Montag, 13. Februar 2023

Montagsschreibtisch (5)

Bon­jour & hel­lo! Sie lesen hier ein di­gi­ta­les Ta­ge­buch aus der Welt der Spra­chen, das es nun­mehr seit 16 Jah­ren gibt. Ich dol­met­sche bila­te­ral Franzö­sisch/Deutsch. Der­zeit bin ich im win­ter­lichen Zwi­schen­stop im El­ternhaus.

Hier wird gearbeitet
"Wir werden uns vieles zu ver­zei­hen haben nach der Pan­de­mie", sagte un­längst ein be­kann­ter deut­scher Po­li­ti­ker mit un­ge­klär­ten Reich­tums­ver­hält­nis­sen. Er ging davon aus, dass der Po­li­tik alles verziehen wird.

Das ist eher nicht der Fall. Der­zeit er­wecken zu viele Politiker den An­schein, die Pan­de­mie lä­ge be­reits hin­ter uns.

Auch das ist falsch.

Wer genau hin­sieht, kann es wahr­neh­men: Wei­ter­hin lei­den Men­schen an Covid-19, man­che ster­ben daran, an­dere schlep­pen sich mit Langzeit­fol­gen dahin.

Ich war letzten Herbst auf einem Fes­ti­val zum Ein­spre­chen von Filmen, die bislang nur engl­ische Unter­titel haben. Diese Un­ter­titel wurde zu deut­scher Spra­che mit meiner Stimme.

Dazu saß ich in einer Dolmetschkabine. In einem winzigen, geschlos­senen Raum, in dem zu­vor jemand mit ei­nem "Schnup­fen" ge­ses­sen hatte. Nur, dass der Schnup­fen das Corona­virus war, ich die Krank­heit bekam und seitdem huste, oft KO bin und der­glei­chen mehr. Da der "Schnup­fen" des Kollegen/der Kollegin nicht als C-19 ak­ten­kundig wurde, habe ich kei­nen "Ar­beits­un­fall" erlit­ten, was schlecht ist für die Be­hand­lung, den Status als Gene­sen­de, im Hin­blick auf ei­ne Kur. Ein Ar­beits­un­fall wäre weit­aus bes­ser ab­ge­si­chert, die Ver­sor­gung viel ent­spann­ter als bei ei­ner zur "Pri­vat­sache" er­klär­ten Er­kran­kung.

Die Ba­na­li­sie­rung der Krank­heit durch die Poli­tik hat hier ihren Anteil. Uns wurde schnell klar: Meine Kur, sofern ich rasch ei­ne an­tre­ten möch­te, muss ich selbst be­zah­len. Nicht das erste Mal, dass wir Frei­be­ruf­ler:in­nen in der Pan­demie hän­gen­ge­las­sen werden.

Auf dem Schreib­tisch also: Papier­krieg.

______________________________
Foto: C.E. (Archivbild)

Montag, 6. Februar 2023

Montagsschreibtisch (4)

Über den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin können Sie auf diesen Sei­ten ei­ni­ges er­fah­ren. Meine Mut­ter­sprache ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die engli­sche Spra­che. Das neue Jahr im Bü­ro nimmt ganz lang­sam Fahrt auf.

Manch­mal ist das Licht mor­gens schon wun­der­bar. So wie zu­nächst am Wo­chen­en­de, dann schlägt prompt wieder der Win­ter zu.

Win­ter­land­schaft vor dem Büro­fenster
⊗ Was­ser­stoff: An­ge­bot für einen Vor­trags­zyklus er­stel­len, es ist eine Kon­fe­renz mit Zwei-Stun­den-Events, die sich on­line über ein Vier­tel­jahr hin­zieht
⊗ Lernen: Aktu­el­le Agrar­the­men
⊗ Weiterübersetzen: Buch
⊗ Vorbereiten: Schau­spie­ler­coaching da­rü­ber, was unseren Be­ruf aus­macht
⊗ Ab­rech­nun­gen
⊗ Abla­gen


Und, last but not least, prak­ti­sche Reise­vor­bereitung: Ele­gan­te Win­ter­klei­dung für einen mehr­tä­gi­gen Ein­satz mit Frei­luft­ter­mi­nen fin­den (vor De­zem­ber 2022 nicht nö­tig, weil die Haupt­sai­son vor­co­ro­nös im Früh­jahr oder im Herbst lag).

______________________________
Fotos: C.E.

Mittwoch, 25. Januar 2023

Montagsschreibtisch (3)

Bon­jour & hel­lo! Sie lesen hier ein digitales Ta­ge­buch aus der Welt der Spra­chen, das es seit 15 Jah­ren gibt. Ich über­setze ins Deutsche und dolmetsche bila­te­ral Franzö­sisch/Deutsch. Gerade befinde ich mich im winter­lichen Bo­xen­stop. Und es bremst mich nicht nur der Winter aus.

Altes Büro mit Tisch am Fenster und Hermes auf dem Sockel
Hermes wacht (also eigentlich ...)
Heute ist schon wieder Mon­tag! Also nach der Menge des Schief­ge­lau­fe­nen geurteilt, schon. Her­mes, der Göt­terbote und Schutz­patron der Händler, Reisen­den und Kauf­leute, aber auch der Diebe, der Rhetorik und der Magie ist sicher auch für unser­einen zuständig. Offenbar hat­te er mit seiner anderen Kund­schaft heute so viel zu tun, dass für mich nichts blieb.

Erst brach der Rech­ner zu­sam­men, dann musste ich mein Mail­pro­gramm wieder zu­sam­men­frickeln, dabei fiel mir ein bislang unbekanntes, extrem großes Spam-Post­fach in die Hand, in dem sich auch Nach­richten ernst­zu­neh­men­der Kund:innen be­fan­den, das war dann per Hand zu sor­tie­ren, dann lackierte jemand in der Nach­bar­schaft per elektrisch betriebener Spritzpistole ein Regal mit acht­hundert Fä­chern, mein ganzes Büro stank so nach Lack wie eine Chemiebude, dass ich ab­bre­chen musste. (Wir haben alte Fenster mit von mir rein­ge­kleb­ter Dichtung, Alt­bau.)

Eigentlich hätte ich, à propos Lackierungs­arbeit, heute irgendwo außerhalb Berlins dol­met­schen sollen. Am Telefon war alles klar, Kun­den­besuch aus Frankreich, die tech­ni­schen Probleme, die sprach­lich zu bewältigen sein würden, waren an­ge­ris­sen, erste Begriffe notiert. Dann kam eine schrift­li­che Absage: "Mein Kollege hat in der Zwi­schen­zeit einen Freund an­ge­fragt, der uns helfen wird."

Klasse Berufsqualifikation: Freund. Ich empfahl nachzufragen, wie gut der Be­kann­te Französisch spricht und wo erlernt. Mancher Laie schiebt mit Talent Begriffe hin und her und hält auch fünf, zehn Minuten durch. Fremd­spra­chen­kennt­nisse ma­chen in unserem Beruf allerdings maximal die Hälfte aus, der Rest ist Dol­metsch­tech­nik, Ausdauer, Be­rufs­er­fah­rung und Recherche­methoden, diploma­ti­scher Um­gang und derlei. Einen pro­fes­sio­nellen Austausch ermöglichen nur Pro­fis. (Die Aus­nahme, die die Regel bestätigt, liegt im Promil­lebereich.)

Die Lackier­firma würde sicher kein Schulkind an ihre Geräte lassen, weil es sich im poly­tech­nischen Unterricht oder im Fach „Werken“ recht ge­schickt ange­stellt hat? Oder das Kran­ken­haus die Ände­rungs­schnei­de­rin an den OP-Tisch, weil sie mit Sche­re, Nadel und Faden umgehen kann?

"Und wie war das nochmal mit dem 'Montag'?", höre ich jeman­den laut rein­rufen, "... das verstehen doch nur Mut­ter­sprach­ler:innen! Erklär das bitte noch­mal!"

"Mon­tags­pro­duktion" beschreibt ein Objekt, das dauer­kaputt ist, wie lieblos an ei­nem Montag gefertigt, die Ge­dan­ken des Arbeiters oder der Arbei­terin sind noch in Themen des Wochenendes gefangen, vielleicht fehlt Schlaf, ist Rest­al­ko­hol im Blut.

Beispiel: Ich bekam mal einen Foto­ap­pa­rat zum Ge­burts­tag, der mir leider kaum Freude bereitet hat. Er fiel wiederholt gröblich aus, wurde zwei Mal eingeschickt, kam dann angeb­lich repariert zurück. Nach dem Abitur, von dem Alter hatte ich es ja eben erst, wur­de ich mein Ju­gend­zim­mer foto­gra­fiert, bevor ich es leer­ge­räumt und meiner kleinen Schwester über­ge­ben habe. Als die Fotos aus dem Labor ka­men, saß auf jedem Bild ein per­fektes schwar­zes Quadrat in der linken oberen Ecke. "Mon­tags­pro­duktion", sagte darauf­hin der Mensch vom Foto­fach­ge­schäft.

Auf dem Schreibtisch an diesem Tag, der eine Mon­tags­pro­duk­tion ist: Nachrich­ten durch­sehen, alte Nachrichten löschen, Kos­ten­vor­an­schlä­ge schreiben. Dann weiter: siehe Montag.

______________________________
Foto:
Fotoarchiv Elias Lossow

Montag, 23. Januar 2023

Montagsschreibtisch (2)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ich bin Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und blog­ge hier seit 2007. Ich über­set­ze auch aus dem Eng­li­schen, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Hier folgt der 72. Blick auf den Schreib­tisch.

Rei­se rei­se!
Seit 1963 ha­ben fast zehn Mil­lio­nen Ju­gend­li­che und jun­ge Er­wach­se­ne an ei­nem Aus­tausch­pro­gramm des Deutsch–Fran­zö­si­schen Ju­gend­werks teil­ge­nom­men, ver­mel­den die Me­di­en ges­tern. Das Ju­gend­werk wur­de ge­grün­det, um mög­lichst vie­le Men­schen für­ein­an­der zu öff­nen, zu in­te­res­sie­ren und da­mit den Stand­punkt der an­de­ren zu ver­mit­teln.

Ich selbst bin ein Kind des dfjw, hier ha­be ich Land und Leu­te so­wie im Kurs für Grup­pen­sprach­mit­t­ler mei­nen Be­ruf ken­nen- und lie­ben­ge­lernt. Al­so: Ich bin Fan des dfjw.
Doch ha­be ich so­fort ei­ne Fra­ge: Stellt die­se Zahl die An­zahl sämt­li­cher Teil­neh­men­den an Be­geg­nun­gen dar oder wur­de be­ach­tet, dass vie­le mehr­fach da­bei wa­ren?

Die­se Fra­ge ha­be ich jetzt dem dfjw ge­stellt. Denn zehn Mil­lio­nen in knapp sech­zig Jah­ren über­rascht mich an­ge­sichts der Mil­lio­nen, die in den Jah­ren auf dem deut­schen Ter­ri­to­ri­um ge­lebt ha­ben, ich hat­te mit mehr ge­rech­net. Die Zahl wird ver­kürzt, wenn Mehr­fach­teil­nah­men raus­ge­nom­men wer­den. Ich selbst ha­be an et­wa 20 Be­geg­nun­gen teil­ge­nom­men, die glei­che Zahl oder mehr durf­te ich als Tea­me­rin und Dol­met­sche­rin be­treu­en. (Und war­um rech­nen Jour­na­lis­t:in­nen nicht nach?)

Auf dem Schreib­tisch:
⊗ Nach­be­rei­tung der De­bat­ten zum The­ma Land­wirt­schaft und Tran­si­ti­on der­sel­ben, die ich on­line ver­fol­gen durf­te, um auf dem Stand der Din­ge zu sein
⊗ Wie­der rich­tig in die Buch­über­set­zung rein­fin­den
⊗ Woh­nung für die Ber­li­na­le-WG vor­be­rei­ten
⊗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge schrei­ben
⊗ Klei­dung durch­se­hen, Kof­fer re­pa­rie­ren las­sen, Rei­se­né­ces­saire und an­de­re Din­ge durch­se­hen, re­pa­rie­ren, er­gän­zen.

Mein Dol­metsch­be­ruf ist oft mit Rei­sen ver­bun­den. Noch ist es ru­hig. Im Be­darfs­fall bin ich bin­nen 25 Mi­nu­ten start­klar.

Die BU (Bild­un­ter­schrift) stimmt so mit dem Klein­buch­sta­ben beim zwei­ten "rei­se" so­wie oh­ne Kom­ma, denn "Rei­se rei­se!" ist ein see­män­ni­scher Weck­ruf, der aus dem Nie­der­deut­schen ri­se ri­se stammt. Wir ken­nen den Aus­druck aus dem Eng­li­schen: to rise, auf­ste­hen.

______________________________
Fo­to:
C.E.

Sonntag, 22. Januar 2023

Jubiläum

Seit 2007 geht es hier re­gel­mä­ßig um Themen aus dem Leben von Kon­fe­renz­dol­met­scher:innen und Über­setzer:innen, genauer: über meinen deutsch-fran­zö­si­schen All­tag in der Welt der Spra­chen und der Kom­mu­ni­ka­tion.

Heute vor 60 Jahren wurde der Élysée-Vertrag unterzeichnet. Das deutsch-fran­zö­si­sche Jubi­läum begehe ich dieses Jahr nur privat. Die Fest­akte werden über­wie­gend von den in den Mi­niste­rien fest­an­gestell­ten Kol­leg:in­nen ge­dol­metscht, von denen so viele in der Pan­de­mie­zeit sehr wenig zu tun hat­ten­. Wir ande­ren bege­hen den Tag still und auch mit persön­lichen Erin­ne­run­gen.

An eine Bege­ben­heit wurde ich diese Woche durch die Frage einer Schreib­trai­nerin er­in­nert. Kathrin (Katinka) Kulens-Feistl stammt aus der Film­branche und zählt zu den Mit­be­grün­de­rin­nen von Pro Quote Film, über die ich hier wiederholt ge­schrie­ben habe. Die Regisseurin hat gerade ihr erstes Buch vor­ge­legt, My lovely Shame, und ist als Dozentin aktiv. Sie lancierte in den Sozialen Medien die Frage: "Wie war das, als einmal alles für Dich auf dem Spiel stand?"

Und so fiel mir eine verges­sene Epi­sode ein. Die Vor­ge­schichte: Als deutsche Ober­schülerin habe ich schon vor dem Abitur Hoch­schul­kurse in den Sommer­ferien be­sucht. Im Ende der zweiten "Som­mer­schule" im fran­zö­si­schen Tours durfte ich nicht nur die Abschluss­ga­la mode­rieren, son­dern bekam von der Ins­ti­tutsleiterin einen weiterführenden Termin in Paris 'oktroyiert', den ich auf der Rück­reise wahr­nahm. (Jugend­her­bergs­bett- und Zug­um­bu­chung or­ga­ni­sierte und bezahlte das Ins­ti­tut!) Ich legte damals (ohne es ge­nau zu wissen) den Begab­ten­test "ESEU" für ein Hoch­schul­studium ab, hat­te al­so ein Jahr vor dem Abi­tur schon die Stu­dienplatz­zu­sage und ent­schied mich für die Sor­bon­ne (wo heu­te die Fei­er­lich­kei­ten statt­finden).

Zeit­sprung, ein Jahr später: Die Ankunft in Paris war holp­rig, c'est la grève, es ging mit Streik los. Der Orient-Ex­press, der mich über Nacht nach Paris brin­gen sollte, stand stun­den­lang auf irgend­welchen Gleisen rum und wir mussten sitzen, die Lie­ge­wa­gen­wa­gons fehlten. Die Zimmer­suche in der Stadt meiner Träu­me war quä­lend. Am Ende ent­schied sich alles in ei­nem Augen­blick.

Denn irgend­wann nahte der Rück­mel­dungs­schlus­ster­min an der Uni, dazu brauchte ich aber ein Konto, um mit dem Scheck die Se­mes­ter­ge­bühren bezah­len zu können, sowie eine Wohn­adresse. Auch für die Eröffnung eines Bank­kontos brauchte ich ei­ne Adresse sowie einen Status, z.B. Studentin (bele­gbar durch Ausweis). Es war die perfekte Qua­dra­tur des Kreises.

Ich legte das nochmal in der Filiale am Boulevard Saint-Michel Ecke Saint-Germain dar. Die Dame vom Bank­schal­ter musterte mich kurz und sagte: "Dann, mein Kind, ist die Idee mit dem Studium in Paris vielleicht zu groß für Sie!" und wandte sich brüsk ab. (Auf Französisch: Là, vous avez peut-être visé trop haut, mon en­fant, avec l'idée d'aller étu­dier à Paris. Solche Sätze bren­nen sich einem wört­lich ein.)

Der Blick nach oben
Ich verließ die Fi­lia­le, ließ mich auf der Bank vor der Bank fallen und kämpfte mit den Trä­nen. Neben mir eine Te­le­fon­zelle. Mein Blick wanderte hoch: Im ersten Stock überall die glei­chen Ja­lou­sien, anders als bei anderen Fens­tern, wo unter­schied­liche Vor­hänge hingen. Aha, dachte ich mir, da oben sind also Büros.

Dann hat­te ich eine Ein­ge­bung. Ich ging in die Te­le­fon­zelle und rief in der Bank an. Ich bat mit fester Stimme darum, mit dem Di­rek­tor ver­bun­den zu werden. Ich weiß nicht warum, aber ich wurde ver­mit­telt. Ich sa­gte: "Ich brauche Ihre Hilfe! Von Ihnen hängt ab, ob ich in Paris studieren kann oder nicht!" und er­klär­te die De­tails. Der Bank­­di­­rek­­tor ließ mich aus­re­den und atmete hör­bar aus. "Wo sind Sie jetzt?", fragte er.

"Vor der Bank in der Te­le­fon­zelle", ich da­rauf. Ich hob erneut die Augen, sah, wie in­nen Ja­lou­sie­la­mellen hoch­ge­zogen wur­den.

Ein Kopf erschien, wir tauschten Blicke.

Er nickte.

Eine Stun­de später durfte ich dort das erste Scheck­heft meines Lebens abholen — mit der Adres­se der Ju­gend­her­ber­ge drauf! Ich bin viele Jah­re in Frank­reich ge­blie­ben und bekam ir­gend­wann die fal­schen Kom­pli­men­te: "Ihr Deutsch ist ja her­vor­ra­gend!" Für mich ist die deutsch-fran­zö­sische Freund­schaft ge­leb­ter Alltag, wie es das schon für etliche meiner Vor­fah­ren der Fall war, bis dann die Na­zi­zeit alles zer­schlug ... das aber ist ein an­de­res Ka­pi­tel.

______________________________
Foto:
Photomaton, Paris

Samstag, 21. Januar 2023

Mischmasch

Hallo, bon­jour, welcome! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­set­zerin für die französische Sprache (Ziel­spra­chen DE und FR sowie aus dem Engli­schen). Es ist Sams­tag und es folgen quer­beet einige Links der Woche.

Heute in den Medien: Die KI, am Beispiel von ChatGPT3, ent­wickelt sogar Phi­shing­mails, da sie erstklassig texten 'können' soll mit indivi­dueller Zielgruppen­an­spra­che, außerdem würde das Programm die Verschlüsselung für Angrif­fe auf Computer auf Anfra­gen schreiben und Wege für die vollauto­matische Abwick­lung ihrer er­pres­se­ri­schen Forde­rungen finden. Na prima. Der Welt reicht wohl die krimi­nelle Energie der Menschen nicht aus, jetzt gibt es automa­tisierte Unter­stützung! Quelle und Link:  Forschung aktuell — Computer und Kom­munikation auf Deutsch­landfunk.

Am Thema KI werde ich dranbleiben, auch wenn dieser Tage mein Fokus auf dem Gesund­werden liegt. Ich hab seit Ende letzten Jahres sämtliche in den Jahren 2020 und 21 ausgelassenen HNO-Erkran­kungen, die nicht vom Covid-19-Virus ausgelöst wurden, in Serie nach­geholt. Also stehen gutes Essen und ein wenig spazieren­ge­hen auf dem Prog­ramm, es ist bit­ter kalt draußen durch eisigen Wind, dann alte Fotos sor­tieren, weiter­schlafen. Der Brain fog, das verne­belte Gehirn, lüftet sich langsam.

Beruf­lich ver­pas­se ich nichts. Üblicher­weise wieder­kehrende Termi­ne am Ran­de der Grünen Woche zwischen franzö­sischen und deut­schen Partner:innen, bei denen ich vor der Pan­demie wieder­holt dol­metschen durfte, fal­len dieses Jahr aus, weil aufgrund des in Paris gefeierten Jubilä­ums des Ély­sée-Ver­trags in Berlin we­ni­ger los ist. Und bei den Fach­podien am Ran­de der Grünen Woche auf dem Ber­liner Mes­­se­ge­län­de ist Fran­zö­sisch leider inzwi­schen selten gewor­den. 

Also beschäf­tigen mich die­ser Ta­ge weder Milch­wirtschaft noch Stall­formen wie Freiland- versus Anbinde­haltung, weder EU-Regu­larien zum Nitrat­ein­trag ins Grund­wasser noch Flächen­neu­in­an­spruch­nah­me oder Bionormen. Nächstes Jahr wahr­schein­lich dann wieder. In der Zwischen­zeit sind an­de­re Agrar­themen für die kom­menden Wochen dazu op­tioniert. Auch wenn ich diesen Mo­nat nur 200 Euro Umsatz ge­macht haben werde, ist die wirt­schaft­liche Lage von uns Konferenz­dolmet­scher:innen (ganz grund­sätzlich sowie bei mir persön­lich) nicht mehr so düster wie Ende 2021.

Inge und ihre Freundin spielen Messe

Mit den fest verein­barten Tagen im Ge­päck kann ich in den nächs­ten Wochen weiter Agrar- und Bio­themen pauken, je­den Tag eine halbe bis eine Stunde, denn Boden-, Wasser-, Lebens­mittel und Raum­ord­nungs­the­men stehen im Zen­trum der Klima­debatte.
Da ich derzeit keine ex­ter­nen Ter­mi­ne wahrneh­men muss, hat mich auch meine Frisörin lange nicht ge­se­hen. Wenn ich die jungen Damen sehe, die hier "Bubi­kopf­wick­ler" auf einer Messe an­zu­prei­sen schei­nen, sieht mich ein heu­ti­ges Ge­sich­t an.
Inges Zeit vor fast 100 Jahren war doch ge­ra­de 'eben erst', vor wenigen Sekun­den, denke ich, wenn wir das Alter un­seres Heimat­planeten betrach­ten.

Und erst seit 150 Jahren etwa vergiften wir den Globus systematisch, also nur ein Fin­ger­schnip­pen, ganz­heit­lich be­trach­tet. Ich wün­sche mir mehr Demut auf der Welt, um die Lebens­grund­la­gen vieler Spezies, darunter des Homo sa­piens, ab­zu­sichern. Wir Fos­si­lien­jun­kies könn­ten uns doch end­lich auch mal bessern!

______________________________
Foto:
Inge Rösler (re) mit Freundin, Bubi-
kopfwickler, Sammlung Elias Lossow

Donnerstag, 19. Januar 2023

Übersprungshandlung

Wie Über­setzer:in­nen und Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten, erfahren Sie hier. Meine Arbeits­sprachen sind Fran­zö­sisch und Deutsch (Mutter­sprache) sowie Englisch, in kurzen Notizen aus dem Arbeitsalltag.

Nota­riats­dol­metschen: Wir sind zu viert im Raum, nein, eigentlich zu fünft. Ein wohl­ge­wölbter Schwan­ge­ren­bauch kündigt hier aufs Schönste be­vor­ste­hen­de Änderungen an. Als die Notarin und ich den Bespre­chungs­raum betreten, sitzen die werdenden Eltern allerdings so weit ausein­ander, wie der große Tisch es nur zulässt.

Die Notarin spricht die Sitz­ordnung umge­hend an, denn "sowas hab ich ja noch nie gesehen". Und prompt fällt die Befra­gung der beiden sehr ausführ­lich aus, wo sie sich ken­nen­gelernt haben, was die wei­te­ren Umstände ihrer Ver­bin­dun­gen ge­we­sen seien, es geht um Details und um einen mög­li­chen Auf­ent­halts­titel für Mutter und Kind. Die wer­denden Eltern kommen von weit her. Mon­sieur spricht recht gut Deutsch, hat einen deut­schen Pass. Ich dol­met­sche für Ma­dame.

Die beiden werden ein­zeln befragt, erst er, dann sie. Für die an­we­sen­de Dolmet­scherin (mich) keine ein­fache Übung: Ich muss spon­tan die Klappe hal­ten und auf Anwei­sung warten. "Ist es plau­sibel, dass das Kind in dieser Verbin­dung entstan­den ist, oder ist der anwe­sende Mann jemand, der hier einer an­de­ren Person ein Blei­be­recht in Deutsch­land ver­schafft?", diese Frage steht in großen Let­tern un­aus­ge­spro­chen über dem Gan­zen.

Es finden sich viele Über­ein­stim­mungen, aber auch Wider­sprüche. "Der Gesetz­ge­­ber ver­pflich­tet mich zu dieser Befragung", sagt die No­tarin entschul­di­gend dazu später, "das macht mir keinen Spaß, glau­ben Sie mir." 

Auch für mich ist es quä­lend. Mein Pro­fes­sio­na­lis­mus kaschiert das — sogar vor mir selbst! 

Die Erschienenen beantragen, ihnen je eine beglaubigte Abschrift dieser Urkunde zu erteilen sowie dem Kind ebenfalls eine beglaubigte Abschrift dieser Urkunde zu übersenden.
Rätselhafter Satz in der Urkunde
Pawlow ist wie immer mein Freund, meine Ener­gie gilt dem Dol­met­schen und nichts an­de­rem.
Wie sehr mir die Sache an die Nieren geht, fällt mir an einer Über­sprungs­hand­lung auf. Bei einem Satz muss ich fett grin­sen, für die Be­teilig­ten wä­re es unvermit­telt gewesen, wenn es jemand bemerkt hätte. Und zwar beim neben­ste­hen­den Absatz:

"Wie, bitt­eschön, soll der Brief in den Schwan­ge­ren­bauch zuge­stellt werden kön­nen?", fragt der Hinter­kopf mein Haupt­be­wusst­sein keck. Der Schalk ist immer da. Ich sehe vor dem inneren Auge einen bunten Drink mit einer Oran­gen­scheibe, die oben auf dem Glas­rand steckt, im Getränk ein klitze­kleines Briefchen, das dann im Zei­chen­trick­film­stil langsam durch Speiseröhre und Magen gleitet und über die Blut­bahn zum Kind ge­langt.

Und ich dol­met­sche weiter, lasse mir nichts anmerken.

Für den Einsatz habe ich die Rechnung Nr. 01/2023 schreiben dürfen. Das ist doch mal was. Und statt der sonst üblichen 20 Minuten vor Ort waren wir die vierfache Zeit im Be­spre­chungs­raum der Notarin. Künf­tig werde ich im Kos­ten­vor­an­schlag die Durch­schnitt­sdauer hoch­setzen.


Vokabelnotizen
Das Visum ist abgelaufen — Le visa a expiré
Sorge­er­klärung — déclaration de garde
Sorgerecht, elterliche Sorge — droit de garde [umgangs­sprach­lich], autorité parentale
das Sorge­recht für jeman­den haben — avoir la garde de ...
ge­mein­sa­mes Sorge­recht — autorité paren­tale partagée / con­jointe, garde par­tagée [ugs]
allei­ni­ges Sorge­recht autorité pa­ren­tale ex­clu­sive
ungeborenes Kind — enfant à naître
jemanden enterben — exhéréder, déshériter
Pflicht­teil — réserve hé­ré­di­taire, part réser­va­taire
Erbrecht — droit de suc­ces­sion
Voll­macht ertei­len  — donner une pro­cu­ration

______________________________
Foto:
C.E.

Montag, 16. Januar 2023

Montagsschreibtisch (1)

Bon­jour & hel­lo! Sie sind auf den Sei­ten eines di­gi­talen Ta­ge­buchs aus der Welt der Spra­chen ge­lan­det, das es seit knapp 16 Jah­ren gibt. Heute beginne ich eine neue Ka­te­gorie.

KI-generiertes Bild mit Sekretäraufsatz und Tischlampe
"Renaissanceschreibtisch" mit elektrisch Licht und Kuli!

Es ist kalt und grau in der Stadt, und wir planen Ter­mine im Bü­ro. Daneben wird hier einiges neu or­ga­ni­siert, eine Art vorge­zogener Früh­jahr­sputz. Zwi­schen­durch ziehe ich mich raus und lese Korrektur bzw. über­setze. Noch immer huste ich. Corona is a bitch. Und die Ärz­tin meint: "Einmal zur Kur, bit­te!"

Aber wie geht das? Im Sommer, wenn im Büro wenig bis nichts los ist, haben El­tern mit schul­pflich­tigen Kindern Vor­rang. Das finde ich sehr richtig.

Nun war in der Vorco­ro­nazeit im Frühjahr und im Herbst in meiner Branche immer Hoch­saison. Ich würde sofort einen Platz für April/Mai oder den Herbst bekommen. Also heißt es selbst­zahlen, wenn ich als Freibe­ruf­lerin in einem System, das Frei­be­­ruf­­ler ei­gent­lich kaum kennt, meine Gesund­heit erhalten möchte. Wenn ich das nicht be­reit­s wieder­holt erlebt hätte!

Auf dem Schreibtisch: Rechnungs- und Mahn­wesen, No­tariats­dol­metschen vorbe­rei­ten, Coaching für eine Schau­spie­le­rin vor­be­rei­ten, die eine Sprachar­beiterin spie­len wird ... und natür­lich Über­setzungen voran­bringen!

Dieser Beitrag war zugleich "Auf dem Schreibtisch (70)".
______________________________
KI-Bild:
discord.com; die modernen Acces-
soires hat die KI eigenständig hinzugefügt

Dienstag, 10. Januar 2023

Was ich von der KI über meinen Beruf gelernt habe (1)

Bon­jour & hel­lo! Sie sind auf den Sei­ten eines digitalen Ta­ge­buchs aus der Welt der Spra­chen­ ge­lan­det, das es seit 15 Jahren gibt. Als Sprach­ar­bei­ter:innen müs­sen wir uns zu vielen Fach­the­men auf dem Lau­fen­den halten. Daher habe ich neu­lich einen Aus­flug im In­ter­net gemacht.

Die KI ist strunz­dumm. Dieser Satz ist in sich nicht schlüssig, denn "künst­liche In­tel­li­genz" kann we­der klug noch dumm sein, ist sie ja nicht dazu ims­tan­de, man­gels Mas­se auch nur ein Neu­ron­chen weit zu den­ken. Sie stützt sich auf das, was sie im Netz findet, er­rech­net Wahr­schein­lich­kei­ten, kombi­niert neu. Ich habe sie getestet, und zwar den "Text-zu-Bild­-Ge­ne­rator" DALL.E der Firma openAI.

Älterer Mann in Gabardine-Jacke und -Hose mit Schirmmütze und Sonnenbrille sitzt vor geöffneten Fensterflügeln an einer Funkstation Funkender Haus­meister? Für die KI ein Dol­metscher!
Funkender Haus­meister? Für die KI ein Dol­metscher!

Zunächst einmal ist es doch sehr erstaun­lich, welche Bil­der­wel­ten das System auf­grund von de­tail­lier­ten Be­schrei­bun­gen zu­sam­men­stop­pelt, wie es formale An­for­de­rungen aufgreift, An­zahl, Motiv, Farb­ge­bung, Um­ge­bung, Stil oder Technik.

Die Er­geb­nis­se fand ich in mehr­fa­cher Hin­sicht überraschend, denn sie haben alle einen Schlag ins Absurde, etwas Ver­rutsch­­tes, Tra­gisches, Ab­sto­ßen­des. Il­lus­tra­tor:innen wer­den nicht so rasch sämt­lich arbeits­los, wie eine Freundin neulich mutmaßte.

Au­ßer­dem schafft es die Deep-Learning-Technologie nicht ein­mal, das vor­han­dene Bild­ma­te­rial zu un­se­rer Ar­beit sich so ak­ku­rat als Grund­la­ge zu neh­men, dass mein Beruf in sei­nen Krea­tio­nen über­ra­schungs­frei wie­der­zu­er­ken­nen ist.

Zunächst sind die meis­ten in­ter­pre­ter, die mir das System für mich "zeich­net", "malt" oder "ge­staltet", Männer. Hätte die KI richtig "hin­ge­se­hen", wäre ihr auf­ge­fal­len, dass die über­wie­gende Mehr­heit von uns weib­li­chen Ge­schlechts ist. Die Män­ner­do­mi­nanz ist auch schon anderswo aufgefallen, wo die An­for­de­rung "science jour­nalist" gelau­tet hat. (Kur­ze Erin­ne­rung: Englisch kennt keine männ­lichen oder weibl­ichen Ar­ti­kel, da ist alles the.)

Außer­dem hat die KI nicht "ver­standen", dass wir im Prin­zip zu zweit (oder zu dritt) je Spra­che ar­bei­ten. Mir werden spontan nur Ein­zel­per­so­nen gezeigt. Fordere ich expli­zit zwei oder mehr an, sitzen diese nicht sel­ten an ge­trenn­ten Pulten, Rücken an Rücken, auf einem Haufen am lan­gen Tisch, oder aber sie wer­den ver­schie­de­nen Flag­gen zu­ord­net.

Das Wort Dolmetsch­ka­bine, inter­pre­ting booth, wurde nicht rich­tig ge­le­sen. Booth kann Hütte, Bret­ter­bude, Zelle, Messe­stand oder eben "Kabine" heißen. Ich be­kom­me Darstel­lungen kleiner Zelte, von Un­ter­stän­den, Käfigen oder Glas­hütten (der Sound?!) — oder aber der Hin­ter­grund ist ein­fach schwarz.

Wie wir arbeiten, mit Kopf­hö­rern und Mikro­fo­nen, ist manch­mal zu sehen, aber auch nicht immer. Mikro­fonkabel verlieren sich im Nir­gend­wo, einmal sind Ohr und Kopf­hö­rer­mu­schel ein fleisch­far­bens Ganzes, andere Fi­gu­ren spre­chen in eckige black boxes hinein, einmal zeigt ein Mikro sogar durch rotes Licht, dass es ein­ge­schal­tet ist. Unser Ar­beits­um­feld, ob­wohl mit unzäh­ligen Bildern im Netz dar­ge­stellt, ist sonst nicht vor­han­den.

Ab und zu ar­beiten wir gemäß DALL.E mit Pa­pier, einmal liegt irgend­wo ein Mo­bil­te­le­fon herum. Nur zwei Mal unter 100 Bil­dern ist ein Laptop dar­ge­stellt, ein an­de­res Mal eine Tas­ta­tur, dafür ande­re merk­wür­di­ge Objekte, viel Be­schrif­tung und National­flag­gen von Phan­ta­sie­ländern. Manch­mal kle­ben Land­karten an den Wän­den unserer "Kabi­nen", flie­gen Zettel durch den Hinter­grund, oft sind die Schei­ben blind, einmal sieht der Kol­lege immer­hin ins Grüne.

Diverse merkwürdige Darstellungen von "Dolmetscher:innen"
Unterschiedliche Vorgaben: realistic, 3D, french, painting, historic
Dass wir die Redner:innen sehen, wird jedes We­sen aus Fleisch und Blut ver­ste­hen, denn die Kör­per­spra­che der Spre­chen­den verrät einiges, wir können uns so auf Sprecher­wech­sel ein­stel­len, le­sen auch schon mal von den Lippen ab. Die KI-Bil­der deuten hier und da ei­ne Si­mul­tan­dol­metsch­kon­so­le an­ und Kabel, über die wir mit der Au­ßen­welt ver­bun­den sind wie der Em­bryo mit dem Ute­rus.

Wie wir ar­bei­ten, igno­riert das Sys­tem. 

Warum wir zumeist in Kabinen sitzen, kann es nicht "verste­hen", also auch kei­ne damit verbun­denen Objekte er­ken­nen und wie­der­geben.

Anders ge­sprochen: Bereiche, die das Pro­gramm nicht trai­niert hat, kann es nicht erschlie­ßen; "ler­nen" braucht bis­lang de­zi­diert ein mensch­liches Ange­bot und Trai­ning durch Pro­gram­mierer:in­nen. Zum Teil wird diese Auf­gabe bei die­ser Art Tech­no­lo­gie schon an die Nut­zer:innen ausgelagert, da diese die KI-Produkte bewerten und Än­de­run­gen vor­schla­gen können.

Bis­lang sehen die weib­liche Fi­gu­ren über­wie­gend miss­gelaunt aus, anderen rut­schen Partien ih­res Antlit­zes aus dem Gleich­ge­wicht, um es vorsichtig zu sagen. Oft ist trotz des Plu­rals in meiner "Bestel­lung" nur eine Person zu sehen. Wenn nach explizit ge­än­derten Vor­gaben, two inter­pre­ters, dann zwei Figuren auf­tau­chen, sprechen und gesti­ku­lieren sie gleich­zeitig. Dass wir im Wech­sel im On sind, steht im Inter­net an vielen Stellen; offensichtlich "kennt" das System zur künst­li­chen Erschaf­fung von Bildern maximal einige On­line­bilder und analy­siert den Text nicht (den das System ohnehin nicht ver­ste­hen würde).

Den for­mel­len Dress­code, der in unserer Branche üblich ist, hat das System richtig "erkannt". Manche Klei­dung sieht indes wie eine Polizei­uni­form aus. Ein Bild er­in­nert mich an eine Zoll­be­am­tin am Flughafen in New York, zur Kleidung kom­men noch stren­ge Haar­tracht und strenger Blick hin­zu. Ohne Head­set sitzt eine an­de­re Lady hin­ter einer Art Em­pfangs­tre­sen, sie hält einen Te­le­fonhörer in der Hand. Komplett ohne Technik kom­men andere Fi­gu­ren aus, darunter eine Dame, die wie eine Pro­fes­so­rin aus einem Buch vor­zu­lesen scheint. Ir­ri­tie­ren­der­weise weist ihr Hin­ter­grund ähnliche fa­cet­tierte Un­ter­tei­lungen auf wie unsere Dolmetschka­bi­nen. Eine andere Ka­bi­ne wirkt fast re­alis­tisch, nur ein wenig ab­ge­rockt; die KI war dann "müde" und es hat nur noch zu einem Bü­ro­stuhl ge­reicht.

Flächige Grafik: Zwei Damen in einem "Kasten", eine angelt den Ton bei der anderen, beide sprechen gleichzeitig ("Sprechblasen")
Dolmetscherinnen in der Kabine mit Technik der Zukunft       

Sehr oft scheinen vor allem wir Frauen für die "kre­ie­ren­den" Bits & Bytes un­freund­liche, häss­liche, fast in­hu­mane Wesen zu sein. Sogar dann, wenn ich als "Aufgabe" very, very beau­ti­ful femal inter­pre­ters angebe, geht grund­sätz­lich noch etwas was schief.

Wie zum Aus­gleich könnten die meis­ten ab­ge­bil­de­ten männ­lichen Dol­met­scher um­ge­hend auf dem Lauf­steg eine gute Fi­gur ma­chen, wenn sie nicht be­reits, Halb­göt­tern gleich, wie von Zau­ber­hand aus dem Moni­tor wach­sen.

Einmal beauf­trage ich das System, Franzö­sisch­dol­met­scherinnen zu 'liefern' und er­hal­te prompt eine Ma­dame, die in der Kabine eine Bas­ken­mütze trägt. Über­haupt sind Kopf­be­deckungen in der Box of­fen­bar groß im Kommen. Die KI zeigt mir Stroh- und Ti­roler­hüte oder Si­cher­heits­helme. Aus man­chem Mund wach­sen ko­mi­sche Pflanzen, andere Fi­gu­ren haben ausgelei­erte Ohren (oder sie schlackern nur mit den­selben, das ist nicht klar). Hier ist das Riech­organ in den Damen­bart ge­rutscht, dort ein Auge in Git­ter­form auf­ge­ris­sen oder das Gesicht gänz­lich ver­wischt. Wie gesagt, meistens sind wir Dolmetschpersonen identitätslos, männ­lich oder ohne Ab­bil­dung.

Das spiegelt un­frei­wil­lig die öf­fent­li­che Wahr­neh­mung un­seres Berufes wider. Wir sind Stim­men, sonst nichts, die Men­schen dahinter zählen für viele leider nicht.

______________________________
Illustrationen:
DALL.E

Montag, 9. Januar 2023

Auf dem Schreibtisch (LXIX)

Über den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin können Sie auf diesen Seiten einiges er­fah­ren. Meine Mut­ter­sprache ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Das neue Jahr hat im Büro begonnen.

Schreib­tisch nach Henri Matisse
Die Kollegin kor­ri­giert schon seit Ende Weih­nachten die Übersetzung einer didak­ti­schen Web­seite, bald darf ich gegen­lesen. Andere Ar­bei­ten werde ich langsam (und, ich fürchte, mühsam) wie­der­auf­neh­men. Es dauert immer einige Zeit, bis Un­ter­bre­chungen über­wun­den sind, sich der Flow wieder ein­stellt. 

Zwi­schen­durch denke ich über die "Künst­li­che In­tel­li­genz" nach, dazu bald hier mehr. Das Nach­den­ken erfolgt zum Teil prak­tisch, ich ex­pe­ri­men­tie­re mit Soft­ware herum.

Erste Bild­bei­spie­le sind schon hier zu sehen. Diese Il­lus­tra­tionen sind manch­mal an­nehm­bare Vorlagen und schrei­en nach Be­ar­bei­tung. Ver­mut­lich ist es in die­sem Feld ähnlich wie im Be­reich Sprach­ar­beit: Es sind Tools, die manch­mal sogar Zeit ge­win­nen hel­fen, aber nichts, was ernst­haft Pro­fis ersetzt, vor­aus­ge­setzt, es soll alles bei dem Ni­veau blei­ben, das wir kennen.

Der Nach­satz scheint mir bei län­ge­rem Nach­den­ken sehr wichtig zu sein.

Was liegt auf dem Schreib­tisch? Kos­ten­vor­an­schläge, Rech­nun­gen, Mah­nungen, Buch­über­set­zung, die be­reits erwähnte Web­seite, Rei­se­pla­nung, Buch­hal­tung vom De­zem­ber.

Und es gibt Pro­jekt­pla­nung im Team, aber da ist noch nichts spruch­reif.

______________________________
Illustration:
DALL.E (bearbeitet)

Sonntag, 8. Januar 2023

Gute Energie!

Bonjour und guten Tag! Hier bloggt ei­ne Dol­met­sche­rin. Was Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer machen, na­tür­lich auch die ":innen" im Be­ruf, also wie wir ar­beiten, ist hier, in mei­nem di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buch, seit 2007 Gegen­stand in Form kur­zer Epi­soden. Sonn­tags werde ich pri­vat mit mei­nem "Foto der Wo­che".

Langsam gibt es mich nach grippalem Infekt wieder. Bil­der der Woche: Mit Freun­den am 6. Dezem­ber einen "Königs­ku­chen" essen. Über die ga­lette des rois habe ich hier (Klick) bereits ge­schrie­ben sowie dort (Klack). Ohne Bild: Der verspätete Neu­jahrs­spa­zier­gang mit Bridget, einer Kol­le­gin.

Erst das Gesunde, dann Blätterteigkuchen mit Marzipan und Champagner





Salat im Uhr­zeig­er­sinn ab 12.00 Uhr: Grape­fruit, Weiß­kohl, Walnuss, Zwiebel und Knob­lauch, Pap­rika, Zucchini (cour­get­tes), Granat­apfel, Ka­rot­te (in unterschied­li­chen Men­gen­ver­hält­nis­sen), dazu Zitron­en­saft und etwas von der Scha­le sowie bestes Oli­ven­öl, Pfef­fer und Salz.

Dane­ben wurde den Puris­ten schlich­ter Feld­salat (la mâche) mit Man­da­rinen­stück­chen gereicht. Eine andere Gästin hat lecke­ren Lauch­quiche mit­ge­bracht. (Das i-Tüpfel­chen dieses Re­zepts: Den Boden der Quiche mit Pi­nien­kern­pes­to und Senf be­strei­chen, bevor der Lauch drauf­kommt.)

Irgend­wann wur­de der Weiß­wein knapp. Auf Fran­zös­isch seilte sich jemand zum Einkaufen ab, und zwar zum "Ge­träum­ten". REWE wird auf Fran­zö­sisch wie das Par­ti­zip Per­fekt rêvé des Verbs rêver, träumen, aus­ge­spro­chen, dabei werden beide "e" gleich betont. Wir Zwei­spra­chi­gen da­rauf­hin: *grins*.

______________________________
Collage:
C.E.

Dienstag, 3. Januar 2023

Fehlstart

Hallo, hier bloggt seit 2007 eine Über­set­ze­rin und Dol­met­sche­rin aus der Win­ter­pau­se.

Jahresauf­takt mit Husten und Fieber: Ans­tatt mich am Meer zu er­ge­hen, wie es ge­plant war, lie­ge ich im Bett. Den Jah­res­wech­sel mit Fieber hatte ich erst 2020, das war eigent­lich nicht schon wieder nötig.

"Kranke, Bett, Fieber, Thermometer, hyperrealistisch"
Aber wen wun­dert's. Bei einer Be­völ­ke­rung, die of­fi­ziell zu 20 Prozent er­käl­tet ist, davon die Hälf­te so, dass sie ins Bett muss, weiß ich mich we­nigs­tens in bester Ge­sell­schaft. (In mei­nem Umfeld liegt sogar ein Drittel der Mit­men­schen flach.)

Was an di­ver­sen HNO-Sa­chen 2020 und 21 weg­ge­fal­len war, wird of­fen­bar in Teilen nach­ge­holt.
Der positive Twist: Ich mache mein Im­mun­sys­tem fit für die Früh­jahrs­sai­son.

Denn, und das ist wirk­lich eine Über­ra­schung, der­zeit kom­men (wie es sich gehört) An­fra­gen fürs Frühjahr rein, für den Februar, Ber­li­na­le­zeit, und nicht mehr so very last mi­nute wie in den letz­ten drei Jahren. Es ge­sche­hen kleine Wun­der.

______________________________
Illustration von DALL.E generiert nach
den Kriterien in der Bildunterschrift

Sonntag, 1. Januar 2023

Doppelter Regenbogen

Ob zu­fäl­lig oder ge­plant: Sie sind hier auf Sei­ten eines digi­talen Tage­buchs aus der Ar­beits­welt gelan­det. Ich bin (mit Deutsch als Mut­ter­spra­che) Dol­met­scherin für die fran­zösische Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Heu­te folgt ein be­son­de­res Sonn­tags­bild.

W
undervoll, wenn diese Stun­den des Jah­res­wech­sels gleich neu­es Wis­sen brin­gen: Ich wusste nicht, dass es dop­pel­te Re­gen­bo­gen gibt! Auf ein gutes Jahr, beste Ge­sund­heit, schöns­te Mo­men­te, stau­nens­wer­te Fak­ten und wert­volls­te Er­kennt­nisse!

In anderen Wor­ten:
Bonne année, bonne santé,
d'aima­bles pensées en ce mois de jan­vier !


Best wishes for 2023!
Ich wünsche uns ein wun­der­ba­res, von Ge­sund­heit, Ge­las­sen­heit und Glück ge­präg­tes 2023! Ein Jahr mit viel Re­gen und viel Son­ne, hof­fent­lich mit Frie­den — und mit viel Na­tur und Kul­tur, von der Kul­tur­land­schaft bis zur Hoch­kul­tur!

Regenbogen, Acker, Feldweg, Mann mit Hund in der Ferne, noch weiter weg liegt ein Dorf
"Wegen der doppelten Spiegelung sind die Spektralfarben umgekehrt angeordnet." (*)

______________________________
Foto: C.E.
(*):
Link zu "1000 Antworten" (SWR)

Sonntag, 18. Dezember 2022

Kalte Pracht

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ein­blicke in das Le­ben einer Sprach­ar­bei­te­rin kön­nen Sie hier er­hal­ten. Ich bin Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che. Ich über­set­ze auch aus dem Eng­li­schen, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ab und zu wer­de ich hier privat: Sonn­tags­fo­tos!

Berlin ist mal wieder die Haupt­stadt der Zucker­bäcker. Be­vor es in den nächs­ten Tagen frühlings­haft wird, un­se­re Mut­ter erzählt uns immer vom Hoch, das sich in der Re­gel um den 20. Dezember in Mit­tel­eu­ro­pa zeigt, genie­ße ich die Ruhe der win­ter­lichen Groß­stadt­natur. Ich wünsche all­seits ein schö­nes Jahres­ende!

Winterstimmung am Ufer des Landwehrkanals
Ein Idyll trotz gestutzter Bäume und Vervierfachung der Mobilfunkantennen in zehn Jahren


 
______________________________
Foto:
C.E.

Freitag, 16. Dezember 2022

Winter- und Kältegedanken

Hier bloggt eine Dolmet­sche­rin und Überse­tzerin. Als Sprach­ar­bei­te­rin komme ich stän­dig mit einer großen Bandbreite von The­men in Be­rüh­rung. Das ist ein Glück. Ich lerne oft mit Men­schen ken­nen, die Lö­sungen ent­wickelt ha­ben. Zu se­hen, wie quä­lend lang­sam sie an­schlie­ßend umgeset­zt werden, ist eine Last.

Morgenstimmung am Markt
Minus neun Grad am Morgen. Böse Fragen werden gerde laut: Ist Petrus et­wa ein Pu­tin­freund? Eisige Kälte liegt über Nord­europa. Meine Gedan­ken gehen an alle ohne Wärme und feste Wände, von Ost­europa über die Ob­dach­lo­sen bis hin zu den Markt­mitar­bei­ter:innen, die wenigs­tens am Abend in feste, warme Häuser zu­rück­keh­ren dür­fen.
Was können wir tun? DHL liefert derzeit gra­tis Spen­den­pa­kete in die Ukraine, ich hab mich einer Nach­ba­rin an­ge­schlos­sen und Inhalt geliefert. Grund­sätzlich: Diese Tem­pe­ra­turen sind schnell lebens­gefährlich. Es ist daher wichtig, dass wir anderen immer die Nummer des Kälte­bus­ses parat haben, beson­ders am Abend. Sonst kön­nen wir mit kleinen Gesten helfen.

Die Obdach­lo­sen brauchen war­me Klei­dung, Heiß­ge­tränke, immer wieder gehe ich zu Gemüse­schnip­pel­aben­den, wo Eintopf aus dem Gemüse ent­steht, das die Le­bens­mit­tel­stän­de des Markts am Abend ge­spen­det haben.

Ein weiterer gelisteter Baum ist weg

Anschließend geht es auf Verteilrunde, par­tir en ma­raude sagen die Franzosen dazu. Les ma­raudes au­près des per­sonnes SDF, Obdach­lose auf­suchen gehen.
Die SDF sind die per­son­nes sans do­mi­cile fixe, Mens­chen ohne stän­digen Wohn­sitz, auch sans-abri ge­nannt, "ohne Schutz", und das Wort maraude stammt aus dem 30-jährigen Krieg, als die kampf­unfäh­ig­en Soldaten marodierend durch die Ge­gend zogen und, da sie keinen Sold mehr be­ka­men, geplün­dert ha­ben, um zu über­le­ben.

Wörter haben so ihre Ge­schichte und Ent­wick­lung. So heißt die maraude auch je nach Kon­text im zivilen Leben "Mund­raub" oder "nach Kund­schaft Ausschau halten".

Grund­sätz­lich ist das alles nur Was­ser auf heiße Steine oder, der Jahres­zeit an­ge­passt, ein Eis­kris­tall im Kanal. Wir leis­ten uns eine Poli­tik, die es zehn Pro­zent der Ge­sell­schaft er­laubt, mehr als zwei Drittel des gesam­ten Vermögens ihr eigen zu nennen (70 Prozent davon sind ältere Män­ner). Und eine Politik, die nicht längst in großem Stil Wohnungen baut für Ob­dach­lo­se, Kriegs­wai­sen, kin­der­reiche Fa­mi­lien und Men­schen, die aus schlech­ten, über­teu­er­ten Wohn­ver­hält­nis­sen nicht raus­kom­men.

Menschen in Ob­dach­lo­sig­keit zu halten kostet mehr, als ihnen Wohn­raum zu ver­schaffen, das wissen wir längst durch Zahlen­vergleiche, und dass die Erst­ver­sor­gung mit Wohn­raum der bessere Weg ist, als von den Ob­dachlo­sen in diesem Kon­text z.B. den Entzug von Drogen als Voraussetzung zu erwarten. (Letzteres ist ein­fach nur sa­dis­tisch.) 

Am Ufer eine Hütte
Denn auf­su­chende Sozialarbeit, Notarzt­ein­sätze, Kältebus, Not­un­ter­künfte, die gesamte Kri­sen­­ver­­wal­tung ist aufwändig und teuer. Das vor Jahr­zehn­ten in den USA und Finnland ent­wickelte vorbildhafte Projekt "Housing first" hat bewiesen, dass einfache Woh­nungen mit dem Ange­bot einer be­darfs­an­ge­pass­ten Be­treu­ung der beste Weg aus dem Leid sind und dass die Menschen fast ausnahsmlos so in den Alltag zurück­finden. 

Das Modell wurde dann auch noch ein weiteres Mal in Berlin erprobt. Die Erfah­rungen wurden bestätigt. Und jetzt ist es an uns, die wir mit dem Al­ler­wer­tes­ten in der warmen oder nicht ganz so warmen Bude hocken, wir sparen ja alle Energie, Druck auf die Politik aus­zu­üben.

Und noch eine Bitte: Sammeln Sie Einweg­besteck aus Plastik oder aus Holz, das lässt sich prima spülen, geben Sie dieses zur Wei­ter­nut­zung an Menschen weiter, die sich für die Ob­dach­losen engagieren.

______________________________
Fotos: C.E.

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Alltagssounds

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ich bin Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und blogge hier seit 2007. Ich über­set­ze auch aus dem En­g­li­schen, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Sprache. Wie arbeiten und lernen wir Dolmetscher:innen? Durch regelmäßige Aktivierung unseres Wissens. Dabei spielt die Akustik eine große Rolle.

Am spä­teren Abend knirscht und knackt, klirrt und kracht es, als sich ein Ausflugs­dam­pfer durch die Ei­sschicht vor dem Fenster hin­durch­ar­bei­tet. Was für ein sel­te­ner Wintersound!

Akzente und Sprachen sind für uns "ange­wandte Lin­guisten" wichtig, Geräu­sche und Klänge aber auch. 

Ich mag den Wochen­markt unten auf der Straße, der diens­tags und freitags vom späten Vormit­tag bis halb sechs, sechs Uhr seine Kun­den an­zieht. Und ich lie­be es, wenn in wär­meren Mona­ten Wort­fet­zen durch die offe­ne Balkon­tür rein­flie­gen, wenn Pizza­bäcker Luigi sich laut­stark mit einem anderen Ita­lo­phonen unter­hält, die fran­zösische Eierfrau dem Men­schen vom Stand schräg vis-à-vis, der fran­zö­si­sche Spe­zia­li­täten an­bie­tet, einen guten Mor­gen wünscht, auf alltäglich, real ge­spro­chenem Fran­zö­sisch würde man üb­ri­gens eher sagen la per­sonne du stand en face. Oder sie tauscht sich mit den Leu­ten vom Käse­wagen aus: der Chef spricht die­ses Idiom, ei­ner der Mitar­beiter kommt aus Frank­reich; nicht zu ver­gessen die Frau­en aus der asia­ti­schen Gar­küche (genauer weiß ich es nicht zu be­nennen), deren Idiom so hell klingt.

Und auch die Musiker:innen bes­chwin­gen meinen oft einsa­men Büro­alltag, meis­tens zu­min­dest. Manch­mal stehen sie einige Dutz­end Meter aus­ein­ander, spielen um die Wette, und bei uns kommt ein ka­ko­phoner Mix an.

Span­nend für Ler­nen­de und Leh­ren­de
Wichtig sind für mich auch Pod­casts, die ich zum Bei­spiel bei mei­nen mit­täg­li­chen Wan­der­touren höre oder in der Küche.
Ganz oben stehen die Pro­gram­me meiner Leib- und Ma­gen­ra­dio­sen­der, als da wä­ren France Cul­ture und BBC4. Spa­ßes­halber sage ich dazu immer, ich müsse "Spra­che nach­fül­len". Was für ein Glück, dass das heu­te so ein­fach ist: In die Jacken­ta­sche passen in­zwi­schen ganze Welt­kul­turen!
Und hier ein Hör­tipp für Men­schen mit mittel­guten und bes­se­ren Eng­lisch­kennt­nissen, die noch Luft nach oben bei sich verspüren. Mein ab­so­lu­ter Lieb­lings­vo­kabel­er­klärer ist Luke Thomp­son, be­son­ders mag ich die Short Stories zum Mit­le­sen. Luke's Eng­lish Pod­cast hab ich spät ent­deckt, dafür mit umso mehr Be­geis­te­rung. Er ist unge­fähr so lange ak­tiv wie ich mit dem Blog­gen ... und bei Epi­so­de num­ber 800. Have fun!

______________________________
Foto: YouTube, hier Lukes Webseite

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Panta rhei

Bon­jour & hel­lo! Sie lesen hier ein digitales Ta­ge­buch aus der Welt der Spra­chen, das es seit 15 Jah­ren gibt. Ich über­setze ins Deut­sche und dol­met­sche bila­te­ral Franzö­sisch/Deutsch. Gerade bin ich im winter­lichen Bo­xen­stop zu­hause.

Die Baum­pfle­ger kürzen wei­te­re Bäume an der ande­ren Ufer­sei­te, man­che bis auf den Stumpf, es ist herz­zer­rei­ßend. Es wird in Ber­lin nicht in dem Ma­ße nach­ge­pflanzt, wie es das Gesetz auf­gibt.

Zwei von Bibern angefressene Bäume, die gestutzt worden sind
Der erste blaue Himmel seit Wochen

Junge Bäume müssen min­des­tens drei Jahre lang regel­mäßig ge­pflegt und gegos­sen wer­den. Dafür scheint Berlin kein Personal zu haben. Und wo kein Kläger, da kein Rich­ter: Niemand setzt sich mit den un­ter­las­se­nen Pflan­zun­gen ausein­ander, außer viel­leicht hier und dort Anrainer, die auch Bäume pfle­gen — und gegen jene Be­hör­den hier schon ermit­telt haben, da Nach­barn Gieß­was­ser aus dem Kanal ge­nommen hatten ... 

Nun gibt es Zei­ten im Jahr, in denen es verboten ist, den Fließ­ge­wäs­sern Was­ser zu ent­neh­men, ver­ständ­li­cher­weise, aber hier war es eine Frage der Güter­ab­wägung. Al­so Bäu­me ge­ret­tet, Stra­fe per Crowd­fun­ding ge­zahlt, Kro­ne ge­rich­tet, weiter­gegan­gen, Kopf ge­schüt­telt.

Dieses Jahr kamen die Biber hinzu, die sonst in einigen Kilo­metern Ent­fer­nung le­ben. Der Nach­barin zufolge weiten sie ihren Aktions­raum aus, wenn ihr Nah­rungs­an­gebot nicht aus­reicht. Logisch. Und wieder sind es hier zwei Bäume weniger.

Inzwischen merken alle, dass in der Region das Wasser knapp ist. Das er­scheint paradox, denn hier gibt es an allen Ecken Seen und Wasser­läufe, allein in Bran­den­burg mehr als 3000 Seen. Was ja der un­in­for­mierte Chef von Tesla damals auch ge­meint hat, als er sein Werk an der Ber­liner Stadt­grenze irgendwie durch­ge­drückt hat (übrigens im Was­ser­schutz­ge­biet, in dem keine Privat­person eine Bau­ge­neh­mi­gung bekommt).

Berlin liegt in einem Ur­strom­tal, une vallée glaciaire, deren Ausläufer, wie ich neulich beim Dol­metsch­ein­satz ge­lernt habe, bis nach Warschau rei­chen. Ei­gent­lich läuft hier also viel Wasser zusam­men. Noch bietet das Grund­was­ser, la nappe phré­atique, der Stadt genügend Nach­schub, um die Berliner mit unge­chlortem Trink­wasser zu versorgen. Wir trinken hier Grund­was­ser, angereichert durch Ufer­fil­trat, le fil­trat de rive, das mehrfach gefiltert wird.

Es wäre auch ungefil­tert trinkbar, wie ich zusammen mit einer Dele­gation aus Tu­ne­sien erfah­ren habe. Schul­kinder, die auch das Wasser­werk besuchen, qualifi­zie­ren den Nach­ge­schmack des Rohwas­sers übri­gens so: "Das Wasser schmeckt nach Tür­klin­ke!" oder: "Das Wasser schmeckt nach Nagel!" Ferrum halt. Die Ver­gleiche haben alle erfreut.

Die identischen Wasser­moleküle in ihrem natür­lichen Kreis­lauf kommen übrigens bei uns Berliner:innen alle 25 Jahre erneut vorbei. In anderen Worten: Ich sollte im Sommer das Wasser ge­trun­ken habe, das bei meinen Einzug hier am May­bach­ufer bereits ein erstes Mal durch mich hin­durch­ge­flos­sen ist! Und doch, so Heraklit, baden wir nicht zweimal in demselben Fluss, also trinken wir auch nicht zweimal dasselbe Wasser.

Zurück ins Hier und Heute: Das Thema Schwamm­stadt ist eine der Lösungen der Zeit, der all­täg­li­che Um­gang mit Wasser ein anderer Aspekt. Derzeit steigt der Wasser­ver­brauch, was in Brandenburg am Run auf die Pools liegt. Unverständlich, dass nicht seit Jahr­zehn­ten stan­dard­mä­ßig Regen-, Dusch- und Wasch­ma­schi­nen­was­ser, Grau­wasser genannt, eaux grises, separat gesam­melt und ge­nutzt wird, Regen­was­ser aus Zis­ter­nen für Gießwasser, andere Grau­was­ser für die Toilet­ten­spü­lung.

______________________________
Foto: C.E.

Dienstag, 13. Dezember 2022

Reiserückblick: Essen

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Ich bin Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che und blogge hier seit 2007. Ich über­set­ze auch aus dem En­g­li­schen, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Sprache. Berufs­be­dingte Reisen bringen manch­mal uner­war­te­te Heraus­forde­run­gen mit sich.

Wer Dienst­reise sagt, sagt Hotelfrühstück und Restaurant. Ich merke, wie nach zwei Wochen Ernäh­rung mit Lebens­mitteln aus dem konven­tio­nellen Agrar­bereich meine Neuroder­mitis auf­flammt. Genau diese Neuro­der­mitis hat dazu ge­führt, dass ich beizeiten über Ackergifte und Wasser- und Boden­ver­schmut­zung sowie Öko­land­bau nachzu­denken begon­nen habe. Diese Themen gehören heute als Dol­met­sche­rin zu meinen Lieb­lings­themen.

Mich wundert, dass es in meinen Arbeits­län­dern, obwohl immer mehr Men­schen zu Lebens­mit­teln mit Öko­labeln greifen, noch immer kaum Bio-Restau­rants oder Bio-Hotels gibt. Die Kosten für acker- und natur­scho­nen­de Produkte waren schon immer ein wenig teurer als die der indus­tri­el­len Land­wirt­schaft. Da Letzte­re mit hohen Preisen für Dünge- und ähnliche Betriebs­mittel kämpfen, auf Fran­zö­sisch les intrants, die Bio­szene aber nicht, ist der Preis­abstand geringer ge­wor­den. Und grund­sätzlich habe ich mal gelernt, dass der Ma­terial­einsatz oh­ne­hin nur 25 Pro­zent des Endpreises ausmacht. Hier verringern sich die oben erwähnten "Pfen­nig­"un­ter­schie­de ein weiteres Mal.

Absurd: Die Leute kaufen aufgrund der allgemeinen, von Ener­gie­mo­no­po­len ge­trie­be­nen Teuerungskrisen ihre Biolebensmittel vor allem in Super­märkten, wäh­rend immer mehr eigen­tü­mer­ge­führ­te Bio­läden Insol­venz anmel­den müssen. Jene, die das nötige Geld haben, und das sind trotz alledem viele, sollten den Einzel­handel stabil halten, denn Markt­kon­zen­tra­tio­nen ha­ben noch nie Gutes gebracht, QED.

Zurück ins Beher­ber­gungs­we­sen: Bio­ho­tels finde ich online maximal in ir­gend­wel­chen schö­nen, ländlichen Gegen­den, wo die Lebens­mittel z.T. auch vor Ort ange­baut werden. In Städten und touris­ti­schen Gegenden ist das eine Markt­lücke.

Bis die­se Lücke ge­schlos­sen ist (Hal­lo, De­ho­ga!), suche ich mir in den Hotel­buffets raus, was ich eini­ger­maßen zu ver­tra­gen hoffe. Darun­ter ist Müsli, das ver­mutlich Zucker­zusätze hat, Frucht­jo­ghurt aus der großen Schale, der mit che­mi­schen Zu­sät­zen auf­be­rei­tet wurde, Bröt­chen aus der Teig­ling-Feig­ling-Auf­back-Sphä­re, Kä­se von Kü­hen in An­bin­de­hal­tung.

Mal sehen, wie lan­ge es braucht, bis sich die Haut wie­der be­ru­higt hat. Ich reise be­reits mit dem eigenen Kopf­kis­sen und nein, ich möch­te nicht auch noch meine Lebens­mit­tel mitneh­men müssen.

Draufsichten: Frühstücke mit Käse, Obst, Gemüse, Graubrot, Croissants, Kaffee ...
Berliner Frühstückskultur


Schwierig bis unmöglich ist übrigens die Obstmah­lzeit auf Reisen: In den Hotels wird nur Tot­ge­spritz­tes ange­bo­ten, in einen Bio­la­den kommen wir bei eng ge­tak­te­ten Dienst­rei­sen nicht so einfach mal rein. 

______________________________ 
Fotos: C.E. 

Montag, 12. Dezember 2022

Rückblick 2022 (2): Pandemie

Wie Über­setzer:in­nen und Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten, erfahren Sie hier. Meine Arbeits­sprachen sind Fran­zö­sisch und Deutsch (Mutter­sprache) sowie Englisch. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zu nur einem Rück­blick bin ich nicht fä­hig, dazu ist die La­ge zu kom­plex.

Noch ist die Covid-19-Pan­de­mie nicht vor­bei. Ich war bis­lang drei Mal infi­ziert: Ja­nu­ar 2020 noch als "aty­pi­sche Vi­rus­in­fek­tion" attes­tiert mit den be­kann­ten Symp­to­men, nur Ge­ruchs- und Ge­schmacks­ver­lust tra­ten zeit­ver­setzt ein, die Blut­pro­be ist leider ver­worfen; dann Sep­tember 2021 mit dem Rei­se­mit­brin­gsel ei­ner Sport­freun­din, die in der Bre­tagne war, zu­letzt No­vem­ber 2022 mit Omi­kron.

Maximale Personenanzahl im Raum: 25
An der Tür eines Kon­fe­renz­raums
Den ersten und den jüngsten Durch­lauf habe ich mir höchs­wahr­schein­lich in der Dol­met­scher­ka­bine ge­holt. Al­lei­ne der Ge­danke an den Arbeits­ort stresst mich jetzt. Jetzt pla­ne ich den Er­werb ei­nes klei­nen Luft­fil­ters für die Hand­tasche.
2022 war ein inten­sives Jahr. Es ging mit einem langen Lock­down los. Im Februar hat dann Russ­land die Ukraine über­fal­len, es folgten Sa­bo­ta­ge­akte an den Gas­pipe­lines, die Ener­gie­kri­se und die an­hal­ten­de In­fla­tion. Im Beruf war es lan­ge still. Ich hat­te Glück im Un­glück und durf­te re­la­tiv re­gel­mä­ßig nach NRW rei­sen, um auf einer Bau­stel­le zu dol­met­schen. Mein beim zweiten Co­vid­durch­lauf er­hus­te­ter, nicht ope­ra­tions­pflich­ti­ger Leis­ten­bruch hat bis in den Früh­sommer |ge­muckert| ge­schmerzt.

Und nein, bei fünf Grad Cel­sius auf einer Bau­stelle zu dol­met­schen und nach an­dert­halb Stun­den den Rücken zu spüren, ist keine Freude. Korsett, Ent­span­nungs­übun­gen, sanftes Joga, viel schla­fen, gut essen — in Sa­chen Selbst­für­sor­ge hatte ich Auf­gaben zu erledigen.

Irgendwann ging dann das nor­male Dolmetsch­jahr los und hat uns auf Trab ge­hal­ten, al­ler­dings nicht immer zu den vollen Sätzen. Wir arbeiten seit Jahren im Team für et­li­che Vereine und Initia­ti­ven des kultu­rel­len Aus­tauschs und der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit, die zwei Jahre lang keine Mit­glie­der­ver­sammm­lungen ab­ge­hal­ten hat­ten. Da­mit die­se wie­der rich­tig of­fi­ziell ak­tiv wer­den und För­der­gelder bean­tra­gen können, gab es et­li­che kaum finan­zier­te Meetings. Dol­met­sche­rin­nen sind mit­un­ter auch Er­mög­li­che­rin­nen.

Was erwartet uns 2023? "Wenn du weißt, was die Zu­kunft bringt, hast du schlechte Infor­man­ten", sagte mir Sep­tem­ber 1989 ein Leip­zi­ger Opti­ker. Ich den­ke in der letz­ten Zeit häu­fi­ger an dieses groß­ar­tige Zitat.

Die Energie­krise geht einher mit fort­ge­setz­tem CO2-Auf­wuchs in der Atmos­phä­re und der Biodi­ver­si­täts­kri­se. Die Ver­zweif­lung der jungen Men­schen, die der­zeit viel de­mons­trieren, teile ich. Zugleich weiß ich, dass wir starke, gute Alter­na­ti­ven sicht­bar machen müs­sen. Es gibt Aus­wege in eine ge­sun­de, schöne Zu­kunf­t. Dafür werden wir an die Subs­tanz unserer Weltan­schau­un­gen ran­müssen. Und wir brauchen wie­der einen po­si­ti­ven Blick auf die Wis­sen­schaft und auf unsere ei­ge­ne Un­wis­sen­heit, mehr Be­schei­den­heit, Ein­sicht in die ei­ge­nen Gren­zen, De­mut, Of­fen­heit und Neu­gier und Bil­dungs­opti­mis­mus.

Wich­tig ist auch, tä­tig zu wer­den, nicht dem Ge­sche­hen ausge­lieferte Opfer zu sein, son­dern ak­tiv das Le­ben zu ge­stal­ten.

______________________________
Foto: C.E.

Sonntag, 11. Dezember 2022

Am Wasser gebaut

Aus dem Arbeits­alltag einer Dol­met­scherin können Sie auf diesen Seiten einiges er­fah­ren. Meine Mutter­sprache ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Ins Eng­li­sche über­setzt die Büroko­llegin, die aber, genau­so wie ich, nicht durch­gehend da ist. (Kunden auf der Suche nach Do­ku­men­ten­über­set­zung: Wir bieten Termine nach Ab­sprache an. Bitte sen­den Sie uns eine Mail.) 

Sonntagmorgen in Berlin
Es ist kalt in Berlin, und diese drei las­sen die Mama (oder den zwei­ten Papa) ausschlafen (das ist ja manch­mal unklar). Möwen krei­sen über der Brücke. Eben hat noch ein Pas­sant Brot­stücke ins Was­ser gewor­fen und ist dann wei­ter­ge­gan­gen, laut kom­men­tie­ren die En­ten das im Wett­kampf mit den schim­pfen­den Spat­zen im Busch. Die ein­jäh­ri­gen, noch grau­braun­en Schwä­ne üben sich in Eleganz.

Die Älteren, ein rein­weißes Schwa­nen­paar fliegt den Kanal entlang, der Wind streift durch die Fe­dern und es er­klingt das typi­sche Pfei­fen. Hoch und spitz ruft ein Vogel, den ich nicht kenne, von einem Dach­first.

Nach Wochen der Krank­heit und Dienst­reisen bin ich Sonn­tag­früh zum Crois­sant­kau­fen draußen. Links am Ufer fällt der Tribut ins Auge, den unsere Nach­bar­schaft die­ses Jahr an die Trocken­heit be­zahlt hat und weiter bezahlen muss. Hier feh­len gleich meh­rere Bäume in Serie, die auf­grund des sin­kenden Grund­was­ser­spiegels sogar am Rand eines Was­ser­laufs ver­durs­ten. Im Bundesland rund um Berlin sind durch die Trocken­heit jetzt nahezu alle Bäu­me aus­nahms­los ge­schädigt. Vor der Fünf­jah­res­trocken­heit wa­ren noch 40 Prozent ge­sund gewe­sen.

Bei den Ein­sätzen ging es viel um Was­ser und ums Klima. (Einige zu den Ter­mi­nen ge­hö­ren­de Nacht­räge wer­den fol­gen.)

Wie gut, dass mir schon als Erst­se­mes­ter­stu­den­tin mit Teil­zeit-Au-Pair-Job in einer Fa­mi­lie in Fleisch und Blut über­ge­gan­gen ist, dass das Was­ser auf Fran­zö­sisch weib­lich ist.

Vokabel­liste 
cours d'eau, le — Wasserlauf (oder auch Bach), der
ru, le (veraltet oder regional) — Bach, der
ruisseau, le — Bach, der
rivière, la — Fluss, der
fleuve, le — Strom (ein großer Fluss, der ins Meer mün­det), der
canal, le — Kanal, der
mer, la — Meer, das
océan le — Ozean, der oder Welt­meer, das
eau, la — Wasser, das

______________________________
Foto: C.E.