Donnerstag, 16. November 2023

Reisen mit Koffern

Episoden aus dem Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten lesen. Meine Mut­ter­sprache ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die engli­sche Spra­che. Un­se­re Arbeit ist mit vie­len Rei­sen ver­bun­den. Bei al­lem Stress, den die no­to­risch ver­spä­te­ten Zü­ge ma­chen, hilft nur eins: La­chen.

Züge vor urbaner Silhouette, an der Fensterscheibe Regentropfen
Solange die Heizung läuft ...
Irgend­wo auf ei­ner der wei­ten Stre­cken, die ich re­gel­mä­ßig für die Ar­beit oder die Fa­mi­lie fah­re, tau­che ich aus tie­fen Ge­dan­ken auf, als ich fol­gen­de Durch­sa­ge hö­re: "Soll­te sich hier im Zug ein Fahr­gast be­fin­den, der ei­nen Ham­mer da­bei hat, so könn­ten wir Sie in Wa­gen Nr. 8 brau­chen."

Da darf ich an an­de­re Mo­men­te den­ken. Ein­mal hieß es: "Falls sich zu­fäl­lig im Zug ein Dol­met­scher be­fin­den, Sie wer­den in Wa­gen Nr. 3 ge­braucht." Die Spra­che hat­ten sie dum­mer­wei­se ver­ges­sen an­zu­sa­gen. Is klar, Dol­met­scher:in­nen kön­nen ja al­les, na­tür­lich, oh­ne Fra­ge. Ich bin hin und durf­te hel­fen, es ging um glo­bish Eng­lish, das war kein Pro­blem und die Sache we­ni­ger Mi­nu­ten.

Oder die­se Va­ri­an­te: "Soll­te im Zug eine Bahn­er­kol­le­gin oder ein -kol­le­ge in der Frei­zeit mit­fah­ren, ge­ben Sie sich bit­te dem Zug­be­glei­ter ge­gen­über zu er­ken­nen."

Das mit dem Kol­le­gen oder der Kol­le­gin hat­te auch ge­klappt. Da war de­nen je­mand aus den Latschen ge­kippt und sie dür­fen un­ter­halb ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Mit­ar­bei­tern nicht wei­ter­fah­ren. Auf den Mann oder die Frau mit dem Ham­mer muss­ten wir et­was län­ger war­ten. Nicht je­der reist mit ei­nem Werk­zeug­ko­ffer.

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Foto:
C.E.

Mittwoch, 15. November 2023

Der Hop­plahoppismus

Wie Über­setzer:in­nen und Dol­metscher:in­nen ar­bei­ten, er­fah­ren Sie hier. Meine Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch und Deutsch (Mutter­spra­che) so­wie Eng­lisch (als Aus­gangs­spra­che). Ich bin Teil ei­nes in­ter­na­tio­na­len Netz­werks, die Büro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche.

Straßenbahn­strom­kabel und Kon­dens­strei­fen im Him­mel, an­ge­schnit­ten das Dach ei­nes Alt­baus
Eines Mor­gens in Mitte

Er ist schon wie­der da, der ver­schärfte Hop­plahoppismus! Und ja, wir ma­chen auch Kom­pli­zier­tes mög­lich, denn ers­tens wol­len wir un­sere Kund:in­nen zu­frie­den­stellen, zwei­tens le­ben wir da­von.
Ein­schub zur Spra­che: Das Wort "Hop­plahoppismus" steht nicht im Du­den. Es lei­tet sich ab von dem Be­fehl "Hop­pla hopp!", der nach Zir­kus klingt. Er meint: "Los, spring schon durch den bren­nenden Rei­fen, Lö­we!"

Ge­rade ging eine Woche mit Fach­leuten aus der So­zialen Ar­beit zu­ende, schon ruft die Ha­fen­welt. Ei­gent­lich hätte ich eine Woche Pause ge­habt, die keine ist, aus­ruhen, Vo­ka­beln nach­tra­gen, denn nach dem Ein­satz ist vor dem Ein­satz, Kon­takte pfle­gen und mit freund­li­chen Nach­richten ver­sehen, Kos­ten­vor­an­schläge und Rech­nungen schrei­ben, die nächs­ten Mit­men­schen er­freuen und sich lang­sam, aber wirk­lich ganz lang­sam auf den nächs­ten Ein­satz ein­schwin­gen.

Lang­sam ist das Stich­wort, denn der Kunde einer Kol­le­gin brauchte zu viel Zeit, um auf ein An­ge­bot zu ant­wor­ten, sie hatte in der Zwi­schen­zeit wo­anders zu­gesagt und ich sprin­ge löwin­nen­gleich ein. Hinzu­kommt ein Tagm an dem ich einen an Co­vid-19 er­krank­ten Kol­le­gen er­set­ze. Mit Let­ze­rem geht es los, ich trage wei­ter­hin Mund-Na­sen-Schutz in den Öf­fis, in Nah- und Fern­ver­kehr, ein­fach, um die Ge­fah­ren zu ver­rin­gern und an je­nem Kran­ken­ersatz­tag auch au­ßer­halb der Ka­bine, will ja die dünne Per­so­nal­decke nicht wei­ter durch­löchern.

Viele von uns ro­tieren die­sen Herbst. Wir mer­ken, dass sich einige Kol­le­gin­nen an­dere Auf­ga­ben ge­sucht ha­ben und der Nach­wuchs es drei Jahre lang ul­tra­schwer hatte mit dem Be­ru­fseinstieg.

Ähn­li­ches hatte ich ja schon bei der Tech­nik be­merkt.

Et­li­che Tech­nik­fir­men muss­ten pan­de­mie- und im­mo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­ons­be­dingt die Innen­stadt ver­las­sen, ha­ben da­bei den Be­stand ver­klei­nert und nun in der Herbst­sai­son nichts mehr übrig, wenn ein Kunde uns erst im letz­ten Mo­ment an­fragt. Wir be­hel­fen uns mit einem "Tourist Guide System", an dem mich nur stört, dass es mit Ein­weg­bat­te­rien ar­bei­tet. Zum Glück ha­ben wir viele Ter­mine in Mi­nis­te­rien und dür­fen dort die Ka­binen nut­zen. Und zum Aus­gleich werde ich et­li­che Bäume pflan­zen las­sen, denn wir sind ein um­welt­be­wusstes Netz­werk.

Der Hop­plahoppismus strengt trotz­dem an. Wir sind ja keine Lö­win­nen, die durch bren­nen­de Rei­fen sprin­gen. Im Zir­kus ist der­lei üb­rigens auch pas­sé. Oft geben un­se­re Kund:in­nen da nur die Hek­­tik wei­ter, die sie selbst er­­lei­den. Ich freue mich über und für alle, die lang­fris­tig pla­nen können.


Voka­bel­noti­zen
Die "Öf­fis" sind die öffent­lich-recht­lich fi­nan­zi­erten Ver­kehrs­mittel, auch ÖPNV ge­nannt, die Ab­kür­zung steht für 'öf­fent­li­cher Per­so­nen­nah­ver­kehr'.
ro­tieren — sich dre­hen, ein­an­der ab­wech­seln; hier: viel ar­bei­ten

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Foto:
C.E.

Dienstag, 14. November 2023

Die Amüs­phäre

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Eng­lisch (nur Aus­gangs­spra­che), die Büro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Meine Ar­beit ist mit vie­len Zug­rei­sen ver­bun­den, die manch­mal be­las­tend sind.

Bahnhof Friedrichstraße mit der Friedrichstraße in der Nacht
Nachts ist Berlin an etlichen Orten eindrucksvoller als am Tag
Im an­sons­ten schläf­ri­gen Re­gio­nal­zug, ich fahre spät von einem Kurz­ein­satz im Bran­den­bur­gi­schen nach Berlin zu­rück und ha­be wie so oft im An­schluss noch Mu­seum und Stadt be­sich­tigt, beschwert sich eine junge Frauen­stim­me lau­tstark. 

Weg­hö­ren ist für uns Mit­rei­sen­de unmöglich. Eine be­stimm­te Person würde rum­trat­schen, so­gar Lügen über sie ver­brei­ten, klagt sie. Das sei eine "Amüs­phäre", in der sie nicht mehr Freun­din ge­nannt wer­den möchte.

Ich stelle mir diese Amüsphäre vor: Par­ties, Al­ko­hol, Tanzen­gehen, Fast Food und Ta­bak, mit oder ohne Zu­sät­zen, lauter Ir­gend­wie-Youngs­ters. Ich finde meine Fan­ta­sie be­grenzt und schä­me mich fast dafür. Höre und sehe hin.

Die Frau ist maxi­mal 35 Jahre alt, und die kämpft nicht nur mit Fremd­wör­tern — die Grund­la­gen der deut­schen Spra­che fal­len ihr schwer. Sie ist un­ter­setzt, hat ein auf­ge­dun­se­nes Ge­sicht, sträh­ni­ge, blon­dier­te Haare, und als ich an­fan­ge, mir ei­ni­ge Fra­gen zu stel­len, schreit sie: "Hör auf mit die­sem ‘Jes­sie, be­ru­hig disch. Nein, kein Be­ru­hi­gen!’" ins Mobil­te­le­fon.

Die Frau ist maxi­mal 35 Jahre alt, und die kämpft nicht nur mit Fremd­wör­tern — die Grund­la­gen der deut­schen Spra­che fal­len ihr schwer. Sie ist un­ter­setzt, hat ein auf­ge­dun­se­nes Ge­sicht, sträh­ni­ge, blon­dier­te Haare, und als ich an­fan­ge, mir ei­ni­ge Fra­gen zu stel­len, schreit sie: "Hör auf mit diesem ‘Jessie, be­ru­hig disch. Nein, kein Be­ru­hi­gen!’" ins Mobil­te­le­fon.

Sie trägt eine künst­lich ge­bleich­te Jeans mit großen Ris­sen darin, ko­mi­sche Mode, vor allem im No­vem­ber, ein zu knap­pes T-Shirt mit aufge­kleb­ten Glit­zer­stein­chen, ein nicht les­ba­rer Schrift­zug zieht sich über die üppige Brust, ne­ue Sport­schuhe und -jacke. An der Leine hält Jes­sie einen Kampf­hund, des­sen Maul­korb am Griff eines Kin­der­wa­gens bau­melt. Das Kleine im Wa­gen, maxi­mal zwei, schläft. Es ist halb 12 in der Nacht.

Ein Mit­rei­sen­der wacht er­schro­cken aus der Trance auf. Er sieht, wie der Kampf­hund vor ihn steht und ihn mit un­freund­li­cher Mine be­lau­ert. Es folgt eine ge­mur­mel­te, aber hör­bare Schimpf­ti­ra­de auf derlei Vier­bei­ner, ver­bun­den mit der For­de­rung nach einem Hun­de­füh­rer­schein.

Das Baby wacht auf und schreit wie am Spieß. Jes­sie klemmt sich das Telefon zwi­schen Schul­ter und Ohr und nes­telt ein zwei­tes Ge­rät aus ihrer en­gen Jeans. Sie stellt einen lau­ten Zei­chen­trick­film an und hält ihn dem Baby hin, das schlag­ar­tig auf­hört zu schrei­en. Dann schimpft auch die Mut­ter wei­ter, jetzt über den Mit­rei­sen­den, den Schrei­hals, die Welt, das Gan­ze zur auf­ge­drehten, kit­schi­gen Schräp­mu­sik aus dem Kin­der­wa­gen.

Die Er­fin­dung mo­bi­ler Tech­nik war nie stö­ren­der als in die­sem Au­gen­blick. Meine Em­pa­thie ist bei dem Kind, beim Klei­nen von heute, sowie dem gro­ßen Kind, das ges­tern klein war. Es ist schmerz­haft. Hof­fent­lich sind wir bald da.

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Foto: C.E.

Freitag, 10. November 2023

Alles so schön bunt hier!

Über den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin können Sie auf diesen Sei­ten ei­ni­ges er­fah­ren. Meine Mut­ter­sprache ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die engli­sche Spra­che. Mein Jah­res­hö­he­punkt, eine sehr volle Woche, geht dem Ende zu.

Dolmetscherin Caroline Elias inmitten vieler Farben
Alles so schön bunt hier
In dieser Woche bin ich mehr als sonst auf Achse. Mit meinem leichten Reise­schmuck, der tür­ki­schen ge­hä­kel­ten Punkte­ket­te, die genau drei Gramm wiegt, und dem dazu passenden bunten Sei­den­schal, habe ich in Hameln ins Schwar­ze getroffen. Die Deko im zedita-Co­wor­king­space alias "Digital­hub Nie­der­sach­sen der Hoch­schu­le We­ser­berg­land" ist auch schön bunt.

Der Einsatz hier wird mir aber nicht zu bunt. Wir disku­tieren, wie in Zeiten des Nieder­gangs der Kauf­häu­ser und des zu­neh­men­den In­ternet­handels die Innen­städte mit­tel­gro­ßer und klei­ner Städte le­ben­dig gehal­ten werden. 

Bunter Dackel, bunte Dolmetscherin
Tête-à-tête mit Teckel
Sätze wie "Durch einen tiefen Schnitt in das vor­mals qua­der­för­mige Ge­bäu­de ent­stand eine rund 850 m² große be­grün­te Dachfläche", er stammt aus mei­nem Vor­be­rei­tungs­ma­te­rial, gefal­len mir, denn das 'qua­der­för­mige Gebäude' wird auf Fran­zö­sisch mit bâ­ti­ment pa­ral­lé­lé­pi­pé­dique wie­der­ge­ge­ben.


Redewendungen
jemandem wird etwas zu bunt — [sens figuré] qch est de trop
ins Schwarze treffen — taper dans le mil
"Alles so schön bunt hier!", Nina Hagen, 1978

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Fotos: C.E. und eine Teilnehmerin
Danke, Jacqueline Stech und
Merci beaucoup, "Hameln handelt"

Montag, 6. November 2023

Montagsschreibtisch (23)

Bon­jour, guten Tag & hel­lo! Der Ar­beits­all­tag von Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­schern ist Ge­gen­stand des Weblogs. Un­sere Spra­chen sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin ist Über­setze­rin und arbei­tet in die engli­sche Spra­che. Zur Kom­pen­sa­tion mei­ner Pflege­wochen habe ich ge­ra­de mal mög­lichst viel Ho­no­rar in die Wo­che ge­quetscht.

Die Pla­nung der neuen Woche ist heftig. Trig­ger­war­nung: Wenn Sie von einer 40-Stun­den-Woche trä­umen wie die durch­schnitt­li­chen An­ge­stell­ten in Deutschland, ist die­ser Bei­trag nichts für Sie. Er könn­te so­gar ver­stö­rend wir­ken.

45. Kalenderwoche
Auch wenn die Pfle­ge­ver­si­che­rung kühn davon aus­geht, dass ich, wenn ich meine Mutter eine oder zwei Wochen im Mo­nat Tag und Nacht pflege, die­ses in Summe nur zehn Stun­den die Woche aus­macht und im Rest meiner Vier­zig­stun­den­wo­che dann noch 30 Stun­den auf Arbeit ent­fal­len, wirkt das auf mich kom­plett ... gaga. Die Rech­nung stimmt dop­pelt nicht, denn man­che Dol­met­sche­rin­nen­woche ist eine Ma­na­ger­woche von 60 und mehr Arbeits­stunden. Und wie rech­ne ich Reise­zei­ten?

Wer bei Ge­richt dol­metscht, weiß, dass Fahrtzeit komplett als Arbeitszeit gilt, das regelt ein Gesetz. (Link zum JVEG hier.) Passt, denn im Zug sit­ze ich in der Re­gel am Rech­ner und be­rei­te den nächsten Ein­satz vor. 

Wer nicht mehr aus­ein­an­der­ge­kno­belt be­kom­mt, wann und wie oft in Wo­chen­frist in wel­chem Bett an wel­chem Ort über­nach­tet wird, schreibt sich einen Plan, prüft Zug­lauf­zeiten, spricht mit der Dis­po­ne­ntin der Dol­met­scher:in­nen eines Fes­ti­vals, sitzt im Fes­ti­val­shut­tle nach und ab Berlin. So wie ich diese Woche.

Die kumulierte Reisedauer, 1100 Kilo­meter per Zug und Auto, hätte auch meine Freizeit sein können. Ich schät­ze, sie schlägt mir so oder so aufs Sys­tem. Nun, ich bin Viel­rei­sen­de und ei­ni­ger­ma­ßen geübt da­rin. Meine Nich­te hätte zu­recht auf die Fra­ge ant­worten kön­nen, wo denn wohl die Tan­te wohnt: "Line wohnt in der Eisen­bahn." (... und im In­ter­net, hätte sie an­fü­gen können, würde sie das In­ter­net schon kennen.)

Noch vor ei­nem Jahr oder Anfang 2023 konnan­fü­te ich mir nicht vor­stel­len, so schnell wie­der in Voll­zeit ar­beiten zu kön­nen, Covid-19 war fies. Ich hat­te mäch­tig Glück, dass meine Kur so gut an­ge­schla­gen hat.

Und die Woche drauf ha­be ich wie­der eine ru­hi­ge, sess­hafte solche.

Grund­sätz­lich: Es schmerzt sehr, wie wenig deutsche Behör­den vom Lebens- und Ar­beits­all­tag von Frei­be­ruf­le­rin­nen wissen und uns mit ihren Re­ge­lun­gen das Leben nicht wirklich einfacher machen, um es vor­sich­tig auszu­drücken. Meine Kund:in­nen sind üb­ri­gens zu 80 Pro­zent eben jene öf­fent­li­chen Ein­richtungen.

Themen
⊗ Ur­ba­nismus, Zukunft der In­nenstädte (Hameln)
⊗ Raub­kunst aus Afrika (Ber­lin)
⊗ Festival des Osteuro­pä­ischen Kinos (Cottbus)

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Grafik: C.E.

Dienstag, 31. Oktober 2023

Alte Lexiken

Bon­jour & guten Tag! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­set­zerin für die fran­zö­si­sche Sprache (Ziel­spra­chen über­wie­gend DE, im Team FR sowie aus dem Engli­schen). Meine Büro­kol­le­gin über­setzt in die engli­sche Spra­che. Dabei haben wir es mit vielen unterschiedlichen Themen zu tun. Umso besser, wenn wir uns in der Vor­be­rei­tung auch mal auf bereits getane Arbeit stützen können.

Heute geht es um das Ler­nen mit alten Lexiken. Da wir als Kern­team in Summe schon mehr als 200 Jahre lang tätig sind, findet sich zu fast jedem The­ma eine erprob­te Lexik.  

Laptop mit Vokabelliste
POV: Auf der Liege liegend lernen

Wir ergänzen sie und notieren unter der Liste Hinweise zur Terminologie und deren Veränderung. Die abgebildete Lexik aus meinem Bestand ist dem Thema Konflikt­roh­stoffe gewidmet. 

Als Konflikt­res­sourcen oder -minerale (auf EN conflict mineral) werden Boden­schätze wie diverse Erze oder Gold bezeichnet. Sehr häufig werden diese Substan­zen von welt­weit tätigen Konzernen auf dem af­rika­ni­sche­n Kontinent gefördert, die au­toch­tone Bevölkerung wird da­für nicht sel­ten um­ge­siedelt, ent­rech­tet, in den Gruben ausge­beu­tet, auch Kin­der, und mit den Folgen für die Umwelt al­lein­ge­las­sen. Der Be­griff Kon­flikt­roh­stoffe nimmt die Pers­pek­tive der Opfer ein, die in den Gebieten leben. 

Ei­gent­lich müss­ten diese Staa­ten reich sein, werden aber von den Indus­tries­taaten auf den Verlierer­platz verwiesen: Kaufpreise werden gedrückt und Gewinne ver­sickern vor Ort, von den Industrie­na­tio­nen lange einfach hin­ge­nommen. Das Geld kommt nur wenigen oder nicht selten sogar Terror­gruppen zugute. Der Abbau fin­det oft jenseits staat­licher Kontrolle statt, Korruption und private Truppen, Mili­zen, beherr­schen vie­ler­orts die Lage, Men­schen­rechts- und Völ­ker­rechts­ver­let­zun­gen sind dann an der Ta­ges­­ord­nung.

Das neue deut­sche Lie­fer­ket­ten­gesetz ist der Versuch, die Lage zu verändern.

Wir haben die Lexiken in verschiedene Kapitel unterteilt, Wirtschaft, darunter Ener­gie, Transition, Häfen und Medien; Kultur, darunter Bücher, Film, Bildende Kunst; Bau, darun­ter Industrie­bau, Innenar­chi­tektur, nach­haltige Sanie­rung; So­zio­lo­gie und Urbanis­mus, darun­ter Städte­planung, Schwamm­stadt, Flä­chen­neu­in­an­spruch­nah­me; LWS, darunter Öko­land­bau, Humus­auf­bau und derlei mehr. (Natür­lich gibt es Schnitt­mengen!)

Ein ein­deu­ti­ger Do­ku­men­ten­ti­tel hilft beim Wie­der­fin­den. Oben auf der Seite ver­mer­ken wir den Samm­lungs­zeit­raum, ob verwendet oder nicht, von welchen Mut­ter­sprachler:in­nen optimiert. Im Duo senden wir uns diese immer hin und her, er­gän­zen die Liste mit eigenen Farben und den Na­men der Datei um Ziffern, un­ge­rade für die Erstau­to­rin, ge­ra­de für die Zweit­au­torin (wobei je Büro­prä­senz oder nicht) auch mal eine Nummer aus­fallen kann.

Vokabel­auswahl (aus dem Bild­beispiel)
Gruppe Aufstän­discher — groupe d’insurgés
harte Hand — gant de fer
Hausdurchsuchung, Haussuchung — perquisition
Henker, Täter — bourreaux
Hinterland — base arrière [selon l'audience aussi le hinterland]
Internationaler Gerichtshof — Cour pénale inter­na­tio­nale
Isla­mi­scher Oberster Rat — Conseil supérieur is­la­mi­que
Klage(rede) — lamentation
Klage (JUR) — action judiciaire
Koltan/Coltan, das — coltan, le
Konflikt­roh­stoffe/ Konflikt­mi­ne­ra­lien — minéraux de conflit
Ein kon­go­le­si­sches Sprichwort: Was die Chinesen machen, ist nie von Dauer. — Un adage du Congo: "Ce que font les chinois ne dure jamais."
körper­li­che Unver­sehrt­heit — intégrité physique

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Foto:
C.E. (mit dem alten Handy geknipst)

Montag, 30. Oktober 2023

Montagsschreibtisch (22)

Bon­jour & hel­lo! Sie sind auf den Sei­ten eines di­gi­talen Ta­ge­buchs aus der Welt der Spra­chen ge­lan­det, das es seit 16 Jah­ren gibt. Wir sind ein Team. Die­sen Herbst sind et­li­che von uns im Auftrag von Kund:innen un­ter­wegs, das Ar­beits­le­ben ist hektisch, auch dann, wenn ich ei­gent­lich ruhig aus dem ei­ge­nen Büro ar­bei­ten möch­te.

Der nach­mit­täg­li­che Mon­tags­schreib­tisch steht kurz­fristig im Hotel, denn es wird in un­se­rer Nach­bar­schaft mal wieder höchst laut­stark re­no­viert. Ich werde gleich eine On­line­kon­fe­renz unt­er­stüt­zen. (Rechts noch die Ohro­pax, die ich am Vor­mit­tag ge­tra­gen habe, eigent­lich mehr als Il­lus­tra­tion des­sen, was hier so los ist.)

Laptop und Tablet als Second Screen mit Redner
Zwei Moni­tore sind wichtig
Hier habe ich eben ein­ge­checkt und hö­re erst­mal nur zu, um später den An­schluss bes­ser sicher­stel­len zu kön­nen. Gleich hole ich den Kopf­hö­rer raus und die Netz­geräte der Mo­ni­to­re für spä­ter, dazu Schreib­geräte und Pa­pier sowie die ak­tu­ali­sier­ten Fach­wör­ter­le­xi­ken. Dann rufe ich die Power­Point­Prä­sen­ta­tio­nen auf, die ich am Wochen­en­de zu­ge­sandt be­kom­men und seither bear­bei­tet habe.

Die Prä­sen­ta­tio­nen werden später auf dem ei­nen Mo­ni­tor zu sehen sein, über den ande­ren läuft die On­line­kon­fe­renzsoft­ware. Nicht opti­mal ist hier, dass ich nicht per Kabel ins Netz ge­hen kann. Dafür habe ich das Zim­mer be­kom­men, das am nächs­ten am Router liegt.

Auf dem Schreib­tisch diese Woche:
⊗ Westafrika und Kon­flikt­rohstoffe
⊗ In­nen­ar­chi­tektur
⊗ Urbanismus, Zukunft der Innenstädte
⊗ Ablage

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Foto:
C.E. (mit dem alten Handy geknipst)

Montag, 23. Oktober 2023

Montagsschreibtisch (21)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ich bin Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und blogge hier seit 2007. Ich über­set­ze auch aus dem En­g­li­schen, aber im­mer nur in die deut­sche Spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche.

Sicht­achse aus der Ka­bine
Der Mon­tags­schreib­tisch, rasch mit dem al­ten Zweit­han­dy ge­schos­sen, denn wir ar­bei­ten hoch­kon­zen­triert. Heu­te geht es über die Welt­lage mit ihren Mul­ti­kri­sen, um The­ma Men­schen­rech­te, Frieden, Klima­ka­tas­tro­phe.

In diesen Tagen auf dem Schreib­tisch:
⊗ Multimodale Trans­port­sys­teme (Hafen), in Ver­bin­dung mit voll­au­to­ma­ti­sierten Con­tai­ner­ter­minals, Ergän­zungs­ter­min
⊗ Ost­eu­ro­pä­isches Kino
⊗ Film­fi­nan­zierung in Europa
⊗ ADHS/ADS
⊗ Abla­gen

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Foto:
C.E.

Montag, 16. Oktober 2023

Montagsschreibtisch (20)

Sie lesen hier einen Blog aus der Ar­beits­welt, genauer: aus dem All­tag einer Dol­met­scherin. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Pa­ral­lel zu den Ein­sätzen kümmert sich das Back­office (im Bild) um neue Bu­chun­gen.   

Büroalltag um 1900

Schön wär's.

Die abgebildeten Herren hielten natürlich vor über hundert Jah­ren die Stellung im "Kontor" bei Ab­rech­nung und Planung, dazu nutzten sie ihre wun­der­ba­ren Stehschreibtische mit der vo­lu­mi­nö­sen Schreib­ma­schine an der Seite, sie trugen dabei ih­re dunk­len Anzüge, Schlips und Kra­gen. Die sprichwörtlichen Är­mel­scho­ner dieser Zeit sehen wir hier nicht ab­ge­bil­det.

Der Werbekalender zeigt den 16. eines Monats an; ich weiß nicht, ob er von einer echten Stahlfirma aus Berlin stammt oder vom "Schoeler + Stahl"-Strickgarn, das wir heute noch kennen.

Auf meinem Schreibtisch:
⊗ Aktuelle Lage Westafrikas
⊗ Urbanismus und Wasserplanung
⊗ Buchhaltung und Ablagen
⊗ Nach­be­reitung Containerhafen
⊗ Kosten­vor­an­schläge für Frühjahr 2024

Gerne hätte ich solche dienst­ba­ren Geister im Büro mit Kun­den­kar­tei und Schreib­ma­schine, das Te­le­grafenamt zur Un­ter­stüt­zung. (Bei meinen Ahnen gibt es ganze Ordner mit "Ordern" und telegrafischen Anweisungen und Telegrammen und Briefen vom Reisebüro für die Dienstreisen und historische Stadtführer mit hand­schrift­li­chen Notizen bis hinauf zu meinem Ur-Ur­groß­va­ter. Heute läuft das alles digital. An­fragen er­reichen uns am besten über info@adazylla.de.

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Foto
archiv Elias/Lossow; Bild lässt sich in
in einem zweiten Tab laden und vergrößern.

Montag, 9. Oktober 2023

Montagsschreibtisch (19)

Wie Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, be­schrei­be ich hier seit 2007. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Deutsch (Mut­ter­spra­che), Fran­zö­sisch und Eng­lisch; die Büro­kol­le­gin ar­bei­tet als Über­setze­rin, al­so schrift­lich, mit Ziel­spra­che Engli­sch. Die Kon­fe­renz­sai­son ist auf ih­rem Höhe­punkt. Oft ge­nug ar­beite ich da­bei gar nicht zu­hau­se.

Computer, Notizen, Kinderfoto (unscharf)
Schreib­tisch am Fenster
Wir Spracharbeiter:innen, die dol­metschen, dürfen häufig mit inter­na­tio­nalen De­le­ga­tions­grup­pen unterwegs sein, Euro­be­triebs­rats­grup­pen auf Dienst­rei­sen begleiten, zu Kon­fe­renzen unserer Fach­ge­biete anrei­sen oder aber uns im "Home­office" (le té­lé­tra­vail) vor­be­rei­ten. Letzte­res mache ich ger­ne aus­wärts, um daneben äl­te­re Ange­hörige im Alltag zu unter­stüt­zen. 

Derzeit auf dem Schreib­tisch:
⊗ Frachthä­fen und deren Au­to­ma­ti­sie­rung
⊗ Europä­ische Agrar­po­li­tik
⊗ Buch­haltung 
⊗ Ablagen
⊗ Nach­be­reitung früherer Termine
 
 

Haus, Bäume, blauer Himmel, Wolke
Blick aus dem Fenster
Auf dem Foto oben im Fenster: Meine ver­schie­de­nen Beutel und Packtaschen. Wer viel reist, nutzt Routinen und ver­bin­det das mit einem Or­dnungs­system, das 'auto­ma­tisiert' funktio­niert.

Hier werte ich Notizen aus und ergänze Vo­ka­bel­listen. Manch­mal ist es nicht ein­fach, sich von der schö­nen Aus­sicht nicht ablen­ken zu lassen. Gerne indes gehe ich auf Ab­len­kungs­an­ge­bo­te von äl­te­ren oder we­ni­ger äl­te­ren Mit­men­schen ein, beides ist hier vor­han­den ist. Ich bin halt auch nur ein Fa­mi­lien­tier.

(... der­zeit am bes­ten er­reich­bar un­ter info@adazylla.de.)

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Foto: C.E.

Samstag, 7. Oktober 2023

Der siebente Oktober

Bon­jour & hel­lo! Sie sind auf den Sei­ten ei­nes di­gi­ta­len Ta­ge­buchs aus der Welt der Spra­chen ge­lan­det, das seit 2007 Jah­ren be­steht. Heu­te ist wie­der so ein Tag, von dem wir noch in Jahr­zehn­ten wis­sen, was wir heu­te ge­macht ha­ben, als wir die Nach­rich­ten ge­hört ha­ben. 

F*ck, jetzt hat die­ser 7. Ok­to­ber ei­ne neue Ebe­ne.

Als hal­be "Os­sa" kommt mir na­tür­lich zu­nächst der "Tag der Re­pu­blik" in den Sinn, denn sechs Mo­na­te nach der Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik in den West­zo­nen hatte sich am 7. Ok­to­ber 1949 in der Ost­zo­ne, al­so im Ein­fluss­ge­biet der So­wjet­uni­on, die Deut­sche De­mo­kra­ti­sche Re­pu­blik kon­sti­tu­iert.

Und nun die­se mör­de­ri­sche Ter­ror­at­ta­cke der Hamas auf Is­ra­el an ei­nem 7.10.; An­grif­fe, die so un­vor­stell­bar grau­sam wa­ren, dass es eine Zä­sur ist.

Ich muss da­bei im­mer an Alain Cha­bat den­ken, der die La­ge per­fekt zu­sam­men­ge­fasst hat: "Wir füh­ren im­mer noch Krieg ge­gen­ein­an­der, ob­wohl wir auf einem klei­nen Kie­sel­stein sind, der in einem ei­si­gen Uni­ver­sum treibt. Wir sind schwach­sinnig."

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Foto:
ohne

Freitag, 6. Oktober 2023

Museum der Wörter (33)

Bonjour, was uns Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter so um­treibt, ist seit 2007 Ge­gen­stand die­ses Blogs. Ich bin Dolmet­scherin und Über­setzerin (al­ler­dings nicht von amtlichen Doku­menten) und ar­bei­te mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Die Bü­ro­kol­le­gin übersetzt ins Eng­li­sche. Auch privat denke ich viel über Sprache nach.

Das Wort­mu­seum hat drei neue Be­grif­fe. Einen Abend mit einem "Oldie" ver­bracht, und schon fällt hier mas­siv Stoff an.

            
                      K
aventsmann, Nickligkeit, Bolide
  

Den "Kavents­mann" hatte meine "Omma aus Unna" gerne in Ver­wen­dung, ich hatte ihn mir al­ler­dings mit einem R als zweiten Buch­sta­ben ab­ge­spei­chert. Der Be­griff kommt aus der alten deut­schen Rechts­sprache, in der ein "Kavent" ein Bür­ge ist. Das Wort würde sich mit einem C an der Stelle des Buch­stabens K recht fran­zö­sisch lesen, das Wort gibt es aber nicht. Und ein Bürge war einst wohl meis­tens ein be­son­ders statt­li­cher Mann: Der Kavents­mann zeich­net sich durch Lei­bes­fül­le aus, oder er be­schreibt ein größeres Ob­jekt (oder eine große Welle). 

Furchterregender Kopf in Neonfarben auf schwarzem Hintergrund
Je ein Kaventsmann, Nickligkeit, Bolide (*)
Zu diesem Wort passt das fran­zö­si­sche Sub­stan­tif l'em­bon­point, was Larousse als sur­charge pon­dé­ra­le elegant be­nennt, sehr wörtlich eine 'gewicht­li­che Über­las­tung'.
Manche(r), der/die sehr viel Bauch vor sich her­schiebt (der nicht nach Neun­mo­nats­frist ganz natür­li­ch ...), mag dies als eine Nich­tig­keit ein­stu­fen, nicht zu ver­wech­seln mit "Nick­ligkeit/Nicke­lig­keit": Starr­sin­nig­keit, Bös­wil­lig­keit und sich dar­aus ab­lei­ten­de Taten. (Na­tür­lich ist ein Zu­sam­men­hang den­kbar, Kör­per­fül­le in­fol­ge starr­sin­niger Leug­nung der Ur­sa­chen. Ist aber eher eine Aus­nah­me.)

Wie ein Bolide kann so ein mensch­licher Trumm um die Straßen­ecke geschossen kom­men und zarte Fußgän­gerinnen umschmeißen, hier sind wir aber schon in der Übertragung des Be­griffs. Ein "Bolide" ist übli­cher­weise ein Fahrge­schoss, eine schnelle Karre oder ein sehr hel­ler Meteo­rit. Heute lan­det das Wort für mich nur des­halb im Wör­ter­museum, weil ich seine Ver­wen­dung in Deutsch­land noch nicht ge­hört ha­be. In Frank­reich indes ist le bo­li­de als Be­griff gut be­kannt.

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Idee: H.F. / Grafik: gemäß der KI (Dall:e)

Montag, 2. Oktober 2023

Montagsschreibtisch (18)

Seit 2007 ist der Ar­beits­all­tag von Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­schern ist Ge­gen­stand des Weblogs. Meine Spra­chen sind Deutsch (Muttersprache), Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin arbeitet als Über­setze­rin in die engli­sche Spra­che.

Zwei Figuren in einer fensterlosen Box mit Mikrofonen und Kopfhörern
Wie die KI unseren Beruf sieht

 
Die Herbst­saison ist auf ihrem Hö­he­punkt. Wir sind gerade nur über Mail er­reich­bar. Derzeit auf dem Schreib­­tisch:

⊗ Sozial­ver­sicherungs­system in Deutsch­land
⊗ Europä­ische Agrar­po­li­tik
⊗ Buchhaltung
⊗ Ablagen
⊗ Nach­be­reitung Lehrer­aus­tausch
⊗ Kosten­vor­an­schläge für Mai 2024

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Illustration:
Dall:e (April 2023, bearbeitet)

Montag, 11. September 2023

Montagsschreibtisch (17)

Wie Über­setzer:in­nen und Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten, erfahren Sie hier. Meine Arbeits­sprachen sind Fran­zö­sisch und Deutsch (Mutter­sprache) sowie Eng­lisch (als Aus­gangs­spra­che). Ich bin Teil eines inter­na­tio­na­len Netz­werks, die Büro­kol­legin übersetzt ins Eng­li­sche.

Was steht an? Auf dem Schreib­tisch et­li­che be­kann­te The­men:
Frau am Schreibtisch, Regal, Drucker, Kommode, diverse Gerätschaften auf dem Tisch, Kakteen im Fenster
Wie die KI sich meinen Arbeitsplatz vorstellt

⊗ Schwamm­stadt
⊗ E-Mobilität
⊗ Klimakrise
⊗ Umbau der Industrie in der Biodiversitätskrise
⊗ Carbon Caption in der Spei­se­eis­her­stel­lung
⊗ Hydrogen
⊗ "Grand Inga"-Stau­damm­pro­jekt in der VR Kongo

Das ist ein ziem­li­cher Ritt durch die The­men. Für man­chen Ter­min ste­hen nur an­dert­halb Stun­den zur Ver­fü­gung, die Vor­be­rei­tung ist da­bei noch in­ten­si­ver, noch mehr "auf den Punkt".
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Illustration: Dall:e

Dienstag, 5. September 2023

COVIDiary (... und kein Ende)

Bon­jour & hel­lo! Sie lesen hier ein digitales Ta­ge­buch aus der Welt der Spra­chen, das es seit 2007 Jah­ren gibt. Ich über­setze ins Deut­sche und dol­met­sche bila­te­ral Franzö­sisch/Deutsch, die Büro­kol­le­gin übersetzt ins Eng­li­sche. Die Herbst­saison hat an­ge­fan­gen, dabei reise ich für manche Stamm­kunden auch mit an ih­re Event­orte.

Weiterhin erleide ich re­gel­mä­ßig die Ver­spä­tungen der Bahn. Und man­cher Zeit­ge­nos­se im Zug ist mir auch nicht geheuer. Da ich Post Co­vid hatte und nun an der Pfle­ge einer Ange­hö­ri­gen mit­wirke, trage ich in den Öffis wieder Mas­ke.

Ein Mit­rei­sen­der neulich im Zug mit Blick auf meine FFP3-Maske: Haben wir schon wieder "Corona"? Die An­füh­rungs­zei­chen malte er mit den Händen.

Zur Ab­wechs­lung war ich mal schlag­fer­tig: Ja, bereits zum vierten Mal, nach dem letzten Mal war ich sechs Mo­na­te lang krank. Hatten Sie's schon? Soll ich Sie an­stecken? (... und griff zur Maske, als würde ich sie ab­neh­men wollen.)

Der Mann (plötz­lich bleich): Ach, nee, lieber nicht!
Ich: ... (komme näher, die Hand noch am Mas­ken­gummi.)

Er: Gute Bes­se­rung! (und eilt aus dem Wa­gon).

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Illustration: Dall:e

Montag, 21. August 2023

Montagsschreibtisch (16)

Bon­jour & hel­lo! Sie sind auf den Sei­ten eines di­gi­talen Ta­ge­buchs aus der Welt der Spra­chen ge­lan­det, das es seit über 16 Jah­ren gibt. Der Som­mer hat seinen Zenit über­schrit­ten. Noch herrscht die berühmte Ruhe ...

So stellt sich DALL:E meinen Schreibtisch vor
Der Schreib­tisch ist über­schaubar dieser Tage in einer Stadt, in der es manch­mal so heftig schüt­tet, dass 30 Liter in der Stunde (wie hier neu­lich nachts vom Him­mel ge­kommen) kaum auf­ge­nom­men wer­den kön­nen, wir an­sons­ten wo­chen- und mo­na­te­lang um den trockenen Garten be­sorgt sind.
Dazu pas­send auf dem Schreib­tisch:
⊗ Schwamm­stadt: Wie können wir das Wasser­ma­na­gement verbes­sern?
⊗ Angebote, Abr­ech­nungen
⊗ Lernen: Verwal­tung, Di­gi­ta­li­sie­rung

Vor Jahren wurde bei uns vor dem Haus der Kanal mo­der­ni­siert bzw. ein un­ter­ir­di­sches Was­ser­stau­becken ein­ge­baut, das sich bei Stark­regen schon bewährt hat. Wenn es gar zu viel schüttet, fließen al­ler­dings die Schmutz­was­ser­kanäle und auch das Becken über, "ent­lastet" wird über den Land­wehr­kanal. Auf Deutsch: Ab­was­ser aus den Haus­halten landet im Kanal. Damals ha­ben wir Nach­bar:innen ge­trenn­te Kanäle für Regen und Schmut­zwasser an­ge­mahnt. Das unter­blieb, es wur­de, grob ge­sagt, aus­ge­hend vom tech­ni­schen Standard der Pla­nung zu Zeiten von James Hob­recht (1825-1902) gebaut, Argument: zu teuer, wört­lich: "Das müs­sen dann unsere Kin­der über­nehmen."

Klar, weil sie auch sonst gar­nichts zu stem­men ha­ben wer­den an gif­ti­gem Er­be.

Eine Schwamm­stadt soll durch intel­li­gen­tes Re­gen­was­ser­ma­nage­ment die Folgen von Hoch­was­ser­er­eig­nis­sen und von Tro­pen­tagen aus­zu­glei­chen hel­fen. Die Ver­sicke­rungs­ge­schwin­dig­keit nach sintf­lut­ar­ti­gen Regen­fällen lässt sich in­di­rekt ver­än­dern. Durch unter­schied­li­che to­po­gra­fi­sche Ein­grif­fe wird Regen­wasser ge­spei­chert bzw. seine na­tür­liche Ver­sicke­rung ge­för­dert. Ein Teil davon wird Reser­voirs ge­spei­chert und dann suk­zes­si­ve wieder so an die Um­ge­bung abge­ge­ben, dass eine natür­li­che Ver­duns­tung ent­ste­hen kann. 

Gesunde Flora, insbe­son­dere Bäume, schaffen wert­vol­len Schat­ten und tra­gen durch Trans­pi­ration (Pflan­zen­at­mung) zur Abküh­lung des Um­felds bei. Wichtig ist die Er­hal­tung und Nutzung von kost­barem Regen­was­ser an Ort und Stelle. Damit wird auch die künst­li­che Bewäs­serung mit Leitungs­was­ser zurückge­fahren, was Kosten und Ma­te­rial­ein­satz re­du­ziert. Dieses Konzept baut auf den na­tür­li­chen Mecha­nis­men des Was­ser­kreis­laufs auf.

Am Ende sind die Städte durch mehr Ver­duns­tungs­küh­le nicht nur le­bens­wer­ter, auch die Bio­di­versität vor Ort ver­bes­sert sich. Das Kon­zept setzt indes voraus, dass das all­ge­mei­ne Um­welt­be­wusst­sein der Bevöl­kerung zu­nimmt, was ein aktiver und kein pas­si­ver Vorgang ist.

Kurz­de­fi­nition: Eine Schwamm­stadt nimmt das Wasser auf, wenn zu viel Regen da ist, und gießt die Pflanzen, wenn es nicht reg­net.

Vokabeln

bassin de rétention souterrain — unterirdisches Rückhaltebecken, canaux d'eaux usées — Schmutzwasserkanäle, écoulement naturel, percolation naturelle — natürliches Abfließen, eaux pluviales et usées — Regen- und Schmutzwasser, flore saine — gesunde Flora, infiltration — Versickerung, inondation — Hochwasserereignis irrigation artificielle — künstliche Bewässerung pluies diluviennes — sintflutartiger Regen vitesse d'infiltration — Versickerungsgeschwindkeit, ville éponge — Schwammstadt

 

 

 

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Illustrationen:
OpenAI und C.E.

Montag, 14. August 2023

Montagsschreibtisch (15)

Bon­jour, guten Tag & hel­lo! Wie Über­setzer:in­nen und Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten, erfahren Sie hier. Wir spre­chen und schrei­ben auf Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin ist Über­setze­rin und arbei­tet in die engli­sche Spra­che. Im Som­mer errei­chen Sie uns über info@adazylla.de.

Der Sommerschreibtisch steht manchmal auswärts, oder aber er steht ein­fach nur auf dem Balkon. Gerade beschäftigen mich:

Frau mit Kopfhörern, Mikrofon und Monitor auf einem Balkon mit Topfpflanzen; Grün vor dem Haus
So könnte Matisse meinen Beruf gesehen haben
⊗ Di­gi­ta­li­sie­rung der Ver­wal­tung
⊗ Land­wirt­schaft und Gesund­heit
⊗ Kostenvoranschläge
⊗ Ter­min­pla­nung
⊗ Gemein­wohl­öko­no­mie

Auf dem Bal­kon besteht im­mer­hin die Il­lu­sion von Ur­laubs­leich­tig­keit. Wäre ich Archi­tek­tin oder Stadt­pla­ne­rin, würde jede Woh­nung ihren Winter­garten mit Fenstern be­kom­men, die im Som­mer zur Seite oder nach unten/oben ge­scho­ben wer­den können und leicht sau­ber­zuhalten wären.

Und pass­end zur Klima­krise würde es integrierte Bal­kon­kraft­werke geben. (Viel­leicht werden die Glas­schei­ben selbst die Solar­mo­du­le sein.) Au­ßer­dem sinn­voll: vorge­fertigte, ein­ge­baute Pflanz­kästen mit au­to­no­mem Wur­zel­be­wäs­se­rungs­sys­tem und Re­gen­was­ser­speicher sowie mo­bi­le Ver­schat­­tungs­ele­men­te für den Sitz­p­latz, die die Luft durch­las­sen, nach nord­af­ri­ka­ni­schem Vor­bild: le mou­cha­ra­bieh / Masch­ra­bi­yya.
 
Au­ßer­dem einen Winz­balkon mit etwas größerem french window an der Küche mit Wäsche­lei­nen, Kräu­ter­beet und direktem Zu­griff zum "Natur­kühl­schrank" für die kühlen Monate: Seriell her­ge­stellt, wäre das keine neue Kos­ten­ex­plo­sion, son­dern brächte eine enor­me Er­hö­hung der Wohn­qua­li­tät mit sich. Noch ein Plus­punkt: Der eigene Bal­kon/Winter­garten ist ein wun­der­ba­res Reise­ziel für Kurz­urlaube, die Men­schen würden weniger um­welt­schäd­lich reisen. Auf Deutsch gibt es ein Wort dafür, "Bal­ko­nien". (2011 ha­be ich da­rüber das hier ge­schrie­ben: Link.)

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Illustration: DALL:E (modif.)

Donnerstag, 10. August 2023

Neues vom Brotstand / Museum der Wörter (32)

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Eng­lisch (nur Aus­gangs­spra­che), die Büro­kol­legin übersetzt ins Eng­lische. Heute rei­sen wir dop­pelt in die Ver­gan­gen­heit.
            
                                K
aisersemmel
  

Über lustige Brötchen- und Brotnamen schrieb ich bereits Juni 2014. Damals waren mir neben den berlin­üb­li­chen "Schrip­pen" auch die "Welt­meis­ter­brötchen", die "Schus­ter­jungen" und der "Haus­freund" auf­ge­fal­len, letzteres eine Brot­sorte. 

Heute kauf­te eine Frau neben mir eine "Seele". Die berühm­te Online-Enzyklo­pädie klärt mich auf: lang­ge­strecktes Weizen­gebäck, schwäbische Küche, in der Regel mit Salz und Kümmel bestreut. Gut, dann kam mit dem "Weckle" offen­bar auch die Seele nach Berlin, häufig anzu­treffen im Be­zirk Prenz­lauer Berg. Ein wei­terer Im­port ist der "Spitz­bube", ein un­ter­tel­ler­großes Mürbe­teig­plätzchen mit Ge­sicht, den ich bei einem beson­ders feinen Bäcker in Charlot­ten­burg in der Aus­lage sah, bei Wiki­pedia gibt's auch ein Foto dazu. "Ochsenauge" oder "Linzer Auge" gelten als Variationen dazu.

Kaisersemmel und Ha­senbrot von "Matisse"
Beim Bäcker im profanen Neu­kölln sind heute zudem "Ha­sen­brötchen" im An­ge­bot. Die habe ich nicht probiert, kenne aber das "Hasenbrot": Ein mit­ge­brachtes Brot, das auf große Reise geht, aber in­fol­ge anderer An­ge­bote oder in Er­man­ge­lung von Hunger bzw. Ap­pe­tit in der Tasche bleibt. Hier noch­mal das be­rüh­mte di­gi­ta­le Le­xi­kon: "wie­der heim­ge­brach­tes Pau­sen­brot" oder "Weg­zeh­rung, die von den Erwach­senen nicht auf­ge­ges­sen wur­de, sondern für die Kinder mit nach Hause ge­bracht wurde; daraus über­tragen: für die Kin­der be­stim­mter Lecker­bis­sen".

Es könnte auch Brot sein, das am Ende — vielleicht nur vermeint­lich — für die Ha­sen bestimmt ist. Die moderne Analo­gie dazu wäre der "Doggy bag", die von der Mahl­zeit ein­ge­packten Reste aus dem Restaurant, die auch eher für den Menschen ge­dacht sind als fürs Tier.

Zurück in die Bäckerei, Sprung in die Ver­gan­gen­heit, in die DDR. Meine Urgroß­mut­ter ging damals noch "Kaiser­sem­meln" einkaufen. Um sie al­ters­mäßig ein­zu­ord­nen: Sie trug im hohen Alter nur schwar­ze Kleider, die nach dem 19. Jahrhundert aus­sahen und im Zweifel sogar aus der Zeit stamm­ten, aber von ihrer Mut­ter ge­erbt waren. Ich kannte sie als sehr liebe, hochbetagte Dame, die natür­lich selbst im 19. Jahr­hun­dert geboren worden war. Es umgab sie stets eine Par­fum­wolke, "Veil­chen mit Mot­ten­kugeln". Und natürlich wurde ihr das gewünschte Im­pe­rialis­ten­gebäck auch mit exakt diesem Namen zu­rück­gereicht, gut verpackt in einen al­ten Brot­beutel aus Leinen.

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Idee: H.F. / Grafik: Dall:E, Hintergrund ergänzt


Montag, 7. August 2023

Montagsschreibtisch (14)

Wie Über­setzer:in­nen und Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten, erfahren Sie hier. Meine Arbeits­spra­chen sind Fran­zö­sisch und Deutsch (Mutter­sprache) sowie Eng­lisch, in kur­zen Noti­zen aus dem Ar­beits­all­tag.

Zwei Computer, Pulswärmer, Tee, Schreibtisch, Bücherschrank, Ahnenbilder
Vokabellisten vergleichen

Sommer bedeutet für viele Ferien, See, Fluss oder Meer. Und für uns alle Sonne, Mauersegler und Seele baumeln lassen. 

Zwischendurch sitzt un­ser­ei­ner re­gel­mä­ßig am Schreibtisch. Der steht zwi­schen­durch auch mal auswärts. Die Arbeit findet auch dort un­ter Auf­sicht von Vor­fah­ren statt. Das rech­te Por­trait im Foto links zeigt einen Ah­nen, der Kauf­mann war.

Derzeit in Arbeit:
⊗ Kostenvoranschläge eins bis vier
⊗ Lektorat der Übersetzung einer Kollegin
⊗ Einlesen in ein Landwirtschaftsthema für den Herbst (u.a. Bodengesundheit)
⊗ Ener­gie (Vor­be­rei­tung Euro-Betriebsrat)
[Erreichbar unter info info@adazylla.de.]

Die Mauer­segler verlassen üb­li­cher­weise um den 6. August Berlin, das ist der Be­ginn vom Ende des Som­mers. Kein Wun­der, dass ich heute nur mit Puls­wärmern lernen wollte.

Es waren feuchte 15, 16  Grad Cel­sius mit gefühlt 20 Son­nen­strah­len, Tem­pe­ra­tu­ren, in denen im Herbst schon mal kurz ge­heizt wird (... jetzt nicht). Das nass­kal­te Wetter ist seit Wo­chen im Himmel von Hei­del­berg und Berlin wie fest­ge­tackert. Das sind lang­an­hal­ten­de Wet­ter­lagen mit sich auf­bau­enden sint­flut­ar­tigen Regen­fällen, im Ahr­tal haben sie sich vor zwei Jah­ren de­sas­trös ausge­wirkt, heute leiden an­de­re Men­schen Europas un­ter den Folgen solchen Sze­na­rien. Und ja, auch das eine Folge der Kli­ma­ka­tas­tro­phe.

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Foto:
C. E.

Donnerstag, 27. Juli 2023

Museum der Wörter (31)

Bon­jour & hel­lo! Sie sind auf den Sei­ten eines di­gi­talen Ta­ge­buchs aus der Welt der Spra­chen ge­lan­det, das es seit 16 Jah­ren gibt. Die­sen Sommer sind et­li­che von uns un­ter­wegs, andere in der Fa­mi­lien­pfle­ge, wieder andere re­kon­va­les­zent. Das Ar­beits­le­ben geht wei­ter, am besten er­rei­chen Sie uns via Mail. Heute: ein wei­te­rer Blick ins Wör­ter­mu­seum.
                      

                  Hitzefeuer

                  Omega-Wetterlage

Wer jetzt noch die Klima­ka­tas­tro­phe leug­net, hat nicht mehr alle Schrau­ben fest im Ober­stüb­chen, oder aber er oder sie kann nicht lesen. Die Wis­sen­schaft­ler sind sich einig, wie die Klimataz berichtet, hier auch der Link zum Paper: ohne die Kli­ma­ka­tas­tro­phe würde es die furcht­ba­ren Brän­de im Süden Eu­ro­pas im heißesten Monat seit Be­ginn der Wet­ter­auf­zeich­nung welt­weit nicht ge­ben. Sie sind das Er­geb­nis von Wasser­man­gel, Hitze­wel­len und von im Him­mel wie "fest­ge­tacker­ten" Groß­wet­ter­la­gen.

Pas­send zur Lage ei­ni­ge Be­grif­fe, die bit­te mög­lichst bald ins Mu­seum der Wörter ein­ge­hen möch­ten!

90% der Feu­er­aus­brüche gehen auf mensch­li­ches Han­deln zurück. — 90 % départs de feux sont dus à l’acti­vité hu­maine.
Alp­traum­lage (die) — scénario (m) cauche­mar
Aus­brei­tung von Flammen — propa­gation (f) des flammes
Brand­ro­dung (die) — brulis (m), l'écobuage (m)
Der Mittel­meer­raum steht in Flam­men. — Le bassin mé­di­ter­ranéen est cerné par les flammes.
Die Re­gion ist anfäl­lig für Brände. — La région est en proie aux in­cen­dies.
feh­lende Nie­der­schlä­ge — préci­pi­ta­tions (f, pl.) man­quantes
feind­li­ches Klima (das) — cli­mat (m) hos­tile
Feuer schü­ren, an­fachen — at­ti­ser un feu
Feuers­brunst (die) — brasiers (m, plr), grand in­cen­die (m), em­bra­se­ment (m)
güns­tig für Brände — pro­pice aux in­cen­dies
Ka­tas­tro­phen­bil­der in Dau­er­schlei­fe — des ima­ges catas­trophes tournent en boucle
Omegalage (die), Omegahoch (das) — dôme (m) de chaleur [ugs.]
Schwel­brand, -brände (der/die) — feux (m, plural) cou­vants, nais­sants
schwü­le Tem­pe­ra­turen — tem­pé­ra­tures étouf­fantes  
töd­li­ches Wet­ter­er­eignis (das) — phénomène météo­ro­logi­que meur­trier
Trocken­heit (die) — l'ari­di­té (f)
Trocken­heits­schwel­le (die) — seuil (m) de dessèche­ment
vom Feuer ver­wüs­tet — ra­va­gé par les flammes

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Idee: H.F.