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Mittwoch, 24. April 2024

Kleine Pariser Straßenszene

Hel­lo, bon­jour & gu­ten Tag auf der Sei­te ei­ner Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin und -über­set­ze­rin mit Haupt­ar­beits­ort Ber­lin. Hier kön­nen Sie Ein­bli­cke in den All­tag der Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen er­hal­ten.

Ei­gent­lich woll­te ich nur ein al­tes Fo­to­archiv auf­räu­men und fin­de das da:

Zwei Frauen im Gespräch auf einem Pariser Gehweg mit Sprechblase (Zitat: siehe Text)
Dom­in­ique Ma­not­ti und die Au­to­rin die­ser Zei­len bei Dreh­ar­bei­ten in Paris

In der Sprech­bla­se, die mir je­mand im Schnei­de­raum (?) rein­ge­bas­telt hat, steht ei­nes mei­ner Lieb­lings­zi­ta­te zum The­ma Film­schau­spiel, auch aufs Dol­met­schen am Set über­trag­bar: On est payé(e)s pour pa­tien­ter, la pres­ta­tion est gra­tu­ite ! ... auf Deutsch: "Wir wer­den fürs War­ten be­zahlt, die Arbeit selbst ist gra­tis!"

Der Kopf krü­melt sich De­tails zu­sam­men und meint, die "Car­lin­gue" aus dem In­ter­view­trans­kript un­ter dem Film­stand­bild sei das Stich­wort: Das war der Kurz­na­me für die fran­zö­si­schen Ges­tapo im Frank­reich un­ter der Vi­chy-Re­gie­rung, die ihr Per­so­nal "teil­weise im Kri­mi­nel­len­mi­lieu an­heu­er­te" (Wi­ki­pe­dia). His­to­ri­ke­rin und Kri­mi­au­torin Do­mi­nique Ma­not­ti hat ihr Buch Le corps noir im Pa­ris die­ser Zeit an­ge­sie­delt, es ist auch auf Deutsch er­schie­nen, und zwar un­ter dem Ti­tel "Das schwar­ze Korps".

Plötz­lich er­in­ne­re ich mich glas­klar: Hier geht das Team mit Do­mi­nique Ma­no­tti von einem Dreh­ort zum nächs­ten. Pro­ta­go­nis­ten bei Lau­ne zu hal­ten, ist Teil der Auf­ga­ben­be­schrei­bung von uns Set-Dol­met­sche­rin­nen (Män­ner mit­ge­meint). Das fiel mir mit der wun­der­ba­ren Do­mi­nique Ma­not­ti und als His­to­ri­ker­toch­ter nicht schwer. Und ja, bei Dreh­ar­bei­ten muss oft ge­war­tet wer­den bzw. ist viel Ge­duld nö­tig, so­gar bei der Her­stel­lung von Do­ku­men­tar­fil­men und Re­por­ta­gen.

Die Auf­nah­men sind aus dem Mai 2015. Ich tra­ge ei­nen zu­sam­men­ge­rol­lten klei­nen Pa­pier­sta­pel (Dreh­buch, No­tizen, Hin­ter­grund­ma­te­rial, Vo­ka­bel­lis­ten), einen Ta­schen­com­pu­ter und Schreib­zeug, ge­dreht wird der ZDF/Arte-Do­kumen­tar­film mit dem Ti­tel "Kri­mis und das Drit­te Reich" in der Re­gie von Chris­toph Rü­ter und mit Phi­lip Kerr (Lon­don), Vol­ker Kut­scher (Köln) und Do­mi­nique Ma­no­tti (Pa­ris) als Pro­ta­go­ni­sten.

Die Dreh­ar­bei­ten wa­ren sehr in­te­res­sant, der Film ist sehr gut ge­wor­den und er wur­de nach dem viel zu frü­hen To­de Phi­lip Kerrs 2018 noch wert­vol­ler.

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Il­lus­tra­tion:
Schnei­de­raum (?)

Donnerstag, 7. September 2017

Sommerrückblick in Fotos (4)

Bonjour, guten Tag, hello! Sie lesen im Blog einer Konferenzdolmetscherin für die französische Sprache. Außerdem arbeite ich für Privatkunden und europäische Betriebsratssitzungen, bei Delegations- und Studienreisen, für TV und Radio, im Kino und bei Festivals.

Dreharbeiten aus der Vogelperspektive
"Und bitte!"
Diesen Sommer war ich für den Beruf, im Ehrenamt sowie als Urlaubsreisende mit Fa­mi­lie unterwegs. Meine Rück­blicke bringe ich diese Wo­che.

Die Kamera war zu schwach: Wir sind privat untergebracht und dolmetschen tagsüber. Es ist heiß. Es ist sehr heiß. Ir­gend­ wann schlafe ich vor Er­schöp­fung ein.

Dann träume ich von Dreharbeiten. Ich wache auf, finde nicht mehr in den Schlaf zurück, nestele mir die Ohropax aus den Lauschern.

Und beobachte aus dem Fenster einen Nachwuchsdreh.

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Foto: C.E.

Dienstag, 18. März 2008

Die Sprache der Buckelwale

Mmmmmmmrrrrrrrrrrggggghh! Gooooooooooouu
uuuuuuuuuuuuuuuoooooooooooooooooonnnngggg!
Ddddddschrrrrrroooooonnnnnnnnnnnnnnggggggg
gghgouuuuuuuuuuunnnnngggg!


Er atmet tief durch, dann wiederholt er den Ruf noch einmal. Er, das ist Jean-Jacques, ein dunkelhaariger Mann mit Dreitagebart in seinen späten Vierzigern. Er steht im Kino am Potsdamer Platz in Berlin und sieht auf die roten Plüschsessel. Fünfhundert Augenpaare folgen ihm gespannt. Dann sagt er augenzwinkernd zu Peter, dem Dolmetscher: "Bitte, übersetzen Sie!", worauf dieser schmunzelnd erwidert: "Gerne doch!"

Doch Jean-Jacques lässt keine Pause und macht es selbst: "Das war jetzt 'Hallo, schön dass Sie gekommen sind!' auf Buckelwalisch." Peter, der Dolmetscher, überträgt dann die detaillierten Beschreibungen der Lebensumstände verschiedener Wal- und Delfinarten, die das Filmteam in allen Weltmeeren, von der Arktis bis zu Atollen des Pazifik, von den Azoren bis nach Australien in 600 Stunden unter Wasser mit der Kamera beobachtet hat. Wir schreiben den 10.3.08 und sind im IMAX auf der Europapremiere des Films "Delfine und Wale 3D".

Fünf Redner leiten ein, sagen Dank, erzählen, welche Aufgabe sie beim Zustandekommen des Films hatten, auch ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen ist mit von der Partie, denn der Schutz der Tiere ist von supranationalem Interesse.
Fünf Redner - die geplante Sprechzeit pro Beteiligtem liegt bei drei Minuten. Genau drei Minuten benötigt Martina Gedeck, die den deutschen Kommentar gesprochen hat. Sie, die am weitesten von den konkreten Dreharbeiten entfernt war, erzählt sehr überzeugend, wie sehr sie diese Tiere berühren, die ihre Jungen ähnlich wie wir Menschen zu einem Zeitpunkt "auf die Welt" bringen, als diese noch nicht allein überlebensfähig sind. Die Zärtlichkeit der Buckelwale ist ebenso überraschend wie ihre schrundige Haut, ihre kilometerweit hörbaren, seltsamen und bis heute nicht entschlüsselten Rufe - sowie der ganze Film in 3D.

Für die einleitenden Worte sind insgesamt fünfzehn Minuten vorgesehen, es wird am Ende fast die doppelte Zeit dauern, was der Sache keinen Abbruch tut: Das Publikum ist gespannt dabei. Auch nachher noch, beim "Q 'n' A", (questions and answers), dem Frage- und Antwortteil des Abends. Hier ergreift der Taucher und Unterwasserfilmer Jean-Michel Cousteau das Wort, der dem Team bei den dreijährigen Filmarbeiten als Berater zur Seite stand. Er erinnert in eindringlichen Worten an unsere Verantwortung, die wir haben um dafür zu sorgen, dass diese einzigartigen Lebewesen nicht aussterben.

Es gibt aber auch Tröstliches auf der Premiere. Bei den Dreharbeiten wurden weitere Populationen von bedrohten Tierarten entdeckt - und eine Art, die bislang noch niemand beschrieben hatte, geriet den Filmern auch vors Objektiv: Der Stupsnasenwal.

Der Ruf der Stupsnasenwale wird diesen Abend jedoch nicht wiederholt.
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"Delfine und Wale 3D" im IMAX 3D in Berlin. Photo: Hervé Prigent

Sonntag, 22. August 2010

Dreh im Filmstudio

Kaum war die Urlaubszeit zu Ende, fiel gestern gleich der "Link der Woche" aus ... 
Für die Sommerwochen hatte ich alles im Voraus geschrieben und programmiert, aber mindestens dieser Samstagseintrag sollte aktuell sein. Ab nun ist das ganze Blog wieder aktuell. Oder fast - hier meine Sonntagsfotos, für die ich mich im Archiv umschaute. 
Als Dolmetscherin habe ich mich auf die Themengebiete Kultur, Wirtschaft und Soziales spezialisiert, einer der Schwerpunkte im Berufsalltag ist Film von Exposé und Treatment über Dreharbeiten und Untertiteln bis hin zu Filmpremieren.
Regelmäßig dolmetsche ich am Set. Hier einige Fotos aus der "Berliner Straße" im Filmstudio Babelsberg aus dem Jahr 2008.
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Fotos: Dreharbeiten zu Babelsberg d'Est en Ouest (Babelsberg von Ost nach West), Frankreich 2009, 56 min, Buch/Regie/Produktion: B. Louargant, Koproduktion/wiss. Beratung/Dolmetschen: C. Elias

Samstag, 7. Februar 2009

Standbild: arrêt sur images

Berlin, Pressekonferenz der Berlinale im Grand Hyatt. Vorgestellt wird das Team von "Welcome", Regisseur: Philippe Lioret. (Der Film läuft im Panorama). "Welcome" erzählt eine Liebesgeschichte und schildert das Schicksal illegaler Migranten in Europa dies- und jenseits des Ärmelkanals. Bei der Pressekonferenz diskutieren die Gäste auf Englisch und Französisch, gedolmetscht wird ins Deutsche, Englische und Französische.

Einer spricht und erklärt das Casting. Nach solchen Events wissen Dolmetscher, die sich auf die Sprache konzentrieren, oft nicht mehr genau, wer es war. Der Regisseur? Der Koproduzent? Einer der Schauspieler?

Jedenfalls wird es kompliziert. Dem Hauptdarsteller, ein junger Kurde, der in Frankreich lebt, versagt vor lauter Gefühlen die Stimme. Ein anderer springt ihm bei, erläutert, beschreibt die Arbeit mit dem bei den Dreharbeiten Siebzehnjährigen, dessen Ausstrahlung sich selbst übers Internet mitteilt (ich folge der Übertragung). Die Dreharbeiten zwischen verschiedenen Kulturen haben offenbar die "intercultural awareness" der Beteiligten geschärft, denn nun teilt der Sprechende seine Hintergedanken mit, und die gelten der Dolmetscherin: " La pauvre traductrice, elle est déjà très fatiguée, elle est au bout du rouleau, elle se demande, quand est-ce qu'ils vont repartir ?" Und nicht ohne ein leichtes Glucksen der Ironie dolmetscht die Kollegin etwas wie: "Die arme Dolmetscherin, sie ist sicher sehr müde, am Ende ihrer Kräfte und fragt sich nun, wann das Team endlich fertig ist ..."

In diesem Moment friert das Bild ein und liefert mir ein hübsches Standbild: viele Blicke gehen Richtung Dolmetscherkabinen. Schön, wenn die Dolmetscher nicht vergessen werden, denn sie sind Teil des Ganzen.

Montag, 28. März 2011

la cinquième roue du carosse

Schreiben ist nur bei völliger Ehrlichkeit sich selbst und den anderen gegenüber möglich. — Dieser Satz fiel bei den von mir soeben verdolmetschten Dreharbeiten für den Arte-Film über deutsche Literaten regelmäßig. Ich halte mich dran.

Mein nächster Mitarbeiter beim Dreh ist oft der Tonmann. Er zeichnet auf, was ich dolmetschend von mir gebe. Ansonsten hänge ich oft mit der Interviewerin und bei diesem Dreh mit der Leiterin der Filmreihe zusammen: Wir diskutieren Inhalte, stellen Überschneidungen oder Widersprüche fest, gehen Lesenotizen und Fragen durch, suchen nach verbindenden Momenten, denn sie sind im Schnitt später mögliche Übergänge. Viele Fragen werden mir zu den Vitae der Schriftsteller gestellt, offenbar steht da auf französischen Webseiten nicht so viel. Es ist also mein ureigenes Interesse, bestmöglich informiert zu sein ... (Von den 24 Büchern, die den Gesprächen zugrundegelegt wurden, habe ich am Ende 19 gelesen; etliche kannte ich auch schon, die habe ich nur intensiv durchgeblättert.)

Jedes Gewerk hält sich am Set für das Allerwichtigste. Das ist normal. Einmal, beim Einpacken, sagt Tonmann Hyacinthe beiläufig, dass die Tonleute immer la cinquième roue du carosse seien, das fünfte Rad am Wagen, man vergesse ihn immer, es sei eine anstrengende Notwendigkeit, auch noch guten Ton aufnehmen lassen zu müssen. Eigentlich bekäme er nur dann feed back, wenn was schiefgelaufen ist.

Was soll denn ich erst sagen als Vertreterin meines "Gewerks", das übrigens nicht als solches wahrgenommen wird. Ich stehe zwischen den Technikern und den Inhaltsarbeitern, und ich werde niemandem richtig zugerechnet. Wenn's ums Geld geht, schlägt man mich gern dem allgemeinen Team zu mit Einheitstarifgage ... und vergisst dabei, dass ich je Arbeitstag auf mindestens einen Vorbereitungstag
komme, bei diesem Dreh über deutsche Literatur ist es 1:2,5. Kurz: Verhandlungsspielraum gab es bei den Honorarverhandlungen wohl nicht, ich bekomme also ein Drittel dessen, was die Technikkollegen bekommen, und davon geht noch das Geld für die Bücher ab, von denen ich doch etliche gekauft hatte (Stichwort: Randnotizen).

Wenn dann nach einem halbtägigen Intervieweinsatz alle in Richtung Restaurant aufbrechen, bekomme ich freundlich signalisiert, dass meine Arbeitszeit zuende sei, da bin ich dann plötzlich wieder die Externe. Ich entgegne dann immer ebenso freundlich wie bestimmt, dass ich jetzt auch als Privatmensch nichts anderes tun würde als eine Mahlzeit einzunehmen, und garantiert nicht erst zu Hause angesichts der anstrengenden Arbeit.

Ich denke nicht, dass das Ganze böswillig gemeint ist, es ist nur einfach gedankenlos.

Und es spiegelt eine gewisse Nichtbeachtung von Intellektuellen wider, die offenbar hoffähig geworden ist, selbst in Frankreich. Wer vier, fünf Stunden lang Technik auf- und abbaut und zwischendurch auch bedient, arbeitet ganz offensichtlich hart; dass ich in den meist ein- bis eineinhalbstündigen Interviews als Dolmetscherin die gleiche Menge Kilokalorien verbrenne wie "die Jungs von der Technik" am halben Tag, ist auf den ersten Blick auch nicht zu sehen.

Bin ich jetzt das sechste Rad am Wagen? Ist ein Filmdreh dann ein Sportwagen mit sechs Rädern?

Und natürlich bin ich als Dolmetscherin die Allerwichtigste, ist doch klar, oder?!
;-)

Im Ernst, ohne meine Verdolmetschungen, mein Nachfragen, meine Zuarbeit und mein Mitdenken wären wohl keine sinnvollen Interviews möglich. Das bildet meine Position am Set (und manchmal auch leider mein Honorar) nicht ab.


P.S.:
1. Darf ich so eindeutig über meine Jobs schreiben? Ja, ich darf. Ich klage nicht an, ich beschreibe nur Trends, letztendlich auch Berufsanfängern zur Warnung, die meist falsche Vorstellungen haben. Und meine lieben Franzosen können es auch nicht lesen, die automatische Übersetzung bringt's nicht. Allein der erste Satz: Aus "Tonmann" wird ein Mann aus Ton (nicht zu verwechseln mit dem Mann aus Marmor). Super! Für den Restzweifel: Siehe einleitende Sätze.
2. Mir hat die Arbeit große Freude gemacht, und ein bis zwei Drehs im Jahr muss ich 'machen', sonst bin ich unzufrieden. Aber TV-Produktionen im Kulturbereich haben jedes Jahr weniger Geld.
3. Für den Dolmetscherenergieverbrauch gibt es über das hinaus, was unsere Dozenten an der Uni verlautbarten, leider keine Quellen, oder aber ich fand sie nicht im Netz. Wer hier mehr weiß (oder erforschen möchte), bitte melden! Das gleiche betrifft die vielzitierte Stressstatistik der WHO, der zufolge wir nach Jetpiloten und Fluglotsen den drittstressigsten Beruf innehätten.
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Foto: C.E.

Freitag, 31. Juli 2020

COVIDiary (116)

Ob gezielt an­ge­steu­ert oder eher zufällig, lesen Sie hier eine Seite des ers­ten Dol­met­schblogs Deutsch­lands aus dem Inneren der Dol­metscherkabine. Das Co­ro­na­vi­rus macht aus meinem Blog das eher private COVIDiary mit Notizen aus dem ers­ten Berliner Coronasommer.

Nachmittags auf dem Wochen­markt vor dem Haus: In der Schlange fragt ein Paar nach einem Café, hat sich in der Uferseite vertan.
 
Hummeln und Blüten
Berliner Hummelsommer
Wir Dol­met­sche­rin­nen und Dolmetscher sind immer höflich und hilfsbereit. So kommen wir kurz ins Gespräch. Sie seien in Berlin, um gegen Corona zu de­mons­trie­ren. Bei wem sie denn da vor­stel­lig wür­den, frage ich leicht ironisch. Diese Ebene kommt nicht an.
Die beiden ent­­puppen sich als hart­ge­sot­te­ne Corona­­leugner. Sofort ver­su­chen sie, mich zu mis­sio­nieren. Ich habe sie darauf­hin freund­lich gefragt, wie der böse Deep State, der Corona in die Welt gesetzt hat, um uns alle aus­­zu­rot­ten (wie sie ernst­haft er­klärt ha­ben), jetzt sein Chem­­trail­pul­ver versprüht, wo doch kaum Flie­ger in der Luft sind. Darauf haben sie keine Ant­wort.

Ich habe Ihnen dann als Buch "Die Schock-Strategie" von Naomi Klein em­pfoh­len. Sie kannten es nicht. Ma­dame hat Titel und Auto­rin eifrig notiert. Wäre ja noch schöner, wenn immer alle nur Bücher aus ihrer Blase lesen würden.

Klammern zur Befestigung von Kunst und von Wäsche
Klammern zählen
Ich lese gerade ein Buch über "Paris un­term Haken­kreuz", Autor: Kers­ten Knipp. Mehr dazu folgt später. In­halt­­lich schlie­ße ich an einen Krimi an, zu dem ich vor ei­ni­gen Jahren als Dolmetscherin an Dreh­ar­bei­ten zu einem Dokumentarfilm beteiligt war: "Das schwarze Korps", Le corps noir, von Dominique Manotti.

Zwischendurch ist Lesen aber un­prak­tisch. Heute Vor­mittag hieß es bereits: Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr. We made a big splash. Einma rin ins jute Wassa.
Dann ins Büro, arbeiten. Vorher noch in Biblio­thek und Buch­laden weiteres Le­se­fut­ter ab­ho­len.

Morgen ist Gartenar­beit dran, dann kommt Besuch aus Frankreich. Kom­menden Diens­tag ha­ben wir eine Aus­stellung im Haus, dafür ist auch noch was vor­­zu­­be­­reiten. Im Bastel­kram­kauf­haus für Architekten am Moritz­platz, Modulor, habe ich noch Foldback-Klammern nachgekauft. Berlin mit seinem viel­sei­ti­gen Ein­zel­handel begeistert mich immer wieder.

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Fotos: C.E. (z.T. Archiv)

Donnerstag, 25. September 2025

Beim Warten

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch ar­bei­te ich dort, wo kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on über Er­folg ent­schei­det: bei in­ter­na­ti­o­na­len Kon­fe­ren­zen, in der Po­li­tik und bei Dreh­ar­bei­ten. Hier im Blog gibt’s den Blick hin­ter die Ku­lis­sen.

Gleich kommt ein Pres­se­team, wir be­rei­ten In­ter­views zum The­ma Kli­ma vor, die ich dol­met­schen werde. Ich warte. Die Kaf­fee­ta­fel ist ge­deckt, in ih­rer Mit­te steht der Ku­chen aus rei­fen Bio­ba­na­nen, auf der Dienst­rei­se am Stra­ßen­rand ge­fun­de­nen Fall­äpfeln, selbst ge­mix­ter Dat­tel­creme und ge­mah­le­nen Wal­nüs­sen- Ki­cher­erb­sen­mehl und Voll­korn­grieß run­den das ve­ga­ne Re­zept ab. Wie­der so ein gro­ßer Ku­chen! Den Rest wer­de ich ei­ner Nach­ba­rin brin­gen, die ges­tern Abend, als ich nach­hau­se ge­kom­men bin, im Flur so be­drückt aus­ge­sehen hat.

Tassen, Teller, Servietten, Kuchen, Blumen
Schön ge­deck­te Kaf­fee­ta­fel
Ihr Sohn ist Tee­nager. Eben hat er in der Schule das The­ma Kli­ma­ka­tas­tro­phe durch­ge­nom­men. Er ist tief nie­der­ge­schla­gen. Mein Patenz­­ieh­sohn trägt die­selbe Schwe­re. Die klei­nen Fräu­leins, was mei­ne Nich­ten sind, drei und sechs Jah­re alt, sprin­gen noch un­be­schwert auf dem Gart­en­tram­polin und wis­sen nichts von den Zah­len, auf die sich un­se­re Welt zu­be­wegt.
Am Mor­gen ha­be ich die neue Stu­die des Pots­dam-In­sti­tut für Kli­ma­fol­gen­for­schung ge­le­sen, die bis zum Jahr 2050 mehr als drei Grad Erd­er­wär­mung pro­gno­sti­ziert.

Drei Grad ge­gen­über dem vor­in­dus­tri­el­len Ni­veau! Lan­ge wur­de diese Zahl erst für das Jahr 2100 ge­schätzt (oder für ir­gend­ei­ne an­de­re un­schar­fe Zu­kunft).

Da­bei wis­sen wir, dass die Luft pro zu­sät­z­li­chem Grad rund sie­ben Pro­zent mehr Was­ser auf­neh­men kann. Das be­deu­tet mehr Ver­duns­tung, der schwä­cheln­de Golf­strom, ein an­derer Aspekt der Pro­blem­la­ge, führt zu lang an­hal­ten­den Wet­ter­la­gen, zu län­ge­ren Dürre­pe­ri­oden, bis sie von Ex­trem­wet­ter­la­gen mit zu viel Re­gen in kur­zen Pha­sen un­ter­bro­chen wer­den. In Deutsch­land könnte der Jah­res­durch­schnitt um 3,4 bis 4,7 °C an­stei­gen, ita­lie­nisches Wet­ter al­so.

Was heißt das kon­kret? Böden trock­nen aus, dann rei­ßen Ge­wit­ter Lö­cher in die Land­schaft, wert­voller Hu­mus wird von Äc­kern in die Flüs­se ge­spült. Trink- und Nutz­was­ser wird knap­per, für Men­schen, Land­wirt­schaft und In­dus­trie; Tur­binen, Lauf­kraft­wer­ke, Kühl­ung wer­den zum Pro­blem. Flüsse fal­len tro­cken, nach­dem die Ba­lan­ce ihrer Öko­sys­teme schon län­ger be­droht wa­ren.

Die Ern­ten schrump­fen, denn vie­le eu­ro­päi­sche Kul­tur­pflan­zen er­tra­gen, an­ders als Reis, kein ste­hen­des Was­ser. Es wird al­so zu tief­grei­fen­den Än­de­rung­en in der Land­wirt­schaft kom­men müs­sen, ne­ben den Er­trags­ver­lus­ten ste­hen Mehr­aus­ga­ben für an­ge­pass­te Sys­teme, die Prei­se stei­gen. Die in­du­stri­elle Land­wirt­schaft greift be­reits heu­te öf­ter auf schwin­den­de Grund­was­ser­re­ser­ven zu­rück; je tie­fer ihr Spie­gel fällt, desto mehr Bäu­me ge­ra­ten in Not.

Das Tem­po des Wan­dels macht den Un­ter­schied. Flo­ra und Fau­na kom­men bei dem Tem­po nicht mit. Wan­der­we­ge für Tie­re und Pflan­zen sind blo­ckiert, die Ur­ba­ni­sie­rung bremst die bio­lo­gi­sche Migra­ti­on aus. Ar­ten­ster­ben be­schleu­nigt sich.

Glei­ch­zei­tig wan­dern in­va­sive, tro­pi­sche In­sek­ten nach Nor­den, oft oh­ne ihre na­tür­lichen Fressfei­nde. Sie brin­gen neue Krank­heits­ri­siken oder ver­brei­ten Be­kann­tes in neu­en Kon­tex­ten. Ein Auf­enthalt „im Grü­nen“ kann plötz­lich an­ders wahr­ge­nom­men wer­den: nicht mehr als Zu­flucht, son­dern als Ri­siko. Eine pas­to­rale Sze­ne wie „Früh­stück auf dem Lan­de“ droht in ein dys­to­pi­sches Zerr­bild zu kippen. Die Idyll­e fehlt die Si­cher­heit, die sie einst ver­sprach, die Na­tur als Ru­he­pol wird be­droh­lich wahr­ge­nom­men wer­den, der Stress der Men­schen steigt, Herz- und Kreis­lauf­er­kran­kun­gen neh­men zu.

Die For­scherin­nen und For­scher sa­gen klar, was hilft: Emis­sio­nen ra­di­kal sen­ken, na­tür­liche Sen­ken wie Wäl­der und Moo­re wie­der­her­stel­len, Raum­pla­nung neu den­ken, z. B. Rück­zug aus tie­fer­le­genden Küsten­re­gio­nen, Äcker ver­klei­nern, Blüh­strei­fen oder „Knicks“ aus Hecken und Bäu­men ein­bau­en, auf Agro­forst­wirt­schaft und Per­ma­kultur set­zen, die Städ­te durch Schwamm­stadt­kon­zepte er­tücht­igen, den Über­kon­sum ein­schrän­ken, Ver­keh­re auf die Schiene ver­la­gern, Ge­bäu­de er­tüch­ti­gen, lo­ka­le und re­gio­nale Ener­gie- und Le­bens­mit­tel­pro­duk­tion för­dern. Es gibt vie­le An­sätze.

Doch ist der­zeit in der Po­li­tik kein Plan er­kenn­bar. Oran­ge Face hat erst die­se W­oche die wis­sen­schaft­lichen Er­kennt­nis­se zur Kli­ma­ka­tas­trophe als „größ­ten Be­trug al­ler Zei­ten“ ver­leum­det. (Mit Na­tur­ge­set­zen ver­han­delt nie­mand, nicht ein­mal „Ih­ro ge­schwätz­ige Selbst­über­schät­zig­keit“.)

Die Mensch­heit muss jetzt mög­lichst ge­mein­sam die Kon­se­quen­zen zie­hen, son­st wer­den die Prog­no­sen zu er­leb­tem Ver­lust. Es gibt Aus­wege, vie­le, wir müs­sen nur end­lich wei­ter­ma­chen mit dem An­fang.

Ich sa­ge das der Nach­ba­rin, dem Tee­nager, mei­nem Zieh­sohn. Die Fräu­leins möch­te ich ge­rne in ei­ne Zu­kunft be­glei­ten, in der eine wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Po­li­tik und die Na­tur nicht als Ri­si­ko dargestellt wer­den. Die Angst darf blei­ben, so­fern sie uns ak­ti­viert. Sonst ge­winnt die Be­fürch­tung, dass länd­liche Sze­nen künf­tig als ein Alb­traum in­ter­pre­tiert wer­den.

Vo­kabelliste
Kipp­punkt — point de bas­cu­le­ment — tip­ping point
Po­sit­ive Rück­kop­plung(sschlei­fe) — ré­ac­tion po­si­tive, cer­cle ver­tu­eux — po­si­ti­ve feed­back
Koh­len­stoff­sen­ke — puits de car­bone — carbon sink
Ther­mohal­ine Zir­ku­la­tion — cir­cu­la­tion ther­mo-ha­line — ther­mo­ha­line cir­cu­la­tion
Tau­en von Per­ma­frost­ — dé­gel du per­géli­sol — per­ma­frost thaw

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Foto: Bild­ar­chiv Elias Los­sow

Mittwoch, 8. Juni 2011

Konferenzdolmetscher

Zunächst muss ich meine eigene Überraschung eingestehen: Mein Berufsalltag als Dolmetscherin ähnelt zumindest abends dem Leben, das ich als Schülerin geführt habe. Eine jugendliche Leserin bat mich, einen typischen Arbeitstag zu beschreiben. Erste Beobachtung: Wie damals fängt der Tag am Vorabend an, denn abends wiederhole ich kurz, was ich tags gelernt habe. Auch in auftragsfreien Zeiten (die sind deutlich in der Überzahl) lerne und übe ich; die nächste Konferenz, das nächste politische Hintergrundgespräch kommen bestimmt. Es geht darum, à jour zu bleiben.

Dolmetscher verfolgen, was in ihren Fachgebieten passiert, aber auch tagesaktuelle Themen. Oft arbeite ich alte Unterlagen erneut durch und betrachte eingehender, was mir beim letzten Mal anstrengend erschien. Denn ich kann darauf wetten, dass die Schwierigkeiten so lange in Serie auftreten, bis ich sie im Schlaf meistern könnte, und dass einer "meiner" nächsten Redner auf die Nachrichtenlage anspielt, selbst unter Historikern. Also gilt es, sich vorher darüber zu informieren, wie das EHEC-Bakterium auf Französisch genannt wird (E.coli).

Dann lege mir mein Arbeitsmaterial für den nächsten Tag bereit bzw. packe die Tasche. Und hier endet die Parallele zum Schülerleben, bis auf eine Ausnahme: die vielen Prüfungen.

Käseprobe
Wenn ich in eine andere Stadt gereist bin, um dort auf einer Konferenz (oder bei Dreharbeiten) zu dolmetschen, übernachte ich nicht selten in Hotels. Hier ist rechtzeitiges Eintreffen für mich wichtig, um Stress zu vermeiden. Anschließend genieße ich ein leichtes Abendessen, vielleicht noch einen Saungang oder etwas Sport.

Oft wohnen Kollegen im gleichen Hotel, wir sprechen nochmal jene Punkte durch, die trotz guter Vorbereitung unklar blieben und tauschen Vokabeln aus. Oder aber es kommen in letzter Minute noch Informationen zum Programm in die Mailbox geflattert oder völlig neue Texte ... Wir Dolmetscher führen übrigens ein recht maßvolles Leben. Zu Probehäppchen vom Käse gibt's ein, zwei Schlückchen Wein. Nur die Menge dessen, was wir an Inhalten in uns reinschaufeln, ist manchmal ein wenig zu groß. Dann geht's beizeiten ins Bett. Da ich schlecht schlafe, habe ich immer mein eigenes Kopfkissen und Baldriantabletten dabei ...

Morgens weckt mich das Handy, das nachts ausgeschaltet war. Nach der Morgengymnastik ab unter die Dusche! Ich verwende geruchlose medizinische Seifen und Cremes und nur eine Winzspur Parfum, denn später, auf der Konferenz, teile ich mir in der Regel über Stunden mit einer Kollegin oder einem Kollegen die wenige Quadratmeter |große| kleine Dolmetscherkabine. Dann frühstücke ich leicht (Obst, Müsli, Vollkornbrot). Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt's in der Tasche einen kleinen Vorrat von Müsli- oder Fruchtriegeln aus dem Bioladen.

Mit ausreichend Zeit im Gepäck gehe ich los. Unterwegs und in den Pausen lese ich Zeitung(en), notiere hier noch einen allgemeinen Begriff, dort ein Zitat. Dafür ist nur Wachheit nötig und Fragen wie: Hat Frau Merkel in den USA was Prägnantes verlautbart? Denn besonders gern wird in Einleitungen oder Moderationen Bezug auf Aktuelles genommen.

Vor Ort begrüße ich Veranstalter, Kollegen und den/die Menschen von der Technik, dann prüfen wir zusammen kurz die Anlage. Die meisten Dolmetscher reisen heute mit Laptops an, die Techniker stellen sich immer öfter darauf ein und kennen nicht selten schon den Zugangscode für das örtliche W-Lan. Noch einmal rasch "Hände waschen" gehen, kohlensäurefreies Wasser einschenken und die Namen der Teilnehmer üben. (Im Zweifelsfalle Veranstalter fragen.)

Dann beginnt etwas, was mir auch nach Jahren noch wie eine Prüfungssituation vorkommt. Die Situation selbst hat sich kaum verändert, im Vergleich zur Abiturszeit ist aber mein Umgang damit inzwischen viel entspannter. Doch selbst heute noch können mich manche Redner in leichte Nervosität versetzen: Schnellsprecher, die ihr Typoskript runterrattern, Hektiker, Nuschler, Leute, die vergessen, dass ein Mikrophon ihnen gar nicht auf Schritt und Tritt folgen kann ...

Dolmetschen bedeutet vereinfacht gesagt, gleichzeitig zu hören, zu begreifen und zu reproduzieren. Das ist sehr anstrengend. Daher wechseln wir uns meistens alle 20 bis 30 Minuten ab.

In den Pausen tauschen wir letzte Dokumente aus, fragen vorsichtig nach fehlenden Texten für den Folgetag (so es einen gibt), trinken und essen etwas, nein, mehr noch: genießen, was es gibt, entspannen uns, telefonieren mit zu Hause, gehen ans Licht.

Ruhige Hände ...
Und wenn der Tag rum ist, klären wir die letzten Fragen, sammeln unsere Siebensachen zusammen, bedanken uns bei den Beteiligten und versuchen, den Schalter umzulegen. Dazu höre oder mache ich Musik, lese, beschäftige mich mit Kunst oder den Balkonpflanzen oder aber ich gehe laufen oder schwimmen. Ohne Ausgleich kann ich mir selbst dabei zusehen, wie ich immer nervöser werde. Und das ist nicht gut. Ich muss in der Kabine, wenn ich nicht spreche, im ersten und übertragenen Wortsinne meine Hände ruhig halten, denn störende Begleitgeräusche lenken die Zuhörer vom Inhalt ab.

Und irgendwann im Laufe des Abends sammeln sich auch die Gedanken wieder, um den nächsten Tag vorzubereiten, und sei es auch nur damit, kurz die Schwierigkeiten des Tages zu überfliegen und in einer oder mehreren Arbeitssprachen die Abendnachrichten zu sehen.


Ein Tag im Büro kann so aussehen.
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Fotos (C.E.) ... aus Frankreich, bien sûr !

Donnerstag, 13. Januar 2011

Jean schreiben lernen

Bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin aus dem Fran­zö­si­schen. Wenn ich nicht bei Konferenzen und Dreharbeiten dolmetsche, arbeite ich im home office.

Dieser Tage diktiere ich zum zweiten Mal eine Drehbuchübersetzung. Ich habe vor sechs Jahren meinen ersten Kontakt mit der Diktiersoftware "Dragon" von Nuance gemacht, damals noch auf PC. Jetzt gibt es das Programm auch für die andere Fraktion, es heißt "MacSpeech Dictate". Die Software muss ab dem ersten Tag ihre Feuerprobe bestehen, denn ein Berlinaledrehbuch ist mir kurz nach Sylvester auf den Tisch geflattert.

Bitte recht deutlich!
Zunächst aber dürfen "der kleine Drache" und ich uns kennenlernen. Dazu muss ich vorgegebene Texte vorlesen. Meine Aussprache des ersten Texts wird flugs integriert, beim zweiten Mal speichert das System eine halbe Stunde lang, bis ich den Vorgang abbreche, da ich einen Fehler vermute.

Gestern, nach den ersten dreißig Seiten, habe ich den zweiten "Kennenlerntext" diktiert, nachdem ich bei Martin Sauer, einem anderen Blogger, die Information fand, dass langanhaltendes Abspeichern durchaus normal sei. (Das teilweise etwas kraus ins Deutsche übersetzte Benutzerhandbuch warnt hier nicht genug vor.)

Deshalb habe ich jetzt Zeit, meine ersten Erfahrungen zu beschreiben. Ich über­setze ein Drehbuch aus Frankreich — und merke gleich, dass es das Dik­tier­pro­gramm mit dem Idiom unseres Nachbarlandes nicht so hat (dabei ist "dragon" doch auch ein französisches Wort!) ...

Der Held des neuen Buches ist ein i-Dötzken ("Das war Westfälisch" für 'Schul­an­fänger'). Er heißt Jean, und auch wenn ich alles andere an ein deutsches Umfeld anpasse und aus dem CP (cours préparatoire) die "erste Klasse" mache, Ei­gen­na­men wie Jean bleiben stehen. Ich ersetze "Jean" also nicht durch "Hans", selbst wenn der Vorname Hans samt Bindestrich und zweitem Vornamen einstmals ähnlich weit in Deutschland verbreitet war, wie es "Jean" in Frankreich in manchen so­zia­len Schichten heute noch ist.

Und wie ich da schön diktiere, erlebe ich mein blaues Wunder. Jean wird von der Technik un
­ter­schied­lich interpretiert, nämlich als "Schau", "Show", "schon", "schau­en". Erst zweif­le ich kurz an meinen Aus­spra­che­küns­ten. Stört sich das Gerät am Rest der Wintergrippe?

Bitte recht freundlich!
Gut, es ist etwas her, dass ich meine Sprech­aus­bildung ab­solviert habe. Dann entdecke ich einen "Knopf", über den ich mir die Auf­nah­me anhören kann. 
Ja, damit wäre Mme Grisaille durch­aus ein­ver­stan­den ge­wesen (so hieß damals ein stets miss­ge­laun­ter, grau­ge­wan­de­ter Drache unter uns Leidenden im Sprach­la­bor der Sorbonne).

Ich suche und finde die Liste der bekannten Worte. "Jean" ist darunter. Außerdem Namen wie Jean-Marie, Jean-Paul und Jean-Claude. Sie zu diktieren klappt prob
­lem­los. Außerdem kennt der kleine Drache angeblich "Frau Glück" (Jean-Luc), "schon wie" (Jean-Luis) und sogar "Schaumbad" (Jean-Baptiste) (sic!) ...
 

Offenbar müssen der kleine Drache und ich dringend weiterüben. Als ich mir aus dem Übungs­do­ku­ment, das ich inzwischen zusammen'diktiert' habe, einem lin­gu­is­tischen Kuriositätenkabinett, mir die hübschesten Beispiele rausfische, treffe ich auf einen alten Bekannten: Jean-Marie Straub! Wow, denke ich, wenn das keine Diktiersoftware für Menschen sein soll, die viel für Kino und Medien arbeiten! 

Ich versuche, das Wunder zu wiederholen. Bekanntlich sind Wunder, die sich wie­der­ho­len lassen, keine; es klappt nicht. Da ich den Regisseur in Frankreich ken­nen­ge­lernt habe, spreche ich seinen namen in Gänze französisch aus: "Jean-Marie Strobe" tippt das Maschinchen wie von Zauberhand. Ich versuche es nochmal, anders. Bingo! Ich muss mich also konzentrieren und "Jean-Marie" fran­zö­sisch, "Straub" aber deutsch aussprechen.


Dann versuche ich, das dem System bekannten "Jean" zu trainieren. Da das Wort vom Hersteller vorgegeben und seine Aussprache definiert wurde, klappt es nicht gleich mit meiner in Paris geschulten Art der Aussprache. Ich trickse, indem ich beim Namen zunächst immer auf Eng­län
­der­in mache. Und wenn von "Jeans Pferd" die Rede ist, sage ich etwas, das wie 'amerikanische Nietenhose" [Pause] Pferd klingt.

Das System wirbt übrigens mit "einer erstaunlichen Erkennungsgenauigkeit von bis zu 99 % schon beim ersten Einsatz". Das gilt bestimmt für alle juristischen und medizinischen Fachtermini. In meinem Fall klappt das nicht, denn neben den heim­tückischen Eigennamen tauchen immer wieder Wörter auf, die sonst eher nicht geschrieben werden. Drehbücher leben von gesprochener Spra
­che und Aus­drücke wie jetzt reicht's, guck mal, huhu, tschuldigung, ähh gibt's reichlich.

So, ich bin fertig jetzt mit der Beschreibung meines Abenteuers, habe Screenshots und ein Selbstportrait ausgewählt. Und was macht der kleine Drache? Er sichert noch immer meine Aussprachemerkmale.  Und um mich nicht weiter vom System aus­brem
­sen zu lassen durch Hin- und Herschalten zwischen drei Sprachen, taufe ich "Jean" kurzerhand in "Topf" um. Dieses Wort kommt im Drehbuch nicht vor, und Copy & Paste erledigt am Ende den Rest.


P.S.: Das Profil hat 18 Stunden gespeichert, dann habe ich es erneut abgebrochen, weil es nach vier Stunden alle anderen Funktionen blockiert hat.
Das finde ich Jean-Pierre ("schon sehr") lang, das ist mehr als die Nacht, die Martin Sauer erwähnt. Hallo, Nuance, wenn Ihr das hier lest: Hier gibt's Verbesserungsbedarf! Laut Protokoll war MacSpeech nicht abgestürzt; ein "Fortschrittsbälkchen" fehlt hier leider.
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Bilder: Dragon Dictate für Mac und
die Autorin (MacBook Pro-Kamera)

Donnerstag, 6. November 2025

Festivalarbeit

Wie Simultan­dol­met­scher­in­nen und -dol­met­scher ar­bei­ten, ist seit 2007 Ge­gen­stand mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch ar­bei­te ich u.a. auf Kon­fe­renz­en, bei Ver­hand­lun­gen, Dreh­ar­bei­ten oder Fes­ti­vals mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Ein Teil mei­ner Ar­beit be­steht aus Rei­sen.

Auf einen Sprung war ich für zwei Ta­ge in Cott­bus zum Dol­met­schen. Beim Check­in im Ho­tel: "Eli­as wie der Park oder wie von Ho­mer?" Das kann mir auch nur in Cott­bus pas­sie­ren. Und ja, die Vor­fah­ren wa­ren hier lan­ge an­säs­sig und in der Tex­til­in­dus­trie ak­tiv. Aber nie­mand mehr da. Link: Tuch­fa­brik C.S. Elias

In Cott­bus gibt es Ein-Frau-Bo­xen, sehr eng, gut ge­war­tete Tech­nik-Klas­si­ker, nur der Kopf­hö­rer tut weh, egal an wel­chem Spiel­ort. Jetzt, nach zwei Ta­gen mit je drei Fil­men bzw. Ter­mi­nen, ist mei­ne Stim­me leicht rei­be­i­sig, da­bei rau­che ich gar nicht. Oh­ne Spre­ch­aus­bil­dung je­den­falls wür­de ich sol­che Kraft­ein­sät­ze kaum be­ste­hen kön­nen.

Un­ter­schied­li­che Ar­beits­plät­ze in Cott­bus (Film­fes­ti­val)
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Fo­tos: C.E.

Dienstag, 20. Januar 2009

Tipp: Bildwörterbuch

Auch Bildwörterbücher sind hervorragende Lernmittel. Viele Verlage bieten ein- und mehrsprachige Wörterbücher an, die sich hervorragend als Kopiervorlagen nutzen lassen. An zwei Stellen in der Wohnung, u.a. am Elektrokocher fürs Teewasser, hängen die Zettel dann bei mir. Die drei Minuten Ziehzeit schaue ich entspannt auf Vokabeln ...

Unten: 'Zweitaktmotor' aus der Printausgabe von "Quid", einem populärwissenschaftlichen und jährlich neu erscheinenden Kompendium - sowie 'Dreharbeiten' aus einem alten Bildwörterbuch der DDR. Bei historischen Quellen wie diesen ist indes besondere Vorsicht geboten. Mancher der hier vorgestellten Begriffe wird so nicht benutzt oder ist in die Sprachgeschichte eingegangen, zum Beispiel die "Ateliersekretärin". Derlei Worte sind dann wieder charmant für uns Dolmetscher - oder können helfen bei der Vorbereitung eines Interviews mit einem älteren Filmschaffenden zu einem filmhistorischen Thema.

Nun also « Moteur ! » - das heißt auf Deutsch je nach Situation "Motor" oder "Film ab!"

Dienstag, 22. April 2008

Interview dolmetschen

Willkommen auf den Seiten meines digitalen Arbeitstagebuchs. Hier schreibe ich über meinen Berufsalltag. Ich arbeite mit Sprachen.

Beim Dolmetschen von Interviews gibt es so viele "Versuchsanordnungen", dass kaum ein Einsatz dem anderen gleicht.

Ist ein richtiges Gespräch zwischen Interviewtem und Fragendem gewünscht, dol­met­sche ich simultan. Dazu sitze ich im Nebenraum und habe das Kamerabild auf dem Monitor. Wenn nichts danebengeht wie einst beim Interview mit Uli Wickert, das ein Team aus Frankreich drehte: Das Design-Hotel am Berliner Gen­dar­men­markt, das die Produktions­fir­ma ausgesucht hatte, war akustisch eine Katastrophe, also fand ich mich auf dem Hotelflur wieder und sah nur die Hotelgäste und die Putzfrauen, die an mir vorbeiliefen.

Bei den Kollegen aus Kanada saßen wir hintereinander wie im Bus — und ich über­trug alles konsekutiv, also in die Sprechpausen hinein, unterstützt von No­ti­zen. Hier hatten wir großes Glück, denn trotz Berlinmarathon und langem Zögern der Gesprächspartner war es möglich, eine verbindliche At­mos­phä­re auf­zu­bau­en, die dann neue Erkenntnisse und Einblicke brachte. Im Vorfeld hatte ich zusammen mit einer Kollegin viel recherchiert.

Auf eine Dachpfanne gemalter Kutter
An der Wanderdüne
Für den Berliner Kollegen Achim Tschirner habe ich schon auf einem Kutter Int­er­views geführt und gedolmetscht. Wir wa­ren für Arte mit Austernfischern in der Bucht von Ar­ca­chon unterwegs, ich hatte auch mit recherchiert und konnte mich dank der Ar­beit auf dem schlingernden Gefährt in der Mini-Führerkabine gut ablenken. Besser so als anders, mir wird nämlich auf See sonst übel. Den Besuch der Austernbänke empfand ich indes wie einen Spa­zier­gang. Die Dreharbeiten waren für den Film "Giftige Schiffe", ein Umwelt­thema über Anstrichfarben von Schimpfsrümpfen, die wie Hormone gewirkt haben und einige Jahre lang die Austern verdorben haben.

Anspruchsvoll ging es auch beim Interview im Bordell und im Folterkeller zu, wir haben fürs kanadische Fernsehen über das Prostitutionsgesetz gearbeitet. Of­fen­ge­stan­den waren mir auf dieser Drehreise am Ende die WM-Fußballfans doch lie­ber.

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Foto: C.E.

Sonntag, 8. Februar 2009

Berlinalegeflüster V: Chabrol dolmetschen

Claude Chabrol, der heute Abend die goldene Berlinale-Kamera bekam, weil er seit 50 Jahren auf der Berlinale Filme präsentiert, war am Nachmittag mein Dolmetsch-Opfer. Er hat dabei auch viel Mist erzählt. Ich hab versucht, das zu übertragen. Ich darf das so schreiben, was ich hier schreibe. Denn bei allem, was er sagt, bricht Claude Chabrol der Schalk aus den Augen und ich hab manchmal Mühen, nicht loszulachen. Wie wir uns beide das Lachen verbeißen, ist hier gut zu sehen:

Seit etlichen Jahren bin ich seine angestammte Dolmetscherin in Berlin. Es ist immer wieder eine große Ehre und Freude, Teil seiner Inszenierung zu werden. Denn Monsieur Chabrol ist jeden Augenblick Regisseur, auch in der eigentlich recht dummen Übung, die Pressearbeit genannt wird. Dumm ist sie, weil sie dumm macht – normalerweise. Vor einem sitzen im Wechsel von zwanzig Minuten bis zu einer Handvoll neuer Journalisten und stellen die altbekannten Fragen, denn das Spektrum möglicher Fragen nach Inaugenscheinname eines Films ist offenbar begrenzt. Regisseur und Dolmetscherin müssen nun jedes Mal so tun, als seien sie absolut angetan von Originalität und Frische dieser Fragen, ja als sähen sie in dieser Äußerung zum Werk nachgerade die kongeniale Steilvorlage, derer es bedurft hat, um die eigenen Gedanken so zu sortieren, dass sie für die feindlichen Außenwelt mitteilbar werden.

Oder sowas in der Art.

Auf jeden Fall ist das bei Claude Chabrol natürlich ganz anders. Die letzte Runde besteht aus vier muntere Herren, sie waren ebenfalls Wiederholungstäter und stellten die Fragen andersherum. Daher verdrehte Monsieur seine Antworten, und ich musste mir höllisch Mühe geben, die Übersetzung nicht auch noch zu verzwirbeln.

So war das. Drei Essenzen, hier die erste: Wie rechtfertige er seine schlechten Filme?, wurde Chabrol gefragt. Es gebe keine Rechtfertigung, nur eine Erklärung. Man müsse so viel drehen, wie möglich, um in Übung zu kommen/bleiben, sich einen Namen zu machen und die Chance zu haben, dass der Zuschauer einen durch sein Interesse überrasche. Manchmal sei man auch selbst nicht klug genug, die Güte seiner Filme zu erkennen, diese Erkenntnis stelle sich mitunter erst mit zeitlichem Abstand ein. Außerdem drehe er, um zu leben, und während er drehe, vergesse er zu sterben. (Den letzten Satz hab' ich hier reingemogelt, den hat er beim letzten Berlinbesuch gesagt.)

Zweite Essenz: Wann habe er aufgehört, Angst zu haben? Antwort: Vor etwa zehn Jahren. Vorher sei noch Angst vor dem künstlerischen Scheitern dagewesen, jetzt wäre alles nur noch eine große Freude und die Dreharbeiten ein Fest.

Dritte Essenz: Claude Chabrol liebt. Liebe sei das Gegenteil von Leidenschaft, und er sei glücklich. Das Verhältnis des Inspektors zu seiner Frau in seinem neuen Film "Bellamy” (dargestellt von Gerard Depardieu und Marie Bunel) spiegele ziemlich genau das Verhältnis der Eheleute Chabrol wider.

Nachwort der Dolmetscherin: Claude Chabrol ist ein glücklicher Mann. Das ist sein Rezept.

Montag, 1. November 2010

Honorarhöhe

Komischer Gedanke, der mich heute beschlich. Als Dolmetscher in Berlin und abroad werden wir nicht selten von großen Kunden gebucht, von politischen Institutionen, TV-Sendern, Großunternehmen, Filmverleihern und Verlagen zum Beispiel. Für sie arbeiten wir mit sehr unterschiedlichen Aufgaben, mal begleiten wir Pressearbeit, mal Recherche und Dreharbeiten, mal steht ein VIP, mal die Herausbringung eines Buches im Vordergrund.

Die Kunden buchen begleitend dazu für den fremdsprachigen Gast unterschiedlich teure Hotels. Und meist liegt der Tagessatz, den wir angeboten erhalten oder auf den wir uns nach einigen Verhandlungsrunden einigen, ziemlich exakt im Bereich dessen, was das Hotelzimmer je Nacht der Person kostet, für die wir tätig werden. Von 3-Sterne-Sätzen (öffentlich-rechtlicher TV-Mitarbeiter) bis zu sechs Sternen mit der Suite (Politiker, Stars) ist alles drin ...

Ich weiß jetzt jedenfalls, wie ich lange Verhandlungen abkürze. Ich frag' künftig einfach nach dem Hotel ;-)

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Foto: Kandelaber in einer Berliner
Fremdenverkehrseinrichtung

Dienstag, 5. Februar 2008

Preisbeispiel für ein Interview - eine Mail

Liebe Anne H.,

Sie möchten wissen, was die Verdolmetschung eines Interviews kostet. Das ist so pauschal nicht zu sagen.

Die Preise reichen derzeit von 350 Euro für einen halben Tag bei einem nicht vorzubereitenden Interview im Auftrag des belgischen Fernsehens (kleines Land, kleinere Programmbudgets) bis zu 1450 Euro Tageshonorar für mehrere vorbereitete Fernseh- und Hörfunkinterviews im Rahmen der Herausbringung eines gutfinanzierten Films mit Staraufgebot, der von einem deutschen Verleih mit bester Marktposition herausgebracht wird, denn die Abgeltung der Urheberrechte an der deutschen Fassung führt zu einem Preisaufschlag.

Kurz gefasst ist bei diesen Honoraren zu berücksichtigen:
- Ist das Thema bekannt oder nicht? (Ich bin Fachdolmetscherin für Film und Medien und berechne in meinem Spezialgebiet die tatsächlich geleistete Vorbereitung)
- Sind Pausen für eine Einzeldolmetscherin vorhanden? (Ansonsten arbeiten wir zu zweit)
- Wie ist die Größe des beauftragenden Unternehmens bzw. Senders oder die finanzielle Ausstattung des Films?
- Ist es ein Einzelauftrag oder für einen Stammkunden? (Rabatte)
- Was ist der Verwendungszweck? Fällt Urheberrechtsvergütung an?
- Handelt es sich um Dreharbeiten? (Hier sind Anzahl der Drehtage und die finanzielle Ausstattung des Projekts wichtig)

Zur Not geht selbst der Ort
Für Ihre Kalkulation bitte ich zu bedenken, dass die simultane Verdolmetschung von TV-Interviews Mehrkosten im Bereich Technik und Locationmiete mit sich bringt. Ich muss in einem akustisch isolierten Ort sitzen (meist reicht der Nebenraum einer Hotelsuite) und benötige Bild und Ton über einen eigenen Monitor.

Für weitere Einzelheiten und einen individuell auf Ihren Einsatz abgestimmten Kostenvoranschlag erreichen Sie mich per Mail, in dringenden Fällen mobil.

Mit freundlichen Grüßen,
Caroline Elias

Mittwoch, 20. Mai 2020

COVIDiary (70)

Hallo und gu­ten Tag auf mei­nen Blog­seiten. Ich ar­bei­te seit 2005 in Pa­ris und Ber­lin als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, früher auch oft als Über­set­ze­rin. (Was das un­ter­schei­det: siehe die Unter­zeile oben.) Derzeit schreibe ich vom Büro aus. Das Co­ro­na­virus macht aus meinem Blog aus dem Be­rufsall­tag das eher private COVIDiary.

Nein, arbeitslos bin ich nicht, ich habe nur derzeit weder Einkommen noch Auf­trä­ge in Aussicht. Anders als große börsennotierte Firmen, für die ich (noch?) nicht arbeite und die in­ter­net­af­fi­ner zu sein schei­nen, haben die mitt­le­ren und kleinen Unternehmen ihre eu­ro­päi­schen Be­triebs­ratssitzungen und sons­ti­ge Ver­samm­lungen in den Herbst ver­­scho­­ben, wenn nicht gleich auf Jahresanfang 2021. Bildungs- und De­le­ga­tions­reisen: aus­ge­setzt. Par­la­men­ta­ri­sche Be­geg­nun­gen: vertagt. Dreharbeiten, Fes­ti­vals, Kon­gre­sse, Mes­sen: abgesagt.

Leseecke: Sessel, Bücher, Licht
Leseecke
Trotzdem arbeite ich jeden Tag, trainiere meine grauen Zellen, bleibe auf dem Lau­fenden, so, wie Musikerin und Tänzer auch täglich trainieren. Wie sonst nach und vor meinen Tagen mit Einsätzen, studiere ich die Zeitung, schreibe Fach­be­grif­fe auf, nehme eine Themenlexik zur Hand, er­gän­ze. Ich höre Po­li­ti­ker­re­den zu, lese Bü­cher, schreibe meine Zu­sam­men­fas­sun­gen zu Themen.
Und ja, natürlich gehören auch Sport da­zu und gutes Essen, die Arbeit im Grü­nen, der Kontakt mit Familie und Freunden. Und ich helfe inzwischen drei Schülern via In­ter­net beim Lernen, nicht den ganzen Tag, nicht einmal täglich, aber doch re­gel­mä­ßig.

*** 

Das hat das Zeug zum Klassiker! Kanzlerin Merkel heute auf einer Pres­se­kon­fe­renz, als jemand bei einer Frage nachhakt: "Ich wollte das sagen, was ich gesagt habe. Ich habe meine Worte mit Bedacht gewählt. Alles andere warten wir erst­mal ab." Die Dolmetscherin, die im Kopf gedolmetscht hat — Je savais ce que je voulais dire et je l'ai dit. J'ai choisi mes mots avec précaution. Attendons la suite des évè­ne­ments. — freut sich.

Das geht in die Richtung von: "Eine hervorragende Frage. Gibt es weitere Fragen im Raum?" Auf FR: C'est une excellente question, je vous en félicite ! Y a-t-il d'au­tres questions dans la salle ? Auf EN: Good question, next question. (Die Un­ter­schie­de sind kulturell bedingt.)

Die Pressekonferenzen mit der Kanzlerin sind immer erfrischend rasch vorüber. Leider haben die derzeit in Berlin tätigen französischen Korrespondenten alle gute Deutschkenntnisse; vorbei die Zeiten, als ich da dolmetschen durfte. Nun, ir­gend­wann kommt auch wieder ein Wechsel.

***

In Treptow
Heute ist Weltbienentag. Vor einem Jahr hat mich der mir nächste Mitmensch zu den Bienenstöcken mit& shy;ge­nom­men, das war sehr ein­drucks­voll. Zuchtbienen haben es derzeit nicht leicht, Imker auch nicht. Ernsthaft bedroht sind in­des Wild­bie­nen und In­sek­ten. Der ak­tu­el­le Zu­stands­be­richt, gerade veröffentlicht, übersteigt die schlimmsten Befürchtungen.

Links: Bericht zur Lage der Natur, BMU, Mai 2020; "Insektenzusammenbruch", Spek­trum, aus dem Jahr 2018, Wie stoppen wir das Insektensterben?, Quarks, NDR, April 2020.

Als Hinterhofgärtnerin bilde ich mich in Naturthemen ständig fort, was mir als Dol­met­scherin zu Themen der Agrarökologie sehr hilfreich ist. Wären Mais und Kür­bis gekommen, hätten wir zu Demonstrationszwecken längst ein kleines Milpa-Hoch­beet hinter dem Haus.

*** 

Was sonst los war: Bücher sortieren, lesen, Kostenvoranschläge für Hand­wer­ker­tä­tig­kei­ten einholen, das Office wird saniert und umgestaltet. Abends eine Onlinekonferenz der französischen Auslands­com­mu­nity zum Thema "Nach Corona". Ich dolmetsche für mich halblaut mit. Im Fachjargon heißt das "stumme Kabine", dieses Mal nur ohne Kabine.

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 23. August 2012

Eigenschaften

Hallo! Sie haben die Seite eines digitalen Arbeitstagebuchs angesteuert. Meine tägliche Beschäftigung gilt den Sprachen und der Inhaltsvermittlung — als Dolmetscherin und Übersetzerin. Welche Eigenschaften müssen Menschen mitbringen, die in diesem Feld tätig sein möchten?

So, ich bin dann mal kurz weg! Die meisten Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind beruflich oft auf Achse, das ist manchmal etwas kompliziert und bedarf einigen Managements, wenn Kinder vorhanden sind. Aber Organisationstalente sind wir ohnehin meistens längst, haben wir ja doch in der Regel in verschiedenen Ländern und Sprachen studiert (und zwar länger als ein oder zwei Semester über "Erasmus"), und dabei die Beziehungen zu Heimatland und -sprache nie völlig abreißen lassen.

Arbeiten am Meer: Ich habe nur abends etwas Zeit für mich
Und so schnell wie ich weg bin, so schnell bin ich dann meistens auch wieder da. Wichtig: Flugangst passt nicht zum Dolmetscherberuf.
Was ich mache? Die Aufträge können sehr vielfältig sein. An einem Tag kann ich für die Gattin eines Konzernchefs beim Shopping dolmetschen, tags drauf ein Presseinterview oder einen Wohnungsverkauf beim Notar.

Zwischen der (zum Teil auch inhaltlichen und) sprachlichen Betreuung von Dreharbeiten für Sender wie Arte (Ende September) und Radio Canada/TV (ab dem 13.10.) ist noch Zeit, für eine Konferenz oder eine Ausschusssitzung zu pauken. Das ist übrigens das Stichwort: Vorbereitung ist die halbe Miete. Wer nicht gerne lernt, sollte sich einen anderen Beruf aussuchen. Ich lerne jeden Tag, lese regelmäßig mehrere Zeitungen sowie Fachliteratur, das Ganze auf der Basis einer mehr als durchschnittlichen Allgemeinbildung.

An einem Abend stehe ich auf der Bühne eines Kinos, ein französischer Film feiert Deutschlandpremiere, dann bin ich wieder wochenlang allein beschäftigt und übersetze ein Drehbuch oder studiere im Selbststudium Wirtschaft (und bin dabei in Paris oder in Berlin) ... Also dürfen Dolmetscher weder Angst vor Rampenlicht noch vor Einsamkeit haben.

Welche Eigenschaften müssen angehende Dolmetscher noch mitbringen? Ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Neugierde, keine Berührungsängste oder Menschenphobien, denn je nach Situation haben wir keine Möglichkeit, uns komplett zurückzuziehen. Zudem die Fähigkeit, mehrere Dinge hochkonzentriert parallel zu machen, eine gute Aussprache, Rhetorikkenntnisse, ein großes Maß an Arbeitsdisziplin ... und natürlich hervorragende Sprachkenntnisse in der Muttersprache sowie den Fremdsprachen. Die Arbeit des Dolmetschens selbst, die als Technik an Hochschulen gelehrt wird, ist am Ende verglichen mit den anderen Voraussetzungen ein Klacks. Naja, ich untertreibe. Aber nur ein bisschen.

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Foto: C.E.

Montag, 14. April 2014

Aktuelle Themen IV

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Heute lese ich weiter für den nächsten Berliner Bau­stel­len­be­such mit französischem Ei­gen­tümer. Die Franzosen sa­gen puits de lumière, also ein Licht­brunnen, die Deutschen nennen die innen mit Spiegeln ausgekleidete längere Röhre, durch die Tageslicht in einen Raum hineingeleitet wird, ei­nen Lichtkamin oder eine Licht­röh­re.

Der Bauleiter wird es sicher wieder Hohllichtleiter nennen, von Leiter zu Leiter, das klingt für mich wie Postwertzeichen (statt Briefmarke). Diese Oberlichter sind besonders effizient, wenn sie unten auch noch über eine Streuscheibe verfügen.

Zwischendurch ploppt noch die Mail einer indischen Agentur rein, die hän­de­rin­gend eine Übersetzerin Englisch-Deutsch sucht. Dummerweise tut sie dies für 0,30 Euro je Zeile, das sind ungefähr 1,60 Euro weniger, als die letzte technische Über­setzung, die über meinen Schreibtisch flatterte, wert war. Pikanterweise handelt es sich beim Dokument um ein Sicherheitshandbuch eines Kraftwerks. Werden so Unfälle programmiert?

Weitere Themen auf dem Schreibtisch:
— Europawahlen
— Restitution von Kulturgegenständen, die von Deutschen im besetzten Frankreich gestohlen wurden, was eine gründliche Provenienzforschung voraussetzt
— Kultur und Kino als Wirtschaftsfaktor
— Ökologisches, "grünes" Design vs. greenwashing
— Aktuelles Geschehen in Nordafrika
— zwei Arte-Produktionen, die wohl erst im 3. oder 4. Quartal konkret werden

Diese Themen beschäftigen mich im Hinblick auf Konferenzen, Dreharbeiten, Über­setzungen und interne Beratungen der Politik.

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Foto: C.E. (Archiv)


Dienstag, 13. Dezember 2011

Abschied

Heute gilt es, von Christa Wolf Abschied zu nehmen. Dabei denke ich an ihren Mann Gerhard und an ihre Familie. Mein herzliches Mitgefühl.

Erst vor etwas mehr als sechs Monaten bin ich Christa Wolf im Rahmen von Dreharbeiten für Arte begegnet. Ihre Bücher las ich schon als Teenager — im Westen. Mit 18 kaufte ich "Kassandra", das hüben und drüben in zwei Fassungen erschienen war. Zuhause las ich die Bücher "synchron" und tippte dann mit viel Carbonpapier die in der DDR-Fassung fehlenden Stellen ab. Im Uraltkoffer von der Urgroßmutter, der als Begleiterscheinung seiner Altersschwäche einen "doppelten Boden" hatte, schmuggelte ich die zensierten Stellen nach Sachsen.
Solche banalen Dinge fallen einem an Tagen wie diesen wieder ein ...

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Foto: C.E.