Hallo! Absichtlich oder zufällig haben Sie die Seiten einer Konferenzdolmetscherin angesteuert. Hier schreibe ich über meinen vielseitigen Alltag. Nachdem ich viele Jahre die beiden Sprachen und Lebenswelten wie getrennte Systeme im Kopf abgespeichert hatte, war intensiver Sprachenvergleich die Voraussetzung fürs Dolmetschen. Mit dem Vergleich der Sprachen geht der Vergleich der Kulturen einher.
Heute ist Siebenschläfertag, das heutige Wetter soll entscheidend für das Wetter der nächsten Wochen sein. Letztes Jahr hat's gestimmt, da sind wir nach dem Siebenschläfertag fast weggeschwommen.
Dieses Jahr kam die große Flut früher. Die Wettervorhersagen des einst nur innerhalb von wenigen Jahren entstandenen "hundertjährigen" Kalenders, darin sind sich alle Kritiker heute einig, sollten allerdings dem zeitlichen Umfeld des betreffenden Tages gelten; damit läge die Wahrscheinlichkeit, dass die Vorhersagen zuträfen, höher.
Der französische Bauernkalender betrachtet hingegen den 8. Juni. Wenn es
an diesem Tag regnet, soll es maximal bis zum 18. Juli weiterregnen:
S'il pleut à la St Médart, il pleuvra jusqu'à 40 jours plus tard, à moins que Barnabé ne lui coupe l'herbe sous le pied.
(Wenn es am Tag des heiligen Medardus regnet, regnet es auch noch bis
zu vierzig Tage später, es sei denn, Barnabas kommt dem zuvor.)
Hm, wie war nochmal das Wetter am 8. Juni? Wie war's im Nachbarland? In Frankreich sind Wettervorhersagen zumeist an die Tage der Heiligen
gebunden, hier zeigt sich die Prägung durch die katholische Kirche.
(Schon in Zeiten des Schulaustauschs überraschend: In vielen Familien
wurde nicht der Geburtstag, sondern der Namenstag gefeiert, wofür wir unsere Altersgenossen ein wenig bedauerten, weil uns das Datum der Geburt als einziges feierwürdiges Moment erschien.)
Die französischen Fernsehnachrichten kommentierten die Flut, die auch viele französische Dörfer erreichte, unlängst mit Sätzen wie "die Wissenschaftler wissen noch nicht, worauf das Phänomen der Überschwemmungen zurückzuführen ist." In Printmedien New Yorks lassen überflogene Halbsätze keinen Zweifel mehr daran, dass der Gedanke, dass die globale Klimaerwärmung, das Abschmelzen der Pole zu mehr Wasser in der Luft und damit zu stärkeren Niederschlagsmassen in Verbindung mit unregelmäßigen Phasen der Luftmassen (eingefrorener Jetstream) geführt haben, dort inzwischen weit verbreitet ist. Diese Aspekte haben uns in Mitteleuropa drei "Jahrhundertwetterlagen" in nicht mal einem Dutzend Jahren gebracht hat, zwei Fluten und die Hitzewelle von 2003.
In früheren Jahrtausenden wäre das genug Anschauungsmaterial gewesen, um daraus eine "Bauernregel" oder eine gereimte Wettervorhersage unter Heiligenanrufung zu machen. Leider verschmutzen wir Menschen die Welt jahrein, jahraus. Das an einem Datum festzumachen, dürfte schwierig werden.
Vokabelnotiz: Der weltbeste Patensohn hat einst "Wetterhervorsage" gesagt. Sehr sprechend!
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Foto: C.E.
ÜBERSETZEN IST HANDWERK, DOLMETSCHEN IST MUNDWERK
Caroline Elias, Dolmetscherin für Deutsch und Französisch in Berlin
· Konferenzen · Politik und Wirtschaft · Wissenschaft · Medien · Delegationsreisen ·
Was ich anbiete
Donnerstag, 27. Juni 2013
Mittwoch, 26. Juni 2013
tief durchatmen!
Willkommen auf den Seiten eines virtuellen Arbeitstagebuchs aus der Dolmetscherkabine. Die meisten Kollegen haben längst die Reisekoffer für den Sommerurlaub gepackt, vor allem die Berliner, und sind entschwunden. Ich reise noch ein wenig mit den Koffern der Dolmetschtechnik (bzw. einer Kamera). Damit die grauen Zellen nicht durchbrennen, gilt es, zielbewusst zu arbeiten ... und tief durchzuatmen!
Fundsachen! Erst das kurze Zitat: "Operative Hektik zeugt von geistiger Windstille!"
Jetzt das lange: "im leben ist es wichtig, zeit zu haben und ganz ruhig zu sein. das ist meine klare erkenntnis. deshalb eben taugt deutschland nichts, weil sie alle ihre leere mit last ausfüllen müssen. Wenn man aber nicht still hält, können ja gar nicht die guten geister kommen, sie verfehlen den eingang zum herzen, und zielbewusst nach vorn gerichtete münder, von energie geschlossen, sind nicht der platz wohinein die guten geister wollen." (Hans Werner Henze an Ingeborg Bachmann, 1956)
Quelle: Ingeborg Bachmann/Hans Werner Henze: Briefe einer Freundschaft, München/Zürich 2004, S.11
Danke, Martin H.!
P.S.: Den Juli über werde ich in Berlin sein, im August und September auf Nachfrage.
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Foto: C.E.
Fundsachen! Erst das kurze Zitat: "Operative Hektik zeugt von geistiger Windstille!"Jetzt das lange: "im leben ist es wichtig, zeit zu haben und ganz ruhig zu sein. das ist meine klare erkenntnis. deshalb eben taugt deutschland nichts, weil sie alle ihre leere mit last ausfüllen müssen. Wenn man aber nicht still hält, können ja gar nicht die guten geister kommen, sie verfehlen den eingang zum herzen, und zielbewusst nach vorn gerichtete münder, von energie geschlossen, sind nicht der platz wohinein die guten geister wollen." (Hans Werner Henze an Ingeborg Bachmann, 1956)
Quelle: Ingeborg Bachmann/Hans Werner Henze: Briefe einer Freundschaft, München/Zürich 2004, S.11
Danke, Martin H.!
P.S.: Den Juli über werde ich in Berlin sein, im August und September auf Nachfrage.
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Foto: C.E.
Dienstag, 25. Juni 2013
Interviews dolmetschen
Willkommen auf den Seiten einer Berliner Spracharbeiterin. Ich dolmetsche aus dem Deutschen, Französischen und Englischen. Derzeit bin ich wieder viel mit Filmleuten unterwegs, und zwar nicht nur in Berlin.
Lichtsetzen braucht seine Zeit, Kamerastandort finden ebenso. Nicht selten wird dabei die halbe Wohnung unserer Interviewpartner umgeräumt. Da ich die Vorgespräche auf Deutsch geführt habe, moderiere ich währenddessen immer die französischsprachigen Filmgäste und die deutschsprachigen Gesprächpartner "aufeinander zu".
Letzter Faktencheck, die allerletzten Vokabelfragen kläre ich zum Teil noch online, dann schnell einige Ergänzungsfragen aufschreiben und los geht's. Wir sitzen meist in einer Sichtachse. Oft werde ich als dolmetschende Interviewerin angeheuert. André, der Kameramann, mit dem wir dieses Mal arbeiten, erfreut uns kurz vor Start mit einem Bonmot.
Auf die Frage nach einer Kopie des fertigen Werks, die regelmäßig fällt und eine Selbstverständlichkeit sein sollte, antwortet mit einem Bonmmot. "Was sind die drei Lügen am Dokumentarfilmset? 1. So, nur noch eine Frage! 2. Natürlich bekommen Sie eine DVD! 3. Wir räumen nachher auch alles wieder auf!"
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Fotos: Friederike Elias (Nr. 2),
Caroline Elias (Nr. 1)
Lichtsetzen braucht seine Zeit, Kamerastandort finden ebenso. Nicht selten wird dabei die halbe Wohnung unserer Interviewpartner umgeräumt. Da ich die Vorgespräche auf Deutsch geführt habe, moderiere ich währenddessen immer die französischsprachigen Filmgäste und die deutschsprachigen Gesprächpartner "aufeinander zu".
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| Französischer (1) und kanadischer (2) Dreh |
Auf die Frage nach einer Kopie des fertigen Werks, die regelmäßig fällt und eine Selbstverständlichkeit sein sollte, antwortet mit einem Bonmmot. "Was sind die drei Lügen am Dokumentarfilmset? 1. So, nur noch eine Frage! 2. Natürlich bekommen Sie eine DVD! 3. Wir räumen nachher auch alles wieder auf!"
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Fotos: Friederike Elias (Nr. 2),
Caroline Elias (Nr. 1)
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Montag, 24. Juni 2013
[richtick]
Herzlich willkommen auf den Blogseiten einer Spracharbeiterin. Hier denke ich über den Alltag der Welt der Konferenzdolmetscher und Übersetzer nach ... und über das Grundmaterial, die Sprache(n).
[Richtick] ist falsch, [richtich] ist richtig. Ist eine olle Kamelle, die ich hier heute bringe. Und eigentlich nicht der Rede wert, wenn nicht ... naja wenn nicht selbst Nachrichtensprecher das oft falsch machen würden.
Nein, ich nenne keine Sender, aber die letzte Woche hat mich das viele ge-zeh-kahe ziemlich genervt. Besonders "schick", wenn sich dann das falsch gesprochene Wort auf [Leipzick] reimt.
Merksatz aus der Sprecherziehung: Der König trinkt Milch mit Honig. Alles endet auf weiche Laute. Wir ergänzen: Der König von Leipzig trinkt Milch mit Honig.
Wer dieser König wohl ist? Ach, im Grunde interessiert mich das doch herzlich wenig.
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Foto: C.E. (Archiv)
[Richtick] ist falsch, [richtich] ist richtig. Ist eine olle Kamelle, die ich hier heute bringe. Und eigentlich nicht der Rede wert, wenn nicht ... naja wenn nicht selbst Nachrichtensprecher das oft falsch machen würden.
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| Milch mit Kaffee ... für manche sicherlich köstlich! |
Merksatz aus der Sprecherziehung: Der König trinkt Milch mit Honig. Alles endet auf weiche Laute. Wir ergänzen: Der König von Leipzig trinkt Milch mit Honig.
Wer dieser König wohl ist? Ach, im Grunde interessiert mich das doch herzlich wenig.
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Foto: C.E. (Archiv)
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Sprachschatz
Sonntag, 23. Juni 2013
Barfuß am Set
Was Dolmetscher und Übersetzer machen, ist der breiten Öffentlichkeit oft nicht genau bekannt. Hier schreibe ich darüber. In meiner Spracharbeit habe ich mich auf die Bereiche Medien, Politik, Kultur und Gesellschaft spezialisiert.
Neulich abends, beim Film. Es ging etwas heißer zu in der Weltstadt, in der wir drehen. Während die Assistentin das Mikrofonkabel unter dem Kragen des Interviewpartners verschwinden lässt, fällt mir auf, dass ich die einzige bin, die hier nach Protokoll gekleidet ist (Kostümchen, Schühchen, Strümpfchen and so on).
Kein Wunder, hatte ich am Vormittag doch noch mit Großkopfeten zu tun. (Zum Glück habe ich meinen Sandelholzfächer aus Marseille dabei und setze ihn zwischendurch auch ein.)
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Foto: C.E.
Neulich abends, beim Film. Es ging etwas heißer zu in der Weltstadt, in der wir drehen. Während die Assistentin das Mikrofonkabel unter dem Kragen des Interviewpartners verschwinden lässt, fällt mir auf, dass ich die einzige bin, die hier nach Protokoll gekleidet ist (Kostümchen, Schühchen, Strümpfchen and so on).
Kein Wunder, hatte ich am Vormittag doch noch mit Großkopfeten zu tun. (Zum Glück habe ich meinen Sandelholzfächer aus Marseille dabei und setze ihn zwischendurch auch ein.)
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Foto: C.E.
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Am Wegesrand aufgelesen,
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Sonntagsbilder
Donnerstag, 20. Juni 2013
Merci beaucoup IIX
Hallo, ich heiße Sie als Leserin/Leser auf meinen Blogseiten willkommen. Hier schreibe ich über die Arbeitswelt der Konferenzdolmetscher und Übersetzer. Manchmal brauche ich allerdings nicht selbst zu texten ... Hier eine aktuelle Danksagung.
"Der Verein Bleublancrose bedankt sich herzlich bei Caroline Elias für ihre Arbeit als Dolmetscherin einer Diskussion, die am 14.6. dem Thema „Ehe für alle“ gewidmet war. Das große Interesse der Teilnehmer am Thema hat die Veranstaltung länger werden lassen (sie dauerte fast 2,5 Stunden) und damit einen hohen Einsatz von Caroline gefordert, die diese Veranstaltung trotz schwieriger Arbeitsbedingungen hochprofessionell und brillant übertrug. Sie war dabei ebenso souverän bei der Verdolmetschung aus dem Französischen ins Deutsche (konsekutive Übersetzung) wie andersherum (Flüsterdolmetschen).
Wir waren sehr glücklich und zufrieden mit dieser Zusammenarbeit. Wir können ihre Arbeit nur wärmstens empfehlen."
Berlin, am 18.06.2013, Pascal Thibaut (1. Vorsitzender des Vereins Bleublancrose)
Und im Original: L'association Bleublancrose remercie chaleureusement Caroline Elias pour son travail d’interprète lors d'une discussion le 14 juin dernier sur le mariage pour tous. L'intérêt des participants a prolongé la discussion (près de deux heures et demie) et bien sûr exigé beaucoup de Caroline qui a malgré des conditions de travail difficiles effectué avec brio et professionnalisme la traduction de cette manifestation. Elle était autant à l’aise avec l’interprétation du français en allemand (traduction consecutive) qu'inversement (chuchotage).
Nous étions très heureux et satisfaits de collaborer avec elle. Nous recommandons vivement son travail.
Berlin, le 18 juin 2013 Pascal Thibaut (Président de l'association Bleublancrose)
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Foto: MANEO
"Der Verein Bleublancrose bedankt sich herzlich bei Caroline Elias für ihre Arbeit als Dolmetscherin einer Diskussion, die am 14.6. dem Thema „Ehe für alle“ gewidmet war. Das große Interesse der Teilnehmer am Thema hat die Veranstaltung länger werden lassen (sie dauerte fast 2,5 Stunden) und damit einen hohen Einsatz von Caroline gefordert, die diese Veranstaltung trotz schwieriger Arbeitsbedingungen hochprofessionell und brillant übertrug. Sie war dabei ebenso souverän bei der Verdolmetschung aus dem Französischen ins Deutsche (konsekutive Übersetzung) wie andersherum (Flüsterdolmetschen). Wir waren sehr glücklich und zufrieden mit dieser Zusammenarbeit. Wir können ihre Arbeit nur wärmstens empfehlen."
Berlin, am 18.06.2013, Pascal Thibaut (1. Vorsitzender des Vereins Bleublancrose)
Und im Original: L'association Bleublancrose remercie chaleureusement Caroline Elias pour son travail d’interprète lors d'une discussion le 14 juin dernier sur le mariage pour tous. L'intérêt des participants a prolongé la discussion (près de deux heures et demie) et bien sûr exigé beaucoup de Caroline qui a malgré des conditions de travail difficiles effectué avec brio et professionnalisme la traduction de cette manifestation. Elle était autant à l’aise avec l’interprétation du français en allemand (traduction consecutive) qu'inversement (chuchotage).
Nous étions très heureux et satisfaits de collaborer avec elle. Nous recommandons vivement son travail.
Berlin, le 18 juin 2013 Pascal Thibaut (Président de l'association Bleublancrose)
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Foto: MANEO
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Merci beaucoup
Mittwoch, 19. Juni 2013
mühselig
Willkommen auf den Seiten des ersten deutschen Blogs aus dem Inneren der Dolmetscherkabine. Ich bin Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache und aus dem Englischen. Hier denke ich über unseren Beruf nach und über sein Material, die Sprachen.
Da habe ich mich gestern selbst überrascht. Beim Gegenlesen meines Blogeintrags fiel mir das kleine Wörtchen "mühselig" auf. Ja, die Arbeit macht oft viel Mühe, bedeutet viel Kleinteiliges, Recherchen und Vokabelarbeit, dabei darf ich das große Ganze nicht aus den Augen verlieren.
Das gilt gleichermaßen für Vorbereitung wie für die Durchführung, ganz gleich, ob sie in der Dolmetscherkabine oder am Übersetzerschreibtisch stattfindet. Und die Mühe macht selig, das akkurate Arbeiten, das Ergebnis, frohe Gesichter am Ende, ein Film der ins Kino kommt oder der von einem Festival über eine Auszeichnung berichtet, solch' eine Mail hatte ich erst gestern im digitalen Briefkasten.
Da sind dann alle Mühen vergessen, die dieser Übersetzungsauftrag einst mit sich brachte. Oder das manchmal etwas mühsame Finden eines Preises, der für alle stimmt. Denn ich liebe es, Qualität zu liefern — und arbeite einfach gründlich ...
... und damit langsam. Was, auf die Geschwindigkeit bezogen, beim Simultandolmetschen natürlich nicht ganz stimmt, da bekomme ich dann schon mal wie letzten Freitag zu hören: "Du übersetzt ja schneller, als ich gesprochen habe".
Mit diesem Gefühl der Seligkeit macht mir das Warten auf Fotos und Kundenfeedback auch nichts mehr aus, mit denen ich die nächsten Blogeinträge gestalten will, denn auch letzte Woche war ich schwer aktiv und es gibt hier weitere Einblicke in den Dolmetscheralltag.
Ich kämpfe in der Zwischenzeit ganz alltäglich mit Computertechnikproblemen, Abrechnungen, verdolmetsche Dreharbeiten und mache Termine fürs Filmteam ... alles höchst banal.
Und ich überrasche mich selbst, wie mich trotz knapper Zeit so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Ich liebe es, Sprache wörtlich zu nehmen. So genieße ich die Schönheit der Vokabeln, bin müh-selig, als wären sie Teile eines von einem Sternekoch zubereiteten Mahls. Dass es seligmachend sein kann, Mühen auf sich zu nehmen, verspricht meines Wissens nur die deutsche Sprache, die ja oft so wunderbar konkret ist. Diesen Gedanken führe ich hier bald weiter und schreibe endlich auch einmal über Jacques-Arthur Goldschmidt.
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Foto: C.E. (Archiv. Wunderbar: Magnete
in der Kabine halten Lexik und Konzept)
Da habe ich mich gestern selbst überrascht. Beim Gegenlesen meines Blogeintrags fiel mir das kleine Wörtchen "mühselig" auf. Ja, die Arbeit macht oft viel Mühe, bedeutet viel Kleinteiliges, Recherchen und Vokabelarbeit, dabei darf ich das große Ganze nicht aus den Augen verlieren.
Das gilt gleichermaßen für Vorbereitung wie für die Durchführung, ganz gleich, ob sie in der Dolmetscherkabine oder am Übersetzerschreibtisch stattfindet. Und die Mühe macht selig, das akkurate Arbeiten, das Ergebnis, frohe Gesichter am Ende, ein Film der ins Kino kommt oder der von einem Festival über eine Auszeichnung berichtet, solch' eine Mail hatte ich erst gestern im digitalen Briefkasten.
Da sind dann alle Mühen vergessen, die dieser Übersetzungsauftrag einst mit sich brachte. Oder das manchmal etwas mühsame Finden eines Preises, der für alle stimmt. Denn ich liebe es, Qualität zu liefern — und arbeite einfach gründlich ...
... und damit langsam. Was, auf die Geschwindigkeit bezogen, beim Simultandolmetschen natürlich nicht ganz stimmt, da bekomme ich dann schon mal wie letzten Freitag zu hören: "Du übersetzt ja schneller, als ich gesprochen habe".
Mit diesem Gefühl der Seligkeit macht mir das Warten auf Fotos und Kundenfeedback auch nichts mehr aus, mit denen ich die nächsten Blogeinträge gestalten will, denn auch letzte Woche war ich schwer aktiv und es gibt hier weitere Einblicke in den Dolmetscheralltag.
Ich kämpfe in der Zwischenzeit ganz alltäglich mit Computertechnikproblemen, Abrechnungen, verdolmetsche Dreharbeiten und mache Termine fürs Filmteam ... alles höchst banal.
Und ich überrasche mich selbst, wie mich trotz knapper Zeit so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Ich liebe es, Sprache wörtlich zu nehmen. So genieße ich die Schönheit der Vokabeln, bin müh-selig, als wären sie Teile eines von einem Sternekoch zubereiteten Mahls. Dass es seligmachend sein kann, Mühen auf sich zu nehmen, verspricht meines Wissens nur die deutsche Sprache, die ja oft so wunderbar konkret ist. Diesen Gedanken führe ich hier bald weiter und schreibe endlich auch einmal über Jacques-Arthur Goldschmidt.
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Foto: C.E. (Archiv. Wunderbar: Magnete
in der Kabine halten Lexik und Konzept)
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Sprachschatz
Dienstag, 18. Juni 2013
Die brauchen mich wirklich!
Guten Tag oder guten Abend! Zufällig oder absichtlich haben Sie eine Seite meines digitalen Arbeitstagebuchs aufgeschlagen. Hier denke ich über Berufsalltag nach, über die Welt der Konferenzdolmetscher und Übersetzer. Heute: Blick auf den Schreibtisch!
Es gibt Tage, an denen beuge ich mich stundenlang über fremde Dossiers, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel Arbeit jeweils drinsteckt. 'Kostenvoranschlag schreiben' heißt diese mühselige, zeitraubende Veranstaltung. Etliches wird zugesagt, manches auch nicht, derzeit winken wohl wieder einige mit Dumpingangeboten :-(
Manche Kunden senden zwischendurch Nachrichten mit der Bitte um Geduld. Diese hier brachte mich zum Schmunzeln.
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Foto: C.E. (Archiv)
Es gibt Tage, an denen beuge ich mich stundenlang über fremde Dossiers, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel Arbeit jeweils drinsteckt. 'Kostenvoranschlag schreiben' heißt diese mühselige, zeitraubende Veranstaltung. Etliches wird zugesagt, manches auch nicht, derzeit winken wohl wieder einige mit Dumpingangeboten :-(
Manche Kunden senden zwischendurch Nachrichten mit der Bitte um Geduld. Diese hier brachte mich zum Schmunzeln.
Vielgeschaetztes Caroline:Wo die wohl das "Ess-Zett" herhaben? Vermutlich per copy & paste generiert ...
Vielen Dank für die Informationen, die Sie uns gegeben haben.
Personal der Firma ist in Verbindung mit Ihnen im Falle gezusagt.
Mit freundlichen Grueßen,
Unterschrift
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Foto: C.E. (Archiv)
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Alltag,
Arbeitsplätze
Montag, 17. Juni 2013
Korrigieren?
Hallo! Sie lesen auf den Blogseiten eines virtuellen Arbeitstagebuchs aus der Welt der Sprachen. Ich bin Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache und aus dem Englischen. Hier denke ich über unseren Berufsalltag nach ...
Dürfen Sprachmittler korrigieren? Dürfen wir besser sein als das Original?
Wenn ich Drehbücher übersetze, geschieht dies meistens in einem sehr frühen Stadium. Die Produzenten heuern mich an, weil ich viel Erfahrung habe und Stile wiedergeben und halten kann. Ziel ist ein Buch, das sich so liest, als wäre es auf Deutsch geschrieben worden. Da verbessere ich manchmal im Sinne des Autors, den ich ja lesend "begriffen" habe. Denn häufig geschieht es, dass beim Ändern von Stellen Wörter übersehen werden, die sich zum Beispiel im **Original** dann unangenehm wiederholen (und es ist nicht als Stilmittel gemeint), um nur ein Moment zu erwähnen.
Solche "Fehler", die mehr sprachliche Ungeschicktlichkeiten sind, wiederhole ich nicht. Ich schreibe so, wie ich als Autorin auch geschrieben hätte. Das führt am Ende dazu, dass nach Aussagen mancher, die beide Sprachen beherrschen, sich Übersetzungen gelegentlich besser lesen als die **Originale**.
Neulich war François Hollande in China. Er gab in Tokio eine Pressekonferenz, und es unterlief ihm eine sprachliche Ungeschicktlichkeit. Er erwähnte die Geiselnahme in einer Gasförderanlage in Algerien, die im Januar zehn Japanern das Leben gekostet hatte. Er unterstrich, dass er damals das "Mitgefühl des französischen Volkes an das chinesische Volk" übermittelt habe.
Nun sprach Hollande natürlich nicht Chinesisch, sondern wurde verdolmetscht. Die Dolmetscherin wusste, was gemeint war, und machte "das japanische Volk" daraus. Der Sender ntv berichtete allerdings, dass mindestens einem japanischen Journalisten, der des Französischen mächtig ist, der **Fehler** aufgefallen war. Wie es weiterging, ist nicht überliefert.
Für uns ist das Ausbügeln kleiner Ungeschicktlichkeiten Alltag. Vor einigen Tagen saß ich bei einer Veranstaltung neben einer Gesandten einer afrikanischen Botschaft auf dem Podium, da verhaspelte sich der Moderator und sagte wiederholt zu ihr: Madame Soundso, Attachée der französischen Botschaft. Für die Ohren der Betreffenden und einige ausschließlich Französischsprachige im Raum, denen ich per Kopfhörer zuflüsterte, machte ich flugs die richtige Botschaft draus, nur murrten die deutschsprachigen Zuhörer, denen der **Fehler** aufgefallen war.
Das Rächspern im Raum war nicht zu überhören, vor allem nicht beim 2. Mal. So musste ich dann am Ende doch in einem möglichst unauffälligen Nebensatzschlenker den kleinen Irrtum erwähnen, der dem Moderator unterlaufen war. Madame nahm es zum Glück gelassen.
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Foto: C.E. (von einer anderen Veranstaltung)
Dürfen Sprachmittler korrigieren? Dürfen wir besser sein als das Original?
Wenn ich Drehbücher übersetze, geschieht dies meistens in einem sehr frühen Stadium. Die Produzenten heuern mich an, weil ich viel Erfahrung habe und Stile wiedergeben und halten kann. Ziel ist ein Buch, das sich so liest, als wäre es auf Deutsch geschrieben worden. Da verbessere ich manchmal im Sinne des Autors, den ich ja lesend "begriffen" habe. Denn häufig geschieht es, dass beim Ändern von Stellen Wörter übersehen werden, die sich zum Beispiel im **Original** dann unangenehm wiederholen (und es ist nicht als Stilmittel gemeint), um nur ein Moment zu erwähnen.
Solche "Fehler", die mehr sprachliche Ungeschicktlichkeiten sind, wiederhole ich nicht. Ich schreibe so, wie ich als Autorin auch geschrieben hätte. Das führt am Ende dazu, dass nach Aussagen mancher, die beide Sprachen beherrschen, sich Übersetzungen gelegentlich besser lesen als die **Originale**.
Neulich war François Hollande in China. Er gab in Tokio eine Pressekonferenz, und es unterlief ihm eine sprachliche Ungeschicktlichkeit. Er erwähnte die Geiselnahme in einer Gasförderanlage in Algerien, die im Januar zehn Japanern das Leben gekostet hatte. Er unterstrich, dass er damals das "Mitgefühl des französischen Volkes an das chinesische Volk" übermittelt habe.
Nun sprach Hollande natürlich nicht Chinesisch, sondern wurde verdolmetscht. Die Dolmetscherin wusste, was gemeint war, und machte "das japanische Volk" daraus. Der Sender ntv berichtete allerdings, dass mindestens einem japanischen Journalisten, der des Französischen mächtig ist, der **Fehler** aufgefallen war. Wie es weiterging, ist nicht überliefert.Für uns ist das Ausbügeln kleiner Ungeschicktlichkeiten Alltag. Vor einigen Tagen saß ich bei einer Veranstaltung neben einer Gesandten einer afrikanischen Botschaft auf dem Podium, da verhaspelte sich der Moderator und sagte wiederholt zu ihr: Madame Soundso, Attachée der französischen Botschaft. Für die Ohren der Betreffenden und einige ausschließlich Französischsprachige im Raum, denen ich per Kopfhörer zuflüsterte, machte ich flugs die richtige Botschaft draus, nur murrten die deutschsprachigen Zuhörer, denen der **Fehler** aufgefallen war.
Das Rächspern im Raum war nicht zu überhören, vor allem nicht beim 2. Mal. So musste ich dann am Ende doch in einem möglichst unauffälligen Nebensatzschlenker den kleinen Irrtum erwähnen, der dem Moderator unterlaufen war. Madame nahm es zum Glück gelassen.
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Foto: C.E. (von einer anderen Veranstaltung)
Sonntag, 16. Juni 2013
Leser im öffentlichen Raum
Willkommen auf den Seiten einer Berliner Spracharbeiterin. Ich dolmetsche aus dem Deutschen, Französischen und Englischen. Sonntags werde ich privat: Lieblingsfotos!
Mein heutiges Posting ist ein Aufruf. Für die Gestaltung eines Plakats in der Fotomosaiktechnik bin ich auf der Suche nach 1100 Einzelbildern mit Lesern im öffentlichen Raum. Einhundert Bilder habe ich schon, ich denke daran, jedes Einzelbild drei Mal zu verwenden. Ziel ist ein Plakat für öffentliche Lesungen zu erstellen.
Hier sind bereits einige Beispiele zu sehen gewesen. Es würde mich freuen, wenn Du/Sie diese Nachricht an Freunde weiterleiten ... und mir am liebsten auch ein Leserbild zusenden könntest/könnten. Das Foto bitte an meine private Mailanschrift senden: carolineelias[Klammeraffe]yahoo.de ...
Ich kann allerdings nur Bilder verwenden, die folgende Bemerkung begleitet: "Hiermit bestätige ich, dass ich über die Rechte am eingesandten Foto verfüge, die ich ausschließlich zum Zwecke der Plakatgestaltung an die Dolmetscherin Caroline Elias, Berlin, übertrage."
Unter allen Einsendern verlose ich zehn Bücher aus meinem Bücherschrank, daher bitte Leseinteressen und Sprachkenntnisse mit angeben!
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Foto: C.E.
Mein heutiges Posting ist ein Aufruf. Für die Gestaltung eines Plakats in der Fotomosaiktechnik bin ich auf der Suche nach 1100 Einzelbildern mit Lesern im öffentlichen Raum. Einhundert Bilder habe ich schon, ich denke daran, jedes Einzelbild drei Mal zu verwenden. Ziel ist ein Plakat für öffentliche Lesungen zu erstellen.
Hier sind bereits einige Beispiele zu sehen gewesen. Es würde mich freuen, wenn Du/Sie diese Nachricht an Freunde weiterleiten ... und mir am liebsten auch ein Leserbild zusenden könntest/könnten. Das Foto bitte an meine private Mailanschrift senden: carolineelias[Klammeraffe]yahoo.de ...
Ich kann allerdings nur Bilder verwenden, die folgende Bemerkung begleitet: "Hiermit bestätige ich, dass ich über die Rechte am eingesandten Foto verfüge, die ich ausschließlich zum Zwecke der Plakatgestaltung an die Dolmetscherin Caroline Elias, Berlin, übertrage."
Unter allen Einsendern verlose ich zehn Bücher aus meinem Bücherschrank, daher bitte Leseinteressen und Sprachkenntnisse mit angeben!
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| Die BVG ist ein Lesesaal ... |
Foto: C.E.
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Freitag, 14. Juni 2013
Ausfallhonorar
Willkommen auf den Seiten eines virtuellen Arbeitstagebuchs aus der Welt der Sprachen. Ich bin Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache und aus dem Englischen. Hier denke ich über unseren Beruf und darüber nach, wie er wahrgenommen wird ...
Das bekannte deutsche |Revolverblatt| Boulevardmedium mit den vier Buchstaben, nein, es heißt nicht BLÖD-Zeitung, veröffentlichte heute dies:
Wer den Artikel liest, erfährt, dass binnen dreier Jahre 15,93 Millionen Euro geflossen sind, um Dolmetscher für zu kurzfristig abgesagte Einsätze zu entschädigen. Dies betreffe gleichermaßen Fraktionen, Ausschüsse und Delegationen, die in durchschnittlich 16,3 % der Fälle vertagt würden.
Weiter schreibt die Zeitung, die eine Pressemeldung der Nachrichtenagentur dts aufgreift: "Etwa die Hälfte der Übersetzer in Diensten des EU-Parlaments sind Freiberufler."
Um hier dem Dolmetscherbashing, das ich indirekt daraus lese, zu widersprechen: Freiberufler wohnen vielleicht nicht am Arbeitsort, haben möglicherweise Zeiten für An- und Abreise eingesetzt und ihre Arbeitstage, die sie in der Regel lange im Voraus reserviert hatten, sind "weg", andere Aufträge finden sich so schnell für den Tag nicht. Kurz: Sie hätten, würde kein Ausfallhonorar gezahlt, an den entsprechenden Tagen Honorarausfälle zu verzeichnen. Ausfallhonorare gibt es nicht nur bei Sprachmittlern, andere Berufsgruppen machen diese auch geltend.
Dolmetschen ist eine sehr anstrengende Tätigkeit, die oft tagelange Vorbereitung nötig macht. Diese wird nicht gesondert vergütet. Bei einer kurzfristigen Absage entfällt je Thema möglicherweise damit oft nur ein "kleiner", dafür aber hochgradig sichtbarer Teil der Arbeit.
Die Frage wäre allerdings, warum im Parlament 16 % der Termine verschoben werden und ob der Prozentsatz im aktuellen politischen Prozess wirklich signifant hoch ist.
Und noch ein Aspekt fällt mir ein. Die freiberuflichen Dolmetscher, die für Brüssel/Straßburg arbeiten, werden meines Wissens mit Sätzen unterhalb dessen vergütet, was die freie Wirtschaft zahlt. Wenn also ab und zu ein Ausfallhonorar hinzukommt, hebt das den Durchschnitt der wirklich wahrgenommenen Termine an. Vielleicht wurde der Faktor ja bei der Festlegung der einzelnen Honorare bereits berücksichtigt (oder ist das der Grund für ausgebliebene Erhöhungen)?
Alles Fragen, die ich gestellt hätte, wäre ich heute noch Journalistin, was ich in einem ersten Berufsleben war. Aber inzwischen scheint Recherchieren aus der Mode gekommen zu sein bzw. wird nicht mehr vergütet. Moment mal, wie war das gleich noch mit den Ausfallhonoraren von Journalisten?
Hier noch einige Bewegtbilder zum Thema:
______________________________
Illustration: B-Zeitung
Film: Generaldirektion Dolmetschen, EP
![]() |
| Bild-Zeitung vom 14.06.2013 |
Wer den Artikel liest, erfährt, dass binnen dreier Jahre 15,93 Millionen Euro geflossen sind, um Dolmetscher für zu kurzfristig abgesagte Einsätze zu entschädigen. Dies betreffe gleichermaßen Fraktionen, Ausschüsse und Delegationen, die in durchschnittlich 16,3 % der Fälle vertagt würden.
Weiter schreibt die Zeitung, die eine Pressemeldung der Nachrichtenagentur dts aufgreift: "Etwa die Hälfte der Übersetzer in Diensten des EU-Parlaments sind Freiberufler."
Um hier dem Dolmetscherbashing, das ich indirekt daraus lese, zu widersprechen: Freiberufler wohnen vielleicht nicht am Arbeitsort, haben möglicherweise Zeiten für An- und Abreise eingesetzt und ihre Arbeitstage, die sie in der Regel lange im Voraus reserviert hatten, sind "weg", andere Aufträge finden sich so schnell für den Tag nicht. Kurz: Sie hätten, würde kein Ausfallhonorar gezahlt, an den entsprechenden Tagen Honorarausfälle zu verzeichnen. Ausfallhonorare gibt es nicht nur bei Sprachmittlern, andere Berufsgruppen machen diese auch geltend.
Dolmetschen ist eine sehr anstrengende Tätigkeit, die oft tagelange Vorbereitung nötig macht. Diese wird nicht gesondert vergütet. Bei einer kurzfristigen Absage entfällt je Thema möglicherweise damit oft nur ein "kleiner", dafür aber hochgradig sichtbarer Teil der Arbeit.
Die Frage wäre allerdings, warum im Parlament 16 % der Termine verschoben werden und ob der Prozentsatz im aktuellen politischen Prozess wirklich signifant hoch ist.
Und noch ein Aspekt fällt mir ein. Die freiberuflichen Dolmetscher, die für Brüssel/Straßburg arbeiten, werden meines Wissens mit Sätzen unterhalb dessen vergütet, was die freie Wirtschaft zahlt. Wenn also ab und zu ein Ausfallhonorar hinzukommt, hebt das den Durchschnitt der wirklich wahrgenommenen Termine an. Vielleicht wurde der Faktor ja bei der Festlegung der einzelnen Honorare bereits berücksichtigt (oder ist das der Grund für ausgebliebene Erhöhungen)?
Alles Fragen, die ich gestellt hätte, wäre ich heute noch Journalistin, was ich in einem ersten Berufsleben war. Aber inzwischen scheint Recherchieren aus der Mode gekommen zu sein bzw. wird nicht mehr vergütet. Moment mal, wie war das gleich noch mit den Ausfallhonoraren von Journalisten?
Hier noch einige Bewegtbilder zum Thema:
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Illustration: B-Zeitung
Film: Generaldirektion Dolmetschen, EP
Donnerstag, 13. Juni 2013
(Im)Mobiles Büro
« Bienvenue !» Sie haben die Arbeitstagebuchseiten einer Übersetzerin angeklickt, die daneben in Berlin und anderswo für Politik, Soziales und Wirtschaft, Kino und Kultur als Französischdolmetscherin tätig ist. Hier denke ich regelmäßig über meine Arbeit und seine Begleiterscheinungen nach.
Ein dummer Witz geht so: Ruft der eine dem anderen auf der anderen Straßenseite zu: "He du, dein Schutzblecht klappert!" Darauf der andere: "Ich kann dich nicht verstehen, mein Schutzblech klappert."
Zuhause habe ich einen Festnetzanschluss fürs Telefon, den ich selten brauche, außer, ich sitze an Recherchen für ein größeres Projekt, dann koordiniere ich neben meinem Sprachberuf auch noch Inhalte und Interviewtermine, wenn ich z.B. für kleine TV- oder Dokumentarfilmprojekte dolmetschen darf. Neben dem Telefon- wird mir der Internetanschluss geliefert. Manchmal ist er gestört. In letzter Zeit häufiger, Nachbarn geht's ähnlich, man munkelt, es sei wegen des Hochwassers.
Der Versuch, beim Telefonanbieter mit dem Handy anzurufen, führt mich in Warteschleifen. Telefonzellen gibt es kaum noch, also versuche ich vom Büro eines Rahmenvertragskunden aus, mich ins Internetkundencenter des Anbieters einzuloggen. Auf meiner letzten Rechnung stehen vier Zahlenfolgen, die mir vorliegen.
Als da wären: Kundennummer, Telefonnummer mit Vorwahl, Rechungsnummer, Buchungsnummer. Ich zähle durch: Insgesamt 41 Ziffern, zudem bin ich in der überaus glücklichen Lage, über Vor- und Zunamen, Adresse inklusive Postleitzahl und Stadt, Geburtsdatum und -ort zu verfügen. Liebe mathematisch Begabte, wie wahrscheinlich ist hier am Ende noch eine Verwechslung?
Während ich versuche mich einzuloggen, möchte das System von mir ständig eine Mailadresse wissen, die "Onlinemailadresse", über die ich offenbar schnell und einfach identifiziert werden kann. Keine meiner beiden Mailadressen funktioniert, weder die beruflich noch die privat genutzte. Ich schreibe meinem Telefonanbieter. Der antwortet innerhalb von 24 Stunden:
Die Kernbestandteile meines Büros reisen in Form eines schmalen Klapprechners mit. Ich bin fast überall auch Onlinekundin. Die mir zugesandten oder -gemailten Zugangsdaten kann ich dabei stets einfach ändern und anpassen. Rechnungen bekomme und bezahle ich online, Auftragsdetails passe ich online an, Probleme übermittele ich auf gleichem Wege.
Daher frage ich mich bestürzt und den Anbieter gleich mit, ob es keine einfachere Möglichkeit gebe, mich einwandfrei zu identifizieren. Zum Beispiel über eine der oben erwähnten Ziffernfolgen. Mal sehen, was als Antwort kommt.
Liebe Telefondienstleister, was Sie treiben, entspricht nicht mehr der Lebenswirklichkeit der mobilen Generationen. Am Arbeitsplatz, auf Dienstreise oder aus dem Ausland kann ich mich nicht stundenlang zu Bürozeiten in irgendwelchen Telefonwarteschlangen herumtreiben. Und ob Sie's glauben oder nicht: Ich habe niemanden zuhause sitzen, kein Hausfrauchen und auch keinen festangestellten Assistenten, die oder der mir die ganze Verwaltungsarbeit abnimmt.
Es wäre also schön, wenn Sie den Verwaltungsanteil des von Ihnen angebotenen High speed-Netzes des 21. Jahrhunderts so modernisieren könnten, dass er sich nicht mehr wie frühe 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts anfühlt. Oder soll ich mal kurz ausländische Nachrichtendienste um die ominöse Onlinenummer anhauen? Vielleicht könnten die mir schnell(er) weiterhelfen?
Vielen Dank im Voraus für Ihr Verständnis,
C.E.
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Foto: C.E. (Archiv)
Ein dummer Witz geht so: Ruft der eine dem anderen auf der anderen Straßenseite zu: "He du, dein Schutzblecht klappert!" Darauf der andere: "Ich kann dich nicht verstehen, mein Schutzblech klappert."
Zuhause habe ich einen Festnetzanschluss fürs Telefon, den ich selten brauche, außer, ich sitze an Recherchen für ein größeres Projekt, dann koordiniere ich neben meinem Sprachberuf auch noch Inhalte und Interviewtermine, wenn ich z.B. für kleine TV- oder Dokumentarfilmprojekte dolmetschen darf. Neben dem Telefon- wird mir der Internetanschluss geliefert. Manchmal ist er gestört. In letzter Zeit häufiger, Nachbarn geht's ähnlich, man munkelt, es sei wegen des Hochwassers.
Der Versuch, beim Telefonanbieter mit dem Handy anzurufen, führt mich in Warteschleifen. Telefonzellen gibt es kaum noch, also versuche ich vom Büro eines Rahmenvertragskunden aus, mich ins Internetkundencenter des Anbieters einzuloggen. Auf meiner letzten Rechnung stehen vier Zahlenfolgen, die mir vorliegen.
Als da wären: Kundennummer, Telefonnummer mit Vorwahl, Rechungsnummer, Buchungsnummer. Ich zähle durch: Insgesamt 41 Ziffern, zudem bin ich in der überaus glücklichen Lage, über Vor- und Zunamen, Adresse inklusive Postleitzahl und Stadt, Geburtsdatum und -ort zu verfügen. Liebe mathematisch Begabte, wie wahrscheinlich ist hier am Ende noch eine Verwechslung?
Während ich versuche mich einzuloggen, möchte das System von mir ständig eine Mailadresse wissen, die "Onlinemailadresse", über die ich offenbar schnell und einfach identifiziert werden kann. Keine meiner beiden Mailadressen funktioniert, weder die beruflich noch die privat genutzte. Ich schreibe meinem Telefonanbieter. Der antwortet innerhalb von 24 Stunden:
Sehr geehrte Frau E., leider konnten wir Sie telefonisch nicht erreichen. Bitte melden Sie sich am Kundencenter im Internet mit der Zugangsnummer (ehemals Onlinenummer) und dem persönlichen Kennwort Ihres DSL-Anschlusses an. Beides ist Bestandteil Ihrer persönlichen Zugangsdaten, welche laut Recherche bei Anmeldung Ihres Anschlusses postalisch versandt wurden. MfG usw.
Das war jetzt im höchsten Maße redundant (nicht erreichbar) und selbstreferentiell. Ganz ehrlich: Von einer Onlinenummer höre ich zum ersten Mal. Nun ist es so, dass ich zuhause durchaus einige Aktenordner mit Verwaltungsunterlagen aus verschiedensten Epochen im Regal stehen habe. Die Einrichtung des Internetzugangs überließ ich einst Profis. Die Daten dazu wurden anschließend abgeheftet. Als Dolmetscherin und Übersetzerin bin ich etwa das halbe Jahr auf Dienstreisen oder im Ausland, um meine Sprachkompetenz aufrecht zu erhalten. Dickleibige Verwaltungsordner pflege ich bei berufsbedingten Ortsveränderungen nicht mit mir zu führen. Denn zum Telefonanschluss kommen ja noch weitere Anbieter und Daten, Kennziffern, Kunden- und Buchungskontonummern hinzu.
Die Kernbestandteile meines Büros reisen in Form eines schmalen Klapprechners mit. Ich bin fast überall auch Onlinekundin. Die mir zugesandten oder -gemailten Zugangsdaten kann ich dabei stets einfach ändern und anpassen. Rechnungen bekomme und bezahle ich online, Auftragsdetails passe ich online an, Probleme übermittele ich auf gleichem Wege.
Daher frage ich mich bestürzt und den Anbieter gleich mit, ob es keine einfachere Möglichkeit gebe, mich einwandfrei zu identifizieren. Zum Beispiel über eine der oben erwähnten Ziffernfolgen. Mal sehen, was als Antwort kommt.
Liebe Telefondienstleister, was Sie treiben, entspricht nicht mehr der Lebenswirklichkeit der mobilen Generationen. Am Arbeitsplatz, auf Dienstreise oder aus dem Ausland kann ich mich nicht stundenlang zu Bürozeiten in irgendwelchen Telefonwarteschlangen herumtreiben. Und ob Sie's glauben oder nicht: Ich habe niemanden zuhause sitzen, kein Hausfrauchen und auch keinen festangestellten Assistenten, die oder der mir die ganze Verwaltungsarbeit abnimmt.
Es wäre also schön, wenn Sie den Verwaltungsanteil des von Ihnen angebotenen High speed-Netzes des 21. Jahrhunderts so modernisieren könnten, dass er sich nicht mehr wie frühe 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts anfühlt. Oder soll ich mal kurz ausländische Nachrichtendienste um die ominöse Onlinenummer anhauen? Vielleicht könnten die mir schnell(er) weiterhelfen?
Vielen Dank im Voraus für Ihr Verständnis,
C.E.
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Foto: C.E. (Archiv)
Mittwoch, 12. Juni 2013
Hörnchenmilch
Hallo! Sie lesen den Blog einer Wortarbeiterin. Hier schreibe ich über den Alltag als Übersetzerin und Dolmetscherin. Heute Blick auf den Schreibtisch: Französisch ist eine schwere Sprache, sogar für manchen Muttersprachler.Heute früh war was mit lait de croissants zu übersetzen. Es ging um die Ernährung von Kleinstkindern. Es war keine Hörnchenmilch, sondern lait de croissance, Wachstumsmilch.
(Klingt halt gleich.)
Französisch' Schprach, schwähre Schprach, jawoll!
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Foto: C.E.
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Werkstatt
Dienstag, 11. Juni 2013
dépaysée
Guten Tag! (oder guten Abend, gute Nacht ...) Absichtlich oder zufällig sind Sie auf den Blogseiten einer Spracharbeiterin gelandet. Wie die Arbeit als Dolmetscherin und Übersetzerin sich bis in die Träume auswirken kann, erzähle ich hier.
Die Reise war lang gewesen. Als ich am Morgen aufwache, bin ich noch immer dieselbe.
Dépayser ist ein französisches Verb, das bedeutet, dass man an einem anderen Ort völlig fremd ist und die Glückseligkeit erlebt, sich selbst vergessen zu dürfen. Das Nomen dazu lautet le dépaysement, wörtlich übersetzt kommt etwas wie "Entlandung" heraus. Verwende ich die Vokabel le pays aber in dem Sinn, wie sie oft gebraucht wird, chez nous, au pays, geht sie in Richtung "Heimat", was mich zu "Entheimatung" führt, allerdings ohne eine möglicherweise mitschwingende bedrohliche Konnotation.
Als Reisende erleben wir uns in neuem Kontext anders, vielleicht substanzieller; wir lernen, von uns selbst abzusehen; der Hinterkopf spielt mit der biographischen Möglichkeit, woanders geboren worden und durch andere Einflüsse vielleicht eine(r) andere(r) geworden zu sein.
Urlaub ist immer auch Urlaub von sich selbst.
Bei mir hat schon entspanntes Schlafen diese Wirkung. Und weil der Dolmetscherkopf regelmäßig viele Synapsen basteln muss, um neues Wortwerk festzumachen, zählt Schlafen zu meinen Hobbies.
Im Traum bin ich erst ganz alltäglich ich selbst, dann in einem mir fremden Kontext, erst spreche ich die eine Sprache, dann eine andere, treffe auf Menschen, die ich noch kennenlerne und auf solche, die sich aus meinem Alltag verabschiedet haben, stelle ihnen schon mal überfällige Fragen, erhalte (meistens) versöhnliche Antworten, wandele mich von der Frau zum Mann, reise durch die Alter, gehe, laufe, hüpfe, fliege. Meine Träume führen mich sehr weit.
Neulich habe ich etwas Bedrohliches geträumt, ich glaube, ein Kind geriet in Lebensgefahr. Ich war als Retterin nicht rechtzeitig zur Stelle. Da es mein Traum war, über die Besitzverhältnisse bestand nicht der Anflug eines Zweifels, konnte ich ihn zurückspulen, das Kind retten, beruhigt weiterträumen. Ja, meine jahrelange intensive Beschäftigung mit Film (als Übersetzerin, Dolmetscherin, Dozentin, Rechercheurin) hat Spuren hinterlassen.
Vor langer Zeit habe ich mal was über "Klarträumen" gelesen. Das fand ich alles einleuchtend, habe es aber nicht weiter verfolgt, vermutlich, weil ich längst immer wieder bewusst träume. Noch bewusster ist mir aber meine Freude an Rollenwechseln. Die lebe ich tags als Dolmetscherin aus, denn ich schlüpfe in die verschiedensten Bereiche, Texte und damit in Leben hinein. Es ist auch eine Form von dépaysement ("Entheimatung" im positiven Sinne).
Eine meiner Freundinnen aus Schultagen ist Schauspielerin geworden. Das habe ich mir als Teenager auch vorstellen können. Heute bin ich froh, dass es anders gekommen ist, denn ich habe mehr Einfluss auf die eigene Auftragslage als besagte Freundin. Den Rest kompensiere ich schlafend. Die Reise war lang gewesen.
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Foto: C.E. (Archiv)
Die Reise war lang gewesen. Als ich am Morgen aufwache, bin ich noch immer dieselbe.
Dépayser ist ein französisches Verb, das bedeutet, dass man an einem anderen Ort völlig fremd ist und die Glückseligkeit erlebt, sich selbst vergessen zu dürfen. Das Nomen dazu lautet le dépaysement, wörtlich übersetzt kommt etwas wie "Entlandung" heraus. Verwende ich die Vokabel le pays aber in dem Sinn, wie sie oft gebraucht wird, chez nous, au pays, geht sie in Richtung "Heimat", was mich zu "Entheimatung" führt, allerdings ohne eine möglicherweise mitschwingende bedrohliche Konnotation.
Als Reisende erleben wir uns in neuem Kontext anders, vielleicht substanzieller; wir lernen, von uns selbst abzusehen; der Hinterkopf spielt mit der biographischen Möglichkeit, woanders geboren worden und durch andere Einflüsse vielleicht eine(r) andere(r) geworden zu sein.
Urlaub ist immer auch Urlaub von sich selbst.
Bei mir hat schon entspanntes Schlafen diese Wirkung. Und weil der Dolmetscherkopf regelmäßig viele Synapsen basteln muss, um neues Wortwerk festzumachen, zählt Schlafen zu meinen Hobbies.
Im Traum bin ich erst ganz alltäglich ich selbst, dann in einem mir fremden Kontext, erst spreche ich die eine Sprache, dann eine andere, treffe auf Menschen, die ich noch kennenlerne und auf solche, die sich aus meinem Alltag verabschiedet haben, stelle ihnen schon mal überfällige Fragen, erhalte (meistens) versöhnliche Antworten, wandele mich von der Frau zum Mann, reise durch die Alter, gehe, laufe, hüpfe, fliege. Meine Träume führen mich sehr weit.
Neulich habe ich etwas Bedrohliches geträumt, ich glaube, ein Kind geriet in Lebensgefahr. Ich war als Retterin nicht rechtzeitig zur Stelle. Da es mein Traum war, über die Besitzverhältnisse bestand nicht der Anflug eines Zweifels, konnte ich ihn zurückspulen, das Kind retten, beruhigt weiterträumen. Ja, meine jahrelange intensive Beschäftigung mit Film (als Übersetzerin, Dolmetscherin, Dozentin, Rechercheurin) hat Spuren hinterlassen.
Vor langer Zeit habe ich mal was über "Klarträumen" gelesen. Das fand ich alles einleuchtend, habe es aber nicht weiter verfolgt, vermutlich, weil ich längst immer wieder bewusst träume. Noch bewusster ist mir aber meine Freude an Rollenwechseln. Die lebe ich tags als Dolmetscherin aus, denn ich schlüpfe in die verschiedensten Bereiche, Texte und damit in Leben hinein. Es ist auch eine Form von dépaysement ("Entheimatung" im positiven Sinne).
Eine meiner Freundinnen aus Schultagen ist Schauspielerin geworden. Das habe ich mir als Teenager auch vorstellen können. Heute bin ich froh, dass es anders gekommen ist, denn ich habe mehr Einfluss auf die eigene Auftragslage als besagte Freundin. Den Rest kompensiere ich schlafend. Die Reise war lang gewesen.
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Foto: C.E. (Archiv)
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Montag, 10. Juni 2013
Taubengrau und bunter Sommer
Was Dolmetscher und Übersetzer machen, ist der breiten Öffentlichkeit oft nicht genau bekannt. Hier schreibe ich darüber. In meiner Spracharbeit habe ich mich auf die Bereiche Medien, Politik, Kultur und Gesellschaft spezialisiert, dazu kommen Privatkunden. Meine Arbeitssprachen sind Englisch (nur als Ausgangssprache) und Französisch (ich dolmetsche in diese und aus dieser Sprache).
Gestern habe ich hier zwei Turteltauben aus dem Tiergarten gezeigt, die ein Dolmetscherkollege und ich beim Spaziergang beobachtet haben. Turteltauben sind auf Französisch les tourtereaux, das Turteln klingt an. Auf Englisch heißen sie lovebirds. (Dass Dolmetscher bei dem, was ihnen so vor die|Augen| Linse kommt, mal kurz Vokabeln wiederholen, ist normal und nur für Außenstehende nervig.)
Diese automatische Piepmatzvokabelwiedervorlage im Dolmetscherhirn erinnert mich an eine Privatkundin neulich, die in Paris ein sehr teures Kostüm erworben hatte ... übers Internet. Als Farbe hatte sie gris tourterelle ausgewählt, was ankam war ein ins Rosa gehendes Grau.
Sie reklamierte. Und musste lernen, dass "Taubengrau" auf Französisch gris pigeon heißt, im Modebereich oft gorge-de-pigeon, wörtlich: "Taubenhals"(-farbe), in der Nebenbedeutung handelt es sich dabei aber auch um eine Farbe, die in ihren Nuancen schillert.
Auch ich habe hier etwas mit der Kundin gelernt. Nun, vielleicht nimmt sie mich beim nächsten Einkaufsgang mit. Gerne führe ich im Rahmen eines Dolmetschauftrags auch mal zum Einkaufen nach Paris ... Denn ja, unsereiner hat auch Privatkunden, vor allem in den Sommermonaten, in denen es konferenztechnisch eher sehr ruhig ist.
Leider wird mich (anders als geplant) in der Urlaubszeit kein großer Spielfilmdreh als Dolmetscherin beschäftigen, auf den letzten Metern stieg ein wichtiger Darsteller aus Deutschland aus, die Finanzierung wurde deshalb geändert, so steht kein Set-Dolmetschen in Frankreich ins Haus. Daher habe ich im Sommer Kapazitäten frei. Urlaub gibt's zwischendurch und dann im Herbst. Bis dahin wird der Sommer richtig schön bunt!
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Foto: C.E.
Gestern habe ich hier zwei Turteltauben aus dem Tiergarten gezeigt, die ein Dolmetscherkollege und ich beim Spaziergang beobachtet haben. Turteltauben sind auf Französisch les tourtereaux, das Turteln klingt an. Auf Englisch heißen sie lovebirds. (Dass Dolmetscher bei dem, was ihnen so vor die
Diese automatische Piepmatzvokabelwiedervorlage im Dolmetscherhirn erinnert mich an eine Privatkundin neulich, die in Paris ein sehr teures Kostüm erworben hatte ... übers Internet. Als Farbe hatte sie gris tourterelle ausgewählt, was ankam war ein ins Rosa gehendes Grau.
Sie reklamierte. Und musste lernen, dass "Taubengrau" auf Französisch gris pigeon heißt, im Modebereich oft gorge-de-pigeon, wörtlich: "Taubenhals"(-farbe), in der Nebenbedeutung handelt es sich dabei aber auch um eine Farbe, die in ihren Nuancen schillert.
Auch ich habe hier etwas mit der Kundin gelernt. Nun, vielleicht nimmt sie mich beim nächsten Einkaufsgang mit. Gerne führe ich im Rahmen eines Dolmetschauftrags auch mal zum Einkaufen nach Paris ... Denn ja, unsereiner hat auch Privatkunden, vor allem in den Sommermonaten, in denen es konferenztechnisch eher sehr ruhig ist.
Leider wird mich (anders als geplant) in der Urlaubszeit kein großer Spielfilmdreh als Dolmetscherin beschäftigen, auf den letzten Metern stieg ein wichtiger Darsteller aus Deutschland aus, die Finanzierung wurde deshalb geändert, so steht kein Set-Dolmetschen in Frankreich ins Haus. Daher habe ich im Sommer Kapazitäten frei. Urlaub gibt's zwischendurch und dann im Herbst. Bis dahin wird der Sommer richtig schön bunt!
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Sonntag, 9. Juni 2013
Sommersonntag
Bienvenue ! An dieser Stelle berichtet eine Berliner Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Englischen) über ihren wechselvollen Arbeitsalltag.
Sonntags ist immer Zeit fürs Hobby: Fotgrafieren, also rasch ein Sonntagsfoto aus dem Berliner Tiergarten hochgeladen. Es könnte ménage à trois heißen ...
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Foto: C.E.
Sonntags ist immer Zeit fürs Hobby: Fotgrafieren, also rasch ein Sonntagsfoto aus dem Berliner Tiergarten hochgeladen. Es könnte ménage à trois heißen ...
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Foto: C.E.
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Samstag, 8. Juni 2013
48 Stunden Neukölln
Samstags poste ich immer meinen Link der Woche, heute folgt ein Veranstaltungshinweis. In weniger als acht Tagen startet das Festival "48 Stunden Neukölln", mit dem sich das sehr lebendige Quartier, in dem ich wohne, unter künstlerischen Aspekten präsentiert. Es ist bereits das 15. Festival des Berliner Stadtteils (14.-16. Juni 2013). ______________________________
Logo: 48 Stunden
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Freitag, 7. Juni 2013
Großraumbüro
Willkommen auf den Blogseiten einer Spracharbeiterin. Hier denke ich darüber nach, was wir als Konferenzdolmetscher und Übersetzer so machen, natürlich stets unter Wahrung dienstlicher Geheimnisse. Heute: Blick auf den Schreibtisch.
So sieht mein Schreibtisch gerade aus, oder zumdindest ein Teil davon: probesitzen im Großraumbüro eines Verlagshauses. Dabei stellt sich mir die Frage, wie ich morgen arbeiten will. Einer meiner Rahmenvertragskunden, seit acht Monaten bin ich für ihn tätig, hat derzeit einen ungenutzten Schreibtisch, den ich immer mal wieder nutzen darf.
Mein Berufsleben außerhalb von Kabine, Botschaft, Sitzungssaal, Behörde, Filmset, Theater, Kino, Seminar usw. fühlt sich damit anders an. Ich habe jetzt hier Kolleginnen und Kollegen, die ich sehr viel öfter sehen kann als die verschiedenen Ko-Kabinen. Im Gegenzug darf ich meine Büromitmenschen mit frischen Infos aus frankophonen Landen versorgen, ab und zu mit halbem Ohr hinhören und Bewerbungsgespräche im Auftrag des Kunden inzwischen im Alleingang führen.
Was ich weiß: Für höchst kreative Arbeiten, also Drehbuchübersetzungen sowie eigenes Schreiben (im Sommer das 2. Buch fertig), ist ein Großraumbüro nichts. Für alles andere, Recherchen, Radiosendungen abhören zum Einhören auf Sprechende, Vokabelrecherchen, Lernen, Verwaltungsarbeit usw. ist der Anschluss an einen "normalen" Büroalltag positiv. Als Erstgeborene einer kinderreichen Familie mag ich ein gewisses "Grundrauschen" sehr, kann mich kurz unterbrechen und finde anschließend schnell wieder in meine Aufgaben rein.
Derzeit erwäge ich sogar, mir für ab dem Herbst eine halbe Stelle zu suchen, das ist sicher eine Reaktion auf stets klamme bis pleitegehende Film- und Fernsehbetriebe, in der Branche habe ich traditionell viele Kunden, aber vor allem, weil es mir überraschend gut gefällt, Arbeitsalltag mit Kollegen über längere Zeiträume mitzuerleben. (Angebote werden freundlich entgegengenommen.)
Auf dem Schreibtisch: Letzte Interviewterminplanungen eines deutsch-französischen Dokumentarfilmdrehs, den Dolmetscheinsatz vom Wochenanfang nachbereiten, eine Vertragsübersetzung kalkulieren, diverse Rechnungen, eine Drehbuchübersetzung gegenlesen (Kurzfilm, pro bono-Projekt).
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Foto: C.E.
So sieht mein Schreibtisch gerade aus, oder zumdindest ein Teil davon: probesitzen im Großraumbüro eines Verlagshauses. Dabei stellt sich mir die Frage, wie ich morgen arbeiten will. Einer meiner Rahmenvertragskunden, seit acht Monaten bin ich für ihn tätig, hat derzeit einen ungenutzten Schreibtisch, den ich immer mal wieder nutzen darf.
Mein Berufsleben außerhalb von Kabine, Botschaft, Sitzungssaal, Behörde, Filmset, Theater, Kino, Seminar usw. fühlt sich damit anders an. Ich habe jetzt hier Kolleginnen und Kollegen, die ich sehr viel öfter sehen kann als die verschiedenen Ko-Kabinen. Im Gegenzug darf ich meine Büromitmenschen mit frischen Infos aus frankophonen Landen versorgen, ab und zu mit halbem Ohr hinhören und Bewerbungsgespräche im Auftrag des Kunden inzwischen im Alleingang führen.
Was ich weiß: Für höchst kreative Arbeiten, also Drehbuchübersetzungen sowie eigenes Schreiben (im Sommer das 2. Buch fertig), ist ein Großraumbüro nichts. Für alles andere, Recherchen, Radiosendungen abhören zum Einhören auf Sprechende, Vokabelrecherchen, Lernen, Verwaltungsarbeit usw. ist der Anschluss an einen "normalen" Büroalltag positiv. Als Erstgeborene einer kinderreichen Familie mag ich ein gewisses "Grundrauschen" sehr, kann mich kurz unterbrechen und finde anschließend schnell wieder in meine Aufgaben rein.
Derzeit erwäge ich sogar, mir für ab dem Herbst eine halbe Stelle zu suchen, das ist sicher eine Reaktion auf stets klamme bis pleitegehende Film- und Fernsehbetriebe, in der Branche habe ich traditionell viele Kunden, aber vor allem, weil es mir überraschend gut gefällt, Arbeitsalltag mit Kollegen über längere Zeiträume mitzuerleben. (Angebote werden freundlich entgegengenommen.)
Auf dem Schreibtisch: Letzte Interviewterminplanungen eines deutsch-französischen Dokumentarfilmdrehs, den Dolmetscheinsatz vom Wochenanfang nachbereiten, eine Vertragsübersetzung kalkulieren, diverse Rechnungen, eine Drehbuchübersetzung gegenlesen (Kurzfilm, pro bono-Projekt).
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Donnerstag, 6. Juni 2013
Schönes Lob
Welcome, bienvenue ... bei meinem Weblog. Hier schreibe ich über meinen Arbeitsalltag und erzähle, was unsereiner als Dolmetscher für Französisch in Berlin, Paris und anderswo so alles erleben kann.
Sagte doch vor kurzem ein langjähriger Dolmetschkunde zu mir: "Mit den Jahren werden Sie immer wertvoller, das ist wie mit dem Wein. Gilt das eigentlich für alle Dolmetscher?"
Bevor ich etwas antworten kann, ergänzt er selbst: "Naja, vermutlich nicht, beim Wein hängt's ja auch davon ab, was anfangs in die Flasche abgefüllt wurde!"
Das wollte ich der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten. Mein "Geheimnis": Fleißig studieren, viel arbeiten, im Beruf auch nicht aufhören, anspruchsvoll zu sein, offen, wissbegierig, lifelong learning eben ... dabei die berühmte Ausdauer an den Tag legen!
Ich erinnere mich an die 10.000-Stunden-Regel des kanadischen Neurologen Daniel Levitin: Ten thousand hours of practice is required to achieve the level of mastery associated with being a world-class expert — in anything. (Daniel Levitin: "This is Your Brain on Music", London 2006.)
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Foto: privat
Sagte doch vor kurzem ein langjähriger Dolmetschkunde zu mir: "Mit den Jahren werden Sie immer wertvoller, das ist wie mit dem Wein. Gilt das eigentlich für alle Dolmetscher?"
Bevor ich etwas antworten kann, ergänzt er selbst: "Naja, vermutlich nicht, beim Wein hängt's ja auch davon ab, was anfangs in die Flasche abgefüllt wurde!"
Das wollte ich der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten. Mein "Geheimnis": Fleißig studieren, viel arbeiten, im Beruf auch nicht aufhören, anspruchsvoll zu sein, offen, wissbegierig, lifelong learning eben ... dabei die berühmte Ausdauer an den Tag legen!
Ich erinnere mich an die 10.000-Stunden-Regel des kanadischen Neurologen Daniel Levitin: Ten thousand hours of practice is required to achieve the level of mastery associated with being a world-class expert — in anything. (Daniel Levitin: "This is Your Brain on Music", London 2006.)
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Foto: privat
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Merci beaucoup
Mittwoch, 5. Juni 2013
Was Sprache kann ...
Bienvenue ! Sie lesen gerade in einem digitalen Tagebuch aus dem Berufsleben. Ich berichte hier aus der Welt der Übersetzer und Konferenzdolmetscher. Immer wieder hat es unsereiner mit Selbstoptimierung und -verwaltung zu tun. Akrobatisch, was Aktenjongleure in Büro und Verwaltung mit Sprache anstellen.
Endlich: Das "Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz" (RkReÜAÜG) ist Geschichte! Der Bandwurm stand als das Negativbeispiel in Sachen Verwaltungsdeutsch über zehn Jahre lang im Gesetz. Aber es schaudert mich Arbeiterin aus den Niederungen der Sprache bereits angesichts einfacherer Begriffe. Neulich im Büro plagte ich mich mit Formularen und Briefvorlagen rum. Dann stieß ich auf das da: klick! ... und staunte selbst, was mit Sprache so alles|aus|angerichtet werden kann!
Habe ich das wirklich verstanden? Muss ich das können?
Nein, mich interessiert die absolute vertikale Position jetzt nicht mehr, die gleich darauf folgt, es ist mir egal, ob sie bei 9,88 cm oder bei 9,9 cm liegt.
Dann lieber Konferenzen simultan dolmetschen. Wie einfach, pah! Und warum wird der fertig formatierte Standardbrief in meinem Office-Paket nicht ganz selbstverständlich als anklickbare Option vom Hersteller angeboten?
Falls jemand eine Briefvorlage als Word für Apple hat, in der die Falz- und Lochvorlagen standardmäßig vorhanden sind, würde ich mich über die Zusendung sehr freuen. Falls nicht, müssen meine Kunden eben künftig ohne das auskommen und auch die Eigenbelege für Kontobewegungen unseres kleinen Kulturvereins können nicht auf perfekt gedritteltes A4 hoffen. So what!
Vokabelnotiz: Das RkReÜAÜG stand in Mecklenburg-Vorpommern im Gesetz, lax auch mal [Mac Pomm'] genannt. Auf Französisch: le Land de Mecklembourg-Poméranie
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Foto: C.E. (Archiv)
Endlich: Das "Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz" (RkReÜAÜG) ist Geschichte! Der Bandwurm stand als das Negativbeispiel in Sachen Verwaltungsdeutsch über zehn Jahre lang im Gesetz. Aber es schaudert mich Arbeiterin aus den Niederungen der Sprache bereits angesichts einfacherer Begriffe. Neulich im Büro plagte ich mich mit Formularen und Briefvorlagen rum. Dann stieß ich auf das da: klick! ... und staunte selbst, was mit Sprache so alles
Habe ich das wirklich verstanden? Muss ich das können?
Falz- und Absatzmarken lassen sich unter Verwendung eines Gedankenstrichs richtig ausrichten, der zunächst mit gedrückter rechter Maustaste in der richtigen Textfeldgröße markiert, dann via Kontextmenu als Textfeld formatiert wird, über die Auswahl "Linie" hinter "Farbe" auf der richtigen Registerkarte, und zwar auf der, die "Farben und Linien" heißt, dann den Eintrag "keine Linie" wählen, alsdann den Rahmen der Falzmarke entfernen, den Word stets standardmäßig vorgibt, anschließend ...Das war jetzt nicht einmal die Hälfte des Vorgangs.
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| Meine normalen Computeranforderungen fordern mich genug. Hier: Drehbuchübersetzung, Vergleich von Drehbuchfassungen |
Dann lieber Konferenzen simultan dolmetschen. Wie einfach, pah! Und warum wird der fertig formatierte Standardbrief in meinem Office-Paket nicht ganz selbstverständlich als anklickbare Option vom Hersteller angeboten?
Falls jemand eine Briefvorlage als Word für Apple hat, in der die Falz- und Lochvorlagen standardmäßig vorhanden sind, würde ich mich über die Zusendung sehr freuen. Falls nicht, müssen meine Kunden eben künftig ohne das auskommen und auch die Eigenbelege für Kontobewegungen unseres kleinen Kulturvereins können nicht auf perfekt gedritteltes A4 hoffen. So what!
Vokabelnotiz: Das RkReÜAÜG stand in Mecklenburg-Vorpommern im Gesetz, lax auch mal [Mac Pomm'] genannt. Auf Französisch: le Land de Mecklembourg-Poméranie
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Foto: C.E. (Archiv)
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Dienstag, 4. Juni 2013
Struktur und Detail
Guten Tag oder guten Abend! Auf diesen Seiten schreibe ich über den Alltag aus Sprachmittlersicht. In der Welt der Übersetzer und Konferenzdolmetscher ist einiges anders als draußen, sogar das Hören.
"Vielen Dank für Ihre Arbeit!", sagt das 'Zielohr' am Eingang unserer 2,56 Quadratmeter kleinen Box, verabschiedet sich mit Handschlag und wünscht uns noch einen schönen Tag. Das Wort Zielohr hat neulich Sarah aufgebracht, sie hat es von irgendeiner Englisch-Kabine, the target ear, eine Übertragung von target language, der "Zielsprache".
Bei EU-Seminaren, Euro-Betriebsratssitzungen sowie kleinen Konferenzen lernen wir die zwei, drei Personen schnell kennen, für die wir bei den oft mehrtägigen Veranstaltungen tätig werden. Etliche andere sprechen und verstehen so gut die allgemeine Schnittmengensprache Englisch, dass sie die Kopfhörer nicht brauchen. Zwischendurch wird aber z.B. auch Deutsch im Raum gesprochen, Polnisch oder Italienisch, da greift dann die ganze französischsprachige Welt im Raum zu den Lauschern.
Regelmäßig haben wir also eine oder zwei Personen, die in der Kommunikation voll von uns abhängen, unlängst gab es DAS EINE Zielohr (als Mensch mit zwei Ohren, bien sûr), und wenn die Betreuung z.B. bei Betriebsbesichtigungen oder Außenterminen anderer Art individuell ist, werden wir am Ende oft persönlich verabschiedet. Bevor es geht, sagt das Zielohr also noch einen freundlichen Satz zu unserer Arbeit: "Ich weiß gar nicht, wie Sie das machen, gleichzeitig hören und sprechen gleichzeitig!"
Den Satz kennen wir gut. Darauf können wir oft nicht viel sagen, außer: "Wir wissen es selbst nicht, aber es funktioniert." Im Grunde ist Dolmetschen kein Zweifach-Multitasking, sondern es kommen fünf oder sechs Ebenen rein, ich hatte es bereits schon einmal aufzufächern versucht (Link). Ach, wenn das mal reicht!
Hier das Parallelgeschehen, ich zähle jetzt lieber nicht mit: Rede hören, Grobanalyse, im Kopf übertragen, sprechen, sich selbst zuhören, ob der Satz Sinn macht, gegebenenfalls ergänzen. Dann noch Pult bedienen, kurz davor entscheiden, in welche Sprache es jeweils gehen soll, von floor auf "Relais" schalten, wenn ein Pole oder ein Italiener das Wort ergreift, atmen, schlucken, Augenlider betätigen, sitzen, verdauen, ab und zu etwas trinken.
Dann Dolmetschspezifisches: Zahlen aufschreiben (oder aufschreiben lassen), lesen, welchen Eigennamen die Kollegin/der Kollege für einen notiert hat, vielleicht auch noch eine Vokabel aufschreiben. In den ersten Berufsjahren oder bei großen Berühmtheiten oder bei Live-Sendungen sicher auch nach Jahren noch: mit Lampenfieber kämpfen, merken, dass man dolmetscht, sich verbieten darüber nachzudenken, dass man dolmetscht.
Aber, oh Schreck, ich kann mit der Liste wieder von vorne anfangen. Unter Punkt eins hatte ich ja angeführt: "Rede hören", Punkt zwei war die "Grobanalyse". Eigentlich müssten hier drei Punkte stehen: 1. Zuhören, 2. das Gesagte in seiner Gesamtheit erfassen, 3. einzelne Begriffe oder Redewendungen identifizieren.
Beim Übertragen wähle ich die in der Zielsprache am naheliegensten Begriffe, um das Verständnis zu erleichtern, verabschiede mich hier von einer Redewendung, dort von einem Bild, das eine Vokabel transportiert, ich nenne nur das Wort "Einsicht" als 'der Blick in etwas hinein'. Aber dort, wo es auf die Nuancen ankommt, Zitate von Aussagen anderer, Stichworte, die über einen, zwei Konferenztage immer wieder hochkommen, Fachtermini, Kürzel wie WTO (word trade organization) und OMT (organisation mondiale de travail), hier muss ich ganz genau sein.
Das schießt mir also als mögliche Antwort durch den Kopf. Bevor unser Zielohr den Flieger verpasst, sage ich lieber lachend: "Wir wissen auch nicht, wie das funktioniert!" und habe damit sogar die Wahrheit gesagt.
Bon voyage, Monsieur !
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Fotos: C.E.
"Vielen Dank für Ihre Arbeit!", sagt das 'Zielohr' am Eingang unserer 2,56 Quadratmeter kleinen Box, verabschiedet sich mit Handschlag und wünscht uns noch einen schönen Tag. Das Wort Zielohr hat neulich Sarah aufgebracht, sie hat es von irgendeiner Englisch-Kabine, the target ear, eine Übertragung von target language, der "Zielsprache".Bei EU-Seminaren, Euro-Betriebsratssitzungen sowie kleinen Konferenzen lernen wir die zwei, drei Personen schnell kennen, für die wir bei den oft mehrtägigen Veranstaltungen tätig werden. Etliche andere sprechen und verstehen so gut die allgemeine Schnittmengensprache Englisch, dass sie die Kopfhörer nicht brauchen. Zwischendurch wird aber z.B. auch Deutsch im Raum gesprochen, Polnisch oder Italienisch, da greift dann die ganze französischsprachige Welt im Raum zu den Lauschern.
Regelmäßig haben wir also eine oder zwei Personen, die in der Kommunikation voll von uns abhängen, unlängst gab es DAS EINE Zielohr (als Mensch mit zwei Ohren, bien sûr), und wenn die Betreuung z.B. bei Betriebsbesichtigungen oder Außenterminen anderer Art individuell ist, werden wir am Ende oft persönlich verabschiedet. Bevor es geht, sagt das Zielohr also noch einen freundlichen Satz zu unserer Arbeit: "Ich weiß gar nicht, wie Sie das machen, gleichzeitig hören und sprechen gleichzeitig!"
Den Satz kennen wir gut. Darauf können wir oft nicht viel sagen, außer: "Wir wissen es selbst nicht, aber es funktioniert." Im Grunde ist Dolmetschen kein Zweifach-Multitasking, sondern es kommen fünf oder sechs Ebenen rein, ich hatte es bereits schon einmal aufzufächern versucht (Link). Ach, wenn das mal reicht!
Hier das Parallelgeschehen, ich zähle jetzt lieber nicht mit: Rede hören, Grobanalyse, im Kopf übertragen, sprechen, sich selbst zuhören, ob der Satz Sinn macht, gegebenenfalls ergänzen. Dann noch Pult bedienen, kurz davor entscheiden, in welche Sprache es jeweils gehen soll, von floor auf "Relais" schalten, wenn ein Pole oder ein Italiener das Wort ergreift, atmen, schlucken, Augenlider betätigen, sitzen, verdauen, ab und zu etwas trinken.
Dann Dolmetschspezifisches: Zahlen aufschreiben (oder aufschreiben lassen), lesen, welchen Eigennamen die Kollegin/der Kollege für einen notiert hat, vielleicht auch noch eine Vokabel aufschreiben. In den ersten Berufsjahren oder bei großen Berühmtheiten oder bei Live-Sendungen sicher auch nach Jahren noch: mit Lampenfieber kämpfen, merken, dass man dolmetscht, sich verbieten darüber nachzudenken, dass man dolmetscht.
Aber, oh Schreck, ich kann mit der Liste wieder von vorne anfangen. Unter Punkt eins hatte ich ja angeführt: "Rede hören", Punkt zwei war die "Grobanalyse". Eigentlich müssten hier drei Punkte stehen: 1. Zuhören, 2. das Gesagte in seiner Gesamtheit erfassen, 3. einzelne Begriffe oder Redewendungen identifizieren.Beim Übertragen wähle ich die in der Zielsprache am naheliegensten Begriffe, um das Verständnis zu erleichtern, verabschiede mich hier von einer Redewendung, dort von einem Bild, das eine Vokabel transportiert, ich nenne nur das Wort "Einsicht" als 'der Blick in etwas hinein'. Aber dort, wo es auf die Nuancen ankommt, Zitate von Aussagen anderer, Stichworte, die über einen, zwei Konferenztage immer wieder hochkommen, Fachtermini, Kürzel wie WTO (word trade organization) und OMT (organisation mondiale de travail), hier muss ich ganz genau sein.
Das schießt mir also als mögliche Antwort durch den Kopf. Bevor unser Zielohr den Flieger verpasst, sage ich lieber lachend: "Wir wissen auch nicht, wie das funktioniert!" und habe damit sogar die Wahrheit gesagt.
Bon voyage, Monsieur !
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Fotos: C.E.
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Montag, 3. Juni 2013
wach
Hallo! Sie lesen im digitalen Arbeitstagebuch einer Sprachmittlerin für die französische Sprache.
Wach sein! Das ist ein Stichwort fürs Leben, das in meinem Falle stark vom Beruf geprägt wird. Unsereiner schnappt überall Worte und Informationen auf, weil sie ja von einem Moment zum anderen relevant fürs Dolmetschen werden können. Beispiel gefällig?
Am Morgen kommen wir sehr zeitig am Tagungsort an.
Da die Leinwand, auf der die Stichworte der Redner als PowerPointPräsentationen geworfen werden soll, gefühlte 20 Meter von der Scheibe der Kabine entfernt ist, hat uns die Technik freundlicherweise Flachbildmonitore in Sichtweite hingestellt. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön!
Hier sehe ich, dass im Rechner, der mit dem Beamer verbunden wurde, ein Bericht im YouTube-Kanal aufgerufen worden ist. Beim Einchecken hatte ich mir einen Internetzugang geben lassen. So kann ich den Film auch sofort aufrufen und reinschauen, die Ko-Kabine natürlich gleich mit. Nach der Sichtung diskutieren wir einige Übersetzungslösungen. Mir fällt ein Konstruktionsmangel des Films auf, ein nicht ausreichend anmoderierter inhaltlicher Sprung.
Dann prüfe ich, ob es Untertitel gibt. Gewonnen! Sogar auf Französisch. Wir sehen die Stellen, die uns als schwierig aufgefallen waren, ein zweites Mal. Dann gehe ich mit dem Cursor auf den Anfang des Films und stelle ihn stumm. Bevor wir den Kollegen in den anderen Kabinen bescheid sagen können, geht die Konferenz leider schon los. Die Kollegin fängt mit Dolmetschen an. Als der Redner den kurzen Bericht startet, starte auch ich den Streifen.
Er läuft mit wenigen frames Verzögerung. Wir hören aus der Englisch-Kabine die Worte: "Der Dolmetscher hat den Film vorher nicht gesehen und kann ihn daher nicht übertragen."
Im Konferenzraum hatte der Redner vergessen, die (vorhandenen) englischen Untertitel anzuklicken.
Meine Kollegin sagt darauf: "In einige Sprachen kann hier leider nicht verdolmetscht worden, ich stütze meine Übertragung auf die französischen Untertitel" — und schon legt sie los.
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Fotos: C.E.
Wach sein! Das ist ein Stichwort fürs Leben, das in meinem Falle stark vom Beruf geprägt wird. Unsereiner schnappt überall Worte und Informationen auf, weil sie ja von einem Moment zum anderen relevant fürs Dolmetschen werden können. Beispiel gefällig?
Am Morgen kommen wir sehr zeitig am Tagungsort an. Da die Leinwand, auf der die Stichworte der Redner als PowerPointPräsentationen geworfen werden soll, gefühlte 20 Meter von der Scheibe der Kabine entfernt ist, hat uns die Technik freundlicherweise Flachbildmonitore in Sichtweite hingestellt. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön!
Hier sehe ich, dass im Rechner, der mit dem Beamer verbunden wurde, ein Bericht im YouTube-Kanal aufgerufen worden ist. Beim Einchecken hatte ich mir einen Internetzugang geben lassen. So kann ich den Film auch sofort aufrufen und reinschauen, die Ko-Kabine natürlich gleich mit. Nach der Sichtung diskutieren wir einige Übersetzungslösungen. Mir fällt ein Konstruktionsmangel des Films auf, ein nicht ausreichend anmoderierter inhaltlicher Sprung.
Dann prüfe ich, ob es Untertitel gibt. Gewonnen! Sogar auf Französisch. Wir sehen die Stellen, die uns als schwierig aufgefallen waren, ein zweites Mal. Dann gehe ich mit dem Cursor auf den Anfang des Films und stelle ihn stumm. Bevor wir den Kollegen in den anderen Kabinen bescheid sagen können, geht die Konferenz leider schon los. Die Kollegin fängt mit Dolmetschen an. Als der Redner den kurzen Bericht startet, starte auch ich den Streifen.
Er läuft mit wenigen frames Verzögerung. Wir hören aus der Englisch-Kabine die Worte: "Der Dolmetscher hat den Film vorher nicht gesehen und kann ihn daher nicht übertragen."
Im Konferenzraum hatte der Redner vergessen, die (vorhandenen) englischen Untertitel anzuklicken.
Meine Kollegin sagt darauf: "In einige Sprachen kann hier leider nicht verdolmetscht worden, ich stütze meine Übertragung auf die französischen Untertitel" — und schon legt sie los.
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Fotos: C.E.
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Sonntag, 2. Juni 2013
Reisepostkarte
Willkommen auf den Seiten einer Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Englischen). Hier denke ich über den Arbeitsalltag in Kabine und am Übersetzerschreibtisch nach. Sonntags zeige ich hier meine Sonntagsbilder.
Reiseeindrücke von unterwegs, ich mag das Aufeinandertreffen von alt und neu. Sieht ein wenig aus wie England, ist es aber nicht.
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Foto: C.E.
Reiseeindrücke von unterwegs, ich mag das Aufeinandertreffen von alt und neu. Sieht ein wenig aus wie England, ist es aber nicht.
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Am Wegesrand aufgelesen,
Sonntagsbilder
Donnerstag, 30. Mai 2013
Ohr
Schön, dass Sie (beabsichtigt oder zufällig) auf die Seiten meines digitalen Arbeitstagebuchs gefunden haben. Hier blogge ich als Dolmetscherin und Übersetzerin. Regelmäßig denke ich an dieser Stelle auch über die Grundlagen der Arbeit nach, die Sprachen.
Wir Dolmetscher sind immer ganz Ohr. Und wir sind oft nicht im Besitz desselben.
Was wir regelmäßig anderen schenken, müssen wir gut pflegen. Also: Keine lauten Konzerte, Clubs oder Feuerwerke, das findet alles ohne mich statt. Auch das ein Beweis für meine These, dass Dolmetschen kein Beruf ist, sondern eine Lebensweise.
Interessant: Während wir im Deutschen "jemanden ein Ohr schenken", wird dasselbe auf Französisch nur verliehen (prêter l'oreille à quelqu'un).
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Illustration: Archiv
Wir Dolmetscher sind immer ganz Ohr. Und wir sind oft nicht im Besitz desselben.
Was wir regelmäßig anderen schenken, müssen wir gut pflegen. Also: Keine lauten Konzerte, Clubs oder Feuerwerke, das findet alles ohne mich statt. Auch das ein Beweis für meine These, dass Dolmetschen kein Beruf ist, sondern eine Lebensweise.
Interessant: Während wir im Deutschen "jemanden ein Ohr schenken", wird dasselbe auf Französisch nur verliehen (prêter l'oreille à quelqu'un).
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Illustration: Archiv
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Sprachschatz
Mittwoch, 29. Mai 2013
Duale Ausbildung
Bonjour ! Seit vielen Jahren arbeite ich als Dolmetscherin und Übersetzerin. Es ist mein zweiter Beruf. Hier können Sie meinen sprachbetonten Alltag mitverfolgen.
Manchmal ärgere ich mich über meinen Nachnamen. Elias, das ist der Name eines Propheten aus dem alten Testament. Mitunter habe ich das ungute Gefühl, auf nahezu prophetische Art und Weise mehr zu wissen, als ich eigentlich wissen kann.
Das erlebe ich erst heute früh wieder. Ich schlage die Zeitung auf und weiß schon, was drinsteht. Ich meine jetzt nicht dieses "Neulich in der Kabine, heute in der Zeitung", das dadurch entsteht, dass wir Dolmetscher manchmal schneller als die Presse auf dem Laufenden sind, weil wir jenen zuarbeiten, die hinter den Schlagzeilen stehen.
Das Phänomen reicht weiter. Und es ist für mich, da ich im ersten Beruf (gelernte) Journalistin war, paradox, denn in der Vorbereitung der Dolmetscheinsätze kommt mir diese Erstausbildung zugute: Ich beobachte regelmäßig die News zu meinen Themen und frage gezielt nach, wenn ich am Rand einer Meldung einen Halbsatz höre, der nicht in das sonstige Bild passt. Indem ich die Nachricht hinter der Nachricht suche oder dem Mainstream widersprechende Informationen, bereite ich mich auf oft kontrovers geführte Disskussionen nach Konferenzbeiträgen vor. (Und im Grunde mache ich damit etwas, wozu viele Journalisten heute mangels Zeit = Geld oft nur noch unzureichend kommen.)
Dieser Tage darf ich öfter zum Thema der 'dualen Berufsausbildung' deutschen Typs arbeiten, die häufig als DIE Lösung der europäischen Jugendarbeitslosigkeit präsentiert wird. Die heutige Berichterstattung von Le Monde über die deutsch-französische Konferenz in Paris zu diesem Thema beinhaltet einen kurzen Artikel über Zahlen, die wir neulich bereits im selbst hergestellten Vorbereitungsmaterial hatten.
Unter der Überschrift Le faible chômage des jeunes, un miracle en trompe-l'œil (sehr frei übersetzt: "Die geringe Jugendarbeitslosigkeit, Wunder oder optische Täuschung?") werden die deutschen 6-8 % Arbeitslosen unter den 15-24-jährigen vor dem Hintergrund erläutert, dass hierzulande der Geburtenknick schon seit längerem spürbar ist. Die Unternehmen müssten sich also ernsthaft um ihre die Mitarbeiter von morgen bemühen. Nicht, dass ich das Modell nicht selbst sehr attraktiv fände, aber um seine Qualität wirklich mit den Statistiken anderer Länder vergleichen zu können, wäre zunächst die Umrechnung der Zahlen erforderlich.
Ich fand diese zuvor selbst angestellten Gedanken bereits am 8. Mai in einer Pressemeldung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) wieder. DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke wird hier noch dahingehend zitiert, dass Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland überwiegend ein Problem der Qualifikation sei, da die Ausbildungsquote (wie ja auch die Schulerfolgsquote) von sozialer Herkunft und Wohnort abhängen würde.
Und so geschah es eben erst in Berlin, dass die hier berichterstattende Dolmetscherin in ihrer Kabine ganz nervös wurde, weil sie am liebsten einen Tipp zur Arbeitsweise gegeben hätte, wo sie doch offenbar über Informationen verfügt hat, die außhalb der Kabine nicht bekannt waren. Wie schön, dass diese dann kurz darauf in den Medien stehen.
Vielleicht gingen sie auch gestern in die Gespräche der Pariser Zusammenkunft ein. (Hier ist ein Link zur einer Videodokumentation der Veranstaltung mit den Stimmen aus der Englischkabine; also, bei der nächsten Vorbereitungsrunde zum Thema ...) Mal sehen, wann wir hier in Berlin für die nächsten Konferenzen zu diesem Thema verpflichtet werden, das mich seit Wochen wiederholt beschäftigt.
Also: Recherchieren wie Journalisten, alles schnell verarbeiten und "sprechen" wie Dolmetscher — unsere Berufspraxis lebt idealerweise von dieser Dualität, meine ganz gewiss.
Vokabelnotiz: la formation (professionnelle) en alternance — duale Ausbildung ______________________________
Fotos: C.E.
Manchmal ärgere ich mich über meinen Nachnamen. Elias, das ist der Name eines Propheten aus dem alten Testament. Mitunter habe ich das ungute Gefühl, auf nahezu prophetische Art und Weise mehr zu wissen, als ich eigentlich wissen kann.
Das erlebe ich erst heute früh wieder. Ich schlage die Zeitung auf und weiß schon, was drinsteht. Ich meine jetzt nicht dieses "Neulich in der Kabine, heute in der Zeitung", das dadurch entsteht, dass wir Dolmetscher manchmal schneller als die Presse auf dem Laufenden sind, weil wir jenen zuarbeiten, die hinter den Schlagzeilen stehen.
Das Phänomen reicht weiter. Und es ist für mich, da ich im ersten Beruf (gelernte) Journalistin war, paradox, denn in der Vorbereitung der Dolmetscheinsätze kommt mir diese Erstausbildung zugute: Ich beobachte regelmäßig die News zu meinen Themen und frage gezielt nach, wenn ich am Rand einer Meldung einen Halbsatz höre, der nicht in das sonstige Bild passt. Indem ich die Nachricht hinter der Nachricht suche oder dem Mainstream widersprechende Informationen, bereite ich mich auf oft kontrovers geführte Disskussionen nach Konferenzbeiträgen vor. (Und im Grunde mache ich damit etwas, wozu viele Journalisten heute mangels Zeit = Geld oft nur noch unzureichend kommen.)
Dieser Tage darf ich öfter zum Thema der 'dualen Berufsausbildung' deutschen Typs arbeiten, die häufig als DIE Lösung der europäischen Jugendarbeitslosigkeit präsentiert wird. Die heutige Berichterstattung von Le Monde über die deutsch-französische Konferenz in Paris zu diesem Thema beinhaltet einen kurzen Artikel über Zahlen, die wir neulich bereits im selbst hergestellten Vorbereitungsmaterial hatten.
Unter der Überschrift Le faible chômage des jeunes, un miracle en trompe-l'œil (sehr frei übersetzt: "Die geringe Jugendarbeitslosigkeit, Wunder oder optische Täuschung?") werden die deutschen 6-8 % Arbeitslosen unter den 15-24-jährigen vor dem Hintergrund erläutert, dass hierzulande der Geburtenknick schon seit längerem spürbar ist. Die Unternehmen müssten sich also ernsthaft um ihre die Mitarbeiter von morgen bemühen. Nicht, dass ich das Modell nicht selbst sehr attraktiv fände, aber um seine Qualität wirklich mit den Statistiken anderer Länder vergleichen zu können, wäre zunächst die Umrechnung der Zahlen erforderlich.
Ich fand diese zuvor selbst angestellten Gedanken bereits am 8. Mai in einer Pressemeldung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) wieder. DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke wird hier noch dahingehend zitiert, dass Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland überwiegend ein Problem der Qualifikation sei, da die Ausbildungsquote (wie ja auch die Schulerfolgsquote) von sozialer Herkunft und Wohnort abhängen würde.
Und so geschah es eben erst in Berlin, dass die hier berichterstattende Dolmetscherin in ihrer Kabine ganz nervös wurde, weil sie am liebsten einen Tipp zur Arbeitsweise gegeben hätte, wo sie doch offenbar über Informationen verfügt hat, die außhalb der Kabine nicht bekannt waren. Wie schön, dass diese dann kurz darauf in den Medien stehen.Vielleicht gingen sie auch gestern in die Gespräche der Pariser Zusammenkunft ein. (Hier ist ein Link zur einer Videodokumentation der Veranstaltung mit den Stimmen aus der Englischkabine; also, bei der nächsten Vorbereitungsrunde zum Thema ...) Mal sehen, wann wir hier in Berlin für die nächsten Konferenzen zu diesem Thema verpflichtet werden, das mich seit Wochen wiederholt beschäftigt.
Also: Recherchieren wie Journalisten, alles schnell verarbeiten und "sprechen" wie Dolmetscher — unsere Berufspraxis lebt idealerweise von dieser Dualität, meine ganz gewiss.
Vokabelnotiz: la formation (professionnelle) en alternance — duale Ausbildung ______________________________
Fotos: C.E.
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Dienstag, 28. Mai 2013
stürmisch
Hello, guten Tag, bonjour ! Sie haben das Arbeitstagebuch einer Übersetzerin angeklickt. Ich berichte aber auch aus der Welt der Konferenzdolmetscher in Berlin und anderswo. Meine Fachgebiete sind Politik, Soziales und Wirtschaft, Kino und Kultur, ich arbeite vor allem mit der französischen Sprache, aber auch aus dem Englischen. Dolmetschen ist kein Beruf, sondern eine Lebensweise, das schrieb ich hier gestern. Heute folgt Teil zwei.
Etwa alle sechs Monate wache ich davon auf, dass in meinem Schlafzimmer jemand laut vernehmbar lacht. Bei genauerem Hinsehen, die Augen blinzeln vorsichtig in den Tag hinein, bin ich allein. Diese Art nächtlicher Ruhestörung ist mir lieber als das Wachwerden durch 'Hundegebell', wie ich's in den 1970-er Jahren im Ruhrpott bei der [Omma] erlebt habe.
Der Pseudokrupp-Husten ist lange schon Geschichte. Aber wie damals träume ich sehr lebendig, manchmal sogar stürmisch. Heute gegen Morgen also folgendes Traumgeschehen: Erst arbeite ich als Lautmalerin vor einer Staffelei in einem Schallarchiv. Ich male sehr genussvoll, genieße, was ich mache.
Wenig später habe ich es mit französischen Gästen zu tun. Wir haben komische Bäume vor dem Haus, die palmenartige, kleine Blätter produzieren, die immer wie ein Strauß zusammenhängen. Ich erzähle, dass wir daraus immer unsere Gastgeschenke gebunden hätten. Und zeige, was für eine Eigenart diese Pflanzen noch haben. Sie reagieren wie Mimosen auf Berührung, versteifen sich kurz, spannen sich auf und schleudern sich selbst dann pfeilartig in die Ferne.
Meine Gäste lachen ... Et présenter ça comme cadeau, comment l'interpréter, c'est extra ! (Sowas als Geschenk anzubieten, wie soll denn das interpretiert werden, großartig!)
Ich suche keine großen Deutungen dieser ineinander übergehenden Momente, sehe aber, dass ich einmal Sprache wörtlich nehme und mit viel Lebenslust und Hingabe an meine Aufgabe gehe. Beim zweiten Moment weiß ich nicht, ob mir die Gäste gelegen kommen, vielleicht stören sie mich ja auch in meiner Elfenbeintürmigkeit. Mir fällt auf, wie comicartig diese Pflanzengschosse gewirkt haben. Und die lustige, zweideutige Reaktion der Gäste, die ganz selbstverständlich Französisch sprechen, gefällt mir.
Was ich tags mache, von einem Idiom zum anderen switchen, den Flow suchen und erreichen, mich Künstlerischem hingeben (manchmal), kommunizieren, gerne auch mit doppeltem Boden, das finde ich hier wieder. Was das jetzt alles mit Dolmetschen zu tun hat? In den Träumen habe ich ja gar nichts übertragen. Aber von einem Moment zum anderen könnte ich mit einem derart geschärften Bewusstsein loslegen. Das ist es, was zählt.
Träumen Ingenieure eigentlich ähnlich intensiv von den Brücken, die sie bauen?
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Foto: C.E. (Schubert-Notenblatt)
Etwa alle sechs Monate wache ich davon auf, dass in meinem Schlafzimmer jemand laut vernehmbar lacht. Bei genauerem Hinsehen, die Augen blinzeln vorsichtig in den Tag hinein, bin ich allein. Diese Art nächtlicher Ruhestörung ist mir lieber als das Wachwerden durch 'Hundegebell', wie ich's in den 1970-er Jahren im Ruhrpott bei der [Omma] erlebt habe. Der Pseudokrupp-Husten ist lange schon Geschichte. Aber wie damals träume ich sehr lebendig, manchmal sogar stürmisch. Heute gegen Morgen also folgendes Traumgeschehen: Erst arbeite ich als Lautmalerin vor einer Staffelei in einem Schallarchiv. Ich male sehr genussvoll, genieße, was ich mache.
Wenig später habe ich es mit französischen Gästen zu tun. Wir haben komische Bäume vor dem Haus, die palmenartige, kleine Blätter produzieren, die immer wie ein Strauß zusammenhängen. Ich erzähle, dass wir daraus immer unsere Gastgeschenke gebunden hätten. Und zeige, was für eine Eigenart diese Pflanzen noch haben. Sie reagieren wie Mimosen auf Berührung, versteifen sich kurz, spannen sich auf und schleudern sich selbst dann pfeilartig in die Ferne.
Meine Gäste lachen ... Et présenter ça comme cadeau, comment l'interpréter, c'est extra ! (Sowas als Geschenk anzubieten, wie soll denn das interpretiert werden, großartig!)
Ich suche keine großen Deutungen dieser ineinander übergehenden Momente, sehe aber, dass ich einmal Sprache wörtlich nehme und mit viel Lebenslust und Hingabe an meine Aufgabe gehe. Beim zweiten Moment weiß ich nicht, ob mir die Gäste gelegen kommen, vielleicht stören sie mich ja auch in meiner Elfenbeintürmigkeit. Mir fällt auf, wie comicartig diese Pflanzengschosse gewirkt haben. Und die lustige, zweideutige Reaktion der Gäste, die ganz selbstverständlich Französisch sprechen, gefällt mir.
Was ich tags mache, von einem Idiom zum anderen switchen, den Flow suchen und erreichen, mich Künstlerischem hingeben (manchmal), kommunizieren, gerne auch mit doppeltem Boden, das finde ich hier wieder. Was das jetzt alles mit Dolmetschen zu tun hat? In den Träumen habe ich ja gar nichts übertragen. Aber von einem Moment zum anderen könnte ich mit einem derart geschärften Bewusstsein loslegen. Das ist es, was zählt.
Träumen Ingenieure eigentlich ähnlich intensiv von den Brücken, die sie bauen?
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Foto: C.E. (Schubert-Notenblatt)
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Alltag,
Am Wegesrand aufgelesen,
Kopfeinsichten
Montag, 27. Mai 2013
Knickhalslaute
Bienvenue ! Hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Meine Arbeitssprachen sind Deutsch, Französisch sowie Englisch als Ausgangssprache. Dolmetschen ist kein Beruf, sondern eine Lebensweise. Hier folgt der Beweis.
Letzten Freitag mit halbem Ohr aufgeschnappt: le témoin assisté. Sofort suche ich über Suchmaschinen nach den Details der News. Es geht um Christine Lagarde, die ehemalige französische Finanzministerin und heutige IWF-Chefin (auf Französisch übrigens FMI, fonds monétaire international, manchmal drehen sich beim Wechsel der Sprache nicht nur die Reihenfolge der Buchstaben um, sondern auch einzelne Buchstaben).
Drei Minuten Lesezeit halten die Autoren einer Seite zur Lektüre des ganzen Beitrags für notwendig, siehe Pfeil, ich bin auf der Seite des 1. TV-Programms Frankreichs gelandet, das schon vor Ewigkeiten privatisiert wurde, lese dann weiter auf den Seiten von Le Monde und Spiegel Online.
Mich irritiert der Ausdruck "Zeuge mit Rechtsbeistand".
Der Spiegel-Autor schreibt denn auch "verdächtige Zeugin". Ich werde das weiter beobachten.
Flash back: Vor einer Woche in der Hamburger Kunsthalle. Ich stehe vor einem Gemälde, auf dem unter anderem eine Knickhalslaute abgebildet ist. Das Problem: Ich sehe erst länger nicht das Gemälde, sondern nur meine sprachliche Lücke. Hm, unschön. Ich reiße mich zusammen (aber muss als Memo schnell ein Bild knipsen).
Später am Tag versuche ich in den üblichen Internet-Lexika Aufklärung zu finden, leider erfolglos, dann suche ich mit dem französischen Wort luth nach erklärenden Bildern und finde allerlei, nirgendwo aber explizit die Sache mit dem Knickhals.
Sowas kann mir echt die Laune verhageln.
Flash forward: Demnächst werde ich in der Unibibliothek nach einem Fachwörterbuch für Musik Ausschau halten ...
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Illustration: TF1 und ... Maler leider verges-
sen, aufzuschreiben (wird nachgetragen)
Letzten Freitag mit halbem Ohr aufgeschnappt: le témoin assisté. Sofort suche ich über Suchmaschinen nach den Details der News. Es geht um Christine Lagarde, die ehemalige französische Finanzministerin und heutige IWF-Chefin (auf Französisch übrigens FMI, fonds monétaire international, manchmal drehen sich beim Wechsel der Sprache nicht nur die Reihenfolge der Buchstaben um, sondern auch einzelne Buchstaben).
![]() |
| Gibt es auch Zeugen ohne Rechtsbeistand, Peter? |
Mich irritiert der Ausdruck "Zeuge mit Rechtsbeistand".
Der Spiegel-Autor schreibt denn auch "verdächtige Zeugin". Ich werde das weiter beobachten.
Flash back: Vor einer Woche in der Hamburger Kunsthalle. Ich stehe vor einem Gemälde, auf dem unter anderem eine Knickhalslaute abgebildet ist. Das Problem: Ich sehe erst länger nicht das Gemälde, sondern nur meine sprachliche Lücke. Hm, unschön. Ich reiße mich zusammen (aber muss als Memo schnell ein Bild knipsen).
Später am Tag versuche ich in den üblichen Internet-Lexika Aufklärung zu finden, leider erfolglos, dann suche ich mit dem französischen Wort luth nach erklärenden Bildern und finde allerlei, nirgendwo aber explizit die Sache mit dem Knickhals.
Sowas kann mir echt die Laune verhageln.
Flash forward: Demnächst werde ich in der Unibibliothek nach einem Fachwörterbuch für Musik Ausschau halten ...
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Illustration: TF1 und ... Maler leider verges-
sen, aufzuschreiben (wird nachgetragen)
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Sonntag, 26. Mai 2013
BücherboXX
Bienvenue beim Dolmetscherweblog aus Berlin. Hier versuche ich, Schlaglichter auf unseren eher wenig bekannten Beruf zu werfen. Daneben arbeite ich in Berlin, Paris, Hamburg oder Cannes auch als Übersetzerin. Heute ist wieder Zeit für die Sonntagsbilder!
Eine ältere Dame sitzt vor einer Telefonzelle und sortiert Bücher. Moment mal, denke ich im Vorbeigehen, es gibt doch gar keine Telefonzellen mehr! Und hier haben wir es zudem mit einer französischen cabine téléphonique zu tun, und das mitten in Berlin.
Ich beobachte die Szene, unterhalte mich mit der Dame. Das Interview folgt frühestens Donnerstag (hängt vom Arbeitsaufwand dieser Woche ab).
Aus dem offiziellen Pressetext: "Zum 50-jährigen Jubiläum des deutsch-französischen Elysée-Vertrags und des Deutsch-Französischen Jugendwerks wurde im Rahmen der "50 Jahre, 50 Projekte" eine französische Telefonzelle von französischen und deutschen Auszubildenden in eine BücherboXX umgebaut.
Die sogenannte BücherboXX ist eine von INBAK entwickelte Straßenbibliothek, die nach dem Motto: "Bring ein Buch, nimm ein Buch, lies ein Buch" funktioniert und im Rahmen von verschiedenen Jugendaustauschen zwischen dem Lycée Jules Verne und dem Oberstufenzentrum Konstruktionstechnik Hans-Böckler-Schule, dem OSZ Marcel-Breuer-Schule und dem Lycée professionnel Adrienne Boland auf die Beine gestellt wurde. In dem Pariser Vorort Poissy wird ebenfalls eine ausrangierte deutsche Telefonzelle umgebaut. (...)
Die BücherboXX, gefüllt mit Büchern und Informationen zur französischen Sprache und Kultur sowie zur deutsch-französischen Versöhnung, wird nach ihrer Einweihung am 19.4.13 innerhalb Berlins u.a. in Schulen auf Reisen gehen, bevor sie sich dann langfristig — pünktlich zum Sommerfest des CFBs — am 21.6. zum "Berliner Eiffelturm" gesellt."
Die BücherboXX steht derzeit und noch bis zum 20. Juni 2013 vor dem Gebäude des deutsch-französischen Jugendwerks, Molkenmarkt 1, Berlin-Mitte. Und als "Rausschmeißer" noch einen Link zu einer Kolumne über die Liebe zu Sprachen, über die ich herzlich gelacht habe, hier steht die Sprache Skakespeares im Focus: "Sevgi" heißt "Liebe" von Jens Mühling, heute im Berliner "Tagesspiegel" erschienen.
______________________________ Fotos: C.E.
Der Anlass wird unterstützt von:
Das Projekt fördert die Nachhaltigkeit
in der beruflichen Bildung
Eine ältere Dame sitzt vor einer Telefonzelle und sortiert Bücher. Moment mal, denke ich im Vorbeigehen, es gibt doch gar keine Telefonzellen mehr! Und hier haben wir es zudem mit einer französischen cabine téléphonique zu tun, und das mitten in Berlin.
Ich beobachte die Szene, unterhalte mich mit der Dame. Das Interview folgt frühestens Donnerstag (hängt vom Arbeitsaufwand dieser Woche ab).
Aus dem offiziellen Pressetext: "Zum 50-jährigen Jubiläum des deutsch-französischen Elysée-Vertrags und des Deutsch-Französischen Jugendwerks wurde im Rahmen der "50 Jahre, 50 Projekte" eine französische Telefonzelle von französischen und deutschen Auszubildenden in eine BücherboXX umgebaut.
Die sogenannte BücherboXX ist eine von INBAK entwickelte Straßenbibliothek, die nach dem Motto: "Bring ein Buch, nimm ein Buch, lies ein Buch" funktioniert und im Rahmen von verschiedenen Jugendaustauschen zwischen dem Lycée Jules Verne und dem Oberstufenzentrum Konstruktionstechnik Hans-Böckler-Schule, dem OSZ Marcel-Breuer-Schule und dem Lycée professionnel Adrienne Boland auf die Beine gestellt wurde. In dem Pariser Vorort Poissy wird ebenfalls eine ausrangierte deutsche Telefonzelle umgebaut. (...)
Die BücherboXX, gefüllt mit Büchern und Informationen zur französischen Sprache und Kultur sowie zur deutsch-französischen Versöhnung, wird nach ihrer Einweihung am 19.4.13 innerhalb Berlins u.a. in Schulen auf Reisen gehen, bevor sie sich dann langfristig — pünktlich zum Sommerfest des CFBs — am 21.6. zum "Berliner Eiffelturm" gesellt."
Die BücherboXX steht derzeit und noch bis zum 20. Juni 2013 vor dem Gebäude des deutsch-französischen Jugendwerks, Molkenmarkt 1, Berlin-Mitte. Und als "Rausschmeißer" noch einen Link zu einer Kolumne über die Liebe zu Sprachen, über die ich herzlich gelacht habe, hier steht die Sprache Skakespeares im Focus: "Sevgi" heißt "Liebe" von Jens Mühling, heute im Berliner "Tagesspiegel" erschienen.
______________________________ Fotos: C.E.
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