Mittwoch, 29. Juli 2026

Die große Illusion (2)

Bon­jour & hel­lo! Hier er­hal­ten Sie Ein­blick in mei­nen All­tag aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Der KI-Mitt­woch ist heu­te kurz.

Das schlimms­te Vi­deo, das ich die­ser Tage ge­se­hen habe, war ein hu­ma­noi­der Ro­bo­ter, der ein Klein­kind be­treut, mit ihm mit Bau­klöt­zen spielt, ihm ein Ge­schenk bringt. Das Kind strahlt — und schaut in ei­ne ab­ge­run­de­te Me­tall­plat­te in Ge­sichts­form.

Frau im Nebel
Pers­pek­ti­ven im Ne­bel
Falls hier je­mand die Fall­hö­he nicht ver­stehen sollte: Wir Le­be­we­sen ler­nen durch Ge­füh­le, durch Kör­per- und Haut­kon­takt, durch Nach- und Mit­ma­chen, Üben und Feh­ler und mensch­li­che Rück­mel­dun­gen; das gilt für Klei­ne wie für Gro­ße, auch wenn sich die Lern­ty­pen spä­ter aus­dif­fe­ren­zie­ren.

Die­se Ro­bo­ter, so ist zu hö­ren und zu le­sen, wür­den uns künf­tig die Haus­halts­auf­ga­ben ab­neh­men, aber auch Oma, Baby und den Fa­mi­li­en­hund be­treu­en, wäh­rend wir ... bit­te was? Wir hät­ten dann Zeit, um mehr zu ar­bei­ten. Zu­gleich ra­bu­liert so man­cher der Tech-Gran­den, dass 90 Pro­zent der Ar­beits­plät­ze auf­grund der KI ver­schwin­den wür­den.
Ja, was denn nun?

Vie­le Län­der er­le­ben der­zeit dra­ma­ti­sche Tage: Feu­er gi­gan­ti­schen Aus­ma­ßes ver­zeh­ren Wäl­der und Ort­schaf­ten. Jetzt grei­fen sie nach Groß­städ­ten. Ret­ter ster­ben, Flo­ra und Fau­na wer­den ver­nich­tet. Die Bil­der sind apo­ka­lyp­tisch.

Das Kli­ma­sys­tem, in und von dem wir le­ben, wa­ckelt und bricht vor un­se­ren Au­gen teilweise zu­sam­men. Diese Ka­ta­stro­phen tre­ten frü­her ein, als von der Wis­sen­schaft be­rech­net. Es wä­ren So­fort­maß­nah­men nö­tig, welt­weit, nein: es SIND.

Die Fol­gen des Ver­bren­nens fos­si­ler Stof­fe wur­den schon pa­ral­lel zur In­du­stria­li­sie­rung be­nannt. In den 1840er-Jah­ren grün­de­ten sich in Eng­land er­ste Ver­ei­ne ge­gen den Ruß und die Luft­ver­schmut­zung in In­du­strie­städ­ten wie Man­ches­ter. Und Svan­te Arr­he­nius, ein schwe­di­scher Wis­sen­schaft­ler, leg­te im Jahr 1896 eine Stu­die vor, in der er be­schrieb, dass das Ver­bren­nens fos­si­ler En­er­gie­trä­ger zu ei­ner glo­ba­len Er­wär­mung füh­ren wird (all­er­dings oh­ne die Ge­fah­ren im Blick zu ha­ben).

In den 1970er Jah­ren gab dann die Öl­in­du­strie ei­ge­ne For­schungs­ar­bei­ten in Auf­trag, sie warn­ten ein­deu­tig vor den Ri­si­ken. Die Pro­gno­sen von Ex­xon­Mo­bil aus den Jah­ren 1977 bis 2003 wa­ren, so eine Stu­die von Har­vard, „er­schre­ckend“ ge­nau. Die­se Stu­di­en wan­der­ten in den Gift­schrank, ent­war­nen­de Pa­pers wur­den ver­öf­fent­licht. Die Men­schen wähn­ten sich in Si­cher­heit. Shame on you, Wis­sen­schaft­ler, dass hier nie­mand als whis­tle blo­wer laut wur­de.

Wir ken­nen die­ses Vor­ge­hen von der Ta­bak­in­du­strie. Es hat Jahr­zehn­te ge­braucht, bis die se­ri­ö­sen wis­sen­schaft­li­chen Stim­men sich ge­gen ge­fälsch­te Stu­di­en durch­ge­setzt ha­ben, von de­nen ei­ni­ge so­gar die ge­sund­heit­li­chen Vor­tei­le des Rau­chens rühm­ten.

Und die­ser Tage tau­chen wun­der­ba­re Zi­ta­te der Her­ren der KI im Netz auf: In zehn Jah­ren wer­de Geld prak­tisch kei­ne Be­deu­tung mehr ha­ben, al­les kön­ne es im Über­fluss ge­ben, für jede und je­den, ich pa­ra­phra­sie­re. Ge­sagt hat das ex­akt je­ner, der als Auf­räu­mer des mäch­tigs­ten Prä­si­den­ten in Über­see die Ge­sund­heits- und Not­hil­fen für Kran­ke und Hun­gern­de in ar­men Län­dern, aber auch in ar­men Re­gio­nen des ei­ge­nen Lan­des zer­schla­gen und da­mit schon jetzt für Mil­lio­nen von To­ten ge­sorgt hat. Kei­ne Na­men, ich will nicht den Al­go­rith­mus füt­tern. Wir wis­sen al­le, wer ge­meint ist.

Die­ser Zy­ni­ker hat Blut an den Hän­den. Sei­ne Kon­sor­ten sind nicht bes­ser.

Was das Über­maß an KI im Über­maß braucht: En­er­gie, Was­ser, Flä­che. Al­so al­les, was knapp und teu­er ist und in Zei­ten der Knap­pheit die Bio­di­ver­si­tät be­droht.

Und jetzt habe ich noch nicht von ei­ner kom­plett frei­lau­fen­den KI und Ro­bo­ti­sie­rung von In­du­strie und Wirt­schaft ge­spro­chen. Die Tech-Gran­den träu­men da­von, über­all den Mehr­wert und die Ein­kom­men ab­zu­schöp­fen und am lieb­sten auch noch fort­ge­setzt kaum bis kei­ne Steu­ern zu zah­len.

Je­de(r), der ein we­nig nach­den­ken kann, sieht die Sack­gas­se.

Wir dür­fen nicht auf­ge­ben. Nicht, was das Kli­ma an­geht, die Um­welt­ver­schmut­zung und auch nicht dar­in, eth­i­sche Ge­set­ze zur KI zu for­dern, die Men­schen, ihre bio­lo­gi­schen und öko­no­mi­schen Grund­la­gen schüt­zen und die größ­ten Ver­mö­gen end­lich wie­der an den Aus­ga­ben un­se­rer Ge­sell­schaf­ten zu be­tei­li­gen.


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Fo­to: pixlr.com (Zu­falls­fund)

1 Kommentar:

Vega hat gesagt…

Ciao bella, in Spanien hat der Ministerrat gerade ein Expertengremium für unabhängige Klimaberichte zur Steuerung der Politik angekündigt, ab September sollen die aktiv werden! Mehr bei Euronews!
Grüße, Bine