Samstag, 17. August 2019

Le waldsterben

Will­kom­men auf den Sei­ten ei­nes vir­­tu­­el­­len Ar­beits­­ta­­ge­buchs aus der Spra­chen­welt. Ich bin Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Samstag kommen meine Links der Woche, dieses Mal nicht wochenaktuell, dafür steht das Thema leider ganz oben auf den Nachrichtenseiten des Sommers.

Baumstumpf, auf dem eine Rose liegt
Trauer über Baumverlust
Ein deutsches Wort meiner Kind­heit hat es leider in an­de­re Sprachen geschafft: the oder le wald­ster­ben. Das soll in Brüssel übrigens auch für den Begriff the/le/der Spit­zen­kan­di­dat gelten, nur die (Nicht)-Spit­zen­kan­di­dat­in ist plötzlich deutsch. Sie lesen meine leise Kritik. Ich bin an der DDR geschult. Nein, das war jetzt keine po­li­ti­sche Äu­ße­rung.

Die taz und Die Zeit haben diesen Som­mer über das alt­neu­e Lei­den der Bäu­me be­rich­tet. Jetzt ist alles online. Aufforstung könnte ein Teil der Lösung der Klima­ka­tas­tro­phe sein. Aber wir müss­ten schnell an­fan­gen und Ab­holzungen politisch ver­hindert werden.

Eine Wald­bi­lanz ziehen Förster, die immer ratloser werden: Die Zeit titelt: "Die Dürre trifft den deutschen Wald im Herzen". "Der Wald stirbt leise" schreibt die taz.

Anderer Link, der ist noch älter: Viele Menschen in Deut­schland sprechen nicht mehr offen. Nur noch 20 Prozent äußern sich einer Allensbach-Studie aus dem letz­ten Mai zufolge frei von der Leber weg. Hier der Niederschlag, den die Studie in der Zeit fand. Ich höre in mei­nem Um­feld immer öfter Ver­gleiche der Stim­mung hierzulande mit jener, die Ende der 80-er Jahre in der DDR geherrscht hat, sowas befinden nicht nur Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker.

Der große Un­ter­schied zu damals: Wir dürfen uns frei äußern, dafür droht hier kein Gefäng­nis. So viele halten op­por­tu­nist­isch mit ihrer Meinung hinter dem Berg, dass es wehtut. Aber mit der freien Meinung ist es exakt so wie mit Muskeln und der Kenntnis frem­der Sprachen: Wenn wir sie nicht nutzen, verschwinden sie.

Wir müs­sen also ler­nen, in der Umwelt­krise den Öko­no­men mit ihren urei­gens­ten Me­tho­den zu be­geg­nen. Nicht nur Schü­ler können rechnen. Die Kosten, die die Kli­ma­ka­tas­tro­phe in einigen Jahren bis Jahrzehnten verursachen wird, wer­den sehr viel höher sein als die Kosten, die heute und morgen aufzu­brin­gen sind, um sie zu |ver­hin­dern| verringern. Sie ist längst da. Es ist hohe Zeit.

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Foto: C.E.

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