Am Sonntag pausiert die Dolmetscherin - wenn nicht gerade eine dead line ansteht, eine Livesendung oder derlei. Und wenn montags Einsatz ist, steht sonntags auch noch Pauken auf dem Programm.
Und Erholung. Heute ging ich aufs Fest des Meeres, versuchte, die Wolken zu überlisten und ein paar Sonnenstrahlen aufs Bild zu bekommen - und unterhielt mich lange mit einer Mitarbeiterin von Ifremer, einem Forschungsinstitut, das ich durch einen früheren Dreh bereits kennenlernen durfte. Und so wurde auch der Nachmittag zum Wiederholen von Vokabeln und Inhalten genutzt ... ganz nebenbei.
ÜBERSETZEN IST HANDWERK, DOLMETSCHEN IST MUNDWERK
Caroline Elias, Dolmetscherin für Deutsch und Französisch in Berlin
· Konferenzen · Politik und Wirtschaft · Wissenschaft · Medien · Delegationsreisen ·
Was ich anbiete
Sonntag, 6. Juni 2010
Freitag, 4. Juni 2010
In Paris vom 5.-9.6.2010
A Paris entre le 5 et le 9 juin 2010. Déjà sous contrat les 7 et 8 (matinée), on tourne pour Arte - am 7. und den Vormittag des 8. bereits unter Vertrag, ein Arte-Dreh.
Donnerstag, 3. Juni 2010
Sprachschatz
Ein, nein, zwei Worte noch für den deutsch-französischen Kulturaustausch: Feierabend und Biergarten.
Biergärten gibt's nicht nur in München, sondern auch in der deutschen Hauptstadt, und hier lässt sich wunderbar der Abend feiern.
Als ich als Studentin in den 1990-er Jahren mit einem französischen Wissenschaftler in (ehedem) ost- und westdeutschen Filmarchiven saß, am Schneidetisch dolmetschte und Filme einlegen übte, war das Wort "Feierabend" eines der ersten, das der Prof aus Paris gelernt hat: Lafayèreabènde, c'est sacré !, wusste dieser, denn der Feierabend war so heilig, dass wir nur die Nähe desselben kommen mussten und uns keiner der Archivmitarbeiter mehr Nachschub fürs Sichten holte ... Indes, in den letzten Jahren ist mit den verlängerten Ladenöffnungszeiten diese Hochheiligkeit ein wenig geschwunden.
Den Gedanken, dass jeder Abend nach einem langen Arbeitstag ein kleines Fest (wert) ist, kenne ich nur aus der deutschen Sprache - und Idyllen wie die abgebildete gibt's im Herzen von Berlin am Neuen See.
Den ersten Sommerabend des Jahres feierten wir angemessen. Umständehalber endet der Blogeintrag hier auch gleich.
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© Caroline Elias
Biergärten gibt's nicht nur in München, sondern auch in der deutschen Hauptstadt, und hier lässt sich wunderbar der Abend feiern.
Als ich als Studentin in den 1990-er Jahren mit einem französischen Wissenschaftler in (ehedem) ost- und westdeutschen Filmarchiven saß, am Schneidetisch dolmetschte und Filme einlegen übte, war das Wort "Feierabend" eines der ersten, das der Prof aus Paris gelernt hat: Lafayèreabènde, c'est sacré !, wusste dieser, denn der Feierabend war so heilig, dass wir nur die Nähe desselben kommen mussten und uns keiner der Archivmitarbeiter mehr Nachschub fürs Sichten holte ... Indes, in den letzten Jahren ist mit den verlängerten Ladenöffnungszeiten diese Hochheiligkeit ein wenig geschwunden.
Den Gedanken, dass jeder Abend nach einem langen Arbeitstag ein kleines Fest (wert) ist, kenne ich nur aus der deutschen Sprache - und Idyllen wie die abgebildete gibt's im Herzen von Berlin am Neuen See.
Den ersten Sommerabend des Jahres feierten wir angemessen. Umständehalber endet der Blogeintrag hier auch gleich.
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© Caroline Elias
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Sprachschatz
Mahlzeit, Kulturbeutel!
Neulich wurde wie alle Jahre wieder das schönste deutsche Wort gesucht. Zarte Schöpfungen wie Augenblick, etwas für Freunde des rollenden Rs wie Rhabarbermarmelade oder der Bilderreisenauslöser Lichtspielhaus wurden in den letzten Jahren vom Deutschen Sprachrat erwähnt oder gar gekürt.
Ich genieße auch gerne schöne Worte und kann sie zelebrieren wie erlesenen Wein. Selbst Handfestes wie Mahlzeit!, den Schlachtruf der deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten in der Kernarbeitszeit zwischen 10 Uhr morgens und zwei Uhr mittags. Vielleicht muss man länger im Ausland gelebt haben, um die Besonderheit dieser deutschen Sprachkostbarkeit angemessen würdigen zu können. Stellen wir uns doch mal vor, die Franzosen begrüßten sich fast morgens schon mit einem « repas! » oder die Briten mit "meal!"
Ja, ich weiß, das "... ich wünsche Dir eine gute Mahlzeit" muss ich jedesmal mitdenken, der Begriff entspricht also dem "Guten Appetit!" Aber ein Begrüßungsruf, der « appétit » lautet, ist aus französischer Perspektive ebenso kaum vorstellbar. Womöglich könnte das als Anzüglichkeit missverstanden werden - Appetit worauf? Oder sind wir jetzt unter die Kannibalen gegangen?
Eine weitere deutsche Sprachbesonderheit ist der Kulturbeutel. Der Beutel für die Körperkultur, das Nécessaire fürs Bad oder auch "Mäppchen für die Morgen-/Abendtoilette", wie trousse de toilette etwas freier übersetzt lautet. Ist es im Französischen die Toilette, die da sprachdominiert, ist es im Deutschen die Kultur! Wie schön! Das wollten wir doch schon lange wieder sein, eine Kulturnation!
Manchmal tut es mir dann doch leid, dermaleinst von meinem erfolgversprechenden Karrierweg als Fernsehredakteurin abgezweigt zu sein, dann wäre ich bald Fernsehdirektorin und würde die Kultursendung "meines" Senders schlicht und ergreifend "Kulturbeutel" nennen.
Und jetzt steigern wir die Chose noch: "Mahlzeit, Kulturbeutel!"
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Foto: Traubensaft statt Wein, lautet die Devise in intensiven Arbeitswochen.
Ich genieße auch gerne schöne Worte und kann sie zelebrieren wie erlesenen Wein. Selbst Handfestes wie Mahlzeit!, den Schlachtruf der deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten in der Kernarbeitszeit zwischen 10 Uhr morgens und zwei Uhr mittags. Vielleicht muss man länger im Ausland gelebt haben, um die Besonderheit dieser deutschen Sprachkostbarkeit angemessen würdigen zu können. Stellen wir uns doch mal vor, die Franzosen begrüßten sich fast morgens schon mit einem « repas! » oder die Briten mit "meal!"
Ja, ich weiß, das "... ich wünsche Dir eine gute Mahlzeit" muss ich jedesmal mitdenken, der Begriff entspricht also dem "Guten Appetit!" Aber ein Begrüßungsruf, der « appétit » lautet, ist aus französischer Perspektive ebenso kaum vorstellbar. Womöglich könnte das als Anzüglichkeit missverstanden werden - Appetit worauf? Oder sind wir jetzt unter die Kannibalen gegangen?
Eine weitere deutsche Sprachbesonderheit ist der Kulturbeutel. Der Beutel für die Körperkultur, das Nécessaire fürs Bad oder auch "Mäppchen für die Morgen-/Abendtoilette", wie trousse de toilette etwas freier übersetzt lautet. Ist es im Französischen die Toilette, die da sprachdominiert, ist es im Deutschen die Kultur! Wie schön! Das wollten wir doch schon lange wieder sein, eine Kulturnation!
Manchmal tut es mir dann doch leid, dermaleinst von meinem erfolgversprechenden Karrierweg als Fernsehredakteurin abgezweigt zu sein, dann wäre ich bald Fernsehdirektorin und würde die Kultursendung "meines" Senders schlicht und ergreifend "Kulturbeutel" nennen.
Und jetzt steigern wir die Chose noch: "Mahlzeit, Kulturbeutel!"
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Foto: Traubensaft statt Wein, lautet die Devise in intensiven Arbeitswochen.
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Alltag,
Am Wegesrand aufgelesen,
Sprachschatz
Mittwoch, 2. Juni 2010
Untragbar!
Gestern hatte ich es schon von Tragbarem und nicht Tragbarem. Am Nachmittag dann Terminplanung für die nächsten Einsätze, und neben dem gemeinsamen Analysieren der Bedürfnisse eines Kunden parlierten Rebecca, die Chefin einer befreundete Agentur aus Frankreich, und ich ein wenig miteinander. Wir planten einen "ambulanten Einsatz". Nein, wir operieren nicht, selbst wenn genau das der geheime Schlachtruf der Sorbonne-Profs war, wenn diese in die Hörsäle eilten: bon, allons opérer (so jedenfalls mein Lieblingslinguistikprof damals). Wir versuchen doch nur, operativ zu sein ... Ein Hilfsmittel unserer Berufsausübung ist das Mikrofon, ein anderes der Kopfhörer. Die gibt's fest installiert, ersteres mit Kabine drumherum, zum Beispiel in Kongresszentren. Wenn der Kongress tanzt, pardon!, auf Delegationsreise oder Betriebsbesichtigung geht, muss eine mobile Anlage mit. PFA oder "Personenführunganlage" heißt die (und bin ich die einzige, die hier immer an den GröFaZ denken muss?), wiegt im Normalfall so um die zehn Kilo (oder mehr? ... reichen zwei Säcke Katzenstreu? ... kurz: noch schleppbar!) und ist ein größerer Koffer.Leider fiel es dem Marktführer von derlei in den letzten Jahren ein, die Empfänger und Kopfhörer kompakter und damit mobiler zu machen — und im Gegenzug die Dolmetscherkoffer zu vergrößern. Gegen kleinere Endgeräte habe ich nichts, aber die Kiste, was heißt vergrößern, das ist schon fast gigantomanisch, was uns da beim Fachlieferanten an die Ausgabe geschleppt wird, wenn wir mal wieder selbst für Technik sorgen. Das machen wir gelegentlich bei knapp Budgetiertem, aber immer seltener. Denn da, wo einst ein Kofferraum reichte, wird jetzt ein Kombi fällig - und wenn das Wachstum so weitergeht, ist es in wenigen Jahren ein Leichenwagen. Nee, nee, nee.
Früher gingen die Probleme erst dann los, wenn man mehrere Dolmetscherkoffer brauchte, mit Grausen erinnere ich mich an eine Frankreichreise mit berufsbedingtem Übergepäck. Heute, und jetzt komme ich wieder auf mein Gespräch mit der Kollegin gestern zurück, sind vier Hände für den Transport zu empfehlen. Rebecca lobte die Qualität dieser Kisten, die übrigens ein deutscher Hersteller zu verantworten hat, und meinte dann verschmitzt: "OK, wenn mir der Hersteller je Kiste noch einen deutschen Träger mitliefert, dann will ich die gern ordern." Aber gutaussehend, bitte.
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Foto: Das wäre auch eine Möglichkeit, liebe Hersteller von mobiler Dolmetschtechnik. Unserem Dienstleister ging mal einer der Koffer alter Prägung kaputt, da hat er die Schaumstoffeinsätze kleinergschnippelt und mit einem neuen, noch tragbareren Koffer, wiederverwendet. Das ist ein Köfferchen! :-)
Einer meiner Reisebegleiter letztes Jahr nach Marseille ...
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Alltag
Dienstag, 1. Juni 2010
Profis halt
Unverhofft musste ich im Büro an meine Oma denken. Als sie einst mit mir Kinderkleidung einkaufen ging, sagte sie zu manch schlecht verarbeitetem Stück: "Wir haben zu wenig Geld, um uns so billige Sachen leisten zu können." Das mit dem wenigen Geld war relativ, aber Krieg und Nachkrieg saßen dieser Generation noch in den Knochen. Ansonsten verstand ich einen Wortsinn: Das sieht billig aus, so arm wollen wir nicht aussehen. Heute verstehe ich noch einen zweiten, der sogar naheliegender ist: Das Billige ist oft von schlechter Qualität und damit im doppelten Wortsinn nicht tragbar.
Neulich klingelt das Telefon. Ein potentieller Kunde fragt mich an für eine Verhandlung, ein französischer Miteigentümer käme aus Paris nach Berlin, beim Termin gehe es um Investitionsförderung, staatliche Gelder, eine Art Banktermin. Kreditanstalt für Wiederaufbau, schießt es mir durch den Kopf, Marshall-Plan? Ob's das war, weiß ich nicht, deshalb darf ich hier mutmaßen. Der Termin dauere eine Dreiviertelstunde. Was denn wohl eine Stunde Dolmetschen koste? Ich frage nach dem Thema, erfahre es; ja, das liegt im Bereich des Machbaren. Ich schlage einen halben Tag zu 500 Euro vor. Am anderen Ende der Leitung höre ich betretenes Schweigen. Nein, nicht einen halben Tag wolle man mich buchen, eine Stunde reiche. Ich erkläre mich, sage wahrheitsgemäß, dass mir das Thema nicht ganz fremd ist, ich daher nur einen halben Tag veranschlage statt eines ganzen, mich aber auf jeden Fall gründlich vorbereiten müsse.
Das Schweigen des Gesprächsteilnehmers wird nervöser. Er hüstelt. Also ob ich denn Profi sei, will er wissen, und er hätte so mit 60 Euro gerechnet, um mal eine Vorstellung zu vermitteln. Ohne auf die Ehranfechtung einzugehen - das ist seine Baustelle, nicht meine - , frage ich, um welche Investitionssumme es denn gehe. Nach der Antwort bin ich es, die schweigt ...
Ich steig hier mal aus dem unerfreulichen Szenarium aus, das leider von der Wirklichkeit abgekupfert ist. Ich erfuhr später, weil wir die Verträge übersetzen (lassen) dürfen und zwar zu vollen Tarifen, dass es wohl nicht ganz so optimal gelaufen sein muss mit einer Studentin der Anglistik, Stichwort: Englisch kann doch jeder.
Da fällt mir böserweise eine renommierte, große Filmproduktionsfirma ein, die einen Lizenzvertrag von mir ins Deutsche rübergewuppt haben wollte. Das ist eine kleine Ewigkeit her, und die Ewigkeit und drei Tage früher hatte ich für einen anderen Kunden einen Autorenvertrag aus dem Französischen übersetzt, beides stammte aus der gleichen französischen Quelle, einer Verwertungsgesellschaft. Das war ich so ehrlich, zu erwähnen, um mich qualifiziert zu zeigen. Die Produktionsfirma meinte daraufhin, ich könne doch jeweils nur per copy & paste die Worte "Autor" und "Lizenzinhaber" austauschen und dann sei ich mit 500 Mark (waren das damals noch) mehr als fürstlich entlohnt. Ich machte sie auf die vier Seiten aufmerksam, die in den "drei Tagen" Altersunterschied zwischen Version A und Version B entstanden seien. Na gut, 200 Mark mehr, das könne ich doch jetzt nicht mehr ausschlagen. Dazu muss man wissen, dass ich den Autorenvertrag auch schon unzumutbar billig übersetzt hatte, es war mein allererster Vertrag, ich hatte mir Zeit genommen und diesen Umstand mit wenig Honorar bezahlt. Langer Rede kurzer Sinn: Irgendwann fiel die Forderung, dass ich, wenn ich 1200 DM verlange, die Übersetzung aber auch juristisch gewährleisten müsse. Über die Steilvorlage bin ich noch heute dankbar: Anwältin sei ich nicht, leitete ich ein, um dann auszuführen: "Leider haben Anwälte im Gegensatz zu Sprachmittlern feste Sätze, und hier wäre mindestens das Vierfache von dem zu zahlen, worüber wir jetzt sprechen! Wenn das mal reicht!"
Nachdem mich besagte Firma einige Tage telefonisch nahezu belagert hatte, machte mich die daraufhin einsetzende Funkstille misstrauisch. Meine Nachfrage ergab, dass die Praktikantin den Vertrag hatte übersetzen dürfen - juristisch gewährleistet, oder? Alles Profis in dieser Firma, selbst die Praktis schon!
Und ich konnte nur schadenfreudig grinsen, als mir später zugetragen wurde, dass bei der gleichen Produktionsfirma eine Kameraassistentin, die, damit die Firma Lohn "sparen" konnte, diesen Job bei einem aufwändigen und teuren Dreh als Praktikantin machte, nach einem besonders technik- und personalintensiven Drehtag aus Versehen beim Filmnachlegen die falsche Filmbüchse erwischt und damit belichtetes Material vernichtet hatte!
Zur Ehre nämlicher Firma sei das Ende der Kolportage indes nicht verschwiegen: Die Praktikantin hätte an anderer Stelle im Team weiterarbeiten dürfen. Diese Entscheidung ist wenigstens professionell. Schade, dass ich das meiner Oma nicht mehr erzählen kann.
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Foto: Filmlicht von einem Interviewdreh
Das Schweigen des Gesprächsteilnehmers wird nervöser. Er hüstelt. Also ob ich denn Profi sei, will er wissen, und er hätte so mit 60 Euro gerechnet, um mal eine Vorstellung zu vermitteln. Ohne auf die Ehranfechtung einzugehen - das ist seine Baustelle, nicht meine - , frage ich, um welche Investitionssumme es denn gehe. Nach der Antwort bin ich es, die schweigt ...
Ich steig hier mal aus dem unerfreulichen Szenarium aus, das leider von der Wirklichkeit abgekupfert ist. Ich erfuhr später, weil wir die Verträge übersetzen (lassen) dürfen und zwar zu vollen Tarifen, dass es wohl nicht ganz so optimal gelaufen sein muss mit einer Studentin der Anglistik, Stichwort: Englisch kann doch jeder.
Da fällt mir böserweise eine renommierte, große Filmproduktionsfirma ein, die einen Lizenzvertrag von mir ins Deutsche rübergewuppt haben wollte. Das ist eine kleine Ewigkeit her, und die Ewigkeit und drei Tage früher hatte ich für einen anderen Kunden einen Autorenvertrag aus dem Französischen übersetzt, beides stammte aus der gleichen französischen Quelle, einer Verwertungsgesellschaft. Das war ich so ehrlich, zu erwähnen, um mich qualifiziert zu zeigen. Die Produktionsfirma meinte daraufhin, ich könne doch jeweils nur per copy & paste die Worte "Autor" und "Lizenzinhaber" austauschen und dann sei ich mit 500 Mark (waren das damals noch) mehr als fürstlich entlohnt. Ich machte sie auf die vier Seiten aufmerksam, die in den "drei Tagen" Altersunterschied zwischen Version A und Version B entstanden seien. Na gut, 200 Mark mehr, das könne ich doch jetzt nicht mehr ausschlagen. Dazu muss man wissen, dass ich den Autorenvertrag auch schon unzumutbar billig übersetzt hatte, es war mein allererster Vertrag, ich hatte mir Zeit genommen und diesen Umstand mit wenig Honorar bezahlt. Langer Rede kurzer Sinn: Irgendwann fiel die Forderung, dass ich, wenn ich 1200 DM verlange, die Übersetzung aber auch juristisch gewährleisten müsse. Über die Steilvorlage bin ich noch heute dankbar: Anwältin sei ich nicht, leitete ich ein, um dann auszuführen: "Leider haben Anwälte im Gegensatz zu Sprachmittlern feste Sätze, und hier wäre mindestens das Vierfache von dem zu zahlen, worüber wir jetzt sprechen! Wenn das mal reicht!"
Nachdem mich besagte Firma einige Tage telefonisch nahezu belagert hatte, machte mich die daraufhin einsetzende Funkstille misstrauisch. Meine Nachfrage ergab, dass die Praktikantin den Vertrag hatte übersetzen dürfen - juristisch gewährleistet, oder? Alles Profis in dieser Firma, selbst die Praktis schon!
Und ich konnte nur schadenfreudig grinsen, als mir später zugetragen wurde, dass bei der gleichen Produktionsfirma eine Kameraassistentin, die, damit die Firma Lohn "sparen" konnte, diesen Job bei einem aufwändigen und teuren Dreh als Praktikantin machte, nach einem besonders technik- und personalintensiven Drehtag aus Versehen beim Filmnachlegen die falsche Filmbüchse erwischt und damit belichtetes Material vernichtet hatte!
Zur Ehre nämlicher Firma sei das Ende der Kolportage indes nicht verschwiegen: Die Praktikantin hätte an anderer Stelle im Team weiterarbeiten dürfen. Diese Entscheidung ist wenigstens professionell. Schade, dass ich das meiner Oma nicht mehr erzählen kann.
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Foto: Filmlicht von einem Interviewdreh
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Alltag
Sonntag, 30. Mai 2010
Preisbeispiel(e)
Sagen Sie doch mal eine Zahl, Frau Elias!"Okay, dann sag' ich jetzt mal "eine Zahl". Bei einer wird es nicht bleiben, unsere Preisgestaltung ist komplex. Also bitte weiterlesen.
Je nach Art und Umfang des Projekts kostet ein Dolmetscherarbeitstag zwischen 750 und 1200 Euro vor Steuern. Die Höhe des Preises hängt davon ab, ob es im Netzwerk einen auf das jeweilige Fachgebiet spezialisierten Dolmetscher gibt oder nicht, außerdem von der Dauer der Arbeit und ob Urheberrechte übertragen werden oder nicht (Mediendolmetschen). Außerdem berücksichtige ich, wie gut das gesamte Projekt, in dessen Rahmen ich tätig werde, finanziert ist. Kurz: Das Hochglanzillustrierten-Interview mit Catherine Deneuve "finanziert" den Einsatz für einen Nachwuchsfilmemacher "quer". Diese Tagessätze überraschen wirklich nur jene, die nicht bedenken, dass Dolmetschen eine äußerst anstrengende Tätigkeit ist, die nicht nur gut vorbereitet sein will, sondern auch Ruhetage nötig macht. Im Ergebnis bezahlen Sie uns nur für die Tage, die wir tatsächlich auch "hörbar" sind. Bitte bedenken Sie, dass unser Beruf so fordernd ist, dass wir beim Konferenzdolmetschen oder in anderen Situationen, wo schnell viel gesagt wird, zu zweit arbeiten und uns alle 20-30 Minuten abwechseln.Halbe Tage bieten sehr viele Kollegen gar nicht erst an, denn fast jeder Einsatz hängt mit intensiver Vorbereitung zusammen. Ich sehen das anders — solange Ihr Thema unseren Arbeitsschwerpunkten entspricht. Als Fachdolmetscherin für Medien mit weiteren Schwerpunkten in den Bereichen Politik und Wirtschaft, Geschichte und Kultur (Architektur, Kunst, Literatur, Mode) sowie Gesellschaft, Soziales und Bildung habe ich möglicherweise exakt Ihr Thema bereits bearbeitet ... dann gebe ich diesen "Einarbeitungsvorteil" gerne an Sie weiter, das heißt, Sie bezahlen nur den tatsächlichen Vorbereitungsaufwand, was sich in geringeren Tagessätzen niederschlägt.
Rechne ich die Zeiten hinzu, die für die Erfüllung meiner Aufträge notwendig sind, denn ich muss ja auch die Verwaltungsarbeit als Selbständige selbst leisten, komme ich wie für (geisteswissenschaftliche) Akademiker üblich auf einen durchschnittlichen Stundenumsatz von 85 Euro.
Für manche Privatleute, kleine NGOs, Filmhochschulfestivals und sonstige anspruchsvolle, aber mittellose Projekte arbeite ich regelmäßig auch ehrenamtlich.
Bitte erzählen Sie uns mehr von Ihrem Projekt, damit wir einen Kostenvoranschlag "auf Maß schneidern" können. Das geschieht selbstverständlich kostenlos.
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Money talks / Preise
Donnerstag, 27. Mai 2010
Mediendolmetscher und Filmübersetzer
Nach dem Festival ist vor dem Festival! In unserer Übersetzerwerkstatt sind Kapazitäten frei für Ihr Drehbuch oder Dokumentarfilmprojekt! Wir übersetzen mit Liebe und Hingabe, denn wir sind ein Team erfahrener Übersetzer/innen und Autoren/innen, die Kino lieben. Viele von uns arbeiten regelmäßig auch an anderer Stelle im Filmbereich.
Erstkunden gewähren wir gerne einen Rabatt von 5 %.
Auch für Dolmetscheinsätze am Set, im Produktionsbüro oder auf Festivals können Sie uns ab sofort wieder buchen.
Außerdem bieten wir journalistische Recherchen in Fremdsprachen an. Gerade arbeiten wir zum Beispiel für den Kulturkanal Arte. In einem anderen Fall schreiben wir ein Filmprojekt für einen deutschen öffentlich-rechtlichen Hauptsender um. Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, dass bei allen Einsätzen unsere Diskretion und Loyalität stets den Kreativen gilt. Ähnlich wie Ärzte und Anwälte sind auch wir zum Schweigen verpflichtet - eine Art "Äskulapeid" der Sprachdienstleister verpflichtet uns dazu.
Und hier gleich noch ein essential unserer Arbeit: Das Vier-Augen-Prinzip. Schreiben ist ein einsamer Akt, Übersetzen auch. Um bestmögliche Qualität liefern zu können, arbeiten immer zwei Kollegen/Kolleginnen an einem Projekt: ein(e) federführende(r) Übersetzer(in) sowie ein zweiter Mensch fürs Korrektorat.
Auch, wenn das oft aufwendig ist, mich persönlich erfüllt diese Arbeit mit großer Zufriedenheit. Mein know how wächst täglich durch die Arbeit als im medienbezogenen Sprachberuf. So kam es, dass ich auch als Autorin von Lektoraten angefragt wurde, Zusammenfassungen und Einschätzungen für Filmfördereinrichtungen und Produktionsfirmen. Last but not least entwickeln wir eigene Stoffe. In einem Fall bin ich selbst die federführende Autorin und darf daher andeuten, worum es hier geht: um ein altes Gemälde, wiedergefundene Spuren im geteilten Berlin und Lausbubenstreiche.

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© Caroline Elias
Erstkunden gewähren wir gerne einen Rabatt von 5 %.
Auch für Dolmetscheinsätze am Set, im Produktionsbüro oder auf Festivals können Sie uns ab sofort wieder buchen.
Außerdem bieten wir journalistische Recherchen in Fremdsprachen an. Gerade arbeiten wir zum Beispiel für den Kulturkanal Arte. In einem anderen Fall schreiben wir ein Filmprojekt für einen deutschen öffentlich-rechtlichen Hauptsender um. Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, dass bei allen Einsätzen unsere Diskretion und Loyalität stets den Kreativen gilt. Ähnlich wie Ärzte und Anwälte sind auch wir zum Schweigen verpflichtet - eine Art "Äskulapeid" der Sprachdienstleister verpflichtet uns dazu.
Und hier gleich noch ein essential unserer Arbeit: Das Vier-Augen-Prinzip. Schreiben ist ein einsamer Akt, Übersetzen auch. Um bestmögliche Qualität liefern zu können, arbeiten immer zwei Kollegen/Kolleginnen an einem Projekt: ein(e) federführende(r) Übersetzer(in) sowie ein zweiter Mensch fürs Korrektorat.
Auch, wenn das oft aufwendig ist, mich persönlich erfüllt diese Arbeit mit großer Zufriedenheit. Mein know how wächst täglich durch die Arbeit als im medienbezogenen Sprachberuf. So kam es, dass ich auch als Autorin von Lektoraten angefragt wurde, Zusammenfassungen und Einschätzungen für Filmfördereinrichtungen und Produktionsfirmen. Last but not least entwickeln wir eigene Stoffe. In einem Fall bin ich selbst die federführende Autorin und darf daher andeuten, worum es hier geht: um ein altes Gemälde, wiedergefundene Spuren im geteilten Berlin und Lausbubenstreiche.

__________________________________________________© Caroline Elias
Sonntag, 23. Mai 2010
Globalisierung
Einblick in den Büroalltag. Immer wieder mal erreichen uns Anfragen von Menschen, die offenbar davon ausgehen, dass wir in Indien beheimatet sind - Stichwort: niedrige Lebenshaltungskosten - ... dafür aber deutsche Wertarbeit anbieten.
Hier ein Beispiel.
Meine Antwort, die von Kollegen inspiriert ist, normalerweise klicke ich das gleich weg:
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Foto: Dass von solchen Hungerlöhnen niemand
leben kann, vermag sogar ein Kind auszurechnen.
Hier ein Beispiel.
Hello,
We have small 3000 words French to German translation.I saw in your profile that you do that kind of translation.I need the file to be ready for tommorow morning 0900 Pacific time.If you are available plase contact me asap.Our rate is setteled with this client and it is 0.04 EUR per word.
Best,
Ken
Meine Antwort, die von Kollegen inspiriert ist, normalerweise klicke ich das gleich weg:Hello,Manchmal tut es doch gut, die Klappe aufzureißen, auch, wenn's "nur" schriftlich ist.
I refer to your request (3000 words, 0,04 €, 20 hours deadline).
• In our business, it is NOT up to CLIENT to propose the fee. This belongs to the translator.
• This fee is just ridiculous …
So, Do NOT CONTACT ME ANY MORE. Your „offer“ is just a scandal.
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Foto: Dass von solchen Hungerlöhnen niemand
leben kann, vermag sogar ein Kind auszurechnen.
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Alltag,
Am Wegesrand aufgelesen
Samstag, 22. Mai 2010
Besenkammern und andere zweifelhafte Orte
Einmal besucht mich ein Freund bei der Arbeit. Wir haben gerade Mittagspause und essen zusammen eine Kleinigkeit im Hotel, in dem die Konferenz stattfindet. Wie schön, in der Pause ganz gründlich an etwas anderes zu denken als an das Thema, um das es geht, und da dieser Freund seinen kleinen Sohn im Kindergartenalter mitgebracht hat und der kleine Gangster bestgelaunt ist, wird es ein lustiges, erholsames Mittagessen.
Nach dem Essen krabbeln uns drei die Beine, wir flanieren durch die Lobby, in der dicke Teppiche die Schritte dämpfen, laufen im Slalom an wie zufällig in den Weg gestellten Bodenvasen vorbei, bewundern die ausgestellten Malereien und Antiquitäten. Der kleine Mensch, der uns begleitet, benimmt sich prima, wobei an der Reaktion der Anwesenden eindeutig abgelesen werden kann, dass hier nur selten Kinder zu Gast sind.Dann geht's zurück in den "Ballroom", in dem die Veranstaltung stattfindet. Die Konferenz hat noch nicht wieder angefangen, hier und da sitzen schon einige Teilnehmer in den Stuhlreihen und blättern ihre Unterlagen durch, andere stehen in kleinen Grüppchen beisammen. Ein Kind in dieser Umgebung erregt Aufmerksamkeit. Gespräche werden leiser, Dutzende Augenpaare folgen uns. Wer weiß, vielleicht denkt der eine oder die andere ans eigene Mini, das gerade in Kindergarten oder Schule weilt.
Und um mich langsam wieder aufs Dolmetschen einzustellen und um meinen Freund wenigstens ein bisschen an meinem Arbeitsalltag teilhaben zu lassen, zeige ich jetzt den beiden die Kabine, zumindest von außen. Der Große schaut sich durchs Fenster alles an und befragt mich dazu, der Kleine findet den gemusterten Teppichboden offenbar spannender, weil dessen Muster als Pfad fürs Hüpfkästchenspiel taugt. Die Gespräche der Konferenzteilnehmer haben ihre normale Lautstärke wieder erreicht, als ich meine Gäste verabschiede. Dann gehe ich in Richtung der Dolmetscherkabine, öffne die Tür und will sie gerade betreten, als das Kind so lautstark fragt, so, dass alle aufhorchen: "Duhu, Papa, was macht die da? ... Warum geht Caroline in den Kleiderschrank?"
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| Bei der Tonprobe |
Denn die Schwester des Kleiderschranks ist die Besenkammer: Die fest installierten Kabinen sind manchmal auch nicht besser.
Im Berliner Kongresszentrum und noch an einer anderen Stelle in Berlin (mir will jetzt partout nicht einfallen, wo!), sitzen wir eingeklemmt zwischen Trägern, auf denen die Tischplatte mit den Dolmetschpulten aufliegen — und mancherorts ist der Raum unter dem Tisch schon an einer Stelle zuende, wo noch viel Bein übrig ist. Das erinnert mich immer an meine Studentenzeiten, wo Langbeine wie ich schräg sitzen mussten! In der alten Uni hat mich das nicht überrascht, die engen Sitzreihen in Ampithéâtre Richelieu der Sorbonne stammen aus dem 19. Jahrhundert. Aber bei fest eingebauten Kabinen in Neubauten? Solang's wenigstens uneingeschränkte Sicht auf die Veranstaltung gibt — denn auch das ist nicht selbstverständlich.
Schlimmer als mangelnder Platz ist knappe Luft. Eigentlich sollte in jeder Dolmetscherkabine still und leise die liebe Technik für Frischluft sorgen, aber manchmal gibt's statt einer kleinen Belüftung sowas wie 'nen alten Fön, der in leisester Dröhnung schon so laut ist, dass es einfach nervt. Und wenn ich beim Filmdolmetschen allein im "Kleiderschrank" sitze und der Schalter innen angebracht ist —das ist bei einigen Modellen der Fall, für die nur selten ein Techniker (durchgehend) vorhanden ist — liegt die Versuchung zum Selbsttest nahe: Was ist wichtiger, Ruhe oder Sauerstoff?
Kleiderschrank und Besenkammer halt.
P.S.: Wenn ich wieder im Büro bin, werde ich mal suchen und noch Infos nachliefern. Einer der Berufsverbände (BDÜ? aiic?) hat nämlich Regeln und Empfehlungen für Dolmetschkabinen erarbeitet, da stehen die Mindestgrößen drin, die für unsere mobilen Arbeitsplätze gelten. Ich hoffe, mein Artikel hat Sie nicht enttäuscht, denn das Wort "Besenkammer" löst in Deutschland ja oft andere Assoziationen aus.
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P.S.: Wenn ich wieder im Büro bin, werde ich mal suchen und noch Infos nachliefern. Einer der Berufsverbände (BDÜ? aiic?) hat nämlich Regeln und Empfehlungen für Dolmetschkabinen erarbeitet, da stehen die Mindestgrößen drin, die für unsere mobilen Arbeitsplätze gelten. Ich hoffe, mein Artikel hat Sie nicht enttäuscht, denn das Wort "Besenkammer" löst in Deutschland ja oft andere Assoziationen aus.
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Foto: Die Autorin dieser Zeilen beim Techniktest
(mit offener Kabinentür). Mehr Innensicht hier.
Merci à Jean-Luc Clairambault pour la photo de cabine !
(mit offener Kabinentür). Mehr Innensicht hier.
Merci à Jean-Luc Clairambault pour la photo de cabine !
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Alltag,
Arbeitsplätze,
Sex (sells)
C'est alimentaire, mon cher Watson!
An der Côte d'Azur ist alles teuer und edel - das Gläschen frischgepressten Orangensafts gibt's für 18 Euro und drei Vorspeisemöhren, zu Knabberstänglein geschnitzt, mit fünf Oliven, sieben halben Cherrytomaten und etwas fines herbes garniert, schlagen mit 32 Euro zu Buche. Das ist keine haute cuisine, das ist faute cuisine (la faute - der Fehler, und übrigens ein grammatisch schön falscher Kalauer)!Nun also wieder deftige deutsche Kost beim Pfingsturlaub. Und was entdeckt meine Begleitung da? Ich hätte es glatt übersehen: Fehler auch hier. Meine ferienbedingte Blindheit ist übrigens rasch erklärt, wie soll sich ein Sprachenmensch, der auf die Übertragung von Idiome und das Jagen von Fehlern geprägt ist, denn sonst erholen?
Schöne Pfingsstage wünsch' ich!
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Foto: C.E.
"Herr Ober, einmal das Kassler bitte, aber mit braver Creme!"
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Am Wegesrand aufgelesen,
Fotos
Typisch Berlin?
Vor zwei Wochen kam ich mit Journalistikstudenten aus Bordeaux zusammen, die in Berlin für Kulturreportagen recherchierten. Ihre sehr sehenswerten Ergebnisse stehen in Bild, Ton und Wort auf dieser französischen Webseite zum Abruf bereit (leider nur in französischer Sprache): BerlinKulturLab.
Natürlich gebe ich in solchen Momenten nicht nur Wissen weiter, sondern frage auch gegen. Am meisten überrascht habe sie, so erklärten etliche, dass in Berlin so viele Leute mit einer Bierflasche in der Hand auf der Straße rumliefen. Die vielen verschleierten Frauen, meinten drei andere. Nein, dass es hier noch echte Punks gebe, war für eine weitere Untergruppe wichtig.
Dass es gelingen würde, all' das auf nur ein Foto zu bannen, war nicht vorstellbar. Also hier ein typisches Berlin-Foto - zumindest aus studentischer französischer Sicht. Im Hintergrund die Moschee an der Wiener Straße, heute, am Tag ihrer Eröffnung. Danke, J., fürs Foto!
Natürlich gebe ich in solchen Momenten nicht nur Wissen weiter, sondern frage auch gegen. Am meisten überrascht habe sie, so erklärten etliche, dass in Berlin so viele Leute mit einer Bierflasche in der Hand auf der Straße rumliefen. Die vielen verschleierten Frauen, meinten drei andere. Nein, dass es hier noch echte Punks gebe, war für eine weitere Untergruppe wichtig.
Dass es gelingen würde, all' das auf nur ein Foto zu bannen, war nicht vorstellbar. Also hier ein typisches Berlin-Foto - zumindest aus studentischer französischer Sicht. Im Hintergrund die Moschee an der Wiener Straße, heute, am Tag ihrer Eröffnung. Danke, J., fürs Foto!
Donnerstag, 20. Mai 2010
Täglich neue Worte, Witz, Weltliteratur und Wetter (oder so)
Nulla dies sine linea - kein Tag, ohne eine Zeile geschrieben zu haben. Dazu die tägliche Ration Lyrik und Vokabeln - an Schreibtischtagen halte ich es so, "meine" englischen und französischen Dienste sind übrigens kostenlos. Heute kam über Lyrikmail ein köstlicher Morgenstern auf den Rechner geflattert, der mir fast ein wenig französisch vorkommt in seiner Logik. Es geht um den Zwölf-Elf. Dazu ist es gut zu wissen, dass Christian Morgenstern den Zwölf-Elf, über den er wiederholt schrieb, so erklärt: er ist "ein sogenannter Schwarzelf oder -elb" - ein Fall fürs Märchenbuch. Heute wird das Fabelwesen mathematisch.
Und weil es in Frankreich keinen Morgenstern gibt, fehlt für den linksrheinischen Mathezahlenwurm leider die Übersetzung, also müssen Franzosen und Französischlernende tagtäglich weiterrechnen.
Noch'n Tipp für den Alltag, wo ich hier schon mal beim Besserwissern bin: Jeden Tag mindestens eine Stunde lesen! Der stammt nicht von mir, sondern von Sir Simon Rattle, dermaleinst nach der ultimativen Lebensweisheit befragt. Ich kann das nur unterstreichen. Was lesen? Gutes, das Spaß macht, nur für sich, ohne zwingenden Zusammenhang mit Arbeit oder Schule oder Studium, einfach so, der Freude wegen. - Und eine Stunde an der frischen Luft aufhalten, erklingt da ein anderer wie ein spätes Echo in mir. - Würd' ich gerne, schaff's nicht immer, wie ich zugeben muss, was auch an Wetter und Stress liegt, vor allem aber an der eigenen Bequemlichkeit.
Das ProblemHiermit lässt sich prima jenen erklären, die Sinn für Humor haben, wie in Frankreich Zahlen wie 92 gesagt werden: quatre-vingt-douze, vier-zwanzig-zwölf.
Der Zwölf-Elf kam auf sein Problem
und sprach: "Ich heiße unbequem.
Als hieß ich etwa Drei-Vier
statt Sieben - Gott verzeih mir!"
Und siehe da, der Zwölf-Elf nannt sich
von jenem Tag an Dreiundzwanzig.
Und weil es in Frankreich keinen Morgenstern gibt, fehlt für den linksrheinischen Mathezahlenwurm leider die Übersetzung, also müssen Franzosen und Französischlernende tagtäglich weiterrechnen.
Noch'n Tipp für den Alltag, wo ich hier schon mal beim Besserwissern bin: Jeden Tag mindestens eine Stunde lesen! Der stammt nicht von mir, sondern von Sir Simon Rattle, dermaleinst nach der ultimativen Lebensweisheit befragt. Ich kann das nur unterstreichen. Was lesen? Gutes, das Spaß macht, nur für sich, ohne zwingenden Zusammenhang mit Arbeit oder Schule oder Studium, einfach so, der Freude wegen. - Und eine Stunde an der frischen Luft aufhalten, erklingt da ein anderer wie ein spätes Echo in mir. - Würd' ich gerne, schaff's nicht immer, wie ich zugeben muss, was auch an Wetter und Stress liegt, vor allem aber an der eigenen Bequemlichkeit.
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Lerntipps
Donnerstag, 13. Mai 2010
Cannes 2010: Glamour in ausgewaschenen Farben
13.-21.05. in/à Cannes || Berliner Büro besetzt / Présence berlinoise assurée
Alle Jahre wieder trifft sich die Meute in Südfrankreich, nur dieses Jahr - wie der frühere Cahiers du Cinéma-Redakteur Emmanuel Burdeau treffend formuliert - ist Cannes à la fois glamour et délavée, frei übersetzt: Glamour in ausgewaschenen Farben. Die Krise zeitigt auch hier ihre Spuren.
Daher berechne ich bei ad hoc-Dolmetscheinsätzen auf dem Festival je nach Projektumfang und -status 60-120 Euro die Stunde, wobei die Zeit für An- und Abfahrt (vor Ort) zur Hälfte hinzugerechnet wird. Im Fall einer Koproduzentensuche kann ich als Teil eines größeren Auftragsvolumens (Übersetzungen) auch günstige Tagespauschalen anbieten.
Beim Dolmetschen von Interviews für die Medien gelten die üblichen Sätze.
Bitte per SMS kontaktieren (Kino!)
D'avance merci !
Caro
____________________________
Frühere Berichte über meine Cannes-Einsätze hier.
Alle Jahre wieder trifft sich die Meute in Südfrankreich, nur dieses Jahr - wie der frühere Cahiers du Cinéma-Redakteur Emmanuel Burdeau treffend formuliert - ist Cannes à la fois glamour et délavée, frei übersetzt: Glamour in ausgewaschenen Farben. Die Krise zeitigt auch hier ihre Spuren.
Daher berechne ich bei ad hoc-Dolmetscheinsätzen auf dem Festival je nach Projektumfang und -status 60-120 Euro die Stunde, wobei die Zeit für An- und Abfahrt (vor Ort) zur Hälfte hinzugerechnet wird. Im Fall einer Koproduzentensuche kann ich als Teil eines größeren Auftragsvolumens (Übersetzungen) auch günstige Tagespauschalen anbieten.
Beim Dolmetschen von Interviews für die Medien gelten die üblichen Sätze.
Bitte per SMS kontaktieren (Kino!)
D'avance merci !
Caro
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Frühere Berichte über meine Cannes-Einsätze hier.
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Alltag
Mittwoch, 12. Mai 2010
Filmemacherinnen fehlen
You Cannes Not Be Serious - Online-Petition gegen ein Festival ohne Regisseurinnen
Das Projekt 'kinovi[sie]on des Innsbrucker Otto Preminger-Instituts weist darauf hin, dass im Wettbewerb des Internationalen Filmfestivals von Cannes keine einzige Regisseurin vertreten ist.
Auch im restlichen Programm des weltberühmten Filmfestivals sieht es nur auf den ersten Blick besser aus:
→ Unter den Sondervorführungen ("Special Screenings") sind vier von zehn Filmen in der Regie von Frauen enstanden.
→ In der Sektion "Un certain regard": 19 Filme im Programm, einer davon von einer Frau.
→ In der Sektion "Semaine de la critique" (Spielfilm): Ein Film von einer Regisseurin, ebenfalls von einem 19 Filme umfassenden Programm.
→ "Out of Competition" laufen neun Filme, einer stammt von einer Regisseurin ...
Seit Jahren beobachten die Fachleute in den Film- und Medienhochschulen, dass die Zahl des weiblichen Nachwuchses kontinuierlich zunimmt, in manchen Filmklassen überwiegt die Anzahl der Teilnehmerinnen die der männlichen Teilnehmer.
Statistisch ist es undenkbar, dass die vielen von Frauen eingereichten Filmen schlecht sein sollen.
Gegen die Unterrepräsentanz kann protestiert werden unter "You Cannes Not Be Serious".
____________________________
Das Cannes ich manchmal nicht glauben - Frauen vor der Kamera: gern, dahinter: offenbar nicht so erwünscht.
Das Projekt 'kinovi[sie]on des Innsbrucker Otto Preminger-Instituts weist darauf hin, dass im Wettbewerb des Internationalen Filmfestivals von Cannes keine einzige Regisseurin vertreten ist.
Auch im restlichen Programm des weltberühmten Filmfestivals sieht es nur auf den ersten Blick besser aus:
→ Unter den Sondervorführungen ("Special Screenings") sind vier von zehn Filmen in der Regie von Frauen enstanden.
→ In der Sektion "Un certain regard": 19 Filme im Programm, einer davon von einer Frau.
→ In der Sektion "Semaine de la critique" (Spielfilm): Ein Film von einer Regisseurin, ebenfalls von einem 19 Filme umfassenden Programm.
→ "Out of Competition" laufen neun Filme, einer stammt von einer Regisseurin ...
Seit Jahren beobachten die Fachleute in den Film- und Medienhochschulen, dass die Zahl des weiblichen Nachwuchses kontinuierlich zunimmt, in manchen Filmklassen überwiegt die Anzahl der Teilnehmerinnen die der männlichen Teilnehmer.
Statistisch ist es undenkbar, dass die vielen von Frauen eingereichten Filmen schlecht sein sollen.
Gegen die Unterrepräsentanz kann protestiert werden unter "You Cannes Not Be Serious".
____________________________Das Cannes ich manchmal nicht glauben - Frauen vor der Kamera: gern, dahinter: offenbar nicht so erwünscht.
Dienstag, 11. Mai 2010
Sitzen oder stehen, das ist die Frage
Als Dolmetscherin fallen mir Unterschiede zwischen beiden Ländern natürlich als allererste auf. Dieser Tage arbeite ich mit Journalistikstudenten aus Bordeaux. Journalisten wissen auch mehr als Normalmenschen. Ein schöner Anlass also, gemeinsam hinter verschlossene Türen zu blicken und wichtige Geheimnisse zu lüften.
Das Ausland grinst über deutsche Schilder und Zettel, die wahre Kerle auf dem Pott zum Sitzenmachen nötigen - und ich mit. Warum solche Zettel, ist doch selbstverständlich, dass 'mann' sich setzt, der Frauen wegen?!
Neulich haben wir mal wieder männlichen Arbeitsbesuch. De Paris. Das Filmprojekt, an dem wir gemeinsam arbeiten, hat wenig Geld, also bringen wir ihn bei uns unter. Am Morgen gehe ich sehr früh ins Bad mit integriertem Klo - hier stinkt's. Feinstofflich in der Luft verwirbelte Tröpfchen, beim Auftreffen des Strahls auf den Beckenrand augenblicklich atomisiert, bilden ein Aroma wie das, was sonst in Pariser Bistrots aus dem Herrenklo rüberweht! Puh! Gleich neben dem Klo steht die Badewanne. Ich protestiere innerlich, greife nach Putzhandschuhen und Eimer und verrichte mein Werk. Später spreche ich diskret unseren Gast an - und ernte einen Blick, als wollte ich ihn kastrieren. Bon, wenn ich darauf bestünde, er könne es ja mal versuchen ... Ich bestehe darauf.
Am nächsten Morgen. Ein Sonnenstrahl bricht sich im Badezimmer seine Bahn und strahlt den leichten Morgennebel an, der über Wanne und Klo liegt. Morgennebel? Ich schnuppere vorsichtig, greife rasch zum Desinfektionsspray und neble dagegen an, hänge noch während der Flucht die Plastikhandschuhe über den Wischeimer und deponiere meine Installation vor der Tür zum Gästezimmer. Dann verkneife ich mir einen natürlichen Drang und lege mich nochmal hin. Als ich den Frühstückstisch abräume und die Küchenarbeitsfläche abwische, sagt mir unser Gast für den Fall, dass ich ihn suchen würde, dass er wisse, wo sich mein Putzeimer aufhalte, er hätte sich nämlich heute früh sein Schienbein daran gestoßen. Wie? Glaubt er, dass unser Eimer Beine hat? Ich versuche vorsichtig, das Thema zu vertiefen. Darauf fragt unser Gast, wieso wir denn unser Bad täglich putzten, ich hätte das doch erst gestern gemacht.
Dann nimmt der Tag seinen Lauf, und alle haben Außentermine. Fast alle. Ich protestiere innerlich und greife nach den Putzhandschuhen ...
Einen Tag später wache ich sehr früh auf. Es ist noch dunkel. Ich schreibe einen Zettel für die Wand hinter dem Klo, und zur Verstärkung meiner Zeichnung stelle ich das Reinigungsmittel auf den Klodeckel. Die Putzmittelflasche, ein Materie gewordenes Ausrufungszeichen. Stunden später treffen wir uns alle in der Küche. Zwischendurch wurde das Bad benutzt. Ich fand es makellos vor. Am Frühstückstisch strahlt unser Gast. Ja, er hätte es jetzt kapiert. Er wisse jetzt, warum in Deutschland die meisten Kerle solche Softies seien, Frauenversteher vor dem Herrn, freundlich, aber irgendwie ... unmännlich. Hygiene hin oder her, ich sei mir hoffentlich bewusst, welches Opfer ich ihm da abverlangte! Und mit dem größten Bedauern fügte er hinzu, dass er, wenn ich mal nach Paris käme, leider keine Rücksicht würde nehmen können.
Das Klo von Monsieur beschreib ich jetzt nicht, non, non, non !
Caroline Elias

Ein Kerl. Sitzend pinkeln. Was denn sonst noch? Keine Zeit. Unpraktisch. Ich setze mich gar nicht gern auf fremde Toiletten, das ist nicht hygienisch. Und ich bin kein Mädchen. Und überhaupt, verdammt nochmal: das habe ich zum letzten Mal als ganz kleiner Junge gemacht ... Was macht das schon, ich kann zielen, oder etwa nicht?
Eines Tages passiert es dann. Das Handy klingelt. Ein Kerl macht die Tür auf, die du vergessen hast abzuschließen. Du hattest es zu eilig oder warst zu betrunken, um das auch noch zu bewerkstelligen. Vor deinen Augen die Sintflut: Klobrille, Boden, Mauer, Hose, alles wird nass. Beim Aufwischen mit Klopapier sagst du dir still und leise, dass du total bekloppt bist. Und am Ende denkst du, dass es vielleicht doch nicht so doof ist, sich hinzusetzen. Und du schwörst, es beim nächsten Mal in Erwägung zu ziehen. Ganz sicher. Vielleicht. Eines Tages. Wer weiß das schon. Naja, ist doch irgendwie eine komische Idee. Keine Zeit. Unpraktisch.
Olivier Laffargue
(lien pour la version française)
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Photo: Anaïs Crouzet
Das Ausland grinst über deutsche Schilder und Zettel, die wahre Kerle auf dem Pott zum Sitzenmachen nötigen - und ich mit. Warum solche Zettel, ist doch selbstverständlich, dass 'mann' sich setzt, der Frauen wegen?!
Neulich haben wir mal wieder männlichen Arbeitsbesuch. De Paris. Das Filmprojekt, an dem wir gemeinsam arbeiten, hat wenig Geld, also bringen wir ihn bei uns unter. Am Morgen gehe ich sehr früh ins Bad mit integriertem Klo - hier stinkt's. Feinstofflich in der Luft verwirbelte Tröpfchen, beim Auftreffen des Strahls auf den Beckenrand augenblicklich atomisiert, bilden ein Aroma wie das, was sonst in Pariser Bistrots aus dem Herrenklo rüberweht! Puh! Gleich neben dem Klo steht die Badewanne. Ich protestiere innerlich, greife nach Putzhandschuhen und Eimer und verrichte mein Werk. Später spreche ich diskret unseren Gast an - und ernte einen Blick, als wollte ich ihn kastrieren. Bon, wenn ich darauf bestünde, er könne es ja mal versuchen ... Ich bestehe darauf.
Am nächsten Morgen. Ein Sonnenstrahl bricht sich im Badezimmer seine Bahn und strahlt den leichten Morgennebel an, der über Wanne und Klo liegt. Morgennebel? Ich schnuppere vorsichtig, greife rasch zum Desinfektionsspray und neble dagegen an, hänge noch während der Flucht die Plastikhandschuhe über den Wischeimer und deponiere meine Installation vor der Tür zum Gästezimmer. Dann verkneife ich mir einen natürlichen Drang und lege mich nochmal hin. Als ich den Frühstückstisch abräume und die Küchenarbeitsfläche abwische, sagt mir unser Gast für den Fall, dass ich ihn suchen würde, dass er wisse, wo sich mein Putzeimer aufhalte, er hätte sich nämlich heute früh sein Schienbein daran gestoßen. Wie? Glaubt er, dass unser Eimer Beine hat? Ich versuche vorsichtig, das Thema zu vertiefen. Darauf fragt unser Gast, wieso wir denn unser Bad täglich putzten, ich hätte das doch erst gestern gemacht.
Dann nimmt der Tag seinen Lauf, und alle haben Außentermine. Fast alle. Ich protestiere innerlich und greife nach den Putzhandschuhen ...
Einen Tag später wache ich sehr früh auf. Es ist noch dunkel. Ich schreibe einen Zettel für die Wand hinter dem Klo, und zur Verstärkung meiner Zeichnung stelle ich das Reinigungsmittel auf den Klodeckel. Die Putzmittelflasche, ein Materie gewordenes Ausrufungszeichen. Stunden später treffen wir uns alle in der Küche. Zwischendurch wurde das Bad benutzt. Ich fand es makellos vor. Am Frühstückstisch strahlt unser Gast. Ja, er hätte es jetzt kapiert. Er wisse jetzt, warum in Deutschland die meisten Kerle solche Softies seien, Frauenversteher vor dem Herrn, freundlich, aber irgendwie ... unmännlich. Hygiene hin oder her, ich sei mir hoffentlich bewusst, welches Opfer ich ihm da abverlangte! Und mit dem größten Bedauern fügte er hinzu, dass er, wenn ich mal nach Paris käme, leider keine Rücksicht würde nehmen können.
Das Klo von Monsieur beschreib ich jetzt nicht, non, non, non !
Caroline Elias

Ein Kerl. Sitzend pinkeln. Was denn sonst noch? Keine Zeit. Unpraktisch. Ich setze mich gar nicht gern auf fremde Toiletten, das ist nicht hygienisch. Und ich bin kein Mädchen. Und überhaupt, verdammt nochmal: das habe ich zum letzten Mal als ganz kleiner Junge gemacht ... Was macht das schon, ich kann zielen, oder etwa nicht?
Eines Tages passiert es dann. Das Handy klingelt. Ein Kerl macht die Tür auf, die du vergessen hast abzuschließen. Du hattest es zu eilig oder warst zu betrunken, um das auch noch zu bewerkstelligen. Vor deinen Augen die Sintflut: Klobrille, Boden, Mauer, Hose, alles wird nass. Beim Aufwischen mit Klopapier sagst du dir still und leise, dass du total bekloppt bist. Und am Ende denkst du, dass es vielleicht doch nicht so doof ist, sich hinzusetzen. Und du schwörst, es beim nächsten Mal in Erwägung zu ziehen. Ganz sicher. Vielleicht. Eines Tages. Wer weiß das schon. Naja, ist doch irgendwie eine komische Idee. Keine Zeit. Unpraktisch.
Olivier Laffargue
(lien pour la version française)
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Photo: Anaïs Crouzet
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Am Wegesrand aufgelesen,
Fotos,
Komisches
Mittwoch, 28. April 2010
Drehbuchübersetzung
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Übersetzung von Drehbüchern und diverser Texte für Filmförderungen aus dem Französischen. Dabei unterscheide ich mich von vielen anderen Drehbuchübersetzern, denn ich komme aus der Praxis, habe selbst dokumentarisch gearbeitet, bei Fiktionalem assistiert und an verschiedenen Stellen im Team bei der Produktion mitgewirkt.
Mit ambitionierten Filmproduktionsunternehmen arbeite ich sehr gerne zusammen. Denn ich bin anspruchsvoll, frage nach, wenn etwas unklar ist, wünsche mir Zusatz- und Hintergrundinformation. Ich arbeite langsam, denn nur die wertvollsten, wachsten Stunden des Tages gehören der Übersetzung und dem Schreiben. Ich habe meinen Preis, denn wer billig zu haben ist, hat oft keine Vorstellung davon, wie viel Zeit solides Handwerk kostet.
Das Ziel meiner Arbeit sind Bücher, die auf Deutsch nicht nach Übersetzung klingen, im Zweifelsfall entscheide ich mich deshalb immer für die deutsche Grammatik, die idiomatische Redewendung, den deutschen Bezug. Dabei verschafft in solchen Fällen mitunter Fußnoten Klarheit über den kulturellen Hintergrund - Fußnoten, mit denen ich hier einen Ausdruck, dort eine Referenz in der Originalfassung erkläre.
Ist die erste Arbeit getan, liest eine Kollegin oder ein Kollege gegen - das Vier-Augen-Prinzip ist mir sehr wichtig in der Arbeit -, dann kommt noch ein Arbeitsschritt: Das Feilen. Und auch das braucht je nach Länge des Textes nicht Stunden, sondern Tage.
So viele Schritte, so viel Mühe hat ihren Preis. Oft liege ich im höheren Preissegment dessen, was als "Hausnummer" in der Szene kursiert. Dafür bekommen Sie keine Arbeit einer Agentur, die Ihre Übersetzung (für einen Bruchteil dessen, was Sie zahlen) möglicherweise an einen Berufsanfänger weitergereicht und dann im Schnellverfahren geglättet hat. Dafür bekommen Sie keinen Text eines/einer Deutschen, der/die seit 30 Jahren in Frankreich lebt und fast schon DAF-Probleme hat (DAF: Deutsch als Fremdsprache). Aber dafür bekommen Sie den Text einer Autorin, die weiß, wie viele Drehbücher auf dem Markt kursieren und die sich mit Herzblut für Ihr Projekt einsetzt.
Gut für Sie, denn an der anderssprachigen Fassung der Drehbücher oder Finanzierungspläne sind keine langwierigen Reparaturarbeiten nötig. Im Übersetzer- und Dolmetscherberuf ist auch Demut ein wichtiges Element. Schmerzhaft habe ich meine eigenen Grenzen kennengelernt, daher arbeite ich für juristische Übersetzungen ich mit Profis zusammen, die Juristen und Übersetzer sind; bei anderen Sprachen kann ich dank meines Netzwerks ebenfalls weiterhelfen.
Ich bin versiert in Word und besitze Final Draft. Lektorate berechne ich pro Stunde, schwere Fälle verunglückter Übersetzungen nehme ich nicht mehr an.
_______________________________________
Übersetzung ist Handwerk - zum Glück müssen wir nicht mehr die "Wagen" alter Schreibmaschinen stemmen. Aber das Klingeln, wenn das Zeilenende nähert, hatte schon etwas Heimeliges, oder? (Es war das Hintergrundgeräusch meiner frühen Kindheit, irgendwer im Haus schrieb immer gerade an einer Doktor- oder Diplomarbeit.)
Mit ambitionierten Filmproduktionsunternehmen arbeite ich sehr gerne zusammen. Denn ich bin anspruchsvoll, frage nach, wenn etwas unklar ist, wünsche mir Zusatz- und Hintergrundinformation. Ich arbeite langsam, denn nur die wertvollsten, wachsten Stunden des Tages gehören der Übersetzung und dem Schreiben. Ich habe meinen Preis, denn wer billig zu haben ist, hat oft keine Vorstellung davon, wie viel Zeit solides Handwerk kostet.
Das Ziel meiner Arbeit sind Bücher, die auf Deutsch nicht nach Übersetzung klingen, im Zweifelsfall entscheide ich mich deshalb immer für die deutsche Grammatik, die idiomatische Redewendung, den deutschen Bezug. Dabei verschafft in solchen Fällen mitunter Fußnoten Klarheit über den kulturellen Hintergrund - Fußnoten, mit denen ich hier einen Ausdruck, dort eine Referenz in der Originalfassung erkläre.
Ist die erste Arbeit getan, liest eine Kollegin oder ein Kollege gegen - das Vier-Augen-Prinzip ist mir sehr wichtig in der Arbeit -, dann kommt noch ein Arbeitsschritt: Das Feilen. Und auch das braucht je nach Länge des Textes nicht Stunden, sondern Tage.
So viele Schritte, so viel Mühe hat ihren Preis. Oft liege ich im höheren Preissegment dessen, was als "Hausnummer" in der Szene kursiert. Dafür bekommen Sie keine Arbeit einer Agentur, die Ihre Übersetzung (für einen Bruchteil dessen, was Sie zahlen) möglicherweise an einen Berufsanfänger weitergereicht und dann im Schnellverfahren geglättet hat. Dafür bekommen Sie keinen Text eines/einer Deutschen, der/die seit 30 Jahren in Frankreich lebt und fast schon DAF-Probleme hat (DAF: Deutsch als Fremdsprache). Aber dafür bekommen Sie den Text einer Autorin, die weiß, wie viele Drehbücher auf dem Markt kursieren und die sich mit Herzblut für Ihr Projekt einsetzt.
Gut für Sie, denn an der anderssprachigen Fassung der Drehbücher oder Finanzierungspläne sind keine langwierigen Reparaturarbeiten nötig. Im Übersetzer- und Dolmetscherberuf ist auch Demut ein wichtiges Element. Schmerzhaft habe ich meine eigenen Grenzen kennengelernt, daher arbeite ich für juristische Übersetzungen ich mit Profis zusammen, die Juristen und Übersetzer sind; bei anderen Sprachen kann ich dank meines Netzwerks ebenfalls weiterhelfen.
Ich bin versiert in Word und besitze Final Draft. Lektorate berechne ich pro Stunde, schwere Fälle verunglückter Übersetzungen nehme ich nicht mehr an.
_______________________________________Übersetzung ist Handwerk - zum Glück müssen wir nicht mehr die "Wagen" alter Schreibmaschinen stemmen. Aber das Klingeln, wenn das Zeilenende nähert, hatte schon etwas Heimeliges, oder? (Es war das Hintergrundgeräusch meiner frühen Kindheit, irgendwer im Haus schrieb immer gerade an einer Doktor- oder Diplomarbeit.)
Montag, 26. April 2010
Wenn das Goethe gewusst hätte!
"DER SPIEGEL" lobt diese Woche die Internet-Übersetzungssoftware Google Translator. (Hier folgt kein Zitat, weil ich das Heft leider bei meinem Patensöhnchen vergessen habe).
Meine klassische Nagelprobe für Automatic Translation mache ich indes schon heute. Dabei spiele ich mit Übersetzungssoftware (Kette) und einem Satz (Schuss) das übersetzerische "Weberschiffchen": gebe das Ergebnis wieder in die Maske ein, übersetze es in die Ausgangssprache zurück, um dann wieder das Ergebnis übersetzen zu lassen, bis es keine (wesentlichen) Veränderung mehr gibt. In der einen Fassung komme ich bis zur achten, in der anderen nur bis zur siebenten Generation.
Im Vergleich zu früheren Spielchen klingen bei Google Translator die Sätze teilweise verständlich, sie sehen grammatisch eher wie normale Sätzen aus. Murks kommt dennoch immer dann bei der maschinellen Übersetzung heraus, wenn idiomatische Redewendungen, Schachtelsätze, mehrere Ebenen oder Poesie im Spiel sind. Aber sehen Sie selbst.
1° Tu tombes à pic, je dois construire une étagère.
2° Sie fallen direkt nach unten, ich bin Gebäudes ein Regal.
3° Ils tombent vers le bas, je construis une étagère.
4° Fallen sie nieder, baue ich ein Regal.
5° Si elles tombent, je construis une étagère.
6° Wenn sie fallen, baute ich ein Regal.
7° S'ils tombent, j'ai construit une étagère.
8° Wenn sie fallen, baute ich ein Regal.
Der Beispielsatz lautet, erst von einem Menschen übersetzt, dann wieder von der Maschine:
1° Du kommst wie gerufen, ich muss ein Regal aufbauen.
2° Vous obtenez comme je l'ai appelé pour construire une bibliothèque.
3° Sie bekommen wie ich in eine Bibliothek zu bauen aufgerufen.
4° Je vous appelle à construire une bibliothèque.
5° Ich fordere Sie auf, eine Bibliothek zu bauen.
6° Je vous invite à construire une bibliothèque.
7° Ich lade Sie ein, um eine Bibliothek zu bauen.
Und zum Abschluss noch Goethe - einmal ohne Verszeilenzeichen übertragen, einmal mit.
1° Über allen Gipfeln ist Ruh,| in allen Wipfeln spürest du | kaum einen Hauch;| die Vögelein schweigen im Walde, | warte nur, balde | ruhest du auch!
ergibt
9° Auf allen Knoten in den Bäumen zur Ruhe, so sehen wir eine kleine Sache, die kleinen Vögel in den Bäumen und warten auf Sie!
und
7° Auf die Menge der Ecken ist Ruh, | fühle es in den Bäumen, | Sie ein Hauch, | die Vögel von Bäumen erwarten nun, dass | | auch!
Oh Wunder, in der siebenten Generation der Fassung mit Verszeilenzeichen bleibt der Reim bestehen! Hier der gleiche Text, durch Literaturübersetzer gefiltert.
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Diesen Schabernack widme ich einem, der heute Geburtstag hat.
Meine klassische Nagelprobe für Automatic Translation mache ich indes schon heute. Dabei spiele ich mit Übersetzungssoftware (Kette) und einem Satz (Schuss) das übersetzerische "Weberschiffchen": gebe das Ergebnis wieder in die Maske ein, übersetze es in die Ausgangssprache zurück, um dann wieder das Ergebnis übersetzen zu lassen, bis es keine (wesentlichen) Veränderung mehr gibt. In der einen Fassung komme ich bis zur achten, in der anderen nur bis zur siebenten Generation.
Im Vergleich zu früheren Spielchen klingen bei Google Translator die Sätze teilweise verständlich, sie sehen grammatisch eher wie normale Sätzen aus. Murks kommt dennoch immer dann bei der maschinellen Übersetzung heraus, wenn idiomatische Redewendungen, Schachtelsätze, mehrere Ebenen oder Poesie im Spiel sind. Aber sehen Sie selbst.1° Tu tombes à pic, je dois construire une étagère.
2° Sie fallen direkt nach unten, ich bin Gebäudes ein Regal.
3° Ils tombent vers le bas, je construis une étagère.
4° Fallen sie nieder, baue ich ein Regal.
5° Si elles tombent, je construis une étagère.
6° Wenn sie fallen, baute ich ein Regal.
7° S'ils tombent, j'ai construit une étagère.
8° Wenn sie fallen, baute ich ein Regal.
Der Beispielsatz lautet, erst von einem Menschen übersetzt, dann wieder von der Maschine:
1° Du kommst wie gerufen, ich muss ein Regal aufbauen.
2° Vous obtenez comme je l'ai appelé pour construire une bibliothèque.
3° Sie bekommen wie ich in eine Bibliothek zu bauen aufgerufen.
4° Je vous appelle à construire une bibliothèque.
5° Ich fordere Sie auf, eine Bibliothek zu bauen.
6° Je vous invite à construire une bibliothèque.
7° Ich lade Sie ein, um eine Bibliothek zu bauen.
Und zum Abschluss noch Goethe - einmal ohne Verszeilenzeichen übertragen, einmal mit.
1° Über allen Gipfeln ist Ruh,| in allen Wipfeln spürest du | kaum einen Hauch;| die Vögelein schweigen im Walde, | warte nur, balde | ruhest du auch!
ergibt
9° Auf allen Knoten in den Bäumen zur Ruhe, so sehen wir eine kleine Sache, die kleinen Vögel in den Bäumen und warten auf Sie!
und
7° Auf die Menge der Ecken ist Ruh, | fühle es in den Bäumen, | Sie ein Hauch, | die Vögel von Bäumen erwarten nun, dass | | auch!
Oh Wunder, in der siebenten Generation der Fassung mit Verszeilenzeichen bleibt der Reim bestehen! Hier der gleiche Text, durch Literaturübersetzer gefiltert.
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Diesen Schabernack widme ich einem, der heute Geburtstag hat.
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Am Wegesrand aufgelesen
Dienstag, 20. April 2010
Zwischen Birne und Käse
Das war wieder eine böse Zeitverschiebungsfalle, in die meine Kunden da reingeraten sind! Dabei hatte ich sie gewarnt! Nein, es war nicht die isländische Aschewolke, die sie in die Postkutschenzeit zurückkatapultierte, während wir doch in Berlin über modernste Medienthemen sprechen sollten. Die Wolke war durchaus hinderlich, schwerer wirkte sich indes die traditionell unterschiedliche Zeitwahrnehmung in Frankreich und Deutschland aus. Denn die stimmt in beiden Ländern ebenso wenig überein wie der Ablauf bei Geschäftsanbahnungsgesprächen.
Auf Einladung der französischen Gäste, die per Ausnahmegenehmigung im "kontrollierten Sichtflug" einschwebten, befinden wir uns in einem gehobenen Etablissement der gepflegten Nahrungs- und Getränkeaufnahme. Vor einigen Wochen bereits hatte das erste Treffen in Frankreich in einem Zusammenhang stattgefunden, der durch höchste bundesdeutsche Stellen ermöglicht und auch finanziert worden war. So fand das zweite Treffen auf Rechnung der französischen potentiellen Geschäftspartner statt, die dann auch den Ton vorgaben. Wer zahlt, bestimmt - das gilt auch hier. Dennoch geht die Chose am Ende auf Kosten der Deutschen aus.
Aber gemach. Die deutsche Seite hat mich als Dolmetscherin angeheuert. Zunächst finden wir uns zum Vorgespräch im Hotel Adlon ein, dann geht es weiter, Gäste "von gegenüber" abholen, der Pariser Platz hat heute wie einst seine berühmten Anrainer. Man hatte sich im Vorfeld des Termins etliche Mails hin- und hergeschickt, telefoniert, eine Videokonferenz auf Englisch abgehalten - letztere wohl mit mäßigem Erfolg, "das feeling für die anderen bekommt man doch nur im persönlichen Gegenüber!", resümierte denn auch einer der deutschen Geschäftsführer die Sache.
Termine wie diese heute sind immer knifflig, auch für uns Dolmetscher. Beim Vorgespräch mit zwei Herren, ein dritter kommt später nach, erfahre ich allenfalls ahnungshalber, worum es sich dreht; im Gegenzug wird für mich deutlich, dass die deutsche Seite bereits sehr genaue Vorstellungen der Rahmendaten des sich anbahnenden Vertrages hat. Ich versuche zu erfragen, wie konkret man schon miteinander ist, was das Pariser Gespräch bereits an Übereinstimmung erbracht hat. Von dort wird berichtet, dass man sich wohl grundsätzlich geeinigt habe und es jetzt nur noch um Details gehe. Trotz dieser eindeutigen Information warne ich vorsichtig, denn das erste Treffen hatte wohl bei Canapés und Toasts stattgefunden, Absichtserklärungen zählen auf französischer Seite weniger als auf deutscher, also frage ich noch, ob es nicht sein könne, dass man erst einmal die "gemeinsame Chemie" finden müsse - so jedenfalls ticken französischen Geschäftsleute und Politiker, die ich so kenne.
Und so kommt es dann auch. Man trifft sich zum Essen, die Apéritifs passen hervorragend zu spätem Frühling und isländischer Vulkanwolke, danach wird ein akrobatisch aufgetürmter Salat aus Blättern, Möhrenspirale, Tomatenschiffchen, Artischockenherzen und Flugfisch gereicht (mit welchen Flügeln kam der?), garniert mit Gesprächen über die Politik. Das amuse-gueule zwischendurch kommt in Begleitung touristischer Erwägungen in Sachen links- und rechtsrheinischer Hauptstädte, beim plat de résistance, dem Hauptgericht, geht's mit der deutschen Einheit richtig zur Sache.
Langsam werden meine deutschen Kunden unruhig. Immer, wenn ein Themenwechsel ansteht, also etwa ab dem Salat, fangen sie an sich zu sammeln, entspannt und konzentriert zugleich zu wirken - wie ein Maikäferchen vor dem Start. Das Problem: Das Maikäferchen ist im April zu früh dran, und die Franzosen geben immer den Takt und das Thema an, frei nach: Wer fragt, führt.
Nun wird ein zweiter Hauptgang gereicht, dazu die fortbestehende Zweiteilung der Welt debattiert. Wir befinden uns in einem Restaurant, in dem die Portionen ebenso klein sind wie die Gespräche gedämpft: sehr. Als Geschäftsessensgäste hatten wir das Séparée bekommen, auch, damit ich würde dolmetschen können, ohne das Ruhebedürfnis anderer zu stören. Aber aus Perspektive der Franzosen war ich nur für small talk einbestellt, so jedenfalls mutmaßt zwischendurch leise einer meiner Auftraggeber. Ich bitte um Geduld, sage, dass man in Frankreich immer erst in Ruhe esse, und dann ...
Und während der andere Auftraggeber unter dem Tisch das Dossier mit den Zahlenwerken auf den Knien jongliert, kommt langsam ein kleines Dessert, gefolgt von einer Obstschale und Kaffee, begleitet von Gesprächen über die verehrten Ehegesponse und die lieb' Kindelein. Und wieder pumpen die deutschen Teile dieser Essensdelegation wie die Käfer kurz vorm Start.
Jetzt ist ein kleiner Umzug fällig, wird ein neues Etablissement angesteuert. Und zwischen café et pousse-café, zwischen Kaffee und dem Schnäpsken hinterher, fangen die Franzosen an zu sprechen. Sie skizzieren eins, zwei, zack die Grundlinien ihrer Vorstellungen von dem Deal, stellen charmant lächelnd Forderungen, beschreiben Wege. Meine deutschen Auftraggeber wirken müde und erschöpft vom vielen Pumpen und den vielen Gängen. Sie nicken, haben keine Einwände und noch weniger Fragen.
Dieser späte Zur-Sache-Kommen ist sehr französisch, dafür gibt es sogar einen historischen Ausdruck: entre la poire et le fromage, den ich gerade mit "zwischen Kaffee und Schnaps" übertragen hatte. "Zwischen Birne und Käse" bezeichnet einen ruhigen Moment zwischen zwei Ereignissen oder gegen Ende einer Mahlzeit. Der Begriff stammt aus dem 17. Jahrhundert, in dem der Käse nach den Früchten gereicht wurde, die sehr häufig aus heimischen Regionen stammten, also Äpfel oder Birnen waren. Und ohne hier Äpfel gegen Birnen aufrechnen zu wollen: Eine Zeitverschiebungsfalle war das Ganze allemal, egal ob Birne, Käse, Kaffee oder Schnaps.
Auf Einladung der französischen Gäste, die per Ausnahmegenehmigung im "kontrollierten Sichtflug" einschwebten, befinden wir uns in einem gehobenen Etablissement der gepflegten Nahrungs- und Getränkeaufnahme. Vor einigen Wochen bereits hatte das erste Treffen in Frankreich in einem Zusammenhang stattgefunden, der durch höchste bundesdeutsche Stellen ermöglicht und auch finanziert worden war. So fand das zweite Treffen auf Rechnung der französischen potentiellen Geschäftspartner statt, die dann auch den Ton vorgaben. Wer zahlt, bestimmt - das gilt auch hier. Dennoch geht die Chose am Ende auf Kosten der Deutschen aus.
Aber gemach. Die deutsche Seite hat mich als Dolmetscherin angeheuert. Zunächst finden wir uns zum Vorgespräch im Hotel Adlon ein, dann geht es weiter, Gäste "von gegenüber" abholen, der Pariser Platz hat heute wie einst seine berühmten Anrainer. Man hatte sich im Vorfeld des Termins etliche Mails hin- und hergeschickt, telefoniert, eine Videokonferenz auf Englisch abgehalten - letztere wohl mit mäßigem Erfolg, "das feeling für die anderen bekommt man doch nur im persönlichen Gegenüber!", resümierte denn auch einer der deutschen Geschäftsführer die Sache.
Termine wie diese heute sind immer knifflig, auch für uns Dolmetscher. Beim Vorgespräch mit zwei Herren, ein dritter kommt später nach, erfahre ich allenfalls ahnungshalber, worum es sich dreht; im Gegenzug wird für mich deutlich, dass die deutsche Seite bereits sehr genaue Vorstellungen der Rahmendaten des sich anbahnenden Vertrages hat. Ich versuche zu erfragen, wie konkret man schon miteinander ist, was das Pariser Gespräch bereits an Übereinstimmung erbracht hat. Von dort wird berichtet, dass man sich wohl grundsätzlich geeinigt habe und es jetzt nur noch um Details gehe. Trotz dieser eindeutigen Information warne ich vorsichtig, denn das erste Treffen hatte wohl bei Canapés und Toasts stattgefunden, Absichtserklärungen zählen auf französischer Seite weniger als auf deutscher, also frage ich noch, ob es nicht sein könne, dass man erst einmal die "gemeinsame Chemie" finden müsse - so jedenfalls ticken französischen Geschäftsleute und Politiker, die ich so kenne.
Und so kommt es dann auch. Man trifft sich zum Essen, die Apéritifs passen hervorragend zu spätem Frühling und isländischer Vulkanwolke, danach wird ein akrobatisch aufgetürmter Salat aus Blättern, Möhrenspirale, Tomatenschiffchen, Artischockenherzen und Flugfisch gereicht (mit welchen Flügeln kam der?), garniert mit Gesprächen über die Politik. Das amuse-gueule zwischendurch kommt in Begleitung touristischer Erwägungen in Sachen links- und rechtsrheinischer Hauptstädte, beim plat de résistance, dem Hauptgericht, geht's mit der deutschen Einheit richtig zur Sache.
Langsam werden meine deutschen Kunden unruhig. Immer, wenn ein Themenwechsel ansteht, also etwa ab dem Salat, fangen sie an sich zu sammeln, entspannt und konzentriert zugleich zu wirken - wie ein Maikäferchen vor dem Start. Das Problem: Das Maikäferchen ist im April zu früh dran, und die Franzosen geben immer den Takt und das Thema an, frei nach: Wer fragt, führt.
Nun wird ein zweiter Hauptgang gereicht, dazu die fortbestehende Zweiteilung der Welt debattiert. Wir befinden uns in einem Restaurant, in dem die Portionen ebenso klein sind wie die Gespräche gedämpft: sehr. Als Geschäftsessensgäste hatten wir das Séparée bekommen, auch, damit ich würde dolmetschen können, ohne das Ruhebedürfnis anderer zu stören. Aber aus Perspektive der Franzosen war ich nur für small talk einbestellt, so jedenfalls mutmaßt zwischendurch leise einer meiner Auftraggeber. Ich bitte um Geduld, sage, dass man in Frankreich immer erst in Ruhe esse, und dann ...
Und während der andere Auftraggeber unter dem Tisch das Dossier mit den Zahlenwerken auf den Knien jongliert, kommt langsam ein kleines Dessert, gefolgt von einer Obstschale und Kaffee, begleitet von Gesprächen über die verehrten Ehegesponse und die lieb' Kindelein. Und wieder pumpen die deutschen Teile dieser Essensdelegation wie die Käfer kurz vorm Start.
Jetzt ist ein kleiner Umzug fällig, wird ein neues Etablissement angesteuert. Und zwischen café et pousse-café, zwischen Kaffee und dem Schnäpsken hinterher, fangen die Franzosen an zu sprechen. Sie skizzieren eins, zwei, zack die Grundlinien ihrer Vorstellungen von dem Deal, stellen charmant lächelnd Forderungen, beschreiben Wege. Meine deutschen Auftraggeber wirken müde und erschöpft vom vielen Pumpen und den vielen Gängen. Sie nicken, haben keine Einwände und noch weniger Fragen.
Dieser späte Zur-Sache-Kommen ist sehr französisch, dafür gibt es sogar einen historischen Ausdruck: entre la poire et le fromage, den ich gerade mit "zwischen Kaffee und Schnaps" übertragen hatte. "Zwischen Birne und Käse" bezeichnet einen ruhigen Moment zwischen zwei Ereignissen oder gegen Ende einer Mahlzeit. Der Begriff stammt aus dem 17. Jahrhundert, in dem der Käse nach den Früchten gereicht wurde, die sehr häufig aus heimischen Regionen stammten, also Äpfel oder Birnen waren. Und ohne hier Äpfel gegen Birnen aufrechnen zu wollen: Eine Zeitverschiebungsfalle war das Ganze allemal, egal ob Birne, Käse, Kaffee oder Schnaps.
Kategorien:
Alltag,
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