Sonntag, 7. Februar 2016

20-er Jahre-Mund

Ob absichtlich oder geplant, Sie lesen auf den Blogseiten einer Dolmetscherin und Übersetzerin, die in Paris, Berlin und überall dort arbeitet, wo Sie meine Dienste brauchen. Sonntags werde ich hier privat.

Das heutige Sonntagsfoto, mein Foto der Woche, kann ich leider nur erzählen. Ich kam am späteren Abend von einem Event nach Hause und saß einer entzückenden jungen Dame gegenüber, Typ Erstsemesterstudentin, mit dem allersen­sa­tio­nells­ten Schau­fens­ter­pup­pen­mund wie aus den 1920-er Jahren: Der Amorbogen in perfekter Herz­form, die Un­ter­lip­pe in der Mitte voller, leicht schmollmundig, und die Mund­win­kel bildeten kleine Grübchen. Ich schaute fasziniert auf die jungen Dame, die nicht nur mich keines Blickes würdigte, sondern auch den mitreisenden bal­zen­den Jungmännern die kalte Schulter zeigte.

Ihr Blick war einzig und alleine auf den mitgeführten Taschenterrorist alias Mo­bil­te­le­fon gerichtet. Ab und zu ver­moch­te es die kalte Technik (oder der Mensch da­hin­ter), ihr ein entzückendes Lächeln zu entreißen.
Oder las sie vielleicht gerade das Wi­ki­pe­dia­por­trait von Clara Bow?

In mir wuchsen plötzlich Muttergefühle für das hinreißende Geschöpf, das ich gerne fotografiert und interviewt hätte im Stil des Blogs "Humans of New York". Doch sie, die direktemang einem Stumm­film entsprungen schien, blickte nur auf ihren Miniaturmonitor.

Ich dachte weiter über die Münder von vor 90 Jahren nach. Oft habe ich mich ge­fragt, was die Physiognomie der Menschen innerhalb weniger Generationen so ver­än­dern kann, dass derlei in Natura heute selten geworden ist. Gut, aufgrund der koh­le­hy­dra­trei­chen Ernährung werden wir immer größer, das habe ich im Grund­stu­dium an meiner Uni in Paris jeden Tag aufs Neue erleiden dürfen, wo ich nicht alleine meine liebe Mühe hat­te, die langen Beine zwischen den Reihen der Ende des 19. Jahr­hun­derts fest­ge­schraub­ten, ge­­schnitz­­ten Holz­­bän­ke diverser Amphi­théâ­tres unterzukriegen. (Es war meine zweite Kindheit, der Alma mater habe ich ständig angestoßene Knie verdankt.)

Was ist der evolutionäre Vorsprung, damit sich ein Mund verändert, Herr Darwin? Ja, ich weißt: Die Wirkung eines Mundes hängt stark davon ab, wie er geschminkt wird. Das Schminken ist zeittypisch, die Auswahl des Modells auch, Stars werden zu allen Zeiten Menschen, die dem jeweiligen Schönheitsideal entsprechen.

Ich kam übrigens von einer Mottoparty zurück, Thema waren die Roaring Twenties. Dass diese Epoche gerade schwer in Mode ist, liegt am Abbau der Sozialsysteme, dem Bedeutungszuwachs von Ideologien, dem Einflussgewinn von Propagandisten. Ich mag diesen Sozialdarwinismus nicht und erschrecke regelmäßig, wenn ich un­se­re Epoche näher betrachte.

Wir müssen alle wach sein und uns einmischen. Meine Lieblingssendung im Hörfunk die­ses Landes ist das Läuten der Freiheitglocke, jeden Sonntag, kurz vor zwölf Uhr, und das seit 1950. Dazu ist folgender Text zu hören: "Ich glaube an die Un­an­tast­bar­keit und an die Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Ich verspreche, jedem Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo auch immer sie auftreten mögen." (Da ich für den rein säkularen Staat bin, finde ich, dass die Worte "von Gott" gestrichen werden sollten.)

Das hübsche Kind hat übrigens nicht mehr von seinem Smartphone aufgeschaut. Ich habe mich nicht getraut, es anzusprechen. Ich war feige, ich hatte noch einen dicken Kopf vom Übersetzen. Das ist keine Entschuldigung, sondern eine Erklärung.

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Foto: Aus dem Film "Maytime" (1923),
The New Zealand Film Archive

Freitag, 5. Februar 2016

Mimikry

Sie lesen im ersten Blog Deutsch­lands aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Wenn ich nicht in Paris, Berlin oder sonstwo meine Stim­me verleihe, sitze ich am Übersetzerschreibtisch, bereite mich vor oder bereite die Themen nach und halte nicht nur meine Sprachkenntnisse up to date, sondern verbessere sie.

Woman's Hour / BBC4
My favourite radio (besides France Culture)
An auftragsfreien Tagen ist es ganz normal, dass zur Mittags­stunde meine spontanen sprachlichen Reaktionen auf Englisch da­her­kom­men ... Das hatte ich eben erst am Te­le­fon: Es ist Tag zwei nach einem drei­tä­gi­gen Mega-Arbeit­seinsatz und ich mache ty­pisch englische Fehler! Peinlich! Vor allem dann, wenn der Anrufende vorschlägt, die Sprache zu wechseln.

Ich täusche kurz ein wenig british english an, außerhalb des Tandem-Lernens (ein bis zwei Termine in der Woche) ist meine Leh­re­rin die gute alte BBC, wie ich schon ein Großteil meiner Kenntnisse Radio France Culture verdanke, erkläre mich, dann geht es auf Fran­zösisch weiter.

Ich bin ein Lernfreak. Alle Babies und Kinder sind Lernfreaks. Bei den meisten geht das dann in der Schule verloren. Das ist auch mir in einigen Fächern passiert. Dass wir unsere Schulen dringend moderni­sieren müssen, ist eine Binse. Lernen geht über mensch­liche Beziehungen, persönliches An­ge­sprochensein, weshalb ich dem Computer als Lehrer allein nicht so viel zutraue. Die aktuelle Debatte geht stel­len­wei­se in eine komische Richtung.

Ist erstmal eine emotionale Beziehung vorhanden, kann Technik na­tür­lich als ein weiteres Me­dium genutzt werden. Denn so ein Rechner (oder Radio) ist an sich ge­nau­so dumm oder klug wie ein Buch im Regal. Es kommt eben ganz auf die Ver­mitt­lung und die Ver­wen­dung an. That's it ... (and it's so fuckin' easy. Sendung-mit-der-Maus-Stimme: "Das war US-Englisch").
 
Für mich ist Hörfunk seit Kindertagen etwas, das mich persönlich anspricht. BBC4 sendet täglich ten o'clock UK time eine exzellente Frauensendung, Woman's hour, sowas fehlt im deutschen Hörfunk! Zumal es sich anfühlt wie gutes, altes Dampf­ra­dio, es gibt manchmal sogar Livemusik, heute war die großartige Bonnie Raitt zu hören!

Ich finde in den Sen­dun­gen immer wieder Dinge, an die ich anknüpfen kann. Heute wurde eine Schau­spielerin gefragt, wie sie ihren Beruf gelernt habe. Ihre Antwort war, dass sie als Kind ein Fan von impersonation gewesen sei, von mimikry ... Das letzte Wort kenne ich natürlich, das erste landet reingebleistiftet im Wörterbuch und wird nachher nochmal geprüft.

In mir läuten alle Glocken: Ja, genau, super Lern­methode! Als Kind habe ich immer die Lektionen der Sprachbücher nachgespielt. Ich hatte die Ton­cassetten zum Buch bestellt, mit­ge­sprochen, Intonation geübt, am Ende mit der besten Freundin im­pro­vi­siert und die Texte in allen Tonlagen ausprobiert. Das waren sehr lustige Momente.

Leider waren nicht alle Texte dazu geeignet. (Liebe Schul­buch­autoren: Bietet bitte viele spielbare Texte an in Euren Büchern, am besten noch mit viel Humor.) In der Schule hatten wir einen Technikraum mit hellen Lampen und einer Video­kamera. Wir haben dort Kishon-Texte inszeniert, gerne auch auf Englisch. Ich glau­be, so sind wir darauf gekommen. (Noch heute kann ich ganze Lehr­buch­seiten aus­wen­dig, und manche waren dermaßen blöde, dass es schon wieder gut war.)

Dabei haben wir geübt: Hör­ver­mögen, Imitieren, Selbst­kontrolle und -korrektur, Wage­mut (sich trauen ist beim Sprachenlernen die halbe Miete), Selbstironie (auch wichtig in dem Zusam­men­hang), grund­legende Lerntricks (Ver­bin­dung von Sprache mit Emotionen, Mimik, Gestik und Be­we­gung im Raum).

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Illustration: BBC4

Dienstag, 2. Februar 2016

je — ich

Hallo! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmescherin über den Beruf und wie er den Alltag verändert.

Jetzt lerne ich seit meinem 8. Lebensjahr Französisch, seit meinem 12. Lebensjahr auch die Schriftsprache.

Und erst heute merke ich, dass das Wort je, das ist das französische "Ich", auch im Deutschen vorkommt, allerdings mit einer ganz anderen Bedeutung.

Der Satz "Niemand hat sie je wiedergesehen" sieht für mich erstmal völlig falsch geschrieben aus, das vermeintlich französische je stört im deutschen Satzkontext.

Aber er ist richtig.

Das Wort je für "ich" ist auch beim Dolmetschen tricky. Ich wiederhole immer in der 1. Person Singular, was jemand in der 1. Person Singular gesagt hat. Beim Dol­met­schen einer Geflüchteten aus Syrien wird es dann: "Ich bin aus Syrien geflohen. Ich bin im Schlauchboot übers Mittelmeer gekommen, zusammen mit 56 anderen Menschen. Die Männer haben am Rand einen Ring gebildet, wir Frauen und Kinder haben innen gesessen."

Das geht alles durch mich hindurch. Nicht immer einfach. Abstand zu den Themen meiner Arbeit zu finden ist ein großes Thema.

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Foto: wird (vielleicht) nachgereicht

Montag, 1. Februar 2016

Januar, Berlinale, März, April ...

Bon­jour, hello und gu­ten Tag! Sie le­sen ei­ne Sei­te mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Als Dolmetscherin und Übersetzerin (Schwerpunkt: Französisch) notiere ich hier Momente meines Alltags.

"Denkerei"
Denkerei in Kreuzberg
Der Januar mit sei­nen Neu­jahrs­em­pfän­gen ist vorbei. Ich war auf fünf oder sechs! Musste dringend mal wieder Marketing machen, denn in den Jahren, in denen ich mich hauptsächlich in Dol­met­scher­ka­bi­nen rum­ge­trie­ben habe, auch auf der Ber­li­na­le, war ich weniger sicht­bar, er­go ka­men da­rü­ber auch kei­ne An­schluss­auf­trä­ge mehr rein.

Denn leider wartet niemand am unteren Ende der Treppe und fragt sich nach der ihm unbekannten Dol­met­scher­in durch; wenn ich aber auf der Berlinalebühne mei­ne Performance abgelegt habe und anschließend noch mit Regisseurin und Pro­du­zent einen Wein trinken war, kam doch öfter mal ein Nachfolgeprojekt ... à propos Sprache, übersetzen Sie auch Drehbücher?

Jetzt Akkordübersetzen im Berlinale-Vorfeld. Beim Wort "Akkord" spüre ich vor al­lem den Zeitdruck, der auf Französisch nicht so stark mitschwingt. Da heißt Ak­kord­ar­beit travail à la pièce — Bezahlung nach Stückzahl (und nicht nach Zeit) oder travail à la chaîne — Fließbandarbeit, der Transportmechanismus steht im Vor­der­grund.

Dann nehme ich lieber einen anderen Begriff aus einem anderen Arbeitsbereich, traductrice urgentiste, der/die urgentiste ist der Notarzt/die Notärztin und das DRINGEND streckt ja mit drin.

Flash back zum Empfang. Meinte da neulich einer:
Mon verre est plein, je le vide. 
Mon verre est vide, je le plains.

Plein und plains (von plaindre) klingen gleich, und zwar so: [plɛ̃].

Mein Glas ist voll, ich leere es.
|Mein Glas ist leer, ich beklage sein Schicksal|.
EDIT: Mein Glas ist leer, ich beklage dies. [Siehe unter "Kommentare".]

Schönes, unübersetzbares Wortspiel. Im Falle von Untertiteln müsste man wohl komplett umdichten, aber irgendwie im Bereich alkoholischer Getränke und ge­sell­schaft­li­cher Anlässe bleiben. Ob Bazon Brock jetzt der Schlenker zu be­wusst­seins­ver­än­dern­den Substanzen gefällt? Wer diese letzte Frage nicht versteht, folge dem ergänzten Bildlink unten.

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Foto: C.E., Motiv: Denkerei

Donnerstag, 28. Januar 2016

Jack in the Box

Hallo! Hier bloggt eine Über­set­zer­in und Dol­met­scher­in aus Pa­ris, Ber­lin, Lyon oder Köln ... oder von dort, wo Sie mich brau­chen.

Notenblatt
Der Veranstaltungsleiter bittet: "Lassen Sie am Ende bitte die Über­set­zer auf den Tischen liegen!"
1. Konferenzteilnehmer (KT): "Wie bitte?"
2. KT: "Er meint die Kästchen!"
1. KT: "Wie, ist da jemand drin?"
3. KT: "Yes, Jack in the Box!"

So eine Episode ist natürlich vom Feinsten für einen Dolmetscherblog. Jack in the Box ist die kleine Figur, die einem beim Öffnen eines Schächtelchens ent­ge­gen­kommt, ein Springteufel oder auch Schachtelteufel genannt.

Dieser Blogbeitrag hat einen Sound. Diesen verdanken wir Eric Satie.


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Illustration: YouTube / Eric Satie

Dienstag, 26. Januar 2016

Komische Gegenstände

Diese Woche bekam ich wohl die letzte Neujahrspost von einem Kunden. Beigelegt war ein analoger Gimmick, ein versilbertes Lesezeichen, über das ich mich freue und das ich lieber "eine kleine Aufmerksamkeit" nenne. Der Absender nannte es ein gadget.

Flache Eiffelturmminiatur
Deutlich kleiner als ein Flaschenöffner
Gimmicks sind kostenlose Dreingaben, klei­ne Geschenke und so manches Dings­bums, das fast schon ein Scherzartikel ist. Das Wort stammt aus dem Englischen. Die Franzosen haben für solche Objekte ein anderes englisches Wort im Gebrauch, le gadget. Das englische Wort bezeichnet ein Gerät, eine technische Spielerei oder ei­nen Schnickschnack. Sowas ist handlich und wird gerne verschenkt.

In Frankreich ist ein gadget nicht zwangs­wei­se ein ausgereiftes Produkt, es kann mit einem Scherzartikel verwandt sein. Ich habe das Gefühl, dass auf Englisch der Wert des Objekts etwas stärker wahr­ge­nom­men wird; so kann ein Smartphone durchaus the gadget genannt werden.

Mein Kunde ist übrigens Amerikaner und Franzose zugleich. In der Kreuzberger Oh­lau­er Straße habe ich für sowas mal das schöne Wort Pinökel gelernt, so hieß dort mal ein Laden für Gimmicks, Gadgets oder eben Pinökels. Der Begriff stammt aus Ostwestfalen und Norddeutschland, Pinökels dürfen gerne klein und ansteckbar oder nadelähnlich sein, das Wort the pin steckt schon drin.

Wo ich gerade mal bei den komischen Benamsungen seltener Objekte bin: In mei­ner Familie tragen zerbrechliche unidentified non-flying objets (UNFOs), genauer: allerlei Glastuben, Porzellandingselchen und Reagenzgefäße, den unvergleichlich schönen Namen "Emilapparat". Das kommt von dem Vorfahren, der eigentlich die Chemiefaser hätte erfinden sollen, sich dann aber blöderweise im Ersten Weltkrieg totschießen ließ.

Im alten Familienhaus wird aus dem Chemielabor im Keller ab und zu so ein [Jo­ker­wort Ihres Wunsches einsetzen] an die Oberfläche bzw. die oberen Geschosse hochgespült. Und der Reichtum der Sippe, den ein gewisser nach einer heute ver­ges­sen­en Stoffart so apostrophierte Marquis Bombassin einstmals begründet hatte, wurde durch das Textile im 20. Jahrhundert nicht vergrößert. Aber das ist eine an­de­re Geschichte.

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Foto:

Sonntag, 24. Januar 2016

Eisdecke

Bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Sprachmittlerin, derzeit aus Berlin. Sonntags werde ich privat: Sonntagsfotos!
 
When I look out of the window this morning: Le canal est recouvert d'un bloc de glace qui me fait penser au verre opalin blanc de lait sablé légèrement verdâ­tre ... // Auf dem Kanal liegt eine Eisdecke, die mich an leicht grünliches, sand­ge­strahl­tes Milchglas erinnert ...

Mein Bemühen um Präzision in meinen Hauptarbeitssprachen bringt mich zum Grin­sen. Naja, die nächsten Termine mit Innenarchitekten bei Berliner Kunden wer­fen eben auch sprachlich ihre Schatten voraus.


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Foto: C.E.

Freitag, 22. Januar 2016

Geläufigkeit

Bon­jour und Hallo! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in. Nach an­stren­gen­den Sprach­ar­bei­ten ist es wich­tig, den Kopf zu lockern. Dabei muss ich nicht unbedingt etwas machen, was ich besonders gut kann, Hauptsache, andere Hirn­re­gio­nen werden angesprochen.

Farben, Stifte, Vokabelkartei und Skizzenblock
Die erste Seite meines Aquarellblocks
Vokabelnotiz heute: se faire la main — Fingerübungen machen.

Am Vokabellernschreibtisch breitet sich jetzt manchmal die Zeichen- und Aqua­rell­schü­ler­in aus, die ich auch bin, der winterlichen Licht­ver­hält­nis­se wegen.

Und dabei fiel mir eben auf, dass Fran­zo­sen "sich die Hand machen", während die Deutschen font des exercices des doigts.

Nach 25 Jahren Pinselabstinenz ist das mit dem Üben dringend nötig. Manches klappt ganz gut, anderes gar nicht.

Aber es macht Spaß! Dem Hirn gefällt's auch.
 
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Foto: C.E.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Fleischbeschau

Ob absichtlich oder geplant, Sie lesen auf den Blogseiten einer Dolmetscherin und Übersetzerin, die in Paris, Berlin und überall dort arbeitet, wo Sie meine Dienste brauchen. 

Tier, das in viele, viele, viele "Partien" unterteilt ist
Fleischlandkarte
Ich zeige mir auf den Po, wei­se auf die Schenkel, tippe meine Schulter an. Ort: Beim Metzger mit einem Über­setz­ungs­kun­den, der in Berlin einen Empfang aus­richten will.

Er möchte partout beim ur­ber­li­ner Metzger die ent­spre­chen­den Platten bestellen; Käse und Weine bringt das fran­zö­si­sche Fachgeschäft.

Für mich als eingefleischte Vegetarierin keine einfache Aufgabe. Denn die Fran­zo­sen haben für fast jedes Körperteil beim Viech einen eigenen Begriff, aber die Deutschen nicht. Also nutze ich meinen Spickzettel und den eigenen Körper als Projektionsfläche, denn der Meister will partout auf der anderen Seite seines Fleischereifachgeschäftsthresens verbleiben.

Am Ende bemüht er sich doch in unsere Richtung und wir uns in seine. Ohne den eingangs beschriebenen Slapstick wird die ganze Chose weniger makaber und et­was politisch korrekter.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 20. Januar 2016

Pariser Platz

Hallo! Hier bloggt eine Französischdolmetscherin aus Berlin, Paris und von unterwegs. Ich übersetze auch. Dieser Tage war ich viel am Pariser Platz. Heute: Rückblende ...
Pierre Cardin gibt Regieanweisungen
Am Brandenburger Tor
Frühlingsrabatz draußen vor dem Balkon, und drinnen bin ich geneigt zu sagen: "Mach' die Mücke, Mücke!" Kurze Erinnerung: Es ist Januar. 

Rückblende im Blog, der in wenigen Wochen neun Jahre alt wird. 2008 habe ich am Pariser Platz für Pietro Cardin gedolmetscht. Wer ist denn das? Hier der Bericht: Au revoir, Pierre!

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 19. Januar 2016

Verschlüsselte Netzbotschaft

Hallo und guten Tag auf den Sei­ten des ersten Blogs Deutsch­lands aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Wenn ich nicht in Paris, Berlin oder sonstwo meine Stim­me verleihe, sitze ich am Übersetzerschreibtisch. Heute durfte ich mich mal wie­der wundern.

Vokabeln zur Wiedervorlage
Heute versuche ich mich auf einer Seite, die ich beruflich nutze, aber nicht re­gel­mä­ßig, wieder anzumelden. Leider habe ich das Passwort vergessen, erbitte ein neues und lese: "Wenn es ein Konto mit caroline[at]adazylla.de Sie eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Pass­worts erhalten assoziiert."

Erst tut sich lange nichts.
Dann melde ich mich neu an.

Und erhalte die Nachricht: "Konto bekannt ist ist. Bitte zurücksetzen Sie Ihre Pass­wort."
Hm, hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Ich nutze eine andere Mailadresse. Und lese: "Konto eine Bestätigung erforderlich ist. Bitte überprüfen Sie Ihre E-Mail für den Bestätigungslink. Um die Be­stä­ti­gungs­mail erneut bitte klicken Sie hier."

Das klappt. Ich bekomme eine Willkommensmail und gelange auf die nächste Web­sei­ten­stufe: "Von Ihrem Konto Übersicht haben Sie die Möglichkeit, einen Schnapp­schuss von Ihrem letzten Kontobewegungen einsehen und aktualisieren Sie Ihre Kon­to­da­ten. Wählen Sie einen Link unten, um anzuzeigen oder zu bearbeiten In­for­ma­tio­nen."

Ähm, ja doch. Später muss ich an der Kasse vorbei. Es gibt verschiedene Optionen, darunter die da: "Klare Warenkorb".

Die Seite hat mit Film zu tun, nicht mit Übersetzung. Schlimm genug. Sie wird mitsamt den krude verschlüsselten Netzbotschaften von einer staatlichen Stelle betrieben. Initiativbewerbung läuft.

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Foto: C.E.

Sonntag, 17. Januar 2016

Enten und Schäfchen

Willkommen auf den Seiten des ersten deutschen Blogs aus dem Inneren der Dol­met­scher­ka­bine. In Berlin herrscht noch winterliche Ruhe ...

Berlin kann im Januar so schön sein! Enten, Schäfchen und ein Schwan ...

Blick auf den Urbanhafen
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Foto: C.E.

Freitag, 15. Januar 2016

Mehr Bewegung!

Bonjour und guten Tag! Interessieren Sie sich für Dolmetschen und Über­set­zen? Dann sind Sie hier auf meinen digitalen Tagebuchseiten richtig. Hier schreibe ich über meinen Alltag ... und über erlaubte Hilfsmittel. 

Das schnelle Stehpult
Wiederholt habe ich hier (und hier) schon über meine Arbeit am Stehpult geschrieben. Mir hilft ein alter Stehpultaufsatz dabei. Ich liebe Fle­xi­bi­li­tät im Büro.
Solche Möbel las­sen sich bei re­el­len und vir­tu­el­len Tröd­lern fin­den, auf Dach­bö­den und Flohmärkten.

Menschen mit großem Büro und viel Geld schwärmen von Tischen, die mo­tor­be­trie­ben zum Stehpult werden können. Aber was ist mit all jenen, für die jene Geräte zu unansehnlich oder zu teuer sind? Was ist mit dem Zweitbüro oder dem Som­mer­bü­ro, in das maximal mit dem Auto gefahren wird?

Für diese Menschen gibt es jetzt Oristand, einen Stehpultaufsatz aus Pappe. Er ist höchst funktional, braucht keine Schrauben, lässt sich mit einem Handgriff auf- und abbauen, ist mit 25 $ verglichen zu einem ausgewachsenen Pultaufsatz günstig (naja, recht teuer für nur ein Stück Pappe!) und lässt sich, wenn seine Tage viel­leicht doch mal gezählt sein sollten, problemlos ins Recycling geben.

Der Aufsatz ist vielleicht auch ein gutes Testobjekt für alle, die zur Probe stehen möchten. Bitte bedenken: Je nach Körpergröße ist möglicherweise noch etwas Schnippelarbeit nötig.
 

 

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Illustration:
Oristand from local1 on Vimeo

Donnerstag, 14. Januar 2016

Auf dem (Schreib-)Tisch XXV

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Marseille und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Schreibtisch, Vokabelkarten, Kalender, Eifelturm, &-Zeichen
Schreibtisch im Arbeitszimmer
Pause in der Küche
Jetzt hat es mich auch er­wischt. Jetzt re­cher­chiere auch ich über Köln, habe schon live gedolmetscht, mache Kon­tak­te, plane Me­dien­ar­beit mit Dol­met­scher­in vor Ort, wes­halb meine eigenen Texte, die dazu ent­stan­den sind, hier nicht gleich alle vollständig hoch­ge­laden werden konnten, es fehlt die Schluss­re­dak­tion. Er­werbs­ar­beit geht im­mer vor.

Dazu kommt die Ter­min­pla­nung für die nächste Zeit: Grüne Woche, Fruit Logistica, Berlinale. Kaum hat das Jahr an­ge­fangen, rast es auch schon wieder. Binse. Sonst be­schäf­ti­gen mich: Ober­flä­chen­be­hand­lung von edlen Holz­pa­nee­len (In­nen­ar­chi­tek­tur­kun­de) und Marketing im Ein­zel­han­del.

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Fotos: C.E.

Montag, 11. Januar 2016

Differentialdiagnose

Hier bloggt eine Spracharbeiterin. Ob in der Kabine oder am Schreibtisch, ich ler­ne, übersetze und spreche regelmäßig diverse Idiome. Das macht einen zur Wör­ter­samm­ler­in.

Wortschatzarbeit mit Licht
Das Wort "Dendrochronologie" ist einfach. Ich schät­ze diese Wissenschaft, seit ich Kind bin. Die Aussprache von [ˈeɪjaˌfjatlaˌjœːkʏtl̥] macht mir auch keine Mühe. Der isländische Eyjafjöll-Glet­scher, der über dem gleichnamigen Vulkan liegt, war Mitte April 2010 aktiv und brachte den Flug­ver­kehr über halb Europa zum Er­lie­gen. See­len­ruhig über meine Eyjafjallajokull-Nacht auf dem Flug­ha­fen zu be­richt­en, stellt bei Ein­la­dun­gen und Parties einen meiner Stan­dards dar (inklusive wie­der­hol­te Aus­spra­che des Vulkannamens).

Schön sind Freunde, die mich mit kleinen sprach­li­chen Aufmerksamkeiten grüßen. Ein deutscher Freund mit französischer Vergangenheit macht jetzt nach einer ersten Karriere "bei Films" doch noch sein Medizinstudium zuende.

Hier sein neuestes Schmankerl aus der Abteilung sprachliche Absurditäten in der Staats­examens­vor­be­rei­tung: Pseudohypoparathyreoidismus in der Dif­fe­ren­tial­dia­gno­se von Pseudopseudohypoparathyreoidismus.

Das muss dann auch ich üben.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Honig

Bien­ve­nue, guten Tag! Schön, dass Sie auf den Sei­ten meines Blogs ge­lan­det sind. Hier no­­tie­re ich nahezu täglich, wie der Sprach­be­ruf, ich bin Französischdol­met­scherin und -über­setzerin, Eng­lisch ist meine dritte Sprache, derzeit noch passiv. Dol­met­schen besteht zum Groß­teil aus Vor­be­rei­tung und Lernen. Das ver­än­dert die Sicht auf den All­tag.

Am Kottbusser Damm
Mittags zum Le­bens­mit­tel­la­den eilen, weil noch was fürs Essen fehlt und um später Brot selbst backen zu können (die Lieb­lings­bäcker machen Winter­pause). Dabei an einem Schild vorbeirennen, das Ess­ba­res anpreist. Obwohl es die passende Uhrzeit ist, das Wort nicht er­ken­nen. Und das Gehirn ist nicht auf Bilder, sondern auf Vokabeln pro­gram­miert.

To butter someone up heißt: Je­man­dem Honig ums Maul schmieren, das hatte ich gerade bei meinem Eng­lisch-Vor­mit­tag bestehend aus einer Stunde Selbststudium und zwei Stun­den Tandem.

Sich erst auf den zweiten Blick am zweiten "R" stören. Zweifel daran bekom­men, dass buttering das Nomen zum Verb sein könnte. (In der Tat handelt es sich um eine Vokabel aus dem Bereich der Technik. Buttering heißt "Puffern" oder "Auf­trag­schweißen".)

Erst auf den dritten Blick merken, dass es ein deut­sches Wort ist. Schließ­lich beim In-sich-Hineinhören über­rascht sein to find that the inner monologue is completely in English. 
 

Vokabelnotizen
brathering — ist auch keine englische Vokabel
le miel [mjɛl] — der Honig
la [mjɛl] — beliebte Waschmaschine (deutscher Hersteller)
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Foto: C.E.

Mittwoch, 6. Januar 2016

(aus)laufen

Ob zufällig oder absichtlich, Sie lesen auf den Seiten meines online geführten Arbeitstagebuchs. Ich dolmetsche und übersetze in Paris, Prag, Berlin, Tübingen und überall dort, wo Sie mich brauchen.

Lektorat einer Übersetzung, die von einem/einer Deutschen mit Wohnsitz im Aus­land verfasst zu sein scheint. Ist ein kurzer Text, ich werde nach Zeit entlohnt, denn pauschal nach Zeilenpreis geht das nicht, wenn die Qualität der Arbeit im Vorfeld nicht erkennbar ist.

Hafen im Gegenlicht
Am Hafen
Vor allem die idiomatischen Redewendungen sind hier ein Problem. Wenn die Franzosen mit einem Schiff irgendwo an­legen (oder vor Anker ge­hen), dann werfen sie den Anker, jeter l'ancre heißt die Grund­form. Wenn sie ab­le­gen, dann heben sie den Anker, lever l'ancre, oder sie laufen aus dem Hafen aus. Sie dürfen sich jetzt vorstellen, was in der Vorlage gestanden hat.

Schön auch dieser Satz: Ein Schiff liegt im Dock, und ... bientôt, le navire va quitter la rampe de lancement et mouiller dans les eaux de la méditerranéenne. Hier erst die "Übelsetzung", dann, was wirklich gemeint war: "Bald wird das Schiff die Rampe verlassen und das Mittelmeerwasser wird es nass ma­chen" vs. "Bald wird das Schiff vom Stapel laufen und im Mittelmeer vor Anker gehen". Das Wort mouiller für nass machen bezieht sich hier auf den Anker, der beim Anlegen nass wird.

Zur Erhöhung der Verwirrung folgt hier sogleich noch ein komisches Kan­ti­nen­ge­spräch zwischen redaktionellen Mitarbeitern von Sendern, letztes Jahr dort auf­ge­schnappt: "Und wann läufst Du aus?" Hier sind weder Schiff noch Hafen gemeint, sondern der Ab­lauf eines Zeitvertrags oder der "Prognose". ("Prognose" bezeichnet die Anzahl der Tage innerhalb eines festgelegten Zeitraums, die ein Sender freie Mitarbeiter be­schäf­ti­gen darf, ohne vom Gesetzgeber zu deren Festanstellung verpflichtet zu werden.)
 
Und hoppla, da versteht es der Erstübersetzer (oder die Erst­über­set­zerin) es so­gar, ein Wör­ter­buch zu be­nut­zen! Denn idio­ma­ti­sche Re­de­wen­dun­gen, des idio­ma­tis­mes, verleiten ohne Hilfsmittel gerne mal zu Idiotismen, siehe oben. Gefunden wurde: battre pavillon britannique — unter britischer Flagge segeln (wörtlich: das britische Vorstadthäuschen schlagen).

Es ist mühsam. Nein, ich werfe nicht so rasch das Handtuch, das auf Französisch ein Schwamm ist: jeter l'éponge ...? Kommt nicht infrage, il n'en est pas question.

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Foto: C.E. (Archiv)

Sinn(lichkeit)

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Eis auf dem Kanal, Schnee darauf und auf den Dächern, den Wegen und der Eiffelturmminiatur zwischen den Blumentöpfen aus Ton
When I look out of my window
Gestern Abend: Listening to BBC ... It's Twelfth Night ..., the eve of Epiphany, der Vorabend von Dreikönige, einem Fei­er­tag in Teilen Eu­ro­pas und den USA. Da­mit geht die tra­di­tion­el­le winterliche Ru­he­zeit, die wir mit Familie und Freun­den verbringen, zu En­de.
Ich kannte den Begriff nur als Originaltitel eines Shakespearestücks, das sich na­tür­lich auf diese Zeit bezieht, wir haben das Stück vor dem Abitur inszeniert, es ist "Was Ihr wollt" auf Deutsch, La nuit des rois auf Französisch.

Berlin ist wie leergefegt, die Autos fahren langsam, offenbar sind viele zum Ski­ur­laub weg.

Zwischendurch darf ich bei einem Projekt mal kurz was sortieren. Ich komme von der Grobstruktur zum Erkennbaren, dann erst zu den Fein­hei­ten. Ideen aufräumen mag ich sehr. Das Gegenüber wundert sich über mein Tempo und die Klarheit. Er hat mit Design zu tun. Ich finde Dolmetschen und Gestalten sehr verwandt: Es geht um den Blick aufs Wesentliche, die Details sind später dran.

In einem anderen Kontext ergänzt ein anderer Designer: "Erst geht es um den Sinn, dann um die Sinnlichkeit."

So mag ich die Arbeit. Und wenn ich nicht das Gefühl haben muss, dass ich nur in den berühmten zwölf Nächten so unverstellt sein darf, wie ich es im Kreise der Lieb­sten sein darf.

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Foto: C.E.

Montag, 4. Januar 2016

Ruhiger Anfang

Bon­jour, hel­lo und sa­lut ... auf den Sei­ten die­ses Blogs. Hier schreibt ei­ne Dol­met­scher­in und Über­setzerin über ihren Alltag. Das vermeintlich so mühelose Jong­lie­ren mit den Vokabeln ist Ergebnis regelmäßigen Arbeitens.

Computer und Vokabellisten
Vokabellernschreibtisch
Lesetag! Auch an Tagen wie diesem, an dem ich nur zwei Kostenvoranschläge zu schreiben hatte, arbeite ich. Ich pinsele einen Film­start-Kalender, überlege mir, wie sich die Ablage verbessern lässt, rahme ein Bild ein und ich lese Zeitungen in drei Sprachen, und zwar zu Kultur- und Wirt­schafts­the­men,  all­ge­mei­ner Politik und vor allem zum Nahen Osten. Alle hat­ten wir uns gewünscht, dass dieses neue Jahr etwas friedlicher losgehen würde.

Zwei Termine habe ich noch mit "meiner" Therapeutin und aus Syrien ge­flüch­te­ten Frauen, unsere ehrenamtliche Kri­sen­be­glei­tung, bevor die Doktorandin wieder nach England darf.

Sessel und Bücher
Leseecke
Dazu wiederhole ich Fachtermini zu den aktuellen politischen Themen. Wir Über­setzer und Dolmetscher sind jeden, jeden, aber wirklich auch jeden Tag mit unseren Sprachen befasst. Ich habe auch schon den Filmfachwortschatz am Wickel. Neu­lich wussten Lai­en­über­setzer bei öf­fent­li­chen Veranstaltungen einige Be­grif­fe nicht, mit denen ich jetzt los­le­ge. (Ich hatte sie immerhin souf­flie­ren dür­fen.)

Am Ende des Tages lese ich noch Bel­le­tris­tik und mache mir Gedanken zu einem Kon­gress über Film und Sprache.


Vokabelnotiz
repérage (m) — Motivsuche (die)
étalonnage (m) — Farbkorrektur (die)
ensemblier (m) — Ausstatter, Innenrequisiteur
prise (f) raccord — Insert (das)
équipe (f) de construction de décor — Baubühne (die)
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Fotos: C.E. (Archiv)

Freitag, 1. Januar 2016

Gutes Neues!

Hallo! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in. Fran­zö­sisch ist mei­ne akti­ve, Eng­lisch meine passive Sprache. Ich arbeite für Politik, Wirtschaft und Kultur, daneben werde ich oft im Sozialbereich tätig. Derzeit verbringe ich eine aktive Winterpause in Berlin — und bin bei Bedarf gerne für Sie da!

Blaues Blatt
Zwiebelmuster weitergedacht
Meine Winterpause wird nicht sehr lange dauern, richtig urlaubsreif bin ich immer erst nach der Berlinale. Daher bin ich gespannt, was gerade zu diesem größten Filmfestival Deutschlands wieder an kurz­fris­ti­gen Über­set­zungs­auf­trä­gen eintrudeln wird.

Bis dahin stehen Buchhaltung, Lesen und Kino auf dem Pro­gramm.

Und noch etwas macht Spaß und bringt Erkenntnisse: das Aquarellieren. Seit 25 Jahren hatte ich keinen Pinsel mehr in der Hand und bin höchst überrascht, wie flott sich das wieder normal anfühlt.

Derzeit übe ich diverse Techniken. Ich habe ein fertiges Bilderbuch für Menschen von vier bis 104 Jahren im Kopf, naja, fast. Es fehlt der Schlussstein, la clef de voûte, die das Ganze zusammenhält. Und da es sich um ein visuelles Buchkonzept handelt, werde ich die Lösung wohl at the end of the day mit dem Pinsel in der Hand finden.

Gässchen (Aquarell)
Prager Gasse
Es geht um Liebe, das Ver­lie­ben und Entlieben, um un­ter­schied­liche Sichtweisen auf die Welt, die einem manch­mal den Zugang zu den Mit­men­schen erschweren. Der Hinterkopf allein hat je­den­falls in den letzten Jahren nichts geliefert, das Kon­zept be­glei­tet mich schon seit ei­ni­gen Jahren. Der weltbeste Patensohn kennt die Ge­schich­te schon.

Er hat sie seinen Kumpels weitererzählt. Die Story hat ihnen be­reits er­mög­licht, über merkwürdiges Verhalten anderer zu sprechen, ohne verletzend zu werden. Als mir einer der Schulfreunde auf dem Schulhof ein knappes Jahr nach ihrer Ent­wick­lung mit meinen eigenen Worten einen verbalen Ausrutscher des Haus­meis­ters er­klärt hatte, wusste ich, dass das Buch gebraucht wird.

Falls es also die nächsten Wochen hier etwas stiller werden sollte, habe ich mit den Farben zu tun.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein friedliches, gesundes, von Gelassenheit geprägtes, kreatives und buntes 2016!
 
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Illustrationen: C.E.