Zur Arbeit als Konferenzdolmetscherin gehört Zeitungslesen und das Hören und Sehen von Nachrichten, auch in der Freizeit. Der Beruf ist mehr eine Lebensart als ein Nine-to-five-Job.
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| Stillleben in der Küche |
Dabei durfte ich grinsen. Die wunderbare Hamburger Buchhandlung Felix Jud hat, anders als seine Nachbarn, allen voran Nobelmarken, seine Schaufenster nicht mit Holz verrammelt. Dort wurde verstanden, worum es ging: Ein Buchladen ist ein Kulturort, und um mehr Kultur in Form von Bildung ging es bei den Demos. Aber nicht nur in Hamburg, auch anderswo wurden Läden verrammelt.
Hintergrund: Auf den Demonstrationen für mehr Generationen-, Bildungs- und Klimagerechtigkeit seien angeblich ganze Horden marodierender Demonstranten zu erwarten gewesen, so die Warner aus Politik und Medien.
Erstmals gingen auch in Deutschland die Schüler:innen auf die Straße, mit ihnen viele Angehörige. Viele kamen trotz vorheriger Anmeldung nicht, oder sie durften nicht teilnehmen, eben wegen des tagelangen Geraunes über mögliche Ausschreitungen.
Gestern Nachmittag waren die Fragen mancher Moderator:innen diverser Sender prompt recht irre. Sie thematisierten schon bei Demostart kaum die Anlässe, dafür Frage wie, ob denn auch Randalierer und Vermummte dabei wären und ob es bereits Vorfälle gegeben habe. Dann wurde die Explosion von Krachern vermeldet. Diese Kracher gelten als so gefährlich, dass sie im Volksmund nicht zufällig auch ‚Nonnenfürze‘ heißen.
Auf der Onlineseite eines bekannten Boulevardblattes waren parallel Berliner Edelboutiquen zu sehen, in deren Schaufenstern zur Abwechslung einmal keine leichtbekleideten Kunststofffiguren für sündhaft Teures warben. Die Läden machten diesmal buchstäblich mit viel ‚Holz vor der Hütte‘ auf sich aufmerksam. Ebenfalls hinter Schutzplatten: Ein Geschäft, das Uhren zu Preisen verkauft, für deren Gegenwert auch nur eines Zeitmessers des oberen Segments eine kleine Familie eine Eigentumswohnung zur Hälfte abbezahlen könnte (bei den aktuell künstlich überteuerten Preisen). [1]
Obacht: Hier ist nicht die Edelfassung der Luxusuhr gemeint, sondern das ganz „normale“ obere Segment. Direkt daneben veröffentlichte das Boulevardblatt die Frage eines Tatort-Schauspielers: „Wozu anderen armen Schweinen die Läden ausräumen?“ Der Beitrag stand mehrere Stunden lang online, bis dann doch jemandem auffiel, dass nicht nur nichts passiert war in Berlin, sondern die Frage eher absurd geklungen hat.
Eigentlich sind das lustige Episoden. In einem früheren Leben war ich Journalistin. Dem Berufsethos der Presse entspricht das alles nicht. Ich schäme mich für diese Leute. Für solche Momente wurde in den Nullerjahren das Wort „fremdschämen“ erfunden. Der Begriff war 2010 sogar das österreichische Wort des Jahres.
Am Abend traten dann wie bestellt zum Beispiel in Frankfurt am Main, von wo mir eine frühere Studentin berichtet hat, die zentral wohnt, nach dem Ende der Demonstration noch andere Leute auf den Plan: Trittbrettfahrer, eine ganz andere Alterskohorte, die anfing zu randalieren und zu plündern. Was für ein Irrsinn. Das ist Wasser auf die Mühlen nicht nur der Extremisten. Die hessische Polizei betonte gestern in ihrem Ticker allerdings explizit, dass es sich um andere Gruppen handele. Auch die „Hessenschau“ beschrieb die Mehrheit der späteren Randalierer auf der Frankfurter Zeil als Menschen, die nicht am Demonstrationszug teilgenommen hatten.
Es ist ein merkwürdiger Mechanismus: Gibt es Krawall, beherrscht er die Schlagzeilen. Gibt es keinen, sind Warnungen das Hauptthema. So wird die mögliche Gewalt zum Ausgangspunkt der Berichterstattung über Demonstrationen, während deren eigentliche Anlässe aus dem Blick geraten.
Themen wie Wohnungsnot, Inflation, Zukunftsängste und soziale Unsicherheit treten in den Hintergrund. Die jungen Menschen kommen am Rande vor und kaum zu Wort. Sie werden zur potenziellen Gefahr erklärt, statt als Menschen mit berechtigten politischen Anliegen benannt zu werden. Aus der Ausübung eines demokratischen Grundrechts wird ein Sicherheitsproblem.
Was bleibt davon bei den Durchschnittszeitungsleserinnen und Nachrichtensehern hängen? Das haben jetzt Frankreich und Deutschland gemein: Die Verengung von Demonstrationen auf einige sehr bedauerliche Gewalttaten (die ich hier keinesfalls bagatellisieren möchte. Mir geht es um Mechanismen).
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| Stiller Kommentar aus Hamburg |
Und ja, es gab am Rand der Demonstrierenden vereinzelt Leute, die auf Kritik gestoßen sind, Trittbrettfahrer wie Leute mit Insignien der Hamas.
Warum kommt bei einer gewissen „Modelinken“ die Aufklärung nicht an? Ich muss immer an diese beiden jungen Damen in der U-Bahn denken, die einander offensichtlich tiefer zugetan waren: regenbogenbunte, frohe Kleidung, Haarmode, Schuhe, das war alles eindeutig. Aber dazu dann einen Pali-Schal um den Hals.
Gerade sie selbst müssten angesichts der menschenfeindlichen Ideologie der Hamas vor Ort um die eigene Freiheit und Sicherheit fürchten. Ich wünsche diesen Menschen von Herzen mehr Bildung!
Und noch ein Fall hat mich diese Woche beschäftigt, die Überschreitung ungeschriebener journalistischer Grenzen durch ein bekanntes Wochenblatt: den Fall der Veröffentlichung interner Notizen einer Politikerin. Das ist nicht die erste Entgleisung dieser Publikation. Wir kündigen das Blatt unter Verweis auf die Berufsethik.
Meine traurige Zusammenfassung der Woche ist ein Zitat des Physikers Brian Cox: „Meine größte Sorge für die Zukunft der Menschheit ist ihre eigene Dummheit.“ (Link)
Fußnote[1] Die Preise sind derzeit spekulativ überteuert, weil wir einen hohen Leerstand haben, der oft durch Vorgänge wie „dritter, vierter oder fünfter Wohnsitz“ kaschiert wird. Grund und Boden bilden im aktuellen System als nicht vermehrbare Grundlagen menschlicher Existenz die absurden Höhen eines Finanzmarkts ab, denen keine realen ökonomischen Werte mehr gegenüberstehen. Hinzu kommt, dass aufgrund der Mietpreisexplosion viele, gerade ältere Menschen, allein in zu großen Wohnungen feststecken, weil sie für den gleichen Preis keine angemessene kleine Wohnung finden, die auch noch barrierefrei wäre. Analog zum medizinischen Begriff sprechen Soziologen über das „Locked-in-Syndrom“ des Wohnungsmarkts.
Und nun noch zur SchönheitDer Winter rückt mit Riesenschritten näher. Bald wird die Natur erstarren, und die Farben werden aus ihr verschwinden wie aus einem verbleichenden Foto. Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Wohnräumen mit kleinen Details Schönheit und Farbtupfer verleihen. Ein wenig die Vasen umgestellt, siehe oben, und ein Stehrümchen für die Trockenblumen gekauft, denn hier kommen Farb- und Formenvielfalt rein. Notiz an mich selbst: Bald alles wegräumen und auch oben auf dem Teeregal mal Staub wischen!
Das Persönliche ist politisch. Wenn wir unsere Batterien nicht regelmäßig aufladen, haben wir nicht die Kraft, für eine bessere Welt zu kämpfen. Und Sport ist wichtig, Bewegung auch!
So, weiter mit den schönen Dingen des Lebens!
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Foto: C.E.