­se (Fran­zö­sisch, Englisch) trai­niere ich täg­lich, Covid-19 hat unsere Arbeit jedoch enorm ein­ge­schränkt. Wir sind weniger auf Konferenzen tätig, sondern auch im privaten Kon­text, in Behörden und auf Baustellen.

Neulich, ich war mit einer Privatkundin unterwegs, reißt diese diese plötzlich die Augen auf. Sie macht eine Geste, beobachtet mich bei der Arbeit, lacht mir kurz darauf ins Gesicht. Die Kundin: "Ich hatte ja noch nie mit einer Dolmetscherin zu tun. Aber ich glaube, Du über­trägst auch meine Gesten mit!" 

Ich ahne, was sie meint. Ja, das wurde mir wie­derholt berichtet, das ist vor allem Film­mitarbeiterInnen aufgefallen: Wenn einen bestimmten Inhalt eine bestimmte oder sogar ausladende Geste begleitet hat, über­tra­ge ich diese oft mit.

Glaswände in Wohnungen, Beispiele
Verrière d'intérieur
Das hat meiner Meinung nach mit dem Ab­spei­chern des Gesagten zu tun. Mein gan­zer Körper ist mnemotechnisch daran beteilgt. 

Hier ging es um die Ein­rich­tung einer Woh­nung, eine offene Küche, die vom Rest des Raumes ol­fak­torisch und auch visuell auf elegante Weise getrennt worden ist. In Frank­­reich sind in­nen­lie­gen­de Fenster derzeit schwer in Mode, auf Französisch la verrière d'intérieur oder la verrière d'atelier. Mir gefallen sie gut.

Später sendet mir eine andere betei­lig­te Person ein Zitat zu. Es stammt aus "Mein Herz so weiß", von Javier Marías. In diesem Buch gibt es eine höchst un­wahr­schein­liche Kennenlernszene eines Liebespaars: zwei Dolmetscher, die eine übertägt ur­plötzlich einen anderen Sinn, der andere hört schweigend zu. (Sinn­ent­stel­lend dol­metschen! Der Autor hat wohl nicht genug recherchiert!)

Diese Stelle hier ist aber gut getroffen: Wir SpracharbeiterInnen neigten "dazu, alles verstehen zu wollen, was gesagt wird und mir zu Ohren kommt, so­wohl bei der Arbeit als auch außerhalb, sei es aus der Ferne, sei es in einer der zahllosen Sprachen, die ich nicht kenne … Ich kann es nicht vermeiden, au­to­ma­tisch im Geist in meine eigene Sprache zu übersetzen. Oft übersetze ich sogar das Mienenspiel, die Blicke und die Gebärden …" 

Und da wir jetzt wegen der Pandemie alle Masken tragen, ist vielleicht der Aus­druck der Hände wichtiger geworden.

 

                       Aus dem französischen Fernsehen

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Illustration und Film: La Maison France 5

Freitag, 25. Juni 2021

COVIDiary (330)

Als Kon­fe­renz­dol­metscherin in der Politik arbeite ich oft für die Spitzen des Staates. Durch Corona hat auch unser oberstes Personal öfter mit Di­gi­tal­kon­fe­renzen zu tun, die festan­ge­stellten Dolmet­scher:innen stehen öfter zur Verfügng, da sie jetzt weniger reisen, wir Freien werden seltener nachgefragt. Vorgestern habe ich trotz­dem die oberste die politische Garde gesehen. Und das kam so.

A
n Plakatwänden oder Litfasssäulen fällt mir öfter auf, dass die Aus­stel­lungs­an­kün­di­gung von November 2020 neben der Konzertankündigung für den Juli '21 hängt. Auch im Wartebereich des französischen Konsulats in Berlin gibt es solche Co­ro­na­bil­der. Dorthin wurde ich Mittwoch als Dolmetscherin für eine junge Frau ein­be­stellt, die demnächst hei­ra­ten möchte. 

Arte-Programmheft von Juni
Ihre Eltern sind 1990 aus Ost­eu­ro­pa vor dem Krieg geflo­hen, sie ist Deut­sche und beendet ge­ra­de ihr Stu­dium. Die Fa­­mi­lie des Bräuti­gams ist aus dem gleichen Land ge­flo­hen, einige Jah­re später und nach Fran­kreich. Vor fünf Jah­ren sind die jungen Leute einander zufällig im Internet be­geg­net. Tausende Anrufe, Mails, Kurz­nach­richten und Be­su­che später ist klar: Sie wollen heiraten.

Während die junge Braut in Ber­lin geboren und Deut­sche geworden ist, hat der junge Mann in Frank­reich als Flüchtlings­kind nur kurz die Schule be­sucht und dann ein Hand­werk gelernt. Aus verschiedenen unwichtigen Gründen hat er nie die französische Staatsbürgerschaft angenommen. 

Die Eheschließung soll in Paris statt­finden, dann will der Bräutigam nach Berlin zie­hen. Doch zunächst werden beide ausgiebig befragt, er in Frankreich, sie in Deutsch­land. Audience, heißt das, Anhörung, eine Excel-Tabelle mit Dutzenden Fra­gen will ausgefüllt sein, am Ende werden wir ein zehn­seitiges Dokument pro­du­ziert haben. Frage — Verdol­metschung — Antwort — Verdolmetschung — Frage — Verdolmetschung ...  so gehen die Stunden ins Land. Schließlich wird ausgedruckt, und ich dolmetsche das französische Protokoll zurück ins Deutsche. Wir kor­ri­gie­ren, ändern, ergänzen. 

Die Mobilte­lefone hatten wir am Eingang ins Schließ­fach packen müssen. Wir mer­ken nicht, wie die Zeit verfliegt. Ab und zu setzen wir die Masken ab, nehmen einen Schluck aus der Was­ser­pul­le. Am Ende sind alle müde und hungrig, wir zwei sowie die Protokol­lantin und eine Dame, die sich nicht vorgestellt hat, die aber im Protokoll als Beisit­zende aufgeführt wird. 

Die Punkte sind ebenso er­schöpfend wie banal: Kennen­lernen, Per­so­nen­be­schrei­bung, Zeitvertreib, Urlaubsreisen, Familien- und Wohn­situation, Lebenspläne, lauter Details, die Vater Staat interessieren, um Scheinehen zu vermeiden, an den Film "Green Card" erinnern sich sicher viele. Mich wundert die Genauigkeit dieser Be­fra­gung, der große Aufwand, der heilige Ernst, mit dem sich alle der Sache wi­dmen. Es ist meine erste Amtshandlung dieser Art. An der Wand schaut der ak­tu­elle Be­woh­ner der Liegenschaft 55, Rue du Faubourg Saint-Honoré auf uns herab. Ich merke, dass ich das erste Mal auf das Bild eines Präsi­denten sehe, der jünger ist als ich.

Und ich denke an das deutsche Stan­desamt. Ausländer müssen in Deutschland ein sogenann­tes "Ehefähig­keits­zeug­nis" beibringen, ein Dokument, aus dem hervor­geht, dass sie nicht schon in der Heimat verhei­ratet sind und das es nicht in allen Ländern gibt. Verständliches Anliegen, aber den Be­griff fand ich schon immer grenz­wertig, ebenso die Frage nach dem Schei­dungs­grund, sofern es eine solche gab, bei einem erneuten Aufgebot, vor einigen Jahr­zehnten erlebt. Das hat sich auch grenz­wertig angefühlt.

Nach vier Stun­den verlassen wir die Botschaft. Ich stehe auf dem Pariser Platz und sehe in Rich­tung Westen. Bald wird die Sonne über Charlot­ten­burg untergehen. Der Platz ist leer, es ist kein großer Touristen­sommer. Ich eile ins fran­zö­si­sche Kaufhaus Galeries Lafayette an der Frie­drich­straße, optiere für Zutaten für ein französi­sches Abendessen. An der Kasse stehe ich mit Frau Merkel zusam­men, die am Tag danach ihre letzte Reigerungserklärung zur Europa­politik halten wird. (Falls da am Tag drauf schräge Töne gegen­über Frankreich zu hören sein sollten, ist die salzige Butter aus der Nor­man­die schuld.)

Note to self: Eine Notfall­ration Ka­lo­rien in den Ruck­sack packen, wie das vor der Pan­demie üblich war.

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Foto:
C.E.

Donnerstag, 24. Juni 2021

COVIDiary (329)

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt. Wie wir Dol­metscher*innen und Über­set­zer*innen ar­beiten, ist oft nicht gut be­kannt. Seit die Pan­demie aus­ge­brochen ist, fin­den kaum noch Konferenzen statt (normalerweise arbeite ich mit den Sprachen Französisch und Englisch). Ab heute bin ich in der aktiven Sommerpause, erreichbar und aktiv.

Gestern war in Berlin der letzte Schultag vor den großen Ferien, und obwohl ich nicht mehr in die Schule muss, habe auch ich heute so richtig ausgeschlafen.

Richtig ausschlafen heißt bei mir immer, sich die Träume zu merken: Ich war auf einem Dokumentarfilmfestival, das zu­gleich eine Buchmesse war (in der Pan­de­mie­­atem­pause wird ja viel zu­sam­men­ge­feiert, z.B. EM und Berlinale), und ich ha­be in einer Zei­tungs­re­dak­tion ge­ar­bei­tet da­­bei und am Rande mitbekommen, wie sich eine mir bekannte Person, die sich im­mer wieder als Dolmetscher:in ausgibt, an der Übelsetzung eines Live-Interviews mit einer berühmten Fran­zö­sin krachend gescheitert ist.

Dankbar bin ich aufgewacht. Auch das darf mit auf die Liste der Dinge, die mir in den Coronajahren erspart blei­ben: unlauterer Wettbewerb, der von der werten Kundschaft stumm hin­ge­nom­men wird, als würde es nicht ge­ben: Fach­kent­nisse, Respekt anderer Berufe, Qua­li­tät. Meine Coronagewinnliste dürfte kurz aus­fal­len. Die übliche Win­ter­grip­pe zählt da­zu, übervolle Züge, Anhetzen gegen die Uhr, auf dem Hö­he­punkt der Konferenzsaison feuchte Wäsche in den Koffer zu packen.
Später steht Buchhaltung auf dem Pro­gramm. Dann will ich noch no­tie­ren, was bei meinem gestri­gen Dol­metsch­ein­satz so an­stren­gend war. 

Heute ist der Johannistag, traditionell wäre das der letzte Spargel­tag des Jah­res. Das Früh­jahr hatte al­ler­dings 2021 einen Zeitverzug von min­des­tens vier­zehn Tagen — ob das auch für die Spar­­gel­­ernte gilt?    

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Fotos:
C.E.

Mittwoch, 23. Juni 2021

COVIDiary (328)

Bon­jour, hier bloggt ei­ne Linguistin. Ich ar­beite mit den folgenden Spra­chen: Deutsch, Englisch, Französisch, Film. Derzeit leben wir in einer Welt der Um­brü­che, meine Kleiderkammer wurde zur Dol­metscher­kabine. Vor jedem Si­mul­tan­dol­metsch­einsatz müssen wir aller­dings viel lernen und wieder­holen. Blick auf den Schreib­tisch.

Gästezimmer und Kleiderkammer
Auf dem Schreibtisch:
⊗ Filmvokabular wiederholen (Dreharbeiten!)
⊗ Naturgarten als Zu­kunfts­mo­dell
⊗ Schwammstadt (Was­ser­wirt­schaft)
⊗ Arbeitsvertrag
⊗ "Ehefähigkeits­zeug­nis"
⊗ Ver­än­de­rung der Arbeits­welt
⊗ Urban Gardening
⊗ Buchhaltung
 

Literatur:
⊗ "Natur & Garten", Zeitschrift, Sommer 2020
⊗ Friedrichs, Julia: Working Class, 2021
⊗ Risse/Zimmermann: Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe / Das Neue Berlin aus französischer Sicht, 2020

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Foto:
C.E. (Archiv)

Sonntag, 20. Juni 2021

COVIDiary (327)

Was und wie Über­set­zer und Dol­met­scher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Die meis­ten von uns sind selb­stän­dig, sie ar­beiten selbst und ständig, zum Beispiel als Wörtersammler.

Tisch mit Esswaren und Tee in der Draufsicht
Links oben: Milföy
M
ein neues türki­sches Lieblingswort lautet Milföy. Wer Franzö­sisch spricht, darf sich mal an der Ent­schlüs­selung versuchen.

"1000 Blatt", mille-feuille heißt jenseits des Rheins ein Kuchen aus vielen Schic­hten von Blät­ter­teig mit unter­schied­li­chen Fül­lungen und zumeist mar­moriertem Zucker­guss on top. Die türkisch geschriebene Variante be­deu­tet einfach nur Blätter­teig, was auf Französisch wiederum la pâte feuil­letée heißt, der gefal­tete Teig. Worüber sich so beim Sonntags­früh­stück mit dem salzigen Blät­ter­teig­gebäck "Börek" sprechen lässt ...

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Foto:
C.E.

Sonntag, 30. Mai 2021

COVIDiary (319)

Sie sind auf den Seiten eines Blogs aus der Welt der Spra­chen gelandet. Wir Dol­met­scher:innen arbeiten täglich, sogar an offiziell arbeitsfreien Tagen. Beim Pikieren höre ich ei­nen Podcast zu ökologischen Themen. Sonntagsbilder!

Heute sind Arbeit und Freizeit iden­tisch. Ich lerne zum Thema urban gar­de­ning und urban farming, Garten- und Gemüse­anbau in der Stadt. Zwischen­durch habe ich die Hände in der Blumen­erde. Mein Balkon mit seinen Kräu­tern und Sa­lät­chen, Fotos folgen, sobald es etwas zu sehen gibt, zählt auch dazu.

Mich freut beim Spazier­gang jede Baum­scheibe, die ihr Team gefunden hat. Durch den stän­digen Regen dieses Jahr ist das Grün derzeit wirk­lich tiefgrün.
        Berliner Stadtnatur

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Fotos:
C.E.

Donnerstag, 27. Mai 2021

COVIDiary (317)

Will­kom­men auf den Seiten meines digi­talen Arbeits­ta­ge­buchs aus der Welt der Über­setzer und Dol­met­scher. Täglich ar­beite ich in mei­nen Spra­chen, lese, schrei­be, höre, den­ke auf Deutsch, Franzö­sisch und Eng­lisch — und arbeite immer öfter nicht mehr von zu Hause aus.

Ähnlichkeit mit dem Stadtwappen ist rein zufällig
Kleiner Piks, große Wirkung: Gestern Abend habe ich 19.30 Uhr eine Mail ge­schrie­ben, eine Minute später kam der Rückruf, kurz nach acht war ich ge­impft. Mittwochs und freitags er­hal­ten die Berliner Haus­arzt­pra­xen den be­gehr­ten Stoff, noch ist es ins­ge­samt zu we­nig. Ver­tre­te­rin­nen man­cher Be­ru­fe mit Pub­li­kums­­kon­takt zäh­len zu den erst später hin­zu­ge­füg­ten Prio­ri­sie­rten, darunter An­wält*innen, Erzie­her*innen und auch wir Dol­­met­­scher*innen (*). Was vom Tag liegenbleibt, wird kurz­­fristig ver­impft.

Ich bin sehr dankbar für die Coronaschutzimpfung, zumal wir die ersten Ein­satz­an­fragen er­hal­ten haben, in dem das Wörtchen "geimpft" vorkam.

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Illustration:
Frei gestaltetes Impfsymbol
(*)
... wenn ich das richtig verfolgt habe

Mittwoch, 26. Mai 2021

COVIDiary (316)

Herz­lich will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­metscher und Übersetzer machen, wie sie arbeiten, wie sie leben, ist hier seit 2007 re­gel­mä­ßig Thema. Außerdem denke ich über un­sere Arbeits­be­din­gungen nach. Der Corona­virus hat aus dem Arbeits­ta­ge­buch ein subjekti­ves COVIDiary gemacht.

Nächster Halt: Bibliothek
Es ist kalt in der Stadt, nur das Licht ist frühlingshaft und das satte Grün überall.  Heute habe ich schon wieder nicht gegen Honorar gearbeitet, sondern un­sere künftigen Ar­beits­be­din­gun­gen verbessert.

Neulich hat­ten wir ei­ne An­­frage zu einer hy­bri­den Konferenz. Bis zu zehn Men­schen sollen sich bald in einem Kon­fe­renz­saal be­fin­den, der Rest per Zoom zu­ge­schaltet, bei insgesamt drei Spra­chen arbeiten wir zu viert in vier Kabi­nen, zwei sind vor Ort fest ver­­baut, zwei werden hin­zu­­ge­­stellt.

Jetzt also der Vor-Ort-Termin. Wie lösen wir das, wenn die Vortragenden sich an ein- und demselben Rednerpult abwechseln sollen, auf das eine Kamera gerichtet ist, außerdem gibt es eine Kamera, die den gesamten Raum aufnimmt, sowie eine weitere, vor­zugs­wei­se automatisierte Kamera, die drei antwortende Wis­sen­schaft­ler*innen vor Ort filmen soll?

Und wie ändern wir für die Zukunft Dolmet­scherkabinen, in denen wir künftig wohl wieder zu zweit sitzen dürfen, wenn ein Teil der Konferenz­teilnehmer aber fortge­setzt über Zoom zuge­schaltet werden wird? Einige bauliche Ideen hatte ich sofort, andere werden folgen, Ideen, über die sich alle Betei­ligten im ersten Moment ge­freut, im zwei­ten Moment indes gewundert haben.

Und jetzt wundere ich mich, dass sich alle darüber wundern, dass eine aktive Dol­met­sche­rin gute Ideen zur Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes hat. Es ist oh­ne­hin ver­wun­derlich, dass das Heer von Architekten, deren gebaute Vor­stel­lungs­kraft wir regelmäßig an Arbeitstagen inspizieren dürfen, so wenig ausreicht, um die ei­ge­nen Grenzen zu erkennen. Will sagen: 99 % der neu­ge­bau­ten, fest in­stal­lier­ten Dolmetscherka­binen außerhalb der interna­tionalen Institutionen zeugen von ab­so­lut totaler und kompletter Ignoranz dessen, was wir Dolmetscher*innen be­ruf­lich so machen. In dieser Architektur gewordenen Ah­nungs­lo­sig­keit lässt sich nur be­dingt professionell arbeiten, weshalb ich etliche dieser Orte im Re­gie­rungs­­vier­tel bereits als Stuhl­lager oder teurer Putzmit­telschrank gesehen habe.

Hiermit präsentiere ich einen neuen Punkt in meinem Portfolio: Beraterin für die archi­tek­tonische und technische Umsetzung von Konferenz­orten und hybriden Kon­ferenz­settings, ab jetzt auf Honorarbasis, die Höhe ist Verhandlungs­sache.

Auf der Rückfahrt dann Lesende in der Hochbahnstation, eingemummelt, als wäre noch Winter: Ich liebe den Anblick lesender, informationssüchtiger Menschen, ich kann nicht anders.

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Foto: C.E.

Sonntag, 23. Mai 2021

COVIDiary (313)

Ein­blicke in das Le­ben einer Sprach­ar­bei­terin können Sie hier erhalten. Das zweite Pfingsten in Pandemie­zeiten: Wegen nicht komplett funktionsfähiger Fahrräder ist unser Radius gerade begrenzt. Sonntags poste ich private Sonn­tagsbilder.

"Es ist so kalt, daß die Elster auf dem Zaun flötet", weiß das Sprichwort. Pfingsten mit April­wetter, sagt meine Schwester (in der Ferne). Als es mal für Stunden wär­mer wird, hän­gen die Men­schen draußen in Trauben zusam­men. Moment mal, der Coronavirus ist noch nicht am Ende, möchte ich ihnen fast zu­ru­fen. Wir umlau­­fen sie in gro­ßen Bö­gen. Ins­ge­samt hilft das kühle Frühjahrs­wetter wahr­schein­lich bei der Pan­de­mie­be­käm­pfung, die Leute sind unter freiem Himmel mehr in Be­we­gung und at­men bei Still­stand nicht die Atemwölkchen der Mitmenschen ein.

Das blaue Sofa
Der Stehgeiger des Grauens, der sonst den Markt beschallt, seit auf Betreiben mancher An­woh­ner die echten Musiker leider von der Aussichts­ter­rasse am May­bachufer vertrie­ben worden sind, nämlicher Steh­geiger des Grauens stresst uns Nach­barn jetzt sogar das Wochen­ende hindurch mit seinem ta­lent­­losen Gefiedel. Er ist auf dem Foto ganz links oben zu sehen. We­nigs­tens wech­selt er ab und zu seinen Standort.
In seiner Gegenwart zu schla­fen, kann ich mir allerdings ganz und gar nicht nicht vor­stel­len.

Das akkurat hinzuge­stellte blaue So­fa zeigt hier zwei Probleme der deutschen Haupt­stadt auf einmal auf. Weil Berlin sich zu fein ist, Sperrmüll­ta­ge zu ver­an­stalten, wird ständig die gute Stube vollgerümpelt. Bevor das Sofa nass­regnet, schenkt es wenigstens einem Men­­schen etwas Ruhe. 

Die blaue Taschenlampe

Mich nervt, dass die Politik For­schungs­er­gebnisse in so vielen Feldern nicht wahr­nehmen will. Warum gibt es in Deutschland immer mehr Obdachlose? Seit 1966 (1976) ist Wohnen ein verbrieftes Menschenrecht. 

In Deutsch­land ist die vergeigte Wohn­politik das eine, die Ver­achtung der Armen das andere. Dabei gibt es schon lange Pro­gram­­me wie Housing First, die gesamtgesell­schaft­­lich weniger kosten, als die Men­schen in der Ob­dach­lo­sig­keit zu belassen. Schon 2013 hat die EU dazu eine Studie kofinanziert. 

Warum wurden nach 2015 die Not­quartiere für die Ge­flüch­tete nicht gleich so ge­baut, dass aus ihnen mit we­ni­gen Zusatz­investitionen echte Woh­nungen hätten werden können, kleinere Ein­hei­ten zu günstigen Preisen, ge­mischt mit Mehr­gene­ratio­nen­ein­hei­ten und auch ganz han­dels­üb­li­chen Wohnungen, um Ghettobildung zu vermeiden?

Tagsüber die Hände in Gartenerde gehabt; abends langanhaltendes, großes Staren- und Elstergeschrei über dem Dachfirst; wer hat hier wessen Gelege ausgehoben?

Am Wochenende gelesen:
Bode, Thilo: Die Essensfälscher: Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller legen, Frankfurt, Fischer, 2010
Haldimann, Urs u.a.: Unser täglich Fleisch: So essen wir die Welt kaputt, Zürich Unionsverlag, 1992

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Fotos:
C.E.

Sonntag, 16. Mai 2021

COVIDiary (309)

Was Dol­met­scher und Über­setzer umtreibt (hier: eine Dol­met­sche­rin­ und Über­set­ze­rin­), beschreibe ich seit 2007 an dieser Stelle. Der Sonntag gehört den privaten Sonntagsfotos.

Zwei junge Damen beim konzentrierten Zuhören aus der Frühzeit des Rund­funks: Damals war Radiohören noch spannend für alle (heute ist es das leider nur noch für wenige, woran auch viele Redak­tionen und Sender­leitungen schuld haben). Schön, wie Freunde das Bild, das ich anderswo schon gezeigt habe, kom­men­tieren. Klaus Peter aus Halle schreibt: "Inte­res­sant, vor allem der Lautstär­ke­reg­ler am Män­tel­chen."

Das Bild wurde August 1925 in Berlin aufgenommen. Ich habe es mit einfa­chen Mit­teln grob "res­tau­riert", einige Schäden kor­rigiert und es koloriert. Das Ori­gi­nal­for­mat ist rechteckig und wird bei Gelegen­heit in hoher Auf­lösung gescannt und noch gründ­licher bear­beitet.

Nach einer Woche in der Un­ter­ti­tel­werk­statt darf ich über einen Kurz­film nach­denken, es wird ein Foto­film im eigenen Auftrag und mit eigenen Mit­teln werden.

"Ich dreh mal lauter!"






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Foto: Eigenes Archiv

Sonntag, 9. Mai 2021

COVIDiary (305)

Was und wie Über­setzer und Dol­met­scher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Die meis­ten von uns sind selb­stän­dig. Co­ro­na stellt auch un­sere Exis­tenzen auf tö­ner­ne Füße. Eine Entlastung ist die Freude über die Natur. Sonn­tags­bild!

Als es im März schon mal eine Woche warm war, hock­te ich mal wieder in Qua­ran­tä­ne. Für mich ist heute der erste warme Tag des Jahres. Allerdings strengt ein Tem­pe­ra­tur­sprung von 20 Grad binnen zwei­er Tage ziemlich an. Wet­ter­fühlig mit Mi­grä­ne bin ich leider seit mei­ner Covid-19-Er­kran­kung geworden. Ich hoffe, das ebbt lang­sam ab. Mor­gen sollen es sogar 30 Grad in Berlin wer­den!

Die gute Nach­richt: Die Mauer­seg­ler sind zurück. Oder sie wa­ren schon früher da. In Ber­lin kom­men sie sonst immer am 27. April an. Vielleicht war ihnen auch nur zu kalt, um laut auf In­sek­ten­fang zu gehen.

Frühling am Kanal
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Foto:
C.E. (Gesichter mit Photoshop verändert)

Freitag, 30. April 2021

COVIDiary (299)

Hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Derzeit leben wir in einer Welt der Umbrüche. Zum ersten Mal dieses Jahr sitze ich wieder in einer Dolmetscherkabine bei an­ge­stamm­ten Kunden aus dem Kultur- und Bildungsbereich. 

Der Kollege kommt im Flugzeug aus Paris zum Einsatz, denn wir sind mal wieder VOR ORT. Unfassbar. Aber auch nur wir sind hier ... und der Techniker.

Interpreter out of the box

Mein Kol­le­ge merkt an, dass das Wort "Flug­zeug" ein verschwun­dener Be­griff sei, es gebe heute nur noch Flie­ger; früher al­ler­dings habe das Wort einen Men­schen be­zeich­net. Dieser Kollege, er ist nicht mehr ganz jung, lebt in Frankreich und hat schon die zwei­te Impfung erhalten. Nein, ich ver­spü­re keinen Impfneid, um das nächste Co­ro­na­wort zu erwähnen. Andere sind grö­ße­ren Gefahren aus­ge­setzt als aus­ge­rech­net ich.

Es wird ein Kurzeinsatz mit fast 50 Prozent Nach­spiel­zeit werden, denn irgend­wie will der ausge­hen­de Ton meines Postens nicht so, wie er soll. Unsere Teil­neh­merinnen und Teil­nehmer am For­schungs­tag hören zwi­schen­durch rein gar nichts.

Die vielen Zoom-Erfah­rungen hatten uns dazu verführt, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Und ja, wir hätten vorab alle Funktionen austesten müssen.

Zwischendurch bin ich al­ler­dings gut zu hören. Während der Kollege dran ist, er sitzt in der Box, suchen wir nach der Fehler­quelle. Beim Dolmet­schen mache ich die Kame­ra immer aus, über die das große Gerät verfügt, es müssen nicht alle mei­ne Wort­such­gri­massen sehen. Erst denke ich, dass wenn ich die Kamera aus­stel­le, vielleicht auch der Ton automa­tisch ausge­stellt wird; das teste ich wie­der­holt, dem ist nicht so. Schließlich vermute ich, dass die schwarze Box, an die der Kopf­­­hörer an­ge­schlos­sen wurde, einen Wackelkontakt hat. 

Als ich eine kleine Es­sens­pause einlege, schiebe ich diese Box ein Stückchen weiter nach hin­ten. An­schlie­ßend ist der Ton erneut weg. Beim ersten Feh­ler­such­durch­lauf haben wir auch alle Kabel aus- und wieder einge­steckt. Der Vormit­tag wird am Ende zu kurz sein, um den Fehler zu finden.

Zwischen­durch und um nicht zu viel Zeit ins Land streichen zu lassen, biete ich dem ein­zi­gen Kunden, der eine Verdolmetschung ins Deutsche braucht, an, ihm den Ton über das Mobiltelefon zu liefern. Gesagt, getan. Mit einem Gastzugang logge ich mich ein zwei­tes Mal ein, dieses Mal mit meinem eigenen Rechner, und setze mich an das andere Ende des Raums. (Der Techniker sucht inzwischen nach dem Fehler.) 

Der Ton ist nicht super, er kommt vom Lautsprecher des Geräts, mein eigener Kop­fhörer liegt leider im eigenen Sprachatelier. Die Redner:innen sind etwa brief­mar­kengroß zu sehen, mit Lippenablesen bei Tonstauchungen komme ich da auch nicht weit. Ich schaue kurz auf die visuellen Beispiele, höre dann wieder scharf hin, dol­met­­sche mit größerem Zeit­verzug als sonst. Am Ende bin ich glück­lich: Mein einer Dolmetschkunde ist auch der Bericht­er­statter des Morgens, und er bringt die Er­kennt­nis­­se sehr gut rüber.

In der Pause gibt es neben Butter­broten auch noch Cup cakes, die eine jugend­li­che Nachbarin gebacken hat. Thank you very much, Pearl! They were very tasty!

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Foto:
C.E.

Mittwoch, 28. April 2021

COVIDiary (298)

Im Blog aus der Welt der Spra­chen be­schrei­be ich derzeit, wie die Pan­de­mie un­se­re Arbeit verändert hat. Wir Selb­stän­digen sitzen seit 14 Monaten meistens zu­hau­se. Aus der Dol­met­scher­kü­che nehme ich auch an Kon­fe­ren­zen teil.

Neulich war ich zu Gast "bei" einer Videokon­ferenz, die sechs Stunden ge­dau­ert hat. Die Sache lief natür­lich über das Netz. Ich ken­ne die Kol­le­gin­nen und habe auf deren Bit­te hin ei­ni­ge Minuten lang den "Kabinen­sound" auf­ge­nom­men, wie er bei den Kund:innen ankommt. Wir machen das füreinander mitunter als Qua­li­täts­check. Leider war ein we­nig Ge­ra­schel dabei, das ver­meidbar ge­wesen wäre. Au­ßer­dem wa­ren im Hintergrund andere Töne zu hören, über die ich am Ende noch schreiben werde.

Alle Tassen im Schrank
Die Konferenz wurde von zwei Kollegin­nen ver­dolmetscht. Sechs Stunden ist eigent­lich zu lang angesichts der extrem an­stren­­genden digitalen Arbeit, denn der Ton ist gestaucht, ge­le­gent­lich hängt ein Da­ten­paket, was zu Artefakten wie Echos oder Verzerrungen führt; ge­le­gent­lich hat das weltweite Netz auch Schluck­auf und pro­du­ziert kurze Tonlöcher, in die einige Worte hinein verschwun­den sind. Zudem verwendet nicht jeder und jede da drau­ßen ein Headset, das Um­ge­bungs­ge­räu­sche filtert. So oft hören wir hier die ei­ge­ne Stimme als leises Echo, dort Hun­de­­ge­bell und Kinder­geschrei, oder aber den Klavier­stimmer, der sich nicht mehr ver­schie­ben ließ.

Um mit der Menge der Vorträge klar­zu­kommen, wurden etliche von ihnen im Vor­feld auf­ge­zeich­net und den Dolmetsche­rinnen zugeschickt, zusam­men mit Rede­notizen oder Ma­nus­kript. In einem Fall war ein sehr schnell gespro­chener Bei­trag vom Kunden sogar als Transkript in Auftrag gege­ben worden. Damit konnten die Kollegin­nen schon eine Woche vor der Veranstal­tung eine jeweils andere Sprachen­fassung herstellen. Sie haben die Vorträge wiederholt angehört, Notizen gemacht, vielleicht den einen oder anderen Satz ausgeschrieben und dann alles auf­ge­nom­men und den Ton geschnitten. Der Tontechniker bekam MP3-Da­te­ien zuge­sandt und hat die entsprechenden Sprachenfassungen der Vor­trags­fil­me in den Ta­ges­ab­lauf eingebaut. (Mit Audacity lassen sich die Tonaufnah­men pri­ma schnei­den, das klappt fast intuitiv.)

Das geneigte Publikum konnte übrigens sehr einfach unterscheiden, welche Bei­trä­ge spontan gedolmetscht und welche im Voraus bearbeitet worden waren, und zwar an den Hintergrundgeräuschen. Die Kolleginnen trafen sich am Konferenztag mit dem Techniker und dem Moderatorenteam in einem For­schungs­zen­trum, saßen dort in einem relativ kleinen Raum und befanden, dass die Klimaanlage, die ja in der Regel auch für fri­sche Luft sorgt, muffige Gerüche verströmt hat. Also wurde sie vom Haus­meister abgestellt, statt­dessen die Fenster sperr­an­gel­weit geöffnet.

Fritierkorb für die Spülsachen

Und nun begab es sich in diesem zweiten Coronafrühjahr, dass die heimische Vogelwelt un­ge­stört von rau­chen­den und kaf­fee­­trin­ken­den Mit­­­tags­­päus­­lern und -päusle­rin­nen auf dem Kan­ti­nen­­bal­­kon hatte brüten kön­nen. Die spontan über­tra­ge­nen Vorträge, es waren nur noch einige, sowie sämt­li­che Dis­kus­sio­nen, die aus dem For­schungs­zen­trum übertragen wurden, durchzog früh­lings­­haf­ter Hin­ter­grund­sound!

Wobe mir immer wieder einfällt, dass diese Piepmätze ja Miniflugsaurier sind. Hach, das Leben macht mit Bildung doch einfach mehr Spaß!

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Fotos: C.E.

Sonntag, 25. April 2021

COVIDiary (296)

Bon­jour & hel­lo! Seit 2007 blog­ge ich hier über das Ar­beits­le­ben der Über­set­zer und Dol­met­scher. Meine Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch und Englisch. Durch Corona reise ich seit einem Jahr durch meine ei­ge­ne Wohnung. Der Sonn­tag ge­hört den pri­va­ten Sonn­tags­fo­tos.

Stillleben in der Küche

Seit einigen Wochen gibt es ein neues Wort der Co­ro­na-Pan­de­mie: mü­tend. Ich bin es müde, ich bin wütend, ich bin es aber auch müde, wütend zu sein, vor allem wegen der gras­sie­renden Dummheit. Und Bildung schützt vor Dumm­heit nicht, auch mal wieder ver­standen.

À propos verstehen: "Ein Ver­stand ist wie ein Fall­schirm: Er funktio­niert nicht, wenn er nicht offen ist." (Frank Zappa)

Während­dessen in der Küche neben dem Dolmetsch­büro: Neue Brot­sorten testen und sich erfreuen am neualten Brot­kasten. Demnächst muss auch eine neu­alte Tee­kanne her. Die Läden sind zu, Deutsch­land räumt weiter auf und stellt die drit­te und vier­te Tee­kanne als Klein­anzeige im Internet ein. Ich verbinde das mit Spaziergängen.

Klappe auf, Klappe zu.
Fast alle Bedürf­nisse lassen sich der­zeit so decken. Die Rest­nut­zungs­dauer zu verlän­gern ist über­dies eine öko­lo­gi­sche Le­bens­hal­tung. Alles liegt ir­gend­wo rum, ist schon ge­kauft wor­den, muss nur den Stand­ort wechseln.
Das gilt aber meis­tens nicht für Schnür­senkel, Schuhe und Gür­tel (Danke, A.O.!). Wie ist es mit Hosen? Die Corona­pfun­de haben dafür ge­sorgt, dass mir derzeit noch drei Stück passen.

Eine ist jetzt kaputt­ge­gan­gen. Mal sehen, ob es auch Jeans in meiner Größe in den Kleinan­zeigen gibt. Für die­sen Second-Hand-Coro­na­zeit-Handel kenne ich noch kein neues Wort. Da draußen vielleicht jemand?

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Fotos:
C.E.

Donnerstag, 22. April 2021

COVIDiary (293)

Bon­jour & hel­lo! Aus dem Ar­beits­le­ben der Über­set­zer und Dol­met­scher können Sie hier einiges erfahren. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch, Deutsch und Englisch. In den Pan­de­mie­zei­ten ist so vie­les anders. Die einen Kun­den ver­suchen, die Preise zu drücken, die ande­ren freuen sich an meinem breiten Bil­dungs­hin­tergrund.

Gestern Abend ist Marc Ferro gestorben. Das ist ein großer Verlust. Wäre 1. nicht die Mauer gefallen und 2. ich nicht vom TV im wieder­vereinten Deutschland auf­ge­so­gen worden, erst als Redakteurin, dann im Bereich Produktion und Spra­che, er wäre einer meiner zwei Doktor­väter geworden.

Marc Ferro wusste sehr viel über Frankreich zu erzählen, und sein einzigartiger Blick auf Geschichte, bei dem er den Film der Liste historischer Quellen hin­zu­ge­fügt hat, und zwar Spielfilme in der gleichen Art und Weise wie Do­ku­men­ta­ri­sches, hat das Fach dort verändert, wo es über unsere Zeit und das letzte Jahrhundert spricht.

Dabei hat er das, was oft als "Sitten­geschichte" bezeichnet wird, den Umgang mit­ein­an­der, Wörter und ihr begriffliches Hinterland, Alltags­ge­wohnheiten, weit ver­brei­te­te Sichtweisen, kulturell Kon­no­tier­tes, ebenbürtig neben die His­to­rio­gra­phie politischer, wirtschaftlicher, militäri­scher und anderer Ereig­nisse und Ent­wick­lungen gestellt. Seine unterhaltsame, klare und auch witzige Art der Vermitt­lung ist leider in deutschen akade­mischen Welt undenkbar gewesen, weshalb ich dieses Feld, das ich als Historiker­tochter auch für mich erwogen hatte, mit mei­nem Um­zug nach Berlin schnell zum Hobby erklärt habe.

Mich hat Marc Ferro stark beeinflusst. Andere zu langweilen, sei ver­boten, sagte er mal. Wir sollten unterhalten, bilden und Vor­bild sein, so ähnlich hat er es zu­sam­men­gefasst.

France Culture hat Marc Ferro eine wunderbare Rückschau gewidmet: France Culture, Marc Ferro à voix nue.

Im Büro: Absage von heftig unterfinanzierten Untertiteln für ein Berliner Museum aus dem Feld der "kulturellen Leuchttürme", stattdessen Pflege einer aktuellen Bau­lexik. Daneben darf ich über die Fort­enwicklung meiner Küche weiterdenken. Eine mei­ner Referenzen lautet hier Marga­rete Schütte-Lihotzky. Ihr verdan­ken wir mit der "Frankfurter Küche" die Mutter aller Einbauküchen, die 2026 ihren hun­derts­ten Geburtstag feiern wird. 

Aus dem unten verlinkten Film
Schütte-Lihotzky ließ sich damals von der for­dis­ti­schen Analyse der Arbeits­ab­läufe inspirieren, außerdem hat sie Erkennt­nisse eingearbeitet wie dass Blau die ideale Kü­chen­far­be ist (weil Fliegen und anderes Geflügeltes sie nicht mögen, siehe die Dominanz dieser Farbe im südlichen Mit­tel­meer­raum).

 

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Illustration: Schütte-Lihotzky

Freitag, 16. April 2021

COVIDiary (291)

Herz­lich will­kom­men! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Meine Sprachkenntnisse (Französisch, Englisch) trainiere ich täglich, auch an Tagen, an denen ich (wie in den Corona-Jahren) nur wenige Einsätze habe. 

His master's voice
Der Himmel ist wie frisch­ge­schrubbt, die Nach­barn er­kennt mein Gehör auf der Treppe am Gang, eine Nach­ba­rin links am Niesen (ich rufe "Gesundheit!" durch die Wand), die unten am Mu­sik­geschmack, und für rechts backe ich nach­her einen Ku­­chen mit.
Im 14. Monat sitze ich nun im eigenen Ar­beits­zim­mer, dol­met­sche und lerne von hier aus.

Gänge zur Bibliothek sind rar, waren zwischendurch immer wieder mög­lich. Die Selbstversorgungsquote mit Mittagessen ging durch die Decke, die Anzahl der zu Fuß zurückgelegten Kilometer bleibt hoch, nichts Neues von 3. Coronawelle aus Berlin.

Meine sechs Monate Schlappitude (auch Fatigue ge­nannt) nach der bö­sen Vi­rus­er­kran­kung habe ich letztes Jahr einigermaßen gut weggesteckt, zum Glück kenne ich den Hirn­nebel nur nach langen Dolmetsch­ein­sätzen und keinen Post-Covid-brain fog.

Dieser Tage leidet meine Stimme unter neuerdings wieder längeren Ein­sätzen. Ich ha­be in letzter Zeit viel übersetzt und die Über­setzungen dabei nicht selten dik­­tiert. Derzeit gibt es Sitzungen zu verdol­metschen, Bie­ter­ge­sprä­che, Planungs­treffen, Seminare. Ich spreche mit Kol­le­gin­nen der Berufsverbände über die Zu­kunft, mit anderen über eigene Projekte. Und Bäng!, ich bin mal wieder heiser.


Heute ist der Welttag der Stimme. Was mache ich für eine gute Stimme? Ich trinke Salbeitee mit Honig in kleinen Schlucken, den ich aus ganzen Blät­tern braue, mei­ne eigene Ernte reicht immer den halben Winter. Eine Freundin empfiehlt mir als Tee Odermen­ningkraut, das gibt es in der Apotheke, und davon einen ziemlich hochpro­zentigen Aufguss. Wichtig ist an solchen Tagen: Schweigen. Und Emser Salz lutschen, isländische Mooskraut­pastillen oder Gelo­Revoice. Mein leises Gekrächze wird dadurch besser.

Flüstern ist dabei zu vermeiden, denn darunter leiden die Stimmbänder, werden nur noch mehr strapaziert. Und was ich auch vermeide, denn es verschleimt die Stimme: Milch- und Käse­produkte, Lein­samen und Nüsse im Müsli, Fruchtsäfte.

Als Profisprecherin werde ich mir auch bald wieder eine Auffrischungsphase bei der Sprech­er­zieherin schenken, der Artiku­lation, Atmung und Stimm­band­pflege wegen. Also sobald es wieder möglich ist.

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Foto:
folgt

Donnerstag, 15. April 2021

COVIDiary (290)

Herzlich will­kom­men! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Wie Konferenzdolmetscher und Übersetzer arbeiten und leben, auch die jeweiligen -innen, der Beruf ist über­wie­gend weiblich, ist hier seit 2007 re­gel­mä­ßig Thema. Au­ßer­dem denke ich über die Sprachen nach. Der Corona­virus hat aus dem Arbeits­ta­ge­buch ein sub­jek­ti­ves COVIDiary gemacht. 

Pandemien und föderale Landesstrukturen passen nicht gut zusammen.

Derzeit steigen die Zahlen, von täglich 30.000 Neuinfektionen und 300 Toten sind wir nicht weit entfernt. Und worüber debattiert das Land? Über Lockerungen und Urlaubsplanung. Vor einem Jahr gab es 300 Neuinfektionen täglich und den harten Lockdown.

Auch Onlinefatigue genannt

Eine Pandemie und förderale Strukturen, die Menschen aus betroffenen Branchen auffangen sollten, (Volks-)Hochschulen, Kunst, Büh­ne, Tourismus, Mes­se- und Kon­gress­­wesen etc., war keine gute Idee, weil nach der ersten Schock­reak­tion die Entscheider anfingen zu warten, zu den Nach­barn und der Su­pra­struk­tur schielten, ob und wie diese aktiv wurden.

Dieses Warten, Beobachten und Nach-oben-Schielen haben wir jetzt im Bereich der Pandemiebekämpfung. Dazu die gesamtpolitische Lage, die Neigung vieler, sich zu profilieren: Pandemie und eine förderale Landesstruktur im Su­per­wahl­jahr passen nicht zusammen. Denn Gesundheits­politik ist aktuell Ländersache und ohne die sich reibenden Regionalfürsten nicht durch­setzbar.

Aber die Woh­nungs­po­litik muss offenbar Bundes­sache sein! (Ironie aus.) Und die Bil­dungs­po­li­tik darf es wiederum nicht. (Ironie aus.) Rück­sprung: Mit 14 Jah­ren habe ich aufgrund eines simplen inner­deut­schen Umzugs ein Schuljahr ver­loren, denn der baden-württembergische Gymnasial­direktor hat bei meinem hes­si­schen Ge­samt­schu­lzeugnis ein­fach jede Note um den Faktor eins verschoben, die Einsen wurden Zweien, die Mathe-Vier zur Mathe-Fünf und ... plötzlich fehlte "mindestens eine Eins" zum Aus­gleich. In seinen Augen war ich sitzengeblieben, er durfte das so entscheiden, weil je­des Bundesland seine eigene Bildungspolitik betreibt.

Damals waren in Baden-Württemberg Legasthenie und Dyskalkulie noch nicht be­kannt, Menschen wie ich fielen in der Regel durch die Raster. (Geblieben von den Einschrän­kungen ist fast nichts, Wörter wie Legasthenie schaue ich alle paar Mo­na­te nach, weil mir im Kopf das H immer wieder verrutscht, das ist alles.)

Andere Fächer habe ich ohne Mühen "aufgesogen", Bio zum Beispiel, und Logik hat mir auch gelegen, ich weiß, was eine exponentielle Kurve ist — und warum asia­ti­sche Länder so eindeutig sind in ihrer Seuchen­bekämpfung. Damit sind wir wie­der im Hier und Heute. Die halbherzigen Maßnahmen, die das Ganze in die Länge zie­hen, nerven nur noch.

Eine Pandemie passt nicht zu Phasen der Meinungs­bildung, der Abstimmung auf ver­schie­de­nen Ebenen, zur demokra­tischen Beschlussfassung unter Be­rück­­sich­­ti­­gung aller divergierenden Interessen. Mit der Schwerkraft verhan­deln wir ja auch nicht.

Diese Woche im französischen Radio (ich glaube am Dienstag, in der Mor­­gen­sen­dung von France Culture, kurz nach sieben): Das französische Hotel- und Gast­stät­ten­ge­werbe rechnet damit, nicht vor März 2022 wieder einigermaßen normal ar­bei­ten zu können. Als Geschäftsreisende in Sachen Sprache übertrage ich das schon beim Hören auf meine Branche. Derzeit haben wir pro Kollgen­duo hier eine, zwei Kon­fe­renz­an­frage(n) für kurze Veranstal­tungen im Quartal statt vor­co­ro­na­tisch einer bis zwei pro Woche. Online-Events kompensieren nicht im Ansatz, was weggefallen ist, was sicher auch an der Onlinefatigue liegt, die sich im Land aus­breitet.

Und in der Zwischenzeit nehmen manche Abgeordnete und Funktionsträger Vor­tei­le aus ihrer Amtsausübung wahr, die eigentlich nicht mit der Amtsaus­übung wahr­genommen werden dürfen, kassieren Geld, Stichwort Masken­affäre(n), sogar der designierte CDU-Kanzlerkandidat hat seine, oder schustern anderen Gewinne in ei­ner Art und Weise zu, die nur noch als schamlos etikettiert werden kann, was natürlich die Wut der Machtlosen, Ausge­grenzten, Berufs­un­tä­tigen und Long-Covid-Berufs­un­­fä­­hi­­gen sowie der Schwurbler aller Couleur weiter erhöht. Da braucht sich ein Cocktail zu­sam­men, der mir Sorgen bereitet.

Heute hat das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel gekippt. Ich darf mich da gleich einlesen (für einen Journalisten). Wir haben weiterhin Spät­win­ter­wetter, der schwächelnde Golfstrom sorgt für eine gleichbleibende Lage, was angesichts voll­laufender Intensiv­stationen zur Abwechslung mal eine gute Koinzidenz ist.

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Foto: Netzfund, leicht verändert

Sonntag, 11. April 2021

COVIDiary (287)

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig, Sie sind auf den Sei­ten des ers­ten Dol­met­scher­blogs Deutsch­lands aus dem Inneren der Dol­metscherkabine gelandet. Ich arbeite mit den Sprachen Deutsch, Französisch und Eng­lisch. Als Dol­met­sche­rin be­schäf­ti­gen mich oft Themen der Nachhaltigkeit, Ökologie und Ökonomie, so auch im Pri­vat­leben. Sonntagsfoto!

Stuhl, Tisch, Regal, Küchenbank und ein Blumenstrauß
Die Bank im Hintergrund
Corona plus Cocooning = Corooning. Ein Mö­bel hat einen Holzwurm. Ich habe ihn ge­hört. Das hat mich mich an einen Spre­­cher­in­nen­ein­satz erinnert, wo ich für das Werk einer Studentin zwei, drei Te­le­fon­stim­men­mut­ter­sätze einsprechen durfte. Wir saßen bei ihr im WG-Zimmer in Kreuz­berg, kaum lief die Auf­nahme, machte es tock-tock-tock. Stoppte sie das Gerät, war es wieder still. Drückte sie auf "Start": tock-tock-tock. Ge­spens­tisch.

Was haben wir gelacht, als nach langem Su­chen die Quel­le klar war: Ein mediengeiler Holzwurm hockte frustriert im Melk­sche­mel ihres stei­ri­schen Groß­vaters und morste fle­hent­lich nach einem Holz­wurm­weib­chen in der Gegend herum.

Jetzt also unsere Küchenbank! Der Holzwurmtod auf natürliche Weise geht so: Eine Schale mit Eicheln hin­ein­stellen, eine andere drunter. Weil sie so schön weich sind, ziehen Holzwürmer sie dem Holz vor. Ich habe den Inhalt der Schale immer wieder auf den Kompost getan und neue Eicheln angeboten. Das Mehl auf dem Kü­chen­bo­den wurde weniger, dann kam nichts mehr nach. Da hatte ich wohl alle Holz­würmer umgesiedelt.

Nächster Schritt: Wir haben das Möbel umgedreht und Rizinusöl mit einer Spritze in die Löcher gespritzt, das verhindert, dass welche nachkommen. Schließ­lich hat mir mein Lieblings­mensch noch etwas echtes Wachs von den Bienen­stöcken spen­diert, er imkert ja. Als die Löcher ausgetrocknet waren, habe ich kleine Wachs­würs­tchen geknetet, sie in die Wurm­löcher reingeschoben und die Löcher damit "versiegelt".

Vor Corona hätte ich das Möbel in ein Dampfbad gegeben, aber wer weiß, ob die arbeiten, außerdem halte ich die Bar­mittel zusammen, wer weiß, wie lange das noch geht. Sicher länger, als alle annehmen. Ich rechne mit einer langsamen Nor­mali­sierung im nächsten Frühjahr. Bis dann wieder Kon­fe­ren­zen stattfinden wie zuvor, sich die Menschen regelmäßig trauen, auf Bil­dungs­fahrt nach Berlin zu ge­hen, wird es wohl bis Anfang 2024 dauern. Ein Teil wird aus Kosten- und Um­welt­grün­den künftig hybrid durchgeführt werden. Wir müssen unsere Preis­mo­delle über­ar­beiten.

Jetzt muss ich nur die Küchenbank nur weiter beobachten. Und gut hinhören!

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Foto:
C.E.