Bonjour oder bonsoir auf den Seiten einer Spracharbeiterin. In diesem digitalen Tagebuch können Sie an einigen Tagen der Woche mitlesen, wie Dolmetscherinnen und Übersetzerinnen, Übersetzer und Dolmetscher arbeiten. Diese Woche war ich unterwegs in einer anderen alten Heimat. Und schon wieder bin ich mit der KI kollidiert.
![]() |
| UTs aus Urheberrechtsgründen unscharf |
Solche Untertitel sind oft falsch oder einfach nur schlecht lesbar oder wörtlich übertragen, sie folgen englischer Grammatik, aber deutsche Wörter werden eingeblendet.
Das ist DEnglish pur.
Kein Wunder, dass die jungen Leute immer häufiger so komisch sprechen, weil das halbe YouTube voll mit derlei ist.
Beispiel: „Ich wurde für das Stipendium abgelehnt.“ Der englische Titel hat wohl gelautet: I was rejected for the grant! Und der Titel müsste eigentlich heißen: „Ich hab' das Stipendium nicht gekriegt.“
![]() |
| Eine Berliner Kinoleinwand |
Ich liebe Filmfestivals. Leider haben die meisten inzwischen die Redaktionsstelle abgeschafft, die eingehende Untertitel gegenliest.
Über das große Untertiteldrama habe ich erst neulich geschrieben: klick!
Sehr gerne dolmetsche ich dort Filme simultan. Das Live-Einsprechen ist inzwischen ein selten gewordener Luxus.
In weniger als einer Woche 15.000 Untertitel einzusprechen ist sportlich. Vor dem Festival mussdarf unserereiner geduldig und mit viel Ausdauer lange am Schreibtisch arbeiten um die Filme in kleinteiliger Arbeit vorzubereiten. Das Festival selbst ist die berühmte Spitze des Eisbergs. Und dort dürfen wir dann was wohl zeigen? Exakt, noch mehr Ausdauer und viel sprachliche Energie, um die Sprachen sauber zu trennen, siehe oben.
______________________________
Fotos: C.E. und privat


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen