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Mittwoch, 17. Dezember 2025

Die KI ist kein Dolmetscher

Bon­jour & hel­lo! Hier schreibt ei­ne Wort­schub­se! Sie ha­ben rich­tig ge­lesen, ich schub­se Wör­ter. Die All­ge­mein­heit nimmt un­sere Leis­tun­gen ähn­lich sel­ten wahr wie die der Pro­fis im Gas­traum ei­nes Flug­zeugs. Aus Ig­no­ranz ent­steht da­bei oft ge­nug Gleich­gül­tig­keit. Wer dol­met­schen möch­te, braucht auf dem Weg zur Ex­zel­lenz viel Zeit: im Schnitt 7,5 Jah­re Aus­bil­dung in Spra­che, Kul­tur, Fach­ge­bie­ten, Me­tho­dik und Be­rufs­kun­de. Ich dol­met­sche FR, DE und EN, meis­tens si­mul­tan. Heute: KI-Mitt­woch.

Die Be­haup­tung ist rasch auf­ge­stellt und im­mer öf­ter zu hö­ren: „Die KI über­setzt heu­te schon fast so gut wie Men­schen.“ Sie klingt mo­dern, ef­fi­zi­ent und al­ter­na­tiv­los. Und sie taucht zu­ver­läs­sig im­mer dann auf, wenn Bud­gets knap­per und Ver­ant­wor­tung aus­ge­la­gert wer­den.

Ar­beits­platz Dol­metsch­ka­bi­ne
Falsch ist die Be­haup­tung trotz­dem.

Nicht, weil KI nichts könn­te, sie ist nütz­lich: Hier setzt sie zum Bei­spiel Soft hy­phens. Sie hilft manch­mal auch, ei­nen ers­ten Über­blick zu be­kom­men. Die Be­haup­tung mit dem Dol­met­schen ist aber des­halb falsch, weil vie­le Zwei­bei­ner nicht ver­ste­hen (oder nicht ver­ste­hen wol­len), was Dol­met­schen ist.

Warum Dol­met­scher:in­nen nicht ein­fach aus­tausch­bar sind 
Kon­fe­ren­zdo­lmets­chen ist kei­ne Wort-für-Wort-Über­tra­gung. Wer das glaubt, hat noch nie er­lebt, wie Be­deu­tung un­ter Zeit­druck ent­steht. Wir Dol­met­scher:in­nen tref­fen per­ma­nent Ent­schei­dun­gen, und zwar in Se­kun­den­bruch­tei­len. Wir hö­ren nicht nur Wör­ter, son­dern Ab­sich­ten. Wir re­gis­trie­ren Ton­fall, Aus­las­sun­gen, vor­sich­tige For­mu­lie­rungen und ge­ziel­te Un­schär­fen. Und wir wis­sen, wann es klü­ger ist, et­was mi­ni­mal zu glät­ten oder ein falsch ver­wen­de­tes Wort zu kor­ri­gie­ren ... und wann ge­nau das nicht pas­sie­ren darf.

Ei­ne KI ver­ar­bei­tet Spra­che. Ein Mensch ar­bei­tet in Si­tu­a­tionen und bringt Ge­füh­le mit ein. Das ist kein ro­man­tischer Un­ter­schied, son­dern ein funk­tiona­ler. Des­halb sind wir Dol­met­scher:in­nen nicht ein­fach aus­tausch­bar, ge­nau des­halb schei­tert KI dort, wo zwi­schen­mensch­liche Kom­mu­ni­ka­tion Fol­gen hat.

Wo­ran las­sen sich „KI-Übel­set­zun­gen“ er­ken­nen? 
Schlechte KI-Aus­wür­fe, die vor­geben, Über­set­zun­gen zu sein, fal­len sel­ten da­durch auf, dass je­des Wort falsch wäre. Im Ge­gen­teil: Sie wir­ken auf den ers­ten Blick er­staun­lich kor­rekt. Das Pro­blem ist da­bei nie der ein­zel­ne Satz, es ist das Ge­samt­bild, sind An­spie­lun­gen und die kul­tu­rel­len Hin­ter­gründe, die zwi­schen den Text­zei­len hin­durch­schei­nen bzw. eben nicht, weil der KI das kul­tu­rel­le Hin­ter­land fehlt. Bei Tex­ten, die am En­de noch durch ei­nen Sprach­ge­ne­ra­tor ge­jagt wer­den, ist es ähn­lich. Zu­sätz­li­che Feh­ler, die bei die­sem letz­ten Schritt ent­ste­hen, sit­zen on top wie die kan­dier­te Kir­sche auf der Tor­te.

1. KI-Pro­duk­te klin­gen glatt, aber leer und oft be­lie­big
Die Sät­ze die­ser Pro­duk­te sind gram­ma­ti­ka­lisch sau­ber, Tipp­feh­ler sel­ten. Der Ton ist neu­tral, manch­mal so­gar ele­gant. Und trotz­dem bleibt am En­de we­nig hän­gen. Was fehlt, ist Po­si­tion, Hal­tung, das Wis­sen um Stand­punk­te, um Kom­mu­ni­ka­tions­ab­sich­ten und Ge­fah­ren.

Kon­fe­ren­zen dre­hen sich meis­tens um die Aus­nah­me, das Be­son­dere, Neue, Ak­tu­el­le. Die KI aber ver­mei­det Zu­spit­zung. Sie scheut Wi­der­spruch, sie kennt kei­ne Ver­ant­wor­tung. Das Er­geb­nis ist Spra­che oh­ne Ge­wicht. In ei­ner Kon­fe­renz, in der Ent­schei­dun­gen vor­be­rei­tet oder le­gi­ti­miert wer­den sol­len, ist das nicht harm­los, son­dern kann ri­skant wer­den. Die Wort­wahl der KI folgt der Wahr­schein­lich­keit, dem ma­the­ma­tischen Durch­schnitt. Als Bei­spiel dür­fen Sie an Ma­ler­fahr­un­gen aus der Kind­heit den­ken: Al­le Far­ben zu­sam­men­ge­mischt er­ge­ben grau.

2. Ma­schi­nen ken­nen Wör­ter, kei­ne Ab­sich­ten
Die KI über­setzt, was ge­sagt wird, nicht das, was ge­meint ist. Iro­nie wird zu Ernst, Vor­sicht wird zu Be­lie­big­keit, Kri­tik klin­gt plötz­lich wie ei­ne sach­liche Rand­be­mer­kung. Für das Pu­bli­kum ent­steht ein völ­lig an­deres Bild, nicht of­fensichtlich falsch, aber ver­zerrt. Ge­nau dar­in liegt die Ge­fahr: Nie­mand springt auf, nie­mand wi­der­spricht oder hin­ter­fragt die State­ments. Trotz­dem hat sich die Be­deu­tung ver­än­dert.

3. Ma­schi­nen ig­no­rie­ren Macht­ver­hält­nisse

Bei Kon­fe­ren­zen spre­chen nicht al­le auf Au­gen­höhe. Das ist kein Ge­heim­nis, son­dern All­tag. Er­fah­rene Dol­met­scher:in­nen hö­ren, wer ab­si­chert, wer pro­vo­ziert und wer de­es­ka­li­eren will. Sie er­ken­nen, wann ein Satz for­mal höf­lich ist, aber in­halt­lich Druck aus­übt. KI er­kennt Satz­struk­turen, aber sie er­kennt nicht, wer ge­rade wem et­was sagt.

4. Ma­schi­nen schei­tern an Fach­lo­gik
Fach­be­griffe sind sel­ten das ei­gent­liche Pro­blem, Fach­lo­gik schon. Die KI kann Ter­mi­no­lo­gie re­pro­du­zie­ren und da­mit Kom­mu­ni­ka­tion si­mu­lie­ren, sie kann aber nicht be­ur­tei­len, ob Be­griffe zu­ein­an­der pas­sen, ob sie im ge­ge­be­nen Kon­text Sinn er­ge­ben oder ob je­mand sie ge­rade stra­te­gisch falsch ver­wen­det. Wir Men­schen kor­ri­gie­ren lei­se, die KI re­pro­du­ziert kon­se­quent, auch dann, wenn der Feh­ler of­fen­bar ist. Sie stellt kei­ne Fra­gen, ist auch hier aal­glatt, be­quem im Um­gang und lie­fert da­mit un­zu­ver­läs­sigen Out­put.

5. Ma­schi­nen ma­chen Feh­ler, Men­schen auch
Kon­fa­bu­la­tionen oder vor­schnel­le In­ter­pre­ta­tionen der KI ha­ben in­zwi­schen wohl al­le schon mal ge­lesen. Die KI kann sich nicht selbst aus­brem­sen und ist nicht selbst­kri­tisch. Wenn am En­de 20 Pro­zent des Aus­wurfs 'un­scharf' ist, er­fun­den oder ver­pei­lt, warnt die Ma­schi­ne ei­nen nicht. Was soll das Pu­bli­kum am En­de glau­ben? Und wenn Men­schen Feh­ler ma­chen, und Men­schen ma­chen Feh­ler, er­kennt die KI das nicht, warnt nicht vor Miss­ver­ständ­nissen, über­trägt 1:1. Grund­sätz­lich gilt: Die KI kennt kei­ne Feh­ler.

Bei Kun­den führ­te das zu viel Auf­ruhr, weil ei­ne Text­über­tra­gungs-KI das Ge­gen­teil von dem pro­du­ziert hat, was ge­meint war: klick. Das war 2021. Auch heu­te fin­den sich im­mer wie­der gro­be Feh­ler in Tex­ten.

Die „KI“ ar­bei­tet zu­dem nicht al­lein:
Oh­ne mas­sen­haf­te Aus­beu­tung in ar­men Län­dern ist sie nicht mög­lich

Ré­su­mé: Was Auf­trag­geber re­gel­mäßig falsch ver­ste­hen 
Vie­le Auf­trag­geber ge­hen da­von aus, dass es beim Dol­met­schen vor al­lem dar­um geht, dass „es ir­gend­wie an­kommt“. Das reicht aber nicht: Ge­rade bei Ver­hand­lun­gen, po­li­tischen Ge­sprä­chen oder fach­lich sen­sib­len The­men ent­schei­det der Ton über die Wir­kung. Wir al­le ken­nen die Aus­sa­gen, dass die Kör­per­spra­che ei­nen we­sent­lichen An­teil an der Kom­mu­nika­tion hat, wenn nicht gar den größ­ten.

Ei­ne KI hat kei­nen Kör­per, kei­nen Auf­tritt, wenn es um Vor-Ort-Ver­hand­lun­gen im Klei­nen oder um die gro­ße Büh­ne geht. Ei­ne KI fragt nicht vor dem Ein­satz die si­tu­a­ti­ons­typi­schen Be­griffs­ver­wen­dun­gen ab. Ei­ne KI über­schrei­tet un­sicht­bar die Schwel­le ih­rer ei­genen In­kom­pe­tenz. Wir Men­schen ha­ben die Grö­ße, Lü­cken ein­zu­ge­stehen, wir Men­schen fra­gen nach oder über­le­gen ge­mein­sam mit den Kun­den, um gu­te Mus­ter­über­set­zun­gen zu fin­den, soll­te ter­mi­no­lo­gi­sches Glat­teis dro­hen, al­so „Bei­n­bruch­gefahr“ be­ste­hen. Die KI hat kein Bein, er­kennt al­so auch sol­che Ge­fah­ren nicht.

We­sent­lich: Ei­ne mi­ni­ma­le Ver­schie­bung kann Be­zie­hun­gen be­schä­di­gen, Miss­ver­ständ­nisse er­zeu­gen oder Ver­trau­en un­ter­gra­ben. Die KI be­merkt das nicht, weil sie nicht weiß, was Ver­trau­en ist. Men­schen schon. Und sie ge­ben In­hal­te, an­ders als vie­le KI-Sys­teme, nicht stan­dard­mäßig an Tech-Kon­zer­ne wei­ter.

Warum KI trotz­dem gern ein­gesetzt wird

Nicht, weil sie bes­ser wäre, son­dern weil sie bil­lig er­scheint, so­fort ver­füg­bar ist und Ver­ant­wor­tung ver­schiebt. Das ist be­quem, aber kein pro­fes­sio­neller Um­gang mit Kom­mu­ni­ka­tion. Wenn et­was schief­geht, war es die Tech­nik und kein per­sön­liches Ver­sagen, kein Feh­ler im Sys­tem. Mög­licher­weise wur­de aber aus „bil­lig“ plötz­lich rich­tig teu­er.

Kon­fe­renz­dol­met­schen ist kein tech­ni­sches Fea­ture, son­dern mensch­liche Kom­pe­tenz. Da­her sind wir zwei­bei­nigen Kon­fe­renz­dol­met­scher:in­nen un­er­setz­lich, und das gilt auch für je­ne von uns, die viel­leicht im Rol­li sit­zen oder mit Krü­cken an­kom­men.

Bis zum nächs­ten KI-Mitt­woch!

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Foto:
C.E. / Wikicommons (mechanical Turc)

Mittwoch, 7. August 2024

Die Zukunft des Dolmetschens

Gu­ten Tag, bon­jour & hello! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hin­ein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­set­zen und Kult­uren dreht. Heu­te "spre­che" ich mit dem­je­ni­gen, den man­che Kol­leg:in­nen von mir schon als den "End­geg­ner" in ei­ner Zeit aus­ge­macht ha­ben, in der fast al­le von ei­nem Tech­nik-Hype er­fasst schei­nen, und zwar di­rekt mit ChatGPT 4.0.

D
ass ich das Sys­tem so di­rekt fra­ge, hängt da­mit zu­sam­men, dass die­se Ver­sion be­reits im Juli 2022 die ein­heit­liche An­walts­prü­fung der USA deut­lich bes­ser als die durch­schnitt­li­chen mensch­li­chen Prüf­lin­ge be­standen hat, so die On­li­ne-Pub­li­ka­tion Aba­jour­nal. Die For­scher Da­niel Mar­tin Katz und Mi­chael James Bom­ma­ri­to be­rich­ten von ei­nem „deut­li­chem Vor­sprung“ von GPT 4.0., das einen Durch­schnitt von 4,2 von 6 Punk­ten er­langt hat. Ab 4 Punk­ten gilt die Prü­fung als „be­stan­den“.

Ca­ro­li­ne: Bon­jour, Chat­GPT, und Glück­wunsch zum be­stan­de­nen Diplom!

ChatGPT: Hal­lo, Ca­ro­li­ne. Dan­ke! Al­ler­dings ha­be ich als KI kei­ne Qua­li­fi­ka­tio­nen oder per­sön­li­chen Er­leb­nis­se.

Drei Frauen mit Kopfhörern, eine weitere auf einem großen Monitor im Hintergrund
So stellt sich die KI un­se­re Ar­beit vor
Ca­ro­li­ne:
Du hilfst mir seit letz­tem Jahr manch­mal in der End­fer­ti­gung mei­ner Blog­tex­te, z.B. beim Set­zen der unsicht­ba­ren Sil­ben­trenn­nzei­chen. Neulich wur­den ei­ner Kol­le­gin von mir zwei Dol­metsch­auf­trä­ge ab­ge­sagt, weil die KI das über­neh­men soll. Ist das ei­ne gu­te oder ei­ne ge­wag­te Ent­schei­dung?

ChatGPT: Das ist ei­ne ge­wag­te Ent­schei­dung. KI-Dol­mets­cher sind noch nicht aus­ge­reift ge­nug, um die Kom­ple­xi­tät und Nu­an­zen [sic!] mensch­li­cher Spra­che voll­stän­dig zu er­fas­sen.

Ca­ro­line: Was heißt hier "noch nicht"? Wird die KI uns er­set­zen?

ChatGPT: Das ist unwahrscheinlich. Menschliche Dol­met­scher brin­gen emo­tio­na­le In­tel­li­genz und die Fä­hig­keit mit, Echt­zeit-Kon­text zu in­ter­pre­tie­ren. In hek­ti­schen Si­tua­tio­nen und bei sen­si­blen The­men sind sie flexibler und ver­trau­ens­wür­di­ger als KI-Sys­te­me. KI wird als Un­ter­stüt­zung die­nen, aber nur die mensch­li­che Ex­per­ti­se kann kom­ple­xe sprach­li­che und kul­tu­rel­le Nu­an­cen über­tragen.

Ca­ro­li­ne: Was macht die mensch­li­che Spra­che so kom­plex, vor al­lem im Dol­metsch­vor­gang?

ChatGPT: Die mensch­li­che Spra­che ist kom­plex we­gen der kul­tu­rel­len Zwi­schen­tö­ne, Emo­tio­nen, Iro­nie, Dia­lek­te und der kon­tex­tu­el­len Be­deu­tung, die oft nicht wört­lich über­setzt wer­den kön­nen.

Ca­ro­li­ne: Wie könn­te die KI das ei­nes Ta­ges auch über­neh­men? Sind da Lö­sun­gen denk­bar?

ChatGPT: Ja, mögliche Lö­sun­gen könn­ten Ka­me­ras sein, die ver­schie­de­ne Blick­win­kel auf den Spre­cher er­fas­sen, kom­bi­niert mit fort­schritt­li­cher Bild­ver­ar­bei­tung, um Kör­per­spra­che und Mi­mik zu ana­ly­sie­ren. Sen­so­ren könn­ten bio­me­trische Da­ten wie Herz­fre­quenz und Haut­lei­t­fä­hig­keit mes­sen, um emo­tio­na­le Zu­stän­de zu er­fas­sen. Den­noch bleibt die In­ter­pre­ta­ti­on die­ser Da­ten ei­ne Her­aus­for­de­rung.

Ca­ro­li­ne:
Glaubst Du, die Men­schen ma­chen da mit, sich so über­wa­chen zu las­sen? Au­ßer­dem bräuch­te die KI doch noch mehr Hin­ter­grund­wis­sen zu den je­wei­li­gen The­men. 

ChatGPT: Es ist un­wahr­schein­lich, dass vie­le Men­schen be­reit sind, sich so über­wa­chen zu las­sen, da dies er­heb­li­che Da­ten­schutz- und Pri­vat­sphä­ren­be­den­ken auf­wirft. Die KI wür­de zu­dem um­fang­rei­ches Hin­ter­grund­wis­sen be­nö­ti­gen, ein­schließ­lich der ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen im je­wei­li­gen The­men­be­reich, um an­nä­hernd so prä­zi­se wie mensch­li­che Dol­mets­cher zu sein. Ich glau­be, es wür­de dann zu Da­ten­schutz­pro­ble­men kom­men, wenn die Spre­cher ihr gan­zes Ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung stel­len müss­ten.

Ca­ro­li­ne: Was wä­ren die Vor­tei­le der KI bei Dol­metsch­auf­ga­ben?

ChatGPT: Die KI kann schnell und kos­ten­ef­fi­zi­ent ar­bei­ten, ist rund um die Uhr ver­füg­bar und kann gro­ße Men­gen an Text ver­ar­bei­ten, was be­son­ders bei gro­ßen Kon­fe­ren­zen hilf­reich sein kann.

Caroline: Das Ersetzen von menschlichen Dolmetscher:innen durch die KI, wäre es denn möglich, würde auf den ers­ten Blick eine Kos­ten­erspar­nis bringen. Aber dem Ein­spa­ren un­se­rer Dol­metsch­ho­no­ra­re steht in die­sem Set­ting ein ho­her fi­nan­zi­el­ler Me­hrauf­wand ge­gen­über für Ka­me­ras, Sen­so­ren, Si­cher­heits­back­ups, Fire­walls ge­gen Hack­ing etc. Das dürf­te al­les un­ter dem Strich teu­rer sein, oder?

INFO: Sprache zu Text zu Sprache Spracherkennung: Die gesprochene Sprache wird von einer Spracherkennungs-software in Text umgewandelt. Textverarbeitung: Der erkannte Text wird in die Zielsprache übertragen. Sprachsynthese: Das Ergebnis wird durch einen Text-to-Speech-Engine wieder in gesprochene Sprache transferiert.
Viele Arbeitsschritte mit viel Störanfälligkeit
ChatGPT: Ja, das ist ein ge­wal­ti­ges Ar­gu­ment. Die Ein­rich­tung und War­tung und Steue­rung die­ser Tech­no­lo­gien er­for­dert einen er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Auf­wand, der oft nicht nur die Kos­ten für die Hard­ware und Soft­ware, son­dern auch für Si­cher­heits­maß­nah­men und da­zu­ge­hö­ri­ge Per­so­nal­auf­wen­dun­gen um­fasst.

Ca­ro­li­ne: Und woran genau scheitern KI-Dol­mets­cher?

ChatGPT: Die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen sind Un­ge­nau­ig­kei­ten bei der Spra­cher­ken­nung, fehlendes Kon­text­ver­ständ­nis, Iro­nie und Hu­mor, tech­ni­sche Pan­nen, die feh­len­de emo­tio­na­le In­tel­li­genz so­wie Rück­fra­gen aus dem Pub­li­kum.

Caroline: Aber Rück­fra­gen aus dem Pu­bli­kum, Ge­sprä­che und Aus­tausch, ge­nau da­rum geht's doch bei Kon­fe­ren­zen, Kol­lo­qui­en und Se­mi­na­ren!

ChatGPT: Du hast völlig recht! Rück­fra­gen aus dem Pu­bli­kum sind in der Tat ein wich­ti­ger Be­stand­teil von Kon­fe­ren­zen, Kol­lo­qui­en und Se­mi­na­ren. Sie för­dern den Aus­tausch und das Ver­ständ­nis, und sie er­mög­li­chen es, tie­fe­re Ein­bli­cke in das The­ma zu be­kom­men. Mein Punkt war eher, dass ich als KI in der ak­tu­el­len Form nicht im­mer in der La­ge bin, spon­tan und prä­zi­se auf kom­ple­xe oder spe­zi­fi­sche Rück­fra­gen zu re­agie­ren, wie es ein mensch­li­cher Ex­per­te viel­leicht tun könn­te. Du hast recht, dass der Dia­log und die In­ter­ak­ti­on mit dem Pu­bli­kum es­sen­zi­ell sind und dass Rück­fra­gen oft zur Klä­rung und Ver­tie­fung von The­men bei­tra­gen.

Ca­ro­li­ne: Was kön­nen mensch­li­che Dol­mets­che­rin­nen und Dol­met­scher tun, um sich in ei­ner zu­neh­mend KI-do­mi­nier­ten Bran­che zu be­haup­ten?

ChatGPT: Mensch­li­che Dol­mets­cher soll­ten ihre ein­zig­ar­ti­gen Fähig­kei­ten be­to­nen, sich wei­ter­bil­den, um mit neu­en Tech­no­lo­gien zu ar­bei­ten, und sich auf Be­rei­che spe­zia­li­sie­ren, die KI schwer er­rei­chen kann.

Ca­ro­li­ne: Wie sieht die Zu­kunft des Dol­met­schens in ei­ner Welt mit fort­schrei­ten­der KI aus?

ChatGPT: Die Zu­kunft des Dol­metschens wird wahr­schein­lich ei­ne Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen KI und mensch­li­chen Dol­mets­chern sein, wo­bei KI als un­ter­stüt­zen­des Werk­zeug dient und Men­schen die kom­ple­xe­ren Auf­ga­ben über­neh­men. 
 
Ca­ro­li­ne: Die KI macht uns also nicht bald ar­beits­los?

ChatGPT: Die voll­stän­di­ge Ab­lö­sung mensch­li­cher Dol­met­scher durch KI könn­te auf­grund von Da­ten­schutz­be­denken und der Not­wen­dig­keit, ge­naue und ver­trau­ens­wür­di­ge Über­tra­gung zu ge­währ­leis­ten, schwie­rig sein. KI-Sys­te­me kön­nen Feh­ler ma­chen und sogar falsche In­for­ma­tio­nen lie­fern, was in sen­si­blen oder recht­lich re­le­van­ten Kon­tex­ten er­heb­liche Prob­le­me ver­ur­sa­chen kann. Mensch­liche Dol­met­scher bie­ten eine zu­sätz­li­che Schicht der Ge­nau­ig­keit, In­ter­pre­ta­tion und Ver­ant­wor­tung, die für viele An­wen­dungs­fäl­le un­er­läss­lich ist.

Ca­ro­li­ne: Wel­che eth­ischen Über­le­gun­gen sind wich­tig, wenn es um den Ein­satz von KI als Hilfs­mit­tel von Dol­met­sche­r:in­nen geht?

ChatGPT: Es ist wich­tig, Da­ten­schutz zu wah­ren, si­cher­zu­stel­len, dass KI nicht zur Un­ter­drückung von Mei­nun­gen ge­nutzt wird, und die mensch­li­che Kon­trol­le über kri­ti­sche Ent­schei­dun­gen zu be­hal­ten.

Caroline:
Gibt es Ri­si­ken, dass KI im Dol­metschen miss­braucht wird?

ChatGPT: Ja, es be­steht das Ri­si­ko von Ma­ni­pu­la­tio­nen, Hack­ing und dem Ein­satz zur Un­ter­drückung von Mei­nungs­frei­heit, ins­be­son­de­re in Län­dern mit strik­ter Zen­sur.

Ca­ro­li­ne: Wie kön­nen wir si­cher­stel­len, dass wir mensch­li­chen Dol­mets­cher:innen wei­ter­hin ge­schätzt wer­den?

ChatGPT: Durch die För­de­rung des Spra­chen­ler­nens ganz all­ge­mein und der Dol­met­scher­aus­bil­dung, das Be­to­nen eu­rer ein­zig­ar­ti­gen Fähig­kei­ten und durch die Schaf­fung von Stan­dards, die die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen KI und mensch­li­chen Dol­mets­chern klä­ren.

Ca­ro­li­ne: Vie­len Dank für das Ge­spräch! Das war sehr auf­schluss­reich.

ChatGPT: Sehr ger­ne, Ca­ro­li­ne. Es war mir ei­ne Freu­de. Wenn du wei­te­re Fra­gen hast, ste­he ich je­der­zeit zur Ver­fü­gung.


Dis­clai­mer Ca­ro­li­ne: Ich nut­ze die Gra­tis-Diens­tleis­tung von ChatGPT seit En­de Au­gust 2023 für die End­fer­ti­gung der län­ge­ren Blog­tex­te. Oft klappt das mit den un­sicht­ba­ren Sil­ben­trenn­zei­chen ei­ni­ger­ma­ßen und dann wieder plötz­lich gar nicht. Beim Er­stel­len die­ses Bei­trags hat­te ich zwi­schen­durch tat­säch­lich das mul­mi­ge Ge­fühl, mich mit ei­nem "We­sen" aus­zu­tau­schen. Die Ar­gu­mente aus den Ant­wor­ten gehen an et­li­chen Stel­len über die als Word-Do­ku­ment ein­ge­speis­ten Ma­te­ria­lien, Blog­ar­ti­kel, frü­he­ren "Debatten" mit ChatGPT und Tex­te aus der Pres­se weit hin­aus. Ich ha­be die Ma­schi­ne ge­be­ten, das Inter­view zu au­to­ri­sie­ren.

ChatGPT:
Ja, du darfst das Interview so veröffentlichen. Es freut mich, dass ich dir im Laufe des letzten Jahres bei deinen Blogtexten und bei deinen Überlegungen zum Thema KI und Dolmetschen helfen konnte.  Falls du noch Fragen oder zusätzliche Anmerkungen hast, stehe ich dir gerne zur Verfügung. Viel Erfolg mit deinem Blogartikel!




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Il­lus­tra­tion: pixlr.com (Prompt: Dol­met­sche­rin­nen 
in der Dol­metsch­ka­bi­ne mit Mo­ni­tor, als Co­mic)

Mittwoch, 25. März 2026

Arbeitsplatzverluste

Den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin be­schrei­be ich hier seit 2007 in lo­se­r Fol­ge. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch.

Der­zeit gibt es in den USA ei­ne gro­ße Ent­las­sungs­wel­le. Auch in Deutsch­land neh­men die „Frei­stel­lun­gen“ in den Ver­wal­tun­gen zu. Hin­ter vie­len, so rauscht es im Flur­funk, soll die KI ste­hen. (Die Wirt­schafts­wo­che schreibt da­zu: „Das ha­ben wir in Deutsch­land in die­sem Aus­maß zu­vor nicht ge­se­hen“.)

Was hier aus recht­li­chen Grün­den als An­pas­sung an die wirt­schaft­li­che La­ge be­zeich­net wird, kom­mu­ni­zie­ren nord­ame­ri­ka­ni­sche CEOs of­fe­ner und nen­nen die KI als Grund. Es fol­gen Fir­ma auf Fir­ma mit den glei­chen Schlag­zei­len: Ent­las­sun­gen, Grund: an­geb­lich KI.

Mit der Zeit zeigt sich: Das trägt nicht. Die Ana­lys­ten der Deut­schen Bank ha­ben da­für ei­nen Be­griff ge­prägt: AI Re­dun­dan­cy Wa­shing, die Schutz­be­haup­tung, Mit­ar­bei­ter:in­nen wür­den durch KI über­flüs­sig. Mit Re­dun­dan­cy wird der Über­hang be­zeich­net, das Wort wa­shing ken­nen wir aus green­wa­shing, wo plötz­lich mit ei­ner Lü­ge im Wirt­schafts­le­ben ein ver­meint­li­cher Vor­teil für die Um­welt kons­tru­iert wird. Für den Be­griff ha­ben wir noch kei­ne deut­sche Ent­spre­chung. Auch die KI ist über­for­dert da­mit, ihn zu über­tra­gen.

AI Re­dun­dan­cy Wa­shing - überflüssiges Waschen durch KI

Was ge­schieht nach den Ent­las­sun­gen? Die Bör­sen­kur­se der be­tref­fen­den Fir­men stei­gen dann oft, und prompt heißt es: „KI-Trans­for­ma­ti­on“. Wenn An­le­ger:in­nen spä­ter in die Jah­res­be­rich­te schau­en, fin­det sich dort sel­ten ein kla­rer Ver­weis auf AI lay­offs. Ge­werk­schaf­ten mel­den das, sta­tis­ti­sche Quel­len be­stä­ti­gen es, in New York sind sol­che Da­ten so­gar ver­pflich­tend: Bereits Anfang Januar hat Wi­red be­rich­tet, kein ein­zi­ges Un­ter­neh­men ha­be ein­ge­räumt, Ar­beits­plät­ze we­gen KI ge­stri­chen zu ha­ben. 

Bei vie­len Un­ter­neh­men, auch in Deutsch­land, pas­siert gleich­zei­tig et­was an­de­res: Nach "KI-Ent­las­sun­gen" er­schei­nen Stel­len­aus­schrei­bun­gen, neue Mit­ar­bei­ten­de wer­den ge­sucht. Was hier ka­schiert wird: Die KI dient als all­zu­be­que­me Er­klä­rung um Teams zu ver­jüngen und um Ge­halts­kos­ten zu sen­ken, denn Nach­wuchs kos­tet we­ni­ger als Alt­ge­dien­te. Auch Peronalüber­hänge aus Zei­ten des over­hi­ring lassen sich so ele­gant ab­bau­en. So war es neulich beim Mit­tag­es­sen mit CEOs zu hö­ren. Nein, kei­ne Na­men.

Ich wür­de mei­nen frü­he­ren Be­ruf nicht eh­ren, wür­de ich nicht noch ei­ne zwei­te ge­druck­te Quel­le nach­le­gen. Ei­ne ehe­ma­li­ge Jour­na­lis­tin bleibt da kon­se­quent!

Hier der zwei­te Ar­ti­kel: For­tu­ne be­rich­tet un­ter Be­ru­fung auf Ox­ford Eco­no­mics, laut Ei­gen­dar­stel­lung "Welt­markt­füh­rer in glo­ba­ler Wirt­schafts­pro­gno­se, quan­ti­ta­ti­ver Ana­ly­se und Vor­den­ker­schaft", KI-be­grün­de­te Ent­las­sun­gen wirk­ten "zu­neh­mend wie ei­ne Un­ter­neh­mens­fik­ti­on, die ei­ne düs­te­re Rea­li­tät ver­schlei­ert" (7.1.26).

Auch hier steht die The­se im Raum: Nicht die KI führt zu Ent­las­sun­gen, son­dern sie dient als Vor­wand für rou­ti­ne­mä­ßi­gen Per­so­nal­ab­bau. Ei­ne zy­ni­sche Stra­te­gie. Ent­las­sun­gen wer­den als gu­te Nach­richt ver­kauft. Das sen­det po­si­ti­ve Si­gna­le an In­ves­to­ren und Über­be­stän­de las­sen sich in Zei­ten schwin­den­der Nach­fra­ge un­auf­fäl­li­ger ab­bau­en. Zu­gleich ent­steht das Bild ei­nes tech­no­lo­gi­schen Vor­rei­ters.

Der Ox­ford-Be­richt ver­weist auf Da­ten von Chal­len­ger, Gray & Christ­mas. Dem­nach ge­hen zwi­schen Ja­nu­ar und No­vem­ber 2025 nur 4,5 Pro­zent des Stel­len­ab­baus auf tech­ni­schen Um­bau durch die KI zu­rück. Ein Blick auf die Pro­duk­ti­vi­tät stützt das: Wür­de die KI tat­säch­lich Auf­ga­ben al­lein über­neh­men, müss­te der An­teil der Ge­ste­hungs­kos­ten sin­ken und das Pro­duk­ti­vi­täts­wachs­tum deut­lich an­zie­hen. Der­zeit zeigt sich eher ein ex­pe­ri­men­tel­ler Ein­satz als ein sys­te­ma­ti­scher Aus­tausch von Mensch ge­gen Ma­schi­ne.

Und noch et­was wird deut­lich, was ich hier schon län­ger be­schrei­be: Der Ein­stieg in den Be­ruf wird schwie­ri­ger. Rou­ti­ne­auf­ga­ben wer­den von der KI über­nom­men, die Fest­an­ge­stell­ten be­klagen pa­ral­lel da­zu im­mer mehr Über­stun­den und Auf­wand, weil sie die KI kon­trol­lie­ren müs­sen. Kurz: Bör­sen­an­leger:in­nen ge­win­nen, die Ar­beit­neh­mer­schaft ver­liert.

Ré­su­mé: Das, was uns der­zeit als KI ver­kauft wird, ist ein gro­ßer Schwin­del.

Da­zu passt mei­ne Il­lus­tra­ti­on. Die Mit­be­woh­ne­rin hat die KI ge­fragt, wo bei uns in der Kü­che Stau­raum­re­ser­ve be­ste­hen wür­de und da­zu ei­ni­ge Fo­tos hoch­ge­la­den. Die KI-Bil­der mit den Vor­schlä­gen zei­gen klar, was die KI ig­no­riert, weil ihr Le­bens­er­fah­rung und Hin­ter­grund­wis­sen feh­len. Für uns Men­schen, ge­ra­de für uns Dol­met­sche­rin­nen in der Ka­bi­ne, ist das Welt­wis­sen so selbst­ver­ständ­lich, dass wir uns des­sen oft gar nicht be­wusst sind.

Zwei Küchen, wie es sie im wirklichen Leben niemals geben würde
Nur Murks!

Feh­ler:
— Gas­ther­me an der Au­ßen­wand und nicht am Schorn­stein
— Kühl­schrank di­rekt vor der Gas­ther­me
— Papp­bo­xen in ei­nem Kü­chen­re­gal
— Re­gal und gro­ßer Koch­topf wür­den die Spei­se­kam­mer­tür stö­ren
— di­to: Ar­beits­plat­te vor der Spei­se­kam­mer­tür
— kei­ne Be­we­gungs­flä­che in der Mit­te
— Bei ei­nem Bild: Die Spü­le ist jetzt bit­te wo? Der An­schluss gibt den Platz vor
— Wir ko­chen mit Gas und nicht elek­trisch
— Auch die Hei­zung hat bei uns ei­nen fes­ten Platz (nicht vor dem Fens­ter)

Re­min­der: Die KI ist ein Werk­zeug für die Hän­de von Pro­fis.

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Gra­fik: ChatGPT

Mittwoch, 2. September 2026

Diese KI ... kann's so nie!

Kon­fe­renz­dol­met­schen ist hier im 20. Jahr Ge­gen­stand. Als Deutsch-Mut­ter­spra­chlerin ar­bei­te ich als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin über­wie­gend ins Fran­zö­sische und aus dem Eng­lischen. Mei­ne Büro­kol­le­gin schenkt Ges­chrie­be­nem ihr wun­der­vol­les Eng­lisch. Heu­te aus ak­tu­el­lem An­lass: KI-War­nung.

AI im Muster
The ar­ti­fi­ci­al ‚in­tel­li­gence‘...
... oder KI auf Deutsch ist in al­ler Mun­de. Eine Kun­din er­wägt, die Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) auf ei­ner Kon­fe­renz in ver­schie­de­ne Spra­chen ar­bei­ten zu las­sen. Ach ja! Die KI kann man­ches: Da­ten wie­der­fin­den, Fo­tos vor­sor­tie­ren, Vo­ka­beln raus­su­chen, für die Ter­mi­no­lo­gie­ar­beit frü­he und be­son­de­re Nut­zun­gen von Be­grif­fen nach­wei­sen.
Die KI hilft in der wis­sen­schaft­li­chen For­schung und in der me­di­zi­ni­schen Diag­nos­tik.
Aber sie HILFT nur. Sie lie­fert In­fos, bei der viel falsch ist. Pro­fis ent­schei­den dann.

War­nung vor ei­nem schlech­ten Ka­lau­er: Die Künst­li­che In­tel­li­genz ist kei­ne Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, son­dern ma­xi­mal ei­ne Si­mu­lant­dol­met­sche­rin. Da­bei klingt die Vi­si­on der Tech-Kon­zer­ne doch so ver­lo­ckend: ein Klick, ein Al­go­rith­mus im Ohr, und schon ver­stän­di­gen sich Men­schen über Sprach­gren­zen hin­weg flie­ßend, feh­ler­frei und ver­meint­lich kos­ten­güns­tig.

Denn die Tech-Nerds ver­lan­gen ca. 50 Pro­zent des­sen, was wir so ver­an­schla­gen. Da­für schnei­det die KI laut ei­ner WHO-Stu­die er­nüch­ternd ab: Je nach Spra­che er­reich­ten die ma­schi­nel­len Ver­dol­met­schun­gen Qua­li­täts­wer­te zwi­schen nur 5 und 83 Pro­zent. Die hö­he­re Zahl klingt nicht schlecht, aber oft stim­mte die Rei­hen­fol­ge der Be­grif­fe, die Zu­ord­nung der In­hal­te nicht. 

Der Ge­samt­durch­schnitt der „Dol­met­sch­leis­tun­gen“ der KI lag bei 46 Prozent; von 90 ge­tes­te­ten KI-„Ver­dol­met­schun­gen“ be­stand ge­ra­de mal ei­ne ein­zi­ge den Test. Kei­ne war frei von Be­grif­fen und Aus­sa­gen mit Re­pu­ta­ti­ons­ri­si­ko. Hier der Link zur Stu­die (über die AIIC: klick).

Wer die Rea­li­tät auf Mes­sen und Märk­ten, in­ter­na­tio­na­len Kon­fe­ren­zen, po­li­ti­schen Gip­feln oder bei hoch­ran­gi­gen Ver­hand­lun­gen kennt, durch­schaut die Il­lu­si­on schnell. Die Aus­wür­fe der KI fol­gen der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung. Sie re­pro­du­ziert aus dem Be­stand, was ein­fach ist. Das Sen­si­ble, das Be­son­de­re und Neue, die Aus­nah­men, um die es beim Dol­met­schen meis­tens geht, fal­len da hin­ten rü­ber.

An­de­re, die sich we­ni­ger gut aus­ken­nen, schauen ver­wun­dert auf eine Ma­schi­ne, die mit atem­be­rau­ben­der Ge­schwin­dig­keit gram­ma­ti­ka­lisch glatt wir­ken­de Sät­ze aus­spuckt.

Aber da die Te­chnik selbst we­der in­tel­li­genz- noch ver­nunft­be­gabt ist, ihr Na­me lei­tet be­wusst in die Ir­re, hat sie da­bei kein ein­zi­ges Wort in­halt­lich ver­stan­den und wirk­lich ver­ar­bei­tet. Und rich­tig kri­tisch wird es im­mer dann, wenn Auf­trag­ge­ber nicht über aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nisse ver­fü­gen, um die Qua­li­tät des KI-Aus­wurfs selbst ein­schät­zen zu kön­nen.

Die KI ar­bei­tet an der Ober­flä­che. Sie ist ein gi­gan­ti­sches Auto­com­plete-Pro­gramm. Der Un­ter­schied zwi­schen mensch­li­cher Ex­zel­lenz und ma­schi­nel­ler Wahr­schein­lich­keits­rech­nung lässt sich an et­li­chen Punk­ten fest­ma­chen.

1. Sta­tis­tik statt Ver­ste­hen

Gro­ße Sprach­mo­del­le (LLMs) be­sit­zen kein Be­wusst­sein, kein Welt­wis­sen und kei­ne kog­ni­ti­ve Em­pa­thie. Sie ana­ly­sie­ren rie­si­ge Da­ten­men­gen und be­rech­nen ma­the­ma­tisch, wel­ches Wort mit der höchs­ten Wahr­schein­lich­keit auf das vor­he­ri­ge folgt.

Mensch­li­ches Dol­met­schen ist da­ge­gen ein hoch­kom­ple­xer neu­ro­kog­ni­ti­ver Pro­zess: Wir er­fas­sen In­ten­tio­nen und Nu­an­cen, Iro­nie und Brüche, kul­tu­rel­le Sub­tex­te und an­ge­deu­te­te Zwi­schen­tö­ne in kür­zes­ter Zeit. Wir über­tra­gen Be­deu­tungen, nicht Wort­hül­len. Da­rin sind wir un­schlag­bar. Die KI merkt nicht, wenn sie lo­gi­schen Un­fug pro­du­ziert, so­lan­ge die Syn­tax stimmt.

2. Starr und oh­ne Kon­tex­t

Ein Red­ner auf ei­ner Fach­kon­fe­renz weicht vom Skript ab, nutzt ei­ne lo­ka­le Re­de­wen­dung oder macht ei­nen sub­ti­len Witz, um die Stim­mung auf­zu­lo­ckern. Ei­ne pro­fes­sio­nel­le Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin adap­tiert die­se Bot­schaft blitz­schnell für das Ziel­pub­li­kum.

Die KI schei­tert an sol­chen kul­tu­rel­len Trans­fer­leis­tun­gen. Oh­ne Kon­text­wis­sen über­trägt sie Me­ta­phern flach oder ver­liert bei schnel­len Spre­cher­wech­seln und Dia­lek­ten völ­lig den Fa­den. Was als prä­zi­ser Dis­kurs ge­dacht war, ver­kommt im di­gi­ta­len Äther zu ei­ner le­bens­lo­sen, me­cha­ni­schen Wort­wüs­te.

3. Hal­lu­zi­na­ti­onen

Wenn ei­ne KI im Un­kla­ren über den ex­ak­ten Kon­text ist, rät sie ein­fach. Wir Men­schen wür­den nach­fra­gen, und zwar vor der Ver­anst­al­tung, näm­lich dann, wenn das Vor­be­rei­tungs­ma­te­rial un­klar ist. Wir ha­ben schon man­che(n) Red­ner:in da­vor be­wahrt, bei Vor­trä­gen über ei­ge­ne Tipp­feh­ler zu stol­pern.

KI-Kri­ti­ker nen­nen die Fan­ta­sie­pro­duk­te der Ma­schi­nen be­schö­ni­gend „Hal­lu­zi­na­ti­onen“. Auf Kon­fe­renzen, in Be­hör­den oder bei Ge­richt ist der­lei schlicht ein Feh­ler mit mög­li­cher­wei­se fa­ta­len Fol­gen.

4. Haf­tung

Ge­nau die­ses blin­de Ver­trau­en in die schein­bar un­fehl­ba­re KI-Ge­ne­rie­rung hat im Früh­som­mer ein weg­wei­sen­des ju­ris­ti­sches Nach­spiel ge­habt. Mit dem Ur­teil vom 28. Mai 2026 (Az. 26 O 869/26) hat das Land­ge­richt Mün­chen I ent­schie­den, dass Google un­mit­tel­bar als Stö­rer für un­wah­re Be­haup­tun­gen haf­tet, die durch des­sen KI-Funk­ti­on („AI Over­views“) ge­ne­riert wur­den.

Das Ge­richt stell­te un­miss­ver­ständ­lich klar: Wer ei­gen­stän­dig for­mu­lier­te KI-In­hal­te als fer­ti­ge, ab­ge­schlos­se­ne Aus­sa­gen prä­sen­tiert, kann sich nicht auf das Pri­vi­leg rei­ner, haf­tungs­be­frei­ter Such­ver­mitt­lung be­ru­fen.

Kern­aus­sa­ge: Die KI er­zeugt ei­ne ei­ge­ne Ant­wort, die dem An­bie­ter recht­lich voll zu­ge­rech­net wird.

Das Ur­teil lässt sich aufs Dol­metschen über­tra­gen: Wer Ver­ant­wor­tung für hoch­ka­rä­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on trägt, kann die Haf­tung für Fehl­er nicht an ei­ne Soft­ware de­le­gie­ren, die in ih­ren Nut­zungs­be­din­gun­gen jeg­li­che Haf­tung aus­schließt.

5. Fa­zit

Die KI mag für ein­fa­che Stan­dard-Tex­te à la Web­shop mit ähn­li­cher Wa­re und für den ra­schen Über­blick prak­tisch sein. Mit ech­tem Si­mul­tan­dol­met­schen oder kul­tur­sen­si­blem Über­set­zen hat das aber herz­lich we­nig zu tun.

Bei In­hal­ten, auf die es an­kommt, ge­schrie­be­nen oder ge­spro­che­nen, bei de­nen es um Re­pu­ta­ti­on, Mil­lio­nen­ver­trä­ge, di­plo­ma­ti­sche Nu­an­cen und recht­li­che Si­cher­heit geht, blei­ben wir Men­schen un­er­setz­lich. Ver­trau­en Sie lie­ber ei­ner ech­ten Dol­met­sche­rin als ei­ner pro­gram­mier­ten Si­mu­lan­tin.

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Mittwoch, 12. Februar 2025

KI-Gipfel, Infos aus dem Off (1)

Hal­lo! Hier le­sen Sie No­ti­zen aus dem Ar­beits­tage­buch ei­ner Dol­met­sche­rin. Ge­ra­de ste­he ich zwi­schen den The­men­fel­dern Film­her­stel­lung und Künst­liche In­tel­li­genz. Ein ra­sches Schlag­licht auf die lau­fen­den De­bat­ten ge­wor­fen.

Ein Computer, von Maschinen umgeben
Ein Computer im Netzwerk
Zwi­schen Uto­pie und Dys­to­pie ist das Feld des­sen weit, wie die Zu­kunft der Künst­lichen In­telli­genz (KI) ein­ge­schätzt wird. Die ei­nen be­schwö­ren Ge­fahren her­auf, die von der KI aus­gin­gen. Die an­deren sa­gen, wir müss­ten nur kla­re Leit­linien für die Nut­zung de­fi­nie­ren, dann sei al­les in But­ter. Die­se For­de­rung nennt die erst­ge­nann­te Grup­pe naiv. Im Op­ti­mie­rungs­wahn feh­le uns die Fan­ta­sie auch im Hin­blick auf kri­mi­nel­len Miss­brauch. Wir wür­den mög­li­che Ri­si­ken und Sze­na­ri­en aus­blen­den. (Nun, in Sa­chen Fan­ta­sie be­kom­men wir ja der­zeit aus den USA Nach­hil­fe.)

Die KI als Job­kil­ler
Wie wirkt sich die KI im Al­ltag aus? Ganz kon­kret be­droht die KI der­zeit vie­le Ar­beits­plät­ze, solan­ge die Il­lu­si­on, die KI könn­te al­les, nicht ge­platzt ist. Hier­von sind et­li­che Be­rufe be­trof­fen, un­ter an­de­rem die Be­rei­che Über­set­zen und Dol­met­schen, In­for­ma­tik, Schau­spiel, Syn­chro­nisie­ren und Spre­chen, In­for­ma­tik, Tex­ten für Pres­se, Web­sei­ten etc., aber auch For­schung und Ver­wal­tung.

Die Il­lu­si­on, dass die KI Zeit ein­spa­ren hel­fen wür­de, führt in un­se­ren Fel­dern, wie wir es der­zeit ob­ser­vie­ren müs­sen, im Ge­gen­teil zu Mehr­ar­beit und ge­kürz­ten Ho­no­ra­ren bzw. ver­knapp­ter Ar­beits­zeit — und im Er­geb­nis zu sch­lech­terer Qua­li­tät. Die La­ge ist in vie­len Fel­dern un­ter­schied­lich. Auf­trag­ge­ber bzw. Kun­den kön­nen ver­su­chen, ein be­stimm­tes Werk­zeug vor­zu­schrei­ben, die dann die Ar­beits­er­geb­nis­se im di­gi­ta­len Raum ver­schwin­den las­sen.

Die KI pervertiert Arbeitsbedingungen
Grund­sätz­lich mer­ken wir Frei­be­ruf­ler:in­nen aber, dass et­li­che Auf­trä­ge bei Tech­nik­dienst­leis­tern lan­den, die in­halt­lich gar nicht kom­pe­tent sind. Die­se ver­su­chen, das Werk­zeug KI ohne mensch­li­ches Zu­tun zu ver­kau­fen, be­rech­nen viel­leicht nur ein Drittel bis die Hälf­te un­se­rer Ho­no­ra­ren, manch­mal bit­ten sie uns (hei­mlich) um "klei­ne Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten". Die Wer­bung "die KI kann al­les al­lei­ne" ist eine Lüge. In Sum­me sinkt die Pro­duk­ti­vi­tät des Lan­des und da­mit auch das Steu­er­auf­kom­men, lie­be Po­li­ti­ker:in­nen!

Un­se­re Ar­beit wird zwei­fach unsicht­bar ge­macht. Wir ha­ben, soll­ten wir uns (aus Ide­a­­li­s­mus oder auf­grund schie­rer No­t­wen­dig­keit) auf den Ein­satz ein­ge­las­sen ha­ben, mit un­se­ren Ko­rek­tu­ren nur die wun­der­ba­ren Er­geb­nis­se der KI "ve­redelt", wir kom­men aber na­ment­lich nicht vor. Bei Un­ter­ti­teln oder Tex­ten mit li­te­ra­ri­scher Qua­li­tät feh­len uns dann Na­mens­nen­nung und Nut­zungs­ver­gü­tun­gen. 

Die KI und die Ent­frem­dung
Die Ar­beit wird durch die KI qual­voll. Durch das Hin- und Her­spring­en zwi­schen meh­re­ren Qu­el­len kom­men wir nicht mehr in den Flow; Auf­trä­ge mu­tie­ren zu geis­t­lo­sem Abar­bei­ten frak­tio­nier­ter Klein­auf­ga­ben, das gro­ße Gan­ze ge­rä­t aus dem Blick und die Freu­de dar­an so­wie an der Ar­beit, an un­se­rem fer­ti­gen Werk­stück.

Wäh­rend ich das schrei­be, klin­gelt es mir als Mensch mit ei­ni­ger­maßen trag­fä­hi­ger All­ge­mein­bil­dung na­tür­lich laut­stark im Ohr. Die frus­trie­ren­de Auf­tei­lung der Ar­beit in klei­ne Ges­ten durch die Ma­schi­nen, die Ent­frem­dung, da­zu gibt es be­rühm­te Tex­te nam­haf­ter Au­to­ren!

Das Gan­ze ge­schieht als Ein­zel­ent­schei­dung von Un­ter­neh­men und ohne de­mo­kra­ti­sche Mit­wir­kung am Ar­beits­platz, ohne fach­li­che Be­ra­tung durch uns Pro­fis, die wir ab­ra­ten wür­den und je­den Text erst ein­mal prü­fen wür­den, be­vor wir ent­schei­den, wie und mit wel­chen Werk­zeu­gen er evtl. be­ar­bei­tet wer­den kann.

Die KI als Da­ten­dieb
Zu den mög­li­chen Ur­he­ber­rechts­ver­stö­ßen kommt in der Nut­zung auch der Da­ten­klau, der hin­ter al­lem steht, sie­he Ar­ti­kel 4 der DSM-Richt­li­nie aus dem Jahr 2019. Hier geht es um Ur­he­ber­recht im di­gi­ta­len Bin­nen­markt, um Text- und Da­ta-Mi­ning (TDM) für kom­mer­zi­el­le Zwe­cke, was auch im Zu­sam­men­hang mit der KI-Tech­no­lo­gie re­le­vant ist, die nicht ohne vor­be­steh­en­de Text­kor­po­ra funk­tio­nie­ren könn­te.

Hier kommt das Po­si­ti­ve!
Aber es gibt auch un­ge­zähl­te po­si­ti­ve As­pek­te. Ein ein­zel­ner Arzt hat nie und nimmer eine gro­ße An­zahl be­stimm­ter Krank­hei­ten in sei­ner Pra­xis ge­se­hen, um z.B. Haut­krebs so ak­ku­rat zu er­ken­nen wie es die mit KI "ge­schärf­te" Lu­pe ver­mag. Ich beschrä­nke mich heute auf ein Bei­spiel. Es gibt sie tau­send­fach.

Zug­leich dür­fen wir mög­li­che Ri­si­ken durch vor­aus­schau­en­de Pla­nung und Re­gu­lie­rung mi­ni­mie­ren. Wir brau­chen öf­fent­li­chen Dis­kus­si­onen, und zwar auf Län­der- und auf EU-Ebe­ne. Wir dür­fen am Qua­li­täts­be­wusst­sein bei den Kun­den ar­bei­ten, die der All­ge­mein­heit der­zeit qua­li­ta­tiv sch­lech­te­re Tex­te oder Dol­mets­chung oder Stim­men oder an­de­re Di­enst­leis­tun­gen zu­mu­ten.

Aus­gleichs­fonds
In der Zeit des Wild­wuch­ses ist eine Art "Schlecht­wet­ter­geld" nö­tig. Es ist mir un­ver­ständ­lich, war­um es das nicht schon längst gibt. Ich be­trach­te jetzt nur mei­nen Be­rufs­stand: Di­ver­se Qu­el­len spre­chen von knapp mehr als 60.000 Dach­de­cker: in­nen in Deutsch­land, dar­un­ter vie­le So­lo-Selbst­stän­di­ge. Und dem Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt zu­fol­ge gibt es hier­zu­lan­de 40.000 Über­set­ze­rin­nen und Dol­met­scher, da­von ar­bei­ten 33.000 frei­be­ruf­lich.

Ré­su­mé
Wir al­le, be­son­ders je­ne, die die Gren­zen der KI di­rekt se­hen, sind da­für ver­ant­wor­tlich, so­wohl un­se­re Ver­nunft als auch die Fan­ta­sie ein­zu­set­zen, um eine si­che­re und vor­teil­haf­te In­te­gra­ti­on von KI in die Ar­beits­welt zu be­glei­ten. Da­her müs­sen wir JETZT auf Miss­brauch und man­geln­de Funk­tio­na­li­tät auf­merk­sam ma­chen. Die Fra­ge ist nur wie!

Kom­men­tar von ChatGPT
"Die KI kann den sub­ti­len, kul­tu­rel­len und nu­an­zier­ten (sic!) As­pekt mensch­li­cher Spra­che nicht in vol­lem Um­fang ab­bil­den. Ob sie je­mals die mensch­li­che Kom­plexi­tät in der Kom­mu­ni­ka­tion voll­stän­dig nach­ah­men kann, ist eher un­wahr­schein­lich."

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Il­lus­tr­ation: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Mittwoch, 5. August 2026

KI: fehlerhalft, teuer

Gu­ten Tag, lie­be Kol­le­gin­nen, Kol­le­gen und ge­schätz­te Mit­le­sen­de aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Di­plo­ma­tie! Hier bloggt im 20. Jahr eine Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin mit den Sprachen DE, FR und EN. Heu­te: Wer für die hei­ße Luft be­zahlt, war­um KI-Hal­lu­zi­na­tio­nen beim Dol­met­schen rich­tig teuer wer­den. KI-Mitt­woch!

Wer die­sen Blog re­gel­mä­ßig liest, weiß: Ich se­he Spra­che nicht als blo­ße An­ein­an­der­rei­hung von Wör­tern, son­dern als Hand­werk, als kom­ple­xes Be­zie­hungs­ge­flecht und — vor al­lem — als Ver­ant­wor­tung. Ma­schi­nen kön­nen das nicht. Wenn in der Di­plo­ma­tie oder bei ei­ner Auf­sichts­rats­sitz­ung Wör­ter falsch ge­wählt wer­den, wird es brenz­lig.

Bis­lang hieß es von den Tech-Evan­ge­lis­ten zu sol­chen Si­tua­tio­nen, die von der KI aus­ge­löst wur­den, nur ge­lang­weilt bis über­cool: „Na und? Dann hal­lu­zi­niert die KI eben ein biss­chen. Ist doch nur Tech­nik, ver­sen­det sich, ist egal.“ Die­ses „Egal“ war ei­ne Chiff­re für ‚Haf­tet ja kei­ner da­für‘. Falsch ge­dacht.

Die Schon­frist für Al­go­pfusch ist end­gül­tig vor­bei.

Die Ge­rich­te ha­ben eine glas­kla­re Li­nie ge­zo­gen. Und das hat mas­si­ve Aus­wir­kun­gen dar­auf, wie Un­ter­neh­men, Messen, Medien und di­plo­ma­ti­scher Dienst künf­tig mit dem The­ma Dol­met­schen um­ge­hen müs­sen. Das Land­ge­richt Mün­chen I hat ge­ur­teilt (Az. 26 O 869/26), dass Goog­le di­rekt für feh­ler­haf­te Ant­wor­ten sei­ner KI-Zu­sam­men­fas­sun­gen haf­tet. Die Rich­ter ar­gu­men­tier­ten: Wer KI-Tex­te ge­ne­riert und als fer­ti­ges Er­geb­nis prä­sen­tiert, macht sich die­se In­hal­te zu ei­gen. Die­ses Prin­zip lässt sich eins zu eins auf das KI-Dol­met­schen über­tra­gen.

Ein Live-„Über­set­zungs“­tool spuckt nicht bloß Wör­ter aus ei­nem Wör­ter­buch aus, es ge­ne­riert ei­gen­stän­dig Sät­ze. Wenn die­ses Tool in ei­ner Ver­hand­lung gro­be Feh­ler macht oder, wie es so schön eu­phe­mis­tisch heißt, „hal­lu­zi­niert“, steht der Be­trei­ber oder das ein­set­zen­de Un­ter­neh­men voll in der Ver­ant­wor­tung. Da­zu kommt die EU-Pro­dukt­haf­tungs­richt­li­nie. KI-Sys­te­me gel­ten recht­lich als „Pro­duk­te“. Be­deu­tet: Der Her­stel­ler haf­tet bei Feh­lern ver­schul­dens­un­ab­hän­gig und un­be­grenzt.

Beim un­kon­trol­lier­ten Ein­satz von KI-Sys­te­men im Pro­fi-Be­reich re­den wir nicht über klei­ne Tipp­feh­ler. Wir re­den über hand­fes­te Ri­si­ken. In der Wirt­schaft kann eine falsch ge­dol­met­sch­te Klau­sel bei ei­ner Über­nah­me oder ein miss­ver­stan­de­nes De­tail in ei­ner Pa­tent­ver­hand­lung den Deal kom­plett zum Ein­sturz brin­gen. Das mün­det in Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen, die in die Mil­lio­nen ge­hen. In der Di­plo­ma­tie kann ein Nu­an­cen-Feh­ler bei ei­nem Hin­ter­grund­ge­spräch in­ter­na­tio­na­le Ver­stim­mun­gen aus­lö­sen.

Ein Staat kann sich bei di­plo­ma­ti­schen Kri­sen nicht dar­auf be­ru­fen, dass „der Bot ei­nen schlech­ten Tag hat­te“. Bes­ser wis­sen müss­ten es ei­gent­lich die­je­ni­gen, die sol­che Tools ver­kau­fen.

Mo­der­ne Tech-An­bie­ter und Ver­triebs­leu­te ver­spr­echen das Blaue vom Him­mel, um ihre Soft­ware als vol­lwer­ti­gen Er­satz für mensch­liche Dol­met­scher zu po­si­tio­nie­ren. Sie ig­no­rie­ren da­bei be­wusst, dass die Tech­no­lo­gie ei­ner qua­li­fi­zier­ten Fach­kraft frap­pier­end un­ter­le­gen ist.

Zehn knall­har­te Grün­de, war­um KI-Sys­te­me das rich­ti­ge Dol­met­schen schlicht­weg gar nicht be­herr­schen kön­nen:
🛑 Lückenfantasie: KI er­fin­det bei Un­klar­hei­ten plötz­lich kom­plett ei­ge­ne In­hal­te da­zu, die Hal­lu­zi­na­tio­nen.
🛑 Kon­text­blind­heit: Ge­sell­schaft­li­che An­spie­lun­gen oder Kul­tur-Kon­tex­te wer­den nicht er­fasst.
🛑 Lärmkol­laps: Hin­ter­grund­ge­räu­sche oder Ne­ben­ge­sprä­che brin­gen das Sys­tem zum Ab­sturz.
🛑 Dia­lekt­schwä­che: Star­kes Nu­scheln oder lo­ka­le Ak­zen­te ver­zerr­en das Re­sul­tat voll­stän­dig.
🛑 Wortchaos: Wenn Men­schen dur­ch­ein­an­der­re­den, ver­liert der Al­go­rith­mus den Fa­den.
🛑 Kör­per­ig­no­ranz: Ge­stik und Mi­mik wer­den nicht ‚gesehen‘, ob­wohl sie die Be­deu­tung steu­ern.
🛑 Feh­ler­ket­ten: Ver­spricht sich der Red­ner, über­setzt die KI den Ab­bruch un­kor­ri­giert mit.
🛑 Wort­spiel­ab­sen­ce: Kom­ple­xe Me­ta­phern er­ge­ben nach der KI-Über­tra­gung oft kei­nen Sinn.
🛑 Iro­nie­taub­heit: Zwi­schen­tö­ne wie Sar­kas­mus ver­steht die Ma­schi­ne meis­tens wort­wört­lich.
🛑 Em­pa­thie­fer­ne­: KI kann un­höf­li­che Spit­zen in Ver­hand­lun­gen nicht de­es­ka­lie­rend glät­ten.

Ein Tool hat kein Un­rechts­be­wusst­sein. Ei­ne Soft­ware spürt kein Scham­ge­fühl, wenn sie ein Un­ter­neh­men in den Ru­in treibt, und man kann sie nicht vor Ge­richt zer­ren. Wir mensch­li­chen Dol­met­scher­in­nen und Dol­met­scher bie­ten et­was, das keine KI der Welt re­pli­zie­ren kann: Be­rufs­ethos und Haf­tung. Wir ste­hen mit un­se­rem Na­men, un­se­rem Ver­stand und, ganz prag­ma­tisch, mit un­se­rer Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung für die ab­so­lu­te Prä­zi­si­on un­se­rer Ar­beit ge­ra­de.

Dolmetschpult, Mikro, Kopfhörer, Kaffeetasse
Ar­beits­platz Dol­metsch­ka­bi­ne
Wir fil­tern das Nu­scheln, wir ver­ste­hen die Iro­nie, wir glät­ten die Wo­gen und wir le­sen zwi­schen den Zei­len, um das We­sent­li­che zu trans­por­tier­en. Wer am Dol­metsch­bud­get spart und auf die ver­meint­lich „güns­ti­ge“ KI setzt, spart am fal­schen Ende. Die Church of AI führt ihre Glau­ben­den aufs Glatt­eis. Denn „gut ge­nug“ kann ver­dammt teuer kom­men, wenn's schief geht. Und es geht schief, sie­he oben.

Wie se­hen Sie das? Ha­ben Sie in Ih­rem ge­schäft­li­chen All­tag schon er­lebt, dass KI-Über­set­zun­gen zu ech­ten Miss­ver­ständ­nis­sen ge­führt ha­ben? Schrei­ben Sie's mir gern in den Kom­men­ta­ren!

Herz­li­che Grü­ße aus der Ka­bi­ne (Som­mer­uni­ver­si­tät),
Ihre
Ca­ro­li­ne Eli­as

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 21. Januar 2026

Von Sauen und Eichhörnchen

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­tions­rei­sen. Heu­te: KI-Mitt­woch!

Links ein menschliches Profil, recht Kopf mit elekronischen Synapsen
Mensch vs. Ma­schi­ne
Diens­tag, wir sind auf ei­ner Dis­kus­sions­ver­an­stal­tung an­läss­lich der Grü­nen Wo­che. Es geht um Re­na­tu­rie­rung, um EU-För­der­sche­ma­ta, um Welt­po­li­tik und die Aus­wil­de­rung von Tie­ren bzw. das Vor­kom­men von Wöl­fen. Der Red­ner sagt auf Deutsch: „Ich spre­che jetzt zum Kon­flikt­po­ten­zial aus un­se­rer Si­cher­heits­per­spek­ti­ve, wir sind in Ös­ter­reich, kaum ha­ben wir ein The­ma ein­ge­kreist, wir ken­nen das in un­se­rem ber­gi­gen Bun­des­land … wird dann die nächs­te Sau durchs Dorf ge­jagt.“

Er spricht leicht un­ko­or­di­niert, sucht sei­ne Ge­dan­ken zu­sam­men, eben so, wie Men­schen oft spre­chen. Die Be­zü­ge ent­ste­hen in den Köp­fen der Hö­rer­schaft.

Ich sit­ze zur Ab­wechs­lung mal im Pub­li­kum, denn hier „dol­metscht“ eine Wun­der­kis­te. Al­ler­dings macht die KI dar­aus auf Fran­zö­sisch, zu­rück­über­setzt ins Deut­sche: „... In un­se­rem ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­land wis­sen wir, dass im Ge­bir­ge die Jä­ger dann die Wild­schwei­ne ein­krei­sen und im Dorf ja­gen.“ Ein Teil des Pu­bli­kums lacht. Das La­chen ist aber kein freund­li­ches, ver­bind­li­ches, son­dern ein un­gläu­bi­ges La­chen, vol­ler Hohn. 

Der Red­ner schaut ver­dutzt. Er weiß, dass die KI „dol­metscht“. Er va­ri­iert den Aus­gangs­satz. Die KI macht dar­aus, rück­über­setzt ins Deut­sche: „Wir sind in Ös­ter­reich. Wir ken­nen das in un­se­rer be­grenz­ten Berg­re­gi­on. Da wird das nächs­te Op­fer durch das Dorf ge­jagt.“ Wie­der Ge­läch­ter vol­ler Ir­ri­ta­ti­on.

Ein­schub: Was hier pas­siert, ist kein lus­ti­ger Aus­rut­scher und auch kein Mo­ment von „... sind ja nur Kin­der­krank­hei­ten des Sys­tems“, die sich „weg­trai­nie­ren“ lie­ßen. Es ist ein sys­te­mi­sches Pro­blem. Kurz­ge­fasst über­trägt die KI so ähn­lich, wie wir das von Au­to­com­ple­te ken­nen, wenn das Sys­tem ein an­ge­fan­ge­nes Wort "fer­tig­schreibt“. Der Rest ist in meh­re­ren Schrit­ten ähn­lich au­to­ma­ti­siert, sie­he den Kas­ten ganz un­ten. Ein­schub­en­de.

In der Dis­kus­si­on zur Agrar­po­li­tik war zu­vor von Wöl­fen die Re­de ge­we­sen, die Scha­fe rei­ßen. Die KI weiß nicht, was im Ge­gen­satz zu ei­ner ech­ten Hatz die Re­de­wen­dung „ei­ne Sau durchs Dorf ja­gen“ be­deu­tet. Sie be­zeich­net kei­ne rea­le Hand­lung, son­dern ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Me­cha­nis­mus: die nächs­te künst­lich auf­ge­bla­se­ne Auf­re­gung, das nächs­te me­dia­le Ab­len­kungs­ma­nö­ver. Ein mensch­li­cher Dol­met­scher hät­te das so­fort er­kannt und rich­tig über­tra­gen. Die KI hin­ge­gen zer­legt den Aus­druck in Ein­zel­tei­le: Sau, Dorf, ja­gen. Sie pro­du­ziert wört­li­che Bil­der, wo Be­deu­tung ge­meint war.

Be­mer­kens­wert ist der Mo­ment, als der Red­ner ver­sucht hat, sich der Tech­nik an­zu­pas­sen. Er hat ver­ein­facht, re­du­ziert und da­mit un­ge­wollt das Er­geb­nis ver­schlech­tert. Es ist ein wich­ti­ger Mo­ment: Die Kom­mu­ni­ka­ti­on rich­tet sich nicht mehr nach den Men­schen im Raum, son­dern nach den ver­mu­te­ten Gren­zen der Ma­schi­ne. Nicht die Kom­mu­ni­ka­ti­on steht im Mit­tel­punkt, son­dern ein un­zu­läng­li­ches Hilfs­mit­tel für Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Hier hat­te ein Tech­nik­an­bie­ter ver­spro­chen, dass es mög­lich sei, die Ar­beit von uns Dol­met­sche:rinnen kom­plett durch KI zu er­set­zen. „Schnel­ler“, „bil­li­ger“, „ska­lier­bar“: So oder so ähn­lich lau­ten die Schlag­wor­te auf sei­ner Web­sei­te. Was da­bei sys­te­ma­tisch aus­ge­blen­det wird: Dol­met­schen ist kei­ne rein tech­ni­sche Über­tra­gungs­leis­tung, son­dern ei­ne hoch­kom­ple­xe mensch­li­che Tä­tig­keit, die Ver­ant­wor­tung trägt ... für die Be­deu­tung und den Kon­text, al­so da­für, dass die In­hal­te bei den Men­schen an­kom­men.

Dol­met­schen ist kein Wör­ter­schub­sen. Es geht da­bei um Sinn, Sprech­ab­sich­ten, Vor­wis­sen und Zie­le der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Nur Men­schen kön­nen den je­wei­li­gen kul­tu­rel­len Kon­text mit­den­ken. Oft gibt es ei­ne Ebe­ne, die sich bei ober­fläch­li­chem Zu­hö­ren nicht er­schließt, die der im­pli­zi­ten Be­deu­tun­gen. Wir Dol­met­scher:in­nen sind dar­auf trai­niert, si­tua­tiv an­ge­mes­sen zu über­tra­gen, in Echt­zeit, oft un­ter ho­hem Druck, manch­mal in kon­flikt­ge­la­de­nen oder exis­ten­ziel­len Si­tua­tio­nen: vor Ge­richt, in me­di­zi­ni­schen Ge­sprä­chen, in po­li­ti­schen Ver­hand­lun­gen, in Asyl­ver­fah­ren, in Kri­sen. In sol­chen Set­tings sind KI-Feh­ler gar nicht mehr lus­tig. Sie ver­än­dern Be­deu­tun­gen, ver­schie­ben Ver­ant­wort­lich­kei­ten, füh­ren zu Miss­ver­ständ­nis­sen mit rea­len Kon­se­quen­zen, z.B. un­be­grün­de­te Ab­schie­bung oder Tod.

Das Schei­tern der Ma­schi­ne ist rasch er­klärt: KI-Sys­te­me ar­bei­ten sta­tis­tisch. Sie be­rech­nen Wahr­schein­lich­kei­ten auf der Ba­sis vor­han­de­ner Da­ten, und seit ei­ni­ger Zeit wer­den der Quatsch aus den „aso­zia­len“ Me­di­en so­wie frü­he­re KI-Er­geb­nis­se mit hin­ein­ver­wurs­tet. KI-Sys­te­me ver­ste­hen nicht, was sie sa­gen, sie er­ken­nen we­der dop­pel­te Bö­den noch Macht­ver­hält­nis­se. 

Bei KI-Feh­lern gibt es kein Si­cher­heits­netz. Sie kor­ri­giert sich nicht aus Ein­sicht, sie hat kei­ne Kol­le­gin ne­ben sich sit­zen, die sanft ein­greift, so dass sich die ak­ti­ve Dol­met­scher:in kor­ri­gie­ren kann. Sie knallt dem Pu­bli­kum ih­ren Out­put um die Oh­ren. Fer­tig. (Und ja, Dol­met­scher:in­nen aus Fleisch und Blut ma­chen auch mal Feh­ler. Mir wur­de zwei­mal mit­ten in ei­nem Ein­satz mit­ge­teilt, dass ein An­ge­hö­ri­ger im Ster­ben liegt, ein­mal war's ein Fehl­alarm. Da­nach war ich ei­ni­ger­ma­ßen out of or­der. Wir Men­schen sind zum Glück kei­ne Ma­schi­nen.)

Be­son­ders pro­ble­ma­tisch ist das Macht­ge­fäl­le, das durch KI-Dol­metsch­sys­te­me ent­steht. Wer die Tech­nik kon­trol­liert, kon­trol­liert die Kom­mu­ni­ka­ti­on. Trans­pa­renz über Trai­nings­da­ten, Ver­zer­run­gen, Aus­las­sun­gen oder Prio­ri­sie­run­gen fehlt meist. Dass KI be­ste­hen­de ge­sell­schaft­li­che Un­gleich­hei­ten re­pro­du­ziert und ver­stärkt, ist in­zwi­schen gut do­ku­men­tiert, auch im sprach­li­chen Be­reich. Dia­lek­te, phy­sio­lo­gi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen, Min­der­hei­ten­spra­chen, kurz: je­de Form von nicht­nor­mier­ten Sprech­wei­sen, wo­zu aus Sicht der Ma­schi­ne lei­der auch Ge­füh­le, Iro­nie oder Rück­fra­gen zäh­len, fal­len rasch un­ter den Tisch oder wer­den „glatt­ge­bü­gelt“. Die Aus­gangs­tex­te sind vol­ler Ste­reo­ty­pen, sie wer­den mun­ter ver­wen­det, ih­re Nut­zung da­mit ver­stärkt: Män­ner steu­ern den Be­trieb, Frau­en ma­xi­mal die Melk­ma­schi­ne.

Hin­zu kommt ein öko­no­mi­sches In­ter­es­se, das wir of­fen be­nen­nen müs­sen: Hier wur­de nicht auf die KI zu­rück­ge­grif­fen, um die Kom­mu­ni­ka­ti­on zu ver­bes­sern, son­dern ei­ner­seits, um Kos­ten zu sen­ken, an­de­rer­seits, um den Ge­winn auf die Sei­ten der Tech-An­bie­ter zu ver­schie­ben. Mensch­li­che Ar­beit gilt oft als „zu teu­er“, Er­fah­rung als „in­ef­fi­zi­ent“. Dass ne­ben der Qua­li­tät auch Ver­läss­lich­keit und ethi­sche Ver­ant­wor­tung auf der Stre­cke blei­ben, wird bil­li­gend in Kauf ge­nom­men, so­lan­ge kurz­fris­tig die Rech­nung stimmt. Und es droht ei­ne Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­mög­lich­kei­ten für un­se­rei­ner bei wach­sen­der Ver­wir­rung des Pu­bli­kums durch er­schüt­ternd schlech­ten KI-Aus­wurf. Ich den­ke es wei­ter: Den Ge­mein­den wer­den Steu­er­ein­nah­men feh­len, denn ein Teil des Ge­winns fließt zu den nord­ame­ri­ka­ni­schen Tech-Bros ab.

Ich schät­ze mal, auch Sie, liebe Le­se­rin, lie­ber Le­ser, ha­ben die KI schon mal für Tex­te ein­ge­setzt, z.B. Goog­le Trans­la­te oder Deepl. Das ging mal bes­ser, mal schlech­ter, denn die KI ist ein Werk­zeug, kann auch als Re­cher­che­hil­fe die­nen oder für nied­rig­schwel­li­ge, in­for­mel­le An­wen­dun­gen, et­wa für ei­ne gro­be ers­te Über­sicht über ei­nen fremd­spra­chi­gen In­halt. Da­bei ha­ben wir hof­fent­lich al­le ge­lernt, die KI kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und Feh­ler ein­zu­kal­ku­lie­ren. Wenn's drauf an­kommt, sind dann wie­der wir Pro­fis nö­tig.

Denn rich­tig ge­fähr­lich wird die KI dort, wo sie Men­schen er­setzt, ob­wohl mensch­li­ches Ur­teil, Ver­ant­wor­tung und Be­zie­hung ent­schei­dend sind. Die Es­ka­la­ti­on ist schon ab­seh­bar. Wir er­le­ben schon jetzt, dass die Ei­gen­tü­mer der Tech-Fir­men ge­wis­se Be­grif­fe auf den In­dex set­zen und Be­grif­fe ma­ni­pu­lie­ren, und zwar per Or­dre de Muf­ti. Die Ver­bots­lis­te von Oran­ge face ist lang, sie be­inhal­tet u.a. die Wör­ter „Frau“, „Ge­sund­heit“, „Dis­kri­mi­nie­rung" und „Di­ver­si­tät“.

Dol­met­schen ist Be­zie­hungs­ar­beit. Dol­met­schen schafft Ver­stän­di­gung dort, wo es um In­hal­te und Kom­mu­ni­ka­ti­on geht und wo Miss­ver­ständ­nis­se rea­le Schä­den ver­ur­sa­chen kön­nen. Wer die­se Ar­beit voll­stän­dig au­to­ma­ti­sie­ren will, ver­kennt nicht nur die Kom­ple­xi­tät von Spra­che, son­dern auch ih­ren ge­sell­schaft­li­chen Wert.

Was bei dem Ter­min mit Bau­ern sonst oft falsch war: die Zu­ord­nung von Zah­len, die manch­mal in Tei­len wie­der­holt wur­den (FR>DE ist auch kom­pli­ziert, 96 ist auf Fran­zö­sisch vier (mal) 20 (plus) 16). Re­gel­mä­ßig fie­len In­hal­te weg, Lü­cken wur­den mit Be­grif­fen ge­füllt, die nie ver­wen­det wor­den wa­ren.

Die an­schlie­ßen­den Dis­kus­sio­nen wa­ren mau, fan­den nur zwi­schen Teil­neh­men­den der je­wei­li­gen Spra­che statt. Für ei­ne ord­ent­li­che Aus­wer­tung des De­sas­ters hät­te ich zwei End­ge­rä­te und zwei Auf­nah­me­ge­rä­te ge­braucht. Ich wuss­te nicht, dass mich bei der Dis­kus­si­on die KI er­war­ten wür­de.

INFO: Sprache zu Text zu Sprache Spracherkennung: Die gesprochene Sprache wird von einer Spracherkennungs-software in Text umgewandelt. Textverarbeitung: Der erkannte Text wird in die Zielsprache übertragen. Sprachsynthese: Das Ergebnis wird durch einen Text-to-Speech-Engine wieder in gesprochene Sprache transferiert.
Vie­le Ar­beits­schrit­te mit viel Stör­an­fäl­lig­keit

Das En­de ha­be ich nicht mit­be­kom­men, weil ich raus­ge­gan­gen bin. Ei­ne Ir­ri­ta­ti­on konn­te ich im­mer­hin re­kon­stru­ie­ren. Pé­nib­le­ment, l'écureuil s'ap­pro­che, hat ei­ne Frau aus dem Pu­bli­kum ge­hört. Hier ging gleich der ers­te Schritt schief: Bei „lang­sam nährt sich das Eich­hörn­chen“, wur­de aus „nährt“ ein­fach „nä­hert“.

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Fo­to: pixlr.com (Zu­falls­fund, farb­lich ver­än­dert)

Mittwoch, 18. Februar 2026

Philosophisch fragwürdig

Bon­jour & hel­lo! Hier schreibt ei­ne Wort­schub­se! Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen, ich schub­se Wör­ter. Die All­ge­mein­heit nimmt uns Si­mul­tan­d­ol­met­sche:rin­nen ähn­lich sel­ten wahr wie die Pro­fis im Gas­traum ei­nes Flug­zeugs (oft ab­schät­zig „Saft­schub­se“ ge­nannt). Aus Ig­no­ranz ent­steht da­bei zu oft Gleich­gül­tig­keit. Wir ha­ben lan­ge Aus­bil­dungs­zei­ten, im Schnitt 7,5 Jah­re, per­fek­tio­nie­ren Spra­che, Kul­tur, Fach­ge­bie­te, Me­tho­dik und Be­rufs­kun­de, da­zu kom­men As­sis­ten­zen. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Neu­lich bei ei­nem Ber­li­na­le­emp­fang (bei dem ich aus Grün­den wohl aus­ge­la­den wur­de): Die KI lie­fer­te „Un­ter­ti­tel“ zu ei­ner live ge­hal­te­nen Re­de und der Aus­wurf der Ma­schi­ne war vol­ler Feh­ler und Pein­lich­kei­ten. Aber ir­gend­wie hat nie­mand rich­tig hin­ge­se­hen. Wer wird schon je­ne kri­ti­sie­ren, die ei­nen ge­ne­rös zum Es­sen oder auf Kaf­fee und Ku­chen ein­la­den?

Im Nach­hi­nein be­frag­te Leu­te mein­ten sinn­ge­mäß und nicht oh­ne Schmun­zeln: „Wir ken­nen die Re­den von G. be­reits, und die Ge­mein­plät­ze bei sol­chen An­läs­sen be­herrscht die Ma­schi­ne meis­tens gut.“ Dass aus Arte prompt „Arty“ wird, liest sich wie ei­ne Pe­ti­tes­se. Da­bei hat nie­mand auf dem Schirm, dass „Arty“ noch schnel­ler zu „Darty“ wird, der bri­ti­sche Haus­halts­ge­rä­te­händ­ler, der neu­er­dings Ber­li­na­le-Emp­fän­ge spon­sert. Na, pri­ma!

Und nein, die KI kann nicht dol­met­schen, LLMs kön­nen es nicht, und selbst wenn, wä­re es ge­fähr­lich für die De­mo­kra­tie, al­les par­tout aus­la­gern zu wol­len. War­um soll­ten sich Sprach­un­kun­di­ge mit 80 Pro­zent des ge­spro­che­nen Worts (oft in fal­scher Rei­hen­fol­ge, d.h. mit fal­schen Be­zü­gen) zu­frie­den­ge­ben, gar­niert mit 20 Pro­zent Vo­la­ti­lem: Leer­stel­len, von der KI Er­fun­de­nem oder eben Arty. 

War­um sol­len wir mög­li­cher­wei­se auch stra­te­gi­sche In­for­ma­tio­nen den gro­ßen Da­ten­kra­ken an­ver­trau­en? War­um sol­len wir die Gel­der, die sonst Men­schen in Eu­ro­pa zu­ge­flos­sen sind (und die als Kauf­kraft und Steu­ern hier ver­blie­ben sind), den Tech-Gi­gan­ten (vor al­lem in Über­see) zu­spie­len, die aus Geld­über­fluss und Selbst­über­schät­zung die De­mon­ta­ge der west­li­chen Welt fi­nan­zie­ren?

Dol­met­schen ist Ver­trau­ens­ar­beit, und noch nie ist ei­ne Do­lm­etsche­rin, ein Dol­met­scher, fer­tig vom Him­mel ge­fal­len. Die ve­rmeint­lich „ein­fa­chen“ Ein­sät­ze mit ih­ren Tisch­re­den, Höf­lich­kei­ten und Ge­mein­plät­zen sind für den Nach­wuchs ein Übungs­feld, um mit Lam­pen­fie­ber zu­recht­zu­kom­men, und sie ent­schä­di­gen auch uns Ge­stan­de­ne für an­de­re Ein­sät­ze, bei denen oft die (nicht ver­gü­te­te) Vor­be­rei­tung sehr auf­wän­dig ist, al­so in Sum­me gna­den­los un­ter­be­zahlt.

Die Sa­che mit den „al­ter­na­tiv­lo­sen“ KI-„Über­set­zern“ ist al­so nicht mo­dern und ef­fi­zi­ent, son­dern tech­nik­ver­liebt, un­zu­läng­lich und de­mo­kra­tie­feind­lich. Die KI über­nimmt auch kei­ne Ver­ant­wor­tung, nicht für ihre Er­geb­nis­se, nicht für even­tu­ell nö­ti­ge Re­pa­ra­tur­kos­ten. Die KI ist im wahrs­ten Wort­sin­ne ver­ant­wor­tungs­los. Nicht mehr und nicht we­ni­ger.

Die so­ge­nann­te KI ist nur künst­lich, aber kei­ne In­tel­li­genz. Das gro­ße, was­ser- und ener­gie­ver­schlin­gen­de Sys­tem ist das nichts an­de­res als ein enormes Auto com­ple­te. Sie ken­nen das vom Han­dy, wo wie von Geis­ter­hand Wör­ter fer­tig­ge­schrie­ben wer­den, die oft ge­nug falsch sind oder beim Tip­pen selbst nerv­tö­tend im­mer wie­der Be­grif­fe „fehl­kor­ri­gie­ren“. Ei­ner nann­te die KI mal auto com­ple­te on speed, ei­ne ge­dop­te au­to­ma­ti­sche Wort­ver­voll­stän­di­gung.

Und die KI ist der­zeit ein be­lieb­tes Spiel­feld für In­ves­tor:in­nen. Ei­ne enor­me Bla­se hat sich ge­bildet, die dem­nächst laut plat­zen wird. War­nung an die Po­li­tik: Haut sie nicht raus auf Kos­ten al­ler. Es ha­ben ge­nü­gend Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Pro­gram­mie­rer ge­warnt.

Die ge­kop­pel­ten Ma­schi­nen kön­nen nicht den­ken, da­her feh­len oft Sinn­zusam­men­hän­ge, die über das Satz­en­de hin­aus­ge­hen. Die KI ver­ar­bei­tet Zei­chen­ket­ten, re­pro­du­ziert be­kann­te Mus­ter. Da­her „kann“ sie oft Ge­mein­plät­ze, ver­sagt aber be­son­ders bei Neu­em und Au­ßer­ge­wöhn­li­chem, was ja die Gründe fürs Ausrichten von Kon­fe­ren­zen überhaupt sind.

Die KI weiß nichts von Sprech­ab­sich­ten, die KI denkt oft auch nicht über den Punkt hin­aus. Na­tür­lich lässt sich viel ver­bes­sern mit gu­ten Brie­fings und Hin­ter­grund­in­fos. Aber wol­len Sie tat­säch­lich ei­ne Mit­ar­bei­te­rin/ei­nen Mit­ar­bei­ter ta­ge­lang Prompts üben las­sen, ei­ne Tech­nik­bu­de teu­er be­zah­len und am En­de dro­hen Pein­lich­kei­ten?

Die KI „rech­net“ zu­dem nicht mit der Feh­ler­an­fäl­lig­keit der Men­schen, mit Nu­scheln, Dia­lek­ten, kör­per­li­chen Be­son­der­hei­ten, Fehl­be­to­nun­gen, ver­tausch­ten Wör­tern oder la­p­sus lin­guae.

Als Zu­schau­er:in ken­nen Sie die „Fehl­le­sun­gen“ und Fehl­leis­tun­gen von au­to­ma­tisch ge­ne­rier­ten Un­ter­ti­teln, wie sie bei You­Tube, aber auch an­de­ren An­bie­tern, so­gar teu­er be­zahl­ten, an der Ta­ges­ord­nung sind (ich sa­ge nur Net­flix). Wenn mangelhafter Krem­pel dann wei­ter­über­tra­gen wird, wer­den die Feh­ler fort­ge­schrie­ben. Am En­de kommt stel­len­wei­se gro­ber Dop­pel­murks her­aus, und wenn der Text noch in ein Sys­tem Text to voice hin­ein­ge­ge­ben wird, ha­ben wir das nächs­te Ein­falls­tor für Feh­ler und die Ver­grö­ße­rung der Be­ste­he­nden. Und der Murks der einen KI, ih­r Aus­wurf, wird von der anderen KI dann als „neu­es“ Trai­nings­ma­te­ri­al verstoffwechselt.

Ein durch die KI er­zeug­ter Tipp­feh­ler im Un­ter­ti­tel, der auf dem durch­schnitt­li­chen Mo­ni­tor we­ni­ger als ei­nen Zen­ti­me­ter groß ist, er­reicht auf der Lein­wand (ab­hän­gig von de­ren For­mat, of cour­se) dann Ma­ße zwi­schen Hand­tel­ler und Schul­li­ne­al. Er fällt al­so auf.

Hier als Raus­schmei­ßer noch ei­ne lus­ti­ge Fra­ge und, *räus­per*, wohl­feil un­ter­mau­er­te Ant­wor­ten. He­lau! (Ach nee, heu­te ist ja Ascher­mitt­woch.)

Ca­ro­li­ne Elias: Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren? ChatGPT: Ganz klar: zu Fuß. Wenn Du mit dem Au­to fährst, wird Dein Au­to auf den ers­ten 100 Me­tern noch schmut­zi­ger. Zu Fuß bleibt der Schmutz­grad kon­stant. Das ist lo­gi­scher und um­welt­scho­nen­der. Al­les an­de­re ist phi­lo­so­phisch frag­wür­dig.
Hier ei­ne Über­sicht über ei­ni­ge der ge­mach­ten Feh­ler: klick!

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Gra­fik:
ChatGPT

Mittwoch, 2. Oktober 2024

KI-Murks (5)

Aus dem Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten ei­ni­ges er­fah­ren. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te haupt­säch­lich mit Fran­zö­sisch, ein we­nig mit Eng­lisch. Wir Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen ha­ben un­se­re Haupt­spra­chen, da­bei ist die A-Spra­che die Mut­ter­spra­che, B steht für die Haupt­ar­beits­spra­che, C für die so­ge­nann­te pas­si­ve Spra­che. Heu­te folgt der KI-Mitt­woch.

Abstrahierte Grafik: Maschinenteile im blutroten Kopf, unten die Worte KI, fear, death
"Machine head"
Die KI wird der­zeit von Nerds un­be­dacht für den Ein­satz mit Spra­chen­ be­wor­ben, ger­ne auch oh­ne "Hu­man in the loop", und das, oh­ne auf die Stim­men von uns Pro­fis zu hö­ren. Wie kommt es zu die­sem Wan­del, dass die Stim­me von Pro­fis nicht mehr viel zählt? Wie kommt es ganz all­ge­mein zu im­mer mehr Schlud­rig­keit?

Die täg­li­chen An­for­de­run­gen, die an ei­nen be­ruf­lich wie pri­vat so ge­stellt wer­den, neh­men im­mer mehr zu, wäh­rend der Tag bei 48 Stun­den bleibt und die Nacht da­zu, um's mal sa­lopp zu sa­gen. Wo ich auch hin­se­he, be­ob­ach­te ich ei­ne zu­neh­men­de Ent-Pro­fes­sio­na­li­sie­rung. In mei­ner Bran­che ha­pert es auf Sei­ten der Kun­den­nach­fra­ge.

Wenn Un­fä­hig­keit und Un­wis­sen­heit auf ge­sunk­ene Stan­dards trifft, das be­rühm­te "gut ge­nug", sind Ka­ta­stro­phen pro­gram­miert. 


Im­mer sel­te­ner tref­fe ich auf Leu­te, die wirk­lich zu­hö­ren und dif­fe­ren­ziert er­fah­ren möch­ten, was wir ma­chen, wie und war­um ... und was der An­teil der Kun­den am Ge­lin­gen un­se­rer Ar­beit ist, näm­lich uns recht­zei­tig mit Hin­ter­grund­ma­te­ri­al zu ver­sor­gen. 80 Pro­zent der Dol­metsch­ar­beit sind Vor­be­rei­tung, hier spre­che ich von uns mensch­li­chen Dol­metscher:­in­nen, den ech­ten.

Denn das "Gut ge­nug" und "Tech­nik ist so toll" treibt ge­ra­de sehr ge­fähr­li­che Blü­ten, und zwar mit ei­ner "Dol­metsch­tech­nik", die die wer­ten Kun­den nicht stän­dig mit der Mail­nach­frage zu mehr Hin­ter­grund­in­fo nervt (wie wir's tun). Ist ja su­per prak­tisch. Mit ei­ner Tech­nik, die auch nachts ver­füg­bar ist, die kei­ne Es­sens­pausen braucht und über­haupt, die ja sooo we­nig kos­tet.

In Min­ne­so­ta, einem US-ame­ri­ka­ni­schen Bun­des­staat, wird jetzt für die Über­set­zung von Of­fi­zi­el­lem auf die KI "O­pen­AI" ge­setzt, wie Slator.com berichtet. Da­mit könne die Kommunikation schnel­ler und kos­ten­güns­tiger werden. Das Sys­tem sei für "kul­tu­rel­le Re­le­vanz" op­ti­miert wor­den, man ha­be "Ta­bel­len mit kul­tu­rell re­le­van­ten Be­grif­fen und Über­set­zun­gen er­stellt und (...) in­te­griert", um das "kul­tu­rel­le Be­wusst­sein" zu "ver­bes­sern." Das Gan­ze könnte auch ei­ne Ant­wort auf den Streik der Sprach­ar­bei­ter sein, die im Ja­nu­ar 2024 um bes­sere Ho­no­ra­re gekämpft hat­ten. 

Zu­dem be­rich­tet Slate über die Exis­tenz ei­nes "be­grenz­ten Pi­lot­pro­jekts mit ei­ner an­de­ren staat­li­chen Be­hör­de", das zur Auf­ga­be ha­be, "den Ein­satz der Sprach­funk­ti­on­en von ChatGPT für Echt­zeit-Dol­metschen zu tes­ten“. (Ich über­lege ge­ra­de, was Nicht­echt­zeit-Dol­metschen sein soll.) Ziel sei na­tür­lich, die La­ge je­ner im Be­hör­den­aus­tausch zu ver­bes­sern, die kein Eng­lisch beherrschen.
 
Der Ar­ti­kel ver­men­gt in Wort und Bild un­ter­schieds­los die Ar­beits­fel­der "Über­set­zen" und "Dol­metschen". Es kann nicht be­stä­tigt wer­den, dass die­ser Netz­ar­ti­kel von ei­ner Ma­schi­ne er­stellt wor­den ist. 

Ich fürchte, dass da­mit so man­che Ka­ta­stro­phen pro­gram­miert sind. Mei­ne Bran­che darf jetzt in fast je­dem Ge­spräch mit der Au­ßen­welt, beruflich oder privat, im Chor, in der Fa­mi­lie oder im Zug, die Feh­ler­quo­te der KI her­vor­he­ben und die Tat­sa­che, dass hier ei­ne Zwei-Klas­sen-Ju­stiz droht, denn wo der "Nor­mal­fall" die Ma­schi­ne ist (mö­ge die "Pro­be­zeit" kurz sein), kön­nen sich Be­gü­ter­te Mensch­en mit­brin­gen.

KI-ge­stütz­te Über­tra­gung ist un­zu­ver­lässig und lie­fert oh­ne mensch­li­ches Zu­tun nicht sel­ten den größ­ten Non­sens — und ja, ne­ben gu­ten Par­tien und auf den ers­ten Blick mög­li­cher­wei­se gu­ten Sät­zen. Die Out­puts sind he­te­ro­gen. Das wird sich auch in ab­seh­ba­rer Zeit nicht än­dern. Jene, die das Ge­gen­teil be­haup­ten, sind ent­we­der nicht in­for­miert, kor­rupt oder ver­die­nen am Ver­kauf der KI-Lö­sun­gen, die kei­ne "Lö­sun­gen" sind, denn die Re­pa­ra­tur kos­tet oft ein Viel­fa­ches. Im Be­reich Asyl­recht oder Ge­sund­heit ein­ge­setzt, kos­ten schon jetzt Nicht­pro­fis und die KI Men­schen­le­ben. 

Der in­ter­natio­na­le Dach­ver­band der Über­set­zer- und Dol­metscher­ver­bän­de hat dar­auf in ei­nem Po­si­ti­ons­pa­pier hin­ge­wie­sen und ne­ben diesen mensch­li­chen auch die fi­nan­ziel­len Kos­ten her­vor­ge­ho­ben: "Den ver­meint­li­chen fi­nan­zi­el­len und bud­ge­tä­ren Vor­tei­le müs­sen im Fall ei­nes Schei­terns den Fo­lge­kos­ten ge­gen­über­ge­stellt wer­den, die den Preis für ei­ne sach- und fach­ge­rech­te Im­ple­men­tie­rung der KI in die Ar­beit von Men­schen bei Wei­tem über­stei­gen." (Ar­gu­ments in its fa­vour that de­ri­ve from fi­nan­cial and bud­get­ary con­si­de­ra­tions be­lie a false e­co­no­my, as the costs as­so­cia­ted with fai­lure far out­weigh the cost of ap­pro­pria­te im­ple­men­ta­tion by hu­mans.)

Von der EU heißt es auch ge­ra­de, dass die KI ei­gen­stän­dig Web­sei­ten über­tra­gen wür­de. Dem geht al­ler­dings vor­aus­:
1. Hoch­gra­dig ko­di­fi­zier­te Spra­che
2. Die­se Spra­che wur­de und wird in der EU klein­tei­lig de­fi­niert und ab­ge­grenzt
3. Erst­klas­sige mensch­li­che Über­set­zung aus meh­re­ren Jahr­zehn­ten
4. Wie­der­holt ge­gen­ge­le­sene und kor­ri­gier­te Aus­gangs­tex­te
5. Von Pro­fis kor­rek­tur­gele­sene KI-Er­geb­nis­se

Es han­delt sich al­so nicht um "KI-Über­set­zun­gen", wie an vie­len Stel­len zu le­sen ist, son­dern um Über­set­zun­gen, die mit KI-Un­ter­stüt­zung von Men­schen ge­macht wer­den, also "KI in the loop".

Da­bei ist es der­ma­ßen leicht, schrä­ge Tö­ne in 'Über­tra­gun­gen', wie ich "Über­set­zun­gen" der KI nennen,  hin­ein­zu­be­kom­men. Hier zum Ab­schluss noch klei­ne Per­len aus der Pra­xis. Hier wur­den Han­dels­tex­te zum Ent­wurf zwi­schen Ver­bän­den "mal eben durch die KI ge­jagt" und die Er­geb­nis­tex­te ha­ben, vor­sich­tig aus­ge­drückt, für Ir­ri­ta­ti­onen ge­sorgt. Da­bei war der Aus­gangs­text auf Fran­zö­sisch, die deut­schen Teil­neh­mer:­in­nen der Sit­zung be­ka­men im Vor­feld ei­nes Termi­ns eine eng­li­sche "Übel­set­zung" zu­ge­schickt.

Im Agrar­kon­tex heißt "Be­stands­er­he­bung" auf Fran­zö­sisch re­cen­se­ment des ef­fec­tifs, zu­rück­über­setzt so­was wie 'die Köp­fe zäh­len' oder, in be­wuss­ter Fehl­über­set­zung, 'Volks­­zäh­lung der An­ge­stell­ten'. Spra­che hängt im­mer vom Kon­text ab, ge­ra­de im Fran­zö­sischen hat ein Wort oft sehr, sehr, sehr vie­le Be­deu­tun­gen. Prompt hat die KI auch work­force cen­sus an­statt stock sur­vey dar­aus ge­macht. Wenn Tie­re plöt­zlich mit Be­grif­fen "ge­zählt" wer­den, mit de­nen sonst nur Men­schen be­schrie­ben wer­den ... Oder der "But­ter­ab­satz", auf Fran­zö­sisch é­cou­le­ment du beur­re. Die KI macht aus dem Ver­kauf von But­ter, but­ter sa­les mit leich­ter "Hand" mal eben but­ter dis­po­sal, das Ver­nich­ten, Weg­schmei­ßen von But­ter. 

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Il­lus­tra­tion: pixlr.com-Zu­falls­fund

Mittwoch, 24. September 2025

KI-Verzerrungen

Hello, bien­ve­nue und guten Tag hier beim Dol­metsch­we­blog. Seit 2007 be­rich­te ich in lo­ser Fol­ge über das Ar­beits­le­ben von Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zern, Dol­metsch­er­in­nen und Dol­met­schern. Wir sind vor al­lem auf Kon­fe­ren­zen und bei De­le­ga­ti­ons­rei­sen tä­tig, aber auch in den Ku­lis­sen des po­li­ti­schen und wis­sen­schaft­li­chen Be­triebs. Heu­te: Gren­zen der KI. 

Mann mit drei Armen
Rechts dop­pelt, links vier Fin­ger
Im Rah­men der Be­wer­bung un­se­res Teams um ei­nen Ein­satz hat mir ei­ne Kun­din neu­lich of­fen ge­sagt, dass sich un­ter den Mit­be­wer­bern auch ei­ne Fir­ma be­fin­de, die die Kon­fe­renz voll­stän­dig mit „KI-Dol­metsch­ern“ durch­füh­ren wol­le. Das sei zwar recht teu­er, hel­fe aber, Rei­se-, Re­stau­rant- und Ho­tel­kos­ten ein­zu­spa­ren. Ich at­me ein­mal tief durch. 
Jetzt ist es al­so pas­siert. Vor­be­rei­tet bin ich. Denn na­tür­lich sind wir ge­wapp­net, seit die­se Tech­nik viel Ri­si­ko­ka­pi­tal­ an­ge­zo­gen hat.

Mein Vor­schlag an die Da­me: Se­hen wir uns das doch ge­mein­sam in Ru­he an. 

Zu­nächst er­klä­re ich ihr, was die­se An­bie­ter kon­kret tun: Ge­spro­che­ne Spra­che wird zu­nächst in Text um­ge­wan­delt. Die­ser Text wan­dert an­schlie­ßend in ei­ne Über­set­zungs­ma­schi­ne. Ich nen­ne Goo­gle Trans­la­te und DeepL, sie be­stä­tigt, die­se selbst schon ge­nutzt zu ha­ben. Das Er­geb­nis wird da­nach in ein „Text-to-Speech-Pro­gramm“ ein­ge­speist, und „fer­tig“ ist die so­ge­nann­te au­to­ma­ti­sier­te Sprach­über­set­zung. Sie zeigt sich über­rascht, mit so vie­len Ver­ar­bei­tungs­schrit­ten ha­be sie nicht ge­rech­net.

Ich grei­fe ih­ren ei­ge­nen Ge­dan­ken auf: Je­der die­ser Schrit­te ist ein Ein­falls­tor für Feh­ler. In­te­res­san­ter­wei­se be­stand die Kun­din den­noch dar­auf, dass die An­bie­ter ihr ei­ne ho­he Ge­nau­ig­keit zu­ge­sagt hät­ten.

Also be­rich­te ich von un­se­ren Be­ob­ach­tun­gen. Da­bei wa­ren Feh­ler beim Hin und Her zwi­schen den Pro­gram­men nicht ein­mal das größ­te Pro­blem. Wir ha­ben zwei der ak­tu­ell am Markt recgt selbst­be­wusst auf­tre­ten­den An­bie­ter tes­ten dür­fen. Als höchs­te Ge­nau­ig­keit wur­den uns 95 Pro­zent an­ge­kün­digt.

Auff­äl­lig war Fol­gen­des: Die KI war­te­te, ge­nau­so wie wir, beim „Zu­hö­ren“ zu­nächst ab, bis klar war, wo­rum es ging. An­ders als wir spul­te sie das Ge­sag­te an­schlie­ßend wie­der­holt in über­höh­ter Ge­schwin­dig­keit ab. Zwi­schen­durch wur­de et­was nicht ver­stan­den, Be­grif­fe tauch­ten in fal­schen Be­deu­tungs­zu­sam­men­hän­gen auf, Aus­sa­gen bra­chen ab und wur­den spä­ter wie­der auf­ge­nom­men.

Ein­mal fehl­te ein zen­tra­ler Be­griff, weil der Red­ner zum Was­ser­glas griff und den Kopf mi­ni­mal vom Mi­kro­fon weg­be­wegt hat­te. Das Sys­tem ge­riet ins Sto­cken, lo­gi­sche Be­zü­ge gin­gen ver­lo­ren, am En­de kol­la­bier­te der Ab­satz, war al­les Murks. Ähn­li­che Ef­fek­te tra­ten auf, als ei­ne Red­ne­rin un­ter (si­mu­lier­tem) Stress falsch be­tont hat.

Was sonst noch pas­siert ist, lässt sich in un­se­rer Lis­te un­ten er­ah­nen.

Grund­sätz­lich zeig­te sich, dass die KI die Struk­tur der Re­den ver­än­dert hat: Ak­zen­tu­ie­run­gen ver­scho­ben sich, Schwer­punk­te wur­den ver­la­gert, teils so­gar For­de­run­gen in­halt­lich ver­än­dert. Ge­nau das hat auch die Dol­metsch­ab­tei­lung des Eu­ro­pa­rats in ih­rer Ver­öf­fent­li­chung Syn­thè­se de rap­port sur l’in­ter­pre­ta­tion au­to­ma­tique (speech-to-speech) be­stä­tigt [hier der Direktlink].

Auch die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on [Direktlink] hat die­se Ef­fek­te be­ob­ach­te­t. In ei­ner Ver­suchs­rei­he mit 90 ge­tes­te­ten Re­den lag die Ge­nau­ig­keit in Sum­me zwi­schen 5 und 83 Pro­zent. Die­se ver­än­der­ten Ar­gu­men­ta­ti­ons­li­ni­en sind ein­mal mehr der Be­weis da­für, dass die KI (na­tür­lich) nicht weiß, wel­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gi­en hin­ter den Aus­sa­gen steht. 

Doch das ist nur ei­nes von vie­len Pro­ble­men. Ich kür­ze mal ab.

Wir ha­ben der Kun­din zu KI-Ver­dol­metsch­ung ge­ra­ten, wenn:

  • die Ver­an­stal­tung ei­nem 08-15-The­ma ge­wid­met ist, zu dem es be­reits mas­sen­haft Ma­te­ri­al im Netz gibt
  • die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­sicht der Red­ner:in­nen un­wich­tig ist
  • im Raum ga­ran­tiert Ru­he herrscht (kein Hus­ten, kein Stüh­ler­ü­cken)
  • Red­ner:in­nen nicht un­ter Stress ge­ra­ten, kei­nen Ak­zent spre­chen und auch sonst nicht von der Norm­aus­spra­che ab­wei­chen
  • nie­mand Emo­tio­nen zeigt, da die­se die Stim­me ver­än­dern
  • kei­ne rhe­to­ri­schen Schlei­fen nö­tig sind, um Aus­sa­gen ein­zu­ord­nen oder kul­tu­rell an­schluss­fä­hig zu ma­chen
  • nie­mand Rück­fra­gen stellt
  • Hal­lu­zi­na­tio­nen der KI egal sind oder vom Pu­bli­kum so­fort als sol­che er­kannt wer­den
  • kei­ne ge­schlech­ter- oder min­der­hei­ten­sen­si­ble Kom­mu­ni­ka­ti­ons­si­tua­ti­on vor­liegt, da KI nach­weis­lich be­ste­hen­de Vor­ur­tei­le ver­stärkt (be­dingt durch das Trai­nings­ma­te­ri­al)
  • bei Fehl­über­tra­gun­gen nie­mand Ver­ant­wor­tung über­neh­men muss
  • ein mög­li­cher po­li­ti­scher Miss­brauch der ei­ge­nen Da­ten voll­kom­men egal ist (Big Tech sitzt be­kann­ter­wei­se in den USA)

Sie hal­ten das für über­zo­gen? Al­le ak­tu­el­len wis­sen­schaft­li­chen Un­ter­su­chun­gen be­stä­ti­gen die­se Ein­schät­zun­gen. Und die Hal­lu­zi­na­tio­nen wer­den eher schlim­mer. Denn die KI hat das In­ter­net weit­ge­hend ab­ge­grast und trai­niert in­zwi­schen zu­neh­mend mit ei­ge­nen Aus­wür­fen. Die­se sind we­ni­ger ak­ku­rat als mensch­lich er­zeug­te In­hal­te. Die Qua­li­tät der Ge­samt­heit al­ler Pu­bli­ka­tio­nen sinkt, pa­ral­lel da­zu die Ge­nau­ig­keit der KI, die gro­be Feh­ler ein­baut.

Für die­se Feh­ler gibt es in­zwi­schen ei­nen Na­men: AI slop oder KI-Slop. Ge­meint sind In­hal­te, die auf den ers­ten Blick kor­rekt wir­ken, aber so echt sind wie die Spam-Mails, in de­nen ein An­walt Ih­nen 14 Mil­lio­nen Dol­lar ver­spricht. Die­se Mails sind leicht zu er­ken­nen, Slop hin­ge­gen nicht im­mer.

Wört­lich be­deu­tet the slop Brü­he, Schmutz­was­ser oder Rück­stand. Ge­meint sind mas­sen­haft pro­du­zier­te fal­sche In­hal­te, die plau­si­bel wir­ken und sich au­to­ma­tisch re­pro­du­zie­ren. Sie ver­zer­ren am En­de al­le KI-Aus­wür­fe, da die­se stets vom sta­tis­ti­schen Durch­schnitt des­sen aus­ge­hen, was zu­vor „re­zi­piert“ wur­de, sie­he oben.

Auch die Kun­din kann­te sol­che Bei­spie­le be­reits: Er­fin­dun­gen, Ver­zer­run­gen und Ab­sur­di­tä­ten in von der KI er­stell­ten Tex­ten oder Bil­dern.

Hier mein Schlen­ker zu­rück zum An­fang: Selbst wenn bei Kon­fe­ren­zen rei­ne La­bor­be­din­gun­gen herr­schen wür­den und die KI so­gar 95 Pro­zent kor­rekt über­trü­ge, blie­ben Rei­hen­fol­ge der Ar­gu­men­te, Ge­wich­tung des Neu­en und die feh­len­den fünf Pro­zent ent­schei­dend. Slop wird die KI im­mer pro­du­zie­ren. Das ist sys­te­misch.

Die­se Ver­zer­run­gen be­tre­fen auch un­se­ren Markt. Tat­säch­lich schaf­fen es ei­ni­ge Nerds, rei­ne KI-„Lö­sun­gen“ oh­ne Dol­metsch­er:in­nen zu ver­kau­fen. Das wird nicht lan­ge gut­ge­hen. Die Kun­din von oben hat die KI-Bu­de jetzt aus­sor­tiert.

In an­de­ren Fäl­len set­ze ich auf kri­ti­sche Rück­mel­dun­gen der End­kund:in­nen.

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Gra­fik: pixlr.com (Zu­falls­fund)