Bienvenue, welcome, hallo ... beim Dolmetscherweblog. An dieser Stelle denke ich über unseren Arbeitsalltag nach. Wir übersetzen und dolmetschen aus der französischen und in die französische Sprache sowie aus dem Englischen.
Gute Bezahlung, ordentlich Spaß und (bzw. oder) viel Lernmöglichkeit, eine schmückende Referenz — das sind die drei Eckpunkte für einen schmucken Auftrag. Am liebsten hab ich es, wenn alle drei Punkte erfüllt sind. Zur Not gehen zwei von drei ... wenn der 1. Aspekt ausreichend oft sein Häckchen bekommt, denn alles wird teurer, das geht auch Sprachdienstleistern so.
Leider haben manche Kunden allerdings das folgende Dreieck vor Augen: Am billigsten, am schnellsten und am besten. Hier gehen immer zwei von drei: schnell und gut (aber teuer) oder billig und schnell (und eher nicht gut).
Jobs, die nur Spaß und Ansehen bringen, kann und will ich mir nicht mehr leisten. Spaß ohne Umsatz hat einen anderen Namen: Freizeit, Wochenende oder Urlaub. Ab aufs Wasser, statt über Dreiecke nachzudenken, oder: Auf Zeit im Bermudadreieck verschwinden.
______________________________
Foto: C.E. (Hamburg-Ausbeute)
ÜBERSETZEN IST HANDWERK, DOLMETSCHEN IST MUNDWERK
Caroline Elias, Dolmetscherin für Deutsch und Französisch in Berlin
· Konferenzen · Politik und Wirtschaft · Wissenschaft · Medien · Delegationsreisen ·
Was ich anbiete
Mittwoch, 22. Mai 2013
Sonntag, 19. Mai 2013
Durchblicke
Hallo, hello, bonjour, beim ersten Blog Deutschlands aus dem Inneren der Dolmetscherkabine.Regelmäßig berichte ich aus meinem Leben in der Welt der Sprachen. Einmal in der Woche zeige ich hier meine Sonntagsbilder.
Heute: Durchblicke aus Hamburg, wo ich meinen Pfingsturlaub verbringe.
Dass es kühl und regnerisch ist, lässt sich zumindest erahnen.
Genießen kann ich hier aber nicht nur das satte Grün der Stadt.
______________________________
Fotos: C.E.
Kategorien:
Sonntagsbilder
Donnerstag, 16. Mai 2013
Träges Haupt
« Bienvenue !» Sie haben die Arbeitstagebuchseiten einer Übersetzerin angeklickt, die daneben in Berlin und anderswo für Politik, Soziales und Wirtschaft, Kino und Kultur als Französischdolmetscherin tätig ist. Hier denke ich regelmäßig über meine Arbeit nach.
Muskelkater in den grauen Zellen, Matschbirne, Postdolmetschhirnvernebelung, post-interpreting speech impairedness — die Begriffe für den Zustand sind zahlreich. Ein richtig träges Haupt ist der Preis für anstrengende Einsätze. Manchmal fühle ich mich dann wie kurz vor grippal, ein anderes Mal einfach nur wunderbar müde und glücklich mit mir und der Welt.
Ich rechne bei den wirklich fordernden Einsätzen je geleistetem Arbeitstag mit einem Tag "Rückreise" in mein normales Leben. So wie diese Woche. Der 1,5-tägige Einsatz endete Dienstag mit einem gemeinsamen Mittagessen, anschließend hielt ich Mittagsschlaf: drei Stunden Tiefschlaf ohne Unterbrechung, also zwei volle Schlafphasen, ganz so, wie ich üblicherweise die Nachtruhe beginne.
(Das konnte ich für mich zweifelsfrei erkennen. Nachts bin ich nach den ersten zwei stets zusammenhängenden Schlafphasen nach jeder Phase kurz wach; die verglichenen langen Phasen fühlten sich exakt gleich an.)
Interessant war allerdings, dass ich zu Beginn dieser Postdolmetschschlafphase das Gefühl hatte, sofort in die REM-Phase einzutreten. Ich bekam die starken Augenbewegungen mit, wie sich mein Bewusstsein veränderte und zack! war ich "weg". (Und in der Nacht drauf schlief ich problemlos ein und dann acht Stunden lang.)
Am Tag danach bummelte ich vor mich hin: Hier ein wenig bloggen, dort einkaufen, vor allem die Sonne genießen, auch Freunde sehen, wenig sprechen. Und ich habe eher lustlos in die Tonaufnahme reingehört, die ich vom Einsatz gemacht habe.
Nachdem ich oft die Aufnahmgeräte fotografieren konnte, die Journalisten bei den Interviews der Stars verwendet haben, die ich einst übertragen habe (bevor ein Journalist die Arbeit übernommen hat, der nun ein meines Erachtens unlauteres Koppelungsgeschäft daraus macht: (qualitativ fragwürdiges) "Dolmetschen" plus (stets begeisterte) öffentlich-rechtliche Radiobeiträge), nachdem ich also diese Aufnahmegeräte oft bewundert habe, stehe ich nun selbst mitten in einer Probephase mit einem solchen.
Dafür gibt es zwei Gründe. Wir Dolmetscher kümmern uns in der Regel allein um die eigene Qualitätskontrolle. Nach den Einsätzen schaue ich mir kritisch an, ob ich mich gut und richtig vorbereitet habe. Ziel ist natürlich stets, Fehler zu finden und beim nächsten Mal zu vermeiden. Es gibt auch einen vorbeugenden Aspekt, daher muss ich mich ab und zu selbst hören.
Um zu prüfen, dass ich mir keinen "Sprachtic" eingefangen habe, fertige ich (bislang mit der Diktatfunktion des Mobiltelefons) regelmäßig kurze Aufnahmen an. Oder aber ich zeichne wie dieses Mal nahezu alles auf. Denn der Einsatz zu Wochenanfang war ein Solo-Einsatz. Normalerweise kommen wir Dolmetscher immer im Doppelpack vor und wechseln uns alle 20 bis 30 Minuten ab. Hier war konsekutives Dolmetschen geplant, da halten wir länger durch, gerne bis zu einer Stunde, in der Arbeitssituation wurde etwas wie "semi-simultan" daraus ... also simultanes Dolmetschen, aber mit Sprechpausen der Redner mitten in den Sätzen oder sogar Halbsätzen.
Die Damen und Herren ließen mir auch die nötige Zeit, um manchen komplizierten Gedanken zuende zu dolmetschen, bevor der nächste ausgesprochen wurde. Das ist natürlich weniger stressig als in der Dolmetscherkabine bei mehrsprachigen Veranstaltungen, wo, wenn die eigene Sprache mitunter auch noch "Pivot" ist, also die Schaltsprache, von der aus Verdolmetschungen in andere Sprachen erfolgen, der Stress noch einmal höher ist.
Da ich das Wortfeld, um das es zu Wochenanfang ging, bereits gut kenne, habe ich überdies nicht nur
aus dem “Arbeitsspeicher” verdolmetscht, sondern zum Teil auch von
der “Festplatte" weg. Zudem war vereinbart worden, dass ich Dolmetschmodus und Pausen stets selbst wählen und gerne alle 30 bis 40 Minuten Pausen in der Länge meiner Wahl (bzw. wie nötig) ansagen darf.
Das habe ich denn auch getan, siehe oben. Damit lief dann der Rechner unterm Schädel nicht ganz so heiß! Auch weil die Inhalte hochspannend waren, sank mein eigener Stresspegel, ich kam in den Flow, die Pausen wurden kürzer.
Die "Ko-Kabine" (2. Dolmetscherin) ist sonst nicht nur für die Ablösung zuständig, sondern auch fürs Aufschreiben von Zahlen, Eigennamen oder Wortpaaren, wenn sich mancher Fachbegriff erst während einer Sitzung klärt (was gar nicht so selten vorkommt: Über die Standardverwendungen hinweg gibt es ja auch immer gruppenspezifische, ja sitzungsspezifische Ausdrucksweisen). Und über die eigene Qualitätskontrolle hinaus habe ich durch die Aufnahme sichergestellt, dass ich meine Liste mit den Fachtermini vervollständigen kann. Vokabeln, die mir sonst bei der Solo-Nummer durchgeschlüpft wären, ziehe ich in den nächsten Tagen stundenweise aus dem Material. (Vielleicht fällt auch eine kleine Hörprobe für den Blog ab.)
Am Mittwoch, am Tag nach dem 1,5-Tage-Einsatz, war ich wunderbar knülle. Und ich hielt erneut einen Mittagsschlaf, diesmal am frühen Abend. Ich schlief 1,5 Stunden, nachdem ich zunächst eine halbe Stunde lang acht Mal mit zuckenden Gliedern in der Einschlafphase hochgeschreckt war. Die Augenlider waren dieses Mal ganz ruhig, der Schlaf in der Folgenacht nicht beeinträchtigt.
Heute fühlt sich der Kopf noch ein wenig träge an. Dolmetschen würde ich erst morgen wieder wollen, zum Glück 'mussdarf' ich erstmal nur weiterlernen, ein Seminar zum Thema Übergang von Schule in den Beruf steht an, das Thema "geht auf Anschluss". Nächste Woche werden wir zu zweit in der Kabine sitzen und im Vorfeld auch schon im Team lernen können. Das ist immer leichter, nicht nur für die abgebildeten jungen Männer in einem Berliner Berufsbildungszentrum.
Und ja, nach einem mehrstündigen Solo-Einsatz dauert die Erholungsphase doch länger ...
______________________________
Handyfotonotiz aus einem Berufsbil-
dungszentrum/Notizbuch: C.E.
Muskelkater in den grauen Zellen, Matschbirne, Postdolmetschhirnvernebelung, post-interpreting speech impairedness — die Begriffe für den Zustand sind zahlreich. Ein richtig träges Haupt ist der Preis für anstrengende Einsätze. Manchmal fühle ich mich dann wie kurz vor grippal, ein anderes Mal einfach nur wunderbar müde und glücklich mit mir und der Welt.
Ich rechne bei den wirklich fordernden Einsätzen je geleistetem Arbeitstag mit einem Tag "Rückreise" in mein normales Leben. So wie diese Woche. Der 1,5-tägige Einsatz endete Dienstag mit einem gemeinsamen Mittagessen, anschließend hielt ich Mittagsschlaf: drei Stunden Tiefschlaf ohne Unterbrechung, also zwei volle Schlafphasen, ganz so, wie ich üblicherweise die Nachtruhe beginne.
(Das konnte ich für mich zweifelsfrei erkennen. Nachts bin ich nach den ersten zwei stets zusammenhängenden Schlafphasen nach jeder Phase kurz wach; die verglichenen langen Phasen fühlten sich exakt gleich an.)Interessant war allerdings, dass ich zu Beginn dieser Postdolmetschschlafphase das Gefühl hatte, sofort in die REM-Phase einzutreten. Ich bekam die starken Augenbewegungen mit, wie sich mein Bewusstsein veränderte und zack! war ich "weg". (Und in der Nacht drauf schlief ich problemlos ein und dann acht Stunden lang.)
Am Tag danach bummelte ich vor mich hin: Hier ein wenig bloggen, dort einkaufen, vor allem die Sonne genießen, auch Freunde sehen, wenig sprechen. Und ich habe eher lustlos in die Tonaufnahme reingehört, die ich vom Einsatz gemacht habe.
Nachdem ich oft die Aufnahmgeräte fotografieren konnte, die Journalisten bei den Interviews der Stars verwendet haben, die ich einst übertragen habe (bevor ein Journalist die Arbeit übernommen hat, der nun ein meines Erachtens unlauteres Koppelungsgeschäft daraus macht: (qualitativ fragwürdiges) "Dolmetschen" plus (stets begeisterte) öffentlich-rechtliche Radiobeiträge), nachdem ich also diese Aufnahmegeräte oft bewundert habe, stehe ich nun selbst mitten in einer Probephase mit einem solchen.
Dafür gibt es zwei Gründe. Wir Dolmetscher kümmern uns in der Regel allein um die eigene Qualitätskontrolle. Nach den Einsätzen schaue ich mir kritisch an, ob ich mich gut und richtig vorbereitet habe. Ziel ist natürlich stets, Fehler zu finden und beim nächsten Mal zu vermeiden. Es gibt auch einen vorbeugenden Aspekt, daher muss ich mich ab und zu selbst hören.
Um zu prüfen, dass ich mir keinen "Sprachtic" eingefangen habe, fertige ich (bislang mit der Diktatfunktion des Mobiltelefons) regelmäßig kurze Aufnahmen an. Oder aber ich zeichne wie dieses Mal nahezu alles auf. Denn der Einsatz zu Wochenanfang war ein Solo-Einsatz. Normalerweise kommen wir Dolmetscher immer im Doppelpack vor und wechseln uns alle 20 bis 30 Minuten ab. Hier war konsekutives Dolmetschen geplant, da halten wir länger durch, gerne bis zu einer Stunde, in der Arbeitssituation wurde etwas wie "semi-simultan" daraus ... also simultanes Dolmetschen, aber mit Sprechpausen der Redner mitten in den Sätzen oder sogar Halbsätzen.
Die Damen und Herren ließen mir auch die nötige Zeit, um manchen komplizierten Gedanken zuende zu dolmetschen, bevor der nächste ausgesprochen wurde. Das ist natürlich weniger stressig als in der Dolmetscherkabine bei mehrsprachigen Veranstaltungen, wo, wenn die eigene Sprache mitunter auch noch "Pivot" ist, also die Schaltsprache, von der aus Verdolmetschungen in andere Sprachen erfolgen, der Stress noch einmal höher ist.
Da ich das Wortfeld, um das es zu Wochenanfang ging, bereits gut kenne, habe ich überdies nicht nur
aus dem “Arbeitsspeicher” verdolmetscht, sondern zum Teil auch von
der “Festplatte" weg. Zudem war vereinbart worden, dass ich Dolmetschmodus und Pausen stets selbst wählen und gerne alle 30 bis 40 Minuten Pausen in der Länge meiner Wahl (bzw. wie nötig) ansagen darf.Das habe ich denn auch getan, siehe oben. Damit lief dann der Rechner unterm Schädel nicht ganz so heiß! Auch weil die Inhalte hochspannend waren, sank mein eigener Stresspegel, ich kam in den Flow, die Pausen wurden kürzer.
Die "Ko-Kabine" (2. Dolmetscherin) ist sonst nicht nur für die Ablösung zuständig, sondern auch fürs Aufschreiben von Zahlen, Eigennamen oder Wortpaaren, wenn sich mancher Fachbegriff erst während einer Sitzung klärt (was gar nicht so selten vorkommt: Über die Standardverwendungen hinweg gibt es ja auch immer gruppenspezifische, ja sitzungsspezifische Ausdrucksweisen). Und über die eigene Qualitätskontrolle hinaus habe ich durch die Aufnahme sichergestellt, dass ich meine Liste mit den Fachtermini vervollständigen kann. Vokabeln, die mir sonst bei der Solo-Nummer durchgeschlüpft wären, ziehe ich in den nächsten Tagen stundenweise aus dem Material. (Vielleicht fällt auch eine kleine Hörprobe für den Blog ab.)
Am Mittwoch, am Tag nach dem 1,5-Tage-Einsatz, war ich wunderbar knülle. Und ich hielt erneut einen Mittagsschlaf, diesmal am frühen Abend. Ich schlief 1,5 Stunden, nachdem ich zunächst eine halbe Stunde lang acht Mal mit zuckenden Gliedern in der Einschlafphase hochgeschreckt war. Die Augenlider waren dieses Mal ganz ruhig, der Schlaf in der Folgenacht nicht beeinträchtigt.
Heute fühlt sich der Kopf noch ein wenig träge an. Dolmetschen würde ich erst morgen wieder wollen, zum Glück 'mussdarf' ich erstmal nur weiterlernen, ein Seminar zum Thema Übergang von Schule in den Beruf steht an, das Thema "geht auf Anschluss". Nächste Woche werden wir zu zweit in der Kabine sitzen und im Vorfeld auch schon im Team lernen können. Das ist immer leichter, nicht nur für die abgebildeten jungen Männer in einem Berliner Berufsbildungszentrum.
Und ja, nach einem mehrstündigen Solo-Einsatz dauert die Erholungsphase doch länger ...
______________________________
Handyfotonotiz aus einem Berufsbil-
dungszentrum/Notizbuch: C.E.
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen,
Arbeitsplätze,
Werkstatt
Mittwoch, 15. Mai 2013
Tonlagen (und Wertschätzung)
Bonjour ! Schön, dass Sie mein Blog angesteuert (oder die Seiten abonniert) haben! Hier schreibe ich über den wechselvollen Alltag von uns Sprachmittlern. Als Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache arbeite ich zum Beispiel in Berlin ... für die Bereiche Medien, Wirtschaft, Politik und Soziales.
Als ich im Büro darauf warte, mit dem Wagen abgeholt zu werden, erhalte ich eine SMS: "Wir haben unseren Minister verloren!" Die Herren kommen zwar von weit her, sind aber seit dem Vorabend in einem Hotel Unter den Linden untergebracht, daher mache ich mir keine Sorgen. Und liege richtig. Wenig später kommt eine zweite Nachricht aufs Handy, Entwarnung, ça y est, die Herren fahren los.
Das Moment mit dem verlorengegangenen Minister war wie ein kleiner Vorbote für anderthalb Dolmetschertage, der sich voll und ganz erfüllt hat: Die Tage waren höchst ungewöhnlich, was zum Großteil am Team lag.
Der Arbeitsminister Neukaledoniens hielt sich mit kleiner Entourage in Berlin auf um zu erfahren, wie junge und benachteiligte Menschen hierzulande in den Arbeitsmarkt integriert werden. Wir eilten von Termin zu Termin, sahen Werkstätten, Schulungsräume, eine Beratungseinrichtung mit integriertem Kindergarten und das Jobcenter von Treptow-Köpenick.
Als Dolmetscherin habe ich zu diesem Bereich schon wiederholt gearbeitet, das letzte Mal vor einem Jahr, der erste große Einsatz war 2007, der allererste kleine Einsatz vor den Hartz-Reformen. Wenn ich meine Lexiken zum Thema ansehe, kann ich die Veränderungen klar nachzeichnen. Das "Arbeitsamt" ist tot, wir haben mit einer "Agentur für Arbeit" und dem "Jobcenter" zu tun.
Jene, die dort aufschlagen, um Hilfe zu erhalten, werden "Kunden" genannt, was mich dauerhaft irritiert. Als Kundin bin ich König (Königin!), ich habe die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern; hier stimmt wohl beides nicht. Nach einigem Nachdenken habe ich die Lösung für den Begriff, der vom englischen client kommt, eine Übertragung wohl ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass die deutsche Sprache für das englische Wort sowohl den "Kunden", als auch den "Klienten" kennt. Ich persönlich hätte "Klient" für angemessener empfunden, aber das hat in den Augen derer, die die Wörter festgelegt haben, sicher zu sehr nach der Welt der Anwälte und Psychologen geklungen und zu kompliziert für die zum Teil eher wenig gebildeten Menschen, die zur Zielgruppe der Einrichtungen gehören.
Mit Sprachniveaus habe ich es auch bei den Fachgesprächen zu tun. Einmal klärt die Delegation rasch unter sich etwas ab, halbe Sätze fliegen hin und her, am Ende kommt so etwas wie eine kleine Frage auf, die aber nicht gestellt wird. Alle sehen mich an. Ich hatte abgewartet, das Hin und Her nicht simultan verdolmetscht, weil es mit dem Bezug auf Interna losging und dann voller Begriffe war, die ich in der Situation einfach nicht wiedergeben konnte (eigentlich nicht mal abends in der Kneipe, wenn ich denn mit den Betreffenden abends in die Kneipe ginge).
Die Blicke ruhen weiter auf mir. Ich nicke und sage den Dolmetsch"kunden" im Affentempo: "OK, ich wähle aber diplomatischere Begriffe!" ... und lege los. Unsere Gastgeber haben davon nichts mitbekommen. Später erzählen mir die Herren aus Nouméa, dass es typisch für Neukaledonier sei, mit derben Wörtern um sich zu werfen; man hoffe, ich sei nicht schockiert.
Zum Glück kann ich den Gästen erklären, dass die Berliner Umgangsformen mitunter auch etwas handfester sind. Und ich grinse still, als der Staatssekretär zwischendurch zu seinem Chef sagt: "Du, Minister, jetzt komm' doch mal auf den Punkt!" Das ist nur möglich, weil von Minister Georges Mandaoué eine sehr angenehme, natürliche Autorität ausgeht und die Herren eine hohe kommunikative Kultur mitbringen, in der zielführende Kritik zum guten Ton gehört.
Merci beaucoup, Messieurs, et bon retour !
______________________________
Fotos: privat
![]() |
| Minister Georges Mandaoué, Dolmetscherin |
Das Moment mit dem verlorengegangenen Minister war wie ein kleiner Vorbote für anderthalb Dolmetschertage, der sich voll und ganz erfüllt hat: Die Tage waren höchst ungewöhnlich, was zum Großteil am Team lag.
Der Arbeitsminister Neukaledoniens hielt sich mit kleiner Entourage in Berlin auf um zu erfahren, wie junge und benachteiligte Menschen hierzulande in den Arbeitsmarkt integriert werden. Wir eilten von Termin zu Termin, sahen Werkstätten, Schulungsräume, eine Beratungseinrichtung mit integriertem Kindergarten und das Jobcenter von Treptow-Köpenick.
Als Dolmetscherin habe ich zu diesem Bereich schon wiederholt gearbeitet, das letzte Mal vor einem Jahr, der erste große Einsatz war 2007, der allererste kleine Einsatz vor den Hartz-Reformen. Wenn ich meine Lexiken zum Thema ansehe, kann ich die Veränderungen klar nachzeichnen. Das "Arbeitsamt" ist tot, wir haben mit einer "Agentur für Arbeit" und dem "Jobcenter" zu tun.
Jene, die dort aufschlagen, um Hilfe zu erhalten, werden "Kunden" genannt, was mich dauerhaft irritiert. Als Kundin bin ich König (Königin!), ich habe die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern; hier stimmt wohl beides nicht. Nach einigem Nachdenken habe ich die Lösung für den Begriff, der vom englischen client kommt, eine Übertragung wohl ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass die deutsche Sprache für das englische Wort sowohl den "Kunden", als auch den "Klienten" kennt. Ich persönlich hätte "Klient" für angemessener empfunden, aber das hat in den Augen derer, die die Wörter festgelegt haben, sicher zu sehr nach der Welt der Anwälte und Psychologen geklungen und zu kompliziert für die zum Teil eher wenig gebildeten Menschen, die zur Zielgruppe der Einrichtungen gehören.
Mit Sprachniveaus habe ich es auch bei den Fachgesprächen zu tun. Einmal klärt die Delegation rasch unter sich etwas ab, halbe Sätze fliegen hin und her, am Ende kommt so etwas wie eine kleine Frage auf, die aber nicht gestellt wird. Alle sehen mich an. Ich hatte abgewartet, das Hin und Her nicht simultan verdolmetscht, weil es mit dem Bezug auf Interna losging und dann voller Begriffe war, die ich in der Situation einfach nicht wiedergeben konnte (eigentlich nicht mal abends in der Kneipe, wenn ich denn mit den Betreffenden abends in die Kneipe ginge).
![]() |
| Gruppenbild mit Minister vor einem Berliner Jobcenter |
Zum Glück kann ich den Gästen erklären, dass die Berliner Umgangsformen mitunter auch etwas handfester sind. Und ich grinse still, als der Staatssekretär zwischendurch zu seinem Chef sagt: "Du, Minister, jetzt komm' doch mal auf den Punkt!" Das ist nur möglich, weil von Minister Georges Mandaoué eine sehr angenehme, natürliche Autorität ausgeht und die Herren eine hohe kommunikative Kultur mitbringen, in der zielführende Kritik zum guten Ton gehört.
Merci beaucoup, Messieurs, et bon retour !
______________________________
Fotos: privat
Kategorien:
Arbeitsplätze,
Sex (sells),
Sprachschatz,
Werkstatt
Dienstag, 14. Mai 2013
Dienstwege
Guten Tag oder guten Abend! Absichtlich oder zufällig haben Sie eine Seite meines Arbeitstagebuchs aufgeschlagen. Als Dolmetscherin aus den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch (ins Französische und Deutsche) schreibe ich hier, was mir im Berufsalltag auffällt. Daneben übersetze ich auch. Beide Berufsbilder bieten immer wieder Anlass, über die Sprachen nachzudenken.
Dienstwege kenne ich nur als "Dienstgänge", wenn ich zum Beispiel für einen Kunden einen Tag lang in der Staatsbibliothek sitze oder bei Gericht ein Dokument abholen muss. Ansonsten hat unsereiner keinen Chef. Die Dienstwege und Hierarchien sind kurz, wenn ich mir selbst die Meinung sagen muss, z.B. weil ich mich mal wieder zu lange unproduktiv an einem Buch festgelesen habe.
Jetzt fanden sich in meiner letzten ins Französische zu wuppenden PPT (PowerPointPräsentation) so nette Begriffe wie "der direkte Dienstweg", "der kurze Dienstweg" oder "der kleine Dienstweg". Erst wurde ich stutzig, dann konnte mir eine frühere Studienkollegin, die heute als Beamtin wirkt, bestätigen, dass diese Begriffe synonymal gebraucht werden. Den "Dienstweg" kennen Franzosen auch.
Dort ist er la voie hiérarchique, wobei voie die direkte Entsprechung für "Weg" ist. Dem deutschen Begriff am nächsten kommt also la petite voie hiérarchique, ich fand auch den an eine Beschreibung grenzenden Ausdruck par voie hiérarchique abrégée"(*). Franzosen würden wohl eher par voie directe sagen, auf direktem Wege. — Hier sind wir direkt auf dem Weg durch ein "Arbeitsamt".
(*): Abrégé bedeutet "verkürzt". Das ist mein Eintrag heute auch. Morgen mehr zum abgebildeten Einsatz und darüber, warum das Wort "Arbeitsamt" hier in Anführungszeichen steht.
Vokabelnotiz: "zweiter Arbeitsmarkt" — emplois partiellement subventionnés
______________________________
Handyfotonotizen: C.E.
Dienstwege kenne ich nur als "Dienstgänge", wenn ich zum Beispiel für einen Kunden einen Tag lang in der Staatsbibliothek sitze oder bei Gericht ein Dokument abholen muss. Ansonsten hat unsereiner keinen Chef. Die Dienstwege und Hierarchien sind kurz, wenn ich mir selbst die Meinung sagen muss, z.B. weil ich mich mal wieder zu lange unproduktiv an einem Buch festgelesen habe.
Jetzt fanden sich in meiner letzten ins Französische zu wuppenden PPT (PowerPointPräsentation) so nette Begriffe wie "der direkte Dienstweg", "der kurze Dienstweg" oder "der kleine Dienstweg". Erst wurde ich stutzig, dann konnte mir eine frühere Studienkollegin, die heute als Beamtin wirkt, bestätigen, dass diese Begriffe synonymal gebraucht werden. Den "Dienstweg" kennen Franzosen auch.Dort ist er la voie hiérarchique, wobei voie die direkte Entsprechung für "Weg" ist. Dem deutschen Begriff am nächsten kommt also la petite voie hiérarchique, ich fand auch den an eine Beschreibung grenzenden Ausdruck par voie hiérarchique abrégée"(*). Franzosen würden wohl eher par voie directe sagen, auf direktem Wege. — Hier sind wir direkt auf dem Weg durch ein "Arbeitsamt".
(*): Abrégé bedeutet "verkürzt". Das ist mein Eintrag heute auch. Morgen mehr zum abgebildeten Einsatz und darüber, warum das Wort "Arbeitsamt" hier in Anführungszeichen steht.
Vokabelnotiz: "zweiter Arbeitsmarkt" — emplois partiellement subventionnés
______________________________
Handyfotonotizen: C.E.
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen,
Arbeitsplätze
Montag, 13. Mai 2013
Ohne Nachrichten
Hallo, Willkommen auf der Blogseite einer Dolmetscherin und Übersetzerin. Französisch ist meine zweite Arbeitssprache, Englisch meine "passive" Sprache. Hier notiere ich, was mir im Beruf und auch privat auffällt.
Heute gibt's keine Nachrichten, gar keine, und der Eintrag hier ist höchst redundant. Denn dieser Tage bin ich viel draußen zum Dolmetschen, da ist alles Routine und Höflichkeit, das gibt keine Nachricht ab.
Oder, wie die Gallier zu sagen pflegen: pas de nouvelles, bonnes nouvelles. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten, andersrum ist das fast eine journalistische Grundregel, leider, nur schlechte Botschaften sind Nachrichten.
Neulich fiel mir als "Entsprechnung" für die französische Redewendung in einem Untertitel das hier auf: bad news travel quick. (Dabei gibt es no news is good news auch, es ist sogar weiter verbreitet!)
Nochmal zum Mitdenken: "Keine Nachrichten (bedeutet) gute Nachrichten" sagte der französische Originalton, "schlechte Nachrichten reisen schnell" der englische Untertitel. Hier wäre diese Übersetzung wie gesagt nicht zwingend gewesen, es gibt eindeutigere Fälle, wo der Mensch, der die Untertitelung gemacht hat, keine Wahl gehabt hat, wo sich also Filmton und Untertitel in ihrem emotionalen Gehalt zu widersprechen scheinen.
Nicht-Profis in Sachen Untertitelung könnten dann sagen: Die Untertitel waren falsch. Waren sie aber nicht. Beim Untertiteln gehen wir von zweierlei aus, dass der Leser die andere Sprache eher nicht kann und dass er nur eine sehr begrenzte Zeit zum Lesen zur Verfügung hat (oder sie, na klar).
Hier bei Hitchkocks Damentrio sind die unterschiedlichen Grade der Aussagen im Vergleich zwischen Französisch und Deutsch nicht ganz so stark ausgeprägt, aber vorhanden: das "nur noch ..." klingt deutlich negativer, auch weil die französische Negation aus zwei Wortteilen besteht, ne und que (weshalb ich unten ein "übrig" eingefügt habe).
Hübsch als kleiner Nachtrag zu gestern, was die automatische Spracherkennung aus "marriage" gemacht hat ... (siehe linker screen shot. Das ist um die Ecke gedacht ja gar nicht mal so falsch, heißt ein "Eheanbahner" auf Englisch doch matchmaker.)
Frage an die Wissenschaft: Werden sich durch die zunehmenden Sprachkenntnisse zumindest einiger wichtiger Sprachen vielleicht eines Tages die Untertitelungsgewohnheiten verändern? Vielleicht ist es ja schon der Fall? Ich beobachte weiter.
______________________________
Foto: siehe gestern
Heute gibt's keine Nachrichten, gar keine, und der Eintrag hier ist höchst redundant. Denn dieser Tage bin ich viel draußen zum Dolmetschen, da ist alles Routine und Höflichkeit, das gibt keine Nachricht ab.
Oder, wie die Gallier zu sagen pflegen: pas de nouvelles, bonnes nouvelles. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten, andersrum ist das fast eine journalistische Grundregel, leider, nur schlechte Botschaften sind Nachrichten.
Neulich fiel mir als "Entsprechnung" für die französische Redewendung in einem Untertitel das hier auf: bad news travel quick. (Dabei gibt es no news is good news auch, es ist sogar weiter verbreitet!)
Nochmal zum Mitdenken: "Keine Nachrichten (bedeutet) gute Nachrichten" sagte der französische Originalton, "schlechte Nachrichten reisen schnell" der englische Untertitel. Hier wäre diese Übersetzung wie gesagt nicht zwingend gewesen, es gibt eindeutigere Fälle, wo der Mensch, der die Untertitelung gemacht hat, keine Wahl gehabt hat, wo sich also Filmton und Untertitel in ihrem emotionalen Gehalt zu widersprechen scheinen.
Nicht-Profis in Sachen Untertitelung könnten dann sagen: Die Untertitel waren falsch. Waren sie aber nicht. Beim Untertiteln gehen wir von zweierlei aus, dass der Leser die andere Sprache eher nicht kann und dass er nur eine sehr begrenzte Zeit zum Lesen zur Verfügung hat (oder sie, na klar).
Hier bei Hitchkocks Damentrio sind die unterschiedlichen Grade der Aussagen im Vergleich zwischen Französisch und Deutsch nicht ganz so stark ausgeprägt, aber vorhanden: das "nur noch ..." klingt deutlich negativer, auch weil die französische Negation aus zwei Wortteilen besteht, ne und que (weshalb ich unten ein "übrig" eingefügt habe).
![]() |
| Die höhere Tochter: "Ich hab alles erlebt ... bis auf die Ehe." Auf Französisch: "Da bleibt nur noch die Ehe übrig." |
Frage an die Wissenschaft: Werden sich durch die zunehmenden Sprachkenntnisse zumindest einiger wichtiger Sprachen vielleicht eines Tages die Untertitelungsgewohnheiten verändern? Vielleicht ist es ja schon der Fall? Ich beobachte weiter.
______________________________
Foto: siehe gestern
Kategorien:
Sprachschatz,
Stichwort
Sonntag, 12. Mai 2013
Critics are quick!
Hallo, hello et bonjour ... beim 1. deutschen Weblog aus der Kabine einer Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache. An dieser Stelle schreibe ich über meinen Berufsalltag ... und wie er mein Privatleben verändert. Unbefangen das Fernsehgerät anschalten oder ins Kino kann unsereiner nicht. Hier kommt die Erklärung, warum das so ist. Caroline proudly presents: Link der Woche vom Samstag und Sonntagsbilder auf einmal.
Die Technisierung schreitet nicht voran, sie macht große Sprünge. Warum sollten also die Aufgaben von uns Übersetzern und Dolmetschern nicht viel einfacher durch die Technik erledigt werden können, das ist eine Annahme, die mitfühlende Zeitgenossen, vom Thema völlig Unbeleckte und sogar Wissenschaftler immer wieder mal äußern.
Die EU gibt nicht nur für uns Sprachmittler viel Geld aus, sie investiert sehr viel in diese Forschungen, aber das ist ein anderes Thema.
Über automatisches Übersetzen habe ich Donnerstag mal wieder geschrieben, heute geht's kurz und fündig mit dem Thema Dolmetschen weiter, anders gesagt: Mit automatischer Spracherkennungssoftware und ihrer Übertragung in Filmuntertitel.
Mit großem Vergnügen sehe ich derzeit alte Hitchcock-Filme wieder. Seine Werke aus den 30-er Jahren sind jetzt Gemeingut, können gratis und völlig legal z.B. bei YouTube gesehen werden. Unlängst stolperte ich über eine bildrestaurierte Version von "The lady vanishes", sie hat wieder Grautöne, und fing vergnügt an, den Film zu sehen, der auch deutlich mehr Luft um die Köpfe lässt, die Bilder wirken wie anders "kadriert".
Da ich Filme fast immer im Original und am liebsten auch dann mit Untertiteln sehe, wenn ich eine Sprache kenne (gern z.B. mit der gleichsprachigen Untertitelung für Schwerhörige: Zum Hören kommt das Schriftbild hinzu, das sind Lern- und Verfestigungsmomente, die keinerlei Aufwand kosten), da ich also Untertitel liebe, machte ich mich sogleich auf die Suche ... und entdecke welche, die Ergebnis der automatischen Spracherkennung sind.
Was für eine Gaudi! Zum Vergleich die französischen Untertitel anbei. Zur Story: Reisende sind wegen Unwetters in einem osteuropäischen Gebirgsort im Staate "Bandrika "hängengeblieben. Für Dolmetscher bieten diese Szenen des ersten Aktes übrigens eine lustige Rahmenhandlung: Hier wird eine Fantasiesprache gesprochen und das Hotelpersonal jongliert bei der Buchung mit Fremdsprachen. Außerdem kommt in "The lady vanishes" eine Dienstbotenkammer vor — wie die Bediensteten wohnen, wird ja in Filmen ja sonst so gut wie gezeigt. In Ermangelung freier Zimmer müssen zwei Reisende in die Dienstbotenkammer ausweichen. (Wo dann die Angestellten nächtigen, wird nicht erwähnt.)
Nachfolgend zwei kurze Szenen. Zwei englische Herren wollen in der 11. Filmminute dringend Sportergebnisse erfahren, es ist natürlich lange vor TV und Mobiltelefon, der Film stammt von 1938. Außerdem liegt wie ein dichter Nebel über Hitchcocks Filmen jener Zeit die krisenhafte weltpolitische Lage, die kurz darauf zum Weltkrieg führte; sie bietet Subtext und Plot des spannenden Films.
Hier lässt sich im automatisch übersetzten Untertitel wenigstens erahnen, dass es um Infomangel und eine krisenhafte Situation geht. Dann läutet das Telefon für einen anderen Gast. Der Hotelwirt verlässt den Empfang, die Herren schleichen sich zum Telefonapparat.
Wie das System aus "Seltzer" einen "Filter" macht, ist mir schleierhaft. (Um die Ecke gedacht ist es fast komisch, dass es nicht heißt: "Hier ist nicht Herr Brausetablette!")
Ja, Kritiker sind schnell. Und critics und cricket klingt ja auch fast gleich, oder? (Für meine Ohren nicht, aber für einen Computer vielleicht.) Dann sind die Herren hungrig. Sie gehen ins hoteleigene Restaurant.
Was die Spracherkennung hier erfasst haben will, überrascht mich schon sehr. Ich finde keinerlei Verbindung mehr.
Interessant ist es, an dieser Stelle kurz die deutsche Synchronfassung zu betrachten. Da sagt der ältere Herr: "Man mutet uns zu, mit einem Zimmermädchen eine Hundehütte zu teilen, und noch dazu mit leerem Magen." Ich hatte beim raschen Transkript zunächst "mit knurrendem Magen" aufgeschrieben, was ja wohl der komischere Satz gewesen wäre. Nehmen wir es als schönes Beispiel für die Frage: 'Wie viel Wortwitz kommt durch die Übersetzer in die Werke hinein?' Außerdem ist an dieser Stelle gut zu erkennen, dass Untertitel das Ergebnis von Reduktion sind. Die Dienstbotenkammer kommt im französischen Untertitel gar nicht vor.
Die Hundehütte (dog box) aus dem englischen Original wurde also zur dot box im Untertitel. Die Art dieser beiden Begriffe merken wir uns mal.
Die Dame, an deren Tisch sie zufällig geraten sind, verlässt das Land "Bedrika" nach einem längeren Aufenthalt.
Hier
stimmt nur die Zeitangabe, wenigstens grob betrachtet. Zurück zu dot und box. Offensichtlich
wird die automatische Spracherkennung oft für Technik eingesetzt,
Begriffe wie website, dot, business, optics, plastic, cash, notebook, logged of usw. kommen in der automatischen Untertitelung dieses Films regelmäßig vor. Will be that website steht dann da auch prompt als 'Übersetzung' für "On the red side for me" als Bestellung für ein Steak. (Er meint vermutlich "blutig" ...)
Während die Herren sich dann an den Resten ihrer Käseplatte bedienen, lobt die fremde Dame das Land und seine Schönheiten. Die Berge hätte sie mit der Zeit wie eine Nachbarsfamilie liebgewonnen:
Die Nichten und Neffen vom Titel links folgen übrigens im nächsten Satz. Und die Stimme der alten Dame bekommt etwas Märchentantenhaftes, worauf die Herren, die ihr gegenüber sitzen, verträumt-schläfrig dreinblicken.
Hier stimmt nur der Mond/die helle Nacht in beiden Untertitelfassungen überein.
Wer den Film vor langer Zeit gesehen hat und ihn hier nicht wiedererkennen sollte: Kein Angst! Der Film spielt hauptsächlich im Orient-Express, ich bin bei meinen Betrachtungen in der Exposition hängengeblieben, dann habe ich den Film mit französischen UTs weitergesehen. Die automatische Spracherkennung war wirklich anstrengend. Wer kein Englisch versteht, dem kann sie absolut nicht beim Verständnis des Films helfen.
Natürlich werfe ich der Technik hier keinesfalls vor, kein "Bandrikisch" zu verstehen, die Phantasiesprache des Landes. Aber es werden von ihr sogar Geräusche und Musik "transkribiert", also akustische Momente, die alles andere als mit Sprache zu tun haben. Peinlich!
______________________________
Screenshots erstellt von C.E.
Filme hier: restaurierte Fassung und
OmfU
Die Technisierung schreitet nicht voran, sie macht große Sprünge. Warum sollten also die Aufgaben von uns Übersetzern und Dolmetschern nicht viel einfacher durch die Technik erledigt werden können, das ist eine Annahme, die mitfühlende Zeitgenossen, vom Thema völlig Unbeleckte und sogar Wissenschaftler immer wieder mal äußern.Die EU gibt nicht nur für uns Sprachmittler viel Geld aus, sie investiert sehr viel in diese Forschungen, aber das ist ein anderes Thema.
Über automatisches Übersetzen habe ich Donnerstag mal wieder geschrieben, heute geht's kurz und fündig mit dem Thema Dolmetschen weiter, anders gesagt: Mit automatischer Spracherkennungssoftware und ihrer Übertragung in Filmuntertitel.
Mit großem Vergnügen sehe ich derzeit alte Hitchcock-Filme wieder. Seine Werke aus den 30-er Jahren sind jetzt Gemeingut, können gratis und völlig legal z.B. bei YouTube gesehen werden. Unlängst stolperte ich über eine bildrestaurierte Version von "The lady vanishes", sie hat wieder Grautöne, und fing vergnügt an, den Film zu sehen, der auch deutlich mehr Luft um die Köpfe lässt, die Bilder wirken wie anders "kadriert".
Da ich Filme fast immer im Original und am liebsten auch dann mit Untertiteln sehe, wenn ich eine Sprache kenne (gern z.B. mit der gleichsprachigen Untertitelung für Schwerhörige: Zum Hören kommt das Schriftbild hinzu, das sind Lern- und Verfestigungsmomente, die keinerlei Aufwand kosten), da ich also Untertitel liebe, machte ich mich sogleich auf die Suche ... und entdecke welche, die Ergebnis der automatischen Spracherkennung sind.
Was für eine Gaudi! Zum Vergleich die französischen Untertitel anbei. Zur Story: Reisende sind wegen Unwetters in einem osteuropäischen Gebirgsort im Staate "Bandrika "hängengeblieben. Für Dolmetscher bieten diese Szenen des ersten Aktes übrigens eine lustige Rahmenhandlung: Hier wird eine Fantasiesprache gesprochen und das Hotelpersonal jongliert bei der Buchung mit Fremdsprachen. Außerdem kommt in "The lady vanishes" eine Dienstbotenkammer vor — wie die Bediensteten wohnen, wird ja in Filmen ja sonst so gut wie gezeigt. In Ermangelung freier Zimmer müssen zwei Reisende in die Dienstbotenkammer ausweichen. (Wo dann die Angestellten nächtigen, wird nicht erwähnt.)
Nachfolgend zwei kurze Szenen. Zwei englische Herren wollen in der 11. Filmminute dringend Sportergebnisse erfahren, es ist natürlich lange vor TV und Mobiltelefon, der Film stammt von 1938. Außerdem liegt wie ein dichter Nebel über Hitchcocks Filmen jener Zeit die krisenhafte weltpolitische Lage, die kurz darauf zum Weltkrieg führte; sie bietet Subtext und Plot des spannenden Films.
![]() |
| "Schrecklich, wenn der Nachrichtenstrom in Krisenzeiten abreißt." ("Ohne Kontakte" steht im französischen Titel, das gefällt mir nicht.) |
![]() |
| "Sind sie in London? Nein, hier spricht nicht Herr Seltzer, sondern Herr Charters". |
![]() |
| "Es geht um Cricket, meine Güte!" |
![]() |
| Er sagt, dass das Hotel übelaufen sei und dass es nichts mehr zu essen gebe. |
![]() |
| Nichts mehr zu essen! Sie versuchen, uns unterzubringen, aber mit leerem Magen ... |
Die Hundehütte (dog box) aus dem englischen Original wurde also zur dot box im Untertitel. Die Art dieser beiden Begriffe merken wir uns mal.
Die Dame, an deren Tisch sie zufällig geraten sind, verlässt das Land "Bedrika" nach einem längeren Aufenthalt.
![]() |
| In sechs Jahren habe ich dieses Land zu lieben gelernt. |
Während die Herren sich dann an den Resten ihrer Käseplatte bedienen, lobt die fremde Dame das Land und seine Schönheiten. Die Berge hätte sie mit der Zeit wie eine Nachbarsfamilie liebgewonnen:
![]() | ||
| Papa-Berg und Mama-Berg in Zipfelmützen aus Schnee. |
![]() |
| Ich beobachte sie vom Fenster aus ... in jeder mondhellen Nacht. |
Wer den Film vor langer Zeit gesehen hat und ihn hier nicht wiedererkennen sollte: Kein Angst! Der Film spielt hauptsächlich im Orient-Express, ich bin bei meinen Betrachtungen in der Exposition hängengeblieben, dann habe ich den Film mit französischen UTs weitergesehen. Die automatische Spracherkennung war wirklich anstrengend. Wer kein Englisch versteht, dem kann sie absolut nicht beim Verständnis des Films helfen.
Natürlich werfe ich der Technik hier keinesfalls vor, kein "Bandrikisch" zu verstehen, die Phantasiesprache des Landes. Aber es werden von ihr sogar Geräusche und Musik "transkribiert", also akustische Momente, die alles andere als mit Sprache zu tun haben. Peinlich!
______________________________
Screenshots erstellt von C.E.
Filme hier: restaurierte Fassung und
OmfU
Kategorien:
Best of Film,
Lerntipps,
Link der Woche,
Sonntagsbilder,
Sprache im Film,
Sprachschatz
Samstag, 11. Mai 2013
Berufsportrait
Willkommen beim Dolmetschweblog! Es ist Samstag, Zeit für einen Lesehinweis.
Während ich einen langen Link der Woche zur späteren Veröffentlichung schreibe, hier ein schneller: klick!
Die "Berliner Zeitung" hat diese Woche einer Kollegin ein Portrait gewidmet. Sonja Harm, mit der ich auch schon für die Filmförderungsanstalt und das ILB zusammengearbeitet habe, eine sehr angenehme Kollegin, ist eine der wenigen festangestellten Kollegen. Sie ist seit 13 Jahren für den Deutschen Bundestag tätig.
Journalistin Angela Sommersberg beschreibt sehr schön, was auch hier bereits vorkam, wie der "Dolmetschmodus" nicht nur den Alltag, sondern auch viele Nächte verändert. Es geht um verdolmetschte Träume, Genauigkeit, Reaktionsschnelligkeit, Lernen ... und darum, dass Dolmetschen ein 24-Stunden-Job ist. Und sogar das Dolmetschen von Werbebotschaften auf dem Weg zur Arbeit (oder zurück) kommt vor.
Vokabelnotiz, Reminder: die afrikanisch geführte Unterstützungsmission in Mali heißt auf Deutsch und auf Englisch Afisma, auf Französisch allerdings Misma.
______________________________
Illustration: Berliner Zeitung
Während ich einen langen Link der Woche zur späteren Veröffentlichung schreibe, hier ein schneller: klick!Die "Berliner Zeitung" hat diese Woche einer Kollegin ein Portrait gewidmet. Sonja Harm, mit der ich auch schon für die Filmförderungsanstalt und das ILB zusammengearbeitet habe, eine sehr angenehme Kollegin, ist eine der wenigen festangestellten Kollegen. Sie ist seit 13 Jahren für den Deutschen Bundestag tätig.
Journalistin Angela Sommersberg beschreibt sehr schön, was auch hier bereits vorkam, wie der "Dolmetschmodus" nicht nur den Alltag, sondern auch viele Nächte verändert. Es geht um verdolmetschte Träume, Genauigkeit, Reaktionsschnelligkeit, Lernen ... und darum, dass Dolmetschen ein 24-Stunden-Job ist. Und sogar das Dolmetschen von Werbebotschaften auf dem Weg zur Arbeit (oder zurück) kommt vor.
Vokabelnotiz, Reminder: die afrikanisch geführte Unterstützungsmission in Mali heißt auf Deutsch und auf Englisch Afisma, auf Französisch allerdings Misma.
______________________________
Illustration: Berliner Zeitung
Kategorien:
Link der Woche
Freitag, 10. Mai 2013
An Elbe und Alster
Bienvenue ! Hier lesen Sie in im Arbeitstagebuch einer Dolmetscherin, die in Berlin, Marseille und Paris tätig wird ...
... und demnächst auch in Hamburg! Vom 16. bis 20. Mai bin ich an Elbe und Alster. Sollten Sie am 16. oder 17. in Hamburg eine Dolmetscherin für die französische Sprache suchen, könnte ich möglicherweise weiterhelfen.
Hintergrund ist der Wohnungstausch um drei Ecken mit zwei Kolleginnen aus Hamburg und Paris. Da ich beruflich oft genug in Hotelzimmern wohnen muss, bin ich nicht nur bei Kurzreisen gerne anders untergebracht, z.B. privat oder aber ohne jede Technik im Zelt auf einer Wiese am Bauernhof, von wo wir auch viele Lebensmittel beziehen ...
... und im Fluss die Fische selber fangen (idealerweise, wenn sie anbeißen, oder sie uns schenken lassen)! Mitunter logieren wir auch in einem privaten Ferienhaus in Südfrankreich, die letzten beiden Beispiele klingen eindeutig nach Sommer, aber dergestalt sind meine Urlaubsideale.
Oft arbeite ich zu Beginn oder gegen Ende eines Kurztrips am Ziel der Städtereise. Oder ein Auftrag ist Anlass zur Ortsveränderung, und ich bleibe dann noch einige Tage. Ich war schon öfter beruflich in Hamburg, hier, hier und hier gibt es kurze Berichte darüber.
______________________________
Foto: C.E. (Archiv)
... und demnächst auch in Hamburg! Vom 16. bis 20. Mai bin ich an Elbe und Alster. Sollten Sie am 16. oder 17. in Hamburg eine Dolmetscherin für die französische Sprache suchen, könnte ich möglicherweise weiterhelfen.
Hintergrund ist der Wohnungstausch um drei Ecken mit zwei Kolleginnen aus Hamburg und Paris. Da ich beruflich oft genug in Hotelzimmern wohnen muss, bin ich nicht nur bei Kurzreisen gerne anders untergebracht, z.B. privat oder aber ohne jede Technik im Zelt auf einer Wiese am Bauernhof, von wo wir auch viele Lebensmittel beziehen ...... und im Fluss die Fische selber fangen (idealerweise, wenn sie anbeißen, oder sie uns schenken lassen)! Mitunter logieren wir auch in einem privaten Ferienhaus in Südfrankreich, die letzten beiden Beispiele klingen eindeutig nach Sommer, aber dergestalt sind meine Urlaubsideale.
Oft arbeite ich zu Beginn oder gegen Ende eines Kurztrips am Ziel der Städtereise. Oder ein Auftrag ist Anlass zur Ortsveränderung, und ich bleibe dann noch einige Tage. Ich war schon öfter beruflich in Hamburg, hier, hier und hier gibt es kurze Berichte darüber.
______________________________
Foto: C.E. (Archiv)
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen
Donnerstag, 9. Mai 2013
Fonic Smart S
Welcome! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin aus Berlin. Der Beruf schärft Blick und Ohr. Akustische Körperverletzung und Einbruch in meine Privatsphäre nehme ich übel.
Heute Morgen hatte ich es von automatischer Übersetzung, heute Nachmittag ist automatische Werbung dran. Ich versuche für einen anstehenden Dolmetscheinsatz zu verstehen, was eine Integrationsfachkraft beim Jobcenter von einem Fallmanager unterscheidet, lese mich ein in gesamtheitlichen Bewerbungsservice (ist nicht vielleicht doch ganzheitlicher gemeint?) und stelle mir vor, was ein Nachhaltigkeitsberater zur Überwindung von Vermittlungshemmnissen macht.
Plötzlich erklingen zwei männliche Stimmen und quatschen mein Arbeitszimmer voll mit irgendeineiner Handyvertragswerbung.
Nicht irgendeine, ich nenne gerne Ross und Reiter. Es läuft als Schleife:
Halt! Ich habe doch schon vorher viele Seiten weggeklickt, die ich als wenig nützlich einschätzen konnte! Ich bin mitten im Lesen, will keine Arbeitszeit vernichten. Also kopiere ich mir meine Auswahl in einer Rechercheliste zusammen, bevor ich sie wegklicke. Mir fällt ein, dass ich den Ton abstellen kann. Dann läuft der Rechner heiß, die Werbeschleife wird in die 10. Runde gegangen sein.
Zwischendurch mache ich zur Probe den Ton immer wieder kurz an, irgendwann ist Ruhe. Endlich höre ich das Zwischern der Vögel wieder, das Rufen der Mauersegler, die Chopinetuden der Nachbarin, die Spiele der Kinder auf dem Hof.
Sicherung und Wegklicken haben mich sicher zehn Minuten gekostet. Jetzt bin ich total genervt wegen der Unterbrechung. Ich bin raus aus dem Arbeitsflow. Also ab in die Küche, Tee kochen, dann Blogeintrag schreiben, der Ärger muss weg.
Sehr geehrte Anbieter von Fonic Smart S, mit Ihrer penetranten Werbung haben Sie etwas geschafft: Sie haben meine Aufmerksamkeit für Ihr Produkt geschärft.
Glückwunsch! Wenn ich mich demnächst für einen anderen Anbieter entscheiden werde, kommen alle infrage, nur Sie nicht!
P.S. für die Fonic-Werbefritzen: Ist das mit dem Speck ein Selbstzitat? Kam nicht an. Ich hab's mir mit etwas à la "Ich will doch nur Speck, warum soll ich gleich die Sau kaufen" erklärt.
______________________________
Foto: C.E. (Achiv)
Heute Morgen hatte ich es von automatischer Übersetzung, heute Nachmittag ist automatische Werbung dran. Ich versuche für einen anstehenden Dolmetscheinsatz zu verstehen, was eine Integrationsfachkraft beim Jobcenter von einem Fallmanager unterscheidet, lese mich ein in gesamtheitlichen Bewerbungsservice (ist nicht vielleicht doch ganzheitlicher gemeint?) und stelle mir vor, was ein Nachhaltigkeitsberater zur Überwindung von Vermittlungshemmnissen macht.Plötzlich erklingen zwei männliche Stimmen und quatschen mein Arbeitszimmer voll mit irgendeineiner Handyvertragswerbung.
Nicht irgendeine, ich nenne gerne Ross und Reiter. Es läuft als Schleife:
Die Wahrheit über Fonic Smart S ... Ich wollte doch nur etwas Speck! Wieso soll ich für etwas zahlen, das ich gar nicht brauche!? ... Jetzt wechseln und einen Monat gratis nutzen!Schluss mit dem Werbetext. In Wahrheit wollte ich doch nur etwas arbeiten! Wieso soll ich jetzt eure blöde Werbung erleiden, die ich gar nicht angefordert habe!? Ich will weder wechseln, noch möchte ich etwas gratis haben. Während der Dummsprech ein 2. und ein 3. Mal und dann ein 4. und ein 5. Mal läuft, mache ich nacheinander alle Fenster meines Browsers zu.
Halt! Ich habe doch schon vorher viele Seiten weggeklickt, die ich als wenig nützlich einschätzen konnte! Ich bin mitten im Lesen, will keine Arbeitszeit vernichten. Also kopiere ich mir meine Auswahl in einer Rechercheliste zusammen, bevor ich sie wegklicke. Mir fällt ein, dass ich den Ton abstellen kann. Dann läuft der Rechner heiß, die Werbeschleife wird in die 10. Runde gegangen sein.
Zwischendurch mache ich zur Probe den Ton immer wieder kurz an, irgendwann ist Ruhe. Endlich höre ich das Zwischern der Vögel wieder, das Rufen der Mauersegler, die Chopinetuden der Nachbarin, die Spiele der Kinder auf dem Hof.
Sicherung und Wegklicken haben mich sicher zehn Minuten gekostet. Jetzt bin ich total genervt wegen der Unterbrechung. Ich bin raus aus dem Arbeitsflow. Also ab in die Küche, Tee kochen, dann Blogeintrag schreiben, der Ärger muss weg.
Sehr geehrte Anbieter von Fonic Smart S, mit Ihrer penetranten Werbung haben Sie etwas geschafft: Sie haben meine Aufmerksamkeit für Ihr Produkt geschärft.
Glückwunsch! Wenn ich mich demnächst für einen anderen Anbieter entscheiden werde, kommen alle infrage, nur Sie nicht!
P.S. für die Fonic-Werbefritzen: Ist das mit dem Speck ein Selbstzitat? Kam nicht an. Ich hab's mir mit etwas à la "Ich will doch nur Speck, warum soll ich gleich die Sau kaufen" erklärt.
______________________________
Foto: C.E. (Achiv)
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen,
Arbeitsplätze
Mal wieder MT
Hallo! Die Welt der Sprachen, des Dolmetschens und Übersetzens interessiert Sie? Dann sind Sie hier richtig, beim Weblog einer Sprachmittlerin. — Manchmal machen sich andere Menschen Sorgen um uns. Wo die Computer doch immer mehr Arbeiten übernehmen würden, sähen wir uns als Sprachmittler da nicht selbst auch in Gefahr?
Stoßseufzer: Wie gut, dass das Programmieren von Übersetzungssoftware derart kompliziert ist, dass die Jungs und Mädels wohl nie damit fertigwerden. Wie ich darauf komme? Sprache ist vielschichtig, widersprüchlich, voller Anspielungen, Codes, sich verändernder Begriffe, Ironie, außerdem spiegeln sich soziale Herkunft und Gegenwart, kulturelle Erfahrungen bis hin zu Ausdrücken aus Werbung, Politik usw. in den jeweiligen Ausdrucksweisen.
Ich denke, selbst wenn sie einmal "durch" wären mit dieser unermesslichen Vielfalt, könnten sie gleich wieder von vorne anfangen, denn Sprache verändert sich ja ständig. So viele "Mannjahre" (hm, der Ausdruck ist eigentlich Sprachsexismus pur) investiert niemand in einen Bereich, der bezogen auf einzelne Unternehmen und im Vergleich zu den großen Investitionsgütern nicht so viel kostet.
Machine translation (MT) mag bei der Übertragung immer derselben Textformate als Muster für eine noch zu bearbeitende Rohübersetzung nützlich sein, z.B. für Zollerklärungen, Bestellscheine und einfachste Handelskorrespondenz. Aber kaum gibt es eine minmale Abweichung, ist der Mensch wieder gefragt, zum Korrekturlesen ohnehin.
Wie gut, dass Betrüger eher individuell schreiben und der automatischen Übersetzung vertrauen. So sind Texte wie diese hier leicht erkennbar.
Was die Schwierigkeiten der automatischen Übersetzung angeht, gilt für gesprochene Sprache dasselbe, nur kommen Dialekte, akustische Einflüsse, nicht zuende gesprochene Sätze, überlappende Stimmen und derlei noch hinzu. Mehr dazu hier am Wochenende, bei meinen Links der Woche. Es wird lustig!
______________________________
Foto: C.E. (Archiv)
Stoßseufzer: Wie gut, dass das Programmieren von Übersetzungssoftware derart kompliziert ist, dass die Jungs und Mädels wohl nie damit fertigwerden. Wie ich darauf komme? Sprache ist vielschichtig, widersprüchlich, voller Anspielungen, Codes, sich verändernder Begriffe, Ironie, außerdem spiegeln sich soziale Herkunft und Gegenwart, kulturelle Erfahrungen bis hin zu Ausdrücken aus Werbung, Politik usw. in den jeweiligen Ausdrucksweisen.
Ich denke, selbst wenn sie einmal "durch" wären mit dieser unermesslichen Vielfalt, könnten sie gleich wieder von vorne anfangen, denn Sprache verändert sich ja ständig. So viele "Mannjahre" (hm, der Ausdruck ist eigentlich Sprachsexismus pur) investiert niemand in einen Bereich, der bezogen auf einzelne Unternehmen und im Vergleich zu den großen Investitionsgütern nicht so viel kostet.
| Profis übertragen anders |
Wie gut, dass Betrüger eher individuell schreiben und der automatischen Übersetzung vertrauen. So sind Texte wie diese hier leicht erkennbar.
Entschuldigungen für kommen in Ihre Privatsphäre! Ich bin Anwalt W. Zeller; Ich habe einen wohlhabenden Kunden zum Tode; und er hatte eine sehr geheime Investitionen von €15,000,000.00 bei einer privaten Bank in Großbritannien. Diese Investition wurde ohne einen deklarierten nächsten Angehörigen. Jetzt brauche ich Sie arbeiten mit mir als mein Partner zu erholen und zu je 50 % Aktienfonds. Alle Dokumente werden rechtlich beschafft, und in 5 Werktage, wird diese Transaktion auftreten. Aber ich brauche einen ernsten, treuen und glaubwürdigen Partner. Bitte senden Sie mir eine vertrauliche Antwort, wenn Sie denken, Sie vertraut werden können und sind von den Qualitäten! Ich warte auf Ihre schnelle Antwort.Wow, 2,5 halbwegs richtig klingende Sätze auf den ganzen (gekürzten) Text, von dem (im Original) 85 % falsch sind. Was mir jetzt Sorgen machen muss, ist nur die Blödheit mancher Zeitgenossen, die offenbar trotzdem darauf reinfallen, sonst bekämen wir alle nicht regelmäßig so ähnlich idiotische Phishing-Mails in die Postfächer.
Was die Schwierigkeiten der automatischen Übersetzung angeht, gilt für gesprochene Sprache dasselbe, nur kommen Dialekte, akustische Einflüsse, nicht zuende gesprochene Sätze, überlappende Stimmen und derlei noch hinzu. Mehr dazu hier am Wochenende, bei meinen Links der Woche. Es wird lustig!
______________________________
Foto: C.E. (Archiv)
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen,
Arbeitsplätze,
Sex (sells),
Sprachschatz
Mittwoch, 8. Mai 2013
Fast pausenlos
Bonjour und guten Tag! Hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache. Ich beschreibe an dieser Stelle die Besonderheiten unseres Berufs, stets unter Wahrung dienstlicher Geheimnisse. Heute geht's weiter mit der Beschreibung von Arbeitsplätzen.
Staatsgäste sind anstrengend, nicht nur für jene, die an irgendeiner Stelle des Protokolls und der Verdolmetschung mitwirken, sondern auch für viele, die an nämlichen Tagen anderswo in der Bundeshauptstadt arbeiten gehen müssen. Umleitungen und Staus sind an der Tagesordnung, Veranstaltungen werden verschoben oder werden kurzfristig verlegt.
Am Tag, als der Papst in Berlin weilte, war es kaum anders. Bei Konsultationen anderer politischer Abteilungen wurden Termine gestrichen bzw. an entlegeneren Orten veranstaltet. Aber schon Geringere als der Papst haben in Berlin das Protokoll in Stress versetzt. Die Leidtragenden waren vor kurzem frankophone Delegierte, deren Termine sich plötzlich teleskopartig ineinanderschoben.
Das brachte mich als Dolmetscherin ins Schwitzen. Aus echten Pausen wurden kurze Wegstrecken, die in Windeseile von einem regierungsamtlichen Gebäude zu dem nächsten zurückzulegen waren. (Im Regierungsviertel gibt's schicke Tunnel, aber erholsam ist das nicht.)
Und so geschah, was geschehen musste: Die Dolmetschkollegin schaffte es leider nicht, zur Delegation durchzukommen ...
Klammer auf: Wir Dolmetscher lösen uns alle 20, 30 Minuten ab. Das machen wir nicht etwa, weil es uns an Energie mangeln würde, sondern weil die Natur die hochkomplexe sprachliche Ausdifferenzierung der Spezies homo sapiens nicht hat kommen sehen und so ein kleines, feines Menschenhirn eingentlich gar nicht gemacht ist für diese Art von Synapsenakrobatik. Bei längeren Einsätzen ohne Ablösung sollen, so die Wissenschaftler, sogar physiologische Schäden am Gehirn entstehen. Klammer wieder zu.
Jetzt die ganze Sache nochmal nacheinander für jene, die an Details interessiert sind. Zum Frühstückstermin war ich alleine gebucht. Das ist im politischen Betrieb bei Kurzeinsätzen nicht unüblich. Nach einer knappen Stunde Flüsterdolmetschen (es waren exakt 53 Minuten) sollten wir von A nach B kutschiert werden, wo mich eine Dolmetscherkollegin erwarten würde. Sie hätte dann weitergemacht, und nach einer etwas längeren Erholungspause für mich hätten wir uns nach dem oben beschriebenen Muster regelmäßig abgewechselt.
Dann wurden Termine geschoben, waren Dienstwagen nicht verfügbar ... und die Sicherheitsstufen für einige Gebäude wurden vorübergehend geändert. Das merkten wir beim Verlassen eines der Bürohäuser im Regierungsviertel. Am Eingang hatte sich eine kleine Schlange gebildet und Menschen telefonierten hektisch, da sie zunächst nicht hereingelassen wurden.
Cut: Ich sitze auf einem Stuhl neben einer doppelten Couchgarnitur in einem akustisch nicht gerade optimalen Raum, flüstere so leise ich kann, um überhaupt hören zu können, was das Gegenüber sagt. Zum Glück habe ich Sendemikrofon und Kopfhörer dabei. Nach dem Ortswechsel mache ich einfach weiter, weil die Kollegin nicht gekommen ist. Der zweite Stuhl für die zweite Dolmetscherin bleibt frei. Per SMS erfahren wir den Grund. Sie ist am alten Sitzungsort. Die Mitarbeiterin eines deutschen Abgeordneten simst ihr die neue Adresse. Ich sehe auf die Uhr. An diesem Vormittag bin ich jetzt bei netto 110 Minuten.
Wir eilen weiter, dieses Mal ist der Weg kurz. Die Mitarbeiterin simst die neue Zimmernummer, eine gute Zeit später geht sie zum Empfang und verhandelt. Ich spreche weiter. Und sage zwischendurch immer wieder kurz in beiden Sprachen: "Der Dolmetscher braucht eine Pause!" Das ist die Notbremse, die unsereiner zieht, um wenigstens zwischendurch mal etwas Frischluft an die grauen Zellen zu kriegen.
Dann kommt die Mitarbeiterin zurück, die Dolmetscherkollegin im Schlepptau.
Da waren wir aber so gut wie durch mit dem Programm. Die Kollegin durfte dann Smalltalk beim Essen übertragen, ich bin mit dem Taxi nach Hause.
Insgesamt habe ich an einem langen Vormittag, er ging um acht Uhr los, völlig allein drei Stunden "netto" gedolmetscht. Anschließend war ich zehn Tage krank, heiser und mit Wortfindungsstörungen, musste Termine absagen, das war nicht schön.
In der Dolmetscherkabine ist es wie im Cockpit: Kopiloten sind wichtig! Selbst dann, wenn die Kabine mal keine Wände hat!
______________________________
Fotos (mit Handy aus der Hüfte ge-
schossen): C.E.
Staatsgäste sind anstrengend, nicht nur für jene, die an irgendeiner Stelle des Protokolls und der Verdolmetschung mitwirken, sondern auch für viele, die an nämlichen Tagen anderswo in der Bundeshauptstadt arbeiten gehen müssen. Umleitungen und Staus sind an der Tagesordnung, Veranstaltungen werden verschoben oder werden kurzfristig verlegt.
Am Tag, als der Papst in Berlin weilte, war es kaum anders. Bei Konsultationen anderer politischer Abteilungen wurden Termine gestrichen bzw. an entlegeneren Orten veranstaltet. Aber schon Geringere als der Papst haben in Berlin das Protokoll in Stress versetzt. Die Leidtragenden waren vor kurzem frankophone Delegierte, deren Termine sich plötzlich teleskopartig ineinanderschoben.![]() |
| Gänge, leerer Stuhl der 2. Dolmetscherin, Gänge |
Und so geschah, was geschehen musste: Die Dolmetschkollegin schaffte es leider nicht, zur Delegation durchzukommen ...
Klammer auf: Wir Dolmetscher lösen uns alle 20, 30 Minuten ab. Das machen wir nicht etwa, weil es uns an Energie mangeln würde, sondern weil die Natur die hochkomplexe sprachliche Ausdifferenzierung der Spezies homo sapiens nicht hat kommen sehen und so ein kleines, feines Menschenhirn eingentlich gar nicht gemacht ist für diese Art von Synapsenakrobatik. Bei längeren Einsätzen ohne Ablösung sollen, so die Wissenschaftler, sogar physiologische Schäden am Gehirn entstehen. Klammer wieder zu.
Jetzt die ganze Sache nochmal nacheinander für jene, die an Details interessiert sind. Zum Frühstückstermin war ich alleine gebucht. Das ist im politischen Betrieb bei Kurzeinsätzen nicht unüblich. Nach einer knappen Stunde Flüsterdolmetschen (es waren exakt 53 Minuten) sollten wir von A nach B kutschiert werden, wo mich eine Dolmetscherkollegin erwarten würde. Sie hätte dann weitergemacht, und nach einer etwas längeren Erholungspause für mich hätten wir uns nach dem oben beschriebenen Muster regelmäßig abgewechselt.
Dann wurden Termine geschoben, waren Dienstwagen nicht verfügbar ... und die Sicherheitsstufen für einige Gebäude wurden vorübergehend geändert. Das merkten wir beim Verlassen eines der Bürohäuser im Regierungsviertel. Am Eingang hatte sich eine kleine Schlange gebildet und Menschen telefonierten hektisch, da sie zunächst nicht hereingelassen wurden.
Cut: Ich sitze auf einem Stuhl neben einer doppelten Couchgarnitur in einem akustisch nicht gerade optimalen Raum, flüstere so leise ich kann, um überhaupt hören zu können, was das Gegenüber sagt. Zum Glück habe ich Sendemikrofon und Kopfhörer dabei. Nach dem Ortswechsel mache ich einfach weiter, weil die Kollegin nicht gekommen ist. Der zweite Stuhl für die zweite Dolmetscherin bleibt frei. Per SMS erfahren wir den Grund. Sie ist am alten Sitzungsort. Die Mitarbeiterin eines deutschen Abgeordneten simst ihr die neue Adresse. Ich sehe auf die Uhr. An diesem Vormittag bin ich jetzt bei netto 110 Minuten.
Wir eilen weiter, dieses Mal ist der Weg kurz. Die Mitarbeiterin simst die neue Zimmernummer, eine gute Zeit später geht sie zum Empfang und verhandelt. Ich spreche weiter. Und sage zwischendurch immer wieder kurz in beiden Sprachen: "Der Dolmetscher braucht eine Pause!" Das ist die Notbremse, die unsereiner zieht, um wenigstens zwischendurch mal etwas Frischluft an die grauen Zellen zu kriegen.
Dann kommt die Mitarbeiterin zurück, die Dolmetscherkollegin im Schlepptau.
Da waren wir aber so gut wie durch mit dem Programm. Die Kollegin durfte dann Smalltalk beim Essen übertragen, ich bin mit dem Taxi nach Hause.
Insgesamt habe ich an einem langen Vormittag, er ging um acht Uhr los, völlig allein drei Stunden "netto" gedolmetscht. Anschließend war ich zehn Tage krank, heiser und mit Wortfindungsstörungen, musste Termine absagen, das war nicht schön.
In der Dolmetscherkabine ist es wie im Cockpit: Kopiloten sind wichtig! Selbst dann, wenn die Kabine mal keine Wände hat!
Kategorien:
Arbeitsplätze
Dienstag, 7. Mai 2013
Vokabeln eindampfen
Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mitten in ein Arbeitstagebuch reingeraten, in dem sich alles um Sprache, Dolmetschen, Übersetzen und Kulturen dreht. Als freiberufliche Sprachmittlerin arbeite ich in Berlin, Paris, Hamburg und dort, wo man mich braucht. Der Schreibtisch einer Dolmetscherin ist oft auch mobil, und Vorbereitung ist die halbe Miete. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.
Am Nachmittag mühe ich ich ab, um allerfeinstes Kanzleideutsch in halbwegs lesbares Französisch zu übertragen. Hintergrund: Für einen anstehenden Zweitageeinsatz arbeite ich mich durch eine PowerPointPräsentation hindurch und lerne dabei so wundervolle Dinge wie "Nutzlastdifferenzierung" und "Steuerungsoptimierung".
Oder aber ich denke über den mir eigentlich bereits bekannten "Finanzierungsvorbehalt" nach.
Viele Begriffe finde ich im Netz nicht einmal auf Deutsch, geschweige denn übersetzt. Ich muss sie also aufdröseln, um sie zu verstehen, lese mich dann in französische Texte der gleichen Thematik ein und mache mir dazu Notizen. Vieles klärt sich mit dem Einarbeiten. Am Ende aber, weil ich nicht immer weiterkomme, frage ich meine Ansprechpartner, die mit halbseitenlangen Definitionen antworten.
Für so schöne Dinge wie den Finanzierungsvorbehalt finde ich gleich mehrerlei, nämlich
So habe ich mich also Schritt für Schritt wieder reingeschraubt in Thematik und Sprache. Von Redewendungen, die alles andere als der Gruppe der "stehenden Redewendungen" zuzuordnen sind und eher Umschreibungen entsprechen, kam ich wieder auf den am meisten verwendeten Begriff, der mich vermutlich fett angrinsen wird, wenn ich das nächste Mal mein Wörterbuch für Handelsfranzösisch aufschlagen werde.Ich aber sitze zur Stunde zwischen zwei Kurzeinsätzen bei einem Kunden rum und habe "nur" das Internet zur Verfügung.
Wie arbeite ich sonst noch? Zum Glück habe ich zu diesem Thema schon 2007, 2009 und 2012 gedolmetscht, so dass ich mich parallel zur PowerPointPräsentation und seinen nicht endenwollenden Formatierungsfallen mit dem Überarbeiten meiner Lexiken vergnüge: Erst alles zusammenfahren (12 Seiten), dann rauskanten, was doppelt ist und was ich mittlerweile im Schlaf weiß, schließlich um Neues ergänzen. Leider verändern sich die Begriffe über die Jahre. Zu den Fachtermini kommen noch die Abkürzungen in Singular und Plural hinzu (was auf Französisch plötzlich mitten im Satz anders klingen kann, die berühmten Bindungen).
______________________________
Foto: C.E. (Archiv)
Am Nachmittag mühe ich ich ab, um allerfeinstes Kanzleideutsch in halbwegs lesbares Französisch zu übertragen. Hintergrund: Für einen anstehenden Zweitageeinsatz arbeite ich mich durch eine PowerPointPräsentation hindurch und lerne dabei so wundervolle Dinge wie "Nutzlastdifferenzierung" und "Steuerungsoptimierung".
Oder aber ich denke über den mir eigentlich bereits bekannten "Finanzierungsvorbehalt" nach.
Viele Begriffe finde ich im Netz nicht einmal auf Deutsch, geschweige denn übersetzt. Ich muss sie also aufdröseln, um sie zu verstehen, lese mich dann in französische Texte der gleichen Thematik ein und mache mir dazu Notizen. Vieles klärt sich mit dem Einarbeiten. Am Ende aber, weil ich nicht immer weiterkomme, frage ich meine Ansprechpartner, die mit halbseitenlangen Definitionen antworten.
Für so schöne Dinge wie den Finanzierungsvorbehalt finde ich gleich mehrerlei, nämlich
- être subordonné à la disponibilité de ressources financières ... und
- la clause suspensive sur le financement ... und
- sous réserve en ce qui concerne le financement ... das ich mir einkürze auf
- sous réserve quant au financement ... bis mir das schöne
- sous réserve de financement ... plötzlich wieder einfällt.
So habe ich mich also Schritt für Schritt wieder reingeschraubt in Thematik und Sprache. Von Redewendungen, die alles andere als der Gruppe der "stehenden Redewendungen" zuzuordnen sind und eher Umschreibungen entsprechen, kam ich wieder auf den am meisten verwendeten Begriff, der mich vermutlich fett angrinsen wird, wenn ich das nächste Mal mein Wörterbuch für Handelsfranzösisch aufschlagen werde.Ich aber sitze zur Stunde zwischen zwei Kurzeinsätzen bei einem Kunden rum und habe "nur" das Internet zur Verfügung.
Wie arbeite ich sonst noch? Zum Glück habe ich zu diesem Thema schon 2007, 2009 und 2012 gedolmetscht, so dass ich mich parallel zur PowerPointPräsentation und seinen nicht endenwollenden Formatierungsfallen mit dem Überarbeiten meiner Lexiken vergnüge: Erst alles zusammenfahren (12 Seiten), dann rauskanten, was doppelt ist und was ich mittlerweile im Schlaf weiß, schließlich um Neues ergänzen. Leider verändern sich die Begriffe über die Jahre. Zu den Fachtermini kommen noch die Abkürzungen in Singular und Plural hinzu (was auf Französisch plötzlich mitten im Satz anders klingen kann, die berühmten Bindungen).
______________________________
Foto: C.E. (Archiv)
Kategorien:
Arbeitsplätze,
Sprachschatz
Montag, 6. Mai 2013
Stichwort: Drehbuchübersetzung
Hallo beim ersten deutschen Weblog aus dem Inneren einer Dolmetscherkabine. Hier schreibe ich seit mehr als sechs Jahren (und inszwischen fast täglich) über meine Arbeit. — Ta-taaa: Heute beginne ich eine neue Kategorie! Ich habe seither alle Kernthemen des Metiers aus diversen Blickwinkeln behandelt, daher schiebe ich jetzt regelmäßig Texte in die vorderste Reihe, die sonst in der Masse der 1469 (sic!) veröffentlichen Einträge untergehen würden, ergänzt durch eine Prise Humor.
2011 schrieb ich über meine Arbeitsweise als Drehbuchübersetzerin und verglich
Tagesgagen: Uns Übersetzern gönnt die Produktionswelt gerne das, was Tippmamsellen mit Schönschreibqualitäten bekommt.
Eine praktische Liste zum Thema habe ich schon 2008 verfasst (unten).
Meine wichtigsten Kerngedanken aus beiden: Eine gute Drehbuchübersetzung darf nicht übersetzt klingen. Drehbuch ist eine Mischung aus Pragmatik (Regieanweisungen), Prosodie (Dialoge) und Poesie (Beschreibungen). Plus die übliche Binse: Qualität kostet Zeit und Geld. Schlechte, schnell gemachte Arbeit fällt immer auf, der sorgfältig übersetzte und redigierte Text, der ganz selbstverständlich daherkommt, so gut wie nie.
Das Ziel der Übersetzung muss vorab definiert werden. Soll das selling script Koproduktions- oder Sendergelder einloben? Soll das shooting script morgen umgesetzt werden? Ist es ein postproduction script oder soll am Ende ein Buch zum Film veröffentlicht werden? Eins ist allen Beteiligten klar: Drehbücher verändern sich im Produktionsprozess stark, leider oft nicht nur zum Besten.
Da ich selbst auch Autorin bin, werde ich oft in der ersten Phase angefragt. Meine eigenen Texte hätten einen gewissen "Caroline-Sound", befand neulich auch Autor H.F. aus Hamburg. Beim Übersetzen von selling scripts kommt genau das zum Tragen: Habe ich die Wahl zwischen einer übersetzt und damit etwas holprig tönenden Redewendung und dem, was ich getextet hätte, entscheide ich mich in der Regel für meine Fassung. Von manchen Produzenten werde ich exakt deswegen gebucht: Ich mag eine gewisse Nonchalance, dabei größtmögliche Genauigkeit ... und meine weitverzweigten Leseerfahrungen dürfen gerne auch durchscheinen.
Ein Hinweis für Produzenten: Zur Ermittlung meines Honorars nehmen Sie die Summe, die Ihnen jetzt durch den Kopf geht, einfach mal zwei. So verknappt ist das natürlich ein Scherz, aber die Wirklichkeit liegt davon nicht weit enfernt, denn zum Schreibprozess kommen nicht selten technischen Bremser wie Formatierungsprobleme hinzu. Gerne sehe ich mir Ihr Projekt genauer an. Für einen Kostenvoranschlag schreiben Sie bitte eine Mail an caroline[at]adazylla.de
Ein Hinweis für Studenten: Drehbuchübersetzen und Mediendolmetschen sind die Kirschen auf dem Kuchen. Es ist eine Knochenarbeit, die besonders herausragende Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert. Dieser Beruf ist also kein "Job" als rasche Lösung für all jene, die "irgendwas mit Medien und Sprache" machen möchten und sich selbst keine eigenen künstlerischen Äußerungen zutrauen, daher lieber als Dienstleister "abgesichert" sein wollen. In diesem Metier gibt es keine Sicherheit.
P.S.: Wenn mich ein Buch begeistert und mein restliches Auftragsvolumen stimmt, arbeite ich gelegentlich auch mit einem Honoraranteil in Rückstellung. You only get what you're asking for, frei übersetzt mit: "Wer fragt, gewinnt".
______________________________
Foto: Archiv
2011 schrieb ich über meine Arbeitsweise als Drehbuchübersetzerin und verglich Tagesgagen: Uns Übersetzern gönnt die Produktionswelt gerne das, was Tippmamsellen mit Schönschreibqualitäten bekommt.
Eine praktische Liste zum Thema habe ich schon 2008 verfasst (unten).
Meine wichtigsten Kerngedanken aus beiden: Eine gute Drehbuchübersetzung darf nicht übersetzt klingen. Drehbuch ist eine Mischung aus Pragmatik (Regieanweisungen), Prosodie (Dialoge) und Poesie (Beschreibungen). Plus die übliche Binse: Qualität kostet Zeit und Geld. Schlechte, schnell gemachte Arbeit fällt immer auf, der sorgfältig übersetzte und redigierte Text, der ganz selbstverständlich daherkommt, so gut wie nie.
Das Ziel der Übersetzung muss vorab definiert werden. Soll das selling script Koproduktions- oder Sendergelder einloben? Soll das shooting script morgen umgesetzt werden? Ist es ein postproduction script oder soll am Ende ein Buch zum Film veröffentlicht werden? Eins ist allen Beteiligten klar: Drehbücher verändern sich im Produktionsprozess stark, leider oft nicht nur zum Besten.
Da ich selbst auch Autorin bin, werde ich oft in der ersten Phase angefragt. Meine eigenen Texte hätten einen gewissen "Caroline-Sound", befand neulich auch Autor H.F. aus Hamburg. Beim Übersetzen von selling scripts kommt genau das zum Tragen: Habe ich die Wahl zwischen einer übersetzt und damit etwas holprig tönenden Redewendung und dem, was ich getextet hätte, entscheide ich mich in der Regel für meine Fassung. Von manchen Produzenten werde ich exakt deswegen gebucht: Ich mag eine gewisse Nonchalance, dabei größtmögliche Genauigkeit ... und meine weitverzweigten Leseerfahrungen dürfen gerne auch durchscheinen.
Ein Hinweis für Produzenten: Zur Ermittlung meines Honorars nehmen Sie die Summe, die Ihnen jetzt durch den Kopf geht, einfach mal zwei. So verknappt ist das natürlich ein Scherz, aber die Wirklichkeit liegt davon nicht weit enfernt, denn zum Schreibprozess kommen nicht selten technischen Bremser wie Formatierungsprobleme hinzu. Gerne sehe ich mir Ihr Projekt genauer an. Für einen Kostenvoranschlag schreiben Sie bitte eine Mail an caroline[at]adazylla.de
Ein Hinweis für Studenten: Drehbuchübersetzen und Mediendolmetschen sind die Kirschen auf dem Kuchen. Es ist eine Knochenarbeit, die besonders herausragende Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert. Dieser Beruf ist also kein "Job" als rasche Lösung für all jene, die "irgendwas mit Medien und Sprache" machen möchten und sich selbst keine eigenen künstlerischen Äußerungen zutrauen, daher lieber als Dienstleister "abgesichert" sein wollen. In diesem Metier gibt es keine Sicherheit.
P.S.: Wenn mich ein Buch begeistert und mein restliches Auftragsvolumen stimmt, arbeite ich gelegentlich auch mit einem Honoraranteil in Rückstellung. You only get what you're asking for, frei übersetzt mit: "Wer fragt, gewinnt".
______________________________
Foto: Archiv
Kategorien:
Stichwort
Sonntag, 5. Mai 2013
Saatgutguerilla
Willkommen auf den Blogseiten einer derzeit überwiegend in Berlin lebenden Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache (oder aus dem Englischen). Als Arbeiterin des gesprochenen Wortes bin ich oft in Paris, Marseille, Köln oder anderswo. Sonntags präsentiere ich immer vorwiegend private Bilder.
In Zeiten von normierten Gemüsesorten, Monsantos Bedrohungen und dem immer mehr soziale Schichten erreichenden Trend zum urban gardening gibt es nicht nur mitten in Berlin Stecklingtauschbörsen. Und die Bomben, die neuerdings in Kreuzberg geschmissen werden, sind Samenbomben!
Mal sehen, wie mein Balkon kommenden Sommer aussehen wird. Die letzten Jahre hatte ich ja immer das Motiv "Strandbalkon" verfolgt, eine typische Entwicklung bei den vielen Dienstreisen einer Spracharbeiterin sowie Mitbewohnern ohne grünen Daumen ...
______________________________
Fotos: C.E.
In Zeiten von normierten Gemüsesorten, Monsantos Bedrohungen und dem immer mehr soziale Schichten erreichenden Trend zum urban gardening gibt es nicht nur mitten in Berlin Stecklingtauschbörsen. Und die Bomben, die neuerdings in Kreuzberg geschmissen werden, sind Samenbomben!
Mal sehen, wie mein Balkon kommenden Sommer aussehen wird. Die letzten Jahre hatte ich ja immer das Motiv "Strandbalkon" verfolgt, eine typische Entwicklung bei den vielen Dienstreisen einer Spracharbeiterin sowie Mitbewohnern ohne grünen Daumen ...
______________________________
Fotos: C.E.
Donnerstag, 2. Mai 2013
Tanz vs. Maiglöckchen
Bonjour, bienvenue ...! Sie haben (zufällig oder absichtlich) die Seite eines digitalen Arbeitstagebuchs aufgeblättert. Hier schreibe ich täglich außer freitags über meinen vielseitigen Sprachberuf. Ich bin Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache. Dabei fallen mir natürlich immer wieder die kulturellen Unterschiede zwischen "meinen" Sprachräumen auf.
Andere Länder, andere Sitten: Dieser Tage durfte ich wiederholt den Begriff "Tanz in den Mai" übersetzen, denn in Frankreich ist der Brauch kaum bekannt. Le bal du printemps wird von den Nachbarn durchaus mitunter gefeiert, aber ohne die kulturellen Referenzen, die wir mit unserem "Reintanzen" haben. Schon die wörtliche Übersetzung macht Mühen: rentrer en dansant dans le mois de mai.
Den derzeit im Haus weilenden französischen Gästen konnte ich darüber hinaus noch landeskundliches und literarisches Wissen mitliefern. Ich sprach vom Hexeneinmaleins (Goethe, Faust I), beschrieb den Hexentanzplatz in der Walpurgisnacht, warb für einen Abstecher in den Harz.
Und das Feuer, um das die Hexen tanzen, gibt es anderenorts auch, in Berlin ja seit 1987 auch in der etwas merkwürdigen Tradition gewaltvoller Zusammenstöße von Maifeierern und der Polizei. Erwähnt habe ich auch noch den Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol.
Vom Baum zum bouquet de muguet, zum Glücksbringer Maiglöckchen: In Frankreich gibt es die schöne Tradition, dass am 1. Mai kleine Maiglöckchensträußchen verschenkt werden, gerne auch von Unbekannt an (vorzugsweise) Passantinnen. (Selbst erlebt!)
Die Tradition soll aufs Mittelalter zurückgehen, von einem König mit einem Datum verknüpft. Es heißt, König Karl IX. habe am 1. Mai 1561 Maiglöckchen geschenkt erhalten und daraufhin beschlossen, fortan stets zum 1. Mai den Hofdamen ein Sträußchen zu offerieren.
"Musike" ist aber auch im französischen Maianfang "drin". Im Nachbarland ist vor allem ein Maiglöckchenchanson mit eher russischem Hintergrund bekannt.
Hier ist eine andere Tradtion spürbar. Denn natürlich ist in beiden Ländern der 1. Mai der Tag der Arbeit (la fête du travail).
______________________________
Film: YouTube, Musik: Vasily Soloviev-
Sedoi, Text: Francis Lemarque
Andere Länder, andere Sitten: Dieser Tage durfte ich wiederholt den Begriff "Tanz in den Mai" übersetzen, denn in Frankreich ist der Brauch kaum bekannt. Le bal du printemps wird von den Nachbarn durchaus mitunter gefeiert, aber ohne die kulturellen Referenzen, die wir mit unserem "Reintanzen" haben. Schon die wörtliche Übersetzung macht Mühen: rentrer en dansant dans le mois de mai.
Den derzeit im Haus weilenden französischen Gästen konnte ich darüber hinaus noch landeskundliches und literarisches Wissen mitliefern. Ich sprach vom Hexeneinmaleins (Goethe, Faust I), beschrieb den Hexentanzplatz in der Walpurgisnacht, warb für einen Abstecher in den Harz.
Und das Feuer, um das die Hexen tanzen, gibt es anderenorts auch, in Berlin ja seit 1987 auch in der etwas merkwürdigen Tradition gewaltvoller Zusammenstöße von Maifeierern und der Polizei. Erwähnt habe ich auch noch den Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol.
Vom Baum zum bouquet de muguet, zum Glücksbringer Maiglöckchen: In Frankreich gibt es die schöne Tradition, dass am 1. Mai kleine Maiglöckchensträußchen verschenkt werden, gerne auch von Unbekannt an (vorzugsweise) Passantinnen. (Selbst erlebt!)
Die Tradition soll aufs Mittelalter zurückgehen, von einem König mit einem Datum verknüpft. Es heißt, König Karl IX. habe am 1. Mai 1561 Maiglöckchen geschenkt erhalten und daraufhin beschlossen, fortan stets zum 1. Mai den Hofdamen ein Sträußchen zu offerieren.
"Musike" ist aber auch im französischen Maianfang "drin". Im Nachbarland ist vor allem ein Maiglöckchenchanson mit eher russischem Hintergrund bekannt.
Hier ist eine andere Tradtion spürbar. Denn natürlich ist in beiden Ländern der 1. Mai der Tag der Arbeit (la fête du travail).
______________________________
Film: YouTube, Musik: Vasily Soloviev-
Sedoi, Text: Francis Lemarque
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen,
Sprachschatz
Mittwoch, 1. Mai 2013
Tag der Arbeit
Ein sonniges Bonjour ! Hier können Sie meine Alltagsnotizen aus der Welt der Spracharbeiter lesen. Ich arbeite als Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache (und aus dem Englischen). Heute, mitten in der Woche, eine Art "Sonntagsfoto".
Vor|gefühlt wenigen Tagen| drei Wochen noch war es deutlich dunkler am Fernsehturm (für den Fotobeweis: Bild unten anklicken). Anfang April war er wochenlang von Wolken umgeben (hier noch ein Winterbild). Immer wieder überraschend, wie schnell die Stimmung in der ganzen Stadt eine andere wird, sobald ...
Tag der Arbeit, ich schau' ins Blaue. Und hätte gerne schon die halbe Woche zuvor meine Seele baumeln lassen wollen und einen Haiku schreiben über die wenigen Tage im Jahr, wo die Blattspitzen sich schon rauswagen, aber noch nicht so weit, dass das Laub den Blick auf die dahinterstehenden Bäume oder Gebäude verhindert.
In normalen Jahren liegt dieser Tag in Berlin Ende März. Und heute habe ich auch den ersten Mauersegler des Jahres gehört, sonst treffen die martinets hier am 27. April ein. Die Bäume sind also stärker im Verzug als diese ohnehin spät ankommende Vogelart.
Meinem müden Dolmetscherhirn will nichts einfallen. Also lass' ich's sein. Ruhe ist wichtig, auch die strapazierte Stimme muss ich schonen. Daher höre ich beim Spaziergang Freunden zu, koche mit gepodcasteten Radiosendungen und genieße das Leben.
______________________________
Foto: C.E.
Vor
Tag der Arbeit, ich schau' ins Blaue. Und hätte gerne schon die halbe Woche zuvor meine Seele baumeln lassen wollen und einen Haiku schreiben über die wenigen Tage im Jahr, wo die Blattspitzen sich schon rauswagen, aber noch nicht so weit, dass das Laub den Blick auf die dahinterstehenden Bäume oder Gebäude verhindert.
In normalen Jahren liegt dieser Tag in Berlin Ende März. Und heute habe ich auch den ersten Mauersegler des Jahres gehört, sonst treffen die martinets hier am 27. April ein. Die Bäume sind also stärker im Verzug als diese ohnehin spät ankommende Vogelart.
Meinem müden Dolmetscherhirn will nichts einfallen. Also lass' ich's sein. Ruhe ist wichtig, auch die strapazierte Stimme muss ich schonen. Daher höre ich beim Spaziergang Freunden zu, koche mit gepodcasteten Radiosendungen und genieße das Leben.
______________________________
Foto: C.E.
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen,
Sonntagsbilder
Dienstag, 30. April 2013
Sitzordnung
Hallo beim Weblog aus der Dolmetscherkabine. Hier schreibe ich über meinen immer wieder sehr abwechslungsreichen Alltag, denn es kommt vor, dass die Kabine gar keine Wände hat. Die Frage ist nur: wo steht sie dann am besten?
Zum Glück sind wir eine gute halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung da. Der Raum ist nicht groß, ein Hintergrundgespräch wird zu verdolmetschen sein. Vor Ort gibt's Dolmetschtechnik, also Mikrofon, Kopfhörer, Mischpult, aber keine Übertragung oder Verstärkung des von Rednern oder Teilnehmern gesprochenen Worts — keine Mikrofone für die Redner, keine Lautsprecher, unter denen wir zur Not Stellung beziehen können, sollte im Raum kurz getuschelt werden, die Feuerwehr vorbeifahren oder der Beamer sich als ein altes Modell erweisen, das fast noch mit Holzkohle zu befeuern ist, will sagen: Wenn es plötzlich laut zu brummen anfängt.
Zum Glück sind wir eine gute halbe Stunde vor Beginn da. Die Tische wurden in Form eines Vierecks platziert, eine Art eckiges, breites O, die Tische für uns Dolmetscher und den Mann am Mischpult stehen draußen wie die Ö-Pünktchen.
Sofort greifen wir ein. Weit weg vom Geschehen wird es nämlich schwierig für uns, gleichzeitig zu hören und zu sprechen. Wir brechen das Viereck auf, unser Tisch kommt direkt vor das "Podium", hier wird sicher die meiste Zeit gesprochen werden.
So, jetzt kann's losgehen in der Kabine ohne Wände ...
______________________________
Foto: C.E.
Zum Glück sind wir eine gute halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung da. Der Raum ist nicht groß, ein Hintergrundgespräch wird zu verdolmetschen sein. Vor Ort gibt's Dolmetschtechnik, also Mikrofon, Kopfhörer, Mischpult, aber keine Übertragung oder Verstärkung des von Rednern oder Teilnehmern gesprochenen Worts — keine Mikrofone für die Redner, keine Lautsprecher, unter denen wir zur Not Stellung beziehen können, sollte im Raum kurz getuschelt werden, die Feuerwehr vorbeifahren oder der Beamer sich als ein altes Modell erweisen, das fast noch mit Holzkohle zu befeuern ist, will sagen: Wenn es plötzlich laut zu brummen anfängt.
Zum Glück sind wir eine gute halbe Stunde vor Beginn da. Die Tische wurden in Form eines Vierecks platziert, eine Art eckiges, breites O, die Tische für uns Dolmetscher und den Mann am Mischpult stehen draußen wie die Ö-Pünktchen.
Sofort greifen wir ein. Weit weg vom Geschehen wird es nämlich schwierig für uns, gleichzeitig zu hören und zu sprechen. Wir brechen das Viereck auf, unser Tisch kommt direkt vor das "Podium", hier wird sicher die meiste Zeit gesprochen werden.
So, jetzt kann's losgehen in der Kabine ohne Wände ...
______________________________
Foto: C.E.
Kategorien:
Am Wegesrand aufgelesen,
Arbeitsplätze,
Grundsätzliches
Montag, 29. April 2013
Antizipation
Willkommen et bienvenue auf den Seiten des Arbeitstagebuch einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Meine Arbeitssprachen sind Deutsch, Französisch und Englisch (passiv). Heute wieder: Kopfeinsichten, oder: Wie der Beruf einen bis ins Privatleben hinein prägt.
Im Kino lache ich oft vor allen anderen Zuschauern. Und ich lache an Stellen, die sich für mich wie Insider-Witze lesen, weil ich in "Einstellungen" oder auch schon mal im Tonschnitt Parallelen zu anderen Filmen sehe, die über die Art der Verbindung auf mich komisch wirken.
Ich weiß nicht, ob der zweite Satz der Einleitung für andere verständlich ist, ich lasse den einfach mal so stehen. Was ich beschreibe, ist Ergebnis ständigen Mit- und Querdenkens der visuellen, akustischen Angebote. Für mich sind Filme nichts rein Statisches, auch wenn sie nach dem image lock natürlich in dieser Version unveränderlich sind. Aber ich habe in meinem bisherigen Leben auf der Inhalts- und Sprachebene zu viel an Filmen mitgewirkt, Filme "gesehen", während ich Drehbücher übersetzen durfte usw., um nicht vom Arbeitsprozess geprägt zu sein. Und als jemand, die das TV nicht mag ... (Ausnahmen bestätigen die Regel.)
Im Kino oder auch bei Witzerzählungen lache ich oft schneller als andere. Den Satz kann ich gut erklären.
Freitagabend waren wir im Restaurant. Ein Freund, mit dem ich oft die Sprachen wechsle, machmal vermischen sie sich auch, erzählte einen Witz, und der geht so: Ein Mann, dem man ansieht, dass er aus dem Ausland kommt, ist auf einem Kongress. Zufällig sitzt er in der Mittagspause mit einem anderen Kongressbesucher am selben Tisch. Die Herren probieren den Wein. Der andere Kongressbesucher fragt: "Glouglou gut?" (Glouglou ist onomatopoetisches Französisch für das Trinkgeräusch, "gluck gluck" sagt dict.cc). Der fremdländisch aussehende Mann nickt. Dann wird das Essen serviert. Der andere Kongressbesucher fragt: "Jamjam gut?" Der Fremde nickt. Nach dem Essen geht die Veranstaltung weiter. Der fremdländisch Aussehende tritt ans Pult und hält seinen Vortrag (hier lache ich schon) ... in einwandfreiem Deutsch. Er kommt zurück auf seinen Platz, er sitzt neben dem anderen Kongressbesucher, und fragt ihn: "Blabla gut?"
Mein Gegenüber zeigt sich enttäuscht, denn ich scheine den Migrationswitz schon zu kennen. Schlimmer noch, ich habe ihn selbst zuende erzählt, ihm die Pointe vermasselt. Aber er war neu für mich. Ich habe nur die narrative Struktur verstanden, das Ende antizipiert. Vorausdenken ist Teil des Dolmetschens, konnte ich erklären. So war die Stimmung gerettet.
Mit einer gesprochenen Erzählung ergeht es mir also ähnlich wie beim Filmesehen: Ich habe so manche mögliche Variation im Kopf. Bei Filmen, Theaterstücken oder Büchern spüre ich, wenn es gut läuft, künstlerische Entscheidungen, freue mich daran, dass meine grauen Zellen durch Anspielungen gekitzelt werden, die ich manchmal nur in Gedanken antizipiere. Wenn ein Film (Theaterstück, Buch ...) hinter seinen Möglichkeiten bleibt, Material verschenkt, bin ich traurig. (Das ist der Grund, weshalb ich kein TV mehr sehe, das bleibt mir zu oft unterhalb einer halbwegs anspruchsvollen Flughöhe.)
Ein Kunstwerk, das sein Potential nicht ausschöpft, fühlt sich an wie ein Witz, dessen Pointe vermasselt wurde.
______________________________
Foto: C.E. (Archiv)
Im Kino lache ich oft vor allen anderen Zuschauern. Und ich lache an Stellen, die sich für mich wie Insider-Witze lesen, weil ich in "Einstellungen" oder auch schon mal im Tonschnitt Parallelen zu anderen Filmen sehe, die über die Art der Verbindung auf mich komisch wirken.
Ich weiß nicht, ob der zweite Satz der Einleitung für andere verständlich ist, ich lasse den einfach mal so stehen. Was ich beschreibe, ist Ergebnis ständigen Mit- und Querdenkens der visuellen, akustischen Angebote. Für mich sind Filme nichts rein Statisches, auch wenn sie nach dem image lock natürlich in dieser Version unveränderlich sind. Aber ich habe in meinem bisherigen Leben auf der Inhalts- und Sprachebene zu viel an Filmen mitgewirkt, Filme "gesehen", während ich Drehbücher übersetzen durfte usw., um nicht vom Arbeitsprozess geprägt zu sein. Und als jemand, die das TV nicht mag ... (Ausnahmen bestätigen die Regel.)
Im Kino oder auch bei Witzerzählungen lache ich oft schneller als andere. Den Satz kann ich gut erklären.
Freitagabend waren wir im Restaurant. Ein Freund, mit dem ich oft die Sprachen wechsle, machmal vermischen sie sich auch, erzählte einen Witz, und der geht so: Ein Mann, dem man ansieht, dass er aus dem Ausland kommt, ist auf einem Kongress. Zufällig sitzt er in der Mittagspause mit einem anderen Kongressbesucher am selben Tisch. Die Herren probieren den Wein. Der andere Kongressbesucher fragt: "Glouglou gut?" (Glouglou ist onomatopoetisches Französisch für das Trinkgeräusch, "gluck gluck" sagt dict.cc). Der fremdländisch aussehende Mann nickt. Dann wird das Essen serviert. Der andere Kongressbesucher fragt: "Jamjam gut?" Der Fremde nickt. Nach dem Essen geht die Veranstaltung weiter. Der fremdländisch Aussehende tritt ans Pult und hält seinen Vortrag (hier lache ich schon) ... in einwandfreiem Deutsch. Er kommt zurück auf seinen Platz, er sitzt neben dem anderen Kongressbesucher, und fragt ihn: "Blabla gut?"
Mein Gegenüber zeigt sich enttäuscht, denn ich scheine den Migrationswitz schon zu kennen. Schlimmer noch, ich habe ihn selbst zuende erzählt, ihm die Pointe vermasselt. Aber er war neu für mich. Ich habe nur die narrative Struktur verstanden, das Ende antizipiert. Vorausdenken ist Teil des Dolmetschens, konnte ich erklären. So war die Stimmung gerettet.Mit einer gesprochenen Erzählung ergeht es mir also ähnlich wie beim Filmesehen: Ich habe so manche mögliche Variation im Kopf. Bei Filmen, Theaterstücken oder Büchern spüre ich, wenn es gut läuft, künstlerische Entscheidungen, freue mich daran, dass meine grauen Zellen durch Anspielungen gekitzelt werden, die ich manchmal nur in Gedanken antizipiere. Wenn ein Film (Theaterstück, Buch ...) hinter seinen Möglichkeiten bleibt, Material verschenkt, bin ich traurig. (Das ist der Grund, weshalb ich kein TV mehr sehe, das bleibt mir zu oft unterhalb einer halbwegs anspruchsvollen Flughöhe.)
Ein Kunstwerk, das sein Potential nicht ausschöpft, fühlt sich an wie ein Witz, dessen Pointe vermasselt wurde.
______________________________
Foto: C.E. (Archiv)
Kategorien:
Komisches,
Kopfeinsichten
Sonntag, 28. April 2013
Kistengucker
Guten Tag! (oder guten Abend, gute Nacht ...) Absichtlich oder zufällig sind Sie auf den Blogseiten einer Spracharbeiterin gelandet. Wie wir in Berlin, Paris, München, Köln, Lyon und Marseille als Dolmetscher und Übersetzer arbeiten, erzähle ich hier auf den Blogseiten, denn wir sind ein im Netzwerk lose verbundenes Team. Sonntags werde ich privat: Sonntagsbilder!
Was hat der junge Mann da in seiner Kiste? Gespannt schaut er darauf, hebt nicht den Blick, wenn die U-Bahn Richtung Kreuzberg hält, weicht mit sanften Bewegungen Aussteigenden aus, hält sich nirgendwo fest: Seine Beine gleichen die Fliehkräfte aus, wenn die Bahn in die Kurve geht.
Ich denke an Mäuse, aber nein, die könnten ja rausspringen aus dem flachen, kleinen Kistlein. Vielleicht eine kostbare Inkunabel? Sieht der junge Mann so aus, dass er mit derlei die Berliner U-Bahn besteigt? Oder müsste er dann nicht die Pretiose durch Wabenplastikfolie und mehrfache Kartons sichern und sich gut festhalten auf der Fahrt?
Ein Mausklick auf das Bild liefert die Antwort, worauf der Kistengucker (Kistenkucker?) da so gebannt blickt ... Für Blinde: Es ist ein "Reader" in einem Pappkarton, der junge Mann liest ein elektronisches Buch.
______________________________
Fotos: C.E.
Was hat der junge Mann da in seiner Kiste? Gespannt schaut er darauf, hebt nicht den Blick, wenn die U-Bahn Richtung Kreuzberg hält, weicht mit sanften Bewegungen Aussteigenden aus, hält sich nirgendwo fest: Seine Beine gleichen die Fliehkräfte aus, wenn die Bahn in die Kurve geht.
Ich denke an Mäuse, aber nein, die könnten ja rausspringen aus dem flachen, kleinen Kistlein. Vielleicht eine kostbare Inkunabel? Sieht der junge Mann so aus, dass er mit derlei die Berliner U-Bahn besteigt? Oder müsste er dann nicht die Pretiose durch Wabenplastikfolie und mehrfache Kartons sichern und sich gut festhalten auf der Fahrt?
Ein Mausklick auf das Bild liefert die Antwort, worauf der Kistengucker (Kistenkucker?) da so gebannt blickt ... Für Blinde: Es ist ein "Reader" in einem Pappkarton, der junge Mann liest ein elektronisches Buch.
______________________________
Fotos: C.E.
Kategorien:
Sonntagsbilder,
Sprachschatz
Abonnieren
Posts (Atom)























