Bonjour, ich heiße Caroline Elias und bin Konferenzdolmetscherin. Seit fast 20 Jahren gebe ich auf diesem Blog einen Einblick in meinen Arbeitsalltag. Meine Muttersprache ist Deutsch. Ich dolmetsche überwiegend ins Französische und aus dem Englischen. Außerdem übersetze ich Texte. KI-Mittwoch.
Lex Coors, der Chef der wichtigsten europäischen Lobbyorganisation für Rechenzentren, hat der EU nahegelegt, ihre Klimaziele herunterzufahren, weil sie der Entwicklung der KI im Wege stünden.
KI und Urheberrecht
Überall werden neue Rechenzentren aus dem Boden gestampft. Was
sich „Künstliche Intelligenz“ nennt, kurz KI, wurde vom
Englischen AI abgeleitet, artificial intelligence, wobei das Wort intelligence
neben Klugheit auch Datenverarbeitung und Spionage
bedeutet.
Es ist vor allem eine riesige Menge gekoppelter
Rechner, die Unmengen auch gestohlener Daten verarbeiten.
Herausfordernd!
Wenn ich als Bloggerin fremde Fotos nutzen würde, hätte ich rasch eine Abmahnung auf dem Tisch, Stichwort: Urheberrecht. Gleichzeitig werden im großen Maßstab digitale Inhalte aus öffentlich zugänglichen oder lizenzierten Quellen für das Training von KI-Systemen verwendet, ohne dass dafür in jedem Fall individuelle Vergütungsmodelle bestehen, eine politisch und rechtlich ungeklärte Schieflage.
KI als Umsatzdieb
Noch eine Schieflage: Als Konferenzdolmetscherin verliere ich seit etwa zwei Jahren spürbar Umsatz durch KI-gestützte Sprachsysteme. Die Technologie kann zwar nicht dolmetschen, sie simuliert unsere Arbeit nur, lässt viel weg, erfindet Neues hinzu, hat aber gut finanzierte Marketingfirmen. Bis alle meine Kunden ein, zwei, dreimal auf die Nase geflogen sind, wird es dauern.
Wie mir, nur schlimmer, geht es Büromenschen, die digitalisierbare Routinearbeit leisten. Die Staaten verlieren Steuereinnahmen, müssen mehr Menschen in der Zeit beruflicher Neuorientierung oder vor der Rente alimentieren. Rente ist das Stichwort: Dieser Tage verhandelt die deutsche Regierung über eine Rentenreform, ohne dass diese Themen auch nur ansatzweise angesprochen würden. In wenigen Jahren dürfte die Reform schon Makulatur sein.
KI als Verstärker der Krise(n)
Als würde das nicht reichen, muss nicht nur Deutschland künftig viel mehr Geld in die Klimafolgenanpassung und den Ausbau der erneuerbaren Energienn (EE) investieren, während der Kontinent Anfang Juni zum zweiten Mal dieses Jahres unter einer Hitzeglocke feststeckt, die sämtliche Rekorde bricht.
Zugleich wird das Wasser knapp. Laut den Vereinten Nationen könnte der KI-bedingte Wasserverbrauch bis Ende des Jahrzehnts dem Jahresbedarf von 1,3 Milliarden Menschen entsprechen. Allein Google verbrauchte 2023 mehr als 19 Milliarden Liter Wasser in seinen Rechenzentren.Dabei werden die Kosten verteilt, die Gewinne konzentriert.
KI und Lobbyarbeit
Genau jetzt macht Lobbyist Lex Coors Druck und sagt, dass momentan nur CO₂-emittierende Gaskraftwerke zuverlässig genug seien, um die KI-Ziele der EU umzusetzen. Die EE und Speicher, im öffentlichen Diskurs leider auch Atomkraft, gekoppelt mit leistungsstarken Stromnetzen, reichten für den geplanten (und noch nicht finanzierten) Aufwuchs der Technik nicht aus.
Sollte Europa nicht eins, zwei, fix die bestehenden Regulierungen entschärfen, würden wir komplett in die Abhängigkeit von China (oder den USA) geraten. So argumentiert Coors, der Präsident der European Data Centre Association, eines Lobbyistenvereins im Auftrag der GAFAM, so nennen die Franzosen die "Big Five", ein Akronym aus den Initialen von Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft.
KI und Europa
Die Europäische Kommission plant laut Aktionsplan „AI Continent“, die Kapazität der Rechenzentren auf dem Kontinent zu verdreifachen, allerdings bis 2032. Coors erklärte, dass der Ausbau der EE zu langsam geschehe. Das Wachstum der KI-Branche sei wichtiger als Umwelt- und Klimaziele.
Auf Französisch hier zu Coors: Reporterre, die nachhaltige Nachrichtenagentur Frankreichs.
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Grafik: pixrl.com (Zufallsfund)
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