Montag, 24. August 2015

Auf dem Schreibtisch XXIII

Guten Tag! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch rein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Brüssel und gerne dort, wo Sie mich brauchen! Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Die Sommerpause, die nur zum Teil eine war, nähert sich dem Ende. Auch in den letzten Wochen waren wir für Sie da — und mich hat es wiederholt in die Flücht­lings­hil­fe verschlagen. Dort bleibe ich mit einem Spielbein. Weitere Anfragen für ehrenamtliche Einsätze liegen vor, allerdings für zehn Tage in der Woche. Das ist und bleibt eine unausgewogene Lage.

Vokabellernschreibtisch
Denn ich muss mich auch wieder den honorierten Einsätzen zuwenden. Dabei geht es um
  • Wirtschaftslage in Europa und in Frank­reich
  • Solidarische Wirtschaft
  • Klimawandel
  • Allgemeine Politik.
Das sieht überschaubar aus, fühlt sich aber an wie die ersten Heftzeiten der Zeitung.

Zwischendurch Terminabfragen, Kos­ten­vor­an­schläge, Reiseplanungen und Buch­hal­tung. Auch etwas Kollegenpalaver ist sehr wichtig, es lockert das Hirn!

Einer, dessen Muttersprache Englisch ist, meinte, er habe 48 Jahre gebraucht, bis er das, was er auf dem Schulhof des Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen als "Des iss Aschmann" gehört hat, als "Des iss a Schmarrn!" identifizieren konnte.

Bei mir ging's einmal ein kleines bisschen schneller. 

Freiluftschreibtisch (nicht meiner)
Ich erinnere mich noch ge­nau, wie ich mich in Paris mitten in der Prüfung zur Wirt­schafts­über­set­zer­in kaum noch eingekriegt habe, weil ich kapiert hatte, dass "an­schnau­zen" und engueuler quel­qu'un der gleiche Ge­dan­ke zugrunde liegt, das Maul (Mund eines Tieres). Da war der Groschen im­mer­hin bin­nen eines knappen Jahr­zehnts ge­fal­len.  

Auf die anderen Erleuchtungen warte ich noch. So, schnell weiterlernen.

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Fotos: C.E. (Archiv)

Sonntag, 23. August 2015

Wochenende im Kiez

Bonjour und guten Tag! Interessieren Sie sich für Dolmetschen und Über­set­zen? Dann sind Sie hier auf meinen digitalen Tagebuchseiten richtig. Sonntags werde ich privat, da haben meine Einträge nicht unbedingt mit Sprachen zu tun.

Das Wochenende dient dem Abschalten. Kein Problem bei schönstem Som­mer­wet­ter: Freiluftkino, Museumsgeburtstag, Gartenarbeit (mit Freude am Kompost) und ein Begrüßungspicknick mit lieben Nachbarinnen gehören dazu.


Dass wir ehrenamtliche Dolmetscher in der Flüchtlingshilfe anderen Menschen Wörter und Zeit schen­ken, ist schwierig in Bildern darzustellen. Einfacher geht es durch das Spielzeug, das meine kleinen Nachbarn und ich für Flüchtlingskinder sammeln. Mein Dank geht an Gretchen, Romy, Louis und an einige unbekannte Spender.

Eine gute Idee für solche Aktionen ist übrigens, kurz vor Flohmarktende über den­sel­ben zu gehen und nach dem Preis für ein oder zwei Tiere zu fragen, dann zu sagen, was der Grund der Nachfrage ist ... Kurz: Die meisten Stofftiere kamen aus dem Keller, der hinterletzten Kinderzimmerecke oder sogar vom Flohmarkt als Geschenk!


Schön, dass diese Kinder einen Sinn für Solidarität haben... Das Ge­rech­tig­keits­ge­fühl scheint bei jungen Menschen noch sehr gut ausgeprägt zu sein. Wann es genau verschwindet, müssen wir einen Entwicklungspsychologen (oder eine ~in) fragen. So jedenfalls das Abendpalaver unter Dolmetscherinnen zwischen Hamburg und Ber­lin, ausgehend von Einsatzplanungen und Literaturtipps. Ist das Buch des fran­zö­si­schen Molekulargenetikers und buddhistischen Mönchs Matthieu Ricard über Altruismus und unsere modernen Gesellschaften eigentlich schon ins Deutsche über­setzt worden?

So, zum Kontrast dazu darf ich ab morgen früh wieder Wirtschaft pauken. Und da­mit das Gehirn eine Nacht länger zum Fixieren hat, nehme ich mir am Abend noch eine Stunde lang bereits bekannte, spannende Texte vor, steigere durchs Über­flie­gen alter Vokabellisten die Freude des Wiedererkennens, und schlage noch einen thematischen Pflock ins thematische Neuland.

Und dann geht's noch ab mit dem Bestiarium an die Wäscheleine.

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Fotos: C.E.

Samstag, 22. August 2015

Lachen ist wichtig!

Hallo! Hier bloggt eine Sprach­mit­tler­in für Po­li­tik, Wirt­schaft und Kultur. Ge­ra­de ha­be ich mit der Flücht­lings­the­matik viel zu tun. Samstag folgt hier (derzeit nur ab und zu) mein Lieblink der Woche.

Nach den Dramen der letzten Tage schickt mir eine Freundin folgenden Filmlink. Hier ist deutlich zu erkennen, wie schwierig es ist, mit Dolmetschern zu drehen. Beispiel von einem dreisprachigen Filmdreh. Der Pferdeflüsterer hat leider gefehlt.



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Film: YouTube

Freitag, 21. August 2015

Urlaubsjob

Bien­ve­nue, herz­lich will­kom­men! Sie le­sen hier im Blog einer Dol­met­scher­in und Übersetzerin für die französische Sprache, die für Politik, Wirtschaft, Kultur und Bil­dung tätig ist. Manchmal aber auch dort, wo einfach nur Not am Mann (oder der Frau) ist. 

Heute habe ich von einer neu­en Variante meines Dolmetscharbeitsplatzes zu be­rich­ten, der Putzmittelkammer.

Kleine Wüstenprinzessin
Hier stehen drei un­ter­schied­li­che Stühle, dem einen fehlt eine Armlehne, dem anderen das Rückenteil, der dritte ist einfach nur hässlich. Hinter uns der Vorrat an Putzmitteln in milchigen Kanistern und ein kleines Fenster. Neben mir stehen Schrubber.
Die Registrierung der Flücht­linge und die erste Ver­sor­gung finde in Berlin auf einem Ni­veau statt, das zum Teil nicht einmal Dritte-Welt-Ländern entspricht, raunt mir ein sichtlich schockierter jun­ger Arzt zu.

Dort gebe es wenigstens nach westlichen Standards gepackte Sets und Zelte mit der nötigen Grundausstattung. — Hier ist alles zusammengestückelt, gespendet. Denn seit Wochen überlässt das Land Berlin es Freiwilligen, sich im Vorfeld der Re­gist­rier­ung um hunderte oft in der prallen Sonne wartende Menschen zu küm­mern. Es fehlt an allem: Sonnenschutz, Lebensmittel, ausreichend Wasser, Kin­der­be­treu­ung und eben auch medizinische Hilfe. Ehrenamtliche springen ein.

Die unter dem Slogan "Moabit hilft!" engagierten Bürger sichern die humanitäre Grundversorgung ab, die eigentlich der Staat leisten müsste. Nach ersten spon­ta­nen Wasserspenden und Tagen, an denen sich der Einsatz für die Beteiligten oft wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein angefühlt hat, sind nach und nach die Caritas, die Johanniter und auch die Dia­ko­nie erwacht. (Die Reihenfolge ist hier völlig willkürlich, kann sein, dass auch schon mal jemand der Genannten zwi­schen­durch vor Ort war. Das Gros der Aktionen, die Spendenaufrufe und auch die me­dia­le Verbreitung der Hilfegesuche geht auf jeden Fall auf Anrainer und von diesen Alarmierte zurück.)

Ich spreche über die zentrale Verwaltungsstelle, das Landesamt für Gesundheit und Soziales, LaGeSo. Ehrenamtlich arbeiten hier und im Bereich der Kirchen, der Obdachlosenanlaufstellen, Migranten- und Mütter-Kind-Vereine Ärzte, Psychologen und Sprach­kun­dige, darunter auch Dolmetscher. So kam ich zu meinen ersten Ein­sätzen, unter anderem am oben beschriebenen Ort. Wenn heute Abend 18.00 Uhr das LaGeSo schließt, wird den verbleibenden Männern, Frauen und Familien hof­fent­lich ein Bett in einer Unterkunft angeboten werden. Ich habe mit Leuten gesprochen, die einige Nächte lang im Tiergarten kampiert haben.

Gentleman of the South
Einmal bekam eine Frau einen Weinkrampf und war nicht mehr zu beruhigen. Für die Übersetzung des Psy­cho­lo­gengesprächs war zunächst eine 17-jährige Gymnasiastin aus Baden-Württemberg im Gespräch, die in den großen Ferien Freunde in Berlin be­sucht und sich spontan en­ga­giert hat. Die Hin­ter­grün­de für den Zu­sam­men­bruch der Flücht­lings­frau sind er­schüt­ternd.

Ich kann und will hier nicht mehr dazu schreiben.

Eine andere Patientin stammte aus Zentralafrika, musste als Kind die Ermordung der eigenen Familie miterleben, wurde dann gezwungen, als Kindersoldatin zu kämpfen, ging später als Haushaltshilfe nach Syrien, wurde dort weiter aus­ge­beu­tet und missbraucht. (Der Einsatz liegt schon länger zurück, hier kann ich of­fen­bar zusammenfassen.)

Natürlich habe ich nicht nur mehr Vokabular, sondern auch mehr professionelle Dis­tanz zu dem, was ich übertrage, als es die junge Schwäbin gehabt hätte. In der Nacht danach habe ich trotzdem bis vier Uhr morgens nicht geschlafen. In nor­ma­len Fällen bekommen wir nach solchen Einsätzen Supervision angeboten, Helfer ris­kieren Sekundärtraumatisierungen. Hier gibt es stattdessen als einzigen Lohn das nicht unbedeutende Gefühl, wenigstens etwas geholfen zu haben. Für das Geld, für das ich sonst länger in den Urlaub gefahren wäre, bringe ich Windeln und Babygläschen mit (und spende für andere Stellen).

Wie desolat Berlin ist, zeigt sich hier (und am Flughafenbau*). Die Hütte brennt. Wir rennen hin und helfen mit einer Menschenkette, die kleine Wassereimer zum Brand­herd befördert. Wir leben in einer modernen Gesellschaft, die Löschzüge ste­hen bereit. Der Staat sind wir. Wir haben Regierungsvertreter gewählt und Men­schen zur Verwaltung delegiert, die wir täglich bezahlen, die ihre Arbeit offenbar nicht ausreichend getan haben. Unter den Helfern schwillt der Groll.

Bald endet die Urlaubs- und Feriensaison. Auch wir Freiberufler müssen dann wie­der an den Umsatz denken. Nicht vorzustellen, was passiert, wenn bis dahin die Verwaltung nicht aus dem Knick gekommen sein sollte.


Hier der 1. Teil meiner kleinen Reihe zum Thema, Das rosa Kaninchen.
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P.S. Danke an Reinhard Ahrens für Fotos und Engagement!
*) Namensvorschlag für Schönefeld: "Flughafen Deutsche
Einheit", beides ist ähnlich lang + kompliziert zu erlangen

Donnerstag, 20. August 2015

Das rosa Kaninchen

Hal­lo und gu­ten Tag. Ob ge­plant oder zu­fäl­lig, Sie le­sen in mei­nem Blog, der nor­ma­ler­wei­se direkt aus dem Inneren einer Dolmetscherkabine oder vom Über­set­zer­schreib­tisch kommt. Noch ist Urlaubszeit, trotzdem bin ich aktiv. Auch mit Französisch kann ich mich einige Tage die Woche nützlich machen, ehrenamtlich.

Deutschland und viele andere Länder Europas erleben gerade einen großen Strom von Flüchtlingen aus den Krisengebieten. Humanitäre Hilfe ist da eine Selbst­ver­ständ­lich­keit.

Diverse Stofftiere sitzen im Bullauge einer Waschmaschine
Gespannt auf Neues
Derzeit trennen sich viele Kinder und Ju­gend­li­che von einigen ihrer liebsten Be­glei­ter. Ob auch der weltbeste Patensohn da­bei ist? Noch sind in Berlin Schulferien, so dass die Entscheidung aussteht. Aber Zweittiere bei der Ziehtante dürfen schon mal weiterwandern in andere Kin­der­hän­de, der allerliebste Schlafhase bleibt al­ler­dings übrig. Minderjährige Nach­barn, denen ich von der Sache erzählt habe, konnten sich spontan auch von einigen Wesen trennen.

Diese Cabin-Crew darf in den kommenden Tagen nochmal in Desinfektionsspülung baden. Neue Mitreisende willkommen! Es ist noch Platz im Space Shuttle!

Wer in Kreuzberg oder im nördlichen Neukölln wohnt: Ich hole ab und begleite die Tiere dann zu Flüchtlingskindern, wenn ich als ehrenamtliche Dolmetscherin un­ter­wegs bin.

Liebe Verlage, liebe Schulen: Startet doch eine große Leseaktion vor allem in Regionen, in denen Menschen aufgrund mangelnder Erfahrungen massive Be­rüh­rungs­ängs­te mit Flüchtlingen haben. Legt das Buch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" von Judith Kerr in einer "Volksauflage" auf (also sehr günstig, Verbreitung auch außerhalb des Buchhandels) und sensibilisiert schon mal die Kinder. Begleitet das Ganze durch eine Internetseite, Handy-Apps mit Spielelementen, Aktionen.

Ein zweites Buch wäre für die Jugendlichen und die Erwachsenen: Liebe Bun­des­zent­ra­le für Politische Bildung, bittet die normalerweise unterbezahlten Jour­na­lis­ten, Autoren und Fotografen, Portraits zu echten Honoraren über die Flüchtlinge zu schreiben. Holt den "Bund der Ver­trie­ben­en" ins Boot. Nehmt Geschichten wie die über Annaberg-Buchholz und das italienische Fischerdorf Riace auf, das Flücht­linge vor dem Untergang gerettet haben. Die Zeit hat darüber geschrieben, das ist einige Jahre her. Wie hat sich die Sache entwickelt? Außerdem Flücht­lings­ge­schich­ten, die die deutsch-deutsche Grenze zum Auslöser hatten. Und Berichte über Hilfs­ak­tio­nen, die sich derzeit glücklicherweise mehren. Spart dabei die Ängste der Menschen nicht aus, nehmt sie vielmehr auf, geht von ihnen aus. Betreibt keine Indoktrination, sondern echte Information. (Digitale Aspekte wie oben.)

Liebe ARD, stelle bitte regelmäßig ausreichend dotierte Produktionsbudgets für eine wohlbekannte Reihe ein: "Die (neuen) Kinder von Golzow" für eine Lang­zeit­be­ob­ach­tung ausgehend von den Kindern von Golzow, einer Dokumentarfilmreihe, mit der das Ehepaar Junge zwischen 1961 und 2005 die Geschicke einer Land­schul­klas­se aus einem Dorf im Oderbruch und die damit verbundenen Blicke auf Le­bens­wirk­lich­kei­ten festgehalten hat. Dank der Flüchtlingskinder kommt in Golzow wie­der eine Klasse zustande, war den Medien dieser Tage zu entnehmen, wird die Schule aus dem Dornröschenschlaf geholt. Hurry up! In acht Tagen beginnt das neue Schuljahr.

Städte und Gemeinden: Nachbarn, bildet Patenschaften, besonders auch für die Bildung der Menschen. Holt sie aus den Zelten und Containern, sorgt für men­schen­wür­dige Wohnungen, greift un­ge­wöhn­li­che Konzepte auf, z.B. Re­no­vier­ung städtischer Wohnungen und von den Gemeinden verwaltete Gebäude, deren Eigentümersituation seit Jahrzehnten ungeklärt ist, unter Mitwirkung der Flücht­linge und örtlicher Handwerker. Vereinfacht die Bauvorschriften (weg von oft un­sin­ni­gen Wär­me­dämm­maß­nah­men), schreibt Wettbewerbe für gutes und zu­gleich günstiges Bauen aus, setzt den so­zia­len Wohnungsbau wieder in Gang, stärkt die Ob­jekt­för­der­ung. Setzt die Gelder nach­hal­tig ein, verstärkt die psychologische Be­treu­ung der Betroffenen, stoppt die Entstehung einer Flücht­lings­ver­sor­gungs­in­dus­trie. 

So, das war jetzt mein Wort zum Donnerstag! Wegen der Viecher: Mail an caroline[kringel]adazylla[punkt]de ... vorab vielen Dank!
Weiter im Thema geht's mit Urlaubsjob.
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Foto: C.E.

Mittwoch, 19. August 2015

Motto, das // Motti, die

Bon­jour, gu­ten Tag! Hier bloggt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­met­scher­in aus Ber­lin, Pa­ris und Venedig. Ich übersetze auch Texte ins Deutsche, dabei werde ich auch für Englisch tätig. Langsam sind die ersten Anzeichen des Herbsts zu spüren. Hier kommen meine Motti für die neue Saison.
„Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden.“
(Werner von Siemens, 1816-1892, deutscher Erfinder)
„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“
(Benjamin Britten, 1913-1976, englischer Komponist)
 „Mehr Humor, bitte!“
(selbst)

Vorsicht ist der beste Unfallschutz!
Am Wismarer Hafen
(DDR-Parole)

Aufgrund einiger eindeutiger Erfahrungen werde ich mich künftig hier deutlich di­plo­ma­ti­scher äußern. Grundsätzlich steht bei mir der Kundenschutz ganz weit oben: Das bedeutet nicht nur, den eigenen Kunden und jenen der Kollegen ge­gen­über loyal zu sein, sondern auch, in Ausübung meiner Berufstätigkeit erfahrene Fakten vertraulich zu behandeln. Das gilt in Absprache mit den Auftraggebern nicht, wenn mein Einsatz im Rahmen von Pressekonferenzen oder anderen öf­fent­lich­keits­wirk­sa­men Ereignissen stattfand.

Unloyales Verhalten mancher Marktbeteiligter, das nicht nur die Arbeitsgrundlagen der Sprachmittler, sondern durch Prekarisierung auch die Branche und die In­ter­es­sen der Kunden gefährdet, wer­de ich hier weiterhin kritisieren. Mögen sich die Aufs-Korn-Genommenen darin selbst erkennen!

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Foto: C.E.

Dienstag, 18. August 2015

Deppen-Apostroph

Hallo! Hier le­sen Sie, was eine Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in für die fran­zö­si­sche Sprache so umtreibt. Tätig werde ich in Paris, Berlin, Hamburg, Nizza und überall dort, wo Sie mich brauchen. In den Sommermonaten geht es auf den Blog­sei­ten ruhiger zu, das Büro ist aber besetzt.

Gesehen im alten Hafen einer europäischen Stadt ... Dass im ehemaligen Ter­ri­to­ri­um der HO (Handelsorganisation) mit ihren HO-Speisengaststätten (erst vor kurzem mit Bin­nen-N gesehen) und der Konsumläden sich lange niemand einen Namen für ein Restaurant oder einen Ein­kaufs­la­den ausdenken musste, trägt sicher dazu bei, dass es an der Ostsee von Lokalitäten wie "Gottfried's Fischrestaurant" oder "Anna's Strandcafé" nur so wimmelt. Pardon, das Café schreibt sich dort natürlich ergänzt durch den Ak­zent in die andere Richtung: "Cafê".

Unter Korrektoren und Übersetzern heißen derlei übrigens Deppen-Apostroph und -Akzent. Nicht sehr schmeichelhaft. Im Hafen ließ sich jedenfalls am Dienstag nicht viel ausrichten, denn ...

Fassaden und Abendhimmel spiegeln sich auf einer Glasfläche, hinter der ein Zettel angeheftet wurde: "Dienstag's geschlossen"
Dieser Blog ist auch dienstags online
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Foto: C.E.

Sonntag, 9. August 2015

Körnerpark

Bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Sprachmittlerin, derzeit aus Berlin. Sonntags werde ich privat: Sonntagsfotos!

In Neukölln liegt der Körnerpark, der an Sommersonntagen mehr als ein Park ist: Konzertsaal, Freibad, Picknickwiese, Federballspielfeld und viel mehr.

Kinder laufen vor dem Wasserfall
Irgendwas zwischen les mômes von Doisneau und Abbey Road
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Foto: GWeil (Blois) / Merci beaucoup !

Mittwoch, 5. August 2015

StVO

Welcome, bienvenue, guten Tag! Hier schreibt ei­ne Über­set­zer­in und Dol­met­scherin. Berlin ist im Sommer immer am schönsten. In diesen Wochen ist deshalb das Büro besetzt, allerdings nicht rund um die Uhr.

"Nicht jeder, der die Straßenverkehrsordnung auswendig kann, hat die Befähigung und das Talent dazu, Rennwagen zu fahren."

Sommerarbeitsplatz
Das ist meine Antwort an einen Nicht-Kunden, dem meine Arbeit eine Pauschale von 20 Euro wert war — un­ge­ach­tet der notwendigen Zeit, so jedenfalls seine "Of­fer­te". Ein längerer We­rbe­pros­pekt (über 1000 Wörter) ist aus dem Fran­zö­si­schen ins Deut­sche übersetzt worden. Der Kunde bat mich, ich möge ihn "nur mal eben schnell" Kor­rek­tur lesen.

Der "Übersetzer" soll, wie ich auf Nachfrage erfuhr, zweisprachig aufgewachsen sein. Dabei schrieb der Kunde, der ein französisches Produkt in Deutschland ver­trei­ben soll, auch beim dritten Mailwechsel "zwiesprachlich".

Auf diese Art von Zwiesprache hatte ich keine Lust. Weiter im Text. Drehbuchlektorat, anständig honoriert, dann ab an den See.

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 4. August 2015

Sommermodus

Hallo und guten Tag! Hier bloggt eine Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin aus Berlin. Ich übersetze Drehbücher, Webseiten und Projekte — allerdings keine Privatdokumente.

Westerland auf Sylt
Rückblick auf die Strand­pro­me­na­de in der Som­mer­fri­sche. Wir lesen, kümmern uns um Lampenaufhängungen, zwischendurch schreiben wir den einen oder anderen Kos­ten­vor­an­schlag und dem­nächst gehe ich mal wieder Leute verheiraten.

Kurz: Im Sommer ist im Büro alles verlangsamt, auch im Blog wird's ruhiger.

Ich lese regelmäßig schriftliche Anfragen; die Beantwortung kann einen Tag dauern. In dringenden Fällen bin ich mobil erreichbar (siehe rechts oben).

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Foto: privat

Montag, 3. August 2015

Bibliotheksschließung

­Will­kom­men auf den Sei­ten mei­nes Web­logs aus der Spra­chen­welt. Ich dol­met­sche in Pa­ris, Ber­lin, Brüs­sel und dort, wo Sie mich brau­chen. Vor den Einsätzen sitzen wir oft tagelang hinter den Büchern und lernen. Das kann auch außerhalb des Hauses sein.

Fassade mit entfernten Buchstaben, das Wort BIBLIOTHEK ist noch lesbar
Das war mal die Bib von Schwerin
Freitagabend kam in einer re­nom­mier­ten Berliner Bib­lio­thek folgende Durch­sa­ge: "The Bibliothek will be Klo­sett in 15 minutes". Da regt sich bei mir gleich die Blase, oder muss ich den Klei­der­schrank suchen? (... das be­deu­tet the closet auf ame­ri­ka­ni­schem Englisch.) Spra­chen­wirr­war in meinem Kopf: Gut, dass die­ses Mal we­nigs­tens nicht von library die Rede war.

Deutsche-Bahn-Englisch in einer der hiesigen heiligen Hallen frei zugänglicher Bil­dung hatten wir noch nicht. Sitzen da inzwischen nur noch Hilfskräfte?

Wohl perdü die Zeiten, als die baldige Schließung mit Wilhelm Busch anmoderiert wurde:
Eins, zwei, drei im Sauseschritt 
eilt die Zeit — wir eilen mit.
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Foto: C.E.

Sonntag, 2. August 2015

QUARIA

Blaue Eingangstür, das Schild "geschlossen" ist nicht lesbar, viele Bücherkisten
Das "quaria" in Berlin
Bon­jour, gu­ten Tag! Ob zu­fäl­lig oder ab­sicht­lich hier, Sie sind auf der Sei­te ei­ner Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in gelandet. In der Saison bin ich oft in Paris, Mün­chen, Köln und Berlin tätig, wo ich mein Basislager habe. Derzeit bin ich dort auch im Sommerbüro. Sonntagsfotos!

Die meisten Kolleginnen und Kollegen sind im Ur­laub, also läutet mein Telefon ge­ra­de recht häufig. Es geht um spontane Ein­sätze, Kostenvoranschläge — und ein Gut­ach­ten war diese Woche auch dabei.

Wir genießen Berlin, seine Kultur und sein Umland und Obst sowie Gemüse vom Gärt­ner­in­nenhof im Umland.

Zettel "GESCHLOSSEN"
Ransprung an die Tür
Zwischendurch geht es weiter mit der Auf­hüb­schung von Wohn- und Ar­beits­räu­men. Und immer mal wieder ist Le­se­nach­schub nötig. Dafür gehe ich in die groß­ar­ti­gen Buch­lä­den in meinem Viertel sowie in den Altbuchladen.

Beim "quaria" um die Ecke geht auch alles nach einem gemütlichen Som­mer­rhyth­mus. Neu­lich ist niemand im La­den, die Bücher stehen trotzdem in der Auslage. Ich lese auf der Bank, bis der Chef des Geschäfts wiederkommt.


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Fotos: C.E.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Ansichtssachen

Geplant oder ungeplant sind Sie hergekommen und lesen jetzt Seiten meines di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs aus dem Inneren der Dolmetscherkabine! Bonjour! Hier schreibe ich über kleine Beobachtungen des Alltags, kulturelle Hin­ter­grün­de — und darüber, wie sich die Sprache verändert.

Vor dem Sohn meines Frankreichbesuchs oute ich mich mit mancher Redewendung als Oldie. Zu meiner Zeit (hüstel) haben wir gelernt, dass jemanden anzurufen don­ner un coup de fil heißt. Das klingt zwar etwas umständlich, der fil ist die Schnur, die Telefonschnur, der coup wörtlich der Schlag, hier die Aktion, naja, aber das war eben so. Immer stärker kam dann appeler auf, anklingeln, schön und gut, als Synonym prima einsetzbar.

Die jungen Leute sagen nur noch téléphoner. Das Wort telefonieren schockiert mich auf Deutsch überhaupt nicht, weil ich es immer so gesagt habe, und auf Fran­zö­sisch klingt es für mich derzeit noch hart, gerade weil das Verb von der All­ge­mein­heit lange vermieden worden war. Lag diese Vermeidung an der auch von der französischen Regierung in Gesetze gegossenen Haltung, keine Anglizismen über­neh­men zu wollen? Lag es an der inzwischen höchst relativen Neuartigkeit der Appparatur? (Man zeige einem Grundschüler heute ein Wählscheibentelefon oder eine Telefonzelle, es wird nicht sofort wissen, was das ist.)

Blick durch ein Opernglas auf Redner an einer PowerPointPräsentation
Blick aus der Kabine auf den Redner
Genauso gehört: visiter. Wir haben gelernt: visiter une vil­le, eine Stadt be­sich­ti­gen, aber rendre visite à un ami, einen Freund besuchen ... und visiter un malade, hier ist ein Arzt bei einer Visite. Diese Un­ter­schei­dun­gen fal­len beim Youngster weg.
Im politischen Feld, für das ich oft arbeite, ist immer häufiger von mission die Rede.

Damit ist eine Aufgabe gemeint, la tâche. Ebenso wird recht fröhlich mit Op­ti­schem herumgewirbelt, da sehen die Leute perspectives, ouvertures und auch vi­sions. Das ist alles sehr nah am englischen Sprachgebrauch und verdrängt die unsprünglich ver­wen­de­ten idiomatisch typischen Begriffe. Über die Vi­sio­nen hat sich Altkanzler Schmidt ja mal dahingehend geäußert, wer Visionen habe, solle zum Augenarzt gehen.

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 28. Juli 2015

Mediendolmetscher

Bienvenue, herzlich willkommen! Sie lesen hier im Blog einer Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache, die für Politik, Wirtschaft, Kultur und Bil­dung tätig ist.

Rückblick, 2. Teil, diesmal nicht nur auf die abgelaufene Saison. Regelmäßig dol­met­sche ich für Medien, allerdings bislang noch schwerpunktmäßig im Hörfunk, denn in meinem ersten Berufsleben war ich Rundfunkjournalistin.

Ich habe das Medium geliebt. Fürs Radio arbeiten, kann aber auch Stress pur be­deu­ten. Einmal ging morgens der Radiowecker an, der Sender wiederholte ein Programm vom Vortag, und geweckt hat mich meine eigene Stimme. Das ist keine Freude, das ist sogar ziemlich irritierend! Noch ein blödes Beispiel: Auf France Culture, dem Leib- und Magensender, läuft etwas über Pina Bausch, ich freue mich, denn ich habe sie auch mal verdolmetscht, dann kommt meine Stimme. Aus der Abmoderation erfahre ich, dass sie gerade gestorben ist! Schlag in die Ma­gen­gru­be.

Als Dolmetscher liefern wir sicher immer wieder auch mal eher widersprüchliche Sachen, mancher Redner biegt mitten im Satz ab, und wir folgen ihm, oder aber wir sind einer falschen Spur gefolgt und am Ende auf die richtige gesprungen. (Wir sind unseren Kunden dankbar, dass sie keine Stilblütensammlung anlegen.)
Wer im Radio kommentiert, schreibt seine Texte in der Regel auf. Gefreut hat mich heute spät am Abend folgendes eindeutig abgelesene Satzende, es ging um po­li­zei­li­che Ko­ope­ra­ti­on: "... haben viele von ihnen noch Zeiten erlebt, in denen Grenzen hap­tisch sichtbar waren." Blindenrundfunk, gut so! (Hätte ich das dolmetschen sol­len, das Wörtchen haptisch wäre bei mir unter den Tisch gefallen.)

Schließen möchte ich mit weiteren Links zu den Tiefen (Untiefen?) meines Blogs: Fürs Radio dolmetschen. (Auch das nachstehende Bild mit sichtbaren Händen birgt einen Link.)

Laurent Cantet und Caroline Elias, zwei Köpfe, drei Hände
Dolmetschen fürs TV (für Alexander Kluge)
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Foto: dctp, Alexander Kluge

Montag, 27. Juli 2015

Räuberpistole

Hello, bon­jour und gu­ten Tag! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in aus Berlin, Pa­ris, Mar­seille, Schwe­rin oder Mün­chen ... kurz: von dort, wo Sie mich brauchen. Ich arbeite neben der mündlichen Vermittlung auch als Übersetzerin, d.h. ich über­tra­ge schriftlich Texte aus dem Politik- und Kulturbereich, allerdings keine Per­so­nal­do­ku­men­te. Hier beginnt mein Rückblick auf die letzte Saison. 

No camera ... no problem
Fotografieren verboten
Einmal hatte ich kurz Angst um mein Leben.
Wir saßen in Paris in einem Lu­xus­ho­tel, ein Ban­kier aus der tschechischen Provinz, der als kleine Wucht­­brum­me den Raum betreten hat, ent­le­dig­te sich einiger Schichten relevanten Dämm­­ma­te­ri­als und verließ rank und schlank den Raum. Wir blieben noch im Raum, der "Gast­ge­ber", mein Dol­metsch­kun­de und ich.

Es ging um ein Handelsgeschäft, das nicht exakt wie besprochen abgelaufen war. Also hatten bei einem früheren Treffen einige böse Buben, als Polizisten ver­klei­det, den Reisepass meines Kunden konfisziert. Das Geld, das hier den Ei­gen­tü­mer gewechselt hat, wurde unter anderem für die Herausgabe der Dokumente über­ge­ben. Ich war überrascht, wie wenig raumgreifend Summen sind, mit denen ich in Berlin mal eben unsere Wohnung samt deren Umbau bar bezahlen könnte.

Plötzlich habe ich Schiss, weil mir durch einige Fragen mit kulturellem Hintergrund definitiv klar geworden ist, dass die ganze Sache eine wilde Betrugsstory ist. (Für die Nicht­mut­tersprachler: Sowas nannte man früher auch eine "Räuberpistole".) Das Gegenüber, der französisch­sprachige "Gastgeber" des Termins und Empfänger der besonderen Druck­erzeugnisse, weiß nicht, dass ich ihn durchschaut habe. Wäre er weniger ungebildet und würden ihm die Dollar­zeichen im Auge etwas weniger den Blick verstellen, wir müssten vermutlich um unser Leben fürchten. So wird ein weiterer Termin vereinbart, an dem dann Ware über­geben werden soll. (Später noch mehr Geld.)

Der Folgetermin kommt zum Glück nicht zustande. Die Sache hängt noch wo­chen­lang in der Schwebe, obwohl es mein Kunde längst besser wissen sollte: Am Ende bekomme ich Einblick in den Mailaus­tausch, darin steckt ein letzter Be­weis, der im Grunde nicht nötig gewesen wäre. Mein Kunde denkt aber fort­ge­setzt nur an das ihm hier entgehende Geschäft, an sein mit­tel­stän­di­sches Un­ter­ne­h­men in der Krise, an die Bran­denburger Mitarbeiter, die er nicht ent­las­sen möchte, und er ärgert sich, dass er in der Schule Russisch gelernt hat und nicht Französisch. Am Ende wird er mehr als eine Viertelmillion Euro an die Bande ge­zahlt haben.
Rücksprung. Begonnen hatte es ganz schlicht: Ein potentieller Kunde rief an, bat mich, mit ihm drei Tage später nach Paris wegen einer Einfuhr­sache zu reisen, Zoll­amt, Schen­gen­ raum und Flughafen waren die die Stichworte. Leider hat er mir keine Un­ter­la­gen zur Vorbereitung zugeschickt. Es ging um Umwelt- und Ener­gie­tech­nik, da­zu hatte ich gerade erst einen Einsatz, diese Unterlagen kamen (un­ nö­­ti­ger­wei­se) ins Reisegepäck. 

In Paris haben wir dann tagelang auf Termine mit den Gesprächspartnern ge­war­tet. Wäh­rend­des­sen habe ich angefangen, ein Krimi­drehbuch zu übersetzen ... und auf höchst merk­wür­di­ge Weise fing an, das, was ich erlebt habe, sich mit dem zu über­schnei­den, was ich übersetzen durfte. Ich habe also beobachtet, war hell­wach, freundlich, habe mich erst ein wenig gewundert und mich vor mir selbst kurz für ver­rückt erklärt, als ich wenig später schon anfing, Indizien dafür zu sam­meln, dass die Leute vom Zollamt, von der Polizei etc. Mitglieder einer Gangster­bande sind. Sofort setzte ich meine Kunden von meinem Verdacht in Kenntnis. Am Tag darauf hat die Geldübergabe stattgefunden.

Mein Kunde hat den Vorfall nie angezeigt, denn es war ein "Kick-back-Geschäft" eingeplant, ein Teil der überhöhten Verkaufssumme sollte an die Brandenburger zu­rück­flie­ßen. Das Kapital stammte angeblich aus wohltätigen Stiftungen, wie ich am Ende erfuhr. Die in der tschechischen Republik schwarz angelegten Rückla­gen der Firma waren damit futsch. Natürlich habe ich meinen vollen Honorarsatz be­rech­net. Schon allein für die entgangene Schlagzeile: "Dolmet­scherin lässt Gangs­ter­ ban­de auffliegen!" Auch unsereiner wäre gerne mal fünf Minuten lang berühmt.

Betrügen verboten!
Wunschschild
Ich habe mir von dem Geld einen Designersessel ge­kauft, der meine ab dem Hö­he­­punkt der Saison ge­le­gent­lich auf­tre­tende Rücken­schmer­zen reduziert. Der Sessel heißt jetzt "Gangstersessel". Und kann hier nur An­deu­tun­gen machen, weil die Sache ei­gent­lich der Plot für einen Krimi ist. Soll ich den schrei­ben?

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Sommerparlando

Bon­jour, wel­come, gu­ten Tag! Hier schreibt ei­ne Über­set­zer­in und Dol­met­scherin. Berlin ist im Sommer immer am schönsten. In diesen Wochen ist deshalb das Büro besetzt. Heute, wie so ein Donnerstag außerhalb der Saison aussieht.

Herbstplanung steht an, dann lese ich zum Thema Wirtschaft weiter, erwäge, ein Buch aus diesem Bereich zu übersetzen. Den Autor höre ich mir im französischen Hörfunk an. Ich liebe meine Podcasts, meine Radiosendungen zum Herumtragen! Zu den aktuellen Sendungen finde ich noch etliche seiner Auftritte im Schall­ar­chiv. So begleitet mich die Stimme des Wirtschaftskritikers bei meinen Einkaufsgängen in Sachen |Frühjahrs|Sommerputz und Aufhübschung der Wohnung.

Nach der Mittagspause: Eine Stunde Rechnungs- und Mahnwesen. Anschließend darf ich an meinem literarischen Text weiterschreiben. Es ist eine Auftragsarbeit von jemandem, der weiß, dass ich zu einem bestimmten Thema etwas zu sagen habe. Der Verleger und Buchhändler hat meinem Entwurf zugestimmt und sich allerdings eine andere Sprache gewünscht, damit es in seine Reihe passt. Ich darf jetzt also auf Französisch schreiben. Arbeitstitel: En descendant la rue des lignes. Die Über­set­zer­in ins Deutsche kenne ich glaube ich auch schon.

An der Kaffeetafel
Hinterher geht's eilends in den Garten. Bei Erna und Wal­de­mar gibt es Kaffee und Ku­chen! Das ist eine schöne Tra­di­tion in Deutschland, das Pen­dant zum Five o'clock tea. Dieser Teezeremonie fröne ich sonst auch gerne. Bei Re­gen findet das ge­sel­li­ge Bei­sam­men­sein bei mir statt.

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Foto: C.E. (Flohmarktfund)

Mittwoch, 22. Juli 2015

Lampenkram

Hal­lo! Hier le­sen Sie, was eine Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in für die fran­zö­si­sche Spra­che so um­treibt. Vie­les kann ich gleich dop­pelt be­nen­nen. Umso är­ger­li­cher, wenn mir gleich in bei­den Spra­chen ein Be­griff fehlt.

Der eine Lam­pen­la­den in der Nach­bar­schaft ist für im­mer ge­schlos­sen, das Kauf­haus hat nur neue Norm­wa­ren, der an­de­re Lam­pen­la­den, der auch re­stau­riert, er liegt et­was wei­ter weg, ist ur­laubs­be­dingt zu. Ich aber möch­te den im Büro ru­hi­gen Som­mer für klei­ne Ver­bes­se­run­gen zu­hau­se nut­zen. Die Hän­ge­lam­pe, die ich vor Wo­chen aus Frank­reich mit­ge­bracht habe, soll end­lich an die De­cke. Der Milch­glas­schirm ist alt und bar je­der Tech­nik. Noch.

Nun habe ich schon viel mit Ar­chi­tek­ten und In­nen­ar­chi­tek­ten zu tun ge­habt, ken­ne ver­schie­dens­te Vo­ka­beln wie Spül­tisch und Re­vi­si­ons­klap­pe, Flie­sen­spie­gel und Lam­pen­fas­sung. Nur das Ding aus Weiß­blech, Mes­sing oder ver­chrom­tem Me­tall, an dem das Gan­ze auf­ge­hängt ist, weiß ich nicht zu be­nen­nen.

Ich su­che im Netz, denn ich wer­de es dort kau­fen. Ich ge­be al­ler­lei Be­grif­fe ein, die das sprach­li­che Um­feld be­schrei­ben, Ka­bel (câ­ble, fil élec­trique), Lam­pen­schirm (abat­-jour), Hän­ge­lam­pe (sus­pen­sion), De­cken­lam­pe (pla­fon­nier), Lam­pen­fas­sung (dou­ille), Glüh­bir­ne (am­pou­le) ... und fin­de nur ro­sa­ce, Ro­set­te, so heißt aber auch jede Me­tall­blen­de, Haupt­sa­che rund. So, wie ich hier su­che, ar­bei­te ich sonst, wenn ich Kon­fe­ren­zen vor­be­rei­te. Mich nervt, dass ich trotz et­li­cher Klicks fest­stec­ke. Eine Gra­fik muss her. Kann je­mand hel­fen? Vor­ab 1000 Dank!

Be­griffs­su­che mit Fo­to und Zeich­nung
Zum Ver­grö­ßern an­kli­cken / cli­quer pour ag­ran­dir
Au­jourd'hui, je cher­che un mot spé­ci­fique. J'ai ra­me­né de Fran­ce un abat­-jour en opa­line blan­che, un peu com­me ce­lui à gau­che, et je sais nom­mer (et par con­sé­quent ache­ter) un cer­tain nom­bre de ce qu'il me faut pour uti­li­ser un jour la sus­pen­sion dans ma cui­sine.

Mais je ne sau­rais nom­mer ce cha­peau en lai­ton qui tient le ver­re en pla­ce et qui est re­lié à la dou­ille. Est-ce que quel­qu'un pour­rait m'ai­der, SVP?

Na­ja, ich hat­te eben mei­ne Fra­ge auf den ent­spre­chen­den Fo­ren im Über­set­zer­kol­le­gen- und Film­kreis ge­stellt, da war (in we­ni­ger als 30 Mi­nu­ten) auch schon die Ant­wort da. Eva lie­fer­te aus Pa­ris die grif­fes de sus­pen­sion, Su­san­ne aus Ber­lin die Schirm- bzw. Glas­hal­ter, je­weils mit Links. Mer­ci beau­coup, Mes­da­mes ! 


P.S.: Ich habe zu kom­pli­ziert ge­sucht, näm­lich gleich­zei­tig in bei­den Spra­chen, eine ein­spra­chi­ge Re­cher­che wäre bes­ser ge­we­sen. Aber bei Be­stel­lung, Päck­chen aus­pa­cken, Lam­pe mon­tie­ren etc. dür­fen bei­de Be­grif­fe das Ge­hirn be­schäf­ti­gen.
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Il­lus­tra­tion: Netz/eigene Er­gän­zung

Montag, 20. Juli 2015

Museum der Wörter 11

Hallo, hier bloggt eine Spracharbeiterin. Ab und zu erinnere ich an Begriffe, die wir den jüngeren Generationen erklären müssen. Heute: Ein Wort, drei Zitate in Wort und Bild. Und obacht!, aller Sommerschwärmerei zum Trotz ist das Büro besetzt!
            
                        S
ommerfrische
   
Wikipedia: Das Wort Sommerfrische bezeichnet sowohl die jahreszeitliche Übersiedlung aus der Stadt auf das Land als auch den Zielort.

Der Dichter: Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil's wohltut, weil's frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir
                                   kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein
                                     Grashüpferhupf.


Joachim Ringelnatz (1883-1934)


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Foto: privat
Idee: H.F.

Sonntag, 19. Juli 2015

Baustelle

­Will­kom­men auf den Sei­ten mei­nes Web­logs aus der Spra­chen­welt. Ich dol­met­sche in Pa­ris, Ber­lin, Brüs­sel und dort, wo Sie mich brau­chen. Als Sonntagsfoto zeige ich mein Foto der Woche.

Hier wird gearbeitet, das ver­mit­telt das Gerüst auf dem Weg zur Bun­des­tags­ver­wal­tung. Wir befinden uns vis à vis der Botschaft Groß­bri­tan­ni­ens.







Offensichtlich wird hier nicht nur am Gebäude gearbeitet, sondern auch an der Sprache. Ach, und an vielem mehr.
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Fotos: C.E. (click to enlarge)

Freitag, 17. Juli 2015

Auf dem Schreibtisch XXVI

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Den Sommer über bleiben wir in Berlin, von Ausflügen an die Seen und an die See abgesehen. Das ist wichtig, weil praktisch alle Kolleginnen und Kollegen der­zeit im Urlaub und hier und in Paris die meisten Büros verwaist sind.

Beistelltisch im Morgenlicht
Was steht an? Der Vormittag gehört der Bundestagsdebatte zu Griechenland, einem Thema, das mich derzeit stark beschäftigt.

Ich habe Angst um Europa. Si c’était à refaire, je commencerais par la culture ("Wenn ich es noch einmal zu tun hätte, würde ich mit der Kultur beginnen"), der fälschlicherweise Jean Monnet zu­ge­schrie­bene Satz, ist nichtsdestotrotz aktueller denn je. Wer die kulturellen Unterschiede der Nationen außer Acht lässt und nur mit Zahlen argumentiert, hat offenbar das Wesen des Europas, das die jungen Ge­ne­ra­tio­nen ganz selbstverständlich leben, nicht erfahren.

Heute Nachmittag lese ich wieder Technikkram für den nächsten Berliner Bau­stel­len­be­such mit französischem Steinmetz, es geht um ein Marmorbad. Sonst liegt auf dem Schreibtisch:

— Nachbereitung Rechtsradikalismus, Nationalsozialismus und Homosexualität
— Zwei Drehbücher (ein Gutachten und die Weitergabe von Übersetzungen ins Französische und Englische)
— Finanz- und Europapolitik
— Wohnungswirtschaft
— drei Arte-Produktionen, bei denen ich für Fragen im Schnittraum stand by bin (für Schnittberatung bzw. die Abnahme der französischsprachigen Partien)
— Rechner und Büro weiter modernisieren, das Material der letzten Monate fertigsortieren
— Einarbeiten in Software für Online-Unteritelung im kollaborativen Modus (mehrsprachiges Team)

Die ersten Buchungen für den September liegen schon vor, die früheste Anfrage haben wir für September 2016 bekommen. Wie gut, dass wir in der Vorsaison im Urlaub waren.

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Foto: C.E. (Archiv)

Donnerstag, 16. Juli 2015

Schönstes Lob

Hallo! Zufällig oder absichtlich sind Sie auf den Seiten meines digitalen Ar­beits­ta­ge­buchs aus dem Inneren der Dolmetscherkabine gelandet. Hier schreibe ich über kleine Beobachtungen des Alltags, sprachliche Besonderheiten, kulturelle Hin­ter­grün­de — oder darüber, wie unsere Kunden uns wahrnehmen.

Neulich, beim Vor-Ort-Termin einer Architektenvereinigung nach zwei Tagen Kon­gress mit belgischen Architektenkollegen. Wir werden von Bauherren und Ar­chi­tek­ten durch einen Neubau geführt. Es ist der letzte Vormittag von insgesamt drei Tagen.

Irgendwann ist mir etwas nicht klar. So stelle auch ich eine Frage zur Sache. Die Ar­chi­tek­tin erklärt es geduldig. Im Treppenhaus, als wir uns anschicken, dem Haus aufs Dach zu steigen, fragt sie mich freundlich: "Für welches Architektenbüro sind Sie denn tätig?" Als sie meine Verwirrung sieht, legt sie nach: "Sie sind doch Kol­le­gin, oder?"

Später, als alles aufgeklärt ist, sagt sie, dass sie mich nicht erkannt habe, nur ge­wusst, dass ich ir­gend­wo hinten gesesssen hatte.

Schönere Komplimente kann es kaum geben.


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Fotos: C.E.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Zweitwohnsitz

Bon­jour, guten Tag! Ich be­grü­ße Sie auf den Sei­ten mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Ich weiß nicht, ob Sie absichtlich zu mir gefunden haben, oder ob der Zu­fall Sie hergeführt hat. Hier schreibe ich aus Paris, Berlin und anderen Orten über meinen Alltag als Konferenzdolmetscherin. Dabei sehe ich viele soziale Un­ter­schie­de.

Kräne am Horizont, im mittleren Bereich und im Vordergrund als Schatten
Hauptstadt der Kräne
Gestern, 15.00 Uhr, eine No­ta­ri­ats­fach­an­ge­stellte ruft an und fragt, was es koste, wenn ich um 17.00 Uhr einen Kaufvertrag am Kurfürstendamm dolmetschen komme. Ich frage, worum es geht. Bevor ich eine Zahl sagen kann, habe ich schon das Ex­po­sé im Briefkasten: "Jung­ge­sel­len­woh­nung im neu errichteten Gartenhaus eines Mit­te-Alt­baus, 34 Quadratmeter im Her­zen Ber­lins, Neubau mit Mar­­ken­­kü­­che, Kamin, Marmorbad (italienische Du­sche), Town­house-Appartment, se­nio­ren­gerecht: ja."

Seniorengerecht? Die Woh­nung ist mit dem Rolli zugänglich, liegt aber mitten in der Partyzone. Wir waren in der Gegend mal mit dem Büro. Es war laut.

Daher steht auch in der Wohnungsausschreibung weiter unten: "Ideale Stadt­wohn­ung als Zweitadresse, zur gelegentlichen Übernachtung in der Arbeitswoche ge­eig­net." Soso. Bevor ich das Exposé gesehen habe, ist meine Honorarsumme schon klar. Eine Dolmetscherkollegin, die in einer westdeutschen Kleinstadt im Gas­si­run­den­um­kreis einiger Notare wohnt, macht das on the fly, im Vorbeirennen, dann berechnet sie für die Stunde vor Ort 120 Euro, sie kennt die Verträge auswendig.

Ich veranschlage hier 400, und ich rechne laut: Eine Stunde am Kudamm dol­met­schen, höhere Hausnummer, plus 2 x 60 Minuten Fahrtzeit (laut www.bvg.de je ca. 43 Minuten je Weg, zzgl. Puffer), Einlesen auf der Hinfahrt bzw. in der ver­blei­ben­den Stunde vor dem Losrennen. Damit liege ich exakt bei dem, was das Justiz­ver­gü­tungs- und Entschädigungsgesetz für drei Stunden vorsieht, plus 100 Euro Eil­zu­schlag, ich muss ja meinen Abend umplanen. Das, was nachmit­tags lie­gen­bleibt, darf ich in der Spätschicht fertigstellen ... und die Theaterkarten ver­schen­ken.

Die Antwort kommt sofort, ich sei zu teuer, man habe so mit 50, 60 Euro ge­rech­net. Netter Versuch. Holen Sie sich doch für das Geld einen Handwerker, der bringt dann auch sein Werkzeug mit und zeigt es Ihnen gerne, jeder weitere Handschlag kostet extra. Und das zwei Stunden vor Termin!

Ach ja, die oben beschriebene Bude kostet ca. 9400 Euro je Quadratmeter und soll für knapp 320.000 Euro über den Tisch gegangen sein. Solche Wohnungen heißen übrigens deshalb Junggesellenwohnungen, weil darin jeder Mann zum Junggesellen mutiert. Der Satz vom "gelegentlichen Übernachten" sagt alles. Mein Filmtipp zum Blogeintrag: "Das Appartment" von Billy Wilder. Im Vergleich zu dieser Räu­ber­pis­to­le hier ist der Streifen wirklich gut!

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Foto: C.E.
Hierzu passt: Fünftwohnsitz

Dienstag, 14. Juli 2015

Bastille day

Bonjour und guten Tag auf den Seiten meines Weblogs. Der 14. Juli ist traditionell der französische Nationalfeiertag. Heute gibt es dazu einen Bil­der­witz, der so recht nur von Französischsprachigen ver­stan­den werden kann. Allen an­de­ren sage ich: A demain, bis morgen!



Bon, je ne sais pas si le cou­rant passe, mais voici la prise de la Bastille version 2015 ...

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Foto: Netzfund 
Si la publication de cette image dérange son
créateur, je la supprime sans problèmes.

Freitag, 10. Juli 2015

Zeitpuffer

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache). Ich arbeite in Paris, Berlin, Köln und dort, wo Sie mich brauchen.

Heute vor einer Woche fand unser letzer Dolmetscheinsatz der Saison vor Publikum statt. Es war extrem heiß, mein Rechner kam frisch aus der Werkstatt, denn meine Technik wird runderneuert. Aber darüber möchte ich gar nicht spre­chen, son­dern darüber, dass ich schon 1,5 Stunden vor Diskussionsbeginn in der Nähe des Ver­an­stal­tungs­or­tes war, die Dauer von Technikterminen lässt sich nicht planen.

Straßenname "Einemstraße" mehrfach in die Architektur integriert, allerdings in der heutigen Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße
In Berlin-Schöneberg
Nach Hause zu fahren hätte sich kaum ge­lohnt, dort hätte ich nur Schu­he wech­seln und ein Glas Wasser trinken können. Also war ich froh, mich schon mal im Kiez umsehen zu kön­nen. Vielleicht wür­de ich hier, in der Nähe der Ei­nem­stra­ße, auch eine der alten Ull­stein­vil­len fin­den, in der ich vor Urzeiten mal war (und die ich auch aus dem "Ullsteinroman" von Sten Nadolny kenne, wenn ich mich richtig erinnere).

Ziel ist eine Adresse in der Ulrichs-Straße. Mein Notizzettel mit der Adresse, in die­sem Bereich bin ich noch analog un­ter­wegs, er­weist sich irgendwie als falsch. Auch Passanten wissen nicht weiter. An etlichen Häusern steht Einemstraße, aber eigentlich, so meint mein Zettel, müsste ich längst da sein.

To make a long story short: Ich war längst da! Die Straße ist umbenannt worden. Was war ich froh, dass ich in der Regel mit viel Zeitpuffer zu den Einsätzen gehe. Über die Villa schreibe ich ein andermal, denn es blieb doch keine Zeit für die Er­kun­dung.

Vor Ort habe ich erstmal unseren Arbeitsplatz eingerichtet, die Technik geprüft, mich vom Stress erholt und die Redner befragt, um die Lexik zu ergänzen.

Das mit dem Puffer ist übrigens sehr wichtig. Einmal ließ größeres Federvieh im Vorbeiflug etwas fallen, und das landete ausgerechnet auf meiner schwarzen Jacke (die ob des sauren Gemischs leider nie wieder sauber wurde). Ich hatte Zeit für einen Kurzbesuch im Second-Hand-Laden vor dem Ort des Geschehens und im Kon­gress­ho­tel für einen Sprung unter die Dusche im Wellness-Bereich.

Ein andermal wollte ich die Wohnung verlassen und war eingesperrt. Irgendwelche Superfachleute haben vor 300 Jahren unser Sicherheitsschloss verkehrt herum ein­ge­baut. Mein Bruder, der eine Zeitlang mit mir die Wohnung geteilt hat, war im Morgengrauen zum Zug geeilt und hatte gut hinter sich zugemacht. Dass sich dann das ver­dreh­te Schloss von innen nicht mehr öffnen lässt, weiß ich seither.
Wir wohnen im 3. Stock, die direkten Nachbarn und jene aus dem 4. waren schon zur Arbeit oder im Urlaub. (Zum Glück gibt es Internet.)

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Fotos: C.E.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Ringefest in Moll

Bon­jour und Hal­lo! Sie lesen ab­sicht­lich oder zu­fäl­lig in ei­nem vir­­­tu­­­el­­­len Ar­­beits­­­ta­­­ge­­buch aus der Welt der Sprachen. Ich bin Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Spra­che und aus dem Englischen. Ich arbeite z.B. in Paris und Marseille, München und derzeit in Berlin.


In hellen wie in dunklen Zeiten
Das Leben besteht aus Kon­tras­ten, eine Dol­met­scher­exis­tenz auch. Der schönste Tag im Leben wird der Tag ge­mein­hin ge­nannt, wenn sich zwei Menschen das Jawort geben. Für uns Sprachmittler gehören Standesämter immer öfter zu den Arbeitsorten.
Die bunte Stadt mit ihren Ein­wohn­ern bringt viele bi­na­tio­nale Ehen mit sich ... und mehr!

Nein, ich rede hier nicht der Polygamie das Wort. Wenn zwei Menschen aus allen "vier Ecken" der Welt heiraten, des quatre coins du monde, wie's auf Französisch heißt,  kann's turbulent werden. Nehmen wir die Frankokanadierin (mit Mutter aus Paris), die sich mit ihrem Freund, einem Deutschtürken, zusammentut, da sind vier Nationen im Spiel! Neulich erlebt! Und vielleicht hat genau aus diesem Grunde die Welt aus fran­zö­si­scher Sicht nur vier Ecken: Mehr kann doch kein Mensch über­blicken!

Neulich waren wieder nur zwei Menschen im Spiel, aber trotzdem vier Parteien. Freund Hein, auch Gevatter Tod genannt, hat mitgetanzt beim Hochzeitswalzer, der Bräutigam ist sterbenskrank. Und das vierte Wesen tanzte in der dicken Kugel mit, die die Braut vor sich herumtrug. Entsprechend kurz war der Walzer. Und es war auch für die Dolmetscherin, die prompt zum ganzen Fest geladen wurde, ex­trem ergreifend, wie dicht hier Glück und Trauer, Tod und Leben, Vergangenheit und Zukunft beieinander lagen.

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Foto: C.E. (Archiv)

Sonntag, 5. Juli 2015

Kein hitzefrei!

Hallo! Sie lesen hier im Arbeitstagebuch einer Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache, die in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Bil­dung tätig ist.

Sommerlich gekleidete Menschen, nur die Dolmetscherin trägt Seidenstrümpfe und ein hauchdünnes Jäckchen
Einsatz in Frankreich
Dem Rechner, dem Hürn und mir ist's zu heiß, wie hier auf dem Bild, das vor exakt drei Jahren aufgenommen worden ist.

Auch damals durfte ich mit Strüm­pfen und Jäckchen ar­bei­ten, weil gleich im Anschluss eine hochrangige Person an­ge­sagt war, diplomatie oblige, und in den Kreisen niemand weiß, was schwitzen ist.

Das Jäckchen ist übrigens hauchdünn.

Heute: Terminarbeit, z.T. mit Rechner, der immer nach 1,5 Stunden heißgelaufen ist. Es geht auf die 40 Grad zu.

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Foto: privat (Sommer 2012)

Donnerstag, 2. Juli 2015

Kaffeepulver

Die Aben­teuer einer Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in für die fran­zö­si­sche Sprache können Sie hier miterleben. Ich arbeite in Marseille, Paris, Berlin und dort, wo mich meine Kunden hinschicken.

Nun, ich bin ja immer dagegen, dass Getränke auf Tischen stehen, an denen auch gearbeitet wird. Gewässerte Notizblöcke sind nicht schön, seit wir uns mit Technik ausbreiten, ist die Sache richtig gefährlich.

Kaffe'granulat' im Rechner
Durstige Technik (not)
Ich selbst stelle immer alles weit auseinander, am liebsten auf getrennte Tische. Aber ich kann nicht immer alle Entscheidungen der An­we­sen­den kontrollieren ... und ihre Bewegungen schon gar nicht, so gern ich das (als heim­li­cher control freak) ja gerne wür­de. Und so kam neulich meine Maschine in Berührung mit echtem Espresso so­wie einem Schuss Milch.

Irgendwie ging alles gut, es war nicht viel und die richtigen Stellen hat's getroffen, nicht die Platinen, sondern den Akku, der Lüfter war eine Zeitlang schwer aktiv ... und als jetzt doch der Akku fällig war, mit etwas Zeitverschiebung, gratulierte mir die Werkstatt prompt. Schwein gehabt!

Und dann wurde mir sofort der Kopf gewaschen. Jetzt weiß ich, was in solchen Fäl­len zu tun ist. Kiste aus, Klapperatistik in eine Plastiktüte und ab in die Werk­statt. Bevor das Ganze einsickert, muss es aufgeschraubt und professionell ge­trock­net werden. Heute gelernt. Sonst nur gepaukt für die nächste Konferenz und Trans­kription/Übersetzung gemacht. Ich übersetze gleich, statt zu trans­kri­bie­ren, Trans-Ü also. Später mal mehr darüber.

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Foto: C.E.

Dienstag, 30. Juni 2015

Informanten

Plakat: Hier könnte Kunst stehen
Gesehen in Neukölln
Bien­ve­nue, will­kom­men, auf meinem No­tiz­blog aus dem In­neren ei­ner Dol­met­scher­ka­bi­ne.

Zitat: "Wenn du weißt, was die Zukunft bringt, hast du schlechte Informanten!"
Gesagt hat das ein Optiker zu mir, Sep­tem­ber 1989, in Leipzig. An den Satz muss ich oft denken, dieser Tage besonders.





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Foto: C.E.

Montag, 29. Juni 2015

Fingerübungen

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­ter­in. Hier den­ke ich da­rü­ber nach, was wir als Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer so machen, na­tür­lich stets un­ter Wah­rung dienst­li­cher Geheimnisse. Heute: Vertragsverhandlung.

Blick durch eine regennasse Autoscheibe auf einen Fahrübungsparcours
Nicht nur die Fahrbahn ist nass
Das Gespräch über einen mög­li­chen Einsatz gerät ins Stocken, als ich mich ver­plap­pe­re. Es geht um einen Dol­metsch­ein­satz bei einer Fahr­schu­lung. Dummerweise ist mir raus­ge­rutscht, dass ich keinen Füh­rer­schein ha­be. (Die Augen sind zu schlecht.) Eine Pause tritt ein. Dann die Eingebung: "Raten Sie mal, wer meine letzten Kunden wa­ren!"

Die Pause dauert an. Ich spreche weiter: "Da waren zum Beispiel der Chirurg in der Neonatologie oder der Mann, der wegen Totschlags vor Gericht stand. — Zum Glück brauche ich keine praktischen Übungen, um zu dolmetschen.“

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Foto: C.E.

Sonntag, 28. Juni 2015

Start!

Will­kom­men auf den Sei­ten mei­nes di­gi­ta­len Ar­­beits­­ta­­ge­­bu­ches. Ich bin Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin und ar­bei­te in Pa­ris, Ber­lin, Mün­chen und dort, wo Sie mich brau­chen.

Sonn­tag am Ka­nal, über­all in Ber­lin fin­den Kunst- und Kul­tur­fes­ti­vals statt, zwi­schen­durch ge­nie­ßen vie­le Ein­woh­ner und Be­su­cher die Na­tur in­mit­ten der Stadt.

Und ei­ner der Be­woh­ner der Stadt sieht ganz be­son­ders nach Auf­bruch aus.

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Fotoreihe: C.E.