Mittwoch, 25. März 2026

Arbeitsplatzverluste

Den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin be­schrei­be ich hier seit 2007 in lo­se­r Fol­ge. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin. Mei­ne Haupt­ein­satz­ge­bie­te sind Kon­fe­ren­zen, Ver­hand­lun­gen, Mes­sen, De­le­ga­ti­ons­rei­sen und öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. KI-Mitt­woch.

Der­zeit gibt es in den USA ei­ne gro­ße Ent­las­sungs­wel­le. Auch in Deutsch­land neh­men die „Frei­stel­lun­gen“ in den Ver­wal­tun­gen zu. Hin­ter vie­len, so rauscht es im Flur­funk, soll die KI ste­hen. (Die Wirt­schafts­wo­che schreibt da­zu: „Das ha­ben wir in Deutsch­land in die­sem Aus­maß zu­vor nicht ge­se­hen“.)

Was hier aus recht­li­chen Grün­den als An­pas­sung an die wirt­schaft­li­che La­ge be­zeich­net wird, kom­mu­ni­zie­ren nord­ame­ri­ka­ni­sche CEOs of­fe­ner und nen­nen die KI als Grund. Es fol­gen Fir­ma auf Fir­ma mit den glei­chen Schlag­zei­len: Ent­las­sun­gen, Grund: an­geb­lich KI.

Mit der Zeit zeigt sich: Das trägt nicht. Die Ana­lys­ten der Deut­schen Bank ha­ben da­für ei­nen Be­griff: AI Re­dun­dan­cy Wa­shing ge­prägt, ei­ne Schutz­be­haup­tung, Mit­ar­bei­ter:in­nen wür­den durch KI über­flüs­sig. Mit Re­dun­dan­cy wird der Über­hang be­zeich­net, das Wort wa­shing ken­nen wir aus green­wa­shing, wo plötz­lich mit ei­ner Lü­ge im Wirt­schafts­le­ben ein ver­meint­li­cher Vor­teil für die Um­welt kons­tru­iert wird. Für den Be­griff ha­ben wir noch kei­ne deut­sche Ent­spre­chung. Auch die KI ist über­for­dert da­mit, ihn zu über­tra­gen.

AI Re­dun­dan­cy Wa­shing - überflüssiges Waschen durch KI

Was ge­schieht nach den Ent­las­sun­gen? Die Bör­sen­kur­se der be­tref­fen­den Fir­men stei­gen dann oft, und prompt heißt es: „KI-Trans­for­ma­ti­on“. Wenn An­le­ger:in­nen spä­ter in die Jah­res­be­rich­te schau­en, fin­det sich dort sel­ten ein kla­rer Ver­weis auf AI lay­offs an. Ge­werk­schaf­ten mel­den das, sta­tis­ti­sche Quel­len be­stä­ti­gen es, in New York sind sol­che Da­ten so­gar ver­pflich­tend: Bereits Anfang Januar hat Wi­red be­rich­tet, kein ein­zi­ges Un­ter­neh­men ha­be ein­ge­räumt, Ar­beits­plät­ze we­gen KI ge­stri­chen zu ha­ben. 

Bei vie­len Un­ter­neh­men, auch in Deutsch­land, pas­siert gleich­zei­tig et­was an­de­res: Nach "KI-Ent­las­sun­gen" er­schei­nen Stel­len­aus­schrei­bun­gen, neue Mit­ar­bei­ten­de wer­den ge­sucht. Was hier ka­schiert wird: Die KI dient als all­zu­be­que­me Er­klä­rung um Teams zu ver­jüngen und um Ge­halts­kos­ten zu sen­ken, denn Nach­wuchs kos­tet we­ni­ger als Alt­ge­dien­te. Auch Peronalüber­hänge aus Zei­ten des over­hi­ring lassen sich so ele­gant ab­bau­en. So war es neulich beim Mit­tag­es­sen mit CEOs zu hö­ren. Nein, kei­ne Na­men.

Ich wür­de mei­nen frü­he­ren Be­ruf nicht eh­ren, wür­de ich nicht noch ei­ne zwei­te ge­druck­te Quel­le nach­le­gen. Ei­ne ehe­ma­li­ge Jour­na­lis­tin bleibt da kon­se­quent!

Hier der zwei­te Ar­ti­kel: For­tu­ne be­rich­tet un­ter Be­ru­fung auf Ox­ford Eco­no­mics, laut Ei­gen­dar­stel­lung "Welt­markt­füh­rer in glo­ba­ler Wirt­schafts­pro­gno­se, quan­ti­ta­ti­ver Ana­ly­se und Vor­den­ker­schaft", KI-be­grün­de­te Ent­las­sun­gen wirk­ten "zu­neh­mend wie ei­ne Un­ter­neh­mens­fik­ti­on, die ei­ne düs­te­re Rea­li­tät ver­schlei­ert" (7.1.26).

Auch hier steht die The­se im Raum: Nicht die KI führt zu Ent­las­sun­gen, son­dern sie dient als Vor­wand für rou­ti­ne­mä­ßi­gen Per­so­nal­ab­bau. Ei­ne zy­ni­sche Stra­te­gie. Ent­las­sun­gen wer­den als gu­te Nach­richt ver­kauft. Das sen­det po­si­ti­ve Si­gna­le an In­ves­to­ren und Über­be­stän­de las­sen sich in Zei­ten schwin­den­der Nach­fra­ge un­auf­fäl­li­ger ab­bau­en. Zu­gleich ent­steht das Bild ei­nes tech­no­lo­gi­schen Vor­rei­ters.

Der Ox­ford-Be­richt ver­weist auf Da­ten von Chal­len­ger, Gray & Christ­mas. Dem­nach ge­hen zwi­schen Ja­nu­ar und No­vem­ber 2025 nur 4,5 Pro­zent des Stel­len­ab­baus auf tech­ni­schen Um­bau durch die KI zu­rück. Ein Blick auf die Pro­duk­ti­vi­tät stützt das: Wür­de die KI tat­säch­lich Auf­ga­ben al­lein über­neh­men, müss­te der An­teil der Ge­ste­hungs­kos­ten sin­ken und das Pro­duk­ti­vi­täts­wachs­tum deut­lich an­zie­hen. Der­zeit zeigt sich eher ein ex­pe­ri­men­tel­ler Ein­satz als ein sys­te­ma­ti­scher Aus­tausch von Mensch ge­gen Ma­schi­ne.

Und noch et­was wird deut­lich, was ich hier schon län­ger be­schrei­be: Der Ein­stieg wird schwe­rer. Rou­ti­ne­auf­ga­ben wer­den von der KI über­nom­men, die Fest­an­ge­stell­ten be­klagen pa­ral­lel da­zu im­mer mehr Über­stun­den und Auf­wand, weil sie die KI kon­trol­lie­ren müs­sen. Kurz: Bör­sen­an­leger:in­nen ge­win­nen, die Ar­beit­neh­mer­schaft ver­liert.

Ré­su­mé: Das, was uns der­zeit als KI ver­kauft wird, ist ein gro­ßer Schwin­del.

Da­zu passt mei­ne Il­lus­tra­ti­on. Die Mit­be­woh­ne­rin hat die KI ge­fragt, wo bei uns in der Kü­che Stau­raum­re­ser­ve be­ste­hen wür­de. Die Bil­der da­zu zei­gen, was die KI nicht weiß, weil ihr die Le­bens­er­fah­rung und das Hin­ter­grund­wis­sen feh­len. Für uns Men­schen, ge­ra­de für uns Dol­met­sche­rin­nen in der Ka­bi­ne, ist das Welt­wis­sen so selbst­ver­ständ­lich, dass wir uns des­sen oft gar nicht be­wusst sind.

Zwei Küchen, wie es sie im wirklichen Leben niemals geben würde
Nur Murks!

Feh­ler:
— Gas­ther­me an der Au­ßen­wand und nicht am Schorn­stein
— Kühl­schrank di­rekt vor der Gas­ther­me
— Papp­bo­xen in ei­nem Kü­chen­re­gal
— Re­gal und gro­ßer Koch­topf wür­den die Spei­se­kam­mer­tür stö­ren
— di­to: Ar­beits­plat­te vor der Spei­se­kam­mer­tür
— kei­ne Be­we­gungs­flä­che in der Mit­te
— Bei ei­nem Bild: Die Spü­le ist jetzt bit­te wo? Der An­schluss gibt den Platz vor
— Wir ko­chen mit Gas und nicht elek­trisch
— Auch die Hei­zung hat bei uns ei­nen fes­ten Platz (nicht vor dem Fens­ter)

Re­min­der: Die KI ist ein Werk­zeug für die Hän­de von Pro­fis.

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Gra­fik: ChatGPT

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