Reisen bildet ... Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich zwischen Formen meiner sächsischen Kindheitstage (als Westkind auf Besuch) und meiner Wahlheimat Paris Parallelen finde. Zwischen den Orten der Aufnahmen liegen 800 Kilometer Luftlinie und 936 Kilometer Straße. Aber was ist das?
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Fotos: C.E.
Was ich anbiete
Sonntag, 5. Februar 2012
Freitag, 3. Februar 2012
La maison
« Bienvenue !» Sie sind auf den Arbeitstagebuchseiten einer Berliner Übersetzerin gelandet, die daneben auch als Französischdolmetscherin für Kino, Filmwirtschaft, Medien, Politik und Wirtschaft arbeitet. In einer knappen Woche beginnt die Berlinale, und in "meinem Haus" zähle ich schon die Tage.
My home is my castle ... das kennen die Franzosen auch. Jede noch so kleine Wohnung ist ma maison, wenn jemand über seine vier Wände spricht, und es ist auch dann "mein Haus", wenn es sich nur um ein winziges studio handelt, das berühmte Ein-Zimmer-Appartment mit cuisine américaine (Küchentresen bzw. in den Hauptraum integrierte Küche).
Wir kennen diese Art von "Haus" auch, zumindest in der Redewendung "zu Hause".
Während in Paris die Mieten von "Wohnungen" bis zwölf Quadratmeter auf bis zu 40 Euro für jeden einzelnen dieser Quadratmeter gestiegen sind, erleben wir in Berlin noch glückliche Zeiten mit Raum für Bücher, Arbeitskollegen und Freunde. In den Berlinaletagen habe ich wieder Einquartierung, daher ist es Zeit, ma maison einen vorgezogenen Frühjahrsputz angedeihen zu lassen.
Was muss sonst noch vor der Berlinale passieren?
Sachen aus der Reinigung holen, bügeln, einkaufen, vorkochen. Es ist wie vor einer Abfahrt in den Urlaub. Wenn's dann soweit ist, lebe ich hier wie in einem Hotel, als wäre ich wirklich an einem anderen Ort. Der Countdown läuft.
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Illustration: Sprachlernmaterial aus
einem bestimmten Land, wer erkennt's?
My home is my castle ... das kennen die Franzosen auch. Jede noch so kleine Wohnung ist ma maison, wenn jemand über seine vier Wände spricht, und es ist auch dann "mein Haus", wenn es sich nur um ein winziges studio handelt, das berühmte Ein-Zimmer-Appartment mit cuisine américaine (Küchentresen bzw. in den Hauptraum integrierte Küche).
Wir kennen diese Art von "Haus" auch, zumindest in der Redewendung "zu Hause".
Während in Paris die Mieten von "Wohnungen" bis zwölf Quadratmeter auf bis zu 40 Euro für jeden einzelnen dieser Quadratmeter gestiegen sind, erleben wir in Berlin noch glückliche Zeiten mit Raum für Bücher, Arbeitskollegen und Freunde. In den Berlinaletagen habe ich wieder Einquartierung, daher ist es Zeit, ma maison einen vorgezogenen Frühjahrsputz angedeihen zu lassen.
Was muss sonst noch vor der Berlinale passieren?
Sachen aus der Reinigung holen, bügeln, einkaufen, vorkochen. Es ist wie vor einer Abfahrt in den Urlaub. Wenn's dann soweit ist, lebe ich hier wie in einem Hotel, als wäre ich wirklich an einem anderen Ort. Der Countdown läuft.______________________________
Illustration: Sprachlernmaterial aus
einem bestimmten Land, wer erkennt's?
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Sprachschatz
Mittwoch, 1. Februar 2012
Duzen im Untertitel
Freunde von mir haben ihre Eltern noch nie mit dem Vornamen angesprochen, auch, wenn sie seit zwanzig Jahren nicht mehr im Kinderzimmer wohnen. Es sind zum Teil die gleichen, die ihre Eltern siezen. Und auch die Eltern sagen einander Sätze wie: "Könnten Sie bitte Ihren Arm anders legen, er drückt mich zwischen den Rippen?" oder: "War ich auch nicht zu heftig für Sie?" So zumindest stellt sich unsereiner das (lieber nicht) vor.
In Frankreich gibt es diese Schichten, in denen das Siezen auch in Familien zum guten Ton gehört. Sie gehören meist qua Geburt oder wirtschaftlicher Macht zur Oberschicht. Aber auch unter Gleichaltrigen an der Uni siezen sich erst einmal alle; Siezen ist in Frankreich die Grundform.
"Du" und "Sie" sind natürlich auch bei unseren Nachbarn soziale Indikatoren, sie unterstreichen Abstand und markieren Annäherung. Neulich sah ich das in einem französischen Film:
Im Film gibt es ein soziales Gefälle zwischen der Bankangestellten aus der Stadt und dem einfachen jungen Mann vom Dorf, das vergleichsweise lang aufrechterhaltene "Sie" zeugt davon (und, sehen Sie genau hin, auch die Kleidung). Am Ende kommen sich die beiden natürlich näher. Das Duzen und Siezen ist ein kleiner Aspekt ihrer Annäherung, vom namentlich nicht genannten Untertitler unnötig verschenkt.
Außerdem kenne ich niemanden, der in so einer Situation "Wir werden uns schon kennenlernen" sagt, und auch die Antwort "Toll!" ist sowas von ausgedacht und tot....
Wie kann so etwas passieren? Die Untertitelung ist mit zu wenig Sorgfalt hergestellt worden und vermutlich von jemandem, der sich noch nie Gedanken über Filmdramaturgie gemacht hat. Oder die betreffende Person hat sonst am Fließband amerikanische Serien untertitelt. Da gibt es für Untertitler jedenfalls ein ungeschriebenes Gesetz, wie vom Sie-You auf das Du-You umgeschwenkt werden kann: Spätestens, wenn zwei miteinander geschlafen haben, duzen sie sich.
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Illustrationen: Da ich hier keine Kollegen denunzieren
möchte, gebe ich nicht mehr Informationen preis. Wer
mehr dazu erfahren möchte oder sich in seinen Urheber-
rechten beeinträchtigt fühlt, wende sich bitte an:
caroline[at]adazylla.de
In Frankreich gibt es diese Schichten, in denen das Siezen auch in Familien zum guten Ton gehört. Sie gehören meist qua Geburt oder wirtschaftlicher Macht zur Oberschicht. Aber auch unter Gleichaltrigen an der Uni siezen sich erst einmal alle; Siezen ist in Frankreich die Grundform.
"Du" und "Sie" sind natürlich auch bei unseren Nachbarn soziale Indikatoren, sie unterstreichen Abstand und markieren Annäherung. Neulich sah ich das in einem französischen Film:
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| Er: Vous voulez venir ? (Hier: Möchten Sie mitkommen?) |
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Sie: Si vous voulez ! (Wenn Sie möchten.) |
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Er: On peut se tutoyer ? — Sie: Ouais, d'accord ! (Wollen wir uns duzen? — Hm, OK!) |
Außerdem kenne ich niemanden, der in so einer Situation "Wir werden uns schon kennenlernen" sagt, und auch die Antwort "Toll!" ist sowas von ausgedacht und tot....
Wie kann so etwas passieren? Die Untertitelung ist mit zu wenig Sorgfalt hergestellt worden und vermutlich von jemandem, der sich noch nie Gedanken über Filmdramaturgie gemacht hat. Oder die betreffende Person hat sonst am Fließband amerikanische Serien untertitelt. Da gibt es für Untertitler jedenfalls ein ungeschriebenes Gesetz, wie vom Sie-You auf das Du-You umgeschwenkt werden kann: Spätestens, wenn zwei miteinander geschlafen haben, duzen sie sich.
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Illustrationen: Da ich hier keine Kollegen denunzieren
möchte, gebe ich nicht mehr Informationen preis. Wer
mehr dazu erfahren möchte oder sich in seinen Urheber-
rechten beeinträchtigt fühlt, wende sich bitte an:
caroline[at]adazylla.de
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Sex (sells),
Werkstatt
Dienstag, 31. Januar 2012
Türsonde
Bonjour auf den Seiten eines Logbuchs aus dem Inneren der Dolmetscherkabine. Manchmal texte ich meine Einträge aber auch am Schreibtisch oder am Flughafen, denn ich bin Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache, da gehören Reisen zum Beruf. In den letzten Jahren konnte ich mich auf Medien, Politik, Kino und Gesellschaft spezialisieren. Und immer sammele ich Vokabeln ...
Etliche Dolmetscher, die ich kenne, bleiben in den Ferien gern zu Hause, zumindest in einem Teil derselben. Denn Dolmetscher reisen oft, nicht alle, aber die anderen dafür umso mehr.
Einmal hatte ich zwischen anderen Jobs ein Drehbuch zu übersetzen, es war der Film von Jacob Berger "Ein Tag" (Une journée), der u.a. im Wartebereich eines Flughafens spielt. Recht ausführlich wurde deshalb im Vorfeld des Drehs der Flughafen detailliert beschrieben. Und dann erlebte ich diese merkwürdige Doppelung: Ich saß selbst auf dem Flughafen, wartete auf irgendeinen Anschluss, und tippte eine Geschichte in den Laptop, die am Flughafen spielt.
Viele komische Vokabeln kamen darin vor, zum Beispiel les portiques de détection et de sécurité. Wo ich schon mal da war, durchlöcherte ich die Sicherheitskräfte ... und lernte das Wort "Türsonde" und dass manche "Torsonde" dazu sagen, außerdem so selten schicke Wörter wie "Handsonde" und "Luftsicherheitsassistent". Derjenige, der die Sonde in der Hand hält, heißt übrigens "ein Sonder". Sonderlich ... bizarre, vous avez dit bizarre? Que c'est bizarre ! (*)
Ich flog damals einige Monate lang fast jede Woche. Noch Jahre später haben mich die Sicherheitsassistenten erkannt und mir neue Vokabeln zugeraunt, dabei war ich da schon längst bei einem anderen "Drehort".
(*) ... eine der berühmtesten französischen Filmrepliken aus "Drôle de drame" von Marcel Carné: "Komisch, haben Sie komisch gesagt? Das ist aber komisch!?"
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Foto: C.E.
Etliche Dolmetscher, die ich kenne, bleiben in den Ferien gern zu Hause, zumindest in einem Teil derselben. Denn Dolmetscher reisen oft, nicht alle, aber die anderen dafür umso mehr.
Einmal hatte ich zwischen anderen Jobs ein Drehbuch zu übersetzen, es war der Film von Jacob Berger "Ein Tag" (Une journée), der u.a. im Wartebereich eines Flughafens spielt. Recht ausführlich wurde deshalb im Vorfeld des Drehs der Flughafen detailliert beschrieben. Und dann erlebte ich diese merkwürdige Doppelung: Ich saß selbst auf dem Flughafen, wartete auf irgendeinen Anschluss, und tippte eine Geschichte in den Laptop, die am Flughafen spielt.
Viele komische Vokabeln kamen darin vor, zum Beispiel les portiques de détection et de sécurité. Wo ich schon mal da war, durchlöcherte ich die Sicherheitskräfte ... und lernte das Wort "Türsonde" und dass manche "Torsonde" dazu sagen, außerdem so selten schicke Wörter wie "Handsonde" und "Luftsicherheitsassistent". Derjenige, der die Sonde in der Hand hält, heißt übrigens "ein Sonder". Sonderlich ... bizarre, vous avez dit bizarre? Que c'est bizarre ! (*)
Ich flog damals einige Monate lang fast jede Woche. Noch Jahre später haben mich die Sicherheitsassistenten erkannt und mir neue Vokabeln zugeraunt, dabei war ich da schon längst bei einem anderen "Drehort".
(*) ... eine der berühmtesten französischen Filmrepliken aus "Drôle de drame" von Marcel Carné: "Komisch, haben Sie komisch gesagt? Das ist aber komisch!?"
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Foto: C.E.
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Sprachschatz
Montag, 30. Januar 2012
Mehrsprachigkeit
"Das einseitige Lernen einer einzigen Sprache als Zweitsprache auf der ganzen Welt und die Einsprachigkeit derer, die diese Sprache schon können, sind eine schreiende Ungerechtigkeit und eine bodenlose Dummheit."
"Wer nur eine Sprache beherrscht, versteht oft gar nicht, was Verschiedenheit des Denkens bedeutet."
Jürgen Trabant (* 25. Oktober 1942 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Sprachwissenschaftler. Er lehrt als Professor of European Plurilingualism an der Jacobs University Bremen. (Quelle für die Vita: Wikipedia)
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Zitate
Sonntag, 29. Januar 2012
Beamtenlaufbahn ...
... wird diese Brücke im Jargon der Bundestagsmitarbeiter ironischerweise genannt. (Im 2. Bild sieht man rechts oben ihre Spiegelung.) Fotografiert habe ich sie schon im Sommer bei einer Bootstour mit der Patchworkfamilie, den (in seiner Schnoddrigkeit typisch Berliner) Begriff habe ich erst vor kurzem gehört.
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Fotos: C.E. (Sommer 2011)
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Fotos: C.E. (Sommer 2011)
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Komisches,
Sonntagsbilder
Freitag, 27. Januar 2012
Pariser Bohème ...
Willkommen beim Arbeitsjournal einer Dolmetscherin und Übersetzerin mit Wohnort Berlin! Hier schreibe ich über meinen deutsch-französischen Berufsalltag, dabei habe ich, auch außerhalb von Terminen, mitunter interessante Begegnungen.
Neulich, ich saß im Café, aßen im halbleeren Gastraum zwei Tische neben mir zwei Gäste, die unter dem bleiernen Berliner Januarhimmel durchgehuscht waren und sich in das anheimelnde Innere meines Stammcafés gerettet hatten, eine Kartoffelsuppe. Es war nicht diese deftige Berliner Variante mit Schinkenspeck und Würstchen, die ja sicher auch ihre Reize hat (aber eine eingefleischte Vegetarierin eher abschreckt), sondern eine mit Ingwer und Kürbis.
Da nahm am Tisch neben mir ein älterer Herr Platz, schüttelte seine Jacke aus, denn inzwischen hatte es zu regnen angefangen, und schaute mich mit freundlichen Augen an, wie ich da so aus der Ferne kurz die Kartoffelsuppe taxierte, die von den Gästen gelobt wurde.
Ich hatte gerade selbst gegessen und merkte mir die Suppe für das nächste Mal vor.
Ich arbeitete weiter, denn manchmal sitze ich im Café und verbessere Texte, wenn mir zu Hause die Stubendecke auf den Kopf zu stürzen droht oder die Mitbewohnerin wieder tonnenschwere Filmdatenpakete an den Sender schickt.
Zwischendurch muss ich wiederholt aufgeblickt und nachgedacht haben. Einmal trafen sich unsere Blicke wieder, die des Tischnachbarn und meine. Der fragte darauf schelmisch lächeld: "Darf ich Sie auf eine Kartoffelsuppe einladen?"
Wie ich da wissen wollte, wie ich denn zu der Ehre käme, entgegnete er: "Sind Sie eine hungernde Schriftstellerin? Ich würde Ihnen gern eine Freude bereiten!"
Ich bedankte mich freundlich, sagte, dass ich durchaus satt sei und fragte zurück, wie er darauf komme.
"Naja, das hab ich in meinen Pariser Jahren gelernt, und Sie haben sowohl etwas Literarisches als auch etwas Französisches an sich!"
Jetzt kamen wir wirklich ins Gespräch. Mein Gegenüber, das ausgesucht und mit markantem Akzent Deutsch sprach, erzählte, dass er 1968 in Paris gewesen sei, dort ein Jahr als Nachtportier gearbeitet habe ... am Morgen sei er dann immer auf dem Montmartre gewesen, wo dann auch die Maler im Café frühstückten ...
Sein Akzent, erklärte er übrigens auf Nachfrage, sei etruskisch. Das musste ich später nachschlagen: Der Mann stammt aus dem nördlichen Mittelitalien. Dann kam auch schon seine Kartoffelsuppe. Was er nach der Zeit als Nachtportier gemacht hat, verriet er mir leider nicht. Im Hotelfach ist er vermutlich eher nicht geblieben.
"Buon appetito, Signore!" Und ich beugte mich weiter über die Papiere ...
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Illustration: Kinowerbung aus den Zwanziger (?)
Jahren, vom Flohmarkt, leider undatiert
Neulich, ich saß im Café, aßen im halbleeren Gastraum zwei Tische neben mir zwei Gäste, die unter dem bleiernen Berliner Januarhimmel durchgehuscht waren und sich in das anheimelnde Innere meines Stammcafés gerettet hatten, eine Kartoffelsuppe. Es war nicht diese deftige Berliner Variante mit Schinkenspeck und Würstchen, die ja sicher auch ihre Reize hat (aber eine eingefleischte Vegetarierin eher abschreckt), sondern eine mit Ingwer und Kürbis.
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| Manchmal steht da auch "gepflegte Getränke" |
Ich hatte gerade selbst gegessen und merkte mir die Suppe für das nächste Mal vor.
Ich arbeitete weiter, denn manchmal sitze ich im Café und verbessere Texte, wenn mir zu Hause die Stubendecke auf den Kopf zu stürzen droht oder die Mitbewohnerin wieder tonnenschwere Filmdatenpakete an den Sender schickt.
Zwischendurch muss ich wiederholt aufgeblickt und nachgedacht haben. Einmal trafen sich unsere Blicke wieder, die des Tischnachbarn und meine. Der fragte darauf schelmisch lächeld: "Darf ich Sie auf eine Kartoffelsuppe einladen?"
Wie ich da wissen wollte, wie ich denn zu der Ehre käme, entgegnete er: "Sind Sie eine hungernde Schriftstellerin? Ich würde Ihnen gern eine Freude bereiten!"
Ich bedankte mich freundlich, sagte, dass ich durchaus satt sei und fragte zurück, wie er darauf komme.
"Naja, das hab ich in meinen Pariser Jahren gelernt, und Sie haben sowohl etwas Literarisches als auch etwas Französisches an sich!"
Jetzt kamen wir wirklich ins Gespräch. Mein Gegenüber, das ausgesucht und mit markantem Akzent Deutsch sprach, erzählte, dass er 1968 in Paris gewesen sei, dort ein Jahr als Nachtportier gearbeitet habe ... am Morgen sei er dann immer auf dem Montmartre gewesen, wo dann auch die Maler im Café frühstückten ...
Sein Akzent, erklärte er übrigens auf Nachfrage, sei etruskisch. Das musste ich später nachschlagen: Der Mann stammt aus dem nördlichen Mittelitalien. Dann kam auch schon seine Kartoffelsuppe. Was er nach der Zeit als Nachtportier gemacht hat, verriet er mir leider nicht. Im Hotelfach ist er vermutlich eher nicht geblieben.
"Buon appetito, Signore!" Und ich beugte mich weiter über die Papiere ...
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Illustration: Kinowerbung aus den Zwanziger (?)
Jahren, vom Flohmarkt, leider undatiert
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Donnerstag, 26. Januar 2012
Nussmischung
Willkommen auf den Seiten einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Hier berichte ich aus Berlin, Paris, Cannes, Marseille, München, Hamburg oder Leipzig unter Wahrung dienstlicher Geheimnisse — oder ich sammele Vokabeln, solche, die es schon lange gibt und solche, die endlich erfunden worden sind.
Morgens vor der Schule, wir packen Pausenbrote, Obst und Getränke zusammen, denn was ein fleißiger Filmdolmetscher ist, so sieht dieser (oder diese) relevante Filme der Berlinale bereits bei den Pressevorführungen.
Der weltbeste Patensohn (acht Jahre) schaut erst auf seinen Proviant, dann auf meinen, dann wieder auf seinen, weist mit dem Finger auf eine kleine Dose, die bei meinen Sachen liegt und fragt: "Und was ist daaa drin?" (Bei seinem Proviantstapel fehlt die Dose.)
Ich: "Haselnüsse, Rosinen, Walnüsse mit einem "l" und so'n Kram."
Er: "Ach so, wie heißt das gleich noch, 'Assistentenfutter'?"
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Foto: C.E. (Archiv)
Morgens vor der Schule, wir packen Pausenbrote, Obst und Getränke zusammen, denn was ein fleißiger Filmdolmetscher ist, so sieht dieser (oder diese) relevante Filme der Berlinale bereits bei den Pressevorführungen.
Der weltbeste Patensohn (acht Jahre) schaut erst auf seinen Proviant, dann auf meinen, dann wieder auf seinen, weist mit dem Finger auf eine kleine Dose, die bei meinen Sachen liegt und fragt: "Und was ist daaa drin?" (Bei seinem Proviantstapel fehlt die Dose.)
Ich: "Haselnüsse, Rosinen, Walnüsse mit einem "l" und so'n Kram."
Er: "Ach so, wie heißt das gleich noch, 'Assistentenfutter'?"
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Foto: C.E. (Archiv)
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Mittwoch, 25. Januar 2012
Out of the blue
Willkommen beim Dolmetscherweblog aus Berlin! Hier dürfen Sie heute einer Sprachmittlerin auf den Schreibtisch sehen, die Teil eines Netzwerks ist. Wenn wir nicht in der Kabine sitzen, für Festivals, VIPs oder Privatpersonen dolmetschen, bereiten wir diese Events vor. Wie jetzt, die Berlinale steht vor der Tür.
Nicht plötzlich, out of the blue, sondern durchaus nachvollziehbar verändert sich der Markt. Französisch wird immer weniger nachgefragt, befördert durch die Franzosen selbst, die ja sonst immer die Muttersprachen verteidigen.
Beispiele gefällig? Neulich, wir sollen für Pressetermine auf der Berlinale gebucht werden, Einzel- und Gruppeninterviews in irgendwelchen Hinterzimmern von Luxushotels. Tag passt (so gerade) noch, Zeit auch, Honorarvorschlag angemessen. Wir schreiben eine Option in den Kalender. Sie wird schriftlich bestätigt, französischer Film, läuft im Wettbewerb, Name des zu betreuenden Dolmetschgasts. Kostenvoranschlag geht raus.
Drei Stunden später kommt eine Rückfrage. Ob denn klar gewesen wäre, dass ins Englische zu dolmetschen sei? Nee, war nicht. Steht auch so nicht im Kostenvoranschlag oder in der Anfrage. Hm, ja dann.... man habe doch nur mit internationaler Presse zu tun und die wenigen Deutschen sprächen alle gut Englisch. So jedenfalls die Entscheidung der internationalen Agentur, die den Film auf der Suche nach einem deutschen Verleih vertritt.
Über Englisch auf der Berlinale haben wir hier schon oft diskutiert. Eine Dolmetscherkollegin, selbst Engländerin, ist regelmäßig entsetzt über das Niveau dieser "lingua franca", jedenfalls, wie sie in Deutschland bei manchem Festival bzw. Publikumsgespräch im Anschluss an Filme praktiziert wird, und nennt derlei "simplified facebook english". Dass es aber viele Journalisten gibt, deren Englisch nicht sicher genug ist, um komplizierte Sachverhalte im Interview zu klären, wird mir von den Betreffenden noch immer regelmäßig zugeraunt. Und das sind dann nicht nur Leute, die vor 1989 im Ostteil Deutschlands lebten.
Unsere internationale Agentur und der Presseagent sehen im Luxushotel also nur ein "Publikum", das sich bereits selbst vorsortiert hat, logisch, "wir haben nie Journalisten bei den Interviews, die kein Englisch können", this is a self fulfilling prophecy.
Wie die Sache ausging? In den Stunden, in denen die Dolmetscher optioniert waren, kam eine andere Anfrage rein und wurde mangels weiterer einschlägig erfahrener Kollegen abschlägig beschieden. Am Ende waren beide Jobs futsch, denn wir dolmetschen nicht in unsere Drittsprache, auch C-Sprache genannt.
Tja, die Franzosen verteidigen eben nicht Fremdsprachen oder ihr Idiom im Allgemeinen, sondern die Sprache Molières im eigenen Land oder außerhalb bei öffentlichen Ereignissen.
Was machen wir jetzt? Weiter! Weiter mit der Übersetzung eines Treatments, der Kurzfassung eines Drehbuchs, das ein Engländer verfasst hat. Englisch kommt derzeit recht oft rein. Und wenn man eine Sprache schon gut kann, ist Übersetzen die beste Methode, um diese zu festigen und zu vertiefen. Also: out of the blue, ich sehe da den blauen Himmel bei "heiterem" Wetter vor mir, also "aus heiterem Himmel".
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Foto: C.E. (Archiv)
Nicht plötzlich, out of the blue, sondern durchaus nachvollziehbar verändert sich der Markt. Französisch wird immer weniger nachgefragt, befördert durch die Franzosen selbst, die ja sonst immer die Muttersprachen verteidigen.
Beispiele gefällig? Neulich, wir sollen für Pressetermine auf der Berlinale gebucht werden, Einzel- und Gruppeninterviews in irgendwelchen Hinterzimmern von Luxushotels. Tag passt (so gerade) noch, Zeit auch, Honorarvorschlag angemessen. Wir schreiben eine Option in den Kalender. Sie wird schriftlich bestätigt, französischer Film, läuft im Wettbewerb, Name des zu betreuenden Dolmetschgasts. Kostenvoranschlag geht raus.
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| Berlinale 2012: 9.-19.Februar |
Über Englisch auf der Berlinale haben wir hier schon oft diskutiert. Eine Dolmetscherkollegin, selbst Engländerin, ist regelmäßig entsetzt über das Niveau dieser "lingua franca", jedenfalls, wie sie in Deutschland bei manchem Festival bzw. Publikumsgespräch im Anschluss an Filme praktiziert wird, und nennt derlei "simplified facebook english". Dass es aber viele Journalisten gibt, deren Englisch nicht sicher genug ist, um komplizierte Sachverhalte im Interview zu klären, wird mir von den Betreffenden noch immer regelmäßig zugeraunt. Und das sind dann nicht nur Leute, die vor 1989 im Ostteil Deutschlands lebten.
Unsere internationale Agentur und der Presseagent sehen im Luxushotel also nur ein "Publikum", das sich bereits selbst vorsortiert hat, logisch, "wir haben nie Journalisten bei den Interviews, die kein Englisch können", this is a self fulfilling prophecy.
Wie die Sache ausging? In den Stunden, in denen die Dolmetscher optioniert waren, kam eine andere Anfrage rein und wurde mangels weiterer einschlägig erfahrener Kollegen abschlägig beschieden. Am Ende waren beide Jobs futsch, denn wir dolmetschen nicht in unsere Drittsprache, auch C-Sprache genannt.
Tja, die Franzosen verteidigen eben nicht Fremdsprachen oder ihr Idiom im Allgemeinen, sondern die Sprache Molières im eigenen Land oder außerhalb bei öffentlichen Ereignissen.
Was machen wir jetzt? Weiter! Weiter mit der Übersetzung eines Treatments, der Kurzfassung eines Drehbuchs, das ein Engländer verfasst hat. Englisch kommt derzeit recht oft rein. Und wenn man eine Sprache schon gut kann, ist Übersetzen die beste Methode, um diese zu festigen und zu vertiefen. Also: out of the blue, ich sehe da den blauen Himmel bei "heiterem" Wetter vor mir, also "aus heiterem Himmel".
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Foto: C.E. (Archiv)
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Werkstatt
Dienstag, 24. Januar 2012
Übersetzungsprobleme
Willkommen auf dem Blog aus der Dolmetscherkabine für die französische Sprache. Heute sitze ich nicht in der knapp zwei Quadratmeter kleinen, schallisolierte Kabine, sondern am Übersetzerschreibtisch. Einblick gefällig?
Die neue Unübersichtlichkeit der Arbeitswelt treibt neue Blüten. Als Übersetzerin bin ich wirklich überfragt, wie ich das übertragen soll, übel:
Hm. Das nennt sich, glaube ich, Scheinselbständigkeit. Das Pikante am Rande: Es handelt sich um eine Rechtsanwaltskanzlei und eine junge Anwältin. Ich verstehe, dass sie sich wegbewirbt und daher Unterlagen in einer anderen Sprache braucht.
Und was mach ich jetzt als Übersetzerin mit dem Sch... ??!! Oder hab ich da jetzt komplett etwas missverstanden?
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Foto: C.E. (Archiv)
Die neue Unübersichtlichkeit der Arbeitswelt treibt neue Blüten. Als Übersetzerin bin ich wirklich überfragt, wie ich das übertragen soll, übel:
"Ich bin bei XYZ selbständig angestellt."Wie, was denn nun? Ich frage nach. Die junge Dame bekommt ein monatliches Fixum und Urlaubsgeld, gilt aber als selbständig. Sie hat Budgetverantwortung, ein Büro und darf Sekretariatsdienstleistungen in Anspruch nehmen, zahlt aber ihre Beiträge zu diversen Versicherung alleine und der Vertrag ist jederzeit kündbar.
Hm. Das nennt sich, glaube ich, Scheinselbständigkeit. Das Pikante am Rande: Es handelt sich um eine Rechtsanwaltskanzlei und eine junge Anwältin. Ich verstehe, dass sie sich wegbewirbt und daher Unterlagen in einer anderen Sprache braucht.
Und was mach ich jetzt als Übersetzerin mit dem Sch... ??!! Oder hab ich da jetzt komplett etwas missverstanden?
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Foto: C.E. (Archiv)
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Alltag
Montag, 23. Januar 2012
Sprengstoff und Silikon
« Bienvenue !» Sie sind auf den Arbeitstagebuchseiten einer Berliner Übersetzerin gelandet, die daneben auch als Französischdolmetscherin für Kino, Filmwirtschaft, Medien, Politik und Wirtschaft arbeitet.
Nein, unter der Überschrift "Sprengstoff und Silikon" folgt jetzt kein Kommentar zu den Brustimplantaten französischer Fertigung, die, weil sie unter Verwendung von Industriesilikon gefertigt wurden, aus manchem "Holz vor der Hütt'n" einiger vermeintlicher "sex bombs" ... naja, Sprengstoff machen. Aua, was für ein Anfang, schön politisch unkorrekt und vermutlich nur möglich, weil hier eine Frau schreibt.
Oft mahnen wir an dieser Stelle an, dass gute Übersetzung Zeit braucht. Wie die Webzeitung "heise online" gestern vermeldete, hat Zeit neulich an herausragender Stelle gefehlt: Bei der gerade in einer Auflage von 250.000 Exemplaren erschienen Übersetzung der Biografie des vor kurzem verstorbenen Apple-Vaters Steve Jobs. Sechs Übersetzer teilten sich den Jobs-Job (sorry, musste sein!) und lieferten anscheinend eine Arbeit ab, der man ansieht, dass aus Zeitgründen auch noch die Schlussredaktion gekürzt oder gestrichen worden war.
So wurden, wie der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) in Sachsen gerade vermeldet hat, etliche Übersetzungsfehler in das Buch eingebaut.
Beispiele gefällig?
"heise online" zitiert eine zweite Buchstelle:
Was passiert eigentlich, stellt sich mir da die für Sekundenbruchteile aufblitzende Frage, mit explodierenden Silikonbrustteilen? Nee, zu unkorrekt, derlei zu schreiben, das geht gar nicht, nicht mal für eine Frau.
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Foto: Bertelsmann
Nein, unter der Überschrift "Sprengstoff und Silikon" folgt jetzt kein Kommentar zu den Brustimplantaten französischer Fertigung, die, weil sie unter Verwendung von Industriesilikon gefertigt wurden, aus manchem "Holz vor der Hütt'n" einiger vermeintlicher "sex bombs" ... naja, Sprengstoff machen. Aua, was für ein Anfang, schön politisch unkorrekt und vermutlich nur möglich, weil hier eine Frau schreibt.
Oft mahnen wir an dieser Stelle an, dass gute Übersetzung Zeit braucht. Wie die Webzeitung "heise online" gestern vermeldete, hat Zeit neulich an herausragender Stelle gefehlt: Bei der gerade in einer Auflage von 250.000 Exemplaren erschienen Übersetzung der Biografie des vor kurzem verstorbenen Apple-Vaters Steve Jobs. Sechs Übersetzer teilten sich den Jobs-Job (sorry, musste sein!) und lieferten anscheinend eine Arbeit ab, der man ansieht, dass aus Zeitgründen auch noch die Schlussredaktion gekürzt oder gestrichen worden war.
So wurden, wie der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) in Sachsen gerade vermeldet hat, etliche Übersetzungsfehler in das Buch eingebaut.
Beispiele gefällig?
„Für Steve Jobs beginnt der Aufstieg zum strahlenden Olymp der Erfinder mit dem Bericht über zwei Elternpaare und die Kindheit in einem Tal, das gerade lernte, wie man Silikon in Gold verwandelt“.Nicht Silikon ist gemeint, hier haben wir wieder unsere Sprengstoff-Implantante, sondern die Substanz, die "Silicon Valley" seinen Namen gab: Silizium. Das Wortpaar silicone und silicon erweist sich hier nicht unbedingt als schlüpfrig, was die Gedanken der Übersetzer möglicherweise gewesen sein mögen, sondern nur als rutschig. (Pikanterweise gibt es in Kalifornien eine ironisch silicone valley genannte Gegend, in der sich vor allem die Pornoindustrie angesiedelt hat.)
"heise online" zitiert eine zweite Buchstelle:
Naja, auch Knallfrösche sind in den USA explosives, das schien sich dem/der Übersetzer/in im Moment der Übertragung entzogen zu haben. Konsequent weitergedacht wäre die Lehrerin nach dem "Aussitzen" von Sprengstoff endgültig "fertig" gewesen."Einmal brachten wir unter dem Stuhl unserer Lehrerin Mrs. Thurman Sprengstoff an. Das hat sie wirklich fertiggemacht." (One time we set off an explosive under the chair of our teacher, Mrs. Thurman. We gave her a nervous twitch.)
Über 700 Seiten ...
Was passiert eigentlich, stellt sich mir da die für Sekundenbruchteile aufblitzende Frage, mit explodierenden Silikonbrustteilen? Nee, zu unkorrekt, derlei zu schreiben, das geht gar nicht, nicht mal für eine Frau.
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Foto: Bertelsmann
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Link der Woche,
Sex (sells)
Sonntag, 22. Januar 2012
Wie man sich bettet ...
... ein investigativer Bericht aus Paris.
Wie einst am Hofe wird noch heute in den Schlafzimmern Politik gemacht, deshalb ist in Frankreich das Privatleben aktiver Politiker tabu. Es wissen zwar alle Bescheid, aber keiner schreibt darüber, es sei denn, die Beteiligten machen’s »danach«. Erlaubt ist jedoch, sich die Grundlagen der ganzen Sache mal in Ruhe anzuschauen. In Deutschland heißt »französisches Bett« ein Bett für zwei, das aus nur einer Matratze besteht. Hier ist aus deutscher Perspektive an zentraler Stelle etwas ganz Entscheidendes vorhanden, was in Deutschland bei zwei nebeneinander stehenden Einzelbetten in der Mitte fehlt: der Übergang. Der unschöne Spalt in der Mitte wird auf Deutsch sehr uncharmant »die Besucherritze « genannt — der Begriff allein lässt erahnen, wie unbequem es bei trauter Zweisamkeit wird — und welche Dramen sich später mit kleinen Besuchern dort abspielen.
Ein echtes französisches Bett ist außerdem mit einer einzigen Decke ausgestattet, die lediglich ein im Kopfbereich umgeschlagenes Laken vom Körper trennt. (...)
Hier geht's weiter. [Link kaputt!]
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Illustration: Kinowerbung aus den Zwanziger
Jahren, vom Flohmarkt, leider undatiert
Text: Eigenes "Recycling"
Wie einst am Hofe wird noch heute in den Schlafzimmern Politik gemacht, deshalb ist in Frankreich das Privatleben aktiver Politiker tabu. Es wissen zwar alle Bescheid, aber keiner schreibt darüber, es sei denn, die Beteiligten machen’s »danach«. Erlaubt ist jedoch, sich die Grundlagen der ganzen Sache mal in Ruhe anzuschauen. In Deutschland heißt »französisches Bett« ein Bett für zwei, das aus nur einer Matratze besteht. Hier ist aus deutscher Perspektive an zentraler Stelle etwas ganz Entscheidendes vorhanden, was in Deutschland bei zwei nebeneinander stehenden Einzelbetten in der Mitte fehlt: der Übergang. Der unschöne Spalt in der Mitte wird auf Deutsch sehr uncharmant »die Besucherritze « genannt — der Begriff allein lässt erahnen, wie unbequem es bei trauter Zweisamkeit wird — und welche Dramen sich später mit kleinen Besuchern dort abspielen.Ein echtes französisches Bett ist außerdem mit einer einzigen Decke ausgestattet, die lediglich ein im Kopfbereich umgeschlagenes Laken vom Körper trennt. (...)
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Illustration: Kinowerbung aus den Zwanziger
Jahren, vom Flohmarkt, leider undatiert
Text: Eigenes "Recycling"
Kategorien:
Link der Woche,
Sex (sells),
Sonntagsbilder
Freitag, 20. Januar 2012
Lebenswege Zwo, wir probieren!
Liebe Annika, hier sollte heute eigentlich Teil zwei meiner Antwort auf Deine Frage folgen, Die Du neulich hier gestellt hast (dort steht der erste Teil der Antwort).
Leider kann ich die Frage, welche Art von Jobs Übersetzer und Dolmetscher heute in den ersten Berufsjahren annehmen müssten oder sollten, nicht so einfach beantworten.... ich bin in den Beruf reingewachsen und muss mich jetzt in einer zudem stark veränderten Situation erst wieder unter den jüngeren Kolleginnen und Kollegen umhören, dann werde ich die Antwort(en) hier (garantiert an einem Freitag) veröffentlichen.
Heute kann ich Dir also nur einen Link zu einem früheren Kurzbeitrag über "Berufseinstiege" posten, hier schrieb ich über Dolmetschen auf der Messe und über eine Absolventin aus Paris, die eine halbe Stelle im Bereich Verwaltung annahm, um die Sprachkenntnisse zu festigen. Inzwischen kenne ich auch noch einen jungen Kollegen, der diesen Weg gewählt hat.
Und noch einen Linktipp habe ich. Nach der Veröffentlichung meines letzten Eintrags passierte nämlich ein kleines Wunder, und der bringt mich jetzt in die glückliche Lage, hier stolz einen Link zu zwei Schweizer Nachwuchsdolmetschern zu präsentieren, die ein Blog über den Einstieg in den Beruf gestartet haben, voici alors 2interpreters. Wunder deshalb, weil Matthias Haldimann (sein Twitter-Profil hier) und sein Kollege damals mit ihrem Blog direkt auf meine Bitte an die Leser reagiert hatten, mir doch etwas über die eigene Berufsanfangssituation zu schreiben, und mein Eintrag somit ein wenig zur Entstehung Ihrer sehr anregenden Seite beigetragen hatte.
Daher wiederhole ich diese Frage hier gleich nochmal: Wenn Sie in dieser Situation sind oder jemanden kennen, die/der als Dolmetscher und Berufsanfänger etwas berichten kann, würde ich mich über eine Nachricht (hier oder als Mail) sehr freuen. Ich kann Ihnen zusichern, nur nach Rücksprache, anonymisiert und in Auszügen aus Ihren Zuschriften zu zitieren.
Denn mit Wissen ist es wie mit Liebe: beides verdoppelt sich, wenn man es teilt.
.
Vorab vielen Dank!
Leider kann ich die Frage, welche Art von Jobs Übersetzer und Dolmetscher heute in den ersten Berufsjahren annehmen müssten oder sollten, nicht so einfach beantworten.... ich bin in den Beruf reingewachsen und muss mich jetzt in einer zudem stark veränderten Situation erst wieder unter den jüngeren Kolleginnen und Kollegen umhören, dann werde ich die Antwort(en) hier (garantiert an einem Freitag) veröffentlichen.
Heute kann ich Dir also nur einen Link zu einem früheren Kurzbeitrag über "Berufseinstiege" posten, hier schrieb ich über Dolmetschen auf der Messe und über eine Absolventin aus Paris, die eine halbe Stelle im Bereich Verwaltung annahm, um die Sprachkenntnisse zu festigen. Inzwischen kenne ich auch noch einen jungen Kollegen, der diesen Weg gewählt hat.
Und noch einen Linktipp habe ich. Nach der Veröffentlichung meines letzten Eintrags passierte nämlich ein kleines Wunder, und der bringt mich jetzt in die glückliche Lage, hier stolz einen Link zu zwei Schweizer Nachwuchsdolmetschern zu präsentieren, die ein Blog über den Einstieg in den Beruf gestartet haben, voici alors 2interpreters. Wunder deshalb, weil Matthias Haldimann (sein Twitter-Profil hier) und sein Kollege damals mit ihrem Blog direkt auf meine Bitte an die Leser reagiert hatten, mir doch etwas über die eigene Berufsanfangssituation zu schreiben, und mein Eintrag somit ein wenig zur Entstehung Ihrer sehr anregenden Seite beigetragen hatte.
Daher wiederhole ich diese Frage hier gleich nochmal: Wenn Sie in dieser Situation sind oder jemanden kennen, die/der als Dolmetscher und Berufsanfänger etwas berichten kann, würde ich mich über eine Nachricht (hier oder als Mail) sehr freuen. Ich kann Ihnen zusichern, nur nach Rücksprache, anonymisiert und in Auszügen aus Ihren Zuschriften zu zitieren.
Denn mit Wissen ist es wie mit Liebe: beides verdoppelt sich, wenn man es teilt.
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Vorab vielen Dank!
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Grundsätzliches
Donnerstag, 19. Januar 2012
French Film
Willkommen auf den Logbuchseiten einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin. In Berlin und von Berlin aus arbeite ich, wobei ich den halben Tag Französisch spreche oder denke, höre oder sehe.
Die Berlinale-Vorbereitungen laufen auch in den Büros von Übersetzern und Dolmetschern bereits auf Hochtouren, auch wenn das Filmfestival erst in drei Wochen anfängt.
So geriet folgender Hinweis ein wenig in Verzug, ist aber noch nicht zu spät: Das französische Unternehmen für Filmpromotion veranstaltet bereits zum 2. Mal ein Online-Filmfestival, das noch etwas mehr als 13 Tage lang jeweils zehn Kurz- und Langfilme im Wettbewerb und drei abendfüllende Spielfilme außer Konkurrenz anbietet.
Dieses Jahr können die Zuschauer in Deutschland kostenfrei teilnehmen. Bislang habe ich noch nicht viel davon gesehen, bin vor allem gesurft ... nur "La Reine des pommes" sah ich in Gänze, den ersten Film der Regisseurin (und Schauspielerin) Valérie Donzelli, der in bester Rohmer-Nachfolge steht (nur in der amourösen Suche expliziter).
Gewöhnungsbedürftig sind allerdings die oft nicht sehr guten Untertitel, bei denen Zuschnitt, Timing, Übersetzung wiederholt nicht stimmen und denen es (bei manchen Filmen mehr, bei anderen weniger) an Leerzeichen mangelt.
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Illustration: my french film festival
Die Berlinale-Vorbereitungen laufen auch in den Büros von Übersetzern und Dolmetschern bereits auf Hochtouren, auch wenn das Filmfestival erst in drei Wochen anfängt.
So geriet folgender Hinweis ein wenig in Verzug, ist aber noch nicht zu spät: Das französische Unternehmen für Filmpromotion veranstaltet bereits zum 2. Mal ein Online-Filmfestival, das noch etwas mehr als 13 Tage lang jeweils zehn Kurz- und Langfilme im Wettbewerb und drei abendfüllende Spielfilme außer Konkurrenz anbietet.
Dieses Jahr können die Zuschauer in Deutschland kostenfrei teilnehmen. Bislang habe ich noch nicht viel davon gesehen, bin vor allem gesurft ... nur "La Reine des pommes" sah ich in Gänze, den ersten Film der Regisseurin (und Schauspielerin) Valérie Donzelli, der in bester Rohmer-Nachfolge steht (nur in der amourösen Suche expliziter).
Gewöhnungsbedürftig sind allerdings die oft nicht sehr guten Untertitel, bei denen Zuschnitt, Timing, Übersetzung wiederholt nicht stimmen und denen es (bei manchen Filmen mehr, bei anderen weniger) an Leerzeichen mangelt.
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Illustration: my french film festival
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Tipps
Mittwoch, 18. Januar 2012
Albtraum
Willkommen auf dem Blog einer Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache. Hier schreibe ich über unseren Berufsalltag, der oft viel Stress behinhaltet.
Das nenne ich lebensnah geträumt ... oder satirisch überspitzt. Jemand von einer Kulturbehörde oder einer Kulturwirtschaftsfirma ruft mich an, ist überaus freundlich, voller Komplimente ... und sagt dann im Ton eines Ertrinkenden: "Wir brauchen Sie!" Und ruft dann viele Seiten auf, die ich zufällig schon mal in der Hand hatte, Kulturerbe, bitte zu Freitag übersetzen. Es ist Mittwoch. Ich liege im Bett mit eitriger, spastischer Bronchitis oder etwas in der Preislage und würde eigentlich absagen, allein schon, weil es zu viel Heu für zu wenig Tage ist. Warum können sie Leute nicht langfristig planen? Dann kommt der Süßdusche zweiter Teil: Es werden tolle Projekte in Aussicht gestellt, wird immer wieder daran erinnert, was doch für schöne Aufträge man in der Vergangenheit bereits gemeinsam gestemmt habe; der Honig, der mir ums Maul geschmiert werden soll, trieft sehr.
Die Hustenantwort lässt nicht lange auf sich warten. Aber weder diese unüberhörbaren Einwände noch den Verweis auf die Menge lässt mein Gegenüber gelten. Eine Kollegin flüstert mir zu, dass Teile des Kulturerbetextes bereits übersetzt seien, das Schulamt soundso hätte sie. Ich könne das dochmal überprüfen, vielleicht sei es gar nicht so viel, und mit meinen Fähigkeiten zur Angleichung von Texten merke man am Ende keine Nahtstellen. Ich bin irritert. Wie, meine eigene Kollegin bearbeitet mich im Sinne dieses Kunden? Ich werde schwach, erwäge kurz die Aufgabe, die Argumente beginnen zu wirken. Ich sage immerhin Prüfung dieser Dokumente zu und meinen Rückruf binnen zweier Stunden. Ich liege im Bett, ich bin schweißgebadet und muss jetzt aufstehen, ein Albtraum.
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Foto: C.E. (Archiv)
Das nenne ich lebensnah geträumt ... oder satirisch überspitzt. Jemand von einer Kulturbehörde oder einer Kulturwirtschaftsfirma ruft mich an, ist überaus freundlich, voller Komplimente ... und sagt dann im Ton eines Ertrinkenden: "Wir brauchen Sie!" Und ruft dann viele Seiten auf, die ich zufällig schon mal in der Hand hatte, Kulturerbe, bitte zu Freitag übersetzen. Es ist Mittwoch. Ich liege im Bett mit eitriger, spastischer Bronchitis oder etwas in der Preislage und würde eigentlich absagen, allein schon, weil es zu viel Heu für zu wenig Tage ist. Warum können sie Leute nicht langfristig planen? Dann kommt der Süßdusche zweiter Teil: Es werden tolle Projekte in Aussicht gestellt, wird immer wieder daran erinnert, was doch für schöne Aufträge man in der Vergangenheit bereits gemeinsam gestemmt habe; der Honig, der mir ums Maul geschmiert werden soll, trieft sehr.Die Hustenantwort lässt nicht lange auf sich warten. Aber weder diese unüberhörbaren Einwände noch den Verweis auf die Menge lässt mein Gegenüber gelten. Eine Kollegin flüstert mir zu, dass Teile des Kulturerbetextes bereits übersetzt seien, das Schulamt soundso hätte sie. Ich könne das dochmal überprüfen, vielleicht sei es gar nicht so viel, und mit meinen Fähigkeiten zur Angleichung von Texten merke man am Ende keine Nahtstellen. Ich bin irritert. Wie, meine eigene Kollegin bearbeitet mich im Sinne dieses Kunden? Ich werde schwach, erwäge kurz die Aufgabe, die Argumente beginnen zu wirken. Ich sage immerhin Prüfung dieser Dokumente zu und meinen Rückruf binnen zweier Stunden. Ich liege im Bett, ich bin schweißgebadet und muss jetzt aufstehen, ein Albtraum.
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Foto: C.E. (Archiv)
Dienstag, 17. Januar 2012
Dokumente übersetzen
Willkommen auf dem Blog aus der Dolmetscherkabine für die französische Sprache. Sie befinden sich in Berlin und teilen gerade mit uns eine knapp zwei Quadratmeter kleine, schallisolierte Kabine. Oder aber wir sitzen im Büro oder dem hauseigenen Arbeitszimmer und übersetzen. Manchmal müssen wir aber auch nachrechnen bei dem, was wir tun. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.
Zeugnisse und Dokumente übersetzen wir gelegentlich noch, aber immer seltener. Denn derlei ist, würde meine westfälische Oma sagen, viel "Kleinknüselkram", und erfordert 180-prozentige Wachsamkeit, wenn wir immer wieder alle Namen, Adressen, Daten akribisch genau vergleichen müssen, denn am Ende werden die Dokumente meist gestempelt und sind fortan offizielle Papiere.
Der 180-prozentigen Wachsamkeit steht, auf den Stundenlohn bezogen, nur 30 bis 40.% Honoar dafür gegenüber, was unser Zeitinvestment wert ist.
Ein Beispiel: Neulich hatte ich eine sehr kurze Geburtsurkunde in der Mache, da aber die Aufdrucke des Briefpapiers inklusive Fußnoten und Adresszeilen wiedergeben müssen, war ich für den Grundpreis von 40.€ (bei einer geringen Zeilanzahl) trotzdem über eine Stunde lang beschäftigt, denn zum Übersetzen und Stempeln (das die Kollegin übernimmt) gehört ja auch noch eine Termin-vereinbarung mit dem Kunden, der möglicherweise zu spät oder auch gar nicht kommt ... alles schon gehabt.
Zum Glück waren es einige Dokumente mehr, drei übersichtliche Schulzeugnisse für insgesamt 75 € und eine Arbeitgeberbescheinigung für 45 €. Der Gedanke, dass unsereiner irgendwann alles schon mal auf dem Schreibtisch hatte, stellt sich irgendwann ein, und so war auch ich auf den Gedanken verfallen, dass die alten Texte vielleicht als Vorlagen für die neuen taugen könnten. Aber dem ist leider in den seltensten Fällen so. Die Bandbreite dessen, wie die grundlegenden Momente des Lebens in amtliche Dokumenten Niederschlag finden können, ist immens.
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Foto: C.E. (Archiv)
Zeugnisse und Dokumente übersetzen wir gelegentlich noch, aber immer seltener. Denn derlei ist, würde meine westfälische Oma sagen, viel "Kleinknüselkram", und erfordert 180-prozentige Wachsamkeit, wenn wir immer wieder alle Namen, Adressen, Daten akribisch genau vergleichen müssen, denn am Ende werden die Dokumente meist gestempelt und sind fortan offizielle Papiere.
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| Fächerschrank im Arbeitszimmer Closeup hier |
Ein Beispiel: Neulich hatte ich eine sehr kurze Geburtsurkunde in der Mache, da aber die Aufdrucke des Briefpapiers inklusive Fußnoten und Adresszeilen wiedergeben müssen, war ich für den Grundpreis von 40.€ (bei einer geringen Zeilanzahl) trotzdem über eine Stunde lang beschäftigt, denn zum Übersetzen und Stempeln (das die Kollegin übernimmt) gehört ja auch noch eine Termin-vereinbarung mit dem Kunden, der möglicherweise zu spät oder auch gar nicht kommt ... alles schon gehabt.
Zum Glück waren es einige Dokumente mehr, drei übersichtliche Schulzeugnisse für insgesamt 75 € und eine Arbeitgeberbescheinigung für 45 €. Der Gedanke, dass unsereiner irgendwann alles schon mal auf dem Schreibtisch hatte, stellt sich irgendwann ein, und so war auch ich auf den Gedanken verfallen, dass die alten Texte vielleicht als Vorlagen für die neuen taugen könnten. Aber dem ist leider in den seltensten Fällen so. Die Bandbreite dessen, wie die grundlegenden Momente des Lebens in amtliche Dokumenten Niederschlag finden können, ist immens.
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Foto: C.E. (Archiv)
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Alltag,
Arbeitsplätze
Montag, 16. Januar 2012
Vorsätze
Bienvenue auf der Seite des einzigen deutschen Logbuchs aus dem Inneren einer Dolmetschkabine. Hier schreibt eine Französischübersetzerin und -dolmetscherin aus Berlin über Höhen und Tiefen des Berufs ... aber auch über privatere Momente des Alltags.
Das neue Jahr ist noch nicht zu alt für neue Vorsätze. Neulich las ich, man solle seine Pläne, die besonders inflationär ab Neujahr auftreten, knapp und realistisch halten ... und diese publik machen, auf dass es mit der Umsetzung leichter werde.
Also: Im neuen Jahr möchte ich neue Kunden gewinnen, denn einige alte sind perdü. Die einen sind Filmproduzenten aus französischsprachigen Landen, die sonst auf der Suche nach Kofinanzierung bei der DEGETO vorstellig geworden sind, der ARD-eigenen Agentur für große Filmproduktionen. Im Vorfeld von Terminen dort übersetzte ich zehn Bücher im Jahr. Fini erstmal bis 2014, das Geld für die kommenden Jahre wurde vom alten Leitungsteam schon in den letzten Jahren ausgegeben. 2012 stellt die Degeto nur 16 neue Filme her, zumeist mit deutschen Stars. Pechös ... Bleiben die drei, vier Spielfilmdrehbücher, die ich übers Jahr sonst in der Mache habe, unterm Strich ist das aber zu wenig, den Kinoproduktionen fehlt im Vorfeld oft das Geld (währenddessen nicht selten auch).
Das Gros der Press Junkets, so heißen die Pressetermine im Vorfeld von Filmstarts, ist dauerhaft futsch, seit ein Journalist, der so ganz mäßig Französisch kann, das alles aus einer Hand anbietet, Interviews für (digitale) Pressemappen inklusive. Könnte ich auch, den journalistischen Anteil liefern, nur fehlt mir das zentrale Verkaufsargument: Regelmäßig auf einem öffentlich-rechtlichen Sender "Filme der Woche" zu präsentieren. Da ist seine "Dolmetschleistung" offenbar sekundär, und bei bis zu 15 Filmen, die jede Woche neu starten, verstehe ich auch die Verleiher.
Ich will mich hier nicht weiter ärgern, steuere meine journalistischen Texte www.FranzösischerFilm.de bei, einer nichtkommerziellen Seite, und hoffe, dass die Grenzen dessen, was einerseits die Erfüllung offizieller Aufgaben und was andererseits private Vorteilsnahmen sind, für viele eines Tages wieder klarer werden. (Das Thema macht ja derzeit in einem anderen Zusammenhang Schlagzeilen.)
Deshalb werde ich dieses Jahr auch wieder vermehrt selbst schreiben und mein 2. Buch vorbereiten. Dem weltbesten Patensohn möchte ich mindestens eine Stunde die Woche Französischunterricht schenken, außerdem statt nur einmal wirklich endlich zweimal die Woche Sport treiben ... über die tägliche Miniportion Morgengymnastik hinaus.
Ansonsten bin ich gerade verschärft dabei, allerlei Kleidung und Krimskrams auszusortieren und fürs Verschenken über freecycle vorzubereiten. Dieses Verschenknetzwerk werde ich mit einer Kollegin weiterhin moderieren, für mich inzwischen im achten Jahr. Hier simuliert das weltweite Netz mal wieder das Dorf: Dinge, die zuhause oder im Büro nicht mehr gebraucht werden, können über freeycle weiterwandern, so, wie sie anderenorts an Familienmitglieder oder Nachbarn weiterverschenkt werden.
Außerdem wünsche ich uns, dass wir nach der Berlinale wieder alle vier bis sechs Wochen Freunde zum Essen nach Hause einladen, was gute Chancen auf Realisierung hat, denn der private Kochwettbewerb ist noch lange nicht beendet (wenngleich ich den Vorentscheid eindeutig verloren habe).
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Illustration: C.E. (Archiv) und freecylce.org
Das neue Jahr ist noch nicht zu alt für neue Vorsätze. Neulich las ich, man solle seine Pläne, die besonders inflationär ab Neujahr auftreten, knapp und realistisch halten ... und diese publik machen, auf dass es mit der Umsetzung leichter werde.
Also: Im neuen Jahr möchte ich neue Kunden gewinnen, denn einige alte sind perdü. Die einen sind Filmproduzenten aus französischsprachigen Landen, die sonst auf der Suche nach Kofinanzierung bei der DEGETO vorstellig geworden sind, der ARD-eigenen Agentur für große Filmproduktionen. Im Vorfeld von Terminen dort übersetzte ich zehn Bücher im Jahr. Fini erstmal bis 2014, das Geld für die kommenden Jahre wurde vom alten Leitungsteam schon in den letzten Jahren ausgegeben. 2012 stellt die Degeto nur 16 neue Filme her, zumeist mit deutschen Stars. Pechös ... Bleiben die drei, vier Spielfilmdrehbücher, die ich übers Jahr sonst in der Mache habe, unterm Strich ist das aber zu wenig, den Kinoproduktionen fehlt im Vorfeld oft das Geld (währenddessen nicht selten auch).Das Gros der Press Junkets, so heißen die Pressetermine im Vorfeld von Filmstarts, ist dauerhaft futsch, seit ein Journalist, der so ganz mäßig Französisch kann, das alles aus einer Hand anbietet, Interviews für (digitale) Pressemappen inklusive. Könnte ich auch, den journalistischen Anteil liefern, nur fehlt mir das zentrale Verkaufsargument: Regelmäßig auf einem öffentlich-rechtlichen Sender "Filme der Woche" zu präsentieren. Da ist seine "Dolmetschleistung" offenbar sekundär, und bei bis zu 15 Filmen, die jede Woche neu starten, verstehe ich auch die Verleiher.
Ich will mich hier nicht weiter ärgern, steuere meine journalistischen Texte www.FranzösischerFilm.de bei, einer nichtkommerziellen Seite, und hoffe, dass die Grenzen dessen, was einerseits die Erfüllung offizieller Aufgaben und was andererseits private Vorteilsnahmen sind, für viele eines Tages wieder klarer werden. (Das Thema macht ja derzeit in einem anderen Zusammenhang Schlagzeilen.)Deshalb werde ich dieses Jahr auch wieder vermehrt selbst schreiben und mein 2. Buch vorbereiten. Dem weltbesten Patensohn möchte ich mindestens eine Stunde die Woche Französischunterricht schenken, außerdem statt nur einmal wirklich endlich zweimal die Woche Sport treiben ... über die tägliche Miniportion Morgengymnastik hinaus.
Ansonsten bin ich gerade verschärft dabei, allerlei Kleidung und Krimskrams auszusortieren und fürs Verschenken über freecycle vorzubereiten. Dieses Verschenknetzwerk werde ich mit einer Kollegin weiterhin moderieren, für mich inzwischen im achten Jahr. Hier simuliert das weltweite Netz mal wieder das Dorf: Dinge, die zuhause oder im Büro nicht mehr gebraucht werden, können über freeycle weiterwandern, so, wie sie anderenorts an Familienmitglieder oder Nachbarn weiterverschenkt werden.
Außerdem wünsche ich uns, dass wir nach der Berlinale wieder alle vier bis sechs Wochen Freunde zum Essen nach Hause einladen, was gute Chancen auf Realisierung hat, denn der private Kochwettbewerb ist noch lange nicht beendet (wenngleich ich den Vorentscheid eindeutig verloren habe).
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Illustration: C.E. (Archiv) und freecylce.org
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Link der Woche
Sonntag, 15. Januar 2012
U-Galerie
Bei uns um die Ecke haben die Werbetreibenden Mitte Oktober 2008 aufgehört, etliche Werbeflächen zu bekleben, darunter in der U-Bahn, denn der Norden Neuköllns wird offenbar als zu arm eingestuft. Dafür dürfen sich neuerdings immer wieder Künstler in einer Art U-Galerie austoben (nachdem sie ungefragt damit angefangen hatten). Heute eine kleine Serie: Warten auf die U-Bahn.
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Fotos: C.E.
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Fotos: C.E.
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Sonntagsbilder
Samstag, 14. Januar 2012
Literaturübersetzung
Heute mein Link der Woche: Schon zu Jahresanfang erschien in der taz ein Zeitungsartikel über das schwere Los von Literaturübersetzern.
Der Literaturbetrieb kommt ohne sie nicht aus, fast jedes zweite Buch, das in Deutschland veröffentlicht wird, ist eine Übersetzung. Ewiger Zankapfel zwischen
Verlagen und Urhebern von Übersetzungen ist allerdings die angemessene Vergütung der Arbeit. So schätzt Hinrich Schmidt-Henkel, Vorsitzender des Verbands deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V (VdÜ), dass in Deutschland etwa 2.000 Übersetzer von ihrer Arbeit zu leben versuchen — bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz von ca. 20.000 Euro. Vom Umsatz gehen noch die Kosten für die Arbeitsmittel, Versicherungen usw. ab, daraus ergibt sich am Ende das jeweilige Einkommen.
Dabei sind die Honorare in den letzten Jahrzehnten gesunken. Wer in den 1990-er Jahren 35 DM je Seite als Vergütung für seine Übersetzungsleistung erhielt, kann heute nur mit 20 Euro rechnen ... ein deutlicher Kaufkraftverlust.
Das Gesetz sieht seit 2009 vor, Übersetzer bei weiteren Auswertungsarten und hohen Auflagen an den Gewinnen zu beteiligen.
Anzahl und Umfang der Weiterverwertungen nimmt nicht selten zu, von digitalen Büchern über Audiobooks bis hin zu Taschenbuchausgaben oder Verfilmungen ist das Spektrum groß. Doch beklagen die Übersetzer, dass dieser gesetzlichen Änderung nur selten Folge geleistet werde. Die Einführung einer für alle Verlage verbindlichen, gemeinsamen Vergütungsregel scheiterte bislang.
Viele Übersetzer gingen daher einem Zweitberuf nach, um ihren Herzblutberuf des Literaturübersetzers querzufinanzieren, so Taz-Autorin Carla Baum. Russisch-Übersetzer Olaf Kühl ist halbtags Russlandreferent im Berliner Rathaus, auch er mag vom Abenteuer Literaturübersetzung nicht lassen, das er wie folgt beschreibt: "Die erste deutsche Fassung hinzukriegen ist ein gewaltsamer, blutiger Akt. Danach erst kommt der schöne Part, wenn man, befruchtet von einem fremden Stil, kreativ arbeiten kann."
Gleich noch ein Link: Hier Hinrich Schmidt-Henkel mit einem Text über Umberto Eco und das Übersetzen.
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Foto: C.E. (Archiv)
Der Literaturbetrieb kommt ohne sie nicht aus, fast jedes zweite Buch, das in Deutschland veröffentlicht wird, ist eine Übersetzung. Ewiger Zankapfel zwischen
Verlagen und Urhebern von Übersetzungen ist allerdings die angemessene Vergütung der Arbeit. So schätzt Hinrich Schmidt-Henkel, Vorsitzender des Verbands deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V (VdÜ), dass in Deutschland etwa 2.000 Übersetzer von ihrer Arbeit zu leben versuchen — bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz von ca. 20.000 Euro. Vom Umsatz gehen noch die Kosten für die Arbeitsmittel, Versicherungen usw. ab, daraus ergibt sich am Ende das jeweilige Einkommen.
Dabei sind die Honorare in den letzten Jahrzehnten gesunken. Wer in den 1990-er Jahren 35 DM je Seite als Vergütung für seine Übersetzungsleistung erhielt, kann heute nur mit 20 Euro rechnen ... ein deutlicher Kaufkraftverlust.
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| Übersetzen, Korrekturlesen, Verändern, Überarbeiten, ganz gleich, ob ein Drehbuch oder Belletristik übersetzt wird |
Anzahl und Umfang der Weiterverwertungen nimmt nicht selten zu, von digitalen Büchern über Audiobooks bis hin zu Taschenbuchausgaben oder Verfilmungen ist das Spektrum groß. Doch beklagen die Übersetzer, dass dieser gesetzlichen Änderung nur selten Folge geleistet werde. Die Einführung einer für alle Verlage verbindlichen, gemeinsamen Vergütungsregel scheiterte bislang.
Viele Übersetzer gingen daher einem Zweitberuf nach, um ihren Herzblutberuf des Literaturübersetzers querzufinanzieren, so Taz-Autorin Carla Baum. Russisch-Übersetzer Olaf Kühl ist halbtags Russlandreferent im Berliner Rathaus, auch er mag vom Abenteuer Literaturübersetzung nicht lassen, das er wie folgt beschreibt: "Die erste deutsche Fassung hinzukriegen ist ein gewaltsamer, blutiger Akt. Danach erst kommt der schöne Part, wenn man, befruchtet von einem fremden Stil, kreativ arbeiten kann."
Gleich noch ein Link: Hier Hinrich Schmidt-Henkel mit einem Text über Umberto Eco und das Übersetzen.
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Foto: C.E. (Archiv)
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Grundsätzliches,
Link der Woche
Freitag, 13. Januar 2012
Lebenswege, die Erste!
Willkommen auf den Seiten einer Französischdolmetscherin. Ich lebe in Berlin, und bis zum Beginn der hiesigen Filmfestspiele antworte ich an dieser Stelle immer freitags auf Antworten. Heute Annika: "Wie sieht eigentlich so ein Weg zur freiberuflichen Dolmetscherin aus? Kannst Du vielleicht mal ein bisschen über Deinen Werdegang bloggen? Und ist es am Anfang unumgänglich, dass man quasi auch kleinere Jobs für solche Übersetzungsportale wie Textking etc. mit annimmt? Oder gibt es auch andere Berufseinstiege?"
Liebe Annika, hier der erste Versuch einer Antwort. Die Frage ist komplex. Ich hoffe, Dir ein paar sinnvolle Hinweise geben zu können ... In acht Tagen folgt der 2. Teil.
Schon als Teenager wollte ich eines Tages fließend und akzentfrei Französisch sprechen. Meine Familie ist über Generationen mit Frankreich verbunden, ich konnte mich bei diesem Ziel der Unterstützung durch die Eltern sicher sein. Wichtig war für mich also schon in der Schule, gute Lehrer zu finden. So wechselte ich z.B. nach der 11. Klasse auf eine (viersemestrige) Oberstufe in eine Klasse, die Französisch als erste Fremdsprache hatte, nachdem ich diese Sprache auf einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium als zweite Fremdsprache (und über Jahre mit weniger Stunden) gelernt hatte.
Damit hatte ich mein Ziel klar im Blick, auch, wenn meine Schulnoten erstmal schlechter wurden. Den Schulwechsel erleichtert haben mir Feriensprachkurse an einer französischen Universität, zu denen ich als Teenager in den Sommerferien fuhr. Ich war in der Schule kein Streber, sicher in allen geisteswissenschaftlichen Fächern überdurchschnittlich, aber phasenweise auch faul und ich pflegte meine unglückliche Liebe zur Mathematik und derlei. (Die Schulwahl hatte sich zunächst daraus ergeben, dass besagtes Gymnasium damals das einzige vor Ort war. Zur neuen Schule fuhr ich mit der Eisenbahn in die übernächste Kreisstadt.)
Ich habe nach dem Abi in Frankreich studiert, anfangs wieder mit schlechten Noten ... und kann sagen, dass mich immer eine Mischung aus Dickköpfigkeit, Fleiß, System und Zielstrebigkeit vorangebracht hat. Fleiß: Ich besitze noch heute die Schuhkartons voller Vokabelkarteien. System: Früh habe ich bewusst alle Sinne zum Lernen verwendet, seit ich 14 wurde, lief in meinem Zimmer die ganze Zeit "France Culture", was ich in Schwaben an der Grenze zu Frankreich sogar (nur leicht verrauscht) im "UKW-Band" hören konnte. Das ist heute mit dem Internet viel leichter und viel schwerer zugleich. Es gibt mehr Auswahl und dadurch auch mehr Zerstreuungsmöglichkeiten.
Parallel zum Fachstudium (Französische Literatur und vergleichende Landeskunde, Kultur- und Politikwissenschaft) machte ich meine ersten Berufserfahrungen als Assistentin, Sprecherin, Reporterin ... anfangs oft als Praktikantin. So rutschte ich in mein erstes Berufsleben rein. Als im ersten Job, ich war Fernsehredakteurin, die Unzufriedenheit wuchs, studierte ich weiter, inzwischen in Berlin: Interkulturelle Fachkommunikation.
Rückblickend sieht das geradlinig aus, denn schon mit 21 Jahren habe ich an der Pariser IHK das Diplom zur Fachübesetzerin für Wirtschaft und Handel abgelegt (das es heute leider nicht mehr gibt, es war die gemeinsame Übersetzerprüfung der Handelskammern von Paris und Düsseldorf).
Für angehende Dolmetscher ist eine grundlegende Eigenschaft sicher ebenso wichtig wie für künftige Journalisten: Das Interesse an der Welt. Ich bin offen, neugierig, gehe auch auf Berühmtheiten locker mit Fragen zu, hake nach, frage nach Vokabeln, wenn sich mir etwas entzieht. Ich lerne täglich. Ich habe die wirtschaftliche Sicherheit der Redaktion gegen eine manchmal etwas bedrohliche Freiheit ausgetauscht. Jene, mit denen ich einst zeitgleich ins Berufsleben startete, haben mich teilweise (mitunter mit unlauteren Mitteln) überholt. Anstatt mich zu sehr zu ärgern, arbeite ich mit viel Hingabe auch weiter für kreative Projekte und mit den Menschen, die wirklich wichtig sind, selbst dann, wenn am Ende das Geld mitunter nicht stimmt.
Kurz: Unerschütterlicher Optimismus ist für uns Freiberufler wichtig. Nur an der Geduld arbeite ich noch.... und daran, den Verwaltungsaufwand kleiner zu halten, aber das hängt ja leider nicht von mir ab, denn es gibt da stets viele Regeln und Gesetze zu beachten. Dieser letzte Punkt wäre für mich am ehesten ein Ausstiegsgrund. Noch einen zweite sehe ich: in den letzten Jahren scheint Qualität weniger zu zählen. Da finden immer mehr Diskussionen auf simplified facebook english statt und nicht nur die Englisch-Mutterspracher sind verärgert; da nölen Leute ohne Sprechausbildung und zum Teil ohne kulturelles Fundament in den Medien rum oder nahezu Wildfremde fragen uns mit Sätzen an wie: "Wir haben vergessen, die Kosten für Ihre Arbeit zu kalkulieren, können Sie uns einen Freundschaftspreis machen?" ... und zahlen dann erst nach der 3. Mahnung. (Das könnte mich am Ende vielleicht doch in eine Festanstellung treiben, die dann aber wohl weniger von Kultur geprägt ist.)
Résumé: Wem als Schüler also das Ziel wichtiger ist als der Numerus Clausus, wer in den Ferien und im Studium Sprache lieber im Ausland einatmet, als sie zu Hause zu pauken, wer mit Energie, Aufopferungsbereitschaft, Optimismus und Leidensfähigkeit ausgestattet ist, darf eventuell mit einer Sprachmittlertätigkeit mit kulturellem, sozialem und politischem Schwerpunkt liebäugeln. Grundsätzlich gilt, ein Fachstudium auszusuchen, mit/von dem sich ansonsten auch leben ließe. Ich empfehle viel Sorgfalt bei der Auswahl des Studiums und Berufs in dem Sinne, dass wir Menschen ja mehr Zeit mit dem Broterwerb zubringen als mit dem/der Liebsten ...
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Fotos: CE und privat (Archiv)
Liebe Annika, hier der erste Versuch einer Antwort. Die Frage ist komplex. Ich hoffe, Dir ein paar sinnvolle Hinweise geben zu können ... In acht Tagen folgt der 2. Teil.
| Arbeitsort Dolmetscherkabine für die Grundlagen |
Damit hatte ich mein Ziel klar im Blick, auch, wenn meine Schulnoten erstmal schlechter wurden. Den Schulwechsel erleichtert haben mir Feriensprachkurse an einer französischen Universität, zu denen ich als Teenager in den Sommerferien fuhr. Ich war in der Schule kein Streber, sicher in allen geisteswissenschaftlichen Fächern überdurchschnittlich, aber phasenweise auch faul und ich pflegte meine unglückliche Liebe zur Mathematik und derlei. (Die Schulwahl hatte sich zunächst daraus ergeben, dass besagtes Gymnasium damals das einzige vor Ort war. Zur neuen Schule fuhr ich mit der Eisenbahn in die übernächste Kreisstadt.)
Ich habe nach dem Abi in Frankreich studiert, anfangs wieder mit schlechten Noten ... und kann sagen, dass mich immer eine Mischung aus Dickköpfigkeit, Fleiß, System und Zielstrebigkeit vorangebracht hat. Fleiß: Ich besitze noch heute die Schuhkartons voller Vokabelkarteien. System: Früh habe ich bewusst alle Sinne zum Lernen verwendet, seit ich 14 wurde, lief in meinem Zimmer die ganze Zeit "France Culture", was ich in Schwaben an der Grenze zu Frankreich sogar (nur leicht verrauscht) im "UKW-Band" hören konnte. Das ist heute mit dem Internet viel leichter und viel schwerer zugleich. Es gibt mehr Auswahl und dadurch auch mehr Zerstreuungsmöglichkeiten.
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| Das Bonbon: Auf der Berlinale |
Rückblickend sieht das geradlinig aus, denn schon mit 21 Jahren habe ich an der Pariser IHK das Diplom zur Fachübesetzerin für Wirtschaft und Handel abgelegt (das es heute leider nicht mehr gibt, es war die gemeinsame Übersetzerprüfung der Handelskammern von Paris und Düsseldorf).
Für angehende Dolmetscher ist eine grundlegende Eigenschaft sicher ebenso wichtig wie für künftige Journalisten: Das Interesse an der Welt. Ich bin offen, neugierig, gehe auch auf Berühmtheiten locker mit Fragen zu, hake nach, frage nach Vokabeln, wenn sich mir etwas entzieht. Ich lerne täglich. Ich habe die wirtschaftliche Sicherheit der Redaktion gegen eine manchmal etwas bedrohliche Freiheit ausgetauscht. Jene, mit denen ich einst zeitgleich ins Berufsleben startete, haben mich teilweise (mitunter mit unlauteren Mitteln) überholt. Anstatt mich zu sehr zu ärgern, arbeite ich mit viel Hingabe auch weiter für kreative Projekte und mit den Menschen, die wirklich wichtig sind, selbst dann, wenn am Ende das Geld mitunter nicht stimmt.
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| Ab und zu TV-Arbeit, hier: Kanzlerinterview für France 2 |
Résumé: Wem als Schüler also das Ziel wichtiger ist als der Numerus Clausus, wer in den Ferien und im Studium Sprache lieber im Ausland einatmet, als sie zu Hause zu pauken, wer mit Energie, Aufopferungsbereitschaft, Optimismus und Leidensfähigkeit ausgestattet ist, darf eventuell mit einer Sprachmittlertätigkeit mit kulturellem, sozialem und politischem Schwerpunkt liebäugeln. Grundsätzlich gilt, ein Fachstudium auszusuchen, mit/von dem sich ansonsten auch leben ließe. Ich empfehle viel Sorgfalt bei der Auswahl des Studiums und Berufs in dem Sinne, dass wir Menschen ja mehr Zeit mit dem Broterwerb zubringen als mit dem/der Liebsten ...
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Fotos: CE und privat (Archiv)
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