Freitag, 13. April 2018

Kinokauderwelsch

Als Dolmetscherin und Übersetzerin wechsele meine Arbeitsorte wie die Klei­dung: Der Anzug für die Hinterzimmer des politischen Arbeitslebens, Jeans und Jackett fürs Kino. Neulich, nach einer Filmvorführung ...

Mich durchzucken heiße Schreckens­blitze: Ich verstehe nicht, was der Fil­me­ma­cher sagt. Was mache ich gleich mit diesen Aussagen? Dann beruhige ich mich wie­der, denn zum Glück bin ich als Moderatorin engagiert und nicht als Dol­met­sche­rin. Ich moderiere gerne weiterhin für diverse Festivals, denn in meinem ersten Beruf habe ich einstmals ja Journalistin und Moderatorin gelernt. So übe ich weiterhin Kenntnisse und Fähigkeiten, um sie weiterzuentwickeln, statt sie zu riskieren.

Als der junge Mann auf dramaturgische Ansätze eingeht, während er über seinen Erstlingsfilm spricht, geht ein ordentlicher Landregen an englischen Begriffen auf uns nieder. Manche Wörter sind perfekt ausgesprochen. Andere klingen ein­ge­deutscht oder sind verkürzt. Das erschwert das Verstehen. Sehr beliebt bei ihm: Ein englisches Substantiv, das Verb auch dem Englischen entlehnt und nach den Regeln deutscher Grammatik gebeugt.

Eins ist klar, ich kann nicht nachfragen: "Was haben Sie mit dem Dings nochmal ge­dingst?" Das Publikum besteht zum großen Teil aus Leuten vom Filmteam und aus seinem Studium. Ich scheine die einzige zu sein, deren Hirn zwischendurch im Ne­bel stochert.

Die Geschichte sei kein story bender, meint er daraufhin, wenig später ist vom mind bender die Rede. Bender heißt laut Wörterbuch Bie­ge­ma­schi­ne, Bie­ge­vor­rich­tung. Ich denke heute noch nach, was er uns sagen wollte. Zwischendurch frage ich doch nach, und er erklärt weiter dramaturgische Über­le­gun­gen, er­läu­tert das Wort aber leider nicht.

Einen anderen Begriff übertrage ich dann wenigstens in der Über­lei­tungs­mo­de­ra­tion, nur drei Tage im Voraus hätte man Zeit für cold reading gehabt, also nur drei Tage "Leseprobe". Und dann geht's fröhlich weiter mit den nächsten Begriffen, zum Teil aufeinander bezogen. Und warum muss man babbitt sagen und damit den "Spie­ßer" oder "Spießbürger" vermeiden? Und "die Szene im diner" ist "die Szene im Schnellrestaurant". Aber Wörter wie Schnellrestaurant sind sicher nur was für Spieß­bürger.

Schließlich (und nicht am Ende des Tages) recherchiere ich die Vita des jungen Mannes. Er wurde in den späten 1980-ern in Deutschland geboren und nein, ent­ge­gen meiner Vermutung ist er nicht eben gerade von einem einjährigen USA-Auf­ent­halt zurückgekehrt. In einigen höheren Bildungsanstalten der narrativen Bil­der­pro­duk­tion unseres Landes scheint man heutzutage so zu formulieren. Ich muss mich mal wieder als Gasthörerin dort zurückmelden. Denn sowas könnte durchaus bei einem Dolmetscheinsatz passieren — so sind wir noch nicht aus dem Wald heraus (we are not out of the woods yet). Irgendwann, so meine Hoffnung, wird es wieder besser werden; nach jedem Gewitter klart es wieder auf. Ja, ich sehe schon einen Lichtstreif am Horizont.

Vokabelnotiz (vom Kinoschmierzettel)
schwäbische Maultaschen — german ravioli (im Untertitel)

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Foto: folgt

Donnerstag, 1. März 2018

RENOVIRUNG

Willkommen auf den Blogseiten einer Dolmetscherin und Übersetzerin. 
Im zwölften Jahr schrei­be ich hier über meinen Berufsalltag.

Die Berlinale war dieses Jahr für mich vor ihrem Ende schon zu Ende, solche Dinge passieren. Jetzt geht dieser Blog in eine kleine Winterpause — aus technischen und gesundheitlichen Gründen. Und dann wird im Frühjahr weiter renoviert, nicht die­se Webseite hier, sondern das Büro.

Das Platzhalterbild finde ich höchst passend. Ich wünsche bestes Wohlergehen ... und bleiben Sie mir gewogen! (Und zur Vereinbarung oder Planung von Terminen nutzen Sie bitte wie üblich Digitalpost oder Telefonie.)

Handgeschriebenes Pappschild in einem Schaufenster: RENO VIRUNG
Gesehen in Neukölln
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Foto: C.E.

Donnerstag, 22. Februar 2018

Soundcheck in der Berlinale-WG

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, Frank­furt und dort, wo man mich braucht.

Blick über den Küchentisch in der Nacht
In Cafés zu laut gestellte Musik moniert bitteschön wer? Die Filmmischmeisterin oder eine Dolmetscherin. Im allgemeinen Barbarhabarber (auf Französich le brouhaha) vor dem Kinoeinlass, ir­gend­wo dudelt "Muzak", also Auf­zugs­du­de­lei, brummen, sum­men und klingeln Mo­bil­te­le­fo­ne: Wer hört das und weist ihre Eigentümer darauf hin? Die Vorgenannten.

Der Kompressor des neuen Kühlschranks klingt so, als würde eine Maus einen Frosch verdauen, es quietscht und quakt leise. In der Berlinale-WG sitzen zwei akustisch Hochsensible, schauen sich an und prusten los. (Zumal die anderen, die nicht mit Tönen und Worten zu tun haben, in den letzten Tagen wiederholt be­kun­det haben, nichts Auffälliges zu vernehmen.)

Unsere Generation ist nicht mit Smartphones und Dauerbeschallung via Kopfhörer aufgewachsen; von uns hören nur jene schlecht, die laute Musik gemacht oder kon­su­miert haben. Die Jüngeren aber haben in der Regel schon früh deutliche Hör­schä­den. Das führt nicht nur zu Kom­mu­ni­ka­tions­pro­blemen, wir hatten schon Leute vor der Dolmet­scherkabine stehen, denen die einstellbare Maximal­laut­stär­ke der Empfangsgeräte nicht gereicht hat, sondern auch zu erhöhten Ge­sund­heits­kos­ten. Damit geht es die Allgemeinheit an. Fachleute warnen seit Jahren. Und es passiert ... nichts.

Unsere Politik braucht dringend weitere Vorsorgeprinzipien, denn im Alltag von Mehrheitengewinnung und Machterhalt geht zu viel verloren. Diese sollten die Ge­sund­heit von Mensch und Umwelt im Auge haben. Ein Verfassungsparagraf, der Mut­ter Natur eigenständige Rechte zuweist, eine Kommission, die dieses über­wacht, Ge­ri­chte, die schädi­gende Erfindungen und Verfahrens­weisen aus dem Ver­kehr zie­hen, das wär's. Es ist nur eine Frage der Zeit, und wir bekommen das. Und alle, die jetzt augenrollend "Bevor­mun­dung!" schreien, werden nach einiger Zeit mit diesen Regelungen diese loben.

So weise sind wir in der Berlinale-WG, wenn wir morgens zwischen halb eins und halb drei die Welt neu erfinden.

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Foto: C.E.

Montag, 19. Februar 2018

Zeichenhaft!

Willkommen auf den Seiten meines digitalen Arbeitstagebuchs. Hier dreht sich alles um Sprachen, Kulturen und das Vermitteln zwischen denselben. Dabei schaue ich gelegentlich auch direkt auf die Unterschiede.

Kurze Worte und viel Interpunktion, sagt der Bürokollege gerade, würden mehr Leerzeichen ergeben! Soll das jetzt ein Tipp sein oder wie? Er schreibt und hat eine vorgegebene Leerzeichenobergrenze; ich übersetze und berechne am Ende, was hinten bei rauskommt.

Drei Personen im Rundfunkgespräch
Knut Elstermann, Pierre-Yves Vandeweerd, Caroline Elias
Dieser Tage aber übersetze ich nicht, sondern akquiriere, dolmetsche Produzenten auf­ein­an­der zu, halte Kon­takte, baue neue auf. Der Teil der Arbeit, der oft nicht von Leu­ten als solcher wahr­ge­nom­men wird, weil er in fest­li­chen Rahmen mit einem Glas in der Hand stattfindet. (Das Bild evoziert den Cham­pag­ner­kelch, meistens ist es jedoch ein Was­ser­glas.)

Die "13 Arten, ein Filmfestival zu dolmetschen" sind erstmal passé, weil die Ber­li­na­le auf Einfachenglisch als Lingua franca setzt. Bei Gesprächen der Film­wirt­schaft und der Verbände gibt es auch immer wieder Bedarf, besonders dann, wenn es um Nu­an­cen geht. Und dann ist da noch das Radio ... aktuell mehr das fran­zö­si­sche Radio als das Deutsche. (Wenn ich schon weniger arbeite, brauche ich leider andere Honorarsätze.)

So geht es dieses Jahr für mich sehr viel über die Filme der Weimarer Republik in der Retrospektive, andererseits beschäftigen mich die Filmprojekte, die dann möglicherweise auf der Berlinale 2022 laufen werden. Solch' einen Spagat hatte ich nicht.

Programmhinweis: Heute Abend läuft "Die Story im Ersten: Das Microsoft-Di­lem­ma" über staatliche und öffentliche Verwaltungen von Helsinki bis Lissabon. Überall dort kommt die Software des US-Konzerns zum Einsatz, deren An­greif­bar­keit uns letztes Jahr der Computervirus "Wanna Cry" nochmal drastisch vor Augen gerufen hat. Ein Film von Harald Schumann und Árpád Bondy, für die ich als Dol­met­sche­rin, Übersetzerin und auch als Sprecherin tätig war. Leider kommt der Film um 22.55 Uhr, wird danach aber in der ARD-Mediathek abrufbar sein.

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Foto: Petra Hippler (von 2011)

Freitag, 16. Februar 2018

Schnapsklappe!

Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Spracharbeiterin und berichtet über die Arbeit der Konferenzdolmetscher und Übersetzer. Meine Fachbereiche sind Politk, Wirtschaft und Soziales, Kultur und Kino. 

Der Beitrag heute geht auf Anschluss zum gestrigen. Seit elf Jahren blogge ich auf den Tag genau. Beim Film wird an solchen Geburtstagen die Klappe genommen, die vor den Aufnahmen geschlagen wird, um die Synchronizität von Bild und Ton abzusichern, und auf ihr ein Schnäpsken serviert.

Passt. Ich eile zur Arbeit am Potsdamer Platz. Auch unsichtbar ist viel zu tun: Sprach­ar­beit in den Kulissen.

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Foto: folgt

Donnerstag, 15. Februar 2018

Fachjargon

In Spiegelschrift, was drin ist
Morgen seit elf Jah­ren ver­öf­fent­li­che ich hier in lo­ser Fol­ge klei­ne Mo­men­te aus dem Über­set­zer- und Dol­met­scher­all­tag.

Neulich, vor der Haustür: Ein Filmteam blockiert alles. In der Bäckerei unten im Nachbarhaus entsteht eine Tatort-Folge.

Wir hatten geplant, an diesem Tag etwas zu transportieren. Der Kamera- und Licht-LKW steht genau dort, wo wir kurz zum Beladen stehen würden. Nur steht er wohl länger hier.
Aus der Notiz an die Bewohner geht eine Uhrzeit hervor. Ich kenne solche Angaben als Maximalzeiten.


Abladen
Ich frage einen Techniker freundlich, wie lange das gehen soll. Er: "Weiß nicht!" Ich: "Aber Sie müssen doch wissen, wie lange Sie hier heute arbeiten werden?! Techniker: "Keine Ahnung!" Ich: "Wie bitte?" Er: "Mal länger, mal kürzer!"
Mir platzt der Kragen: "Guter Mann, ist das heute das einzige Motiv oder setzen Sie heute nochmal um?"

Bitte Ruhe, wir wollen drehen!
Er zögert. Ich gebe eine Anweisung: "Schauen Sie bitte sofort in die Dispo!"

Er zuckt zusammen, dann nestelt er den Arbeitsplan des Tages aus der Tasche. Die Fachvokabeln haben gewirkt.

Auf jeden Fall bis zum Abend, kein zweites Motiv, danke, bitte.

Fahren wir halt einen Tag später.




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Fotos: C.E.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Aschermittwoch

Hier bloggt eine Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin mit den Arbeitssprachen Französisch, Deutsch und Englisch (allermeistens nur Aus­gangs­spra­che). Wir Spracharbeiter nehmen unsere Idiome gerne wörtlich.

Das hier ist ja kein öffentlich-rechtlicher Sender. Ich muss nicht politisch korrekt sein.

Im Wort "Rauchende" steckt Rauch-Ende drin
Das Foto von Montag hätte ich auch heute bringen kön­nen. Hier zeige ich noch­mal ei­nen Aus­schnitt. Denn der heutige Tag erinnert mich an ein lus­ti­ges Miss­ver­ständ­nis, von dem mir einmal eine Kollegin be­rich­tet hat.

Sie hat nämlich jahrelang das "Ascher" vom heutigen Mitt­woch als "Aschenbecher" ver­stan­den ...

So wurde ein "Aschenbechermittwoch" draus. Ihr zufolge hätten die Karnevalisten am Mittwoch nach Rosenmontag Migräne und rauchten besonders viel. Und die Ro­sen seien ja wohl auch konkret zu verstehen.

Sprache wörtlich zu nehmen ist etwas, das typisch ist für uns Sprachenlernenden und -lebenden.

Was sie nicht wusste, bis wir es nachgeschlagen haben: Gemäß Duden geht das "Ro­sen-" des Montags auf einen "rasenden Montag" zurück und damit auf das nie­der­rhei­ni­schen Wort "rosen" für rasen und toben, also für das Größt­maß an Aus­ge­las­sen­heit.

Und zu "Aschermittwoch" lese ich das da: "Die Bezeichnung Aschermittwoch kommt von dem Brauch, im Gottes­dienst am Ascher­mittwoch die Asche vom Ver­bren­nen der Palmzweige des Vorjahres zu segnen und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen." (Quelle: educalingo)

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Foto: Archiv (und nicht meine Mutter,
die hier hinter mir versteckt ist)

Dienstag, 13. Februar 2018

Vor der Berlinale

Hier bloggt im elften Jahr eine Konferenzdolmetscherin mit den Schwerpunkten Politik, Wirtschaft, Architektur, Soziales, Landeskunde, Medien, Kultur und be­son­ders Film.

Vor einiger Zeit passiert: Ich bin im Gespräch mit einem Handwerker in dessen Werkstattladen, die Tür geht auf, ein weiterer Kunde betritt den Raum. Das wäre ohne das Folgende eine Banalität.

Mit Tobias Büchner im Gespräch über "Furusato"
Der Hausherr François Ros­sier, Spezialist für Upcycling und Möbelbau, stellt mir den Hin­zu­ge­kom­men­en vor. Als er dann mich vorstellen möchte, sagt dieser: "Nicht nötig! Ich kenne Sie vom [Adjektiv] Dolmetschen vieler Film­ge­sprä­che!" (Das Adjektiv war so schön, dass meine Wan­gen instantmäßig rot wurden.)

... und den Wortlaut habe ich sofort vergessen. Dabei stehe ich in Berlin nur noch selten auf Festivalbühnen. Bei der Berlinale kommen meine Hauptarbeitssprachen Französisch und Deutsch seit Jahren leider fast nicht mehr vor. Das wichtigste Ber­li­ner Filmfestival setzt darauf, dass alle Englisch sprechen. Haben bei Pu­bli­kums­ge­sprä­chen jetzt gewisse Vorteile: alle Muttersprachler. Der kleine Rest gibt sich Mühe. Sehr oft fallen Details, Streitba­res und Humor hinten runter.

Um meine Qualifikation als Moderatorin und Dol­met­sche­rin bei Filmfestivals zu er­hal­ten, engagiere ich nebenbei bei vielen kleinen Festivals, darunter sind ach­tung berlin, Filmkunstfest MV und das Rügen International Film Festival.

Und in Ergänzung zum Dolmetschen erweitert sich mein Arbeitsfeld, von der Dol­met­sche­rin zur Sprecherin, hier einige Hörbeispiele: Radio Eins, Interview mit Ca­the­ri­ne Frot, Deutschlandfunk Kultur, Interview mit Yasmina Reza, Radio France Culture (Interview Călin Peter Netzer, Buchausschnitt Alice Schwarzer). Am 19. Feb­ru­ar ist meine Stimme in einer ARD-Produktion zu hören als eine von sechs oder sieben Sprecherinnen und Sprechern. Weitere Informationen folgen.

So, weiter mit dem Programm von vor der Berlinale: Bewerbungen, Preis­ver­hand­lun­gen, Filmsichtungen, Gästezimmeraufräumungen ...

Der oben erwähnte "Upcycler", der aus altem Material neue Möbel herstellt, ist üb­ri­gens auch Dokumentarfilmer. Wir kennen uns aus dem Filmverband, in dem ich seit meinen Jahren als Autorin, Produktionsleiterin und Marketingfachfrau bis heu­te noch bin.

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Foto: Achtung Berlin Filmfestival 2017,
"Furusato" ist ein Film von Thorsten Trimpop

Sprachregelung

Will­kom­men auf den Sei­ten ei­nes vir­­tu­­el­­len Ar­beits­­ta­­ge­buchs aus der Spra­chen­welt. Ich bin Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Hier denke ich über unsere Berufswelt nach und berichte von besonderen Momenten.

Ringe in einer Schale
Die Ringe zusammen ergeben eine liegende Acht, hach.
Neulich bei der Hochzeit, die ich dol­met­schen durfte: Der Be­am­te hält dem Paar eine kur­ze "Stand­pauke" (Zitat) und spricht über Res­pekt, Zu­hö­ren, Zeit und gemeinsame Spra­chen. "Sie lernen ja be­reits die Spra­che des an­­de­­ren, und daneben entwickeln Sie eine eigene Art der Ver­stän­di­gung, denn Sie haben ja nicht immer Ihre Dol­met­sche­rin dabei!"

Dann bekomme ich ein Kompliment ... und als ich meine Unterschrift auf das Stan­des­amts­­dokument setze, denn Dolmetscher stehen da auch, folgt noch eine di­rek­te Ansprache des Standesbeamten, des officier d’état civil.

Drei Mal bei einer einzigen Hochzeitszeremonie erwähnt zu werden, das ist schon was. Dem Ver­neh­men nach dolmetschen die Kolleginnen und Kollegen eher kon­se­ku­tiv, ich bin mehrheitlich simultan und habe mir vor einiger Zeit mal zwei, drei Trau­ungs­re­den genauer angesehen, daher kann ich das jetzt im Schlaf. Mit den Hochzeitern bin ich befreundet. Ein Gast bat mich an­schlie­ßend um meine Vi­si­ten­kar­te. So habe ich jetzt auch noch einen Kunden gewonnen.

Und Standesbeamte haben heutzutage zum Glück einen Satz verinnerlicht: Sie sa­gen nicht mehr "Auf Wiedersehen", sondern Salut oder Ciao. Die Episode, die mir dazu einfällt, ist ein anderer Film.

Vokabelnotiz
Ehefähigkeitszeugnis — wörtlich: certificat de capacité matrimoniale, hier ist Grin­sen ebenso garantiert, wie wenn Deutsche die französische Halb­wegs­ent­spre­chung hören: certificat de célibat, Zölibatsbescheinigung.

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Foto: C.E. (Archiv)

Montag, 12. Februar 2018

Eben mal kurz

Bienvenue auf den Seiten einer Sprachar­bei­te­rin. Wie Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakes­peares meistens als Ausgangssprache). 

Ob ich eben mal kurz in das Urteil ihres Sohnes reinschauen könne, fragt mich eine französischsprachige Kundin, die mich beim Verlassen des Hauses anspricht. Sie sei gerade auf dem Weg in mein "Büro", sagt sie, dabei ist das nur ein in der Woh­nung liegendes, großes Arbeitszimmer ohne Publikumsverkehr.

Ich blättere es kurz durch und sehe: 24 Seiten, Urteile in erster und zweiter Ins­tanz, es geht jetzt mindestens noch um offene Schadensersatzansprüche, die bis­lang aus­ge­klam­mert scheinen ... und um eine juristische Frage. Ich erkläre, dass ich weder befähigt noch ermächtigt bin, mich zu juristischen Fragen zu äu­ßern. Die Dame in­sis­tiert, streicht diese Frage, bittet um Entschuldigung, sie hätte nur ein, zwei konkrete Fragen zum Text.

Da ich zu einem anderen Einsatz muss, schlage ich ihr vor, dass er mir eine Fo­to­ko­pie des Dokuments in den Briefkasten wirft, wir könnten dann am Folgetag te­le­fo­nie­ren. Gesagt, getan. Ich schätze die Vorbereitungsarbeit auf einige Stunden, um überhaupt durchzusteigen. Auf der anderen Seite der Leitung beredtes Schweigen. Das sei dann doch etwas überraschend mit dem Preis, höre ich nach diesem Sen­de­loch, es müsse doch auch nicht so gründlich sein: "Könnten Sie nicht doch bitte mal eben ...?!"

Nein, es gibt Berufe, in denen gibt es kein "mal eben". Stellen Sie sich die Chi­rur­gin am OP-Tisch vor oder den Anwalt, der eine gute Verteidi­gungs­stra­te­gie ent­wickeln soll — stellen Sie denen auch diese Frage?

Ich glaube, die Außenwelt sieht meine Arbeit oft genug so:
Hier fällt mir das Zwei-Euro-Stück mit Helmut Schmidt drauf ein, auf dem die Mentholzigarette fehlt
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Foto: Eigenes Archiv

Sonntag, 11. Februar 2018

Karneval

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, Frankfurt und dort, wo man mich braucht. Der Sonntag gehört dem Sonntagsbild!

Vielen Franzosen aus dem Süden müssen wir Dolmetscherinnen deutschen Kar­ne­val, Fasching oder Fasnet erklären, obwohl es ähnliche Veranstaltungen auch in Nordfrankreich gibt. (Von italienischen Traditionen ganz zu schweigen.)

In der Zeit vor der Berlinale überlasse ich den anderen die närrischen Tage, zumal in einer Welt, die einem lesenden Menschen immer absurder vorkommt. Umso größer ist allerdings die Freude am Foto aus dem eigenen Bildarchiv. Weiß jemand, wer hier 'dargestellt' ist?

Drei maskierte Herren an einer Tafel
Maskenball, Damenwahl!
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Foto: Eigenes Archiv

Freitag, 9. Februar 2018

Winterspiele

Randnotizen aus dem Alltag einer Konferenzdolmetscherin und Fran­zö­sisch­über­set­ze­rin können Sie hier mitlesen, manchmal ist auch Zeit für einen längeren Text.

Testbild in Schräglage
Totale Mattscheibe
Ja, nee, das ist ja wirklich total überraschend, dass je­mand in seinem Land die ei­ge­ne Mut­ter­spra­che spricht. TV-Kom­men­tar bei der Er­öff­nung der Olym­pi­schen Spiele im Ers­ten: "Liebe Zuschauer, wir waren nicht darauf vor­be­rei­tet, dass diese Rede auf Koreanisch ge­hal­ten wird und können Ihnen leider die Rede nicht auf Deutsch liefern."

Und ja, der Beruf "Dolmetscher" ist schon erfunden, er gilt als das zweitälteste Ge­wer­be der Welt.

Und ich dachte, nur die Berlinale kann das ... stets und ständig auf BSE setzen, Basic Simplified English.

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Illustration: Archiv

Dienstag, 6. Februar 2018

Postmurks, mal wieder

Seit mehr als zehn Jah­ren ver­öf­fent­li­che ich hier in lo­ser Fol­ge klei­ne Mo­men­te aus dem Über­set­zer- und Dolmetscheralltag. 
 
Seit Wochen warte ich auf ein Päckchen. Es will einfach nicht ankommen. Darin ist ein Buch, das ich für die Arbeit brauche. Ich frage beim Verlag nach, der ver
­an­lasst den Versand eines zweiten Exemplars.

Postbenachrichtigungszettel
Viele Boten verderben die Post
Der Bürokollege-Mitbewohner erwartet auch Post. Dann landen zwei Päckchen bei Nachbarn ... die wenige Stunden später in den Winterurlaub auf­bre­chen. Weitere zwei Päckchen und einen Brief mit großem, steifem Umschlag nimmt ein anderer Postbote wieder mit.

Das alles passiert wohlgemerkt an einem Tag, an dem wir natürlich zu Hause arbeiten. Wir dürfen am Tag danach extra ins Postamt fahren, nein, ich, denn auf meinen Namen sind alle Be­nach­rich­ti­gun­gen aus­ge­stellt. (Das passiert auch an Tagen, an denen nur der Mit­be­woh­ner Post be­kommt; das Wörtchen "bei" ist ent­schei­dend.)

Ich kritisiere das Ganze am Schalter. Die Schal­ter­da­me: "Jeden Tag hö­re ich sowas, ich kann schon gar nicht mehr rich­tig hinhören, sonst wäre ich noch ar­ran­gier­ter damit! Ich will mich aber nicht aufregen."

Das Fremdwort klingt wichtig. Ich muss grin­sen und meine Wut ist verdampft. Ich äußere Mitgefühl für die Dame und gehe meines We­ges. Sie weiß allerdings nicht, wie sie meinen Stim­mungs­wandel be­wirkt hat.

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Foto: C.E.

Sonntag, 28. Januar 2018

Was machen Sie so?

Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Spracharbeiterin und berichtet über die Arbeit der Konferenzdolmetscher und Übersetzer. Hier ein Sonntagsbild (und Wo­chen­end­mo­ment.

"the" in altdeutscher Schrift
Um die Ecke denken
Mein Witz zum Thema literarische Übersetzer geht so (und er ist ein Fall fürs Um-die-Ecke-Denken):

Auf 'ner Party.

"Was machen Sie so?"
"Ich bin Arzt!"
"Das ist ja interessant! ...
Und was machen Sie beruflich?"


EDIT: Übersetzer lachen an dieser Stelle. Witze mit Erklärungsbedarf sind keine, daher hier der Hinweis, dass dieses "Und was machen Sie beruflich?" nahezu ALLE Übersetzer als Frage kennen.
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Foto: C.E. (Ausschnitt aus einem deutschen Firmenschild)

Samstag, 27. Januar 2018

Davos

Bonjour, hello und guten Tag! Einblicke in das Leben von Spracharbeitern können Sie hier bekommen, vor allem mit­le­sen, wie Französischdolmetscher und -über­setzer ar­bei­ten. Manchmal reicht die Luft in der Zeit vor der Berlinale nur für Rand­no­ti­zen zur Epoche.

Rednerpult
Ein anderes Rednerpult
La blague du moment à Da­vos : « ... pour une fois qu’un pré­si­dent français parle mieux anglais que le président amé­ri­cain ».

Diese Info hat mich heute Mor­­gen erreicht, es ist der neue­ste Witz aus Da­vos: "Endlich spricht mal ein fran­zö­si­scher Präsident bes­ser Eng­lisch als der US-ame­ri­ka­ni­sche ..."

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Quelle: Kollegin aus Frankreich, merci, Marie !
Foto: CE (Archiv)

Montag, 22. Januar 2018

Großtischler

Hier bloggt eine Französischdolmetscherin. Der zweite Einsatz des Jahres führte mich mal wieder in die Botschaft Frankreichs am Pariser Platz.

großer Tisch, sprechende Hände
Konzentriert, nicht kopflos (man beachte die Steinquader)
In Büros und Arbeitszimmern gibt's die Menschen mit lee­­ren Schreib­ti­schen und die mit vol­len Schreib­ti­schen; Arbeitssoziologen und Auf­räum­­fach­­leute teilen die Welt in "Leer­tisch­ler" und "Voll­tischler" ein. Und jemand meinte sogar, dass Men­schen, die am Schreib­tisch nach der Methode der Plat­ten­tek­to­nik den Überblick be­hal­ten, Genies sein müssen.

Zu den Tischen in Besprechungsräumen gibt es noch keine Theorien. Diplomaten scheinen jedenfalls Großtischler zu sein. Mir fallen angesichts eines besonders mar­kan­ten Modells im Herzen Berlins Worte von sozialer Distanz ein. Dieses Modell signalisiert große räumliche Entfernungen. Unterschiede in Dis­tanz­be­dürf­nis­sen zu anderen sind auf die Zugehörigkeit zu Kasten, Schichten und sozialen Milieus zu­rück­zu­füh­ren, schießt es mir kurz durch den Kopf.

Mit näheren Momenten der Kontaktaufnahme versichern wir uns außerhalb des diplomatischen Parketts der Friedfertigkeit der Zeitgenossen, denen wir be­geg­nen. La bise, der französische Kuss, links und rechts auf die Wänglein gehaucht, ist im Grunde nur die olfaktorische Kontaktaufnahme, mit der wir uns absichern: Riecht der andere nach Angstschweiß oder eher nach Wut? Wird er friedlich bleiben?

Um weitere gemeinsame Grundlagen zu legen, essen und trinken die Menschen oft zusammen. Das klangvolle Anstoßen mit den Trinkgläsern diente einstmals der Prä­ven­tion vor Giftanschlägen: Es wurde üblicherweise mit so viel Schwung an­ge­sto­ßen, dass die Trinkgefäße übergeschwappt sind und dass aus dem Glase des einen Flüssigkeit in das Glas des anderen gelangt es und vice versa. Das war zu Zeiten, als die Mauern der Gebäude noch aus gestampftem Mist oder grob be­hauenen Stein­qua­dern be­­stan­­den haben.

In den Besprechungsräumen der französischen Botschaft kann derlei nicht pas­sie­ren. Viele kleine Fläschchen stehen auf Papierservietten an den jeweiligen Sitz­plätzen. Jede Form der Kontaktaufnahme, die über das Verbale hinausgeht, ist aus­ge­schlos­sen, Distanzlosigkeit ebenso. Der Tisch ist so breit, wie der Esstisch von kinderreichen Familien lang ist. Die große räumliche Entfernung macht es zu Be­ginn schwer, einander die Visitenkarten zukommen zu lassen. Alle beugen sich über die Platte, legen das Kärtchen auf die perfekt gewienerte Oberfläche, geben ihr einen großen Schubs, damit sie wie ein Schlittschuhläufer auf dem Eise an die ge­gen­über­lie­gende Seite segelt. Und meine Stimme muss auch lauter sein, als bei "Flüstereinsätzen" sonst üblich, um quer durch den Raum zu ge­langen.

Nein, keine weiteren Theorien. Ich muss jetzt weiter den Schreibtisch aufräumen. Etwas gegen die Kontinentaldrift tun. Wobei das mit der Genialität der Voll­tisch­ler in der Regel nur vorgetäuscht sei, meinen die Personalchefs.

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Foto: C.E.

Freitag, 12. Januar 2018

Kurzurlaub

Bonjour, welcome, Hallo und guten Tag! Sie lesen, absichtlich oder zufällig, die Seite eines digitalen Arbeitstagebuches. Hier schreibe ich als Übersetzerin und Dolmetscherin mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Politik, Kultur und Soziales über das nach, was ich erlebe.

Ein typischer Moment im Büroalltag: Kaum setzen wir einige Tage Urlaub an, bevor die Saison losgeht, melden sich massenhaft Kunden.

Stehpultaufsatz mit Computer
Ergonomisches Arbeiten
Nein, keine Klage, nur eine Feststellung. Murphys Law erfreut mich also mal wieder. Wir schreiben Kos­ten­vor­an­schlä­ge für die kommende Hauptsaison des Kon­fe­renz­ge­schäfts (April bis Juni) und vergeben schöne Über­set­zun­gen an die Kolleginnen und Kollegen weiter — sofern sie nicht selbst unterwegs sind.

Wir sind bald wieder da.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Sprach- und Schriftdolmetschen

Bonjour und guten Tag, hier bloggt eine Französischdolmetscherin und -über­set­ze­rin. Seit bald elf Jahren berichte ich hier aus meinem Alltag. 

Die Autorin dieser Zeilen bei der Arbeit
Der erste Einsatz im Jahr war su­per­span­nend: Wir sitzen hinten im Saal auf einem Balkon, neben mir Licht- und Tonregie so­wie der Liveschnitt, denn alles wird in den Ne­ben­raum übertragen. Wir befinden uns in einem Berliner Veranstaltungssaal, zu un­se­ren Füßen mehrere hundert Menschen.

Vorne auf der Bühne warten alle auf die Haup­tred­ne­rin aus Frankreich. Es ist ein Neujahrsempfang mit politischem Hin­ter­grund. Rechts hinten ist eine Art kleiner Bühne für Rollstuhlfahrer, links längsseitig die Sektbar, es gibt Bereiche mit Sitzreihen und welche für stehende Zuschauer. Die Gäste sind recht mobil im Saal, in der Vor­hal­le gibt es weitere Angebote.

Niemand wollte 600 Kopfhörer gegen Pfand ausgeben und anschließend wieder einsammeln. Daher wurde eine andere Lösung gefunden. Etwas, das ich noch nie erlebt habe — und die Kolleginnen auch nicht.

Hinter uns Dolmetscherinnen sitzen zwei "Schriftdolmetscherinnen". Die eine trägt eine Maske, die an die Gasmasken erinnert, wie Pferde sie im 1. Weltkrieg ge­tra­gen haben. Vor ihr steht ein Rechner. Die Kollegin neben ihr sitzt auch hinter ei­nem Rechner. Beide Geräte müssen verbunden sein. Das, was auf dem Monitor des zweiten Rechners zu sehen ist, wird auf die riesige Leinwand hinter der Rednerin übertragen. Und dort ist zu sehen, was die Kollegin mit dem gas­mas­ken­ähn­li­chen Trumm in ein Mikrofon geflüstert hat, was wiederum die Mehr-oder-weniger-Wie­der­ho­lung unseres Dolmetscherinnenoutputs ist.

Ein sehr komisches Gefühl ist es, zu dolmetschen und parallel die eigenen Wörter vor der Nase in Textform aufscheinen zu sehen, wobei die zweite Schrift­dol­met­sche­rin die Korrektorin dessen war, was die Textverarbeitung "Dragon Naturally Spea­king" aus der gesprochenen Sprache gemacht hat.

Nach einem kurzen Moment der Faszination zwinge ich mich dazu, nicht auf die Monitorabbildung zu sehen, es hätte mich zu sehr irritiert. Die Rednerin spricht an­fangs langsam, sie merkt, dass es ganz gut klappt, dann wird sie immer schnel­ler, am Ende rast sie durch die Gedanken. Es wird für uns als Team immer schwie­ri­ger, ihr zu folgen. Die Sachen mit den zeitversetzten Lachern kennen wir — erst la­chen alle, die dem Originalton folgen können, später jene, die auf die Über­tra­gung angewiesen sind. Nur dauert der Zeitverzug hier deutlich länger.

Am Ende sind wir einigermaßen mit dem Ergebnis zufrieden, das Publikum ist begeistert. Was sind die Lehren, die wir daraus gezogen habe?


Notizen zum verschrifteten Sprachdolmetschen
— Es ist unabdingbar, dass sich zuvor Redner und Dolmetscher treffen. Rede und Übertragung derselben ist hier noch mehr als sonst Teamarbeit. Ohne Team­bil­dung kein Team.
— Tage bzw. Stunden vorab müssen Informationen zur Rede fließen (hier gab es drei Wortpaare ohne jeden Kontext).
— Am besten wäre es, einen Probelauf zu machen, damit der Redner ein Gespür für den Zeitverzug erhält.
— Es ist sicher gut, das Publikum zu Beginn der Veranstaltung über den Vorgang zu informieren.
— Die "Gasmaske" der Schriftdolmetscherinnen hat sich als ziemlich effizient er­wie­sen, das Dolmetschen wurde davon nicht behindert, was auch an den sons­ti­gen Um­ge­bungs­ge­räuschen gelegen haben mag, die recht präsent waren. Wie das Team am besten räumlich anzuordnen ist, beobachten wir beim nächsten Mal.

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Foto: Pierre-Jerôme Adjedj

Mittwoch, 10. Januar 2018

Königskuchen

Bienvenue auf den Seiten einer Sprachar­bei­te­rin. Wie Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakes­peares nur als Ausgangssprache). 

Figuren und Streichholz
Größenvergleich
Der Jahreslauf hat seine fes­ten Termine. Den Drei­kö­nigs­tag feiert die fran­zö­sisch­spra­chi­ge Welt mit dem Ver­zehr des Kö­nigs­ku­chens, la galette des rois, in den eine Figur ein­­ge­­backen ist. Ich ha­be schon 2014 genauer da­von be­rich­tet.
Dieser Usus wird auch in Ber­lin ge­pflegt. Sofern ich Zeit (und keine Grippe) habe, neh­me ich daran teil.

Nach vielen Jahrzehnten ohne Treffer bekam ich dieses Jahr zwei Figürchen, ob­wohl ich nur anderthalb Stückchen Kuchen ge­ges­sen habe. Wer die Figur in seinem Kuchen hat (in jedem gibt es eine), der oder die ist Königin oder König. Ich bin also eine Anderthalbkönigin.

Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber mir hat jemand mal erzählt, dass mancherorts der König/die Königin am Ende die Zeche zu zahlen hatte. Ursprünglich sei das Fi­gür­chen gar keines gewesen, sondern eine trockene Saubohne. Der Weg von der Saubohne hin zu den Porzellanfiguren könnte so erklärbar sein: Eine Saubohne kann so mancher arme Schlucker ... verschluckt haben, um sich neben dem Ruhm auch der Pflicht zu entziehen. Ein Porzellanfigürchen lässt sich eher nicht einfach so verschwinden lassen.

Bei den Berliner Zusammenkünften gilt die Regel mit dem Zechezahlen nicht. Wie gesagt, noch nie hatte ich das Figürchen gezogen. Daher stellt sich mir erstmals die Frage, ob diese Figürchen eigentlich ein Omen für das Jahr sind? Dann be­kom­me ich heuer einen entspannten Mann und eine Muslima mit Buch und Bart.

Draufsicht: Servietten als Hintergrund, Taschenlampe als Zusatzlicht usw.
Im lichtarmen Januar nicht einfach zu fotografieren
In der französisch­spra­chi­gen Com­mu­ni­ty Berlins fühle ich mich sehr wohl. Ich berichte Freundinnen von einem be­vor­ste­hen­den Einsatz, wo ich öffentlich ins Deutsche dol­met­schen werde. Eine frühere Dozentin der Uni fragt mich spontan: "Warum neh­men die denn da keine Deutsch-Mut­ter­sprach­le­rin?", lacht und sagt: "Ich vergesse immer, dass Französisch deine dritte Sprache ist."


Vokabelnotiz
tirer des Rois — Könige "ziehen"
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Fotos: C.E.

Dienstag, 9. Januar 2018

Motorik

Seit mehr als zehn Jah­ren ver­öf­fent­li­che ich hier in lo­ser Fol­ge klei­ne Mo­men­te aus dem Über­set­zer- und Dolmetscheralltag. 

Randnotiz: Beim Schreiben mit der Hand kommt noch die alte Rechtschreibung durch; beim Schreiben mit der Tastatur sitzt die neue Rechtschreibung fest.

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Foto: folgt

Sonntag, 7. Januar 2018

Durchatmen

Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. Der Sonn­tag gehört dem Sonntagsfoto, das auch privat sein darf.
 
Kresse, Blumen, Glasobjekte
Stilleben
Gebratener Chicorée, Kar­tof­fel-Lauch-Sup­pe mit frischer Kres­se und dazu Möhrensalat, die blühenden Hyazinthen auf der Fensterbank, später ein Spaziergang und Fünf-Uhr-Tee, so einfach sind manche guten Dinge des Lebens. Nach und vor großen An­stren­gun­gen liebe ich den kleinen Ra­dius. Da schaltet etwas auf Sparflamme und Schonung, um Kraft zu sammeln.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Anfang Januar

Im elften Jahr bloggt hier eine Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin mit den Arbeitssprachen Französisch, Deutsch und Englisch (nur Ausgangssprache). 

In Berlin setzt derzeit um drei die gefühlte Dämmerung ein. Das ist ebenfalls ge­fühlt kurz nach dem Aufstehen. Seit gestern müssen die Kinder schon wieder in die Schule, obwohl sie wie die Alten auch noch im Feiertagsjetlag stecken.

In meiner Kindheit hatten wir mehr Tage zur Zeitumstellung und zum Rodeln. Aber da die Stadt ja ohnehin schnee- und eisfrei ist, passt das ja. Frühjahrsgewitter und -sturm verwirren zusätzlich noch das Zeitempfinden.

Im Büro ist es ruhig. Die beste Zeit, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten.

Lesende inmitten von Büchern
Ungestörtes Lesen
Hinzu kommt einige Pro­jekt­kor­res­pon­denz. Bei jeder zweiten Mail, die ich schrei­be, erhalte ich eine au­to­ma­ti­sche Ab­we­sen­heits­ant­wort. Diese lösche ich unbesehen, sollte meine Nachfrage nicht dringend gewesen sein.
Nein, ich möchte nicht wis­sen, wie lange Fest­an­ge­stell­te ohne Kinder derzeit im Ur­laub sind.

Berlin fühlt sich ähnlich leer an. Die Touristen sind weg, die Familien wie gesagt wieder da, alle anderen scheinen sich irgendwo zu sonnen, Piste oder Insel, ist mir doch egal. Ich gönne den anderen ihre Auszeit und arbeite dann mal ruhig weiter.

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Foto: Eigenes Archiv

Mittwoch, 3. Januar 2018

Anfrage

Was sich im Büro einer Spracharbeiterin so zuträgt, dürfen Sie hier mitverfolgen, wenn ich nicht aus dem Inneren der Dolmetscherkabinen berichte. Hallo und guten Tag auf meinen Blogseiten. Ich bin Französischdolmetscherin und übersetze auch aus dem Englischen.

Auf dem Sekretär
Das Telefon läutet am späten Nachmittag, ich bin knapp mit der Zeit und vertage das Ge­spräch auf den nächsten Mor­gen.
Irgendwie muss ich mich da­bei sehr um­ständ­lich aus­ge­drückt h­aben; der An­ru­fer riss mich aber auch aus den tiefs­ten Ge­dan­ken raus.

Die Kollegin: "Was war denn das?"

Ich: "Ach, ich hab grad 'ne Eheschließungsanfrage reingekriegt."

Kollegin: "Wer will DICH denn heiraten?"

Witze, die erklärt werden, sind keine. Auf die Gefahr hin, hier das Kleingedruckte: Wir dolmetschen auch im Standesamt.

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 2. Januar 2018

Mit uns können Sie rechnen!

Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Spracharbeiterin und berichtet über die Arbeit der Konferenzdolmetscher und Übersetzer.

Alte Rechenmaschine und Feiernde im Büro
Gutes Neues!
Seit elf Jahren blogge ich hier regelmäßig, seit über einem Dutzend Jahren dol­met­sche und übersetze ich haupt­be­ruf­lich. Über die Jahre ent­stand ein solides Netzwerk, ein fröhliches Team aus Kol­le­gin­nen und Kollegen, mit de­nen wir schon manche in­ter­na­tio­nale Konferenz ge­rockt haben.

Mit uns können Sie rechnen!

Für dieses noch recht Neue wünschen wir Gesundheit, Gelassenheit und Glück!

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Foto: Eigenes Archiv

Sonntag, 31. Dezember 2017

Gestankequinox

Den subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier im 11. Jahr. Heute habe ich noch ein Gutachten geschrieben, dann die Bude zu­ge­macht.

Equinox bezeichnet die Tag- und Nachtgleiche. Das ist in ziemlich genau drei Monaten. Einige Tage nach dem anderen Wendepunkt habe ich indes in Berlin den Luftequinox feststellen müssen. Aus der Kü­che riecht es nach Bouletten, die der Mitbewohner in rauen Mengen brät. Beim Versuch des Lüftens dringt eine Luft herein, die Schwarzpulver, Arsen, Blei, Stron­tium­salze und sonstige Delikatessen enthält. In Sachen Feinstaubbelastung ent­spricht Sil­ves­ter zwei Monaten Stra­ßen­ver­kehr, steht heute in der Zeitung.

Mich begeistert beides nicht. Das Silvestergedöns, das sich die Deutschen dieses Mal etwa 120 Millionen Euro kosten lassen, geht mir mächtig auf die Senkel. Dazu kommen die Folgekosten: Jedes Jahr gibt es Verletzte und Tote, Zerstörungen an Haus und Baum. Auch Tiere leiden. Ich muss an einen Neujahrsmorgen irgendwann in den frühen Nuller Jahren denken, als bei Freunden die Katze des Hauses tot un­term Küchentisch lag; sie hatte sich mit Herzinfarkt verabschiedet. Heute müs­sen wir in Berlin leider immer öfter beobachten, dass Feuerwerker auf Men­schen zie­len, auf Passanten, Krankenwagen oder Polizeiautos.

Schützengraben des modernen Straßenkampfs
Was müssen Menschen von dem Ganzen halten, die ei­nen heißen Krieg mit Stra­ßen­kämp­fen erlebt haben? Das klingt ja verdammt ähn­lich ... Und ich kann die Knal­ler­wer­fer nicht verstehen, dass sie so viel Geld an­zün­den, wobei es in eher ein­fa­chen Wohn­vier­teln nicht stiller als in den Quartieren der Wohl­ha­ben­den zugeht. Das Gegenteil ist hier lei­der der Fall.

Die Niederlande haben die Schießerei von Privat verboten. Ich begrüße das. Normalerweise habe ich nichts gegen Feuerwerk: Vor einigen Jahren habe ich in Mar­seille wunderbar orchestrierte Lichtmalereien sehr genossen. Das ist was an­de­res. Da wird auch der Müll immer gleich eingesammelt. Jetzt dürfen in Berlin al­le wie­der wochenlang im Slalom um Ballerschrott und Adventsüberbleibsel he­rum­lau­fen, die Stadt erweist sich bei solchen Themen immer als zuverlässig unfähig. Nein, ich bin kein Fan von Silvester. Guten Rutsch wünsche ich trotzdem!

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Foto: Stijepo Pavlina (Danke!)

Sonntag, 24. Dezember 2017

Fröhliches Fest

Was Übersetzer und Dolmetscher beschäftigt, können Sie hier mitlesen. Seit vielen Jahren berichte ich über den Beruf und meinen sprachbetonten Alltag. Sonntags werde ich privat: Sonntagsfoto!

Dieses Bild gefällt mir besonders: Frohes Fest!


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Foto: Eigenes Archiv

Montag, 18. Dezember 2017

Museum der Wörter 20

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Heute im Wörtermuseum: Politik!

Einem gewissen Amerikaner ist eingefallen, bestimmte Wörter auf den Index setzen zu lassen mit der Empfehlung, sie seltener zu verwenden.

Denkende Menschen machen das Gegenteil.
       
                                V
ulnerable, entitlement,
                                diversity, transgender,
                                fetus, evidence-based,
                                science-based

   

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Idee: H.F.

Sonntag, 17. Dezember 2017

Wintergrün ...

Bienvenue auf den Seiten einer Sprachar­bei­te­rin. Wie Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakes­peares nur als Ausgangssprache). Heute: Sonntagsbild!

Kieferzweige, geschmückt
Mit selbstgebastelter Aufhängung
"Wintergrün" ver­kauft ein tür­ki­scher Blu­men­la­den. Das ist politisch hoch­kor­rekt. Das Grün tut den Augen gut und duftet schön. Im Strauß hängen al­te Glas­ku­geln und Elfenbeinfigürchen, u.a. die dicke Bud­dha­fi­gur mit En­gels­flü­geln, weib­li­chen Brüsten und ei­nem ve­ri­ta­blen Bauch­na­bel.
Ein in­ter­kul­tu­relles Advents­ge­steck in Neu­kölln ...

Und für die Auf­hän­gung ha­be ich in mei­ne Schub­la­den für die Schmuck­ge­stal­tung ge­grif­fen und et­was Neu­es er­fun­den.

Außerdem ist das eine heidnische Tradition: Grünpflanze auswählen und so de­ko­rie­ren, dass sich möglichst viel Licht darin spie­gelt. Ich wünsche allseits schöne, geruh- und erholsame Frühwintertage!

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Foto: C.E.

Freitag, 15. Dezember 2017

Generalbass

Bonjour und guten Tag, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Heute, was gestern Abend geschah.

Sprechende Hände, kariertes Tischtuch, Gläser, Flaschen
Sprechende Hände
Wir sitzen an zwei zu­sam­men­ge­scho­be­nen länglichen Tischen, vier Dis­ku­tan­ten, eine Moderatorin und ich als Dolmetscherin, hinter uns ei­ne Leinwand mit den ge­beam­­ten Lo­gos der Ver­an­stal­ter. Die Diskussion findet in Räu­men einer Hochschule statt, also warten wir eine Vier­tel­stu­nde, denn im deut­schen aka­de­mi­schen Be­trieb schla­gen die meisten c.t. auf.

Dieses Viertelstündchen später war für Franzosen und für mich, die ich in Frank­reich studiert hatte, übrigens anfangs neu. Aber alles ist eine Frage der Übung. Genauso, wie sich im labyrinthischen Hauptgebäude der Freien Universität zu Ber­lin zurechtzufinden. Wir warten also. Ich denke an das, was ich liegenlassen musste, um genügend Zeit fürs Raumfinden zu haben. Andere schienen auch das eine oder andere aufgeschoben zu haben. Letzte SMS werden verschickt.

Dann legt die Moderatorin los. Sie begrüßt alle, stellt das Panel vor. Gleich kommt mein Einsatz, ich dolmetsche nur die französische Ge­sprächs­teil­neh­me­rin ins Deut­sche. Plötzlich höre ich Stereo. Indes, es sind nicht die gleichen In­for­ma­tio­nen. Von links die sopranhelle Stimme der Moderatorin, von rechts ein Ge­ne­ral­bass — Magengrummeln! Wir tauschen Blicke im Dreieck, Moderatorin, Diskutantin und Dolmetscherin. Leider habe ich nichts mehr in der Tasche, ges­tern auf der Rück­fahrt im Regionalzug musste die eiserne Reserve dran glauben (eine Frucht­schnit­te).

Später dann die rettende Mahlzeit beim Italiener, allerdings war das dann mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der nächsten Diskussionsrunde, zu der ich ge­eilt bin, um eine Kollegin bei Bedarf zu entlasten. In der Diskussion in der Uni ha­ben wir alle übrigens den Grundton irgendwie weggefiltert, genauso wie das Grund­sur­ren des Beamers, beides fiel irgendwann nicht mehr auf.

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Foto: C.E.

Dienstag, 12. Dezember 2017

Kühner Strich

Fortsetzung zu vorgestern, allerdings um 4.13 Uhr ...

Der Traum malt, setzt mit kühnen Pinselstrichen große Farbflächen auf die Lein­wand, die Dolmetscherin dolmetscht, sieht genauer hin, kichert und wacht auf.

"Vom Schlaf 'gezeichnet'" hab ich mir immer anders vorstellt, nämlich mit Kis­sen­mar­ken auf der Backe.

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Bild: folgt

Montag, 11. Dezember 2017

Goldnuggets

Wie Dol­met­scher und Über­set­zer ar­bei­ten, kön­nen Sie hier mit­lesen. Also wie ich als Französischdolmetscherin und -übersetzerin arbeite und lebe, aber ich glau­be, ich führe ein ziemlich durchschnittliches, halbwegs aufregendes Sprach­ar­bei­te­rin­nen­le­ben. Was uns alle eint: Wir schauen den Leuten aufs Maul. In Berlin-Neukölln explodieren die Immobilienpreise. Aufgeschnappt:

"Ihr Immofuzzis glaubt wohl, dass in Neukölln jeder dahergelaufene Straßenköter Goldnuggets scheißt!“ Die Hauswartsfrau, nicht mehr ganz jung an Jahren und mit ausreichend körperlichem Aplomb versehen, droht wütend mit dem Besen, als sie zwei jüngere Männer, Anzug, Krawatte, teuere Budapester-Schuhe und viel Gel im Haar, vom Hof jagt.

Später sagt sie zu einer Nachbarin: „Die ham ausjesehen wie die Zeugen Jehovas. Ich jloob, die Sektenheinis war’n mir lieber!“

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Foto: wird nachgeliefert

Sonntag, 10. Dezember 2017

Zeichnen üben ...

Wir Dolmetscher und Übersetzer erarbeiten uns regelmäßig neue Themenfelder. Dieser Tage ist es mal wieder Kunstgeschichte. Ich habe irgendwie keine Lust nur auf Theorie. 

... und Vokabeln wie Schraffur, gepunktete Linie, Vordergrund, Hintergrund und ach so viele mehr wiederholen oder lernen, am besten mit einem kleinen On­line­kurs in Sachen Portraitzeichnen, um Handgelenk und Hirn zu lockern. Hier mein erster Versuch, mal eben so aus der "Lamäng", wie die Berliner sagen.

Bleistiftzeichnung: Mann und Mädchen
Drei, vier Regeln lernen, dann kann jede und jeder so zeichnen
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Illustration: C.E.

Samstag, 9. Dezember 2017

Film mit Dolmetscherinnen

Seit mehr als zehn Jah­ren ver­öf­fent­li­che ich hier in lo­ser Fol­ge klei­ne Mo­men­te aus dem Über­set­zer- und Dolmetscheralltag. Die Anfänge meines Berufslebens lie­gen in der Medien- und Filmarbeit. Heute bin ich auch in der Politik, für Wirt­schaft, Wissenschaft und Privatkunden tätig.

Bravo, Maria Schrader! Heute Abend wurden in Berlin die Europäischen Filmpreise verliehen. Der diesjährige Publikumspreis für den besten Europäischen Film ging an ihren Film "Vor der Morgenröte" über Stefan Zweig.

Eine winzige Kleinigkeit, unseren Berufsstand betreffend, am Rande: In diesem Film sind einige Dol­met­sche­rin­nen live und in Farbe zu sehen. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei nicht um Schauspielerinnen. Auch sonst ging Ma­ria Schrader, die vom Schauspiel zur Regie kam, in dieser Arbeit auffällig sen­si­bel mit Sprache um.

Maria Schrader zu ihrem Film: "Wir mussten lange darum kämpfen, diesen Film ma­chen zu dür­fen und ihn fi­nan­ziert zu bekommen, denn es hieß immer: 'Das Pub­li­kum hasst Untertitel'. Vielen Dank, Publikum, für diesen Preis!"

Filmbild: Interview
Flüsterdolmetscherinnen bei einem Interview
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Foto: X-Verleih (Screenshot)

Freitag, 8. Dezember 2017

Schwurbular

Den subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier im 11. Jahr. Vor dem Einsatz bereiten wir uns intensiv vor. Dabei sind Fach­wör­ter­lis­ten zu erstellen und Redeweisen zu beachten. Das klingt nach viel Arbeit. Aber es gibt Rettung.

Was mir diese Woche akut wieder eingefallen ist: Die Studie, nach der das Mathe­hirn im Fuß steckt. Es geht um die Korrelation, dass Menschen mit Schuh­grö­ße 29 selten gut rechnen können.

Biedermeierfräulein
Biedermeierfräulein
Ansonsten hatten wir wieder es erneut mit viel Schwur­bu­lar zu tun. Unter dem Be­griff sammele ich Schwurbelbegriffe wie "Tendenz zu", "neigt", "legt die Ver­mu­tung nahe", "die Studie erlaubt die In­ter­pre­ta­tion, dass ...". Solche Ausdrücke muss un­ser­ein­er in der Übersetzung pau­ken. Ich mag derlei nicht, aber es ist leider Be­rufs­all­tag.
Dazu sagt ein Bekannter "Konkunktivitis", weil es dann immer schön im Konjunktiv weitergeht. Ehe ich mir hier jetzt von derlei Hässlichkeiten noch eine Au­gen­ent­zün­dung hole, denke ich lachend an die Feststellung, dass Menschen, die in der Nase bohren, ihre Hände häufiger in der Nähe ihres Gesichtes haben.

Und ich erhole mir die Augen beim Betrachten eines schöner Bilder. Die Parole lautet: "Mehr Kunst!"

Am Abend sendet mir eine Nonne einen Vortragstext zu einem Künstler. Sie lässt uns an ihrem "Work in Progress" teilhaben, wird drei Fassungen senden, damit wir Zeit haben, uns vorzubereiten. Ich nenne das charmant.

Die kunstgeschichtliche Tagung nächste Woche, die letzte Konferenz des Jahres, wird frei sein von Schwur­bu­lar. Bis dahin heißt es: Das Gegenteil davon, nämlich Fachvokabular pauken. Sich weiterbilden. Die Stadt und unsere Zeit mit anderen Augen sehen.

Tipps dazu für dieses Wochenende:
⊗ Jüdisches Museum zu Berlin, Sonntag letzter Öffnungstag vor Umgestaltung der ständigen Ausstellung. Das Museum lebt ja von der Spannung zwischen Ar­chi­va­lien, den vielen Kulturzeugnissen jüdischen Lebens in Berlin, und der Architektur, die derzeit hinter den Exponaten stark in den Hintergrund tritt. Das soll nach der Neuausrichtung anders sein.
⊗ Gaslaternenweihnachtsmarkt der Vereine, Verbände und Kunsthandwerker in Rixdorf (Berlin-Neukölln).
⊗ British Pathé hat einige hundert Filme online gestellt, breit durch den Ge­mü­se­gar­ten: Filmerbe, News, bunte und vermischte Nachrichten vergangener Tage. Zu finden sind sie auf YouTube, sie stammen aus den Jahren von 1896 bis 1976 und sind thematisch sortiert. Ich bin über Claude Monet auf diese Goldmine gestoßen.

Heiner_Mueller_Denn_das_Schoene_bedeutet_das_moegliche_Ende_der_Schrecken
Von der Pinnwand

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Baulärm

Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. Dol­met­scher und Übersetzer haben oft empfindliche Ohren.

Berlin soll schöner werden. Jetzt wird es erstmal lauter und teurer.

Bauarbeiter fährt Schubkarre vom Baustellenaufzug weg Richtung Dachausausbau
Jeden Morgen springt 6.50 Uhr der Baustellenaufzug an
Einst, als ich noch Ra­dio­jour­na­lis­tin war, wurde mir ein­mal die fragwürdige Ehre zu­teil, von der eigenen Stim­me geweckt zu werden. (Die Erklärung des Kunststücks: Ra­dio­wecker und Pro­gramm­austausch.)

Unlängst wur­de ich von Bau­lärm in Qua­dro­pho­nie wach, was wirk­lich nicht schöner ist.

Oben bzw. im Hinterhof wird ein Dach ausgebaut, unter mir mit dicken Holzbalken ein Kinderzimmer provisorisch geteilt (die Leute haben kein Geld für größere Wohnungen, ein zusätzliches Zimmer kostet durch die Mietpreisexplosion immer gleich 1000 Euro mehr), in der Nachbarwohnung wurde der Estrich aus der Woh­nung gepresslufthämmert, da die Billigsanierung des Bades dazu geführt hatte, dass Wasser hinter die Fliesen gelaufen war und die Wand schimmlig wurde ... und im Nachbarhaus durften Bauarbeiter Löcher in die Wände reißen zur Verlegung einer Eta­gen­hei­zung.

Ohropax, du Friede meiner Lauscher, was wäre ich ohne dich? Zur Entschädigung gab es echtes, schönes, gutes Wetter mit Licht. Was wir uns in den dunklen Mo­na­ten in Berlin ja im Kalender anstreichen.

Später, im Büro, haben wir uns mit Handzeichen verständigt und das Te­le­fon­klin­geln überhört.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Museum der Wörter 19

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Heute im Wörtermuseum: Etwas zur Jahreszeit.
       
                                S
tanniolpapier

   
Schokoladennikolaus im Walnussglas
Schöne Morgendeko
Was ein wackerer Schokoladennikolaus ist, trägt eine Robe aus Stanniolpapier. Ein solches Wesen hat mich heute Morgen überrascht.
Stanniol war einst hauchdünn gewalztes Material, eine Bleisilberlegierung, später wurde Zinn verwendet. Die Fo­lie wird wie heute das Aluminium zum Verpacken genutzt. Alu ist billiger, Stan­ni­ol kommt kaum noch vor. Um in der Jahreszeit zu bleiben: Lametta ist noch aus Stanniol.

Das Wort kennen heutige Youngsters nicht mehr. Ich kenne es von meinen Groß­müt­tern.

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Idee: H.F.
Foto: C.E.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Walnüsse

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Fran­zö­sisch­dol­met­scher und -übersetzer haben ver­mut­lich einen eigenen Blick auf die Welt, und meiner ist nochmal anders. Ich schreibe hier mein subjektives Arbeitstagebuch und werde gelegentlich auch allgemein ...

Walnüsse, Tannen- und Elchminiaturen, geschliffenes Glas
Leckere Weihnachtsdeko
Sie kommen bei uns vom Bauernmarkt oder aus dem Garten von Bekannten: Wal­nüs­se! Und was von der Form her aussieht wie ein kleines Gehirn, ist auch für das Ge­hirn besonders kostbar.

Dieses "Brainfood" enthält viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6), über die sich zu­dem das Herz freut.

Darüber hinaus sind Walnüsse ein Lieferant diverser Spurenelemente (Eisen, Zink, Schwefel und Magnesium), Aminosäuren (gut für die Gefäße), Mineralstoffe und B-Vitamine.

Es wird der tägliche Verzehr von einer Handvoll dieser Nüsse empfohlen, das sind etwa 30 Gramm bzw. 200 Kalorien. Hier geht es zur Nährwerttabelle.

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Foto: C.E.

Samstag, 2. Dezember 2017

Dostojewski-Übersetzerin

Bonjour und guten Tag, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Heute folgt hier ein eiliger Link.

Das sehr anrührende Filmportrait über die literarische Übersetzerin Swetlana Geier (1923-2010), "Die Frau mit den fünf Elefanten", läuft nur noch heute in der 3Sat-Mediathek.

Sichtungslink: klick! Dokumentarfilm von Vadim Jendreyko, Deutschland/Schweiz 2009.

Zwei Menschen bei der Textarbeit
Leise und laut lesen im Team
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Foto: Cineworx (Schweiz)