Mittwoch, 24. Juni 2026

KI vs. Klima

Bon­jour, ich hei­ße Ca­ro­li­ne Eli­as und bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Seit fast 20 Jah­ren ge­be ich auf die­sem Blog ei­nen Ein­blick in mei­nen Ar­beits­all­tag. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch. Ich dol­met­sche über­wie­gend ins Fran­zö­si­sche und aus dem Eng­li­schen. Au­ßer­dem über­set­ze ich Tex­te. KI-Mitt­woch.

Lex Coors, der Chef der wich­tigs­ten eu­ro­päi­schen Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on für Re­chen­zen­tren, hat der EU na­he­ge­legt, ihre Kli­ma­zie­le her­un­ter­zu­fah­ren, weil sie der Ent­wick­lung der KI im We­ge stün­den.

KI und Ur­he­ber­recht


Über­all wer­den neue Re­chen­zen­tren aus dem Bo­den ge­stampft. Was sich „Künst­li­che In­tel­li­genz“ nennt, kurz KI, wur­de vom Eng­li­schen AI ab­ge­lei­tet, ar­ti­fi­cial in­tel­li­gence, wo­bei das Wort in­tel­li­gence ne­ben Klug­heit auch Da­ten­ver­ar­bei­tung und Spi­o­na­ge be­deu­tet. 

Gehirn mit Hitze, Ideen, Wasser
Her­aus­for­dernd!
Es ist vor al­lem ei­ne rie­si­ge Men­ge ge­kop­pel­ter Rech­ner, die Un­men­gen auch ge­stoh­le­ner Da­ten ver­ar­bei­ten.

Wenn ich als Blog­ge­rin frem­de Fotos nut­zen würde, hät­te ich rasch eine Ab­mah­nung auf dem Tisch, Stich­wort: Ur­he­ber­recht. Gleich­zei­tig wer­den im gro­ßen Maß­stab di­gi­ta­le In­hal­te aus öf­fent­lich zu­gäng­li­chen oder li­zen­zier­ten Quel­len für das Trai­ning von KI-Sys­te­men ver­wen­det, ohne dass da­für in je­dem Fall in­di­vi­du­el­le Ver­gü­tungs­mo­del­le be­ste­hen, eine po­li­tisch und recht­lich un­ge­klärte Schief­la­ge.

KI als Um­satz­dieb

Noch eine Schief­la­ge: Als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin ver­lie­re ich seit etwa zwei Jah­ren spür­bar Um­satz durch KI-ge­stütz­te Sprach­sys­te­me. Die Tech­no­lo­gie kann zwar nicht dol­met­schen, sie si­mu­liert un­se­re Ar­beit nur, lässt viel weg, er­fin­det Neu­es hin­zu, hat aber gut fi­nan­zier­te Mar­ke­ting­fir­men. Bis alle mei­ne Kun­den ein­, zwei­, drei­mal auf die Nase ge­flo­gen sind, wird es dau­ern.

Wie mir, nur schlim­mer, geht es Bü­ro­men­schen, die di­gi­ta­li­sier­ba­re Rou­ti­ne­ar­beit leis­ten. Die Staa­ten ver­lie­ren Steu­er­ein­nah­men, müs­sen mehr Men­schen in der Zeit be­ruf­li­cher Neu­ori­en­tie­rung oder vor der Rente ali­men­tie­ren. Rente ist das Stichwort: Die­ser Ta­ge ver­han­delt die deut­sche Re­gie­rung über ei­ne Ren­ten­re­form, ohne dass die­se The­men auch nur an­satz­wei­se an­ge­spro­chen wür­den. In we­ni­gen Jah­ren dürf­te die Re­form schon Ma­ku­la­tur sein.

KI als Ver­stär­ker der Kri­se(n) 

Als wür­de das nicht rei­chen, muss nicht nur Deutschland künf­tig viel mehr Geld in die Kli­ma­fol­gen­an­pas­sung und den Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­enn (EE) in­ves­tie­ren, wäh­rend der Kontinent An­fang Ju­ni zum zwei­ten Mal die­ses Jah­res un­ter einer Hit­ze­glo­cke fest­steckt, die sämt­li­che Re­kor­de bricht.

Zu­gleich wird das Was­ser knapp. Laut den Ver­ein­ten Na­tio­nen könnte der KI-be­ding­te Was­ser­ver­brauch bis En­de des Jahr­zehnts dem Jah­res­be­darf von 1,3 Mil­li­ar­den Men­schen ent­spre­chen. Al­lein Google ver­brauch­te 2023 mehr als 19 Mil­li­ar­den Li­ter Was­ser in sei­nen Re­chen­zen­tren.

Da­bei wer­den die Kos­ten ver­teilt, die Ge­win­ne kon­zen­triert.

KI und Lobby­ar­beit

Genau jetzt ma­cht Lob­by­is­t Lex Coors Druck und sa­gt, dass mo­men­tan nur CO₂-emit­tie­ren­de Gas­kraft­wer­ke zu­ver­läs­sig ge­nug sei­en, um die KI-Zie­le der EU um­zu­set­zen. Die EE und Spei­cher, im öf­fent­li­chen Dis­kurs lei­der auch Atom­kraft, ge­kop­pelt mit leis­tungs­star­ken Strom­net­zen, rei­chten für den ge­plan­ten (und noch nicht fi­nan­zier­ten) Auf­wuchs der Tech­nik nicht aus.

Soll­te Eu­ro­pa nicht eins, zwei, fix die be­ste­hen­den Re­gu­lie­run­gen ent­schär­fen, wür­den wir kom­plett in die Ab­hän­gig­keit von Chi­na (oder den USA) ge­ra­ten. So ar­gu­men­tiert Coors, der Prä­si­dent der Eu­ro­pean Da­ta Centre As­so­cia­ti­on, eines Lob­by­is­ten­ver­eins im Auf­trag der GAFAM, so nen­nen die Fran­zo­sen die "Big Five", ein Akro­nym aus den Ini­tia­len von Google, Apple, Face­book, Ama­zon und Micro­soft.

KI und Eu­ro­pa

Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on plant laut Ak­ti­ons­plan „AI Con­ti­nent“, die Ka­pa­zi­tät der Re­chen­zen­tren auf dem Kon­ti­nent zu ver­drei­fa­chen, al­ler­dings bis 2032. Coors er­klär­te, dass der Aus­bau der EE zu lang­sam ge­sche­he. Das Wachs­tum der KI-Bran­che sei wich­ti­ger als Um­welt- und Kli­ma­zie­le.

Auf Fran­zö­sisch hier zu Coors: Re­por­ter­re, die nach­hal­ti­ge Nach­rich­ten­agen­tur Frank­reichs.

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Gra­fik: pixrl.com (Zu­falls­fund)

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