Dienstag, 30. Juni 2026

Die Brückenbauer-Falle

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin für die fran­zö­si­sche Spra­che (Mut­ter­spra­che DE) fin­den Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ich ar­bei­te in Ber­lin, Pa­ris, Stutt­gart und dort, wo Sie mich brau­chen! Es ist ak­tuell schwie­rig zu er­klä­ren, was Qua­li­tät ist.

Wäh­rend in Deutsch­land die In­fra­struk­tur zer­brö­selt, Brü­cken und öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel ge­sperrt wer­den, nicht erst seit der Hit­ze, kom­men aus­län­di­sche Ver­la­ge auf Men­schen zu und er­nen­nen die­se zu Brü­cken­bau­ern. 

read books not memes
Bü­cher­wer­bung!

Ob­acht, hier droht eine Bau­ern­fän­ger­fal­le!

Es ist lei­der eine be­kann­te Ent­wick­lung un­se­rer Zeit, dass echte Qua­li­tät im All­tag im­mer sel­te­ner wird. Ich schlage ei­ne Zei­tung auf und stol­pere über un­zäh­li­ge Tipp­feh­ler. Das TV-Pro­gramm strotzt vor holp­ri­gen Schnit­ten, auch auf Pay-Sen­dern schmerz­haf­te Un­ter­ti­tel. Al­so weg mit dem Abo der nord­ame­ri­ka­ni­schen Film­kra­ke.

Le­sen ist toll. Ich lie­be Bü­cher. 

Da fühlt es sich erst­mal gut an, wenn plötz­lich je­mand per E-Mail nach der ei­ge­nen qua­li­fi­zier­ten Mei­nung fragt. Es geht um ein ver­meint­lich hoch­karä­ti­ges Buch­pro­jekt zur deutsch-fran­zö­si­schen Zu­sam­men­ar­beit.

Und, ta­daaaa: ich soll hier ei­nen ex­klu­si­ven Platz für ei­nen Text samt Kurz­bio­gra­fie und Foto er­hal­ten. Oha.

Als Krö­nung ver­spre­chen die Ab­sen­der ein of­fi­zi­el­les Zer­ti­fi­kat als „Bridge Bu­il­der be­twe­en na­ti­ons“. So ein Quatsch! Wollt Ihr mich be­lei­di­gen? Von Kos­ten ist üb­ri­gens nicht die Re­de. Nun, ich hab schon Pfer­de kot­zen ge­se­hen, und war an Tre­sen von Apo­the­ken.

Kurz ge­prüft, fix als War­nung wei­ter­ge­lei­tet, rasch ge­löscht: Das Ganze ist Phi­shing. Es gibt so­gar ei­nen Be­griff da­für, die Va­ni­ty-Pu­blis­hing-Fal­le. Hin­ter kryp­ti­schen Web­adres­sen wie bi­la­te­ral­nav­in­sights.pro ste­cken kei­ne re­nom­mier­ten Kul­tur­ver­la­ge, son­dern bes­tens or­ga­ni­sier­te Spam-Netz­wer­ke.

Die Ma­sche setzt be­wusst auf Schmeiche­lei, um ein ge­kränk­tes Be­dürf­nis nach Wert­schät­zung aus­zu­nut­zen. So­bald der an­ge­for­der­te Text ein­ge­reicht ist, schnappt die Kos­ten­fal­le zu. Dann wer­den, in Fo­ren ge­fun­de­nen Bei­spie­len zu­fol­ge, ho­he Ge­büh­ren für Kor­rek­to­rat, Druck und Ver­sand fäl­lig. Noch bes­ser: Die Tä­ter be­kom­men au­ßer­dem auch noch wert­vol­le per­sön­li­che Da­ten für spä­te­ren Iden­ti­täts­dieb­stahl.

Ein ge­druck­tes Buch, soll­te es denn über­haupt pro­du­ziert wer­den, dient hier le­dig­lich als se­ri­ö­se Fas­sa­de für eine mie­se Ab­zocke. Sol­che Bü­cher braucht kein Mensch. Wir brau­chen Kon­sul­ta­tio­nen an an­de­rer Stel­le!

Sol­che Mails bit­te mel­den an:
phi­shing(at)ver­brau­cher­zen­tra­le.nrw
tro­ja­ner(at)po­li­zei­la­bor.de

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Gra­fik: pixlr. (Zu­falls­fund)

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