Als Dolmetscherin und Übersetzerin wechsele meine Arbeitsorte wie die Kleidung: Der Anzug für die Hinterzimmer des politischen Arbeitslebens, Jeans und Jackett fürs Kino. Neulich, nach einer Filmvorführung ...
Mich durchzucken heiße Schreckensblitze: Ich verstehe nicht, was der Filmemacher sagt. Was mache ich gleich mit diesen Aussagen? Dann beruhige ich mich wieder, denn zum Glück bin ich als Moderatorin engagiert und nicht als Dolmetscherin. Ich moderiere gerne weiterhin für diverse Festivals, denn in meinem ersten Beruf habe ich einstmals ja Journalistin und Moderatorin gelernt. So übe ich weiterhin Kenntnisse und Fähigkeiten, um sie weiterzuentwickeln, statt sie zu riskieren.
Als der junge Mann auf dramaturgische Ansätze eingeht, während er über seinen Erstlingsfilm spricht, geht ein ordentlicher Landregen an englischen Begriffen auf uns nieder. Manche Wörter sind perfekt ausgesprochen. Andere klingen eingedeutscht oder sind verkürzt. Das erschwert das Verstehen. Sehr beliebt bei ihm: Ein englisches Substantiv, das Verb auch dem Englischen entlehnt und nach den Regeln deutscher Grammatik gebeugt.
Eins ist klar, ich kann nicht nachfragen: "Was haben Sie mit dem Dings nochmal gedingst?" Das Publikum besteht zum großen Teil aus Leuten vom Filmteam und aus seinem Studium. Ich scheine die einzige zu sein, deren Hirn zwischendurch im Nebel stochert.
Die Geschichte sei kein story bender, meint er daraufhin, wenig später ist vom mind bender die Rede. Bender heißt laut Wörterbuch Biegemaschine, Biegevorrichtung. Ich denke heute noch nach, was er uns sagen wollte. Zwischendurch frage ich doch nach, und er erklärt weiter dramaturgische Überlegungen, erläutert das Wort aber leider nicht.
Einen anderen Begriff übertrage ich dann wenigstens in der Überleitungsmoderation, nur drei Tage im Voraus hätte man Zeit für cold reading gehabt, also nur drei Tage "Leseprobe". Und dann geht's fröhlich weiter mit den nächsten Begriffen, zum Teil aufeinander bezogen. Und warum muss man babbitt sagen und damit den "Spießer" oder "Spießbürger" vermeiden? Und "die Szene im diner" ist "die Szene im Schnellrestaurant". Aber Wörter wie Schnellrestaurant sind sicher nur was für Spießbürger.
Schließlich (und nicht am Ende des Tages) recherchiere ich die Vita des jungen Mannes. Er wurde in den späten 1980-ern in Deutschland geboren und nein, entgegen meiner Vermutung ist er nicht eben gerade von einem einjährigen USA-Aufenthalt zurückgekehrt. In einigen höheren Bildungsanstalten der narrativen Bilderproduktion unseres Landes scheint man heutzutage so zu formulieren. Ich muss mich mal wieder als Gasthörerin dort zurückmelden. Denn sowas könnte durchaus bei einem Dolmetscheinsatz passieren — so sind wir noch nicht aus dem Wald heraus (we are not out of the woods yet). Irgendwann, so meine Hoffnung, wird es wieder besser werden; nach jedem Gewitter klart es wieder auf. Ja, ich sehe schon einen Lichtstreif am Horizont.
Vokabelnotiz (vom Kinoschmierzettel)
schwäbische Maultaschen — german ravioli (im Untertitel)
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Foto: folgt
ÜBERSETZEN IST HANDWERK, DOLMETSCHEN IST MUNDWERK
Caroline Elias, Dolmetscherin für Deutsch und Französisch in Berlin
· Konferenzen · Politik und Wirtschaft · Wissenschaft · Medien · Delegationsreisen ·
Was ich anbiete
Freitag, 13. April 2018
Donnerstag, 1. März 2018
RENOVIRUNG
Willkommen auf den Blogseiten einer Dolmetscherin und Übersetzerin.
Im zwölften Jahr schreibe ich hier über meinen Berufsalltag.
Die Berlinale war dieses Jahr für mich vor ihrem Ende schon zu Ende, solche Dinge passieren. Jetzt geht dieser Blog in eine kleine Winterpause — aus technischen und gesundheitlichen Gründen. Und dann wird im Frühjahr weiter renoviert, nicht diese Webseite hier, sondern das Büro.
Das Platzhalterbild finde ich höchst passend. Ich wünsche bestes Wohlergehen ... und bleiben Sie mir gewogen! (Und zur Vereinbarung oder Planung von Terminen nutzen Sie bitte wie üblich Digitalpost oder Telefonie.)
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Foto: C.E.
Im zwölften Jahr schreibe ich hier über meinen Berufsalltag.
Die Berlinale war dieses Jahr für mich vor ihrem Ende schon zu Ende, solche Dinge passieren. Jetzt geht dieser Blog in eine kleine Winterpause — aus technischen und gesundheitlichen Gründen. Und dann wird im Frühjahr weiter renoviert, nicht diese Webseite hier, sondern das Büro.
Das Platzhalterbild finde ich höchst passend. Ich wünsche bestes Wohlergehen ... und bleiben Sie mir gewogen! (Und zur Vereinbarung oder Planung von Terminen nutzen Sie bitte wie üblich Digitalpost oder Telefonie.)
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| Gesehen in Neukölln |
Foto: C.E.
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen,
Sprachschatz
Donnerstag, 22. Februar 2018
Soundcheck in der Berlinale-WG
Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mitten in ein
Arbeitstagebuch hineingeraten, in dem sich alles um Sprache,
Dolmetschen, Übersetzen und Kulturen dreht. Als freiberufliche
Sprachmittlerin arbeite ich in Paris, Berlin, Toulouse, Frankfurt
und dort, wo man mich braucht.
In Cafés zu laut gestellte Musik moniert bitteschön wer? Die Filmmischmeisterin oder eine Dolmetscherin. Im allgemeinen Barbarhabarber (auf Französich le brouhaha) vor dem Kinoeinlass, irgendwo dudelt "Muzak", also Aufzugsdudelei, brummen, summen und klingeln Mobiltelefone: Wer hört das und weist ihre Eigentümer darauf hin? Die Vorgenannten.
Der Kompressor des neuen Kühlschranks klingt so, als würde eine Maus einen Frosch verdauen, es quietscht und quakt leise. In der Berlinale-WG sitzen zwei akustisch Hochsensible, schauen sich an und prusten los. (Zumal die anderen, die nicht mit Tönen und Worten zu tun haben, in den letzten Tagen wiederholt bekundet haben, nichts Auffälliges zu vernehmen.)
Unsere Generation ist nicht mit Smartphones und Dauerbeschallung via Kopfhörer aufgewachsen; von uns hören nur jene schlecht, die laute Musik gemacht oder konsumiert haben. Die Jüngeren aber haben in der Regel schon früh deutliche Hörschäden. Das führt nicht nur zu Kommunikationsproblemen, wir hatten schon Leute vor der Dolmetscherkabine stehen, denen die einstellbare Maximallautstärke der Empfangsgeräte nicht gereicht hat, sondern auch zu erhöhten Gesundheitskosten. Damit geht es die Allgemeinheit an. Fachleute warnen seit Jahren. Und es passiert ... nichts.
Unsere Politik braucht dringend weitere Vorsorgeprinzipien, denn im Alltag von Mehrheitengewinnung und Machterhalt geht zu viel verloren. Diese sollten die Gesundheit von Mensch und Umwelt im Auge haben. Ein Verfassungsparagraf, der Mutter Natur eigenständige Rechte zuweist, eine Kommission, die dieses überwacht, Gerichte, die schädigende Erfindungen und Verfahrensweisen aus dem Verkehr ziehen, das wär's. Es ist nur eine Frage der Zeit, und wir bekommen das. Und alle, die jetzt augenrollend "Bevormundung!" schreien, werden nach einiger Zeit mit diesen Regelungen diese loben.
So weise sind wir in der Berlinale-WG, wenn wir morgens zwischen halb eins und halb drei die Welt neu erfinden.
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Foto: C.E.
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| Blick über den Küchentisch in der Nacht |
Der Kompressor des neuen Kühlschranks klingt so, als würde eine Maus einen Frosch verdauen, es quietscht und quakt leise. In der Berlinale-WG sitzen zwei akustisch Hochsensible, schauen sich an und prusten los. (Zumal die anderen, die nicht mit Tönen und Worten zu tun haben, in den letzten Tagen wiederholt bekundet haben, nichts Auffälliges zu vernehmen.)
Unsere Generation ist nicht mit Smartphones und Dauerbeschallung via Kopfhörer aufgewachsen; von uns hören nur jene schlecht, die laute Musik gemacht oder konsumiert haben. Die Jüngeren aber haben in der Regel schon früh deutliche Hörschäden. Das führt nicht nur zu Kommunikationsproblemen, wir hatten schon Leute vor der Dolmetscherkabine stehen, denen die einstellbare Maximallautstärke der Empfangsgeräte nicht gereicht hat, sondern auch zu erhöhten Gesundheitskosten. Damit geht es die Allgemeinheit an. Fachleute warnen seit Jahren. Und es passiert ... nichts.
Unsere Politik braucht dringend weitere Vorsorgeprinzipien, denn im Alltag von Mehrheitengewinnung und Machterhalt geht zu viel verloren. Diese sollten die Gesundheit von Mensch und Umwelt im Auge haben. Ein Verfassungsparagraf, der Mutter Natur eigenständige Rechte zuweist, eine Kommission, die dieses überwacht, Gerichte, die schädigende Erfindungen und Verfahrensweisen aus dem Verkehr ziehen, das wär's. Es ist nur eine Frage der Zeit, und wir bekommen das. Und alle, die jetzt augenrollend "Bevormundung!" schreien, werden nach einiger Zeit mit diesen Regelungen diese loben.
So weise sind wir in der Berlinale-WG, wenn wir morgens zwischen halb eins und halb drei die Welt neu erfinden.
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Foto: C.E.
Kategorien:
#NoBerlinale,
Berlinale
Montag, 19. Februar 2018
Zeichenhaft!
Willkommen auf den Seiten meines digitalen Arbeitstagebuchs. Hier dreht sich alles
um Sprachen, Kulturen und das Vermitteln zwischen denselben. Dabei
schaue ich gelegentlich auch direkt auf die Unterschiede.
Kurze Worte und viel Interpunktion, sagt der Bürokollege gerade, würden mehr Leerzeichen ergeben! Soll das jetzt ein Tipp sein oder wie? Er schreibt und hat eine vorgegebene Leerzeichenobergrenze; ich übersetze und berechne am Ende, was hinten bei rauskommt.
Dieser Tage aber übersetze ich nicht, sondern akquiriere, dolmetsche Produzenten aufeinander zu, halte Kontakte, baue neue auf. Der Teil der Arbeit, der oft nicht von Leuten als solcher wahrgenommen wird, weil er in festlichen Rahmen mit einem Glas in der Hand stattfindet. (Das Bild evoziert den Champagnerkelch, meistens ist es jedoch ein Wasserglas.)
Die "13 Arten, ein Filmfestival zu dolmetschen" sind erstmal passé, weil die Berlinale auf Einfachenglisch als Lingua franca setzt. Bei Gesprächen der Filmwirtschaft und der Verbände gibt es auch immer wieder Bedarf, besonders dann, wenn es um Nuancen geht. Und dann ist da noch das Radio ... aktuell mehr das französische Radio als das Deutsche. (Wenn ich schon weniger arbeite, brauche ich leider andere Honorarsätze.)
So geht es dieses Jahr für mich sehr viel über die Filme der Weimarer Republik in der Retrospektive, andererseits beschäftigen mich die Filmprojekte, die dann möglicherweise auf der Berlinale 2022 laufen werden. Solch' einen Spagat hatte ich nicht.
Programmhinweis: Heute Abend läuft "Die Story im Ersten: Das Microsoft-Dilemma" über staatliche und öffentliche Verwaltungen von Helsinki bis Lissabon. Überall dort kommt die Software des US-Konzerns zum Einsatz, deren Angreifbarkeit uns letztes Jahr der Computervirus "Wanna Cry" nochmal drastisch vor Augen gerufen hat. Ein Film von Harald Schumann und Árpád Bondy, für die ich als Dolmetscherin, Übersetzerin und auch als Sprecherin tätig war. Leider kommt der Film um 22.55 Uhr, wird danach aber in der ARD-Mediathek abrufbar sein.
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Foto: Petra Hippler (von 2011)
Kurze Worte und viel Interpunktion, sagt der Bürokollege gerade, würden mehr Leerzeichen ergeben! Soll das jetzt ein Tipp sein oder wie? Er schreibt und hat eine vorgegebene Leerzeichenobergrenze; ich übersetze und berechne am Ende, was hinten bei rauskommt.
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| Knut Elstermann, Pierre-Yves Vandeweerd, Caroline Elias |
Die "13 Arten, ein Filmfestival zu dolmetschen" sind erstmal passé, weil die Berlinale auf Einfachenglisch als Lingua franca setzt. Bei Gesprächen der Filmwirtschaft und der Verbände gibt es auch immer wieder Bedarf, besonders dann, wenn es um Nuancen geht. Und dann ist da noch das Radio ... aktuell mehr das französische Radio als das Deutsche. (Wenn ich schon weniger arbeite, brauche ich leider andere Honorarsätze.)
So geht es dieses Jahr für mich sehr viel über die Filme der Weimarer Republik in der Retrospektive, andererseits beschäftigen mich die Filmprojekte, die dann möglicherweise auf der Berlinale 2022 laufen werden. Solch' einen Spagat hatte ich nicht.
Programmhinweis: Heute Abend läuft "Die Story im Ersten: Das Microsoft-Dilemma" über staatliche und öffentliche Verwaltungen von Helsinki bis Lissabon. Überall dort kommt die Software des US-Konzerns zum Einsatz, deren Angreifbarkeit uns letztes Jahr der Computervirus "Wanna Cry" nochmal drastisch vor Augen gerufen hat. Ein Film von Harald Schumann und Árpád Bondy, für die ich als Dolmetscherin, Übersetzerin und auch als Sprecherin tätig war. Leider kommt der Film um 22.55 Uhr, wird danach aber in der ARD-Mediathek abrufbar sein.
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Foto: Petra Hippler (von 2011)
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#NoBerlinale,
Berlinale,
Medien,
Merci beaucoup
Freitag, 16. Februar 2018
Schnapsklappe!
Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Spracharbeiterin und berichtet über die Arbeit der Konferenzdolmetscher und Übersetzer. Meine Fachbereiche sind Politk, Wirtschaft und Soziales, Kultur und Kino.
Der Beitrag heute geht auf Anschluss zum gestrigen. Seit elf Jahren blogge ich auf den Tag genau. Beim Film wird an solchen Geburtstagen die Klappe genommen, die vor den Aufnahmen geschlagen wird, um die Synchronizität von Bild und Ton abzusichern, und auf ihr ein Schnäpsken serviert.
Passt. Ich eile zur Arbeit am Potsdamer Platz. Auch unsichtbar ist viel zu tun: Spracharbeit in den Kulissen.
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Foto: folgt
Der Beitrag heute geht auf Anschluss zum gestrigen. Seit elf Jahren blogge ich auf den Tag genau. Beim Film wird an solchen Geburtstagen die Klappe genommen, die vor den Aufnahmen geschlagen wird, um die Synchronizität von Bild und Ton abzusichern, und auf ihr ein Schnäpsken serviert.
Passt. Ich eile zur Arbeit am Potsdamer Platz. Auch unsichtbar ist viel zu tun: Spracharbeit in den Kulissen.
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Foto: folgt
Kategorien:
Berlinale
Donnerstag, 15. Februar 2018
Fachjargon
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| In Spiegelschrift, was drin ist |
Neulich, vor der Haustür: Ein Filmteam blockiert alles. In der Bäckerei unten im Nachbarhaus entsteht eine Tatort-Folge.
Wir hatten geplant, an diesem Tag etwas zu transportieren. Der Kamera- und Licht-LKW steht genau dort, wo wir kurz zum Beladen stehen würden. Nur steht er wohl länger hier.
Aus der Notiz an die Bewohner geht eine Uhrzeit hervor. Ich kenne solche Angaben als Maximalzeiten.
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| Abladen |
Mir platzt der Kragen: "Guter Mann, ist das heute das einzige Motiv oder setzen Sie heute nochmal um?"
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| Bitte Ruhe, wir wollen drehen! |
Er zuckt zusammen, dann nestelt er den Arbeitsplan des Tages aus der Tasche. Die Fachvokabeln haben gewirkt.
Auf jeden Fall bis zum Abend, kein zweites Motiv, danke, bitte.
Fahren wir halt einen Tag später.
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Fotos: C.E.
Kategorien:
Sprache im Film,
Sprachschatz,
Wie wir leben
Mittwoch, 14. Februar 2018
Aschermittwoch
Hier bloggt eine Konferenzdolmetscherin und
Übersetzerin mit den Arbeitssprachen Französisch, Deutsch und Englisch
(allermeistens nur Ausgangssprache). Wir Spracharbeiter nehmen unsere Idiome gerne wörtlich.
Das hier ist ja kein öffentlich-rechtlicher Sender. Ich muss nicht politisch korrekt sein.
Das Foto von Montag hätte ich auch heute bringen können. Hier zeige ich nochmal einen Ausschnitt. Denn der heutige Tag erinnert mich an ein lustiges Missverständnis, von dem mir einmal eine Kollegin berichtet hat.
Sie hat nämlich jahrelang das "Ascher" vom heutigen Mittwoch als "Aschenbecher" verstanden ...
So wurde ein "Aschenbechermittwoch" draus. Ihr zufolge hätten die Karnevalisten am Mittwoch nach Rosenmontag Migräne und rauchten besonders viel. Und die Rosen seien ja wohl auch konkret zu verstehen.
Sprache wörtlich zu nehmen ist etwas, das typisch ist für uns Sprachenlernenden und -lebenden.
Was sie nicht wusste, bis wir es nachgeschlagen haben: Gemäß Duden geht das "Rosen-" des Montags auf einen "rasenden Montag" zurück und damit auf das niederrheinischen Wort "rosen" für rasen und toben, also für das Größtmaß an Ausgelassenheit.
Und zu "Aschermittwoch" lese ich das da: "Die Bezeichnung Aschermittwoch kommt von dem Brauch, im Gottesdienst am Aschermittwoch die Asche vom Verbrennen der Palmzweige des Vorjahres zu segnen und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen." (Quelle: educalingo)
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Foto: Archiv (und nicht meine Mutter,
die hier hinter mir versteckt ist)
Das hier ist ja kein öffentlich-rechtlicher Sender. Ich muss nicht politisch korrekt sein.
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| Im Wort "Rauchende" steckt Rauch-Ende drin |
Sie hat nämlich jahrelang das "Ascher" vom heutigen Mittwoch als "Aschenbecher" verstanden ...
So wurde ein "Aschenbechermittwoch" draus. Ihr zufolge hätten die Karnevalisten am Mittwoch nach Rosenmontag Migräne und rauchten besonders viel. Und die Rosen seien ja wohl auch konkret zu verstehen.
Sprache wörtlich zu nehmen ist etwas, das typisch ist für uns Sprachenlernenden und -lebenden.
Was sie nicht wusste, bis wir es nachgeschlagen haben: Gemäß Duden geht das "Rosen-" des Montags auf einen "rasenden Montag" zurück und damit auf das niederrheinischen Wort "rosen" für rasen und toben, also für das Größtmaß an Ausgelassenheit.
Und zu "Aschermittwoch" lese ich das da: "Die Bezeichnung Aschermittwoch kommt von dem Brauch, im Gottesdienst am Aschermittwoch die Asche vom Verbrennen der Palmzweige des Vorjahres zu segnen und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen." (Quelle: educalingo)
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Foto: Archiv (und nicht meine Mutter,
die hier hinter mir versteckt ist)
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Am Wegesrand aufgelesen,
Sprachschatz
Dienstag, 13. Februar 2018
Vor der Berlinale
Hier bloggt im elften Jahr eine Konferenzdolmetscherin mit den Schwerpunkten Politik, Wirtschaft, Architektur, Soziales, Landeskunde, Medien, Kultur und besonders Film.
Vor einiger Zeit passiert: Ich bin im Gespräch mit einem Handwerker in dessen Werkstattladen, die Tür geht auf, ein weiterer Kunde betritt den Raum. Das wäre ohne das Folgende eine Banalität.
Der Hausherr François Rossier, Spezialist für Upcycling und Möbelbau, stellt mir den Hinzugekommenen vor. Als er dann mich vorstellen möchte, sagt dieser: "Nicht nötig! Ich kenne Sie vom [Adjektiv] Dolmetschen vieler Filmgespräche!" (Das Adjektiv war so schön, dass meine Wangen instantmäßig rot wurden.)
... und den Wortlaut habe ich sofort vergessen. Dabei stehe ich in Berlin nur noch selten auf Festivalbühnen. Bei der Berlinale kommen meine Hauptarbeitssprachen Französisch und Deutsch seit Jahren leider fast nicht mehr vor. Das wichtigste Berliner Filmfestival setzt darauf, dass alle Englisch sprechen. Haben bei Publikumsgesprächen jetzt gewisse Vorteile: alle Muttersprachler. Der kleine Rest gibt sich Mühe. Sehr oft fallen Details, Streitbares und Humor hinten runter.
Um meine Qualifikation als Moderatorin und Dolmetscherin bei Filmfestivals zu erhalten, engagiere ich nebenbei bei vielen kleinen Festivals, darunter sind achtung berlin, Filmkunstfest MV und das Rügen International Film Festival.
Und in Ergänzung zum Dolmetschen erweitert sich mein Arbeitsfeld, von der Dolmetscherin zur Sprecherin, hier einige Hörbeispiele: Radio Eins, Interview mit Catherine Frot, Deutschlandfunk Kultur, Interview mit Yasmina Reza, Radio France Culture (Interview Călin Peter Netzer, Buchausschnitt Alice Schwarzer). Am 19. Februar ist meine Stimme in einer ARD-Produktion zu hören als eine von sechs oder sieben Sprecherinnen und Sprechern. Weitere Informationen folgen.
So, weiter mit dem Programm von vor der Berlinale: Bewerbungen, Preisverhandlungen, Filmsichtungen, Gästezimmeraufräumungen ...
Der oben erwähnte "Upcycler", der aus altem Material neue Möbel herstellt, ist übrigens auch Dokumentarfilmer. Wir kennen uns aus dem Filmverband, in dem ich seit meinen Jahren als Autorin, Produktionsleiterin und Marketingfachfrau bis heute noch bin.
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Foto: Achtung Berlin Filmfestival 2017,
"Furusato" ist ein Film von Thorsten Trimpop
Vor einiger Zeit passiert: Ich bin im Gespräch mit einem Handwerker in dessen Werkstattladen, die Tür geht auf, ein weiterer Kunde betritt den Raum. Das wäre ohne das Folgende eine Banalität.
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| Mit Tobias Büchner im Gespräch über "Furusato" |
... und den Wortlaut habe ich sofort vergessen. Dabei stehe ich in Berlin nur noch selten auf Festivalbühnen. Bei der Berlinale kommen meine Hauptarbeitssprachen Französisch und Deutsch seit Jahren leider fast nicht mehr vor. Das wichtigste Berliner Filmfestival setzt darauf, dass alle Englisch sprechen. Haben bei Publikumsgesprächen jetzt gewisse Vorteile: alle Muttersprachler. Der kleine Rest gibt sich Mühe. Sehr oft fallen Details, Streitbares und Humor hinten runter.
Um meine Qualifikation als Moderatorin und Dolmetscherin bei Filmfestivals zu erhalten, engagiere ich nebenbei bei vielen kleinen Festivals, darunter sind achtung berlin, Filmkunstfest MV und das Rügen International Film Festival.
Und in Ergänzung zum Dolmetschen erweitert sich mein Arbeitsfeld, von der Dolmetscherin zur Sprecherin, hier einige Hörbeispiele: Radio Eins, Interview mit Catherine Frot, Deutschlandfunk Kultur, Interview mit Yasmina Reza, Radio France Culture (Interview Călin Peter Netzer, Buchausschnitt Alice Schwarzer). Am 19. Februar ist meine Stimme in einer ARD-Produktion zu hören als eine von sechs oder sieben Sprecherinnen und Sprechern. Weitere Informationen folgen.
So, weiter mit dem Programm von vor der Berlinale: Bewerbungen, Preisverhandlungen, Filmsichtungen, Gästezimmeraufräumungen ...
Der oben erwähnte "Upcycler", der aus altem Material neue Möbel herstellt, ist übrigens auch Dokumentarfilmer. Wir kennen uns aus dem Filmverband, in dem ich seit meinen Jahren als Autorin, Produktionsleiterin und Marketingfachfrau bis heute noch bin.
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Foto: Achtung Berlin Filmfestival 2017,
"Furusato" ist ein Film von Thorsten Trimpop
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Berlinale,
Best of Film,
Sonntagsbilder
Sprachregelung
Willkommen auf den Seiten eines virtuellen
Arbeitstagebuchs aus der Sprachenwelt. Ich bin
Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Hier denke ich über unsere
Berufswelt nach und berichte von besonderen Momenten.
Neulich bei der Hochzeit, die ich dolmetschen durfte: Der Beamte hält dem Paar eine kurze "Standpauke" (Zitat) und spricht über Respekt, Zuhören, Zeit und gemeinsame Sprachen. "Sie lernen ja bereits die Sprache des anderen, und daneben entwickeln Sie eine eigene Art der Verständigung, denn Sie haben ja nicht immer Ihre Dolmetscherin dabei!"
Dann bekomme ich ein Kompliment ... und als ich meine Unterschrift auf das Standesamtsdokument setze, denn Dolmetscher stehen da auch, folgt noch eine direkte Ansprache des Standesbeamten, des officier d’état civil.
Drei Mal bei einer einzigen Hochzeitszeremonie erwähnt zu werden, das ist schon was. Dem Vernehmen nach dolmetschen die Kolleginnen und Kollegen eher konsekutiv, ich bin mehrheitlich simultan und habe mir vor einiger Zeit mal zwei, drei Trauungsreden genauer angesehen, daher kann ich das jetzt im Schlaf. Mit den Hochzeitern bin ich befreundet. Ein Gast bat mich anschließend um meine Visitenkarte. So habe ich jetzt auch noch einen Kunden gewonnen.
Und Standesbeamte haben heutzutage zum Glück einen Satz verinnerlicht: Sie sagen nicht mehr "Auf Wiedersehen", sondern Salut oder Ciao. Die Episode, die mir dazu einfällt, ist ein anderer Film.
Vokabelnotiz
Ehefähigkeitszeugnis — wörtlich: certificat de capacité matrimoniale, hier ist Grinsen ebenso garantiert, wie wenn Deutsche die französische Halbwegsentsprechung hören: certificat de célibat, Zölibatsbescheinigung.
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Foto: C.E. (Archiv)
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| Die Ringe zusammen ergeben eine liegende Acht, hach. |
Dann bekomme ich ein Kompliment ... und als ich meine Unterschrift auf das Standesamtsdokument setze, denn Dolmetscher stehen da auch, folgt noch eine direkte Ansprache des Standesbeamten, des officier d’état civil.
Drei Mal bei einer einzigen Hochzeitszeremonie erwähnt zu werden, das ist schon was. Dem Vernehmen nach dolmetschen die Kolleginnen und Kollegen eher konsekutiv, ich bin mehrheitlich simultan und habe mir vor einiger Zeit mal zwei, drei Trauungsreden genauer angesehen, daher kann ich das jetzt im Schlaf. Mit den Hochzeitern bin ich befreundet. Ein Gast bat mich anschließend um meine Visitenkarte. So habe ich jetzt auch noch einen Kunden gewonnen.
Und Standesbeamte haben heutzutage zum Glück einen Satz verinnerlicht: Sie sagen nicht mehr "Auf Wiedersehen", sondern Salut oder Ciao. Die Episode, die mir dazu einfällt, ist ein anderer Film.
Vokabelnotiz
Ehefähigkeitszeugnis — wörtlich: certificat de capacité matrimoniale, hier ist Grinsen ebenso garantiert, wie wenn Deutsche die französische Halbwegsentsprechung hören: certificat de célibat, Zölibatsbescheinigung.
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Foto: C.E. (Archiv)
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Am Wegesrand aufgelesen,
Arbeitsplätze,
Komisches
Montag, 12. Februar 2018
Eben mal kurz
Bienvenue auf den Seiten einer Spracharbeiterin. Wie
Übersetzerinnen, Übersetzer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher
arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben
Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakespeares meistens als
Ausgangssprache).
Ob ich eben mal kurz in das Urteil ihres Sohnes reinschauen könne, fragt mich eine französischsprachige Kundin, die mich beim Verlassen des Hauses anspricht. Sie sei gerade auf dem Weg in mein "Büro", sagt sie, dabei ist das nur ein in der Wohnung liegendes, großes Arbeitszimmer ohne Publikumsverkehr.
Ich blättere es kurz durch und sehe: 24 Seiten, Urteile in erster und zweiter Instanz, es geht jetzt mindestens noch um offene Schadensersatzansprüche, die bislang ausgeklammert scheinen ... und um eine juristische Frage. Ich erkläre, dass ich weder befähigt noch ermächtigt bin, mich zu juristischen Fragen zu äußern. Die Dame insistiert, streicht diese Frage, bittet um Entschuldigung, sie hätte nur ein, zwei konkrete Fragen zum Text.
Da ich zu einem anderen Einsatz muss, schlage ich ihr vor, dass er mir eine Fotokopie des Dokuments in den Briefkasten wirft, wir könnten dann am Folgetag telefonieren. Gesagt, getan. Ich schätze die Vorbereitungsarbeit auf einige Stunden, um überhaupt durchzusteigen. Auf der anderen Seite der Leitung beredtes Schweigen. Das sei dann doch etwas überraschend mit dem Preis, höre ich nach diesem Sendeloch, es müsse doch auch nicht so gründlich sein: "Könnten Sie nicht doch bitte mal eben ...?!"
Nein, es gibt Berufe, in denen gibt es kein "mal eben". Stellen Sie sich die Chirurgin am OP-Tisch vor oder den Anwalt, der eine gute Verteidigungsstrategie entwickeln soll — stellen Sie denen auch diese Frage?
Ich glaube, die Außenwelt sieht meine Arbeit oft genug so:
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Foto: Eigenes Archiv
Ob ich eben mal kurz in das Urteil ihres Sohnes reinschauen könne, fragt mich eine französischsprachige Kundin, die mich beim Verlassen des Hauses anspricht. Sie sei gerade auf dem Weg in mein "Büro", sagt sie, dabei ist das nur ein in der Wohnung liegendes, großes Arbeitszimmer ohne Publikumsverkehr.
Ich blättere es kurz durch und sehe: 24 Seiten, Urteile in erster und zweiter Instanz, es geht jetzt mindestens noch um offene Schadensersatzansprüche, die bislang ausgeklammert scheinen ... und um eine juristische Frage. Ich erkläre, dass ich weder befähigt noch ermächtigt bin, mich zu juristischen Fragen zu äußern. Die Dame insistiert, streicht diese Frage, bittet um Entschuldigung, sie hätte nur ein, zwei konkrete Fragen zum Text.
Da ich zu einem anderen Einsatz muss, schlage ich ihr vor, dass er mir eine Fotokopie des Dokuments in den Briefkasten wirft, wir könnten dann am Folgetag telefonieren. Gesagt, getan. Ich schätze die Vorbereitungsarbeit auf einige Stunden, um überhaupt durchzusteigen. Auf der anderen Seite der Leitung beredtes Schweigen. Das sei dann doch etwas überraschend mit dem Preis, höre ich nach diesem Sendeloch, es müsse doch auch nicht so gründlich sein: "Könnten Sie nicht doch bitte mal eben ...?!"
Nein, es gibt Berufe, in denen gibt es kein "mal eben". Stellen Sie sich die Chirurgin am OP-Tisch vor oder den Anwalt, der eine gute Verteidigungsstrategie entwickeln soll — stellen Sie denen auch diese Frage?
Ich glaube, die Außenwelt sieht meine Arbeit oft genug so:
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| Hier fällt mir das Zwei-Euro-Stück mit Helmut Schmidt drauf ein, auf dem die Mentholzigarette fehlt |
Foto: Eigenes Archiv
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Arbeitsplätze,
Komisches,
Money talks / Preise
Sonntag, 11. Februar 2018
Karneval
Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mitten in ein
Arbeitstagebuch hineingeraten, in dem sich alles um Sprache,
Dolmetschen, Übersetzen und Kulturen dreht. Als freiberufliche
Sprachmittlerin arbeite ich in Paris, Berlin, Toulouse, Frankfurt
und dort, wo man mich braucht. Der Sonntag gehört dem Sonntagsbild!
Vielen Franzosen aus dem Süden müssen wir Dolmetscherinnen deutschen Karneval, Fasching oder Fasnet erklären, obwohl es ähnliche Veranstaltungen auch in Nordfrankreich gibt. (Von italienischen Traditionen ganz zu schweigen.)
In der Zeit vor der Berlinale überlasse ich den anderen die närrischen Tage, zumal in einer Welt, die einem lesenden Menschen immer absurder vorkommt. Umso größer ist allerdings die Freude am Foto aus dem eigenen Bildarchiv. Weiß jemand, wer hier 'dargestellt' ist?
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Foto: Eigenes Archiv
Vielen Franzosen aus dem Süden müssen wir Dolmetscherinnen deutschen Karneval, Fasching oder Fasnet erklären, obwohl es ähnliche Veranstaltungen auch in Nordfrankreich gibt. (Von italienischen Traditionen ganz zu schweigen.)
In der Zeit vor der Berlinale überlasse ich den anderen die närrischen Tage, zumal in einer Welt, die einem lesenden Menschen immer absurder vorkommt. Umso größer ist allerdings die Freude am Foto aus dem eigenen Bildarchiv. Weiß jemand, wer hier 'dargestellt' ist?
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| Maskenball, Damenwahl! |
Foto: Eigenes Archiv
Kategorien:
Sonntagsbilder
Freitag, 9. Februar 2018
Winterspiele
Randnotizen aus dem Alltag einer Konferenzdolmetscherin und Französischübersetzerin können Sie hier mitlesen, manchmal ist auch Zeit für einen längeren Text.
Ja, nee, das ist ja wirklich total überraschend, dass jemand in seinem Land die eigene Muttersprache spricht.
TV-Kommentar bei der Eröffnung der Olympischen Spiele im Ersten: "Liebe Zuschauer, wir waren nicht darauf vorbereitet, dass diese Rede auf Koreanisch gehalten wird und können Ihnen leider die Rede nicht auf Deutsch liefern."
Und ja, der Beruf "Dolmetscher" ist schon erfunden, er gilt als das zweitälteste Gewerbe der Welt.
Und ich dachte, nur die Berlinale kann das ... stets und ständig auf BSE setzen, Basic Simplified English.
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Illustration: Archiv
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| Totale Mattscheibe |
Und ja, der Beruf "Dolmetscher" ist schon erfunden, er gilt als das zweitälteste Gewerbe der Welt.
Und ich dachte, nur die Berlinale kann das ... stets und ständig auf BSE setzen, Basic Simplified English.
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Illustration: Archiv
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#NoBerlinale,
Am Wegesrand aufgelesen,
Berlinale,
Komisches,
Medien,
Sex (sells)
Dienstag, 6. Februar 2018
Postmurks, mal wieder
Seit mehr als zehn Jahren veröffentliche ich hier in loser
Folge kleine Momente aus dem Übersetzer- und Dolmetscheralltag.
Seit Wochen warte ich auf ein Päckchen. Es will einfach nicht ankommen. Darin ist ein Buch, das ich für die Arbeit brauche. Ich frage beim Verlag nach, der veranlasst den Versand eines zweiten Exemplars.
Der Bürokollege-Mitbewohner erwartet auch Post.
Dann landen zwei Päckchen
bei Nachbarn ... die wenige Stunden später in den Winterurlaub
aufbrechen. Weitere zwei Päckchen und einen Brief mit großem, steifem
Umschlag nimmt ein anderer Postbote wieder mit.
Das alles passiert wohlgemerkt an einem Tag, an dem wir natürlich zu Hause arbeiten. Wir dürfen am Tag danach extra ins Postamt fahren, nein, ich, denn auf meinen Namen sind alle Benachrichtigungen ausgestellt. (Das passiert auch an Tagen, an denen nur der Mitbewohner Post bekommt; das Wörtchen "bei" ist entscheidend.)
Ich kritisiere das Ganze am Schalter. Die Schalterdame: "Jeden Tag höre ich sowas, ich kann schon gar nicht mehr richtig hinhören, sonst wäre ich noch arrangierter damit! Ich will mich aber nicht aufregen."
Das Fremdwort klingt wichtig. Ich muss grinsen und meine Wut ist verdampft. Ich äußere Mitgefühl für die Dame und gehe meines Weges. Sie weiß allerdings nicht, wie sie meinen Stimmungswandel bewirkt hat.
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Foto: C.E.
Seit Wochen warte ich auf ein Päckchen. Es will einfach nicht ankommen. Darin ist ein Buch, das ich für die Arbeit brauche. Ich frage beim Verlag nach, der veranlasst den Versand eines zweiten Exemplars.
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| Viele Boten verderben die Post |
Das alles passiert wohlgemerkt an einem Tag, an dem wir natürlich zu Hause arbeiten. Wir dürfen am Tag danach extra ins Postamt fahren, nein, ich, denn auf meinen Namen sind alle Benachrichtigungen ausgestellt. (Das passiert auch an Tagen, an denen nur der Mitbewohner Post bekommt; das Wörtchen "bei" ist entscheidend.)
Ich kritisiere das Ganze am Schalter. Die Schalterdame: "Jeden Tag höre ich sowas, ich kann schon gar nicht mehr richtig hinhören, sonst wäre ich noch arrangierter damit! Ich will mich aber nicht aufregen."
Das Fremdwort klingt wichtig. Ich muss grinsen und meine Wut ist verdampft. Ich äußere Mitgefühl für die Dame und gehe meines Weges. Sie weiß allerdings nicht, wie sie meinen Stimmungswandel bewirkt hat.
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Foto: C.E.
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Alltag,
Am Wegesrand aufgelesen
Sonntag, 28. Januar 2018
Was machen Sie so?
Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Spracharbeiterin und berichtet über die Arbeit der Konferenzdolmetscher und Übersetzer. Hier ein Sonntagsbild (und Wochenendmoment.
Mein Witz zum Thema literarische Übersetzer geht so (und er ist ein Fall fürs Um-die-Ecke-Denken):
Auf 'ner Party.
"Was machen Sie so?"
"Ich bin Arzt!"
"Das ist ja interessant! ...
Und was machen Sie beruflich?"
EDIT: Übersetzer lachen an dieser Stelle. Witze mit Erklärungsbedarf sind keine, daher hier der Hinweis, dass dieses "Und was machen Sie beruflich?" nahezu ALLE Übersetzer als Frage kennen.
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Foto: C.E. (Ausschnitt aus einem deutschen Firmenschild)
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| Um die Ecke denken |
Auf 'ner Party.
"Was machen Sie so?"
"Ich bin Arzt!"
"Das ist ja interessant! ...
Und was machen Sie beruflich?"
EDIT: Übersetzer lachen an dieser Stelle. Witze mit Erklärungsbedarf sind keine, daher hier der Hinweis, dass dieses "Und was machen Sie beruflich?" nahezu ALLE Übersetzer als Frage kennen.
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Foto: C.E. (Ausschnitt aus einem deutschen Firmenschild)
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Komisches
Samstag, 27. Januar 2018
Davos
Bonjour, hello und guten Tag! Einblicke in das Leben von Spracharbeitern können Sie hier bekommen, vor allem mitlesen, wie Französischdolmetscher und -übersetzer arbeiten. Manchmal reicht die Luft in der Zeit vor der Berlinale nur für Randnotizen zur Epoche.
La blague du moment à Davos : « ... pour une fois qu’un président français parle mieux anglais que le président américain ».
Diese Info hat mich heute Morgen erreicht, es ist der neueste Witz aus Davos: "Endlich spricht mal ein französischer Präsident besser Englisch als der US-amerikanische ..."
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Quelle: Kollegin aus Frankreich, merci, Marie !
Foto: CE (Archiv)
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| Ein anderes Rednerpult |
Diese Info hat mich heute Morgen erreicht, es ist der neueste Witz aus Davos: "Endlich spricht mal ein französischer Präsident besser Englisch als der US-amerikanische ..."
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Quelle: Kollegin aus Frankreich, merci, Marie !
Foto: CE (Archiv)
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Komisches
Montag, 22. Januar 2018
Großtischler
Hier bloggt eine Französischdolmetscherin. Der zweite Einsatz des Jahres führte mich mal wieder in die Botschaft Frankreichs am Pariser Platz.
In Büros und Arbeitszimmern gibt's die Menschen mit leeren Schreibtischen und die mit vollen Schreibtischen; Arbeitssoziologen und Aufräumfachleute teilen die Welt in "Leertischler" und "Volltischler" ein. Und jemand meinte sogar, dass Menschen, die am Schreibtisch nach der Methode der Plattentektonik den Überblick behalten, Genies sein müssen.
Zu den Tischen in Besprechungsräumen gibt es noch keine Theorien. Diplomaten scheinen jedenfalls Großtischler zu sein. Mir fallen angesichts eines besonders markanten Modells im Herzen Berlins Worte von sozialer Distanz ein. Dieses Modell signalisiert große räumliche Entfernungen. Unterschiede in Distanzbedürfnissen zu anderen sind auf die Zugehörigkeit zu Kasten, Schichten und sozialen Milieus zurückzuführen, schießt es mir kurz durch den Kopf.
Mit näheren Momenten der Kontaktaufnahme versichern wir uns außerhalb des diplomatischen Parketts der Friedfertigkeit der Zeitgenossen, denen wir begegnen. La bise, der französische Kuss, links und rechts auf die Wänglein gehaucht, ist im Grunde nur die olfaktorische Kontaktaufnahme, mit der wir uns absichern: Riecht der andere nach Angstschweiß oder eher nach Wut? Wird er friedlich bleiben?
Um weitere gemeinsame Grundlagen zu legen, essen und trinken die Menschen oft zusammen. Das klangvolle Anstoßen mit den Trinkgläsern diente einstmals der Prävention vor Giftanschlägen: Es wurde üblicherweise mit so viel Schwung angestoßen, dass die Trinkgefäße übergeschwappt sind und dass aus dem Glase des einen Flüssigkeit in das Glas des anderen gelangt es und vice versa. Das war zu Zeiten, als die Mauern der Gebäude noch aus gestampftem Mist oder grob behauenen Steinquadern bestanden haben.
In den Besprechungsräumen der französischen Botschaft kann derlei nicht passieren. Viele kleine Fläschchen stehen auf Papierservietten an den jeweiligen Sitzplätzen. Jede Form der Kontaktaufnahme, die über das Verbale hinausgeht, ist ausgeschlossen, Distanzlosigkeit ebenso. Der Tisch ist so breit, wie der Esstisch von kinderreichen Familien lang ist. Die große räumliche Entfernung macht es zu Beginn schwer, einander die Visitenkarten zukommen zu lassen. Alle beugen sich über die Platte, legen das Kärtchen auf die perfekt gewienerte Oberfläche, geben ihr einen großen Schubs, damit sie wie ein Schlittschuhläufer auf dem Eise an die gegenüberliegende Seite segelt. Und meine Stimme muss auch lauter sein, als bei "Flüstereinsätzen" sonst üblich, um quer durch den Raum zu gelangen.
Nein, keine weiteren Theorien. Ich muss jetzt weiter den Schreibtisch aufräumen. Etwas gegen die Kontinentaldrift tun. Wobei das mit der Genialität der Volltischler in der Regel nur vorgetäuscht sei, meinen die Personalchefs.
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Foto: C.E.
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| Konzentriert, nicht kopflos (man beachte die Steinquader) |
Zu den Tischen in Besprechungsräumen gibt es noch keine Theorien. Diplomaten scheinen jedenfalls Großtischler zu sein. Mir fallen angesichts eines besonders markanten Modells im Herzen Berlins Worte von sozialer Distanz ein. Dieses Modell signalisiert große räumliche Entfernungen. Unterschiede in Distanzbedürfnissen zu anderen sind auf die Zugehörigkeit zu Kasten, Schichten und sozialen Milieus zurückzuführen, schießt es mir kurz durch den Kopf.
Mit näheren Momenten der Kontaktaufnahme versichern wir uns außerhalb des diplomatischen Parketts der Friedfertigkeit der Zeitgenossen, denen wir begegnen. La bise, der französische Kuss, links und rechts auf die Wänglein gehaucht, ist im Grunde nur die olfaktorische Kontaktaufnahme, mit der wir uns absichern: Riecht der andere nach Angstschweiß oder eher nach Wut? Wird er friedlich bleiben?
Um weitere gemeinsame Grundlagen zu legen, essen und trinken die Menschen oft zusammen. Das klangvolle Anstoßen mit den Trinkgläsern diente einstmals der Prävention vor Giftanschlägen: Es wurde üblicherweise mit so viel Schwung angestoßen, dass die Trinkgefäße übergeschwappt sind und dass aus dem Glase des einen Flüssigkeit in das Glas des anderen gelangt es und vice versa. Das war zu Zeiten, als die Mauern der Gebäude noch aus gestampftem Mist oder grob behauenen Steinquadern bestanden haben.
In den Besprechungsräumen der französischen Botschaft kann derlei nicht passieren. Viele kleine Fläschchen stehen auf Papierservietten an den jeweiligen Sitzplätzen. Jede Form der Kontaktaufnahme, die über das Verbale hinausgeht, ist ausgeschlossen, Distanzlosigkeit ebenso. Der Tisch ist so breit, wie der Esstisch von kinderreichen Familien lang ist. Die große räumliche Entfernung macht es zu Beginn schwer, einander die Visitenkarten zukommen zu lassen. Alle beugen sich über die Platte, legen das Kärtchen auf die perfekt gewienerte Oberfläche, geben ihr einen großen Schubs, damit sie wie ein Schlittschuhläufer auf dem Eise an die gegenüberliegende Seite segelt. Und meine Stimme muss auch lauter sein, als bei "Flüstereinsätzen" sonst üblich, um quer durch den Raum zu gelangen.
Nein, keine weiteren Theorien. Ich muss jetzt weiter den Schreibtisch aufräumen. Etwas gegen die Kontinentaldrift tun. Wobei das mit der Genialität der Volltischler in der Regel nur vorgetäuscht sei, meinen die Personalchefs.
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Foto: C.E.
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Arbeitsplätze,
Kopfkino,
Werkstatt
Freitag, 12. Januar 2018
Kurzurlaub
Bonjour, welcome, Hallo und guten Tag! Sie lesen, absichtlich oder
zufällig, die Seite eines digitalen Arbeitstagebuches. Hier schreibe ich
als Übersetzerin und Dolmetscherin mit den Schwerpunkten Wirtschaft,
Politik, Kultur und Soziales über das nach, was ich erlebe.
Ein typischer Moment im Büroalltag: Kaum setzen wir einige Tage Urlaub an, bevor die Saison losgeht, melden sich massenhaft Kunden.
Nein, keine Klage, nur eine Feststellung. Murphys Law erfreut mich also mal wieder. Wir schreiben Kostenvoranschläge für die kommende Hauptsaison des Konferenzgeschäfts (April bis Juni) und vergeben schöne Übersetzungen an die Kolleginnen und Kollegen weiter — sofern sie nicht selbst unterwegs sind.
Wir sind bald wieder da.
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Foto: C.E.
Ein typischer Moment im Büroalltag: Kaum setzen wir einige Tage Urlaub an, bevor die Saison losgeht, melden sich massenhaft Kunden.
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| Ergonomisches Arbeiten |
Wir sind bald wieder da.
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Foto: C.E.
Donnerstag, 11. Januar 2018
Sprach- und Schriftdolmetschen
Bonjour und guten Tag, hier bloggt eine Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Seit bald elf Jahren berichte ich hier aus meinem Alltag.
Der erste Einsatz im Jahr war superspannend: Wir sitzen hinten im Saal auf einem Balkon, neben mir Licht- und Tonregie sowie der Liveschnitt, denn alles wird in den Nebenraum übertragen. Wir befinden uns in einem Berliner Veranstaltungssaal, zu unseren Füßen mehrere hundert Menschen.
Vorne auf der Bühne warten alle auf die Hauptrednerin aus Frankreich. Es ist ein Neujahrsempfang mit politischem Hintergrund. Rechts hinten ist eine Art kleiner Bühne für Rollstuhlfahrer, links längsseitig die Sektbar, es gibt Bereiche mit Sitzreihen und welche für stehende Zuschauer. Die Gäste sind recht mobil im Saal, in der Vorhalle gibt es weitere Angebote.
Niemand wollte 600 Kopfhörer gegen Pfand ausgeben und anschließend wieder einsammeln. Daher wurde eine andere Lösung gefunden. Etwas, das ich noch nie erlebt habe — und die Kolleginnen auch nicht.
Hinter uns Dolmetscherinnen sitzen zwei "Schriftdolmetscherinnen". Die eine trägt eine Maske, die an die Gasmasken erinnert, wie Pferde sie im 1. Weltkrieg getragen haben. Vor ihr steht ein Rechner. Die Kollegin neben ihr sitzt auch hinter einem Rechner. Beide Geräte müssen verbunden sein. Das, was auf dem Monitor des zweiten Rechners zu sehen ist, wird auf die riesige Leinwand hinter der Rednerin übertragen. Und dort ist zu sehen, was die Kollegin mit dem gasmaskenähnlichen Trumm in ein Mikrofon geflüstert hat, was wiederum die Mehr-oder-weniger-Wiederholung unseres Dolmetscherinnenoutputs ist.
Ein sehr komisches Gefühl ist es, zu dolmetschen und parallel die eigenen Wörter vor der Nase in Textform aufscheinen zu sehen, wobei die zweite Schriftdolmetscherin die Korrektorin dessen war, was die Textverarbeitung "Dragon Naturally Speaking" aus der gesprochenen Sprache gemacht hat.
Nach einem kurzen Moment der Faszination zwinge ich mich dazu, nicht auf die Monitorabbildung zu sehen, es hätte mich zu sehr irritiert. Die Rednerin spricht anfangs langsam, sie merkt, dass es ganz gut klappt, dann wird sie immer schneller, am Ende rast sie durch die Gedanken. Es wird für uns als Team immer schwieriger, ihr zu folgen. Die Sachen mit den zeitversetzten Lachern kennen wir — erst lachen alle, die dem Originalton folgen können, später jene, die auf die Übertragung angewiesen sind. Nur dauert der Zeitverzug hier deutlich länger.
Am Ende sind wir einigermaßen mit dem Ergebnis zufrieden, das Publikum ist begeistert. Was sind die Lehren, die wir daraus gezogen habe?
Notizen zum verschrifteten Sprachdolmetschen
— Es ist unabdingbar, dass sich zuvor Redner und Dolmetscher treffen. Rede und Übertragung derselben ist hier noch mehr als sonst Teamarbeit. Ohne Teambildung kein Team.
— Tage bzw. Stunden vorab müssen Informationen zur Rede fließen (hier gab es drei Wortpaare ohne jeden Kontext).
— Am besten wäre es, einen Probelauf zu machen, damit der Redner ein Gespür für den Zeitverzug erhält.
— Es ist sicher gut, das Publikum zu Beginn der Veranstaltung über den Vorgang zu informieren.
— Die "Gasmaske" der Schriftdolmetscherinnen hat sich als ziemlich effizient erwiesen, das Dolmetschen wurde davon nicht behindert, was auch an den sonstigen Umgebungsgeräuschen gelegen haben mag, die recht präsent waren. Wie das Team am besten räumlich anzuordnen ist, beobachten wir beim nächsten Mal.
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Foto: Pierre-Jerôme Adjedj
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| Die Autorin dieser Zeilen bei der Arbeit |
Vorne auf der Bühne warten alle auf die Hauptrednerin aus Frankreich. Es ist ein Neujahrsempfang mit politischem Hintergrund. Rechts hinten ist eine Art kleiner Bühne für Rollstuhlfahrer, links längsseitig die Sektbar, es gibt Bereiche mit Sitzreihen und welche für stehende Zuschauer. Die Gäste sind recht mobil im Saal, in der Vorhalle gibt es weitere Angebote.
Niemand wollte 600 Kopfhörer gegen Pfand ausgeben und anschließend wieder einsammeln. Daher wurde eine andere Lösung gefunden. Etwas, das ich noch nie erlebt habe — und die Kolleginnen auch nicht.
Hinter uns Dolmetscherinnen sitzen zwei "Schriftdolmetscherinnen". Die eine trägt eine Maske, die an die Gasmasken erinnert, wie Pferde sie im 1. Weltkrieg getragen haben. Vor ihr steht ein Rechner. Die Kollegin neben ihr sitzt auch hinter einem Rechner. Beide Geräte müssen verbunden sein. Das, was auf dem Monitor des zweiten Rechners zu sehen ist, wird auf die riesige Leinwand hinter der Rednerin übertragen. Und dort ist zu sehen, was die Kollegin mit dem gasmaskenähnlichen Trumm in ein Mikrofon geflüstert hat, was wiederum die Mehr-oder-weniger-Wiederholung unseres Dolmetscherinnenoutputs ist.
Ein sehr komisches Gefühl ist es, zu dolmetschen und parallel die eigenen Wörter vor der Nase in Textform aufscheinen zu sehen, wobei die zweite Schriftdolmetscherin die Korrektorin dessen war, was die Textverarbeitung "Dragon Naturally Speaking" aus der gesprochenen Sprache gemacht hat.
Nach einem kurzen Moment der Faszination zwinge ich mich dazu, nicht auf die Monitorabbildung zu sehen, es hätte mich zu sehr irritiert. Die Rednerin spricht anfangs langsam, sie merkt, dass es ganz gut klappt, dann wird sie immer schneller, am Ende rast sie durch die Gedanken. Es wird für uns als Team immer schwieriger, ihr zu folgen. Die Sachen mit den zeitversetzten Lachern kennen wir — erst lachen alle, die dem Originalton folgen können, später jene, die auf die Übertragung angewiesen sind. Nur dauert der Zeitverzug hier deutlich länger.
Am Ende sind wir einigermaßen mit dem Ergebnis zufrieden, das Publikum ist begeistert. Was sind die Lehren, die wir daraus gezogen habe?
Notizen zum verschrifteten Sprachdolmetschen
— Es ist unabdingbar, dass sich zuvor Redner und Dolmetscher treffen. Rede und Übertragung derselben ist hier noch mehr als sonst Teamarbeit. Ohne Teambildung kein Team.
— Tage bzw. Stunden vorab müssen Informationen zur Rede fließen (hier gab es drei Wortpaare ohne jeden Kontext).
— Am besten wäre es, einen Probelauf zu machen, damit der Redner ein Gespür für den Zeitverzug erhält.
— Es ist sicher gut, das Publikum zu Beginn der Veranstaltung über den Vorgang zu informieren.
— Die "Gasmaske" der Schriftdolmetscherinnen hat sich als ziemlich effizient erwiesen, das Dolmetschen wurde davon nicht behindert, was auch an den sonstigen Umgebungsgeräuschen gelegen haben mag, die recht präsent waren. Wie das Team am besten räumlich anzuordnen ist, beobachten wir beim nächsten Mal.
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Foto: Pierre-Jerôme Adjedj
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Arbeitsplätze,
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Mittwoch, 10. Januar 2018
Königskuchen
Bienvenue auf den Seiten einer Spracharbeiterin. Wie
Übersetzerinnen, Übersetzer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher
arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben
Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakespeares nur als
Ausgangssprache).
Der Jahreslauf hat seine festen Termine. Den Dreikönigstag feiert die französischsprachige Welt mit dem Verzehr des Königskuchens, la galette des rois, in den eine Figur eingebacken ist. Ich habe schon 2014 genauer davon berichtet.
Dieser Usus wird auch in Berlin gepflegt. Sofern ich Zeit (und keine Grippe) habe, nehme ich daran teil.
Nach vielen Jahrzehnten ohne Treffer bekam ich dieses Jahr zwei Figürchen, obwohl ich nur anderthalb Stückchen Kuchen gegessen habe. Wer die Figur in seinem Kuchen hat (in jedem gibt es eine), der oder die ist Königin oder König. Ich bin also eine Anderthalbkönigin.
Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber mir hat jemand mal erzählt, dass mancherorts der König/die Königin am Ende die Zeche zu zahlen hatte. Ursprünglich sei das Figürchen gar keines gewesen, sondern eine trockene Saubohne. Der Weg von der Saubohne hin zu den Porzellanfiguren könnte so erklärbar sein: Eine Saubohne kann so mancher arme Schlucker ... verschluckt haben, um sich neben dem Ruhm auch der Pflicht zu entziehen. Ein Porzellanfigürchen lässt sich eher nicht einfach so verschwinden lassen.
Bei den Berliner Zusammenkünften gilt die Regel mit dem Zechezahlen nicht. Wie gesagt, noch nie hatte ich das Figürchen gezogen. Daher stellt sich mir erstmals die Frage, ob diese Figürchen eigentlich ein Omen für das Jahr sind? Dann bekomme ich heuer einen entspannten Mann und eine Muslima mit Buch und Bart.
In der französischsprachigen Community Berlins fühle ich mich sehr wohl. Ich berichte Freundinnen von einem bevorstehenden Einsatz, wo ich öffentlich ins Deutsche dolmetschen werde. Eine frühere Dozentin der Uni fragt mich spontan: "Warum nehmen die denn da keine Deutsch-Muttersprachlerin?", lacht und sagt: "Ich vergesse immer, dass Französisch deine dritte Sprache ist."
Vokabelnotiz
tirer des Rois — Könige "ziehen"
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Fotos: C.E.
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| Größenvergleich |
Dieser Usus wird auch in Berlin gepflegt. Sofern ich Zeit (und keine Grippe) habe, nehme ich daran teil.
Nach vielen Jahrzehnten ohne Treffer bekam ich dieses Jahr zwei Figürchen, obwohl ich nur anderthalb Stückchen Kuchen gegessen habe. Wer die Figur in seinem Kuchen hat (in jedem gibt es eine), der oder die ist Königin oder König. Ich bin also eine Anderthalbkönigin.
Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber mir hat jemand mal erzählt, dass mancherorts der König/die Königin am Ende die Zeche zu zahlen hatte. Ursprünglich sei das Figürchen gar keines gewesen, sondern eine trockene Saubohne. Der Weg von der Saubohne hin zu den Porzellanfiguren könnte so erklärbar sein: Eine Saubohne kann so mancher arme Schlucker ... verschluckt haben, um sich neben dem Ruhm auch der Pflicht zu entziehen. Ein Porzellanfigürchen lässt sich eher nicht einfach so verschwinden lassen.
Bei den Berliner Zusammenkünften gilt die Regel mit dem Zechezahlen nicht. Wie gesagt, noch nie hatte ich das Figürchen gezogen. Daher stellt sich mir erstmals die Frage, ob diese Figürchen eigentlich ein Omen für das Jahr sind? Dann bekomme ich heuer einen entspannten Mann und eine Muslima mit Buch und Bart.
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| Im lichtarmen Januar nicht einfach zu fotografieren |
Vokabelnotiz
tirer des Rois — Könige "ziehen"
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Fotos: C.E.
Dienstag, 9. Januar 2018
Motorik
Seit mehr als zehn Jahren veröffentliche ich hier in loser Folge kleine Momente aus dem Übersetzer- und Dolmetscheralltag.
Randnotiz: Beim Schreiben mit der Hand kommt noch die alte Rechtschreibung durch; beim Schreiben mit der Tastatur sitzt die neue Rechtschreibung fest.
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Foto: folgt
Randnotiz: Beim Schreiben mit der Hand kommt noch die alte Rechtschreibung durch; beim Schreiben mit der Tastatur sitzt die neue Rechtschreibung fest.
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Foto: folgt
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen
Sonntag, 7. Januar 2018
Durchatmen
Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. Der Sonntag gehört dem Sonntagsfoto, das auch privat sein darf.
Gebratener Chicorée, Kartoffel-Lauch-Suppe mit frischer Kresse und dazu Möhrensalat, die blühenden Hyazinthen auf der Fensterbank, später ein Spaziergang und Fünf-Uhr-Tee, so einfach sind manche guten Dinge des Lebens. Nach und vor großen Anstrengungen liebe ich den kleinen Radius. Da schaltet etwas auf Sparflamme und Schonung, um Kraft zu sammeln.
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Foto: C.E.
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| Stilleben |
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Foto: C.E.
Kategorien:
Kopfeinsichten,
Sonntagsbilder
Donnerstag, 4. Januar 2018
Anfang Januar
Im elften Jahr bloggt hier eine Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin mit den Arbeitssprachen Französisch, Deutsch und Englisch (nur Ausgangssprache).
In Berlin setzt derzeit um drei die gefühlte Dämmerung ein. Das ist ebenfalls gefühlt kurz nach dem Aufstehen. Seit gestern müssen die Kinder schon wieder in die Schule, obwohl sie wie die Alten auch noch im Feiertagsjetlag stecken.
In meiner Kindheit hatten wir mehr Tage zur Zeitumstellung und zum Rodeln. Aber da die Stadt ja ohnehin schnee- und eisfrei ist, passt das ja. Frühjahrsgewitter und -sturm verwirren zusätzlich noch das Zeitempfinden.
Im Büro ist es ruhig. Die beste Zeit, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten.
Hinzu kommt einige Projektkorrespondenz. Bei jeder zweiten Mail, die ich schreibe, erhalte ich eine automatische Abwesenheitsantwort. Diese lösche ich unbesehen, sollte meine Nachfrage nicht dringend gewesen sein.
Nein, ich möchte nicht wissen, wie lange Festangestellte ohne Kinder derzeit im Urlaub sind.
Berlin fühlt sich ähnlich leer an. Die Touristen sind weg, die Familien wie gesagt wieder da, alle anderen scheinen sich irgendwo zu sonnen, Piste oder Insel, ist mir doch egal. Ich gönne den anderen ihre Auszeit und arbeite dann mal ruhig weiter.
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Foto: Eigenes Archiv
In Berlin setzt derzeit um drei die gefühlte Dämmerung ein. Das ist ebenfalls gefühlt kurz nach dem Aufstehen. Seit gestern müssen die Kinder schon wieder in die Schule, obwohl sie wie die Alten auch noch im Feiertagsjetlag stecken.
In meiner Kindheit hatten wir mehr Tage zur Zeitumstellung und zum Rodeln. Aber da die Stadt ja ohnehin schnee- und eisfrei ist, passt das ja. Frühjahrsgewitter und -sturm verwirren zusätzlich noch das Zeitempfinden.
Im Büro ist es ruhig. Die beste Zeit, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten.
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| Ungestörtes Lesen |
Nein, ich möchte nicht wissen, wie lange Festangestellte ohne Kinder derzeit im Urlaub sind.
Berlin fühlt sich ähnlich leer an. Die Touristen sind weg, die Familien wie gesagt wieder da, alle anderen scheinen sich irgendwo zu sonnen, Piste oder Insel, ist mir doch egal. Ich gönne den anderen ihre Auszeit und arbeite dann mal ruhig weiter.
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Foto: Eigenes Archiv
Kategorien:
Arbeitsplätze
Mittwoch, 3. Januar 2018
Anfrage
Was sich im Büro einer Spracharbeiterin so zuträgt, dürfen Sie hier mitverfolgen, wenn ich nicht aus dem Inneren der Dolmetscherkabinen berichte. Hallo und guten Tag auf meinen Blogseiten. Ich bin Französischdolmetscherin und übersetze auch aus dem Englischen.
Das Telefon läutet am späten Nachmittag, ich bin knapp mit der Zeit und vertage das Gespräch auf den nächsten Morgen.
Irgendwie muss ich mich dabei sehr umständlich ausgedrückt haben; der Anrufer riss mich aber auch aus den tiefsten Gedanken raus.
Die Kollegin: "Was war denn das?"
Ich: "Ach, ich hab grad 'ne Eheschließungsanfrage reingekriegt."
Kollegin: "Wer will DICH denn heiraten?"
Witze, die erklärt werden, sind keine. Auf die Gefahr hin, hier das Kleingedruckte: Wir dolmetschen auch im Standesamt.
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Foto: C.E. (Archiv)
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| Auf dem Sekretär |
Irgendwie muss ich mich dabei sehr umständlich ausgedrückt haben; der Anrufer riss mich aber auch aus den tiefsten Gedanken raus.
Die Kollegin: "Was war denn das?"
Ich: "Ach, ich hab grad 'ne Eheschließungsanfrage reingekriegt."
Kollegin: "Wer will DICH denn heiraten?"
Witze, die erklärt werden, sind keine. Auf die Gefahr hin, hier das Kleingedruckte: Wir dolmetschen auch im Standesamt.
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Foto: C.E. (Archiv)
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Arbeitsplätze,
Komisches
Dienstag, 2. Januar 2018
Mit uns können Sie rechnen!
Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Spracharbeiterin und berichtet über die Arbeit der Konferenzdolmetscher und Übersetzer.
Seit elf Jahren blogge ich hier regelmäßig, seit über einem Dutzend Jahren dolmetsche und übersetze ich hauptberuflich. Über die Jahre entstand ein solides Netzwerk, ein fröhliches Team aus Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir schon manche internationale Konferenz gerockt haben.
Mit uns können Sie rechnen!
Für dieses noch recht Neue wünschen wir Gesundheit, Gelassenheit und Glück!
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Foto: Eigenes Archiv
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| Gutes Neues! |
Mit uns können Sie rechnen!
Für dieses noch recht Neue wünschen wir Gesundheit, Gelassenheit und Glück!
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Foto: Eigenes Archiv
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen
Sonntag, 31. Dezember 2017
Gestankequinox
Den
subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier
im 11. Jahr. Heute habe ich noch ein Gutachten geschrieben, dann die Bude zugemacht.
Equinox bezeichnet die Tag- und Nachtgleiche. Das ist in ziemlich genau drei Monaten. Einige Tage nach dem anderen Wendepunkt habe ich indes in Berlin den Luftequinox feststellen müssen. Aus der Küche riecht es nach Bouletten, die der Mitbewohner in rauen Mengen brät. Beim Versuch des Lüftens dringt eine Luft herein, die Schwarzpulver, Arsen, Blei, Strontiumsalze und sonstige Delikatessen enthält. In Sachen Feinstaubbelastung entspricht Silvester zwei Monaten Straßenverkehr, steht heute in der Zeitung.
Mich begeistert beides nicht. Das Silvestergedöns, das sich die Deutschen dieses Mal etwa 120 Millionen Euro kosten lassen, geht mir mächtig auf die Senkel. Dazu kommen die Folgekosten: Jedes Jahr gibt es Verletzte und Tote, Zerstörungen an Haus und Baum. Auch Tiere leiden. Ich muss an einen Neujahrsmorgen irgendwann in den frühen Nuller Jahren denken, als bei Freunden die Katze des Hauses tot unterm Küchentisch lag; sie hatte sich mit Herzinfarkt verabschiedet. Heute müssen wir in Berlin leider immer öfter beobachten, dass Feuerwerker auf Menschen zielen, auf Passanten, Krankenwagen oder Polizeiautos.
Was müssen Menschen von dem Ganzen halten, die einen heißen Krieg mit Straßenkämpfen erlebt haben? Das klingt ja verdammt ähnlich ... Und ich kann die Knallerwerfer nicht verstehen, dass sie so viel Geld anzünden, wobei es in eher einfachen Wohnvierteln nicht stiller als in den Quartieren der Wohlhabenden zugeht. Das Gegenteil ist hier leider der Fall.
Die Niederlande haben die Schießerei von Privat verboten. Ich begrüße das. Normalerweise habe ich nichts gegen Feuerwerk: Vor einigen Jahren habe ich in Marseille wunderbar orchestrierte Lichtmalereien sehr genossen. Das ist was anderes. Da wird auch der Müll immer gleich eingesammelt. Jetzt dürfen in Berlin alle wieder wochenlang im Slalom um Ballerschrott und Adventsüberbleibsel herumlaufen, die Stadt erweist sich bei solchen Themen immer als zuverlässig unfähig. Nein, ich bin kein Fan von Silvester. Guten Rutsch wünsche ich trotzdem!
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Foto: Stijepo Pavlina (Danke!)
Equinox bezeichnet die Tag- und Nachtgleiche. Das ist in ziemlich genau drei Monaten. Einige Tage nach dem anderen Wendepunkt habe ich indes in Berlin den Luftequinox feststellen müssen. Aus der Küche riecht es nach Bouletten, die der Mitbewohner in rauen Mengen brät. Beim Versuch des Lüftens dringt eine Luft herein, die Schwarzpulver, Arsen, Blei, Strontiumsalze und sonstige Delikatessen enthält. In Sachen Feinstaubbelastung entspricht Silvester zwei Monaten Straßenverkehr, steht heute in der Zeitung.
Mich begeistert beides nicht. Das Silvestergedöns, das sich die Deutschen dieses Mal etwa 120 Millionen Euro kosten lassen, geht mir mächtig auf die Senkel. Dazu kommen die Folgekosten: Jedes Jahr gibt es Verletzte und Tote, Zerstörungen an Haus und Baum. Auch Tiere leiden. Ich muss an einen Neujahrsmorgen irgendwann in den frühen Nuller Jahren denken, als bei Freunden die Katze des Hauses tot unterm Küchentisch lag; sie hatte sich mit Herzinfarkt verabschiedet. Heute müssen wir in Berlin leider immer öfter beobachten, dass Feuerwerker auf Menschen zielen, auf Passanten, Krankenwagen oder Polizeiautos.
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| Schützengraben des modernen Straßenkampfs |
Die Niederlande haben die Schießerei von Privat verboten. Ich begrüße das. Normalerweise habe ich nichts gegen Feuerwerk: Vor einigen Jahren habe ich in Marseille wunderbar orchestrierte Lichtmalereien sehr genossen. Das ist was anderes. Da wird auch der Müll immer gleich eingesammelt. Jetzt dürfen in Berlin alle wieder wochenlang im Slalom um Ballerschrott und Adventsüberbleibsel herumlaufen, die Stadt erweist sich bei solchen Themen immer als zuverlässig unfähig. Nein, ich bin kein Fan von Silvester. Guten Rutsch wünsche ich trotzdem!
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Foto: Stijepo Pavlina (Danke!)
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Am Wegesrand aufgelesen,
Sprachschatz
Sonntag, 24. Dezember 2017
Fröhliches Fest
Was Übersetzer und Dolmetscher beschäftigt, können Sie hier mitlesen. Seit vielen Jahren berichte ich über den Beruf und meinen sprachbetonten Alltag. Sonntags werde ich privat: Sonntagsfoto!
Dieses Bild gefällt mir besonders: Frohes Fest!
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Foto: Eigenes Archiv
Dieses Bild gefällt mir besonders: Frohes Fest!
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Foto: Eigenes Archiv
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Sonntagsbilder
Montag, 18. Dezember 2017
Museum der Wörter 20
Hallo, hier bloggt eine Spracharbeiterin. Ich übersetze und dolmetsche. Arbeitssprachen: Französisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Ausgangssprache). Heute im Wörtermuseum: Politik!
Einem gewissen Amerikaner ist eingefallen, bestimmte Wörter auf den Index setzen zu lassen mit der Empfehlung, sie seltener zu verwenden.
Denkende Menschen machen das Gegenteil.
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Idee: H.F.
Einem gewissen Amerikaner ist eingefallen, bestimmte Wörter auf den Index setzen zu lassen mit der Empfehlung, sie seltener zu verwenden.
Denkende Menschen machen das Gegenteil.
Vulnerable, entitlement,
diversity, transgender,
fetus, evidence-based,
science-based
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Idee: H.F.
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Museum der Wörter,
Sprachschatz
Sonntag, 17. Dezember 2017
Wintergrün ...
Bienvenue auf den Seiten einer Spracharbeiterin. Wie
Übersetzerinnen, Übersetzer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher
arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben
Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakespeares nur als
Ausgangssprache). Heute: Sonntagsbild!
"Wintergrün" verkauft ein türkischer Blumenladen. Das ist politisch hochkorrekt. Das Grün tut den Augen gut und duftet schön. Im Strauß hängen alte Glaskugeln und Elfenbeinfigürchen, u.a. die dicke Buddhafigur mit Engelsflügeln, weiblichen Brüsten und einem veritablen Bauchnabel.
Ein interkulturelles Adventsgesteck in Neukölln ...
Und für die Aufhängung habe ich in meine Schubladen für die Schmuckgestaltung gegriffen und etwas Neues erfunden.
Außerdem ist das eine heidnische Tradition: Grünpflanze auswählen und so dekorieren, dass sich möglichst viel Licht darin spiegelt. Ich wünsche allseits schöne, geruh- und erholsame Frühwintertage!
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Foto: C.E.
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| Mit selbstgebastelter Aufhängung |
Ein interkulturelles Adventsgesteck in Neukölln ...
Und für die Aufhängung habe ich in meine Schubladen für die Schmuckgestaltung gegriffen und etwas Neues erfunden.
Außerdem ist das eine heidnische Tradition: Grünpflanze auswählen und so dekorieren, dass sich möglichst viel Licht darin spiegelt. Ich wünsche allseits schöne, geruh- und erholsame Frühwintertage!
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Foto: C.E.
Kategorien:
Sonntagsbilder,
Wie wir leben
Freitag, 15. Dezember 2017
Generalbass
Bonjour und guten Tag, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Heute, was gestern Abend geschah.
Wir sitzen an zwei zusammengeschobenen länglichen Tischen, vier Diskutanten, eine Moderatorin und ich als Dolmetscherin, hinter uns eine Leinwand mit den gebeamten Logos der Veranstalter. Die Diskussion findet in Räumen einer Hochschule statt, also warten wir eine Viertelstunde, denn im deutschen akademischen Betrieb schlagen die meisten c.t. auf.
Dieses Viertelstündchen später war für Franzosen und für mich, die ich in Frankreich studiert hatte, übrigens anfangs neu. Aber alles ist eine Frage der Übung. Genauso, wie sich im labyrinthischen Hauptgebäude der Freien Universität zu Berlin zurechtzufinden. Wir warten also. Ich denke an das, was ich liegenlassen musste, um genügend Zeit fürs Raumfinden zu haben. Andere schienen auch das eine oder andere aufgeschoben zu haben. Letzte SMS werden verschickt.
Dann legt die Moderatorin los. Sie begrüßt alle, stellt das Panel vor. Gleich kommt mein Einsatz, ich dolmetsche nur die französische Gesprächsteilnehmerin ins Deutsche. Plötzlich höre ich Stereo. Indes, es sind nicht die gleichen Informationen. Von links die sopranhelle Stimme der Moderatorin, von rechts ein Generalbass — Magengrummeln! Wir tauschen Blicke im Dreieck, Moderatorin, Diskutantin und Dolmetscherin. Leider habe ich nichts mehr in der Tasche, gestern auf der Rückfahrt im Regionalzug musste die eiserne Reserve dran glauben (eine Fruchtschnitte).
Später dann die rettende Mahlzeit beim Italiener, allerdings war das dann mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der nächsten Diskussionsrunde, zu der ich geeilt bin, um eine Kollegin bei Bedarf zu entlasten. In der Diskussion in der Uni haben wir alle übrigens den Grundton irgendwie weggefiltert, genauso wie das Grundsurren des Beamers, beides fiel irgendwann nicht mehr auf.
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Foto: C.E.
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| Sprechende Hände |
Dieses Viertelstündchen später war für Franzosen und für mich, die ich in Frankreich studiert hatte, übrigens anfangs neu. Aber alles ist eine Frage der Übung. Genauso, wie sich im labyrinthischen Hauptgebäude der Freien Universität zu Berlin zurechtzufinden. Wir warten also. Ich denke an das, was ich liegenlassen musste, um genügend Zeit fürs Raumfinden zu haben. Andere schienen auch das eine oder andere aufgeschoben zu haben. Letzte SMS werden verschickt.
Dann legt die Moderatorin los. Sie begrüßt alle, stellt das Panel vor. Gleich kommt mein Einsatz, ich dolmetsche nur die französische Gesprächsteilnehmerin ins Deutsche. Plötzlich höre ich Stereo. Indes, es sind nicht die gleichen Informationen. Von links die sopranhelle Stimme der Moderatorin, von rechts ein Generalbass — Magengrummeln! Wir tauschen Blicke im Dreieck, Moderatorin, Diskutantin und Dolmetscherin. Leider habe ich nichts mehr in der Tasche, gestern auf der Rückfahrt im Regionalzug musste die eiserne Reserve dran glauben (eine Fruchtschnitte).
Später dann die rettende Mahlzeit beim Italiener, allerdings war das dann mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der nächsten Diskussionsrunde, zu der ich geeilt bin, um eine Kollegin bei Bedarf zu entlasten. In der Diskussion in der Uni haben wir alle übrigens den Grundton irgendwie weggefiltert, genauso wie das Grundsurren des Beamers, beides fiel irgendwann nicht mehr auf.
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Foto: C.E.
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Dienstag, 12. Dezember 2017
Kühner Strich
Fortsetzung zu vorgestern, allerdings um 4.13 Uhr ...
Der Traum malt, setzt mit kühnen Pinselstrichen große Farbflächen auf die Leinwand, die Dolmetscherin dolmetscht, sieht genauer hin, kichert und wacht auf.
"Vom Schlaf 'gezeichnet'" hab ich mir immer anders vorstellt, nämlich mit Kissenmarken auf der Backe.
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Bild: folgt
Der Traum malt, setzt mit kühnen Pinselstrichen große Farbflächen auf die Leinwand, die Dolmetscherin dolmetscht, sieht genauer hin, kichert und wacht auf.
"Vom Schlaf 'gezeichnet'" hab ich mir immer anders vorstellt, nämlich mit Kissenmarken auf der Backe.
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Bild: folgt
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Montag, 11. Dezember 2017
Goldnuggets
Wie Dolmetscher und Übersetzer arbeiten, können Sie hier mitlesen. Also wie ich als Französischdolmetscherin und -übersetzerin arbeite und lebe, aber ich glaube, ich führe ein ziemlich durchschnittliches, halbwegs aufregendes Spracharbeiterinnenleben. Was uns alle eint: Wir schauen den Leuten aufs Maul. In Berlin-Neukölln explodieren die Immobilienpreise. Aufgeschnappt:
"Ihr Immofuzzis glaubt wohl, dass in Neukölln jeder dahergelaufene Straßenköter Goldnuggets scheißt!“ Die Hauswartsfrau, nicht mehr ganz jung an Jahren und mit ausreichend körperlichem Aplomb versehen, droht wütend mit dem Besen, als sie zwei jüngere Männer, Anzug, Krawatte, teuere Budapester-Schuhe und viel Gel im Haar, vom Hof jagt.
Später sagt sie zu einer Nachbarin: „Die ham ausjesehen wie die Zeugen Jehovas. Ich jloob, die Sektenheinis war’n mir lieber!“
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Foto: wird nachgeliefert
"Ihr Immofuzzis glaubt wohl, dass in Neukölln jeder dahergelaufene Straßenköter Goldnuggets scheißt!“ Die Hauswartsfrau, nicht mehr ganz jung an Jahren und mit ausreichend körperlichem Aplomb versehen, droht wütend mit dem Besen, als sie zwei jüngere Männer, Anzug, Krawatte, teuere Budapester-Schuhe und viel Gel im Haar, vom Hof jagt.
Später sagt sie zu einer Nachbarin: „Die ham ausjesehen wie die Zeugen Jehovas. Ich jloob, die Sektenheinis war’n mir lieber!“
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Foto: wird nachgeliefert
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Sonntag, 10. Dezember 2017
Zeichnen üben ...
Wir Dolmetscher und Übersetzer erarbeiten uns regelmäßig neue Themenfelder. Dieser Tage ist es mal wieder Kunstgeschichte. Ich habe irgendwie keine Lust nur auf Theorie.
... und Vokabeln wie Schraffur, gepunktete Linie, Vordergrund, Hintergrund und ach so viele mehr wiederholen oder lernen, am besten mit einem kleinen Onlinekurs in Sachen Portraitzeichnen, um Handgelenk und Hirn zu lockern. Hier mein erster Versuch, mal eben so aus der "Lamäng", wie die Berliner sagen.
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Illustration: C.E.
... und Vokabeln wie Schraffur, gepunktete Linie, Vordergrund, Hintergrund und ach so viele mehr wiederholen oder lernen, am besten mit einem kleinen Onlinekurs in Sachen Portraitzeichnen, um Handgelenk und Hirn zu lockern. Hier mein erster Versuch, mal eben so aus der "Lamäng", wie die Berliner sagen.
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| Drei, vier Regeln lernen, dann kann jede und jeder so zeichnen |
Illustration: C.E.
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Samstag, 9. Dezember 2017
Film mit Dolmetscherinnen
Seit mehr als zehn Jahren veröffentliche ich hier in loser Folge kleine Momente aus dem Übersetzer- und Dolmetscheralltag. Die Anfänge meines Berufslebens liegen in der Medien- und Filmarbeit. Heute bin ich auch in der Politik, für Wirtschaft, Wissenschaft und Privatkunden tätig.
Bravo, Maria Schrader! Heute Abend wurden in Berlin die Europäischen Filmpreise verliehen. Der diesjährige Publikumspreis für den besten Europäischen Film ging an ihren Film "Vor der Morgenröte" über Stefan Zweig.
Eine winzige Kleinigkeit, unseren Berufsstand betreffend, am Rande: In diesem Film sind einige Dolmetscherinnen live und in Farbe zu sehen. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei nicht um Schauspielerinnen. Auch sonst ging Maria Schrader, die vom Schauspiel zur Regie kam, in dieser Arbeit auffällig sensibel mit Sprache um.
Maria Schrader zu ihrem Film: "Wir mussten lange darum kämpfen, diesen Film machen zu dürfen und ihn finanziert zu bekommen, denn es hieß immer: 'Das Publikum hasst Untertitel'. Vielen Dank, Publikum, für diesen Preis!"
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Foto: X-Verleih (Screenshot)
Bravo, Maria Schrader! Heute Abend wurden in Berlin die Europäischen Filmpreise verliehen. Der diesjährige Publikumspreis für den besten Europäischen Film ging an ihren Film "Vor der Morgenröte" über Stefan Zweig.
Eine winzige Kleinigkeit, unseren Berufsstand betreffend, am Rande: In diesem Film sind einige Dolmetscherinnen live und in Farbe zu sehen. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei nicht um Schauspielerinnen. Auch sonst ging Maria Schrader, die vom Schauspiel zur Regie kam, in dieser Arbeit auffällig sensibel mit Sprache um.
Maria Schrader zu ihrem Film: "Wir mussten lange darum kämpfen, diesen Film machen zu dürfen und ihn finanziert zu bekommen, denn es hieß immer: 'Das Publikum hasst Untertitel'. Vielen Dank, Publikum, für diesen Preis!"
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| Flüsterdolmetscherinnen bei einem Interview |
Foto: X-Verleih (Screenshot)
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Freitag, 8. Dezember 2017
Schwurbular
Den subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier im 11. Jahr. Vor dem Einsatz bereiten wir uns intensiv vor. Dabei sind Fachwörterlisten zu erstellen und Redeweisen zu beachten. Das klingt nach viel Arbeit. Aber es gibt Rettung.
Was mir diese Woche akut wieder eingefallen ist: Die Studie, nach der das Mathehirn im Fuß steckt. Es geht um die Korrelation, dass Menschen mit Schuhgröße 29 selten gut rechnen können.
Ansonsten hatten wir wieder es erneut mit viel Schwurbular zu tun. Unter dem Begriff sammele ich Schwurbelbegriffe wie "Tendenz zu", "neigt", "legt die Vermutung nahe", "die Studie erlaubt die Interpretation, dass ...". Solche Ausdrücke muss unsereiner in der Übersetzung pauken. Ich mag derlei nicht, aber es ist leider Berufsalltag.
Dazu sagt ein Bekannter "Konkunktivitis", weil es dann immer schön im Konjunktiv weitergeht. Ehe ich mir hier jetzt von derlei Hässlichkeiten noch eine Augenentzündung hole, denke ich lachend an die Feststellung, dass Menschen, die in der Nase bohren, ihre Hände häufiger in der Nähe ihres Gesichtes haben.
Und ich erhole mir die Augen beim Betrachten eines schöner Bilder. Die Parole lautet: "Mehr Kunst!"
Am Abend sendet mir eine Nonne einen Vortragstext zu einem Künstler. Sie lässt uns an ihrem "Work in Progress" teilhaben, wird drei Fassungen senden, damit wir Zeit haben, uns vorzubereiten. Ich nenne das charmant.
Die kunstgeschichtliche Tagung nächste Woche, die letzte Konferenz des Jahres, wird frei sein von Schwurbular. Bis dahin heißt es: Das Gegenteil davon, nämlich Fachvokabular pauken. Sich weiterbilden. Die Stadt und unsere Zeit mit anderen Augen sehen.
Tipps dazu für dieses Wochenende:
⊗ Jüdisches Museum zu Berlin, Sonntag letzter Öffnungstag vor Umgestaltung der ständigen Ausstellung. Das Museum lebt ja von der Spannung zwischen Archivalien, den vielen Kulturzeugnissen jüdischen Lebens in Berlin, und der Architektur, die derzeit hinter den Exponaten stark in den Hintergrund tritt. Das soll nach der Neuausrichtung anders sein.
⊗ Gaslaternenweihnachtsmarkt der Vereine, Verbände und Kunsthandwerker in Rixdorf (Berlin-Neukölln).
⊗ British Pathé hat einige hundert Filme online gestellt, breit durch den Gemüsegarten: Filmerbe, News, bunte und vermischte Nachrichten vergangener Tage. Zu finden sind sie auf YouTube, sie stammen aus den Jahren von 1896 bis 1976 und sind thematisch sortiert. Ich bin über Claude Monet auf diese Goldmine gestoßen.
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Fotos: C.E.
Was mir diese Woche akut wieder eingefallen ist: Die Studie, nach der das Mathehirn im Fuß steckt. Es geht um die Korrelation, dass Menschen mit Schuhgröße 29 selten gut rechnen können.
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| Biedermeierfräulein |
Dazu sagt ein Bekannter "Konkunktivitis", weil es dann immer schön im Konjunktiv weitergeht. Ehe ich mir hier jetzt von derlei Hässlichkeiten noch eine Augenentzündung hole, denke ich lachend an die Feststellung, dass Menschen, die in der Nase bohren, ihre Hände häufiger in der Nähe ihres Gesichtes haben.
Und ich erhole mir die Augen beim Betrachten eines schöner Bilder. Die Parole lautet: "Mehr Kunst!"
Am Abend sendet mir eine Nonne einen Vortragstext zu einem Künstler. Sie lässt uns an ihrem "Work in Progress" teilhaben, wird drei Fassungen senden, damit wir Zeit haben, uns vorzubereiten. Ich nenne das charmant.
Die kunstgeschichtliche Tagung nächste Woche, die letzte Konferenz des Jahres, wird frei sein von Schwurbular. Bis dahin heißt es: Das Gegenteil davon, nämlich Fachvokabular pauken. Sich weiterbilden. Die Stadt und unsere Zeit mit anderen Augen sehen.
Tipps dazu für dieses Wochenende:
⊗ Jüdisches Museum zu Berlin, Sonntag letzter Öffnungstag vor Umgestaltung der ständigen Ausstellung. Das Museum lebt ja von der Spannung zwischen Archivalien, den vielen Kulturzeugnissen jüdischen Lebens in Berlin, und der Architektur, die derzeit hinter den Exponaten stark in den Hintergrund tritt. Das soll nach der Neuausrichtung anders sein.
⊗ Gaslaternenweihnachtsmarkt der Vereine, Verbände und Kunsthandwerker in Rixdorf (Berlin-Neukölln).
⊗ British Pathé hat einige hundert Filme online gestellt, breit durch den Gemüsegarten: Filmerbe, News, bunte und vermischte Nachrichten vergangener Tage. Zu finden sind sie auf YouTube, sie stammen aus den Jahren von 1896 bis 1976 und sind thematisch sortiert. Ich bin über Claude Monet auf diese Goldmine gestoßen.
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| Von der Pinnwand |
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Fotos: C.E.
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Donnerstag, 7. Dezember 2017
Baulärm
Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein
Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche
und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus
der englischen Sprache. Dolmetscher und Übersetzer haben oft empfindliche Ohren.
Berlin soll schöner werden. Jetzt wird es erstmal lauter und teurer.
Einst,
als ich noch Radiojournalistin war, wurde mir einmal die fragwürdige Ehre
zuteil, von der eigenen Stimme geweckt zu werden. (Die Erklärung des Kunststücks:
Radiowecker und Programmaustausch.)
Unlängst wurde ich von Baulärm in Quadrophonie wach, was wirklich nicht schöner ist.
Oben bzw. im Hinterhof wird ein Dach ausgebaut, unter mir mit dicken Holzbalken ein Kinderzimmer provisorisch geteilt (die Leute haben kein Geld für größere Wohnungen, ein zusätzliches Zimmer kostet durch die Mietpreisexplosion immer gleich 1000 Euro mehr), in der Nachbarwohnung wurde der Estrich aus der Wohnung gepresslufthämmert, da die Billigsanierung des Bades dazu geführt hatte, dass Wasser hinter die Fliesen gelaufen war und die Wand schimmlig wurde ... und im Nachbarhaus durften Bauarbeiter Löcher in die Wände reißen zur Verlegung einer Etagenheizung.
Ohropax, du Friede meiner Lauscher, was wäre ich ohne dich? Zur Entschädigung gab es echtes, schönes, gutes Wetter mit Licht. Was wir uns in den dunklen Monaten in Berlin ja im Kalender anstreichen.
Später, im Büro, haben wir uns mit Handzeichen verständigt und das Telefonklingeln überhört.
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Foto: C.E.
Berlin soll schöner werden. Jetzt wird es erstmal lauter und teurer.
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| Jeden Morgen springt 6.50 Uhr der Baustellenaufzug an |
Unlängst wurde ich von Baulärm in Quadrophonie wach, was wirklich nicht schöner ist.
Oben bzw. im Hinterhof wird ein Dach ausgebaut, unter mir mit dicken Holzbalken ein Kinderzimmer provisorisch geteilt (die Leute haben kein Geld für größere Wohnungen, ein zusätzliches Zimmer kostet durch die Mietpreisexplosion immer gleich 1000 Euro mehr), in der Nachbarwohnung wurde der Estrich aus der Wohnung gepresslufthämmert, da die Billigsanierung des Bades dazu geführt hatte, dass Wasser hinter die Fliesen gelaufen war und die Wand schimmlig wurde ... und im Nachbarhaus durften Bauarbeiter Löcher in die Wände reißen zur Verlegung einer Etagenheizung.
Ohropax, du Friede meiner Lauscher, was wäre ich ohne dich? Zur Entschädigung gab es echtes, schönes, gutes Wetter mit Licht. Was wir uns in den dunklen Monaten in Berlin ja im Kalender anstreichen.
Später, im Büro, haben wir uns mit Handzeichen verständigt und das Telefonklingeln überhört.
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Foto: C.E.
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Mittwoch, 6. Dezember 2017
Museum der Wörter 19
Hallo, hier bloggt eine Spracharbeiterin. Ich übersetze und dolmetsche. Arbeitssprachen: Französisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Ausgangssprache). Heute im Wörtermuseum: Etwas zur Jahreszeit.
Was ein wackerer Schokoladennikolaus ist, trägt eine Robe aus Stanniolpapier. Ein solches Wesen hat mich heute Morgen überrascht.
Stanniol war einst hauchdünn gewalztes Material, eine Bleisilberlegierung, später wurde Zinn verwendet. Die Folie wird wie heute das Aluminium zum Verpacken genutzt. Alu ist billiger, Stanniol kommt kaum noch vor. Um in der Jahreszeit zu bleiben: Lametta ist noch aus Stanniol.
Das Wort kennen heutige Youngsters nicht mehr. Ich kenne es von meinen Großmüttern.
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Idee: H.F.
Foto: C.E.
Stanniolpapier
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| Schöne Morgendeko |
Stanniol war einst hauchdünn gewalztes Material, eine Bleisilberlegierung, später wurde Zinn verwendet. Die Folie wird wie heute das Aluminium zum Verpacken genutzt. Alu ist billiger, Stanniol kommt kaum noch vor. Um in der Jahreszeit zu bleiben: Lametta ist noch aus Stanniol.
Das Wort kennen heutige Youngsters nicht mehr. Ich kenne es von meinen Großmüttern.
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Idee: H.F.
Foto: C.E.
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Sprachschatz
Sonntag, 3. Dezember 2017
Walnüsse
Bonjour, hello, guten Tag! Französischdolmetscher und -übersetzer haben vermutlich einen eigenen Blick auf die Welt, und meiner ist nochmal anders. Ich schreibe hier mein subjektives Arbeitstagebuch und werde gelegentlich auch allgemein ...
Sie kommen bei uns vom Bauernmarkt oder aus dem Garten von Bekannten: Walnüsse! Und was von der Form her aussieht wie ein kleines Gehirn, ist auch für das Gehirn besonders kostbar.
Dieses "Brainfood" enthält viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6), über die sich zudem das Herz freut.
Darüber hinaus sind Walnüsse ein Lieferant diverser Spurenelemente (Eisen, Zink, Schwefel und Magnesium), Aminosäuren (gut für die Gefäße), Mineralstoffe und B-Vitamine.
Es wird der tägliche Verzehr von einer Handvoll dieser Nüsse empfohlen, das sind etwa 30 Gramm bzw. 200 Kalorien. Hier geht es zur Nährwerttabelle.
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Foto: C.E.
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| Leckere Weihnachtsdeko |
Dieses "Brainfood" enthält viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6), über die sich zudem das Herz freut.
Darüber hinaus sind Walnüsse ein Lieferant diverser Spurenelemente (Eisen, Zink, Schwefel und Magnesium), Aminosäuren (gut für die Gefäße), Mineralstoffe und B-Vitamine.
Es wird der tägliche Verzehr von einer Handvoll dieser Nüsse empfohlen, das sind etwa 30 Gramm bzw. 200 Kalorien. Hier geht es zur Nährwerttabelle.
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Foto: C.E.
Samstag, 2. Dezember 2017
Dostojewski-Übersetzerin
Bonjour und guten Tag, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Heute folgt hier ein eiliger Link.
Das sehr anrührende Filmportrait über die literarische Übersetzerin Swetlana Geier (1923-2010), "Die Frau mit den fünf Elefanten", läuft nur noch heute in der 3Sat-Mediathek.
Sichtungslink: klick! Dokumentarfilm von Vadim Jendreyko, Deutschland/Schweiz 2009.
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Foto: Cineworx (Schweiz)
Das sehr anrührende Filmportrait über die literarische Übersetzerin Swetlana Geier (1923-2010), "Die Frau mit den fünf Elefanten", läuft nur noch heute in der 3Sat-Mediathek.
Sichtungslink: klick! Dokumentarfilm von Vadim Jendreyko, Deutschland/Schweiz 2009.
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| Leise und laut lesen im Team |
Foto: Cineworx (Schweiz)
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