Mittwoch, 31. August 2011

Produkttester

Merkwürdige Zuschriften auf den Blog gibt's manchmal! Vorgestern erhielt ich ein Schreiben, ob ich nicht einen Taschendolmetscher testen möchte. Ich reagierte erst genervt, war im üblichen Bürostress, antwortete ironisch, weil ich sah, dass die Produkttestanfragefirma auch Fotoapparate testen lässt, dass ich gerne meine Wunschkamera zum Probelauf und späteren Behalt usw. usw. nebst Angabe von Produkt- und Herstellernamen. Hat leider nicht geklappt. Ich soll jetzt aber doch das Taschendings ausprobieren, und weil ich |letztens| 2009 auf der Expolingua sowas schon mal in der Hand hatte, war ich bequatschbar (wenn derlei im Mailverfahren überhaupt geht).

Ich dürfe natürlich schreiben, was ich wolle, versicherte man mir auch noch. Klar, selbstverständlich, bin nicht käuflich! Bestechung ist es auch nicht, ich teste ja nicht als Journalistin, sondern als bloggende Dolmetscherin. Wie viel ich von automatischer Übersetzung ganzer Sätze halte, habe ich hier ja schon wiederholt kundgetan. Ich stelle mir vor, dass das Dingens ein elektronisches Wörterbuch ist.

So, jetzt bin ich mal gespannt. Und in die Tasche stecken lass ich mich nicht, "isch schwörre!" (Letzteres ist mit für Berlin-Neukölln typischer Verfremdung zu lesen.)

... als App für das iPhone
Nie wieder sprachlos! Dolmetscher für die Hosentasche!
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Illustration: C.E. (auf der Basis von im
Netz gefundenen Werbesprüchen)

Dienstag, 30. August 2011

Balkonien (1)

... gilt als Urlaubsziel für Menschen, die sich keinen Fernurlaub leisten können. Nun liegt aber mein Büro sehr oft in Balkonien, und nicht nur meins.

An der Längsseite, die Schmalseite hier
Kurz nach dem Frühstück klingelt das Telefon, eine Bürostimme sagt: "Ach, Sie sind wohl im Grünen, wie schön!" Ich versuche, keinen Neid entstehen zu lassen, und spreche von der Mieterin im Stockwerk über uns und ihren sintflutartigen Wassermengen zu den schrägsten Uhrzeiten, die sie zur Bewässerung diverser Blumen aufbietet, was dazu führt, dass ich jedes Mal, wenn ich auch nur kurz reingehe, lieber präventiv sämtliche Technik und alles Papier einsammle und sowieso nicht direkt an der Brüstung sitzen kann. (Immerhin erspart mit das, wie dieser mehrheitlich nasskalte Sommer überhaupt, oft das Blumengießen.)

Dann telefoniere ich weiter in Sachen Übersetzungsarbeit, wir müssen uns koordinieren. Kollege B. sitzt hörbar auch im Grünen, wir feixen gemeinsam über die beruhigendem Nebenwirkungen unseres Freiberuflerdaseins.

Während ich kurz drauf vergnügt in den sonnigen Himmel blinzele, höre ich jemanden Französisch sprechen. Journalist Sébastien Vannier spricht vom Ohr mit Radarfunktion, das man als Mensch zwischen zwei Sprachen in zwei Ländern entwickele, mir geht es auch so. Ganz |augenscheinlich| offensichtlich ("ohrenhörlich") habe ich neue französische Nachbarn, was langsam in meinem Kiez auf angenehme Weise um sich greift: Er wird internationaler und er verjüngt sich. (Wobei die wahrgenommene Verjüngung durch die Tatsache verstärkt wird, dass ich älter werde.)

Eindeutig ist: Die ganz alten Herrschaften im Wohnviertel, Nachbarn aus der unteren Mittelschicht, ziehen oder sterben weg; neue Mieter der unteren Mittelschicht folgen ihnen nach, wobei nicht nur mir auffällt, dass diese in der Regel über deutlich höhere Bildungsabschlüsse verfügen als die Generation der gleichen Schicht davor. (Kurz: Studium zahlt sich aus, aber mehr in Sachen Sicherheit, eine vielleicht sogar auch noch sinnvolle Beschäftigung zu finden, als in Höhe von Lohn, Gehalt oder Honorar.)

Und während ich über die "Yukis" sinniere — es sind die young urban kreative internationals, die herziehen, nicht die young urban professionals ("Yuppies")  — und einige welke Blättchen von den Topfpflanzen zupfe, bin ich sehr froh über meinen Balkon mit Wasserblick. Wie viel schöner ist es hier draußen als drinnen! In der Wohnung könnte ich außerdem auf garstige Ideen kommen, zum Beispiel den Milchtopf vom Frühstück abzutrocknen, der im Gestell über der Spüle vor sich hintrocknet, damit der Kalk nicht diese hässlichen Flecken hinterlässt, ach, und das Spülmaschinensieb sollte ich auch mal wieder reinigen. Und überhaupt, wie sehen die Küchenfenster aus? Vom denen im Arbeitszimmer ganz zu schweigen.

Nein, meinen Büroplatz in der Sommersaison lob' ich mir, auch, wenn er reine Büromenschen manchmal etwas neidisch macht. — Und nun scheint das auch schon wieder vorbei zu sein. Die situative Beschreibung meiner Idylle textete ich Freitag, da erwies sich mein Nordbalkon bei subtropischen Graden und einer ähnlich hohen Luftfeuchtigkeit (auch ohne Regenzeit von oben) als wunderbar.
Seit dem Samstag brauche ich schon wieder Socken, Pulswärmer und einen dicken Pulli ...


P.S.: Für die neueren Leser: Ein anderes Balkonien, das vieler französischer Hauptstädter, sah ich vor kurzem, und auch dort waren viele anzutreffen, die zwar auf den ersten Blick in der Idylle am Sandstrand saßen, in Wirklichkeit aber mitten im Büro ...
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Foto: C.E.

Montag, 29. August 2011

Dolmetscherwitze V

Vorläufig letzte Folge der kleinen Serie von Witzen mit und über Sprachmittler(n) im virtuellen Arbeitstagebuch einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin.

Es gibt Dolmetscherwitze jeder Kategorie. Der Kürzeste und zugleich Dümmste hier: Wie nennt man eine Brünette zwischen zwei Blondinen? Dolmetscherin.


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P.S.: Wenn Sie Witze zum Thema Dolmetschen und
Sprache kennen, die hier noch nicht erschienen sind,
würde ich mich über Ihre Zusendung freuen. Danke!

Sonntag, 28. August 2011

Paris plages

Seit einer Woche ist es vorbei, das Sommerspektakel "Paris plages" für die in Paris Gebliebenen. An der Stelle der Schnellstraße entlang der Seine wird nicht nur Sand aufgeschüttet, es gibt Tischfußball, Volleyballspielzonen, ein Schwimbassin, Ecken mit verschiedensten Sitzgelegenheiten bis hin zum Liegestuhl, Trinkbrunnen, Hindernisparcours für Fahrradfahrer und vieles mehr.

Wir haben uns vor allem über die dépendance einer öffentlichen Bibliothek gefreut, die hier auch für einen Monat ihr Zelt aufschlug und die Menschen zum Lesen anregte.

Auch lustig war die Wasservernebelungsmaschine. Zwischendurch wurde es ja sogar mal ein wenig heiß in der französischen Hauptstadt ...

Nur ein echtes Strandfoto hab ich verpasst zu schießen. Nächstes Jahr!



Hier weitere Infos auf Deutsch über das 10. Jahr von Paris plages.
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Fotos: C.E.

Samstag, 27. August 2011

Pirol ...

... heißt Loriot übersetzt, ich hatte ihn hier schon vor einigen Wochen zitiert. Einige französische Freunde fanden diesen Sketch schon immer skurril, andere Filme brachten sie aber selten zum Schmunzeln. Mich auch nicht. Bis auf meine Lieblingsnummer, die ich am Ende gerne zeige.

Loriot ist trotz des französischen Namens in Frankreich so gut wie unbekannt, meine Wir-bauen-uns-einen-Atommeiler-Freunde lachen als Germanisten ... und die Sache ist sicher vor allem deshalb für sie so besonders, weil ihr Heimatland bislang an die 80 % des Stroms aus Atomenergie generiert.

Der in der vergangenen Woche verstorbene Komiker fand auch bei einigen extra befragten Youngsters unter zehn nicht viel Gnade. Mich irritierte, dass so viele Nachrufe darauf abhoben, dass Loriot "typisch deutsch" sei. Der zweifellos gnadenlos begabte Mann spiegelte Deutsches wider, aber es war ein Land, das auch mir in seinen Ausläufern fast nicht mehr bekannt war: Das spießige Westdeutschland der Wiederaufbaujahre. Viele meiner Generation kennen, was davon in den 60-er und 70-er Jahren noch übrig war, andere eben nicht. Es ist keine Frage deutscher Identität, sondern eine Sache des Alters und des soziokulturellen Umfelds, der Herkunft.

Ich habe ein langes Nachdenkwochenende gebraucht, um diesen Eintrag, der ein Nachtrag ist, zu schreiben. Dann fand ich, was mich bestätigt: Den Artikel einer jungen, französischen Journalistin, nach deren Lektüre ich mich nicht mehr so allein fühle. Céline Béal, sie schrieb in der taz, hält den französischen Humor für nicht subtil genug für Loriot.

Die Journalistin hat auch die Generationsunterschiede im Blick, wenn sie von der Feststellung ausgeht, dass ihre Freundinnen mit Berta oder Herrn Müller-Lüdenscheidt nicht viel gemein hätten — so verfängt der Humor nicht, es entsteht kein befreienden Gelächter über sich selbst. Indes: Es gebe die Erinnerung an das gemeinschaftliche Betrachten dieser Filme, die durchaus zu Lachen fühlen könne, so ähnlich, wie es in Frankreich Louis de Funès und sein für die jungen Leute altmodisches Werk gibt.

Diese Programme seien eben jene Filme, auf die man sich an "einem warmen Sommerabend bei den Großeltern (...) einigen" konnte. Und während de Funès "schnell in Zorn, Aggressivität oder Empörung" gerate, überhaupt sei er "selbstbewusster", wirkten Vicco von Bülows Figuren "maßvoll" bis "glanzlos". Deshalb sei wohl eine besondere Feinsinnigkeit vonnöten ...

Die Journalistin, die von der Frühstückseiszene ausgeht, resümiert ihre Seherfahrungen mit: "Diese Sache mit dem verdammten Ei verstehe ich jedoch immer noch nicht."

Dem kann ich mich nur anschließen. Ich verstehe nicht, worin hier die "typisch deutsche Art" liegen soll, die in den Nachrufen immer beschworen wurde.
Jetzt der versprochene Lieblingssketch. Ich finde ihn lustig, weil sicher jeder von uns in der Dolmetscherkabine mal einen verbalen Rohrkrepierer und Phrasendrescher erlebt hat ... Und das Filmchen kommt auch bei vielen Franzosen gut an! RIP, Pirol!

mit englischen Untertiteln,
denn etliche Freunde mussten es probesehen

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Film: YouTube / Vicco von Bülow

Freitag, 26. August 2011

Alte Sachen

"Du klingst ja wie meine Oma!", sagt der kleine, weltbeste Patensohn, als ich etwas in DM umrechne und erschrecke: Ein Milchkaffee für knapp zehn Mark, das war in Berlin einst wirklich nicht vorstellbar ... und dünkt mich auch heute komisch, selbst wenn ich die Inflation seit der Währungs|union|umstellung hinzurechne.

Der falsche Klang wird sich wohl fortsetzen, wenn ich in den nächsten Jahren |Glühbirnen| "Leuchtmittel" in Wattstärke nachfrage (und nicht in Lumen).

Von einem alten manège = Karussell
Da geht mir ein Licht auf. Ich erinnere mich an meine Vermieterin aus der Avenue Rodin, die die vermeintlich günstige Miete in Paris noch in Ancien Francs umrechnete. Madame war nun mal wirklich im Omaalter. Zudem muss ich ergänzen, dass Mieten in Paris im allerseltensten Fall wirklich günstig sind und diese es auch nicht war. Dann grüble ich der Szene hinterher und frag Mister Googel. Der klärt mich auf: Der alte Franc, der immer zu so utopisch hohen Summen führte wie in grauer Vorzeit die italienische Lira, wurde im Jahre 1963 abgeschafft.

Und das liegt als Zeitpunkt ebenso vor meiner Geburt wie die Einführung des Euro vor der Geburt des jungen Mannes.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 25. August 2011

Siebenjährige

Das war nicht übelst mies: Am Brunnen in Paris
"Das finde ich jetzt aber übelst mies!", protestiert ein mir bestens bekannter Siebeneinhalbjähriger und versetzt mich in Staunen.
So reden die Kids also heute in Berlin. (Kleine Ergänzung zu seinem minibisschen von neulich.)

Schnell aufschreiben, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

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Foto: C.E. (Paris plages)

Mittwoch, 24. August 2011

Untersetzung

Ein echtes Andenken auf dem Schreibtisch
"Je veux que ce souvenir", steht in dem automatisch übersetzten Text, den mir jemand von einer französischen Nachbarschaftsinitiative aus der banlieue mit der Bitte um Aufhellung einiger Passagen zugeschickt hat. Etliche Teile sind kurz vor knapp noch verständlich, zum Beispiel das grammatisch grottige "Nous en venons à la 12,9. en train pour préparer la réunion big", aus dem das Datum, das Verkehrsmittel (train) und der Anlass (Treffen vorbereiten) hervorgeht ... ergänzt durch das weltweit verständliche big.

Was aber hat es mit dem ersten Satz auf sich? "Ich will dass dieses Andenken?" Ich bitte um den Originaltext. Während ich warte, teste ich kurz, ob das Medium, das diese "Übersetzung" verbrochen hat, mir per automatischer Übersetzung eine Idee darüber vermitteln kann, was da ursprünglich wohl gestanden haben mag. Aber ich werde schnell enttäuscht, "Ich möchte, dass dieser Speicher" hilft auch nicht weiter.

Abends, nach einem satten "Plopp" in meinem elektronischen Briefkasten, lese ich endlich die Auflösung: "Das will ich andenken." Autsch! Dieses "andenken" ist ja wirklich kein gutes Deutsch, überhaupt ein blödes Wort: an-denken wie an-fahren, an-richten, an-baggern ... so von der Seite her, eine Geste der Veränderung von etwas in einen anderen Zustand.

Et hop!, auf den Index mit der "Vokabel" andenken. Da gehören auch automatische Übersetzungen hin, denn diese "französische Fassung" ist so unterirdisch schlecht, dass ich für derlei einen Neologismus vorschlage. Statt Übersetzung möge man ab jetzt das hier sagen: Untersetzung.

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 23. August 2011

No comment *Aktualisiert*

Ein Fundstück aus dem Netz (gesehen bei facebook) ... 

Textversion: Wissentschaft Mittelarbeiter (sic!), angestellt bei XXX, studierte an der XXX in Paris, Frankreich, wohnt in Friedrichshain, Deutschland, spricht Französisch, Englisch und Deutsch, aus Paris
Doch ein Kommentar nach ersten |Beschwerden| Zuschriften: Der Betreffende ist nicht auf Jobsuche, es handelt sich nur um ein Profil bei einem Web 2.0-Freundschaftsnetzwerk. Ich mache mich hier also nicht über Nachwuchs lustig, sondern finde einfach dieses schwere, deutsche Wort zwischen Mitarbeiter und Mittelbau sehr hübsch wiedergegeben.

Montag, 22. August 2011

Das Tanzbein

Kundenpflege in schwierigen Zeiten. Im Frühjahr durfte ich einen VIP betreuen, und dessen deutscher Presseagent kam mit mir an diesem langen PR-Tag zweimal länger ins Gespräch, als französischsprachige Journalisten den Star interviewten. Währenddessen saßen also der Agent, der nicht aus Berlin kommt, und ich im ersten Raum der Hotelsuite beim Tee zusammen, und wir parlierten angeregt. Es war eine angenehme Begegnung.

Dann, kurz vor der Sommerpause, erhielt ich von diesem Herrn eine freundliche Mail mit einer recht bestimmt gehaltenen Einladung zum Abendessen, Tanzbein schwingen inklusive. Die Lokalitäten waren vorgegeben, sie entsprachen meinem Geschmack.

Aber sofort war ich hellwach, obwohl mich das Schreiben in der Stunde nach dem Mittagessen, also mitten im Suppenkoma, erreichte. Eine Frage jagte die nächste: Was mache ich nun? Ohne ein Zögern zusagen? Oder doch sofort oder nach einiger Bedenkzeit Arges mutmaßen?

In Frankreich sind déjeuner d'affaires, das mittägliche Geschäftsessen, ein übliches Mittel, um Arbeitsbeziehungen zu verfestigen. Doch in Deutschland?
Und dann auch noch abends?

Ich ging hin. Wir |spiesen| saßen herrlich in Mitte in einem alten, renommierten Restaurant mit Weinkeller, danach gingen wir wie vereinbart in eins der ältesten Berliner Ballhäuser zum Tango. Und es begann, was ich befürchtete, ein subtiles Spiel der Rollen- und Verführungsmuster, das weit über das bei diesem Tanz Übliche hinausging.

Ich brauchte nicht lange nachzudenken, meine Signale und Worte waren eindeutig: Ich setzte ebenso freundlich wie bestimmt Grenzen. Ob ich es jetzt mir mit einem Auftraggeber verscherzte oder nicht, war mir in dem Moment egal. Ich fühlte mich gut dabei. Es gab Zeiten, in denen ich zwar ebenso reagiert habe, aber stärker darunter litt, der entgangenen Jobs wegen. Und ich sehe noch heute, wer sich damals auf Kundenpflege besser verstand.

Und ja, wir leben im 21. Jahrhundert, und zudem mitten in einer Wirtschaftskrise, in der sich selbst anerkannte Profis ihre Jobs nicht aussuchen können.

Was ich hier beschreibe, habe ich übrigens in Frankreich in den 1990-er Jahren noch viel öfter erlebt ⎯ mit dem Ergebnis, dass ich mir etliche Arbeitschancen vermasselte. Und wenn ich in meinem Freundeskreis rumfrage und bei den Herren der Schöpfung nachhake, so kennen wir in diesem Bereich noch keine Gleichberechtigung.

Die Episode mit Monsieur Tanzbein ist wieder aktuell. Für den Oktober wurde ich heute angefragt von besagtem Herren, der entschuldigend einleitete: "Ich hoffe, Sie wollen noch mit mir zusammenarbeiten ..."

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Illustrationen: Kinowerbung aus den 20-ern. 
Zeiten und Orte sind verändert, Kundenschutz!

Sonntag, 21. August 2011

Mauerkino

Mein Bild der Woche hat nichts mit DER Berliner Mauer zu tun, dafür mit anderen Mauern, einfachen Haus-, Brand- und Scheunenwänden. Gestern Abend fand in Berlin-Neukölln die erste Kurzfilmwanderung statt, und da wurden diese Mauern zu Leinwänden eines auf einer Leiter stehenden Beamers.

Eine Gruppe von gefühlten 60 Personen erwanderte sich ihr abendfüllendes Programm entlang eine Strecke im neuen Szenekiez Neukölln. An fünf verschiedenen Stellen wurden Filme an Mauern projiziert, die eigens für diesen Abend ausgesucht worden waren. Die Orte waren ebenso vielseitig wie die (internationale) Filmauswahl: Mauern in einer Wohnstraße, im Park, am Rande des Parkplatz eines Discounters, der Giebel einer Scheune in Rixdorf und das fensterlose Wandstück einer Passage (Foto).

In der Passage wirkten die unter der "Leinwand" liegende chemische
Reinigung und der Ort überhaupt plötzlich wie ein Filmset
Nach vielen verregneten Sommerwochen war das Wetter allen Beteiligten gnädig. Die Kurzfilmwanderung wurde von drei jungen Leuten organisiert und von freundlichen Neuköllner Nachbarn zum Beispiel mit Stromkabeln unterstützt, die überall bereits auf die Unterhaltungssuchenden warteten.

Für mich war es bisher das zauberhafteste Kinoereignis des Jahres. Das Filmprogramm sowie weitere Eindrücke von der Wanderung hier.

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Foto: Città Aperta (bearbeitet von C.E.)

Samstag, 20. August 2011

Link der Woche: freecycle

Heute möchte ich einen praktischen Tipp er­neu­ern, den ich bereits letztes Jahr gab. Und ich kann auch gleich den Beweis damit liefern, dass das Internet ein Dorf ist.

Es geht mir um das internetbasierte Ver­schenk­netz­werk freecycle. Und obwohl es sich hier um ein internationales Netzwerk handelt, ist es regional organisiert (Städte links). Freecycle liegt der Recycling-Gedanke zugrunde, und es ist, wie der Name schon sagt, kostenlos.

Das freecycle-Prinzip geht so wie einst auf dem Dorf: Noch gute Gegenstände, die im Haushalt aber nicht mehr gebraucht werden, wandern weiter zu anderen Mitmenschen. So sucht zum Beispiel Oma Hanna aus Charlottenburg einen Kinderautositz fürs En­kel­chen und Maike aus Prenzlauerberg, die neu nach Berlin gezogen ist und noch nicht viele Leute kennt, hat einen zu verschenken. Die beiden "treffen" sich über free­cycle.

Oder mein Lieblingsgesuch dieser Woche:
Hallo liebe Freecycler, 
im Dezember findet im Pergamonmuseum eine Ausstellung zur Ge­schich­te der Archäologie statt. Ich darf das Ganze vorbereiten und brauche eine ganze Reihe Koffer für den ersten Raum, wo wir frühe Reisen zu Ausgrabungen zeigen wollen. 
Da wir - wie immer bei Archäologen - kaum Geld für die Ausstellung haben: Wer hat noch einen alten Koffer im Keller, den er uns geben würde. Größe und Farbe egal. Hauptsache alt. 
Viiiiieeeeelen Dank, Pati
Da ich zusammen mit einer Kollegin diese "Newsgroup" moderiere (also Spam lösche, die Leute auf die Ein­hal­tung von Formalien hinweise usw.), sehe ich übrigens sehr schön, wie stark die Webseite von den in­ter­na­tio­na­len Neuberlinern genutzt wird. Da übersetzen und glät­ten wir dann oft, Schmunzeln inklusive, zum Beispiel bei Unser Föhn hat den hat Geist abgegeben. Ist ja mal gut, dass es nicht der Löffel war!

Außerdem merke ich, wie auch in der "normaldeutsch" klingenden Bevölkerung die allgemeinen Recht­schreib­kennt­nis­se ... naja, will jetzt nichts Böses sagen. Sehr oft lese ich, was die neue Getrenntschreibung so an­rich­tet: "Ich habe ab zu geben", "zu ver schenken", "für selbst ab Holer" usw.

Ich selbst habe einige Pflanzen, darunter meine Ba­de­zim­mer­pal­me, und einen Schreibtischstuhl über free­cycle geschenkt bekommen. Es war wirklich wie auf dem Dorf: Die Sachen haben Menschen aus meiner Nachbarschaft nicht mehr gebraucht.

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Illustrationen: freecycle, C.E.

Donnerstag, 18. August 2011

Anleger

Weiter mit der kleinen Wirtschaftsreihe auf dem Dolmetscherweblog. Als Französischdolmetscherin erlebe ich in Berlin die unterschiedlichsten Kunden. Über diesen kaum bekannten Beruf, die typischen Probleme und die Grundlagen unseres Arbeitsalltags berichte ich hier, wobei ich die Identität meiner Kunden selbstredend schütze.

Geldzählmaschine in Aktion
Es war wieder mal so ein Freitagmorgen, den ich mit nichts als langweiliger Ablage zubringen sollte, da klingelte um elf das Telefon: Ein Notar war am Apparat, er hätte einen belgischen Kunden, der in Berlin eine Wohnung kaufen und dazu noch am selben Tag einen Vertrag unterschreiben wollte.

Ich wehrte ab, denn ich bin nicht sonderlich firm in diesem Vokabular, dass ich schon auf Deutsch nicht richtig verstehe. Kein Problem, meinte da der Notar, es sei alles von fachkundiger Hand bereits übersetzt, die Kunden seien über die Details des Vertrags auf dem Laufenden. Indes, das Gesetz erfordere die Anwesenheit eines Dolmetschers, und den Satz "bitte hier unterschreiben" würde ich ja wohl noch übertragen können.

Mich erinnerte die Begebenheit stark an einen ähnlichen Moment, wo sich die Betreffenden aber eine "Übersetzung" durch eine kostenlose "Übersetzungs"software aus dem Internet beschafft hatten und so rein gar nichts verstanden. Ich zögerte. Dem Bitten und Betteln des Notars, der ein entfernter Bekannter von Bekannten ist, habe ich schließlich nachgegeben.

Zu meiner Erleichterung erwies sich die Situation als richtig beschrieben. Nach einer Vorstellungsrunde in der Kanzlei und vor Vertragsunterzeichnung ging's noch rasch zur Bank, Geld für eine Anzahlung abheben. In der Wartezeit schaute ich mir den Vertrag genauer an. Mir stockte der Atem. Die Wohnung, um die es ging, lag nicht nur fünf Straßen von meiner Wohnung entfernt, einer Gegend mit (noch) moderaten Mieten und Kaufpreisen, die aufgerufene Summe las sich aber wie Kurfürstendamm oder Dahlem. Ich war schockiert.

Wie sollte ich mich verhalten? Den Kunden sagen, dass man gerade im Begriff war, sie übers Ohr zu hauen? Oder dem Notar mal eben kurz und sachlich den Kopf zurechtrücken und den Termin platzen lassen?

Vor Ort konnte ich nichts sagen, denn der Immobilienverkäufer war mit bei der Bank, und sein Französisch war dank vieler Urlaube, wie er munter erzählte, durchaus besseres Schulfranzösisch. Die Wohnungskäufer, die mir für meinen Job ein gutes Honorar zahlen sollten, schienen beglückt, ein solches "Schnäppchen" gemacht zu haben. Sie verglichen stets die Immobilienpreise von Brüssel und Paris mit denen von Berlin. Das Elternpaar nebst Sohn waren mir als Menschen auf den ersten Blick sympathisch ... und nachdenklich sah ich sie mir genauer an.

Sie trugen edle Markenkleidung und ostentativ zur Schau getragene, teure Uhren und Schmuck; dann kam das Gespräch auf eine der mehreren Wohnungen, die man in Paris verkauft habe, um dem Sohn hier in Berlin eine eigene Wohnmöglichkeit offerieren zu können: Dort seien, so der Vater der Familie, in letzter Zeit so viele Schwarze hingezogen, dass man sich ja im eigenen Land fremd fühle (Madame war Französin). Und wie viele Kinder die hätten! Und wie das immer rieche! Und dann diese komische Sprache! Nein, das sei keine gute Rasse, Neger halt, und ...

Hier breche ich lieber ab. Meine Entscheidung war gefällt. Ich habe nichts gesagt und wie die anderen munter mein Geschäft gemacht.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 17. August 2011

« Dans le cochon ...

Bon­jour & hel­lo! Herz­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in und Über­set­ze­rin, ar­bei­te schrift­lich mit Deut­sch als Ziel­spra­che (Text), münd­lich meis­tens ins Fran­zö­si­sche, oft auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che.

... tout est bon ! »

Am Schwein ist alles gut, lautet ein franzö­sisches Sprich­wort. Dem kann ich als ein­ge­fleisch­ter Ve­ge­tarier natür­lich nicht wi­der­spre­chen.

Wenn bei mir zu Hau­se anders­artige Ferkel­chen vorstel­lig werden, weise ich ihnen sofort den Weg ins Bad. Dort wartet derzeit ein Artg­enosse auf sie. Hinter­grund: Ferien auf dem franzö­sischen Bauern­hof mit dem weltbesten Pa­ten­sohn, der in sei­ner Paten­tante auch eine hin­ge­bungs­volle Fran­zö­sisch­leh­rerin hat. Und so pappt über dem aus den Fer­ien mitge­brachten franzö­sis­chen Klopapier (wir waren Selbst­ver­sor­ger), das aus­nahmsweise schwein­chen­rosa ge­hal­ten ist, ein eben­falls rosa­far­be­nes, rüss­li­ges und korken­zie­her­be­schwanz­tes We­sen und bringt je­nen, die an diesem Ört­chen Zeit ver­brin­gen, Wor­te bei.

Das als wei­te­rer Tipp für Ler­nende. Das Tier­dos­sier, aus dem das Bild stammt, es ist eigentlich für fran­zö­sische Vor­schü­ler ge­dacht, fand ich im Netz, und zwar hier: klick.

Und zum Weiter­lernen gibt's gleich noch einen Film. Achtung, Juliette singt sehr schnell, Lied­text zum Mit­le­sendort.



Mit klei­nen Schwein­chen hat man so seine Wirt­schaft, auch das war ein Beitrag zur Reihe dieser Woche ...

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Fotos: C.E. (Sorry für die schlech­te Bild­qua­li­tät,
im Urlaub musste die Knipse dran glau­ben.)

Dienstag, 16. August 2011

Stundensätze

Willkommen auf dem Blog einer Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache mit Wohnort Berlin! Hier schreibe ich über meinen Berufsalltag, heute geht es weiter mit dem Thema "Wirtschaft".

Eine Dolmetscherstunde kostet im Ver­kauf um die 120 Euro. Oft werde ich gefragt, ob es nicht günstiger sein kann, und ja, es kann. Je nach wir­tschaft­li­chen Mög­lich­keiten oder so­zia­len Ge­ge­ben­hei­ten berechne ich (deutlich) we­ni­ger, auch Berliner Gerichte zahlen nicht so viel. Ähnlich verfahre ich mit span­nenden Dreh­buch­über­setzungen junger (unter­fi­nan­zier­ter) Pro­du­ze­nten ...

Diese differenzierte Preisgestaltung kann ich mir nur deshalb leisten, weil ich auch volle Preise zahlende Kunden habe, denen ein halbstündiger Einsatz 800 Euro wert ist, dem allerdings konkret ein halber Tag Vorbereitung bzw. meine mehrjährige Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema vorausgegangen sind. Diese Kunden zah­len so viel, weil sie wis­sen, dass jahrelange Berufsroutine dahintersteckt. Für sie zählt bei einem kurzen, wichtigen Einsatz einzig und allein die Qualität des Ge­leiste­ten. Und ihnen ist bewusst, dass ich für nämlichen Tag zumeist keinen zweiten Auftrag mehr an­neh­men kann, dass der Tag also "weg" ist, selbst wenn ich netto nur eine Stunde gedolmetscht habe.

Bei uns Übersetzern und Dolmetschern hängen die Preise also immer mit echter Arbeit und auch mit Einschätzung der Vermögensverhältnisse unserer Kunden zu­sam­men. Das Wort Einschätzung kommt von "Schätzung". Im persönlichen Umgang bringe ich allen Kunden die gleiche Wertschätzung entgegen, ganz gleich, wie hoch oder niedrig die Honorarforderung am Ende sein wird.

Warum der Preis der Dolmetscherstunde dennoch so hoch sein muss, lässt sich leicht erklären. Ähnlich wie Anwälte haben Dolmetscher und Übersetzer lange Ausbildungszeiten, also Phasen, in denen sie nichts oder wenig (in anderen Be­rufen) verdienen. Und die Qualität der Einsätze, ob gut oder schlecht bezahlt, steht und fällt mit der Vorbereitung. Auf eine Dolmetscherstunde kommen eine bis acht Stunden, in denen ich mich auf dem Laufenden halte, Hintergründe re­cher­chie­re und lerne, konkret für einen Termin übe, Rechnungen schreibe oder das Büro verwalte. Das relativiert den Preis der Einzelstunde.

Und so bilde ich mich jeden lieben Tag, den sich die Erde um die Sonne dreht, wei­ter. Ich lese Hintergründe, Aktuelles und Belletristik. Ich höre französisches Radio und sehe französischsprachige Filme, Theaterstücke und besuche auch Dis­kus­sions­run­den und Lesungen, die mit meinen Sprachen zu tun haben. Ich treffe mich mit Freunden, die verschiedenste Idiome sprechen, und bin da seit jeher mit No­tiz­buch in der Hand bekannt.

Kurz: Die Mehrzahl meiner Arbeitsstunden ist unbezahlt, und die Arbeit lässt sich oft nicht mehr vom Privatleben trennen. Nur manchmal ist es eindeutig. Seit vier Tagen (Wochenende inklusive) lese ich zum Beispiel jeweils zwei bis drei Stunden zu Wirtschafts- und Börsenthemen, und zwar Print- und Onlinepublikationen, drucke aus, streiche an, ergänze. Dann habe ich eine Vokabelliste angelegt, einige schwere Fälle auf Karteikarten übertragen. So, weiter im Text: Leerverkäufe, Euro-Bonds, Kreditausfallversicherung ...

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Foto: C.E. (Archiv)

Montag, 15. August 2011

Herz mit Schnauze

Der größte wirtschaftliche Sektor Berlins ist der Tourismus. Wie wird dieser beworben?

Einer der Slogans der Berlin Tourismus Marketing
Mit dem direkten Humor der Berliner versucht die Stadt Berlin ihre Gäste für sich einzunehmen, das beschreibt jedenfalls Pascal Thibaut, Deutschland-Korrespondent des französischen Auslandssenders RFI (Radio France Internationale), heute auf seinem Blog "L'Allemagne hors les murs" (etwa: Das Deutschland jenseits der Mauern). Nachstehend eine rasch gefertigte Übersetzung (die mehr eine Übertragung ist.)


"Selbst das offizielle Tourismusmarketing der Stadt (BTM) greift bei seinen Werbecampagnen mitunter auf den wenig diplomatischen, furztrockenen Humor seiner Einwohner zurück. Das Sensationsblatt "Bildzeitung" widmet dem Thema heute eine ganze Seite und belegt dies mit aussagekräftigen Beispielen.

Der Berliner Ton ist manchmal rau. Vor allem für Neuberliner aus anderen Regionen ist das stark gewöhnungsbedürftig, wenn sie zum Beispiel aus Gegenden wie Bayern, dem Rheinland oder Frankreich kommen, in denen die Umgangsformen "eleganter" sind.

Auch mit dem schlechten Wetter warb die BTM
am Wochenende. Wenn das keinen Humor beweist ...
Über den starken Berliner Akzent hinaus, in den man sich erst einfühlen muss und der ein wenig an das Französisch erinnert, das einst in den einfacheren Pariser Kreisen gesprochen wurde (le titi parisien), erweist sich die Ansprache der Berliner als überaus direkt: Ohne Umschweife wird vermittelt, was der Betreffende auf dem Herzen hat, und das sogar dann, wenn er hinter einem Tresen arbeitet und als Servicekraft eigentlich seiner "teuren" Kundschaft zu Diensten sein sollte. Neuberliner nehmen dies oft persönlich. Auf der anderen Seite hat dieser Ton den Vorzug, ehrlich und ohne Umschweife aufs Wesentliche zu sprechen zu kommen und einem zuckersüße und oft scheinheilige Volten zu ersparen, wie sie in anderen Gegenden üblich sind.

Die "Bildzeitung" hat diesen Montag ein kleines "best of" veröffentlicht, das ob seiner Güte direkt in Currywürsten aufgewogen gehört! Auszüge.

- In einem Taxi verweigert die Kreditkarte ihren Dienst. Darauf der Fahrer: "Wer nicht mal zehn Euro in der Tasche hat, sollte zu Fuß gehen."
- Beim Bäcker fragt eine Kundin: "Kann ich hier auch eine Zeitung bekommen?" Die Verkäuferin antwortet: "Wenn ich die Tür schließe und den Laden flute, dann könnten Sie hier sogar baden gehen."
- Im Restaurant fragt ein Kunde, warum ihm ein bestimmter Käse serviert wird. Antwort des Kellners: "Weil ich ihn loswerden muss."
- In einer Schlange vor dem Postschalter fängt ein ungeduldiger Kunde an zu mosern. Darauf der erste der Wartenden: "Wenn Du nicht sofort die Klappe hältst, eröffne ich ein Sparbuch."
- Ein Tourist, dem die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin fremd sind, zeigt dem Fahrer beim Einsteigen seine Fahrkarte (anstatt diese zu entwerten). Darauf der Fahrer: "Wollen Sie, dass ich reinbeiße?"


P.S.: Die Beispiele sind aus dem Französischen zurückübersetzt, den Originalartikel fand ich nicht.
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Illustrationen: BTM

Zusammen oder getrennt?

Hallo, Sie haben den Blog einer Berliner Sprachmittlerin für die französische Sprache aufgerufen. Hier denke ich über unsere Arbeit nach, über Chancen und Probleme der interkulturellen Kommunikation, über Dolmetschtechnik, von Übersetzern gebrauchte Textsoftware oder aber über unsere Arbeitsmittel, die Sprachen, und wie sie sich verändern. Dabei nehme ich gerne auch mal etwas richtig wörtlich. Diese Woche schreibe ich ganz aktuell zum Thema "Wirtschaft".

In französischen Kneipen wird immer zusammen gezahlt. Deutsche Reisegruppen, die aus Einzelpersonen oder Kleinfamilien bestehen, irritiert das immer. Auch deutsche Ober kennen das Zusammenzahlen, daher die Frage: "Zusammen oder getrennt?"

Die in Berlin lebende französische Chansonsängerin Corinne Douarre hat daraus ein Chanson fabriziert, das weit über die Kellnerfrage hinausgeht. Außerdem funktionieren die einzelnen Strophen vor dem Refrain ungefähr so, wie ein Dolmetscherhirn auch: Die Ausdrücke kommen meistens zusammen.

Hier ein Höreindruck:


(Weitere Songs von Corinne Douarre bei Myspace Musik)

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Foto: C.E.

Sonntag, 14. August 2011

Fundsache

Es gibt Werbung, die verfängt nicht. Und Nachhilfe tut mitunter not. Das als tagesaktuelles Bild, denn morgen fängt in Berlin die Schule wieder an. Ein gutes Schuljahr allen Beteiligten!


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Foto: C. Elias (gesehen in Berlin)

Samstag, 13. August 2011

13. August

Hier bloggt eine Über­set­zerin und Dol­met­scher­in. Als Kind schon habe ich be­gon­nen, bei Spra­che ge­nau hin­zu­hö­ren. Wie das kam, erzähle ich jetzt.

Heute ein besonderer Link. Als Westkind mit Ostwurzeln war ich immer überall falsch, nur in Frankreich fühlte ich mich richtig. Was sicher auch am Maueralbum von Daniel Balavoine lag, das meine Freundin Annette K. besaß und das wir mir überspielten. Hier fand der Schmerz, den ich als Nachgeborene über das geteilte Deutschland empfand, seinen lyrischen Ausdruck. Mit ihm war ich in meiner Ge­ne­ra­tion nahezu allein, wurde sogar verlacht oder bekam Applaus von der falschen Sei­te. Als ich dann nach dem Abi in Frankreich ankam, wollte ich, außer mit der Familie, kein Deutsch mehr sprechen.

Hier zur Musik von Balavoine. Die Geschichte von Simon und Gunther, zweier Brü­der, ist die Geschichte meines Onkels und meines Vaters, die Teilung einer Fa­mi­lie war auch meine. Ich selbst bin einer der wenigen echten Wossi.



Kurz, bevor die Mauer aufging, fotografierte ich sie noch. Ich hatte mich Sep­tem­ber 1989 mit meinem Vater, der in Westdeutschland wohnte, zum Spa­zier­gang ver­ab­redet, musste aber nochmal schnell zum Sender Freies Berlin, etwas ein­spre­chen. (Ich war damals als Studentin dabei, nach einem Praktikum Jour­na­lis­tin zu werden.) Die Verabredung war denkbar einfach: Immer an der Wand lang. Er star­tete am Mariannenplatz, ich ging ihm ab Checkpoint Charly entgegen. Wir tra­fen uns sehr bald und er erzählte mir vom 13. August 1961. Diesen Tag hatte er in Berlin verbracht, er im Westen, sein Bruder im Osten.


Wir wussten nicht, dass es die letzte Gelegenheit sein sollte, vor Ort diese Er­in­ne­run­gen auszutauschen. Wenige Wochen nach unserem Spaziergang vom September 1989 bin ich wieder aus Paris nach Berlin gereist, kurz vor einem ganz anderen Er­eig­nis.

Und hier noch ein beeindruckendes Zeugnis eines anderen Mauerkindes. Silke Stuck wuchs buchstäblich im Schatten der Mauer auf und verstand das Drama erst später.

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Foto: C.E.

Freitag, 12. August 2011

Vokabelveränderung

Willkommen beim Arbeitstagebuch einer Sprachmittlerin für die französische Sprache! Was Französischdolmetscher und -übersetzer nicht nur in Berlin umtreibt, wie wir leben und arbeiten, können Sie hier verfolgen. Regelmäßig denke ich auch über unser Arbeitsmaterial nach, die sich verändernden Sprachen.

Die Abkürzung des französischen Worts association für "Verein" hat sich innerhalb von nur zwanzig Jahren verändert. Das durfte ich neulich bei einer Tagung feststellen.

Vor zwanzig Jahren war der Verein noch l'assos (oder l'assoc) mit einem offenen o [ɔ]. Heute ist es l'asso, wie ein sehr gemütlich, deutsch ausgesprochenes und auf beiden Vokalen betontes "Lasso" mit geschlossenem o [o].

Noch ein Unterschied: Früher hörte man das "s" deutlich, heute gar nicht mehr. Arnaud von Peuple & Culture Paris meinte, die alte Sprechweise würde ihn zu sehr an "à sauce" erinnern, wobei er für diesen Eindruck das ausgesprochene "s" der alten Sprechweise mit dem geschlossenen "o" der neuen Sprechweise verbindet.

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Foto: C.E. (das Haus der Vereine in Marseille