Derzeit gibt es in den USA eine große Entlassungswelle. Auch in Deutschland nehmen die „Freistellungen“ in den Verwaltungen zu. Hinter vielen, so rauscht es im Flurfunk, soll die KI stehen. (Die Wirtschaftswoche schreibt dazu: „Das haben wir in Deutschland in diesem Ausmaß zuvor nicht gesehen“.)
Was hier aus rechtlichen Gründen als Anpassung an die wirtschaftliche Lage bezeichnet wird, kommunizieren nordamerikanische CEOs offener und nennen die KI als Grund. Es folgen Firma auf Firma mit den gleichen Schlagzeilen: Entlassungen, Grund: angeblich KI.
Mit der Zeit zeigt sich: Das trägt nicht. Die Analysten der Deutschen Bank haben dafür einen Begriff: AI Redundancy Washing geprägt, eine Schutzbehauptung, Mitarbeiter:innen würden durch KI überflüssig. Mit Redundancy wird der Überhang bezeichnet, das Wort washing kennen wir aus greenwashing, wo plötzlich mit einer Lüge im Wirtschaftsleben ein vermeintlicher Vorteil für die Umwelt konstruiert wird. Für den Begriff haben wir noch keine deutsche Entsprechung. Auch die KI ist überfordert damit, ihn zu übertragen.
Was geschieht nach den Entlassungen? Die Börsenkurse der betreffenden Firmen steigen dann oft, und prompt heißt es: „KI-Transformation“. Wenn Anleger:innen später in die Jahresberichte schauen, findet sich dort selten ein klarer Verweis auf AI layoffs an. Gewerkschaften melden das, statistische Quellen bestätigen es, in New York sind solche Daten sogar verpflichtend: Bereits Anfang Januar hat Wired berichtet, kein einziges Unternehmen habe eingeräumt, Arbeitsplätze wegen KI gestrichen zu haben.
Bei vielen Unternehmen, auch in Deutschland, passiert gleichzeitig etwas anderes: Nach "KI-Entlassungen" erscheinen Stellenausschreibungen, neue Mitarbeitende werden gesucht. Was hier kaschiert wird: Die KI dient als allzubequeme Erklärung um Teams zu verjüngen und um Gehaltskosten zu senken, denn Nachwuchs kostet weniger als Altgediente. Auch Peronalüberhänge aus Zeiten des overhiring lassen sich so elegant abbauen. So war es neulich beim Mittagessen mit CEOs zu hören. Nein, keine Namen.
Ich würde meinen früheren Beruf nicht ehren, würde ich nicht noch eine zweite gedruckte Quelle nachlegen. Eine ehemalige Journalistin bleibt da konsequent!
Hier der zweite Artikel: Fortune berichtet unter Berufung auf Oxford Economics, laut Eigendarstellung "Weltmarktführer in globaler Wirtschaftsprognose, quantitativer Analyse und Vordenkerschaft", KI-begründete Entlassungen wirkten "zunehmend wie eine Unternehmensfiktion, die eine düstere Realität verschleiert" (7.1.26).
Auch hier steht die These im Raum: Nicht die KI führt zu Entlassungen, sondern sie dient als Vorwand für routinemäßigen Personalabbau. Eine zynische Strategie. Entlassungen werden als gute Nachricht verkauft. Das sendet positive Signale an Investoren und Überbestände lassen sich in Zeiten schwindender Nachfrage unauffälliger abbauen. Zugleich entsteht das Bild eines technologischen Vorreiters.
Der Oxford-Bericht verweist auf Daten von Challenger, Gray & Christmas. Demnach gehen zwischen Januar und November 2025 nur 4,5 Prozent des Stellenabbaus auf technischen Umbau durch die KI zurück. Ein Blick auf die Produktivität stützt das: Würde die KI tatsächlich Aufgaben allein übernehmen, müsste der Anteil der Gestehungskosten sinken und das Produktivitätswachstum deutlich anziehen. Derzeit zeigt sich eher ein experimenteller Einsatz als ein systematischer Austausch von Mensch gegen Maschine.
Und noch etwas wird deutlich, was ich hier schon länger beschreibe: Der Einstieg wird schwerer. Routineaufgaben werden von der KI übernommen, die Festangestellten beklagen parallel dazu immer mehr Überstunden und Aufwand, weil sie die KI kontrollieren müssen. Kurz: Börsenanleger:innen gewinnen, die Arbeitnehmerschaft verliert.
Résumé: Das, was uns derzeit als KI verkauft wird, ist ein großer Schwindel.
Dazu passt meine Illustration. Die Mitbewohnerin hat die KI gefragt, wo bei uns in der Küche Stauraumreserve bestehen würde. Die Bilder dazu zeigen, was die KI nicht weiß, weil ihr die Lebenserfahrung und das Hintergrundwissen fehlen. Für uns Menschen, gerade für uns Dolmetscherinnen in der Kabine, ist das Weltwissen so selbstverständlich, dass wir uns dessen oft gar nicht bewusst sind.
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| Nur Murks! |
Fehler:
— Gastherme an der Außenwand und nicht am Schornstein
— Kühlschrank direkt vor der Gastherme
— Pappboxen in einem Küchenregal
— Regal und großer Kochtopf würden die Speisekammertür stören
— dito: Arbeitsplatte vor der Speisekammertür
— keine Bewegungsfläche in der Mitte
— Bei einem Bild: Die Spüle ist jetzt bitte wo? Der Anschluss gibt den Platz vor
— Wir kochen mit Gas und nicht elektrisch
— Auch die Heizung hat bei uns einen festen Platz (nicht vor dem Fenster)
Reminder: Die KI ist ein Werkzeug für die Hände von Profis.
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Grafik: ChatGPT


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